Luxemburger Gazette (Dubuque, Iowa)
May 5, 1908
Historic newspapers carry the language, views and graphic reporting of their time, including racist content. They are shown to teen and adult profiles.
The text was read from the page scans by machine (OCR), so it has mistakes and its columns may run together. See the pages · About this title · At the Library of Congress
Page 1
Luxemburger Carette. Organ sür die Cuxemburger der Ber. Staaten. rr Oftee: Ece der 6. und Jowa- Strate, Subuque, Jowa.
Cerenz Gonner, Nikolaus honner, Selchastssahrer. Redakteur. r Min e Jod Arbelten a Q Q aller ürt werden geschmacvol und an mahigen Preisen hergestellt Moderne Sksauerei im sonnigen Süden. asolgende Depesche ist dem „Buffalo VBolksfrennd“ einem dburchaus glaubwürdigen ka tholischen Tageblatte entnom men. Die darin geschilderten Vor kommnisse sind wenn sie der Wahr heit entsprechen, was nach Aussage bes Augenzeugen und Opfers kaum hezweifelt werden kann eine ernste und eindringliche Warnung für Jeden, der besonders jetzt auf's Geradewohl, jeder irgendwelchen unzuverlässigen Verlangit-Anzeige“ in den indiffe— renten Tagesblättern Folge leistet. Jene Blätter werden bezahlt, und daraufhin folgt das Inserat. Ob es für den Leser schädlich ist oder nicht, macht jenen „farblosen“ Sensations wischen wenig aus. Weiter sind diese Vorkommmnisse ein sicheres Zeichen, daß die „Warnunngen gegen den Süden“ nicht so gans aus der Luft gegriffen sind. Aus diesen Gründen geben wir unsern Lesern die folgende sensatio nelle Erzählung: New Hork, 30. April. Ein deutscher Handwerker, der im vergangenen Jahr nach dem Süden gelockt und dort als Sklave behandelt wurde, ist seinen Peinigern entflohen und hier eingetroffen. Er giebt von seinen Erlebnissen folgende, sensatio nelle. Schilderung: „Im vergangenen Jahr veranlaßte mich eine Verlangt Anzeige, nach einem Stellenvermittlungs- Bureau zu gehen, wo Arbeit für Handwerker angeboten wurde. Ein Mann em— pfing mich dort und theilte mir mit, die Leute würden in einer größeren Stadt des Littelweltens verlangt. Als Lohn wutden 83.00 pro Tag ver—- sprochen Die Zeiten waren schlecht, Uund ich entschloß mich, zu acceptieren. Am nächsten Tage sollte ich mich reise fertig einstellen, und ich that es. Ich bin verheirathet und habe zwei Kin— der. Auch mein eigenes kleines r nicht weit von New Yortk. Meine Frau nöthigte mich, fast alles Geld, das wir im Hause hatten, mitzuneh— men, da unser Kredit gut war und sie auszukommen hoffte, bis ich ihr Geld schiden konnte. Also ging ich. Wir waren zusammen eine ganze Schaar New— golter Arbeiter, Handwerker versqiedener Art. In der Stadt. wo uns die Arbeit in Aussicht gestellt wordenwar, mußten wir umitigen in einen anderen Wag gon. Ein neuer Trupp Arbeiter kam dazu- und der Figrer den uns der Agent in New Pork übergeben hatte, geilte uns mit, wir müßten nur noch e nie Meilen weit fahren, nach cnet ;Le dt. Als die Leute alle in dem agen waren, stiegen mehrere Män—- ner ein, die große Revolver in Half tern an den Hüften trugen, der aus— sehließlich von uns benützte Waggon wurde an beiden Enden abgeschlossen, unr die Wächter theilten uns mit, der etste, der einen Fluchtversuch machen würde, werde niedergeschossen werden. 2e Zug setzte sich wieder in Be—- Segung. und fuht fast 24 Stunden lang. Dann mußten wir wieder um tetzer. und fuhren noch eine Strecke tet. Unser Bestimmungsort war ein Lerawert Am Abend wurden uns die Regeln des „Camp“ mitge theilt. Ein Jeder müsse die rdeit thun, zu der er commandiert würde. Ue Leglager wurde uns ein großes Strohbett auf der bloßen Erde unter einem, auf vier Aetten ruhenden, nicht allzu dickten Bretterdach ange wiesen. Wände haüe die Behausung nicht. Ein Trupp berittener, mit Winchester Gewehren bewaffneter Muänner hatte uns zu bewachen. Kei—- ner du das Lager verlassen, ohne Frlau von dem Betriebsleiter. nd solche Erlaubniß gab es einfach nicht. Wer zu fliehen versuchen sollte, wurde mit dem Tode bedroht. Auf der Reise hatten wir zwei Tage lang von je einem Laib Brod und einem Stück Wurst leben müssen. Nun wur— den wir drei Mal täglich mit einer Suppe, die aus Wurst und Bohnen bestand, abgefüttert. Und das in sehr IMappen Portionen. Als am nächsten Morgen die Senne aufging, wurden wir ron dem Lager aufgetrieben. Ich wurde angewiesen. in der Grube zu arbeiten. Ich ke-te auf meinen Contrakt, nach dessen Wortlant ich als Schreiner anoesttlt war. „Zeig 'her!“ herrschte mich der GBetriebsleiter an. Danun las er den Schein. „Das war in New Hork. Eet bist Du anderswo. Und das ing ist nutzlos.“ Und damit Fertit er den Contralt in Feten/ und war die Feten fort. Wenn ein Arbeiter sich mudckte stand einer der Sklaven 1 (Speziell für diese Zeituns.) d E und 2 Ae der Gesqhfts Jahrgang 37. treiber mit einer dicken Art Hunde peitsche in der Hand bereit, und dann setzte es Hiebe ab. Am Ende von drei Wochen hieß es, der Zahlmeister käme. Er kam, und theilte uns mit. daß wir den Arbeit rer je 42 schuldeten, 836 für den ransport und ʒ6 für die Stellenver mittelung in New Hork. Da wir drei Wochen gearbeitet, hätten wir $lB ab berdient. Für die ersten drei Wochen bewillige uns die Gesellschaft unent geltlich die Kost. Nun aber müßten wir allwöchentlich õ Kostgeld aus un seren $6 Lohn bezahlen und unser eigenes Werkzeug liefern, das wir in dem Commissionsladen d:r Gesell schaft bekommen könnten. Für einen Zollitock, der hier höchstens 10 Cents kostet, wurde mir ein Dollaran gerechnet. So war es mit Allen. Geld be kam man überhaupt nicht zu sehen. Natürlich gerieth man immer tiefer in Schulden, ünd die immer schußbereiten Mündungen der Winchesters verhüte ten Fluchtversuche. Dabei kam jeden Sonntag ein Pastor herangeritten, predigte, und· wir mußten zuhören, aber es war uns absolut unmöglich. dem Herrn auch nur ein Wort zu sagen, da er von den Wächtern um—- ringt war. Kein Fremder verirrte sich je in das Camp, das eines von mehreren war. Ich war entschlossen, einen Ist versuch zu machen. Nach 16 Wochen bot sich eine Gelegenheit. Die Wäch ter hatten eine Art Gelage gehabt und die meisten waren stark angetrunken. Da sagie ich meinen Unglücksgenossen. unter denen viele Deutsche waren, ich wollte den Versuch machen. Ich bat sie, keinen Lärm zu schlagen, und schlich mich glücklich aus dem Camp und hinter Gebüsch davon. Ich er— reichte nach langer Wanderung eine Eisenbahnstation und gute Menschen unter den Eisenbahnern machten es mir möglich, auf Gütergügen fast die ganze Reise hierher rut zu legen. Während meines Aufenthaltes in dem Camp war. ich wie jeder Andere nichts weiter, als ein Gefangener. Drei oder vier Leute starben in der Zeit. Wir erfuhren gar nicht wie. Nur, dak man sie fortgeschafft hatte.“ Die Angaben des Mannes werden von der Distriktsanwalischaft unter sucht. Der Flüchtling, der einen durchaus vertrauenerweckenden Ein druck macht, erklärt, er sei überzeugt. der Erste zu sein, dem die Flucht ge lang. Dutzende hätten sie versucht, seien aber stets von den Wächtern zu rückgetrieben worden. Im Gangen seien in dem Lager etwa 300 Men— schen in derselben Lage gewesen wie er. Kauin glaublicher Fortschritt in der Tuberklulose- und Krebs- Heilung. Berlin, 1. Mai. Hier tagt zur Zeit ein Congreß von Gelehrten, die sich mit der wei-- teren Erforschung der von Professor Röntgen 1895 in Würzburg:entdeckten und nach ihm benannten Strahlen, so wie mit der Verwendung dieser Strahlen in der Heilkunde beschäfti gen. In einer Sitzung dieses Con gresses führten die Professoren Volls knecht aus Wien und Bauer aus Berlin einen bisher unbekannten, von ihnen. ersundenen Apparat vor, der aus 16 großen Röntgenstrahlen-Röh rxen besteht. Die heilende Krxaft, die den Rönigen-Strahlen. wie bereits seit Langem belkannt ist, innemohnt, besitzt Mser Apparat in einem geradezu unglaubligen Grade. Um dieselbe Wirkung zu erzielen, die man bisher durch Anwendung einer ein— zelnen Röhre in mehreren Stunden err-ichte, rara man den neuen Apparat nur fünf Minuten arbeiten au lassen. Die Wichtigleit dieser Erfindung liegt hauptsächlich darin, daß bei dem neuen Apparat wegen der kürzen An—- wendungsdauer alle schdlichen Neben wirkungen, die bisher so oft bemerkt worden sind und die in einzelnen Fällen zum Absterben ganger Glieder und gar zum Tode asuhe Haben. fortfallen. Zum Beweise der großen Vedeutung, welche die Erfindung hat. führte Professor Volkslknecht mehrere Personen vor, die an Tubertkulose und Krebs in vorgeschritenem Stadium ge litten hatten, und durch Anwendung des neuen Apparats vollkommen ge heilt worden sind. Von allen Trel— nehmexn des Congresses und· Aerzten überhaupt wird zugegeben, daßz die 2 -2; Korenz Gonner. neue Erfindung epochemachend auf dem Gebiet der Röntgen-Therapie ist und einen ungeahnten Fartschritt auf diesem wichtigen neuen Gebiet der Heiltunde erwarten äßt. (Wir geben diese Nagriat mit Vorbehalt, da es uns grausam dünkt, Unglückliche, die mit genannten Krankheiten behaftet sind, falsche Hoffnungen vorgzuspie geln. Die Red.) Wichtiger Entscheid über Bor munbschaft. New Hork.l. Nai. Daß Kinder in der Religion ihrer n erzogen werden sollen, hat der qlarichter Beckett entfchieden, als er zwei Kinder der Obhut ihres Stief vaters entnahm und sie in Bormund— schaft einer Tante der Kinder gab, die Kinder katholisch sind, der Stiefvater aber protestantisch st. Eine Vittwe, Frau MeCannon, tatte einen gewissen William Hutchin son geheirathet, und auf Antrag wur— de dieser gum Vormund. ihrer Kwei Kinder aus erster Ehe ernanat. Der Richter anerkannte, daß er den Kin—- dern ein guter Stiefbater gewesen sei, und getreulich für sie gesorgt und sie erzogen habe. Gegen seinen Cha— rakter sei ebenfalls nichts einzu—- wenden. 2 Der Vater der Kinder war katho lisch, dessen Schwestern als deren nächste Blutsvberwandte sind es eben falls. Diese haben sich an den Rich— ter gewandt, mit der Bitte, eine von ihnen zum Vormund für die 'Kinder zu ernennen, weil Hutchinson Prote— stant ist. Diesem Verlangen hat der Richter aus den Eingangs erwähnten Gründen stattgegeben, und ernannte die eine Tante der Kleinen, eine Frau Rose McKelbeh, zur Vormünderin. Gaes in Flaschen. v New Hork., 1. Mai. „Wie würde es Ihnen gefallen, wenn Sie Ihr Gas beim Grocer an der Ecke pfundweise kaufen und das Depositum ersparen könnten, das der Gas-Trust von Ihnen verlangt?“ Wie Dr. William Hallock, Professor der Phhsik an der Columbia Univer— sität, erklärt, wird dies in naher Zu— kunft möglich sein. Der Professor stützte seine Behaup— tung auf eingehende Experimente mit Blaugas, der Erfindung eines deut schen Gelehrten. das unter starkem Druck flüssig gemacht und in Stahl— flaschen gefüllt werden kann. Blau— gas wird von seinem Erfinder in Lugebura. Deutschland, in kleinen uantitäten hergestellt und soll billi— r, sicherer und besser als gewöhn—- les Gas sein. Da es k-in Wasser enthält, zerfrißt es nicht die Röhren. ẽs ist außerdem nicht giftig und ex—- plodiert auch nicht. Wie Dr. Hallock erklärt, ist Blau—- gas besonders für alle wehr oder weniger isolirten Anlagen, wie Land—- häuser, Eisenbahnzüge, Schiffe usw.. geeignet, denn es kann nicht nur zu eeltngtunateweden sondern auch zum Betriebe von Gasmaschinen be uutzt werden. Für Familien, denen es in irtend einer gewünschten Quan—- tität geliefert werden kann, wird das ncuc Gas eine große Ersparniß be deu en. Dr. Halloc schtzt, daß Fa— milien, welche jetzt dein Gas Trust monatlich 82.50 bezahlen müssen, bei Venut;ung von Blaugas nicht mebr n.ie 50 Cents Unkosten haben werden, denn das neue Gas ist leicht herzu—- leuen es ist nur ein geringes Anlage—- pital zur Fabrilkation erforderlich, und da sehr kleine Röhren verwendet werden können, so sind auch die In— stallationslosten mäßig. Drei Cents für eine Clevelander Strasenbahnfahrt. Cleveland/ 0.. 80. April. Heute trat die 3 Cents Fahrrate auf den hiesigen Straßenbahnen in Kraft. Weiter erhielten alle Condutk teure und Motorführer der früheren Cleveland Electric Railwaÿh Co.“ eine Lohnzulage von 1 Cent pro Stunde, sodaß sie im Lohn gleichge— stellt sind mit den Angestollten der an—- deren Gesellschaften, die bei der Ver— schmelzung in Betracht kommen. Während des siebenjährigen Kam— psfes unn billigere Etrahenbapnsahr ten hatten sich die Beförderungsveẽr hältnisse in Cleveland beständiã ver—-- schlechtert, besonders im Geschästs— biertel, wo es großze Verwirrung gab. Alle bestedenden Gerechtsame wur—- den von den alten Straßenbahne ue-tten aufgegeben. Die neue 50 Jahr Gerechtsaine —so sagen wenig— stens Diejenigen, welche mit deren rnadme au thun hatten wird sowohil die Interessen des Publikums wie diejenigen der, Stratßzenbahn be schüten. Die Getrechtsame kann alle 7 „Dubuque, Jowa, 10 Jahre ernẽuert. darf jedoch wäh— rend irgend eines Zeitraumes von 25 Jatren nicht widerrufen werden. Die Altionäre der ursprünglichen, alten consolidirten Straßenbahnge sellschaft sollen 6 Prozent jährliche Dividende aufß ihre Altien erhalten. Durch eine Woche in anspruchnehmende Festlichkeiten begeht die New Dorker Diözese ihr 100- jähriges VBestehen. 41 Die lerue Nw HYorker Erz-+ -diözese zahlt über 1,000,000 Mitglieder. Sie hat 317 Kirchen, 186 Kapellen, 260 Schulen, 30 Atademien, 22 Hospitaler, 19 Asnle, 30 Pro- teltorate. Es besuchen 65,000 Kinder die Gemeindeschulen, 7,- 000 Schüler die verschiedenen Celleges und Alkademien und 18;000 Zöglinge befinden sich in den verschievrnen Asylen. Der Werth des Eigenthnms der Erzdiözese belünft sich auf SSO,- 000,000. und ist dieselbe wohl die reichste Diözese der Erde. Die St. Patrid's Kathedrale allein repräãsentiert einen Werth von 58, 000/000. 11 44—44444441 New 27. April. Die hundertjãhrige edtmnineier der gernennung receten Liaie von New PYork, nahm. mit Etiger ort nan hesn Anfang. Dieselbe bestand aus einer eindrucks in der St.' Patrick s-Ka- Acher später eine Monster gte und Abends“mit einer mmlung in der Carnegie Abschluß für den gestrigen bollen Feier drale, we fol ersa hren fand. at und Wi innerhlb schmuck ang statteten wä holische Kirche. in New York Zohnhäuser von Katholitken der Ergdiözese hatten Fest—- delegt, und in den Kirchen ahrend des Tages ungefähr eine Million Männer, Frauen und Kinder Dankgebete ab für den Fort— schritt, den der Katholizismus in den hundert Jahren, seit er hier formell eingeführt wurde, gemacht hat. Das Fest-Centrum war die St. Patrick's— Kathedrale, wo um 11 Uhr Vormit— tags Rektor Lavalle eine feierliche Damnkesmesse abhielt, und der Erz—- bischof von New York die Predigt hielt. Die große Kathedrale war innen mit den päpstlichen Farben dekoriert, wäh— rend außen und auf den hohen Thür men die amexilanische Flagge wehte. Die Kirche war bis auf den letzten Platz tefnn und Huderte konnten keinen Einlaß finden. Cardinal Logne von Irland nahm den erzbischöflichen Stuhl während des Gottesdienstes ein. Er trua zum ersten Male die eigens für die Cen— tennarfeier von Romer St. Franzis— kanerinnen Schwestern verfertigten Gewänder, die 86.000 gekostet haben. In den feinen Stickercien der „Casi— bula“ und der „Dalmatica“ ist der Kreuzweg des Herrn kunstvoll einge wirkt. Erzbischof Farley von New Yorkt gab den Auftrag für dieselben bei seinem letzten Besuche in Rom und zwei Franzislanerinnen Schwestern von NRom klamen eigens nach New York. (wo sie letzten Samstag an-- langten), um die kostbaren Gewänder abzuliefern. Sie sollen ein Meister— werk der Stickerci darstellen. Am Schluß des erzbischöflichen Gottes— dienstes crtheilte der hochw'ste Prälat Logue in jtner kostbaren Gewandung den feierlichen Segen. Am Ende der ersten Messe betrat Erzbischof Farley die Kanzel, und be— willkemmnete in einigen kurzen, herz— lichen Worten Cardinal Logue zu sei— nem Besuche in diesem Lande. GEr hielt darauf die Predigt, worin er ei— nen lUeberblick über die Geschichte des Katholizismus in diesem Lande gab, von den zah!lreichen Patrioten, die er dem -Lande gegeben hat, von dem Kirchen-Schulsystem und seinem he—- benden moralischen Einfluß sprach, und mit einigen Worten inbeẽtreff des herrschenden Zeitgeistes schlok. Am Abend gab der Erzbischof ein Dinner gu Ehren des Cardinals von Frtend- Am heutigen Abend giht die räfin eern ein großes Bantett zu Ehrxren der beiden Cardinäle Logue und Gibbons, sowie für die anderen Prälaten, die dann für die großen öffentlichen Festlichleiten angt sind, welche amn Diengtag Mo un der ·Ke hhedrale ihren Anfang nehmen. stag, den 5. Mai 1908. Centennar-Inbilũum. New York, 28. April. Seit den, Tagen des Plenar-Con—- zils ron Baltimore jat Amerita teine se glänzende Versammlung ven Ver tretern der katholischen Hierarchie ge— sehen, wie die, welche am Dienstag in der St. Patrick's Kathedrale von New York zusammenströmte, um das hundertjährige Bestehen der katholi schen Erzdiözese von New HYort zu feiern. Alle Erzbischöfe des Landes anßer zweien waren anwesend, sowie alle leitenden Bischöfe und die Vor— steher der religiösen Orden. Die Erz—- bischöfe waren Ryan von Philadelphia, Flreland von St. Paul, Glennon von St. Louis, Keane von Dubuque, O'- Connell von Boston, Blent von New Orleans, Quigley von Chicago, Moel—- ler von Cincinnati, Farley von New Hork. Von Bischöfen waren anwe— send Canevin von Pittsburg, Fitzmau— rice von Erie. Colton von Buffalo, O'Connor von Newark, MecQuaide von Rochester, Burke von Albanh, Ludden von Syracuse, MecFaul von Trenton, und andere. An der Spitze stand der amerikanische Vertreter im Sacred College, Cardinal Gibbons. Monsignor Falconio, der päpstliche Delegat, war als Vertreter des Vati kans erschienen und ertheilte der Ver-- sammlung nach Schluß des Gottes dienstes den päpstlichen Segen. Der Dantlgottesdienst nahm die Form eines Pontifikalamtes an, cele briert von einem anderen Kirchen fürsten, Cardinal Logue von Frland. Genau um 11 Utr begann die Pro—- zession des Clerus. Zu Zweien traten die kirchlichen Würdenträger aus dem College, gefolgt von etwa fünfgig Bischöfen mit ihren Kaplanen, darauf die Monsignori, in ihre purpurnen Amtsgewänder gehüllt. Dann folgten die Bertreter der zahlreichen religiosen Orden, der Jesuiten und Dominita ner. der Fratzislaner und Passio—- nisten, der Karmeliten und Beneditti ner, und Abt Obrecht, Vorsteher des Trappisten-Klosters von Gethsemane, Kentuckh. Dann kamen die Vertre— ter der höheren Hierarchie, die Erzbi—- schöfe, und endlich erschien die Gestalt des irischen Cardinals, mit dem Pur— purgewand eines Kirchenfürsten be—- ae Als er und seine Kaplane in die Fünfte Avenue eingebogen wa ren, begrüßte sie die versammelte Menschenmenge mit enthusiastischen Rufen. Der Cardinal erhob seine rechte Hand. und sofort erstickten die Jubelrufe; die Menschenmenge fiel auf die Kniee und empfing den Segen des Cardinals. Dann betrat dieser die Kathedrale. Nach Schluß der Predigt des ameri kanischen Cardinals Gibbons verlas Ergbischof Farley von New HYork eine Glückwunsch Botschaft von Papst Pius den Zehnten, worin das Haupt der katholischen Kirche die Hoffnung ausdrückte, daß das gute Werk fort gesetzt werden würde, und zum Schluß dem Ergzbischof von New York und allen Mitgliedern seiner Diözese seinen Segen ertheilte. Nach Schluß der Ceremonien er—- theilte Monsignor Falconio den Segen im Namen des Papstes. Die ganze Gemeinde erhob sich und sang unter Leitung der Cardinäle und Grz— bischöfe das „Großer Gott, wir loben Dich“, in englischer Sprache. „Nach Beendigung des Gottesdien- ges gab der Clerus der Erzdiözese den als Gästen unter ihnen weilenden Prälaten im College der Kathedrale ein Diner. Msar. MeCready, Car— dinal Logue, Erzbischof Ryan und an— dere Prälaten hielten Ansprachen. Cardinal Logue sagte in seiner Rede: „Die Kirche und die Religion haben hier ganz wunderbaren Fortschritt ge— macht. Es ist ein schönes Zeugniß für den Glauben, zu welchem wir uns bekennen, daß unsere Kirche wiederum gezeigt hat, welches Anpassungsvermö—- gen ihr eigen ist. Hier, unter einer republikanischen Regierung, ist die Kirche eine lebendige Organisation, welche Fortschritte macht. Ich glau be, daß der Fortschritt der Kirche in Amerila, unter einer republikanischen Regierungsform, ein weiteres Zeichen ihrer Universalität und ihres Anpas— sungs-Vermögens ist, und zugleich eine der grotten religiösen Bewegun—- gen unsererr Zeit.“ Monsignor Faleonio, der päpstliche Delegat, celebrierte am Nachmittag die Vesper, und Erzbischof Glennon, der jüngste Erxzbischof in Amerita. hielt die Lreriot Zahlreiche Glückwunschschreiben, lie fen ein, darunter auch eines von Prä— sident Roosevelt. New York, 20. April. Der heutige Tag der deureale war den Kindern gewidmet. In der Ka—- thedrale und in allen andern Kirchen wurden Messen für sie gelesen. Die Vesse in der Kathedrale wurde von WMonsignor Patrict d. Hayes, dem Redaktenr: Rikolaus Gonner. Kanzler der Erzdiözese, um 11 uhr celebriert. Der Schulrath hatte die katholischen Schulkinder von dem Be such der öffentlichen Schulen dispen— siert. Nach dem Gottesdienst fanden in allen Gemeinden Prozessionen statt, an denen sich über 200,000 Kinder betheiligten. New York, 30. Ayxil. Um 10 Uhr Vormittags Pontifikal- Requiem in der Kathedrale für die verblichenen Prälaten und Priester der Diözese, celebriert von Bischof Dr. John F. O'Connor von Newart. Abends Empfang für die fremden Prälaten im „Catholic Club“. New YHork. 1. Mai. Heute um 10 Uhr wurde die Ponti-- fikal-Votiv-Messe in der Kathedrale von Bischof Dr. Charles H. Colton von Buffalo, celebriert. YJarmouth, Engl., 30. April. Der Coronners-Inquest in Verbin dung mit der verfl. Woche stattgefun— denen Collision zwischen dem Handels dampfer „St. Paul“ und demn briti— schen Kreuzer „Gladiator“ nahe hier, infolge dessen 28 Personen von der Besatzung des Kriegsschifses ähren Tod fanden und der Kreuger sank, kam heute zu Ende. Der Wahrspruch lautete. daß die Leute durch einen unglücklichen Zufall zu Toöde kamen, und daß Niemand kriminell verant wortlich für das Unglück ist. Hapag reduziert Zwischendecks-Raten. New Yortk, 27. April. Die transatlantischen Schifffahrts- Gesellschaften haben ein Cirkular der Hamburg Amerika Linie erhalten, in welchem eine bedeutende Ermäßzi guns der Zwischenderks-Raten ange ündigt wird. Die Reduktion beläuft sich auf 96 bis $lO. Für den Dam— pfer „Deutschland“ war bisher die Zwischendecks-Rate S4O, sie ist jetzt auf 832 herabgesetzt worden. Auf den Dampfern „Kaiserin Auguste“ und „Amerita“ fuhr man bisher um 338 nach Europa, jetzt kann man das „Vergnügen“ um 828 haben. Auf den anderen Dampfern der Linie war die Zwischendecks-Rate bishet 834, sie beträgt jetzt ebenfalls 828. Diese Raten haben jedoch nur auf der Reise von hier nach Europa Gültigkeit, in den Raten von Europa hierher ist lei— nerlei Veränderung eingetreten. Präsident Roosevelt übermittelt dem Congreß eine weitere Botschaft. Washington, D. C., 27. April. Am Nachmittag wurde mit dem Verlesen der Botschaft des Präsidenten im Senat begonnen. Es waren aber exst einige Zeilen verlesen worden, als der Antrag auf Eertaguns gefreltt und angenommen wurde. ie Botschaft wird also erst am 28. April in beiden Häusern verlesen werden. Die Haupt— punkte aus der Botschaft sind: Einschränkung der Mißbräuche ge gen Einhaltsbefehle. VBerbesserung der Anti Trust- Gesetze. Schmerzensgelder für perletzte Re gierungs-Angestellte. Haftpflichtgeseß gegen die Kinder—- arbeit im Distrikt Columbia. Fortsetzung der Arbeiten der Was serwege-Commission. Tarif-Commission, um das Feld für die beim Beginn der nächsten Session einsetzenden „Revision“· zu klären. Finanzielle Gesetzgebung, mit Ein schluß einer Commission um die Lage hier und in Eunropa zu studieren und für Postspar-Banken vorzusehen. Bestimmungen, welche die zwischen staatliche Handels Commission er—- mächtigen, eine wirkungsvolle Con trole über das Buchführungs-System der Eisenbahnen, auszunüben. Forst ·Reservationen in den Alle— ghany Mountains. Washington, D. C., 25. April. Im Senat wurden mehrere Reden zu Gunsten der Bewilligung von vier statt zwei Schlachtschiffen gehalten. Redner dafür waren Senator Piles von Washington und Senator Reve— ridge. andern minderwichtigen Vorlagen etwa 1,000 Privat-Pensions-Bills im Handumdrehen erledigt. Washington, D. C.,27. April. Der Führer der Minoritäi im Ab— geordnetenhause, Williams, erklärte in der heutigen Sitzung. daß das Fi— libustern der Demokraten aufhören werde, sobald das Haus. das heißt die republitanische Mehrheit, ihre Zu— stimmung datu giebt, daß die „Cam— paign Publicity Bill“, eine Bill, die Halahrei und Drugpapier auf die No. 1919. Schuldlos. 60. Congreß. Luxemburger Jarette j erscheint jeden Dienstag und koñet unter Vorausẽezebtung sür die Ber. Staaten und Canada: Jährlih 2.00 Halbjährlih 1.00 Nach Europa oortoirei (mũjen dor ausbezahlt werodr): Jäãhrlich 8. d 0 Halbjadrlih 1:50 Correspvndenzen und Mitthellungen müssen späãtestens bis Samstag Mortgen, wenn sie in der nähsten Nummer Au nahme sinden soden, eingesuntt werden. Briese odne Untershrift worden nicht berüũdsichtigt. Ale Briefe, Corresyondenzen u. s. wi adressire man einfach: LUXEMBURGER GAZETTE, Dubuque. lewa. Freiliste setzt, und die Anti-Einhalt befehl-Vorlage in Diskussion genom—- men werden. Diese Vorlagen. hob Williams hervor, seien ein Theil des Gesetzgebungs-Programmes des Prä— sidenten Roosevelt. ʒ Washington, D. C. 28. April.? Mit 28 gegen 50 Stimmen hät der Senat das von Senator Piles ein gebrachte. Amendement zu der Marine- Bewilligungsbill abgelehnt, in dem die Autorisation zum Bau von vier neuen Schlachtschiffen gefordert wurde. Die Debatt- übrr das Amendement hatte volle 3 Tage gedauert. Führer der aus 19 Republikanern und 4 Demo lraten bestehenden Minderheit, die für die Vorschläge des Präsidenten ei trat, war Senator Beveridge Verlauf der Verhandlungen trat: 2 Tage, dasß der Senat „mit überwälti— gender Mehrheit dafür ist. alle Fayre awei neue Schlachischiffe zu betwi een bis die amerikanische Flotte allen An forderungen entspreche. Im Abgeordnetenhaus stand tech nisch die Bewilligungs- Vorlage füü vermischte Zwecke zur Debatie. e es wurden meistens Reden gehalten. die mit dieser Vorlage nichts zu thun hatten. Kurz vor der Vertagung wurde des Präsidenten Botschaft ver lesen. Als die Stelle verlesen wurde, an der es betresfs des Multimillionrs heißt: „Sein Sohn ist ein Narr und seine Tochter eine ausländische Prin gessin“, da hallte der Sitzungssaal wider von Applaus. Washington, D. C., 29. April. Im Senate wurden alle aut dem Kalender befindlichen Privatpensions voerlagen, sowie eine Anzahl andere minderwichtige Vorlagen passirt. Der Führer der Minderheit im Hause, Williams, unterbreitet· eine don sämmitlichèn dentolratischen Ab geordneten (166) tis put idie berreist sind), unterze welche den Sprecher ersucht, eine Vor lage in Berathung zu nehmen., welche die Aufhebung des Zolles auf Drut: papier und Holzbrei verfügt. Wil liams hielt eine packende Rede, in der er die republikanischen Abgeordneten aufforderte, die Petition ebenfalls zu unterzeichnen, abrr es war vergebene Liebesmüh. Washington, D.C., 30. April. Das Haus-Comite für ausländische Angelegenheiten hat beschlossen, die Bill günstig einzuberichten, die eine Geldsumme bis zum Betrage don $1,000,000 zum Ankauf odor Bau von VBotschafts-, Legations- und Con sulatsgebäuden bewilligt. Die Vor lage bewilligt für dieses Jahr $500,000 für den Ankauf von VBot schaftsgebäuden in Berlin und der Stadt Mexiko, und $500,000 für deñ Ankauf von Consulatẽgebäuden in Shanghai und Hokohama. Washington, D. C.. 1. Mai. Die Besprechung der Sundrxy Cibil Bewilligungs- Vorlage wurde heute wieder aufgenommen und es dauerte vier Stunden, ehe ein von Townsend von Michigan eingebrachtes Amende ment angenommen wurde. Dasselhe betrifft eine Erhöhung der Bewilli gung von 850,000 auf 8350;000 zwecks Durchführung durch die arn schenstaatliche Handels Commissi— der Klausfel der Hepburn-Akte, wel die Commission anweist, Untersuchun gen der Bücher der zwischenstaatlichen Eisenbahnen anzustellen, um zu ent scheiden, ab das Gesetz übertreten wurde. Das Resultat der Prüfun—- gen soll veröffentlicht werden. Jin Senat kam heute die landwirth schaftliche Bewilligungs-Vorlage zur Besprechuna. Alle vom Comite voxge schlagenen Amendements fanden ligung. R Großfener in Joliet, l. 2 Joliet, 11. 27. April Gestern wurde zum dritten Male die Stadt von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht und es herrscht allgemein die Ansicht, daß böswillige Brandstiftung vorliergt. Dem heutigen Brande fiel das größte Departeme ats-· Geschäft der Stadt. der „Boston Store“., zuin Opfer, und wohl eine Stunde hindurch stænd der gange Geichäftstheil der Stadt in Gefahr. von den Flammen verschtungen zu werden. Der Verlust des e ewähnten Gehäudes, sowie mehrerer Häuser westlich davon an Ottowa und Jeffer son Straße, wird auf 800,000 vor anschlagt. Zehn Mensthen in einem Hotelbrande umgelommen. 34 Fort Wayne, Ind.. 3. Mai. Ein Feuer. das das Aveline Hotel an den Berry und Calhoun Straßen heute früh zerstörte, tödtete zehn Men schen und verletzte mehrere arrert Schaden beluft sich auf 118,0 ællars.
Page 2
Schwer geprütt. (Fortsetzung.) Der Geistliche antwortete nicht so—- gleich. „Ja“, sage er nach einer Pause, „Sie haben es gesagt, Dora. Sie sind nur eine Tochter. Ihnen kann der Vater das Majorat nicht ver erben; Sie können den Namen des al—- ten Geschlechtes nicht erhalten, ihn nicht mit neuem Glanz umgeben, kön—- nen die schweren Pflichten, die er dem Träger auferlegt, nicht auf Ihre schwachen Schultern nehmen. Wol len Sie das bekllagen? Dem Manne gehört die Welt, die äußere, unvoll— kommene, die Welt der Arbeit, des Kampfes, des Streites. Wollen Sie ihn darum beneiden? Die innere Welt gehört vorzugsweise der Frau, eine Welt der Liebe und des Friedens, sobald es ihrgefällt, sie dazu zu ma chen. Darin ist sie die Herrscherin; da bereitet sie dem Kampf- und Arbeit müden erquidende Rast, da lehrt sie ihn vergessen, was ihn draußen quält, lehrt ihn wieder tief und rein empfin den wie ein frommes, glückliches Kind. Möehten Sie tauschen, Dora? Ihr Bruder wird zum Vater kommen und sagen: Hier bin ich; vertraue mir deine Güter, deine Felder, deine Wälder, deine Dörfer; ich will sie erhalten, will sie mehren, wie du gethan; dein Wap— penschild soll glänzen, dein Name fort leben in Kindern und Enkeln. Und stolz und freudig wird er auf ihn bli— cen und sagen: Nun werde ich einst ruhig die Augen schließen können mir lebt der Sohn, der fortführen wird, was mir entsinktt. Aber dann wird bei seinem Anblick ihn Wehmuth be— schleichen über die eigene, gebrochene Kraft, über sein vereinsamtes Alter. Da nahen Sie ihm und sagen: Vater, hier bin ich; du hast ja auch eine Toch—- ter; vertraue ihr dein Herz. Lehne dein müdes Haupt an ihre Schulter und ruhe von deinen Beschwerden; sie will dich hegen und pflegen, will dei— nen Kummer scheuchen mit lindem Trosteswort. Sie will dix sagen, daß ein Weib, ein echtes, edeles Weib für jede Wunde einen Balsam weiß; auch für dich ist einer gefunden: die Tochter bringt dir den letzten, verzeihenden, versöhnenden Gruß der Mutter ...1 Sehen Sie, Dora, der Tochter Amt. Nicht dem Sohne trug sie dies letzte auf; das gehörte in die innere Welt, in das Reich der Liebe und des Frie dens, wo die Frau herrscht. Paul wird nur zu nehmen haben, Sie wer den Ihrem Vater etwas bringen.“ Vierzehn Tage nach diesem Gespräch stand Dora im Reise-Anzug bei dem Pfarrer im kleinen Garten vor dessen Wohnung. „Gehen Sie denn, und Gottes Segen sei mit Ihnen, mein Ge— bet wird Sie begleiten“, sagte er. Noch gögerte das Mädchen. Es wurde ihr so schwer, den Fuß in die Fremde zu setzen, in die Welt, nach der sie sich ge— sehnt, so lange sie denten konnte. Was hielt sie denn hier? Gräber, nur Gräber, nur trübe, traurige Erinne— rungen. Und doch fiel das Scheiden so schwer. Alles Schriftliche hatte der Vormund für sie besorgt, ihr die besten Rathschläge und Verhaltungsregeln gegeben; doch meinte sie noch etwas von ihm hören, von ihm empfangen zu müssen. „Mir ist so bange“, klagte sie jetzt. „An fremde Thüren, an fremde Her— gen soll ich klopfen. Werden sie sich mir aufthun?“ „Muth, Muth, mein Kind“, ermun— terte der Pfarrer, „und vergessen Sie das eine nicht: thätige Liebe und tra— gende Geduld sind der beste Schlüssel zu jedem Menschenherzen. Aber sehen Sie, da kommt Carlotta schon, Sie zu holer. Noch ein Mal, Gott behüte Siel“ KAA Achtzehntes Kapitel. Indeß in Wien Aufruhr und In trigue auf der einen, Schwäche und Rathlosigkeit auf der andern Seite herrschten, während in den Hauptstäd— ten Ftaliens der lang angeblasene Zunder überall zur rasenden Flamme emporschlug, hielt der alte Radetzty Verona fest. Vorzugehen, eine Schlacht zu wagen, daran durfte er nicht den ten, bevor die lang ersehnten Hülfs truppen eingetroffen waren. So mußte er sich begnügen, die Verbindungslinie durch Tirol offen zu halten und sich zu befestigen. In der österreichischen Hauptstadt war er aufgegeben; das Ministerium unterhandele mit dem Feinde. Die Anhänger Kossuth's reizten das Volk zu Verwünschungen gegen ihn auf, und die von ihm über die Alpen geschickten Geiseln aus Mai— land und Trient wurden freigelassen. General Schönhals, der Geschichtschrei ber jenes Feldzuges, sah den dreiund— achtzigjährigen Greis oft wankend an einem Stuhl oder Tisch sich halten, wenn wieder schlimme Nachrichten aus Wien eintrafen. So bittere Stunden der greise Feldherr und erlebte, so widrig das Schichsal ihm mwar, er blieb ein Mann und traf die besonnensten Anstalten zur Vertheidigung. Das Vertrauen und der gute Muth seiner Soldaten stand ihm überall zur Sei— und der Chef seines Generalstabes, Feldmarschall-Lieutenant von Heß, unterstützte ihn treu. Endlich war es durch die Anstren—- gungen des Kriegsministers Lotour ge— lungen, ein Heer von 13,000 Mann aufgubringen, welches unter Feldzeug—- meister Nugent vorrückte und schon am 5. Mai Udine und Belluna einnahm. Leicht hätten die Italiener dies schwa— -3 Corps aufhalten können, wären sie seinig unter einander gewesen. Der König Karl Albert aber, durch das e lereen Nugent's von den Ber— gen aus seiner Gleichgültigkeit empor gerüttelt, stürzte sich auf die Vorhut Radetzkh's, welche die kleine Festung Peschiera schützte, und vertrieb sie e Pastrengo. Als er indeß. durch dies Gelingen ermuthigt, am 6. Mai einen allgemeinen Angriff auf die Vorposten bei S. Lucia wagte, scheiterte sein Be— ginnen an dem unerschütterlichen Mu— he der Oesterreicher, und er mußte blutigem Kampfe sich zurückzie hen. Nugent war unterdeß erkrankt und mußte den Befehl dem Grafen Thun übergeben, welcher, nachdem er vergebens Vicenza berannt, am 25. Mai endlich vor Verona mit Radetzky sich vereinigt. Sofort ging der alte Feldherr zum Angriff über, rückte ge— gen Mantua vor und zertrümmerte mit einem gewaltigen Stoße die tos— canische Division bei Curtatone. Aber bei Goito hatte Karl Albert am näch—- sten Tage so gute Maßzregeln getrof fen, daß Radetzkh nach heißer Arbeit wieder zurückgehen mußte. Zu dieser Zeit traf aus Innsbruck, wohin der Hof nach den Märztagen sich geflüch— tet hatte, ein Befehl des Kaisers ein. dem König einen Waffenstillstand an zutragen. Radetzkh aber hielt Oester—- reichs Rettung und Ehre höher als die eigene, und faßte den. großherzigen Entsehluß, nicht zu gehorchen. Er— sandte den im letzten KHampfe verwun— deten Fürsten Felix Schwarzenberg mit der driñngenden Bitte an den Kai— ser, den Muth nicht zu verlieren. Bald darauf langte ein neues Hülfscorps an, welches so gut in die Maßnahmen Radetzky's eingriff, daß dieser wieder an's Vorrücken denken konnte. Der Tag des 22. Juli neigte sich zu Ende. Die Straßen von Verona belebten sich. VBesonders bot der klei—- ne, mit Marmorquadern belegte und von malerischen Palästen. umgebene Rathhausplatz ein buntes Bild lebhaf ten Verkehrs. In dem offenen Fen— ster des neben dem Rathhaus gelege nen Kaffeehauses standen zwei Solda— ten, die anscheinend mit. Interesse nach den Spaziergängern und den Damen blickten, welche dem Durchgang an der andern Ecke zuschritten. Gleichwohl lag in Blick und Mienen beider ein Et— was, welches verrieth, daß ihre Ge— danken nicht bei den Bildern waren, die an ihrem Auge vorüberglitten. Auf den Gesichtern beider lag noch der Schmelz reiner, unentweihter dugend; gleichwohl waren ihre Züge sehr ver— schieden. Während die des Jüngern noch. den Ausdruck kindlicher Offenheit trugen, zeigten die seines Nachbars schon einen Ernst und eine Entschlossen— heit, die von einer rauhen Berührung! mit dem Leben sprachen und ihn älter erscheinen ließen als seine Jahre. Er hatte ein edeles Gesicht. Die reine Stirn, die scharf gezeichneten, dunkeln Brauen, die feine Nase und der festgeschlossene kleine Mund waren klassisch schön, aber die schmalen, blas sen Wangen und das kurz geschorene Haar beeinträchtigten ihre Eirlun Ein paar Mal hatte sein Blick prüfend die Züge des andern überflogen. Das tiefblaue, strahlende Auge mußte ihn anziehen, ein paar Mal schon hatte er die Hand nach seinem Käppi ausge— sstreckt, sie aber jedesmal wieder zau— dernd zurückgezogen. „Finden Sie a: auch die Schwüle hier unerträg lich“, wandte er sich endlich an seinen Nachbar. „Wollen wir nicht mitein-- ander einen Gang in's Freie machen?“ Freudig zustimmend, griff der An— geredete nach seiner Kopfbedeckung, sünd bald wanderten die beiden mit ein lander über den Platz, an den pracht vollen Denkmälern der Scahiger vor— über der Etsch zu. An der Ponte delle Navi blieb der Aeltere stehen. „Sollen wir hinüber? Ich möchte einmak frei aufathmen, und drüben finden wir schattige Laubgänge. Staub und Hitze werden wir in den nächsten Tagen noch genug bekommen.“ „Meinen Sie?“ fragte der andere und setzte schon den Fuß auf die Brü— cke. Dabei sah er einen Begleiter mit Blicken an, die deutlich sagten: „Weißt du etwas mehr als ich, so thei—- le es mir mit.“ Der Aeltere schien sich auf die Au— gensprache zu verstehen, ein kaum merkliches Lächeln stahl sich über die ernsten Züge. „Sie wissen so gut wie sjeder Soldat, daß wir stündlich bereit sein müssen“, sagte er dann, aber“, serte er leiser hinzu, „heute Nacht wird wohl Ernst gemacht werden.“ „In der That?“ Durch den lebhaf—- ten Ruf klang doch ein leiser Schre—- Luæxemburger Gazette, Dienstag. den 5. Muat 1908. cken, so glaubte der andere wenigstens au bemerken; auch entging ihm der leichte Farbenwechse! auf dem Antlitz des Jünglings nicht. Eine Weile gingen sie schweigend neben einander, die Brücke lag hinter ihnen. Das Werft entlang zum Thor S. Vittoria hinaus waren sie schon geschritten, da hielten beide unwillkürlich den Schritt an. Der Militair-Gottesacker lag vor ihnen. „Kamerad“, sagte der Aeltere plötz— lich in verändertem, zutraulichem Ton, „wir stehen am Vorabend eines großen Kampfes. Wer weiß, ob er den einen oder andern von uns nicht jenen stillen Schläfern zugesellt? Wir sind hier beide allein und fremd. Sol— len wir Freundschaft schließen auf du und du, uns unsere Verhältnisse mit— theilen, auf daß der eine vom andern Kunde geben könne, wenn das nöthig werden sollte? Bis jetzt habe ich mich vergebens nach einem Freunde umge—- schaut. Du hast mir gleich Zutrauen abgewonnen, und kannst du auch mir das deine schenten, so schlag ein. Hier ist meine Hand. Ich heiße Paul Re— kamp.“ „Und ich Hugo Landen und gebe mit Freuden Wort 'und Handschlag zum Bunde. Auch ich habe mich bis— her so einsam hier gefühlt, so sehr nach einem Freunde gesehnt.“ „Du bist erst vor kurzem einge rückt?“ fragte Paul. „Ich gehörte zu denen, welche Fürst Liechtenstein um Verhaltungsbefehle hierher sandte. Einer Empfehlung aus der Heimath verdanke ich es, hier behalten worden zu sein. Vor kur— zem erst bin ich als Avantageur in die Armee getreten.“ „Gerade wie ich.“ „Und schon Fähnrih?“ rief Hugo mit funkelr.den Augen. „Den Fähnrich habe ich mir dort geholt. Paul deutete auf die nahen Kirchthürme von Santa Lucia. „O, wenn es auch mir gelänge, mich auszuzeichen, wenn ich meinem Gön ner eine solche Nachricht senden könnte, wie glücklich würde ich seinl“ „Deinem Gönner? Hast du sonst niemand?“ Hugo schüttelte traurig den Kopf. Sein Begleiter antwortete nicht so— gleich. Er hatte sich so einsam, so verlassen gedünktt nun mußte er sich gestehen/ daß er im Vergleich zu dem neuen Kameraden noch xeich war. „Ich habe noch eine Schwester“, sagte er jetzt leise. „Wie glücklich du bist“, entgegnete Hugo traurig; „ich war es bis vor kurzem auch, aber die mich lieb hatten, sind gestorben.“ „Deine Eltern?“ Hugo winkte verneinend. „Die habe ich früher verloren; aber das er zähle ich dir dort.“ Damit deutete er auf den Ruhesitz, der ihnen am Ende einer herrlichen Cypressen-Allee sich darbot. Sie waren während ihres Gespräches in einen der am Ufer ver streuten Gärten eingetreten. Schwei gend gingen die jungen Leute weiter. Paul gedachte des treuen Herzens, das am Ufer der Schelde um ihn sorg te, der Schwester, die so fest auf seine Wiederkehr vertraute. Wie verstän— dig war sie geworden, mit welch' tie— fem Gefühl hatte sie ihm alles, was in Waldingen sich zugetragen, mitge— theilt, mit welch' zarter Schonung für ihn! O, wenn er wiedertkehren, vor sie hintreten würde, mit Ruhm und Ehren bedeckt, ein ganzer Mann dieser Augenblick wöge alles auf, was er, beharrend um des Zieles willen, erduldet! Wie sehnsüchtig harrte er schon lange auf den zweiten Brief von ihr, der die Nachrichten über seine El— tern bringen sollte. Wäre er nicht so beglückt gewesen in dem Gefühl, sie wieder zu haben, sie so gut, so lieb zu finden, hätten nicht zudem die Todes— nachrichten alle ihn weicher gestimmt, er hätte ihr zürnen mögen, daß sie ihm dies Wichtigste noch vorenthalten. Aber er mußzte sich sagen, daß sie noch jung und unerfahren war, daß sie kei— ne Ahnung hatte, was im Leben des Mannes, welcher seinen Weg sich bah nen muß, Herkunft und Namen sind, was die Wahrheit, die Klarheit dar— über ihm bedeuten. Ein Ausruf des Entzückens, der jetzt Hugo entfuhr, weckte Paul aus seinen Gedanken auf. Sie waren auf einer kleinen Plattform angelangt, die dem Auge eine prächtige Aussicht bot. Zu ihren Füßen lag die Stadt mit ih— ren Thürmen und Kuppeln, ihrer großartigen Arena, der Fluß mit sei nen Brücken, während die Alpen wie hohe, stolze Wächter auf sie niederblick ten. Die den westlichen Horizont be grenzende Hügellette schloß das herr—- liche Rundbild ab, über welches die Abendsonne eine verschwenderische Fül— le goldigen Lichtes goß, in dem alle Umrisse sich schärfer abgrenzten, und die Thürme von Santa Lucia und S. Massimo besonders hervortraten. Eine Weile ließ der junge Fähnrich dem neuen Freunde Zeit, die wunder— volle Scenerie zu betrachten. Dann deutete er auf die westlichen Ortsehaf ten und sagte: „Dort, im Lager der Sarden, wollen wir unser Offigziers patent verdienen.“ „Das sind „Montebello, Somm campagna und Custozza. will's Gott, sollen die Piemontesen sich nicht lange mehr in— ne haben. Aber setzen wir uns jetzt. Erzähle mir, woher du bist, und ob die Neigung zum Soldatenstande oder sonst ein Grund dich hierher geführt hat. Vor allem aber laß uns nach deutscher Sitte anstoßen und einen Ern- auf gute Kameradsechaft und gutes Glück thun.“ Damit füllte er /von dem Wein, dem ein dienender Sanymed inzwischen gebracht, zwei sGlafer und reichte eines Hugo Landen hin. Begeistert folgte dieser der Auffor derung; dann warf er noch einen letz ten langen Blick auf die Landschaft. o- sagte er jetzt, seinen Stuhl um— lehrend, „wenn ich in die Cypressen hineinblickte, geht das Erzählen bes—- ser; die Schönheit dort nimmt mich zu sehr gefangen. Meine Eltern leb— ten in einem Städtchen unfern von Wien. Der Vater war ein tüchtiger Beamter, aber er starb, ehe ich sei— nem Namen aussprechen konnte. Meine Mutter, so jung sie noch war, entsagte fortan jeder Lebensfreude. Ich war ihr eins und alles, ihr Trost und ihr Stolz. Für mich arbeitete und schaffte, plante und sorgte sie. Noch meine ich, ihr sanftes, blasses Gesicht zu sehen, wie sie sich Abends über mein Bettchen beugte und mir Stirn und Mund küßte. Aber der Gram um den Tod meines Vaters hatte bei ihr ein Leiden entwickelt, das verborgen den zarten Körper unterwühlte und, als es hervorbrach, nicht mehr zu be— wältigen war. Ehe mir eine Ahnung über das mir drohende Schicksal auf— gegangen war, stand ich an ihrem Sor—- ge. All' unsere Sachen wurden ver—- kauft und ich zu einem entfernten Ver— wandten gebracht, der auf dem Lande wohnte. Er hielt mich gut; aber doch würde ich die Liebe meiner Mutter noch mehr entbehrt haben, als ich es ohnehin schon that, wäre die Herrschaft auf dem Schlosse in unserer Nähe mir nicht so gut gewesen. Sie hatten ein kränkliches Söhnchen; bei ihm ver brachte ich die meisten meiner Frei stunden. Marx war jünger als ich, aber so verständig, so gut und anhäng lich. Seine Mutter, die Frau Grä fin, war ein Engel. Im Winter wa ren sie, Maximilian's Gesundheit we gen, öfter in Italien; äber er freute sich trotz all' der Schönheiten dieses Landes immer wieder auf die Heim— tehr. auf unsere gomeinschaftlichen Er holungsstunden. In seiner letzten Krankheit war ich fast immer bei ihm.“ Hugo schwieg und schaute, seine Rühr—- ung niederkämpfend. zur Ende. „Er ist todt?“ fragte Paul nach ei—- ner Weile theilnehmend. Der junge Soldat nickte. „Und sie auch. Man sagt, sie sei vor Gram gestorben. Ein jüngeres Kind, einen kräftigen Knaben, hatten sie schon frü— her verloren. In diesem Winter nun ließ der Graf, der seit dem Tode sei— ner Frau ganz tiefsinnig geworden sein soll, mich zu sich rufen und sagte mir, es sei der Wunsch seiner verstor— benen Gemahlin gewesen, für meine fernere Ausbildung zu sorgen, und er wolle das nun an ihrer Statt thun. Ich solle mich entschieden, welchen Le— bensruf ich ergreifen möchte. Da ich ihn voller Wohlwollen gegen mich sah, bat ich, für's erste in Wien meine mangelhaften Kenntnisse auf einer gu— ten Schule einigermaßen vervollstän— digen zu dürfen, um mich erst dann zu entscheiden. Er war damit ein— verstanden; ich reiste nach Weihnach— ten hin, von dem Grafen mit einer Empfehlung an seinen Freund, den General von Pescheck, versehen. Die— ser war so gütig gegen mich, daß er gleich mein ganzes Herz gewann. Er besorgte mit selber ein Quartier in der Nähe seines Palastes. Sonntags durfte ich bei ihm speisen und nicht sel ten den ganzen Tag bei ihm und sei— ner Gemahlin verbringen Manche Merkwürdigkeiten der Hauptstadt lernte ich durch ihn kennen. Ich stu— dirte dabei fleißig und freute mich auf den Frühling. Aber der wurde an— ders, als ich mir in meiner Unwissen heit hatte träumen lassen. Als ich die Ausschreitungen sah, die der Pö— bel in der Hauptstadt verübte, die Ent— rüstung und den Schmerz des Generals über diese Dinge, als er über den grei—- sen Helden Radetzky sprach, auf den die Gutgesinnten jetzt ihre einzige Hoff— nung setzen, da faßte ich den Entschluß, mich zu den Truppen zu melden, die diesem endlich zur Hülfe gesandt wur— den. Anfangs nahm der General Anstand wegen meiner großen Jugend, besonders, da er selber in Wien zu— rückgehalten wurde. Aber er freute sich zu sehr meiner Gesinnung, als daß er lange hätte widerstehen können, und so bin ich hierher gekommen; denn auch der Graf von Taura, der früher selbst Offizier gewesen, war mit meinem Entschluß einverstanden.“ „Taura? Graf von Taura heißt doin Schützer?“ „Du kennst ihn?“ fragte Hugo zurück. „Arthur von Elsen, Erbe des Majo—- rats von Taura“, murmelte Paul. „Hast du den Namen je gehört, je den von Doraline Turamont?“— Hugo besann sich lange. „Einer, dessen Bild im Ahnensaale hängt, hieß so“, sagte er jetzt. „Sein Bild ist erst nach seinem Tode gemalt und einem kleinern Portrait entnommen. Den andern Namen hörte ich nie. Der jetzige Graf heißt Paul von Elsen, genannt von Taura. Er wird stets nur Graf Taurä genannt, und ich selbst hörte erst vor kurzem von dein al—- ten Rentmeister, daß der eigentliche Familienname „von Elsen“ ist. Der Majoratsherr nimmt stets den Namen des Schlosses Taura an. Aber was weißt du von ihnen?“ „Du sollst es erfahren. Vielleicht bedeutet es nichts; vielleicht aber ha— ben meine Nachrichten großen Werth für die Familie. Wie merkwürdig! der erste Name, der mir in Wien be gegnete, war dieser. Ich gerieth durch Zufall nein, es gibt keinen Zufall: dieser Augenblick gibt nur ja einen neuen Beweis davon u e höhere Fügung wohnte ich dem Todtenamt für eine Gräfin Taura bei, und nun bist du, der erste, zu dem ich mich hin—- gezogen, seit ich des Kaisers Rock tra— ge, so eng mit jener Familie ver— knüpft.“ 2 „Sie war eine Wienerin, es watr ihre Todtenfeier“, schaltete Hugo leise ein. „Aber“, fuhr Rekamp fort, „ehe ich dir von jenen Dingen preche, sollst du meine eigene Gesehichte hören, damit auch du weißt, wem du Nachricht zu geben hast, wenn ich fallen sollte.“ Die Sonne war hinter den Bergen versunten, als die Freunde endlich den Heimweg antraten. Dunkele Wolken— massen hatten sich am Horigoont zusam—- mengeballt, und ein kühler Wind wir belte den Staub in die Höhe. „Wir bekommen ein Gewitter“, be merkte Paul, „und zwar ein heftiges.“ „Das könnte den Ausmarsch verei—- teln.“ „Ich glaube kaum. Möglich, daß es dem Feldmarsthall gerade angenehm kommt; denn der Feind wird sich unse— rer desto weniger versehen.“ Ja, es kam ihm gerade recht, dem alten Helden, das schreckliche Gewitter jener Nacht. Mitten im Toben der Elemente brach er mit den Seinen auf und überraschte am Morgen den Feind. Nach kurzem, heißem Kampfe waren die so lange gefürchteten Schanzen von Montebello, Sommacampagna und Custozza in den Händen der Oesterrei cher. Radetzty ließ die Höhen von der Brigade Simbschen gesetzt und zog dar über hinaus gegen den Minico hin. Aber der Sardenkönig kehrte am fol— genden Tage von Mantua um; die Oesterreicher wurden von der großen Uebermacht erdrückt und mit schwerem Verlust wieder hinabgeworfen. Am 25. Juli griffen beide Heexe zugleich an und stießzen bei Custozza zusammen. Die Hriterreier mußten die Höhen nun noch ein Mal, und zwar jetzt von der entgegengesetzten Seite, erstürmen, und sie thaten es trotz der furchtbaren Hitze mit unwiderstehlichem Muthe. Von Verona war gleichzeitig die Re— serve ausgerückt und fiel dem Feinde bei Sommacampagna in den Rücken. Den ganzen heißen Tag hindurch das Thermometer zeigte 28 bis 30 Grad wüthete die Schlacht. Auch die Piemontesen kämpften mit uner— schütterlicher Tapferkeit. Der Herzog von Genua, der zweite Sohn des Kö— nigs Karl Albert, hielt auf dem Monte Godio am längsten Stand; aber er mußte endlich weichen. Als am näch— sten Abend auch der Versuch. die Vor— hut der Oesterreicher bei Volta zu wer— fen, mißlang, war Karl Albert's Nie— derlage vollständig. Er floh nach Mai— lang und nahm erst vor den Thoren dieser Stadt den Kampf von neuem auf. Aber auch hier war dem von Kummer gebeugten Monarchen das Glück nicht hold. Er mußte dazu noch erleben, daß der Pöbel, hierdurch in Wuth versetzt, die rasendsten Ver— wünschungen gegen ihn ausstieß und ihn so bedrängte, daß seine Soldaten ihn mit Gewalt befreien mußten. Die Ersten der Stadt aber eilten angstvoll in das österreichische Lager und baten den Feldherrn, gleich einzurücken. Die— ser hatte dem König bereits freien Ab— zug bewilligt und zog nun an der Spi— tbe seines Heeres in stillem Triumph in die aufrührerische Stadt ein. Drei Tage später schloß er hier einen Waf— fenstillstand, in welcher er dem König von Sardinien großmüthig den Besit seiner Grenzen sicherte, wogegen Karl Albert Peschiera auslieferte und seine Truppen aus Venetien zurückzog. An einem der nächsten Tage saß der greise Feldmarschall eifrig beschäftigt in seinem Arbeitszimmer. Lange Li— sten lagen vor ihm, die er durchblätter te und hier und da imit einem Zeichen versah, während er dem an einem Ne— bentisch schreibenden Geheimsecretair von Zeit zu Zeit einiges dictirte. Aber jetzt tupfte er mit dem Finger auf eine Stelle und sagte, aufblickend: „Die Briefe, von denen Sie mir heute Mor— gen sprachen „Befinden sich dort in der Schatul le, Exellenz. Da der Aufenthalt des Adressaten nieht festzustellen, hat man sich erlaubt, sie in's Hauptquartier zu senden.“ „Hätten was zu thun, wenn's alle so machen 'wollten. Manche von den guten Kindern, an die noch Briefe unterwegs sind, werden wohl zwischen Sommacampagna und Valeggio zu suchen sein. Mit diesem ist es jedoch etwas anderes; denn kaum mag ein Soldat im ganzen Heer so oft das Standquartier gewechselt haben, als -1 Reine Weine und Liquöre für den Familien- und Privatgebraucqh ir in irgend einer Quantität beim Pint, Quart, Gallone oder Keg —zu Wholesale preisen und als absolut rein unb gesund garantirt. Fũr Dinner-, gesellschaftliche und medizinishe Zwede s hahe ich reine Weine und Liquöre, welche Sie in irgend einer beliebigen Onan- 2 tität kanfen können. Ich besasse mich ausschließlich mit dem Familien-Handel, und führe deshalb nur die reinen Waaren, welcher solcher Handel verdient und erfordert zu vernünftigen Preifen. 2 California 2 erialitäten: Eaitferuie s Weißweine 81.00 pro Gallöne in irgend welcher Quantität. Vor— zügliche alte Port, Sherry und Augelica Weinesl. dopro Gallone: ebenfalls Malaga Sauterne, Ma- 82 2 3 deira, Muscatel, süßer Catawva, ES 2—— 1 Nectar und Tatay Weine. r rnade Coovon ston 25 Alter Kentucky Bourbon, Lily Pure Rye, californische Brandiez, Rum, Gin ete. 111 22345 3 Whiskey: 81.50, 81.75, s2.c, 2 1 ;21 wn 2225,2.60 83.00 23 s 0 1— 5.00 und 86.00 pro Gallone. 1 Post Auftrãge gewünscht, ru und wird denselben prommpte Aut— merksamteit gewidmet, und gara·. tirt, daß sie absolut pripatim ge— 2 irt halten werden. b Store:Teleyhon No. 11. 2 Residenz·-Televhon No. 5615. Agent für das berühmte Coljar Mineralwasser nud für Flaschenbier de Dubuque Malting Co. und Schlit's Milwaukee Brauerei. Waaren in irgen einem Theil der Stadt unentgeltlich abgeliefert. eHKein Saloon im Gebäude. Sonntaas geschlossen. —D 2 Heinrich A. Schunt, 2 Drei Laden 61, 69, 77 Achte Straße. Dubuque, Jowa. Zwischen Locust und Blufs Str., nahe dem Lorimier House. B 0/3 Dubuque Star Rrewing Go. Bra. hmten Bier 12 Star Best- Flaschenbiere:, dieser Rekamp. So heißt ja der Adres— sat, wie?“ „Zu Befehl, Excellenz.“ „Braver une tapferer, brauch barer Soldat. Steht hier mit drei Kreugen verzeichnet. Habe im Leben keine bessere Ordonnanz gehabt. So prompt und exact bexrichtet. Hat sich bei Custozza den Lieutenant verdient und vor Mailand's Thoren noch was mehr. Fertigen Sie diese Briefe an den „Rittmeister“ Relamp ab.“ Der Mann der Feder erhob sich und nahm drei Sehreiben, welehe er seinem Herrn vorlegte. „Ist ja eine merkwürdige Corre— spondenz“, sagte der Feldmarschall, die Postzeichen prüfend. „Antwer—- pen, Innsbruck und Wien. Der junge Mensch scheint nicht allein auf dem Felde der Ehre Eroberungen gemacht zu haben. zwei Briese sind offen— bar von Damenhand adressirt. Nun, auf Antwort werden die Absenderin— nen noch ein Weilchen warten müssen; das Schreiben hat einstweilen gute Wege. Er hat eine schwere Verwun— dung am rechten Arm.“ X X XX Der Sommer mit seiner heißen Glüt hatte Abschied genommen. Erqui— ckend strömte die Luft durch das geöff— nete Fenster eines Zimmers des Hos— pitales S. Carolo Borromei, an dem ein bleicher Kranker saß. Es war Rittmeister Rekamp. Die furchtba ren Strapazen der Julitage und seine Verwundung in dem heißen Kampfe vor Mailand's Thoren hatten ihm ein bösartiges Fieber zugezogen, das seine Gesundheit verzehrt und den Geist lan—- ge umnebelt hatte. Endlich war die Jugendkraft des im Innern wühlen— den Feindes Herr geworden, die Fie— ber wichen, und das Denken befreite sich von den Truggestalten, die den Ar— men oft so schwer bedrängt und seine Umgebung beängstigt hatten. Seit acht Tagen durfte er stärkende Nahr— ung nehmen und jeden Nachmittag ei— nige Stunden außer dem Bette zubrin gen. Paul war allein. Die Nonne. die ihn vom Krankenzimmer herüberge führt, hatte ihn verlassen, um ihm eine Stärkung zu holen. Träumerisch blickte er hinaus auf das dunkele Grün der Orangen- und Myrthenbäume des Gartens und dann darüber hinweg zu den schlank und hoch zum Himmel auf— strebenden Spitzsäulen des Domes, des— sen Kuppel der Sonnenstrahl küßte. Diesen Glanz konnten. die so lange an das Halbdunkel des Krankenzimmers gewöhnten Augen noch nicht ertragen; aber auf den zierlich durchbrochenen gothischen Bogen, Spitzsäulen und Matrmorbildern ruhten sie eine Zeit lang mit staunendem Wohlgefallen. Als der ermüdete Blick dann wieder auf den Pflanzengruppen des Gartens ruhte, murmelte der junge Mann leise: „Sie ist doch schön, die Welt.“ „Wohl ist sie schön, wenn der Mensch sie erhalt, wie der Schöpfer sie gemacht hat, in Frieden.“ Ueberrascht wandte Paul den Kopf und sah Schwester Alphonsa, seine treue Pflegerin, vor sich stehen. „Sie waren „so in Gedanken vertieft, daß Sie meinen Eintritt nicht bemeriten“, sagte sie. „Hier in diesen Räumen weilt der Friede“, entgegnete er mit einem be— wundernden Blick auf die Vorromäe rin, die jetzt ein Tischchen von ihn hin—- schob, auf welches sie ihm ein Glas Wein und ein Schüsselchen mit Fleisch auer des be olden Star“ und .„Silver. in's Haus gelieferi. und eingelochten Früchten gestellt hatte. „Er weilt überall da, wohin twir selber ihn mitbringon. Auch die Alo stermauern geben ihn dem nicht, der ihn nicht im Herzen trägt“, bemerkte sie leise. „Sie mögen recht haben, Sehwester. Aber doch wirkt der Hauch tiefer, from-. mer Ruhe, stiller, geregelter Arveit und Ordnung, der dies Haus durch gieht, wohlthuend auf das wunde, friedlose Gemüth.“ Und Paul starr—- te, ohne die Speisen zu berühren/ wie in tiefen Gedanken vor sich hin. Als aber die Schwester das Gemach verlas sen wollte, fuhr er empor. „Habe ich cs geträumt, oder sind wirklich Briefe für mich angekommen, als ich so krantk war?“ fragte er. Einen Augenblick zögerte die Nonne mit der Antwort. „Es liegen aller—- dings Briefe für Sie da“, erwiderte sie jezt. „Der Argzt verbot ausdrück lich, sie Ihnen zu geben, bis Sie sel ber danach verlangen würden. Ei— nen derselben haben Sie bereits gele sen; Sie erinnern sich dessen wohl noch?“ fragte sie sanft, und der Blick, mit dem sie dabei in seinen Zügen forschte, glich dem einer für ihr Kind besorgten Mutter. „Also dochl“ rief er und griff mit beiden Händen nach dem Kobpfe, „doch Wahrheit. Ich dachte noch immer, es müßten Fieber-Bilder gewesen sein. Ich fühle mich auch ohne dies bis jetzt noch zu schwach zum Lesen“, setzte er sehnell hinzu; „aber nun möchte ich um alles bitten, was für mich ange— tommen ist.“ „Nicht wenig ist es, in der That“, entgegnete Alphonsa mit einem Ver—- such, zu schergen. „Ein Brief ist in den letzten Wochen noch dazu gekom men. Zudem ist auch Ihre förmliche Ernennung zum Rittmeister nebst ei— nem offenen, sehr anerkennenden Schreiben des Feldmarschalls über— bracht worden, als Sie gerade im höch—- sten. Stadium Ihrer Krantkheit wa— ren. Wenn ich für heute dies holte?“ „Auch das andere; bitte, bringen Sie mir alles“. bat er in einem so verlangenden Ton, daß sie wohl ein sah, mit seiner Ruhe sei es jetzt doch vorbei. „Der Brief, den Sie damals lasen, hat Sie sehr aufgeregt; Sie haben sich in Ihren Phantasieen fortwährend mit ihm beschäftigt“, sagte die Nonne. „Fühlen Sie sich stark genug, sich den Inhalt zu wiederholen?“ „Volltkommen“, entgegnete er fest und kalt. „Der Inhalt wird mich we- ellet eine Kiste A-BR-C
Familien-Thee. Hält die Familie gesund.
Eine vorzügliche Medizin egen Krankheiten s agens, dor t n Ve nhohhh hedseresiurun Ein unibertrohjenes Mittel für Blutreinigung, lih auch sür ale 1 lute herrühren. Zu haben in allen Apatheten. Preis 2 Cents-. lteer gobena-t an die
Page 3
OEUTSONE FAMILIEN nMt MB r a vtn haben gofunden, dass in „MAGENBESCHWERDEN. es kein bessores und an genehmeres Hoilmittel sibt als TRINER'S QI HEILSAMEN BITTERWEIN 005777 Aus roinem Wein und im. portirten Kraeutern. Der beste Blutreiniger und Magenstaorker. Puer blutarmo Maodehen und Prauen besonders geeis net. Von Aeraten em pfohlen. In Apothoken. Joseph Triner, 799 Bs. Ashland Ave., CHICAGO,. ILL Preisliste gratis. E. Voggenthaler Co., Besitzer der Dubhuque Architectural Iron Works. Allgemeine Maschinisten und Gießer. Wir machen Angebote auf Ab— schätungen für die Eisenarbei— ten anKirchen. 810—s20 8. Str. Tel. 457. Dubuque, Jowa. 183-185 BSixth Street. Toel. 113. Melchior Schmitt Grohßvertausfs· Händler in den besien und reinsten impor—- tirten und einheimischen Weinen u. Whiskies sür Familien- und Medizin-Gebrauch zu den billigsten Wholesale Preisen in irgend einer Quantität. Ich verkaufe billig aber echt und nur gegen Baargeld. Feiner California Portwein 81.00 per Gallone und auswärts Zgur gesl. Beachtung fur Priester. Altar· Weine D garantirt und von den besten Zeugunissen begleitt. Dry und Sweet Weine eine Spezialität. Beste Auswahl von Getränken in Flaschen. Besellungen per Post werden auf das Prom—- pteste und Beste besorgt und bleiben stets vrivat. Man schreibe um eine Preisiiste. Reserenz: Dubuque National Bant. Achtung, katholische Landsucher! tausend Acker Land 2 verkaufen in ber Umgegend von dice Late, Varron County; Wis.. naheẽ bei katholischen Kirchen und Eulen: o schönes hgrmlarnd wie noch irgendwo zu finden ist. Audh ädtische Arbeirtgelegendeiten für Ar-- beiter und Kapitalisten. Das Land bewegt sich im Lreile von FlO bis F2O per Acker sür wildes delztan genug Hola, um das Land damit zu ezahlen; verbessertes Land von 925 bis Fo je nach Late und Lerbeserungen. üm nähere Aus-- kunst schreibe man an Rev. C. d. Schmit, Rice Late, Wis. Würste! Würste! Alle Sorten täglich frisch zu haben bei H. TRENKLE. 1227 Clay Str.. zwischen 12. und 13. Str. Bell Telephon 8602. Dubuque Telephon 454. e Haltet Eure Zähne in gutem Zustand in gutem Zustand, indem Ihr gelegentlich bei uns vorsprechet und bleibet ge— sund; oder vernachlässigt die— selben und werdet krank. Welches ist der richtige Weg, den Sie verfolgen sollten? Lasset die veraltete Furcht vor dem Zahnarzt Euch nicht ab— schrecken, zu uns zu kommen, wenn Eure Zähne in schlechtem Zustande sind. Kommt mit Vertrauen in die G. W. HOAG, D. D. S., L. D.s. 964 Main st. Missouri-Farmen. Man schreibe um Staatskarte, Pamphlet, we lEcie: srei dersandt. Bajzei 4 ner Chillicothe, Mo. Achtung, Farmer! vadt Ihr Haser, Heu, Kartof eln. Weizen. Ko Röggen, Gerste, E Butter oder ererni irgrndwele ermuyrt dutre au vertaufen? Wenn t; bann scbreidt erst an Jol. I Nagle Dubugue. öwn, unb tragt ihn um seine Vreise. Man adrestre eined ʒ— 2 Agie: Dubuque. Jowa. N. 6. Herr Nagle kauft und vertauit au Stadt· und Farmeigentbum. co 1.1. Nulgrew Co. z Händler in Eis, Kohlen, Holz,
Banmaterial, Abzugsröhren, Fire-Brick, Fire-Clay, Kalk, Cement, Flue Lining ufw. Veide Telephone No. 6... Ofsfiee und Yarda: Ecke Jones u. Zowa Str. ʒ Dubuque, lowa. niger beunruhigen, wenn er wieder klar vor mir steht.“ „Ich gehe, die Briesschaften zu ho len; aber inzwischen müssen Sie sich stärten.“ „Wenn der Rittmeister nur keinen Rückfall bekommen hat“, meinte ein nebenan liegender Kranker, dem Al— phonsa eben Medicin reichte; „er spricht fchon eine ganze Weile mit sich selbst. Ich kann es hier deutlich hö ren.“ Die Nonne schüttelte schmerzlich lã— chelnd den Kopf. „Er hatte so lange geträumt, daß die Wirklichkeit ihm fremd geworden ist“, sagte sie; „nun muß er sich wieder hineinleben, und das scheint ihm schwer zu werden. Be ten wir für ihn, daß der Herr ihn die rechten Wege führe, wenn er aus die sen Mauern scheidet.“ Sie hatte Recht, die gute Schwester; ses wurde Paul schwer, sich in die Wirklichteit hineinzuleben, es zu fassen, was Dora ihm schrieb. Es war also tein böser Traum, keine Ausgeburt riter erhitzten Einbildungskraft gewe sen, was ihn die langen Wochen auf seinem Schmerzenslager gequält und sverfolgt; die Gedanken, die sich in sein irn wie glühende Nägel eingebraunt hatten, sie beruhten auf Wahrheit. „O, daß ich es nie erfahren hätte!“ seufgte er, Dora's Brief mit der Hand verdeckend. „Doch neinl“ brach er nach einer Weile dumpfen Hinbrütens wieder aus. „Habe ich nicht schon als Knabe gesagt, ich möchte den Schleier lüften. der die Geheimnisse decktt, möchte sie erforschen können, wenn er auch schaudernd in einem Abgrund hinunter sähe? Aber er ist so grausig tief, daß mir schwindelt. Was ist noch wahr, wenn das reinste, heiligste Gefühl sich in Abscheu und Verachtung wandeln muß, wenn die Lippe sich sträubt, den Namen auszu—- sprechen, der das Höchste, das Edelste bedeutet? O, wie habe ich den Vater geliebt, wie habe ich ihn verehrt; wie hat der Gedanke, daß er vom Himmel segnend auf mich niederblicke, mich zu allem Guten gestärkt; wie hat er mich ermuthigt in Gefahr und Noth und nun, und nun! Der Graf von Taura nein, ich kann den Gedan— ken nicht ausdenken, es ist zu viel, zu viel. O Mutter, Mutter, du arme liebe Mutter!“ Er nahm den Brief wieder auf, überflog ihn und das jetzt laut: „O, Paul, was auch geschehen sein mag, der Vater ist nun vereinsamt; er wird alt und verlangt nach seinen Kindern. Vergessen, vergeben wir. folgen wir seinem Wunsche. Auch die Mutter hat ihm ja im Sterben verziehen.“ „Jawohl“, unterbrach er sich bitter, „im Sterben! Im Sterben will auch ich ihm verzeihen. im Leben kann teine Gemeinschaft zwischen uns sein. Du gallenlose Taube, die du nun bei Fremden Schutz und Zuflucht gefun— den, du kannst noch von Vergeben spre chen? Hättest du die Noth und die Gefahren deb Lebens kennen gelernt, mit ihnen ringen müssen wie ich, es würde auch dir zur Unmöglichkeit ge worden sein.“ Ein Männerschritt wurde auf dem Gange laut, und jetzt klopfte jemand an die Thüre. Aber ehe Paul sein „Herein!“ rufen konnte, flog sie auch schon auf, und vor den Augen des Ue— berraschten stand sein Freund Hugo. „Grüß' Gott, Paul“, rief er, freu— devoll auf ihn zueilend. „Wie habe ich mich hierher zurückgesehnt, um dich zu besuchen!“ Damit nahm er einen Stuhl und setzte sich Paul gegenüber an's Fenster. Diese legte nachsinnend die Hand an die Stirne. „Warst du bei mir?“ fragte er dann. „Du weißt es nicht?“ Und der Farbenwechsel auf den Wangen des Fünglings verrieth, wie schmerzlich ihm diese Bemerkung war. „Doch“, betheuerte Paul lebhaft; „ich weiß nur Wahrheit und Traum nicht zu sondern. Manches erweist sich als wahr, was ich für Phantasie hielt, und so früchte ich nun, daß das, was ich für Wahrheit halte, in's Reich der Träume müsse verwiesen werden.“ „JFeden Tag habe ich dich besucht, wenn der Dienst es zuließz. Nur in den beiden letzten Wochen war ich lei der auswärts in Anspruch genommen. Ich hatte Aufträge nach Peschiera zu überbringen. Aber ich ging doch mit der Beruhigung, daß du gerettet warst. Schwester Alphonsa sagte es mir mit freudestrahlenden Augen.“ „Jlch habe wohl viel phantasirt, wie?“ In einem fort. Ich häãtte so etwas nicht für möglich gehalten, wäre ich nicht dabei gewesen. Das tollste Zeug ging dir durch den Kopf; du sprachst und riefst unaufhörlich. Oft war deine Stimme ganz rauh und heiser. Mit dein Grafen Taura hattest du auch ost zu thun; du verwechseltest ihn mit deinem verstorbenen Vater und mach— test ihm so herzerschütternde Vorwür—- ẽ brachest in so rührende Klagen aus, daß er dich verlassen, daß allen, die dich hörten, Thränen in die Augen sraten obschon wir wußten, daß du irre redetest. Aber auch die Kämpfe n die Schangen der Sarden sochtest du wieder durch und ermuntertest mit lautem Zuruf die Deinen. Weißt du, daß auch der Feldmarschall bei dir war?“ „Radetzky?“ „Er selbst. Er hat die Verwun—- „deten besucht, und als er auch zu dir guxemonrge Gaette, Hienstiag, den 6. lai 1908. wollte, stellte der Arzt ihm vor, daß du in den heftigsten Fieber-Phanta—- sieen lägest. „Ich muß ihn doch eben sehen, den braben Jungen“, hatte er gesagt; „es wäre schade um ihn, wenn der Feind, dem er auf dem Schlacht felde seine tapfere Brust so muthig ge boten, ihn nun meuchlings nieder— würgte.“ Und als er nun in die Thüre deines Zimmers trat du hat-- test gerade deinen Kampfraptus riefst du laut, indem du mit den Ar men in der Luft herumfochtest: „Oesterreichs Banner hoech!“ Da hat der alte Held sich gerührt zu seinem Adjutanten gewandt und gesagt: „Wenn das der Kaiser hörte, es würde ihm manche bittere Stunde vergessen machen, die man ihm in Wien bereitet hat- Meinem alten Herzen aber gilt dies Wort eines Fieberkranken mehr als die glänzendste Ovation.“ Und er ist mit der Hand über die Augen ge—- fahren, Paul.“ Dieser reichte dem Freunde stumm die Hand. „Also das hat dir noch niemand erzählt? Nun, da habe ich dir noch etwas Gutes zu bringen gehabt; denn ich weiß, das freut dich fast so sehr wie der „Rittmeister.“ Dies Schreiben hat man dir noch gegeben, wie?“ „Es liegt hier mit noch einigen un erbrochenen Briefen.“ „Die du eben lesen wolltest?“ Du wirst dich durch mich doch nicht abge-- halten lassen? Dies nur, vielleicht kannst du mir dann auch sagen, wie es deiner Schwester geht.“ „Von ihr gerade kann ich dir schon berichten. Dentke, sie ist nicht mehr in Waldingen: sie ist als Gesellschafterin bei höre und staune bei der Gräfin Bergau in Wien oder vielmehr in Innsbruck;, wo die Dame seit der März-Revolution sich aufhält.“ „Aber das ist in der That höchst merkwürdig“, sagte Landen und sah Paul an wie jemand, der nicht recht ge hört zu haben meint. „Gewiß“, entgegnete dieser, „und sie schreibt mir ganz entzückt von ihrem Aufenthalt dort. Die Herrlichkeit der Natur, die Liebenswürdigkeit der Gräfin, alles schildert sie mir. Aber wie sie dahin gekommen, davon ver—- nehme ich eigentlich nichts. Sie sagt nur, daß der Graf für unsere Fami— lie sich interessire, und daß sie sich um so eher zu der weiten Reise entschlos—- sen, weil sie mir dadurch näher gerückt sei. Morgen will ich ihr antworten. Sie wird sehr in Sorgen sein; denn dieser Brief ist anfangs Juni ge— schrieben, und wir haben jetzt Novem— ber.“ „Darf ich mich zu deinem Secretair anbieten?“ bat Hugo. „Das Schrei—- ben würde dich anstrengen.“ „Der Arm ist freilich noch unge lent“, lächelte Paul; „sollte es nicht gehen, so nehme ich dein Anerbieten mit Dank an. Doch wenn du er— laubst, will ich nun den Brief aus Ant— werpen lesen; die Schreiberin wird sich gewiß nach Nachricht sehnen.“ Während Paul mit erzwungener Ruhe seinem Freunde gegenüber saß und jetzt Ernestinens Brief entfaltete, blickte dieser hinaus in den stillen Frie— den des Klostergartens, auf den in goldig-rothem Schimmer erstrahlenden Dom; und obschon er sich über des Freundes Briefe herzlich freute, be— schlich ihn doch Wehmuth bei dem Ge— danken, daß ihm selbst noch kein lie bes Zeichen aus der Heimath zu Theil geworden. Hätte er ahnen können, welche Bitterkeit diese Kunde aus der Heimath in Paul's Herzen hervorge—- rufen! Wenn etwas im Stande war, die— selbe zu versüßen, vermochte dies der Brief der Frau Depee, den er in der Hand hielt. Jedes Wort athmete Liebe und Treue, jedes ermuthigte, warnte oder erhob ihn. „Doch“, hieß es jetzt, „zum Schlusse muß ich dir sa gen, wie es uns geht, lieber Paul. Gerade die alles in Bewegung setzende Zeit der Revolutionen und der Um— wälgungen ist für uns eine Zeit still— ster, tiefster Einkehr in uns selbst ge—- worden. In der Nacht, nachdem wie die erste Kunde von den Wiener Un— ruhen erhalten, bekam Depee einen heftigen Schlaganfall, der ihn noch im mer an's Bett fesselt. Du kannst dir um so lebhafter denken, wie er unter der Hülflosigkeit, der Unthätigkeit, zu der er seitdem verurtheilt ist, leidet, wenn ich dir sage, daß sein Geist un— getrübt und seine Fassungskraft die—- selbe geblieben. Vom Krankenzim— mer aus leitet er noch das ganze Ge— schäft; ich habe mich als Geheim--Sec retair daneben eingerichtet und werde auf meine alten Tage noch mit allen Geheimnissen der Kaufmannschaft ver traut. Jeden Morgen lese ich meinem Manne die angekommenen Briefe vor und, nachdem das Geschäft erledigt, die Zeitungen, die ja mich selber jetzt auch interessiren. Mit welchem Herz—- tlopfen ich allemal die Nachrichten vom italienischen Kriegsschauplatz nachsehe und dich dann stets von neuem Gottes Schutz empfehle, kannst du dir denken.“ Paul hielt hier inne und bedeckte seine Augen mit der Hand. Wie sie ihm das mittheilte! So kurz, so tapfer, kein Wort der Klage, kein Seufzer nach seiner Hülfe, seiner Gesellschaft. Und doch fühlte er. wie doppelt schwer sie dieselbe jetzt vermissen mußte. da. es gab noch gute, edele Menschen auf der Welt., die sein Streben, seine Gr— solge mit hoher Freude begrüßen wür— den. 2 2 1 777 77 a 7 „Du hast doch keine übeln Nachrich ten erhalten?“ HDiese in besorgtem Tone gesprochenen Worte des Freun— des brachten es Paul wieder zum Be— wußtsein, daß er nicht allein war, und wie er nun, aufblickend, dem treuen Auge Hugo's begegnete, fiel sejn rück sichtsloses Benehmen ihm schwer auf's Herz. „Herr Depee ist krank“, er— tlärte er, „morgen theile ich dir das Nähere mit. Erxzähle du mir jetzt von dir“ „Da ist nicht viel zu sagen; daß ich Fähnrich geworden, ist die Haupt—- sache. Im übrigen bin ich von mei nem Chef wohl gelitten, und so küßte ich nicht, was mir fehlen sollte, sobald du nur wieder genesen und aus diesen Mauern erlöst sein wirst.“ „Für jetzt befinde ich mich wohl da—- rin.“ „Einverstanden. Aber wenn du vollständig hergestellt bist „Nehmen mir Urlaub und reisen nach Innsbruck.“ „Oder nach Wien, je nachdem.“ „Richtig. Und dann, Hugo“, setzte Paul mit seltsamem Ernst hinzu, „tann ich dir vielleicht die Treue ver— gelten, die du mir jetzt beweisest, die Geduld, mit der du Launen eines Kranken erträgst.“ Hugo wollte et was entgegnen, aber Paul fuhr fort: „Um eines bitte ich dich noch. Du erwähntest eben eines Auftrages nach Verona. Solltest du hin müssen, ehe wir uns wiedersehen, bringe mir von dort die kleine Schatulle mit, die ich beim Pfarrer der Anastasia-Kirche vor unserm Ausmarsch niederlegte. Ich weiß, dir kann ich sie anvertrauen.“ Als Hugo sich entfernt hatte, griff Paul mit fieberhafter Hast nach den beiden Briefen aus Wien. Der er—- ste, den er erbrach, trug das Datum des 15. Juli und lautete folgenderma- Ben: „Es ist Ihnen wahrscheinlich be reits bekannt, daß Ihre Schwester sich in unserm Hause befindet. Ihr Wunsch, den Brüder wiederzusehen, wie auch andere Umstände, die ich Ih—- nen für's erste noch nicht mittheilen kann, veranlasfsen mich, Sie zu ersuchen, sich sobald als möglich einen Urlaub oder eine Versetzung nach Wien zu er—- wirken. Nöthigenfalls werde ich Ihr Gesuch unterstüützen. Lediglich der Wunsch, Ihnen und Ihrer Schwester nützlich zu sein, bestimmt mich zu die— sem Schreiben und läßt mit bitten, baldmöglichst Ihre Entschließung hier über, wie alles, was Ihre Verhältnis— se betrifft, zu erfahren. Ihr Rudolph Graf von Bergau.“ „Ein neues Räthsel“, grübelte Paul, nachdem er diesen Brief zwei, drei Mal üherblicktt. „Was weiß der Graf von uns? Daß wir die Kinder unserers Vaters. daß wir die unserer Mut-- ter sind? Das letztere ist wahrschein— licher“, setzte er nach langem Sinnen hinzu. „Die Kinder des Grafen Taura könnte er die an sich heran-- ziehen, für sie etwas thun wollen? Unmöglich. Aber die Kinder unserer Mutter ja, so ist es. Der Enkel Artbur von Elsen's hat Anspräche auf das Majorat von Taura, und Graf Vergau grollt dem Schwiegersohn... grollt ihm mit Recht, wie auch ich ihm mit Recht grolle.“ Ein finsterer Zug legte sich um die Brauen des jungen Soldaten. „Vielleicht will er den En— kel Arthur's dem Sohne Paul's von Elsen entgegenstellen? Ha, wenn es so wäre! Es könnte sein. die Ehe meiner Mutter ist ja so geheim, o, so klug geheim gehalten worden. Aber war sie auch das Kind, von welchem Maria Turamont spricht? da, sie war es gewiß; ihre Züge sind dieselben die jenes Bild trägt, welches sie als daẽ ihrer Mutter bezeichnet. O. mein armer Kopf! Hätte ich die Pa— piere hier! Koönnte ich die alte Ma deleine nur noch ein einziges Wort fra gen: wie oft hat sie mich angesehen und gesagt, ich gliche der Todten! Aber wer auf der Welt hätte einen Zusam— menhang zwischen iht und mir ahnen tonnen? Gott, Deine Wege sind wunderbar: Du hast der Armen durch den Enkel gelohnt, was sie einst ihrer verlassenen Herrin gethan; mich sel— ber hast Du durch Noth und Drangsal zuc Erkenntniß geführt, zum Rechten, zum Guten. Aber ziehe nun auch Deine Hand nicht von mir; halte, stü te mich, denn ich bin schwach und un— sicher.“ Mit mehr Fassung, wie er bisheran hatle erlangen können, las er nun auch den andern Brief. Er war von mili— tcirischer Kürze. „Herr Paul Rekamy, nach welchem wir schön früher geforscht, dessen be— stimmtes Standquartier wir aber erst auẽ der Liste der Verwundeten erse— hen, wolle gefälligst dem Unterzeichne— ten baldmöglichst seine nächsten Fa— milien-Beziehungen und. genaue Adresse mittheilen, damit ihm Eröff— nunger gemacht werden können, welche in jeder Hinsicht erfreulich und von weittragender Bedeutung für seine Zu—- kunft sind. von Pescheck, Josephsplatz, Wien.“ „Das ist der Freund meines Va— ters, don dem Hugo sprach. Gut, auch ibm werde ich schreiben. Ein Schleier narh dem andern sinkt; bald wird alles hell und kllar vor mir liegen, und dann dann will ich ein Mann sein und wie ein Mann handeln.“ TSchwester Alphonsa trat ein. „Die Sonne geht unter“, sagte sie; „ich will Sie zurückführen.“ Sie deutete bei den Worten nach dein Dom hin, dessen hunderz weiße Marmorspitzen und Säulchen, wie von bengalischem Feuer übergossen, von dem dunkelnden Fir— mament sich erhoben, während der Garten schon im Abendschatten lag. Einige Augenblicke sah der Jüngling still auf das herrliche, überwältigende Bild. Die Nonne hatte die Briefe zusammengelegt und gab sie ihm jetzt. Er bemerkte die Theilnahme in ihren Mienen und sagte, hinausdeutend: „Die Gegenwart ist dunkel, Sehwester. Aber mit Gott wird die Zukunft hell und groß und rein wie der zum Him— mel strebende Riesenbau dort. Beten Sie für mich, daß meine Wünsche, mein Streben sich erfüllen mögen.“ „Jeh werde beten, daß Sie stets uach Gottes Willen bandeln; dann werden Sie glücklich sein“, entgegnete die Schwester, ihn sorgsam auf sein Liminer geleitend. KAX A Neunzehntes Kapitel. Wieder war es Frühling geworden. Vom klaren blauen Himmel lachte die Sonne so heiter auf die Hauptstadt Oesterreichs nieder, als sehe sie nur ei tel Glüct und Freude da unten. Ino doch beschienen ihre Strahlen noch manches Zeichen der blutigen Octoter- Kömpfe und der maßlosen Ausschrei tungen, dir dabei verübt worden. Die Menschen, welche durch die Straßen eilten, waren nicht mehr die fröhlichen, ceichtletigen Wiener der frühern Tage. Nicht nur die halb zerstörten, ausge—- raubten Zeughäuser, die zerschossenen Mauern und Thore und so viele andere äußere Zeichen mahnten an die Greu el, deren Schauplatz die sonst so treuc Stadt geworden, manches Herz blutete aus tiefen Wunden, manches Herz bongte in schwerer Sorge. Aber auch manche schöne Hoffnung wäachte auf und blickte vertrauend zum Thron empor, von dem neuen Regiment bes sere Leiten für das noch immer he—- drohte Reich erwartend. In dem Cabinet des Generals von Pescect saßen drei Männer vor eiaein: mit Griefschaften Tisch in ernstem Gespräch beisammen. Es war der Hausherr mit seinem Freunde Taura und dessen Rentmeister Waltherr. „Du siehst, wie nöthig es war, daß du heriüberkamst“, sagte der General jetzt, die Papiere zusammensehieboend. „Das läßt sich mündlich doch besser überlegen, und mich fesselt der Dienst augenhblicllich noch sehr an die Stadr“ Graf Taura nickte nur zustimmend. Sein Augce haftete auf den Briefen. Er hatte sich sehr verändert seit Angeli:a's Tod. Das dunkele Haar war jtark ergraut, die hohe Gestalt gebeugt und die Gugen tief eingesunken. Aber vielteicht mehr als das alles veränderte ihn der schmerglich-wehmütthige Zug um Mund und Augen, der Peicheck bei seinkm Anblick tief ergriffen hatte. „Er schreibt sehr kurz und prceise, nan mertt ihm den Soldaten an“, sagte Taura jetzt und nahm wieder den letziten Vrief seines Sohnes, au den er schon mehr als ein Mal zurückge kem war. Der General betruchtete ihn fersckend. Er glaubte zu wissen, was der Freund immer wieder rerge bens aus dem Schreiben herauszucsen suchte: einen Funken kindlichen Getuh— les. einen Funten Freude über die glänzenden Aussichten, welche sich dem bi-her arm und allein Dastehenden pltzlich mitgetheilt, nach seinem Vaier kaum gefragt und der Sehwester gar nicht erwähnt. „Ich würde mich über den fast la konischen Geschäftsstil dieser Zeilen wundern“, wandte der General sich an den Grafen, „wenn nicht die Umstände, unter deren Einfluß der Brief abge faßt ist, diese Art und Weise erklär ten. Im Begriff, dem Feinde entge genzurücken, furcht!los dem Tode in's Auge blickend, hat er für die Güter der Erde die Schätzung verloren. Jetzt, nach überstandener Gefahr, werden sie einen ganz andern Werth für ihn ge— wiren. Aber laß uns jetzt von dei ner Tochter reden. Möchtest du sie nicht sehen? Hier bei mir ließe sich das ganz gut einrichten.“ Der Graf eine abwehrende Bewe— gung. „Nein, nein!“ rief er sast hef tig. „es geht nicht, ich bin noch nicht dazu im Stande. Und da alles so über Erwarten günstig sich gestaltet, will ich um so mehr an meinem ersten Plane festhalten, beide einander zuzu— führen. Sobald Paul den Tag seiner Antkunft bestimmen klann, lasse ich auch Dora kommen. Eines soll das an— dere beim Vater, in der neuen Heimath finden; diese Freude wird beiden Schloß Taura im ersten Augenblick lieb und vertraut machen. Aber Walther geht zu Vergaus; er hat et— was Geschäftliches dort zu besorgen und wird Dora zu sprechen suchen. Meine Schwiegereltern werden ihn die Difserenzen, welche zwischen uns lie— gen, nicht fühlen lassen. Abgesehen davon, daß sie selber sehr eingenom men von ihm sind, werden sie ihn schon um ihrer Tochter willen wie einen Freund aufnehmen. Er wird uns sagen, wie er Dora gefunden, viel— leicht auch, wie viel sie über ihre Ver— hältnisse weißz. Ich gebe Ihnen unumschränkte Vollmacht, lieber Walt— her, mit meiner Tochter zu redtn, wie Sie es für gut finden. Es wird ja alles davon abhängen, ob Sie Gelegen— heit finden, sie zu beobachten und sie zu beurtheilen.“ Eine Weile, nachdem der Verwalter sich entsernt hatte, saßzen die Freunde einander stumm gegenüber. Erst als der Wagen, der Walther zu Bergaus bringen sollte, davonrollte, athmete Graf Paul tief auf und reichte dem General über den Tisch die Hand. „Dantk, vielen Dank für alles, was du gethan hast“, sagte er. „Es war nur wenig, und ich war so glüctlich, raschen Erfolg zu haben. Welch ein Segen, daß der Junge so brav geworden, schon so tapfer für Oesterreich gefochten hat, gerade in dieser Zeit der Noth! Ich zweifelte jetzt keinen Augenblick mehr, daß man unter diesen Umseänden Paul höchsten Ortes als deinen vollberechtigten Nach—- folger im Majorat bestätigen wird.“ „Ja“, antwortete der Graf leise, „um seiner, nicht um der Verdienste seines Vaters willen. O Freund, dir kann ich mein ganzes Herz öffnen, seine Bitterkeit, seine Qual in deinem treuen Busen ausschütten. Hätte ich dir damals gefolgt, als du mich warn test, meiner Leidenschaft nachzugeben, hätte ich dir wenigstens das zweite Mal gefolgt und wäre den einmal übernom— menen Pflichten treu geblieben! Dora ist vor Gram gestorben, und der Schmerz, sich in mir getäuscht zu ha— ben, hat Angelica getödtet. Mehr wie je fühle ich die Haltlosiglsit, die Erbärmlichkeit meiner Sowhismen, da ich sie meinen Kindern gegenüber ver— treten soll. da sie mir beide als junge Leute entgegentneten, die sich bereits ohne den Schutz und die Hülfe ihres Vaters einen geachteten Platz in der Gesellschaft errungen haben. Das Beste, was dem Menschen werden kann, die innere Befriedigung, das Be— wußtsein des eigenen Werthes, besitzen sie schon; und ich, ihr Aater, habe dies verloren vor mir selbst und wie erst vor ihren reinen Augen!..... Laß mich“, fuhr er fort, da Pescheck sprechen wollte; „es ist die einzige Er—- leichterung für mein Herz, mich vor dir anzutlagen, dir wenigstens zu sagen, wie sehr ich meine Schuld erkenne, wie sie mir alles in Bitterkeit wandelt. Die Froude, meine Kinder wieder zu sehen, vergällt sie mir, wie die Freude an ih—- rer Tüchtigkeit. Höllenqualen fol—- terten mich in der bangen, schweren Zeit- ehe ich Paul's Außenthalt kann te; bei jedem Aufruhr, jeder Sehand that, die der Pöbel hier, die er an je—- dem andern Orte verübte, sah ich mit schauderndem Entsetzen meinen Sohn betheiligt, mein verstoßenes, verlorenes Kind. Nun ist er brab, ist ein tapfe— rer Soldat meines Kaisers geworden, hat die Lorbeeren ertämpft, die meine gebrochene Kraft, mein umflorter Sinn nicht mehr erstreben konnten— und ich muß die Augen niederschlagen vor dem eigenen Sohne. Und erst Dora, das zarte Mädchen! Während ich zaudere und schwanke, wohin mit ihr hat sie auch sehon selber gehandelt, hat eine Zuflucht gefunden, wo ich es am wenigsten wünschen konnte; man wird sie dort vielleicht mit Vorurthei—- len gegen ihren Vater erfüllen. Aber Windner sehrieb, als ihr Vormund es ihm mitgetheilt, habe er es nicht mehr ändern können, und zudem sei es ja kanm möglich, sür meine Tochter einen passendern Aufenthalt zu finden.“ „Vielleicht wendet auch dies sich zum Guten“, sagte der General, da Taura endlich eine Pause machte. „Du hast dich scharf gerichtet, du siehst klar, was du verloren; nun bedenke auch, was du noch besitzest, wovor du bewahrt geblieben. Die Zukunft deiner Kin— der wird glücklich sein, und in ihrem Glück wirst du wieder ä eben und vergessen, daß du nicht glücklich warst.“ Dora saß im Zimmer der Gräfin und sah eifrig die Zeitungen nach. Die, welche den Sieg von Novara ge— meldet, trug sie stets bei sich. Jett, da sie Nachricht von ihrem Bruder er— halten, konnte sie sich erst recht darüber freuen und jede Einzelheit des Be—- richtes sich vergegenwärtigen. Dora hatte sich, seit sie Waldingen verlas sen, geistig und körperlich sohr entwi—- delt. Ihre Gestalt war valler, die Züge waren bestimmter, ihre Hal— tung sicheror geworden. Der Aufent halt in Innsbruck, wohin der letzte Brief des Grafen Bergau sie berufen, hatte ungemein wohlthätig auf sie ge stärkt, und der ruhige Aufenthalt in der herrlichen Alpenwelt ihrem Ge— müth die sanfte Heiterkeit wiedergege— ben, die ithm von Natur eigen war. Das Verhältniß zu der Gräfin hatte sich, nachdem Dora ihre Schüchternheit der Dame gegenüber verloren, bald zu einer innigen Freundschaft gestaltet. Wenn sie auch weit entfernt war, dar—- Wünschen Sie Tapeten oder Moulding? Haben Sie Anstreicher-, Dekorations- oder Tapezier-Arbeiton zu be—- sorgen? Wenn so, dann sprechet bei uns vor. BRADFORD BROS.. VBeide Telephone. CARR, RYDER ADAMS cO,, Fabrilkanten von Thüren, Sash, Mouldings, Rahmen, Drechslerarbeit, und Lieseranten von 7 seinen harten Holzarten sür innere Ausstattung. Händler in allen Arten Glas, Hartholzsußboöden, Sereenthüren usw. e Schreibet um Preisangaben. 42 DUBUQUE, 10wA. aufß stolz zu sein, gab doch das Bewußt sein, der Gräfin kaum nachgzustehen, Dora einen Halt und erleichterte ihr den Umgang mit der vornehmen Frau. Diese indessen fand zu ihrer Ueber raschung so viel Verständnitßz und Theiluahme für ihren Schmerz, ein so tiefes Gemüth, ein so reiches See lenleben bei dem jungen Mädchen, daß seine Gesellschaft ihr bald unentbehr lich wirde. Auch Graf Bergau, welcher die Sommermonate ebenfalls in Inns bruek zubrachte, sühlte sich zu dem un—- gewöhnlich begabten und liebenswür digen Mädchen hingezogen und äußerte ost gegen seine Gemahlin: „Wenn der Bruder ihr nur halbwegs gleicht, dann geht alles gut.“ Erst seit einigen Wochen hatte er die Gräfin und Dora wieder nach Wien gebracht, und in ih rer Gesellschaft fing er an aufzule ben, sich von den Schrecken der vergan- genen Tage zu erholen und einer neue en, hoffnungsreichen Zeit zuzuwen-2“ den. 2 (Fortsetzung folgt): 2 A Sehuhe sür Frauen „dLeadiug Ladn“ Sehuhe sind in droi Worten ch rakteristert: Etegans, VBequemlihleit und Dau erhastinteit. Selten fin e imn ve t
A 0 r 7 1 0 0 Schuhe sind t und kleidsgm. Sie n wie ateian: und sitzen bequem beim ersten Tragon. Es gibt teurxere, aber keè-ne besseren Schuhe. Wenn Ihr Händler sie nicht igreiben Sie uns. en ie auf die Mayer Schutzmarte in der Sohle. Vir fabrizieren ebenfalls d berühmten „Maertha Wa shin ton“ Comfort-Schuhe, “Sp cial Merit“ Schul-Srhuhe „Honorbilt“ Schuhe für E.NMayer bootã MILWAUKEE, WS. J. Nelson. Thos. H. Duffy. John D. Denison, Jr. NELSON, DUFFY DENNISON, Deutsche Advolaten... 0— 205 Seeurith Building,Dubuque. Joma. County· Anwalt- Orñre. Käfrhandlung. Herr Alois 2-tt No. un w Du bugue, heret at stets eine vollständi wat einheimischer und imuortiet Wel vor -3 ig. Lee ungen worben prompt clorgt Breisliste wird auf VBorlangen gerne dugesandt. Lyon Lyon. Rechts- Anwälte. First Nattonal BantrGebäude, d. und Maẽn·Str. Dubuque, lowa. Hopkins Witty, luweliere unb. Optiker. 864 Main Street, DUBUQUE, lIOWA. 1169 Jowa Straße. h 1 ie 9 8-- oe- und Män- J 2 Khoelo. 2 2
4
Page 4
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 5
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 6
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 7
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 8
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 9
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.
Page 10
This page's text is still being fetched. See the page, or reload in a moment.