Luxemburger Gazette (Dubuque, Iowa)
June 23, 1908

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n Luxemburger Carette.

Organ für die guxemburger der Ber. Staaten.

Ossice: Ecte der 6. und Jowa- Strahe, Dubugue, Jowa.

Corenz Konner, Nikelaus gonner, Gejcha sts sü hrer. Redalteur. r Nur o don Ver ne Lrend Re-- Order oder Bantanweisnng geseade werln übernehmen mwir die Berantworilichteit

Jod Arbeiten Q aller Art werden geschmactvol und anu mzigen Preisen hergestelt Republikanischer Nationalconvent Nominiert Willianm H. Taft zum Präsidentschafts- und Congreßmann I. S. Sherman zum Vize- Präsidentschaits-Candidaten. 2 Chicago, öll., 17. Juni. Der vierzehnte National-Convent der republikanischen Partei ist gestern um 12 Uhr Mittags hier in dem Riesensaal des Coliseums unter ge— waltiger Betheiligung eröffnet worden. 980 Delegaten, Vertreter der republi—- kanischen Partei-Organisation der 46 Staaten, der Territorien und der über— seeischen Besitzung der Ver. Staaten und ihre Stellvertreter, füllten die Plätze der Conventions Theilnehmer. Eine Zuschauermenge von etwa I, 000 Personen wohnte den Verhand— lungen der Eröffnungs-Sitzung bei. Die vordersten Plätze hatten die Staaten inne, die die hauptsächlich sten Candidaten für die Präsident— chafts Nomination stellten, Ohio (Taft) in der Mitte, Pennsylvania (Knox) und New Yort (Hughes) zur Linken, Indiana (Fairbanks) und Wisconsin (La Follette) zur Rechten. Dahinter die anderen Staaten. Vor der Masse der Delegaten erhob sich das Riesen Podium auf dem die temporären Beamten des Republita— nischen National-Comites und etwa 1,800 eingeladene Gäste Platz gefun— den hatten. Da waren die fremden Diplomaten aus Washington erschie nen, unter ihnen der britische Bot schafter Bryce und seine Gemahlin, der französische Botschafter Jusserand und seine Gemahlin und der Chinesi— sche Gesandre Wa Ting Fang. Nicho— las Longworth, der Schwiegersohn des Präsidenten Roosevelt, und seine Gattin, Frau Alice Longworth, bilde— ten den Mittelpunkt einer Gruppe, in der sich die Freunde der Familie Taft befanden. Senatoren und Repräsen— tanten sowie zahlreiche Politiker aller Staaten bildeten den Abschluß. Es war Punkt zwölf Uhr, als Harry S. New, der Vorsitzer des Na— tional-Comites, die Versammlung zur Ordnung rief. Alle Delegaten be— fanden sich auf ihren Plätzen, mit Ausnahme derjenigen von Ohio, die diesen Monat zu -einer Demonstra tion für ihren Candidaten Tast be— nutzen wollten. Unter den Klängen der Musitkt der Convents-Kapelle, mit einem gewaltigen, von Ex-Gouverneur Myron T. Herrick getragenen Banner, das ein Porträt Taft's und die In— schrift „Unser Candidat“ aufwies, zo—- gen sie in den Saal hinein. Die Masse der Delegaten blieb, wenn auch vereinzelte Hochrufe erschollen, kühl bis an's Herz hinan. Das Taft— Banner wurde nicht in dem Saale ge— duldet, sondern mußte in einem Neben— raum geschafft werden. Mit einem kräftigen Hammerschlag eröffnete Vorsitzer New den Convent. Bischof P. I. Muldoon von Chicago, der mit zahlreichen, anderen katholi— schen Geistlichen, darunter auch dem bekannten Pater Kelly, auf dem Podium saß, erhob sich und sprach das Eröffnungsgebet. Dann hielt Vor— siber New eine kurze Eröffnungs-An— sprache, worauf er die Leitung dem temporären Vorsitzer, Senator Julius Caesar Burrows von Michigan abtrat. Senator Burrows, warm empfan—- gen, sprach ziemlich leise und eintönig, weshalb seine Rede keinen sonder— lichen Eindruck machte. Nachdem er etwa sechs Minuten gesprochen hatte, erwähnte er den Convent vor vier Jahren, als Roosevelt nominirt wurde. Sofort erhob sich ein gewaltiger Bei— fallssturm der volle zwei Minuten an— dauerte. In seiner Programm-Rede knüpfte Burrows an die Thätigkeit des letzten Congresses an. Ausführlich werden die überseeischen Besitzungen behandelt und die Kulturarbeit gerühmt, die die Ver. Staaten dort verrichtet haben. Die Gewährung von Subventionen an Dampferlinien wird empfohlen, des— gleichen die Vermehrung der Kriegs— sl-tte. Tarifrevision, eine gesunde Eisenbahnpolitit und Schaffung einer Finanz Gesetzgebung sind weitere Proxramm Punkte. Burrows er— tHärte, daß die Gerichte nicht ihrer con stitutionellen Rechte beraubt werden dürften. Die Programm--Rede klang in eine Lobpreisung Roosevelt's, des Friedens-Präsidenten, aus. Nachdem Senator Burrows seine Rede unter lautem Beifall geschlossen hatte, wurden die Comites für Man— dats-Prüfungen, für Resolutionen, für Geschäftsordnung und für permanente Erster Tag. 5 uno Ki h Ler L nye tirne i Geschäftsführer: Lorenz; Gonner. Redastteur: Rikosaus Gonner. Jahrgangz. Dubnque, Jowa, Dienstag, den 23. Juni 190868 No. 1926 Organisation ernannt. Louisiana ist in den Comites nicht vertreten. Ein Delegat von Pennsylvania, ei ner der Knorx-Managers, stellte einen Antrag, der den Zwect hat, die Vertre— tung der Südstaaten auf dem Natio—- nalconvent entsprechend ihrer Stimm— geberzahl zu beschräntken. Die Comites begannen jenen Nach—- mittag gleich nach Schluß der Sitzung ihre Arbeiten. Den Mitgliedern des Comites für Mandatprüfungen wurde nicht einmal gestattet, das Coliseum zu verlassen; sondern das Luncheon wurde ihnen im Comite-Zimmer ser— virt. Dann ging es an die Arbeit. Sehr bald zeigte es, sich, daß die Taft— Leute das Comite völlig controllirten. Das Sub-Comite berieth zwei Stun— den lang hinter verschlossenen Thüren und erstattete um 5 Uhr Bericht an das Mandat-Prüfungs-Comite. In fast allen Fällen wurde zu Gunsten der Taft-Delegaten entschieden. Das Resolutions Comite trat Nachmittags, 4 Uhr, im Annex des Auditorium Hotels zusammen. Sena— tor A. G. Hoptkins von Illinois wurde zum Vorsitzer, Major John E. Lacey von Jowa zum Sekretär erwählt. Ein Dreizehner Subcomite mit Vorsitzer Senator Hopkins an der Spitze wurde erkoren, um die Planken zu diskutiren. In das Comite wurden unter Ande— ren Frant B. Kellogg von Minne— apolis, Senator William Warner von Missouri, Wade H. Ellis von Ohio, Repräsentant Soreno E. Payne von New Hork und Repräsentant Dal— zell von Pennsylvania gewählt. Zu später Stunde vertagte es sich auf den nächsten Morgen ohne ein Ergebniß erzielt zu haben. Der Hauptkampf geht um die Einhaltsbefehls Planke, durch die das Recht der Gerichte, bei Streitigkeiten zwischen Arbeitern und Arbeitgebern letzteren Einhaltsbefehle gegen Boycott und Streiks zu gewäh— ren, beschränkt werden soll. Zweiter Tag. Chicago, 111., 18. Juni. Gestern brachte der 2. Tag der re—- publ. National-Convention die lang— erwartete Roosevelt Demonstration, einen Sturm von Enthusiasmus, wel— cher volle 45 Minuten lang durch die gewaltige Halle des Colliseums brauste. Eine Zeit lang schien es, als ob das Gespenst eines „Stampede“ für Roose— velt's Nomination wirklich aus dem Grabe entstanden sei. Diese uner— wartete Riesen Demonstration war ohne Zweifel das Ereigniß des Tages. Außerdem waren die Verhandlungen am Mittwoch noch bemerkenswerth we— gen der markigen Rede des permanen— ten Vorsitzers der Convention, Sena— tor Henry Cabot Lodge von Massachu— setts. „Der Präsident“, rief Senator Lodge im Verlauf seiner Rede aus, „ist heute der am meisten geschmähte und zugleich der populärste Mann in den Ver. Staaten!“ Das war das langerwartete Signal zum Ausbcuch des zurückgehalt·nen Enthusiasmus. Sofort brachen die Hochrufe auf den Gallerien los, und sie fanden ein Echo unter den Delega— ten, aber was anfangs nur vereinzelte Rufe waren, verschmolz bald zu einer einzigen, immer mehr anschwellenden riesenhatten Demonstration. Die De— legaten und Zuschauer sprangen auf. Viele sticgen auf die Stühle und schwenlten Banner, Flaggen, Taschen— tücher. Zeitungen, Alles, was sie ge— rade in die Hand bekamen. Mitten in dem Tumult fiel die Musiktkavelle mit der betannten volksthümlichen Melodie „There'll be a Hot Time in the Old Town Tonight“ ein, aber die Klänge gingen fast gänzlich verloren in dem ohrenbetäubenden Lärm, wel— chen· die vierzehntausend Kehlen voll— führten. Fünf Minuten waren vergangen, und das Getöse schien sich eher zu ver— stärken als abzunehmen. Der Quästor rückte dem Vorsitzer einen Stuhl hin, und Senator Lodge, wohl einsehend, daß es unmöglich sei, den Sturm zu stillen, setzte sich ruhig hin und war— tete, bis er sich wieder hörbar machen könnte. Zehn Minuten, fünfzehn Minuten. Kein Nachlassen, nicht ein mal eine Pause. Plötzlich erscholl der Ruf: „Four years more!“ Und alle Anwesenden wiederholten im Chor: „Four, four, fjour years morel“ Die Delegaten stampften dazu mit den Füßen auf den Boden. Zwanzig, fünfundzwan— zig Minuten. Jetzt hatten sich fast alle Delegationen der Demonstration angeschlossen. Ganze Delegationen, so die von Texas, Kentucky und Ten— nessee, waren auf die Stühle gesprun— gen und schrieen und gestikulierten wie die Wilden. Ein Delegat hatte seinen Rock ausgezogen und schwenkte ihn wild im Kreise. Nur die Dele— gationen von New York und Ohio blieben ruhig, aber aus dem letzteren Staate schlossen sich sonderbarerweise die Anhänger Forakers, wenige an der Zahl, der Ovation an. Die Demonstration dauerte im gan— zen 45 Minuten. Erst dann gelang es Herrn Lodge, einigermaßen Ruhe zu schaffen. Er machte dabei auch die Bemerkung, daß Jeder, der den Präsi— denten zu einem Candidaten machen wollte, dessen Freund nieht sei. Um 2:41 war es verhältnißmäßig ruhig in der Halle geworden und der Sena—- tor tonnte mit seiner Rede fortfahren, obwohl immer noch einzelne Hochrufe für Roosevelt ertönten. Eine Zeit lang schien es, als ob ein Stampede nicht vermieden werden könne. Aber die Managers sahen es vielleicht lieber, daß der Enthusiasmus sich jetzt Luft machte, als daß er bei der Abstimmung über die Nomination zum Ausbruch käme. Frank H. Hitchcock, der Taft'sche Campagne-Führer, ging mit lächelnder Miene auf und ab und erklärte: „Die Hochrufe, die Herr Roosevelt heute erhält, werden morgen Taft gelten.“ Chicago, 111., 18. Juni. Die Szene, die sich am Mittwoch im Colliseum abspielte, war theilweise eine Wiederholung des Schauspiels der Eröffnungs-Versammlung. Wiederum waren alle Sitze dicht besetzt, und mehr als vierzehntausend Menschen waren anwesend. Das bedeutendste Ereigniß des Ta—- ges, welches für die Entscheidung von größtem Einfluß ist, war die An— nahme des Berichtes des Comites für Beglaubigungsschreiben, wodurch sämmtliche Taft Delegaten zur Con—- vention zugelassen wurden. Wenn noch ein Zweifel über die Stärke herrschen konnte, welche Taft ent— falten würde, so ist dieser durch das Vorgehen des Comites für Beglaubi— gungsschreiben und die Ratifizierung desselben durch die Convbention gege— ben worden. Dadurch wurde die An— zahl der für den Kriegssekretär in— struierten Delegaten auf mehr als siebenhundert erhöht. Vom Comite für Regeln und Ge— schäftsordnung waren zwei Berichte eingelaufen. Der Majoritäts Be— richt erklärte sich gegen die von dem Abgeordneten James F. Burke von Pennsylvania eingereichte Resolution, wodurch die Anzahl der Vertreter aus den Südstaaten vermindert werden sollte. Die Resolution mit 506 gegen 4171 Stimmen wurde abgewiesen. Dritter Tag. Chicago, 111., 19. Juni. Für Präsident der Vereinigten Staaten: William H. Taft von Ohio, nominiert bei der ersten Abstimmung; erhielt 702 Stimmen. Wahl wurde einstimmig gemacht. Dies ist das Resultat des gestrigen dritten Tages der republikanischen Na— tional-Convention von 1908, welcher die Entscheidung brachte. Die Ent— scheidung erfolgte unter Szenen, in denen ähnlich waren, welche sich am zweiten Tage bei der Erwähnung des Namens von Roosevelt abgespielt hat—- ten. Die Nomination kam erst spät am Tage, nach einer achtstündigen, er müdenden Sitzung, die infolge der drückenden Hitze zeitweilig beinahe un— erträglich wurde. Die Szene in dem gewaltigen Amphitheater bei der Nominierung des Präsidentschaftscandidaten war wirk— lich grandios. Die versammelte Men— schenmasse, erregt durch die zahlreichen Reden und unruhig infolge der stun—- denlangen Verhandlungen, wogte hin und her wie ein aufgeregtes Meer, und die Spannung hatte den höchsten Grad erreicht. Die „Lieblingssöhne“ aller Staaten bis auf Knox von Pennsyl— vania und La Follette von Wisconsin waren bereits zur Nomination vorge— schlagen worden, als der Staat Ohio an die Reihe kam. Theodore E. Bur— ton, welcher dazu ausersehen war, die Nomination-rede für Taft zu halten, bestieg die Plattiorm. Das Ende sei— ner Nominations Rede war das Signal zum Ausbruch' des lange zu rückgehaltenen Enthusiasmus für Taft. Die Delegaten von Ohio sprangen von ihren Sitzen, andere Taft-Delegatio— nen solgten, und die Zuschauer auf den Gallerien brachen in wilden Jubel aus. „Tast! Taft!“ ertönte es von allen Ecken und Enden. Ein großes blau— seidenes Banner, welches das Porträt des Kriegssetretärs zeigte, wurde in Prozefsion durch den Gang getragen, und dadurch wurde der Lärm wieder von Frischem erweckt. Die größte Un— ordnung riß ein, die Musikkapelle fing an zu spielen, aber die Klänge der Musik waren nicht zu hören in dem allgemeinen Radan, welcher zwanzig Minuten dauerte. Und kaum war die letzte Rede für den Wiscon— siner Candidaten, Senator Robert M. La Follette, verklungen, als eine neue Demonstcration ausbrach, diesmal offenbar für La Follette. Das Ge— töse war genau so stark wie am vor— hergehenden Tage bei der Demonstra— tion für Roosevelt, und es schien, als ob die Zuschauer auf den Gallerien alle von Wisconsin kämen. Die De— legaten blieben ruhig mit Ausnahme der enthusiasmiedten Wisconsiner, welche auf die Stühle sprangen und einen großaxtigen Radau vollführten. Plötzlich jedoch änderte sich der Gegen—- stand des Enthusiasmus: ein großes Banner mit dem Porträt von Roose—- velt erschien, und der Beifallssturm, welcher schon etwas nachgelassen hatte, brach von Neuem los. Indessen konnte Niemand sagen, wann die Demonstra tion für La Follette aufhörte und wann die für Roosevelt begann. Inmitten dieser grenzenlosen Un— ordnung beschloß Vorhen Lodge ener—- gisch vorzugehen. Er ordnete an, mit der Abstimmung über die Präsident— schafts- Nomination zu beginnen. Wohl noch nie ist versucht worden, eine Abstimmung durchgzusetzen bei derarti— gem Lärm und einer so riesigen Ver— wirrung. Der Sekretär konnte sich nicht hörbar machen. Er ergriff den Megaphen und schrie die Namen der ersten Staaten, Alabama und Arkan— sas, in die Versammlung hinein. Die Vorsitzer der betreffenden Staats— Delegationen antworteten auch, aber sie konnten nicht gehört werden, und so begaben sie sich deun auf die Platt form und schrieen dem Sekretär den Namen ihres Candidaten in die Ohren. Nach und nach jedoch verlor sich der Lärm, die Menge wurde netugierig, welches das Resultat der Abstimmung werden würde. Einige Roosevelt-Fa— natiker hatten gehofft, daß die ersten Staaten beim Namens-Aufruf ein Stampede für den Präsidenten in Szene setzen würden, aber sie täusch—- ten sich; denn die Delegaten blieben bei ihren Instruktionen. Die Spannung stieg von Minute zu Minute. Als New Yort an die Reihe kam, hatte Taft schon 427 Stim— men erhalten. Es waren 491 Stim— men nöthig. Ohio brachte die Anzahl der für Taft abgegebenen Stimmen auf 511, oder 20 mehr als nöthig. Indessen wartete man, bis der Na— mens-Aufruf vollständig war, und erst nachdem Vorsitzer Lodge das Resultat angelkündigt hatte, brach die Begeiste rung von Neuem los. Die Führer der Gegencandidaten vereinigten sich zu einer Ovation für den siegreichen Candidaten, und Gen. Stewart L. Woodford, der Campagneführer von Gouverneur Hughes, stellte den An— trag, die Erwählung einstimmig zu machen. Dieser Antrag wurde von den Campagneführern der anderen Candidaten unterstützt. Dann vertagte sich die Convention und am Freitag beginnen die Abstim— mungen über die Vice-Präsidentschaft. Vierter Tag. Chicago, 111., 20. Juni. Die gestrige Nomination des Can— didaten für das Vice-Präsidentenamt erregte nur geringes Interesse. In einer Abends zuvor in dem Bureau des Hrn. Hitchcock abgehal— tenen Versammlung stellte es sich her— aus, daß Sherman von New Yortk von den meisten Anhängern Taft's mit der Candidatur betraut worden war. Weder Herr Roosevelt noch Herr Taft haben sich bereit finden lassen. in der Angelegenheit Rath zu ertheilen. Die Convention wurde von dem Vorsitzenden Lodge eröffnet. Um 10 Uhr 35 begann der Aufruf der Staa—- tin behufs Nominierung ihres Candi— daten. Delaware überließß es New York, die Nomination zu machen und Timothy Woodruff bestieg die Platt— form und nominierte mit kurzen Worten den Congreßmann Sherman. Senator Lodge nominierte den Gou— verneur Curtis Guild von Massachu— setts und Thomas MeCarter nomi— nierte den Abgeordneten Murphy von New Jersen. Gleich nach Schluß der Nomina— tions-Reden kam es ohne weitere Ver— zögerung zur Abstimmung. Diese ergab schon bei dem ersten Namens— Aufruf ein entscheidendes Resultat, ein Grgebniß, welches noch viel ge— wichtiger und deutlicher war, als das, welches vorgestern für Taft fiel. Denn über hundert Stimmen mehr erhielt der Candidat, welchen der Staat New HYork aufgestellt hatte, der Congreß;-Abgeordnete Sherman. Um 11 Uhr 47 Minuten trat der Senator Lodge nochmals vor und erklärte den 14. National--Convent der republikanischen Partei auf immer vertagt. Nochmals ein brausendes Hurrah— rufen und die riesige Conventions- Halle leerte sich unter den Klängen der Kapelle, welche abwechselnd „America“ und „Star Spangled Banner“ und „Dixie“ spielte. (Spezial-Bericht dieses Blattes.) Die Gehässigkeit der Jowa'er „Standpatter“. Während der republikanischen Na tional-Convention in Chicago hatte Präsident Roosevelt klar zu erkennen gegeben, daß ihm als Candidat für das Amt als Vice-Präsident der Vereinig— ten Staaten der Jowa'er Senator Dolliver oder unser fortschrittlicher Gouverneur A. B. Cummins ange— nehm wären. Die Jowa'er Delegaten in Chicago beriethen sich nun über die Befürwortung einer dieser Beiden und die ewaigen Folgen, die daraus ent stehen würden. Der bittere persön— liche Haß und die Verfolgungssucht der Jowa'er Standpatter gegen Cummins trat nun klar zu Tage. Das Jowa'er Mitglied des republitanischen Natio— nal-Comites, Hr. E. E. Hart telegra—- phierte Hrn. Taft Dolliver's Nomina— tion befördere die „Anarchie“ unter den Jowa'er Republikanern, während fol— gendes Telegramm an Hrn. Roosevelt abging. „Die nachfolgenden Mitglie—- der der Jowa'er Delegation protestiren auf das Entschiedenste gegen die Wahl Senator Dolliver's als Candidat für die Vice-Präsidentschaft“: Geo. D. Perkins, Chairman; Lafayhette Houng, Frant W. Simmons, Hazen I. Sawyer, Horace S. Rand, Fr. W. Ellis, David Brant, Eugene Scheffter, Fames R. Guthrie, Ernest R. Moore, S. Wertheim, Fohn F. Laceyh, Milton A. MeCord, L. N. Hayes, John W. Harvey, Fr. M. Abbott, J. S. Dewell, L. F. Potter. Die „Standpatters“- Gegner hatten nämlich ausgerechnet, daß, wenn Herr Dolliver zum Vice— Präsidenten promovierte, alsdann Cummins Aussichten haben dürfte, dessen Stelle als Senator einzuneh— men, und daß ist's ja eben, was man durchaus nicht haben will. Noch weit gehässiger aber ist die Handlungsweise der „Standpatter“, und viel gemeinschädlicher gegenüber den Interessen des Staates JZowa, in—- dem Sie nicht für Hrn. Cummins als Candidat für die Vice-Präsidentschaft eintraten. Hier war eine Gelegen— heit, den Frieden in den Reihen der Republikaner herzustellen; denn es hätte die „Progressiven“ doch sehr ge— ehrt, wenn Herr Cummins zum Can— didaten für das Amt als Vice-Präsi— dent nominiert worden wäre. Auch wäre dieses eine große Ehre, für den Staat Jowa gewesen ohne Unterschied der Partei. Aber da zeigte sich wieder der unversöhnliche Haß der Jowa'er „Standpatter“·“ Es wurde nämlich, so erfahren wir, darauf aufmerksam gemacht, daß Hr. Taft bei seiner Cor— pulenz vielleicht möglicher Weise unter den Bürden und Aufregungen des Präsidenten-Amtes erliegen möchte, und in dem Falle wäre eine ganz weit entfernte Möglichkeit vorhanden, daß Herr Cummins Präsident würde. Dieser Gedanke war den „Stand— patters“ unerträglich und mit einer wahren Berserker-Wuth stürzten sich dieselben in dem Kampf gegen Cum— mins und so kam es, daß kein Jowa'er zum Candidaten für die Vice-Präsi— dentschaft aufgestellt wurde. Herr Cummins und seine Freunde wie auch alle vernünftigen Jowa'er Stimmgeber haben wohlbegründete Ursache, die „Standvatter“ Gesell— schaft für die größten Feinde unseres Staates zu betrachten; dieselben haben dies in Chicago tlar bewiesen. 7 N. G. Diamantenes Kirchen-Jubiläum. Chicaa o. 111.. 15. Juni. Gestern begann hier eine fünf— tägige Feier zur Erinnerung an den Tag. an dem vor 75 Jahren in Chicago die erste katholische Kirche an Wabash Avenue und Eldridge Place eingeweiht wurde, nämlich die St. Marien Kirche, die jetzt von den Paulisten geleitet wird. Die Feier begann mit einem Ponti fikal-Amte, celebriert vom hochw'sten Erzbischof Quigley. Die Predigt hielt Rev. D. F. Riordan von St. Elisa— beth. Am Montag wurde ein Ponti— fikal-Requiem für die verstorbenen Gemeindemitglieder durch den hoch—- würdigsten Bischof Muldoon gehal— ten. Dienstag Abend findet eine Reunion aller Mitglieder der St. Ma— rien-Gemeinde statt. Am Mittwoch wird der hochw'ste Bischof Henning haus, Apostolischer Vikar von Süd— Shantung, China, pontifiziren. Die Schlußfeier findet am Freitag Abend im Auditorium statt. Ansprachen werden halten, General-Anwalt Bona— parte, Erzbischof Ireland von St. Paul, Prof. Monahan von der Uni— versität Notre Dame, Wm. J. Onahan von Chicago, und Andere. Ueber den Damm getrieben. Des Moines, Ja., 15. Juni. Vier Männer von Des Moines wurden am Samstag Nachmittag in ihrer Launch über den dlnterstate Damm getrieben, als sie infolge des Versagens ihrer Maschine, die Con— trolle über das Boot verloren. Zwei von ihnen Edward Ebersoll und Wil— liam Jennings ertranken. William Ebersoll und Earl Jennings, Brüder der Beiden, die verloren gingen, wur— den von einer Anzahl Bootleute und Fischern unterhalb des Dammes aus dem Wasser gezogen. Ein Neger, Grant Harrison, zeigte sich in helden—- hafter Weise, indem er in den Fluß tauchte und einen der Beiden rettete, gerade als sie zum letzten Male unter— tauchten. Aus der Bundeshauptstadt. Washington, D. C., 15. Funi. Das Staatsamt kündigte heute fol— gende Versetzungen im diplomatischen Dienst an: John F. Garrett, von Maryland, 2. Sekretär der Botschaft in Berlin, nach Rom als 1. Sekretär der Botschaft. R. S. Hitt, von Illinois, Sekretär in Rom, nach Berlin, und Joserph C. Drew, von Massachusetts, 3. Selretär in St. Petersburg, nach Berlin. Um SIO,OOO beraubt. St. Paul, Minn., 14. Juni. H. C. Taylor, ein Kapitalist aus Seattle, Wash.. wurde am Sonntag auf dem Union Bahnhofe zu St. Paul um SIO,OOO in Baargeld und Werthpapieren beraubt. Herr Taylor befindet sich in Begleitung seiner Frau und seiner Tochter auf der Rückreise von Europa nach Seattle. Die Gesell— schaft wollte eben den Schlafwagen der Chicago Northwestern Bahn verlas— sen, als Herr, Taylor in dem engen Gange am Ende der Car von zwei Männern in eine Ecke gedrängt wurde. Einer der Banditen faßte in seine Rocktasche und zog die Brieftasche her—- aus, welche das Geld und die Werth— papiere enthielt. Herr Tanylor rief sofort um Hilfe, aber die Räuber wa— ren schon unter der Menge ver— schwunden. Mehr Delegaten für Bryan, denn nöthig. Lincoln, Nebr., 15. Zuni. Wm. F. Bryan langte gestern von New Hork hier an. In seiner Office wurde betkannt gegeben, daß 597 De— legaten zur demokratischen National— Convention für ihn zu stimmen ver— pflichtet wurden. Dies sind 25 mehr als zu einer Zweidrittel-Mehrheit ge— hören. 1 Botschafter Hill in herzlicher Weise empfangen. Verlin, 14. JZuni. Kaiser Wilhelm hat gestern den neuen Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, Dr. David Fayne Hill, den Nachfolger Charle— magne Towers, in Audienz empfan— gen. Die Audienz fand mehrere Tage früher statt wie Herr Hill er— wartete, aber die Begrüßung des Kaisers war deshalb nicht weniger herzlich. Venezolanische Frechheit. Willemstad, Insel Curacao, 15. Juni. Zwei holländische Schaluppen, die „Marion“ und die „Carmita“. die zwischen Arubä, einer holländischen Insel in der Nähe der Küste von Venezuela und Curacao fuhren, wur— den von einem venezolanischen Küsten— Wachtschiffe durch Schüsse gezwun— gen, anzuhalten und mit nach Coro zu fahren, wo sie zwei Tage festge— halten wurden. Alle Briefe außer— halb der Postsäcke an Bord der Scha—- luppen wurden von den venezolani— schen Behörden zurückgehalten. Hochsluth brachte Perlen. La Crosse, Wis., 14. duni. Das Fallen der Gewässer des Mis— sissippi vom Hochfluth Stadium hat während der letzten Tage viele Perlen an den Ufern zurückgelassen. Bei Prairie du Chien wurden gestern Perlen im Werthe von 85,000 gefun— den. Auch in Genoa, Lasing und Vietoria hat man Perlen gefunden. Die 2 Luxemburger Cazette 2 erscheint jeden Diendtag und kostet unter Vorausbezahlung sür die Ver. ʒ Staaten und Canada: Jährlih. ë?æ 22.00 Halbjährlich 81.00 Nach Europa portofrei (mũssen vor ausbezahlt werden): Jahrlic 8.00 Halbtährlich 1.5 0

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Rede des Herrn B. Hülshoff bei der Schlußfeier der Dubuquer St Marien Hochschule. Hochw. Geistlichkeit! Werthe Damen und Herren! Die freundliche Einladung des hoch würdigen Vater G. W. Heer, einige Worte an Sie zu richten, habe ich mit Dank angenommen. In den rielen Jahren, in welchen sich jetzt das Vergnügen und die Ehre habe, den hochw. Vater Heer zu ten snen, habe ich immer gefunden, daß eine seiner Hauptsorgen diejenige für das Wohl seiner Pfarrschulen war. Seit dem er in den letzteren Jahren zwei sgrößere Wirkungskreise, zuerst in Dyersville und später hier in Dubuque rdielt war es auch noch sein Be sstreben in beiden Plätzen Hoch sch u— shen oder Gewerbeschulen. auf seine katholische Basis gegrün—- det, zu errichten. Wir wir wissen, waren seine Bemühungen in jeder Hin sicht erfolgreich. Vor einigen Jahren kam ein Far smer von Holy Croß, M. MecC., freude strahlenden Antlißes. zu mir und zeigte mir ein Schreiben seines Soh nes, worin ihm derselbe die Mitthei lung machte, daß er das Examen in Des Moines als einer der Besten be—- standen und die Stelle, welche er wünschte, erhalten hätte. Auf meine Frage: „Wo hat Ihr Sohn denn seine Studien gemacht?“ erhielt ich zur Antwrort: „Auf der neuerrichteten Hochschule des Vater Heer in D—- ville.“ Dieser Fall steht nicht vereinzelth— denn mehrere Zöglinge derselben Hoch sschulr haben auf dem Staats-Institut von Ames, Jowa, vorzügliche Examen gemacht und viele Andere haben gute geschäftliche Stellungen in größeren Städten dieses Landes inne. Was in Dyersville der Fall ist, wird auch auf der St. Marien Hochschule der Fall sein, da beide Schulen von den als sPädagogen bestbekannten rit nvrubern geleitet wer—- den. Vor einigen Tagen besuchte ich die hiesige St. Marien Hochschule. Mit Erstaunen .sah ich viele ausgezeichnete Arbeiten der Schüler, besonders vor zügliche Zeichnungen. Außzer allen Handels Wissenschaften, wird auch Schnellschreiben, Shorthand, Telegra phie, Physik. Chemie und Glektrizität gelehrt. Ausgezeichnete Instrumente sind vorhanden und werden jährlich vermehrt. Im Verein mit allen die sen praktischen Wissenschaften wird auch das Studium der englischehn und der deutschen Sprache gründ lich betrieben. Ich bin überzeugt, daß die Zöglinge der St. Marien Hoch schule in geschäftlicher, sowohl wie auch in industrieller Hinsicht mit den Schü lern ähnlicher Anstalten erfolgreich conkurriren können. Wie nützlich eine solche höhere Er ziehung der Real-Wissenschaften ist. können wir täglich sehen. Besonders zeigt uns dieses die Handelsgeschichte der Neuzeit. Ich erlaube mir einige Thatsachen anzuführen; denn That sachen sprechen lauter wie Worte. Wie die Handels Statistiken zeigen, haben Handel und Industrie in den letzten rünfzig Jahren in keinem Lande der Welt einen so ungeheueren Aufschwung genommen wie in Deutschland. Die Engländer, welche den Welthandel früher fast allein inne hatten und welche denselben als ein, ihnen recht mäßzig aukommendes Monopol betrach teten, fanden dieses zu ihrem Scha— den aus. Der Handel England's, wenn man die große Zunahme des Welthandels im Allgemeinern an—- nimmt, ging zurück. England's Verlust war Deutsch land's Gewinn. Obschon der Handel der Ver. Staaten sich auch bedeutend vergrößert hat. wie dieses ja in Folge unseres Bodenreichthums und unserer großen Industrie, verbunden mit dem colossalen Zuwachs der Bevöllkerung., nicht anders sein kann, so svielen wir doch im Welthandel nicht die Nolle, welche wir svielen sollten. Bedenken Sie nur. meine Damen und Herren. der Handel der süd-amerikanischen Re publiken befindet sich fast ganz in den Händen von Deutschland und England. Naturgemäß sollte er doch in unserm Besitz sein. Dasselbe ist fast in allen anderen Welttheilen der Fall. Diese im Vergleich mit allen andern Ländern so großartige Zunahme des deutschken Handels lenkte nun die Auf—- merksamkeit der Regierungen von England, Frankreich und den Ver. Staaten auf sich. Die Berichte der Fachmänner dieser drei Nationen stim— men alle darin überein, daß zwei Thatsachen diese Zunahme des deut schen Handels hauptsächlich bewirkt hätten. Erstens die große Anzahl, der sich im. deutschen Reiche befinden- 8 10 2 Se J 1/

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222 7777 272 21222222222212222111114420412144414/74042000 11 11111 112 1171717171141414144444 2111442 (Fortsetzung.) Henry sprach auch jetzt mit mir nur, wenn die allgemeine Unterhaltung ihm Veranlassung dazu gab, bis er endlich, während er neben dem Tische, auf dem die Erfrischungen standen, ein Licht für mich anzündete, mit leiser Stimme fragte: „Bist du schon jemals von ei— nem Buche so in Spannung versetzt worden, daß du genöthigt wurdest, es zu schlietßzen und eine Weile zu warten, bis du es wieder aufschlugst?“ „Nein“, erwiderte ich, „ich sehe im—- mer nach der letzten Seite.“ „Ich wage nicht, nach meiner letz ten Seite zu sehen“, sagte er und seine Stimme zitterte. In diesem Augen— blicke glaubte ich, ich liebte ihn. Am andern Morgen um sechs Uhr stand ich im Nachtgewande und nur in einen Shawl gehüllt am Fenster mei— nes Schlafzimmers und sah besorgt nach dem Wetter, indem ich den Kopf so weit als möglich hinausstreckte, um seitwärts des Hauses auszuschauen, ob nicht ein ganz kleines Stückchen blauer Himmel hinter der Schicht grau— er, nichts Gutes weissagender Wol—- ken zu entdecken sei. Mein Kopf muß—- te nicht weit genug hinausreichen, oder es war nirgends blauer Himmel zu sehen; aller längere Hinausblicken half nichts, es trug vielmehr nur dazu bei, mich noch mehr zu entmuthigen. Jlch legte mich nochmals nieder und ver— suchte, wieder einzuschlafen. Um sie— ben Uhr kam mein Mädchen und theil— te mir mit, daß zwar der Morgen trü— be sei, daß aber die Wagen doch vor—- fahren würden, und die Damen be— reits aufständen. Im Frühstückzim mer fanden wir uns zusammen, Alle mit schläfrigen, verdrießlichen, übel aussehenden Gesichtern, wie frühgzeiti ges Aufstehen, besonders an einem trü ben Morgen, sie so leicht erzeugt. Im ersten Wagen nahmen Ladh Windham, Frau Brandon u. die Her— ren Ernsley und Moore, im zweiten Frau Ernsleyh, die zwei Miß Farnley ünd Sir Edmund Ardern Platz. Rosa Moore u. ich hatten eine Pony-Chaise für uns allein, und'die übrigen Herren ritten. In dem Augenblicke, als wir an das Thor des Parts gelangten, fing das Gewölt an sich zu zertheilen und in weißen, flockigen Formen am Him— mel vorüberzuziehen. Noch hatte die Sonne einen schweren Kampf mit den Nebelschichten zu bestehen, die sie um— lagerten; aber sie trat bald aus ihnen hervor. Die Vögel in den Gebüschen begannen zu singen, die Blätter flim— merten im Sonnenschein, und Rosa, die bis dahin ohne Rücksicht auf mich gegähnt und dazwischen ihr Taschen— tuch fest an den Mund gedrückt hatte, um sich gegen den Nebel zu schützen, ermunterte sich allmälig; sie wurde redselig und lachlustig, als wenn die Stunde, zu der sie aus dem Bette ge—- trieben worden war, für sie keine un— gewöhnliche gewesen wäre. Wir fuhren auf Wegen, die zu bei— den Seiten mit Hecken eingefaßt wa— ren, Wege, wie Miß Mitford sie liebt und schildert, und durch Dörfer, deren jedes „ihr Dorf“ hätte sein können, wo jedes Haus seinen Garten hatte, und jeder Garten sein Gemüse und Son— nenblumen in reicher Fülle. Auf den Wiesen tummeltein sich Gänse, Schweine und rothbackige Kinder; auf der Straße erschienen kleine Mädchen mit Strohhüten und blaugewürfelten Schürzen, im Begriff, zur Schule zu gehen, die nun aber stehen blieben, um die vornehmen Herrschaften anzustau— nen und zu grüßen, die an ihnen vor— beifuhren; die kleinen Buben aber hingen an den Thüren und schwentten sich hin und her, oder plätscherten in den Pfützen herum, in Gemeinschaft mit den Enten, die kaum mehr als sie das Wasser als ihr Element anzuse hen schienen. Dann kamen wir durch dichtes, wildes Gesträuch, welches sich in sanften Wellen erhob und sentte, und dazwischen über Lichtungen, reich mit Blumen besäet, unter denen rothe Geranien und wilde Nelken ihren herr— lich schimmernden Glanz über die sammtartigen, saftgrünen Rasenflä— chen ausgossen. Wie herrlich waren an diesem JZulitage die „ahnenreichen Wohnungen Englands“, wie Felicia Hemans sie nennt, mit ihren von den Strahlen der Sonne vergoldeten, hohen Ulmen, riesigen Eichen und prächtigen Buchen! Wie lustig tanzte das helle Sonnenlicht durch ihre Blätter und über die Gräser zu ihren Füßen! Wie glühten in seinem Glanze die Beeren der Gebirgsesche jenes nordischen Kindes, das in seinen derben Formen und mit seinen corallenfarbigen Früch— ten auf dem grauen Gestein, aus dem es hervorwuchs, in Mitten einer üppi— gen Vegetation des Südens fast wie ein Fremdling sich ausnahm! Es mochten kaum zwei Stunden ent— eilt sein, als wir an eine Stelle ge—- langten, wo die Straße eine große Vie— gung machte, da sah ich zum ersten Male das weite Meer vor mir ausge breitet. Es war aufgeregt, die Wel— len waren mit Schaum eingefaßt, und schon hörte ich, wie sie sich am Strande brachen mit jenem dumpfen Geräusche der Stimme des Oceans, in der wir, wie im Donner des Himmels, instinct mäßig die Stimme Gottes erkennen. Wir fuhren an dem kleinen Gastho fe vor, in dem die Pferde eingestellt werden sollten. Kaum konnte ich er warten, daß der Wagentritt herunter— gelassen wurde; sofort eilte ich allein nach der Bucht. Das Meer war nicht, wie ich es später gesehen, blau und ru—- hig, in tausend Lichtreflexen schim— mernd, nicht wie ein stiller See, der mit leichten Wellen und sanftem Ge— murmel seine Ufer bespült und die glänzenden Kiesel am Strande mit durchsichtigen Fluthen netzt nein, es war, wie ich mir seinen ersten An— blick wünschte: stürmisch, wild, rastlos, ohne eine bestimmte Farbe, bald braun, bald purpurn, bald weiß, bald gelb oder grün. Wogen auf Wogen trie ben nach der Küste; jede sammelte sich schweigend, schwoll an, thürmte sich und zerschellte mit jenem Triumphgebrülle, mit jenem brodelnden Schaume, jenem in Wolken hochaufspritzenden Gischt und mit jenem Gemische von Wuth und wilder Lust, wie man es in der Natur nur bei tobenden Wassern vereint fin—- det. O mein Gott, ich habe viel ge— litten; Schrecken, Gewissensbisse, Angst haben mein Herz gefoltert und meine Nerven zerrütet; ich bin im Bewußt— sein meiner Schuld namenlos elend ge— wesen; ich wage nicht, Dir zu danken für die stürmischen Freuden der Lei— denschaft, für den hastig ergriffenen und eben so schnell zur Erde geschleu derten, berauschenden Becher der Lust; aber ich will Dir danken für das Ent zücken, das mein Herz, für den Auf schwung, den meine Seele empfand, für die Thränen, die ich vergossen für die Begeisterung, zu der ich mich hingerissen fühlte dort am Meeres strande, im Walde und auf den Ber— sgen! Das Herz kennt allein die Bit—- terteit seines Schmerzes; aber es hat scua seine Freude, von welcher Nie—- smand außer ihm eine Ahnung hat. Wir durchwanderten eine Zeit läng die Bucht und begannen dann in den sKlippen herumzuklettern und die ver—- schiedenen felsigen Punkte zu ersteigen, die eine weite Rundschau über die Bai sund die bewaldete Küste boten. Dies hatte zur Folge, daß wir uns allmählig sin verschiedenen Gruppen zerstreuten. Frau Brandon, Rosa, Henry und ich suchten eine kleine Höhle auf, die, wie Herr Brandon uns Tags zubor erzählt hatte, dadurch merkwürdig war, daß süch darin mehrere Sandstein-Forma— tionen von verschiedenen Farben vor— fanden. Rosa sammelte, auf dem Boden knieend, von jeder Art ein Muster, während ich durch eine Oeffnung in dem Felsen, gleichsam durch ein von der Natur hindurch gebrochenes Fenster, auf das Meer hinausblickte, bis Frau Brandon Rosa fragte, ob sie nun alles habe, was sie wünsche. Sie bat sie dann, mit ihr zum Gasthause zurück— zukehren, da sie Erfrischungen bestellen sund mit ihrem Manne wegen der An— ordnung zur Rückfahrt sprechen wolle. Ich war im Begriffe, ihnen zu fol gen, als Henry die Hand auf meinen Arm legte und in so ernstem Tone, daß ich fast darüber erschrak, zu mir sagte: „Um meiner Schwester wil— len, Ellen, bleibe einige Augenblicke bei mir. Wir kehren dann über die Dü— snen zurück. Ich habe dir viel zu sa— gen, und dies ist die letzte Gelegenheit dazu.“ Ich blieb sofort stehen, indem ich mich an den Eingang der Höhle lehn— te. Henry war blaß wie der Tod; seine Lippen zuckten, und seine Hand zitterte heftig, als er nun die meinige ergriff. Ellen“, stammelte er, „weißt du, daß ich dich liebe wie nur ein Mann lieben kann mehr, als Worte aus— zudrücken vermögen? Weißt du, fühlst du dies, Ellen?“ Dabei drückte er meine Hand mit krampfhafter Hef— tigkeit. „Hat deine Schwester dir geschrie—- ben?“ fragte ich mit zitternder Stim— me. „Ja. Was wirst du thun?“ „Was kann ich thun?“ „Liegt dir etwas an mir?“ „Es schmerzt mich, von dir getrennt zu werden.“ Als ich diese Worte aussprach, be deckte ich das Gesicht mit den Händen und brach, der heftigen Aufregung nachgebend, in Thränen aus. „Wenn das ist, trenn·n wir uns niemals!“ rief er. „Dann sollst du morgen um die Stunde die Meine sein mein auf immer, und keine Macht der Erde soll uns wieder trennen. Ja, die Meinige, die ich ehre und anbete, für die ich leben und sterben will! Ellen, hörst du mich? Sprich Juxemburger Gazette, Dienstag, den 28. Auni 1908. doch zu mirl Antworte mir! Soll es so sein? Warum siehst du so bleich und kalt aus?“ „Du rasest, Henry! Du rasest du erschreckst und beleidigst mich! Lass' mich gehen!“ Ich stürzte aus der Höhle, setzte mich am Ufer auf einen Stein und weinte bittere Thränen. Als ich wieder aufblickte, stand Hen— rh vor mir, mit erzwungener Ruhe auf meine nächsten Worte wartend. Als ich aber in meinem Schweigen verharr te, that er sich Gewalt an und sagte xuhig: „J—dch will dir erklären, was ich meine. Von meiner Liebe werde ich nicht reden; ich habe jetzt nicht geit dir zu sagen, was ich fühle, und zudem weißt du es eben so gut wie ich selbin Nur das Eine mußß ich dir sagen: meine Schwester hat Recht, wenn sie schreibt, daß dein Onkel seine Einwilligung zu unserer Verbindung niemals geben wird. Er wird es nicht, Ellen; und wenn wir uns jetzt trennen, so sind wir für immer geschieden. Gott al lein aber weiß, welches Slend dann über unsere Häupter kommen würde.“ Ich erhob bei diesen Worten den Kopf und sah ihn erstaunt an. Er hatte kein Recht, anzunehmen, daß eine sol— che Trennung mich elend machen wür— de; mein Stolz war verletzt und dies drückte sich in meinen Augen aus. Er verstand diese Sprache und fuhr fort: „Es ist jetzt nicht Zeit zu mädchenhaf— ter Empfindlichkeit. Doch vergib mir, Ellen, wenn ich dich erzürnte. Wenn ein Mal das Schicksal eines Lebens und mehr als ein Leben von der Ent— scheidung einer einzigen Stunde ab— hängt, dann hat man keine Zeit, seine Worte abzuwägen; und ich muß es ja turz machen. Frau Brandon weiß, daß ich dich liebe, wie ich dich liebe, und glaubt, daß du mich wieder liebst. Sie tennt die unbeugsamen Vorur theile ihres Bruders und seinen hart näcktigen Charettev: Von deiner ster benden Mutter empfing sie den Auf— trag, dich zu schirnien und zu schützen. Venn er jemals sich gegen dich wenden und dich unglücklich machen sollte durch feine Strenge, durch die Härte seiner zwar gewissenhaften aber eisernen Na—- tur, so· wipd sie diesem Auftrage ge—- shorchen.. „Sie ist bereit, morgen mit dir nach Henley zur Kirche zu gehen sund uns zur Seite zu stehen, während wir. „Halte ein, Henry, halte ein! Ich kann, ich will Worte wie diese nicht hö— ren. Du verlangst von mir, gegen den Willen meines Ontkel, ohne die Einwil ligung meiner Tante zu heirathen und damit mein Schicksal zu besiegeln; du verlangst von mir, daß ich dem schon jetzt zu bittern, zu vollen Kelche noch einen neuen Tropfen des Leidens zu— füge. Und das soll ich thun? O mein Gott! er verlangt von mir, so etwas zu thun, und ich ich stehe hier und höre es an! Henry, fast tönnte ich dich wegen dieser Zumuth— ung hassen.“ „Kannst du glauben“, entgegnete er, „daß sie dich für diese Handlung nicht segnen würde? Kannst du glauben, daß sie nicht still, aber innig den Segen des Himmels auf dein Haupt herab— flehen würde, wenn sie hörte, daß das Kind. ihrer Wahl, das Kind ihrer Lie— be...ihren eigenen Bruder, den sie in seiner Wiege pflegte, dessen zweite Mutter sie gewesen ist, wie sie es für dich gewesen, von Angst, von Verzweif lung und Schande gerettet habe? Sie gehorcht den strengen Weisungen ihres Gatten, Ellen; aber ihr Herz blutet unsertwegen. O, um ihretwillen, im Namen deiner verstorbenen Mutter, deren Brief Frau Brandon dir zeigen wird, um meiner und deiner selbst wil— len beschwöre ich dich treibe mich nicht zur Verzweiflung! Noch ein Mal sage ich es: es droht dir, was du jetzt freilich nicht verstehst, nicht verstehen oder voraussehen kannst, unabsehbares Elend, wenn du dich weigerst, dich mei— nen Bitten zufügen.“ „Henrh, du führst seltsame Reden; aber ich muß die Wahrheit wissen. Ich bin müde der Zweifel, der Furcht, ja meines eigenen Lebens; ich muß spre—- schen. Welches ist das unbekannte Elend, mit dem du mir drohst? Was für Geheimnisse hast du? Ich muß sie kennen lernen.“ Ich ergriff seinen Arm, strich mir das Haar von der Stirne und blickte ihm voll in's Gesicht. „Sage mir, warum soll ich den Trachs ausweichen? Wie kommt es, daß gemeine Strolche sich deines Namens bedienen, um mich durch Einschüchterung zu einer Verbin— dung mit dir zu bewegen? Warum soll ich zu einer heimlichen Ehe ge— zwungen werden, und noch dazu schon den Tag nachher, wo man zum ersten Male mit mir darüber spricht? Und was heißt es, daß du behauptest, wenn deiner zügellosen Leidenschaft nicht so— sfort Genüge geschehe, würdest du der Schande und der Vergzweiflung ver— fallen?“ Ueber meine Heftigkeit selbst er— schreckt, setzte ich mich athemlos u. zit ternd wieder auf den Stein. Henrh dagegen war ruhig geworden; ein fast höhnisches Lächeln schwebte auf seinen Lippen, als er nun erwiderte: „Jene gemeinen Strolche sind mit den Trachs verwandt; um dieser ihrer Familie willen wolle ich ihnen eine Bloßzstellung ersparen, die ja Niemanden häte nützen können. Ich glaube übrigens, daß sie nur einen lächerlichen Scherz beab— sichtigt haben, der durch Rosa's Erzäh— lung eine etwas grelle Färbung bekam. Daß es aber nicht wünschenswerth ist. mit solchen Leuten nähere Bekanntschaft zu machen, das wirst du einsehen; aus diesem Grunde empfehle ich dir, dich von jedem Hause entfernt zu halten, wo du ihnen begegnen könntest. Was das Elend betrifft, Ellen, das du über dich selbst bringen wirst, wenn du nach Elmsley zurücttehrst, so kann ich es dir in seiner ganzen Größe nicht erklären; aber du kannst dir eine Vorstellung da— von machen, wenn ich dir sage, daß dein Onkel mit derselben Entschiedenheit, womit er dich zu verhindern sucht, mich zu heirathen, dahin strebt, dich Ed— ward Middleton zur Frau zu geben.“ „Die Gattin Edward's!“ murmelte ich und schauderte bei der Erinnerung an die Worte, von denen ich glaubte, daß sie von ihm herrührten. „Nein, nein“, rief ich, „das kann niemals ge— schehen!“ „Nein, niemals!“ wiederholte Hen— ry mit feierlicher Betonung. „Zwi— schen euch liegt eine Kluft, die niemals ausgefüllt werden kann.“ „Wie, was?“ rief ich, außer mir vor Entsetzen. „Nun ja, sagtest du so eben nicht selbst, daß diese Verbindung nicht Statt haben könne? Aber, Ellen, du weißt nicht, welche Mittel man in Anwen— dung bringen wird, um sie zu Stande zu bringen. Der Tod der armen Ju— lie ist dir im Sinne der Welt von gro— ßem Vortheil gewesen: er hat dich auf ein Mal zu einer reichen Erbin ge— macht.“ Ich konnte bei diesen Worten ein angstvolles Stöhnen nicht unter drücken, das meine Seelenqual ver— rieth; aber Henry fuhr fort, als ob er es nicht gehört hätte. „Zufällig ist mir bekannt, daß dein Onkel sein gan— zes Vermögen für den Fall auf dich vermacht hat, daß du Edward heira—- thest; aber ich weiß auch, daß er den— jenigen von euch Beiden enterben wird, der sich weigern sollte, diese Bedingung zu erfüllen.“ „Niemals werde ich darauf einge— hen. Das Vermögen des Onkels mag Edward zufallen; man möge mich aus Elmsley verbannen nichts aber soll mich dahin bringen, einen Schritt zu thun, der für ihn ünd mich erniedri— gend wäre.“ u „Nun, Ellen“, xief Henry lebhaft, „wenn das dein fester Entschluß ist, dann zaudere keinen. Augenblick mehr. Mit mir vermählt, in meinen Armen bist du vor Gefahren geschützt, von de— nen du im Traume keine Ahnung hast, über die ich dich aber nicht aufzuklären wage. Ich zittere für mich selbst und zittere für dich, wenn du mich zurück weisen solltest. Vereint werden wir auch noch Prüfungen zu bestehen ha— ben; bleiben wir aber getrennt, so werden sie furchtbar sein. Gemein—- schaftlich müssen wir ihnen entgegen treten. Unsere Geschicke sind auf selt— same, geheimnißvolle Weise mit ein— ander verkettet; es besteht eine Gleich— artigkeit, die, wenn du mich jetzt ver—- lassen wolltest Er unterbrach sich. Seine Stimme war durch die Heftigkeit seiner Aufre—- gung erstickt; der sorglose, kecke Henrh Lovell weinte wie ein Kind. In die— ssem Augenblicke glaubte ich wieder, daß ich ihn liebte; denn ich kniete neben ihm nieder, faßte seine Hand, benetzte sich mit meinen Thränen und flüsterte ihm zu, daß ich ihm gern aller versprochen, daß ich ihm Treue geloben wolle, aber nicht in die geheime Verbindung willi— gen könne, die er von mir verlange. Aber gerade dies verlangte er im— mer wieder mit wachsender Heftigkeit, mit inständigen Bitten. Ein Mal sagte er: „Ellen, du vernichtest mein Glück und dein eigenes; aber nicht das unserige allein ach, du weißt nicht, was du thust. Das Geschick eines rei— unschuldigen Lebens liegt in die— sem Augenblicke in deiner Hand; ver— damme es nicht zu geheimer Verzweif— lung, zu hoffnungslosem Kummer. Ha— be Erbarmen mit dir selbst, mit mir und mit ihr.“ Vergebens drang ich in ihn, sich nä— her zu erklären. Er betheuerte nur wiederholt und in immer größerer Aufregung, ja er schwur sogar, daß wir jetzt sofort oder niemals vermählt wer— den müßten, und daß es nutzlos sei, von der Zukunft zu sprechen. Er ver— warf jede andere Zusage, jedes Ver— sprechen, zu dem ich mich erbot, bis ich endlich empört aufsprang, und, indem ich mich dem Heimwege zuwandte, er— zürnt ausrief: „Nun, so sei es denn: trennen wir uns auf immer. Es ist nun alles aus zwischen uns!“ Er sprang mir in den Weg, ergriff meine beiden Hände mit eiserner Faust sund rief mit einem Gesichte, das kaum jals das seinige wieder zu erkennen war, so schrecklich war die Wuth darin ausgeprägt: „Nein, es ist nicht alles jaus zwischen uns; wir trennen uns sniat auf immer! Gleich jetzt, in die sem Augenblicke könnte ich dich dahin bringen, mir zu Füßen zu fallen, könn— te ich dich zwingen, mich auf den Knie— en um Mitleid und Schonung anzufle— hen, du unglückliches Mädchen, das ich mit jener wilden Liebe liebe, welche in der einen Stunde vergöttert, in der nächsten haßt. Nein, wir trennen uns nicht für immer; das ganze Leben hin durch werde ich dir nahe sein, entweder, um dich zu lieben und anzubeten, um dir alles in allem zu sein den Men schen und allen Gesetzen, allen Pflich— ten und Banden zum Trotz oder um dich auf deinen Wegen zu verfol gen, um dir jede Freude zu vergällen und deinen Geist zu martern. Ellen, ich muß dir Segen bringen oder der Fluch deines Lebens werden; niemals werde ich für dich ein Gleichgültiger sein. In Unkenntniß dessen, was du thust, im Wahnsinn hast du dich ge— weigert, mein Weib zu werden nun sollst du mein Opfer sein. Du sollst mich mit derselben Raserei und Leiden— schaft lieben, womit ich dich liebe, und mit blutigen Thränen sollst du bewei— nen, daß du mich heute von dir gesto—- hen hast. Und wenn du je einen An— dern liebst, werde ich zwischen ihn und dich mich stellen; und dann soll dein Herz, so oft es in Liebe für ihn schlägt, vor Furcht erzittern, es soll schaudern vor Entsetzen bei dem Gedanken an mich. So scheiden wir. Du hast es so gewollt lebe wohl“ Er eilte nach der Küste, und auch ich entfernte mich von dem Orte, unfä— hig, meine Gedanken zu sammeln. Im Gasthause traf ich die ganze Gesell—- schaft beim Mahle. Man unterhielt sich lebhaft und besprach sich über die deit der Rückkehr. Ich aber befand mich in einer Art von Betäubung und verstand kaum, was gesagt wurde. Frau Brandon setzte sich, wohl aus Mitleid mit mir, statt Rosa zu mir in s Pony--Chaise. Sie sprach nicht viel, sondern hatte die Rücksicht, mich gewähren zu lassen, als ich mich in die Ecke lehnte und still weinte. ESicher— lich glaubte sie, daß; nie zuvor ein Mudchen so geliebt habe oder aber so von Gram erfüllt gewesen sei, als ich. Venn sie im Allgemeinen auch sehr gutmüthiger Natur war, so konnte sie doch jetzt einen Schatten von Unwillen nicht verbergen, der seinen Grund wahrscheinlich in meiner Weigerung hanie. mich ihres Beistandes zu der mir angetragenen geheimen Vermählung bedienen. Wir kamen erst spät nach Brandon zurüctk. Heftiges Kopfweh zwang mich, sofort· zu Bette zu gehen, und da Frau Swbwift, die Kammerfrau meiner Tante, angekommen war, nahm ich von Frau Brandon und den andern Damen auf meinem Zimmer Abschied. Henrh sah sich nicht mehr. Um sieben Uhr des andern Morgens befand ich mich bereits in giemlicher Entfernung von Brandon aut dem ert nach Elmsley. n: KAA Achtes Kapitel. Meine Rückreise nach· Elmsley war in jeder Hinsicht anderer Art, als einen Monat früher die Reise von da. Das Wetter war kalt und stürmisch, und das fehlende Sonnenlicht ließ jeden Gegenstand, an dem wir vorüberkamen, weit weniger anziehend erscheinen, als mein Gedächtniß mir ihn vorstellte. Sir Walter Scott bemerkt in einer seinet Novellen, daß gute Laune ei— nem gewöhnlichen Gesichte denselben Reiz verleihe, wie der Sonnenschein einer unschönen Gegend. Ich stimmte ganz mit ihm überein, als ich wieder den ersten Blick über die Ebene von Salisbury warf, deren endlose Fläsche jetzt nicht durch einen einzigen Son nenstrahl erheitert wurde, und dann das nichtssagende Gesicht der Frau Swift betrachtete, dessen strenge Ue— beweglichkeit nie durch ein Lächeln ge mildert wurde, so daß es mit dem freundlichen Glanze, der aus den übri— gens nichts weniger als schönen Zügen der guten Frau Hatton strahlte, in entschiedenem Gegensatze stand. Ich hatte viel Stoff zum Nachden— ten; aber es wurde mir schwer, meine Ideen zu sammeln uns zu klären. Hen ry und ich waren im Zorne ausein— ander gegangen, und fast mit einem Fluche auf den Lippen hatte er Abschied von mir genommen. Also auch er wußte um mein Geheimniß; auch er benützte diese Kenntniß, um mir zu drohen und mich zu erschrecken Hatte Edward es ihm verrathen, bevor er England verließz? Oder war er es, der mich bei Edward angeklagt hatte? Ach, es kam ja wenig hierauf an. Ich war betäubt; es war mir, als wür— den Alle, an denen mir gelegen war, Einer nach dem Andern gegen mich auftreten und mich verlassen. Eine schreckliche Erinnerung war von der letzten Unterredung mit Henry in mei— ner Seele geblieben, seine Aeußer— ung, daß Juliens Tod für mich von großem irdischen Nutzen gewesen sei und daß mein Onkel mir sein Vermö— gen vermacht habe. Das Blut er— starrte mir bei diesem Gedanken die Heirath mit Edward war die da— ran geknüfte Bedingung. Der Traum de- Verbannten von seiner Heimath, in die er nie zurückkehren kann, jenes Trugbild, das dem Reisenden in der Wüste das Wasser zeigt, welches er doch niemals erreicht, sind Jenen das— selbe, was für mich die Worte waren: eine Heirath mit Edward. Sie ent—- hielten etwas, womit in meinen Mäd— chenjahren meine Thantasie sich in un— klaren Träumen beschäftigt, das die Schrecknisse und Prüfungen des ver— flossenen Jahres niedergehalten und Reine Weine und Liquöre für den Familien- und Privatgebranh in irgend einer Quantität beim Pint, Quart, Gallone oder Keg u Wholesale preisen und als absolut rein und gesund garantirt. Füür Dinner-, gesellschaftliche und medizinische Zwede habe ich reine Weive und Liquöre, welche Sie in irgend einer beliebigen Ouan tität kaufen können. 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Schon mein Anblick allein! hatte ihm den längern Aufenthalt in Elmsley unerxträglich, gemacht; die Kenntniß von meiner Schuld ldenn schuldig war ich, obwohl schuldlos an den entsetzlichen Folgen meines un lenksamen Ungestüms) hatte ihn aus England vertrieben. War er ne Juliens Vetter? War JZuliens Tod nicht das Werk meiner Hand? Und hatte Henryh nicht gesagt, daß ihr Tod für mich ein Vortheil gewesen sei? da, er hatte es gesagt, und dann hatte er hinzugefügt, er werde mich dahin brin— gen, daß ich vor ihm auf den Knieen liegen und sein Mitleid anflehen wür de: so vergiftete er seine Waffe und führte dann den Streich. Sein Mit— leid! O, als ich daran dachte, sehnte E mich danach, ihn auf einen einzi gen Augenblick noch wieder zu sehen, nur um ihm zu sagen, daß ich sein Nitleid verachte, seiner Gnade spotte und wenigstens Eines von ihm gelernt hätte, was ich nie vergessen würde Rache zu nehmen. In dem Kampfe, den er angefangen, war ich die Stär tere das fühlte ich; denn ich liebte ihn nicht. Bei jenem letzten Auftritte war diese Wahrheit mir eben so tlar geworden wie ihm selbst. Die schwa schen Bande, die mich an ihn gefesselt, waren in einem Augenblicke gerissen; aber er, er liebte mich, mit ungestümer, selbstsüchtiger Liebe zwar, aber er liebte mich. Und wenn es eine Qual sist, ohne Gegenliebe zu lieben, wenn es sschmerzt, in den Augen die kalte Spra— ce der Gleichgültigkeit zu lesen, in welchen man das Glück seines Lebens sucht, so wax diese Qual dieser Schmerz sein Loos. Diese Gedanken waren schrecklich; ich schaudere darüber jetzt, ich sie niederschreibe; aber meine Gefühle waren erregt, und mein Stolz trieb mich fast zum Wahnsinn. Ich erinnere mich, daß ich mein Riechfläsch schen faßte und es mit solcher Heftig keit drückte, daß es in Scherben zer— brach. Da wurde ich plötzlich durch Frau Swift meinem Nachsinnen ent— rissen, indem sie ausrief: „Aber was machen Sie, Fräulein! Sie zerbre— den ja ihr Riechfläschchen und ver— schütten seinen ganzen Inhalt. An was dachten Sie denn?“ An was ich gedacht hatte? O, diese Welt von Gedanken in uns! Diese rastlos gährende Thätigkeit, welche unter der ruhigen Oberfläche unseres Alltags-Lebens locht! Da sitzen wir und plaudern; wir gehen und fahren, hen uns nieder zum Schlafen und stehen am nächsten Morgen wieder auf, als wenn das Leben nichts böte, wo— durch die tief in der Seele schlum— mernden Leidenschaften aufzurütteln sind, als ob ängstlich gehegte Hoffnun— gen nicht oft zertrümmert zu Grabe gingen, als ob Befürchtungen, die wir su kaum klar zu machen getrauen, nicht unser Herz quälten, als ob nicht 22 E 21 1 d Ej 2

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DEUTSOHE FAMILIEN

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Blätter, die auf dem Kieswege vom Winde durcheinander gefegt wurden; das leise Gezwitscher einiger Roth— kehlchen schien damit zu stimmen und ergriff mich in einer Weise, die ich nicht beschreiben kann. Meine Thränen fielen auf das Buch in meiner Hand, und dieses Buch es war „das christ—- liche Jahr“, jenes Geschenk Edward's, das ich vor etwa einem Jahre in zor—- niger Aufwallung von mir geschleudert hatte. Ich hatte es am Morgen wie—- der ein Mal geöffnet und gleichsam zur Buße, zum Theil aber auch in der unbestimmten Hoffnung, irgend ein neues Gefühl in mir zu wecken und an die Stelle des ewigen Zurückblickens auf die Vergangenheit, um die sich alle meine Gedanken drehten, irgend etwas anderes zu setzen hatte ich mir Ge— walt angethan, um einige der mit Bleistift angestrichenen Stellen zu le— ssen. Ich war dabei unterbrochen wor— den, hatte aber das Buch mitgenom men und widmete mich ihm jetzt von neuem. Ich las jene Stellen, die von Schuld, von Leiden und von Reue han—- delten; ich las sie eine nach der andern, aber ich schlug nicht, wie damals, das Buch im Zorne zu. Es war wahr: diese Stelien waren sorgfältig ausge— wählt und mit unverkennbarer Absicht lichteit angedeutet aber was machte es? War ich nicht schuldig? War ich nicht eine Elende? Hatte ich nicht noch Schlimmeres aus seiner Hand verdient? Fa, noch mehr: war ich der Nachsicht, der Schonung würdig, die er mir bewiesen? Mußte ich ihn nicht dafür segnen? Solche und ähnliche Gedanken wa— ren es, die meine Thränen fließen machten, gleichzeitig aber die Bitter— keit meiner Gefühle milderten. Ich legte das Buch vor mich hin, und während ich auf die allmälig in tieferes Dunkel sich hüllenden Baumgruppen blickte, sah ich den Postboten durch die Allee auf das Haus zureiten. Dann hörte ich die Schritte eines Dieners, der auf dem Wege nach dem Arbeits— gzimmer meines Onkels über den Cor— ridor eilte, und einige Augenblicke nachher vernahm ich auch die Stimme meiner Tante auf der Treppe. Un— gefähr eine Stunde später, als es schon völlig dunkel geworden war, ver—- ließ ich die Bibliothek; da begegnete mir Frau Swift, die mir meldete, daß meine Tante mich in ihrem Ankleide zimmer zu sprechen wünsche. Der Umstand, daß nach einem ge— schickt wird, besonders wenn dies gleich nach Ankunft eines Briefträgers ge— schieht, ist wohl geeignet, befangen zu machen; und so war es bei mir. Mit einer Art Vorgefühl, daß sich etwas ereignet habe oder ereignen werde, ging die Treppe hinauf. Beim Oeff— nen der Thüre erschrak ich, denn ich be— merkte beim ersten Blick, daß meine Tante sehr aufgeregt war und in Thränen schwamm. „Was gibt es?“ rief ich. „Was ist geschehen?“ Wer ist krank?“ „Niemand“, erwiderte sie; „nichts der Art liegt vor; aber es ist schmerzlich!“ Sie stockte, kämpfte mit sich selbst und fuhr dann fort: „Es ist schmerzlich, und du mußt dich darauf gefaßt machen, liebes Kind, etwas zu hören, was dich erschüttern, was die wehe thun wird. Henryh“ dabei sah sie mich mit besorgtem Blicke an „Henry hat uns Alle bitter ge— kränkt; aber dich, mein Kind“, setzte sie hinzu, indem sie meine beiden Hände ergriff und sich dieselben vor die Augen hielt, als wolle sie neuen Muth zum Sprechen sammeln, „dich wird es un— glücklich machen. Was soll ich dir sa—- gen? Er ist deiner ganz unwürdig; er hat dich vergessen, Ellen, hat alle Gedanken an dich aufgegeben. er it. Tel. 112. „Er ist im Begriffe, sich zu verheira then?“ unterbrach ich sie hastig. „Sprich, liebste Tante, sprich ist es nicht so?“ „Er ist bereits verheirathet“, ent— gegnete sie im Tone tiefer Niederge—- schlagenheit; „er ist eine erniedrigende Verbindung eingegangen!“ Sie sah mir in's Gesicht und schien über den Ausdruck, der darin lag, ganz in Verwirrung zu gerathen. Mit stockendem Athem und in höchster Spannung wartete ich auf ihre weitern Mittheilungen und konnte nur wie— derholt die Worte hervorbringen: „Mit wem, mit wem?“ „Du kannst es dir nicht denken“, er— widerte sie; „niemals würdest du es für möglich gehalten haben. Er hat jenes Muädchen geheirathet, das du zu Vridmnan sahst Alice Tracyh.“ Mit Alice Tracy vermählt! War es möglich? Welche Menge von Ver— muthungen, Erinnerungen, Voraus—- setungen und Befürchtungen stieg in diesem Augenblicke in mir auf. „Was sagte er darüber? Was schreibt er? Wann ist es geschehen? Kann ich sei— nen Brief lesen?“ So lauteten die Fragen, welche ich mit athemloser Hast an Frau Middleton richtete, die über die Art, wie ich diese überraschende Mittheilung aufnahm, ganz erstaunt zu sein schien. „Hier ist ein seltsamer Brief von Henry selbst“, sagte sie, „dann ein zweiter von meinem Vater, der, wie du dir denken kannst, sehr entrüstet ist, und endlich einer von Frau Tracy. dessen Inhalt eben so unverschämt als heuchlerisch ist. Ich weiß nicht, ob es recht ist, daß ich Henry's Brief zeige; er lautet so seltsam. Aber du bist mir über manche Dinge Erklärung schuldig, über die ich bisher noch nicht befragte, und bielleicht können wir zusammen dem Geheimnisse, das dieser unglückli— chen Heirath zu Grunde liegt, auf die Spur ?ommen. Ich getraute mir noch nicht, diesen sonderbaren Brief deinem Ontkel zu zeigen; er glaubt, daß ich von Henrh's Vermählung nur durch mei— nen Vater in Kenntniß gesetzt worden sei; und wirklich ich fürchte, daß es sehr unrecht von mir ist, dich die—- sen Brief lesen zu lassen; doch ich bin ganz außer mir...“ Ich unterbrach sie, indem ich ihr die Briefe fast mit Gewalt aus der Hand nahm. Sie ließ es geschehen und beo— bachtete mich, während ich las. Ich war mirx dessen anfangs bewußt; aber das Interesse an der Sache nahm mich so in Anspruch, daßz ich bald ihrr Ge— genwart und alles Andere außer den Briefen selbst vergaß. Ich las den Brief Henry's zuerst. Er lautete: „Meine liebe Schwester! Du lennst mich lange genug, um durch keine Thorheit, deren ich mich schuldig mache, überrascht zu werden. Du weißt auch, daß ich gewissermaßen an ein Verhängniß alaube und die Be—- hauptung aufstelle, daß unsere Schick sal im Leben uns auf eine Weise vor— gezrichnet ist, der wir weder widerste— hen noch entgegenarbeiten können. Ich habe so eben etwas gethan, was man im gewöhnlichen Leben einen dummen Streich nennt. und wahrscheinlich ist es auch ein solcher; aber, mit einem Worte ich lonnte nicht anders. Es ist geschehen, und je weniger Vorwürfe oder Klagen darüber erhoben werden, desto besser wird es sein. Ach bin vermählt. Vergangenen Donnerstag wurde ich mit Frau Tracy's Entelin in der Kirche getraut. Ihr Name ist Alice; sie ist sehr hübsch und dabei wohlerzogen. Sie besitzt für ihre Per— son fünftaufend Pfund, die ihr ein Onkel hinterließ, welcher vor einiger Zeit gestorben ist. Ich habe, wie dir bekannt ist, ungefähr eben so viel. Mein Vater weigert sich natürlich, sie zu sehen; Herr Middleton wird ver— muthlich ein Gleiches thun. Du aber, Marhy, erinnerst du dich noch der Zeit, wo du, an meinem Bette sitzend, mich auf die Stirne küßtest und mir sagtest, wie sehr du meine künftige Frau lie—- ben würdest? Wir pflegten von ihr zu plaudern und uns ein Bild von ihr zu entwerfen. Wir stellten sie uns vor: von hoher Gestalt, mit dunkeln Augen und langen, seidenen Wimpern, die ihren Blick beschatteten. Ihr Hals mußte weiß und zierlich sein wie der eines Schwams, und ein hehrer Geist sollte ihren Augen Glanz, ihren Wor— ten Beredtsamkeit verleihen. Und du, Schwester, du versprachst, an mei— nem Hochzeitstage das dunkele Haar meiner Braut mit Orangenblüthen zu schmücken. Du erinnerst dich alles dessen, nicht wahr? Nun, meine Braut ist schön, sehr schön; aber sie gleicht der Braut nicht, die wir uns dachten, oder vielmehr die wir erwartet hatten; denn wir sahen sie haben wir sie nicht ge-- sehen, Schwester, wie sie in ihrer Schönheit an unserer Seite wan— delte? Ruhte nicht unser Blick auf ihr, bis wir glaubten, daß sie zu schön, zu lieblich für diese Erde sei, auf der sie wandelte? Meine Braut empfing keinen Kuß von dir; sie stand an mei— ner Seite, und du warst nicht da, um au sagen: Gott segne siel Sie legte ihre kalte Hand in die meinige und schaute mir ernst in's Gesicht. Auf ihren Wangen war keine Farbe, in ih— rer Stimme keine Bewegung Alles war so ruhig, wie das Leben, das vor mir liegt. Mary, du kannst nichts Besseres thun, als mir schreiben und Glück wünschen. Und dann sage El— len, daß auch sie mir Glück wünschen möge. Deinem Gatten aber zeige meinen Brief nicht; für ihn ist er nicht ruhig genug geschrieben. Der Deinige, liebe Mary, stets der Deinigel Henrh Lovell.“ In dem Tone dieses Briefes lag für mich etwas ungzissprechlich Peinliches; er erschien mirals die Fortsetzung ei— nes Theiles meiner letzten Unterredung mit Henry. Ein reines, unschuldiges Leben so hatte er gesagt müßte geopfert und zu hoffnungslosem Miß—- geschick verurtheilt werden, wenn ich auf meiner Weigerung beharrte. Ich hatte widerstanden, und Alice Umstan— de sie zum Opfer fiel, so war es doch ohne Zweifel irgend eine geheimniß— volle Nothwendigkeit, eine geheime Verpflichtung. Eine liebelose Ehe, eine einsame Wanderung durch's Le— ben! Gott allein wußte, welche ge— heimen Prüfungen ihr zu Theil wer— den würden, welche Verödung des Herzens, welche Verlassenheit der See— le, welches Maß einer stets in Täusch—- ung zerrinnenden Hoffnung, die das Herz krank macht, und einer nach Be— friedigung lechzenden Leere, die durch nichts ausgefüllt werden kann, ihr be— vorstehen mochten, ihr, die aufgewach— sen war und geblüht hatte wie die Rose in der Wildniß, und die nunmehr, in zu rauher Weise verpflanzt, gleich ih— rer eigenen armen Blume, vielleicht dazu verurtheilt war, zu verwelken und zu sterben wie sie. Seltsam! obwohl ich Alice nur ein einziges Mal gesehen hatte, war ich zu fest u. zu vollständig überzeugt von ihrer Tugend und Reinheit, von der engelgleichen Natur des Geistes, der in so schöne Formen gekleidet war, als daß mir der Ge— danke an eine Schuld in ihrem Um— gange mit Henry auch nur ein einziges Mal in den Sinn gekommen wäre; so wenig wie der, daß sie diese heimliche Verbindung aus Eigennutz, aus Ehr— geiz oder aus Mangel an Zartgefühl eingegangen sein könnte. Vielleicht, dachte ich, kehrte sich alles noch zum Bessern; vielleicht lernte er sie noch lieben und schätzen, und dann stand sie Gazette, Dienstag, den 28. lunni 1908. zwischen ihm und mir wie ein Engel des Friedens. Er konnte ja nicht an-- ders, als die tadellose Schönheit ihres Antlitzes, die poetische Natur ihres Gei— stes, die ruhige Einfachheit ihres Ge— müthes bewundern. Dies sagte ich mir; aber während ich es sagte, wider— sprach dem eine Stimme in meinem Herzen. Ich kannte Henry zu gut; sich hatte zu genau erkannt, was er in mir bewunderte, und was ihn bis zu einem gewissen Grade meinem Einflus—- se unterwarf, selbst in Augenblicken der sheftigsten Erbitterung. Es waren eben diejengen Neigungen meines Herzens und Charakters, welche zu denen Alicens am meisten im Gegen— satz standen. Gerade meine Mängel, deren Erkenniniß bewirkten, daß ich auf dieses Mädchen hinblickte, wie ein armer, verlassener Sünder zum Bilde der heiligsten Jungfrau aufblickte, ge rade meine Fehler waren es, die ihn tetertn und unterjochten. Seine letz— ten Worte summten mir wieder in den Ohren, als ich seine kaum selerliche, hastig hingekritzelte Unterschrift an— sah, und mein Herz wurde unruhig, denn ich fühlte, es sei wirklich „nicht alles zu Ende zwischen uns.“ Der zweite Brief, den ich las, war ron Herrn William Lovell. Er lau— tete: „Meine liebe Mary! Deine Zuneigung zu deinem Bruder ist immer so groß gewesen, daß ich wegen der Wirtung besorgt bin, die eine Mittheilung, welche ich dir zu ma— chen habe, auf dich ausüben wird. Sie wird dich überraschen, wie sie mich überrascht hat. Daß Henry uns An— laß zu Kummer und Verdruß gäbe, das würde kein ungewöhnlicher Ereig— niß sein; aber daß er, dessen gesunder Verstand niemals in Zweifel gezogen werden konnte, in so bedauerlicher Weise unsinnig handeln würde, darauf konnte Niemand vorbereitet sein. Der natürlich· Adel seines Charakters al lein schon hätte ihn von einer Ver— bindung abhalten sollen, die geradezu entehrend ist. Doch es ist am besten, daß ich dir die Sache ohne viele Umstände mittheile; denn sicherlich konntest du ein solches Ereigniß weder voraussehen, noch für möglich halten. Dein Bruder hat sich, ohne mir oder sonst Jemanden, so viel ich erfsahren konnte, die geringste Mittheilung davoen gemacht zu haben, am letzten Donnerstag in der Kirche zu Bromley mit der Enkelin jener Person verheirathet, die deine und später seine Amme war. Er sieht erbärmlich aus, krank und un— glücklich, und gibt für seine Hand— lungsweise keine andere Erklärung, als daß er immer wieder sagt, er sei überzeugt gewesen, daß ich zu seiner Heirath niemals meine Einwilligung geben würde (worin er Recht hat). und darum habe er es für das Beste gehalten, die Sache mit einem Male außer Frage zu stellen. So— schlimm nun diese Geschichte in gewisser Hinsicht ist, so hätte sie doch noch schlimmer werden können. Ich vexnehnie, daß das Mädchen erst siebenzehn Jahre alt, sehr schön und dabei für eine Person ihres Standes sehr gut erzogen und im Vesitze eines Vermögens von 5000 Pfund ist. Ich habe mich geweigert, sie zu sehen; denn ich bin entschlossen, Henrh meine Entrüstung auf's Em— pfindlichste fühlen zu lassen. Unter keinen Umständen aber werde ich ein—- willigen, ihre Verwandten zu sehen, die sich nach meiner Meinung durch die eilige Betreibung dieser Heirath so schlecht als nur immer möglich be—- nommen haben. Nach einiger Zeit mag es jedoch rathsam sein, von seiner Frau Notiz zu nehmen und um sei— netwillen sie so viel als möglich der Gesellschaft und dem Einflusse ihrer Angehörigen zu entziehen. Wir wol— len diesen Gegenstand später in Be— tracht nehmen. Und nun, meine liebe Mary, segne dich Gott. Ich fühle in dieser leidigen Angelegenheit für dich dasselbe, was du, wie ich weiß, für mich fühlst. Ich hoffe, daß euere schöne Ellen sich diese abscheuliche Heirath nicht zu Herzen nehmen wird. Herr Middleton han— delte vollkommen Recht, daß er sie ab— hielt, sich an deinen unwürdigen Bru— der wegzuwerfen, und doch wünschte ich von ganzem Herzen, daß sie mit einander durchgegangen wären. Dein dich liebender Vater William Lovell.“ Frau Tracy's Brief war folgenden Inhalts. „Madame! Die Anzeige von der Heirath Herrn Lovell's mit meiner Enkelin Alice wird Sie wahrscheinlich unangenehm über— rascht haben. Da Herr Lovell Ihnen mit der heutigen Post geschrieben hat, wie ich höre, um Sie davon in Kennt— niß zu setzen, so nehme ich mir die Freiheit, ebenfalls einige Zeilen über diesen Gegenstand an Sie zu richten. Ich bedauere, daß ich selbst oder Eines meiner Angehörigen Ihnen Aerger und Verdruß verursacht. Aber, Madame, erinnern Sie sich. wer es war, der da sagte: Richtet nicht, da— mit ihr nicht gerichtet werdet; verdammet nicht, damit ihr nicht verdammet werdet! Gehorchen Sie jetzt Sie jetzt dieser Mahnung und wälzen Sie nicht die Sünden Anderer auf einen Engel der Reinheit und Mil— de, während gewisse Personen, die Sie in Ihrem Herzen zärtlich lieben, nicht werth sind, ihm den Staub von den Füßen zu wischen. Ich liebe Sie, Frau Middleton, und möchte Ihnen nicht mit Willen wehe thun; aber stel—- len Sie mich durch eine übele Behand— lung des Kindes, welches mein sterben—- der Sohn mir hinterließ und das nun die Gattin Ihres Bruders ist, nicht auf eine zu harte Probe. Gott wird eines Tages zwischen mir und Ihnen richten: seien Sie also freundlich ge— gen meine Enkelin; ihre Gegenwart und ihre Gebete werden Ihr Haus heiligen und Segen auf Ihr Haupt bringen. 8 Sollten Sie in Ihrem Herzen die Versuchung fühlen, sich zu fragen: Wie konnte dieser Engel von Güte und Reinheit seine Einwilligung zu einer geheimen Verbindung geben? wie konnte diese Heilige, deren Gebete un serm Hause Segen bringen sollen, ohne unsere Einwilligung in unsere Familie treten? dann, Frau Middleton sa— gen Sie es dennoch nicht. Alice hat bloß mit ihren Blumen und mit ihrer Bibel gelebt. Niemals hat sie einen Roman gelesen, niemals mit Andern verkehrt, als mit mir und mit dem, der nun ihr Gatte ist, und mit diesem nur selten. Sie weiß nichts von der Welt und kennt deren Gebräuche nicht. Sie wurde gefragt, wie Rebekka gefragt wurde: Willst du mit diesem Manne gehen? und sie antwortete: Ich will es. Ich sagte ihr, es sei ihre Pflicht, Herrn Lovell zu heirathen, und sie heirathete ihn. Und wenn Sie, Frau Middleton, hierauf einwenden, daß es nicht ihre Pflicht gewesen sei, ihn zu heirathen, und daß ich Alice eben so getäuscht hätte wie Sie, so sage ich wieder: Richtet nicht, verdammet nicht! Nur hierdurch entgehen Sie ei— nem schrecklichen Richterspruche, einer entsetzlichen Verdammniß.“ „Jlst dieser Brief nicht das Höchste, was an Heuchelei und Unverschämt— heit geleistet werden kann?“ fragte meine Tante, als ich das Schreiben auf den Tisch legte. „Es ist ein seltsamer Brief“, erwi— derte ich; „aber was er von Alice sagt, ist davon bin ich über zeugt vollkommen wahr. Es stimmt genau mit dem Eindrucke überein, den sie auf mich gemacht hat, und entspricht mei— ner Meinung über den Antheil, den sie an der ganzen Sache hat.“ „Aber wie kann ihre Großmutter ihr eigenes Benehmen gegen sie recht— fertigen, wenn dem so ist?“ „Gott allein weiß es“, entgegnete ich. „Doch wenn du mich liebst, beste Tante, wenn du mich glücklich sehen willst, und wenn meine Bitten bei dir etwas vermögen...“ „Wenn sie etwas vermögen, fragst du?“ „Nein, nein“, rief ich, „ich will nicht sagen: wenn; denn ich weiß, daß es so ist; ich weiß, daß du mich liebst, und weiß auch, daß du alles, was du ver— magst, aufbieten wirst, daß Henry mit Alice glücklich wird. Ich würde kei— nen Augenblick Frieden haben, wenn sie nicht glücklich würden.“ „Du Engel!“ sagte meine Tante, indem sie ihre Lippen auf meine Wan— ge drückte. Von Schrecken ergriffen, wich ich zurück. „Nenne mich niemals wieder einen Engel, niemals sprich dieses Wort wieder aus; ich kann es nicht hören! Ich handele nicht selbstver—- leugnend; ich bin nicht demüthig; bloß zaghaft und feige bin ich. Ich kann dir nicht alles erklären; kaum weiß ich, ob ich mich, oder Henry oder sonst eiwas verstehe. So viel indessen weiß ich, daß ich Alice, wenn sie seine Ach— tung und seine Liebe gewonnen hat, so aufgeregt er sich in seinem sonderba— ren Briefe aus ausspricht, alle Tage meines Lebens segnen werde; denn dann hat sie mich vor unsäglichem Elende gerettet. O theuerste, beste Tante, schreibe an Henry, schreibe an Alice noch heute, gleich. Thue es so—- fort, warte nicht erst die Genehmigung meines Onkels abl“ Ich holte ein Tintenfaß, legte Pa—- pier und Federn vor sie hin und blieb dann in ängstlicher Erwartung neben ihr stehen. Sie seufzte tief auf und sagte: „Ellen, wirst du niemals wie— der offen gegen mich sein? Wenn du dich nicht um Henry grämst, was hat dich dann in letzter Zeit so unglück lich gemacht? Woher kommt es, daß deine muntere Laune dahin ist? Wes— halb sind deine Wangen so bleich, und warum ist dein Wesen so unsicher? Du täuschest dich selbst, mein Kind: du liebst Henry. Es ist bloß die Aufre— gung, die dir in diesem Augenblicke ei— ne trügerische Kraft verleiht.“ „Ob ich Henry jemals geliebt habe“, erwiderte ich, „das ich mir selbst ein Geheimniß. Ich glaube es nicht; ich glaube vielmehr der Wahrheit gemäß sagen zu können, daß ich ihn nicht ge— liebt habe, obwohl es eine Zeit gab, in der ich es mir einbildete. Wärest du gestern zu mir gekommen, um mir zu sagen, daß mein Onkẽl seine Einwilli— gung zu meiner Verbindung mit Hen ry gegeben habe, ja, daß er sie wünsche, oder hättest du mich selbst aufgefordert, deinen Bruder zu heirathen, ich würde seine Hand ausgeschlagen ha— ben, gestern, wie heute und immer.“ „Dann hast du dich mit ihm ent— zweit“, entgegnete Frau Middleton rasch, „und seine Heirath ist die Folge eines verletzten Gefühles, vielleicht ei— nes Mißverständnisses zwischen euch. Armer Henry“ Es lag eine gewisse Erbitterung in der Art, wie meine Tante diese letzten Worte sprach. Ich stand auf dem Punkte, ihr zu erzählen, welchen An— trag Henry mir gemacht und was er bei unserer letzten Zusammenkunft von mir verlangt hatte: dadurch würde ich mich gegenüber dem Verdachte, daß ich mich schlecht gegen ihn benommen ha— ben könnte, leicht gerechtfertigt haben; aber ich fühlte sogleich, daß dies beson—- ders im gegenwärtigen Augenblicke nicht schön, nicht edel gewesen wäre. War ich zudem nicht in seiner Gewalt? Durfte ich mich unterstehen, ihn anzu—- tklagen, ihn, der das Geheimniß mei— nes Schicksals in den Händen hielt? asuidt 1d Int r vésr 4 n S 1 «3

x I S Famitien und es ist dort Raum fur Tausende mehr. best en Theil dieses Distrikts: unsere Gesellschaft besitzt 150,000 Ueres des fruurearten Landes, und wir sind vorbereitet, alle, die sich in dieser reichen vr nie erzulassen wünschen. gnzusiedein. wir verkaufen zu niedrigen Preisen und leichten Be dingungen. Rev. V. Th. Krist, Vorsteher dieser Colonie, schreibt uns., daß hier s Jahre die Ernten gut mertn Boden ist reich, Wasser ist in Menge vortanden. Fermer gelangen rasch zum Wohlstand. Ixgend Jemand kann sich an ihn wenden, betreffs unseres Rufes und unserer sinanziellen Stellung, wie auch in Bezug auf die vorzügliche Qualitt des von uns rrirten Landes. Man greite an ihn unter der Adresse der Colonie, Sastatchewan, TCanada. Allen, die und ihren Namen und Adresse einsenden, schicken wir irei ein Exemvolar unseres Buches “A -to the last West, voll von Ihatsachen über Canada's wundervolle ha dauellen, wie auch andere Literatur. Unsere Gesellschast ist in der Lage. spezielle Vortheile, alen zu of erieren, die sich auf unserem Lande niederlassen wollen Lassen Sie uns Ihnen schreiben. utertoneraten m unserem iger Waggon, Jenza“, stehen dem Landsuchern zur Versügung. Untersuchen Sie diese en Baggon Schreiben Sie jetzt, diese Zeitung erwhnend, an THE LUSE LAND COMPANY, Lid. Insurance Buisding, St. Paul, Minn. Wiederum verschloß ich Herz und eir pen vor derjenigen, die mich mit einer solchen Liebe liebte, daß die Enthül—- lung meines unglückseligen Geheim-l nisses für sie einem Todesstreiche gleich gewesen sein würde. Meine Tante schien meine Besorg niß um das Glück ihres Bruders und seiner jungen Gattin jetzt besser 2 verstehen; sie schien zu glauben, daß ich mir den Vorwurf zu machen hätte, mich auf die eine oder andere Weise gegen Henry schlecht benoinmen und ihn da— durch zu dieser Heirath getrieben zu haben, und daß mir nun daran gelegen sei, so viel als in meiner Macht stand, dies wieder gut zu machen. Doch als sie nun das Papier vor sich hingelegt hatte und zu schreiben beginnen wollte, legte sie die Feder wieder hin und rief: „Aber wenn er sie nicht liebt, was konnte ihn veranlassen, uns alle so in Kummer zu setzen und sich selbst eine solche Verwandtschaft auf den Hals zu laden? Ich begreife es nicht.“ Immer wieder fragte sie mich über Alice, über jenen einen denkwürdigen Besuch, den ich in Bridman-Manor gemacht hatte, und über Henry's Be—- nehmen gegen sie, sowie über das ihrige gegen ihn aus. Ich antwor tete in der Weise., die ich für die ge—- eignetste hielt, um ihre Vorurtheile zu beseitigen, ihre Besorgnisse zu zer— streuen und sie in ihrer Hoffnung auf das zukünftige Glück ihres Bruders zu bestärken. Meine bittern Gefühle in Bezug auf ihn waren für den Augen— blict ganz geschwunden; ich bedauerte ihn von ganzem Herzen und erinnerte mich dessen, was er hinsichtlich der Aehnlichkeit unserer Geschicke gesagt hatte, und es schien mix, als sei auch er durch eine strenge Nothwendigkeit, durch geheimen Enfluß gezwungen, sich und Andern Leid zuzufügen. Als nun Frau Middleton ihm einen freundlichen, beruhigenden Brief ge—- schrieben hatte, worin sie die Hoff nung aussprach, daß sie Alice, die sie wie eine Schwester aufzunehmen und zu lieben versprach, in London sehen würde, wohin wir uns in drei Wochen brgeben wollten, da versiegelte ich den Brief mit ungestümer Hast und über gab ihn dem Diener, der gerade im Begriffe stand, sich nach der Post— station zu begeben. Sie schrieb auch einige Zeilen an Frau Tracy, in welchen sie ihr in ernsten Worten vorhielt, wie unxecht, wenn nicht gewissenlos sie in Bezug auf ihre Enkelin sowohl wie auf eine Familie gehandelt hätte, deren Miß fallen sie sich verdientermaßen, wie sie! wohl selbst einsehen müsse, zugezogen habe. Den Brief an ihren Vater theilte sie mir nicht mit. Herr Middleton ließ sich über die ganze Sache nur wenig aus. Eines Tages, als seine Frau in seiner 2 genwart davon zu sprechen begann, sagte er: „Meine liebe Mary, es gibt Personen und Dinge, von denen man am besten so wenig als möalich spricht, und dazu gehören dein Bruder und seine Heirath. Ein anderes Mal, als; sie die Bemerkung gegen ihn machte,! daß mein Aussehen um vieles besser! sei, erwiderte er: „Es freut mich, daß sie wieder vernünftig geworden ist.“ Dann und wann erhielt Frau Mdidleton Briefe von Henry, nie— mals aber zeigte sie mir die— selben. Wenn ich sie darum be—- Wünschen Sie Tapeten oder Moulding? Haben Sie Anstreicher-, Dekorations- oder Tapezier-Arbeiten zu be— sorgen? Wenn so, dann sprechet bei uns vor. BRADFORD BROS.. Beide Telephone. 1169 Jowa Straße. CARR, RYDER ADAMS CO., Fabritkanten von Thüren, Sash, Mouldings, Rahmen, Drechslerarbeit, und Lieseranton von e seinen harten Holzarten für innere Ausstattuug. Hndler in allen Arten Glas, Hartholzfsußboden, Sereenthüren usw. e Schreibet um Preisangaben. —D DUBUQUE, 110 WA. Gelegenheiten für deutsche katholische Farmer! St. Joseph's Colonie in Saskatchewan. West-Canada, hat schon mehr als eintausend fragte, theilte sie mir nur einzelne bestimmte Umstände mit, z. B. daß er ein kleines Haus in London gekauft habe, daß er zwei oder drei Mal bei seinem Vater gewesen sei, daß dieser sich aber noch immer weigere, Mice zu. sehen. Wenn ich fragte, ob Henry glücklich oder doch wenigstens zufrie-; den zu sein scheine, antwortete sie: es! sei immer schwer gewesen, aus dem,“ was er geschrieben, auf seinen Ge—- müthszustand zu schließen, und jetzt sei dies mehr noch der Fall als sonst. Gewöhnlich änderte sie dann schnell das Gespräch. Die gespannte Neu-' gierde, die ich an den Tag legte, und mein fortwährend sich steigerndes. ängstliches Verlangen. von Henrh etwas zu hören, schen sie auf den Ge-! danken zu bringen, daß ich, obwohl mein Stolz verletzt worden, doch noch“ um ihn trauere. In der That. meine künftige Seelenruhe hing so sehr von“ der Wendung ab, welche seine Gefühle: nehmen würden, daß der Gedanke daran sich in meinem ganzen Wesen ausprägen mußte und daß mein Be nehmen wohl geeignet war, jene Mei nung herborzurufen. Indem ich daran verzweifelte, mich darüber hinwegsetzen zu können, und außer Stande war. mich auszusprechen, auch zu stolz, um das zu wiederholen, wovon ich wußte, daß es mir nicht geglaubt wurde, hüllte ich mich wieder in jenes hartnäckige Schweigen, in die mir längst eigene berechnete Zurückhaltungz. aber mit fieberhafter Spannung sah ich unserer Abreise nach London entgegen und wartete mit einer Mischung von Furcht und Hoffnung auf den für dieselbe fesigesetzten Tag. (Fortsetzung folgt.) Der hl. Hugo wünschte auf seinem Sterbebette drei Dinge. „Meine letzte Speise“, sagte er, „sei die hl. Com munion, mein letzter Gedante das Lei— den Christi, mein letztes Wort sei Jesus.“ Recht so, denn auf dem ent scheidenden Gang in die Ewigkeit be darf die Seele der Stärkung durch die Himmelsspeise, eines sicheren Führers, eines unzerbrechlichen Stabes und ei nes hellen Lichtes. Ist ihr unter Umständen der Empfang der Seelen speise versagt, so ruht sie auch in der Betrachtung des Leidens Christi; fehlen endlich die Kräßte zur Betrach tung so faßt sie Jesus im hl. Sakramente, Jesus am Kreuge Alles in ein Wort zusammen, und ihr lezter Gedanke, ihr letztes Wort, ihr Trost, ihre Hoffnung ist Jesus. P. J. Nelson. Thos. H. Dufty. John D. Denison, Jr. NELSON, DUFFY OENNMSON, Drei kräftige Hilfsmittel. Deutsche Advolaten... X 0—205 Seeurity Building. Dubuque, Jowa. County· Anwalts Office. Hopkins Witty, Juweliere Optiker. pusud numn orroo-. 10wa. 2

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Luxemburger Gazette. Herausgeber: Katholische Druck Gesellschaft. Ceschästssührer: 2erenzGonner. Dienstag, den 23. Juni 1908. Fatholischer Kirchen·Kalender. Vom verlornen Schafe. —Luk. 15, I—lo. 5.28. Juni. Jrenäus. Leo 11. Benignus. M.29. Peter u. Paul. Syrus. Alfred. 0.30. Pauli Gedächtnis. Lucia, M. M. 1. Juli. Theobald. Rumold. Aaron. O. 2. Mariä Heimsuchung. Otto. K. 3. Eulogius. Anatolius. Berta. S. 4. Ulrich. Laurianus. VBerta. Weihe der Menschheit an das Heiligste Herz Jesu. (Mit der Enzyklika des Hl. Vaters, Papst Leo des Dreizehnten, vom 25. Mai 1899, veröffentlicht.) Süßester Jesu, Erlöser des Men— schengeschlechtes, blicke auf uns, die wir in Demuth an Deinem Altare knieen. Dein sind wir., Dein wollen wir sein; damit wir aber fester mit Dir verbun den sein können, siehe, darum weiht sich ein Jeder von uns heute freiwillig Dei nem heiligsten Herzen. Dich haben zwar Viele noch niemals erkannt: Dich haben VBiele unter Verachtung Deiner Gebote von sich gestoßen. Erbarme Dich beider, gütigster Jesu, und ziehe sie Alle an Dein heiliges Herz. Sei König, o Herr, nicht nur der Gläubi— gen, die niemals von Dir sich entfernt haben, sondern auch der verlorenen Söhne, die Dich verlassen haben: mache, daß diese dem Vaterhaus baldigst zueilen, damit sie nicht an Elend und Hunger zu Grunde gehen. König sei Derjenigen, welche Irrlehren getäuscht haben oder die Zwietracht trennte, rufe sie zurück zum Hafen der Wahrheit und zur Einheit des Glau— bens, daß bald sei Ein Schafstall und Ein Hirt. König sei endlich aller Jener, die im alten Wahne des Hei— denthums leben, und verweigere nicht, daß sie der Finsterniß entrissen und zu Deinem ewigen Lichte und Deinem Reiche geführt werden. Verleihe, o Herr, Deiner Kirche eine sichere und unverletzte Freiheit:; verleihe allen Völkern Ruhe und Ordnung; mache, daß von jeder Erdhälfte ein Ruf er— tönt: Lob sei dem göttlichen Herzen, durch das uns Heil geworden, ihm sei Ruhm und Ehre in Ewigkleit. Amen. Hierzu ist die Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu hinzuzufügen. „Die Religion des moder nen Sozialdsmus.“

Bekanntlich suchen die Sozialisten, in ihrer propaganda unter den Ka— tholiken aller Welttheile, den Sozialis mus so hinzustellen, als sei derselbe für Katholiken und Christen nicht ge fährlicher als irgend eine der anderen politischen Parteien hier in Amerita. Man argumentirt gerne von Seiten der Sozialisten, daß der Sozialist ebenso ungefährlich für Kirche und Staat sei, wie die republikanische oder die demokratische Partei. Und es kann wohl kaum geleugnet werden, daß viele Katholiken sich durch dieses Unschuldigthun von Seiten des Sozialismus verführen lassen und bisweilen für sozialistische Candi daten sei es auf dem National-Wahl—- gettel, sei es auf dem staatlichen oder sei es auf einem lokalen, stimmen. Dann wird auch vielfach von Seiten der Sozialisten gesagt: „Wenn der Sozialismus hvielleicht früher katholiken-feindlich war, so hat derselbe sich im Laufe der Zeiten geändert und heute birgt derselbe keinen Haß gegen die tatholische Kirche oder gegen das Christenthum überhaupt. „Uebrigens“, erklären sie dann weiter, „wenn der Sozialismus in Deutschland katholiken- und christen-feindlich war und ist, so bedeutet das noch lange nicht, daß der ameritanische Sozialis—- mus dasselbe sei.“ Das ist wieder so ein „Argument“, welches dazu ange— than ist, ameritkanische Katho liten und Christen irr e zu führen. Es freut uns unsere Leser, beson ders die hochwürdige Geistlichkeit und die gebildeten Laien, auf ein Werk aufmerksam zu machen, das diesen ver fänglichen Schein-Argumenten des Sozialismus enigegentritt und gründ— lich mit denselben aufräumt. Wir nehmen Bezug auf das soeben erschie nene Wert des hochw. Johann J. Ming, S. 1., welches von Benziger Bros. in New Pork, Cincinnati und Chicago zum Preise von $1.50 zu be— ziehen ist. Das Wertk ist in englischer Sprache und hat den Titel „The Characteristics and the Religion of Modern Socialism“. Der hochw. Verfasser ist in deutsch-amerikanischen Kreisen und auch unter den englisch— redenden Autoritäten über den Sozia lismus eine sehr bekannte Persönlich—- keit und unbedingt ein Fachmann auf dem Gebiete des Sozialismus. In der Besprechung der Frage über die Religion des modernen Sozialismus verfährt der hoch— würdige Vater Ming in der ihm eige— nen, gründlichen Weise, ohne irgend welche Voreingenommenheit. Er stützt seine Behauptungen auf die eigenen Aussagen von sozialistischen Autoritäten und zeigt dabei eine bewunderungswürdige Belesenheit. Seine Definitionen werden selbst von den Sogzialisten als ihre eigenen anerkannt werden müssen. Er zeigt, wie der moderne Sozialist eine revolutionäre, eine poli— tische und eine internationale Bewe— gung im vollsten Sinne des Wortes ist. Er bespricht die wwissenschaftliche Grundlage des Sozialismus wie sie von Marx, auf den Theorien von Hegel und L. Feuerbach, aufgebaut wurden. Dann verfolgt er die Ent— wickelung des Sozialismus und seines Materialismus wie derselbe später weitergeführt wurde und kommt zu einer gründlichen Auseinandersetzung der materialistischen Geschichts-Auf fassung von Marx und Engels. Die ameritanische Literatur der Sozialisten wird zur Rechenschaft gezogen und es ergibt sich mit un— widerstehlicher Nothwendigkeit, daß der Sozialismus der Religion feindlich gegenüber steht und ganz besonders dem Christen— thume Kampf bis auf's Messer ertlärt hat. All' die Schein-- Argumente der Sozialisten in dem Vergleichen des ersten Christenthums mit dem Sozialismus, werden end—- gültig abgethan und zu Schluß wird festgelegt, daß;ß die Religion des Sozialismus, wenn man überhaupt von einer solchen reden kann, weiter nichts ist als krasser Menschenkult, Vergötterung des Menschlichen und daher, vom Standpunkte des posi— tiven Christenthumes und besonders der tatholischen Lehre, durchaus verwerflich und verderblich ist. Aus dem Gesagten dürften unsere Leser schon leicht erkennen, daß in diesem Werke des hochwürdigen Pater Ming ein vorzüglicher Beitrag in dem Kampfe gegen den Sozialismus ge— liefert worden ist. Diese Schrift ist zumal deshalb werthvoll, weil sie die Bekämpfung des Sozialismus in einer ganz besonders zeit— gemäßen Richtung auffaßt, denn gerade in dem Verstecspiel, welches die Sozialisten gegenüber der Religion treiben, liegt für Katholiten und Christen überhaupt, hier in Amerila ganz besonders, eine der größten Gefahren die der Sozialismus in sich birgt. Wir gra— tulieren dem Verfasser zu seiner vor— trefflichen Arbeit und empfehlen das Werk der weitesten Verbreitung. Redakteur: Nitolaus Gonner. Die nackte Wirklichkeit. Manche Amerikaner freuen sich und rühmen sich des Wachsthums der ka— tholischen Kirche in den Ver. Staaten. In Wirklichteit aber verlieren wir sehr viel sowohl in Hinsicht der Zahl der Katholiken als der Qualität. „Wir dürfen nicht vergessen, daß wir unter sehr ungünstigen Verhältnissen hier leben. Unsere Gesellschaft, unsere Presse, unsere Literatur, unser öffent liches Schulwesen, die ganze Atmos— phäre, in der wir leben, ist ein Gift füur den Glauben und das Leben der Katholiken. Viele Tausende (ja Mil— lionen) im Lande, die katholische Na— men tragen und katholisch sein sollten, sind Apostaten, oder Kinder von Apo— staten. Unter den fünfzig Millionen Menschen in den Vereinigten Staa— ten, die keiner Religion angehören, sollte gewiß ein bedeutender Theil ka— tholisch sein. Es gibt vielleicht in der ganzen Welt kein Land, wo die Welt, das Fleisch und der Teufel dem katho lischen Leben gefährlicher sind als in den Vereinigten Staaten. Es ist besser unangenehmen Wahrheiten rechtzeitig in's Auge zu schauen und dem Unglück vorzubeugen, als die Augen vor der Gehun zu schließen und dem Schlafe sich zu überlassen.“ So die „Cath— olic Truth“ vom Monat Mai. Hierzu paßt auch die treffende Ge— genüberstellung zweier Aussprüche, die eine tatholische Zeitschrift jüngst brachte. Schreibt der „Morning Star“ von New Orleans, La.: „Daß drei Millio— nen Katholiken in New York gegzählt werden, ist nicht nur ein erfreulicher Beweis für den Glauben in unserer Zeit, sondern es liegt in dieser That— sache auch eine glänzende Prophezei—- ung für den künftigen Fortschritt und die künftige Macht des Katholizismus in Amerila.“ Schreibt der bekannte Newman in seine „Apologia“: „Seit der Zeit, da es kundgeworden, daß jene große Leuchte, Augustinus, der letzte Bischof von Hippo sein sollte, sind die Christen auf immer davon gewarnt worden, prophezeien zu wollen, wie die Vorsehung ein von ihr begonnenes Werk fördern oder vollenden mag. Bekanntlich war die Kirche in Nord Afrika eine der blühend— sten des Alterthums und zählte man auf der Nordküste des „schwar— zen Welttheils“ im Jahrhundert, in welchem der hl. Augustinus wirkte, über sechshundert Viochi oder sie— ben Mal so viele wie in den Vereinig—- ten Staaten heute bestehen. Und heute ist die einstmals so blühende Kirche von Nord-Afrika, verglichen mit ihrer früheren Blüthe, eine Ruine als Strafe für die Häresien und die schismatischen Verfehlun— gen der Christen jener Zeit.“ guxemburger Gazette, Dienstag, den 238. Juni 1908. Schnitzel und Spähne aus der ie Vorbereitungen für die D preußischen Land t ags— wahlen sind getroffen, in üinigen Tagen (am 3. Juni), geht der Tanz los. Auf allen Seiten ist man gerüstet, handelt es sich doch auch dieses Mal wieder um hohe Güter, welche das Christenthum ver— theidigen, das Freidenkerthum aber in den Koth treten will. Es ist der KHampf um die Volksschule, welcher die nächste Legislatur-Periode in Preußen beherrschen wird, und wie das Resultat der Wahlen, so der Aus— gang des Schulkampfes. Siegt der Block, dann wird es ein erneuter scharfer Kampf gegen die christliche Weltanschauung geben, namentlich ein neuer, wenn auch stiller Kultur— kampf gegen die Katholiken. Na, wir wollen abwarten. Das Centrum ist gut gerüstet und kann mit Recht auf einen schönen Erfolg rechnen, den es durch seine Arbeiten im letzten Land— tage reichlich verdient hat. +444 Eine nichtswürdige, freche Be— leidigung der Centrums— wähler erlaubt sich bei dieser Ge— legenheit die „Deutsche Wacht“, das Organ der Deutschen Vereinigung, bei einer Besprechung der Geschichte des preußischen Wahlrechtes von H. von Gerlach. Folgender Satz wird sich dabei geleistet: „Freilich für die Par— teien, die wie das Centrum ihre Stärke nicht von der Einsichtsfähigkeit ihrer Wähler, sondern von dem blinden Herdentrieb der breiten, urtheilslosen Masse erhofft, ist das allgemeine und gleiche Wahlrecht das vortheil— hafteste, und von diesem Gesichtspunkte aus wird es von ihnen gefordert, wenn sie auch diesen Beweggrund nicht eingestehen.“ Die jüngste Vergan— genheit dürfte bewiesen haben, daß manche „hohe“ Herren absolut nicht nöthig haben, so von oben herunter über blinden Herdentrieb“ zu schnoddern, denn ein anderer „moderner“ Trieb unter den oberen Zehntausend ist denn doch so ekelhaft gemein, daß die „breite ur— theilslose Masse“ es kaum zu fassen bermag. wie Menschen sich so bis unter das Vieh degradieren können. (Siehe e Eulenburg!) 444 Diejenigen, welche in ihrer behäbi— gen Ruhe nicht gerne gestört wollen sein, mögen vielleicht behaupten, daß es mit dem Kampf um die christliche Volksschule noch nicht so schlimm sei, wie man es in katholischen Blättern darstelle. Dann bitte die Schlaf— mütze einmal etwas zu lüften und die kirchen- politischen Sturmzeichen zu beachten, welzhe sich überall zeigen, besonders in letzter Zeit. In Mülheim an der Ruhr, veranlaßte kürzlich der Kreis schulinspeltor, daß das Kruzifirx. welches bis dahin über dem Katheder Der Fluch der Aktien-Verwässerung. ir haben unseren Lesern verschiedentlich gesucht die fluchwürdigen Methoden in ihrer ganzen Verwerfslich— keit zu kennzeichnen, wie sie unsere ameritanischen „Geldfürsten“, „Han— delsbarone“ und wie wir die Voltks— aussauger alle bezeichnen, benutzt ha ben um ihre Millionen und Milliönchen zusammenzubringen, auf welche noch manchmals Einzelne von „Denen die nicht Alle werden“ von dummen Leuten mit Stolz hingewiesen wird um zu zeigen „wie man in Amerika schnell reich werden“ kann. Wir wollen heute unseren Lesern die ns einanperienungen vorlegen wie sie ein Herr Ch. E. Russell in der Monatsschrift „Everybody's“ vorlegt, da er zeigt, daß es gerade die ärmeren Klassen sind, welche unter dem Verbrechen der Ueber-Kapitalisa—- tion und der Aktien-Verwässerung zu leiden haben. Ertr schreibt: „Wir haben in diesem Lande unge— fähr 218,000 Meilen Eisenbahnen, von denen nur 15,000 Meilen doppel geleisig sind. In Wirklichkeit sollten alle Linien doppelgeleisig sein, nicht nur der Sicherheit wegen, sondern auch um den Vertehr zu bewältigen. Gäbe es keine Aktien-Verwässerung, so gäbe es auch keine menschen mordenden Eisenbahn-Kreuzungen. „Der schlechte Straßenbahn-Dienst, die Ueberfüllung der Wagen, die un— genügende Fahrgelegenheit, die holpe— rigen Geleise sind eine Folge der Aktien Verwässerung. Das Geld, das unter anerun Umständen für Verbesserungen verwendet werden sollte, war nothwendig, um Dividen— den auf verwässerte Aktien zu be— zahlen. „Die Gas Gesellschaften treiben dasselbe Spiel. Gutes Gas kann fabrizirt und geliefert werden zum Preise von 50 Cents per Tausend Fuß. Wir bezahlen in den meisten Fällen einen Dollar und mehr und erhalten sogar zu diesem Preise schlechtes Gas. Die übrigen 50 Cents sind für verwässerte Aktien und übermäßige Bonds. „Es ist leicht erweislich, daß, falls die Eisenbahn-Aktien nie verwässert worden wären, in anderen Worten, wenn die fabelhafte Ertragsfähigkeit niemals kapitalisiert worden wäre, könnten die Eisenbahnen Passagiere zum Preise von einem Cent per Meile befördern und viel Geld ver— dienen. Folglich ist der Unterschied zwischen einem Cent und drei Cents eine Steuer, welche das Volk für das „Wasser“ in den Aktien bezahlen muß. „Aber was in aller Welt erhalten wir für diese zwei Cents, die wir (Spezial-Correspondenz aus Deutschland.) Von „„Ultramontanus“. vor den Augen der Kinder hing, an der entgegengesetzten Wand ange— bracht werde, also im Rücken der Kind! Ob man dieses mit einem Bilde des Kaisers auch gewagt hätte? Gegen die Ausstellung von unsitt— lichen Bildern in öffentlichen Schau— fenstern, welche von Tausenden von Schulkindern tagtäg— lich besichtigt werden, wird dieser „saubere“ Kreisschulinspektor, dem das Kruzifix ein Aergerniß ist, nicht viel einzuwenden haben. Man hat wenigstens von solchen Burschen noch nie gehört, daß sie gegen diesen Uebelstand ernst— lich Front gemacht hätten! 444 Angefeuert durch dieses kulturkäm— pferische Beispiel ordnete der Ober— bürgermeister in Mülheim (Ruhr)—- Styrum ayu, daß in den Schulzimmern der neuen katholischen Volksschule kein „confessionelles Abzei— chen“ angebracht werden dürfe. Daher kommt es., daß es in keinem einzigen Schulzimmer dieser neuen, prächtig ausgestatteten Schule ein Kruzifix zu finden istl Und solche Beispiele könnte man zu Dutzenden aufzählen. Sie zeigen haarscharf wie der Hase läuft. Wie gut, daß dieses Alles sich vor der Landtagswahl ereignete! Nichts ver mag das Gewissen der katholischen Wähler besser zu sehärfen, als solche Vorfälle. Man muß; sie immer und immer wieder vorführen, denn nichts wirkt nachhaltiger, wie praktischer An— schaungsunterricht. 444 Doch Eins hätte ich bald vergessen, nämlich die Schutztruppe der Liberalen, der „Evangelische Bund“. Wo immer es gilt, confessio— nelle Hetze zu entfachen, da dürfen diese Brüder nicht fehlen, und so sind sie auch heuer wieder auf den Plan getreten um ihre unevange— lischen Hetzen zu betreiben. Folgen—- des Beispiel mag genügen. In einem Flugblatt, das in Essen zur Verthei— lung gelangte, war zu lesen: „Wach auf, evangelisches Volk! Die Landtagswahl steht vor der Thür. Bei der Theilung des früheren Wahlkreises in Essen-Stadt und Essen-Land ist die Gefahr vorhan den, daß in Essen-Land das fana— tische, rückständige Cen— trum die Ueberhand gewinnt. Ge— genüber dieser einen großen Gefahr, der größten Gefahr unse— res Vaterlandes, gilt es, alle anderen Rücksichten hintanzusetzen. Evpangelishe Wähler! Betheiligt euch alle bei der Wahl! (Speziell für diese Zeitung.) jahraus, jahrein, gezwungen sind, zu bezahlen? Soweit war es mir nicht möglich, irgend einen Vortheil, der dem Publikum daraus erwächst, zu entdecken, ausgenommen einen Blick auf die Außenseite der Paläste, welche mit diesem Wasser erbaut wurden. „Man sagt uns, daß wir uns nicht über diese Geld-Anhäufungen beun— ruhigen sollten, weil das auf diese Weise gewonnene Geld nicht in Strümpfen versteckt wird, sondern wieder in Umlauf gebracht werde und dem Volke wieder zufließe. Es ist zwar wahr, daß z. B. Herr Rocke feller kein Loch in seinen Keller gräbt und sein Geld dort verbirgt. Es ist wahr, daß mit den enormen Profiten, die ihm von der Standard Oil Com— panh zufließen, er eine Gasfabrik tauft und mit den Reingewinnen dieser Fabrik eine Straßenbahn-Linie tauft und so weiter. Es ist auch wahr, daß Gasfabriken und Straßen—- bahn-Linien Arbeiter anstellen und Löhne bezahlen müssen. Aber die Oberleitung dieser Unternehmungen bleibt in Händen des Herrn Rocke feller. Die Vertheilung der Rein— gewinne der Unternehmen, welche gleich im Anfange unredlich war, wird noch unredlicher durch die Thatsache, daß er sich einen beständig zunehmen— den Prozentsatz derselben sicherte, und das Geld, das er auf diese Weise unter seine Contxolle brachte, wird den Bestrebungen anderer Männer, denen es als Ansporn im ehrlichen Wettbe— werbe dienen sollte, entzogen. „Und wenn die Aussichten dieser Männer düstere sind, wie muß erst die Absonderung aller verfügbaren Er— werbsquellen des Landes die unte— ren Schichten des Volkes berühren? Die öden, schmutzigen und überfüllten Wohnungen an der Attorney Straße in New York, jenes Stadttheiles, dessen Bewohner Kohle zum Durchschnitts— Preise von 16 per Tonne kaufen und beim Einkaufen von anderen „Kleinig—- teiten“ in derselben Weise ausgebeutet werden sehen verlassener, elender, trauriger aus, als je zubor. „Eine Art unsichtbare Röhre oder Saugpumpe wird in eine jede dieser Wohnungen hineingelassen und arbei tet Tag für Tag daran die Extra— Centstücke für verwässerte Aktien der Kohlen-Gesellschaften, der Gasfabri— ten, der Straßenbahnen und der Mahlmühlen aufzusaugen. Fast jeden Tag steigen die Preise der Lebens— bedürsnisse jener Leute in drückender Weise und, auf Allem was sie tagtäg- Wahl-Campagne. Evangelische Wähler! Zersplittert nicht eure Stimmen! Am Himmelfahrtstage, Donnerstag, den 28. Mai, Vormittags 11 Uhr, ist großze Versammlung evangelischer Bürger im Lotale des Hrn. Winkel— hofer. Mehrere Redner wwerden sprechen, vielleicht auch Pfarrer Rachel-Essen. Thema: „Welche Ver— pflichtung haben wir bei der bevor— stehenden Landtagswahl?“ Zum Be— suche der Versammlung wird herzlich eingeladen. Der Zweigver— ein des Evangelisqhen Bundes.“ Nun, das evangelische Volk ist mittlerweile „aufgewacht“. Das „fa natische, rückständige Centrum“ hat heute, am 3. Juni, dem Wahltag, so laut und deutlich gesprochen, daß selbst die größte liberale Schlafmütze davon aufwachen mußte. 444 Klingelingelingeling „Halloh, wer ist da?“ „Hier Wahlbureau der Centrums Partei, wer dort?“ „Hier Ultramontanus. Was giebt's denn?“ siegt auf allen Linien!“ „Prächtigl Dann können wir uns ja gratulieren. Wie ist denn das Re— sultat?“ „Hier in Coblenz hat das Centrum 162 Wahlmänner erobert, während die National Miserablen blos 42 Männekes aufweisen!“ „Das ist ja herrlich! Einen solchen Erfolg hätte ich nicht erwartet, da vor der Wahl Alles so rührig her— ging. Man sieht doch, daß der große Centrums-Gedanke immer mehr Fuß faßt. Dem Volt sind die Augen ge öffnet, es weiß, welche Partei die einzige wahr ee Volkspartei ist.“ „So ist es auch, Ultramontanus. Weißt Du aber auch wie es früher schon einmal hier in Coblenz ausge sehen hat?“ „Und obl Im Jahre 1893 hatte das Centrum nur 71, während die Logenbrüder 78 Wahl— männer durchbrachten. Da war man aus Rand und Band. Das hiesige Logenblatt schrieb damals mit faust— dicken Lettern: Die schwarze Cen— trumsfahne ist von Coblenz herunter gerissen, sorgen wir, daß sie nicht wie— der aufgehißt wird.“ „Das war ja allerdings ganz rührend, aber es kam doch anders. Trotz der ganzen Ra f finiertheit des Beamten-Appa— rates, welcher bei dem offenen Wahl—- system jede Stimme der Untergebenen genau registriert, (zur sräteren Gr— innerungl), waren es gerade viele Beamte l(besonders Post-Beamte), welche frei und ohne Scheu ihre Stim— men für's Centrum abgaben.“ „Ehre diesen wahren Patrioten. Ich bin fest überzeugt. daß es in vielen andern Plätzen ähnlich ging wie hier. Volksstimme, Gottesstimme. Wir .wollen, vor wie nach, treu aushalten, mag kommen was will. Für heute Schluß.“ Klingelingelingeling. lich kaufen, ruht eine gewisse Steuer für verwässerte Aktien. „Und dann sollte man nicht über— sehen, daß in allen diesen Angelegen— heiten die Masse des Volkes keine Wahl hat. Den 10,000 sehr reichen und den 500,000 reichen Bewohnern ist es ganz gleichgültig, in welchem Zustand das New HYorker Transportations-Wesen ist. Dieselben haben ihre Kutschen oder ihre Auto— mobile und, wenn je ein Reicher die Straßenbahnwagen benutzt, so ist es zu einer Zeit, während welcher die Wagen am wenigsten gefüllt sind und sie infolgedessen mit keinen so großen Unannehmlichteiten zu kämpfen heren Nebenbei sind die extra zwei Cents, die sie für verwässerte Straßenbahn—- Aktien und die extra fünfzig Cents, die sie für verwässerte Gas-Aktien, bezah len müssen, für sie von gar keiner Be— deutung. „Man nehme einmal den Fall eines jener Fabrikmädchen, welches Morgens früh zur Arbeit geht und erst nach sechs Uhr Abends wieder heimkehrt. Es ist für eines jener Mädchen eine Sache von sehr großer Wichtigkeit, wenn sie von den fünf oder sechs Dollars die sie wöchentlich im Schweiße ihres Angesichtes verdient, jede Woche 24 Cents für Wasser bezahlen muß, das die Aktien der Straßenbahn Ge— sellschaften enthalten. Wenn ein solches Mädchen seine Kost bezahlt und etwas für Bekleidung bei Seite ge— legt hat, dann sind 24 Cents für es eine bedeutende Summe. Es ist für jene Arbeiterin von sehr großer Wich— tigleit, daß ihre Kostgeberin für jedes Tausend Fuß Gas, das sie verbraucht, 50 Cents extra für verwässerte Gas—- Mtien bezahlen muß. Die Kostge berin bezahlt diese Erxtra-Steuer nicht selbst, sondern berechnet ein fach um soviel mehr Kostgeld. Es ist für diese Arbeiterin von großer Wich— tigkeit, daß sie nach vollbrachtem, schwerem Tagewerk, vielleicht eine Stunde lang in einem überfüllten Straßenbahnwagen stehen und sich eine unanständige Behandlung gefal—- len lassen muß. Von diesen Be— schwerlichteiten gibt es für sie kein Entweichen. Sie muß ihre Arbeit verrichten; sie kann nicht zu Fuß gehen, denn ihr knapper Lohn awingt sie, weit entfernt von ihrer Arbeitsstelle zu wohnen; sie muß um acht Uhr an der Arbeit sein; sie muß bis fünf oder sechs Uhr arbeiten; sie muß zu ihrer Arbeit oder nach Hause fahren, wenn das Gedränge am größ— ten ist und alle Straßenbahnwagen überfüllt sind. Sie ist folglich das gefesselte und hülflose Opfer jenes Syhstems und muß von ihrem kargen Lohn den Tribut zahlen, den ihr die Hochfinanz auferlegt, damit sie große Dividenden auf verwässerte Akltien be gahlen kann. „Nur wenn wir den Standpunkt einnehmen, daß das Publikum blos der stumme, blinde und geduldige Sktlave des Kapitalismus ist, welcher die Di— videnden zu liefern und stillzuschwei— gen hat, können wir annehmen, daß die Aktien-Verwässerung „das Volk nichts angehe“. „Diese unheilvolle Geschäfts— Methode hat sich aber seit Längerem bei uns eingebürgert und erfreut sich unserer bestätigenden und höchst son— derbaren Duldung. Oder glaubt vielleicht Jemand, daß derartige Finanz Kniffe neu seien? Diese Methoden wurden bereits von zwei Generationen unserer Geldjäger an— gewandt. „Wer trägt die Schuld an diesen Zuständen? Wir Alle tragen die Schuld. Wir haben jene Geschäfts— Methoden geschaffen, geduldet und be— wundert, welche die Anhäufung riesiger Vermögen und die Unterdrückung der Massen des Volkes möglich machten; wir haben unseren Mitbürgern die „angenehme Formel“ wie man, ohne etwas zu leisten, reich wird, gezeigt und wir haben mit unserem Applaus und unserem Gelde nicht gekargt, wenn die Formel genau nach unseren An— deutungen angewandt wurde. So lange wir unser Geld auf unserer Haustreppe liegen lassen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es bei unserer Wiederkehr verschwunden ist. Solange wir unsere öffentlichen Ge— rechtsame an geldgierige Privatleute verschenten, müssen wir erwarten, daß dieselben auf unsere Unkosten zur An— häufung großer Vermögen benutzt werden.“ Zum hl. Aloysius. (21. Juni.) Leuchtendes Vorbild der lieblichen Tugend, Die uns vom Staube zum Himmel erhebt, Schirmvogt und Führer sei allzeit der Jugend, Die von Versuchungsgefahren um— schwebt. Fleh' für uns Alle um Beistand und Gnade, Der Du die Sünde sv glorreich be— iegt, Daß unser Herz auf dem irdischen Pfade Eitler Lockung der Lust nicht er— liegt. Sankt Aloysi, beschirme die Seelen, Feinde rings lauern in tückischer Welt, Laß Deinen Beistand uns, Heil'ger, nicht fehlen, Wenn die Verderbniß Netze uns stellt. Laß uns gleich Dir in Reinheit hier wallen, Die mit der Schönheit der Engel uns ziert, Daß in der Heimath dort droben uns Allen Antheil an Gottes Seligkeit wird. Wie steht's mit uns Katholiken? Wir beklagten neulich den in „unsern Reihen“ sich kundgebenden Mangel an Verständniß und Interesse für die großen Aufgaben der Gegenwart, die wir k— same Bekämpfung der die ganze gesellschaftliche Ordnung und den Bestand des Staates und der Kirche bedrohenden Mächte des Um— sturzes, welche Thatsachen auch den Grundton einiger der vorgzüglichsten Reden bildeten, die auf dem jüngsten pennsylvanischen Katholilentag gehal—- ten wurden, und schlossen mit der Frage: „Wird die Klage, die zugleich Anllage ist, nicht ungehört verhallen?“ Darauf antwortet die „Amerila“: Wenn wir nach der Vergangenheit ur theilen sollen, wird das der Fall sein. Reden, Beschlüsse von einem Jahr in's andere, aber keine opferwillige soziale Arbeit, nirgends das Verständniß der Organisation und Presse, das die Sozialisten begeistert. Diese haben denn auch in Chiago und in New Hork Tagesblätter die englisch-sprechen den Katholiken des Landes lassen sich von der religiös indifferenten Presse bedienen, um mit der farblosen gleich-- gültig zu werden. Hierzu sehreibt der „Ohio Waisen—- freund“: „Es darf hierbei nicht vergessen werden, daß gerade der Central— Vere in, dem oben erwähnten Uebel— stand abzuhelfen, einen großgzügigen Plan gefaßt hat, der belkanntlich in der systematischen Förderung der höheren Laienbildung und in der Audsbildung von geschulten Volksführern und Rednern bestehen soll. Man wird nach der im September stattfindenden Cleveland'er Tagung des Central— Vereins, wo dieser Plan allen Ernstes zur Diskussion gelangen wird, mehr darüber vernehmen.“ Eine unorthographische Reklamation. 4 K Eine fränkische Güter Expedition hat, nach der „Amberger Volklszig.“. dieser Tage folgenden Brief erhelten: „Liwe Giteräxbetütion! arum schickst Du mir so lange meinen Kufer nicht. Ich habe Dir doch nikz gedan, das Du mir meinen Kufer nicht schikst. Sei so gud und schik mir doch meinen Kufer. Es grüst Dich bestens Dein M. Sch.“ Es gibt doch noch recht gomüthliche Leute. (Speziell für diese Zeitung.) Wem gehören die Kinder? Von I. K. Seitdem die Sklaverei hierzulande abgeschafft ist, können Menschen, folg—- lich auch die Kinder, nicht Eigenthrun weder des Staates noch eines Privaten werden. Die Ausdrücke: „Kinder des Staates“, „Kinder des Vaterlandes“ haben also keinen Sinn. Der Staat besitzt über dieselben weder ein Eigen thumsrecht noch ein Erziehungsrecht; er tat es nicht von Gott und auch nicht von den Eltern, welche ihm dasselbe nicht übertragen durften; er besitzt nur das Recht und die Pflicht, Eltern und Kinder in ihren Rechten zu schützen und zu fördern. Gott allein besitzt das Eigenthums recht über die Kinder und über die Kinder und über die Eltern, weil er ihr Schöpfer ist. Selbst die Eltern sind nicht die Eigenthümer ihrer Kinder, sie dürfen dieselben nicht verkaufen, ver— schenken oder tödten wie die Haus thiere. Die Kinder sind ihnen von Gott geschenkt, damit sie dieselben er nähren, erziehen und beschützen, bis sie selbstständig werden können. Die Eltern besitzen also blos das Erzieh—- ungsrecht und die Erziehungspflicht, und sind Gott für die Erfüllung der—- selben verantwortlich. Dieses Recht und diese Pflicht ge hört also nicht dem Staat, weil Gott dieselbe nicht ihm, sondern der Kirche und den Eltern übertragen hat. Chri— stus hat seine Kirche mit der Erziehung der Menschen im Allgemeinen, also auch der Kinder beauftragt. Die reli giöse Erziehung gehört also an erster Stelle der Kirche und unter ihrer Lei—- tung auch den Eltern. Sollten diese ihre Pflicht vernachlässigen, dann soll der Staat sie zur Erfüllung zwingen, weil die Kinder ein Recht auf eine religiöse Erziehung haben, welches Recht der Staat zu schützen hat. In der Kindererziehung kann und soll der Staat wie in zeitlichen Geschäften die Eltern unterstützen, entweder durch Bezahlung der Lehrer oder durch Er— richtung von Schulhäusern u. s. w., aber er darf sich nicht in die Kinder— Erziehung einmischen und die Schulen verstaatlichen. Der Staat ist also nicht berechtigt, die Religion aus den Schulen auszuschließen, die Lehrer zu ernennen, die Erziehung der Kinder auf das Lesen, Schreiben und Rechnen zu beschränken, weil die Eltern und nicht der Staat für die Erziehung der Kinder verantwortlich sind. Bewun— dern wir hier die Weisheit und Güte Gottes, die sich nichh weniger im Menschengeschlecht als bei den edleren Thieren, die sich paaren, offenbart. Wir sehen hier, daß die jungen Thiere ihre Eltern lieben und die Eltern ihre Jungen ernähren, erziehen und mit eigener Lebensgefahr vertheidigen und schützen. Können wir annehmen, daß Gott für die Menschen weniger gethan habe? Legt die Natur nicht den Menschen wenigstens die gleichen Pflichten auf wie den Thieren? Wir sehen es täglich, daß die Kinder ihre Eltern und die Eltern ihre Kinder lieben, und sich nach Kräften bemühen dieselben gut zu erziehen. Mit wel— chem Recht entzieht der Staat ihnen die Erziehung ihrer Kinder? Bedauern wir diesen ungerechten Uebergriff des Staates in die Rechte der Eltern. Seitdem der Staat Gott und alle Rechte Gottes ignorirt, hat er sich selbst an die Stelle Gottes gesetzt und seine Rechte sich beigelegt. Wer ist der Staat? Der Staat, das sind die Beamten des Staates, welche den Staat regieren. Der doberste Beamte des Staates nennt sich selbst der erste Diener des Volkes, also ist auch der Staat mit Recht nur der Diener des Volkes. Will er gerecht sein und seine PEflicht erfüllen, dann unterstütze er das Schulwesen jeder Denomination, die ein solches besitzt, und helfe den Uebri— gen ein eigenes Schulwesen zu errich—- ten. Denn ein Staatsschulwesen ist ein Eingriff in die Rechte der Kirche und der Eltern. Schandfleck für die Marke „Made in Germany“.

Wohin der von der Moderne betrie bene Kultus des Nackten führt, beweist ein durch die Presse Deutschland's gehender Bericht über eine in Berlin abgehaltene „eigenartige Vorstellung“ vor einem r ungeheueren Publikum“, bei dem die Mteure (beiderlei Ge schlechts) in lebenden Bildern „voll—- tommen nackt“ auf der Bühne erschienen. Ueber den „künstlerischen Werth“ dieser Schaustellung spricht sich ein so liberalos Blatt wie die „Münchener Neuesten Nach richten“ übrigens sehr gerina— schätzig aus. Das „ungeheuere Publi—- tum“ bestand, um der Polizei ein Schnippchen zu schlagen, nur aus „Ge ladenen“, die aber 20, 15, 10, 8 Mark Entree bezahlten. „Ein ausgegzeich netes Geschäft“ heißt es in dem Berichte. „Ob eine solche Comödie hingenommen werden würde, meint dazu die „Allgemeine Rundschau“ Ar— min Kausens. wenn Arbeiter oder Ar beiterinnen die Veranstalter wären? Oder wenn es sich um eine Umgehung der Ausnahmegesetze gegen die Polen oder eine sonstige Maßnahme preußi scher Staatsraison handelte? Der neuheidnische Geist triumphiert mehr und mehr über christliche Zucht und Sitte. Das ist des Pudels Kern.“ Instimmung. Arzt: „Ich garantiere Ihnen, daß Sie die Kur ohne jede Berufsstörung durchführen können.“ Patient: „Daran zweifle ich keinen Augentlictk ich bin nämlich Rentier.“

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1 5 Luxemburxger Nachrichten. Aus den Ver. Staaten. Arroyo Grande, Cal., am 10. Juni 1908. Geehrte Redaktion! Da die heurige trockene Witterung mein Lun—- genleiden etwas linderte, war es mir bergönnt, am hohen Pfingstfeste mit dem Zuge von hier nach Santa Maria u fahren, um dort der Portugiesen iae beizuwohnen. dJährlich veran— stalten nämlich die J. D. E. S. (ein portugiesischer Unterstützungs-Verein) in einer der katholischen Gemeinden an der Küste Mittel-Californien's eine großartige Festlichteit. Fünf Vereine (Coneilios) der Nachbarschaft bethei—- ligten sich an der Feier und marschier ten untert den Klängen einer „Braß—- Band“ vom Bahnhofe nach der pracht vollen Himmelfahrts-Kirche. An der Spitze der Progzession ging eine Schaar weißgelleideter Mädchen, welche drei Ebren-Zungfern umringten; ihnen folgten die Männer mit Fahnen und Abzeichen. Die Ehren JZungfern gingen in einem mit versilberten Stangen abgegrenzten Quadrate und trugen je vel große silberne Krone, ein silbernes Scepter, und einen prachtvollen Silberteller. Am Ein— gang der Kirche empfing der Priester die Ehren-Jungfern und segnete Krone, Scepter und Teller, welche dann von den Trägerinnen nach dem Hochaltar gebracht und dort niederge— legt wurden. Dies geschah zur sinn—- vollen Erinnerung, daß zur Zeit der Pest in Lissabon der Koönig Krone und Scepter, sowie Prunkgefäße auf den Altar niederlegte, um vom Schöpfer die Abwendung der Seuche zu erflehen. Aus dem Erlös der Prunkgefäße sollte Nahrung und Kleidung für die Armen beschafft werden. Das feierliche Meßopfer brachte der hochw. M. Ternes von Santa Maria dar und erging sich in beredten Worten über das wunderbare Wirken des hl. Geistes in der katholischen Kirche. Ge—- sang und Musit trugen sehr zu erha— benen Feier bei; Vortrag und Aus— sprache waren rein und fromm, und wurden besonders die Responsorien würdevoll gesunden. (Leider ist es um die Kirchenmusik in diesem Staate schlecht bestellt.) Nach dem Segen mit dem hochwürdigsten Gute empfingen die Ehren-Jungfern die niedergelegten Insignien wieder und folgte die tau— sendtöpfige Menge den Vereinsleuten unter den Klängen der Musitkt nach dem Festpark. Dort hatten mittler weile mehrere Männer etliche tausend Pfund Rindfleisch an Spießen und Rosten über einer gewaltigen Kohlen— gluth in langen Gruben gebraten. Zur Erinnerung an die königliche Speisung der Armen erhielt jeder Anwesende Brod und Fleisch im Ueberflußß. Für die dreitägige weltliche Feier, welche— am nächsten Tage mit Tanzvergnügen schloß, sollen nicht weniger als ein Dutzend schwere Ochsen geschlachtet und gebraten worden sein. Der Schreiber konnte nicht umhin, nach dem Gottesdienste die prachtvolle gothische Kirche mit der sinnreichsten Ausstattung, die styl-gerechten Altäre und kunstbollen Fenstergemälde, die herrlichen Gartenanlagen, sowie das schöne Pfarrhaus zu bewundern, welche Rev. M. Ternes in der Kürze von zwei Jahren gleichsam hervorge—- zaubert hat. icie der Nähe der Oelfelder haben sich Leute aus allen Herren Ländern in Santa Maria an— gesiedelt, und bedient sich der seelen eifrige Priester zuweilen fünf Spra— chen, um den Bedürfnissen seiner Pfarrkinder gerecht zu werden. Rev. M. Ternes ist gebürtig aus Ober— donven im Kanton Remich, Großher— zogthum Luxemburg, und kam in sei— nen Kinderjahren mit seinem Vater nach Nebraska. Er machte seine Stu— dien in St. Francis, Wis., und in Rom und wirkte mehrere Jahre in Montana. Aus Gesundheits-Rücksich ten mußte er nach Californien, wo er an mehreren Orten segensreich seines Amtes waltete. Zur Zeit versieht er außer Santa Maria noch die Missionen Los Alamos, Guadelupe und Betteravinl. Möge er noch lange Jahre im Garten des Herrn wirken könnenl! Mit bestem Gruß Ihr ergebener Zn Rushford, Minn., ist einer der besten Bürger jener Stadt verschieden: Herr Peter Miller. Seine Gattin war ihm am 8. April im Tode voraus gegangen. Dieserhalb war Miller sehwermütihig geworden. Um nun hierüber hinwegzukommen, gedachte er, seinen Verwandten in Fowa einen längeren Besuch abgzustatten. Da die— selben gegenwärtig sehr beschäftigt sind, hielt er es für das Beste. die Reise im eigenen Buggy zu machen. An drei Tagen gedachte er so die Reise gzwischen Rushford, Minn., und Inde— pendence, Ja., (150 Meilen), zurück zulegen. Freitag Nachmittag. den d. Juni verließ er Eldoria guten Mu— thes; turz darauf fand ein Passant das. auf der Landstraße stillstehende Wefährt, in der Meinung der Insasse schlafe. Bei näherer Besichtigung stellte sich heraus, daß Hr. Miller todt war; ein Herzschlag hatte ihn zu seiner verschiedenen Lebensgesährtin abberu—- fen. Peter Miller war 1844 zu Wecker, Luxemburg, geboren. 1868 kam er nach Amerila und vier Jahre später wurde er mit Frl. M. Lanten. welche 1866 von Junglinster, Luxem burg, nach den Vereinigten Staaten eingewandert war, ehelich getraut. Hr. Miller wurde 1897 zum Mayor von Rushford gewählt und war zehn volle 3-fer Mitglied des Sadirathes Im Jahr· 1900 machte er eine Reise nach der alten Heimath. Hr. Miller war Senior-Mitglied der Firma Miller Bros., daselbst. Er starb kinderlos. Folgende Verwandten waren beim Be— gräbnisse am 10. Juni zu Rushford, zugegen: John Minller und Frau von Sioux Cith, Ja.; Frau F. Peyson von Columbia Heights, Minn.; Peter Miller von Wagner, S. D.; Frau Keyes und Bruder F. Leise von Waterloo, Ja.; Nic. Hanten, B. F. Hanten und John Reuland von Reuland von White Lake, S. D.; Hr. und Frau Peter Simon, Altura, Minn.; John Eischen von Caledonia, Minn., und B. Neins von Rolling stone, Minn. Er ruhe in Frieden! Den trauernden Hinterbliebenen unser herzliches Beileid! Zu Creighton, Nebr., verschied letzte Woche Herr Henry Neyens im Alter von 60 Jahren. Es überleben ihn seine Gattin und neun Kinder, zwei Brüder: Michael zu Dyersville und John zu Fillmore und drei Schwe—- stern: Frau Ressler zu Worthington, und Frau Mertes und Frau Orban zu Merrill, Ja. Der Verschiedene lebte früher zu LeMars, Ja., von wo er 1801 nach Creighton, Nebr., über— siedelte. Das Begräbniß fand am Freitag daselbst statt. Er ruhe in Frieden! Den trauernden Hinter—- bliebenen unser herzliches Beileid! Achtung! Kann irgend ein Leser der „Gagette“ Auskunft geben über Hrn. Nic. Meiers, gebürtig in geiel. Gemeinde Weiler zum Thurm, anton Luxemburg. Derselbe ist be-- reits seit 1872 in Amerika. Irgend welche Angaben über Denselben möge man gefälligst an die Verwandten des Verschollenen: Familie Michael Meiers, Bruch, Kanton Mer sch, Luxemburg, oder an die. Redakltion dieses Blattes senden. Aus Port Washington, Wis., meldet die „Zeitung“: Das Port Washington Heimkehr-Fest nimmt am Freitag Abend, den 3. Juli, seinen Anfang. Großes Feuerwerk überall, namentlich auf dem Rasenplatz beim Malzhause, wo Mayor Dabid S. Rose von Mil— waukee die Feier mit einer Rede er— öffnen wird. Auch Congreßmann Weisse wird eine Rede halten. Am 4. duli wird Hr. J. P. Schmit von Helena, Mont., die Festrede halten. Er ist ein junger Lurxemburger von hier, der zur Zeit in Montana ein Staatsamt belleidet. Großartig wird die industrielle Straßenparade sein, welche am 6. Juli stattfindet, am Schlußtage des Heimkehrfestes. Ueber fünfzig „Floats“ werden sich daran betheiligen. Im Uebrigen umfaßt das Programm für die Feiertage eine Reunion alter Ansiedler und der Landsleute aus Luxemburg, histo— rischen Predigten in den verschiedenen Kirchen, Volksfeste, Pferderennen, Automobilrennen, Ballon Aufstiege, Band Concerte, Baseball Spiele, Feuerwerk, bewegliche Bilder, Vaude— ville-Vorstellungen und viele andere Attraktionen. Alle früheren Bewoh— ner Port Washington's und dexen Familien und Freunde sind zum großen Rendezvous herglich einge— laden. Großherzogthum. Aus der Hauptstadt. Luxemburg, 6. Juni. Heute Morgen hat der hochw'ste Herr Bischof den drei ältesten Prinzessinnen das hl. Sakrament der Firmung in der bischöflichen Kapelle ertheilt. Als Firmpathin fungierte Pringzessin von Arenberg. Anwesend waren außer—- dem Z. K. H. die Großherzogin-Statt halterin, sowie zwei Hofdämen und zwei Leherinnen der Prinzessinnen. Luxemburg, d. gduni. Die Todesfälle der letzten Woche sind: Vom 29. Mai: Pauline Cecile Champagne, alt 31 Jahre, ohne Stand, ehelos; Johann Peter Kintgen, alt 31 Fahre, Advolat-Anwalt und Attache bei der Justiz-Verwaltung; Elise Bormes, alt 3 Jahre und 11 Monate; Anna Maria Nau, alt 58 Jahre, Ehefrau von Va— lentin Molitor; Maria Barbara Ge—- sche, alt 77 Jahre, ohne Stand, ehe—- los. 30.: Susanna Bamberg, alt 47 Jahre, ohne Stand, ehelos aus Stein heim; Margaretha Ferry, alt 1 Jahr und 11 Monate; Friedrich Gerhartz. alt 50 Jahre, Typograph. 1. JZuni: Elise Marie Laurent, alt 14 Monate; Michael Lamesch, alt 82 Jahre, Tage— löhner, ehelos aus Medernach. 8.: Leo Fohann Erbsmehl, alt 1 Jahr und 10 Monate; Friedrich Molitor, alt 71 dahre, pensionirter Eisenbahn-Be—- amter. 14.: J. P. Kintgen-Stomps, Advokat-Anwalt, 31 Jahre alt. Luxemburg,3. Juni. In den beiden Cantonen Esch und Luxemburg, wo gestern Stichwahlen stattfanden, siegte das Kartell der vereinten Liberalen und Sozen. Schreibt das katholische Organ „Luxemburger Wort“: Wir wollen nicht noch einmal die verschiedenen Phasen des Wahl—- tkampfes durchnehmen; wir fassen unser Urtheil in folgendem Sat zusammen: Gegen eine Thrannei, wie sie von ver—- schiedenen Großbetrieben und Ver— waltungen ausgeübt wurde, gegen eine Kampfesweise, welche vor *keinem Mittel, vor keiner Lüge und keiner Gehässigkeit zurückschreckte, gegen einen solchen Aufwand von Geld, wie er in den lehten zwei Monaten zu Tage trat, gegen eine Pringipienlosigteit, die zum unnatürlichsten Kartell führte, konnten wir unmöglich aufkommen; da mußten wir unterliegen. Der Ausblic in die Zukunft bietet ein un erfreuliches Bild. Sehr radikale Elemente sind in die Kammer ge— wählt worden; von Anfang an wurde ein ausgesprochener Freidenker von der liberalen und sogzialistischen Partei mitgenommen. Wahrscheinlich wird der Anti-Clerikalismus nunmehr in unserm Lande seine kulturkämpferische Thätigkeit beginnen. Auch in volks— wirthschaftlicher Beziehung wird der Ausfall der Wahl manchen Leuten eine große Enttäuschung bereiten. Die liberalen Candidaten der Großindu— strie haben gesiegt; sie werden bei den tommenden Reformen ihre Interessen zu wahren wissen und zu spät werden die Arbeiterwelt und der Mittelstand erfahren, wie sehr sie sich selbst durch ihre Stimmabgabe von gestern, Dienstag, geschädigt haben. Aus den übrigen Theilen. “Harlingen, 4. Juni. Heute verstarb dahier Hr. Joh. Clement, Forst-Brigadier. Vor 10 Jahren avancierte er zum Forst-Brigadier. Tadler, 2. Funi. Heute ver—- schied in der Stiftung Rorbert Metz in Eich Fräulein Marg. Loesch von hier, im Alter von 58 Jahren. Colmar- Berg, 8. Juni. Vor Jahren lebte als Pächter auf einem der hiesigen Höfe ein Herr Siou, ein geborener Belgier. Einer seiner Söhne heirathete hier Barbara Cal—- mus, Schwester des Wirthes Calmus—- Wagner. Am hohen Pfingstfeste sollte nun die älteste Tochter der Familie Siou-Calmus in Rochefort (Belgien), die erste hl. Communion feiern. Zu dieser Feier reisten nun nach Roche fort ab, Nikolaus Hobes, Marie Ha— mes und Magdalena Baetzel aus Welsdorf (Colmar-Berg), und Frau Heinrich Beringer aus Schieren. Am Samstag Abend gegen 8 Uhr kommt plötzlich von Jemelle aus Belgien die Nachricht, diese Personen seien verun— glückt. Her Siou hatte mit seinem Kutscher und einem zweispännigen Wagen seine Gäste auf dem Bahnhof abgeholt. Als man nun die Bahn bei Jemelle überfahren wollte, kam eine alleinmanövrierende Lokomotive daher gesaust. Die Barrierre war nicht ge schlossen, und so rannten die Pferde mit dem Kutscher unter die Maschine. Getödtet wurden gleich: Alexander Siou aus Rochefort, Nik. Hobes und Marie Hames aus Welsdorf und der Kutscher. Schwer verwundet sind: Frau Beringer aus Schieren und Frau Calmus aus Colmar, leicht verwundet ist nur Fräulein Baetzel. Am Diens— tag werden die Leichen zurückgebracht. um am Mittwoch in Colmar-Berg be—- erdigt zu werden. Manternach, 2. Juni. Am Freitag erlag hier Frau Pet. Classen- Müller einem Schlaganfalle. Am Morgen fühlte sie sich plötzlich auf dem Felde unwohl, am Nachmittag war sie bereits eine Leiche. Hosingen, 2. Juni. Herr Martin Peters von hier hat die Prü— fung für Thierarzt bestanden. Kana ch, 1. Juni. Heute wurde hier die erwachsene Tochter unseres Hrn. Lehrers Altmann zu Grabe ge— tragen. Diekirch, 4. Juni. Im Grand Hotel des Ardennes ist der Herzog Ph. von Orleans abgestiegen. Er unter-- nimmt von hier aus per Automobil Ausflüge in's Müllerthal, von denen er stets voller Bewunderung über die Schönheiten der kleinen luxemburger Schweiz zurückkehrt. Befort, 1. FJuni. Drei unserer jungen Mitbürger, die Herren Josef Diederich, dohann Cigrang und Viktor Osweiler sind am Samstag nach Amerika abgereist. Diederich und Cigrang machen die Reise über den Ozean bereits zum dritten Male. Gin anderer Mitbhürger, ein Sohn des Unternehmers Konrad Krischler, ist vor einigen Tagen aus dem Dollarlande an die Heimath zurückgekehrt. Niederwilt, 9. Juni. Am Samstag wurde die Leiche des seit acht Tagen verschollenen J. P. Roemer in der Wiltz aufgefunden. Rümelingen, 4. Funi. Als in der Nacht zum Mittwoch die Berg-- leute Michael Bach und Joh. Fischbach an dem Hause des Wirthes Kräusen die Fensterscheiben zerstören wollten, feuerte der Wirth mehrere Revolver schüsse auf die Burschen ab, wodurch Fischbach lebensgefährlich am Rücken verwundet wurde. Ettelbrücd, 1. Juni. Herr Pierre Jentgen aus Ettelbrück hat das Examen für das Doktorat der Rechte bestanden. Ehneen, 4. Juni. Der Scha—- den, den das Unwetter in der Nacht zum Dienstag in unseren Weinbergen angerichtet hat, wird auf mindestens 100,000 Fr. geschätzt. Zahlreiche Ackergeräthe wurden fortgeschwemmt. Ein ähnlich schreckliches Gewitter wurde hier seit 1876 nicht mehr gesehen. Greiweldingen, 3. guni. Am letzten Dienstag Morgen ging ein schweres Gewitter über unsere Ort—- schaft mit starkem Regen nieder. In den Weinbergen ist der Boden auch stark mit fortgerissen. Aecker, Gärten, Kleefelder und Wiesen sind schlecht weggekommen, so daß der Schaden sich auf Tausende von Franken beläuft. Düdelingen, 8. Juni. In einer Gallerie am Orte „Scharfenec“ wurde am Montag der 42 Jahre alte Bergmann Götz durch das von einer unverhofft explodierenden Mine weggeschleuderte Gestein getroffen und am ganzen Körper mit erren Wun— den bedeckt zu Boden geschmettert. wazette, Dienstag, den 28. Juni 1908. Mer sch, 5. Juni. In verflosse ner Nacht entstand Feuer in dem Schuppen des Spezereiwaarenhändlers N. Kugener. K. erleidet einen Scha—- den von 8,000; sein Nachbar Pierret einen solchen von 3,000 Franten. Grevenmacher, 5. Juni. Beim Baden in der Mosel sind hier drei Knaben, die beiden Brüder Heher, und Krier ertrunken. Wasserbillig, 5. Juni. Im Hause des Gemeinderathsmitgliedes Hrn. Theisen war gestern Abend ein Schadenfeuer entstanden. Der ver—- sicherte Schaden beträgt 1,000 Fr. Bonnewesg, 4. Juni. Nachdem der hiesige Rentner Hr. Heinrich Ber chem einen Bauplatz geschenkt, hat nunmehr die Dame Wittwe J. Hip— pert-Schmitz einen solchen in der „Bongeschgewan“ im Werthe von 9,000 bis 10,000 Fr. gratis an die Gemeinde abgetreten, um später, wenn othiwendia. eine Kapelle nebst Schul—- haus in diesem Viertel, wo bereits über 70 Wohnhäuser gebaut und über 600 Insassen wohnen, zu erbauen. Aspelt, 4. Juni. Hier verstarb der älteste Mann unserer Ortschaft: Hr. Joh. Ludovich, 96 Jahre alt. Esch a. d. Alz, 5. Juni. Vor dem Schwurgericht in Antwerpen be gann am 41. ca der Prozeß gegen den Kellner Wilhelm Kißzling, seine Mutter, Apolline Lehmann und den Photographen De Mans. Im Mai 1907 wurde in Antwerpen mit stau— nenswerther Kühnheit ein bedeutender Diebstahl zum Schaden der Wechsel- Agenten Van Glabbeeck, De Laet und Comp. verübt. Die Diebe Max Gorski und Alfred Kohlhoff. die zur Zeit in Deutschland in Gewahrsam sind, sowie Wilhelm Kißling von Esch an der Alzette nahmen im Hotel Ter minus Wohnung. In der Nacht zum 15. Mai machten die Diebe ein Loch in den Fußboden des Zimmers 104, drangen durch die Decke des Entresols mit einer Strickleiter in den Ge— schäftsraum ein, durchbohrten die Platten des Geldtresors mit einem Acetylen Apparat und nahmen den ganzen Inhalt des Geldschranks an sich. Das gestohlene Geld, die Bank noten, die Werthpapiere ergaben einen Betrag von etwa 120,000 Fr. Nach dem Eingeständniß Kißling's nahm er an dem Diebstahl theil. Die zweite Angeklagte Apolline Lehmann, Mut— ter Kißling's wird der Hehlerei be schuldigt. Der dritte Angeklagte, De Mans, hat sich ebenfalls der Hehlerei schuldig gemacht. Die Echternacher Springprozession. Alljährlich am Pfingst-- Dienstage findet zu Echternach ein wundersames, hochinteressantes Schauspiel statt, die sogenannte Springprozession zu Ehren des heiligen Willibrord. Man hat schon viel für und gegen diese Prozes—- sion geschrieben; die Einen finden die— selbe sehr erbauend, die Anderen, an— gefressen vom modernen Rationalis mus, schütteln höhnend den Kopf und schwatronieren von mittelalterlichem Köhlerglauben. Beide Meinungen lassen sich verstehen, je nachdem man auf kindlich-gläubigem oder auf einem Alles benörgelnden und bekrittelnden Standpunkte steht. Echternach ist ein kleines, 4,000 Einwohner zählendes Städtchen Lu— xemburg's und liegt im lieblichen Sauer Thale, am süd- westlichen Ende der Eifel, hart an der preußischen Grenze. In der Nähe bewundern die Touristen das bekannte Müllerthal, das an romantisch wilden Szenerien das vielgepriesene Aarthal noch übertrifft. Im Jahre 898 grün— dete der heilige Willibrord dẽt Echter— nacher Benediktiner-Abtei und das St. Georg-Hospital, welches heute noch besteht und das älteste Hospital Euro— pa's ist. Die Einwohner des nahen Beden verließen nun ihr Dorf, um sich in der Nähe der Abtei anzusiedeln. Echternach verdankt also seine Ent—- stehung dem heiligen Willibrord, und deshalb ist es kein Wunder, wenn dieses Städtchen bis in unser aufge klärtes Jahrhundert hinein alljährlich seinem großen Schutzpatron die kind n: Danlkbarkeit beweist. chon am Vorabende und Pfingst- Dienstag in aller Frühe strömen von allen Seiten gruppen- oder prozes—- sionsweise zahlreiche Pilger herbei, die den Rosenkranz beten oder die Litanei des heiligen Willibrord singen. Gegen acht Uhr, beim feierlichen Schalle der Glocken, verläßt die Geistlichleit die Kirche und begiebt sich mit Kreuz und Fahne, das „Veni Creator“ singend, über die Brücke auf das linke Sauer—- Ufer, bis iu's preußische Dorf Echter nacherbrück, wo man bei einem alten steinernen Kreuz stehen bleibt. Auf einer improvisierten Kangel hält ein Priester eine Ansprache an das Volt und darauf setzt sich die Prozession in Bewegung. An der Spitze singen mehrere hun dert Sänger mit der Geistlichkeit ab— wechselnd die Litanei des heiligen Willibrord, hinter denselben kommt eine lange Reihe von Geistlichen. Dann kommt eine große Musiklapelle. die den Willibrordus Marsch spielt, und ihr reihen sich die Tänzer oder Springer an. Zuerst erblickt man die 10- bis 14-jährigen Kinder der Stadt, dann die jungen Leute, die Mädchen, die Männer und Frauen, schließlich im buntesten Durcheinander nur noch Gruppen beiderlei Geschlechts. So nähert sich der Zug langsam der Stadt. Um die Tanzbewegungen leichter und schöner ausführen zu können, halten sich die Tänzer an Taschentüchern, Stöcken oder Regenschirmen aneinander fest. Der Tanz selbst ist eine Art Polka: man macht drei Schritte vor wärts und zwei rückwärts. Dabei machen Viele noch andere Bewegungen nach recht und nach links, immer uen nach den begeisternden Klängen der Musik. Eine Musiklavelle würde aber unmöglich für alle die Tausende ge—- nügen, deshalb haben die verschiede- nen Gruppen, wenn nicht eine eigene Kapelle, so doch mehrere Spieler, die auf Blech-Instrumenten, Flöten oder Geigen den Tangz begleiten und unter stützen. Wie die Wogen eines brandenden Meeres bewegt es sich durch die Stra- Ben, aber wie eine trübe Wolke schwebt ein großer Schmerz über der wogen den Menge. Die erschöpften, schweiß—- triefenden Gesichter, die Kranken und Unglücklichen aller Art, die vom hei— ligen Willibrord ihr Heil erflehen, das Alles macht einen schmerzlichen Eindruck. Hier trägt eine tanzende Mutter ein krankes Kind, während ihr der Schweiß mit den Thränen von den Wangen rinnt, dort führen zwei Pilger einen Fallsüchtigen, Krante, Greise, arme schwache Mütterchen tanzen auch und geht es auch nicht mehr so gut wie in früheren Jugend— tagen, sie tanzen dennoch, so gut es eben geht, aber mit einem Ausdrucke des Glaubens und des Vertrauens auf ihrem Gesichte, daß jeder gläubige Zuschauer hingerissen wird. Es ist eine Art Buße. In Echternach wohnt noch ein alter, patriarchalischer Glau— be, den der Krebs der „modernen“ Zeit noch nicht apgefressen hat. Mag auch ein Spötter darüber lächeln, die meisten Zuschauer sind tief ergriffen. Auch hat der Tanz nichts unanstän— diges an sich. Die biederen Land— leute sind so einfach und bescheiden, so fromm, daß man von all' ihren Bewe gungen nur erbaut wird. Die Prozession bewegt sich langsam durch verschiedene Straßen bis zur Pfarrkirche, die auf einem Hügel liegt. Der ganze Weg ist nur 1,250 Hards lang, und doch legen die Tänzer den—- selben nur in zwei Stunden zurück. Des Weges entlang sieht man überall mildthätige Leute den müden Pilgern eine Erfrischung darreichen. Die 64-stufige Steintreppe, die zur Kirche führt, hemmt nicht den Eifer der Leute. Die Musik erschallt be— geisternder, und tanzend steigt Alles die Treppe hinauf. Tanzend und springend zieht man in die Kirche ein, tanzend und springend bewegt man sich durch Schiff und Chor um den Altar, der die kostbaren Reliquien des großen heiligen Willibrord umschließt. Tan— zend zieht man wieder aus der Kirche heraus, dann tanzt man noch drei Mal um das alte Holzkreuz in der Nähe des Portals; der fromme Tanz ist zu Ende, das Gelübde ist erfüllt. Es dauert aber noch lange, bis alle Pilger am Kreuze gewesen sind und die feierliche Schlußandacht beginnen kann. In der Kirche sieht man, wie manchmal die Unglücklichen und Kran— ken sich auf den Reliquienschrein wer—- fen, denselben umarmen, und ihre Lippen an denselben heften. Wer je— mals all' die müden Gesichter, die Schweißtropfen, die Thränen, die Seufzer und Gebete dieser braven Leute bewundert hat, der vergißt nicht leicht dieses sonderbare, wehmüthig und doch wieder tiefgläubige und groß—- artige Schauspiel, das nur mit dem Tanze der „Seises“ in Sevilla (Spa— nien) das einzige dieser Art in der ka—- tholischen Welt verglichen werden kann. Allem Anschein nach stammt der merkwürdige Brauch aus den Zeiten des heiligen Willibrord selbst. In England, wie es im Leben des Mönches Aldhelmus aus der Abtei Malmesburg heißt, empfing das Volk denselben überall mit freudigen Kund— gebungen, mit einer „khytm i— schen Begrüßung“. Die Mönche tha.dasselbe. Es ist glaublich, daß die englischen Mönche, die mit dem heiligen Willibrord herüberkamen, diesen Brauch auch in Echternach ein— führten, zumal auch der Tanz vorzüg—- lich zu den religiösen Feierlichteiten unserer heidnischen Vorfahren gehörte. Abt Theofried selbst erzählt ja, daß der heilige Willibrord bei der Rückkehr von seinen apostolischen Reisen mit der größten, fast bis an Tollheit gren— zenden Begeisterung vom Volke sei empfangen worden. Nach seinem Tode wurde der große Apostel sogleich als Heiliger verehrt und so behielt das Volt die Sitte bei, denselben durch Springprozessionen zu verehren. So ur dieser Brauch nlanali- nichts als ei origiuelle ndgetung des driten riginele ndeeun für alle Wohlthaten zu danken, welthe die Gläubigen dürch die Fürbitte des hei— ligen Willibrord empfangen hatten. Im Laufe der Zeiten brachen nun Un—- lücke aller Art über das Land herẽ: quaee Ueberschwemmung. Hungers— noth, ansteckende Krankheiten und ganz besonders jene unter dem Namen Veitstanz bekannte Seuche, welche der Springprozession nach und nach einen anderen Charakter aufprägten. Die Springprozession hat mit einem Freudengange nicht das Geringste ge— meinsam, sie ist ihrem innersten Wesen nach eine schwere, ernste Bußwallfahrt, die das Kind einer von harten Nöthen heimgesuchten Zeit ist. Ja, die Echternacher Springprozes sion ist ein Gebet, mehr wie alle ande ren Prozessionen, die in der katholi— schen Kirche gebräuchlich sind. Um dem Volke einen Arbeitstag mehr zu lassen, verlegte 1826 die holländische Regierung die Feierlichkeit auf den Pfingstsonntag; 1830 aber tanzte man wieder am folgenden Dienstage. Seither aber hat sich diese Feier immer mehr entfaltet, 30- bis 40,000 Pilger strömen an diesem Tage von Nah und Fern herbei, besonders seitdem der Bi— schof Joh. Jos. Koppes von Luxemburg im Jahre 1892 dieselbe durch seine Gegenwart bestätigte und ermuthigte und im vorigen Jahre die Bischöfe von Trier, Metz und Utrecht an derselben theilnahmen. Hoffentlich wird diese“ originelle Sitte noch weiterblühen und sich nicht von modernen Phrasen unterdrücken lassen. Das brave, klatholische Echter— nacher Volk wird seiner alten Ueber— lieferung treu bleiben und fernerhin der erstaunten Welt alljährlich einmal einen Blick in's tiefgläubige „finstere“ Mittelalter werfen lassen. Anonymus. Aal H 7 Z 77 —1 2 x 8 i M—— Imitrauten Lamilien Kreise— Wo findet sich zumeist das Glück? Wohnt das Glück in Purpurhülle? Auch der Purpur deckt oft Schmerz. Wohnt es bei des Geldes Fülle? Sorge quält da oft das Herz. Wohnt es in den Fürstenzimmern, Bei der Erdengötter Macht? Auch den Glanz, worin sie schimmern, Trübt gar oft des Kummers Nacht. Such' es in der frommen Hütte, Wo die treue Liebe weilt! Such es in der Edeln Mitte. Die kein Haß und Hader theilt Eltern, Kinder, Hausgenossen Machen sich die Stunden süß; Da, im engen Kreis geschlossen, Blüht der Gottheit Paradies. KXKA Die amerikanische Maid. Mit ihren Brüdern maß sie ihre Kraft Im Steinbruch wo sie letzthin Steine schlugen. Schlank enr sie da und lachte knaben aft, Daß ihre Arme solche Lasten trugen. Sie streckte sich und hielt noch ihr Gewicht, Als schon des einen Bruders Kräfte brachen. Wie reifend stand sie da im Sonnen— licht. Und ihre jubelstolzen Augen sprachen: „Ich wurde stark. Und werd' es immer mehr! Und kommt ein Glück mit tausend lieben Plagen, Und kommt ein Leid von ernsten Gnaden schwer, Dann will ich's so auf starken Armen tragen!“ Das ist das Mädchen hierzuland': Selbstständig, stark, unübertroffenz In Lust und Frohsinn stets zur Hand, Nicht minder auch zum ernsten Schaffen. Goldlörner für Mann und Frau. (Von Pater A. M. Weis.) „Das Schneckenleben ist das beste“: Lervage- mit dem Hause este, Geduldig, langsam vorwärts dringend, Beharrlich Dich zur Arbeit zwingend, Bescheiden still und einge zogen. Zuerst schau in Dein eignes Haus, und bleibt Dir Zeit, erst dann hinaus. Sehe Jeder auf sein Haus, Gott sieht schon auf die Welt. Wer aus seinem Hause geht, um den Frieden zu suchen, der läuft dem eigenen Schatten nach. Weib und Leinwand kauft man nicht beim Licht. Der Mann bekommt leicht wieder eine Frau, aber das Kind schwer wieder eine Mutter. Des Mannes Ehre ist des Weibes Ehre; des Weibes Schande ist des Mannes Schande. Eheleute bleiben am längsten, wenn der eine Theil blind und taub, der andere stumm und vergeßlich ist. Nachgeben stillt viele Kriege. Die Männer sind alle Adams Söhne, die Frauen alle Eva's Töchter. Der Mann ist das Haupt, die Frau sein Hut. Das Haus macht nicht den Herrn, der Herr muß das Haus machen. Das Haus ziert nicht die Frau, die Frau muß das Haus zieren. Haus-Ehre liegt am Weib und nicht am Mann. Was im Hause ausgekocht wird, solt auch im Hause ausgegessen wer— den; sieht ein Fremder in den Topf. so geht der Deckel leicht in Stücke. Wo rechte Ehe ist, da werden rechte Kinder. Böse Kinder machen den Vater fromm. Kleine Kinder treten der Mutter auf den Schooß, große treten ihr auf das Herz. Was die Mutter an's Herz geht, geht dem Vater nur an's Knie. Ein Kind Angstkind; zwei Kinder Spielkin— der; drei und mehr, das werden die rechten. Viel Kinder, viel Vater— unser; viel Vaterunser, viel Segen Gottes. Wer Gott im Hause hat, der bringt zehn Kinder leichter fort als Lrei. wenn er Gott vertrieben hat. Ein Laster kostet mehr als zwei Kinder. Jeder Mutter Kind ist das schönste. Das mag der Natur hin— gehen. Möge ihr nur der Verstand sagen, daß das beste Jenes ist, das am besten erzogen ist. Was das Kind auf der Straße spricht, hat des Vaters oder der Mutter Gesicht. Kleine Kinder haben auch Ohren. Eine gute Hausfrau soll eine halbe Doktorin sein. Eine gute Hausfrau soll fünf „K“ besorgen: Kinder, Kum— mer, Küche, Keller, Kleider. Flei— kiger Haushalter macht fleißiges Ge— sinde. Eine tüchtige Haüsfrau ist eine sichere Rente. Die schönste Frau ist immer die gute Hausfrau. Kleine Küche macht groves Haus. Kein Garten ohne Nessel, keine Rose ohne Dornen, kein Häuslein ohne Kreuzlein. Haus-An—- dacht, Hauszucht und Häuslichkeit liegt an vier Dingen: einem gnädigen Gott, einem gesunden Leib, einem braven Weib, einem seligen Tod. „Moc“ und „Bluff“ im Dienste der Hausfrau. 111. 772 Gehen wir zu Suppen über! Die falsche Schildkrötensuppe haben wir schon eingangs erwähnt. Eine selbst für Kenner! vorzügliche falsche Königssuppe macht man aus Kalbfleisch- (Knochen-) Brühe mit usatz von Fleischextrakt, einer Prise ucker, ein paar geschnittenen süßen tandeln; das übrige wie echte. Fer ner giebt es eine falsche Schokoladen suppe, die man aus hellbraunem, mit Zucker angemachtem Schwitzmehl und süßer Milch kocht, mit Eigelb abzieht und schaumig klopft; wenn dicklich geworden, über geröstetem Weißbrot anxichtet und mit Zucker und Zimmt bestreut. Wir kommen zu den Gemüsen. Hier machen wir zunächst verschiedene „Spinate“, und zwar aus den ersten jungen Brennesselsprossen, den zarten Radieschen und den jungen Beeten (Rüben-) Blättern; wir bereiten die abgestreiften Mangoldstiele als Spar gel, weiße Rüben als Teltower, Hafer wurzeln als Schwarzwurzeln. Auch bei dem „Eingemachten“ köna nen wir etwas Hokuspokus machen. Wir bereiten uns z. B. selbst Honig aus Kürbis. Dazu wird der Kürbis geschält und in kleine Stücke ge schnitten, das Mark mit einem silber nen Löffel herausgenommen, das Fleisch auf der Reibe gerieben und in einen Geleebeutel zum Durchflie- Ben gefüllt. Auch das Mark lieferb noch eine Menge Saft. Darauf mißt man den Saft und bringt ihn in einer Kasserolle zum Kochen, giebb auf ein Quart ein halbes Pfund Zucker und kocht die Masse mit Citro nensaft und etwas --Schale, bis sie gangz dicklich ist, ein. Zuletzt fügt man einige Tropfen Rosenöl hinzu. Der Kürbissaft, auf diese Weise ein getocht, schmeckt wie Schleuderhonig. Man befürchte nicht, daß ich jetzt Pferd als Rind, die Katze als asen, den Hund als Hammel, Rat ten u. s. w. als Delikatessen vorfüh ren werde. Nur auf einige kleine „Changements“ möchte ich noch hin-- weisen. F. S. A. Es ersetzt Berberitzensaft Citroneʒ grüner Kressensamen und -Knospen so wie Dotterblumenknospen Kapern; Pfirsichblätter Mandeln in der Milch; Nüsse, Kürbis- und Pfirsich kerne Mandeln im HBackwerk; Mohn-, Nuß-, Kürbiskern- und Schnittkohlsamenöl Olivenöl. Natürlich bereitet man sich zu solchen „Moc“-·Diners den Champag ner aus Vom Alten und Neuen. „So hab' ich das schon 10 Fah ren gemacht, und meine Mutter hat's dreißig Jahre lang so gemacht und ist dabei alt geworden, ich sehe nun nicht ein, warum jetzt mit einem Male eine Aenderung eintreten soll. Es war doch bisher Alles recht und gut.“ Wie oft hört man mit diesen Worten eine alzu conservative Hausfrau eine Regel ver theidigen, die zum ehernen Bestand ei ner Hausordnung gehört, wenn ihr eine Neuerung angepriesen, ein guter Rath ertheilt wird. Alle Pietät in Ehren! Es wärs ewiß thöricht, wenn eine junge Haus ler die eben das Elternhaus vera ließ, absichtlich Alles anders einrichten wollte in ihrer Thätigkeit, als es zu Hause gegolten hat. Wollte sie alle Erfahrungen, die Mutter und viel leicht schon Großmutter im Laufe langer Jahre gesammelt haben, ver achten, sie müßte mehr Lehrgeld be-4 zahlen, als ihrer Wirthschafts-Kasse wohl zuträglich wäre. Aber schlimm ist es, wenn sie ängstlich die Spuren der Mutter nachgeht und sich allem Neuen unerbittlich abgeneigt zeigt. Manche Mutter würde das wohl mit stillem Wohlbehagen sehen. Aber schlimm ist es, wenn sie den Haushalt der Tochter an dem ihrigen mißt und Alles, was darin anders gehandhabt wird, schief ansieht. Die hyngen wol len sich ihre Thätigkeit selbst gestalteu. und wenn sie auch manchmal nur durch Schaden klug werden müssen, sollten die Alten dafür ein verstehendes Lä«. cheln haben, denn eine selbst errungene Erfahrung ist mehr werth als eine überlieferte. Mitgehen mit der Zeit, dies Work gilt auf dem Gebiet der hausfraulichen Thätigkeit ebensogut wie auf jedem andern. Aus allem Guten, Neuen klug seine Vortheile zu ziehen, ist eine nicht zu verachtende Kunst. Allerdings dem eigensinnigen Ver schließen gegen jede Neuerung steht auch jene Sucht gegenüber, alles Neue um jeden Preis mitzumachen. Das Eine ist natürlich ebenso verderblich wie das Andere. Mon solste an alles Neue wohl kritisch, aber vorurtheilsfrei her angehen und auch darauf bedacht sein. die Erfahrungen anderer sich bis zu einem gewissen Grade zu Nutze zu machen. Es muß zugestanden werden, daß es in unserer Zeit, wo die Re klame uns sobiel als unübertrefflich und „unentbehrlich für jeden besseren Haushalt“ anpreist, nicht immer leicht ist, den goldenen Mittelweg zu finden und einzuhalten. Aber man muß es eben versuchen und mit Fuyrit nas dem Worte handeln: Prüset unb das Veste behaltetl R. G.

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Inländisches. E ueueue Jlinois. Aus Chicago verlautet unter Datum vom 15. JZuni: Unter den in Schaaren hier anlangenden Delegaten zur republikanischen Convention machte namentlich der berühmte alte Blaine Club von Cincinnati, der 400 Mann start in schwarzen Gehröcken und wei— ßen Chylindern anrückte, Aufsehen. Der Club marschirte mit enthusiasti— schen Hochrufen für Taft den Michi— gan Boulevard entlang nach dem Auditorium Annex, dem Mekka der Republitaner. Diesem folgte wenige Minuten später die Kentuckh'er Dele— gation, der sich die Contingente Colo— rado und Kansas City's angeschlossen hatten. Unter der Menge hörte man fast nichts als Taft, trotzdem aber tragen dessen persönliche Repräsentanten durchaus nicht den Ausdruck der Sie— geẽgewißheit zur Schau, den man er— warten sollte, wo ihrem Candidaten beim ersten Ballot angeblich über 700 Stimmen sicher sind. Die farbigen Delegaten aus dem Eüden, denen vom National-Comite die Zulassung zum Convent versagt wurde, machen einen riesigen Spekta—- tel und geberden sich, als ob sie das ge— jammte farbige Votum in der Westen— tasche trügen und es nach Belieben an die Demotkraten abliefern könnten, im —-u Taft nominirt werden sollte. Sie bezeichnen die farbigen Mitglieder der Taft-Delegatiovnen als hungrige Hunde, die für einen ihnen zugeworfe nen Knochen ihr eigenes Blut verra— then und verkaufen werden. H. C. Creß, ein Neger aus Louisiana, ist ei— ner der schlimmsten Schreier. „Was wir nöthig haben“, sagte er, „ist ein Ku-Klux Klan“, zu dem jeder Far—- bige im Lande, der seiner Rasse treu ist, gehört. Verräther aber, die uns dem Feinde ausliefern wollen, müssen mit dem Tode bestraft werden. Alle weißen Freunde des Negers sind todt, er muß sich selbst helfen.“ Ebenso fulminant in seinen Aeuße— rungen war Rev. J. M. Waldron von Washington, D. C., Präsident der „American Negro Political League“. Er forderte alle farbigen Frauen im Lande auf, für die Niederlage Roose— velt's und Taft's zu beten, sprach die Hoffnung aus, daß Letztere und deren Helfershelfer, vor Allen der Erzver— räther Brooker T. Washington, zur Hölle fahren möchten und befürwor— tete die Begründung einer separaten Negerpartei mit dem Senator Joseph B. Forater von Ohio als Präsident— schafts-Candidaten. In den jüngst verflossenen Tagen haben zahlreiche Conferenzen hinsicht—- lich der Platform stattgefunden. Trotz dem ihr Wortlaut die volle Billigung des Präsidenten und des Sekretärs Taft hatte, sind doch in wichtigen Planken Veränderungen vorgenommen worden. Speziell ist das der Fall be— treffs der Tarifplanke, deren wesent— licher Inhalt freilich gewahrt worden ist. Diese Planke betont die Hingabe der Partei an die Schutzzoll Prinzi— pien, sagt aber zugleich, die Zeit sei gelommen, um die Interessen der ameritkanischen Arbeiterschaft und die Ausdehnung des amerikanischen Han— dels im Auslande zu beschützen. Die Partei wird, allerdings nur in allge— meinen Worten, verpflichtet, den Tarif in einer Spezial-Session des Congres— ses zu rebidiren, die sofort nach der Inauguration des neuen Präsidenten einberufen werden soll. Die besten Pillen, die je verkauft wurden. „Nachdem ich 15 Jahre lang für chronische Unverdaulichkeit gedoktort hatte, und hierfür 200 Dollars ausge— geben hatte, hat mir nichts so sehr geholfen, als Dr. King's New Life Pillen. Ich betrachte dieselben als die besten Pillen, die je verkauft wur— den“, schreibt B. F. Ayscue von Ingle— side, N. Verkauft unter Garantie in der Apotheke von T. W. Ruete, 656 Main Straße, Dubuque, Jowa. Jowa. Aus Waterloo verlautet unter Datum vom 16. Juni: Geistesgegen— wart und echten Heldenmuth legte der in der Glasziegel-Fabrik in Indepen— dence angestellte Arbeiter Fred. Me— Gowan an den Tag. Sein Mitarbei— ter Fohn Coons gerieth in das Ge— triebe der Maschinerie und wäre un— fehlbar zermalmt worden, wenn nicht MeGowan rasch den großen Treibrie—- men ergriffen und durch Abstreifen desselben von dem Treibrade die Ma— schinerie zum Stillstand gebracht hätte. Zwar wurde er durch die Luft ge— schleudert und ihm der rechte Arm an mehreren Stellen gebrochen, aber er ließ nicht los, und es gelang ihm, Coons vor allem Unheil zu bewahren. Kansas. —Um ein Gebiet von 205,107 Aeres ist neuerdings der bisherige Garden City Nationalforst in Kan— sas vergrößert worden. Die vom Präsidenten Roosevelt erlassene Pro— klamation bestimmt außerdem, daß der Name nunmehr in „Kansas National— forst“ geändert werden soll, dessen Areal mit den hinzugekommenen Län— dereien jetzt 302,3887 Acres beträgt. Der neue Nationalforst liegt in den Counties Finney und Kearney, in der Sandhügel-Region von Kansas, am Arkansas-Fluß. Der Kansas Nationalforst wurde hauptsächlich zum Lren von An— pflanzungs Versuchen geschaffen, da die rasch steigende Nachfrage nach Bauholz in den benachbarten land— wirthschaftlichen Ansiedelungen bei der Bevölkerung die Ueberzeugung wach— gerufen hat, daß dieses Sandhügel— land, das sonst nux in beschränktem Maße zu Weidezwecken zu verwenden ist, sich zur Aufforstung recht gut eig nen werde. Man hat auf ähnlichem Boden schon gute Erfolge mit „Schwarz Locust“ gehabt, und ist der Ansicht, daß weitere Experimente darthun werden, daß man auf der ganzen Sandhügel Region südlich vom Arkansas-Fluß mit Erfolg Nutz— holz wird ziehen können. Zu diesem Zwecke hat das Forftamt Vorbereitun— gen getroffen zur Anpflanzung von 65,000 Setzlingen werthvoller Hart— holzbäume, womit schon in diesem Frühjahr begonnen werden soll. Am 1. März wurde in Garden City eine neue Baumschule auf einem fünf Acres großen Complex angelegt, der von den County-Commissären für eine Jahresmiethe von 31 gepachtet wurde. Die jährliche Capacität dieser Baum— vfosten, Brennmaterial und andere praktische Zwecke in diesem bisher so gut wie baumlosen Lande ist unbe— rechenbar. Dachte, es habe sein Leben gerettet. Lester M. Nelson von Naples, Maine, sagt in einem Briefe jüngsten Datum: „Ich gebrauchte Dr. King's New Discovery seit Jahren für Husten und Erkältungen, und ich danke, es hat mein Leben gerettet. Ich habe ausgefunden, daß es ein zuverlässiges Mittel für Hals- und Lungenleiden ist, und ich wollte nicht mehr ohne einer Flasche desselben sein, ebenso— wenig, wie ohne Brot.“ Seit nahe— zu vierzig Jahren hat New Discovery allen Lungen- und Hals-Mitteln obenan gestanden. Als Verhüter von Pneumonia und als Heiler schwacher Lungen steht es ohne Rivalen da. Ver— kauft unter Garantie in der Apotheke von T. W. Ruete, 656 Main Str., Dubuque, Jowa. Probeflasche frei. Kentudny. Gouverneur A. E. Wilson be— gnadigte am 183. Juni Caleb Powers und James B. Howard, die der Be— theiligung an der Ermordung des Gouberneurs Goebel schuldig befunden worden sind. Powers ist bereits vier Mal prozessirt worden. Der letzte Prozeß endete mit Nichteinigung der Geschworenen. In einer Erklärung, die Gouverneur Willson bekannt gab, heißt es: „Bei dem Gouverneur ist der Antrag gestellt worden, Caleb Powers zu begnadigen, der angeklagt ist, bei der vorsätzlichen Ermordung William Goebel's betheiligt gewesen zu sein. Der diesbezügliche Antrag wurde durch Petitionen unterstützt, die von beinahe 500,000 Personen, von denen 240,000 Kentuckyer und sehr viele Demokraten sind, unterzeichnet wor— den sind.“ Der Gouverneur geht in seiner Erklärung auf die Ereignisse vor acht Jahren ein, als Goebel er— mordet und mit diesem Mord ein, wie er sagt, nützliches Leben zum jähen Abschluß gebracht wurde, weist darauf hin, daß Powers vier Mal pro— zessirt und mehrmals schuldig befun— den wurde; aber jedes Mal einen neuen Prozeß bewilligt erhalten habe. In dem letzten dieser Prozesse hätten sich die Geschworenen nicht geeinigt, so daß also doch mindestens berechtigte Zweifel an der Schuld des Angeklag— ten bestehen müßten. James B. How— ard, der angeblich den verhängnißvol— len Schuß auf Goebel abgefeuert ha— ben soll, sei zwar schuldig befunden und zu lebenslänglicher Zuchthaus—- strafe verurtheilt worden. Doch auch betreffs seiner Schuld bestehen, wie der Gouverneur sagt, berechtigte Zweifel, wie von Tausenden von Per— sonen, die die Petitionen für Caleb und Powers unterzeichnet hätten, be— hauptet worden. Des Weiteren heißt es in der Erklärung, daß man vor Allem berücksichtigen müsse, daß Powers und Howard in ihrem harten Kampf um ihr Leben es meistens mit erbitterten politischen Gegnern zu thun hatten, von denen sie kaum eine gerechte Beurtheilung der zu ihrer Vertheidigung vorgebrachten Beweise hätten erwarten können. Neues Leben blüht auch noch aus den Ruinen eines todtster benskranten Korpers, sofern Ihr denselben in dem Kampfe mit der ihn immer mehr vergiften-- den Blutentmischung durch Verabreichung der bewährten St. Bernard Kräuterpillen unter-- stützt. Viele Tansende, welche diesen Pillen nene Gesundheit verdanken, werden jedem Kranklen bestätigen, daß die St. Bernard Kräuterpillen die beste Arzenei sind, welche es gegen die lang same, aber sicher tödtende Blutvergiftnng giebt, die aus Verdauungsstörung und Verstopfung hervorgeht. Der Koörper wird mit organischen Gisten angefüllt, die sich tagtäglich in ihm an-- häusfen, weil es an Leibesöfinung seblt, und schließlich bietet die ganze Blutbahn das Bild einer von Unreinigkeiten überfließenden Cloatle, deren Gifte durch die Adern bis in den lezten Winkel des Körpers einbringen. Auf die frhe ren Anzeichen der Lerltopiuna z· B. Kopfschmer pen. Avpetitlosigkeit, Schwinbel, Ohnmachtdan älle, Herzklopfen, Mattigkeit, u. s. w.. sind die schon schwereren Symptome gefolgt, wie wasser-- süchtige Anschwellüngen, anhaltendes Kreuzweh und andere richen tödtlicher Leber· und Nie renleiden. Aber auch dann noch fiert es eine eine rinzige Arxzenei, die Hilse schaffen, das Blut und das System noch reinigen kann: eben die St. Bernard Kräutervillen. 25 Cents. Alle Apotheken. Massachusetts. Am Vorabend seiner Promovi—- rung (15. Juni) von der „Harvard Dental School“ wurde der Studiosus George Willervell auf die Anklage, ob— scöne Bilder hergestellt und in seinem Besitze gehabt zu haben, schuldig be— funden und mit der eigenthümlichsten Strafe belegt, die je von einem ameri— kanischen Gerichte verhängt wurde. Er wurde nämlich aus Amerika verbannt und erhielt dreißig Tage Zeit, um das Land zu verlassen. Außerdem wurde ihm eine Geldbuße von SIOO aufer— legt. Wiillervell kam vor vier Jahren aus Frankreich hierher. Im Februar d. I. wurde er in Verbindung mit ei—- guxemburger Gazette, Dienstag, den 23. Junt 1908. ner Liebesaffaire vor Gericht gebracht, und damals schon hatte der Richter die Thatsache, daß obscöne Bilder bei Willervell gefunden wurden, auf das Strengste gerügt. Als der schlüpfrige Franzose dem Richter nun wiederum wegen desselben Delittes vorgeführt wurde, bezeugte der Probations-Be— amte, daß die Frau, wegen der Willer— vell seiner Zeit vor Gericht gebracht worden war, inzwischen ihren Gatten verlassen hat. Minnesota. Aus Rochester verlautet unter Datum vom 16. Juni: Als John Monette, ein Farmer in Olmsted County, am Sonntag Morgen nach dem Hause seines Bruders, welches eine kleine Strecke von dem seinigen entfernt lag, hinsah, war von dem Hause nicht mehr zu sehen. Man eilte sofort hin und fand nur noch einen tkleinen Aschenhaufen vor, ein Brand hatte das Haus vollständig zerstört. In der Asche fand man die Knochen eines Mannes und eine Uhr. Die Uhr wurde als diejenige des Clark Monette erlannt und es unterliegt keinem Zweifel, daß der Betreffende den Tod in den Flammen gefunden hat. Clark Monette war ein JZung— geselle und bewohnte seit Jahren das Haus. In der ganzen Umgegend war er bekannt unter dem Namen „Mo— nette, der Bienenmann“, weil er große Bienenstöcke hatte und den Honig verkaufte. Das Eigenthümliche an der Sache ist, daß keiner der in der Nähe wohnenden Farmer etwas von dem Feuer gesehen hat. Die Uhr des verbrannten Mannes war um 12 Uhr stehen geblieben; das ist Alles, was Aufschluß über die Zeit des Brandes gibt. Missouri. Henry Schultz, ein Direktor der Perkiomen Bank, fuhr dieser Tage in seiner Kutsche hinter einer Herde Kühe her, als eine der Milchspenderinnen plötzlich von einem Automobil getrof—- fen wurde. Die Kuh wurde in hohem Bogen durch die Luft geschleudert und landete buchstäblich auf dem Schooße des Bank Direktors. Dieser trug schmerzhafte, wenn auch nicht lebens— gefährliche Verletzungen davon, die Kutsche aber wurde zertrümmert. Die Kuh wurde bei ihrer Luftreise derart verletzt, daß sie getödtet werden mußte. New Jersey. —lm friedlichen Passaic wurde dieser Tage eine im vollen Gange befindliche Mondscheinbrennerei aus— gehoben. Die Bundesbeamten und einige sie begleitende Newarker De— tektivs machten reiche Beute, denn es fielen ihnen fünf Maisch-Bottiche mit 5,000 Gallonen Whiskey, 20 unge— stempelte Whistenfässer, 3,000 Pfund Rosinen und mehrere Tonnen Zucker in die Hände. Reuben Pradyh betreibt in Passaic eine Obstbrandy Bren— nerei, und die Bundesbehörden hatten ihn seit längerer Zeit im Verdacht, heimlich Whiskey zu brennen. Denn jedes Mal, wenn die „Gaugers“ die Brennerei besuchten, war diese bis zu ihrer vollsten Kapazität im Betriebe, und wenn die Steuer bezahlt wurde, so war dies nur ein verschwindender Betrag. Die Brennerei hatte eine Kapazität von 3.000 Gallonen per Woche und repräsentirt einen Werth von $15,000. Pradyh stand unter 320,000 Bürgschaft. Der in Newark ansässige Inlandsteuer Einnehmer Dr. Herold hatte seit mehreren Tagen einige seiner Beamten in Begleitung zweier Newarker Detektives nach Pas— saic zur Beobachtung der Brennerei entsandt. Endlich bemerkten diese Ge— setzeshüter, daß mehrere leere Fässer in die Brennerei geschafft wurden, und schnell entschlossen, überfielen sie das Gebäude. Dort war Prady mit vier Leuten fest an der Arbeit, Whis— key zu brennen. Als die Ueberrasch— ten bemerkten, mit wem sie es zu thun hatten, versuchten sie sich zur Wehr zu setzen. Die Beamten zogen aber ihre Revolver, und solchen überzeu— genden Beweisen gegenüber konnten die „Mondscheinler“ nicht länger wi— derstehen. New PHort. Tage ein großartiges Experiment vor— genemmen. Behufs Untersuchung der Zufuhrkanäle und zu wissenschaftlichen Iwecken wurde zur selben Zeit das Wasser von allen Turbinen-Anlagen lan beiden Seiten der Fälle abgelenkt; darauf standen die Elektrizitätswerke fünf Stunden lang still. Das vorher seitwärts abfließende Wasser mußte also wie in früheren Jahren, ehe Deutsch- Schweizer dort die ersten Tur— binen errichteten wieder über die Fälle sstürzen und die Masse um so viel ver— stärken. Dennoch hat man das Mehr taum bemerken können, wenigstens snicht mit den bloßen Augen. Nur sdie sehr fein gearbeiteten Messungs— Instrumente der Bundesbeamten zeig— ten eine Vermehrung der Wassermasse an, die nur ein Zehntel Zoll betrug. Aus dieser Wahrnehmung folgert man daß die bisherige Wasserab— lenkung zur Kraftstrom Erzeugung der Schönheit der Fälle noch keinen Ab— bruch gethan hat. An verschiedenen Punkten waren Bundes-Ingenieure er Vornahme von Beobachtungen saufgestellt. Alle Berechnungen be— sruhen größtentheils auf Schätzungen. So soll die über die Felsen stürzende Wassermenge ungefähr 226,000 Kubikfuß die Sekunde betragen. Zu Power-Zwecken abgelenkt werden jetzt 24,200 Kubikfuß. Das Thor zum Tunnel der Niagara Falls Power Co. wurde punkt 12 Uhr in der Nacht geschlossen. Nachdem das lim Tunnel stehende Wasser abgeflos— sen war, stiegen Major Kurtz vom In— genieur-Corps mit seinem Stab in das große Loch, das durch Felsen gebohrt worden ist. Ungefähr 60 Personen, Ingenieure und Techniker folgten. Man untersuchte den Tunnel und seine Verschalung auf die Einwirkung des Wasser, das sechs Jahre lang ununter— brochen dadurch geflossen ist. Die Theorie, daß die Felsen durch den star ken Wasserdurchdrang ausgehöhlt wer— den könnten. wurde durch die That sache widerlegt; das Wasser hat kaum auf die Gesteinsmassen eingewirkt. Na, so 'ne Maid läßt man sich schon gefallen. Eine echt amerikanische allerdings! Vor einigen Monaten meldete sich ein schmucker Bursche bei dem alten Ehepaar L. L. Smith in Hot Sprinas, S. D., und fragte nach Arbeit. Die alten Leute nahmen ihn in ihre Dienste, damit er ihrem Enkel bei der Arbeit helfen und sich sonst in Haus und Hof nützlich machen solle. Nach und nach fiel den Alten das Be— nehmen des Burschen auf. Ohne daß er es merkte, beobachteten sie ihn stets und ständig. Schließlich kamen sie dahinter, daß es ein Mädchen und so— gar die Geliebte ihres Enkels sei, die, um in der Nähe des Geliebten weilen zu können, sich in männliche Kleider gesteckt und das Haar kurz geschoren hatte. Es war Frl. Dell Sahmson, die Tochter achtbarer Eltern aus der Umgegend von Hot Springs. Die Alten gaben sofort ihrem Enkel die Erlaubniß zur Heirath. Eine grosße Familien- Medizin. „Es macht mir Freude, ein gutes Wort über Electric Bitters abzu— geben“, schreibt Frau Frank Conlan von No. 436 Houston Str., New York. „Es ist eine große Familien-Arzenei für Dispepsia und Leber-Complikatio-- nen, und was lahmer Rücken und schwache Nieren anbelangt, kann es nicht zu hoch empfohlen werden.“ Electric Bitters reguliert die Verdau— ungsfunktionen, reinigt das Blut und verleiht erneute Kraft und Vitalität den Schwachen und Hinfälligen beider Geschlechte. Verkauft unter Garantie in der Apotheke von T. W. Ruete, 656 Main Str., Dubuque, Jowa, zum Preise von 50 Cents. Wisconsin. Für Milwaukee war der 14. Juni ein Feier- sowohl als Festtag, denn es fand im Washington Park unter gewaltiger Betheiligung der Bürgerschaft, und hauptsächlich des Deutschthums, die Enthüllung des von der Schiller Goethe Denkmal—- Gesellschaft der Stadt gestifteten Schiller Goethe Denkmals statt. Ein Ehrentag war's für die Deutschen dieser Stadt abet auch deshalb, weil fast unzählbare Schaaren von Vertre— tern anderer Völterstämme, die in Milwaukee eine Heimath gefunden ha— ben, sich mit ihren deutschen Mitbür— gern vereinigten, fast andachtsvoll das Schiller Goethe Denkmal umstan—- den, Reden und Gesängen lauschten und mit glühender Begeisterung ein— stimmten in den donnernden Beifall, der mächtig durch den herrlichen Wash— ington Park rauschte, als die Hülle des Denkmals fiel. Das Programm für die Enthül— lungsfeier war sorgfältig ausgearbei— tet worden. Es bot melodiõse und mit Begeisterung und tiefem Verständ— niß vorgetragene Kinder- und Män— ner Massenchorlieder, den herrlichen Vortrag eines gemischten Chors, der unter der Leitung eines Herrn H. Zeitz mit tiefem Verständniß „Heide— röslein“ und „An die Freude“ sang und damit einen solchen Sturm des Beifalls entfesselte, daß Herr Chr. Steger, der Präsident der Schiller— Goethe Denkmal Gesellschaft meh— rere Minuten warten mußte. ehe er seine Rede beginnen konnte. Bürger— meister D. S. Rose hielt eine vortreff— liche Rede in englischer Sprache nach— dem das Denkmal durch Fräulein Ella Steiger enthüllt und durch den Prä— sidenten des Vereins der Stadt über— geben war. Die deutsche Festrede hielt Professor Ernst Voß von der Staats-Universität in Madison. Was das enthüllte Doppel-Denkmal be— trifft, so ist die Reyroduktion in Mil— waukee die dritte in der Reihe der Monumente des Dichterpaares in den Ver. Staaten. Im Golden Gate— Park in San Francisco steht eins. Am 14. August 1901 fand die Ent— hüllung und Uebergabe des Denkmals an die Stadt statt. Dem Beispiele San Francisco's folgten die deutschen Einwohner der Stadt Cleveland im Staate Ohio, wo sich ebenfalls ein Nachauß der Doppelstatue Goethe's und Schiller's von Ernst Rietschel be— findet. Bucklen's Arnika-Salbe siegt. Tom Moore von der Rural Route 1, Cochran, Ja., schreibt: „Ich hatte eine schlimme Wunde, welche an der In— nenfläche meines Fußes zum Vorschein kam, und ich konnte kein Mittel finden, welches sie heilen konnte, bis ich Buck— len's Arnika-Salbe anwandte. Weni— ger als die Hälfte einer 25 Cents Schachtel, gewann den Tag für mich, indem es eine vollständige Heilung herbeiführte.“ Verkauft unter Ga— rantie von T. W. Ruet e, 666 Main Str., Dubuque, Jowa. Bedenkljche Anerkennung. Frau des Hauses: Nicht wahr, lieber Dotktor, Käthe spielt schon ganz hübsch wenn auch dann und wann noch ein Bock unterläuft? Dokltor: O, das macht nichts, Ver— ehrteste, ich höre ganz gern mal ein bischen Bockmusik! nuiuai En S FAAANAANANANANNANANE Deutschland. Pfalz. ist am protestantischen Pfarrhaus ein Fall von Levra (Aussatz) festgestellt worden. Bei dem Pfarrer Walther lebt seit einigen Jahren dessen Schwa— ger, der vor sieben Fahren aus Bra— silien nach Deutschland zurückkehrte. Er machte damals di- Heimreise mit einer Familie, die gleich nach ihrer Ankunft in der Pfalz als aussätzig er—- tannt, längere Zeit beobachtet und als— dann in das Lepra-Asyl in Ostpreußen verbracht wurde, wo sie sich jetzt noch befindet. Ihre Begleiter, der erst jetzt erkrankte, wurde fünf Jahre lang unter Beobachtung gestellt, dann aber freigegeben. Nun nach zwei Jahren kam die schreckliche Krankheit doch bei ihm zum Ausbruch. Der Erkrankte wurde, nachdem die Reichsgesundheits—- Behörde den Befund des Frankentha— ler Bezirksarztes bestätigt hat, einst weilen in die“ Kreisarme- und Kran— kenanstalt verbracht. Später wird er gleichfalls nach Ostpreußen überführt werden. Preusßen. Die Geistesgegenwart des Kai— sers rettete am 15. Juni auf der Spree einer Anzahl von Menschen das Leben. Als er auf seiner Yacht „Alexandra“ den von Fahrzeugen wimmelnden Fluß entlang fuhr. ver— suchte ein mit Lustfahrenden dicht be— settes Ruderboot den Kurs der „Alexandra“ zu kreuzen. Eine Col— lision wäre unvermeidlich gewesen, wenn nicht der Kaiser die Gefahr ent—- deckt und ohne sich einen Moment zu besinnen, das elektrische Sianal „Voll— dampf, rückwärts“ gegeben hätte. Die Unvorsichtigen entrannen dadurch um Haaresbreite dem Untergange. Rheinland. Ueber ein zu Sinzig vorgefalle nes Automobil Unalück wird berich-- tet: Eine Akazie des Parkes der Villa Heuser hatte in dem durch den an— haltenden Regen aufgeweichten Boden den Halt verloren und war auer über die Chaussee gestürzt. Das bald dar— auf von Koblenz kommende Automobil der Firma Uren, Kotthaus Co. in Köln fuhr trotz guter Beleuchtung mit großer Geschwindigkeit in die dicken Aeste hinein. Dem Führer des Wa— gens, Ingenieur Carl Schenk aus Köln, wurde der Brustkasten einge drückt und der Halswirbel geknickt. Der neben ihm sitzende Begleiter Dül—- lens aus Köln wurde auf seinem Sitze festgequetscht; er ist jedoch nicht erheb lich verletzt. Die Insassen des Wa— gens, Architekt Maaßen aus Köln mit Familie, kamen mit leichten Verwun—- dungen davon. Der bald erschienene Arzt Dr. Leidecker von hier konnte nur mehr den Tod des Führers feststellen und verband die Verletzten. Einer einstündigen Arbeit bedurfte es, um den Todten und den Wagen freizuma— chen, und es gelang dies erst, nachdem mit Sägen und Aexten der Baum völ— lig auseinandergelegt war. Wüttemberg. Unter'm Datum vom 15. Juni verlautet aus Friedrichshafen wie folgt: Hohe Armeeoffiziere, eine Com—- pagnie von der Luftschiffer Abthei— lung und viele auswärtige Aeronauten sind in Friedrichshafen eingetroffen, um den Experimenten beizuwohnen, welche Graf Zeppelin am Dienstag mit seinem neuen Luftschiff beginnen wird. Der Ballon ist mit zwei unter— einander nicht verbundenen Gestellen ausgerüstet, auf denen sich je ein Motor von 140 Pferdekräften befindet. Die Motoren sind äußerst leicht; jeder wiegt nur 4.4 Pfund per Pferdekraft. Im Falle einer der Motoren nicht funktioniert oder außer Ordnung ge— räth, kann der Ballon trotzdem seine Fahrt fortsetzen, aber mit verminder— ter Schnelligkeit. Man hofft mit den beiden Motoren eine Geschwindigkeit von 464 Meilen per Stunde zu er— reichen. Die höchste bisher erreichte Geschwindigkeit betrug 31 Meilen. Es wird genügend Brennmaterial mitge— nommen, damit der Ballon einhundert Stunden in der Luft bleiben kann. Auch Schlafstellen für die Luftschiffer sind auf dem Ballon eingerichtet. Ferner ist das Luftschiff mit einem Apparat zum Empfangen und Versen—- den drahtloser Depeschen ausgerüstet. Eine Bedingung des Contrakts ist, daß das Luftschiff im Stande sein muß, in einer Höhe von viertausend Fuß zu manöverieren. Die Tragfähigkeit des VBallons wird auf sechzehn Tonnen an— gegeben, und er wird zwei Tonnen Ballast mit sich führen. Das Gas ist in sechzehn von einander geschiedenen Compartements enthalten. Oesterreich-Ungarn. Aus Wien verlautet unter Datum vom 12. Juni: Den Glanz— punkt der Festlichkeiten zu Ehren des 60-jährigen Regierungs- Jubiläums des Kaisers Franz Josef bildete der heute abgehaltene Huldigungs-Festzug. Ungeheure Menschenmassen waren nach der Kaiserstadt an der Donau zusam— mengeströmt. Die Zahl der Zuschauer zählte nach Hunderttausenden. In der Ringsstraße waren Tribünen er— richtet, auf denen 90,000 Personen Platz fanden. Die Straßen waren dicht gefüllt und nach zehntausenden zählten die Zuschauer, die von den Fenstern der festlich dekorirten Häuser aus den Festzug betrachteten. Aus allen Theilen der österreichisch—- ungarischen Monarchie, aus Deutlsch—- land, Rußland, der Schweiz, Spanien, Zrankrei-“ nd England waren zahl—- Schöne Farmen und Farmland HENRY GOENNER, Clear Lake, Minn. Das Land lieat in der Nhe von Clear Lake, einer blühenden Errden an der Northern Pacifit und Greai Nocthern Bahn. 4 Meilen von Rinneapolis, 11 Metten von St. Cloud. Es sind in dem Orte Geschäste der verschiedenen Branchen vertreten und befindet sich daselbst auch eine deutsche katholische irs- min restdierendem Priester. er Boden ist größtentheils shwarzec sandiger Lehm, ziemlich eben gelegen. Etwa zwei Drittet ist unter Kultur. Auch befindet sich auf dem Lande etwas suhie Hola. Gutes Wasser iin einer Tiefe von 15 bis Fuß. ehrere Seen und Flüsse bieten gute G legenheit zum Fischen und Jagen. Die Paudterzeugusse sind: Korn, Hafer, Roggen, Weizen, Klee, Kartofsein. Für Gemüüse bietei einẽ dori befindliche relerrtniarrit eine oortheilhajste Absatquelle. Viehzucht und Milcherei wird in ausgedehntem Maße betrieben und ist auch Shweine· und Schaszucht sehr gewinnbringend. 1 Wit dem Anbau von Tabat wurde erfolgreich experimentirt, und wird in der kommenden Sui son ein ansehnliches Areal bepflanzt werden. Der Preis des Landes ist mähßig, wenn die gute Lage, ausgezeichneten Märkte. Eisenbähn-Fazilitäten derfruchtbare Boden und biele ander· Vorzüge und Bequem— lichteiten in Betrachi gezogen werden. Farmland dl4 bis -z per Acre. Schöne Farmen mit guten Gebäuden von s9O bis 40 per Acre. Unaweifelhaft wird in naher tr-it der Preis des Landes in die Höhe gehen. Nachstehend einige der vielen Bargains: 240 Acre Farm, 2 Meilen von Clear Lake. Gutes, großes Wohnbaus, Stall mi No. 4. Maeschoß. feines Eichenwäldchen, schöne See. gutes ebenes Land. Preis r3-.50 Erd 120 Aere, 7 Meilen von Clear Lake, 3 Meilen von Duelm, ganz eingezunt. lei No. 9. bäude: gutes Wiesenland, auf welchem 40 Tonnea H-u m ane ante unt trint He Land eignet sich vorzüglich für Viehzucht und Milchwirthsch-ft. Bargainpreis 14 00 per Acre. baar; der Rest auf Zët zu 4 Prozent Zinsen. No 17 160 Acre Farm, ʒ Meilen von Clear Lake. 214 Meilen von Duelm. Ziemlich gutes 7Haus. guie Stülle, ?0 Acre unter Cultur, der Rest ist Wiese, Weide nd Vand Um dieselde schnell zu verkaufen, offeriren wir diese Farm zu $17.00 per Acre. Wegen Näherem wende man sich an reiche Besucher gekommen, um dem glänzenden Schauspiel beizuwohnen. Die Betheiligung an dem Festzuge war eine allgemeine. Der oberste Lei—- ter der colossalen Huldigungs De— monstration, Graf Hans Wilezek, hat es in unermüdlichem Eifer verstanden, Theilnehmer aus allen Schichten der Gesellschaften anzuwerben. Die alten Adelsgeschlechter, deren Namen in der Geschichte glänzen, die den Hof Kaiser Rudolphs, Kaiser Karls des Sechsten, der Kaiserin Maria Theresia bildeten, die im deutschen Heerbann erschienen, die in den Dreißigjährigen Krieg und gegen die Türken zogen, nahmen in großer Zahl an dem Zuge theil. Aber auch die Bevölkerung aller Kronländer, mit Ausnahme der tschechischen Theile Böhmens, stellte ihre Contingente. Nur aus dem Budweiser deutschen Sprachviertel Böhmens waren zwei— hundert Bauern und Bäuerinnen ge— kommen; sie stellten zwei Gruppen, ei— nen Hochzeitszug und ein Erntefest, dar. Der mährische Maler Uprka hatte eine von ihm arrangirte Bauerngruppe von 500 Slowaken im National Costüm im Zuge geführt, trotz der an ihn ergangenen Aufforde— rung der gesammten tschechischen Presse, von seinem Vorhaben abzu— stehen, weil alle tschechischen Künstler— Vereinigungen beschlossen hatten, an dem Festzuae nicht theilzunehmen. Die Mai-Andacht in der Wiener Michaelis-Kirche wurde durch einen Sozialdemokraten, Namens Adolf Heimann, in der peinlichsten Weise gestört. Heimann rief. während tiefe Stille herrschte. mit lauter Stimme aus: „Es gibt keinen Gott!“ Ueber die Unterbrechung des Gottesdienstes gab sich großes Aergerniß kund. Meh— West Canada. Freie Heimstãtten in der großen “dentschen katholischen St. Joseph's-Colonie. Tausend deutsche katholische Fami— lien sind bereits in der St. Joseph's— Colonie wohnhaft und bilden zehn Gemeinden, welche von deutschen Oblaten Patres versorgt werden. Die Regierung schenkt jedem Ansied—- ler eine freie Heimstätte von 160 Acres vorzügliches Prairieland. Wald ist in der Nähe und eine Koh— lengrube ist auch in der Colonie. Weizen, Hafer, Gerste, Roggen, Flachs, Kartoffeln, Gemüse und so weiter gedeihen vorzüglich. In der Colonie sind noch freie Heimstätten von der besten Sorte für tausende Familien zu haben. Um weitere Auskunft schreibe man an F. I. Lange, Battleford, Saskatchewan, Canada. Wahrhaftig eine um ihre Existenz tämpfende Mission An der Diözese Northampton, Fakenham, Norsfolt, England. Diese Mission des hl. Antonius von Padua wurde von mir vor nahezu drei Jahren auf Befehl des verstorbenen Bischofs von Northampton gegründet. Ich hatte damals, wie auch bis heute, keine Kirche, keine teine Di zesan·Bewilligung, kein gestiftetes Ginkommen (nur Hoffünng). Ich bin immer noch gezwungen, die hl. Messe in einer ärmlichen Dachstube zu lesen, und auch dort den sakramentalen Segen zu ertheilen. Dieses ist der einzige Vor posten des Katholizismus in einem 35 bei 20 Meilen großen Theil von Norfolt County. wöchentlichen Opfergaben der Gemeinde sind natürlich sehr gering. Wir müüssen vorläusig auswärtige Hülfe erhalten oder den KHampf aufgeben. Die Freigebigkeit des katholischen Volkes hat es uns ermöglicht, eine schöne Baustelle für Kirche Pfarrwohnung zu erwerben. Wir haben etwas Geld für Bauzwecke, aber unser Bischof erlaubt uns nicht, uns Schulden aufzuladen. Ich bin denjenigen, die uns geholfen haben, sehr dankbar und hosse, daß sie uns auch in Zukunft unterstüten werden. Denjenigen, die uns noch nicht geholfen haben, möchte ich zurujen: Um der guten Sache willen, gebet etwas, wenn auch nur eine Kleinigkeit. Es ist leichter und an genehmer zu geben als zu bettein. Heiset die frohe Stunde zu tigleunigen. da ich nicht mehr gezwungen sein werde, für ein dauerudes Heim für das hhi. Altarssakrament zu vetteln. Man adressie: REV. FATHER H. W. GRAY, Catholie Mission, Fakenham, Norfolk, England. P. S.—lch werdr den Empfang von selbst der geringsten Gabe dankbar und prompt bestätigen und mit der n mplanh pon el ein schönes Bild des hlst. Herzens und des hl. Antonius senden. (Abschrift des Briefes des hochw'sten Bischofs.) Mein lieber Vater Gray: —lch war ersreut, nachdem ich die Corr-leenbrn awischen Ihnen und dem verstorbenen Bischof durchgelesen hatte, gu sinden. daß Sie von Anfaus bis Ende nach seiner Vevollmachtigung und mit stiner Gutheihung gehandeit haben. Sie haben in G odriger Weise Kec: a üiber die Almosen, die sie sammelten, a gelent und die Gelder im Namen ber Didzesen·Vevoll mächtigten sicher angelegt. auee Vemühungen haben viel dazu beigetragen, was nothwendig war. um eine dauernde Mission in Fatenham zu gründen. Ich venetactioe Eit nit d otm unt vrn mildon gaten sert movr hit nach mënem

utächten der Zwect berselben vollständig erre .Ae Tiser le erlt mpton. zum VBerkauf osferirt von HENRY GOENNER, OClear Lake, Minn. rere Anwesende stürzten sich auf den Gottesleugner, und es entstand eine Prügelei, der erst durch das Eingrei— fen der Kirchendiener ein Ende ge— macht werden konnte. Es währte ge— raume Zeit, bis sich die Gemüther über den Vorfall einigermaßen be— ruhigt hatten. Aus Budapest wird gemeld-t: Graf Laszlo Szechenyi hat das Mag— natenhaus um die Genchmiguna zur Aenderung seines Namens ersucht er möchte hinfort Graf Szechenyi-Van derbilt nennen. Dadurch soll die An legung des Geldes der Frau Gräfin, geborenen Gladys Vanderbilt aus New Hork, in ungarischem Grundeigenthum erleichtert werden. Es ist aufgefal len, daß die Gräfin sich unter recht— lichen Dokumenten stets als Gladys Szechenyhi Vanderbilt unterschreibt. Die neuste Erwerbung des gräflichen Paares ist die Besitzung Remete des Grafen Karolhi im Ungvarex Komitat. Das gräfliche Paar Szechenyhi-Van derbilt hat nach zweitägiger Besichti gung die Besitzung erworben. Sie soll der Gräfin Gladys besonders gut gefallen haben, und insbesondere der mehr als 100,000 Quadratmeter große Hochsee „Meerauge“, sowie die ausgedehnten Waldungen, das herr liche Kastell sollen sie für den Ankauf bestimmt haben. Das „Meerauge“ gestattet einen ausgezeichneten Fische rei- und Rudersport, die Waldungen sind sehr wildreich, insbesondere Hoch—- wild. Die Gegend ist wunderbar schön, mit herrlicher Fernsicht. Mein Fräulein, Sie geben mir also in aller Form einen Korb, und auch gat keine Hoffnüng? 1 Es thut mir leid, mein Herr, aber ich bin sehr wählerisch. O, und ich nun gar nicht. 20 e X 17 12 2 3 12 1 POSITIONS OPEN. Watchmaking, engraving, jewel and optometry offers exceptional o portunities to ambitious men and wome We prepare you FREE in 4 to months and start in business or secu you you a position that will earn 25 to -50 per week. Pays better than bookkeeping or short hand, hours are shorter, opportunities greater and wages better. Write for catalogue. Dubuque Watchmaking Ekagravios School Deopartment Zurückgegeben. Dubuque. lowa 1 Ein höru sus nigst

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Der Name Jesus gibt Erhörung. Ein merkwürdiges Beispiel von der hörung des Gebetes int Namen sus erzählt Benedikt Fernandez, der nigstens vön dem Ausgange der Be benheit Augenzeuge war. Mitten s der Berberei begab sich ein Muha »daner auf die Flucht, um in einem :tugiesischen Kastelle das Ziel seiner ünsche zu erreichen; denn die gött je Gnade hatte die Sehnsucht nach n Christenthume in sein Herz ge— ßt. Hoch am Himmel glühte die hne, und· in der unübersehbaren üste voll des brennenden Sandes, rch welchẽ der Flüchtling ziehen ißte, war keine Spur von Wasser zu den, endlich nachdem er ige den erzlichsten Durst ertra— auf den Sand sich hinlagerte, um uldig den Tod zu erwarten. Da l ihm einz wie er von Christenstla— mehr als einmal gehört hatte, daß Anrufijnß des Namens Jesus auch den ohen Veschwerden Hilfe ge hrte; und kaum hatte er sich bemüht, sen Namen, so gut er vermochte, szusprechen. als er schon, wie er in Folge velfach versichert und be— uert hat, sZunge und Gaumen er— cht, von der brennenden Dürre be—- it und seine Kräfte wiederdernenellt lte, sodäß er mit erneuertem Muthe ien Weg sortsente Es dauerte ir nicht lange, und derselbe lechzende rst, dieselbe Ermattung und Le— Sgefahr stellte sich wieder ein; allein Heilmittel stand ihm gzugebote; wriaals rief er· den Namen „Jesus“ und abermals fand or vorige fe, und so erreichte er endlich wohl alten die portugiesische Feste, von er dann nach Lissabon sich begab »dort getauft wurde. Im Kampfe gegen Ront. der General Conferenz der thodistischen Episkopal Kirche zu ltimore vor einer Woche machte chof Thomas 8., Neeley, als er das Missionswerk der Metho— en in Süd-Amerika Bericht erstat—- „einen erbitterten Angriff gegen katholische Kirche· ·Er erklärte, religiöse Kampf der Zukunft werde henige des Protestäntismus gegen „Romanismus“ sein. -s werde die vereinten Kräfte aller testantischen Sekten Ksorderv. um gegen die katholische Kirche halten können. Bischof Neeley erklärte, katholische Kirche habe eine bemer—- swerthe Stäxke auf dieser Seite des intischen Ozeans gewonnen und rte als Beweis die kürgzlich abgehal en Paraden det Katholiken in New t und Philadelphia anaus Anlaß Hundertjahrfeiern der dortigon jzesen. Der Redner spielte auch den Besuch. des Cardinals Logile sowie darauf, daß der Papst eñen sönlichen Vertreter n Washington e. Er schloß mit der Ertlrung. die katholische Kirche sich in staat und städtische Angblegenheiten nische. n die Expeltorationen·des methodi hen Hetzpredigers treffen die daten e Kirche und das ·selhstlose Wirken Mr Priestet nicht, da sie nicht ger Mitsachen entsprechen em Red -8 wohl nur von Neidgefühle r die glänzenden Fortschritte dex 8 holischen Kirche in aller Weltnd 1 Fiasto der methodistischen Missthn Süd-Amerita xeingggeben thurden r Neeley ist allch dieser Gegend sinnt. Kurz, nach Süd erita ging, y i winer Me- Mdisten bonsetent Ger 73 tete durch seine selbstherrliche Er stnung von Predigern eine hoillose wirrung in den methodistischen Ge- Msinden von Erie-Counth und den Mhbar-Counties an.Nachdem Bi f Neeley Fgrlahren war, mußte anderer ethodiiten Vischof her- Merufen werden, uin die erregten müther zu besänftigen. 1 M rgtgen ehh Alt wie die Berge. Das Geheim—- des Erfolges des Alpenkräuter ist alt wie die Berge;·er-geht an die Msirzel der Krankheit, indem er die reinen und verbrauchten Stoffe aus n System entfernt Nachdem er das 1 t gereinigt und bereichert hat, sind 1 Lebensorgane wieder befähigt, die i der Natitr verlangte Arbeit zu richten. Das Resultat ist Gesund— t gute, kräftige Gesundheit. Mdorni's Alpenkräuter Blutbeleber ist Ine Apotheter. 4 Medizin. Er wird kranken dcuen direkt geliefert rch Spezial Agenten, angestellt von Eigenthümern, Dr. Peter Fahrneh Sons Co., 112 e., Chicago, Gut abgefertigt. Ein Religionsspötter, wie man solche unserer „aufgeklärten“ Zeit bald in em Bergdärfchen findet, wurde, wie s „Tirolerẽ Voltsblatt“ bezeugt, von iem wäckeren ·Mädchen geradezu änzend abgefertigt An dem aus h und fFern wielbesuchten Feste Inserer lieben en von der immer hrenden “Hilfe“ in Puchheim Desterreich), das mit der ürligen ierlichen Prozession begangen wurde, hmen auch mehrere Mädchen aus er Nachbarsgemeinde Theil. Bei Heimfahrt, die per Bahn erfolgte, men diese nun im Coupee mit einem ekannten Herrn über das Fest zu echen. GEr fragte die Mädchen, 'ob sie in. Puchheim gewesen seien. f ihre bejahende Antwort erlaubte sich die geistreiche Bemerkung: „Da ren auch Sie beim Faschingszug?“ „O nein“, entgegnele darauf eines er anwesenden tapferen Mädchen, das war Tein Faschingszug; denn enn's einer gewesen wäre, so wären denfalls Sie eingeladen worden, um ort den Narren zu spielen.“ Das b im Coupee allgemeines Gelächter; r das vorläute Herrlein, das auf ne läppische Frage, die richtige. ge hrende Antiwökt erhielt, zog in he Ecke und·verstummte. (Speziell für diese Zeitung.) vorbedingungen für latholishe Tagedzeitungen in der englishen Sprace. n New Orleans frugen wir den hochw'sten Bischof MeFaul von Trenton, den bekannten Füh— rer der kfatholischen Föderations-Be— wegung, worin, seiner Ansicht nach, die Schwierigleit liege, unsere katholische Presse zu einem mehr finanziell und prinzipiell einflußreichen Faktor des öffentlichen Lebens hierzulande zu machen. Er antwortete uns: „Wir haben die Frage im Osten öfters besprochen und mir scheint, daß die katholische Presse in Bezug auf den Nachrichten-Dienst zu sehr im Nach— theile ist. Die tägliche, weltliche Presse liefert auch den Katholiken so ziemlich jede sogenannte Neuigkeit unb Nachricht, ehe unsere katholischen Zei tungen, welche ja meistens Wochen blätter sind, unter den Leuten zu er-- scheiüen.“ Wir halten diese Ansicht für richtig. gibt aber nurx einen Theil der Ur— sachen an, welche dem Gedeihen der tatholischen Wochenpresse im Wege steht. Es ist wahr, die Nachrichten, welche wir in unseren katholischen Wochenzeitungen finden, müssen, gegenüber dem schnellen Nachrichten dienst der weltlichen Tages presse, immer als veraltet erscheinen. Uns hat schon mehr als ein wohlmei nender, katholischer Geschäftsmann ge— sagt: „Ich lese die katholische Presse nur aus Prinzip, weil ich meine katholische Gesinnung dadurch stärke.“ Damit wollte der Mann Dasselbe aus—- drücken, was Bischof MeFaul sagte. Als Nachrichten-Mittel, im Neuigkleits- Dienst, wird die atholische Presse (Wochenpresse) heute keine Anzieh ungstkraft haben. Die allermeisten Katholiken lesen die Tagesblätter, in welchen je den Tagtz berichtet wird, während wir gezwungen sind, beinahe eine Woche hintennach zu hinken. Wir in Bezug auf Nachrichten— dienst nicht mit der Tages presse conturriren. Schon der Anblick der Mittheilungen, welche die Leser mei fstens schon vor einigen Tagen in den Tagesblättern gelesen“ haben; erregt einen gewissen Widerwillen, gegen die „langsamen, katholischen Zeitungen“, von denen es dann in einem Athem sheißt, dat sie „gat teine Neuigleiten bringen“· In dieser Hinsicht kann sich also die atholische Wochenpresse in ihrer heutigen Gestalt wohl wenig Feld erobetn- unn Die Stärke der tatholischen Presse ligt wttled darli dat Jie gute, solide katholische, Grun dsä tze vertritt und eeã niößches; tatholisches Leben zu allen Zeiten eintritt. Dieses Verdienst erkennen n an, welche katho- Kische Blätter halten und lesen. Um aber auf dert Höhe der Zeit zu fein, müßzte die katholische Pxesse auch englischer Sprache täglich er scheinen und im Nachrichten-Dienst der nicht tatholischen Presse sich ebenbürtig an die Seite stellen können. Dagzu— gehört aber eingroßes Kapital, denn die Depeschen-Agenturen wollen theuer bezahlt sein und ein ausführ licher Dienst kostet ein Heidengeld. Und selbst wenn eine katholische Tages presse in englischer Sprache diesen Dienst in bester Form sich verschaffte, so bleibt immer das eine große Vor urtheil bei vielen Nichtkatholilken bestehen, welches auch von so· manchen dummen KHatholikten mitgeglaubt wird: „Eine katholische Zeitüng kann nicht eine allgemeine Zeitung werden, welche bon Allen gelesen werden jollte.“ Dieses Vorurtheil würde gleich und wohl ïmmer gegen eine katholische Zeitung ausgebeutet werden und die- Parole von ihren Conkurrenten ausgestreut werden: „Theh are a Catholic paper and cannot bring all the' news.“ Als katholisches Blatt, würde man wiederholen, kann eine tägliche Zeitung nicht alle Nach richten bringen. Dieses ist ja wahr, insofern es sich darum handelt, daß lätholische Zeitungen nicht z. B. Detail -Schilderungen von Lasterthaten und Verbrechen bringen kann und soll. Sie könnten „nur alle Nachrichten bringen, welche für einen Chr iste n menschen lesbar sind. Abortions- Progeduren und Unzuchtsszenen zu be schreiben, das verbietet sich ein katho— lischer Geschäftsführer. Aber dafür würde er es immer wieder vom Neid und Haß nachgesagt hören: „Das Blait bringt nicht alle Nachrichten.“ Der verdorbene Geschmack, schon unse rer jungen Männer, welche glauben man thue ihnen Unrecht wenn man sich verweigert sie Alles lesen zu lassen was in den Depeschenspalten steht, selbst Unzüchtiges über Anlässe zu Lynchereien u. s. w., ist dem Voltke hierzulande bereits so eingeimpft worden, daß jeder Lausbube von 10 oder 12 Jahren schon über diese Sachen zu lesen sich berechtigt glaubt und ein Blatt für „not up to state hält, welches ihm nichts Der— artiges bieten will. Ein anderer Umstand, welcher eben falls wenig GErmuthigung zur Grün— dung einer katholischen Tagespresse in der englischen Sprache gibt, liegt in guxemburger Gazette, Dienstiag, den 28. Juni 1908. der Thatsache, daß die Katholiken hiergulande nur ausnahms— weise, schon als Kinder in den Schulen die Bedeutung der Presse als solcher und den Ünter schied zwischen schlechten, indifferenten d. h. farblosen und guten Zeitungen erkennen lernen. Und was „Häns— chen nicht lernte, lernt Hans nicht! mehr“, d.h. in den mittleren und höchsten Schulen schämt man sich! schon stark „von so Etwas“ zu reden als ob die Schuld für unsere Preß- Misèxe einzig und allein in dem Mangel an Unternehmungslust katho lischer Verleger zu suchen sei, und als ob die katholische Schule und die la tholische Presse zwei Dinge seien die aber auch in gar keinem Ver—-! hältnisse zu einander ständen. Als ob nicht gerade bei der Erziehung der Jugend in der katholisthen Schule, in gewaltigem Maße auf katholische Gesinnung unter dem Volle eingewirkt werden könnte, so daß eine der Haupt Vorbeding— ungen für den Bestand einer katho—- lischen Presse überhaupt, vorhanden sei, nämlich eine praktisch--ka— tholische Gesinnung die wenigstens so viel religiöses Bewußtsein bekundet, daß sie die Fuß—- tritte fühlt, welche sie von der gott— losen und farblosen Presse erhält und die Wunden wenigstens nicht leugnet, an denen sich Glaube und Vaterlands liebe verbluten. Ist nämlich die Unwissenheit in religiösen Dingen derart groß, daß man den. Werth, den Nutzen und die schreiendeNothwendigkeit einer katholischen Tagespresse in der englischen Sprache nicht erkennt oder nicht fühlt, nun, dann warte man nicht auf irgend ein ge— schäftsmännisches Finanzgenie um das Kunststück einer „Religionsge— nossenschaft ohne Anhän— ger“, einer „Vorstellung ohne Zu— schauer“, einer „Predigt ohne Zuhörer mit der obligaten Geld—- collelte“ zu vollbringen.. Das scheint man aber vielfach gerade in Kreisen zu— erwarten die doch aus Erfah— rung wissen, daß die Collekte oft die Vorbe dingumg ist, ohne welche der Prediger nicht er-- scheimne ntann. Conditio sine qua non ist auch fur die katholische Presse, „the busineß side of religion“ und. diese fußt- gerade wie die Existenz alles Mehnschlichen. in der Kirche, auf der rjchtigen; Xkatholischen Ge linn un gkürz, auf einem lebe n—- igen, werttthätigen ta— tholischen Glauben. Wenn man denselben Gedanken in einer, auch dem Blöde sten und „Die— häntigsten“ verständlichen Weise ausgedrückt haben will, dann sagen wir einfach: „Solange die Katholiken, alle Katholiken der Ver. Staaten, nicht erkennen lernen und auch darnach handeln, daß es ernste und hei— lige Pflicht eines Katholiken ist, zuerst und zu allererst, ka— tholische Zeitungen zu unter—- stützen, so lange mangelt eine der Hauptvorbedingungen für die Gründung und rhaltung katholischer, täglicher Zeitungen in der englischen Sprache hierzulande.“ Wie weit wir aher von dieser Form einer latholischen, öffentlichen Mei— nung entfernt sind, erkennt man am besten dar an, daß es noch „leitende“ Katholiken gibt, welche der bestehenden katholischen W och e n presse nicht nur eine höchst zweifelhafte Loyalität be— kunden, sondern auch die Gelegenheiten dieser Presse die Gelegenheiten zu Nebenverdienst durch Accidenz-Drucke reien (Jobwork) etc., etc.. ent— giehen, weil sie es anderswo billiger haben können. Wenn jetzt noch das katholische Volk nach dem Prinzip handelt man solle solche Gemeinden aufsuchen, wo es am billigsten hergeht; wäre das in— consequent gehandelt? Es lann kaum geleugnet werden und es ist dieses besonders beachtens werth daß die deutsch-redendẽn Katholilen, welche in Europa, zumal in Deutschland, heranwuchsen, ã selbstverständlich halten, daß ein Katholik zuerst eine katho—-! lische Zeitung im Hause haben muß und es gibt auch Tausende solcher Katholiken welche nicht nur eine, son—- dern zwei, drei, ja Manche vier und fünf klatholische Zeitungen im Hause haben. Ehre ihnen! Es sind Dieses aber meistens jene Leute welche noch in Deutschland im NKultur— kampfe den Werth der katholischen Presse erfassen gelernt haben. Die englisch- redenden Katholiten sind hier in Amerila darin noch sehr im Argen befangen.-»« Es gibt Hunderte und Tausende dieser Katholiken welche Gift darauf nehmen, daß die tägliche Zeitung welche sie lesen durchaus für einen Katholiken nicht schaden kann. Sie wissen eben noch nicht was eine „farblose“ Presse bedeutet, und kaufen das Gift in kinderartiger Unschuld, massenweise. Es kann aber auch nicht geleugnet werden, daß es, zumal unter den jüngeren Jahrgängen auch hierzu lande, viele eifrige Priester gibt welche den Werth und Einfluß katho— lischer Zeitungen erkennen und recht mannhaft für selbe eintreten. Wir tennen solche seeleneifrige jüngere Priester hier in Amerika welche wirk— lich für die Gründung katholischer Tageszeitungen begeistert sind und auch dafür arbeiten würden. Ehre auch ihnen! Aber durch die Schule und wohl auch von der Kanzel aus, könnte noch viel öfters der Unterschied zwischen einer katholischen Presse und einer gefährlichen, farblosen Presse klarer gemacht und mehr betont werden. Andere Gründe welche die Grün— dung einer katholischen Tagespresse in der englischen Sprache hinausschieben sind wohl auch der Mangel an einer größeren Zahl ernst-katholischer, höher gebildeter Laien, welche ein weiteres Feld für die Verbreitung einer solchen Zeitung eröffnen helfen würden. Dazu kömmt natürlich auch der Mangel an den fachmännischen Kräften welcher natürlich in dem Maßze abnimmt in welchem die Preß—- Misere wächst. Unter sothanen Verhältnissen mußz Einer schon sehr optimistisch veranlagt sein um der Zukunft der englischen Presse in Diensten der katholischen Sache besonders rosige Seiten abzu—- gewinnen. Nähere Einzelheiten über die Eisen bahn-Katastrophe in Belgien. Ueber die Ende Mai bei Kontich in Belgien stattgefundene Eisenbahn-Ka tastrophe, die schwerste, von der jenes Land je heimgesucht wurde, meldet ein dortiges Blatt: Die Zahl der Todten beträgt 40, die der Verwundeten etwa 20. Prinz Albert besichtigte die Un— glücksstelle, sobald er von der Kata—- strophe vernommen hatte. Ebenso der Eisenbahn Minister Hellejout. Der Hl. Vater sandte ein Beileids- Telegramm. Ueber die Ursache der Katastrophe ist nicht vollkommene Klarheit geschaffen worden. Ein mechanischer Signal- Apparat ·war seit einigen Stunden in Reparatur. Er war deshalb durch einen Arbeiter mit der Hand bedient worden, und man weiß nicht, ob der Weichensteller, Namens van der Tuyn, das Signal falsch verstanden hat oder ob die Weiche unrichtig funttioniert hat.. Van der Tuyn, Vater von neun Kindern, ist gleich darauf entflohen und die ganze Nacht in den Feldern besinnungslos umhergeirrt; erst am andern Tage morgens ist er wieder heimgetkehrt. Er ist irrsinnig getbor—- den. Die Untersuchung soll ergeben, ob die Weiche nicht in Ordnung war oder ob eine Nachlässig?eit van der Tuyn's vorliegt P t Das Unglück exeignete sich dadurch, daß ein Schnellzug vön Antwerxpen nach Brüssel-anstatt auf dem rxichtigen Ge leise weiterzufahren, im Bahnhof durch falsche Weichenstellung auf das Geleise fuhr, in dem ein nach: Lierre und Turnhout bestimmter Zug fuhr. Un— glücklicherweise hatte dieser letzte Bug auch noch Verspätung; wäre er recht zeitig abgefahren, so hätte der nach folgende Antwerpener Zug auf dem falschen Geleise kein Unheil angerich tet. Der Stationsvorsteher sah den Expreßzug kommen; er stürzte ihm entgegen mit dem Ruf: Gegendarri! Leider war es zu, spät. r Lolo motivführer, der merkte, daß sein Zug auf falschem Wege war, konnte auf der kaum 100 Meter langen Strecke nicht mehr anhalten. Auch die Insassen des andern Zuges fühlten, daß etwas nicht in der Ordnung war; sie erhoben sich zum Theil von ihren Plätzen, als plötz lich mit furchtbarem Geräusch der Zu—- sammenstoß erfolgte. Die vier letzten Wagen des Zuges wurden von dem affahrenden Expreßzug gzerschmettert. Die Trümmerhaufen vor sich herschie bend, raste der Expreßzug etwa 50 Meter weiter, bis er endlich an's Halten kam. Die Lokomotive des auf fahrenden Zuges wurde nur wenig be schädigt, auch die Insassen des Expreß zuges erlitten nur geringe Verletzun gen. Die meisten Reisenden des Eil— zuges hatten keine Ahnung von dem Umfang des Unglückes. Einer von ihnen erzählte. er habe, als der Stoß erfolgte, ausgerufen:' Das ist aber einmal ein Zugführer, der es liebt, rasch anzuhalten! Unmittelbar nach der Katastrophe entstand eine furchtbare Panik. Der Bahnhof von Contich hallte wider von den Jammerrufen und dem Geschrei der Verletzten. Der Bahnhof-Vor—- steher erbat telephonisch von Antwer pen Hilfe. Alsbald gingen aus den hauptstädtischen Spitälern Aerzte und Sanitäts-Personal mit Verbandzeug ab. Inawischen wurden die weniger schwer verletzten Personen in die Brüs— seler Züge gebracht. Der Vorsteher des Brüsseler Nordbahnhofs schickte Hilfspersonal nach Contich ab. Im Nordbahnhof selbst waren sechs Aerzte des Spitals St. Jean mit einer An zahl Pflegern bemüht, den ankommen den Verletzten zu helfen. Ein Reisender aus dem Antwerpe ner Schnellzuge, der Schiffskapitän Defre, gibt als Augenzeuge folgende Schilderung: Wir waren zu Sechsen in einem Abtheil zweiter Klasse. dicht hinter dem Luruswagen. vier Herren, meine Frau und ich. Der Zug fuhr in voller Schnelligkeit. ich las die Zei—- tung. als plötzlich ein fürchterlich·s Geräusch entstand; die Fensterscheiben zerbrachen in viele Stücke, und der Zug stand still. Alle Reisenden waren gegeneinander geworfen worden. Alle unsere Nachbarn sind am Gesicht ver wundet, wir hören draußen schreien. Die Thüre ist offen, wir stürzen hin—- aus. Unser Wagen ist mehr als 50 Meter über Trümmer gefahren, ent setzte Menschen fliehen nach allen Sei- 7 ʒ Maes ten, und jetzt begreifen wir, welcher Gefahr wir entronnen sind. Kaum ausgestiegen, hörten wir Schmerzens—- schreie, und während wir weiter gingen, begriffen wir den ganzen Schrecken des Unglücks. Auf der Maschine unseres Zuges waren blutige Leichen buchstäblich festgeheftet, über—- all lagen zwischen Trümmern Körper. Man sah an Händen und Gesicht ver— wundete Arbeiter und blutbefleckte Ge genstände. Wir stürzten zum Tele— graphen um unsere Angehörigen zu benachrichtigen. Ein anderer Reisender aus dem zer— trümmerten Zug, der Versicherungs-- Beamte Boone, sagt: Der Wagzen, in dem wir uns befanden, war bvollstän— dig umgestürzt. Man hat mith durch die Thüre herausgezogen, und ich bin dann von oben auf einer Leiter herab—- gestiegen. In meinem Abtheil befan— den sich mehrere Frauen, die an einer Pilgerfahrt theilnahmen, und die, weil die dritte Klasse überfüllt war, in den zweiten Platz genommen hatten. Wir befanden uns in einer Woltke von Staub und Rauch. Als die Frauen schrieen, sagte ein alter Herr neben mir: Beruhigen Sie sich dochl Einen Augenblick später sank er zusammen. Ich wollte ihn aufrichten. da ich glaubte, er sei ohnmächtig. ·Ich rüt— telte ihn, er war todt. Eine Dame, die sich in dem Nebenwagen befand und den Kopf zum Fenster herausgesteckt hatte, wurde mit dem Wagen auf die andere Seite der Strecke geschleudert. Ich habe soviel Schreckliches gesehen, daß ich meine Erinnerungen nicht sam meln kann. Eine Dame mit drei rei— zenden, ganz weiß geklleideten Kindern befand sich neben uns und hatte eine große Wunde im Gesicht, die weißen Kleider der Kinder waren mit Blut überströmt, und die Kleinen schrieen vor Entsetzen. Es werden noch eine Menge tragi—- scher Einzelheiten über die von der Ka tastrophe Betroffenen bekannt. Vier Arbeiter spielten Karten; als der 2 sammenstoß erfolgte, wurden alle so fort getödtet. Ein Schwerverwunde ter, der nur mühsam aus den Trüm— mern befreit worden war, wurde von einem Rettungsbeamten nach seinem Namen gefragt. Er dachte es sei der Controlleur und antwortete: Ich heiße X. und bin abonniert. Eine Minute darauf starb er. Eine Frau Rittwei ger aus Brüssel wurde erst eine halbe Stunde nach dem Unglück mitten unter den Trümmern gefunden. Sie hatte nicht die geringsten Verletzungen er litten. „Lustige Wittwe“ Hüte- Vor einigen Tagen sah ich inmitten zweier jungen Damen ein Herrchen vor mir schreiten und wunderte mich. wie derselbe zwischen den beiden Back fischen hin- und hertänzelte. Bald hernach sah ich frische Blutstropfen vox mir auf dem Txottoir liegen und er— staunt aufblidend. bhemerkte ich. mie die Rände der „Lustige Wittwe“ Hüte der bor mirherschteitenden jungen Damen die Ohren ihres Begleiters „salch unharmherziger Weise schab ten, daß die Blutstropfen zum Trot toir hinab troöpfelten. Tapfer chielt der jungo Fex die Marter bis zurx, it Straßenkreuzung aus, dana aber brach sein Muth zusammen und nach kuraer Entschuldigung verabschie dete er sich von den Schönen und eilte in der Windrichtung nach der nächsten Apothele, wo er seine Sparpfennige in Heftpflaster anlegte. Oh, diese Dämlichen“ Dach- Bedeckungen. Ein einfaches Mittel gegen die Trunksucht. Es wird allgemein zugegeben, daß man sehr leicht vom mäßigen Trinken altoholischer Getränke in einen Zu— stand kommen kann, wo man mittelst der natürlichen Willenskraft allein die Neigung zum Trunke nicht mehr be herrschen kann. In solchen Fällen be darf es anderer Hülfsmittel und wir lesen diesbezüglich in einer populären Monatsschrift: Es. gibt ein sicheres Mittel gegen die Trunksucht oder die Veobndeit des Trinkens und dies ist das ein— fachste von allen. Die Kur besteht darin, daß man Frucht ißt. Es wird das Fruchtessen die schlimmste Ange— wohnheit der Trunksucht heilen. Bei— de Geschmäcker sind nämlich einander todtfeind und in demselben mensch—- lichen Körper ist nicht Raum für beide; der eine wird sicher den andern ver— treiben. Der Fruchtgeschmack ist mit dem Alkoholgeschmack nicht vereinbar.“ Das Mittel hat das für sich, daß es leicht anwendbar ist und wenig kostet. Wie man sich viele Verdienste sammeln kann! dene kleinen täglichen Liebesdienste, jener Schnupfen, jenes Kopf- oder Zahnweh, die widerlichen Launen dei— nes Mannes oder deiner Frau, die Unzufriedenheit eines Hausgenossen, das Zerbrechen eines Glases, der Ver— lust eines Handschuhes oder Taschen tuches, die kleine Unbequemlichkeit, eher schlafen gehen und früher auf— stehen müssen, um die nöthige Zeit zum Gebete oder zur heiligen Com— mutnion zu gewinnen. die Scheu, welche man bei der öffentlichen Ver—- richtung gewisser Andachtsübungen empfindet kurz. derartige kleine Widerwärtiagkeiten sind der aöttlichen Güte im hohen Grade wohlgefällta. wenn sie mit Liebe aufgenommen und ertragen werden. Sie hat ja ihren Getreuen für einen einzigen Trunk Wasser einen ewigen Lohn verheißen. Da nun solche Gelegenheiten jseden Augenblick vorkommen, so ist ihre gute Anwendung eines der besten Mittel, um sich viele geistliche Schätze zu er werben. Von der Wetterkunde. Vater: Sieh mal, Emil, ob das Barometer gefallen ist! Emil: Nein, es hängt immer nochl q ——l 1 ʒ Ë 4 3 —7 14 cedas 9A 1 n 2 3 ẽ 4 2 -&2 2 E A 1 A nu- ens 1 Tür vdi e Ich kenne eine schöne Stadt, Die lautr grüne Häuser hat. Die Häuser, die sind groß und klein, Und wer nur will, der darf hinein. Die Straßen, die sind freilich krumm, Sie führen hier und dort herum; Doch stris gerade fort zu. geh'n, Wer findet das wohl allzu schön! Die Wehge; die sind weit und breit Mit bunten Blumen überstreut. Das Pflaster, das ist sanft und weich, Und seine Farb' den Häusern gleich. Es wohnen viele Leute dort, Und alle lieben ihren Ort. Ganz deutlich sieht man dies daraus, Datß Jeder singt in seinem Haus. Die Leirite, die sind alle klein, Denn es sind lauter Vögelein; Und meine ganze grüne Stadt Ist, was den Namen „Wald“ sonst hat. Geschwister, haltet zusanmen! Ich bin ein Bube singt der Hans üÜnd bin von Herzen froh, Daß ich kein Mädchen worden bin, Juchhei, holdria ho! Die Mädchen sind so weinerlich, So zimperlich und fein; Nein, um die ganze, ganze Welt Möcht' ich kein Mädchen sein! Ich bin ein Bube, hei, juchhei! Wie bin ich de- so froh, Daß ich kein Mädchen worden bin, Juchhei, holdria ho! Margretlein schaut den Bruder an, Mit schelmisch-munter'm Blick. Und flink und frisch gibht sie ihm flugs Den Trutzgesäng zurück: Ich bin ein Mädchen. hei, juchheil Wie bin ich doch so froh. Datßß ich kein Bube worden bin, Juchhei, holdria ho! Die Buben sind so derb und wild, Und gar nicht lieh und fein; Nein, um die ganze, ganze Welt Möcht' ich kein Bube i Ich bin ein Mädchen, hei, juehhei! Wie bin ich doch so froh. na Daß ich kein Bübe wordeñ bin, duchhei, holdria hol 112747 Da lacht die Mutter, „Stille, still. Ihr kleinen Stxeiterxlein, thut ja doch Jedem von euch weh, Wenn es allein muß seinl“ „Und Brüderlein und Schwesterlein, Wie ist das doch so schön, Wenn sie in Freude und in Leid So treu zusammensteh'nl“ „Drum singet lieber: Hei, juchhei. Wie sind wir doch so froh, Daß Brüder es und Schwestern giebt, Juchhei, holdria Wo der himmlische Vater wohnt. Im Religions- Unterricht sagte der Herr Lehrer: „Nun, ihr Knaben, ge stern erklärte ich euch verschiedene Eigenschaften des Schöpfers; Wilhelm, kannst Du noch einige davon wieder—- holen?“ 7 Aber Wilhelm's Aufmerksamkeit war auf die Umrisse eines Esels geheftet, den er auf sein Pult gezeichnet hatte; er schaute verlegen umher und wußte nicht, was er sagen sollte. „Heinrich“, fuhr der Lehrer fort, „beantworte Du diese Frage.“ „Gott ist ewig, allwissend und all mächtig.“ —as „Ja, aber Du hast noch eine Eigen schaft vergessen all all wer weiß es?“ Die ganze Schule blieb stumm, Kei— ner wußte es. „Nun denn, wer kann mir sagen, wo der himmlische Vater wohnt?“ Ein kleiner Knabe in der hintersten Bank erhob seine Hand. „Nun, Hans, sage uns, wo der himmlische Vater wohntl“ „Der himmlische Vater der himmlische Vater wohnt wenn Sie an der Mühle vorbeikommen, dort sind ein paar Wachholdersträuche gerad hinter dem Wald, und dort in einem Linen Häuschen wohnt der himmlische ater.“ Die ganze Schule brach in ein schallendes Gelächter aus, und selbst der Lehrer konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. Nachdem er Allen Ruhe geboten hatte, fuhr er fort: „Nun, Hans, warum glaubst Du, daß der liebe Gott dort wohnt?“ Hans war zwar durch das Gelächter seiner Mitschüler ziemlich eingeschüch tert worden, aber durch das wohlwol—- lende Antlitz seines Lehrers wieder er— muntert, machte er folgende Erklä— rung: „Mein Vater nahm mich letzte Woche dorthin mit, um Kartoffeln en zukaufen; in jenem Haus wohnt ein armer Mann mit einer großen Familie in drei kleinen Zimmern. Die Kin—- der sind fromm und artig und die Eltern fleißig und redlich. so erzählte der Papa mir, und sagte dann: „Sieh', Hans, dort wohnt der himm— lische Vaterl““ Der Muth dieses kleinen Jungen war fast gesunten, und ehe er fertig Die grüne Stadt. wurde, rtieb er seine Augen und schluchzte. Der Schullehrer aber sagte: „Weine nicht, Hänschen; Dein Vater hat recht; in jenem Haus wohnt gewiß der lirbe Gott! Er wohnt übexall als ein liebender Gott, wo gute Menschen wohnen; aber wo böse Menschen bei sammen sind, unter denen ist er als ein strafender Gott. Somit ist der himm lische Vater all all „Allgegenwärtig!“ rief laut die ganze Schule in schallendem Chor: Eine Geschichte vom Trödelmeier. „Adieu, mein Junge, und trödele auch nicht auf dem Nachhausewege“, sagte die Mutter zu dem kleinen Mann, der zum Schulgange gerüstet von ihr Abschied nimmt. Nein, er wollte sich von jetzt ab aber auch ganz gewiß zusammennehmen und nach Schulschluß keine Zeit mehr mit irgend welchen Dingen vexlieren. auch auf dem Heimwege immer rasch ein Bein vor das andere setzen, denn es war doch zu fatal, wenn man nach Hause kam und Mutter oder Geschwi ster einem entgegenriefen: „Otto, du hast wieder getrödelt.“ Unter solch guten Vorsätzen kam Otto in der Schule an. Das Lernen ging heute ganz bea sonders gut, und unter die Haus« arbeiten konnte der Lehrer sogar „gut“ schreiben. Wie wird Schwester Ma rianne sich freuen, sie, die immer so treulich dafür sorgt, daß der kleine Bruder seine Aufgaben gut und sau4 ber anfertigt. Die Glocke verkündet Schulfchluß. Otto packt die Bücher zusammen, nimmt die Mütze vom Nagel und tritt mit den Kameraden in's Freie. „Ich habe noch etwas von meinem Frühstück“, verkündet Ferdinand, „das geb' ich den Fischen im Großen Garten. Kommst du mit, Otto?“ Otto denkt an seine Vorsätze und sagte ablehnend: „Ich soll schnell nach Hause tommen.“ „Wir brauchen ja nicht lange stehen zu bleiben“, erwidert Ferdinand, „so viel Brot habe ich gar nicht, und dann gehen wir etwas schneller.“ Otto überlegt. Am Teiche vorbei-- zugehen ist für ihn tein Umweg, und wenn nan sich, wie Ferdinand vorge mr nicht lange aufhielt und dann recht beeilte, so konnte man noch immer zureechtkommen. Und es ist doch zu nett, wenn' man sein Brot in's Wasser wirft und die Fische eilig her beiklommen, kleine rothe und silber glängende, aber auch dicke Karpfen sind dabei, und wenn sie nach dem Leckerbissen schnappen, sagt es latit: „Schmatz“. Das machte Otto zu viel Spaß. Enten und. Schwäne liegen am Ufer, und einige von ihnen neh men das Brot sogar aus der Hand. Die Sonne scheint so blendend auf's Wasser, daß man mit den Augen blinzeln muß. Auf den Bäumen, die den Teich umstehen und deren unterste Zweige in's Wasser hängen. sneen die Vögel. Ein paar Spatzen haben Appetit auf die unbeachtet zur Erde esallenen Krümchen. Sie kommen a scheu, halb dreist angehüpft, mit munteren Aeuglein die beiden Jungen anblickend, als wollten sie sagenn „»Ist euch auch zu trauen?“ „da. kommt nur, Mätzchen“, sagt Otto und sucht die letzten Brotreste aus seiner Tasche. Nein, wie niedlich ist doch das Spatzenkind, das mit den Flü geln „bitte bitte“ macht und begierig das Schnäbelchen öffnet, daß die Mama ihm etwas hineinstecke. Otto kann sich nicht satt sehen, bis ihn Fer dinand endlich am Arm packt und mahnend sagt: „Na, nun. lomm aber, ich denke, du mußt schnell nach Hause?“ Da fährt ihm ein Schreck durch die Glieder, und vergessen sind Karpfen, Schwäne und Spatzenkind, nur ein Gedanke beseelt ihn: werde ich auch zurecht kommen? Athemlos steht er vor der Flurthür. „Vielleicht bin ich doch nicht zu spät“, denkt er schon wie der zuversichtlich. Daß Marie, die Köchin, ihn mit den Worten em pfängt: „Ich dachte schon, du kämft heute überhaupt nicht wieder“, das schmettert allerdings die neuerwachte Hoffnung sofort wieder zu Boden. „Wo ist Mutter?“ fragt er klleinlaut. „Alle sind sie fort“, berichtet Marie, „die Großmutter ist mit' dem Wagen gekommen und hat Eltern und Ge— schwister zu einer Fahrt in die Heide abgeholt. Man hat auf dich gewar tet, aber als du noch immer nicht kamst, hat Papa ungeduldig gesagt: Gehen wir jetzt und lassen wir den Jungen zu Hause, das wird dem Erodelmeier wohl endlich eine Lehre ein.“ Otto kann das Entsetzliche kaum fassen. Alle fort, auch die Mutter, er ganz allein! Und was wird Groß—- mütterchen sagen? Aber von jetzt ab sell's anders werden, Papa hat recht. das wird ihm eine Lehre sein! Und während des einsamen Mittagessens, während der Schularbeiten, die ohne Mariannens freundlichen Rath so langsom von statten gehen, wieder holt er sich immer von Neuem: „Nie, snie will ich wieder trödeln.“ Ob er ssein Wort halten wird? Hoffen irs. 1

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Jubiläums Geschenk der deutschen Katholiken der Ver. Staaten für den. Hl. Vater, Papst den Zehnten. Ehrenliste der Geber. Folgende Beiträge für obigen Zweck wurden bis zum heutigen Tage an den Unterzeichneten abgeliefert: Am 20. April 1908 be— richtet -37.718:10 St. Augustinns Männer—- Verein, Newark, N. J. 5.00 Herr Steinhoff, St. Louis, Missouri 5.00 Unbekannt, St. Louis, Mo. 1.00 St. Peter's Gemeinde (irrthümlich übersehen im vorletzten Bericht), Troh Grovbe. 111. 5.00 St. Bonifazius Verein, N. O. Minneapolis, Minn 10.00 St. Johannes Unterstütz ungs-Verein, Columbus, Osio. 5.00 St. Joseph's Verein, St. Michael. Minn. 183.00 St. Mathias Unterstütz ungs- Verein, Chicago, Illinois 15.00 St. Bonaventura Vevein (Königin der GEngel--Ge— meinde), Harlem, New rant Vort. N 18.20 St. Kilian's Verein, Hart ford, Wis St. Jacobus Verein, St. James, Minn. 5.00 St. Joseph's Kranken—- Unterstützungs- Verein,., Chilton, Wis. 5.00 Unbekannt, St. Peter und Paul's Gemeinde, St. Louis,. M 0... 1.00 Hr. Theo. Jennemann, St. Lois, Mo. 5.00 Hr. Wendelin Frueh, durtch hochw. A. V. Garthoeff ner, St. Louis, Mo. 10.00 St. Peter's Unterstütz ungs- Verein, Roche—- ster, N. 16.00 Hr. F. Endres, Sterling, Nebrusla Ein Deutscher aus Du— buque, Jowa 10.00 Hr. I. F. Ostenkamp, Cin—- ceinnati.O 2.00 Hr. Ferd. Hauck, Hancock, Michigan. 1.00 Hr. Frank Hauck, Hancock, Michigan.. 1.00 Hr. Alphons Hauck, Han—- cock, Michigan. 1.00 Hr. Frank Wurm, Hancock, Michigan. 1.00 Hr. Theo. Ott, Hancock, r Michigan 1.00 St. Peter und Paul's Kranken Unterstütz ungs- Verein, Loretto, Minnesota. Hr. And. JI. Hulscher, Kransburg. S· D. 1.00 Hr. JFos. Gruenkte, Dent, Ottertail Counth, Minn. 2.00 Hr. Henry Pahlsmeier, Renfrow, Olla. .1:00 St! Michael's Unterstütz ungs- Verein, Madison, Minnesota 600 Eine besondere Verehrerin, durch hochw. E. J. Lem—- kes, St. Louis, Mo. 2.00 Hr. Jos. Erkens, Ford Cith. Pa. 2.00 St. Peter und Paul's-Ge—- meinde, durch hochw. M. I. Thiltgen, Sher—- rills Mound, Fowa.. 182.00 Von den Erstcommunikan ten (1907 und 1908) durch hochw. Geo. Fugel, Kralow. Mo. 25.00 Hr. Phil. Ackermann, Louispille, Kh. Hr. A. Bauer, St. Louis, Missouri Frl. Anna Exner, Dutzow, Mijsouri 1.00 St. Georg's Ritter Orden, Abtheilung No. 3, North Side, Pittsburg, Pa. 5.00 D. R. K. St. Johan—- nes Verein, Meno— minee. Mich. 7.90 Von Lesern des „Haus—-- freund“, O'Fallon, Mo. 4.00 St. Andreas Verein, Po toji. Wis... 16.50 Von den Schulkindern der St. Andreas Gemeinde, Potosi. Wis. 1.30 Hrn. J. B. Oelkers, dem Präsidenten des Central—- Vereins, wurden auf dem Schiffe außerdem noch folgende Summen durch die Pilger übermittelt: Rev. P. A. Lauer, Süd— Dalota.. 10.00 Hr. Michael Zuber, Balti— more. Nd. 10.00 Hr. John Zimmermann, New Hork. N: 5.00 Hr. Alphons G. Koelble, New lort. N. 5.00 Hr. Phil. A. Wagner, New Dort N 1.00 St. Joseph Männer Ver— ein, Bloomington, 111.. 25.00 Frl. Margaretha Kreuz, Chicago. 111.. 1.00 Hr. Halk, New York, N. 9. 2.00 Frau Oeltmann, Chicago, Allinois 2. 5.00 Hr. F. H. Dirtlsen, Peoria, Di wi in t 5.00 Summa... .88,050.80 Auslagen für Collektions—- Gebühren (11 Checks).. 1.10 Total Summe, ·welche zum heutigen Tage u den Präsidenten deb' Central Vereins, Hrn. I. B. Oeltkers, zwecks n—ebermittelung an den Hl. Vater, Papst Pius (Speziell fur diese gZeitung.) „Die religiöse Gefahr.“ ir haben unseren Lesern W schon früher einmal den Werth des herrlichen Werkes des Dominikaner-Paters Albert Maria Weiß für die ge— bildeten Stände, zumal den Clerus und die führenden Laien— kreise, klar zu machen gesucht. Es gibt Stellen in dem Buche, in welchem man in einer Lektüre mehr Auskunft über die Gestaltung der Dinge im religiösen Leben unserer Zeit erfährt, als durch die Lektüre ganzer Bände anderer Werke, und zu— mal ganzer Haufen unserer landläu— figen Zeitungen und „Schornale“ aller Art. Wir greifen den folgenden Auszug heraus, nicht weil er einer Neigung zum Kritisieren Befriedigung zu geben scheint, sondern weil in den nachfolgenden Sätzen der beobachtende Leser eine wahre und höchst werthvolle Lichtwelle über die religiösen und kirchlichen Verhältnisse umserer Tage wie sie ohne Zweifel zu großem Theile dem Ueberhand—- greifen der Häresie des Amerikanis-- mus zugeschrieben werden müssen hinweg ziehen sieht. Pater Weiß schreibt nämlich wörtlich: „So kündigt sich, wie Ludwig Stein zu seinem Troste sagen zu dürfen glaubt, bereits ein „verweltlichter Clerus“ an, die Vorstufe zu dem voll ständig „weltlichen Clerus“, von dem Tönnies die Neugestaltung der Reli— gion in der Zukunft und damit der Welt erwartet. Die Geringschätzung des aszetischen und geistlichen Lebens, die sich zum Glück vorerst noch weniger in der Praxis, wohl aber in so manchen Aeußerungen kundgibt, die unmäßige, einseitige Hervorhebung der Wissen— schaft, der Belletristik, der öffentlichen, politischen und sozialen Thätigkeit, die Umwandlung des Christenthums aus einer Religion des Gottesdienstes und des Betens in eine Art von rationa- listischer Arbeitsreligion, mitunter selbst in eine leere Phrasen- und Witz religion, die nur dazu vorhanden ist, um das eigene Licht leuchten zu lassen, das Alles gibt den genannten Män— nern Hoffnung, daß sich der Clerus allmählich in die Rolle von Laien-Apo— steln findet, und daß er aus der Jen— seitsreligion eine Diesseitsreligion, eine Welt-, eine Civilreligion machen werde. Immer mehr erwartet Lud—- wig Stein, werde der Clerus jeder Confession einsehen, daß die Jenseitig—- keitsmotive von Tag zu Tag an Wirk— samteit einbüßen, daß die Diesseitig keitsbedürfnisse zunehmen, und daß er sich entweder dieser Frontänderung der gesitteten Menschheit anschmiegen müsse oder daß er unrettbar verloren sei. In der That habe sich bereits ein „vberweltlichter Clerus“ angebahnt in den Kirchlich-Sozialen, in der Heilsarmee; in der „üppig wuchernden religiösen Vereinsbildung“. Es sei nun seine Sache „das sittliche Ideal seiner Transszendens zu entkleiden, es vom Himmel herabzuholen und in die Menschheit zu verlegen“ und so die „Perfektionierung des Typus-Mensch im Diesseits energisch zu betonen“ im Sinn des modernen Geistes. „Damit werden freilich selbst die Fortgeschrittensten unter den Refor— mern nicht einverstanden sein. Und, Gott sei Dank, bis dahin, daß dieses Ziel erreicht werde, hat es noch weite Wege. Immerhin mag es aber gut sein, daß sich Alle an Das erinnern, was wir früher über die Logik der Ge—- schichte gesagt haben. Auch von dem unbesonnenen und übermäßigen Ein—- gehen auf die Zeitmeinung trifft zu, was Chamberlain von dem Herde der modernen, öffentlichen Meinung im besonderen sagt: „Man braucht nicht die authentische Hethiternase zu be— sizen, um Jude zu sein. Vielmehr bezeichnet dieses Wort vor Allem eine besondere Art, zu denken und zu füh— len. Ein Mensch kann sehr schnell Jude werden, ohne Israelit zu sein. Mancher braucht nur fleißig bei Juden zu verklehren, füdische Zeitungen zu lesen und sich an jüdische Lebensanf—- fassung zu gewöhnen. So braucht auch ein Christ durchaus nicht Freimaurer zu werden, noch die Taufe abzuschwö— ren; es genügt für Viele, fleißig in den Kreisen der modernen Belletristik den Zehnten, nach Rom gesandt wurde .88,049.70 Weitere Gaben werden auch jetzt noch entgegengenommen. St. Louis, Mo., 3. Juni 'OB. RudolphKrueger, Corr. und Finanz-Sekretär des C. V. —p 2 4 1 Ein schönes und wahres Wort über die Schule als Vorbildung für's Leben lesen wir in einem Wechselblatt: Die Schule wirkt in das spätere Leben der Kinder hinüber. Zu weitfassend darf man die Sache doch nicht nehmen; gar Manches von der Schulbildung fällt nach Beendigung der Schulzeit ab und nur ein farbloser Fruchtknoten bleibt, wie beim Baume, noch vollen deter Blüthe. Etwas anbilden, was unmittelbar für das Leben paßt, wird selten gehen. Man braucht daher auch nicht so spitzfindig und allzu ängstlich mit dem sogenannten „Praktischen“ zu sein. Die innere, aründliche Aus uuæemburger Gazetie, Dienstag, den 23. Juni 1908. und Presse zu verkehren, mit Bewun— derung von modernen Romanen und das moderne Theater zu genießen und die moderne Kunst auf sich wirken zu lassen, und außer modern protestan tischen Werken kein theologisches Buch mehr in die Hand zu nehmen, und es kann einer Zolaist und Nietzscheaner geworden sein, ohne daß er aufhörte, den Priesterrock znu tragen und über christliche Lehren Vorträge zu halten.“ Wenn man dann wieder in diesem epoche-machenden Werke weiter liest, wie er so zu sagen an der „Hautfarbe des Menschlichen“ in der Kirche Christi auf Erden auf die schwere Krankheit schließt, welche den leiblichen Körper derselben zu Grunde zu richten droht, kann man nicht anders als diesen Scharfblick zu bewundern, da er sagt: „Wir haben Männer, Gelehrte, Lehrer in unserer Mitte, die einen ge— wissen Stolz empfinden, wenn man sie liberal, freisinnig, aufgeklärt, Refor—- mer und Hochmoderne nennt, die es aber als unauslöschlichen Schimpf be— trachten würden, falls sie Jemand zu den Conservativen oder gar zu den Scholastikern rechnete. Mit nicht ge ringer Genugthuung kann die „Ethische Kultur“ darauf hinweisen, daß es heute selbst im Clerus deren gibt, die sich dagegen verwahren, clerikal zu heißen und zu sein, Priester, die öffentlich sagen, sie seien christlich, aber nicht clerital, tatholisch aber nicht ultramontan, mit einem Worte, anti— deritale Priester, die öffentlich gegen ihre Standesgenossen auftreten, zumal gegen die Ordensleute, die manchmal kaum noch als Mitbrüder behandelt werden. Der bekannteste unter ihnen ist der Spanier Segismundo Peh—- Ordeix, der Verfasser des berüchtigten Stückes „Paternidad“. Dieser hat sich endlich unterworfen. Andere, die außerhalb Spanien's ähnliche Wege betreten haben, sind vorläufig noch weit dabon, sich zu unterwerfen, son— dern sie sagen sogar: „Roma locuta, causa non finita.“ „Was an hdieser schädlichen Spaltung das Allerverwunderlichste genannt werden muß, das ist die Klage dieser nämlichen Männer über die bösen, intoleranten Theologen, die ihnen das Leben so sauer machen, über deren häßliches „Denunzianten- und Delatorenthum“ und über die Kirche mit ihrem In dex und ihren Con— gregationen, von wo ihnen be— ständig Verurtheilung und Unter— drückung drohe. Das Alles erinnert stark an die Fabel vom Wolf und vom Lamm. „Für Jeden aber, dem es ernstlich um die Wahrheit zu thun ist, ergibt sich daraus ein neues Beweis für die Noth— wendigkeit einer steken kirch— liche n Autorität. o einmal derlei Widersprüche in der Auffassung vom Glauben, von der Inspiration und der Kirchengewalt, in der Auslegung der Bibel, in der Hochhaltung der Tradi— tion, in der Werthung des Ordens— standes und der Gelübde auftreten, da kann keine rein menschliche Autorãtät, die den beiden streitenden Parteien wie gleich zu gleich gegenüberx steht, Frie—- den gebieten und die Geister versöhnen. Hier müssen Beide ihre Anliegen von einer höheren Macht bringen, die das Recht hat, mit überlegener Gewalt das entscheidende Wort zu sprechen vorausgesetzt, daß dieses Urtheil nicht schon längst gesprochen ist. Die Neuerer, die an Allem rütteln, haben am allerwenigsten ein Recht, sich über Index und Inquitition, über die „rö— mische Kurxie“ und die Bischöfe zu be klagen, denn gerade sie machen deren Eingreifen nothwendig, da sie nicht müde werden, den Satz zu wie— derholen, sie unterwürfen sich nur ei— ner kirchlichen Entscheidung, bis aber diese ergehe, hielten sie sich für frei und ungebunden. So muß eben die Kirche eingreifen, sie mag wollen oder nicht. Da aber Jene immer wieder betheuern, sie fügten sich jedem Aus—- spruch der Kirche. aber auch nur diesem, so geschieht ihnen ja nur ihr Wille, und sie haben dann eine will—- kommene Gelegenheit die Treue ihrer Gesinnung, die sie immer hervorheben, durch die That zu bezeigen.“ bildung sichert die Leistungen für die Zukunft, wie ein gründliches Durch— lblühen den Ansatz der Furcht. Lehrt man die Kinder den Diamanten schlei—- fen, so kann man ihnen manchen Edel— stein noch ungeschliffen geben. Die Schule ist keine unmittelbare Bildung gum Leben, sondern nur eine Vor— bildung für dasselbe. Richtig denken, keaftia wollen, tief empfinden das st der Hauptzweck, der vorzüglich in sder Schule berücksichtigt werden soll. Leider Gottes wird es aber nur zu oft gar nicht oder doch zu wenig erkannt, daß erst der Menschen gebildet und er— zogen werden muß, ehe die Bildung für das bürgerliche Berufsleben an die Reihe kommen kann. Der Mensch steht höher, als der Bürger, und nur durch eine veredelte Menschheit kann ein ver— edeltes Bürgerthum entstehen. Man muß das Eine thun, das Andere nicht unterlassen Ein neuer Erfolg der katholischen Presse. Gegenüber den planmäßigen, von der rothen und goldenen Internatio—- nale, besonders protegierten Angriffen gegen fast alle Lehre und Einrichtun—- gen des Katholizismus ergab sich für die Katholiken immer mehr die Noth— wendigkeit, den planmäßzigen Angrif— fen auch eine planmäßige Ver— theidigung entgegenzustellen. Zu diesem Zwecke gingen eine Arr zahl fatholischer, akademisch gebildeter Laien in Verbindung mit cirka 50 ta— tholischen Schriftstellern geistlichen und weltlichen Standes daran, zunächst in deutscher Sprache eine ganz billige Broschüren Literatur herauszugeben, in welcher alle wichtigeren Einwürfe gegen den Katholizismus sachlich be— leuchtet, aber auch die positiven Lehren und Verdienste der Kirche vor Augen gestellt werden. Von dieser Samm— lung „Volksaufklärung“ ler— hältlich durch B. Herder, Buchhand—- lung in St. Louis oder durch jede an dere Buchhandlung) liegen bereits 115 Broschüren 8 Pfennige (32—48 Seiten) fünf Ergänzungshändchen und ein selbstständiges Citatenwerk „Die großen Fragen des Lebens“ (384 S.) vor. Was nützt aber die beste und bil— ligste Broschüren-Sammlung, wenn sie nicht vom hochw. Clerus, durch katho lische Vereine u. s. w. auch planmäßig benütt und verbreitet wird? Zur Freude können wir nun mitthei— len, daß die erwähnte „Volksauftlä— rung“ in deutscher Sprache allein be— reits in fast zwei Millionen Exempla—- ren verbreitet ist. Wie uns mitge—- tiheilt wird, beziehen größere katholische Vereine in Deutschland, Oesterreich, in der Schweiz usw. oft 5,000 ja 10,000 dieser Broschüren als Vereinsgaben für ihre Mitglieder. Daneben sind aber auch Uebersetzun gen in's Tschechische (in Olmütz), Pol—- nische (Posen), Ungarische (Buda— pest), Italienische (Fiume), Slove— nische (Fiume), Kroatische (Agram), Französische (Brüssel) in Angriff ge— nommen worden, so daß sich „Volks— auftklärung“ immer mehr zu einer internationalen Ver— theidigungs-Literatur der Katholiken entwickelt. Leider hat sich bisher noch lein Verleger für eine Ausgabe in englischer Sprache beim Heraus— geber der deutschen Original-Ausgabe in Warnsdorf, Böhmen, gemeldet. Wir empfehlen besonders allen deutschen Seelsorgern und allen deut schen katholischen Vereinen die deutsche Ausgabe dieser spottbilligen, zeitnoth— wendigen Volksliteratur. Wie weit darf eine Zeitung gehen? Es ist nichts Neues, daß die Zeitung in feinem anderen Lande die Groß macht, die sie hier bedeutet, an ihre Leser appellirt, um wichtige Fragen für sich und für jene zu debattiren oder zu entscheiden. So groß die Preß— freiheit auch hier ist, so scharf ist auch die Controlle, die nicht etwa das Ge setz, sondern die öffentliche Meinung, wie sie sich im Leserkreis wiederspie gelt, über die Presse ausübt. Es gilt als längst überwundener Standpunkt, daß die Zeitung ein „Or—- gan“ sein müsse, das entweder die In teressen einer einzelnen Person oder eine Partei vertrete. Und es gilt ebensowenig länger als ein Verstoß gegen die Achtung, in der Leser ihre Zeitung halten, wenn sie in diesen oder jenen Fragen von deren Ansichten ab weichen und auch genügend Interesse besitzen, diesen andern Anschauungen in sächlicher Weise Ausdruck zu ver— leihen. Es ist deshalb gar nicht so sonder—- bar, daß eine große Zeitung des We— stens ihre Leser auffordert, zur Richt— schnur gewissermaßen, ihr mitzuthei len, wie weit ihre Ansicht nach eine Zeitung in der Veröffentlichung von Nachrichten gehen sollte. Sie sollen bestimmen, wie weit eine Zeitung in der Veröffentlichung von Nachrichten gehen sollte. Sie sollen bestimmen, wie weit eine Zeitung den Wünschen des Leserpublikums nachgeben darf, wie weit ihrer eigenen Tendenz, das Gelb-Sensationelle aus ihren Spalten herauszuhalten oder ihre Seiten damit zu füllen. Unzweifelhaft ist die Collegin im Westen durch jene Seuche, die man fälschlich amerikanisch journalistischen „Unternehmungsgeist“ nennt, und die in nichts Anderem besteht, als daß die Reporter in die allerintimsten Sachen des engsten Familienkreises mit Vor— liebe ihre Nasen stecken, zu dem Wun— sche veranlaßt werden, dieser Art Be—- richterstattung einen Damm zu setzen. Diese Berichterstattung nennt sich zwar „up to date“, ist aber richtiger unter der Signatur „gewissenlos“ zu rubri— ziren. Es wäre interessant, feststellen zu können, in wie weit selbst die allergelb— sten wirklich den Geschmack des „Publi— kums“ treffen, in wie weit sie den Wünschen desselben oder nur ihren eigenen nachgeben, wenn sie in den Koth und Schmutz des alltäglichen Lebens hinabsteigen und dort nach Sensationen fischen. Der Oeffent—- lichkeit kann unmöglich ein Breittreten der allerintimsten Dinge nützen. Un— möglich ist es in Interesse der öffent lichen Moral oder der Belehrung, wenn die pikanten Einzelheiten eines sensa— tionellen Scheidungsprozesses mit dem behaglichen Grunzen eines Borsten thieres, das den Koth dort, wo er am Tiefsten ist, gefunden hat, womögzlich noch mit Illustrationen, besprochen werden. Es ist überhaupt fraglich, ob eine Zeitung das Recht hat, in Privatver—- hältnisse einzudringen, solange jene nicht durch irgend ein Verfahren öffentlich Gemeingut geworden sind. Besser, daß eine „Neuigkeit“ dieser Art unterdrückt wird. als daß düurch vorzeitiges Veröffentlichen, durch aller lei geistreich sein wollende Andeutun- M 10 y

1 4 s gen und Insinuationen der Keim zum Argwohn gelegt, als daß ein Lebens glück zerstört oder ein geborstenes von der Genesung zurückgehalten wird. Die Pflicht einer Zeitung, und ihr Recht, besteht nur darin, das zu be—- sprechen, was die große Oeffentlichkeit interessirt, was die Situation von Tag zu Tag beleuchtet und erklärt. Dinge, wie z. B. der Thaw-Prozeß, die Tau senden bekannt sind, können nicht un terdrückt werden. Aber es genügt, die Thatsachen zu berichten ohne sich in solche Einzelheiten einzulässen, die den Vater vor seinen Kindern erröthen machen würden. Das Vorrecht der denkbar gröhten Preßfreiheit bedingt auch die denkbar größten Verpflichtungen, von jener Freiheit weisen, maßvollen Gebrauch zu machen. Das ist die Grenze, bis zu der eine Zeitung auch in diesem Lande, gehen darf, und nicht weiter. Das Inferioritäts Märchen in der katholischen Literatur. Ueber dieses Thema liefert H. von Pier einen höchst schätzenswerthen Bei— trag in der „Apologetischen Rund—- schau“ (Heft 4, 1908), worin er .den gegen die Katholiken gemachten Vor— wurf der literarischen Inferioritäãt zu—- rigreilt und auf Unkenntniß der ka— tholischen Literatur zurückführt. „Das Märchen von der Inferioritt der ka-- tholischen Literatur wird natürlich weitererzählt unsere Zeit liebt ja besonders das Mätrchenl! und selbst viele Katholiken sind kindlich genug, noch daran zu glauben.“ Welt- und Literaturgeschichte be— zeugen, daß man ebenfowohl von einer katholischen, wie von einer heidnischen, klassischen oder romantischen Literatur sprechen kann. „Von den ersten christ-- lichen Jahrzehnten, die uns die unver— gänglichen Kunstwerke der Evangelien schenkten, über die deutschen Sänger des Mittelalters, über Dante und Kal— deron hin um nur ganz wenige Na—- men zu nennen können wir in einer gewaltigen, leuchtenden Linie die Triumphe katholischer Weltanschauung in der Literatur verfolgen.“ „Ka—- tholische Literatur ist mit Nomen wie Bolanden, Chr. von Schmid, Spill moan, Braekel. Bachem's RNovellen sammlung und dergleichen keineswegs identisch, mögen sie auch als Unter—- vnltunat lettüre ihren Werth haben. Mit Eichendorf und der Droste stehen wir unter den deutschen Lyrikern in allererster Linie, während der Katholik Grillparzer mit Hebbel den Ruhm theilt, die besten nachtlassischen Dra— men geschaffen zu haben. In der zweiten Hälfte des verflossenen Jahr—- hunderts, wo in lärmendem Bachan— tenzug Realismus, Materialismus, Naturxalismus, Symbolismus und wie die berauschenden Ismen alle heißen mögen, Deutschland durchrasten, da sei, sagt Pier, die katholische Literatur allerdings inferior zrrlieren: diese Zeit aber sei nun vorbei urrd init dop— peltem Muthe treten die katholischen Dichter wieder in die Arena, Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu machen, gibt Pier dann eine knappe Auslese von katholischen Dichtern und Dichtungen, deren Namen selbst unter Katholiken allzuwenig bekannt sind. In allen Gattungen der Poesie sind die Katholiken durch geniale Diehter ver— treten: in der Lyrik durch den Throler Anton Müller (Bruder Wil— ram), Fr. W. Grimme (den humor— vollen Sänger des Sauerlandes), Greif, Eichert und Lieber (ein Dreige stirn, das allein in der neueren Litera-- tur uns eine ehrenvolle Stellung sichert), Lorenz Krapp (Arno von Walden) und Hans Eschelbach; in der Epik: Josef Seeber, Josef Pape, Fr. W. Helle und Eduard Eggert; im Drama: Karl Domanig, Leo van Heemstede, Martin Greif, Eduard Hlatky und Richard von Kralit; in der Belletristik: Hansjakob und Han— del-Mazzetti (zwei Namen, die eines ehrenvollen Platzes in der modernen Belletristik sicher sind), Hans Eschel—- bach, Anton Schott, Otto von Scha—- ching, Marie Herbert und Nannh Lambrecht. Auch unter den nicht—- deutschen katholischen Schriftstellern finden sich geradezu glänzende Na—- men: Sienkiewez, Jörgensen Sheehan, Coloma, Leo Balet, Fagazzaro, Bour—- get, de Vogue, Coppee und Bazin. An bedeutenden katholischen Schrift stellern ist kein Mangel und Pier be— zeichnet es als heilige Pflicht der Ka tholitken, sich an dem Kunstleben und Kunststreben in erster Linie an der Dichtkunst —zu betheiligen und „endlich einmal das literarische Infe rioritts Märchen zu den übrigen Märchen Büchern aus ihrer Jugend— zeit zu verbannen, und was uns un— sere Dichter Großes geschenkt, zu achten, zu vertheidigen und vor Allem zu lesen“. Das sind beherzigenswerthe Worte und der Hinweis auf die Triumphe der deutschen katholischen Literatur wird gewiß auch bei den deutsch-amerika-- nischen Katholiken dankbare Anerken— nung finden und mehr als einseitige Tadelsucht dazu beitragen, Lust und Liebe zur deutschen Sprache zu er— wecken und zu erhalten. S. R. In Oregon steht 'ein interessantes sozialpolitisches Erperiment bevor. Der Staat ist in dieser Beziehung so eine Art Australien, zu allerhand fort— schrittlichen Versuchen bereit und hat auch Initiative und Referendum ein geführt. Auf Grund der beiden wird nun eine Steuerfrage zur Abstim— mung gebracht werden, die auf der Ein Steuer Theorie von Henrh George fußt. Von dieser ist seit lan gem, außer in wissenschaftlichen Krei— sen, nicht mehr die Rede gewesen; die National-Oelkonomie ist darüber zur Tagesordnung hinwegegangen. Nun taucht sie in Oregon wieder als leben dige Frage auf. Am 1. Juni soll dort über ein Verfassungs- Amendement 7 38 5 1 197 142 W 1 42 1 04 ;7i 4 1 ur M A a a u 7 12 Zum praktischen Versuch. Vellksthümliche Büche zur Belehrung und Vertheidigung der katholischen Kirche: Rippel, G,Die Schönhe ẽt der tatholischen Hivrche· in ihren hei ligen Ceremonien und äußeren Gebräuchen während des Kirchen jahres; 586 Seiten, gebunden. 60 Ct Ernst, E, Elternpflicht. Beiträge zur Frage der ertiehun der Jugend zur Sittenreinheit; 176 Seïten, re der 90 Ct Zeitgemäß! Sehr zu empfehlen! Brors, P. Fr. X., 8. J Modernes A. B. C. für Katholike— aller Stände. 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Spaß muß auth sein. j 2 2 Der echte Trinker. Arzt: Sie wollen die Medizin nicht einnehmen? Denten Sie doch einfach. es sei Bier. Patient: Dann möchte ich lieber Bier einnehmen und denken, es wäre Medizin. 7 Durchschaut. (Im Wirthshause.) Vater: Du, Peperl, wenn die Mutter nachher fragt, wieviel Glas Bier ich getrunken hab', so sagst Du vier!. Ver— standen? Peperl: Ja, Vater! (Daheim.) Mutter: Wie viel Bier hat denn der Vater getrunten, Peperl? Peperl (stockend): Vier, Mutter! Mutter: So. also vier?!.. Wie viel Glas hat er denn bezahlt? Peperl: Zehn! 1 KAAF Der echte Berliner. Rheinländer: So, Sie haben wäh— rend der Ostertage eine Rheintour ge macht? Nu, wie hat die Ihnen denn gefallen? Berliner: Jott, wat soll man da sagen?! Denkt man sich die paar Berge und den Rhein weg, bleibt reene jar nischt! Ein Musterhaushalt. Du, Georg, hat sich denn die Milchflasche noch immer nicht wieder gefunden? Ja, die ist wieder da aber jetzt hab' ich den Jungen verlegt! XKXA Mißver standen. Dame: Beim Radeln sind Sie ge—- stürzt und haben sich an der Wirbel—- säule verletzt? Herr: Nein, an der Plakatsäule, mein Fräulein! 2 X Falsche Diagnose. Dentist: Ihre Zähne sind gesund, Sie haben ihrer nur zu viele, deshalb drängen sie sich und verursachen Ihnen Schmerzen. Patient: Was, zu viel Zähne! Essen Sie nur einmal bei meiner Hauswir— thin ein Beefsteak und Sie werden gleich anderer Meinung sein! KANA Grob. Commis: Entschuldigen Sie, Herr Kahn, daß ich gestern Nachmittag ge— fehlt habe. Ich habe mir einen Zahn ziehen lassen. Chef: Was denn für einen Zahn? Commis: Einen Weisheitszahn. Chef: Na, dann werden Sie wohl noch mehr Dummheiten machen als bisher. KXA Aus der Instruktionsstunde. Corporal: Wenn ich Sie einen Esel nenne, würden Sie mich dann an— zeigen? Soldat: Nein dann wäre ich ja ein Esell! KA Vom Kasernenhof. Unteroffizier: Was sind Sie im Civilverhältniß? Einjähriger: Beamter der Schlaf—- wagengesellschaft. Unteroffizier: Also fahrender Nacht wächter! KANA Vorssicht. A.: Sie bringen ja Ihr kleines Bübchen gar nicht mehr mit zum Bier! Ist der dunge krank? B.: Bewahre aber im Ver— trauen zu Ihnen gesagt meine Alte hat dem Jungen das Zählen bis Zwölf beigebracht, da fing der Knirps an, mir in der Kneipe gefährlich zu werden! AAA Strenge. A.: Warum sind Sie denn aus dlhrem Wegetarianer-Verein ausgesto—- Ben worden? B.: Weil ich mal bei irgend einer Gelegenheit den Ausdruck „mir ist alles Wurst“ gebraucht habe. A A A Doppel sinnig. Insolventer Kaufmann (in der Gläubiger Versammlung): Als Ur— sachen des Conkurs müssen die üble Witterung und der schlechte Geschäfts—- gang gelten. Ich kann aber noch an dere anführen. Einer der Gläubiger: Das ist nicht nöthig! Sie haben angeführt genug! Ein ernster Fall. A.: (ein bekannter Raufbold, der alle Augenblicke in eine unangenehme Geschichte verwickelt st, zu seinem Freunde): Gut, daß ich Dich treffe Du mußt mir morgen als Zeuge dienen! B.: Was, schon wieder? A.: Ja, ich habe auf Dich gerech—- net Du darfst es mir nicht ab— schlagen! B.: Ist die Affaire ernst? A.: Sehr ernst ich heirathe nämlich! 7 Gewaltiger Unterschied. Elsa zählt bereits sieben Jahre, als ihre Mutter heirathet und bespricht da—- her das Ereigniß mit Nachbars Klara sehr eingehend. Sie ist nicht wenig stolz, endlich auch einmal einen „rich tigen“ Vater zu bekommen; auf die Frage aber, was derselbe sei, erwi- wazerte, Dtenstag, den 238. Juni 1908. dert sie ziemlich kleinlaut: „Früher hat die Mutter immer gesagt, er sei Con ditor; jetzt ist er aber ein Kamin— tehrer.“ KAKA Glaubhaft. Mein Sohn schreibt jetzt auch manch—- mal, und seine Sachen werden von vielen Menschen mit Interesse gelesen. Da schreibt er wohl Humoristisches Nein die Speisekarte! KAXA Druckfehlerteufel. „Ha, Elender!“ sprach sie, und stür— misch hob sich ihr B„e“sen (Busen). AXANA Vorsicht ilt die Mutter der Weisheit. Student A.: Sag' mal, Schlauch, hast Du schon bemerkt, daß sich College Spund vor dem Betreten des Hör— saales stets einen Wattpropfen in das eine Ohr steckt? Warum mag er das wohl thun? Schlauch: Sehr einfach er will dadurch verhindern, daß das, was er mit dem einen Ohre hört, gleich zum andern wieder hinausgeht. KAFA Ein gutes Zeichen. Er: Weißt Du, Frau, mir scheint, der junge Mann hat die Absicht, um Trudels Hand anzuhalten? Sie: Woraus schließt Du das? Er: Trudel hat ihm schon gestern etwas vorgespielt und vorgesungen und er ist doch heute wiedergekommen. KAA Ach so! Erster Herr: Sie sind ja angeblich ein Thierfreund, was für Thiere halten Sie sich denn zu Hause? Zweiter Herr: Einen Affen und ei— nen Kater können Sie bei mir immer finden. KAA Eine gute Seele. Patient (zur hübschen Pflegerin): Wollen Sie meine Frau werden, wenn ich gesunde? Pflegerin: Gewiß, gern. Patient: Dann lieben Sie mich also? Pflegerin: O nein, das ist nur ein Theil unserer Behandlung. Ich muß meine Patienten bei gutem Muth er— halten. Ich habe heute Morgen auch einem Patienten versprochen, mit ihm davonzulaufen, obwohl er beide Beine verloren hat. KXA Absfertigung. Immer und immer hast Du nur Deine Geschäfte im Kopf das ist prosaisch. Aber nicht wahr, wenn ich Dir von dem Gelde, das ist verdiene, einen neuen schicken Hut kaufe, das ist poetisch? KXA Familienglied. Frau: Weißt Du. die Köchin wird immer dreister. Seitdem ich sie einige Male mit meinem Schnupfen angesteckt habe, rechnet sie sich ganz zur Familie. KXNA Druckfehler. Damals gelobte er in feierlicher Stimmung dem im Stillen verehrten Wei,„n“e ewige Treue! KXA Unverschämt. Wirth (zu wandernden Musikanten, die ein Concert improvisierten und nun zwei Mark pro Mann beanspruchen): Was wollt Ihr, unverschämte Bagage? Zu Essen habt's gehabt, zu Trinken habt's gehabt, mitraufen habt's kön— nen und jetzt noch zwei Mark? KAA Stimmt. Franz: Sag' einmal, Hans, weißt du den Unterschied zwischen einem Bierbrauer und einem Biertrinker? Hans: Nun, da bin ich neugierig. Franz: Beim Bierbrauer wird's Wasser zu Geld, und beim Biertrinker wird halt's Geld zu Wasser. XX Boshaft. Heut' hab' ich einen entsetzlichen Durst! Aha, hat Ihnen Ihre Frau wieder recht eingeheizt?! X X Moderne Liebeswerbung. Sie haben's mir angethan, Fräulein Elsa. Darf ich mich über Jlhren Papa erkundigen? KXA Mißverständniß. Knabe (in der Apothete): Ich hätte gerne Insektenpulver für meinen Vater. Apotheker: Für wie viel? Knabe (erstaunt): Ja, ich habe sie nicht gezählt. KXA Verplappert. Richter: Angeklagter, Ihre Angaben stimmen mit jenen des Zeugen in mehreren Punkten nicht überein! Angeklagter: Glaub's schon, der lügt eben auch! 7 Auch etwas. Kaufmann: Haben Sie Sprach— kenntnisse? Commis: Gewiß, ich war zuletzt Ausrufer in einem Pfandhaus. KXA Günstige Gelegenheit. Arzt: Nehmen Sie sich in Acht, ich fürchte, es ist eine Gehirnentzündung bei Ihnen im Anzug! Patient: Oh, das wäre ja famos! Arzt: So, warum denn? Patient: Na, dann könnte ich doch der Welt einmal beweisen, daß ich Hirn habe 2. 2 1 277 4 —l 2 77 I- 1 4 7 4 2 4 2 8 778 —uß 1 1 ——2 7 1 1 A 3 31— —72 a2 I— 2 2 2—— 1 ALK 7 A 3 2——l2 7 7 7 0 Candswirt! eaatt ——7 ainci u; a* Mais. Die Aussichten für Mais sind nicht ganz so günstig, wie die Matkler, welche altes Korn zu einem billigeren Preise kaufen möchten, hinstellen. Das Regenwetter hat fast in allen Staaten beträchtlichen Schaden angerichtet, denn in den Niederungen war es so feucht, daß das Korn im Boden ver— faulte oder die jungen Pslängzchen unter Wasser gesetzt wurden, während durch Auswaschungen auf hohem Lande die Pflanzen fortgeschwemmt wurden. Vielfach ist man auch sehr spät an's Pflanzen gekommen, so daß wohl zu befürchten ist, daß viel Mais, der spät gepflanzt wurde, nicht zur Reife gelangt. Eine Bumper-Ernte, wie vor zwei Jahren ist kaum zu er— warten, und ein Preissturz kaum zu befürchten.

Der Standpunkt des Farmers. Die Prohibition muß mit allen er— laubten Mitteln bekämpft werden. Man sollte die Prohibitionisten weder mit Schmutz bewerfen, noch sollte man sie verläumden. Auf das, was die großen Brauherren über Prohibition sagen, lege man kein zu großes Ge— wicht, denn diese Herren lassen die Pamphlete für Geld schreiben und be— kämpfen die Prohibition ihres Ge— schäftes wegen. Man halte sich an der Thatsache, daß Prohibition ein Eingriff in die persönlichen Rechte und die Freiheit des Einzelnen ist, daß sie zum geheimen Suff und zur Heuchelei führt. Wir Farmer produciren die Gerste für das Bier, so auch die Hopfen; wir ziehen das Korn für den Schnaps, und für das, was wir ziehen, möchten wir die höchsten Preise er— zielen. Dies aber ist sicher: kein Farmer will auf Kosten armer Frauen und Kinder, die vor einem versoffenen Haustyrann in die Ecke kriechen müssen, höhere Preise für ihr Ge— treide einstreichen. Zur Farmer-Organisation. Der ständige Zuwachs und Fort— schritt in der Entwicklung praktischer genossenschaftlicher Vereinigungen, 3. B. zum Zwecke des gemeinschaftlichen Obstabsatzes, der Lebensversicherung, der Gründung von Molkereien, Eleva— toren, Consum-Anstalten ist zu begrü— ßen. Wenn auf diesem Wege erst einmal die große Mehrzahl unserer Farmer mit dem Wesen der Genossen— schaft wirklich vertraut geworden, „wirklich genossenschaft— lich geschult ist“, dann wird damit auch der Tag gekommen sein, eine große, nationale Vereinigung unserer Farmer zu gedeihlicher, sicht barer Arbeit in's Leben zu rufen, wie sie beispielsweise in der alten Heimath der in diesem Jahre sein Silberjubi— läum feiernde Reichsberband deutscher landwirthschaftlicher Genossenschaften darstellt, der auf eine überaus segens—- reiche Wirksamkeit zum Wohle der deutschen Berufsgenossen jenseits des Ozeans zurückblicken kann. Einst weilen muß das Bestreben noch in erster Linie darauf hinausgehen, unsere Farmer für den Genossen— schaftsgedanken zu erziehen, wenn das geschehen ist, kann der alles umfas—- sende Zusammenschlußz nicht aus— bleiben. Eine Armee von Feldarbeitern. Aus dem Weizengebiet des Westens ist der erste Ruf nach „Händen“ er— folgt, die während der Erntezeit auf den Feldern helfen sollen. Kansas verlangt 21,500 Männer und 1,195 Gespanne für den Sommer; in der Folge werden sich die anderen Staaten melden, wie sich das mit jedem Jahre wiederholt. Mit dem 1. JZuni be— ginnt in der Regel die Erntezeit und mit dem zunehmenden warmen Wetter dann auch die Wanderung der Arbei— ter immer weiter hinauf nach Norden, bis schließlich auch in den canadischen Provinzen die letzte Ernte hereinge bracht ist. Dann werden die Wan— derarbeiter abgelohnt und dann Wo sollen sie hin? In den industriel len Betrieben werden sie schwerlich Unterkunft finden. Sind sie aus diesen hergekommen, so ist ihnen der Rückgang gesperrt. Denn wo selbst in flottesten Zeiten sich immer eine ge— wisse Zahl Arbeitsloser befindet, ist schnell jeder Platz von anderen besetzt. Der Mann, der die Fabrik hinter sich gelassen hat. mag sich auf dem Felde zurecht finden, der Feldarbeiter aber schwerlich in den Handgriffen der in— dustriellen Betriebe. Was wird aus unseren Sachsengängern? Tramps! ist die Antwort. die von manchen Beobachtern sozialer Erscheinungen ge— geben wird. Der Verdienst der Som— merarbeit reicht gewöhnlich nicht hin für den Lebensunterhalt eines Win— ters. Wenn das Geld alle ist, geht es auf die „Walze“. Und wer dieses Leben einmal hat mit durchmachen müssen, ist nur schwer, selbst für die Arbeit auf dem Felde, wieder zu ge— winnen. Wie lassen sich diese Folgen ver— meiden? Es ist schon viel darüber nachgesonnen worden. Man schlägt vor, in den Gebieten, durch welche die Erntewanderer ziehen, amtliche Stellenvermittlung einzurichten, wobei freilich die Frage vorhandener Arbeits- gelegenheit offen bleibt. Ein beach-- stenswerther Vorschlag wurde vor eini— ger Zeit gemacht, nämlich in den Wei— zengebieten Siedlungen einzurichten mit Gebäuden für irgend welche leichte Fabrikation. Man könnte das Land sn bestimmte Distrikte eintheilen und dort die Leute unterbringen, die zur Sommerszeit auf den Feldern zu ar— beiten hätten, nach und vor der Ernte saber in solcher industrieller Thätigkeit beschäftigt würden, die dem Farmbe— strieb nahe verwandt ist und nur so viel mechanische Fertigkeit erfordert, wie sich diese ein Jeder aneignen kann. Vielleicht ist der Plan durchführbar, jedenfalls ist er der Erwägung werth. Oder irgend ein anderer, der vorge schlagen werden mag. Die Gesell— schaft steht da vor einem Problem, für das eine Lösung schwer zu finden sein wird. Die Kücken-Aufzucht. Zu einer rationellen Geflügelzucht im allgemeinen wie zu der Aufzucht der Kücken im besonderen sind die Grundbedingungen: regelmäßige, gute und geeignete Fütterung, dann aber auch bestmöglichste Sauberkeit. Der größte Fehler bei der Haltung von Kücken wird in der Regel gleich damit gemacht, daß man den eben aus—- geschlüpften Thieren sofort Nahrung reicht. Man mache es sich ein für allemal zum Grundsatz, die Kücken erst nach einem Tage der absoluten Ruhe unter der Glucke zum ersten Male zu füttern. Dabei richte man sein Augenmerk voll und ganz aus eine zur ersten Fütterung besonders geeignete Nahrung. Hart gekochtes, zerkleiner— tes Ei sollte und zwar in trockenem Zustande als erste Fütterung verab— folgt werden. Als Getränk setze man den Kücken am besten klares Wasser hin. Sind die Kücken erst einige Tage alt, dann beginne man damit, ihnen als Zusatz zum Kückenfutter zerklei— nertes Rindfleisch (Crissel) zu verab— folgen. Selbstverständlich muß man aber auch ab und zu für Abwechslung bei der Fütterung Sorge tragen. Weizen, Reis, Hirse und Buchweizen tommen dabei in erster Linie in Frage, und zwar füttert man das Körnerfut— ter am vortheilhaftesten des Abends. Daneben ist auch stets für geeignetes Grünfutter zu sorgen. Fein geschnit—- tener Salat und Spinat sind am meisten zu empfehlen. Bei der Fütterung, die in den ersten vier Wochen etwa alle zwei Stunden, später drei Mal des Tages: Morgens, Mittags und Abends vorzunemen ist, mache man es sich zur Regel, nie anehr zu füttern, als die Kücken sogleich mit regem Hunger aufpicken. Außzerdem muß den een gzur Verdauung ent—- weder Grit oder auch wohl Mergel zur Verfügung stehen. Bei unwirklichem Wetter bringe man die Kücken in geschützten Räumen unter. Hell, trocken und abgeschlos sen gegen jeglichen Zug, das sind die Haupteigenschaften, die dem Aufent haltsorte für Kücken unbedingt ange—- hören müssen. Die Futternäpfe der Kücken reinige man täglich mit heißzem Wasser. Da— neben befreie man die Kücken des öfte ren von dem ihre Entwickelung so sehr beeinträchtigenden Ungeziefer. Man schaffe den Kücken Gelegenheit, im Staube (nicht etwa im reinen Fluß— sande u. s. w.) buddeln zu können, sie werden dann das Ungeziefer ohne jeglichen weiteren menschlichen Ein— griff schon von selber los; denn es gibt in der That für das Geflügel, wie für die Vögel ja überhaupt, kein besseres Mittel gegen die Blutsauger, als wie es der einfache lose Straßenstaub an sich darstellt. Wenn es die Witterung irgend ge— stattet, so lasse man der Glucke und den Kücken den freien Auslauf. Keine, auch nicht die beste Fütterung, tann den Thieren das ersetzen, was ihnen die freie Gottesnatur zu ihrer freien Auswahl darreicht. Schließlich vergesse man nicht, auch der Glucke die nöthige Pflege ange— deihen zu lassen. Das lange Sitzen und die damit verbundene unregel—- mäßige Nahrungs- Aufnahme haben ihrem Gesundheitszustande mehr oder weniger arg zugesetzt. Man gebe ihr reichlich Weizen und Gerste, besonders aber auch junges, sastiges Grün: Salat, Löwenzahn. Spinat und der— gleichen, welches Grünfutter ihr nach der bei Beginn des Brutgeschäftes ein tretenden naturgemäßen Verstopfung überaus dienlich ist. Im Uebrigen lasse man sie von dem Kückenfutter nur getrost mitfressen. Der Untergrund, aus der Tiefe her— ausgeholt, Enthält nicht selten Silber, selbst auch Gold. 4 4 Das Tiefpflügen verbessert den Boden, Mehr Land gewinnt man durch fleißiges Roden. 4 4 Wenn abliegt das Ackerland nach dem Pflügen, Werden sich auf den Halmen läng're Aehren wiegen. MNMnsere... Ben H Thern ioK WhisKkies... werden auf ihren Werth hin verkauft. Ver-- suchen Sie dieselben. Rhombergs Bros. Co. DISTRIBU TORS. DR. COLE. Ofteopath... Beide Telephone. Altes: Office 1282 J. Altes: Wohnung 1385 J. Neues: Office 1073. 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Es gilt bei deren Herstellung Erfahrung zu haben, passende Kops- und Körperstellun gen zu beachten, das passende Licht- uud Schattenverhältniß zu kennen unb dann auch die nöthigen, oft recht lostspieligen Apparate zu haben. Dieses Alles ist vor handen, wenn Ihr Eure Photographie von mir machen lasset. A. H. Mackenzie, 1678 Clay Str., Dubuque, Ja. e 1 2* 1 8 and zin 1 1

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Euxemburgisches. Vereinigte Staaten. Machträglich. Am Sonntag, den 14. Juni, ver— schied nach kurzem Leiden infolge von Pneumonia Frau Johann Wagner in ihrer Familien Wohnung, No. 71 Emmett Straßze. Die Verschiedene war am 16. Januar 1872 in Mosalem Township als Tochter der verstorbenen Eheleute Hr. und Frau Nic. Jungers geboren. Im Jahre 1903 schloß sie mit Hrn. dohn Wagner den Bund für's Leben. Es überleben sie ihr Gatte und drei Kin— der, sowie fünf Brüder und drei Schwestern. Das Begräbniß fand am Dienstag von der St. Katharinen—- Kirche aus, daselbst statt. Sie ruhe in Frieden! Den trauernden Hinter— bliebenen unser hergzliches Beileid! Herr Michael Mueller, früher in Westphalia, Shelby Countyh, Jowa, wohnhaft, welcher sich einige Monate besuchshalber in Dubuque aufhielt, trat am Samstag eine Besuchsreise nach Elkader, Ja., an, um seinen dortigen Geschwistern einen Besuch ab— zustatten, von dort reist er nach La Crosse, Wis., um seine drei Töchter, welche dem Franziskaner Orden da— selbst angehören, zu besuchen und der feierlichen Gelübde Ablegung, welche am 2. Juli stattfindet, beizuwohnen. Aus Chicago, 111., verlautet: Am Samstag, den 13. Juni, ist Frau Ca— Lehmann, geb. Lucas, in ihrer ohnung, No. 447 Wellington Ave., nach langem, schwerem Leiden im Alter vön d 2 Jahren vom Tode abberufen worden. Sie war gebürtig aus Mertzig, Kanton Diekirch, Luxemburg. Außer dem Gatten hinterläßt die Ver— jtorbene ihren bejahrten Vater und wei Schwestern, Frau A. Ackels und Aau Henry Hansen. Die Beerdi—- ng fand am Dienstag unter zahl—- cher Betheiligung nach einem Amte ñ der St. Alphonsus-Kirche auf dem St. Bonifatius Gottesacker statt. Moge sie ruhen in Frieden! Et. Mary's-Kirche wurden am Mitt— woch, den 17. Juni, Herr Joseph Junio und Frl. Anna Kieffer getraut. Der Bräutigam ist aus Mühlenbach, Luxemburg, gebürtig und in hiesigen luxemburger Kreisen allgemein be— liebt; seine Braut ist eine liebens— würdige junge Dame aus dem Staate Wisconsin. Den Neuvermählten un— sere Glückwünsche! Aus Seattle, Wash., verlautet: Seit etlichen Wochen befindet sich in Bre— merton, Wash., ein junger luxembur—- ger Priester, der hochw. Vater Frede—- ricks, Rektor der Kirche „Our Lady of the Sea“. Die genannte Kirche ist sehr schön; ebenso das Pfarrhaus. Etwa 200 Katholiken, wovon viele Luixemburger, sind in den dortigen Hafen-Anlagen beschäftigt. Stadt nnd Umgegend. Entered at Dubuque post ossce as sec- ond-class mail matter. Priesterweihe und Primiz in St. Marien. Am Samstag Morgen fand in der hiesigen St. Marien-Kirche gegen neun ühr eine Feier statt, wie sie bis dahin noch nicht in jener Pfarrkirche vorge— kommen. Ein Sohn der re Rev. Jos. Willging, Sohn von Herrn und Frau H. P. Willging, wurde zum Priester geweiht. Der hochw'ste 2 P. Carroll, Bischof von Montana, nahm den heiligen und höchst feier chen Weiheakt vor. Das geräumige Gotteshaus war bis auf den letzten Psatz gefüllt. Der Chor von 33 Marien unter Leitung des Hrn. Prof. H. Wilberding trug die der Feier ent sprechenden Gesänge vor. Nahezu alle katholischen Geistlichen von Dubuque hatten sich eingefunden, um ihren jun gen Mitbruder durch ihre Anwesenheit zu ehren. Nicht minder feierlich war der dar— auffolgende Sonntag in St. Marien. Um halb zehn Uhr las der junge Prie— ster seine erste hl. Messe. Unter üblicher feierlicher Prozession wurde er vom Pfarrhause nach dem Gottes— hause geleitet. Am Altare assistirten dem Neugeweihten als: Diakon der hochw. Vater MeEvoh von Rockford, Ill.; Subdiakon der hochw. M. How— ard vom hiesigen St. Joseph's College; Presbyter-Assistent der hochw. Vater G. W. Heer; erster und zweiter Cere— monienmeister die hochw. Herren Thier und Hehir, beide vom St. Joseph's College. Auf dem Throne saß der hochw'ste Bischof I. P. Carroll. Seine Thron-Assistenten waren die hochw. Jos. Dupont und R. Murphy von Du— buque. Accolyten waren die Studen— ten M. Vallaster von Herz Jesu und Walter Trexler von St. Marien. Weiter waren die folgenden hochw. Herren im Sanktuarium anwesend: A. Vöding, Herz Jesu; W. JI. Weirich, Heilig Geist; Conry. JI. Pei— veua Dress, I. Gorman, J. Nolan und J. Landon vom St. Joseph's College; weiter der hochw. I. Reinert von Independence, Ja.; Rev. Schen— telberg von Ogden, Ja.; Rev. F. Clark von Rickardsville, Ja.; Vater I. A. Baumann, Spiritual des Franzis— kaner-Klosters; Vater A. Bomholt; Vater H. Wilberding von Tama, Ja.; Vater W. J. Cremer, und Vater J. Hauck von der Hl. Geist-Gemeinde. Weiter die folgenden Studenten: Nie. Lenz, St. Catharinen, Ja.; Anton Lorenz, Math. Hoffmann und Johann Richard von Dubuaue. Sechs Vettern des Primizianten fungirten als Meßdiener. Aeußerst feierlich und schön nahm sich der Kranz von vierzig Meßdienern aus, welche Kergen trugen und im Halbkreis, den Ring der Priester im Sanktuarium umschlossen. Bräutchen war: Anna Wilhelmina Gonner; ihre Führerin— nen: Anna Gonner und Henrietta Hannover. Die in den Achtzigern nehende Großmutter des Primizian— ten, die in letzter Zeit sehx kräntkelte, hatte die Freude wieder gesundet zu sein und sie hatte es sich nicht nehmen lassen, der ersten hl. Messe ihres Enkelkindes beizuwohnen. Der hochw'ste Bischof Carroll hielt eine längere Predigt, bezugnehmend auf das hl. Priesteramt. Der Chor von St. Marien sang die feierliche Messe. Nach Schluß derselben fand im St. Marien Casino ein Fest— essen für die eingeladenen Verwandten und Freunde des Primizianten statt. Nachmittags gab's eine kleine höchst belustigende Unterhaltung im Audito— rium des Casino's, gegeben von den „Kleinsten“ der Gemeinde. Nachher hielt der hochw. Primiziant eine längere Ansprache an die Versammel— ten, nachdem er zubor von dem Bräut— chen: Minnchen Gonner mit einer lurzen Begrüßung empfangen worden war. Abends fand in der Pfarrkirche feierliche Vesper statt. Die Primi— zianten-Predigt, eine überaus treff— liche, belehrende und eindringliche An— sprache, hielt der hochw. Vater Arnold Böding von Herz Jesu. Die Feier schloß mit dem von allen Anwesenden gesungenen „Großer Gott wir loben Dich!“ Ein erhabenes, nicht allzu oft für eine Gemeinde wiederkehrendes Fest ist eine Doppel-Feier, wie die des hochw. Herrn Jos. Willging; sowohl für ihn selbst, wie für seine Eltern und die ganze Gemeinde. Möge der Herr, dessen Dienste er sich geweiht, ihn be— gleiten auf allen seinen Wegen! Schluß der St. Marien Hochschule. Am Donnerstag Abend fand im St. Marien Casino Auditorium die Schlußfeier der Hochschule gleichen Namens statt. Nebst den deutschen Liedern, welche von den Schülern der Vorbereitungs- Klasse gesungen wur— den, erwähnen wir hier die gut vor— getragene deutsche Anrede des Herrn W. H. Keller, Schüler dieser Anstalt. Da hörte man doch auch mal wieder Deutsch, das man verstehen konnte. Und es war nichts auswendig Herge— leiertes; man bemerkte, daß der „junge Mann vor der Rampe“ dachte und fühlte, was er sagte, und seine wohlgewählten Worte fanden bei den Zuhörern Anklang und Applaus. Dem hoffnungsvollen jungen Mann ist zu gratulieren! Solche Jünglinge sind's die uns noth thun! Das St. Bonifa— tius Orchester machte seine Sache auch etwas besser, als vor Wochenfrist bei dem Drama „Waiting for the Ver— diet“. Die Anrede an die Schüler und das Publikum hielt der bestbe— kannte Hr. B. Hülfshoff, der deutsche Dichter Dubuque's, und ein langjäh— riger Geschäftsmann der Schlüssel—- stadt. (Seine Anrede, die wir ihres originellen Inhaltes wegen vollständig wiedergeben, findet der Leser an an—- derer Stelle dieser Nummer.) Die Ueberreichung der Diplomas fand durch den hochw. Vater G. W. Heer, dem Gründer der Hochschulen von Dhyersville und Dubuque, statt. Der hochw. Geistliche hat damit ein praktisches soziales Werk gethan, daß zwar jetzt von gar Manchem noch an—- gezweifelt wird, von dessen Wohlthat und dessen zweckmäßigen Bestimmung aber die nahe Zukunft rühmlichst zeu— gen wird. Vater Heer gab bei dieser Gelegenheit kund, man habe ihm von verschiedenen Seiten gerathen, die deutsche Sprache von genannter An— stalt fallen zu lassen; dieselbe sei blos ein Hemmniß für die Schüler und für die junge Schule. Dagegen habe er (Vater Heer) jedoch energisch prote— stiert. In gar vielen Fällen ersetze ein Mann, der zweier Sprachen mäch tig sei, deren awei und in der gegen—- wärtigen Zeit, wo die Conkurrenz einen gebildeten und geschulten Kauf— mannsstand gebietend fordere, sei es ein Gebot der Noth, eine errtrne mehrsprachige Schulung beizubehalten, ja sie noch weiter zu vervollkommnen. Beifall lohnte diesen großzügigen Worten. Gründe und Belege, wes— halb eine mehrsprachige kaufmännische Bildung in unserer Zeit nachgerade von höchster Stelle aus befürwortet wird, findet der Leser in der sachlich gehaltenen Rede des Herrn Hülshoff worauf wir hier nochmals verweisen. Die junge Hochschule hat sich im zweiten Jahre ihres Bestehens recht rnder gehalten. Ihren Lehrern, den St. Marien Schulbrüdern, gebührt für sdie fähige und up to date schristliche Schulung ihrer Zöglinge volle Anerkennung. Wir lassen hier die Namen der Schüler jener Anstalt der Reihe nach folgen, wie und in welchem Klassen- Grade sie „graduierten“. Vorbereitunas-Klasse: John Klein, Carl Kleinschmidt, Ed— ward MeCeney, Celestin Hayes, Alphons Beckius, Leo Byrnes, Henry Didesch, Alfred Tschudi, Harry Tropf, Arthur Bohler, Eugene Strueber, An— drew Wanger, Joseph Schmitt. John Heles, Frank Dodd, Carl Pilmaier, Arthur Imhof, Arthur Meyer, Alfred Faber, John Paar und Frank Saunders. unter- oder sandels- Klasse: Fred. J. Junker, Franeis I. Blaser, Joseph Keller, John I. Thelen, Herbert L. Landolt, James S. Ziegler, Joseph W. Kriebs, Carl H. Schrup, Albert I. Hueklels, Edwin Strueber, Carl I. Sangelmeyer, Paul I. Hofsmann, Louis Palen, Joseph A. Drumm, Raymond J. Feßler, Henry Kingsley, Leo Fettgather und Andrew Schro-der. Mittel- Klasse: Chas. G. Voelker, William H. Keller, Anthony F. Schrup, Arthur M. Gloden, Ro— jbert A. Shannon, Leo W. Huetkels, Leo A. Bisping, Edward J. Pilmaier, Mæemburger Gazette, Dienstag, den 28. Juni 1908. Alfred A. Thimmesch, Theodore T. Kies, Wm. C. Sumpmann, Vincent J. Dolan, Edmund T. Schrup, Herman H. Lang, Harold F. Duggan und Geo. W. Meyer. Möge die St. Marien Hochschule unter ihrer so lundigen Leitung das nächste Jahr in vermehrter Stärke be— ginnen und am Ende des Schuljahres 1909 eine gleich große Anzahl Schü— ler ihrer neuen Oberktlasse als „Gra— duierte“ entlassen; möge in demselben Maße wie im verflossenen Jahre sich die Gunst der deutschen Katholiken die— ser Stadt dem jungen Institute zu— wenden: das ist unser wohlgemeinter Wunsch! Schlußfeier der Akademie „Zur Unbe— fleckten Empfängniß“. Die Mädchen-Akademie „Zur Unbe— fleckten Empfängniß“ hat ihr erstes Schuljahr würdig beschlossen. Die Schlußfeier fand verfl. Montag Abend im Auditorium des St. Marien-Casino statt. Der Diploma Vertheilung gingen die üblichen Piano-Solos, -Quartetts, Chor- und Einzel-Ge— sänge voraus. Einzig schön und in— teressant waren die hier zum ersten Male, von Schülerinnen jenes Insti— tutes vorgeführten Uebungen der soge— nannten „Grace Culture“. Die deut— sche Anrede der Frl. Adele Ott war recht nett; der Vortrag „The Polish Boy“ von Frl. Lucille Knippel durch— dacht und gefühlt. Die Mimic des „The First „Te Deum““ war etwas zu rasch und ließ auf die Weise Ge— fühl und Handlungen der Spielenden nicht in voller Natürlichkeit zur Geltung kommen. Auch stellt genann—- tes Stück zu hohe Anforderungen an 14- bis 16-jährige Mädchen. Im Musik- Kursus graduierten die Frl. Cäcilia Knippel, Henrietta Willging. dda Stieber und Pearl Johannsen; im Normal-Kursus: Frl. Meyers. Weiter graduierten mehrere junge Damen im Musik Kursus (mittleren Grad). Die Anstalt wurde im verflossenen Zahre von achtzig Schülerinnen be— sucht, welche theils Lehr-Kurse, theils Musit-Kurse nahmen. Mit diesem Resultat für 1908 kann die junge Anstalt wohl zufrieden sein. Ihren Zweck erklärte der hochw. Vater J. M. Wolfe, D. D., recht klar in einer längeren tiefsinnigen Ansprache. Rede des Herrn B. Hülshoff bei der Schlußfeier der St. Marien- Hochschule. 1; (Fortsetzung von der 1. Seite.)' den Fachschulen, Handels, Gewerbe, Bau und technischen Hochschulen und die auf diesen zahlreichen Anstalten großgezogenen tüchtigen Geschäfts— leute, Fabrikanten, Ingenieure, Künst ler und geschickte Arbeiter in allen Zweigen der Industrie. Das Königreich Baiern allein mit einer Bevölkerung von etwas über sechs Millionen, zählt cirka 300 Fach-- schulen, also mehr wie die Ver. Staa—- ten mit einer Einwohnerzahl von fünf undachtzig Millionen. Der zweite Grund, welchen sie an geben, ist dieser, daß auf den meisten dieser Schulen das Erlernen frem— der Sprachen obligatorisch ist. So sei man darauf bedacht, daß die in allen Ländern Geschäftsberbindungen anknüpfenden, deutsche Kauflrute und Fabrikanten der Sprache des betreffenden Landes mächtig wären, während dieses bei den Agenten und Geschäftsreisen den anderer und besonders ihrer eige—- nen Nationen selten der Fall sei. Sie (die Fachleute jener Nationen) em— pfehlen ihren resp. Regierungen da— her die Errichtung obenerwähnter Schulen nach deutschem Muster und das Erlernen fremder Sprachen. „Germania docet!“ (Fortsetzung in nächster Nummer.) Kleinereßachrichten aus Stadt und Umgegend. Rev. Anton Woerdehoff, Sohn der Frau Wittwe I. Woerdehoff zu Dyersville, Ja., wurde am 13. Juni im St. Meinrad-Seminar zu Indiana zum Priester geweiht. Seine erste hl. Messe beging er in feierlicher Weise am Donnerstag, den 18. Juni, in der St. Franziskus Kirche zu Dyersbville. Er wird bis zum kommenden Herbste in dem Heime seiner Mutter weilen, um dann auf der katholischen Univer— sität zu Washington, D. C., höhere Studien zu betreiben. Dem jungen Priester Glüct auf seiner neuen Le— bensbahnl J. P. Franhzen, deutscher Advo kat und Notar, Zimmer 418 Office- Gebäude. 9. und Main-Stratze. Kirche fand am Sonntag, den 21. Juni, die feier—- liche erst hl. Communion statt; am darauffolgenden Sonntage treten in der Herz Jesu-Gemeinde die Kinder zum ersten Male zum Tische des Herrn. Ferring Kretschmer, Grund eigenthums- und Versicherungs-Agen ten. Lincoln Building. Das jährliche Gartenfest der St. Marien Gemeinde unter Veran— staltung der Frauen und Jungfrauen der Gemeinde fand am verflossenen Mittwoch unter großem Zudrange im hiesigen Schützenpartk statt. Frl. Mae Baer und Hr. Carl Baumann wurden am Mittwoch Mor— sgen in der St. Marien-Kirche vom hochw. Vater Cremer ehelich getraut. Glück zum Bunde! Frl. Emma Schrup, Tochter von Hrn. und Frau Jos. Schrup, und Herr John Westereamp wurden am Don— nerstag durch den hochw. Vater Cre— smer in der St. Marien-Kirche ehelich getraut. Denselben Glück zum Bundel Zu Prairie du Chien, Wis., fan— den am Mittwoch, den 17. Juni, die Schlußfeierlichkeiten des dortigen von Jesuiten geleiteten Sacred Heart College statt. Das „Bachelor of Art“- Diploma erhielt unter andern Herr A. Beck von Plaine, Wis. Gute Farmen im westlicheu RNord-Carolina von Fls bis 40 ver Acker. Gute Lage, feines Klima, bestes Wasser, genügend Holzland. Alle Farm-Produkte bringen die höchsten Prei'e. Man wende sich an Rev. Vater Leo, care of Sacred Lerr: Church, oder an: D. W. Burright, Salisbury, Nord-·Carolina. Lehrerstelle veriangt. Ein deutscher katholischer Lehrer und Organist, welcher qute Zeugntße aufweisen kann, sucht Stelle auf dem Lande oder in einem Landstädt chen. Derselbe hat ein Staats-Certifitat für Le benszeit. Man schreibe an L. A., care Catholie Printing Co., Dubuque, Jowa. Aatholischer Lehrer sucht Stelle. Ein katholischer Lehrer und Organist mit lang jähriger Erfahrung sucht bis aum nächsten Herbst eine Anstelung. Kann die besten Zeugnisse vor legen. Man adressire: I. P., care of Catholic Printing Co., Dubuque, Zowa. Achtuug, Katholiken. Wer nach gutem Lande Umschau hält, der un terlasse nicht, die Umgegend von Bird Island Miun. zu besichtigen, wo verbessertes Land noch perhaltnhmahig bilig ist und wo tathousche Kirche, Schule, Pfarrhaus und Schwesternwoh nung schuldenfrei dasiehen. 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Das alteste und eines der besten Butzwaaren- Geschäste in Dubuque ist unter sehr günstigen zeri neen zu verkaufen; ebensalls ein zwei stöcktiges Vackstein-webäude mit schönem Laden und zehn imern. grt einferitet gegenüber dem Courthaus. ird ausammen oder jedes allein vertkaust. Ursache des Vertauis ist der Tod der Eigenthümerin. Um Näheres wende man sich an 25 Schill, 743 Glay Str., Dubuque, Jowa. Zu verkaufen. Ein Gasthaus (Hotel)! Das Gebäude ist 3 Stock wert hoch, hat 30 Privatzimmer nebst Eßsaal, Küüche, Paclors, etc.und ersreut sich gegenwärtig guter Kundschast. —elegen in Stuart, Nebr., añ er Hauptlinie der Blact Hills Line der North western Cisenbain. Eigenthümer mus verkaufen wegen Krankheit. Ist auch willi- für Land zu tauschen. Preis z 6,000. Die Halste baar; der Nest auf d Jahre Zeit zu 6 Prozent Zinsen. m nähere Auskunst schreibe man an Thomas Stanton, oder ev. Julius Hellwer, Stuart, Nebrasta. Californische Heime im fruchtbaren Sakramento·Thal. Kein Winter. keine Tornados, teine Sonnetustiche— Schreibt für Liste, in deutsch, wenn gewünscht an Chas. I. Schmid, Dept. P., Folsöm City, Calisornia. Achtung, Katholiten! Wenn Ihr euch nach einem Len in der Nähe einer katholischen Kirche und eltern· Schule umseht, wo der Boden reich und die Breise nied rig snd, so ktönnt Ihr das Gewünschte im Grand County, Süüd-Datota finden. Wir haden hier vor mehr als 25 Jahren wohnt und tkönnen Euch dbiesbetreff volle Ein zelnheiten geben. Referenz: Rev. Franz 2. Feinler. Unsere Adresse ist: Martens Bros., Milbant, Süũd- Datota. Land! Land! 150,000 Acker scaicht bares Land. Auf nach der katholischen Gegend, wo sie jezt die neue Soo-Eisenbahn banen. Vis zum Juli soll sie fertiggestelt sein. Jent ist noch Zeit sür Jene, die ein Stück Land billig haben wollen. Nächstes Jahr wird es F 3.00 ver Acker höher sein. Das wilde Land tkostet von FlO bis Fls per Acter; ein Drittel Anzahlung, Rest sieben Jahre Zeit zu 6 Prozent Zinsen. Warum nach dem wilden Westen grden wenn Sie in Central·Minnesota sich nie derlassen können, wo auf Meilen im Umkreis fünf katholische Kirchen sind und zehn Creameries, gute Schwestern-Schu len und die Eisenbahn nur von ein bis sechs Meilen entfernt ist. Da heißt's nicht. da werden sie Schule, Kixrche und Eisen bahn banen: da ist schon Alles da; da konnt Ihr irgend welche Sorte Frucht ziehen, sowie Hafer, Weizen, rothen Klee, Korn, u.s.w. Kommen Sie und überzeu gen Sie sich, es lostet eerr blos 2 Cents die Meile per Bahn. I abe aueh noch verbesserte Farmen bilslig zu verkaufen. Diesed ist ellet guter Lehmboden, Wasser in geringer Tiefe. 39 ovabe verbesserte Farmen vbon s 0 bis 1,000 Acker. Wegen näherer Auskunft wende man sich an: 2 JOHN SCOHMOLKE, BRuckman. Minnesota. Empfehlungen: voitw Vater Wm. Lange, PVriester er Gemeinde: Hochw. Vater Sand, Lastrup; Hochw. Vater F. Brihar Spring Hill, Minn.;: Hochw. Vater Wm. Rehbach, West-- point, Neb.: Hochw. Wm. Eckl, Fletscher, Minn. Land, billiges, gutes Land kaufen, wird bald auf immer eine Lumel: ichkeit sein für den armen Mann. Thatsäch lich alles Regierungsland in den Ber. Staa ten, welches mit dem Darehconintt Regensau eine Ernte hervorbringt, ist besiedelt unb kann legt nicht belegt werden. Im selben Berhalt niß wie die Einwohnerzahl rnint steigert sich auch der Bedarf und die Nachirage sür Land. Folglich muß es von Jahr zn Zahr mehr oder weniger im Preise steigen. Jetzt ist deshalb die rigriae geit, um sich 166 Acker, oder so viel mehr als man sich zu fichern im Stande ist, zu verschafen. Land in Ward County, Norb·Dakota, wird auf FIOO r:: Ucker steigen in einem Viertel der g-t erx es in rdtan- dllinois, Jowa und Min— nei-ta bedurste, um denselben Preis zu er reichen. Die Bevoölkerung nimmt schneller der Fortschritt ist in jeder Beziehung größer; es gibt keint Ochsentarren mehr, sondern Auto-- mobile: teine Seitenpflge, sondern Damypf pstge: tein Dampi, sondern Elektrizität. Die Nachfrage nach Land muß mit jedem FJahr zunehmen und in der Zwischenzeit wird gutes, werthvolles Farmland immer rarer. Ward Cernn hat ein gutes Klima, guten Boden, gute Bewohner, pute Schulen. gute Städte. ausgezeichneten Eisenbahndienst. Kaufet eine Farm, solange sie zu haben ist und elau- Ihr im Stande seid, zu bezahlen, ehe es auf immer zu spãt ist. Schrerbet um Cirkulare an die Renwald Land Agency, Minot, North Dala. Leget Ener Geld in Day County, Süd Dalota, an. Daty County Farmländereien an der Milwau—- kee· Küsten-Linie. Der Boden ist schwarzer Lehm mit einer Thon·Unterlage; reichlicher Regenfal, Webster ist der Countg-Sit. Lerronerie eui 2.000, mit einer großen katyolischen Kirche, Schule und Pfarrhaus. Msgr. Henry Mensing, Pfarrer. Day County wurde im Jahre 1880 besiedelt unb hat 7 katholische Kirchen in denen in englischer. deutscher, sranzösischer und polnischer Sprache gepredigt wird. Ländereien von 65.00 bis F4O bro Acker, je nach der Lage und den Verbesser ungeu. Schreibt um Näheres an die: EGELAND'S LAND AGENOCY, wehbster, S. D. Dep't. C. Zu verkausen! Gute tritlat iche Farm ·Hypotheken, welche evrer-her! Jowa- und Nebraska-·Ländereien von F3OO. bis 4,000.00 einbringen. Auch tönnt Ihr eine gute Sektion von ebenen Weizenland mit schwarzem Boden für F 6.50 per Aeter haben. I. C. Dornes, Dubuque, Jowa. 1023 Main Straße. (Both Phones.) Achtung, Katholiten! Erfolg im Ansiedeln von Leuten auf Farmen wird am besten erzielt, wenn man den An—- stedlern hilfst das rete Land zu den rechten Preisen zu erlangen, in einer Lage, wo das Land, das Klima und die Ernten und der Martt die Besten sind. Catawba, Wis., eine Station der Soo Eisen bahn, 190 Meilen östlich von St. Paul, ist ein idealer Plat, den ich Farmern, die weiter südlich wohnen, und deren Farmen zu klein sind um alle ihre Kinder zu versorgen, und wo das Land z- theuer ist, nachdrüetlich empfehle. In Ca awba sind jett solche Farmer, bie vom Süden kamen, wo sie zu hohen Preisen ausverkausten, und die durch den wentt binnen drei Jahren ihren Besitz viermal an Ausdehnung und Werth vergrößert haben. Irgend ein praktischer Farmer, (kein Speku lant) der mehr Land braücht sür seine Kinder als er gegenwärtig besitt, ist freundlichst einge laden bei gertn Win. Keinpen oder Herrn Louis Weters, Catawba, Wis., vorzusyrechen. Diese Beiden zusammen mit anderen hiesigen pratti schen Farmern werden ihm kostenlos zeigen was und wo wünschenwertes Land ist, und was da— mit gethan werden kann, inbem sie ihm die Re sultate ihrer euen Farmen und Farmerei zei-- gen und verkausfen nicht in eigenes Land, son exn helfen, auf meine Bitte hin Ansiedlern kostenlos, Land zu finden, auszusuchen und zu rechten Preisen zu kaufen, so dal die Käufer un ter den jetzigen günstigen Umständen den vollen Werth ihres Geldes erhalten. Catawba ist ein neuer Ort mit 15 katholischen und arbeitsamen Familien, die jetzt am Fundamente eines r-i ocgen Schulgebäudes (50 bei 79 hut und für ein Karrhaus arbeiten. Das Land eint jeyt sechnell im Preise, und diejenigen, die zuerst kor men, haben weniger Kapitel nöthig als die, die später kommen. Ich werbe perloruw verant-· wortlich sein, daß keine falsche Darstellung der Tatsachen und Umstände vorkommt. Für weitere Einzeluheiten schreibe man an Joseph Schell, Katholischer Pfarrer. Zaxon Wisconln. Farmen zu verkaufen im mittleren Wisconsin, bon allen Größen und jeder Be—- schreibung, von $6.00 hinauf bis zu 8125.00 den Acter. Leichte Bedingungen. Nur Katholiken brauchen vorzu— sprechen. Kirche und residie render Priester am Platz. Ka— tholische Schule in Sicht. Klima. Wasser sowie Landstraßen aus gezeichnet. Johann Galles, Agent. Rev. Geo. Pesch, Selretär. Cadott, Chippewa Co., Wis. Die größten Offerten in der Stadt bei THE BOSTON CLOTHIERS”. 848 Main-Siraße. Im neuen Security-Gebäude. òGegenũüber der Stadtuhr... DUBUQUE, lIOWA. Windthorst Colonie. 25,000 Ader gutes und billiges Farm- und Viehzuchtland in der blühen den Deutsch-Katholischen Colonie Windthorst, wo es mit Kirche, Priester und Schule nirgends besser sein kann, im Preise von $8 bis 820 per Acker zu sehr günstigen Bedingungen. Gesundes Klima, gutes Trinkwasser. Schwarzer und röthlicher Sandboden. Wo Weizen, Hafer, Gerste, Baum— wolle, Corn, Alfalfa, Obst, Wein und Gemüse gut gedeihen. Vom Boll— wibel weiß man hier nichts. Das Land ist nur 3 bis 15 Meilen von der Eisenbahnstadt, Archer City, entfernt und bald wird eine zweite Eisen—- bahn in Windthorst sein. Um nähere Auskunft wende man sich an JLH. MEURER, WINDTHORST, AROHER COUNTY, TEXAS. Laud für Katholiten in Groß—- Ollahoma. Dieser neue Staat wird in zohn Jahren der reichste der Union sein. Kaust jert eine Farm und sie wird Euch einen Breis aufst!eg von öo Bro zent abwerfen. Unsere Produkte sind: Korn, Den Hasfer und Baumwolle. Dies ist eine natürliche Obst-Gegend. Holzland für Brenn material und zum ECinfenzen, und sehr Baser Land kostet von Fis bis 60 yro der. VBlos zweimal innerhalb neun ebrm stand das Thermometer unter Null. Man ereire an; Garner H& Vettit, Toyle, Okla., sür Liste. Betre unserer Verantwortlichkeit verweisen wir Ste an den katholischen PBsarrer zu Langston, Oklahoma. Gegen Krebssczaden. Ich empfehle uern Stroop's berühmt deutsche Pulver. Dieselben heilen jeden ues nicht ulsetrorenemarrbe sowohl innerlich als äußerlich. das anertannt eingia boste Mittel, um Magenkrebs ersolgreich zu heilen. Wegen Nähe rem, Zeugnisse u. s. w., schretde man an: Edward O. Boeding, Seneca, Kansas. Dr. W. A. MeiJ, Deutscher Zahnarzt. Simones·Gebaude. 15098 Elay·Str DAS. BAKER ELLSWORTH, Osteopathen. Zimmer 316 Bank Jusurance-Gebäude. Telephon 2189-1. Sprechet vor bei A c 6 Hindler in Herren Ausstattungs- Artikeli. Ballin, Lavery Ackerer. Nordwesil. 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