Luxemburger Gazette (Dubuque, Iowa)
January 28, 1908
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—A 3 Luzotbertr Earcette.
Organ sür die Euxemburger der Der. Staaten. r——— Ofsice: Ce der 6. und lowa-traße, Tubuque, Zowa. Ceren; Lenner, Nikelans Lennet, Ceschstsjührer. Redalteur. r e— PNur sütr Gesder, die ver reaistir m Briet, Voft Mor29 Order. Eryreß Vsw Crder cder Bantanweisung a· ndi wertn Lberneh en wu die 2erantivortliqteit
hPrretten« a aller Art merden eschmatdoll und au mäigen Preisen hergestelt (Speziell für diese Zeitung.) Ein kalholischer Gouverneur. —nsere tatholischen Poli— N tiker hier in den Vereinig ten Staaten sind vielfach in Prinzipiensachen eine Art „Seiltünstler“, welche bisweilen ge rade zu halsbrecherische Sprünge machen. Wenn man eben hierzu— lande bei unseren- nationatl uad xreligiör setr gemischten Wählern in allgemeiner Gunst stehen will, muß man in Stande sein, es nicht zu streng mit seinen tatholischen Anschauungen zu halten. Es ist eben Keine tleine Kunst im öffent— Uchen Leben nicht bei dem Einen oder den Andern in Sachen der Religion anzustoßen. Man hat daher in ernst— tatholischen Kreisen hierzulande im— mer „Hintergedanten“, wenn man hört, daß ein Katholik ein er— folareicher Polititker. in dem landläufigen Sinne des Wortes, gescholten wird. Katholiken, welche „Frbe betennen“, sind- selten die Lieblinge des großen, amerikanischen Publikums und deshalb bestehen gar Wenige der' sogenannten Polititer unseres Landes die Prüfung, wenn man ihnen in Bezug auf Prinzipien-- irenue „auf den Zahn fühlt“. In neuester Zeit ist es daher eine eigen-- artige Erscheinung, daß ein Katholit gum Gouverneur gewählt wird. Ueber die Thatsache, daß ein Katholiten ein hohes öffentliches Amt be— teidet, darüber freut sich ein Jeder und rechtlich-dentende Leute begrüßen —it ceuden, wennaus unseren Reihen dFemand es zu einem hohen Amte in der amerika ulschen Politik bringt. In dieser Hin— icht war es erfreulich, zu erfahren. daß in Nord-Dalota ein Katholit zum Gouverneur gewählt wurde. In einzelnen katholischen Blättern ;t Dieses gar sehr hervorgehoben worden. Ehre, wem Ehre gebührt! Aber cuch: „Noblesse obligel“ Wir haben das Recht als Mittatholiken von unse— ren katholischen Politikern zu erwarten, daß sie uns wenigstens teine Schande machen. Wir verdenken es einem in der amerika-- nischen Politit heraufgekommenen Glaubensgenossen nicht, wenn er „lug zuschweigen“ weiß. Ein Katholit in verantwortlicher Stellung sollte aber auch die Wichtigleit seiner Reden und seines Beispieles kennen. Wir haben es ja oft genug erlebt, wie so mancher katholische Politiker, um zu Amt und Würde zu gelangen, da geschwiegen hat, wo ein krästi— ges Manneswort vielleicht erwartet wurde. Wir haben auch ein Auge zu— gedrückt, wenn es so manchem größe—- ren und kleineren katholischen Amt- Inhaber an Charakterfestig— eit mangelte, um aus halb gehei— men, klirchlich nicht namentlich verbotenen Gesellschaften herauszu bleiben, weil es sich ja eben darum handelte, „Stimmen zu fangen“ und weil ein Polititer, der nicht Stimmen gewinnen kann, so ungefähr wie ein Schmied ohne Amboß ist. Deshalb haben wir auch gar Manches hinunter geschluckt. Glänzende Anerkennung für Mitchell, Präsident der Vereinigten Minenarbeiter. Indianapolis, Ind.,
In der gestrigen Nachmittags—- sitzung der Convention der Vereinigten Minenarbeiter hielt der Präsident Michell eine glänzende Rede, in der er ein Geldgeschenk der Grubenarbei— er von Wyoming und Montana ab— lehnte. Thomas Gibson, Präsident der Grubenarbeiter von Montana, kam mit einem Check von F 2,300 auf die Bühne und präsentiertée ihn Herrn Mitchell, wobei er sagte, daß noch Ueinere Summen vorhanden seien, die den Check auf $2,700 bringen würden. „Wir lommen nicht mit einem Liebesbecher“, sagte er, „aber wir halten es für unsere Pflicht, Zeugniß unserer Anerkennung für das abzulegen, was Präsident Mit— chell für uns gethan hat.“ Dann erhob sich Herr Mitchell, schien aber bei seiner Rede zusammen—- brechen zu wollen. „Meine Herren von der Convention“, sagte er, „und speziell die Vertreter von Montana und Wyoming. Ich kann Ihnen nicht aussprechen. wie ich diesen Ausdruck guten Willen und Vertrauens in mich anerkenne. Ich weiß nicht, was ich hun joll ich wünsche das Geld 2 2 I 27 E7— 7
Jür Nedt und Jahrgang 37. Ein bemerkenswerthes Exemplar eines katholischen Polititers ist der Gouverneur FJohn Burte von Nord— Datota. Bei Gelegenheit der „Memn— orial Services“ des geheimen Ordens der „Elts“, abgehalten zu Minot, N. D., hielt derselbe die „Lobrede“, in welcher er, gemäß der Zeitung „Ward County Independent“, am 1. Dezem— ber 1907, vor den versammelten „Elks“ erklärte: „Dieses ist die Mission des „VBe— nevolent and Protective Order of Ells“: die Todten zu achten, die Freundschaft zu fördern, das Heim zu schütren, Patriotismns zu lehren, Gott zu lieben, alle Religionen zu achten,! obschon dieser Verein keine Reli— gion lehrt. Unser Verein verlangt svon jedem Mitglied, daß er an Gott glaube, aber er kümmert sich weder um das Gewissen, noch um die Re— ligion eines Mannes. Er erkennt die große Wahrheit an, daß es viele Wege geben mag, die zu demselben Orte führen. Manche mögen leichter und sdiretter sein als andere. Manche mögen uneben und rauh sein, und manche mözen mit vielen Gefahren besetzt sein, aber. es ist besser Jeden sseinen eigenen Weg gehen zu lassen, sden Weg mit dem er bekannt ist, den Weg auf welchem er jeden Meilenstein kennt, den Weg welchen seine Mutter ihm gezeigt, als er in der Kindheit zu ihren Füßen tniete und sein Morgen— und Abendgebet lispelte. Es ist besser, daß ein deder seinen eigenen betann ten Weg gehe, damit er nicht verloren gehe, indem er einen neuen Weg sucht. Und der Mann, welcher die goldene Regel beobachtet, welcher sei nen Freunden und seiner Heimath streu, welcher Nächstenliebe ausüht, wie der Meister es that, und seine srechte Hand nicht wissen läßt, was seine linke thut, welcher sein Vater land und seinen Gott liebt, und seine leigene Religion treu und gewissenhaft befolgt, ein solcher Mann sollte doch uf irgend einem Wege ere Weise sicher sein.“ Das ist also mit anderen Worten klipp und klar erklärt, es komme nicht darauf an, welche Religion sein Mensch hat, solange er nur die goldene Regel beobachte! Bei etwas tiefer dentenden Katholiken und bei Leuten, welche nicht der landlöän figen Oberflächlichleit in religiösen Dingen huldigen, hat der Gou— jperneur von Nord-Datkota, mit sseiner obigen Rede, sich weder als sgebildeter Mensch noch viel sweniger als consequenter und sintelligenter Katholit und Christ große Bewunderung ver— schafft. Kurz gesagt. ist ein der— sartiges öffentliches Auftreten, für seinen Mann in der Stellung als Guverneur und Katholit wenig limponierend. Seine Worte in Minot ssind einfach leeres Phrasen— ettinge und der Inhalt des— selben zeiht ihn der Charakter— losigtkeit. Das mag bei einen omerikanischen Politifker nichts Neues sein, aber ehrenvoll ist es auch gewiß nicht. nicht. Wenn ich Sie bitten könnte, es zurückzunehmen und es denen zu ge— ben, die es geschickt hahen, und sicher sein könnte, daß sie wüßten, wie sehr ich ihr Vertrauen anerkenne, als ob sie mir so viele Millionen gegeben hätten wie sie Hände haben, ich würde besser darüber fühlen. Ich ziehe vor. daß Sie das Geld zurücknehmen, aber wenn Sie das nicht thun können, ohne die guten Leute, die es mir schicken, zu beleidigen dann schicken Sie es Frau Mitchell und lassen sie es be— nutzen, unsere Knaben zu erziehen.“ Der Check wird Frau Mitchell ge—- schickt werden. Regierung geht energisch gegen die Mädchenschacher vor. Washington, D. C., 20. Jan. Die Anstrengungen der Beamten des Einwanderungs-- Bureaus des De— vartements für Handel und Arbeit, den schändlichen Handel in Menschen—- fleisch zu unterdrücken, tragen gute Füchte. Fm Bundesgerichte zu Helena, Mont., sind mehrere Perso— nen überführt worden, Mädchen vom Auslande für unmoralische Zwecke im— portirt zu haben. Abhnliche Prozesse sind in anderen, Landestheilen im Gange. Seitdem Handelssekretär Straus am 26. Septe ber v. F. ein diesen sechändlichen Handel betreffen—- des Cirtular erlassen hat, war das Gechästssührer: Loren; Gonner. Einwanderungs- Bureau eifrig da— mit besca äftigt, unmoralische Frauens— personen zu deportiren und die, welche sich mit dein Import solcher befaßten, strafrechtlich zu verfolgen. Das Han— t ment ist entschlossen, dies lebel uf's Energischste zu bekämpfen. General-Anwalt Bouaparte wirkt in der Sache eng mit dem Handels-De— partement zus·mmen und geht seiner seits in allen derartigen Fällen schneidig vor. Graf v. Lynar ist schuldig und erhält fünfzehn Monate Zuchthaus. Das militärische Ehrengericht, wel— ches vom Kaiser Wilhelme eingesetzt worden war, um den General Grafen von Hohenau, den früheren Adjutan— ten des Kaisers und Commandeur des Gardekorps, und den Major Grafen Johannes von Lynar zu prozessieren, hat heute das Verhör abgeschlossen. Graf Lynar wurde schuldig befun— den, in sechs Fällen seine Autorität überschritten zu haben, und zwar be— zogen sich vier dieser Fälle auf Beleidi gung von Untergebenen. In fünf an— deren Fällen wurden dem Grafen per— verse Neigungen nachgewiesen. Er wurde zu fünfzehn Monaten Gefäng— niß verurtheilt. Graf von Hohenau wurde freigesprochen. Hohenau mußte vor einiger Zeit sein Commando in der Armee nieder— legen, weil er beschuldigt wurde, der Hoftkaarilla anzugehören, welche von Marimilian Harden, dem Heraus— geber „Der Zukunft“, aufgedectt wurde. Die Namen von Hohenau und Lynar spielten in dem kürzlichen HardenaMoltke Prozeß eine große Rolle. Der wüste Nadan der drntschen Sozia listen verursacht Tumult im Reichstag. Berlin. 24. Zan. Kangzler von Bülow weigerte sich in kategorischer Weise im Reichstage, auf die sozialdemokratische Interpel— lation bezüglich des Wahlrechts? in Preußen zu antworten. Dies führte einen ohrenbetäubenden Tumult unter den Mitgliedern dieser Partei herbei, während sämmtliche Minister den Saoal verließen. Die Debatte wurde dann vor halbleeren Bänken fortgesetzt. Es mwaren weitere Straßenunruhen erwartet worden, namentlich nach den Unruhen auf dem Schiffbauerdamm., und um für alle Fälle vorbereitet zu sein, war das VParlamentsgebäude schon vom frühen Morgen an von ei— ner starken Abtheilung Schutleute, die mit Säbeln und Revolvern bewaffnet waren, un geben. Ferner werden die Hauptstraßen Berlin's von Schutzleu ten zu Pferde und zu Fuß abpatrouil liert. Die Interpellation war sehr geschickt bgefaßt. Die Frage lautete: „Aus welchem Grunde hält der Reichskanz—- ler das direkte und gleiche Stimmrecht, vie es bereits für die Reichstagswah— len gewährt ist, für schädlich für die Interessen eines der Bundesstaaten?“ Früh am Tage herrschte Zweifel darüber, ob der Kanzler antworten werde oder nicht. dn der Regel sucht er Besprechungen preußischer Ange— legenheiten im Reichstage zu vermei— den, einige Mitglieder glaubten aber, werde vielleicht Dr. Bethmann— Hollweg, preußischer Staatsminister und Stantssekretär des Reichsamtes des Innern, bevollmächtigen, für ihn u antworten. Fürst von Bülow eröffnete die Neichstags-Verhandlungen mit einer Varnung gegen weitere Demonstra—- tionen, Fe wie er erklärte, nicht den zeringsten Eindruck auf die Regierung machten. Er drohte, während die So—- zialdemotraten ihn ironisch Beifall Aatschten, daß mit allen Führern und Organisatoren der Demonstrationen in scharfer Weise versahren werden würde. Der Reichskanzler zitterte fast vor Erregung. ais er von dem Terroris mus sprach, der nun seinen Einzug in die Reichshauptstadt geh-lten hobe. Erx bezeichnete die Straßendemonstratio nen als gefahrdrohend für das ganze Lond. Und er bliette direkt die So—- zialdemokraten an, als er ankündiate, d-ß die Organisatoren verantwortlich geholten werden würden. Dann nußte er ober einige Minuten pausieren, weil die Sorioldemotraten ein Hohngeläch ter anstimmten. Herr Fischer., Sozialdemotrat, be schuld gte in einer Rede die Polizei, doß sie in ganz gemeiner Weise Detek— tsbs benutzte, die sich unter die Demon—- stranten nischten, zu Rufen und Lie— dern anreaten und dadurch Ursache zum Ginschreiten ihrer Kameraden ga ben. Einer derselben, ein Mann Na— mens Kass be, der sich in dem Vnzuge hervorlhat, habe aber sür seine Verträ—- therei seine wohlverdiente Stease 2 uxen bur 2 Dubuque, Jowa, Dienst-z, den 28. Jannar 1908. —1 Potsdam, 25 Jan. 7 2 ——A 77 224 7 4
2 ẽ; halten. Er sei durch Säbelhiebe sei— ner Kameraden, die ihn nicht kannten, so schwer verletzt wrorden, daß er in einer Ambulanz nach Hause gefahren werden mußte. Herr Fischer forderte dieselben Rechte für öfsentliche De— monstrationen wie in anderen euro— päischen Ländern, und er sagte, die Sozialisten wären bereit, die Verant— wortung für die Straßendemonstratio—- nen zu übernehmen. Herr Kreth, conservativ, rief einen sgewaltigen Tumult unter den Sozial deiotraten herbor, als er behauptete. daß die Fuhrcer dieser Partei stets durch Abwescnhei: glänzten, wenn auf den Straßen Demonstrationen veran— staltet würden, nachdem sie die ande— ren dazu verleitet hätten. Sogar hätten sie den Leuten gerathen, ihre Frauen und Kinder mitzunehmen, um sie als Schutz gegen die Polizei zu be— nutzen. Als Herr Kerth fertig war. wurden ihm Worte wie „Vagäabund“, s„Verleumder“, „Lügner“, „Schuft“, sund „Heuchler“ entgegen geschleudert. Der Turmnult dauerte mehrere Mi— nuten. Dann sehritt Herr Bebel auf die Tribüne los- und sechrie Herrn Kreth zu: „Du miserabler Schuft“, swähcend Herr St-dthagen ihn einen gemeinen Vagabunden“ und einen „Polizeispion“ nannte. Der Präsident versuchte vergebens, Ruhe zu stiften. Unter den Rufen: „Herunter von der Tribüne“, schloß; Herr Kreth seine Bemerkungen mit der Aeußerung: „Ich schlge ein Zusammentreffen mit Herrn Stadthagen vor, bei dem die Polizei ñicht zugegen sein soll.“ Herr Traeger. ein Radikaler, prach zu Gunsten e Intekpellation und er— tlärte, er werde die Agitation f'r das allgemeine Wahlrecht in Preußen un— terstützen trotz der Drohung des Kanz lers. Da rre das allgemeine Bahlrecht Ksch Sozialisten in den Neichstog tommen würden, sei- lein Uebel, vielmehr sei es wünschenswerth, ras alle politischen Parteien vertreten seien. Fürst zu Hohenlohe Langenburg erging sich in Lobsprüchen der Haltung der Behörden während der Unruhen. Er erklärte, Deutschlgnd wolle politi sche Fragen nicht auf die Straße tra—- gen. wie dies in Amerita Sitte sei. Noch einige Reden folgten, und dann wurde die Debatte geschlossen. Fehlgeschlagrner soziolistischer Versuch der „Parade der Arbeitslosen“. Chicunao. 111.. 25. Zan: Ein von den Sozialisten organi— sierter Versuch, eine „Parade der Ar— beitslosen“ durch die Straßen des Ge— schäftsviertels von Chicago zu veran— stalten, führte am Donnerstag zu zwei scharfen Zusammenstößen mit der Po— lizei, wodurch die Paradelustigen zer— streut wurden, uachdem eine Anzahl von ihnen von den Polizisten, welche ihre Knüppel benützten, arg zugerichtet worden war. Dr. Benjamin L. Reit— manu, der Urheber des Planes, sowie zwei seiner Anhänger wurden ver haftet. Das deutsch amerikanische Zoll-Ab—- kommen führt im Senat zu hitziger Debatte. Washinagton. D. C 24. Jan. Präsident Roosevelt übermittelte am Mittwoch dem Senat und dem Re— präsentanten“ Haus Abschriften der Tarif-Regulationen welche vor einiger Zeit zwischen den Ver. Staaten und Deutschland abges lossen wurden. Zu— gleich schlug er ein Amendement zum gollgesetze vor, wonach dies als Sta—- tutengesetz in Kraft treten soll. Als die Botschaft vom Senat in Greeutiv—- Sitzung debattiert wurde, entstand eine htzge Distussion, nicht sowohl über den Inhalt der Botschrft als über die Fage ob dieselvbe in Exekutiv-Sitzung berathen werden solle, und ob der Prä— sident in dieser Sache die richtige Po—- litit befolgt habe. Scharfe Kritik gegen den Präsiden— ten wurde laut, sowohl über die Art und Weise, wie er die Verhandlungen führte, als auch über die U stände, unter denen der Vertrag im letzten dFuli veröffentlicht wurde. Es wurde ertlärt, daß durch diesen Vertrag Ge— setze abgeändert würden, daß er des— halb gleichbedeutend mit Gesetzgebung sei, und daß nach den VBestimmungen der Constitution alle Gesetzgebung im Congreß beantragt werden müsse. 3war lenkten einige die Aufmertsam— deit der Mitalieder auf die dritte Seltion des MeñKinley' schen Gesetzes, nach welchem der Präsident wahr— scheinlich zuentschuldigen sei, doch andere blieven dabei, daß er in diesem Falle weit die Machtbefugnisse über— schritten habe, welche dies Gesetz ihm gibt. Besonders wurde betont, daß der Präsident nicht nur die Unterhaud lungen über den Vectrag gngz auf egene Faut gesuhet hatte., hondecu 2 J j A— ã ʒ
4 4 ge7 4 E 5 2 2 3 ——s 3 7 2 7 2 3 1 2 daß er ihn auch in definitiver Form hatte veröffentlichen lassen, ohne ihn dem Senat zur Bestätigung vorzu— leggn. Dies schienen die Senatoren für besonders tadelnswerth zu halten. Man wies darauf hin, daß der deutsche Kaiser das Abtfomen nicht nur dem Reichstag unterbreitet hatte, ehe er es guth eß, sondern sogar die Meinung der lotalen und nationalen Handels— kammern eingefordert hatte. Aus diesem Grunde wurde die Beschuldi— gung erhoben. daß der Präsident sogar das Oberhuvt des deutschen Reiches an autotratischem Vorgehen übertreffe. Fn dem Vertrage selber wurde das Absthätzungs-System für ungerecht den Ver. Staaten gegenüber erklärt. Zwei große Brand-Katastrophen suchen VBaltimore, Md., und Port—- land, Me., heim. Baltimore, Md., 24. Fan. Ein heute zu früher Morgenstunde entstandenes Feuer brachte der hiesi— gen Feuerwehr sehwere Verluste, in dem drei ihrer Mitglieder getödtet und sechzehn andere nehr oder weniger schwer verletzt wurden. Der finanzielle Verlust wird von dem Mayor F. Barry Mahool, der früh auf dem Platze war, auf S4OO, 000 geschätzit. Das Feuer, das das schlimmste seit denm Unglück von 1904 ist, begann im dritten Flur des Ge— bäudes an der Südost Ecke von Holliday- und Saratoga-Straße, das von der J. Regester Sons Company, Plumber Utensilien, benutzt wird. Andere Benützer des Gebäudes waren die Baltimore Bell Braß Co. und die William L. Hollingsworth Co., Maschinenbauer. Diese drei Firmen haben die schwerstei Verluste erlit— ten. Das Feuer k itte augenschein—- lich schon längere Ze.tgebrannt, che es entdeekt wurde. Dem ersten Alarm folgte bald der General-Alam, so daß die meisten Löschapparate der Stadt eintrafen. Ein stacker Nordwestwind wehte und die außerordentlich niedere Temperatur machte die Arbeiten zum Löschen des Feuers schwerer als ge— wöhnlich, so daß sich die Flammen schnell ausbreiteten. Portland, Me., 24. Jan. Portland's Rathhaus, in welchem sich die meisten Departements der Stadt- und Countyh Verwaltung be— finden, und das Polizeigebäude, in denen das Strats Obergericht und andere Staats- und Stadtgerichte untergebracht sind, wurden heute durch eine Feuersbrunst total zer— stört. Zur Zeit als das Feuer ausbrach, fand im agroßen Rathhaus— saale eine Jubiläumssitzung der Pythiasritter des westlichen Theiles des Staates Maine statt, an welcher twva 700 Personen theilnahmen. Doch sowohl diese wie auch alle ande— ren in den beiden Gebäuden befind— lichen Personen konntensich unverletzt vetten. Dagegen trugen einige Feuer— wehrleute, darunter der Chef Mel— ville Eldridagae, schwere Verletzungen davon, ebenso erlitt ein Gefange ner schlimme Brandwunden. Der materielle Sch-den wird auf über $1,000,000 geschätzt. Unter den ver— brannten Doku enten und Akten be— finden sich solche, die über ein Jahr— hundert alt waren und für die Stadt von unberechenbarem Werthe waren, ja unersetzlich sind. Die in den Ge— »ölben des Stadtschatzamtes befind lchen Gelder und Steuerbücher ürften gerettet sein. Die „Armada“ verläüßt Rio de Janeiro. Rio de JFaneiro, 23. Jan. Die amerikanischen Schlachtschiffe fuhren am Mittiwoch Nachmittag von Rio de Janeiro weiter. Das nächste Ziel ist Punta Arenas in der Straße von Magellan. Hier hofft man in sehn Taren einzutreffen, und damit ist ungefähr die Hälfte des Weges, der 14,000 Meilen beträgt, zurückgelegt worden. Der Abschied brachte ein vrächtiges Schauspiel, und mit den besten Wünschen der ganzen brasilia— nischen Nation wachten sich die sech— zehn Schlachtschiffe auf den Weg. In Rio de Janeiro ist kein einziger ernsterer Zwischenfall zu verzeichnen gewesen. Offiziere und Mannschaf e wurden von der gesammten Be— völ'erung auf das Freundlichste be—- wirthet, und fast die ganze Stadt war am Mittwoch bereits früh auf den Beinen, um den Scheidenden den Ab— schiedsgruß zu entbieten. Der deutsche Kreuzer „Bremen“, welcher seit einiger Zeit im Hafen von Rio de Zaneiro weilte, und der kürz— lich Ordres belam, zu bleiben, bis die Flotte abfäührt, damit die deutschen Offiziere bessere Gelegenheit zu Be— ob-chtingen haben,verließ den Hasen zuleich mit den ameritanischen Schla tschiffen. Nach den Bercechnaugen sollte die vte RVedaktenr: Rißolaus Gonner. Flotte am 1. Februar in Punta Are—- nas eintreffen, dem südlichisten Hasfen der Erde. Auf diesem Theil des Weges besindet sich die gefähelichste Stelle, nämlich der östliche Eiügang zu der Straße von Magellan. Die Floite wird das beste Wetter haben, da dies der So mer der südlichen Hemis— vhäre ist. Verfrühter Stagtostreieh in Portugal im Keime erstict. Lifsabon, 25. Jan. Ein Complott, die Monarchie zu stürzen und Portugal zu einer Re— publit zu machen, wurde letzte Nacht sdurch das prompte Eingreifen der Re— sgierung im Keime erstickt. Die Ver— schwörung wurde von einem kleinen Haufen fortschrittlicher Republilaner sgepl -nt. So weit man in Erfahrung bringen kann, ging der Plan dahin, sden Premierminister Franco zu er— morden und dann mit Hilfe vrn Bom— ben und Revolvern einen Straßenauf—- ruhr in Szene zu setzez. Die Verschwörer N ichtigten, die verschiedenen Festlichkeiten, welche im Gange sind, zur Ausführung ihres Ttaatsstreiches zu benutzen. Die könig liche Familie besand sich in der Villa Vicosa, wo der Herzog der Abruzzen als Gast weilte. Die mei— sten Armoe- und Ftlottenoffiziere wohnten einer Galavorstellung im Theater bei, während viele Strats— würdenträger sich auf einem Gesandt— schafteball befanden. Die Polizei erfuhr schon am frühen Abend von den Complott und drang in ein Hrus ein, in welchem die Füh— rer des Aufstandes eine Conferenz ab hielten. Als sie die Dhüren erbrachen, wurden die Lichter ausgedreht, und in der folgenden Verwirrung-gelang es den meisten Verschwöreru, ihre Flucht zu bewerkstelligen. Ginige von ihnen wurden jedoch eingefangen/ darunter auch der Führer Joaos Chagras, ein republikanischer' Journalist. welcher sich in der republikanischen Revolte im Fahre 1891 hervorthat, Franca Bor— ger, Herausgeber von O'Mundo, und sein Kaufmann Namens Crendella. Eine Kiste mit Revolvern und Bom— ben wurde im Keller gefunden. Ein General-Alarm wurde sofort abgegeben. Eine Schwadrou Kavnl— lerie umringte die Wohnung des Pre— miers Frnceo, und die Nacht perlief ohne weitere Zwischenfälle. Da die Polizei die Ginzelheiten des Complottes tennt, werden noch weitere Verhaftungen erwartet. Premier Franco hat eine strenge Zensur ange— ordnet, da it Einzelheiten über die net dan im Auslande nicht be— tennt werden. Keine Meldungen über tzunt rerven außerhalb von Lissa— sbhon sind eingetroffn. Der frxiedliche n der Republikoaner, an dessen Spitze Bernadino Machado steht, hot sangenscheinlich mit der Angelegenheit lnichls zu thun. Das Regierungsorgan Diorio llu—- strado bringt heute Morgen eine War— snung an die Agitatoren. in denen ihnen erklärt wird, daß sie als Ver— brecher und Feinde der Gesellschaft be— strachtet werden würden, wenn sie wei— ster agitieren würden.
50,000,000 Dollars für den Bau von Inland-Kanälen. Washington. D. C 25. Zan. öln der heutigen Sitzung des „Na— tional Board of Trede“ wurde ein— stimmig ein Beschluß-Antrag ange— nommen, durch welchen der Congreß aufgefordert wird, jährlich $50,000, 000 zum Bau von dönland-Kanälen und zur Correttion der schiffbaren Flüsse inm Lande zu bewilligen und zu diesem Zweckte ein neues Regie—- rungs-Departement zu schaffen.
Schlimme Besürchtungen. Rom. 24. dan. „La Correspondenza Romana“, ein Organ des Vatikans, erklärt heute, doß die für das näechste dFahr beabsichtigt- Zurückziehung der ameritanischen Truppen aus Cuba hier einen schlim men Eindruck gemacht habe. Das Blatt prophezeit die alsbaldige GEr— neuerung des Bürgerkrieges, die mit Rücksicht auf die große Erregbarteit gewisser Berölkerungs Elemente in Cuba unausbleiblich sein würde.
William I. Bryan's Rundreise. Lincoln, Nebr., 21. dan. William d. Bryan vegann gestern eine längere Reise, welche ihn über Chicago, Covington, Ky.. Nashville, Birmingham und Washington führen und einén Monat in Anspruch nehimen wird. In Washington gedenkt Herr Bryan den Bantett des Gridiron—- Clubs beizuwohnen, sodann wird er sich über Philadelphia, einige Slädte No. 1905. Die. h 2tt Luxemburger Uazetie erscheint jeden Dienstag und toster unter Vorausbezalaung iür die Ver. Staaten und Canada: Jãhrlih 22 a 0 Halbjährlih 81.00 Nach Earopa vortosrei (mũsjen vor ausbezahlt wer en): Jährlich 2 e 0 Halbiahrlich 51.50
Corresvondenzen nd Mtthetsun ten mñsen spätetens is Samat-g Norgen. wenn sie in der nächsten Nnmer At— nahme nden sollen, einzesandt werdeu. Vriefe oune Unterschritt weroen nicht berüctũctigt.
Alle Briefe, Correspondenzen u. s. w. adresire man einfach: 11 tnt; t:: Oi ii Dutuque, lowa. in Delarare und New dJersey. nach New Hort und Toronto begeben. Bahnunglück in Indiana. Corridon Funetion,. 2 Die Lokomotive eines Frachtzuges sder Southern Railway jtürzte am Sonnag Nachmittag von einer Pfahl brücke in der, Nähe von Corridan June tion, Ind., qus einer Höhe von neunzig Fuß herab. Sie überschlüg sich in der Luft und zog zwei Frachtwaggons und einen Kohlenwagen mit sich Drei Tremser wurden getödtet, während die ührgen Mitglieder des Zugpersonals schwere Verletzungen erlitten. Zwan gig Minuten ehe das Unglüct sich er eignete, war ein langer Personenzug auf dem sich viele Ansflügler befanden, über die Kfahlbrücke gefahren. ʒ
Der frühere General Postmeiste Smith gestorben. Philadelphia, Pa., 20. Fan. In seiner hiesigen Wohnung ist ge— stern plötlich der frühere amerikani— iche Gesandte in Rußland und später— General--Postmeister Charles Emort Smith amn Herzschlage gestorben. Durch Anrahme der Polenvorlage er hält die Regi rung das „Necht“ ʒ 70,000 Hettare Land zu enteignen. Berlin, 21. zan. Die Polen-Vorlage ist im preußi schen Abgeordneten-Hause in zweiler Lesung angenommen worden. Da durch erhält die Regierung das „Recht“, in den Provingen Losen und Westpreußen bis zu 70,000 Heltr die Enteignung vorzunehmen. Conser bat ve, Freiconservative und Nnona liberale stim ten für die Maßreg Lin der jetzigen Fassung,. die übrigen Fraktionen dagegen. Der Conserba t ve Dr. Heydebrand ertlärte, er ver hehle sich die schweren Bedenten nicht, welche gegen eine Enteignung fprächen, und sloß twie folat: „Ueber der hei ligkeit des Privateigenthums steht das öffentliche Recht der Gxistenz. Ae E. teignung ist eine schwere Waffe. Möge sie mit Vorsicht gebraucht wer 2 den! Möchten aber auch die Polen ihre Träume anfgeben und ohne Vor 2 behalt Diener Preußen's werden!“ Fürsjt Bülow unterstützte kurz die Bestimmnungen der Vorlage und sagte, er verhehle sich ebenfalls nicht die schweren Bedenten, die gegen den ge vlanten Schritt geltend gemacht wür den. Die KRegierung habe alle ande ren Möglichleiten in Erwägung ge-2 zogen, ehe sie den folgeschweren Ent schluß gefaßt habe. Aoer dies sei die „ultima ratio“. (Also die „ullima ratio“ gipfelt in dem Satze, daß eben „absolute Rechte ihre Grenzen in den Staatsnothwen gleiten finden fönnea“, und wie man hier sieht. finden. Sehr gut in der That. Aber wo bleibt da die „per· sönliche Freiheit“ Und können nicht ruf die Weise auch die Sozialisten das Privoteigenthum aufheben und dent Staate übergeben., eben aus Staatsnothwendigteit?!! Gangz na türlich. Aber und darin liegt der Fluch der voösen That wenn der Colleẽtivismus irgendwann und wo zur WVirtlichteit werden sollte (Anzeichen Ind ja genug da, so wird daran die Untergrbung des „positiven Rechtes“ ʒ urch den politis hen Liberalismus im 7 rassen Uebermasse die Schuld tragen Anm. der Red.) 2 Dr. Kar! Lueger schwer trank. Wien. 21. van Oberbürgermeister Dr. Karl Lue ger hat einen Rückfall „erlitten und liegt gegenwärtig sechwer krant dar ieder. Sein Zustand flößt die ernste sten Besorgnisse ein. Seitdem Lueger etztes Jahr vorzeigtig aus dent Sü den zurücktehrte und die Kur unter vbrach, um in den Reichsraths-Wahle nnvpf einzugreifen, ist er nie wieder witelfest gewesen. Feuer in einer katholischen Kirche. Evansville, Ind., 21. dan. In der St. Marien-Kirche hier ent- and am Sonntag Feuer. Father hem s Egan erlitt Brandwunden an der rechten Hand bei de Versuch. den celch vom Altar zu retten, und Father atrick Henessey wurde zwei Mal vom lauch übermannt, als er versuchte, sewändec und andere Werthgegen ände in Sicherheit zu bringen. n euer richtete einen Schaden von 10,- 000 an. a Das ist ein verlassenes Herg. in dem der Gedanke an Gott leinen er muthigenden Ruheplatz findet.
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M e 3: „Dort ist's!“ rief Homer, und deu— tnnerente tete mit der Peitsche auf ein kolossales inmitten hochgewachsener Magnolien sich erhob. Einst war es ein kleines Eden gewe— sen, nun bot es einen trostlosen An— blick. Im Laufe der Zeit war der Kalkanwurf von den Wänden abgebrö— ckelt, die Fenster im unteren Stockwerk waren alle eingeschlagen, da und dort fehlte eine Türe gänglich und die halb losgerissenen Läden schwankten in den Nach dem amerikanischen Or (Fortsetzung.) „Dafür mußzt Du mich sorgen las—- sen“, unterbrach sie Großmama hastig, „ich habe Geld auf der Bank, das ur— sprunglich für Amalie bestimmt war, da ne nun aber sich glänzend verhei— ratet, braucht sie es nicht.“ Das Floridaprojekt fand Graziellas Beifall, und da sie keinen Begriff hat—- te, in welch ruinösem Zustande das Gebäude sich befand und welch große Schwierigleiten überwunden werden mußten, bevor es einigermaßen be— wohnbar wurde, wollte sie sofort dahin abreisen. Carola sträubte sich mit aller Macht dagegen; ihrem Wunsche gemäß sollte Yella auf dem Ulmenhof bleiben und gleichheitlich mit ihr des Vaters Hin— terlassenschaft teilen. Hella aber wollte nichts davon wis— sen. Vielleicht würde sie einmal ihre Gesinnung ändern, vorläufig aber wollte sie fort um jeden Preis, und da Magnolia Park für Cärola wertlos sei, wäre sie ihr dafür dankbar und würoe sich dort niederlassen. Ursprünglich war Magnolia Park eine große Plantage mit wenigstens hundert Negerstklaven gewesen, durch den Sezessionskrieg wurde es zu Grun— de gerichtet, gelegentlich verpachtet und befand sich gegenwärtig in völlig un— bewohnten Zustande, niemand in Mer— rivale aber vermochte zu sagen, ob das Gebäude überhaupt noch bewohn— bar war oder nicht. Das Resultat langer Beratungen war, daß Graziella sich mit Pierre und der Mulattin Axie nach Florida bege—- ben würde. Axie war Mrs. Fergu— sons langjährige Dienerin, sie war treu und verlässig und besaß Willen und Fähigkeit, beinahe jede Schwierig—- teit zu überwinden. Ver Vorschlag, Arie dem jungen Mädchen mitzugeben, war von Groß— mama selbst ausgegangen, und die Die— ner freute sich der Abwechslung in ihrem monotonen Dasein. Die letzte Woche im Februar war für Graziellas Abreise bestimmt. Am Tage vorher hielt die Hether— thon'sche Equipage vor der Cottage, die Mrs. La Rue nun allein bewohnte. Yella stieg aus, trat unangemeldet ein und verweilte etwa eine halbe Stunde. Ueber diese Zusammenkunft ver— lautete nichts, als Carola aber Yella auf den Bahnhof begleitete und am Rückwege Mrs. La Rue mitteilte, daß sie nun abgereist wäre, sprach diese mit zuckenden Lippen und bebender Stimme: „Sie hat mich getüßt und mich Mut— ter genannt.“ X K Fünfundvierzigstes Kapitel. Magnolia-Partkt. Dreißig Jahre vor Beginn unserer Erzählung war Magnolia-Park eine der schönsten Besitzungen Floridas ge— wesen. Mrs. Hetherthon hatte stets einen Theil des Winters in ihrer alten Heimat zugebracht, nach ihrem Tode aber trug niemand mehr Sorge, das Haus in bewohnbarem Zustande zu er— halten. Es begann in Verfall zu ge— raten, und als den Krieg wie ein ver— heerender Feuerbrand über den Süden sich wälzte, blieb es unbeschützt und verlassen. Nur ein altes Negerpaar, Onkel Sam und sein Weib Tante Judyh, lebten in der weißgetünchten Hütle in den Anlagen und liehen den Gerüchten über die Emanzipation der Schwarzen kein williges Ohr. Sie hätten so viel Freiheit, als sie wünsch—- ten, meinten sie, verlangten nur, in Ruhe gelassen zu werden und auf dem alten Platz in Frieden zu sterben. So blieben sie und taten ihr möglichstes, das Haus zu beschützen, das zweimal als eine Art Gasthof von den Soldaten benutzt wurde, die plündernd und brandschatzend das Land von einem Ende zum anderen durchzogen. Volle vierundziwanzig Stunden la— gerten die Blauen dort und schleppten von der kostbaren Einrichtung mit fort. was nur einigermaßen transportabel war, eine Woche später überfiel eine Abteilung der Grauen das Haus, brachte eine Nacht dort zu, nährte sich von Judys Kornkuchen und geräucher tem Speck, schlachtete Onlel Sams fet— ten Truthahn und verwandelte die prächtigen Räume in eine Kaserne. Cine solch großartige Plünderung, wie ihre Vorgänger, unterließen sie aus dem einfachen Grunde, weil außer den massiven Möbeln wenig oder nichts mehr zu stehlen übrig geblieben war. Gewitigt durch die Erfahrung der jüngsten Vergangenheit gruben Sam uad Zudn neben ihrer Hütte ein tie— fes Loch, stappelten „darin alle Wert— sachen auf, stampfsten es fest und er— bauten über dem Blatze ein primiti— ves Hühnerhaus, in dem mütterlich ge sinate Hennen ihre Küchlein ausbrüte— ten. Von nun an war das alte Negerpaar verhältnißmäßig wenig Belästigungen ginale. Von L. d. v. B. ausgesetzt, bis der Krieg beendet war und Ruhe und Frieden in Florida wie—- der herrschten. Als Mrx. Beresford die Verwaltung der Hetherthon'schen Güter übernahm, schlug er Mr. Hetherthon vor, den Be— sitz in Florida zu verkaufen. Dieser war nicht damit einverstan den. Magnolia Park war die Hei— mat seiner Mutter, er selbst hatte als Kind dort glückliche Tage verlebt, seine Verhältnisse gestatteten ihm, es zu be— halten, und er wies seinen Sachver— walter an, dies Gut womöglich zu ver— pachten, falls sich hierzu aber keine Ge— legenheit zeigte, es einfach gehen zu lassen. Als Graziella den bezüglichen Ent— schluß faßte, waren einzelne Grund— stücke des Besitzes verpachtet, und Mrx. VBeresford schrieb an den Pächter und ersuchte ihn, einige Zimmer für die junge Dame in Stand setzen lassen zu wollen. Der Brief gelangte nicht an seine Adresse und Graziellas unerwar— tete Ankunft rief in Onkel Sams Hütte die größte Bestürzung hervor. Graziella war Tag und Nacht ge— reist, bis sie Thomasville erreichte, wo sie sich ein paar Tage Ruhe gönnte. Die schöne Fremde mit ihren auf fallenden Begleitern erregte Aufsehen in dem dortigen Hotel, und man war begierig, näheres über sie zu erfahren. Aus Axie war nichts herauszubrin— gen, als daß die junge Dame eine Miß Hetherthon aus Merrivale sei, die ih— res Vaters Plantage in Florida besu—- chen wolle, während Pierre Zuflucht zu seiner end nahm und nie ein englisches Wort verlauten ließ. Feden anderen Tag wurde die Post von Tallahassee nach Thomasville in einem offenen, unbequemen Wägel— chen gebracht, das war die einzige Ver bindung zwischen beiden Städten. Es war eine lange, exmüdende Rei— se, für Graziella aber sehr interessant da ihr Land und Leute neu waren. Als sie Merrivale verlassen, schau ten die Hügel blendend weiß ins Tal und die ganze Natur lag in des Win— ters eisigen Fesseln. In Florida aber lag Sonnengold auf Halm und Blatt, warme Frühlingslüfte wehten und trugen den berauschenden Duft des gelben Fasmins mit sich. Tau sende von Rosen rankten wuchernd an den Hecken empor und leise neigten sich ihre zierlichen Köpschen über den Re— ben, die sie liebend zu empfangen schie—- nen, während da und dort eine schlanke Magolie mit dunkelgrünen, wachsar— tigen Blättern über den Weg ragte. Graziella geriet bei jeder Biegung der Straße in Entzücken, vergaß mo— mentan ihren Kummer und plauderte fortwährend mit dem Kutscher, einem jungen Mulatten, dessen Lebensge— schichte zu erfahren ihr wenig Mühe lostete. Er rühmte sich, daß von den Hun— dert Negern auf der Plantage, wo er geboren, sein Vater der einzige gewe— sen sei, der nicht Reißaus nahm, als die Yankees kamen und die neue Frei— heit verkündeten. 5 „Er wär zwar auch für sein Leben gern gegangen“, fügte er bei, „um sich die vielgepriesene Freiheit in der Nähe zu beschauen, aber er wollte die kranke Herrin nicht verlassen und so blieb er mit mir und der Mutter und ist heuti— gen Tages noch dort. Meine Mutter gehörte freilich zu einem anderen Ge— schlecht, zu den alten Marsall'schen Gütern, die nun heruntergekommen und herrenlos sind.“ „Sprichst Du von Magnolia Part?“ fragte Hella schnell. „Freilich nennen sie's Magnolia Part, aber es ist eher ein Sumpf als ein Park mit all' dem Wirrsal von Unkraut, das höher ist als Sie. Ein großmächtiges Haus mit einem Haufen Zimmer, in denen es aussieht wie in einem Stall, lauter eingeschlagene Fenster und die Türen alle aus dem Angel gebrochen. Meine Großeltern lebten dort seit ihrer Geburt und bil— den sich schrecklich viel ein auf das alte Nest.“ „dlch bin im Begriffe, nach Magno—- lia-Park zu gehen“, sprach Yella, „ich bin Miß Hetherthon, die Enkelin je— ner Miß Hilda Marsall, die einst einen Mr. Hetherthon heiratete.“ „Wirklich!“ rief der Mulatte, der sich des stolzen Namens Homer erfreu te und zeigte eine Reihe blendend wei— ßer Zähne, „wissen Sie's denn Großvater und Großmntter? Ich war erst gestern dort und sie sagten kein Wort. Die werden schön erschrecken.“ „Leben Deine Eltern in M Pactr- ern in Magnolia „Freilich; sie wurden dort geboren und erzogen, als der alte Mr. Marsall noch lebte und blieben dort hängen wie die Kletten, als der Krieg aus— brach.“ Der Tag fing an sich zu neigen und die sinkende Sonne goß eine Flut gol— dener Lichter über die Erde, als sie die Landstraße verließen, um einen Sei— tenweg einzuschlagen, der nach Megno—- lia-Part führte. i Angeln oder schautelten im Winde. Unwillkürlich strecktte Gella die Hand nach Axie aus. „Vielleicht ist's inwendig schöner“, sprach diese ermunternd, „jedenfalls aber ist es bald in Ordnung gebracht und die Lage ist wunderbar.“ Durch das Rollen der Räder ange— zogen, stürzten ihnen vier Hunde mit wildem Gebell entgegen, sodaß Hella vor Schrecken erbleichte. Als die Meute aber Homer erblickte, verwandelte sich ihr Gebell in freudiges Gewinsel, das Ontel Sam und Judyh vor die Türe der Hütte lockte. „Wers wohl sein mag?“ fragten sie sich erstaunt und als Yella ausstieg und sich als Miß Hetherthon vorstellte, tannte ihre Bestürzung keine Grenzen. „Seien Sie willkommen, Miß!“ rief Judh und knixte untertänig, bei sich aber dachte sie: „Herr meines Lebens was fange ich mit ihr an, und wo soll ich sie unterbringen? 's ist im ganzen Hause nicht ein Zimmer, wo ich auch nur einen Neger über Nacht behalten könnte.“ Traurig blickte Hella um sich. „Ist denn das Schreiben, welrhes mein Kommen anzeigte, nicht ange— langt?“ „Nein Herzenskind; ja, wenn ich's gewußt hätte, daß Sie kommen, hätte die alte Judy schon was gerichtet. Nun aber kann ich Sie nur in meine Hütte führen.“ „JFa, tue das; ich bin müde.“ Tante Judy geleitete Graziella in ihr Häuschen, das so rein und sauber gehalten war, daß sich das junge Mäd— chen sofort behaglich fühlte. In Frantkreich erzogen, teilte sie nicht die amerikanischen Vorurteile gegen die afrikanische Rasse und aß die heißen Pfannkuchen, die Tante Judyh ihr buck und trant ihren Kaffee aus Judy's Tasse mit eben solch gutem Appetit, als ob sie im ersten Hotel der Welt speiste. Auf dem niederen Küchentische wurde ein bequemes reinliches Lager für Gra— ziella bereitet, und sie schlief prächtig, bis die Sonne goldig durchs Fenster schien. Während der Nacht hatte das alte Negerpaar im Herrenhause tüchtig ge— arbeitet und ein kleines, freundliches Gemach in Stand gesetzt. Sie hatten es von Schutt und Spinnweben gereinigt, getkehrt und gescheuert, bis alles blank und sauber war. Freilich waren keine Fensterscheiben vorhanden,' bei dem herrlichen Wetter aber waren sie auch leicht zu entbehren, denn die Luft kam lau und würzig und erfüllte das Zimmer mit dem Dufte der Orangen— blüten. Der riesige Feuerplatz war bvoll Rosen und Magnolien, während Jas— min sich um den Kamin rankte und dem ganzen Gemache einen malerischen Anhauch verlieh. Onkel Sam hatte die Grube unter dem Hühnerstall geöffnet, und einige daraus entnommene Gegenstände schmückten das improvisierte neue Heim. Am Fenster stand Tante Zu— dys bequemer Lehnstuhl und ein klei— nes gedeckttes Tischchen. Diese wei— ße, blaugeränderte Decke, welche Tan— te Judy aus dem Ertrag ihres Hüh— nerhofes sich angeschafft, war ihr größ— tes Kleinod, das sie selbst noch nie ge— braucht hatte. Für Hella aber gab sie dieselbe bereitwillig her, aus Liebe noch für deren Großmutter, Miß Hilda Marsall, die, wie sie mit Stolz behaup—- tete, das schönste Mädchen in ganz Tellahassee gewesen. „O, wie reizend“, rief PHella, als sie das Zimmer betrat, in dem Feen— hände gewaltet zu haben schienen. Nach dem Frühstück nahm sie das Haus in Augenschein und gelangte zu der Neberzeugung, daß sie eine zeitlang anderswo wohnen müßte. Zimter und Möbel waren genug vorhanden, aber alles trug den Stempel des Ver— falls und in den lange nicht gelüfteten Gemächern roch es widerlich nach Schimmel und Moder. „Gehen Sie doch nach Jacksonvil— le“, riet Tante Fudy, „dort gibt's vor— nehme Gasthäuser und eine Menge Herrenleute aus dem Norden. Jack— sonville ist eine großmächtige Stadt größer, glaub' ich, als New-Yort.“ Der Rath fand Graziella's Beifall, und sie entschloß sich, nach Jackson— ville zu gehen, bis in Magnolia-Park das nötigste in Stand gesetzt sein würde. A A A Sechundvierzigstes Kapitel. Für Gäste aus dem Norden war die Saison schon weit vorgerückt, dennoch waren die Hotels noch überfüllt, als Graziella von Tallahassee in Jackson— ville ankam. Mit Mühe erhielt sie im Hotel St. James, an das sie von einer Dame, deren Besitz an Magnolia-Partk grenz—- te, empfohlen worden war, ein gim— mer im dritten Stocke. Das Leben im Jlm Hotel. Gazette, Dienstas, den 28. Hanuar 1908. Hotel war ihr vollständig neu und sie selbst erregte Aufmerksamkeit. Ihr Gehen und Kommen blieb nie unbemerkt, wenn sie im Vestibüle oder Speisezimmer erschien. Viele suchten ihren Namen aus der Fremdenliste zu erfahren. „Miß Hetherthon aus Merrivale, Massachusetts“ aber sagte nicht viel, und man suchte Pierre auszuforschen. Dieser aber hielt es für angemessen, keine Silbe englisch zu verstehen und sprach so schnell in seiner Mutterspra— che, daß die Damen ihn erschrocten ste— hen ließen. Axie erklärte, Miß He— therthon sei eine Französin, die bis vor kurzem in Paris gelebt. Magnolia— Park gehöre zu den Besitzungen der Fa— milie, und die junge Dame beabsichtig-- te, aus Gesundheitsrüctsichten sich dort aufzuhalten; bis im Herrenhause aber die nötigen Reparaturen erfolgt seien, würde sie in Jacksonville bleiben. Diese Ertlärung lautete völlig glaubwürdig, und die Gesellschaft kam Yella freund— lich entgegen. „Wüßten sie nur, wer und was ich bin!“ sagte sich das junge Mädchen bei jedem freundlichen Entgegenkommen; ein bitteres Gefühl quälte sie unab— lässig und schien düstere Schatten über sie zu bereiten, so daß sie vor allem zurückschrecktte, deren freundliche Ge— sinnung von großem Nutzen für sie ge—- wesen wäre. Beherrscht von der krankhaften Idee, einen Namen sich anzumaßzen, der ihr nicht gebührte, folglich eine Betrüge— rin zu sein, wollte sie niemand kennen lernen, um vor niemand erröten zu müssen, wenn die Wahrheit entdeckt würde. Trotz alledem fesselte sie das rege Leben und Treiben, und sie liebte ed, in einem Eckchen des großen Saales zu sitzen und die verschiedenen Szenen zu beobachten, die um sie her sich ab— spielten. Ein unerwartetes Zusammentref— fen aber rief ihr die jüngste Vergan— genheit in all ihrer Bitterteit zurück und schreckte sie mehr denn je vom in— timen Vertehr mit Fremden zurück. Lady Rossiter, die seit drei Wochen zu dieser Würde erhobene Amalie Fer— guson hatte beschlossen, das Leben in Florida tennen zu lernen, ehe die Win—- tersaison völlig zu Ende war. Ihre Hochzeit war, der Trauer um Rudolf halber, in aller Stille gefeiert und dazu nur die Elite des Städtchens Merrivale geladen worden. Amalie war überglüctlich, die vergangenen Ta ge mit ihren endlosen Plackereien wa— ren vorüber, das« Schild, welches so— lange ihe ein Dorn im Auge gewesen, war längst verbrannt, nun gab es kteine zerstochenen Finger, keine Kleider zum Abliefern mehr. Sie wollte das neue Leben begin— nen, wie sie es fortzusetzen aedañte, ertsrte Amalie und ianariert ante alte Freunde, weil sie ihr nicht vor- Kreise jener, die sie nicht als ebenbür— tig anertannten und zunächst Glossen machten über die Vornehmtuerei der Braut und des Bräutigams kindisches Gebahren. Das junge Paar reiste nach New York und Washington und mit vollen Zügen genoß Amalie das neue Leben, welches sich ihr bot. Den Aufenthalt in Washington en— dete ein Brief von Großmama Fergu— son. Es sei längst ihr Wunsch gewesen, Washington zu sehen, und sie wüßte, wo Amalie dort sei und ihr alles zeigen könnte. Deshalb hätte sie sich ent— schlossen die Reise in den nächsten Ta— gen anzutreten, umsomehr, als ihre Kleider noch hübsch und neu seien. „Oh—hl!“ und Amalie schnappte förmlich nach Luft, da sie diese Zeilen las und es überlief sie kalt, als sie im Geiste ihre Großmutter erblickte, im tabakfarbenen Atlaskleid mit violetten Handschuhen, rosa Bändern und dem schreeklichen Dialekt und sofort den künstlichen Bau von Adel, Familie und Stellung, den sie für sich errichtet, in Trümmer sinten sah. Das durfte nicht sein, und sie tele— graphierte, daß sie auf dem Punkte seien, Washington zu verlassen, ohne ein Ziel ihrer Reise zu nennen. Nun galt es, den Gatten zur Ab— reise zu vermögen, und auch dies ge— lang nach Wunsch. Was immer sie für Fehler und Mängel haben mochte, ihren Gemahl behandelte sie gut und liebevoll, und war ihm in inniger Dankbarkeit er— geben. Sie wendeten sich nach Florida und wenige Tage später stand „Sir Ro— bert und Jady Rossiter mit Diener— schaft“ im Fremdenbuche des St. James-Hotels in Jacksonville. Dieses Einschreiben erregte selbst— verständlich Aufsehen und bald wuß— ten die Gäste, daß ein wirklicher Lord mit seiner Gemahlin angetommen sei, und alles war gespannt, sie zu sehen. Amalie gehabte sich wie eine Für— stin, als sie in schleppenden Gewän— dern in den Salon rauschte. Jeder— mann blickte auf sie, und viele leise Worte und Blicke wurden gewechselt, bis sie zu ihrem Platze gelangte. Und so fein ist das Empfindungsvermögen des Yantee, daß, ehe noch Amaliens aufmertsamer Gatte sich an ihrer Seite niedergelassen, gerade jene, an deren Urteil ihr am meisten gelegen wäre, das Verditkt über sie gefällt hatten: „teine wirtlich vornehme Dame, wer immer sie sei!“ Dazu war ihr Wesen zu laut und zu auffallend, dis Dia— mantohrringe und das Kreuz an sehwe— rer, goldener Kette am Frühstückstisch so ganz und gar nicht am Platze. Unterdessen hatte noch eine junge Dame den Speisesaal betreten, eine klene, zierliche, in Trauer gehüllte Ge— stalt. Ihr Platz war am gleichen Tische mit Lady Rossiter, die erschrocken sich umwandte, als eine Hand sich ihr auf die Schulter legte und eine bekannte Stimme sagte: „Du hier, Amalie, welche angenehme Ueberraschung.“ Graziella war wirklich erfreut, denn obgleich ihr Amalie nicht sympathisch gewesen, ließ das unerwartete Zusam— mentreffen im fernen Florida unter lauter Fremden sie ihr wie eine liebe, teure Freundin erscheinen. Amaliens Benehmen aber war schroff und kalt. Es berührte sie un angenehm, Graziella hier zu finden, weil durch sie, wie sie meinte, es so—- fort an den Tag kommen müßte, daß sie nicht immer eine vornehme Dame gewesen. Graziella fühlte sich verletzt, Röte und Blässe wechselten auf ihrem Ant—- litz, als sie Amalie gegenüber Platz nahm, von dieser aber schier völlig ig— noriert wurde. Der an sich unbedeutende Vorfall war den in der Nähe befindlichen Per— sonen nicht entgangen, und es war daraus gefolgert worden, daß Lady Rossiter im Sinne habe, Miß Hether— thon nicht zu kennen. Auf die Mei— nung der Gäste übte es keinen Einfluß. Graziellas ruhiges, würdevolles Be— nehmen hatte ihr längst Achtung und freundschaftliche Gesinnungen gesichert, so daß an Amaliens Kälte sehr wenig gelegen war. Dennoch berührte sie's unsagbar schmerzlich, gerade in dem Momente, wo sie nach Mitgefühl sich sehnte, so behandelt zu werden und Gragiella vermochte kaum die Tränen zurückzu— halten, als sie ihr Zimmer betrat. Axie erfuhr die Ursache des Hum— mers, sie war keine Freundin vieler Worte, aber in ihren Augen lag ein Ausdruck, der Lady Rossiter nichts Gu— tes prophezeite. Und ehe die Sonne sich neigte, wuß— ten alle im Hotel, die sich dafür in— teressierten, wer und was Ladh Rossi ter früher gewesen. Mit echt weiblichem Scharfsinn hatte sie übrigens selbst entdeckt, daß sie be— züglich Graziellas einen Mißgriff be—- gangen sie änderte ihr Taktik und be— mühte sich, liebenswürdig und zuvor— kommend gegen sie gu sein. Eine An— spielung sagte Yella, daß Amalie sich freuen würde, Magnolia-Park zu se— hen, sie schein den Wunsch aber nicht zu verstehen umsomehr, als das Haus zur Aufnahme von Gästen vorerst nicht geeignet erschien. Axie kehrte um diese Zeit nach Tal— rhassee zurück und schrieb ihrer Her— rin, daß zu ihrer Aufnahme nun alles bereit sei. Im Hotel wurden die Gäste immer weniger, als Yella es in Pierres Be— gleitung verließ, um unter ihr völlig fremden Verhältnissen in Florida ein neues Leben zu beginnen. KXA Siebenundvierzigstes Kapitel. Das gelbe Fieber. Furchtbare Hitze herrschte in die— sem Sommer in Florida, selbst die Neger litten darunter, Hella aber glich einer Blume der Tropen, erblüht unter der Sonne glühendem Strahl. Ihre/ Wangen rundeten sieh, sanft und demütigt blickte ihr Auge, und der Ausdruck ihrer Züge erinnerte in sei— ner unendlichen Milde an ein Madon— nenbild. Der Sturm, der über sie dahingebraust, hatte deutliche Spuren zurückgelassen, sie konnte nie wieder das launenhafste, herrschsüchtige Mäd—- chen von ehedem sein. Carola schrieb häufig und bat im— mer wieder, sie möchte zurückkehren in die alte Heimat, die ohne sie keinen Reiz mehr hätte. Graziella weinte über diese Briefe, aber sie wollte nie wieder nach Merrivale zurückkehren, so lange nicht eine Aenderung ihrer Ge— fühle einträte gegen die arme, halb irr— sinnige Frau, die in tiefster Zurückge— zogenheit in der Cottage lebte und alle Versuche Carolas, sie zu bestimmen, auf den Ulmenhof zu kommen, eben— falls zurückwies. 42 Diese Frau war Graziellas Mut-- ter, aber ihre ganze Natur empörte sich dagegen, und es war ihr nicht möglich, auch nur einen Funken Zuneigung oder Mitleid für sie zu empfinden. „Unmöglich tkann ich nicht an ei— nem Orte leben, dachte sie, ich müßte hie und da mit ihr zusammentreffen, und ich ertrüge es nicht.“ Laura und Ethelda schrieben Yella ebenfalls häufig, nannten sie stets Cousine und teilten ihr mit, daß Mr. Beresford sich ernstlich um Carola be—- werbe. ü Yella freute sich darüber, wenn auch die Sonne ihres Lebens untergegan— gen war in Nacht und Finsternis. „Ich wollte, ich hätte eine Beschäfti— gung“, sagte sie sich oft, „es ertrüge sich alles leichter.“ Im Grunde hatte sie nichts zu thun, das ganze Hauswesen ruhte in Tante Fudns Hand und Pierre und die Mulattin Axie thaten für ihr Fräulein ohnehin, was sie ihr an den Augen absahen. Wenn sie die Hühner gefüttert, ihr Pferd gelieblost, mit der Kahe gespielt und 7 B 00002 ʒ V 2 Reince Weine undt iquotre 3 8 für den Familien- und Privatgebrauch e in irgend einer Quantität beim Pint Quart, Gallone oder Keg zu Wholesale preisen und als absolut rein und gesund garantirt. G dFür Dinner-, gesellschaftliche und medizinische Zwede habe ich reine Weine und Liquöre, welche Sie in irgend einer beliebigen Ouan— tität kaufen können. Ich besasse mich ansschließlich mit dem Faimnilien-Handel, 2 und führe deshalb nur die einen Waaren, welcher solcher Haudel vberdien und erfordert zu vernünftigen Preisen. Califoruia Spenalitãten: Roth-und 2 Weißweine 81.00 pro Gallone in irgend welcher Quantität. Vor-“ zügliche alte Port, Sherry und Aungelica Weinesl.do »ro Galone; ebenfalls Malaga Santerne, Na— deira, Muscatel, süßer Catawda, Nectar und Takay Weine. eßNeiner Altar-Wein. 2 t Alter Kentuecky Bourbon, Lily Pure Rye, calisornische Brandies, Rum, Gin ete. e Wyhiskey: 81.50, 31.75, 82.00, 2 20, 32.50, 83.00, -8 9, 1.09, Post Aufträge gewünscht, und wird denselben prompte Auf— merksamkeit gewidmet, und garan- tirt, daß sie absolut privatim ge— halten werden. 2 Sendet für Cireulare und Preislisten. Store· Teleyphon No.ll. Restdenz· Teleynon No. 5a6. Agent für das oerühmte Colfax Mineraswasser und sür Flaschenbier de 2 Dubuque Matting Co. und Schlitz's Milwaukee Vrauerei. Waaren in irgend t einem Theil der Stadt unentgeltlich abgeliefert. e eKein Saloon im Gebäude. Sonntags gesqhlossen. —D R 2 k Hrinrich A. Schunt, a Drei Laden 61, 69, 77 Achte Straße. Dubuaque, Jowa. Zwischen Loeust und Bluff Str., nahe dem Lorimier House. t
0 00— Dunuque Star RBre ing Co. Brauer des berühmten „Star Bier“. Flaschenbiere: „Golden Star“ und „Silver Star·. Bestellet eine Kiste in's Haus geliesert. mit den Hunden umhergejagt war, hatte sie ihre tägliche Aufgabe voll-, bracht, es sei denn, daß sie Briefe schrieb oder Besuche in der Nachbar— schaft machte. Je weiter der Sommer vorschritt, desto glühender wurde die Hitze in den Niederungen von Florida, so daß selbst während der Nacht sich die At— mosphäre nicht abkühlte, und Mensch und Tier schier verschmachtete. Ein— zelne Fälle von Sonnenstich kamen vor, und man muntkelte von Epidemien, die unfehlbar entstehen müßten, wenn die tropische Hitze nicht nachließ. Dennoch war in Mittel-Florida der Gesundheitszustand gut und die Luft frei von Miasmen, über einer großen Stadt weiter gen Norden aber zog 2 eine unheilschwangere Wolke zusam men. Einmal schon war die Stadt von pestartiger Epidemie heimgesucht worden und nun kam wieder eine Zeit der Angst, des Schreckens, der Ver—- zweiflung. Die Seuche lauerte in den Winkeln der elenden Gäßchen unds übelriechenden Höfe, wo Armut und Schmuts eingebürgert waren, und wurde eingeatmet in der drückenden, mit mephitischen Dünsten gefüllten Luft, die wie ein ungeheures ien tuch die dem Verderben geweihte Stadt bedecktte. Das gelbe Fieber war aus— gebrochen, und obgleich es zunächst auf die entlegenen Stadtteile, auf die Quartiere der Armut sich beschränkte, wo Fieber und andere Krantkheiten jahraus, jahrein heimatberechtigt schie—- nen, wußte man doch aus Erfahrung, daß die Epidemie mit rasender Ge—- schwindigteit sich verbreite, sowohl die Paläste der Reichen als die Hütten der Armen nicht verschonend. Immer umfangreicher wurden die Totenlisten, und Schrecken bemächtigte sich aller Gemüter, wer fliehen konnte, floh. Und nun erscholl ein Hilfeschrei, nicht nur für die Kranken, sondern auch für die Genesenden, unter welchen Not und Elend sich fühlbar machten. Und der Norden vernehm den Not— schrei so gut wie der Süden, und wie er damals seine Armee gesendet, als eine andere Gefahr drohte, eine andere Wolke den Horizont umdüsterte, spen— dete er jetzt seine Gaben mit großmü— tiger Hand, und „Hilfe für Memphis“ fand Echo allüberall. Aerzte und Arankenwärterinnen waren dringend notwendig, aber un— endlich viel Mut gehörte zu diesem Be— ruf. Lebensmittel, Geld, Arznei spenden war leicht, sein Leben aber der Ge— m rene Ddurch einen schlechten Zustand des Magens entsteht Blul- Mnreinigkeil. Dr. August Koentitg's DHamburger Tropten t
0 reinigen den Magen und beleben die Leber, wodurch reines um J a h rAMIL 3 18— 3 it E— 2 a j 25
2 3 fahr aussetzen, war etwas ganz an deres. Und doch eilten sie scharenweise her bei, die tapseren Männer und Frauen aüs Neu-Englands gebirgigen Tä lern, aus den Prairien des Westens, den Pinienhainen des Südens, wahre Engel in Menschengestalt, brachten sie Trost und Hilfe in den Städten des Fammers und der Vergzweiflung. Auch zu Graziella drang der Hilfe ruf. „Dort ist für mich ein weites Feld der Tätigkeit“, dachte sie, „dorthin will ich gehen.“ Pierre bat mir erhobenen Händen, es nieht zu tun, Graziella aber blieb fest. „Es zieht mich etwas unwidersteh lich hin“, sagte sie, „warum weiß ich nicht, aber ich muß nach Memphis.“ Eigentümlicher Weise hatte, wäh rend Graziella sich reisefertig machte, auch Christine La Rue sich nach Mem phis begeben. „Jeh werde hingehen“, sprach sie zu Carola, „weil ich dort von Nutzen sein kann; ich verstehe mich auf Kranken pflege und vermag ich nur ein einziges Leben zu retten, einer einzigen Seele das Dahinscheiden zu erleitern, so dürfte es vielleicht meine Schuldenlast vor dem ewigen Richter verringern.“ Carola erhob teine Widerrede und stellte der Mutter eine bedeutende Summe zur Verfüguvg. So kam es, daß Mutter und Tochter Habt Ihr vaser, Heu, Kartvfein, Weizen. er Roggen Gerste, Eler, Butter oder überhau irgendwelche Farmprobutte zu vertaufen? Wenn h; dann schreibt erst an Jos. Nagie Dubungue, Fowa, und sragt ihn um seine Preise. Man adxessire einfach: I· I. Ragie. Eubique, Jow N. 8. Herre Nagle kaust und verlauit n 4 Stadt- und Farmeigentbum. s A 4-1- O 1— Familien-Thee. Hält die Familie gesund.
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Graziella löste die sich gestellte Auf— gabe als Krankenwärterin gleich ihrer Mutter mit Umsicht und Unerschrocken heit. In Pierres Begleitung, der alle er—- denklichen Desinfektionsmittel mit sich herumschleppte, erschien sie wie ein En— gel der Barmherzigkeit unter den Aermsten der Armen und spendete Trost und Hilfe. Häufig fand sie, daß Schwester Christine schon vor ihr dagewesen und war begierig, die Wärterin kennen zu lernen, deren Lob von aller Lippen floß. „Wenn Sie mich ein wenig abrich— ten wollte“, dachte sie, könnte ich viel—- leicht viel mehr Gutes wirken.“ Ihre Gedantken weilten bei Schwe ster Christine, als sie über eine ster bende Negerin sich beugte und den kal— ten Schweiß von der Stirne wischte. Die Türe öffnete sich und eine graue Schwester trat ein. Ein heiserer Ton, der wie ein Freu— denschrei tlang, rang sich von den Lip— pen der Sterbenden, als sie mühsam die Worte Schwester Christine stam— melte. Graziella wandte sich um und Mut—- ter und Tochter standen wortlos ein ander gegenüher. In Christinens Zügen spiegelten sich unendliche Liebe und Zärtlichkeit, vermischt mit Furcht und Sorge, während in Yellas Augen, Stolz, Erstaunen und Freude sich mal—- ten. „Schwester Christine nennen sie Dich? Ach, ich ließ mir nicht träu— men, daß Du es seiest. Und doch freut es mich, daß Du hier bist, es bringt mir eine bessere Meinung von Dir bei.“ „Gott segne Dich für dieses Wort, Hella!“ und die Frau, die furchtlos dem Tode ins Antlitz schaute, zitterte wie Espcn aub. Und so suchten die beiden die Stätte des Todes auf und hrachten Trost und Hilfe mit sich. Graziella wurde fast ebenso populär, wie Christine, überall wurde sie mit Freuden bewillkommt und mehr denn ein Kranker verdankte sein Leben ihrer rechtzeitigen Hilfe. Endlich ber schien Graziellas Kraft zu ermatten. Eines Abends wollte sie ruhen von des Tages Angst und Qual. Es hatte bei Geabruch der Nacht zu regnen be— gonnen und wie ein undurchdringlicher Sc.eier lagerte sichs über die unglück liche Stadt. Plötzlich läutete es hasrig, und Pier re brachte seiner Herrin ein Billet: „Komme augenblicklich nach Nr. 40 Wasserstraße; man bedarf dort drin gend Deiner. Christine.“ Erstaunt betrachtete Yella, die in fliegender Hast geschriebenen Worte und eine unerklärliche Ahnung erfaß— te sie, ein Gefühl, daß Christinens Ruf in solcher Nacht Ungewöhnliches be— deute. „deh fürchte, meine Nerven sind vollständig überreizt“, dachte sie, als es sie kalt überrieselte und eine Ohn— macht ihre Stimme zu umnachten schien. Noch nie hatte Christine sie holen lassen, hatte im Gegenteile stets ge— sucht, sie zu schonen und vor Ansteckung zu bewahren. Dieses „Komme, man bedarf Deiner dringend“, aber flang so gebieterisch, daß sie sich sofort in Pierres Begleie tung auf den Weg machte. Es war eine Art Privathotel, das die Seuche bis vor wenigen Tagen ver— schont, dann aber unter bösartigen Symptomen heimgesucht hatte. Zwei Bewohner waren bereits zum Opfer gefallen, alle übrigen vor Gntsetzen ge—- flahen, so daß in dem großen Hause nur ein junger Mann lag, der erst in der Stadt angekommen, von Christine bewußtlos gefunden worden war. Sie hatte ihr möglichstes für ihn getan und nach Graziella gesandt, die seine weitere Pflege übernehmen sollte. „Sein Leben liegt auf der Wage“, sagie sie, als sie auf der Treppe mit ihr zusammentraf, „er bedarf der auf— mertsamsten Pflege. Ich kann mich auf niemand so verlassen, wie auf Dich und tann selbst nicht bleiben. Das Wetter hat die Gefahr verzehnfacht; Gott weiß, wie es enden mag.“ Christine schien sehr erregt, eine seltsame Glut brannte in den unna— türlich großen Augen, und ihre Reden llangen so verworren, wenn sie von dem Kranken sprach, daß Graziella sie betroffen anschaute. Nachdem sie Yella die nötigen Wei— sungen erteilt, blieb Christine noch wie enideen stehen, umschlang dann plötzlich das junge Mädchen und klüßte zärtlich dessen Stirne. „Gott segne Dieh, Kind, und be— guxemburger Gazette, Dienstag, den 28. Jaunuar 1908; schütze und beschirme Dich und Dein Leben vor allem Uebell“ Zwei dunkle rote Flecken brannten auf Christinens Wangen, die Lippen aber, die Yellas Wangen berührten, waren eiskalt. „Wie kalt Du bist!“ rief diese, „und weshalb zitterst Du so? Du bist krank; bleibe doch diese Nacht hier und ruhe Dich aus; es müssen ja Zimmer genug im Hause sein!“ Sie ergriff Christinens kalte Hand und suchte sie zu erwärmen. „Laß mich, Kind, und nimm all' Deinen Mut zusammen, denn Du wirst seiner bedürfen. Eine schwere Auf— gabe wartet Deiner. Fühlst Du Dich auch kräftig genug, sie zu erfüllen?“ Graziella wußte nicht, was sie mein— te, unerklärliche Angst durchschauerte sie. „Ach, Du zitterst, und bist kalt“, be— gann Christine wieder, „und in solcher Verfassung kannst Du unmöglich etwas leisten. Trink dies!“ Das geistige Getränk erregte des jungen Mädchens Kraft, sie schaute Christine nach, die langsam die Treppe hinabstieg und wie in Anwandlung plötzlicher Schwäche sich am Geländer festklammerte, dann wandte sie sich ge—- gen die Türe des Krankenzimmers, öffnete sie leise und trat über die Schwelle. 7 Achtundvierzigstes Kapitel. Der Kranke. Es war ein schönes, geräumiges Ge— mach, gegenwärtig aber machte es ei— nen düsteren Eindruck; die Nachtlampe warf gespenstige Schatten hier- und dorthin und auf die Gestalt eines Mannes, der, das Antlitz halb in den Kissssen begraben, auf dem Lager ruhte. „Laß ihn schlafen“, hatte Christine gesagt, „es wirdAhm gut tun und das schreckliche Erbrechen verhindern“, und so wagte Graziella sich kaum zu rüh— ren. Als Pierre eintrat, legte sie den Fin—- ger auf den Mund und ließ sich in einen Sessel nieder, so daß sie die Um— risse des Kranten zu sehen vermochte, und saß stundenlang, aufmertsam den unregelmäßigen Atemzügen lauschend, während die ungeheuerlichsten Phanta— sien ihr Gehixn durchkreuzten. Die Luft im Zimmer war erdrückend schwül, obgleich die Fenster weit geöffnet wa— ren. Draußen fiel der Regen in Strö— men aus nachöschwarzem Firmament und kein Laut unterbraçh die unheim—- liche Stille, als gelegentlich der vor— übereilende Schritt irgend eines Arz— tes, einer Wärterin oder das Ge— räusch von Rädern, dessen Bedeutung Graziella wohl bekannt war. Der Schläfer wurde unruhig, mur— melte etwas halblaut und schlummerte wieder fort. Und abermals herrschie Totenstille. Aber hochaufgerichtet stand Hella, starr wie ein Marmorbild, mit Augen, die Funken zu sprühen schienen, den Blick wie im Wahnsinun auf die re— gungslose Gestalt vor ihr —gerichtet. denn ihren Namen hatte der Kranke geflüstert. „Della!“ Dessen war sie gewiß. Allerdings konnte er eine andere gemeint aben, es gab unzweifelhaft viele dieses Na—- mens. Die Zeiger der Uhr wiesen auf halb drei Uhr, so daß nun bald der Tag an— brechen und sie das Antlitz des Frem— den sehen würde, der ihren Namen ge— nannt und dessen Haar und Kopfform sie an Rudolf erinnerten, als sie un— verwandt mit weit geöffneten Augen ihn anstarrte, und ihr Blut immer ungestümer nach Kopf und Herz wall— te, als ob es Rudolf selbst wäre, Ru— dolf, der ertrunken war und lange tot. „Sie wollte den Kranken sehen, sich überzeugen, ob ein Phanton oder ein beseelter Körper in ihrer nächsten Nähe lag, da sie nur die Hand auszustrecken brauchte, um das blonde Haupt auf den Kissen zu berühren. „Pierre“, rief sie endlich, als sie die marternde Ungewißheit nicht län ger mehr zu ertragen vermochte, „Pierre!“ und ihre Stimme schien aus weiter Ferne zu kommen, „bin ich im VBegriffe irrsinnig zu werden, oder ist das ist das und sie dentete auf die Gestalt im Bette. Bestürzt schaute Pierre auf sie und namenlose Angst erfaßte ihn. daß all' die schrecklichen Scenen, die Graziella in letzter Zeit erlebt, ihr den Verstand verwirrt hätten. „Ist das wahr?“ „Bring' mir doeh die Lampe; ich muß das Antlitz dieses Mannes sehen, ich kann nicht warten, bis es Tag wird!“ „Aber Mademoiselle, Schwester Christine betonte, daß man den Kran— ken schlafen lasse und ja nicht störe.“ „Ich werde ihn nicht wecken, bring' die Lampe!“ wiederholte Hella gebie— terisch, und schritt auf die andere Seite des Bettes, gegen welche der Kranke lag. Sie drückte behutsam die Kissen hin—- unter, um die Züge desselben genau unterscheiden zu können und stand eine Weile in stummen Betrachten. „Komm Pierre, halte die Lampe et—- was tiefer.“ Er tam ihrer Aufforderung nach, und als das volle Licht auf des Schlä— fers bleiches Antilit siel, schrie Yella mit einer Stimme, die so unnatitrlich tklang, daß der treue Diener sie nie als die ihre erkannt haben würde: „O, Pierre, Pierre, es ist es ist Rudolf, der zu mir zurückgekehrt ist. Christine, Christine! kromm und hilf!“ Es war ein wilder, markerschüttern der Schrei, und im nächsten Moment lag Hella in totähnlicher Ohnmacht. Auf eine derartige Entwickelung ge faßt. war Schwester Christine im Hau— sse geblieben. Im Laufe des Nachmit- Aags hatte sie den jungen, Mann auf— gefunden und ihn sofort erkannt. Das Wiedersehen war überwälti— gend, sie fühlte ohnedies, daß ihre Kräfte in erschrecender Weise abnah—- men. Während eines lichten Augenblickes hatte er auch sie erkannt. „Mrs. La Rue“, hauchte er, „wo ist Yella? Ihretwegen tam ich hierher.“ „Regen Sie sich nicht auf; ich werde nach ihr senden.“ Nachdem das geschehen und Hella im Krankenzimmer die Pflege über— nommen, begab sich Schwester Chri— stine in ein nahegelegenes Zimmer und wartete. AU die langen, ban—- gen Stunden, die Vellas Aufschrei und Hilferuf vorausgingen, blieb sie allein in der Dunkelheit, bald vor Frost zit ternd, bald vor Hitze glühen, während immer mehr die Ueberzeugung sich ihr autdrängte, daß ihre Aufgabe voll— bracht und die tötliche Schwäche, die sie hie und da anwandelte, ein Vor—- bote ihres nahen Endes war. So lange abet wollte und mußte sie leben, bis Rudolf für PHella ge— rettet war, und mit schier über— menschlicher Willenskraft raffte sie sich auf und rieb ihr kaltes Unsere dies]ährige Prämie ist jetzt umsonst zu haben, und zwar ist es der beliebte und geschätzte Regensburger Marien -Kalender für das Jahr 1908. 44 Wir senden Ihnen den Kalender kostenfrei, wenn Sie sogleich Ihren rüctständigen Abonnements Betrag, und $2.00 für Vorausbezahlung ein— schicken. Senden Sie den Betrag prompt ein, denn die Nachfrage ist eine große und es dürfte unser Vor rath schnell vergriffen sein. Achtungsvoll Lorenz Gonner, Geschäftsführer. Antlitz mit stärkenden Essenzen. Und so berging die Zeit, bis sie Hellas wil den Schrei nach ihr vernahm, als ob in der Stunde der Not die einzige Per— son auf der Welt wäre, deren das junge Mädchen beburfte. Endlich hatte die Stimme der Natur gesiegt und das Kid flüchtete zur Mutter in drohen— der Gefahr. Christine ei'te zu ihr und beinahe ehe Pierre noch ihr Kommen bemertt, atte sie die Ohnmächtige ausgehoben und in ein Netenzimmer gebracht. Dort legte sir Graziella aufs Sopha uad eilte zurück zu Rudolf, für den zu— erst gesorgt werden mußte. Hellas Schrei hatte ihn erweckt, er stöhnte und redete mit sich selbst, ohne anweinend zu wmissen, wo er sich be—- sand. Schwester Christine reichte ihm be— rugigende Arzner und übergab ihn Nierres Aufstwt. „Sag' mir“, stommelte Yella, als jie wieder zu sprechen vermochte. „ist's ein Blendwert oder ist's Rudolf, den ich in der Tiefe des Meeres begrab-n wähnte? und ist sein Zustand hof?— unungslos?“ „Es ist RKudols, wie er vom Wasser— iot gerettet .vurde, weiß ich nicht. Er tam sicher, Dich zu suchen. Gestern nuachmittags sand ich ihn in Fieber— hantasien. Iw lhoffe, er wird die Lraukheit übersthen.“ „O, rette ihn, rette ihn, und ich will Dir ewig dankbar sein“, schluchzt- Grgtella. Sie kehrien zata- men ins Kranken— zimmer zurücẽ. Rudolf schlunmerte wieder. Hella iniete neben dem Lager, barg das Ant. ain den Händen und flehte inbrün— stig zum Allmächtigen um Erhaltung deʒ teueren Lebens. Als, des neuen Tages erstes Däm— merlicht mit matten, rötlichen Schein ins Zimmer drang, bewegte Rudolf das Haupt. Ehristine 'zog Graziella rasch zurück. „Ex darf Dich noch nicht sehen.“ Hella kauerte am Boden hart neben dem Lager und harrte mit klopfendem Herzen des Momentes, wo sie sprechen and Rusdy begrüßen duyfte. Offenbar war eine Wendung zum besseren eingetreten, aber der Schlaf haite ihn noch immer gebannt, so daß er nur kurze Zeit die Augen öffnete, ntu lenden Trunk nahm. eichte und dann wie— iechahiseh de der Christine der ruhig und sanft wie ein Kind oein—- schlummerte. Die Minuten schienen Blei auf den Scowingen zu haben, bis er endlich heller Tag ward. Der Regen hatte aufgehört, der Nebel hatte sich verzo—- gen, erfrischend strömte die Lusft durch's offene Fenster. „Gott sei Dank, das Wetter hat sich geändert!“ sprach Christine, und „Gott sei Dank!“ wiederholte Hella andäch—- tig. Auch Rudolf schien den belebenden Einfluß dieses Witterungswechsels empfunden zu haben, er atmete leich— ter, seine Lippen waren nicht mehr so farblos, und als im Laufe des Mor— gens ein Sonnenstrahl auf ihn fiel, er-- wachte er zu vollem Bewußtsein. „Sie haben mein Leben gerettet“, sprach er vernehmlich und streckte Christine die Hand entgegen, „aber wo ist Hella? ich träumte, sie wäre hier.“ Als die Stimme, die sie längst ver— stummt wähnte, an Yellas Ohr schlug, vermochte sie sich nicht länger zu hal— ten. „Hier bin ich, Rudy, mein geliebter Rudy! ich bin Deine Consine nicht, ich darf Dich ohne Sünde lieben!“ Sie war neben ihm niedergesunken und hatte beiden Armen ihn umfaßt. Unaufhaltsam rieselten ihre Tränen über sein Antlitz und heftiges Schluch— zen erstickte ihre Stimme. Momentan lag Rudolfs regungs—- los, dann zog er Yella fester an sich. „O, Hella, mein Liebling, mein 21“ Alles! Er war so schwach und angegriffen, daß PYella sich sanft seinen Armen ent—- wand. „Du darfst jetzt keine Silbe mehr sprechen, Lieber.“ Rudolf fühlte selbst, daß das Reden ihm schädlich war, er schwieg; Gra— ziella aber mußte bei ihm bleiben, so nahe, daß er sie mit der Hand berüh— ren, in die freudestrahlenden Augen blicken konnte, deren Glanz ihn mag— netisierte. Von Zeit zu Zeit beugte sie sich über ihn, küßte seine Stirne und flüsterte ihm ihre Liebe zu. Und auch aus seinen blauen Augen— sternen, die unvberwandt auf ihrem Antlitz hafteten, leuchteten ihr Liebe und Glücekseligkeit entgegen, bis er sie nurmehr wie durch einen Schleier zu sehen schien. Rudolf sank bald darauf in einen tiesen Schlummer, seine Hand in Hellas Händen ruhen lassend. 7 Neunundvierzigstes Kapitel. Schwester Christine. Graziella war so ausschließlich mit Rudolf beschäftigt, daß sie nichts von dem bemertt hatte, was in ihrer Umge— bung vorging. Als die nahe Turmuhr elf schlug, fiel ihr Christinens lange Abwesenheit auf, obwohl es sie nicht beunruhigte, da sie natürlicherweise annahm, sie wäre von anderen Kranten in An— spruch genommen. Die Türe öffnete sich, Pierre schaute herein, verschwand aber sofort wieder, als er Rudolf schlafend erblickte. Obgleich Graziella des treuen Die— ners Antlitz nur gleichsam im Fluge gesehen, däuchte ihr's doch, als ob Sorge und Betrübnis sich darin aus— prägten, in der Ferne glaubte sie Stimmen zu hören und Schritte, die hastig nach verschiedenen Richtungen eilten. „Was mag das bedeuten?“ fragte sie sich und fühlte sie versucht, hinaus— zugehen und nachzusehen. Rudolf aber hielt noch immer ihre Hand und sie wagte nicht, sie ihm zu entziehen, um ihn nicht zu weclen. Und so blieb sie, bis es zwölf Uhr schlug. Von Zeit zu Zeit hörte, sie Stim— mengemurmel, Oeffnen und Schließen von Türen; es mußte also außer Pierre noch jemand losmachen, als Pierre wieder an der Türe erschien. Dieses Mal täuschte sie sich nicht über den Ausdruck seiner Züge, er war bleich und erregt. „Was gibt's Pierre?“ fragte sie flüsternd. „Nichts, Mademoiselle, wir tun das möglichste für sie, und sie bat, es Sie nicht wissen zu lassen.“ „Tut das möglichste für sie? wer ist krant und will es mir nicht wissen lassen?“ 24 Sie schob den zitternden Greis bei— seite, öffnete die Türe und zog ihn hin— aus in den Korridor. „So, nun sag mir's; wer ist krant? ist's ist's Schwester Christine?“ „da, und ihr Zustand ist bedentlich, der Arzt fürchtet einen schlimmen Aus— gang.“ Pierre sprach die Wahrheit. In einem kleinen Stübchen lag Christine sterbend. Sie, die so oft dem Tod tkühn ins Auge geschaut, die gefeit schien gegen Gefahr und Anstectkung, sfiel schließlich doch der furchtbaren Krankheit zum Opfer, deren Symptome sie bereits fühlte, als sie nach Yella fandte, um Rudolf's Pflege zu über— nehmen. „detzt darf ich noch nicht unterlie gen“, hatte sie sich gesagt, „ich muß mich aufrecht halten um jeden Preis, muß ihn retten, auf daß mein Kind glüctlich sei:“ Und mit eiserner Selbstbeherrschung überwand sie die heftigen Schmerzen, die in ihren Eingeweiden wüteten und sie schier der Besinnung beraubien. Doch als die Krisis glücklich üver-/ standen und Rudolf gerettet war, ver mochte sie s nicht länger zu ertragen, und mit einem langen sehnenden Blick auf Graziella, die sie im Leben nicht mehr zu sehen glaubte, verließ sie den Kranken. „dJlch will heimgehen“, dachte sie, sich zur Treppe wendend, „dort kann ich in Ruhe sterben.“ Aber schon auf dem ersten Treppen— absatz versagten die Kräfte, sie sank zu— sammen und blieb an der Wand kau— ernd, bis jemand sie anredete. Ein Mann stand vor ihr und fragte, wer sie wäre, und wie sie überhaupt daher käme. Es war der Besitzer des Hotels, der gekommen war, um nachgzusehen. Schwester Christine!“ rief er, als sie aufblickte, „was fehlt Ihnen?“ „Jlch bin krant, habe das Fieber, und wenn Sie sich fürchten, so gehen sie sofort.“ Wenn auch ängstlich, wollte er doch nicht eine Frau hilflos auf seiner Treppe sterben lassen, er geleitete sie in das nächste Zimmer und eilte zum Arzte. Im Vestibule traf er Pierre, der ihm sagte, daß noch ein Kranker sich im Hause befände, und unverzüglich wurde Hilfe gesucht. Für Schwester Christine aber ee es tkeine irdische Hilfse mehr. Die Krantkheit war unter den bösartigsten Symptomen aufgetreten, sie wußte selbst, daß sie rettungslos verloren war. „Sagt es Graziella nichi“, bat sie immer wieder, nachdem Arzt und Prie— ster sie verlassen, „sie soll nicht wissen, daß ich sterhe.“ Der alte Diener versprach es, als aber Graziella gebieterisch die Wahr— heit verlangte, teilte er ihr dennoch die Sachlage mit. „Eine barmherzige Schwester pflegt sie“, fügte Pierre bei, „es ÿt also voll— kommen unnötig, daß sie sieh zu ihr begeben, Mademoiselle.“ Ohne von seinen Worten Notiz zu nehmen, erteilte sie ihm den Befehl, bis zu ihrer Rüekkehr bei Mr. Rossiter zu bleiben, nötigenfalls sie zu holen und eilte flüchtigen Fußes zu Christine. (Schluß folgt.) 1 0 8 3:5 A 5
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Luxemburger (azetite. Herausgeber: KRatholische Druck Gesellschaft. Gesc stsfirhrer: 2ermen Gonner. Dienstag, den 28. Jan. 1908. Katholischer Kirchen-eKaleunder. Vom Schifflein Christi. —Matth. 18, E. 2. Feb. Mariä Lichtmeß. M.B. Blasius. Ansgar. Remedius. O. 4. Andireas Corsini. Veronika. M.5. Agatha. Japanes. Märtyrer. O. 6. Dorothea. Titus. Amandus. Romuald. KRichard. Theodor. Joh. v. Matha. Mengold. S.B Letreffend Heranbildung katholischer Laien. Der „Wanderer“ von St. Paul, Minn., meint zu unserer Anregung über Besuch des volkswirthschaftlichen Kursus zu München-Gladbach, unser Vorschlag sei jedenfalls der Erwägung werth und bespricht dann den Werth und die Aussichten der Abhaltung fsozialer Conferenzen hier zulande, wie sie die „Amerika“ be— fürwortet. Man ist der Ansicht, was wir vor einigen Jahren hier in Dubuque gethan, dürfte wie— derholt und in allen größeren Städten des Landes gethan werden. Durch gute Wanderredner als Lehrer diürften solche Conferenzen sehr werthvoll werden. Diesen Gedantken habe schon Herr HKlapproth vor Fahren empfvhlen. Dann bespricht der „Wanderer“ wieder die Finanz frage und befür— wortet unseren schon beim Central— Verein abgelehnten (weil damals an— geblich verfrühten) Gedanten über Ddie Erweiterung und Umgestaltung unseres tatholischen Vereinswesens zu einem Volksvereine mit einer Mindest betrag Kopfsteuer von 25 oder 50 Cents jährlich. Wie aus dem Artitel des „Ohio Waisenfreund“ an anderer Stelle er sichtlich, wird darauf hingewiesen und mit vollem Rechte daß der von uns ventilirte Plan sich ganz harmonisch an die Gedanten und Zwecke anschließt, welche das deutsch— ameritkanische Josephinum in sich ver— körpert. Wir fühlen eine nicht ge— ringe Genugthuung darin, eine träftige Unterstützung unserer Ideen dort zu finden. Allen diesen Erläuterungen gegen— über sagen wir nur, daß uns Alles mwi de be V m ni S recht willkommen sein wird, was der guten Sache Vorschub leistet. Es han— la delt sich ja nur darum, möglichst al prompt und moöglichst grün d R Cich zu Werle zu gehen. Der Promptheit halber empfehlen m wir den Besuch in München— SGladvach. Für die Gründ— Lichteit soll die GErrichtung von te Freistellen durch den Central-Verein dienen. Also nur lustig weiter de— battiert! Hoffentlich wächst doch noch aus dem „Sumpfe der deutschen Rede“ eine That hervor. Hier die Zuschriften, welche uns E hugingen: Peoria, 111., 19. Fan. 1908. Werther Herr Gonner! Da Sie wünschen, daß ich meine Ansicht in dieser Sache mittheilen soll, so muß zuerst gesagt werden, daß es anerkennenswerth ist, daß Ihre Zei— tung diese Frage so weitläufig ugitiert. „Gut Ding will Weile haben!“ muß man auch hier sagen und, so noth—- wendig wir solche Männer heute brauchen lkönnten, so lassen sich die— selben doch nicht aus dem Boden stampfen. Weiterhin muß auch nicht aus den Augen verloren werden, daß sich die Verhältnisse in diesem Landeẽ doch bereits gebessert haben. Wer hätte vor 25 bis 30 Jahren gedacht. daß wir jemals eine Versammlung, wie die von Dubuque 1907, abhalten önnten. Wir brauchen aber solcher Männer, wie zu Dubuque auftraten, noch mehr. Um schnelle Resultate zu erzielen, ist die „München-Glad— bacher Idee“ wohl die einzig richtige, was darüber zu sagen ist, kann nicht besser gesagt werden, als „Ein alter Leser“ Dieses gethan hat. Um aber die Sache gründlich anzufassen und danernden Nutzen zu haben, sollte der Weg ein—- geschlagen werden, welchen hochw. Dr. Soentgerath uns in Dubuque in so uneigennütziger Weise zeigte und der it:! Gründung von Frei— stellen. Wie dieselben zu ver— walten sind, wird sich mit der Zeit schzon finden, wenn erst einmal „Etwas auũ verwalten“ da ist. Dder Cen— tral-Verein sollte unbedingt eine maßaebende Stellung dabei haben. Die schoönen Beschlüsse von Dubuque müssen also in Thaten umgesetzt werden. Die Vereins— meierei ist schön und gut bin selbst ein waschechter Vereinsmeier das Endresultat derselben muß jedoch praktisch und greifbar sein, lerit ist dieselbe eitel und Spielerei. Im dieses praltische Resultat zu er— ielen, müssen wir nun herzhaft an angen und nicht nur polemisieren. u diesem Iwecke zeichne ich hiermit 20.00 zur Gründung der ersten xeistelle unter dem Schutze des postelfürsten Pelrus, „des ersten ka— Nedakteur: Nilolaus Gonner. 23—27 Gornel. tholischen Sozialvpolititers“ für die höhere Schulbildung eines katholischen Laien. Vivat seguens! Peter F. Bourscheidt. Das ist ganz die echt pratktische Natur des ehemaligen Corr.- und Finanzsetretärs des Central-Vereins. Recht so! Es gilt Thaten zu stellen und zu diesen bekündet Herr Bour— scheidt seine Bereitwilligkeit. Selbst verständlich werden alle bei uns ge— zeichneten Gelder dem Central-Verein bei seiner nächsten General-Versamm lung zur Verfügung gestellt. 1 defferson City. NMo. 20. Zan. 1808. Geehrter Herr Gonner! Ihr geschätztes Blatt mit Einlage 'habe ich durchgelesen. Um Ihrer Bitte zu entsprechen, tann ich nur bei— fügen zu Dem., was ich für die „Amerika“ vor Kurzem geschrieben, daß es keineswegs schaden würde, wenn IFhrem Vorschlage gemäß das Studium der sozialen Frage in Fluß käme. Da es sich aber um thatsächliche Flnangriffnahme besagten Studiums handelt und zwar mit den Mitgliedern der Vereine, die dem Central-Verein einverleibt sind, so muß der Vorschlag selbst Annahme finden und die Aus— führung desselben ermöglicht werden. Das werden Sie freilich als selbstver—- ständlich dahingestellt sein lassen. Doch ist Beides noch abzuwarten. Es wäre keineswegs das Schwierigste genann— ten Vorschlag in Annahme zu bringen, aber seine Ausführung, Befolgung, zu bewerkstelligen, dürfte auf größere Schwierigkeiten stoßen als man denkt. Man soll allerdings teine Berge sehen, wo keine sind; aber auch nicht das Auge verschließen, wo bekanntermaßen, wie bei Vereinsverbindungen, harte Gegensätze zu bewältigen sind. Was ich sagen will: man kennt die Noth allenthalben noch nicht genug. Bezüglich der Zuschrift „Ein alter Leser“ möchte ich bemerten, daß Sticheln auf Professoren und Theorie, der Sache nicht nachhelfen, wenn ja doch das Studium selbst betrieben werden soll, ehe es zur Praxis kommt. Praxis baut nothwendigerweise auf Theorie, wenngleich aus der Prarxis selbst die Theorie oft erst gesucht werden muß. In diesem Fall ist sie aber längst gefunden, und wir stehen einer festgeformten Lehre gegenüber. In München-Gladbach und an andern Orten, ist die Schule oder, wenn man will, sind die Kurse eben von Männern geschaffen worden, die selbst wohl— unterrichtet waren und mit Eifer an's Werk gingen. Das muß auch bei uns geschehen. wWohlgemertkt, von München-Gladbach bringt man Kennt— niß der in Deutschland herr— schenden Zustände, die umgesett werden muß, um in den Ver— einigten Staaten Werth zu haben. Die Uebersetzung und Be— arbeitung des trefflichen Buches von Pater Cathrein, „Der Sozialismus“, von den Jesuiten-Patres hierzulande besorgt, beweist das zur Genüge. Wer einigen Katholitentagen und Ver— sammlungen derart in München— Gladbach beigewohnt, wird Manches lernen, weil auch bei uns Stellung ge— nommen werden muß. Vieles, auch bei den Unions und allgemeinen Ver— sammlungen der Unions hierzulande, wäre zu lernen. Männer wie Mitchell und Gompers sind aus den Unions selbst hervorgegangen. Dazu soll bedacht werden, daß Unions in Ame— rika nach englischen Mustern sich ge— bildet haben; und bislang die ausge— sprochenen Agitatoren in den Arbeiter—- Verbindungen dieses Landes, wie z. B. Victor Berger in Milwaukee, nicht so durchgängig Anklang gefunden, wie beispielsweise Debs und die Zeitschrift „Appeal to Reason“. Das Studium der sozialen Frage ist nun allerdings nicht abgethan, wenn man auch die Be— strebungen der Unions hierzulande ganz kennen sollte, aber Stimmung des Voltes sowie Anstrengungen Ge— setze zu machen und Einrichtungen zu treffen, die allmählig dem Sozialis mus zusteuern und entgegen arbeiten, dazu gehört ganz besonders Kenntniß der Arbeiter Vereinigungen, und offenes Entgegenkommen ihren be— rechtigten Forderungen gegenüber. Sozialismus mag modern sein, aber deshalb ist Modernismus und Sozia— lismus teineswegs das Gleiche, wenn auch die Irrthümer beider denselben Anschauungen entspringen mögen. Soll nun das Wert gelingen, so müssen Bischöfe und Priester wohl auch angegangen und um Mithülfe gebeten werden, in einer Sache die so sehr das Katholische betrifst. Also immerhin auf nach München Gladbach! Mit Grutz. Joseph Selinger. Ein Schlag in's Wasser. Aus Rom verlautet: Trotz der sor— mellen Ertlärung des neuen Bürger— meisters von Rom, Ernesto Nathan, der Fude und Freimaurer ist, daß er nicht beabsichtigte, die Religion zu be— tämpfen, hat der neue Stadtrath den— noch mit großer Mehrheit eine Reso— lution angenommen/ die den Reli— gionsunterricht aus den Schulen Rom's verbannt. Die Folge dieser Maßzregel ist, daß zahlreiche Eltern, die ihren Kindern die Segnungen eines religiösen Unterrichtes nicht entziehen wollen, sie aus den bisher überfüllten, städtischen Elementar— schulen herausgenommen haben und sie nunmehr in die Institute senden, die vom Vatikan unterhalten werden. Die Frischen Christlichen Brüder haben türgzlich auf einem Landgebiet, das dem Vatilkan gehört, eine große Schule erbaut, die jetzt dicht besetzt ist, größ— tentheils mit Kindern, die aus den ösfentlichen Sehulen herausgenommnen wurden. guxemburger Gazette. Dienstag; den 28. Jannar 1908. „Ach, Kinderkens, regt doch die öäffentliche Meinnng nicht weiter auf!“ 8. Januar 19808. c erthe Redaktion! 0 6 Der zweite Prozeß J Molttke gegen Harden hat einen anderen Verlauf ge nommen als der erste. Das war vor— auszusehen. Harden stand jetzt nicht mehr vor dem Schöffengericht, sondern vor der Strafkammer, also einem Richter Collegium. Ankläger war der Staatsanwalt. Graf Moltke war nur Nebentkläger und konnte jetzt als Zenge unter Eid aüssagen. Dazu stand ihm jetzt ein sehr geriebener Kechtsanwalt zur Seite. Für einen sehr großen Theil der Verhandlungen war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen „aus Gründen der Sittlichkeit.“ Auch die Vertreter der Presse mnußten den Saal verlassen. Anfänglich schien es, als ob der Prozeß verschoben werden sollte, da Harden erkrankte. Aber er kam, angeblich gegen den Willen seiner Aerzte, doch zum Gerichte. Durch die verschlossenen Thüren des Gerichts— saales drang das Gerücht, daß Harden einen Vergleich mit Graf Moltke an— strebe. Darxaus ließ sich erkennen, daß seine Sache nicht günstig stand. Die Fortsetzung der Verhandlungen, nachdem die Oeffentlichkeit wieder her—- gestellt war, ergab denn auch alsbald, daß Harden den Prozeß verlieren mutßte. Die Behauptungen, die er im ersten Prozeß gegen Moltke vorge— bracht hatte, stützten sich wesentlich auf die Aussagen der ehemaligen Frau Moltkes und das Gutachten eines Sachverständigen. Nun hatte diese Frau dieses Mal ihre Aussagen ab— geschwächt. Sodann hatte der Rechts— beistand Molttke's seine Hauptstoßkraft darauf gerichtet, das Zeugniß der früheren Gräfin Moltte als durchaus unglaubwürdig darzuthun. Und Das ist ihm offenbar gelungen. Die Dame wurde durch Zeugen und Sachverstän— dige als hochgradig hysterisch er— wiesen. Solche Personen gelten als nicht glaubwürdig, weil ihnen das Vermögen der richtigen Unterscheidung zwischen Thatsache und Einbildung abgeht. Harden hatte dieses Mal auch das Zeugniß des ersten Reichskanzlers, des Fürsten Bismarck, angerufen. Ein journalistischer Verehrer des eisernen Kanzlers, der nach dessen Sturz im Hause Bismarck's vertehrte, sagte unter Eid aus, Bismarck habe den Eulenburger Freundestreis die „Ka— marilla der Hintermänner“, ein an— deres Mal „Kamarilla der Kynäden“ genannt. Es konnte aber nicht fest—- gestellt werden, ob der Fürst dies im wörtlichen Sinne gemeint habe. Bis— marck, sagte der Staatsanwalt, sei eine vulkanische Natur gewesen. Er habe mit diesem Ausdruck nur auf seine Gegner schimpfen, wettern und fluchen wollen, ohne ihnen Das nachzusagen, was „Kynäden“ bedeutet. Aber wenn er auch diese Absicht gehabt hätte, so sei damit noch nicht bewiesen, daß er Recht gehabt habe. Auch Bismarck habe irren tönnen. Fürst Eulenburg war als Zeuge zu— gegen und soll zur Zeit, da die Oesfent lichkeit ausgeschlossen war, über drei Stunden verhört worden sein. Spä— ter bekundete er unter seinem Eid, er habe während seines ganzen Lebens J Mit der großen y Tageszeitung, welche gegründet werden sollte, um den confessionellen Frie— den zwischen Katholiken und Prote— stanten zu fördern, und welche von einem „ehrlichen Protestanten“ und einem „überzeugten Katholiten“ ge— leitet werden Le. ist es Essig. Die Gründung MAoeitecte an dem bösesten aller Uebel, nämlich an dem Ueberfluß an Geldmangel. Es sollen nur 100,000 Mart gezeichnet worden sein, und so muß nun trotz der Ehrlichkeit des Protestanten und trotz der Ueber— zeugung des Katholiken (Alt- oder Reform- der confessionelle Friede nur ein schöner Traum bleiben. Und wie schön hatte der national— liberale „Hannov. Courier“ diesen Frieden schon gelennzeichnet, als er sagte, das neue Blatt müsse vor allen Dingen eiffen scharfen Kampf gegen deu friede-störenden Ultramon— tanismus führen! Die Blamage ist sehr peschämerd, da die Antündigung etwas sehr marktschreierig war. Annigstes Beileid! 1444 Das Urtheil im zweiten Harden— Prozeß wurde am 1. Fanuar vom Landgericht I. Berlin gefällt, und Harden ist zu vier Monaten Gefängniß vertnurrt worden. Daß damit nun diese Tragödie der Irrungen aus sein soll, ist nicht ge— sagt, Harden hat bereits Revision ein—- gelegt, aber man weiß nicht mehr, woran man ist. Im er sten Prozeß ist Harden der Held, welcher das Vaterland von den arößten „Scheu— salen“ befreit hat, die Aussagen der geschiedenen Frau Moltle's waren sehr belastend und erweckten allge—- meine· Theilnahme mit der „armen“ Frau, der Vertheidiger, Fustizrath Bernstein riß das Maul ferchter— lich auf und wollte Beweise bringen, daß die ganze Umgebung des Kaisers nichts als Päderasten seien kroch weh- und demüthig zu Kreuz und läßt sich zu vier Monaten verknurren, die Aussagen der „armen“ Frau sind null und nichtig, denn sie soll nur aüs gemeiner Rache gehandelt haben, Vernstein hat den Kinnbaekentkrampj 7 7 7 (Spegzial-Correspondenz aus Deutschland.) 2 Von „Gyso „teine Schmutzerei“ sich zu schulden kommen lassen. Auf die Frage eines Rechtsanwaltes Harden's, ob er damit Dinge im Sinne des 8175 meine, oder auch Anderes, antwortete er mit der Gegenfrage, ob das Andere nicht auch Schmutzerei sei? Was den eigentlichen Gegenstand des Prozesses, die ehrenrxührigen Nachreden gegen den Grafen Molitke, angeht, so sind diese als unbegründet erwiesen. Das scheint mit Sicherheit aus den Verhandlungen hervorzu— gehen. Fürst Eulenburg hat sich von dem Vorwurf der Homoserualität frei geeidet. Dagegen tann ich nichl erkennen, daß der Prozeß in Dingen seines politischen Hintergrundes Klar— stellung gebracht hätte. Fürst Eulen— burg erklärte wohl. er sei an dem Sturze Bismarek's nicht betheiligt. Er habe mit ihm bis zu dessen Entlassung in freundschaftlichem Verkehr gestan den. Von da an sei der alte Kanzler ihm allerdings feindlich gesinnt ge— wesen, aber nur deßhalb, weil er (Eulenburg) hicht ebensalls seine Entlassung genommen habe. Alles, was er beim Kaiser gesprochen habe, und er habe sehr viel mit seiner Mase— stät verkehren müssen, habe er im Rahmen seiner Amtsbefugnisse ge— sprochen. Seit seinem Scheiden aus dem Dienste (1902) habe er keinen Einfluß auf die Politik mehr genom— men. Den Sturz Bismarck's an— belangend ertklärte Zeuge Liman, der oben erwähnte JFournalist: Bismarck habe von zwei Kamarillen gesprochen, einer, die ihw gestürzt, und einer, die die Feindseligleit zwischen ihm und dem Kaiser offengehalten habe. Ob Fürst Bismarck Eulenburg zur ersten Kamarilla gerechnet habe, erinnert sich Zeuge nicht mehr. Datßz er ihn aber zur zweiten gezählt, wisse er mit Sicherheit. Aussage Eulenburg's diplomatisch ge—- nung. Den Beweis, daß eine Ka— marilla nicht bestanden habe, tann ich nicht darin finden. Noch weniger in der Erklärung des Grafen Moltke, zu deren Abgabe er gegen Gnde der Verhandlungen sich das Wort erbat. Er sagt darin ungefähr: es hat nie— mals weder eine Gruppe noch ein Grüppchen um den Kaiser gegeben. Das wäre bei dem frischen, selbststän— digen Wesen Sr. Majestät auch unmoög— lich. Die Tafelrunde bei Hof bestehe aus der kaiserlichen Familie, auf die das deutsche Volk mit Stolz schaue, und aus den zur Tafel Hingezogenen. Der Vorsitzende fragte daraufhin den Grafen, ob er fe Erklärung als Zeugenaussage auf seinen Eid nehme. Moltte antwortete mit „JZa“. Diese ziemlich naive Erklärung wird in der politischen Welt wenig Eindruck machen, so sehr in der conservativen Presse in dem Brustton der Ueberzeu— gung geschrieen wird, kein Stäubchen von all' den Verdächtigungen sei zu— rüchgeblieben, und die „Kreuzzeitung“ Harden sogar wegen Majestäts Be— Allerlei Glossen. (Spezial-Correspondenz aus Deutschland.) Von „„Ultramontanus“. und ist nicht mehr m Stande sein Maul auf areißen, und Moltte? soll nicht mehr sexnal abnorm sein, i bewahre, sondern er soll demnächst vom Kaiser durch besondere Ehrungen ausgezeichnet werden und einen der höẽchsten militärischen Posten erhalten. —Warten wir lieber noch ein bischen! 4 4 Das Neueste auf dem Gebiet der „Charitas“ ist jetzt, daß in Altenburg in Zutunft nicht nur die Bettler, sondern auch die Almoseungeber bestrast werden sollen. Man gibt an, daßz durch das planlose Verabreichen von Geld und Kleidungsstücken das Bettlerwesen befördert würde. Daß unter den Bettlern viele unver— schuldete Dürftige sind, scheinen diese schlauen Altenburger nicht zu wissen, und da soll es verwehrt sein, diesen Unglücklicehen in Zukunft mit milden Gaben beizuspringen? Und wenn es in der Bettlerzunft auch „Vagabunden“ gibt, findet man nicht auch Vagabunden in anderen, ja selbst in den höchsten Kreisen? Ist es nicht außerdem der Kapitalis mus mit seinen Fabriten, Waaren— häusern, Maschienen, ete., welcher das Heer der Arbeitslosen tagtäglich ver— größert, und da will man; anstatt die— sen Armen Brod zu geben, sogar noch die Mitdthätigkeit mit Strafen be— legen? Da hört denn doch Alles auf! Möchten diese Altenburger Fetrtbäuche (denn nur solche tön— nen es sein, welche dieses famose Gesetz fabriziert haben, doch nur einige Wochen fühlen, wie wehe der Hunger thut, sie lmen bald zu Verstand! +4414 Der neue König von Schweden, Gustav, will sich nicht krönen lassen, weil es erstens im Grundgesetz nicht vorgeschrieben sei, weil es zwei— tens dem zZeitgeiste nicht entsprechend sei, und weil es drittens zu tlost spieligsei. Dasür muß man dem neuen König Credit geben, denn wenn er besonders den dritten Puntt, die 2 7 24 77 y 29 1
leidigung belangt wissen will. Moltte kann doch nur beeiden, daß er wvon einer Gruppe oder Grüppchen nichts weiß, keineswegs, daß sie nicht bestanden hätten. Ihn halte Harden ja auch als den Harmlosen er— scheinen lassen. Daß der Kaiser sich nicht beeinflußt fühlte, ist ganz selbst verständlich. Mit Recht wurde von der Harden schen Seite auf das Wort Bismarcks hingewiesen: wenn der Monarch mertt, daß er beeinflußt wird, oder wenn dit Beeinflussung äußerltich nachweisbar wird, dann ist nirgendwo eine Kamarilla möglich. Das ist gewiß richtig. Das Wesen der Kamarilla hesteht ja eben in ihrer unbemerkten geheimen Ein— flußnahme. Einer solchen ist ein Mann von großem Selbstständigkeits— trieb, der in allen Dingen sein eignes Urtheil besonders hoch einschätzt, mehr ausgesetzt als einer von normaler Selbstbescheidung. Das ist gangz psy—- chologisch und lehrt die Erfahrung. Bei der „Tafelrunde“ hat sicher kein Mensch an den kaiserlichen Familien— tisch gedacht, wie denn überhaupt das Wort nicht schlechthin Eßgesellschaft bedeutet. Also die GErklärung des Grafen Moltte scheint mir in politi— scher Hinsicht gar nichts zu bedeuten. Der Rechtsanwalt Harden's sagte dann auch in seiner Sechlußrede: „Harden weiß mehr als er sagt. Wie tann man ihm entgegengalten, wenn Du nicht Dein ganzes Material vor bringst, dann lügst Du! Er sagt es nicht, weil der persönliche Vortheil, den er dadurch erzielen würde, das nicht aufwiegt. Können Sie sich denn nicht vorstellen, daß es Sachen gibt, die man vor Gericht nicht erzählen, und Zeugen, die man vor Gerieht nicht vorführen kann?“ Harden rief: „Sehr wahr!“ Es kann sein, daß hinter diesen Worten nichts weiteres steckt; es kann aber auch das Gegentheil der Fall sein. Einen eigenthümlichen Eindruck machte die Rede des Oberstaats-An—- waltes. Schon die Art, wie er sein, nach der Auffassung angesehener Rechtslehrer ungesetzliches Eingreifen in den Prozeß zu rechtfertigen suchte, dürfte wenig befriedigen. Dann die reichlichen Complimente, die er an die Hauptbetheiligten austheilte, am meisten wohl an Harden selbst! Nur die ehemalige Schwiegermutter Molttke's bekam eine schlechte Note. Er habe lange, lange überlegt, so führte er aus, oh er nicht eine bloße Geldstrafe beantragen solle. Aber es ginge nicht, er müsse vier Monate Ge— fängniß beantragen. ob der Herr Oberstaats-Anwalt immer in so liebenswürdiger, versöhnlicher Weise seines Amtes waltet. Wenn ja, dann ist er ein ganz einziges Exemplar. seiner Gattung. Wenn nein, dann ist die Empfindung be— gründet, als wolle er sagen: „Ach, Kinderkens, laßt es gut sein. Regt doch die Oeffentlichkeit nicht weiter auf!“ Dem Antrage des Staatsan—- twaltes entsprach der Gerichtshof. Harden wurde wegen Beleidigung des Grafen Moltke zu vier Monaten Ge— sängniß verurtheilt. Wie berichtet wird, will er beim Reichsgerxicht Re—- vision beantragen. großen Kosten, welche dem Lande dadurch erwachsen, wirklich ernst nimmt und auch bei zutünftigen fest— lichen Gelegenheiten sich die unsinni— gen Verschwendungen für Dekoratio-- nen, Feuerwert, ete., ete., ernstlich ver bittet, dann ist er für sein Land ein Wohlthäter und giebt auch an— deren Monarchen einen deutlichen Wink, wie sie zum Wohle ihrer Unterthanen ganz leicht ein Scherflein beitragen können. wWenn verhältniß—- mäßig kleine Städte bei fürstlichen Empfängen oft Hunderttau— sende für Guirlanden und sonstigen Flitterkram zum Fenster hinauswer— fen, so kann das nicht nach dem Ge— schmack eines dentenden Fürsten sein und sollte verboten werden. Das steuerzahlende Voll, wäre schon herz— lich gerne damit zufrieden. 114 Unser jetziges Zeitalter kann man mit Recht das rasende zZeitalter nennen. Daß nichts mehr schnell ge— nug geht, zeigen uns täglich Tausende von 3weirädern, Automobilen, Schnellzüge u. s. w. Besonders was die zu große Fahrgeschwindigkeit der Züge angeht, so ist bewiesen. daß gerade dadurch in letzter Zeit die meisten Eisenbahnunfälle veranlaßt werden. Gewissen Kulturmenschen ist ja allerdings die hentige Schnel— ligkeit der Züge noch nicht rasend genug, sie fragen niechts danach, wenn zerschmetterte Menschenknochen und blutige Fleischfetzen den Weg ve— zeichnen, den dahinbrausende Lolkomo— tiven gemacht haben. Ein Nacht— schnellzug, welcher wie von Furien ge—- peitscht dahinstürmt, ist ein grausiger Anblick. Wehe, wenn eine Schraube im Schiengeleise gelocktert oder am Bahndamm die Erde gerutscht ist. Ahnungslos jagen die Insassen in den Tod. Unser früherex Eisen—- bahnminister v. Thielen sagte einmal im Reichstag: „Flch lege mich jeden Abend mit Sorgen zu Bett, aus Angst vor einem neuen Eisenbahnunglück.“ Welcher ahnungslose Reisende dentt daraun, wenn er den Bahnsteig betritt und unter Schergen und Necken von seinen Freunden Abschied nimmt, ob ex auch wirllich sein Reiseziel erreicht? Der Weg zur Erutti ist nicht weit. Das hat schor Mancher erfah— 2 3 7 4 2 S 1— ã 147 4 34 7 m ʒ 7 7 x;7 4 2 224 2 ren, der auf weichem Lelur im Abtheil dahinsauste, bis plötzlich der zugftführer Tod die Bremse zog. 4 Trotz des vielgepriesenen „Fort— schritts“, mit welchem besonders die „moderne Weltanschauung“ mit Vorliebe zu hausieren pflegt, nimmt die Zahl der Selbstmorde,. welche gerade in den Kreisen, die dieser „beglückenden“ modernen Richtung huldigen, verübt werden, stetig zu. Bis jetzt fallen 21 auf 100,000. —ln besonderer Weise wächst aber die Selbstmordziffer bei den Ftauen, welche bis jetzt 20 Prozent aller Selbstmorde lieferten. Am sehlimmsten ist es in Bertin, wo seit drei Zahren der weibliche An theil vier zig Prozent beträgt. Diese traurige Statistit zeigt. wie gerade die Lage der Frau im Allge—- meinen immer schwieriger wird. Sie wird immer mehr in den Kampf um's Dasein hineingezogen und verliert den festen Halt an Sitte und Familie. Wo bleibt da das Paradies auf Erden, mit welchem man jene bethört, die man vom Chri— stenthum losreißzen will? Armes berblendetes Voltk. —Je weiter von Christus entfernt, desto mehr Elend, Enttäuschungen, Schmerz und Verzweiflung! Leider wird diese bittere Wahrheit von Vielen nicht verstanden. (Speziell für diese Zeitung.) Vom confessionellen Frieden. Von I. K. Die Idee der religiösen Toleranz oder des confessionellen Fxiedens ist neueren Ursprungs. Ein solcher Ge— danke war dem ganzen Zeitalter der Reformation noch völlig fremd. Im Ganzen war durch die vorhergehenden Jahrhunderte die Ansicht vorherr— schend, daß Abweichung vom Glauben der Kirche, wenn nicht andere Ver— gehen hinzukämen, nicht von der Staatsgewalt mit schweren Strafen geahndet werden sollte. „Die Milde der Kirche“, ertlärte Papst Leo der Große, „begnügt sich mit dem priester— lichen ucthle und begehrt leine blu tige Rache“. Erst im 11. Jahrhun— det zeigten sich staatsgesährliche Sek— ten, gegen welche die öffentliche Ge— walt mit größerer Schärfe vorging, sodrß allmählig Abfall vom Glauben un- Verbreitung unkirchlicher Lehren als todeswürdiges Verbrechen ange— sehen wurde. Wo Sekten existierten, zogen sie sich in die Verborgenheit zu—- rück. Die Erhebung des Protestan tismus gegen die Kirche nahm jedoch schnell die Natur eines Kampfes auf Leben und Tod an. Man sorderte nicht mehr, daß die Kirche sich refor— mieren, sondern sich auflösen. Papst und Bischöfe absehaffen und mit ihrer ganzen Vergangenheit in Lehre, wie in den Sakramenten brechen solle. An eine gegenseitige Duldung war nicht mehr zu denken. Die Protestan—- ten hatten im Reichstage von Speier 1529 feierlich erklärt, daß sie die ta— tholische Religion neben der neuen nicht dulden würden, sie hatten begon nen, jede Spur der alten Religion zu vertilgen; sie hatten ihren Fürsten die oberste Gewalt in religiösen Dingen übertragen zugleich mit der Verpflich— tung, keine andere Religion als die seinige zu dulden. Das war ein protestantischer Glaubensartikel ge— worden. Eine solehe Theorie machte aber jede Duldung unmöglich. So wußten die Katholiken von An— fang an mit völliger Bestimmtheit, daß sie unterdrückt würden, sobald nur die Partei der neuen Religion sich stark genug dazu fühle. Sie führten einen Kampf der Selbsterhaltung, indem sie Alles aufboten, das Gindringen des Protestantismus in ihr Gebiet abzu— wehren. Sämmtliche Theologen der neuen Kirchen waren der Meinung, daß die katholische FKirche ausgerotteẽt werden müsse, sobald man die Macht dazu habe. Wie tief die Prinzipien des Religionszwanges den Protestan— ten im Blute saßen, das zeigt sich augenfällig in England und in Ame— rika. In England wurden die Ka— tholiken, insbesonders die Priester, zu Tausenden hingerichtet am Galgen. Der Quäker William Penn rechnet, daß in kurzer Zeit gegen 5,000 der Religion wegen eingekerferte Personen in den englischen Gefängnissen aufge-- rieben worden seien. Puritaner und Presbytevianer waren abwechselnd die Unterdrückten und Unterdrücter, immer aber überzeugt, daß es Gewissenssache sei, neben der eigenen Religion keine andere zu dulden, sobald man die Macht und die Mittel dazu habe. Fn den Ver. Staaten errichteten die Pro—- testanten im 17. Jahrhundert ein théo—- kratisches Regiment, welches alle Frei— heit zerstörte und wozil kaum ein zweites Beispiel in der Geschichte fin— den läßt. Aus dem Uebermaß des Uebels ent— stand zuletzt der Umschwung; aber es erforderte lange Zeit, um einen er— träglichen Zustand herbei zu führen. Verschiedene Umstände wirkten zusam—- men. Zuerst mußten die protestan—- tischen Staatskirchen in Erschlaffung, in Auflösung und in Unglauhen ver— sinken, und die öffentliche Meinung sich den Indifferentismus zuwenden. Dies trat ein gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Protestanten der Theologie des 16. Jahrhunderts inner—- lich satt wurden. Könia Friedrich des 3weiten Wort, „daß in seinen Stagten Feder nach seiner Facçon selig werden ann-, bezeichnete den Unmischwung. Man hatte in den höheren Ständen den Glauben verloren, und dieser J— differentismus theilte sich bald dem ge meinen VPolke mit; mem sehnte sich nun nach Freiheit von aller Nrligien. und hielt alle Religionen für gloich gut ei violmehr fiüa gleich shlecht. Danmi war die allgemeine Toleranz und der confessionelle Frieden angebahnt; man kam wieder auf die alte Praxis der Kirche zurücek, daß der Staat keinen Zwang in religiösen Dingen ausüben solle, wofern die Sicherheir der staat lichen Ordnung dieses nicht erheische. So konnten verschiedene Religionen in demselben Staate bestehen und die Fürsten klonnten Andersgläubigen große Zugeständnisse machen und so gar volle Freiheit und Gleichheit ge währen, ohne von der Kirche oder von ihrem Gewissen einen Tadel zu be—- fürchten. Gegenwärtig verlangt di ösfentliche Meinung in allen Kultur ländern, daß der Staat fich von jeder Einmischung in religiöse Dinge ent halte. Am vollständigsten wird dieser Grundsatz in den Ver. Staaten dureh— geführi; hier verzichtet der Staat auf alle-Oberhoheit in Religion. Das—- selbe ist nicht der Fall in den prote stantischen Ländern Europa's, wo der Fürst die geistliche und weltliche Ge— walt im Staate beansprucht, und zum Zeicheu seiner Oberhoheit über die Kirche in die Ernennung der Bischöfe, in die Erziehung des Clerus, in die Verwaltung des kirchlichen Vermögens sich einmischt, und von den Bischöfen ebenso wie von den Staatsbeamten den Eid der Treue fordert. Nur Gng land, Amerika und die jetzige Frei maurer-Republik Frankreichs ber-- langen diesen verdemüthigenden Eid der Bischöfe nicht. Diese Oberhoheit der protestantischen Fürsten in reli— giösen Dingen ist das Haupthinderniß des confessionellen Friedens, weil die Katholiken als ihr geistliches Ober— haupt nicht den Stagt, nicht den Für sten, sondern den Papst anerkennen. Nur in zeitlichen Dingen leisten sie dem Staate Gehorsam, in religiösen Dingen beanspruchen sie Freiheit von staatlicher Bevokmundung. Das ver lezt jedoch die Herrschsucht stolzer Fürsten und ihrer Minister, welche sich bemühen die katholische Kirche der selben bureaukratischen Gewalt zu unterwerfen wie die protestantische. Diese Kämpfe nennt man Kultur kämpfe, nämlich, Kampf zwischen der heidnischen und der christlichen Kultur. Im Heidenthum war der Fürst Kaiser und oberster Priester zugleich. Im Christenthum sind die beiden Gewalten getrennt. Christus hat die Regierung seiner Kirche nicht den Fürsten, son dern dem Petrus und seinen Nachfol gern überlassen. Hier liegt der tiefe Grund des protestantischen Papsthasses. So lange dieser Haß dauert, ist ein confessivnoller Friede unmöglich; er treibt fortwährend zu neuen Angriffen und Beleidignngen an. Unter Tole ranz bilden die Protestanten- sich ein, die Katholiken müßten alle ihnen zuge fügten Insulten mit Schafsgeduld hin nehmen. Der Papst- und Katholiken haß ist thatsächlich noch nicht in der Ab— nahme begriffen und deßhalb sind die Protestanten für den confessionellen Frieden noch lange nicht reif. Der Modernismus in der Kirche Amerika's.
Wir machen an anderer Stelle (Seite 10) auf don Artikel in der Foennar Nunmer der „Geclestastical eview“ aufmerksam, in welchem ein ungenannter Schreiber erklärt, auch der Kirche Amerita's übe der Moder nismus Ginfluß aus. Der Verfassi besagten Artitels fährt dann weiter fort: „Die Gründe (für den modernisti-, schen Einfluß hierzulande) liegen größtentheils in den von der päpst-, lichen Enzyklita angegebenen Ursachen. Dieselben bestehen zunächst in der all—- gemeine verbreiteten Sucht nach Neuem; zweitens in der mangelhaften religiösen Ausbildung und Kenntniß der positiven Elemente der Apologetik und Religion, sowie der nothwendig daraus entspringenden Oberflächlich keit, die alles Scheinbare leicht für wahr annimmt; drittens in dem Widerwillen für jegliche Tradition und, in gowissen Kroeisen, wo speku lative Wissenschaften nach modernen Methoden gelehrt werden, in der Unter syn euna der scholastischen Philo sophie ouf Grund mangelhafter und joberflächlicher Kenntniß derselben. Daß Anzeichen einer solchen Tendenz in den Vereinigten Staaten erxistieren, kann taum in Abrede gestellt werden, noch kann die Thatsache sehr befrem den, wenn wir die Unvollständigkeit und Mangelhaftigkeit unseres intellet tuellen Bildungsganges in Betracht ziehen. Die Folgen derselben bewei—- sen es. Sie treten zu Tage in den mehr oder weniger offenen Kritiken der vom Hl. Vater vorgezeichneten Methoden, in gewissen nachsichtigen Voraussetzungen bei Beurtheilung der von dem italienischen Gesetzgeber (Papst) angegebenen Weisungen, die angeblich mit den Fortschritten der modernen Wissenschaft keineswegs im Ginklang stehen und endlich als Folge unseres freiheitlich angelegten For schungssinnes. Man bekrittelt ameri lanischerseits vielfach das Vorgehen der heitlen Congregationen- nament ch in Bezug auf die Bihel-Com mission, weleche doch, nach Ansicht des Hl. Vaters, durch die Art der Aus— wahl der Männer aus denen sie sich zusammensetzt, wie auch durch das Gewicht der Autoritt hrer Mitgkle der doch die Garantie liesert, daß sie nicht leicht von neuheitlichen Ideen sich einnehmen und vom Rufe persön licher Reputation sich fesseln lassen.“ Vorsichtig. Bill: „Nun, Bob, warum rauchst Du nicht mehr in Gegenwart von Damen?“ VBob: „Das thu' ich niemals wieder. Als ich kürgzlich in Gegenwart einer Dame rauchte und Ringe in die Luft blies, seckte sie den Finger in einen davon und orkllärie, sie sich als meine ·Verlobte!“ 1 231 5 2 3 2 1
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E— Jux Nachri Luxemburger Nachrichten. A a AAA AR AAARAAAARARA MARAA AAARA NAAARARARARIO Aus den Ver. Staaten. OE BAUEREJONG. sum N. N. Becker. Aus “Prairie bhhummeon.“ 1 Mei papp, dn as a banersmann, An ech well och õ gin, Well neischt as bhesser engom Kkann Ver slc6ckelech ze sin. Koõn hutt, keng broscht, nom neiste stuol. A wat ad 6 relch begleckt. Keng deier klẽder hun ech wuol, Ma gutt, wann s' och gefleckt. AU muorgens stin ech ganz frẽ oœ, Gewönlech fir der Sonn, W gutt schmacht da mẽng sgrompren- ZODp. Se schmelzt mer bal am monn. Reh dränken d' pẽrt;t get holz geras- An d' kẽ, dẽ gi gestrach,. So lang um tfelt dann arbecht as, Get net derfu gewach. A museck hun ech emmer fresch, Dõ klenkt mer oni meẽ. sin d illercher, dẽ an dem besch Mer sange spẽt a frõ. RVeh se gesont, as wẽ de fesch Am waszer deh ka gin; Mei mutt mengs frẽt son emmer fresch, Well ech zefridde sin. Die blüühende luxemburgische Ver— lago-Firma M. Wilhins in Mil— waukee, Wis., hat soeben den „Allge— meine Uebersicht“ -Bogen des „Cath— olie Directory“ für das dahr 1908 herausgegeben. Nach demselden be— läuft sich die Zahl der Katholiken in den Ver. Staaten für 1908 auf 13, 887,426, eine Seelenzunahme von 788,073 während des verflossenen Jahres. Hier zugezählt die tatholische Einwohnerzahl der Philippinen, welche sich auf 7,106,452 beläuft, sowie die 100;,000 Seelen zählende katholische Bevölkerung auf Porto Rico und die 35,000 Katholiken der Sandwich Inseln, so belaufen sich die unter dem Ver. Staaten Banner lebenden Ka— tholiten auf 20,128,878 Seelen. Fer— ner weisen die im Directory enthalte— nen Statistiken eine Anzahl von inte— ressanten Thatsachen auf. In diesem Lande befinden sich 15,065 Priester, von denen 11/406 Weltpriester sind und 4,060 Mitglieder verschiedener religiösen Genossenschaften, wie Jesui— ten, Benedittintr. Redemptoristen, Franzisfaner und 45 anderer Orden. Die Gesammtzahl der in den Ver. Staaten befindlichen Kirchen ist 12, 513, von welchen 8,408 ihre eigenen Seelsorger haben und 4,105, welche von benachbarten Gemeinden aus be— dient werden. Es sind hier im Lande 84 Seminarien mit 5,609 Studenten, 200 Colleges für Knaben, 697 Atade mien für Mädchen. Ferner 4,448 Gemeindeschulen mit einem Durch— schnittsbesuch von 1,118,906 Schü— lern. Die Kinder, welche die Ge— meindeschulen, Hochschulen, Colleges, Atademien besuchen, zusammen mit denen, die in Waisenhäusern und an deren katholischen Wohlthätigkeitsan— stalten untergebracht sind, gerechnet, bringt die Totalsumme derjenigen, welchen katholischer Unterricht ertheilt wird, auf 1,310,300 Kinder, Es be— sinden sich 57,463 Nonnen in den Ver. Staaten, welche in Lehr- und Wohl— thtigleitsanstalten thätig sind. In 272 Waisenhäusern befinden sich 12, 507 Waisenfkinder, Unter katholischer Obhut befinden sich 1,054 Wohlthä— tigteitsanstalten in diesem Lande. Die Hierarchie dieses Landes besteht aus 1832 Prälaten, und zwar befinden siel unter diesen ein Apostolischer Delegat. ein Cardinal, dreizehn Ergzbischöfe, vierundneunzig Bischöfe, zwei Ergzäbte, siebzehn Aebte, zwei apostolische Vika-- rxe, ein Prior und ein apostolischer Prefelt, sowie Erzbischof Setan, zur Zeit in Rom wohnhaft. Nach der Länge der Dienstzeit berechnet, sind die vier ältesten Prälaten Amerila's Car— dinal Gibbons von Baltimore, Bischof MecCloskey von Louisville, Bischof MeQuad von Rochester und Bischof Hogan von Kansas City, die alle im Jahre 1865 consetkriert wurden. Von 16 Staaten des Landes nimmt New Yort die erste Stelle ein mit einer ka— sholischen Bevölkerung von 2,650,000 Seelen, Illinois die weite Stelle mit 1.468,644 Katholiken, Pennsyloania mit 1,404,604, Massachusetts mit I, 213,121, Ohio mit 619,020, Wiscon— sin tommt dann mit 518,459, Michi—- gan hat 4171,853, Missouri mit 147, 708, Minnesota mit 4125,885, Cali— fornia mit 368,870, Texas 276,017, FJowa 240,555, Indiana 201,438. Es wäre von Interesse einen Ver gleich der Zahlen anzustellen, welche vom Census Bureau unter Direktion von GErzbischof Glennon zu Wash— ington, D. C., festgestellt wurden und Denen, welche das Wiltzius Direetory aufweist. Jedoch wird der genannte Census lein Substitut Nachschlage wert an Stelle des „Wiltzius Direetory“ sein. Aus Caledonia, Miun., wird ge— meldet: Dahier tarb am 20. Fanuar Frau Añnna Molitor, Frau von Peter Molitor, Sr. Die Verstorbene wurde uls Anna Frantk 18835 in der Nähe von Trier geboren. Achtundzwanzig dahre alt lam sie nach den Ver. Staaten und wurde 1809 zu La Crosse, Wis., mit Hrn. P. Molitor ehelich getraut. Ihre Wohnung nahmen sie auf einer Farm im Caledonia Township. Vor 12 Jahren zogen sie sich von der Farm— wirthschaft in die Stadt Caledonia zu rüch. Sieben Kinder wurden dem Paare geboren, von denen zwei star—- A 4 ben. Außer ihreni Gatten überleben die Verstorbene nachfolgende Kinder: Frau Katharina Theisen und Frau Anna Bittner zu Heron Lake, Minn.. Matthias und Frau Angelina Forret zu Adrian, Minn., und Peter, Fr., zu Caledonia. Das Begräbniß fand am Donnerstag von der hiesigen St. Peter's-Kirche aus, unter großer Be theiligung statt. Sie ruhe in Frie den! Den trauernden Hinterbliebe« nen unser herzliches Beileid! Aus Fredonia, Wis., meldet N.E. Becker unterm Datum vom 22. Ja— nuar, wie folgt: „Am letzten Freitag Nachmittag, den 17. Januar, starb in Dacada, Wis., nach längerem Kran— tenlager, wohlversehen mit den Trö— stungen der Religion, der weit und breit bekannte Louis Pierron. Am Montag wurde er nach feierlichem Requiem, celebriert von seinem Sohn, dem hochw. F. P. Pierron, Professor am Priesterseminar in St. Franeis, unter großer Betheiligung auf dem dortigen St. Nitkolaus Friedhofe zur letzten Ruhe gebettet. Der St. Nito— laus Unterstützungs- Verein, dem er seit dessen Gründung angehörte, gab dem Verstorbenen in corpore das Ehrengeleite auf seinem letzten Gange. Louis Pierron war am 22. Mai 1834 zu Eischen, Luxemburg, geboren, und kam, nachdem er noch mehrere Fahre in Selingen in der belgischen Provinz Luxemburg gewohnt hatte, im dFahre 1849 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Amerika. Sie lie— ßen sich im Town Belgium nieder und und widmeten sich der Farmerei, welehe er später selbst auch mit Erfolg betrieb, bis er sich vor mehreren Fahren zu— rückzog und sich in der Nähe der Kirche in Dacada niederließ. Im April 1856 trat er mit Frl. Anna Schmid— ler in den heiligen Ghestand. Der glücklichen Ehe entsprossen zwölf Kin— der, wovon vier, drei Töchter und ein Sohn, ihm im Tode vorausgingen. Nebst der betrübten Gattin überleben ihn acht Kinder, sechs Söhne und zwei Töchter. Drei Söhne Nitolas, Peter und Louis betreiben Farmerei in Town Belgium. Drei andere Söhne, der vorerwähnte Johann P., Johann 8., und Joseph widmeten sich dem Priesterstande. Die beiden Letztge nannten feierten ihre Primizen am 27. resp. 28. Funi 1905. Die. ihn überlebenden Töchter sind Frau Vero— nika Watry von Neu Köln und Maria, Frau Dr. Dominik Thill von Mil— waulee. Eine Schwester des Verstor—- benen, Schwester Vulgentia, befindet sich im Marien-Kloster in Milwaukee und sein jüngster Bruder, Pater Ed— win, O. S. 8., in Pennsylvania. Der Verstorbene war ein hochgeehrter Mann und betkleidete seinerzeit ver— schiedene Ehrenämter. Möge er ruhen in Frieden! Den trauernden Hinterbliebenen unser herzliches Beileid! Wie aus Bremerton, Wash., ver— lautet, ist daselbst kürglich ein luxem— burger Priester Namens Emil Fried— rich stationiert. Derselbe lommt direkt von Rom, wo er seine Studien beendet hat und ist gegenwärtig Pfar— rer der Gemeinde „Our Lady Star of the Sea“ zu Bremerton und Kaplan der Ver. Staaten Marine-Station daselbst. Aus Aurora, 111., wird geschrieben: Herr Peter Linster, gebürtig aus Ech—- ternach, Großherzogthum Luxemburg, starb plötzlich am Samstag, den 18. Januar, am Herzschlag in der Chicago, Burlington Quinecy Gießzerei, da— hier. Selbiger verlies seine Familie wie gewöhnlich Morgens, um sich auf die Arbeit zu begeben, aber leider brachte man ihn sehon einige Stunden später als Leiche heimm. Er war 55 Jahre alt und kam nach Amerita im Jahre 1880. Er hinterläßt eine brave Gattin und vier Kinder. Der Verstorbene war ein strammer Ka— tholik und beliebter Vater und ein eif riger Leser der „Gazette“. Die Be— erdigung fand am Montag, den 22. Januar, von der St. Joseph's-Kirche dahier aus, statt. Er ruhe in Frie— den! Den trauernden Hinterblie—- benen unser herzliches Beileid! Der „Port Washington Zeitnung“ entnehmen wir Nachfolgendes: Frau Anna Mamer, aus Sim— mern, Luxemburg, gebürtig und eine langjährige Bewohnercin unserer Stadt, feierlte am 20. Fanuar ihren 88. Geburtstag. Remsen, Jowa, Frau Cath. Beck, geb. Groff, die Gattin von Michael Beck, aus dem Leben geschieden. Sie kam als Kind von 12 Jahren mit ihren Eltern nach Port Washington und stammte aus Kolbach, Luxemburg. Januar der alte Ansiedler Geo. Usel— ding nach längerem Leiden im Alter von nahezu 64 Jahren aus diesem Leben geschieden. Er wurde am 83. März 1844 zu Erpeldingen, Luxem— burg, gedoren und kam mit seinen Eltern im JFahre 1846 nach Town Fredonia, wo er bis zu seinem Le— vensende wohnte. dn 1870 verhei— rathete er sich mit Louise Dietrich, welche ihn nebst vier Kindern über— lebt. Die Kinder sind: Nie. Uselding, von Halbur, Ja., Countyrichter John E. Uselding, von Port Washington, Frau G. N. Wolf, von Hilbert und Susanna, welche noch zu Hause ist. Es überleben ihn ferner seine Ge— schwister Nic. Uselding von Holy Croß. John Uselding von Grafton, Geo. lselding und Frau VBarbara Weingärtner von Woolsey, Süd— Dalota, Frau Barbara Meyer von Holy Croß, Frau dF. Müller und Frau Anna Frederici von Odell, dll.. und Fraun F. W. Lauters von Fre— donia Station. Das Begräbniß fin— det Donnerstag Morgen um 10 Uhr anf dem St. dohannes Kirchhofe in Fredonia durch Rev. Delles statt. Den Hinderbliebenen unser Beileid! Großherzogthum. (Spezial --Correspondenz für die „Gazette“.) Unsere,,Ehrenwerthen' an der Arbeit. Staats Einnahmen und Staats— Finanzen. Erhöhung der Pen—- sionen. Sozialdemotra tische Sitten und Hetzen. Die „Freidenker“ an der Arbeit. Unsere „Ehrenwerthen“ haben in den zwölf Sitzungen, welche sie seit Beginn der Kammer— tagung 1907 halten, ein gutes Stüet parlamenta— rischer Arbeit geleistet: den Ein— nahmentheil des Staats— haushaltes für 1908 haben sie ganz unter Dach und Fach gebracht, und auch bereits die ersten Artikel des Ausgabe Büdgets erledigt. Sie b— zehn und eine halbe Mil— Lionen Franken haben die Her— ren Deputierten uns für 1908 an Einnahmen zusammengerechnet: 15 Millionen gewöhnliche und 2 Millionen Anleihe Gelder. Diese 214 Millionen stellen die erste Rate des großen 12-Miilionen-Pumpes dar, den die Kammer voriges Jahr bewil— ligt. Den größten Theil unserer Ein— nahmen bildet noch immer unser An— theil am deutschen Zollverein: für 1908 sind für uns 4,5 Millionen vor— gesehen. Die Grundsteuer gibt uns 1; die Mobiliarsteuer 1,5; die Alkohol-Abgaben (Bier, Branntwein, Wirthschafts-Patente) 1,6; das Ein— registrierungs-Amt und die Domänen 2,5; die Post 1,7 Millionen, u. s. w. Unsere Staatsfinanzen, ohne gerade die eines Rothschild zu sein, sind doch andauernd gut. Auch das Jahr 1908 jschließt, wie seine Vor— gänger, voraussichtlich mit einem Ein— nahmen Ueberschuß ab, den unser in Berechnung der Einnahmen sehr vor— sichtige Finanzminister Mongenast mit 25,000 Franken ansetzt. Gleichzeitig mit den Büdget-Ver— handlungen hat die Kammer eine Vor— lage, betr. Erhöhung der Pensionen angenommen. Die Pensionen sind durch Gesetz von 1885 geregelt: sie betragen soviel Mal ein Sechzigstel des Durchschnitts-Gehaltes der letzten fünf Jahre, als der in den Ruhestand tretende Beamte Dienst jahre zählt. Ein Gesetz von 1899 verfügt nebst anderen Zuschüssen, daß die fünf ersten Dienstjahre für zehn. also für zehn Sechzigstel zählen, daß das Meistgehalt statt, wie bisher drei Viertel, in Zukunft fünf Sechstel des Durchschnitts Gehaltes der letzten fünf Jahre betragen kann. Ein Be amter mit 415 Dienstjahren erhält also volle Pension. Durch das neue Ge— setz werden für diejenigen Beamten, welche keine 200 Franken Pension be— ziehen, die im Jahre 1899 bewilligten Zuschüsse um weitere 60 Prozent er— höht. Die Wittwen- und Waisen— pensionen sind durch Gesetz von 1904 geregelt: jede Wittwe erhält (wofern sie wenigstens drei Jahre verheirathet war) als Mindest-Betrag die Hälfte der Pension ihres Mannes, in allen Fällen jedoch 375 Franken. Andere soziale Gesetze wer— den in nächster Zeit zur Verhandlung kommen: Die Alters- und Invaliden—- versicherung, die Ausdehnung der Un—- fallversicherung auf die landwirth— schaftlichen Betriebe; eine Reform des Wirthshausgesetzes, der Mobiliar— steuer, u. s. w. Weil das Büdget nicht vor Neujahr ganz cerledigt worden, mußte die Kammer die üblichen Zwölftel fürdie Monate Fanuarund Februar bewilligen. 3wei So— zialisten stimmten dagegen, obgleich doch gerade die Vielschwätzerei ihres Führers, des „roten Doktors“, die Büdget- Verhandlungen am meisten aufhält. Auch benutzte derselbe Dr. Welter jede auch noch so unpassende Seer ere seine sozialistischen Hirn— gespinster an den Mann zu bringen; und da sein eigenes Leiborgan, das „Neue dournal“, so gut wie keine Abonnenten zählt, benutzte er hierzu den Kammerbericht. wobei ihm auch noch der Umstand zu gute kommt, daß der Staat umsonst ihn auf seine eigene Kosten druckt und versendet. Die Er— nennung von weiblichen Beamten im statistischen Amt bot dem Doktor Ge— legenheit, die betannten sozialistischen Phrasenlügen über „Unterdrückung und Verdummung der Frau durch die Kirche“ vorzutragen. Der Abgeor dnete Dr. Schiltz hielt ihm die doppelte Thatsache vor: 1.1 die Sozen haben für die Fortbildung der Frau hierzu— lande noch gar nichts gethan; 2.) die Katholiken dagegen haben seit langer Zeit auf eigene Kosten eine ganze Reihe Unterrichts- und Fort— bildungs-Anstalten für die weibliche Fugend unterhalten. Thaten aber allein sprechen; mit großen Worten eines Maulhelden aber ist der Welt schlecht gedient. Namentlich aber das katholische Tageblatt, das „Lurxembur— ger Wort“ und dessen an Abonnenten ünd politischem Werth von Tag zu Tag zuneymender Einfluß muß es dem Doltor angethan haben. Das „Wort“ versetzt ihn in förmliche Krämpfe; wenigstens scheint dessen Toben und Rasen gegen dasselbe in öffentlicher Kammersitzung drauf zu deuten. „Viel Feind, viel Ehr“. Das Wori— befindet sich ob der Welter schen Angriffe nicht weniger wohl und Gazetie, Dienstag;, den 28. Janunr 1908 munter. Für sozial demokratische Sitten oder vielmehr Unsitten ist aber es recht bezeichnend, daß der rote Doktor die parlamentarische Fmmuni— thät und Straflosigkeit für seine Hetze gegen die katholische Presse benutt! Der Kammer ist auch eine Eingabe der „Freidenker“ zugegangen. Diese traurigen Gestalten sind nämlich wie— der an der Arbeit: sie haben sich den abgefallenen französischen Ex-Priester Charbonne!l zu zwei Vorträgen im Escher Kanton verschrieben. Zwei hierauf abgesandte Bittschriften mit je 73 und 90 Unterschriften an die Kam— mer um „Abschaffung des Kultusbüd— gets und Einführung der Trennung von Kirche und Staat, wie in Frank— reich“ erhielten bei der Mehrzahl der Abgeordneten eine Aufnahme, die der Kammerbericht mit einer „Heiter keits“-Note begleitet. Unser Land ist denn doch nicht reif für französische Block- und Kulturkampfs Politik! Und daß dasselbe es auch noch so bald nicht wird, dafür werden die kattholische Presse und der katholische Boltksverein sorgen. Lur. Aus der Hauptstadt. Luxemburg, 10. Fan. Die katho— lische Arbeiterbewegung macht überall im Lande erfreuliche Fortschritte. In den beiden letzten Monaten November und Dezember wurden folgende Ar— beitervereine gegründet: zu Esch a. d. Alz., mit 250 Mitgliedern, zu Lu— remburg St. Michel, mit 110 Mit gliedern, im Pfaffenthal mit 130 Mitgliedern, zu Hamm, mit 70Mit— gliedern, zu Hollerich, mit 100 Mit— gliedern, zu Eischen, mit 100 Mit— gliedern; außerdem in den letzten Ta— gen zu Oberkerschen mit 80 Mitglie—- dern. Also acht neue Vereine mit 910 Mitgliedern. Luxemburg, 10. Fan. Wir lesen in der „Gazette de Licge“ von heute Freitag, den 10. Fanuar: „Ein großes Projekt, dessen Initiative die Handels— kammer der belgischen Provẽnz Lu— xemburg nimmt und in dessen Interesse dringende Verhandlungen mit der großherzoglichen Regierung von Lu— rxemburg gepflogen werden, ist in Aus— sicht genommen; es handelt sich um die Verbindung der Mosel mit der Maas. Ein solcher Kanal würde das bedeu— tende Minenbassin des Großzherzog— thums Luxemburg mit Antwerpen in Verbindung setzen: die Entfernung würde nur 450 HKilometer betragen. Die ökonomischen Folgen dieses Pro— jektes würde sehr beachtenswerthe sein sowohl für Belgien, als auch für das Großherzogthum Luxemburg.“ Civilstand der Stadt Luxemburg. Geburten. 2. Jan.: Mat— thias, Sohn von Matthias Hari, Han— delsmann. 3.: Anna Maria Katha— rina, Tochter von Eugen Breyer, Werkführer. 4.: Jeanne Elise Guge—- nie, Tochter von Dr. Luc. Housse, Ad— votkat und Schöffe; Martin, Sohn von Peter Weimerskirch, Maschinenführer. 5.: Alphons Loitis, Sohn von Mat thias Alphons Wirion, Kaufmann. 6.: Roger Louis Leon, Sohn von Jo— hann Schambourg, Industriel; Vittor Michel, Sohn von Peter Kipgen, Leh— rer an der Handwerkerschule; Wilhelm Emil, Sohn von Nikolas Peter Wag— ner, Gipsermeister. 7.: Josephine, Marguerite Anna, Tochter von Joseph Helling, Schlosser. 9.: Dominit, Sohn von Dominit Toussaint, Handelsmann. Heirathen. hann Grünen, Fuhrmann, mit Maria JZung. 9.: MRaulhias Deteil, Ge— schäftsvertreter, mit Johanna Augu— stine Wagner. Sterbefälle. 2. Zanuar: Anna Elter, alt 67 Jahre, Eigenthü— merin, Wittwe von Michel Hanno, zeitlebens Eigenthümer. 3.: Nikolas Picard, alt 65 Jahre, Schreiner, ehe— los. 4.: Franzista Hoff, alt 77 ʒ.. Wittwe von Matthias Martina, ztlbs. Maurer. d.: Nitolas Scholtes, alt 13 Jahre und 6 Monate. 6.: Maria Leclerc, alt 57 J., ohne Stand, ehe— los, aus Noeher. 8.: Maria Reuland, alt 87 Jahre, ohne Stand, ehelos, aus Fels; Genofeva Baustert, alt 75 1.. Rentnerin, Wittwe von Thomas Byrne, zeitlebens Industriel. 9.: Peter Guthörl, alt 27 JFahre, Por— traitmaler. Aus den übrigen Theilen. Kaundorf, 7. Fan. Herr Heinrich Hebermehl, Bruder Majella aus der Herz Jesu Congregation, ein gebo— rener Kaundorfer, weilt seit Hurzem in seiner Heimath auf Besuch zur Wiederherstellung seiner durch das afritanische Klima angegriffenen Ge— sundheit. Derselbe war nämlich in den letzten vier dahren in der Mission St. Gabriel (Distriktt Stanlenville im Congostaate), im Gebiete des Aeqgua— tors thätig. Ein anderer Kaurtdor fer, Herr Josef Schumacher, hat seine neue Heimath in Ameritka auf kurze Zeit verlassen, um seinen Verwandten im luxemburger Lande einen Besuch abazustatteu. Biwer, 6. Jkan. Am 14. Dezem ber verschied zu Ottoville, Ohio (Nord— amerika), Frau Elisabeth Schneider, geborene Kieffer. Die Verstorbene ward geboren in Biwer bei Greven— macher am 31. Fanuar 18383. Petingen, Fa Auf dem Ge— leise der Strecke etiet Küntzig fand man gestern Morgen die schreck— lich verstümmelte Leiche eines sjungen Mannes. Der Verunglückte heißt Josef Kremer und ist 24 Jahre alt. Er war in der Nähe eines Bahnüber—- ganges von einem vorübersahrenden Zuge überfahren worden. Weidig, 6. dan. Vor einiger Zeit ließen die Seltionen Eschweiler und Weidig den Wassersucher kommen, der mit seiner Wünschelruthe im Oesling an verschiedenen Orten Erfolg gehaht haben sollte. Der Mann ging hier und dorthin und begeichnete Stellen, r 1 A
wo unterirdische Wasseradern zu fin den sein sollten. Man gab sich an's Naehgraben, fand aber nirgends Was— ser. Der Meister mit der Wünschel ruthe wurde wieder kommen gelassen; er ging wieder hieher und dorthin,. schwatzte wieder her und hin und ver— schwand so schnell wie möglich. Er hat von jeder Sektion 20 Mark er— halten. Wasserbillig, 0. Jan. In der vori— gen Nacht ist die Sauer hier ganz zu gefroren, so daß man über das Eis een einem Ufer zum andern gehen ann. Winseler, 3. dan. Gestern Abend starb nach längerem Kranksein unser allbeliebter Lehrer Herr Jean Michel Müller im Alter von 47 Jahren. Ermsdorf, 8. dan. Gestern ver— starb hier Dame Wittwe J. P. Wester, im Alter von 79 Zahren. Echternach, 10. Jan. Heute Morgen starb an Lungenentzündung Herr Polizeikommissar Theato. Itzig, 9. dan. Soeben langte die traurige Nachricht an. daß der hochw. Herr Franz Poos, Missionar, heute Morgen im Missionshause zu Oesen— trop in Westfalen nach längerer Krankheit fromm und gottergeben ver— storben ist. Derenbach, 8. Jan. Heute, kurz nach Mittag, verschied hier plötzlich in folge eines Schlaganfalles Frau Marg. Petesch, Gattin des Wegewärters Pe— ter Schauls, im Alter von 57 Fahren. Rümelingen, Jan. Als vor— gestern mehrere Arbeiter die Gallerie auf Grube Sterkerad verließen, um sich nach Hause zu begeben, kam eine Reihe Waggonets dahergefahren; sie erfaßten einen der Arbeiter, P. Cal— mus aus Kayl; er gerieth mit einem Beine unter die Räder und erlitt einen complizierten Beinbruch. Manternach, 6. Zan. Im Alter von 72 Jahren starb gestern hier der ehemalige Deputierte Herr Mathias Mehlen. Der Verstorbene vertrat in der Hammer stets den katholischen Standpunkt. Bissen, 9. Jan. Gestern Abend gegen d Uhr gerieth hier ein Knecht mit dem Kopf zwischen ein Transmis— sionsrad und einen steinernen Lager— posten. Der Hinterkopf ist stalpiert und der Hinterschädel gespalten. Der Unglückliche wurde von zwei Aerzten operiert. Der Knecht, welcher Moli— tor heißt und aus Vichten gebürtig ist, wurde ebenfalls am Gesichte und an den Lungen verletzt. Lasauvage, 8. dan. Vor einigen Monaten meldeten wir, Herr Hütten— herr de Saintignon habe Nachgrabun—- gen nach Kohlen anstellen lassen und er hoffe, im Bassin' der Korn solche finden zu können. Indes sie beruhte auf Wahrheit und die Nachforschun gen, welche durch das Haus Raky an— gestellt wurden, haben ein erstes Re— sultat ergeben. Man hat nämlich eine Kohlenschichte aufgedeckt in einer Dicke von ungefähr 20 Centimeter und liegt in einer Tiefe von 750 Meter. Wenn die neuen Kohlenschichten eine Exploi— tierung derselben rechtfertigen, so wird unser Minett-Basin das erste der Welt sein, weil es dann Eisenerz und Koh— len beisammen hätte. Berdorf, 7. Fan. In der letzten Nacht entstand auf bis jetzt unaufge tlärte Weise eine Feuersbrunst im An—- wesen des Hrn. Michel Weber hier. Haus, Stallung und Scheune wurden ein Raub der Flammen. Dank der rührigen Thätigkeit der Einwohner— schaft gelang es endlich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und Möbel und Vieh zu retten. Differdingen, 8. dan. Nach län— gerer Krankheit verstarb, wohlversehen mit den hl. Sterbesakramenten Herr Mathias Haan, Plafoniermeister, ge bürtig aus Grevenmacher. Esch a. d. Alz., 8. Jan. Gestern Morgen wurde der etwa d 0 Jahre alte Hnecht des hiesigen Händlers Breckler neben der Straße, welche von hier nach Ehleringen führt, todt aufgefun den. Derselbe scheint, sich zum Aus— ruhen dort niedergelegt und dann den Tod durch Erfrieren gefunden zu haben. Der auf einem hiesigen Hüttenwertk beschäftigte Arbeiter Peter Britner wurde beim Manövrieren von den Puffern eines Eisenbahnwaggons gegen einen Prellbock gestoßzen, daß ihm der Brustkorb eingedrückt wurde. Britner, der erst 20 Fahre alt und ledigen Standes ist, verschied bald naehher. Berdors, 0. Jan. Gestern verstarb im nahen Birtelt, im hohen Alter von 35 Jahren Hr. Meyers, Vater des hochw. Hru. Dechanten von Körich. Ehnen, 7. Fan. Sonntag Nach—- mittag starb an Lungenentzündung der T7jährige Schreinermeister Fohann Senninger, und heute srüh an Gehirn— entzündung der 14jährige Gastiwirth Peter Speicher, beide versehen mit den hl. Sterbesakramenten. Kleinbettingen, 7. dan. Vorgestern Nachmittag brach Feuer in dem Hause Gauche zu Niederelter (Autelbas) aus. Das Hornviel, sechs Stüet, sind erstickt; sechs große Schweine ver— brannt. Gauche erleidet einen ver— sicherten Schaden von ungefähr 10,— 000 Franlen. An dem nicht versi— cherten Viehbestand erleidet er einen Schaden von 3,000 Franken. Godbringen, 7. Jan. Gestern ließ Herr August Angelsberg, Rentner in Echternach, verschiedene zwischen God— bringen und Heffingen gelegene Wald— parzellen versteigern. Einen Tan—- nenwald, groß 17 Ar, erstand Herr P. Steffen aus Reuland zum Preise von 1,000 Franken Herr Kariger aus Godbringen erhielt einen abgeholzten, theilweise urbar gemachten Wald von nahezu 2 Hektar, für 1,210 Franken. Dem Hrn. Bertrang aus Godbringen wurde ein Hochwald mit prächtigem Eichen- und Buchenbestande, 114 Hekt., für 1,900 Fr. zugeschlagen Hr« Clement aus hunglinster steigerte einen Tannenwald an, von 2 Hett.. für -3,200 Franten. 7 123 1 25 1 2 A —A— A 7 Kuy 2 HAi 4 —l/ 25/ x
1 F m tra 7 Im trauten Lamihien Kreise 4 nKreise 41/ Freuden des Winters. Durch Ufer, die mich weiß geleiten, Trägt mich der stählern-blanke Schuh, Es grüßen die verhängten Weiten And winken mir verheißend zu. Wie in die Welt ein einz'ges Streben! Vorwärts! Vorwärts in heißem Lauf! Wie bist du schön, du junges Leben! Die Bahn frei! Fort! Wer hält mich auf?! Die blassen Wintersonnenstrahlen Geh'n zarte Kinder früh zur Rast, Matt flimmern noch die letzten, fahlen Goldfunken auf bereiftem Ast. Der Abend schmückt mit roten Kränzen Der Uferhalde weißes Kleid Und erste, große Sterne glänzen Herab auf meine Einsamk-it Ich schwebe. Ferne alle Schraken. Ein leises Sinken weckt mein Schuh, Das führt die stürmenden Gedanken Traumhaften Märchenthälern zu. Mich tragen schnelle Silberflügel Dahin, so weit, so endlos weit, Fort über bunte Blumenhügel In's Wunderland der Kinderzeit. Wo alle Bluthenglocken klingen Und Elfenreigen huseht durch's Moos Die Nacht löst leise Schuh und Sehwingen Und zieht mein Haupt in ihren Schoß. 2A Srcheidelied. Ein altes vielgesungenes Scheide lied, das besonders unsere älteren Leser noch in der Schule weit drüben über'm Meer gelernt haben, ist das Nachfolgende: Thränen hab' ich viele, viele vergossen, Daßz ich scheiden muß von hier; Doch mein guter Vater hat es be— schlossen, Aus der Heimath wandern,„wir. Heimath, heute wandern wir. Heut' auf ewig von hier, Drum Ade, so lebe wohl! Lebet wohl, Ihr Gärten, Wiesen und Felder, Wo ich manches Sträußehen band! Lebet wohl, Ihr Büsche, Lauben und Wätlder. Wo ich kühlen Schatten fand. Berg' und Thäler, stille Aun, Werd' Euch nimmermehr schau'n Drum Ade, so lebet wohl! Lebet wohl! so ruf' ich traurig her— nieder, Ruf's vom Berge hinab in's Thal! Heimath! Heimath, seh' Dich nimmer- wieder, Seh' Dich heut' zum letzten Mal! Dunkel wird es rings umher. Und mein Herz ist so schwer Drum Ade!l so lebet wohl! FXKA Was jede Hausmutter wissen soll. (Aber in vielen Fällen nicht beachtet.) Bei Besuchen ist es nicht schön, die Nase allüberall zu haben und die Au— in manche Winkel schweifen zu assen, wo der Staub der Reini— gungsbürste harrt, wo die Spinnen ihre Gewebe zur Schau ausgestellt ha—- ben, und wo so mancherlei Bellei— dungsstücte der großen Montagswäsche harren. Wie gesagt, es ist nieht schön, wenn man Jenes vorwitzigerweise zu sehen sucht; der höfliche Besucher sieht das auch nicht. Aber etwas fällt ihm doch auf und das sind die unesth ä— tischen Grundsätze., die manche Hausfrauen haben und über welche wir hier ohne die Höfliehkeit gegen die werthe Leserin zu verletzen einige Vemerkungen machen wollen: Erstens, „behalte niehts in Deinem Heim, wovon Du nicht weißt, daß es nützlich ist, wovon Du nicht glauben darfst, daß es schön ist.“ Das ist eine goldene Regel, die man nie ver— letzen sollte. Fdm Allgemeinen findet dieser Grundsat auch in unse— ren städtischen Wohnungen immer mehr Geltung. Man bestrebt sich, sogen. Lurus, wie z. B. die Kinker— litzchen und „Schmücte Dein Heim— Waren“, aus den Häusern fortzu— sehaffen und zur Aufrichtigkeit und Einfachheit zurückzutkehren. Dabei schießt man freilich bisweilen über's Ziel hinaus und vergißt, daß Einfach-- heit und Gediegenheit zusammen ge— hören, wenn die Geschichte nicht einen ärmlichen Eindruck machen soll. Diese Gediegenheit läßt sich auch ohne großen Kostengufwand erreichen, und wenn gute Sachen immerhin etwas mehr kosten als schlechte, so halten sie auch länger. Gerade beim Aleingeräth zeigt sich das am deutlichsten. Da ist ein wunder Puntkt in manchem ameri— kanischen Haushalte. Von Denen, die das Geld nicht anzusehen brauchen und sich daher nur das Beste zulegen können, müssen wir natitrlich absehen. Es gibt solche Familien überall, deren Tafelgeschirr nur aus gediegenem Silber besteht. vornehm und gediegen. Dem Durchschnittsbürger sind in die— ser Beziehung gewisse Grenzen ge— sreckt. Aber ec möchte doch auch eiwas recht Feines bhaben, und weil er das Echte sich nicht leisten kann, so begnügi er sich mit dem Schein. Dieser Vor liebe für den Schein kommt die Fabri kation von Schundwaaren entgegen und so hat sich das plattierte Geschirr überall eingeschlichen, selbst da. wo echtes zu den wohlgehüteten Schätzen des Hauses gehört, findet man bis weilen im Alltagsgebrauch das unechte. Man redet sich ein, wunderbar wie sparsam zu sein, während man sich im Stillen über das schlechte Aussehe des billigen Zeugs ärgert, das man oft durch Neues ersetzen muß. Und wenn man die Geschichte zusammenrechnet; hat man am Ende mehr für den Schund ausgegeben, als die beste ge diegene Waare getostet hätte. Das kommt aher von der Sueht, zu glän zen, etwas vorstellen zu wollen, was nieht ist. Muß es denn immer heißen. man hat Silbergeschirr? Wer das nicht orschwingen kann, sollte nitht ver gessen, daß unsere Ettl ves sehr schöne gediegene Sachen liesert, die eben ihrer Gediegenheit wegen viel vornehmer aussehen als die Talmiwaare und viel länger halten Freibiech, gar so billig ist auch gille Stahlwaare nicht, hält dafür aber auch bei sorgfältiger Pflege vnu tionen aus. Aber etwas muß mam schon für die aubere des Eßrisehes thun. ie ästhetische Seite desselben verlangt auch ihre Lertt 22 siehtigung, sie ist nicht ohne Einfluß auf das Wohlbefinden und Gedeihen des Körpers und maeht unbedmgt ei nen Theil unserer Kultur aus, dew wir nicht gut mehr missen tönnen. 2 Was man vom Geräthe sagen kann, das gilt auch von Vorhängen, Teppichen üd sonstigen Dingen, wo durch sich der moderne Mensech sein Heim heimelig zu machen sueht. Aud hier heißt die Losung: einfach und ge diegen. Man darf nie vergessen, wo zu die Sachen dienen sollen. Die Aus gestaltung der Fenster sollen nicht will türliches Drapieren mit Vorhängen sein, sondern man soll sich stets vor Augen halten, daß die zweeckmäßige und in einem gewissen Sinne die archi tektonische Behandlung des Fensters als Licht- und Luftquelle die Hanpt sache ist und daß die Vorhänge an der farbigen Stimmung des Raumes einen wesentlichen Antheil haben. Sie dürfen also der Fensteranlage keine Gewalt anthun und deshalb sind seit lich zu ziehende, in Stangen laufende. sehlicht herabfalende Schals am empfehlenswerthesten. Schneefarbige Muster, die auf schlichten Faltenwurf berechnet sind; besitzen besonderen detko rativen Werth. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, daß alles Ein aelne untereinander und zum Gangen stimmen muß. Hinsiehtlich der Farbe der Wände, der Möbel u. s. w. ist zu bedenken, daß ungebrochene, klare Far ben, vonder zartesten bis zur kräftig sten Tönung, unter allen Umständen den Vorzug verdienen. Dabei muß natürlis ein Hauptton m Raum vor herrschen, von dem sich die Farben der Ausstattungs- Gegenstände in coma plimentären und kräftigen Farben ab heben. Die künstlerische Ausstattung ei ner Wohnung ist nicht so schwer, woenn man nur an dem „einfach und gediegen“ festhält und lieber weniger thut, als daß man zu der üblichen und üblen Durchschnittsfabrikwaare greift. Lieber einen Lieblingswunsch zurück« drängen, bis die Erwerbung einen guten, preiswerthen Waare möglich ist. Man erspart auf diese Weise viel ÿ·Berdruß und Geld. A 22 Was ist unser Heim? Eine englische Zeitung warf obigs Frage kürzlich auf und setzte einen Preis für die beste Antwort aus. Einige dabon lauteten: Unser Heim ist die Blüthe, deren Frucht dereinst den Himmel ist. Eine Welt von Kampf, der ausgeschlossen eine Welt von Liebe, die eingeschlossen ist. Die goldene Fassung, in weleher die Mutter det schönste Edelstein ist. Der einzige Flec auf Erden, wo die Mängel und Fehler der Menschen vom Mantel der Liebe bedecktt werden. Der Platz. wo die vor Augen der Menschen Großen oft klein, die Kleinen häufig groß sind. Des Vaters Königreich, der Kinder Paradies, der Mutter aganze Welt. Der Ort, wo man anr besten behandelt wird, und doch an unzufriedensten ist. Bei der Taufe eines Katholiten sollen nur katholische Pathen hinzua gezogen werden, und zwar keine Na mens- oder Tausschein-Katholiten, sondern praktische Bekenner ihres kä tholischen Glaubens. Wissentlich pko testantische Taufpathen zu nehmen, ist eine schwere Sünde für Den, der dafür veraniwortlich ist. Aber ungültig tann die Taufe durch Annahme von nichl tatholischen Taufpathen nie und unnmn mer werden. Uebrigens “haben wiv ja wiederholt gesagt, daß jeder Mensch. Christ, Heide, Mohammedaner, Hot tentot und der ärgste Freimaurer und Ungläubiger gültig tausen tann, so lange er überhaupt eines vernünftigen freien Altes sähig ist und das beabsich tigt, was die Kirche beim Taufen be absichtigt. 2 3
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Artkansas. Aus Benton wurde kürzlich ge meldet: Die 12 Jahre alte Millie Tarver rette zwei Bahnzüge, die sich in der Nähe ihrer Wohnung entgegen kamen, von sicherem Verderben. Auf den Geleisen der Hot Springs We— stern Bahn kam vom Westen ein ct- den die Kleine schon “von eitem ?ommen sah. Sie hatte aber furz zuvor bemertt, daß die Brücke bei Benton brenne. Sofort nahm sieeinen xothen Shamwl, und gab, auf dem Ge— leise stehend, das Gefahr-Signal, das glücklicherweise gesehen wurde. Zehn Fuß vor der Brücke hielt der Zug an. Dann eilte das Mädchen dem von Osten kommenden mit Passagieren gefüllten Zug entgegen, warnte ihn, und der— selbe hielt rechtzeitig an, so daß das Kind viele Menschenleben rettete. Indiana. Die Deutsche Vereinigung von der Wanyne, Ind., will die Zwangs— fanatiker mit ihren eigenen Waffen betämpfen, um die Aufhebung des seit zwei Sonntagen über die, Stadt ver— en Sonntagszwang zu erzwin jgen. Wie die dortige „Freie Presse“ meldet, wird zunächst der Bürgermei ausgefordert werden, alle auf die nntagsruhe bezüglichen Gesetze zu vollstrecken und nicht nur eines, wenn er doch einmal sein vor der Wahl gege— denes Versprechen brechen will. Mit ganz derselben Gnergie, mit welcher von Seiten der Fanatiker in ihn ge drungen wurde, das Sonntagsgesetz gegen die Wirthschaften durchzuführen, muß nunmehr in ihn gedrungen wer— sden, alle Gesete durchzuführen. Nur dadurch lönnen diese Gesetze überhaupt sad absurdum geführt werden. Ferner wurde ein St ernannt, das es sich zur ·Aufgabe stellen wird, die öffentliche Meinung, die von den Tem— perenzlern nach ihrer Seite hinüberge— zogen wurde, umzustiinmen durch ge— eignete journalistische Thätigkeit. Ge— rade dieses letztere wurde bisher ver— säumt. Frevelhaste Thorheit. „Wenn Ihr an Husten oder einer Erlältung leidet, oder wenn Ihr einen wehen Hals habt, wäre es frevelhafte Thorheit, irgend eine andere Arznei zu nehmen, als Dr. King's New Dis— cobery“. sagt C. O. Eldridge von Empire, Ga. „Ich habe New Dis— covery während sieben JFahren ge— braucht, und ich weiß, daß es die beste Arznei auf Erden für Husten und Er— kältungen, für Croup und alle Hals— und Lungenleiden ist. Meine Kinder sind der Croup sehr empfänglich, aber New Discoverh heilt rasch jeden An— fall.“ Auf der ganzen Welt bekannt als der König der Medizinen gegen Hals- und Lungenleiden. Unter Garantie vertauft in der Apotheke von T. W. Ruete, 656 Main Straße, Dubuque, Jowa, zu 50 Cents und 81 die Flasche. Probeflasche frei. Illinois. Der ehrwürdige Pfarrer L. L. Conrady, welcher acht Jahre lang in der Colonie der Aussätzigen auf der Nawaiischen Molokai-Insel unter den Opfern jener schrecklichen orientali— jchen Krankheit als Arzt thätig war, und der mit eigenen Händen die let ten Ueberreste des heldenmüthigen Pfarrers Damien bestattete, als dieser der furchtbaren Seuche zum Opfer gefallen war, weilt zur Zeit in Chi— cago und steht im Begriff, auf's Neue jein Leben auf's Spiel zu setzen. Seinen Wirkungskreis wird er dies— mal nach Canton, China, verlegen, wo eine große Aussätzigen Colonie vorhanden ist. Pfarrer Conrady ist sich dabei be— wußt, daß er, trotz seiner bisherigen Bewahrung auf' s Neue dem nahezu sicheren Tode entgegengeht. In der Umgegend von Canton befinden sich 50,000 Aussfätzige, und die Gefahr, sich das Leiden zuzuziehen, ist- hier außerordentlich groß. Der ehrwürdige Pfarrer steht im achtzigsten Lebensjahr, sein Haupt haar ist bleich und sein Vollbart schneeweiß. Als er Pfarrer Damien im fernen Osten zur Ruhe gebracht hatte, sant er ohnmächtig nieder und es wurde angenommen, daß er von der Seuche befallen worden war. Wochenlang hing er hierauf zwischen Leben und Tod, genas aber schließ— lich und war nicht aussätzig. Er heat absolut keine Furcht vor der schrect— nchen Krantkheit, die seiner Ansicht nach nicht anstectkend ist. Im Jahre 1587 begab sich der hel— denmüthige Pfarrer nach der Molo— fai-Insel, um dem Pfarrer Damien Hulfe zu leisten, der um jene Zeit be— reits von der schrecklichen Krantheit befallen worden war, nachdem er sechs Jahre unter den Aussätzigen t cio gewesen war. wWochenlang flegte er den theuren Collegen, bis ihm die Aufgabe wurde, ihn zu be— statten. Während seines Aufenthaltes in Chicago verweilt Pfarrer Conrady bei dem Vfarrer Julina De Vos, von der St. Johannes-Kirche in Mavlewood. Von hier gedentt er innerhalh vierzehn Tagen nach China abzureisen. Jowa. prn—— Aus Webster City verlantet: Wenn es einen glücklichen Menschen hier gibt, so ist es William H. Bater, ein armer Tagelöhner mit 14 Kin—- dbern, welcher soeben die Aunb er shalten hat, daß er einer der Haupt—- serben seiner Tante, der Frau Augu— sstus Mitchler ist, die kürzlich in Whiteside County, 111., starb, und deren Hinterlassenschaft auf 375,000 geschätt wird. Sein Antheil an der Erbschaft wird sich auf 820,000 be— suen für ihn ein großes Ver— mögen. Burlington vermeldet Nachfol—- gendes: F. C. Hanna von Danville verkaufte sein Vollblutschwein „Impu— dence“ an F. F. Oerly in Oregon. Mo., für 810,000. Wohl der höchste Preis, der je für einen Grunzer be— zahlt wurde. Georgia. Die Stadt AMtlanta hat sich mit Händen und Füßen gegen die Prohi bition gewehrt, allein, nachdem die ver— kafferte Legislatur sie für den ganzen Staat beschlossen, muß die Stadt sich natürlich fügen, obwohl die Absicht be— steht, die Verfassungsmäßigkeit des Ge— setzes gerichtlich anzugreifen. Die Wirthe von Atlanta, die aus ihrem Geschäft hinaus gesetzgebert wurden, haben trotz des schlimmen Streiches, den man ihnen gespielt, eine gute Portion Galgenhumor gezeigt, denn am letzten Tage des alten Fahres war bei der großen Mehrzahl der Wirth— schaften an der Thüre ein Zettel zu lesen mit der Auffschrift: Hush, little barroom, Don't you ery, Youll be a drus store By and by. Sie ersüllt ihren Zweel. Herr E. E. Chamberlain von Clin— ion, Maine, schreibt über Bucklen's Arnika Salbe wie folgt: „Sie erfüllt ihren Zweck; ich habe dieselbe für Hämorrhoiden-Leiden gebraucht, und sie hat dieselben geheilt. Gebrauchte die Salbe für aufgesprungene Hände und sie heilte dieselben. Sie heilte eine alte Wunde, ohne eine Narbe zu hinterlassen.“ Zu 25 Cents in der Apotheke von T. W. Ruete, 656 Main Straße, Dubuque, Jowa, zu haben. Maryland. Auf Befehl des Einwanderungs- Departements ist heute der Einwande—- rungs Inspektor Louis Hoffmann von Baltimore nach Nord Carolina gereist, um in dem Falle von sechs deutsch russischen Familien, welche dort um Hab und Gut gebracht wor— den sein sollen, eine Untersuchung zu veraustalten, deren Ergebniß für die Cinwanderung nach dem Süden weit— gehende Folgen haben mag. Trotz des wohlgemeinten Rathes, den ihnen Einwanderungs- Commissär Louis F. Weis bei ihrer Ankunft aus Ruß— land im November vorigen Jahres gab, wandten sich die sechs Familien nach Nord-Carolina und kauften dort von einem gewissen Alfred Legler ge— gen ihr gutes baares Geld Land, das ihnen bis jetzt noch nicht überliefert worden ist und wohl auch nie überlie—- fert werden wird. Diese Familien, Henry Merser nebst Frau und fünf Kindern, John Tropp nebst Frau und Tochter, seinem Sohn nebst Frau und Kindern, Fred Schild nebst Frau und acht Kindern. I. I. Bructs·und Frau und F. Wirth und Frau befinden sich jetzt in Cumnock, N. C., in bitterster Noth und sind auf die Wohlthätigteit ihrer Nachbarn angewiesen. Den Aermsten ging schließlich die Geduld zu Ende und am 18. Dezem— ber begannen sie cin Strafverfahren vor einem Friedensrichter. Infolge ihrer Untenntniß der englischen Sprache wurde der Fall auf.den 7. Januar verschoben, an welchem Tage Legler unter 3500 Bürgschaft bis zu einer weiteren Verhandlung am 3. Februar entlassen wurde. Die bedauernswerthen Familien haben wenig Aussicht, ihren Prozeß zu gewinnen, da Legler's Anwalt, ein prominenten Advokat u. Mitglied des Staatssenats von Nord-Carolina ist, ein gewiegter Anwalt, der den von den Deutschen angestellten Rechtsbeistand schon mehrere Male im Gericht be— siegt hat. Ein höherer Gesundheitsgrad. „Ich habe einen höheren Gesund— heitsgrad erreicht, seit ich begann Dr. Kings New Life Pillen zu gebrauchen“, schreibt Jakob Springer evn West Frantklin, Maine. „Dieselben hielten meinen Magen, meine Leber und meine Eingeweide in richtiger Thä— tigkeit.“ Falls diese Pillen nach Ver—- such nicht die gewünschte Wirkung ha— ben, wird Ihnen das Geld in der Apothete von T. W. Ruete. 656 Main Straße, Dubuque, Jowa, zu—- rücterstattet. Preis 25 Cents. Missourit. Etiwas das nicht leicht in irgend einem anderen Lande mit begrenzter Freiheit geschehen kann, hat doch Grund und Boden finden tönnen und zwar im Lande der Freien. Die Ge— schichte mögen wir hier zur Erbauung Aller jener besorgten Landesväter widergeben, denen der Schwiegersohn aus diesem oder jenem oft genug imaginären Grunde nicht gut genug ist. Der Ort ist Joplin im obengenannten Staate. C. C. Keyes, welcher der Stieftochter von E. M. Lash den Hof machte, wurde von Letzterem verflos— sene Woche schwer mißhandelt und wahrscheinlich tödtlich verletzt. Als Keyes nach der Wohnung von Lash tam, trat ihm dieser, welchex seine Be— werbung um das Mädchen nicht dulden wollte, mit einem Gewehre entgegen und jagte ihn zwei Straßengevierte weit, bis der junge Mann in einen Spezereiladen flüchtete. Dann ließ Lash das Gewehr fallen, ergriff einen Knüttel, spaltete Keyes den Schädel guxæenmburger VOmzette, Dtenstag, den 28. Januar 1908, und schlug ihm dann den ganzen Körper fast zu Brei. Die Aerzte er— klären, Keyes könne nicht mit dem Le— ben davonkommen. Lash wurde ver— haftet. Michigan. Die alten Pioniere haiten nicht immer Unrecht, wenn sie mit weisem Vorbedacht und gekühl durch die harte und nachhaltige Arbeit in der neuen Heimath, den Auswanderungslustigen über'm Wasser warnend schrieben: „Bleibe im Lande und nähre Dich redlich“, oder „Jedes Land hat seine Freuden, aber auch seine Lasten.“ Jene Worte haben auch noch heute Geltung und nicht im verminderten Maße und für jene Ameritaner, denen es nimmer im eigenen Staate gefällt, mögen folgende tyhpische Verse eines Farmers in Michigan dienen, der da schreibt: Schon Mancher hier aus Michigan; Reiste öfters schon weit west, Verkaufte all' sein Hab und Gut, Und verlor sein warmes Nest. Denn er las in mancher Zeitung viel, Von Gold und Edelstein; Und sagte, wenn es Gottes Will', Weib, woll'n wir auch dort sein. Pack ein das Beste was wir hab'n, Denn morgen schon geht's west! Wir woll'n uns hier-nicht mehr plag'n, Und es machen wie der Rest. Und als man kam in's gelobie Land, Fand man nicht Alles schön; Beinah' zu spät kam der Verstand, Doch nach Michigan woll'n wir geh'n. Sie packten ein, was übrig blieb Und reisten wieder heim, Denn Michigan war ibnen lieb Wollt'n nirgends sonstwo sein! New Portr. Ein Modell der St. Johannes- Kathedrale in New York, mit wunder— barer Geduld und bemerkenswerther Geschicklichkeit aus Streichhölzchen zu— sammengefügt, befindet sich gegen—- wärtig in genannter Stadt und wird ausgestellt werden, sobald der Erbauer des Modells die nöthigen Mittel für Lokalmiethe etc. aufgetrieben hat. Der Künstler, der dieses interessante Werk mit eigener Hand vollendet hat, ist ein Deutscher Namens Wilhelm Lempert, der vor drei Jahren mit Frau und vier Kindern nach Amerika tam und sich in Port Arthur, Tex., niederließ. Bald nach seiner Ankunft erkrankte Lempert an einem Nierenleiden, welches ihn ar beitsunfähig machte. Ein Bild der New Horker Kathedrale, welches ihm zufällig in die Hände kam, brachte ihn auf die Idee, aus Zündhölzern ein Modell des Baues anzufertigen und gegen Entree zur Schau zu stellen. Vor zwei Monaten gelang es ihm, das Modell fertig zu stellen, nachdem er zwei Jahre von- Morgens bis Abends daran gearbeitet hatte. Vor etwa einer Woche kam Lempertz mit seiner Familie nach New PYork, um sein Kunstwerk dort auszustellen. Das Modell ist vierzehn Fuß hoch, vierzehn Fuß lang und sieben Fuß breit. Zu seiner Vollendung waren zwei Millio— nen Streichhölzer und 100 Pfund Leim erforderlich. Das Modell wiegt über 1,000 Pfund. Ohio. Aus Ravenna verlautet: Eine traurige Tragödie ereignete sich jüngst, da der 30 Jahre alte Edwin F. Collier, der Geschäftsführer des Ladens der Cleveland Provision Co., auf dem schneebedeckten Grabe seiner im letzten Herbst gestorbenen Frau im Maple Grove Friedhof seinen siebgn Jah—- ren alten, seit seiner Geburt blinden Sohn Edwin erschoß und sich dann eine Kugel durch die Schläfe in den Kopf und eine zweite Kugel durch die Brust jagte. Der Mann lebte noch, als am nächsten Morgen einige Männer, die auf die Jagd gingen, die beiden Körper auf dem Schnee in dem Friedhofe lie—- gen sahen. Der Schwerverletzte, dem durch die Kälte außerdem das Gesicht und die Beine erfroren waren, wurde sofort nach White's Hospital gebracht, wo sich Symptome der Lungenentzün— dung bemertlich machten. Dieser ist er erlegen. Ein Heilmittel sür's Elend. „Ich habe ein Heilmittel gefunden für's Elend, welches die Malaria— Vergiftung verursacht“, sagt R. M. Fames von Louellen, S. C. „Es he Electric Bitters und ist erhältlich in 50 Cents Flaschen. Es heilt zu irgend einer Zeit Fröstel-Anfälle oder einen Anfall von Gallen-Leiden, und es treibt die Gelbsucht vollständig aus dem Shnstem.“ Dieses berühmte Stärkungsmittel u. dieser Blutreiniger bringt rasche Hilfe bei allen Magen—-, Leber- und Nieren-Leiden und dem Elend eines lahmen Rückens. Ver—- tauft unter Garantie in der Apothete bon T. W. Ruete, 656 Main Etr., Dubuque, Fowa. Ollahonma. Was die Bierbrauereien zu er— warten haben, wenn die Prohibition durchgeführt wird, davon giebt eine Brauerei in Otlahoma City ein Bei— spiel. Der Bierbrauer Moß, welcher früher in Hantton, Jowa, die Brauerei betrieb, begab sich vor einigen Jahren nach Otlahoma City und gründete dort eine Brauerei, welche sich gut rentierte, so daß vor einem Jahre, wie Moß selbst sagte, ihm 8110,000 für sein Geschäft geboten, von ihm aber abge— lehnt wurden. Nun kam die Staat—- werdung Oklahoma's und mit ihr die Prohibition. Moß muß die Brauerei aufgeben, seine Maschrnerien, Utensi— lien und Fässer auf Cars laden ünd nach Texas schaffen; die Brauerei-Ge— bäude bleiben ruinenhaft leer stehen und 3,000 Faß Vier im Werthe von $24,000 muß er in den Rinnstein fließen lassen, wenn die Staatsbehör—- den ihm nicht gestatten, den Gersten-- sast mitzunehmen. Hätte Moß einige tausend Dollars zur erfolgreichen Be— tämpfung der Prohibition an die Presse gewandt, so wäre er jetzt um SIOO,OOO reicher. Pennsylvania. Pennsylvania stand in den Be— strebungen, die Lungentubertulose zu bekämpfen stets voran. Neuestens wurde in Philadelphia die Einrich—- tung getroffen, den in den Wollfabri— ken beschäftigten Arbeitern zur Mit— tagsstunde Vorträge zu halten, wie der mörderischen Krankheit vorgebeugt werden könne und wie Kranke behan— delt werden sollen. Die Ansprachen werden von Aerzten gehalten und zwar von einem Wagen aus. Sie verbrei— ten sich im Einzelnen über folgende Punkte: Wie Wohn- und Geschäfts— räume von der Ansteckung bewahrt werden können; ferner über Kleidung,. Wohnung, Nahrung und Pflege der mit der Krankheit Behafteten. Es wird auf einem Wagen eine kleine Anti Tuberkulose Ausstellung mit— geführt, um an Hand der Gegenstände den Wortlaut faßlicher zu machen. Feden Mittag werden zwei Vorträge gehalten bis die Runde in allen Fabri— ken gemacht ist. Sodann beginnt ein nener Turnus. Im Weiteren wurden alle Vorstände der Pfarreien durch Cirkulare aufge— muntert, dem Aufklärungswertke ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. Endlich werden verschiedene Patienten— klassen gebildet. um dieselben in den Vorbeugungs- und Heilmethoden zu unterrichten. Diese Bemühungen und Opfer sind leicht begreiflich, wenn man bedenkt, daß in Philadelphia der durch die Lungenschwindsucht verursachte materielle Schaden allein täglich $20,000 oder jährlich 7,000,000 be— trägt. Bei dieser Berechnung ist blos ein Dollar Verdienstausfall und ein Doltar Verpflegungstosten pro Person und Tag in Anschlag genommen. Grün ist nicht immer die Farbe der Hoffnung. Wenn ʒtr einen Menschen mit grünlicher Gesichtsfarbe ehet. so dürst Ihr sicher 7 daß dem Armen wenig Hoffnung mehr verbleibt. Sein Blut ist vergistet. Zu den vornehmlichsten Gesundheits lehren gehört ja, daß man iur rigelmagiae Lei bettunune loerge. damit die schloechten, im Körper verbrauchten Bestandtheile aus jenem ausge—- schieden werden. Ist das nicht der Fall, so solgen der Verstopsung Koöpfschmerzen, Schwindel, Herz tiopfen, Alhemnoth Mattigteit. Rückenschwäche, Leber- und Nierenleiden; ünd schließlich ist das ganae v“lut mit Absallstof derart überladen, daß ie Haut, vornehmlich das Gesicht, eine gelb frini-e Färhung annimmt. Dann giebt es für olche Leute nur ñoch die einzige Hofsnung, jene toödlichen Giste schnell aus dem Koörper zu entser nen. Diese Hoffnung ist noch vorhanden, wird sich aber nur bei Anwendung der berühmten St. Bernard Kräuterpillen verwirtlichen. Tiese Vil len, welche für nur 25 Cents in allen Aporheten zu haben sind, bilden die einzige Arzenen die in solchen Fällen helfen kann. Sie sind nicht aus den ätenden metallischen Substanzen zuberxeitet, sondern aus den heilkräftigsten Pslanzen herge stelt, welche den Körper von seinen eigenen ten reinigen, ohne ihm Stchaden zuzusügen. Wisconsin. VGroßze Freude herrscht in der Sängerfeststadt La Crosse, und in diesen Jubel, welcher durch die glück liche Lösung der Hallenfrage hervor— gerufen wurde, stimmt die deutsche Sängerschaft des Nordwestens aus vollem Herzen ein. Nach einer kürz— lich in La Crosse abgehaltenen ge— meinschaftlichen Sitzung der Bundes— beamten und der Festbehörde konnte die erfreuliche Bekanntmachung aus— gegeben werden, daß trotz aller hinter listigen Machinationen engherziger Nativisten, trotz Einhaltsbefehls und sonstiger Umtriebe, das Sängerfest des Sängerbundes des Nordwestens doch in La Crosse, und zwar zu der ursprüng— lich festgesetzten Zeit, im Monat JZuli dieses Jahres, abgehalten werden wird. Aus Eau Claire wird unter Datum vom 20. Januar gemeldet: Während Herr Kindermann von der Stadt heimwärts nach dem Town Waskington fuhr, begegnete ihm außerhalb der Stadt im Dunteln ein Mann, welcher ohne etwas zu sagen an ihm vorbei ging. Plötzlich hörte er ein Geräusch am hinteren Ende des Wagens und als ex sich wandte, um zu sehen, woher es kam, stand der Fremde bereits hinter ihm. Herr Kindermann, nichts Gutes ahnend, fragte den Mann in freundlichem Tone, wohin er gehe. Kurz und barsch kam die Antwort: „Ich gehe mit Ihnen“, ihm zugleich einen gro— ßen Revolver in's Gesicht haltend. Zu Tode erschrocken ließ sich Herr Kindermann nun willig durchsuchen und als er um seine Baarschaft, etwa $25.00, erleichtert war, sprang der Fremde vom Wagen und befahl dem erschreckten Farmer, seiner Wege zu fahren uyd sich ja nicht umzusehen, wenn ihm sein Leben lieb sei, welchem Befehl er auch pünktlich nachtam. Des ausgestandenen Schreckens und der Duntelheit halber war es Herrn Kindermann unmöglich, eine genauere Beschreibung des Halluntken zu ge— ben und trotz eisrigem Suchen wird es der Polizei kaum gelingen, des Wegelagerers habhaft zu werden. Mehr Worte. Frau Strongs las in der Zeitung. daß ein neues Wörterbuch, speziell für Frauen berechnet, herausgegeben werden solle. „Bin neugierig, inwie— fern das neue Werk verschieden ist von den anderen Wörterbüchern“, meinte sie, zu ihrem Gatken gewendet, der eben im Begriff stand, nach seinem Club zu gehen. „Vielleicht enthält es mehr Wör— ter“, erwiderte dieser resignirt und dachte dabei an die. verspätete Heim— tehr aus sidelen Clubsitzungen und die sich daran knüpfenden Gardinen— vredigten. Ihm schauderte vor dem neucn FlruuenWoörterbuch. eccnencncccnar i S Ausländisches. ẽ AANAAN AANAAAASANAANE Deutschland. Baiern. Der baierische Verein für Volts kunst und Volkskunde hat vor Weih— nachten ein Krippenspiel aufgeführt; die Aufführungen, welche im Künstler— hause stattfanden, waren stets sehr gut besucht. Die Künstler-Colonie von Dachau bei München war schon voriges Jahr mit gutem Beispiel vorausgegan-- gen, und Extrazüge waren nothwendig, um die Münchener Zuschauer von und nach München zu bringen. Das ganze Spiel war sehr einfach, uver originell inszeniert. Ein Kinderchor sang am Anfang und am Ende das alte rheinische Kirchenlied: „Es ist ein Ros entsprungen.“ Ein Mönch las zu jeder Szene den Passus aus der Bibel vor, und diese einfache Art derx Darstellung wirkte mächtig auf den Zu— schauer. Die Huldigung der Hirten war ein prächtiges, künstlerisch durch geführtes Bild. Da konnte man sich wirklich nicht satt sehen. Und vie schön klang ihr Lied von einer Flöte begleitet: „O dJesulein zart, das Kripplein ist hart. Originell war die— Anbetung der hl. Dreikönige; sie zogen nämlich mit ihrem Gefolge unter Ge— sang durch den Saal auf die Bühne; sie sangen das altbaierische Lied: Der Sternsänger, das die Dorfjugend, als Kaspar, Melchior und Balthasar ver— kleidet, in dem altbaierischen Dörfern, von Haus zu Haus ziehend, singt. „Wir hätten gewünscht, daß recht viele Leiter von katholischen Voreinen bei dieser Aufführung mitangesehen hät ten, wie man mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielen kann“, schreibt man der „Kölnisechen Volkszeitung“ aus München. Besonders interessant war das Verhalten der anwesenden Jugend zu schauen. Mitten in den feierlichsten Akten gab sie, hingerissen von der jugendlichen Begeisterung ihrer Beiwwunderung Ausdruck. Hessen. —1 Der Frankfurter „Kleinen Presse“ sendet man aus der Wetterau folgende noch immer gute Schnurre: Einst kam ein altes, abgezehrtes Männlein in eine gler acher und verlangte Hirschfett, Dachsfett, Igels—- fett, Mückenfett und Armsünder— schmalz. „Jedes extra!“ fügte er bedeutungsvoll, fast mißtrauisch hin— zu. Der Apotheter that die vier erst— genannten Artikel der Reihe nach in ganz kleine Schächtelchen und bat dann, beim Armensünderschmalz ange—- langt, seinen Mitarbeiter: „Holen Sie doch mal von dem „Adeps suillius“ (d. i. Schweineschmalz) aus dem Keller.“ hängten?“ fragte inzwischen der Alte. „Nein, von einem Erstochenen“, lautete die knappe Antwort des Apo— thekers. „Was hat·denn der Alex Willius verbrochen gehabt?“ fragte der Alte weiter. Diese Frage brachte den im Dienst ergrauten Apotheter, dessen Gewissenhaftigkeit und Wahrheitsliebe über jeden Zwekfel erhoben war, in die größte Verlegenheit. „Ja, wissen Sie“, erwiderte er, nachdem er sich wiederholt geräuspert und seine Brille geputzt hatte, „das ist eigentlich Dienst-Geheimniß;. Aber Ihnen will ich s anvertrauen: Er hat seine Nase in jeden Dreck gestecktt und“ dies raunte er dem Alten mit Rücksicht auf die Anwesenden ganz leise in's Ohr „und ist überhaupt seiner Lebtag e großi Sau gewest!“ Der Alte nickte verständnißvoll und zog mit seinen fünf Fetten vyn danñen. Preußen. Eine Schönheits-Gemeinde zur Pflege des Nackten hat sich in dem auf— gellärten Berlin gebildet. Es erxi stiert bereits eine Monatsschrift: „Die Schönheit“, um die Bestrebungen der Schönheits-Gemeinde in's Prattische zu übersetzen, und diese Zeitschrift stand schon mehrmals unter Anklage dec Verletzung der Moral. Die Ber— liner Schönheits- Gemeinde veran— staltet in diesem Winter drei Unter richtskurse: Tanzturse, in denen Da— men und Herren der sogen. besseren Klassen unter der Leitung einer Dame Gelegenheit erhalten, sich edle Ge— wandtheit des Körpers und Schönheit der Bewegung anzueignen.“ Dann Attzeichnenkturse, um das Auge an den Anblick der Nacktheit zu gewöhnen. Theilnehmen dürfen nur erwachsene Damen und Herren aus den Kreisen der Schönheitsfreunde. Endlich Turnkurse für „gemeinsames Turnen und Körpertultur im Luflbadtkostüm.“ Wie sich diese Kurse auswachsen, welche Früchte sie zeitigen, wird man viel— leicht einmal zu lesen bekommen. Westfalen. Ein heiteres Kleinbahn Ge— schichtchen passierte dieser Tage auf der Kleinbahn Duderstadt Rittmars— hausen. Der in der Richtung nach Göttingen sahrende Zug war von Passagieren voll besetzt. Aber auch an dem vor dem Weihnachtsfeste stär-- tkeren Gütervertehr hatte das Bähnchen seinen Antheil. Keuchend pustete es schwer beladen dahin. Auf einmal, kurz vor der Brücke bei Wölmarshau sen, gab es einen lauten Krach und einen heftigen Ruck. Die Achse eines Güterwagens war gebrochen und ein weißer Strom schoß gießbachförmig aus dem Wagen heraus köstliche Milch, die den Göttinger Hausfrauen bei ihrem Christfest zu Gute kommen sollte. Zuerst natürlieh großes Gau— dium der Fahrgäste, dann jedoch rath loses Umschauen. Der jertrümmerte Wagen sperrte das Geleise. Was nun thun? Endlich kam einem Mit— reisenden die große Idee, den Wagen auszukoppeln und ihn einfach umzu— tippen die Böschung hinab. Und richtig: Unter Absingen des Liedes: „Ja, man sährt gemüthlih auf der 7 n Schmalspurbahn“ stemmten sämmt— liche Passagiere sich gegen den Coloß. ein Ruck und der Wagen flog die Bö schung herabl Nun war die Bahn wieder froi. Bald war das Zügle wieder zusammengetoppelt, der Loto motivführer gab Dampf, und ächgend und pustend schleppte das Dampfroß seine Last weiter. Oesterreich·- Ungarn. Am 21. November verfl. Jahres stieß die in der Wiener Seidenband— Fabrit Ginseppe Brod und Sohn be— schäftigte 17jährige Arbeiterin Anna Dachosberger eine 20 Liter fassende Tintenflasche, die neben dem Garde— robe-Raum stand, aus Versehen um. Die Flasche zerbrach und die Tinte überfluthete den ganzen Raum und er— goß sich bis über die Stiege. Auf die Hilferufe des erschrocenen Mädchens eilte der Werkführer Michael Zeiner mit einer brennenden Kerze herbei, um nachzusehen, was es gebe; kaum hatte sich der Werkführer der Tinte mit dem Lichte genähert, als diese explodierte. Das ganze Stiegenhaus, der Garderobe-Raum und das Mani— pulationszimmer standen im nächsten Momente in Flammen. Zeiner selbst erlitt viele Brandwunden im Gesicht und an den Händen, und ebenso wurde auch die Dachsberger verletzt. Den herbeigeeilten Arbeitern gelang es, beide Verletzte zu retten. Den Brand vermochte die fädtische Feuerwehr erst nach starker Abeit zu löschen. Der angerichtete Schaden betrug mehrere Tausend Kronen. Der Werkführer Zeiner, der wochenlang im Spitale lag und dessen Gesicht und Hände noch jetzt zahlreiche Brandwunden gzeigen, hatte sich kürzlich wegen feuergefähr—- licher Handlungsweise vor dem Neu— bauer Strafrichter Landgerichtsrath Dr. Höfner zu verantworten. Die Verhandlung endete mit dem Frei— spruch des Angeklagten, da dieser nicht wissen konnte, daß Tinte erx— plodiert. Die nervöse Mehlspeisköchin. Die Köchin Marie Panslegg hat sich vor dem Leopoldstädter Strafrichter, Sekretär Dr. Löw, wegen Körperver— letzung zu verantworten, weil sie die Dienstmagd Anna Matzka mit einer Kasserole auf den Mund schlug, so daß sie blutete. Richter: Was ist Fhnen da eingefallen? Angekll.: Hohes Gericht! Ich hab' grad' für die Herr—- schaft a sehr heitkle Mehlspeis zu ma— chen g'habt. da hat mi das Mädel fort während g'stört. Richter: Wodurch? Angekl. Durch's Tratschen! Ich hab' ihr g'sagt, die Mehlspeis is sehr heiklich. umsonst. Richter: Da schlägt man doch nieht gleich mit einem eisernen Gefäße d'rein! Angetl.: G'schlag'n hab' ich sie ja nicht. das Tratschen hat mich gar so nervös g'— macht und daß sie aufhört, hab' ich ihr mit der Kasserole nur 'n Mund zu— halten wollen! (Stürmische Heiter— leit.) Beschädigte: Ich hab ihr nur was Neues erzählen wollen. An— getl.: Ich bin aber so nervös. und die Mehlsveis.. Beschädigte: Der Mehlspeis ist nix gescheh'n. Angetl.: Ich laß mich aber bei einer Mehlspeis nit stören! Das Urtheil lautete auf drei Kronen Geldstrafe. Wie kommt es, eer so viele Krankheiten, welche augenscheinlich der Geschicklichteit be rühmter Aerzte getrotzt haben, dem beruhigenden Einfluß eines ein fachen Hausmittel weichen, wie Alpenkräuter Weil er dirert an die Wurzel des Uebels, die Unreinigtkeit im Blut, geht. Er ist aus reinen, Gesundheit bringenden Wurzeln und Kräutern hergestellt, und ist über ein Jahrhundert lang im Gebrauch gewesen, lange genug, um seinen Werth gründlich zu prüfen. Er ist nicht, wie andere Medizinen, in Apothetken zu haben, sondern wird den Leuten direlt geliefert durch die alleinigen Fadbrilanten und Eigenthumer, DR. PETER FAHRNEY SONS CO., 112-118 So. Hoyne Ave., CHICAGO, ILL. Wahrhaftig eine um ihre Existenz kämpfende Mission In Diözese Northampton, Falenham, Norfolt, England. Hilfe! Hilse! Hilse! Aus Liebe zum Heiligsten Herzen und ʒ Ehren des Hl. Antonsus von Padua, seit sõ gut, und sendet ein- milde daht für die Errithtung eines würdigeren Lint für bas Heiligste Altars·Satramont. Paelu eer Vorposte zu Fateuhaim rtler eine Dachstube, aber es ist ein Voryosteu, ist das einzige Zeichen der Vbenaateno tatholsechen Kirche in 35 bei 20 Meilen im County von Norfolt. Um große Schenkungon ri net gereten (obwohl sie nicht ausgeschlagen werden). Um wad thatsächlich er wird, ist die winise ithilfe aller andächtigen herehrer des Heiligsten Herzen und des Hl. Antonius in Enoland, Ir and, Schotiland, Wales ünd den Colonien. leder Veregrer ist gebeten, eine tleine Gabe zu seuben, einige Backteine sr die nene Kirche zu liefern. Dari ich di hoffen, eine kleine Unterstüyung von Ihnen zu erhalten? Die Kirche ist eine dringende Nothwendigteit, denn gegenwärtig muß ich die hl. Messe in einer Dachstube lesen und dort den sarramentlen Sesen erthetllen. Meine durchschnittliche wöchentliche Collekte eertrnat blos 3.6 uad ich habe kein gestistetes Sinkommen als Hossnung. Was tann ich allein thun? SGehr wenig. Aber mit Eurer und der Hülse andorer wohltyätigerr Leser dieses Blattes taun ich Ulles thun, was gethan zu werden Noth thut. In diesen Tagen, wo der o-e gieler schwach wird, wo der gtoße Glaubensabsall des es: 1 zehnten Jahrhunderts die volle Größe setiner Ausdehnung erreicht ünd unsern himnmlischen Vater beinahe gerade so betgzandelt, wie seine hl. airche behandelt wied, beginnt der tattonia- Glaube sich in England neu zu erten unr bivtet Atles auf, um von den Herzen des eaglischen Boltes wieder Besitz 3 negmen. Ich haber wegen des Glaubens hier mit gedßen wWiderwärtigteiten zu tämpfen. Ich muß entweder Ersolg haben oder dieser große distritt müß augegeben werden. Es hängt von Enth ab, um zu sagen, ob ich Ersolg haben werde ober nicht. Alle meine Hostnungen auf Erfolß beruhen au Cuxer Mithilse. Wollt mir deshalb nitht die hilfbereite Hand roichen? Gewtß werdet —mi das nicht verweigern. Ihx werdet vielleicht nicht in der Lage sein, mir viel zu helten, aber I 9 tönnt doch immerhin eine Hleinigteit besstenern und eine große Anzahl „Kleinigleiten“ meint viel. Leihet meiner driugenden Bitte keinu taubes Ohr. „Möge Gott Ihren Cijer in ber Errichtung einer Mässion in Fatenham segnen und vervielfältigen. fArthur, Bischoj von Northampton.“ Meine Adresse ist VPATII R. RAV. Catholie Mission, Fakenham, Norfolk, England. P.S.—lch werde den Empsfang von seibst der geriugten Gabe dantbar und vrompot bestätigea und mit der Cupsangsbesttigung ein schones Bilo des hlst. verzens unb des hi. ntonius senden. Die neue Misfion ist dem hl. Antonits von Padua geweiht. Beständige Gebete und vietle Messen für Wohithüter. 5 7 3 4 A 2 2ʒ E 2 411 L 9 a 7 N— Ç 2 175 Md 2
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7 4 j A 1L ã 18— R 3) 3 17 232 11 2 Falls Sie die Fleisher Garne wün schen, verschaffen Sie dieselben. eben Sie sich nicht zufrieden, wern Ihr Händler sie nicht führt. Er ist im Geschäft, um Wnen zu gebon, was Sie gerlängen. Er wird dies auch thun. bald er ausfindig macht, daß ex kein Substitut an Sie vertaufen kann. Lesteden Sie dayauf, Fleisher Garne erhalten, und Sie werden sie be komnen. dten Sie derauf, daß die Fleisher Lan delharte auh jodom Straug Garn ist, den Sie auen Sie wird zu Ihrem Schure darauf Mgotresl. Sie ist ein- dersonise vurgschaft e die Quolitat. Ein Substitut mag als tag sih erweisen. Besteben 2: dar uf. el ei er Handelomarle zu sehen, und ẽ sicher. n In Sortèn von jeder Farbe—ein Garn für orged Germantown Zevh trin orste ermantown vr Vetcden rguv SpanishWorsted Eyrtienr 10ß 2 Wool äshmere haru henenr Zephyr Pamela Shetland Spiral bur TFaus Johr Händler die Fleisfher Garne nih stel, besiehen Sie darauf, daß er diesel ben für Sie bezieht. Es ist seine Pflicht, seine Kunden zufrieden zu stellen Fleigter's Kaluine, and QCrochetint Manval“ ist ein ara Kalpeeber fur den Lufanee: und den Cxperten. enthält viele Ilustrationen neuer und moderner Klei enslae mit Anweisungen zur Her steluna en. Es wir gegon Einsendung von herretate Ticeis und von s Cento f rto zugeschidt. S. B. B. W. Fleisher, n Dept. 41, Philadelphia. 2 1 E 2 2 1 an 1 2270
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Deutscher Haus schatz. Fllu— strierte Familien Zeitschrift. JZähe—- lich 24 Hefte, per Jahrgang 83.00 bei Friedrich Pustet Co., New Hork und Cincinnati. Vor uns liegen die Hefte 4 und 5 des 34. JFahrganges 1908. Inhalt und Zllustrationen wetteifern stets mit einander, diese Zeitschrift so interessant als möglich zu machen. Es finden sich da nicht bloßß Romane und Geschichten, sondern auch Reise— erzählzngen, Beschreibungen, GErzäh— lungen. und Illustrationen von Land und Lenten, Geschichtliches, Wissen aitline- Unterhaltliches, Chronit, eltrundschau und selbst Rede. Alt und Jung, Mann und Frau erhalten da ihren Antheil. Die beiden vor— liegenden Hefte gehören zu den besten die bisher erschienen. Dieser „Deut—- seer Haussatz“ ist immer auf der Höhe er Zeit. Ueber den Wassern. Halb— monatschrift für schöne Literatur. Leierer Dr. P. Etxpeditus chmidt, O. F. M. Verlag der Alphonsus Buchhandlung in Mün— stex i. Westf. Preis vierteljährlich 1.50 Mark. Soeben fällt uns die erxste Nummer der neuen von Dr. P. Expeditus Schmidt redigierten Zeit schrift „Ueber den Wasser“ in die Hände. Mit nicht geringer Spannung haben wir das dunkelblaue Heft mit dem gelben Aufdruek ausgeschlagen; würde ja· dem nëen Organ schon vor seinem Erscheinen eine Aüfmerksamleit zu theil, die man bei derlei Grün— dbungen nicht gerade gewöhnt ist. Hie und da waren sogar Stimmen lant ge worden, die das künftige Blatt bereits als ein Kampforgan ankündigen zu können glaubten. Nun ist es da, das erste Heft und wir dürfen zu unsrer eue gestehen, daß Alle, die eine pfzeitschrist befürchtet oder er— wartei haben mochten, aus diesem Hefte «und wir hoffen es auch von seinen Nachsolgern sagen zu können sich eine Enttäuschung holen werden. eber den Wassern“ nennt sich die Zeitschrift, ein Titel, der an sich schon ein Programm bedeutet und zwar ein gutes. Denn nur dem remblina im deutschen Literaturleben kann es ent—- gangen sein, wie sehr es uns bei der Beurtheilung literarischer Erzeugnisse oft an einem sichern, festen Stand— vunkte gebricht, einem Standpunkte, bei dem so wohl Religion als auch die Aesthetik ihr volles Recht finden. Diesem Uebel abzuhelfen, hat sich die Zeitschrift zur Aufgabe gesetzt, wie aus dem köstlichen, mit frischem Hunor ge schriehenen Programm des Herausge bers ersichtlich ist. Ueher die einzel nen Artitel des ersten Eelte- ein kur-- ges KZort. In der Eile hat der Her—- ausgeber das ganze Feld fast allein bestellen müssen, ohne daß es ihm mög— lich gewesen zu sein scheint, einen Stab von Mitarbeitern um sich sammeln zu können. Er berichtet uns in dem ersten Artikel über die Grund-Idee der Faustsage und Goethe's Lebensdich tung; Vee rllhrt von ihm her eine Einleitung zu der von Richard Zooz mann zum ersten Male in neuer metri scher Bearbeitung herausgegebenen Uebersetzung des Calderon'schen Dramas: Das Leben ein Traum. Laurenz Kiesgen zeichnet in einer geistvollen Skizze die westfälische Dich— terin Ferdinande Freiin von Brackel. Zu erwähnen sind noch die kleinen AÄrtikel mit den originellen Titeln: Strandgut, Ausguck, Signale, in denen der Herausgeber von sicherer Warte aus belehrt und aufklärt. Damit schließt das erste Heft, das auch in sei— ner äußeren Gestalt originell und an— sprechend wirkt. Immer noch im Dunkeln. Es ist wahr, daß die medizinische Wissenschaft bedeutende Fortschritte gemacht hat, unt doch giebt es häufig Räthsel, welche die gelehrten Herren Doktoren nicht lösen können, Räthsel des mensch lichen Körpers, welche oft ein ganz ein— -1 Hausmittel löst, und damit die unklen Schatten der Verzweiflung veriagt- Der Fall von Frau Eras— mus Vogel in Shracuse, N. Y., ist ein arender Beweis. Frau Vogel chreit darüber an Dr. Peter Fahr— ney Sons Co. in Chicago, Fll., die Gigenthümer von Forni's Alpenkräu— ter Blutbeleber, wie folgt: „Syra— euse, N. N., den 23. Nov: 1900. Hoch verehrter· Dr. Peter Fahrney! Mit dankerfülltem Herzen kann ich Fhnen berichten, daß mir Ihre Medizinen sehr werthvoll sind. Letzten Winter konnte ich sieben Wochen lang nicht aus dem Hause gehen, da ich furchtbare Schmerzen im Kopf und Hals, bis zum Magen hatte, und der Arzt gab nach jeder Untersuchung eine andere Krank a an, aber seine Medizin half mir nichts. Das letzte Mal sagte er, „Sie sind in Gefahr Dyspepsie zu bekom— men.“ Da wurde ich ungedulrig und sagte zu ihm, „Well, dann geben Sie mir die richtige Medizin.“ „Das ist, warum ich gekommen bin“, antwortete er. Dieselbe half mir aber wieder nicht. An demselben Tage erhielt ich Ihre Papiere und den „Kranken— Voten“; ich dachte, „der liebe Gott hat es so gelenkt“, und ich schrieb sogleich um eine Probekiste Alpenkräuter-Blut beleber und wurde auch durch denselben kuriert. Nun fühle ich besser als seit vielen Jahren, und will auch Alles thun was ich kann, um auch Anderen durch Ihre werthvolle Medizin zu helfen. Mit Hochachtung und Dank barkeit; Ihre, Mrs. Grasmus Vogel.“ Forni's Alpenkräuter Blutheleber I durch seine wunderbare Wirkungs— raft schon Manchen überrascht, Alt und Fung loben ihn. Verfrüht. 1 1 Schuldner (zu dem eintretenden Gläubiger): Sehen Sie, Meister, ge— rade schreibe ich die Postanweisung an Sie! Gläubiger: Endlich! Schilldner: Sobald ich nun Geld habe, wird Sie abgeschicktl 2 2 Bücher schaun. 4 Geschichte der kekormaton. Von Rev. Carl Coppens, S. 1., Professor an der St. Louis Universität zu St. Louis, Mo. Die Reformation in Dänemark, Nor—- wegen und Island. änemark. Christian oder D Christern der Zweite regierte von 1513 bis 1528. Da er gerne autokratische Macht aus übte, unternahm er es,.den Linsluß der helgen d a Thellen Leine Reiches zu e Wir haben schon bemerkt, wie et es in Schweden durch das „blutige Bad“ zu thun versuchte; wie aber sein Plan durch das Eingreifen Gustav Wasa's, welcher die Freiheit seines Vaterlandes herbeiführte, völlig mißlang. In Dänemark richtete Christern sei— nen Angriff hauptsächlich gegen den Clerus, welcher dort sehr mächtig war. Das Mittel, zu welchem er griff, war die Ginführung des Lutherthums, zu— gleich aber auch dessen gewöhnliche Be gleitung, nämtlich, dig Leschlagnatme aller Kircheugüter. Die alte Ge— shr r sich, sich nur in einigen Kleinigkeiten von den andern Ländern unterscheidend. Christern gebrauchte nicht solch' schlaue Mittel wie Wasa; er gedachte alle Opposition zu bernichten. Ex lud einen Jünger Uuther's, mit Namen tin, Lach. openhen ein un nannte ihn zum Das Volt war enpott ahlete er nicht darauf. Im Gegen— theil ließ er den abgesetzten Bischof id auch erließ er gegen die Geistlichteit strenge Gesetze. Dann eingten sich alle Parteien, um ihn zu enthronen; doch tahß er und wurde, nach manchen Schicksalsschägen, end— lich in ein schreckliches Ge agnis ge— worfen, wo er seinen Tod fand. Die KHrone Dänemarks wurde nun seinem Onkel, Friederich dem Ersten von Holstein, angeboten. 2 a wirsgte die Reformalsön m zugleich dit Beschlagnahme der Kir— cugiter herbei. Als er aber ge krönt wurde, 7 daß er den katholischen aben hbeibehalten werde. Bald fing er heimlich und zu— letzt ganz öffentlich an, den e zu rgen Bei der Sitzung in Odessa im Jahre vertheidigte er sein Verfahren mlt dem Bemerken, daß er geschworen der den katholischen Glauben beizuhalten, aber nicht dessen Mißbräuche zu dulden. Unter diesen angeblichen Mißbräu chen nannte er auch den Vorrang des hl. Stühles zu Rom. Er maßte sich das Recht an, die Ernennung aller Bischöfe zu bestätigen. Er gewährte den Lutheranern alle Rechte, welche bisher nur den Katholiken zugefallen waren, ein Privilegium. welches, wie das Resultat es bestätigt, nur dazu diente, die Ketzerei zu fördern und den alten Glauben zu unterdrücken. Als Friedrich der Erste im Jahre 1538 stärb wurde sein Sohn Christian er Dritte, obgleich ein Protestant, zum König ernannt, unter der aus— drüctlichen Bedingung däß er demn Katlizismus Rht feindlich gesinnt sein würde. dln wiefern er dieser Bedingung untreu wurde, und das Land zur Abtrünnigkeit zwang, be— zeugen die Worte, welche wir, von einem Protestanten geschrieben, der „Edenburger Encylopädie“ entneh men: „Sobald Christian der Dritte auf dem Throne saß, beschäftigte er sich mit der Religionsfrage und beschloß eineu Plan, welcher ihm von Gustav Wasa nisldetheilt worden war, um die Macht des Clerus zu brechen, zur Aus— führung zu bringen. Zu diesem Zwecke berief er eine heimliche Sitzung des Senates, und sogleich wurde be— schlossen, die Kirchenländer, Städte und Döorfer der Kirche mit der Krone zu vereinigen, auch die weltliche Macht des Clerus auf immer aufzuheben. Alle isadie wurden ungefähr zur selben Zeit in Haft genommen; damit aber das Voltk St diese außerge wöhnlichen Maßregeln nicht in Aufruhr versetzt werde, berief der König eine Sitzung zu Copenhagen; die Adeligen sollten persönlich erscheinen, das Voltk sollte durch seine Deputirten vertreten sein, der Clerus wurde aber nicht eingeladen, sich zu betheiligen. Nach einer gehässigen Rede des Königs ge— gen die Raubgier der Priester, bestä tigte der Senat das Dekret. Somit waren die Macht und Privilegien der Geistlichkeit auf immer vernichtet. Der Senat regelte auch die Thronfolge frage, indem er Herzog Friedrich, den ältesten Sohn des Königs, als seinen Nachfolger bezeichnete. Als Belohnung sür diese Zugeständnisse hesttiate dex König die? te. der Abeligen. dnth it er Lebeu w od iß- wie xer Leibeigenen 27 gud den „Die Macht des Clerus war in Dänemark gebrochen; aber die Folge—- rung, welche die Adeligen daraus zo— nämlich daß ihre Macht bedeutend vermehrt werde, erwies sich bald als ein Frrthum; denn ein großer Theil der Länder, welche einstens der Geist lichteit gehört hatten, fiel jetzt wieder der Krone zu und vergrößerte somit nur die Macht des Königs. „Die Untererutm der Landwirthe dauerte fort; die Adeligen zeigten ein rastloses und wachsendes Verlangen, die Macht der Landwirthe zu beschrän ten. Doer Senat nahm ein Gesetz an, welches es den Geistlichen und Laien, welche nicht adelig waren, vyerbot, Freigut zu erwerbeun oder sich solches (Speziell für diese Zeltung.) Land durch anderes Recht anzu— eignen.“ Die Existenz der katholischen Kirche in Dänemark sowie die Freiheit des Voltes war mit einem Male vernich—- tet. Wir wollen hier bemerten, daß in allen Ländern, wo die Reformation durch Gewalt eingeführt wurde, die ur bald die Oberhand gewann untd das Vollsrecht beeinträchtigt wurde. lAn em Maße ist aber die Geschi ẽ lich in den englisch-redenden Ländern, daß die allgemeine Ansicht herrscht, die Reformation hätte allenthalben der Tyrannei ein Ende gemacht und die Voltsfreiheit eingeführt. Mit Ausnahme der Niederlande, deren Ge— schichte eigenartig ist, kaun das Der Reichstag hatte in Copenhagen im Jahre 1586 getagt, die Bischöfe, welche in den Kerker geworfen worden waren, konnten ihre Freiheit erst wieder erlangen, nachdem sie das Ver— sprechen gegeben hatten, daß sie ab— danken würden. Alle thaten es bis auf den heroischen Wte A rriaer bie zu seinen Tode, weler eut Jahre später erfolgte, im Gejäng—- niß schmachtete, und dadurch zum glorreichen Märtyrer des Glaubens wurde. Um das Werk der Reforma—- tion in Dänemartk zu vervollständigen, wurde ein lutherischer Prediger Na— mens Agentagen von Wittenberg importiẽẽt. Seiaem Rathe Folge leistend, ernannte der König sieben „Inspeltoren“ anstatt der abgesetzten Bischöfe. Anno 1546 trat der Land— tag wieder in Copenhagen in Sitzung und entzog den Katholiten vlens alle Hürgere iomie politischen echte Kein Katholik konnte bon jedt an wieder ein politisches Amt be tleiden oder gar Eigenthum erben. Der Tod drohte allen Priestern sowie auch allen Denen, welche ihnen einen Zufluchtsort boten. Norwegen verblieb unter der Herrschaft Dänemark's, nachdem Schweden das Joch abgeworfen hatte. Der Bischof von Drontheim war un— glücklicherweise ein Freund Christerns des Zweiten und förderte die Einfüh— rung der neuen Lehre. Aber die alten Nortweger waren dem alten Glauben treu; nichts als die Uebermacht konnte sie bezwingen. Als Christern der Zweite aus Dänemark vertrieben wurde, mußte der Bischof von Drontheim aus Nor—- wegen fliehen. Später, im Jahre 1536, weigerten sich die Norweger, Christern den Dritten als König anzu erkennen; sie rebellierten und tödteten oder vertrieben dessen Anhänger. Er schickte eine Armee nach Norwegen und unterwarf es vollständig. Dann beraubte er es seiner Herrschaft. Seine Anhänger erhielten die wichtig— sten Stellen. VBetreff der Religion ertit er uherit serente Gesetze, durch welche glle Priester gegwungen wur den. e lie dt ben angunehmen oder das Land zu verlassen. Hauptsächlich unter den Mönchen gab es viele, welche die Ver bannung der Abtrünnigkeit vorzogen. Hier, wie in so vielen anderen Län— dern, staxh die Freiheit mit dem Katholizismus aus. Island war im Fahre 1000 zum Christenthume bekehrt worden. Vom H. bis zum 2 JFahrhundert war es der Mittelpkt des nördlichen Unternehmungsgeistes. Die Regie rung war eine Art audi die Ge— setze waren weise; ð ständ im gol—- denen Zeitalter seiner Civilisation: Aber im Jahre 22 wurde es von Dänemark annektiert; im Jahre 1482 verlor es die Hälfte seiner EGinwohner durch die kelt: Das Land war eben im Begriffe sich von diesen Uebel zu erholen, als es von der Reformation heimgesucht wurde, welche ihm einen größeren Schaden zufügte, als die Pest es gethan hatte. Die Geschichte dieser Katastrophe ist ganz einfach und kann in wenigen Worten erzählt werden. Christern der Dritte von Dänemark machte den Versuch. Island zu protestantisieren. Der Clerus und das Volk erhob sich wie ein Mann, um dieser Tyrannei zu widerstehen. Der König sandte ein zahlreiches und gutbewaffnetes Le aus, riae schließlich die muthigen, aber schlecht orgguisierten Bürger überwältigt glhr uuerten Bdef Zenenn Areson, wurde gefan— gen genommen 1 Fetödtet. Die—- selben gewaltsamen udd despotischen Gesetze, welche die Kirche in Dänemark und Norwegen zerstört hatten, wurden auch diesen Lande aufgebürdet. Abermals war die Reformation einem widerstrebenden Volke durch fremde Bajonette aufgezwungen worden. e u Mäeen: Für einen echten Rem— brandt, der so wohl erhalten ist, fünf hundert Mart? Das ist allerdings nicht theuer. Was stellt denn das Gemälde eigentlich vor? Kunsthändler: Seh'n Sie's denn nicht? Die Schlacht von dena, Wet ter noch einmal! Wenn wir Tag für Tag sitzen und arbeiten und dazu reiche Nahrung essen, werden ernstliche Leberleiden die Folge sein. Dr. August König's Hamburger Tropfen ist ein ernstliches Mittel; es gedentt zu turiren und thut es auch. Luxemburger Gazeite, Hienstcn, den 28. Janner 1508.. Echt. 2 Die Entweihung der Cheschließung. In seiner geistvollen sozialpstycholo gischen Darstellung des modernen Proletariats äußert sich Prof. Wer— ner Sombart unter Anderem über jees Ereigniß im menschlichen Leben, für das die deutsche Sprache den Aus— druck: Hochzeitsfest gemünzt hat, jenen Ehrentag von Bräutigam und Braut. der einst allgemein, wie heute noch in manchen Kreisen, der Theilnahme nicht nur der nächsten Angehörigen, sondern auch der Nachbarn und aller entfernten Verwandten sich erfreute. „War die Hochzeit früher, so meint der genannte Soziologe, „der großen Masse vielleicht auch tein sonderlich tiefes innerliches Erlebniß gewesen, so hatte sie doch die Sitte in tausendjäh—- riger Bildung zu einem mit Ceremo—- nien und Festlichkeiten überladenen, dentwürdigen Ereignißß ausgeprägt. Was hing an einer Bauernhochzeit, an einer guthürgerlichen Hochzeit für ein kunstvolles Netzwerkt von allerhand durch die Gewohnheit geheiligten Sit— ten und Gebräuchenl“ „Nichts von alledem, so fährt Sombart fort „ist dem Proletariat geblieben. Man muß sie tennen, diese rührenden, klei— nen Hochzeitszüge des armen Großz-- stadtproletariers.. Wenn vielleicht erst nach Feierabend sich die paar Freunde zusammenfinden, nicht ein— mal alle im festlichen Gewand, und nun zu Fuß oder in der Straßen— bahn das ue Paar nach Hause be—- gleiten. Kaurn daß es reicht, die Fest gesellschaft mit einem Braten und ein paar Flaschen sauren Weines zu be— wirthen. Kaum daß das junge Paar sich einen halben Tag vom täglichen Frohndienst froi gemacht hat, um das größte Fest seines Lebens zu feiern.“ So oder ähnlich gestaltet sich in der That in unsrer Zeit der Hochzeitstag vieler Tausenden und nicht alle, die so zusammenlaufen, ohne Weihe, ohne Segen, ohne daß mehr als etliche „gute Freunde“ Antheil daran näh— men, stehen unter dem Zwang, der Verhältnisse, die es dem Proletärier fast verbieten, eine „Hochzeit“ zu feiern. Die„Aufklärung“ hat es so mit sich gebracht, daß die modernen Selbst götter ohne Rücksicht auf Sitte und Brauch, oft sogar ohne Scheu vor gött lichen und menschlichen Geboten, diesen Schritt unternehmen. Es ist eben „ihre Sache“. Was kümmert sie das Hergebrachte, was Eltern, was Nach barn, was irgend welche Schranklen. Es ist, als rene die Menschen den wichtigsten Schritt im Leben nicht son derlich mehr. Denn was man nicht rechtschaffen ehrt vor Gott und Welt, darnach fragt man auch nicht sehr viel. In früheren Zeiten. wenn ein paar junge Leute heiratheten, nahm Fami—- lie, Gesellschaft und Kirche an dem für Zeit und Ewigkeit, für sie selbst und das ewigter dem sie angehörten, wichtigen Schritte Antheil. Denn weil kein Mensch sich selbst lebt, kann jenen soziäloen Verbänden, den ein Brautpaar ägëört sei es Fani« lie, Nachbarschaft Gemeinde, die Gründung einer-neuen Lebensgemein schaft, einer neuen Famitie nicht gleichgültig sein. Sie haben ein wah—- res Interesse an der neuen Ehe, die der Verjüngung det Gesellschaft und der Grhaltung des Gemeinwesens die—- nen soll. So liegt es in der Natur der Sache, daß das Eingehen der von Gott eingesetzten Ghe sich zu einer biür gerlichen Feier gestalte, an der Haus und Kirche, Familie und Gemeinde be theiligt ist. „Hochzeit“ nennt heute noch der Deutsche diesen Festtag. Es ist ihm eine „hohgezit“, wie man im Mittelalter die höchsten Feste, beson ders die hohen kirchlichen, nannte, und dem entsprechend feiert man den Ehrentag von Braut und Bräutigam. Früher an man es für einen maß losen Schimpf angesehen. wenn das „Paar“ wäre in aller Heimlichleit ge traut worden und sein Fest hätte über's Knie gebrochen wie es leider heutzutage so oft geschieht. Kommt es doch vor, daß die Eltern nicht allzu selten die „Neuigkeit“, daß Sohn oder Tochter sich verheirathet haben, zuerst aus einer Zeitung etfahren. Soll doch dieser Tage drüben in Illinois einer „junge Dame“, die ohne Wissen des Vaters ünd der Mutter sich heim—- lich hatte trauen lassen, die Aeußerung gethan haben: Sie habe gewollt, daß ihre Eltern die Kunde ihrer Verheira thung erst aus den Blättern erführen. Und von einem unserer Mitarbeiter ward uns folgender charakteristischer Vorfall, dessen Schauplatz Nord St. Louis war, berichtet. Aus einer dem Arbeiterstande angehörenden. Familie, die bereits unter der Wirkung der Ar— beitsverkürzung litt, hatte sich jüngst die Tochter, ohne Vorwissen der Eltern, kopulieren lassen. Die Mut—- ter mochte ihr doch anmerken, daß das seelische Gleichgewicht etwas in's Wan— len gerathen war, denn sie frägte ihr Kind: „Sag' mal. Du hast doch nicht etwa geheirathet?“ Worauf sie prompt, die in unsrer Zeit nicht mehr ungewöhnliche Antwort erhielt: VYes, ma, 1 sot married ihis astor noon. Und darauf zog ihr arbeitsloser „Mann“ in die Wohnung der Eltern, in der dann drei arbeitslose „Fami—- lien“ hausten. Die Eltern, ein verhei—- ratheter Sohn, der wie der Vater zur Zeit ohne Beschäftigung war. und das junge Paar! Und dann wundern sich manche Leute über gewisse trübe Erscheinungen unsres sogialen Lebens. Die „Auftlrung“ hat einen ungeheu— 2 K 7 4 1 2 21— K 1 5 A 1 A
—l —2 —7— 1 3 uin 1 ren, inneren Zusammenbruch erzeugt, dessen letzte Früüchte wir noch nicht ein mal durchgekostet haben dürften. Sie hat den Menschen den Glauben aus dem Herzen gertssen und tausend alte Beziehungen meist religiösser; gemüth— licher und gewohnteitsmäßiger Natur vernichtet. Gelodert sind die Bezieh ungen zur Kirche, zur Familie, zur Heimath, zur Berufsgemeinschast. Manche davon fallen geradezu ganz weg. Alle Antoritäts-Verhältnisse sind gelockert; die alten Anschäuun gen von Sitte und Sittlichtei schwin—- den mehr und mehr dahin. Der „vor— urtheilslose“ moderne Mensch ist über alle das erhaben: er, sein eigener Herr, sein eigener Gesetzgeber, sein eigener Gott. Wie ganz anders gestaltete sich ehe mals und noch heute in manchen ländlichen Gegenden Dentschland's für die Eltern der Brautleute der Tag deren Eheschließung, als bei uns. So berichtet der Germanist Eugen Mogtk in seiner Abhandlung über die deut— schen Sitten und Bräuche, in verschie— denen Gegenden Deutschland's., „be— sonders in den katholischen Ländern Oberdeutschland's“, erbitte sich der Bräutigam, ehe er die Braut abhole, „den Segen des Vaters, ehe er diesen wichtigen Schritt thut.“ „Auch die Braut, lesen wir dort weiter, „verläßt das elterliche Haus nicht, ohne ihren Angehörigen, var Allem den Eltern. nochmals herzlich für alle Liebe und Treue zu danken und den Segen der letzteren zu erbitten.“ In Schwahen nehmen sie die Eltern mit hinaus und führen sie zum Weihbronnen, wo ihr der Segen ertheilt wird. Nur wenige Worte spricht dann der Vater noch zum Bräutigam, aber diese sind inni— ger als. lange, jseierliche Reden: „JZo—- hannes, doa host me Annele, verlaß si nitt.“ Liegt aber der Vater oder die Mutter draußen auf dem Kirchhof, da weiht das Mädchen diesen noch Augen—- blicke trener Minne, nachdem es schon am Sonntag vorher auf dem Grabe seiner Lieben gebetet und damit ein Zeichen deutscher Frömmigtkeit und Pietät gegeben hat. In Oberbaiern, so theilt Sepp mit, danlt der Hoch-- geitsbitter während des Hocehzeits— mahls den Eltern, Anverwandten und Pathen der Braut' und des Bräuti gams in dieser Namen für alle Liebe und Sorgfalt, die sie den jungen Ghe—- leuten Zeit ihres Lebens erwiesen ha ben. „Rührend ist oft, lesen wir in Elard Meyer's Buch über deutsche Voltskunde, „noch der Abschied von den Eltern: Braut und Bräutigam knieen in der Eifel, jedes in seinem Haus, auf einem weißen Tuch vor der Stubenthür nieder und bitten die Eltern um Verzeihung und empfangen von ihnen den Segen, werden auch wohl mit Weihwassor besprengt. Aehn lich in Mittelfranken. In Iglauer Dörfern küßt der Sohn dem Vater Hände und Füße, der Mutter den EcrÂt Dieser Abschied heißt schle sisch Züchten. Nach fünf Vater—- unsern, auch wohl nach einem Gebet füt die Verstorbenen, setzt sich das nun oder exst vor der Kirche vereinigte Ge fölge des Bräutigams und der Braut in Bewegung, Kinder, die Fränzle mädle oder Vorbräutchen, und Musi kanten voran, zuweilen auf blumen—- bestreuter Straße.“ Und wie bei den Deutschen, so u. a. bei den Wenden in der Heide und der Niederlausitz im Königreich Sachsen. Von ihnen berichtet Rentsch: „Volks—- sitte, Brauch und Aberglauben bei den Wenden, daß die beiden Hochzeitsbit ter, der eine im Hause des Bräuti gams, der andere im Hause der Braut, zu den versammelten Verwandten und Freunden spreche: „Meine Gelieb—- testen, ich bitte Euch, daß ihr Euch uns beiden anschließt und der christ lichen Liebe gemäß unsete treuen Ge fährten sein möget. Weiter bitte ich Euch im Namen des ehrbaren Bräuti— gams (oder der Braut), Ihr wollet ihm, so er Femandem unter Euch et was zuwider gethan hat, Alles von Hergen vergeben“, worauf er sich an den Bräutigam (oder die Braut) wen det mit der Mahnung: „So. geliehter Bräutigam, verabschiede Dich nun von Deinem geliebten Vater, von Deiner lieben Mutter, Brüdern, Schwestern, Pathen, Freunden und Nachbarn, bitte ihnen alle Uebereilung ab und dänke ihnen für alle erwiesene Liebe.“ Das geschied unter vielen Thränen. Hier— auf singt man ein geistliches Lied, um dann aus dem Hause des Bräutigams in jenes der Braut. und von dort in die Kirche zu ziebon. Denn daß der Ehebund anders als var dem Altare geschlossen werden kbine, leuchtet nur den modernen Menschen ein. Sonst so anspruchsvoll, begnügen sie sich damit, ihre Liebe in möglichst unscheinbarer, weiheloser Weise zu schließzen. Charakteristisch für die Anschaüngen, denem in dieser Hinsicht die „freien“ Menschen huldi gen, ist jene Bude in der Nähe des St. Louiser Räthhauses in der die Kopu— kation in einer Umgebung vollzogen wird, über die der Alltag des Slums seine Stimmung verbreitet. Und doch behauptet der güte Mann, der dort haust, auf den. Reklame tafeln, die die schmudliche Facade dieses „Ghetem— bels“ zieren: marriages solemnized! Daß Gott erbarm! Wer jemals an Hüftenweh ge—- litten, weiß welch schlimme Schmerzen dasselbe verursacht; ein Jeder sollte wissen wie es zu kuriren. Gebraucht St. Fakobs Oel und dhr werdet fiu den, daß es sicher kurivt. 7 Ich habe meinen Brucheschaden selbst kuriert. Und werde Ihnen zeigen wie Sie den Ihrigen heilen tönnenu und zwar unentgeltlich. Seit dahren war ich hilslos und mußte das Vett hilten. wegen eines dohpelten Benchschadens. Kein Bruchband half mir. Die Aerzte sagten daß ith stecben würde, wenn man mich niGt opecï ren lasse. ʒ tauscht- sie alle und turierte mic selbst vermitieist u g uh sucen gelilier S a lane Fe hird au ti turler-n. teiben de noch eute an; Capt W. A. Collings, Vor 206. Watortown, N.
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v— 2 i ui w 7 2 1 4 2ñnr Der Künstler und sein Lehrling. So!l diesen Drucker noch, mein Sohn; Und nun gieb Acht und merke: Ein echter Künstler zeigt sich schon Im kleinsten seiner Werke. Und ob die Initiale hier Unkund'ge Tand nur nennen— So werden Meister doch in ihr Des Meisters Hand erkennen. Drum lerne Du auch Deine Kraft Darauf mit Fleiß verwenden. Das Kleinste selber ge— wissenhaft AlbsKünstler zu vollenden. Heidbenröslein. Wir wohnen auf der Heide, das Haus steht' gang allein, Vater und Mutter beide ruhen im schiwarzen Schrein. An einem Wintermorgen trugen sie ihn hinaus, Er schläft von schweren Sorgen und vielen Mühen aus. Und als der Schnee zergangen, ging ihm die Mutter nach, Die Kirchenglocken tklangen am hellen Frühlingstag. Das Grab war tief gegraben, da senten sie sie ein, Dann sangen noch die Knaben, dann waren wir allein. Wir standen da und ssannen, der VBruder still und blaß. Und als sie AU von dannen, da warf ich mich auf s Gras. Da hat er mich umfangen und zog mich langsam fort, Dann sind wir heimgegangen, und wohnen einsam dort. Der Bruder geht zu graben an jedem Morgen aus, Ich muß die Weiden schaben und flechte Körbe draus. Ich habe gar kein Grauen, wenn ich so einsam bin. Denn nach dem Kirchlein schauen die Augen immer hin. Das schimmert durch die Heide, das blitzet durch den Schnee, Da sind die Eltern beide, wenn ich hinüber seh'!
Ein kleiner Held. Mangel hatte der kleine Tony nie gekannt, doch im Hause seiner Eltern war auch tkein Luxus zu finden, und ein theures Spielzeug mußten die Hin der aus der Sparbüchse bezahlen. Als der Kleine nun am Schaufenster eines Spielwaarenladens ein schönes Pferd chen sah, welches mit dem Preis von awei Dollar bezeichnet war, wußte er recht gut, daß seine Eltern es ihm nicht kaufen würden. Und doch hätte er es so gern gehabt, drum beschloß er, sich das Geld zu verdienen; doch 2.00 ist eine große Summe für einen sechsjäh— rigen Fungen, auch wenn die Eltern sich bemühen, ihm zu helfen. Es wa— ren nur Cents, die Tonh erhielt, wenn er für die Mutter zum Bäcker und für doen Vater zur Post ging. Und wenn auch ein gutes Schulzeugniß und der Besuch einer Tante mal ein größeres Geldstück brachte, so mehrte der Schatz sich doch nur langsam. Es vergingen Monate bis zu dem Tage, da die Mutter ihn aufforderte. die Büchse zu öffnen und den Inhalt zu zählen. Es war Weihnachtsabend und Tony wagte fast nicht aufzuschlie- Ben. Doch als er sah, daß der Vater schon das Geldstück in der Hand hatte, wn seine Cente zu wechseln, faßte er Muth. Und endlich war er am Ziel seiner Wünseche. Er hatte den Preis für das arme Pferdchen in der Hand. Im Ueberzieher und warmen Hand— schuhen stand Tonh bald ganz stolz an der Thüre, um die Mutter zu erwar— ten, und die lalle und schmutzige Straße, die er an ihrer Seite durch schritt, schien ihm ein Theil einer schö nen glüeklichern Welt zu sein. An der nächsten Straßenecke bestie— gen sie die eleltrische Car, um in's dn nere der Stadt zu fahren. In der ersten Zeit war Toni beschäftigt, die Vorübergehenden zu betrachten. Dann wandte sich seine Aufmerksamleit den Insassen des Wagens zu, und.er lehnte sich gegen den warmen Mantel seiner Mutter. Ganz besonders interessierte ihn ein Knabe seines Alters, der ihm gegenüber saß. Unwilltürlich legte er sein Händchen in der Mutter Hand, richtete sich auf und betrachtete das Kind. Der fadenscheinige Anzug, den der Knabe trug, war zerrissen, gefllekt und wieder zerrissen. Ein zerlumptes Hemd ohne Knöpfe ließ den Hals un bedeckt in dem lkalten Wind, der durch die Spaltender Thüre blies. Die blaurothen Händchen waren in die Ta— schen gestect worden in der vergeblichen Hoffnung, sie etwwas zu erwrmen, nd durch die großen Löcher der Schuhe waren die nactten Zehen sichtbar. Die Mutter neben ihm sah nicht weniger ärmlich aus; und nan mußte sich wun dern, daß beide überhaupt noch fuhren. Tony hatte nur Auge sür den nenen Jungen. und seine Mutter, die ihn beobachtete, wußte so gut, was in ihrem D K 1— 1 2 nn —2 2 2 —7 1 g 2 7 22 1 3 2 3 21 ;2—2— 2 4 ʒ —22 —9 4 1 2 at a 2 E: 2 0 13 16 4
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Jungen vorging, wie er selbst. Seine runden Wangen röthelen sich, die Augen wurden groß und blickten mit leidig. JZede Einzelheit der Armuth. und des Elendes dieses Straßenjungen schien sich Tonh einzubrägen. Er sah auf seine starlen, ledernon Stiefel und dann auf das zerrissene Fußgeug des Gegenüber. Zögernd öffnete er die Hand, welche die 82.00 umschloß, dis er siech in längen Vogen verdient und erspart hatte. Det An blick erinnerte ihn an das, was er da für kaufen wollte, und jeder Reiz des schönen Prerdchens kam ihm wieder in den Sinn. Schnell schloß er seine Hand wieder, eine entschlossene Linie geigte sich um den kleinen Mund, und halb trotzig erhob er den Kopf. Doch da traf ihn der traurige, hungerige Blick des armen Knaben und der Aus druck seines Gesichtchens änderte sich- Seine Augenlider zitterten und seine Lippen begannen zu beben. Ploötzlich mit raschem Entschluß sprang er von seinem Sitz und ging zu dem armen Knaben. „Kauf Dir Schuhe“, sagte er, sei nen theuren Schatz in die kalte Hanb steckend, und war wieder aut seinen Platz, ehe Jemand anders, als seine Mutter begriffen hatte, was er ge than. Doch jett lehnte er sich nicht gegen sie, er hatte selbstständig gehän« delt und mußzte die Brluen allein trae gen. Auf der Straße sehien. etwas seine Aufmerksamkeit zu ertegen, denn er preßte das Gesichtehen eu das Fenster. Doch die Vahtheit au sagen, er sah nichts, was voruber gina denn ssine Augen waren durch nen verduntelt. Er hatte gelämbst und gesiegt, doch der Sieg hatte seis ren Srettl hatt it tlopfendem zen e di Mutter den Kampf eebe beobachtet. Doch sie sagte nichts. Sie legte nur ihren Arm um ihren kleinen Held und zog ihn an sichh Doch sje war nicht die einzige Zeugin der Tha auch andere hatten es gesehert. Gin großer behäbig aussehender Herr stand auf und sagte laut: „Meine Dämen und Horren, sollen wir uns durch das Kind beschämen lassen?“ tief in soine Tasche greifend, zeer eine Handvoll lleiner Müngzen hötaus, legte sie in seinen Hut und ging zu den andevn Fahr gästen, die seinem e und mehr oder weniger zulegten, Der kleine, talte „der nicht begriff, was vorging, empfing das Geld mit verwirrtem Schweigen undh. selbst die Mutter, für welche dies ein wenig Ruhe, eine lleine Erleietenna und ein glüekliches Christfest für sie und ihr Kind bedeutete, donnte ihren Dank nicht in Worte kleiden. Dann, als die Hirche mit der wun4 derschönen Krippe in der Nähe wer une die Aufmertsamkeit der Mitr den für Mutter und Tonh begann, sie zu verwirren, verließen sie den Gaten und waren wieder allein auf Straßze. e 0 Doch sie sprachen auch dann nicht. GErst später, als sie zusammen vein Hand an der Krippe tnieten, flüsterte Tonh: „—dlch gab es dem Jesutind, Mutter.“ Und die Mutter dachte, ihr Kind habe dem Christtind etwas gegeben, was ihm gefallen müsse. 13 Von den hundert größten Vermögen der Gegenwart 1— entfallen einundfünfgig auf die er einigten Staaten und Süd—- zwölf auf England, acht auf Rußland und je sechs auf Oesterreich und Deutschland. Der Rest verthoilt sich auf Frankreich und andere europãische Länder. Aufgenommen in die Liste sind nur solche Geldfürsten, die über einen Besitz von mindestens ranaia Millionen Dollars verfügen. Der ad dirte· Besitz der hundert Krösusse ergibt die Riesensumme von ae ergwt Milliarden Dollars, also mehr als das Doppelte des in der Welt vorhande4 nen Baargeldes. An der Spitze dies ser Hundert steht John D. Rocktefeller- Sein nächster Nachbar ist der süd-afri tanische Goldaruben Besitzer Robina son. Die großen Vermögen der alten Welt sind meistens in fürftlichem Ve siz und bestehen vielfach in Fen schaften. Eine Ausnahme machen die Rothschild's, die Familie Hrupp und einige andere Finanz-- und Handels fürsten. Die in den Vereinigten Staa4 ten domilizirten großen Vermögen sind zumeist selbsterworbener Reichthum. deshalb ist der Vermögensstand hier ilüssiger.. Von den einundfünfzia ameritanischen Krösussen haben vier jehn ihr Bermögen un Bantgeschäfter4 worben, sieben sind im Gisenbcchwesen und im Kupferbergbau, und je einer in der Brau-Fudustrie, in der Tabala ludustrie und in der Großschlächterei ersvorben worden. Drei Besitzerinnen dieser Riesenbermögen sind ranennn Frau Bertha Kruph von Bohlen u Halbach. Frau Hetty Green und Frau Anna Weightman Walter:
Verstand haben, Herg haben ist nicht genug, man muß sie für Anders haben. 72 Wo Deine Gabe liegh,da liegt Deine UAufgabe. Wo Deijte e 8 liegt, da liegt aber auch Deine Gefahr. Nicht die Rechte, die Jeniand ausübt, sondern die Pflichten, die er sich aserlegt, geben ihm den Werth. 8 3 7 2 F 3
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Die erste Hilfe brt elettrischen Unfällen. nn d (Von Dr. S. 3.) Fn der „Wiener llinischen Wochen fr xisft“ ist ein Ariilel des betannten Spezialisten für elektrische Unfälle, des Dr. med. S. »Jellinet, Aisistenten des k. Krankenhauses, Wieden in Wien, unter dem Titel „Die Gefahren des eleltrischen Betriebes und Hilfe bei Unglücsfällen durch Starkstrom“ erschienen, dem wir im Nachstehenden die wichtigsten Fingerzeige für die Hilseleistung gegenüber durch Elektri— zität Verunglückten entnehmen. Diese Hilleleistung, die allerdings mit der nötigen Vorsicht eingeleitet werden mußz, ist gegenüber Verunglückten ge—- dacht, die mit einer Starkstromleitung in VLerbindung gerathen sind. Die R-thschläge Dr. Fellinet's dürften be sonders für Fabritbetriebe sehr werth— voll und beherzigenswerth sein und ihre Befolgung kann dazu dienen, Menschenleben vor der sicheren Ver— nichtung zu bewahren. Dr. Jellinek's Ausführungen he— sagen: Die erste Aufgabe der Hilfe lerstng besteht darin, den Verunglück ten rasch aus dem Stromkreise zu be freien, wobei der Retter zunächst auf eigene Isolirung bedacht sein muß. Man erreicht letzteres dadurch, daß man seine Hände mit schlecht leitenden Stoffen, wie nassen Tüchern, Klei—- dungsstücken am besten mit Gummi— handschuhen versieht und nun an's Rettungswert geht. Man thut nichts nübriges, wenn man außerdem eine gegen die Erde isolirte Position, zum Beispiel aut einem trockenen Brette, Sessel, Leiter, ete., sucht. Hält der Verunglückte einen strom—- führenden Körper umklammert, so ver suche man dessen Finger zu lösen oder den Mann loszuxeißen. Ein sehr ein— faches und ebenso wirtsames Mittel der Hilfeleistung ist darin gelegen, den Verunglüekten in der Leibesmitte zu ersassen und in die Höhe zu heben; sosort ist der Strom unterbrochen, wenn er durch Erdschluß vermittelt wurde. Ein geistesgegenwärtiger Monteur rettete sich selbst auf die Weise, daß er vom Boden aufsprang. Drähte, die sich dem Verunglüctten um den Körper geschlungen haben, wird man mit einer genügend isolirten Scheere ich habe seinerzeit eine Iso—- lirzange zu diesen Zwecken construirt durchtrennen, dabei jedoch auf eige— nen ünd des zu Rettenden Augenschutz bedacht sein, weil der Oeffnungsfunke gefährlich werden fkönnte. Der aus dem Stromkreise Befreite ist an die frische Luft zu bringen, zu entkleiden und horizontal mit et—- was erhöhtem Kopfe zu lagern. Steht die Athmung still, so beginne man mit der künstlichen Athmung, die vohne Hast und besondere Kraftanwen—- dung durchzuführen ist. Durch allzu forgirte Athembewegungen könnte der Mageninhalt herausgepumpt und in die Luftwege eranegenun werden, wodurch begreiflicheriweise jedes Ret— tunaswert vereitelt würde. Bei gestörter oder nicht nachweis barer Herzthätigkeit wird man Mas— sage und Faradisation lelektrische Be— handlung) der Hergegend in Anwen— dung ziehen, ferner auch durch kalte und heiße Abreibungen der Glied— maßen den Tonus der peripheren Ge— fäße zu beeinflussen bemüht sein. Das es unnöthia, ja sogar schã ist, dem Verunglüekten während der Rettungsbersuche Flüssigteiten einzu— flößzen, ist ohne weiteres tlar, ebenso, daß hbei der künstlichen Athmung für entsprechende Lagerung, ferner für das Vorziehen der Zunge und für das Reinhalten der Mund- und Rachen—- höhle, Entfernung von Prothesen oder Gebissen gesorgt werden muß. Hin— egen kann man in Athmungspausen eezena Kampfer- und auch Adre— nalin--Injektionen machen, die Nasen— schleimhaut mechanisch und chemis reizen, heiße Irrigationen versuchen, die Fußsohlen bürsten und ähnliches mehr. Die Rettungsversuche sind stunden— lang in der geschilderten Weise fortzu— setzen; eine zeilliche Beschräntung ist nur in der Constatirung sicherer To— deszeichen gelegen. Eine Hilfe ist abe begreiflich nur dann aussichtsvoll, wenn sie sofort nach dem Unfall ein— tritt, also sofort auch am Unfallsorte beginnt. Sind die Rettungsversuche von Er— folg begleitet, so wird man den Kran— len für die nächsten Stunden und Tage zur unbedingten Bettruhe verhalten. Die Erholung geht am raschesten von statten, wenn aus der Umgebung des Kranken Alles entfernt wird, was dessen Ruhe zu stören geeignet wäre. Werthvolle Mittel sind laue Väder, Entleerung von Blase und Mastdarm, hlande Kost und srilles, verdunkeltes Zimmer. Mit Rüctsicht darauf, daß sich bei einzelnen der beobachteten Un— fälle später Sinnesberwirrungen und Aufregungszustände eingestellt haben, so wird vorsichtige Ueberwachung am Platze sein. Die äußeren Verletzun— gean, wie die spezifisch elektrischen Hautveränderungen, die verbren— nungsartigen und echten Brandwun—- den, Substanzverluste u. s. w., sind möglichst conservativ zu bekämpfen. Als schmerzlindernd und die Heilung fördernd, erwiesen sich Bestreichung mit dreivrozentigem Borvaselin, außercdem Einpaclungen in Dermatolgaze, die in vorher verdünnte Burow' sche Lösung getaucht wurde. Die oftmals außer— ordentlich aroßen Verletzungen und Substan-verluste heilen unter allmäh— licher Abstoßung des Schorfes, ohne zu eitern; der ble Geruch wird durch Be—- rieselung der Stellen mit fünfprozen—- tigem Perhydrol gemildert. Die Aust heilung nimmt oft viele Monate in UAnspruch. Am beachtenswerthesten ist die Mahnung Dr. Jellinel's. nicht zu balt an dem Grsolge der Rettungsversuche u verzweiseln und sie stundenlang etgwen EGs gelingt noch nach erstaunlich langer Zeit, das Leben wie—- der gzurüclzurufen. 1414 n 1 144 72 24
K 0 I x 7 U dieselbe Sprache spricht uud außerdem Abstammung. ge— schichtliche Entwictlung und damit gewisse geistige und körper— liche Eigenthumlichkeiten mehr oder weniger gemeinsam hat. Man beachte das Sprichwort: „Wie die Menschen sprechen, so sind sie! Es gibt so viele Nationen als Sprachen sind. Auf der ganzen Erde sind jetzt gegen 900 verschiedene Sprachen, davbon 90 in Europa. Es ge— hören z. B. zur englischen Nation 120 Millionen, 100 Millionen zur deutschen, 45 Millionen zur französischen und 8 Millionen zur jüdischen Nation. Das Wort „Nation“ ist nicht gleichbedeutend nnt „Volk“, denn es könnten verschiedene Nationen zu einem Volte (Staate) ver— einigt sein, indem sie durch gemeinsame Lage auf einander angewiesen sind und gemeinsame Regierung haben. Dies ist z. B. der Fall in Oesterreich. Zu welcher Nation demand gehört, das ergibt sich aus seiner Abstammung von Vater und Mutter; und falls Vater und Mutter nicht derselben Nation angehören, so kommt die lebensgeschichtliche Entwicklung des betreffenden Menschen in Betracht. Die Berschiedenheit der Nation hat Gott einerseits zur Strafe des menschlichen Hochmuthes, andererseits ans weiser Absicht, zum Wohle der Bölker eintreten lassen. Wie der hl. Schrift zu entnehmen ist, gab es ursprünglich nur eine Sprache. Auch aus den Resultaten der vergleichenden Sprachforschung hat sich ergeben, daßz die verschiedenen Sprachen der Welt aus einzelnen Sprachenfamilien hervorgegangen sind. Bei weiterem Studium war es auch möglich, die Einheit der Sprache mit großer Wahrscheinlichtkeit nochzuweisen. Nach dem Be— richte der hl. Schrift hat Gott beim babylonischen Thurmbau eine Sprachenverwirrung eintreten lassen, um die Menschen zu demüthigen und zur Trennung zu zwingen. Der gütige Gott hat aber bei Allem, selbst bei Strafen, die Absicht, den Menschen zu helfen. Es sollte näulich die Verschiedenheit der Nation auch dazu beitragen, den Wetteifer, und dadurch Fortschritt und Cultur, untecr den Völkern zu befördern. Ferner soll die nationale Verschiedenheit das Umsich— greifen des religiösen und sittlichen Verfalles verhindern. Wie die Sprachenverwirrung das hochmüthige Unternehmen zu Babel vereitelte, so sollte auch späterhin Nationalität ein Zaun sein, durch den die Völter zum Götzendienste und vom sittlichen Verderben benachbarter Nationen geschützt seien. 1. Der Christ darf und soll seine Nation mehr lieben als eine fremde; denn diese Liebe liegt schon von Natur aus im Menschen und wird durch die christ— liche Religion nicht ausfgehoben, sondern verklärt und brfördert. Wenn gesagt wird: „Der Christ dar f seine Nation lieben“, so ist zu wenig gefsagt. Man soll vielmehr sagen: „Der Christ soll seine Nation liebhen.“ Die Selbstliebe und die Elternliebe ist ja auch nicht etiwwa bloß erlaubt, sondern geboten. Und warum soll man die Nation liebem der man entstammt und angehört? Weil eben die Nation eine große Familie, eine groß;e Blutsberwandtschaft ist. Wie man seine Blutsverwandten mehr liebt als Fremde, so soll man auch seine Nation mehr lieben als jede fremde. Und gleichwie das Kind seine eigene Mutter mehr liebt als eine fremde, ohne die fremde zu verachten oder zu hassen, so sollen auch wir unsere Nation mehr lieben als eine fremde, ohne die feemde zu verachten oder zu hassen. Die Liebe zur Nation ist also in Naturgesete, d. i. im Willen des Schöpfers begründet. Wie uns der Schöpfer von Natur aus eine größere Liebe zu den Eltern als zu andern Menschen in das Herz gegeben hat, so hat er uns auch eine größere Liebe zu dem Volke in das Herz gegeben, dem wir entstammen und angehören. Uebrigens werden wir schon von Natur aus gedrängt und ange— wiesen, uns Jenen anzuschließzen, die dieselbe Sprache sprechen, als wir. Die Liebe zur Nation ist also eine Vorschrift des Naturgesetzes. Die Vorschriften des Naturgesetzes werden aber durch das Christen— thum nicht aufgehoben. Daher erklärt auch Christus ausdrücklich, er sei nicht gelommen, das Gesetz aufzuheben. Somit haben die Liebe zur Religion und die Liebe zur Nation Gott zum Urheber; sie sind Zwillingsschwestern, die einen und denselben Vater haben, nämlich Gott. Da nun Gott sich selbst nicht widersprechen kaun, so lann die Liebe zur Religion mit der zur Nation nicht im Gegensatze stehen. Wir finden deshalb, daß Chrittus, die Propheten, die Apostel, die Mutler Gotles und viele heilige Männer für ihre Nation begeistert waren. Man beachte, deß unser Heiland fast nur im gelobten Lande gewirkt hat, also vor Allem seiner Nation zu nützen bestrebt war. Er ertlärt auch, er sei nur gesandt zu den verirrten Schafen des Haufes Israel. Wir finden glühende Liebe zur Nation bei den Propheten man dente nur an den auf den Trümmern derusalem's weinenden Jeremias), bei den sitdischen Märthrern (die machabäischen Brüder be— rufen sich sterbend auf ihre „väterlichen Gesetze“), selbst bei der Mutter Gottes (moan beachte itren herrlichen Lobgesang) und bei den bl. Aposteln (der bl. Paulus wollte lieber verworfen sein, wenn nur seine Nation gerettet würde). Dieses nationale Gefühl hatte Gott selber im jüdischen Volke zu wecken gesucht, das beweisen die Worte, die Gott zu Moses n brennenden Dornbusch sprach: „Fch bin der Gott Deiner Väter, des Abrahams, des Fsaak, des Jakob.“ Datzer nahm auch stets die latholiseche Kirche bei ihrem Wirken unter den Völtern auf deren nationale Gefühle Rücksicht. Sie war vor Allem darauf bedacht, solche Männer als Mistisonäre und Priester zu den eingelnen Völtern zu senden, die aus dem betreffenden Volle stammten, wodurch auch die Intecessen der Religion bedeuntend gefördert wurden. Die tatholische Kirche hat auch deshalb den bekehrten heidnischen Völtern stels ihre er— erbten Sitten und nationalen Gebräuche belassen. Was sie zu ändern suchte, waren nur nationale Ausartungen, Schwächen und Unvollkom—- u enheiten der Bölker. Daß die Kirche rüctsichtsvoll gehandelt hat, wurde selbit von ihren Feinden anerkannt; man machte ihr ja zum Vorwurf, daß sie bei der Unterdrückung dieser oder jener Völterschaft nicht mitgeholfen hat. Der Umstand, daß einzelne Vorsteher oder Glieder der Kirche manchmal in nationaler Beziehung gefehlt haben, lann nicht in die Wagschale fallen, denn deren fehlerhaftes Verhalten widersprach ja dem Gelste und dem Willen der Kirche und war aus von keiner Dauer. Daß die tatholische irche das nationale Gefd der Völter berücktichtigte, ist schon ersichtlich aus dem Verhalten der dirche bei den betehrten Germanen. Die Kirche beließ ihnen alle alionalen Gebräuche und vexband mit diesen sogar eine christliche Be— deutung, wodurch jene mehr befestigt wurden. Die Germanen feierten zum Beisviel Ende Dezember die sogenannten geweihten Nächte; die christliche Kirche verlegte dechalb auf diese Zeit die Feier der Geburt Christi, der in wahrhaft „geweihter Nacht“ (Weihnacht) zur Welt tam. Die Germanen zündeten um diese Zeit Lichter auf den Fichtenbumen anx die christliche Kirche heb diesen Gebrauch nicht auf, sondern be sestigte ihn vielmehr, indem sie hinwies auf das „Licht der Welt „das deswegen am Kreuzesstamme gehangen ist, weil die ersten Menschen vom verbotenen Baume im Parod je gegessen hatten. Und so ist der Christbanm bis heute geblicben. Die Germanen hielten u Be ginn Feber, wo das Licht wieder auff-llend zunimmt, Fackelzüge ab. Hiẽ lätholische Kirche legte diesen Gebrauch sogar in die Kirche (durch die Lichtmeß-Prozession) und wies darauf hin, daß Simon den vierzig— tägigen Heiland mit Recht ein Licht nannte. (Fortsetbung folg1t) 2 1— x
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K 2 E: K 1 (Aus Spirago's „Katholischer Volls-Katechismns“.) Die Lirbe zur Nation. Das Verhalten des Christen mit Rücklicht auf seine Natian. EXA 7in 7 gunæenmburger Varette Dteustao, den 20. dauuox 1908. 77 Das Münchner Kindl. Münchener Gerichtsszene.) Der Gürtlermeister Georg H., ein Main von echtem Münchener Blut, hat gegen ein Strafmandat, durch das er wegen Unfugs in eine Geldstrafe von d Mark genommen worden war, Ginspruch erheben. Vorjitzender: Sie, werden wegen der Höhe der Geldstrafe den Einspruch er— hoben haben und wollen damit billiger wegkommen, nicht wahr Herr 9.? Angeklagter: Na! a wengl billiger, wenn's geht, hob i grad nixn dagegen, aber von Rechtswegen, dent i, daß ei— gentlich gar nirx kosten sllt, weil i in der Nothwehr g'wesen bin und ganze Pack mildernde Zugständ vorhanden san. I moan, Sie sollten die Gschicht a Bröckl anhörn, nachher kimm i zu mei'm Recht. Richter: Aus welcher Ursache haben Sie nun am 15. Juli im Dingsbräu— teller gestritten und gelärmt und sogar einigen Frauen Schläge angetragen? Angetlagter: So g'sährlich war's net! Ich hab' im Leben noch keinem Menschen Etwas gethan; das san so talte Sprüch, damit sich die Leut' net so viel trauen. 1 Richter: Natürlich. heben Sie die Drohung nicht verwirklicht, sonst wä— ren Sie auch wegen Körperverletzung angellagt; aber schon die Drohung ist strafbar. Angeklagter: Sie würden 's g'rad so g macht ham, und schuld waren die Münchnerkindl. Zum Beispiel: Sie sitzen in an Keller und geben Acht, daß von koan Menschen belästigt werden; auf amal lommt der reinste Zigeuner— zug. Er schiebtb a Kinderwagl, unter'm Dach schaug'n a paar Augen von an Neubackenen raus, zu Füßen is a Jähriges wia der Kingfu ein packt, der Mensch hölt an Eahnern Tisch und schreit: Muatta, da herer! dös is a netts Platzl! Sie kimmt mit ovans am Arm, rechts und links hängt oans am Kleid, wenn möglich. na! sagen mer es g' langt. Die Bande beansprucht mindestens fünf Stühl, a Fedes wird abg'setzt und dann limmt das Auspacken. Das Kloanste im Wagl wird z'erst trocken g'legt, das Oanere derweil auf Eahnern Tisch g'setzt und a Grüchl kimmt ausn Wagerl! Die Frau sagt: Vater, nur schnell a Maß und drei vier Glasl, da—- mit a Jedes zu seiner Sach kimmt und Du Maxl laufst in die Kuchel und bringst sechs Paar Dünne, aber keine ausg sottnen sag i, sonst mueßt's wie—- der zurucktragen. Richter: War dieses im conkreten Fall so, oder wollen Sie nur ein sol ches Stimmungsbild hier zum Besten geben? Angeklagter: Nixn geb' i zum Be— sten, mei Fall war's, von dem i red'! Warten S' nurx, glei' kimmt's besser. JZetz'n kimmt der Alte mit der Maß. er taucht sein Kopf in Krug eina und hebt, nacher setzt er ab und fangt 's Blasen an, daß der Schaum fliegt. „Na, na, Alles, was recht es, Bluatsa, mir ganst, a —a—a! net a mal drei Quart, da hört sich Alles auf, die moan', wir stehlen unser Geld!“ Wie— der blast er und rollt die Augen gegen die Schänk, dann a e wia aus an tiefen Brunnen ah! aber guet is; wart' nur, bei der nächsten Maß da limm i Dir. Jetzt kriegt die Frau den Krueg, sie schaugt in die Tiefe und meint: Aber dös Lackerl hätt'st aa no z'wungal! Dann probirt der Maxl an Trunk, hebt nach, weil d'Muatta den Stein net aus der Hand laßt und gießzt fich a Portion in die zwoa Ohren und an Schluck über die neug'stärkte zackn... Richter: Nun aber zur Sache. Wurden Sie selbst belästigt? Angekllagter: Jetzi bringt der Marxl die sechs Paar Dünne. D'Marie hat a Zipferl in unrechten Schlund bracht und auf an Huaster sliegt es mir in's G'sicht. Das Dreijährige erwischt mein Huat an echten Florentiner und füllt ihn unter m Tisch voller Kie— sel.. Das Kloane auf's Tisch stram— pelt, will no a Wurscht, wirst mein Maßzkrug um und schüttet guate drei Quartl auf meine Knia. F spring auf und schrei: Ihr elendi Bagaschi! Wo seid ihr denn aufg wachsen? Da bin i doch no liaber bei die Mamelu— ken. dJetzt seh ich erst mein Huat, wei! die Alte grad sagt: Wo hat denn 's Röserl dös Strohdachl her? d werf fast an Tisch um vor Zorn da schreit der Alte: de der Ander', den schaugts an! Da dürft Unseroaner net o mal a Kind in an Garten mitnehmen. Geben's halt auf eahna Graffel besser Obacht, d Kinder sanu Kinder und die van san wie die andern. Eahna Handsviech braut koa Wart! und da— bei gibt er mein Schnauzl, der unter'm Sessel so fromm wia a Lampl sitzt, an Fuaßtritt. Zum Glück is der Kerl davon, sunst wär's kritisch word'n. Die Frau hat nacher wieder sauber ein'packt und. während der Zeit hab ihr das Nöthigste erzällt, daß alle Leut im Garten z'sammeng laufen san. Das Gericht verwarf nicht nur den Einspruch klostenfällig, sondern sprach gegen den Angeklagten wegen Ueber—- tretung der Hunde-Ordnung eine wei— tere Geldstrafe von drei Mart aus. Her 9. war starr vor Staunen. Bravo rief er, a Solchener san Sie? Jetz'n wird's besser! G'wiß sans aa 'n Münchner Kind, weil's so guat ganga is. Wart! Das nächste Mal wird a Voxrl mitg numma, und wenn so a Gsellschaft auf mein Tisch zua timmt, dann schrei i: Gehn's mer net æ
22 2 1 Genesung aller Kranhen durq das wundorwickendi Exanthematische Heilmittel, 7 (Vaunscheidtiomuso.) Erlänternde Cirkulare werden portofrei zugesandt. Jo yn LTinden, Spezial Arzi und alleiniger Verfertiger der einzig echten reinen exanthematischen Heilmittet Osfice und Wohnung, 948 Prospect Straße, Cleveland, Ohio, P. O. Letter Box a- Nan hüte sich vor Fälschungen und falschen Anpreisungen. “—a 1 14 her, dös Viech beißt, nacher krieg i mein Fried'n. Papst PBinuns xXx. über die tatholische 1 1 Presse. 1 72 Nachsolgende, schr eindring· liche und sehr beachtenswerthe Bemerkungen über die Unter- stütung der katholischen Presse f durch Briester und Volt und über die Bedentung der katho- lischen Presse in unseren Tagen, machte Pius der Zehnte zu einem der Redakteure der Zeituna „La Creix“ von Limoges in Frank- reich. Als der Hl. Vater er fahrcn hatte, vaß er zu einem Journalisten rede, sagte er: +1 „Ah, die Presse! Deren Wichtigteit ist noch nicht ge nügend veristanden. Weher die Cläubigen, noch der Clerus unterstützen dicselbe, wie sie sollten. Ich weiß, es wird be-+ hauptet, die Presse sei eine ver- hältnißmäßig neune Erscheinung und es würen früher Seelen ohne dieselbe gerettet worden. Früher, früher das ist leicht gesagt. Es ist aber keine Frage der Vergangenheit, sondern eine der Gegenwart. Früher ver -1 breitete sich bas Cift der 1 schlechten Presse nicht in so er-* 4 schreckender Weise überall, wie egs jetzt der Fall ist, und folg-* 1 lich war auch das Gegenmittel der guten Presse nicht so von Nöthen wie heutzutage. Es ist eine Thatsache, daß heutzutage christliche Völker irregeführt werden, und daß ihr Geist durch gottlose Zeitungen wvergiftet wird. Vergeblich wäre das Bauen neuer Kirchen, das Ab halten von Missionen, das Gründen von Schulen; alle Enre guten Werte, alle Eure BGemühungen wären unmsonst, wenn Ihr nicht zur selben Zeit die defensive und offensive Waffe einer treuen und wahr-+ haft katholischen Presse zu ge-* brauchen wüßtet.“ 1 41 4 Nicht mehr nöthig. A.: Was macht denn der gewesene Kaufmann Sternbach? B!: Der ist vor zwei Jahren zum dritten Male in Conkurs gerathen, und seit jener Zeit betreibt er tein Ge— schäft. A.: Ja, dann hat er dies auch nicht mehr nöthig. 2 1 n 7772 0: 3 1 4
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