Der Deutsche Correspondent (Baltimore, Md.)
May 15, 1897
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Diese Andeutung macht böses Blut in Bulgarien. Man droht dort mit Einmischung. Mittlerweile sind wichtige Truppenbewegungen im Gange. Griechen melden immer noch Siege aus Epirus. Die Sachlage zu Damokos. C o n st a n t i n o p e l, 14. Die Pforte hat in ihrer Antwort auf das Vermittelungs Anerbieten und das Waffenstillstands Gesuch der Mächte erklärt, der Sultan werde nach dem am Sonntag Abend zum Ab schlüsse gelangenden Bairamfeste in der Lage sein, die Angelegenheit zu bespre chen. Ein russischer „Fühler." P e t e r s b u r g, 14. Mai. Heu te wurde die wichtige offiziöse Ankün digung gemacht, in „gut unterrichteten russischen Kreisen" (augenscheinlich ist damit das Auswärtige Amt gemeint) herrsche die Ansicht vor, daß es schwie rig, wenn nicht unmöglich sein wird, die Fortdauer einer türkischen Okkupa tion Thessalien's nach dem Friedens schlüsse zu vermeiden. Diese Erklä rung wird wahrscheinlich als „Fühler" gemacht und es dürfte ihr später die Andeutung folgen, daß Rußland Nichts gegen eine permanente Anne xion Thessalien's an die Türkei hat. Anti-türkische Wühlereien in Bulgarien. Petersburg, 14. Mai. Nachdem angedeutet worden war, daß Rußland keine Einwände gegen die Einsetzung einer türkischen Verwal tung in Thessalien erheben werde, wird heute Abend bekannt, daß den Diplomaten ernste Besorgnisse durch kürzlich aus Bulgarien eingetroffene Nachrichten bereitet werden. Wäh rend der letzten Woche ist unter dem bulgarischen Volke sowohl, wie unter der Armee heftig gegen die Türken agitirt worden, und man fürchtet, daß die hierdurch gereizte Stimmung die Regierung zum Losschlagen zwingen dürste. Vor Damokos C o n st a n t i n o p e l. 14. Mai. Von gestern datirte amtliche Depeschen aus Larissa melden, daß die gegen Damokos vorrückenden türkischen Di visionen die Dörfer Hadjiomar, Bekri ler, Karalar. Ponnar und Vardali besetzt haben. Vardali liegt nur ZH Meilen nördlich von Damokos und Bekriler 74 Meilen nördlich. Die türkische Armee sollte demnach heute dicht vor Damokos stehen. Elf grie chische Segelschiffe sind von türkischen Kriegsschiffen gekapert und mit ihren Mannschaften in die Dardanellen ge bracht worden. A t h e n, 14. Mai. Den heutigen Depeschen aus dem Hauptquartier der griechischen Armee in Damokos nach zu schließen, nimmt die türkische Hee resleitung Truppenschiebungen vor, welche darauf hindeuten, daß ein all gemeiner Angriff auf die griechische Stellung beabsichtigt ist, der vielleicht noch im Lause des heutigen Tages statt finden wird. Wie verlautet, hat der linke Flügel der türkischen Armee Al myros geräumt und sich gegen Pharsa los, also in der Richtung nach dem rechten Flügel von Edhem PaschasAr mee, in Bewegung gesetzt. General Smolenski. der den rechten Flügel der griechischen Armee commandirt, hat sich diesen Umstand zu Nutzen gemacht, Almyros wieder besetzt und die telegra phische Verbindung mit dem Haupt quartier wieder hergestellt. Falls die Rückwärtsbewegung der Türken nicht das Resultat der diplomatischen Ak tion der Mächte ist, glaubt man, daß Edhem Pascha seine Kräfte zu einem entscheidenden Schlage gegen die grie chische Hauptstellung Damokos conzen trirt. Damo k o s, 14. Mai, 7 Uhr Abends. Die Türken sind in der Richtung von Pharsalos zurückgewi chen. Nikopolis von den Grie chen genommen. Paris, 14. Mai. Eine heute früh eingetroffene Depesche meldet, daß die Griechen Nikopolis, eine Festung auf der nämlichen Halbinsel, auf wel cher Prevesa liegt, eingenommen ha ben. Achtzig Türken wurden in dem Treffen getödtet. Außerdem haben die griechischen Truppen Suloura ohne Opposition wieder besetzt. Jetzt ist Nikopolis wieder nicht genommen. A r t a, 14. Mai, 9 Uhr Abends. Seit 4 Uhr heute Nachmittag hat eine Kanonenboot Flotille Nikopolis vom Golf von Ambraccia aus bombardirt, während zugleich ein Angriff von der Landseite her im Gange war. Die tür kischen Batterie'n erwiderten das Feuer lebhaft. Mit dem Anbruch der Dun kelheit hörte das Treffen auf. Die Griechen werden jetzt Alles aufbieten, um Nikopolis und Prevesa zu erobern, ehe sie gegen Pentepigiada vorrücken. Ein Treffen bei Giboro. Athen, 14. Mai, S Uhr Nach mittags. Eine heute spät Nachmit tag eingetroffene Depesche aus Arta meldet, daß seit früh Morgens ein blutiger Kampf nahe Griboro zwischen den Griechen und Türken im Gange ist. Griboro liegt auf dem Wege nach Fillipiada. Beide Parteien haben, wie die Depesche hinzufügt, schwere Ver luste erlitten. Arta, 14. Mai. 6 Uhr Abends. Das Treffen bei Griboro hat den gan zen Tag über gedauert. Zwei Brigaden Griechen, mit vielen Geschützen, zwei Compagnien Sappeure und einer Schwadron Kavallerie, griffen die Türken an, welche fast ohne Artillerie waren, und stürmten die erste Verthei digungslinie. stießen jedoch an der zweiten auf so desperaten Widerstand, daß es zum Handgemenge kam. Die Schlacht ist noch im Gange und über 600 Griechen sind bereits kampun sähig. (9 Uhr Abends.) Das Treffen ist vrläufig beendet, wird jedoch morgen erneuert werden. Die Conzent r i r u n g tür kischer Truppen bei Kalambaka. Pharsalos, Hauptquartier der türkischen Armee, 13. Mai. (In der Beförderung verspätet). Die Eon zentrirung türkischer Trupen bei Tri hala und Kalambaka, wo 14 Batail lone zu einem stattlichen Corps verei nigt werden, hat den Zweck, etwaigen Wiederholungen der Einfälle griechi scher Freischärler in Macedonien vor zubeugen. Aus dem griechischen Lager bei Do mokos haben sich hier zahlreiche Ueber läuser eingestellt. Sie sagen, in Da mokos seien nur drei vollzählige Regi menter griechischer Truppen mit zwei Feldgeschützen. Wenn das wahr ist, so geht daraus hervor, daß nur die Nachhut der griechischen Armee Damo kos noch besetzt hält und daß ihre Hauptmacht sich nach Lamia, vielleicht auch nach den Thermopylen zurückge zogen hat. Deutschlandräth dem Sul tan zur Mäßigung. P a r i s, 14. Mai. Man ist hier überzeugt, daß Deutschland dem Sul tan Mäßigung angerathen hat. Wie offiziös angegeben wird, beabsichtigen die Mächte nicht, Griechenland zum Abtreten seiner Flotte als Kriegsent schädigung an die Türken zu drängen. Die Psorte wird wahrscheinlich eine solche Forderung stellen, allein die Mächte werden den Griechen in dieser Hinsicht freie Wahl lassen. Sie bemü hen sich außerdem, Arrangements zu treffen, um Griechenland in Stand zu setzen, den Forderungen der Pforte Ge nüge zu leisten, ohne die Ansprüche sei ner früheren Gläubiger zu beeinträch tigen. Erdbeben in Australien. L o n d o n, 14. Mai. Einer S',e zialdepesche aus Melbourne zufolge sind während der letzten drei Tage nicht weniger, als 90 Erderschütterungen in Süd Australien eingetreten. Die Stöße waren besonders heftig zu Kingston, wo viele Gebäude beschädigt wurden und die meisten Bewohner jetzt um ihrer Sicherheit Willen Zelte bezo gen haben. Tchlimme Zustände im .', Frostbeule, Kopsweh. Zahnweh, Asthma, SS kurirt die heftigsten Schmerzen in einer b> zwanzig Minuten. Niemand braucht ine Stund, nachdem er diese Annincc gelesen, Schmerzen z Radway's Rea'dy Rrlief ilt ein sichres Mittel ge gegen all Schmerzen, Quetschungen, Schmerze im Rücken, auf ixr Brust -er w de Es war das erste Und ist das einzige Schmerzen-Linderungsmittel. Ken Hüigtweiden odr anderen Trusen Ein halber Zh?eiofscl in einem Nase Wasfe? lurirt in wenigen Minuten Krämvse, sauren Msgel, Sodbrennen, Schlaflosigkeit, MigräNi, u adltiay's Pillen. Stet? zuverlässig, rein vegetabi lisch Migräne, Frauenletve. Bttlokllät, Unvervauliivteit. Dyspepsie. 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I Zyz. rorlt. St. Vernard Rräuter-Pillen. H. Stüit>.
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Der Deutsche Korrespondent, Täglich, wöchentlich, Sonntags, E. Raine, Eigentbümer und Redakteur (Nachfolger vn y. Raine), 0.M.-?eke Daltimoreftr. und PftOsficeAe Telephone: G!.erapea?e- und Potomac-Telephan-T0... Nr. 224 Home-Tellkhon-C Nr VS Vrei de täglichen Blatte, durch Tri besorgt A>X. Täzliclie und Sonnrag-Auabe lhl> bar an die das Blatt besorgenden Träger).. RA. Täglich nebst Sonntag-Vugbe unter Porto-BorauSbezahlung pro Jhr S? SO- Söchcntliche Autgebe nebst Sonntag blatt ?lugabt pro Jabr Ll-Ov ZW" TaS beste und billigst deutsche Bltt t Aea Nitttel- uad Eüdfliate. Samstag, den 15. Mai 1897 Wie es scheint, wird der neue Tarif eine ergiebige Einnah mequelle sein für gewisse „Staats männer" in Washington. Die zwei besten Kadet ten der Marine Akademie in Anna polis wurden nach absolvirtem Ab gangs Examen bisher auf Kosten der Regierung in's Ausland geschickt, um ihre wissenschaftliche Ausbildung in den mustergültigen Schiffsbauwerften der Welt zu vollenden. Von dieser Gepflogenheit will das Mirine De partement jetzt aber, wie es heißt, ab gesehen, weil die jungen Leute in Eu ropa nicht mehr lernen könnten, als in ihrem eigenen Vaterlande. Der berühmte Kriegs- Correspondent Wippchen schildert den Verlauf des griechisch tllrkischenKrie ges wie folgt: „Die Türken u. Grie chen werfen sich einander vor, den Krieg angefangen zu haben. Dann prügeln sie sich/ Nun schreitet die Po lizei' ein. Sie fragt: Wer hat ange fangen? Die Türken fagen: Die Griechen, die Griechen sagen: die Tür ken. Neue Prügelei. Wieder kommt die Polizei und fragt, wer angefangen habe. So geht es den ganzen Tag." Der 120. Jahrestag der Ankunft vonGeneral Steuden in Ame rika wurde vorgestern in New Aork in würdiger Weise gefeiert. Der wa ckere und begabte deutsche Kriegsmann leistete der jungen amerikanischen Na tion die wichtigsten Dienste im Kriege für ihre Unabhängigkeit. Er war in jenem Kampfe der bedeutendste Reprä präfentant des schon damals wichtigen deutschen Elements in diesem Lande und. mit Ausnahme von Washington, trug kein anderer Mann mehr zum schließlichen Erfolge der amerikanischen Sache bei. Die Nativisten möchten dies in Vergessenheit bringen, wenn sie könnten. Dem Verdiensten Unabhän gigkeitskämpfer soll jetzt in New-York ein Denkmal errichtet werden. Amerika's Vahnverkehr. In diesem Sommer werden es 67 Jahre, daß die erste Dampfbuhn aUj „Public Earrier" in Vetrie'z gesetzt wurde; es war ein armseliges Unter '.llhmen, denn die erste Vc-Hnstrcck? zwi schen Baltimore und Ellicmt-CiN) war nur dreizehn Meilen lang und der erste Wagen tonnte kaum ein Dutzend Pas sagiere fassen, und an die ri-sigen Ton nenfrachten, wie sie heute täglich auf der „Baltimore Ohio Bchn" Gefor dert werden, war damals uich: zu den ken. Das größte Beförderungsmittel zu Lande war der Eonestogi Wagen oder Prärie Schuner, zu Wasser das seit einem Vierteljahrhunde'.! laufende Dampfboot, das Kanalboot oder das Segelschiff. Niemand hätte je geahnt, daß der Bahnverkehr in so kurzer Zeit Alles in den Schatten stellen werde. Die Eisenbahn hat sich das ganze Land erobert, und ehe das Jahrhun dert zu Ende geht, wird die Stahlschie ne auch die dunklen Gebiete von Afrika. Asien und Australien erschlossen ha ben. Die Ver. Staaten haben jetzt 180.000 Meilen Eisenbahn, und di? verschiedenen Korporationen beschäfti gen Jahr aus.Jahr ein ZOO.OOOPerso nen, deren Lohnliste jährlich P 750.- 000,000 erfordert; man darf anneh men, daß 4,000,000 Seelen von der Gefammtbevölkerung des Landes di rekt von den Eisenbahnen abhängen. In gutenJahren vertheilt dasßahn wesen jährlich H 1,200,000,000 anLöh nen. Profiten, für Materialeinkäufe u. s. w. Die Bundesregierung dagegen vertheilt nur H40Ö,000,000. Die „Erie Bahn" hat z. B. ein jährliches Brutto-Einkommen von P 30.000.000; ihre 30,000 Angestellten erkalten Z 16.- 000,000 für Gehälter und Löhne und H 6.000,000 werden für Material aus gegeben. In den letzten Jahren betrugen die Reparaturkosten jährlich allein P 250.- 000,000; selbst im schlechtesten Kr'iis jahre wurden 570,000.000 für Ver besserung desßahnbettes, 530,000,000 für Schienen, Schwellen u. f. w. und YN5,000,000 für Brücken verausgabt. Die Einfriedigung der Bahnstrecken, die Warnungen an den Bahnübergän gen und die Vorrichtungen zum Schu tze des Publikums kosten jährlich an 53,500,000. also mehr, als unser je denfalls ziemlich kostspieliger Landes- Eongreß. Welche Ausdehnung wird erst das Verkehrswesen im nächsten Jahrhun dert erreichen! Es ist von kleinen An sängen längst zu einem wirthschaftli chen Hauptfaktor des Landes heraus gewachsen. Philadelphia's Festtag. Heute feiert unsere Nachbarstadt Philadelphia ein großes Fest durch die Enthüllung des dort errichteten Wash ington Monumentes. Nicht nur Bücher, auch Denkmäler baben ihre Schicksale. Nahezu vierzig Jahre hat Hr. v. Bändel, der Schöpfer des gewaltigen Hermanns Denkmals bei Detmold, für seine Idee agitirt; endlich ist es doch fertig geworden. Auch in unserem Lande dauert es mitunter sehr lange, die Gelder sür ein Monument zusammen zu bringen, und der Washington Obelisk in der Bundeshauptstadt wäre vielleicht noch nicht fertig, wenn nicht schließlich der Kongreß tief in den Bundesschatz ge griffen hätte. Das heute in Philadelphia zu ent hüllende Washington Monument wurde vor 86 Jahren angeregt, und zwar von dem „Orden der Harugari." In dem am 4. Juli )811 gefaßten Be schluß heißt es: „Als ein Theil der überlebenden Kriegs Kameraden des unsterblichen Washington, glauben sie ihren Mitbürgern einen guten Dienst zu thun, indem sie deren Wünschen Ausdruck verleihen, daß das Andenken an den Patrioten, Helden und Staats mann heilig gehalten werden soll, der nicht allein der Ruhm und der Lieb ling seiner eigenen Nation war, son dern auch der Gegenstand der Vereh rung aller Länder." Mit dem Sammeln der Gelder ging es anfangs sehr langsam. Erst im Jahre 1876, als der Monument-Fond durch Zinsen und weitere Zuflüsse z. B. den Purvis Fond von auf §250,000 angewachsen war. tha ten die Mitglieder des Pennsylvani fchen Cincinnati Vereins ernstliche Schritte, um das große Projekt ernst lich in Angriff zu nehmen. Die künst lerische Ausführung wurde dem deut schen Meister Adolf Siemering in Kö nigsberg übertragen, welcher sich seit 1860 durch verschiedene Monumental werke einen Namen gemacht hat. Von ihm ist die sitzende Figur des Preußen königs Wilhelms des Ersten in der Vorhalle der Berliner Börse, das Standbild von Leibmtz in Pest, die Statüe Friedrichs des Großen in Ma rienburg. das Luther Denkmal in Eisleben, das Siegesdenkmal in Leip zig. Statüen von dem Augenarzte Gräfe und Kaiser Wilhelm in der Herrscherhalle des Berliner Zeughau ses. Siemering bewarb sich 1883 um die Arbeit, und dieselbe wurde ihm unter zahlreichen Mitbewerbern zugespro chen. Die gewaltige Gestalt Washington's in imponirender Haltung hoch zu Roß ist ein Meisterstück und das Verhält niß des Reiters zum Pferd kann un seren hiesigen Bildhauern zum Muster dienen, wie eine Reiter Statüe sein muß, bei welcher nicht das Pferd, son dern der Reiter die Haupt Figur bil det. Ebenso meisterhaft sind ausgeführt die halberhabenen Figuren auf beiden Langseiten des Piedestals, darstellend den Zug der siegreichen amerikanischen Armee auf der einen und den Zug der Einwanderer auf der anderen Seite und ebenso die allegorischen Figuren an den vier Eöen des Piedestals. höchst originell und ächt amerikanisch ist es, daß an den vier Ecken der großen Plattform, auf welcher sich die Statüe erhebt und wozu 13 Stufen führen, sich ebenso viele Darstellungen der vier großen Ströme der Union befinden, des Delaware, des Hudson, des Poto mac und des Mississippi, und zwar in Gestalt von ruhenden Indianern über einemWasser-Basin, dessen Seiten von eingeborenen Thieren gehütet werden, von je zwei Elken, Bären, Büffeln und Hirschen. Das Ganze stellt in der That ein wahrhaft nationales Denkmal dar. ge schaffen im Geiste amerikanischer Frei heit und Unabhängigkeit in ächt ame rikanischer Gestaltung und ausgeführt von meisterhafter Künstlerhand. Es wird noch in lebhafter Erinne rung sein, wie lange man nach einem passenden Platz für das Denkmal ge sucht hat. Die Lokalität auf George- Hill wurde verworfen, weil dieselbe zu abgelegen sei, die in dem Park hinter der Unabhängigkeits Halle, weil die Statüe dort zu versteckt sein würde. Dort, wo sich jetzt das Denkmal er hebt, wird es Tag für Tag von Tau senden gesehen und bewundert werden, welche im Fairmount Park ein- und ausströmen, zu Fuß. zu Pferd, zuWa gen und auf Fahrrad. vieler Reisende zu Land unt> ju Wasser befähigt tzostetter's Magen-Bitlers Diejenigen, welche es ge brauchen. alle erwähnten Fährlichkeiten unbehelligt zu LUZS issenschast in ver Zahnheilkund VIT ist mehr werth, wie vielleicht ,n ,r,end einer anderen GeschäslSdranchc. Wir find wissen schaftlich gebildete Zahnärzte, keine Studenten. Wir liesern Zhnen ein volles Gebiß künstlicher Zähne für :j, k 5 odrr 8- Die Sorte, welche gut pßt und ju sriedcnstellend ist. ZahnauSjiehen 2c. Bollständig sliniertlaS SOc. Tr. 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Wegen Näherem wende man fild an den Superintendenten oder an da Büreau in Nr. SS. Stordarl,tt. lilril1.1J) Kirchliche Anzeigen. Fünfzigjährige Jubiläum der Mis souri-Svnoke. Gemeinschaftlicher ftestaotteSdienst in ..Ford t?vernhaut" niorgen. Sonntag, den IL. Mai, Ki'iiieke v°n Baltimore, P. Brand von Präses de östlichen Distrikts: englifbe Predigt W. Schönfeld von New-?)ork. Festmusik und Hesanz. Zedermavil ist einge.aden. Collekie an der Thür. lI'N ersammlnng?-An;elgcn. Moltke-Tiftrikt de dtUtscden Uterstüvung-Bunde- Montag, den 17. Mai. Abends 8 Uhr, Versammlung in Emil Zchellberg'S Halle. Nr. ASI. West-Pratt ,rae. Äusnahuie neuer Mitglieder. Znstall-rung der Beamten. (116-7) Harmonte-Nauvcreiu Nr. IS- Die jährli?de Abrechnung und Beamtenwahl findet Mittwoch, den 1. März, im BercinSli.kalc Damps-Teppich Reiniger. Moderne Teppich-Reiniger, ew-Nork-Skenovatinst-tro., Nr. 41. Nord. Howardstr. Tedpiche ereinigt, aufbewahrt und ge legt. 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Bitte, beachten Sie, daß die folgenden Regeln für TrauSferiruug von Stadt-Lbligatiolicii mit dem heutigen Datum in Krast treten: Regeln Baltimorr etadt-vdligationn. sie uiüsseu auch eiue vollständige Au'skunsl der über die darin erwädiite Lbligation zu treffende Per- eiithalten. l-nd KasstrerS oder Echätzmeislers hin, dei gehöriger Siegels des Instituts, übertragen. Regttlralor behält sich das Recht vor, periön lcNlne" und adressirt an den Chef- Ingenieur des Wasser-Departements, werde bis M i t t lv 0 ch, en 19. Mai 1897, Mittags 12 Uhr, im Bureau des Lhcs-Ziiatiiisurs des Wasser-Depar jer-Beköi>dt der StaDt Baltimore, begleitet sein. Tie Wasser-Behörde behalt fich das Recht vor, ir gend welche oder alle Angebote zu verwerfen. VNchola S.Hill, jun.. - Prozent Zinfe bezohlt. Die Gelder werden nur in solide Stocks und Loa4 und -uSesuchtcn Htzpotheken angelegt. kha. Gptlman, Präsident! rnst Studolpl,. ict-Prisideut. Dikt rc: John Brun?. I. H. Schäfer Ernst Rudotsh H- Leutner, EhaS. Spilmso Clirist. Hemmete, John Mehring, arl Lteberknecht, John illbaugh, ChaS. A. Singewald, lodert .'ange, H. D. Dreher. lJan4,lZ) Krl Liebrrknecht, Schatzmeister. Vermischte Anzeigen. Tapezier-Arbeiten jeder Art besorgt vroinpt. gschmavoN und billl di, Firma Ehrhardt, Nr. (>4, Süd Charles Strafe. (Septv.lJ) ZZattimore Business Kollege, Nr. 5, Nord-Charlcs-Str. Der Platz, um Eure Söhne und Töchter für eichästSleten heranzudilden. H. H. Norman, Präsident. Ma fchreide wegen Sinzelnbeitea. icl^ttait. Pianos nnd Orgel. Wm. Keinekamp Pianos. S,n aroße Assortiment von aufrechte und Tafel PianaS zu verkaufen, zu vermiethen oder omzutausche. vlniicden und Stimmen wird prompt bejor,t. Die Etablissement existirt seit 1S61! sprecht bei uns vor un destchttzt unser Lager. m. Heinekam. Skr. Stt, eft.Valtimor-stra. (Maill.lJ) zwischen Piae- und Fremontstraße. Riemais zuvor dagewesene ZZargainsin Orgeln. 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Zi Zi und au-geuomnien Sountags P, V N., B C, V. N, N, Martiusdurg und W-n !!.c. >7'" Ailom. 'ilorl, B, >!c Z -Tiriiion, uu ntt Sonntags'. 5 Nur Sam'slagi. Billet- nd Gepäck-Vüreau Nr. Ln-?a!.i Ziize dalten an Union, Pens!vania-Avk., Ful ton, Waldrevk-Ttalion Scn -Scschäftsiavrer. S.n.^-Paisaz>er-Äg-. V a ltim ore icz li lenbu tj n gehci a Sonntagen nach Cardisf unt 9.30 Vormittags und 4.00 Nachmittag-, Lüge gehen ab au Sounlageu uach Belair um .1 Abends. W A M 0 r e. (Mail- Geueral-Seichajlsiübrer.
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Sechs Seiten. EM" Weitere Lokalberichte siehe 6. Seite! Stadt Baltimore. Ein Silber-Zubiläum. Dl WermaniaLoge- de Freimaurer-Orden seiert ihr SS-jährige Bestehen durch eine Festlichkeit in Freimaurer-lempel. Durch eine der Bedeutung des Ta ges entsprechende Feier ward gestern das 25-jährige Jubiläum der „Ger mania Loge" vom „Orden der Frei maurer" im Tempel begangen. Die Feier war den Regeln des Ordens ge mäß privater Natur, und nachdem die üblichen Ceremonien zu Ende waren, fand ein Bankett im Tempel statt. Im Verlaufe des Abends wurde dem Alt meister Hrn. Fritz Fischer durch den Altmeister Henry Harig ein prächtiges Ordensabzeichen mit Diamanten be setzt überreicht, welches Hr. Fischer mit Dankesworten entgegennahm. Die Gründungs Mitglieder und Beamten der Loge waren: Geo.Schad, Meister des Stuhls? Louis Muth, Senior Wardein; Theodor Stäblein, Junior Wardein; John Ulrich, Schatzmeister; Henry Jöckler, Sekre tär; W. G. Soine, Wm. Holtsmon, I. Gunther, Jacob Gminder, G. A.Lang, L. Lowenstein, Wm. Seelbach, Emil E. Carl, Chas. C. Luerssen, Charles Schaun, Georg Siemers, Ferdinand Freibe, A. L. Lankau, Francis Volk. I. A. G. Götz, Wm. Schnauffer, Chs. Nöthen, A. Weilipp, Geo. Plitt, Chas. F. Heuser und Chas. Lenschow. Von diesen sind noch am Leben die HH. I. Gminder, L. Lowenstein. Chs. C. Luerssen, Chas. Schaun, Francis Volk, Chas. Nöthen und G. Plitt. Die Beamten der Loge sino zur Zeit: George F. M. Hauck, würdiger Meister; Frank Faulkner, Ober-War dein; Adam Leipold, Senior-War dein; Geo. P. Reinhart, Sekretär; E. Schmidt; Peter Hax, Schatzmeister; Arthur Reibetantz; Stewards —I. Ellerbrock, Henry Bohn und I. Rieß; H. G. Von Heine, Repräsentant zu der Groß-Hülss-Loge; Wm. E. Schlägel, Organist. Ex-Meister der Loge waren die HH. Georg Schad, Fred. Genso, John Ul rich. Henry Harig. Franz X. Ganter, Wm. Eckhardt, Joseph Letzer, F. Con rad Kimmel, P. L. Keyser, H. S. Nippel, I. C. Geiger, Louis Boke meyer, George F. M. Hauck, Fritz Fi scher. Die Loge hat zur Zeit folgende Mit glieder: Georg F. M. Hauck, würdiger Meister, Henry A. Arndt, Chas.- E. Brack. Georg Bunnecke. Christianßer kes, Louis Berner, Fred. Bauern schmidt. Henry Bensler. John I. Born, Geo. I. Berneburg, Wm. Bro derson, Henry Bohn, Hermann A. Dubner, Wm. Eckhardt, Paul Eisen lohr, John B. Ellerbrock, Ephraim Frank, Fritz Fischer, Frank Feulner, Sebastian Fischer, Jakob Gminder, John Gleichmann, John Hoffmeister, John G. Huiß, A. Harig, Peter Hax, John C. Hempel, Louis Hilgärtner, D. Hölljes, John H. Hertlein, Georg F. M. Hauck, G. Hagedorn, H. J.Hoh mann, Max Honig, Chas. C. Homer, jun., Francis T. Homer, I. M. Kipp, W. Kummer, H. O. F. Köhler. P. L. Keyser, John I. Kroner, F. M. Kipp, I. Kohlgruber, H. A. König, P. Kraushaar, L. G. Kuchenmeister, Joh. Kappler, Chas. C. Lürsen, L. Lowen stein, Jos. Letzer, P. Leppert, H. H. Lürsen, H. Laube, Adam Leipold, G. Mohr, Benj. Miller, Henry Meißner, H. V. Mertz, I. H. Mattheiß, Christ. Mutschler, Sam. Neuhan, Charles Nöthen. Wm. C. Opper. Georg Plitt, Matthias Palmer, Henry Pierson, Wendel Pister, Henry N. Pfaff, Con rad Ruhl, G. P. Reinhart, Johnßieß, Henry Rippel, Chas. Ruppel, Arthur Reibetantz, Philipp Rost, Charles W. Schneidereith, Chas.Schaun, Charles Siegmund, F. A. H. Stötzer, John M. Siegle, Louis Schneider, Fred.Schad, Daniel Stroh, B. Stroh, P. Schmidt, Philipp Seewald, Andreas Schmidt, Christian Schwemm, Ernst Schmidt, Henry Sander, Wm. E. Schlögel, Jo seph Theurer, Harry C. Ulrich. Henry G. Voigt, Henry G. Von Heine, Louis Violi, John A. Walther. A. v. d. Wet tern, Chas. Willumsen, Friedrich H. Wagner. Wm. Weikel, John C. Wolf, John H. Weller, Georg Waldkönig, John Zieß. Die Arrangements zu dem Feste hatten die HH. Georg F. M. Hauck, Frank Feulner und Adam Leipold ge troffen, und ein „Maurer-"Quartett, bestehend aus den HH. Wm. R. Hall, Benj. L. Henderson, John M. Hering und Wm. A. Groppel, sorgte für mu sikalische Unterhaltung. Personal-Notiz. Polizei- Commissär E. M. Schryver und Oberst A. C. Trippe sind gestern nach Boston abgereist, um der 20. Jahres- Convention des Suprem-Conzils des „Royal Arcanum" beizuwohnen. Hr. Schryver wird wahrscheinlich als Su prem-Regent erwählt werden. Am Sonntag, den 23. d. Mts.. reisen 200 Baltimore? auf dem Dampfer „Fair fax" nach Boston. Wieder ernannt. Dr. John T. Morris wurde gestern vom Gouverneur L. Lowndes von Neuem als Mitglied der Staats-Jrren-Com mission ernannt. Der Amtstermin des Dr. Morris war abgelaufen. Ein neues Cafe, auf das Modernste eingerichtet, wird morgen in Nr. 3, Süd-Calvert-Straße, eröffnet werden. Hr. Rich. P. Goodwin. ein erfahrener Restaurateur, will sich be streben, einem dringende Bedürfniß in jener Gegend durch das Halten der be sten Weine und Biere abzuhelfen. Unfälle. Chas. Winterling, ein 18-jähriger junger Mann, welcher an Clairmount-Avenue und 3.Straße zu Highlandtown wohnhaft ist, wurde gestern von einem Pferde, welches er am Halfter führte, an der dritten, "Mhe Bankstraße, derartig an den Kopf getreten, daß er gestern Abend in besinnungslosem Zustande in seiner Wohnung darnieder lag. Ein anderer Junge trug die Schuld daran; dersel be hatte das Pserd im Vorbeigehen mit einem Stock geschlagen, worauf es sich umwendete und seinem Führer mit den Hufen an den Kopf schlug. Dem 37 Jahre alten Neger George Jensen von Nr. 506, Süd-Duncan- Alley, wurde gestern im Holzhof der Holz- und Kohlenhändler Thomas H Sohn, Nr. 2235, Boston-Straße, da durch. daß ihm bei'm Zerschneiden ei nes feuchten Holzklotzes die Hand von dem Holzklotz abglitt, von der Kreis säge die reckte Sond abgesägt. Der Deutsche ComWkmlt. Goldene und silberne Hochzeit. Hr. S. K A. Hiehle und Eattin stiern da Ihr goldenes Hochzeits Jubiläum begingen gestern Abend in dem Club hause der „Harmonie" Hr. E. G. A. Hiehle und Gattin. Die Sänger halle der „Harmonie" war für den A nlaß auf das Prächtigste geschmückt worden und hatten sich die Angehöri gen und Freunde des Jubelpaares eingesunden, um demselben ihre herz lichen Glückwünsche für den Tag dar zubringen. In angenehmster Weise entschwanden die Stunden und hielten u. A. Pastor Julius Hofmann von der Zions Gemeinde an der Nord-Gay straße, Hr. Oskar Hiehle und Hr. Louis Schneider Ansprachen. Ferner erfreute Frl. Klara Meyer durch ver schiedene poetische Vorträge und Hr. E. Weißgerber, der Superintendent der Mount Cläre Werke der „Balti more Ohio Bahn," verlas ein spe ziell für den Anlaß verfaßtes Gedicht, welches Seitens der Anwesenden mit dem größten Applaus aufgenommen wurde. Unter den Gästen befanden sich u. A.: Hr. Louis Schneider, Frau und Tochter, Dr. Louis Meyer, Frau und Tochter, Hr. Brinkman und zwei Töchter von Grafton, Va., Pastor Julius Hofmann und Frau, Hr. Hugo Ehrhart und Hr. Henry Voigt. Hr. G. E. A. Hiehle ward vor 50 Jahren in Dresden mit seiner Gattin zum Bunde sür's Leben vereint und im Jahre 1869 siedelte er nach Baltimore über, woselbst er den Fröbel'schen Kin dergarten, welcher Jahre lang profpe rirte, gründete. Der Ehe entsprossen sieben Kinder, nämlich Hr. Adolph Hiehle, Hr. Oskar Hiehle, Hr. John Hiehle, Hr. Theo. Hiehle, Hr. Moritz Hiehle, Frau Louise Voigt und Frau Katie L. Weber. Silberne Hochzeit. Hr. L. Vräcklein und seine Gattin wurden gestern Abend in ihrer Woh nung, Nr. 609, Süd-Fremontstraße, anläßlich ihrer silbernen Hochzeitsfeier mit einer hübschen Festlichkeit Seitens ihrer zahlreichen Freunde überrascht. Unter Denen, welche sich zu dem schö nen Fest eingesunden hatten, befanden sich: Hr. I. Hele und Familie, I. H. Hele, O. Hele, A. Hele. H. Bötte von Parkersburg, W.-Va., Hr. Jung von St. Louis, Hr. C. Richwein von Washington, Hr. A. Vräcklein und F amilie, Hr. A. Ebelein und Familie, 6r. G. Kasemeyer und Familie, Frau H. Kasemeyer, Hr. A. Klein und Fa milie, Hr. F. Höcke und Frau. Hr. C. Krämer und Familie. Hr. F. Tevig und Frau. Hr. A. Faust. Hr. A.Bräck lein, Hr. G. Betz, Frl. I. Vräcklein u. Frl. L. Vräcklein. Die HH. Harvey. Hitzelberger. Baldwin und Houck er freuten während des Abends durchLie der und Deklamationen Zahlreiche werthvolle Geschenke wurden dem Ju belpaar bei der Feier dargebracht. Ein guter Fang. Zwel Negerinnen, die in Philadelphia Mar Levin um Kllvv beraubt hatten, hier er wischt. Die Negerinnen Maggie und Anna West wurden gestern Abend vom Poli zisten Donnelly vom östlichen Distrikt im Hause Nr. 522, Süd Caroline straße, auf die Anschuldigung, Max Levin in Philadelphia um §BOO be stohlen zu haben, verhaftet und vom Polizeirichter Janetzke an den Spezial- Polizisten Joseph Casey vom dritten Polizei Distrikt von Philadelphia ausgeliefert. Die beiden kaffeebrau nen Schwestern hielten in Philadel phia ein unordentliches Haus und lock ten Max Levin, der von New Aork nach der Stadt der Bruderliebe gezo gen war, um dort ein Geschäft anzu fangen, am Dienstag in ihre Höhle, wo sie ihn um §BOO erleichterten, mit wel cher Summe sie dann verschwanden. Spezial Polizist Casey verfolgte die Spur der Flüchtigen nach Baltimore, und sobald die hiesige Polizei mit den Thatsachen bekannt wurde, fiel es dem Polizisten Donnelly vom östlichen Di strikt ein, daß zwei Negerinnen das Haus Nr. 522, Süd Carolinestraße, dieser Tage gepachtet und es auf's No belste ausstatten ließen. Er führte den Philadelphia Polizisten dorthin und dieser identisizirte die Insassen des Hauses als die beiden von ihm ge suchten diebischen Schwestern. Die selben erklärten sich sofort bereit, mit dem Polizisten nach der Quäkerstadt zurückzukehren. Zwei Rassengenos sen der beiden Schwestern, Georg West und John Parvis, welche die Liebhaber der beiden Frauenzimmer zu sein schienen, wurden ebenfalls ver haftet, und zwar unter dem Verdachte, die Helfershelfer der beiden Diebinnen zu sein. Sie wurden für ein späteres Verhör festgehalten. Der „St. Johns Junger Männer Unterstützungs- Verein" von der St. Jakobus-Ge meinde hielt gestern in der St. Jako bus-Halle an der Aisquith-, nähe der Eagerstraße, einen Rauchabend ab, bei welchem für gesellige Unterhaltung auf das Beste gesorgt war. Hr. John I. Kerchner hielt die Eröffnungs-An sprache. Außerdem wurden Reden gehalten von Pater Wilhelm Kessel, dem Rektor der Gemeinde, und Hrn. Heinrich Feihe. Hr. Georg Hoffmann trug ein Mandolin-Solo, Hr. Louis Ferrari ein Cornet-Solo und Hr. Jo seph Edelmann ein Vokal-Solo vor. Das Mozart-Streich-Orchester musi zirte in den Zwischenpausen. Unter den Anwesenden befanden sich auße? dem Rektor der Gemeinde die Patres Paul Holz und John Haas, sowie Bruder James, Oberlehrer der Kna benklassen der Pfarrschule. Die „amerikanische me dico psychologische Ge sellschaft" hat in ihrer gestrigen Sitzung beschlossen, ihre nächste Si tzung am zweiten Dienstag des Mai 1898 in St. Louis, Mo., abzuhalten. Dr. Henry M. Hurd vom „Johns Hopkins-Hospital, Dr. G. Alder Blu mer von Utica, N. A.; Dr. Edward N. Brush vom Sheppard Asyl und Dr. Mosher wurden als Redaktions stab des „Journal of Jnsanity" er wählt. Gestern Nachmittag stattete die Gesellschaft dem „Johns Hopkins- Hospital" einen Besuch ab. Durch eine geringe Ursache können wir uns Rheumatismus in den Mus keln, Gliedern und Knochen zuziehen, welcher die heftigsten Schmerzen ver ursacht. Die' Schmerzen werden hef tiger, wenn man nicht sofort St. Ja kob's Oel, den bekannten Schmerzen stiller anwendet. Drei Selbstmordversuche. Ein Frauenjwift führt ;u einem Selbstmord- Versuch in dem Ttationthause. Eine aufregende Szene ereignete sich gestern Nachmittag im nordöstlichen Stationshause. Frau Barbara Sei ler von Nr. 1817, Duncan Alley, war vom Polizeirichter Schön auf die An schuldigung, einer Nachbarsfrau die Haare gerupft zu haben, zur Zahlung von Strafe und Kosten verurtheilt und in Ermangelung des nöthigen Kleingeldes hinter Schloß und Riegel geschickt worden. Die Frau nahm sich das so sehr zu Herzen, daß sie einen hysterischen Anfall bekam und sich mit einem Taschentuch zu erdrosseln ver suchte. Zum Glück jedoch wurden die Polizisten I. M. Ford und A. Christ, welche die Wände im zweiten Stockwerk tünchten, um das Vorhaben der Frau gewahr; sie riefen den Schließer Sam. King herbei, welcher der Frau das Ta schentuch entriß und sie wieder vor den Polizeirichter führte, der dann Gnade vor Recht walten ließ und die in einem fort schluchzende Frau entließ. Nochein Selb st Mordversuch John Graham, Nr. 1333, Woodyear Straße, Südwest-Baltimore, versuchte gestern Abend seiner irdischen Lauf bahn ein jähes Ende zu bereiten, indem er eine Dosis Laudanum einnahm. Als ihm im „Maryländer Universitäts- Hospital" ärztliche Hülfe zu Theil ge worden war, verspürte er wiederum große Lebenslust und sprach die Ab sicht aus, daß er niemals wieder Selbstmord durch Vergiftung versu chen würde. Lebensmüde Negerin. Die Negerin Susie Davis wurde ge stern lebensmüde und nahm eine Dosis Laudanum. Das Frauenzimmer, welches in Nr. 4, Weisenfelds Court, wohnt, wurde im Patrolwagen des östlichen Polizei Distrikts nach dem „Baltimorer Universitäts Hospital" gebracht. Susie hatte das Gift in Edw. Eßlinger's Apotheke an Balti more- und Dallasstraße gekauft. Sie ist außer Gefahr. Ein Zank mit ih rem Liebhaber über eine Mahlzeit Fi sche, die ihm nicht gefiel, war die Ur sache von Susie's Verzweiflungsthat. Um Recht und Gerechtigkeit. Drei Jahre Zuchthaus für einen Einbrecher.— Hadernde Nachbarn.—Au der Scheidung, Robert Connolly und John Kennedy wurden gestern vom Richter Wickes im Criminal Gericht wegen Diebstahls von Gegenständen im Werthe von H5O aus dem Hause von Frank McLain, Nr. 1312, Wilcox-Straße, zu einer zweijährigen Zuchthausstrafe verur theilt. Die Männer waren am 15. März in das Haus eingebrochen, jedoch bekannten sie sich nur schuldig, die Ge genstände gestohlen zu haben. ZweisehlgeschlageneEhen. Mary A. Connolly klagte gestern im Stadt-Kreisgericht gegen ihren Gatten Joseph P. Connolly auf Scheidung. Das Paar verheirathete sich am 30. November 1890 und lebte bis zum 7. April 1894 zusammen. Auch Ellen O'Keese reichte gestern eine Scheidungsklage gegen ihren Gat ten Eduard O'Keese ein, mit dem sie sich am 12. Februar 1881 verheirathete und der sie vor sieben Jahren verlassen haben soll. Geschäftliche Verlegen heit. Anwalt Frank Goswell wurde ge stern zum Sequester für die „Hughes Taylor Can Company" an der Süd- Wolfe-Straße ernannt. Er stellte Bürgschaft, so daß man anneh men mag, daß die Aktiva der Firma sich auf P 2500 belaufen. Das betref fende Gesuch für diese Maßnahme wurde von Charles I. Hughes, einem der Aktionäre, eingereicht, welcher er klärte, daß die Compagnie insolvent wäre. Letzteres wurde von der Com pagnie zugestanden. Hadernde Nachbarn. Der Antrag von Isaak Benesch auf Aufhebung des Einhaltsbesehls, wel chen Robert Laupheimer erwirkte, da mit Hr. Benesch verhindert werden soll, auf einem von Hrn. Laupheimer bean spruchten Stück Land ein Gebäude zu errichten, wurde gestern vom Richter Stockbridge im Kreisgericht Nr. 2 ab gewiesen. Hr. Laupheimer wurde je doch ersucht, eineßürgschast von §lOOO zu stellen und eine Klage einzureichen, in welcher über den Besitztitel des be treffenden Landstreifens entschieden werden soll. Verschiedenes. Richter Wickes ernannte gestern vom Großgeschworenen-Collegium die HH. Gustavus W. Ridgely, Robert M. Sutton, I. Stuart McDonald, W. Stuart Symington und Charles C. F. Eichler zu Mitgliedern des Zucht- Haus-Comite's. Die „Genesee Social and Pleasure Association" wurde gestern von den HH. William Holmes, John H. Schae fer, Charles A. Sponsler, Johns H. Myers, William H. Smith, John A. Schmitt und George H. Myers für ge sellige Zwecke incorporirt. Die Polizeibehörde be förderte gestern den Polizisten John H. Gooding vom südlichen Distrikt zum Sergeanten und ernannte den Probepolizisten James A. Robertson zum regulären Polizisten. Flegelei bestraft. Kadi Grannan hat gestern in der westlichen Polizeistation den Neger Harry Ro binson. welcher sich auf der Straße in Anwesenheit eines Polizisten obscöner Redensarten bedient hatte, dafür um §6.45 bestraft. Der Neger George Smith wird dreißig Tage im Gefängniß zubringen und außerdem §6.45 bezahlen, weil er sich an der Franklin- und State-Str. auf flegelhafte Weise benahm. Ein Pferd gestohlen. Hrn. Moses Greenberg von Nr. 721, Ost-Lombard-Straße, wurde vorige Nacht ein Pferd aus einem Stalle an der Hillen-Straße gestohlen. Mehrere Arbeiter verunglückt. Flore n c e, Ala., 13. Mai. Heute Nachmittag stürzte der „Tipple" (Abladegerüst) vor einer Erzgrube zu Pinkney, Tenn., etwa 25 Meilen von hier, zusammen und das Gebälk er schlug mehrere Arbeiter, während et liche andere schwere Verletzungen da von trugen. Der telegraphische Ver kehr mit Pinkney ist unterbrochen und Einzelheiten sind vorläufig nicht zu ermitteln. Aerzte sind nach Schauplatze abgegangen. Berechtigte oder unberechtigte Selbst- hülfe. Städtische Sparsamkeit in Eonfiikt mit ge. schäftlicher Schädigung. Da Gericht soll Ein seltener Fall, der vielleicht ei nen Schadenersatzprozeß im Gefolge hat, kam gestern vor dem Polizeirich ter Sultzer im mittleren Stations hause zur Verhandlung. John Ly ons, ein Angestellter der Firma Jas. King eu<ngeiegenheiteo n Deutsch- v and. Oestreich u. s. ird entgeltlich ertheilt-
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Per Deutsche Korrespondent. Samstag, den IS. Mai 18S7. Tobias Knrke aus Mießnih. Die Familie Leichtmann, aus Pa pa. Mama und deren einziger Tochter Alice bestehend, hatte Onkel Tobias Gurke sehr lieb; denn er war seelen gut, steinreich, recht alt und Jung geselle. Aber das war blos eine Liebe auf Distanz. Wenn der Onkel alle heilige Zeiten einmal das Heimaths städtchen verließ, um seinen liebenVer wandten in Berlin einen Besuch abzu statten, fand er da wohl freundliche Aufnahme, allein die ihm entgegenge brachte Herzlichkeit war eitel Lug und Trug. Herr Tobias Gurke aus Mießnitz war aber auch ein höchst un angenehmer Logirbefuch; altmodisch gekleidet, besaß er auch die Manieren eines Kleinstädters von anno 1800; er gefiel sich in der Rolle des Aufrich tigen und seine Aufrichtigkeit hatte eine frappante Aehnlichkeit mit Grob heit; er trat außerordentlich selbstbe wußt auf und hielt sich für einen der bedeutendsten Europäer, weil fein Bruder Bürgermeister von Mieß nitz war; er besaß eine schmetternde Stimme, die im „piano" noch immer wie ein „fortifsimo" geblasenes Bom bardon klang, und schmetterte unauf hörlich; daß er als bedeutendster Witz bold von Mießnitz und Umgegend galt, veranlaßte ihn, in Berlin den geistrei chen, witzigen Schwerenöther zu spie len. Nun denke man sich Onkel Gurke in Aktion mitten unter den, den besten Gesellschaftskreisen der Reichshaupt stadt angehörigen Gästen des Hauses Leichtmann! Man wird auch leicht den Grad der Freude ermessen können, welcher sich in der commerzicnräthli chen Familie Leichtmann einstellte, als Abends die Verlobung von Alice mit Rittmeister Kurt Freiherrn von Matt witz gefeiert werden sollte und Mit tags aus Mießnitz ein Telegramm ein traf, welches lautete: „Kann Freuden fest leider nicht beiwohnen, weil in heutiger Gemeinderaths Sitzung wichtige Frage nächstjähriger hiesiger Mastvieh Ausstellung endgiltigerße schluß gefaßt wird. Sende daher drahtlich herzlichste Glückwünsche und postlich Brillantarmband Brautge schenk Alice. Tobias." In den in vornehmem Geschmack überreich ausgestatteten Salons bei Lcichtmann's ging es am Abend hoch her. Um 9 Uhr wurde im Speisesaal lustig getafelt. Die Converfation un ter den zahlreichen Gästen Excellen zen mit ihren Damen, hohe Beamte, Offiziere und Gelehrte mit weiblicher Gefolgschaft und ohne solche, Finanz größen u. s. w. wurde um so beleb ter, je öster die Champagnerkelche ge füllt und geleert wurden. Da hörte man von einer der Thü ren her lärmen und streiten, und im nächsten Augenblick erschien im Saale ein kugelrundes Männchen in langem Wolfspelz, mit glattrafirtem, schar lachrothem Gesicht und stattlich entwi ckelter Nase, in der Linken einen ar chäologisch sehr interessanten Reisesack und einen riesenhaften blauen Schirm haltend, in der Rechten seinen Filzhut, der Kamtschadalen Kopfbedeckung ähnlich, schwenkend, und schrie unter wiederholtem Knixen: „Guten Abend, meine Herrschaften! Guten Abend! Erlaube mir, mich vorzustellen: To bias Gurke aus Mießnitz, leiblicher Bruder des Bürgermeisters von Mieß nitz und nicht minder leiblicher Bruder der Frau Commerzienräthin Leicht mann!" Gurke hielt inne, prüfte mit raschen Blicken den Eindruck, den sein plötzliches Erscheinen hervorgerufen hatte, und war zufrieden, denn er sah erstaunte, verblüffte Gesichter, Alice hatte sich bei dem Erscheinen des On kels unter einem Vorwande aus dem Saale geflüchtet, um nicht Zeuge der Blamage zu sein, ihre Mutter war ei ner Ohnmacht nahe und hielt die Au gen geschlossen, und der Herr Com merzienrath lächelte verlegen. Tobias Gurke trat einige Schritte näher und suhr in derselben Tonstärke fort: „Meine Herrschaften, Sie wer den wohl schon erfahren haben, daß ich beinahe gar nicht gekommen wäre wegen der Mastvieh Ausstellung na, aber... ich bat denn doch meinen Bruder, die Sitzung auf übermorgen zu verlegen und er that's natürlich 's ist doch gut, einen Bruder zum Bür germeister zu haben, was? Beinahe besser, als selber einer zu sein! Ist für mich übrigens auch nichtunerreich bar!" Das Erstaunen der Gäste hatte sich allmälig in stille Heiterkeit verwandelt, die sempre crescendo ging und damit Onkel Gurke in dem Glauben bestärkte, den richtigen humoristischen Ton ge troffen zu haben. Nun trat er auf feine Schwester zu, umarmte sie schma tzend, dann schüttelte er seinem Schwa ger kräftig die Hand mit den Worten: „Na, wie geht's Dir denn, Tu alter Schwindelmeyer?" und suchte hieraus „Alice." Sie werde gleich kommen, hieß es. Gurke legte selbst den Pelz ab und ließ sich den Hut, die Reiseta sche und den Schirm abnehmen. Hier auf ließ er sich auf den einzigen freien Platz an der Tafel, auf Alicen's Platz, breitspurig nieder und fragte den ihm zur Linken sitzenden Offizier ganz lei se. das heißt, daß Jeder es hören konn te: „Sagen Sie 'mal, Herr Offizier, welcher ist denn der Säbelraßler, der meine liebe Nichte Alice mitsammt ih rem vielen Gelde kriegt?" Der Offizier wurde feuerroth. „Der Säbelraßler bin ich, mein Herr..." Vertraulich schlug Onkel Gurke dem Rittmeister auf den Buckel und rief: „Na, das freut mich, alter Schwede, daß ich Deine Bekanntschaft zu machen die Ehre habe! Na, an Taschengeld von meiner Seite soll es Dir nicht feh len." Im Saale herrschte stürmische Hei terkeit. Die Situation wurde für Lcichtmann's immer peinlicher und ge fährlicher. Da verfiel der Commer zienrath auf eine Idee. Er beugte sich Zu seinem Nachbar zur Linken, flüster te ihm etwas in's Ohr und that ein Gleiches bei seiner Nachbarin zur Rech ten. Und wie ein Lauffeuer verbrei tete sich das Geheimniß von Einem zum Andern. „Ein köstlicher Spaß!" beste Ad pspulärste Heilmittels) Bie i>er sorliWenden,' niitzl'osm MeSizinm iniiSe Zweifellos haben auch Sie Troguen ohne Erfolg benützt. Warum nicht daS ein >ig natürliche Heilmittel auf diesem einfa chen, bequemen Wege anwenden? Mein ver bessertes elektrisches Suspensorium frei mit allen Gürteln. Ks Heilt während des Schlafes. 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Wilton Snowden, Test.-Vollstr., an Mark New, Grundstück an der Ost seite der Dallas-, nahe Fayettestraße, 11.7 bei 58, Grundzins §l5; §465. Roger T. Gill, Trusiee, an Wm. L. Jackson, 2 Grundstücke; §l6OO. David Fishbach an Martha A.Lan caster, Grundstück an der Südwest seite der Parkwood-, nahe Fulton- Avenue, 14 bei 84, Grundzins §65; §l5OO. Thos. R. James an Jos. K. I. Meads und Frau, Grundstück an der Westseite der Bond-, nahe Lanvale- Straße, 14.6 bei 75, Grundzins §43.- 50; §l3OO. Mary M. Scherer an Eellen I. Joyce, Grundstück an der Nordostseite der Bolton-, nahe Laurens-Straße, 17 bei 105, Grundzins §140; §5. Louis P. Hemmighausen, Trustee, an Henry Garrett, Grundstück an der Nordwestseite der Gold-, nahe Etting- Straße, 14 bei 70, Grundzins §56, §675. David S. Briscoe, Trustee, an Fannie E. Casey, Grundstück an der Südseite der 20. Straße, nahe Mary land-Avenue, 21 bei 83, §l. Emil Budnitz, Trustee, an George Heer und Frau. Grundstück an der Ostseite der Charles-, nahe Hillstraße. 30 bei Grundzins §67.50; CBOO. Derselbe an Conway Str'eet B. A. Nr. 1, 3 Grundstücke: §6OO. Wm. Herz und Frau an Wm. Schluderberg.Grundstück an der Süd seite der Eliiott-, nahe Cantonstraße, 16 bei 75; §5. Louis P. Helmighausen, Trustee. an Chas. Hofsman; §1895. Chas. I. Meister und Frau an E. A. Blackshere. Grundstück an der Nordwestseite der Retreat, Ecke der Marystraße, 72 bei 160; §12.250. John I. Hagerty an Horace M. Hoppe! und Frau, Grundstück an der Südseite der Fayettestraße. 14 bei 154. Grundzins §42; §lB5O. Wm. Baumgarten und Frau an Robert M. M. Burton, Grundstück an der Südseite der Lexington-, nahe Pinestraße, 19.4 z bei 150; §5OOO. Adrian Hughes, Trustee, an Theo dore M. Bartholome?, Grundstück an der Südseite der Lanvale-, naheßarc laystraße, 14.8 bei 70; §1466.67. John H. Eurich und Frau an John Smith und Frau, Grundstück an der Nordseite von Cleveland-Place, nahe Collington-Avenue, 12 bei 60, Grund zins §3O; §7OO. Chas. Herzog, Trustee, an Louis Siegrist und Frau, Grundstück an der Westseite der Washington-, nahe Alice Annastraße, 19.6 bei 90, Grundzins §49; §955. James W. Amos an Henry A. A. Stein, Grundstück an der Nordseite der Mulberry-, nahe Monroestraße, 13.10 bei 80, Grundzins §65; §lOOO. Michael A. Mullin etc. an Wenry W. Sommers und Frau, Grundstück an der Westseite der Hudson-, nahe Cantonstraße, 12 bei 55. Grundzins §24; §250. Michael A. Mullin etc. an Henry N. §5BO. David M. Newbold und Frau an Wm. M. Dame, Grundstück an der Südseite der 27. Straße, nahe der Maryland-Avenue, 15 bei 90; §1636.36. David M. Newbold und Frau an Jane I. Cook, Grundstück an der Sü dseite der 27. Straße, nahe Maryland- Avenue, 15 bei 90; §1636.36. Dieselben an Catherine E. Tyson, 2 Grundstücke; §3272.72. Beulah Astert und Gemahl an Hermann Böhm u. Frau. Grundstuck an der Westseite der Lemonstraße, 11.- 8 bei 55, Grundzins §24; §5. Adrian Hughes, Trustee, an Ma dison E. Lloyd, Grundstück an der Westseite der Greenmount-Avenue, nahe Eagerstraße, 15.6 bei Grundzins §77.50; §1722.22. E. Madison Lloyd an Edgar H. Gans, Grundstück an der Westseite der i Greenmount-Avenue, nahe Eagerstr., 15.6 bei 92.2 z; §1823.53. Michael M. Müllen etc., Trustee, an JdaV. Uester, 2 Grundstücke, §4OO. Derselbe an John Gransee und i Frau, Grundstück an der Westseite der Potomac-, nahe Dillonstraße, 10 bei 70, Grundzins §25; §2OO. Emanuel Ellinger an Lydia A. Morrow, 2 Grundstucke; §2OOO. George R. Willis, Trustee, an Sa rah Harris, Grundstück an der Nort seite der Baltimore-, nahe Bondstraße, 19 bei 120.5; §2550. Michael A. Mullin, Test.-Vollstr.. an Henry Buddemeier und Frau, 2 Grundstücke; §530. Emil Hanson an Geo. Hasener und Frau, Drundstück an der Ostseite der Harris-Alley, nahe Hudson-Straße, 11.11, bei 43, Grundzins §18; §250. Robert S. Green an John A. Dai ger, Grundstück an der Nordseite der 22., nahe Barclaystraße, 15 bei 146, Grundzins §135; §lBOO. Mary A. Stewart an Alexander A. Foreman, Grundstück an der Nord seite der Hollins-, nahe Pulaskistraße, 13.9 bei 82, Grundzins §6O; §725. Dieselbe an Elizabet A. Foreman, Grundstück an der Nordseite der Hol lins-, nahe Pulaskistraße, 13.9 bei 82, Grundzins §6O; §725. W. Burns Trundle, Trustee, an Ehas. H. Zimmermann, Grundstück an der Nordseite der Presburystraße, 12 bei 70, Grundzins §36; §250. i Henry E. Cook etc. an Wm. E. Fiege und Frau, Grundstück an der Ostseite der Annstraße, nahe Nord- Avenue, 14 bei 75, Grundzins §46; §l5OO. Harry E. Mann, Trustee, an Har ry M. Hebden, Grundstück an der Westseite der Dallas-, nahe Town sendstraße, 14 bei 57, Grundzins §2B; §4OO. Pfandleiher-Anzeigen. Geld! Geld! Geld! L Sataves, coasolidirte D arle henC 0., etablirt 1825, Wache ans Kaxsmann?-Waaren und Wrthsachea jeder >rt liberale Vorschüsse. 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Das Grundstück ist einem Grundzins unter worfen von 517.50, und nicht mehr. Bebaut ist dasselbe mit einem dreistöckigen Ziegel stein e r n e n W o h n h a Ii f e. v Baar. Sine Anzahlung Stephen P. Campbell, Testamentsvollstrecker. Merryman K Pattison, (116,??,3) Auitionatoren. Eine permanente Knr der hartnäckigsten Fälle von Ganorrhea und Z Sleei. garanliri in -°n 3 bis 6 Tagen; keine -inder Behandlung nbthig, und ohne die an. j etelnd-n Resultate de SinnehmeuS von Eu- Z dede. Eopaiba oder Sandelöl. I. Kerre ök To. . Ber z kaust von allen Trugglsten. Collision auf einer elektrischen Bahn. Wilkesbarre. Pa., 14. Mai. Inmitten dichten Nebels collidir ten hier zwei elektrische Waggons, wel che Collision eine Scene des wildesten Durcheinanders herbeiführte. Der Bremser rettete sein Leben durch Ab springen, erlitt aber solche Verletzun gen, daß er blutüberströmt in ein nahe gelegenes Haus gebracht werden mußte. Von den zu Tode erschrocke nen Passagieren wurden fünf schwer verletzt, während andere mit leichten Hautabschürfungen davon kamen. Wem die Schuld dieses Zusammensto ßes zugeschrieben wird, ist bis jetzt noch nicht festgestellt, jedenfalls ge schah derselbe durch eine falsche Wei chenstellung. Vermischte telegraphische Tepeschen. In Milwaukee ist General C. P. Chaplan, früher General-Adjutant von Wisconsin, welcher bei der Unter drückung des Milwaukee'r Riots un ter der Gouverneurschaft Rusk's eine bedeutende Rolle spielte, einer Schlag lähmung plötzlich erlegen. In Baxter Springs, Ks., sind A. Warner und sein Sohn B. S. Warner, Präsident, bezw. Hülfskafsi rer der verkrachten Baxter-Bank. un ter der Anklage, die Staatsbankgesetze verletzt zu haben, verhaftet worden. Das neue Kanonenboot „Nash ville" machte gestern eine erfolgreiche Probefahrt. Die erzielte Durch schnitts Fahrgeschwindigkeit betrug 16j Knoten, und es wird erklärt, die „Nashville" sei das schnellste Fahrzeug ihrer Klasse in der Welt. Der Deutsche Korrespondent Samstag, den 5. Mai 187^ Wyssard's Merhängniß. Roman in drei Bänden von M. E. Braddon. Deutsch von l. Tteinlv. Alles, was es Hochherziges in Both well's Natur gab, empört sich gegen die Niedrigkeit dieser Lage. General Har borough's Hand zu ergreifen und sich dabei zu erinnern, wie angelegentlich er mit Valeria die Zahl der Jahre be rechnet hatte, die dieser würdige Mann noch zu leben habe, wie alle seineGlücks hofsnungen sich auf des Gatten frühen Tod gründeten —es gab sogar in dem ersten Aufdämmern seiner Leiden schaft, wo er am Stolzesten auf dieses Weibes Liebe war, Zeiten, in denen er Valeria um ihrer Untreue als Gattin beinahe haßte. Konnte er in einem auf diese Art geschlossenen Bündniß Glück oder Frieden finden? Dann wiederum besiegte der Zauber dieses Weibes und der unwiderstehliche Einfluß eines lei denschastlichenNaturells auf ein schwa ches und unentschlossenes seine Beden ken und erstickte die Stimme der Ehre und des Gewissens in Simson war zu den Füßen Delila's nicht wil lenloser, als Bothwell es in der üppi gen Muße der indischen Hügelwelt war, wo der einzige Lebenszweck der schien, jedem Tag den weitesten Betrag frivo ler Unterhaltung abzugewinnen. Die als die kälteste und stolzeste der Frauen galt Diana war nicht keu scher, als sie. Valeria Harborough hatte sich in tollem Liebeswirbel einem Mann zugewandt, der gesellschaftlich unter ihr stand und sein möglichstes versucht hatte, ihrem Netz zu entschlü pfen, Nichts lag Bothwell's Gedanken ferner, als sich von einem Weibe erhal ten zu lassen, aber er ließ sich durch Lady Valeria von seinen Büchern und seinem Arbeitszimmer fortlocken und wurde lässig in seinem Beruf. In ih rem indischen Leben war die Erregung des Kartenspiels oder der Wetten Lady Valeria zur Nothwendigkeit ge worden. Gleich nach ihrer Ankunft in Calkutta hatte sie tausend Pfund ge wonnen, und dieser eine Glücksfall hat te zu ihrem Ruin geführt. Sie wurde eine profefsionslnäßjge Spielerin, wagte hoch, so bald sich eine Gelegen heit dazu fand, und hatte ihr Buch für jedes große englische Rennen. Mit fie berischer Ungeduld erwartete sie die Telegramme, die ihr Sieg oder Nie derlage vermeldeten. Die natürliche Folge ergab sich: sie gerieth oft inGeld- Verlegenheiten. So großmüthig ihr Mann auch war. fürchtete sie sich den noch, sich bei diesen Gelegenheiten an ihn zu wenden. Wußte sie doch, daß von allen Frauentypen die Spielerin ihm am verhaßtesten war. Sie bekam ihr Taschengeld, das für die gewöhnli chen Bedürfnisse und selbst Extrava ganzen einer Modedame reich bemessen war. Um mehr Geld wagte sie ihren Mann nicht zu bitten. Bothwell Gra ham? aber in Anspruch zu nehmen ge nirte sie sich nicht, und es war Bothwell's Pflicht, ihr, dem Weibe sei ner Zukunft, das ihn dereinst versorgen würde, zur Seite zu stehen. Er that es, indem er ihr zuerst, als Darlehn dem Namen nach, jeden Pfen nig seines väterlichen Erbtheils hin opferte, zu welchem Zwecke er Stück für Stück das kleine Landgut in Porth fhire, auf das seine Vorfahren so stolz gewesen waren, losschlagen mußte. Als er auf diese Weise zum Bettler ge worden war, begann er sich immer für Lady Valeria an Wucherer zu wenden und gerieth schließlich derartig in finanzielle Klemmen, daß er das Regiment verlassen mußte. General Harborough hörte von fei nen Verlegenheiten, und obwohl er ver muthete, daß sie aus eigener Verschul dung herrührten, fand er doch die gü tigste Entschuldigung für den Sünder. Er erbot sich, Bothwell's Schulden zu bezahlen, und beschwor ihn, seine Car riere mit ihren glänzenden Aussichten nicht aufzugeben. Der General fühlte sich bis in's Innerste beleidigt, als sein Vorschlag beharrlich abgelehnt wurde. „Ein Kavalier muß einen Dienst eben so gut anzunehmen, wie zu leisten verstehen," sagte er. „Sie haben mir das Leben gerettet, und diese Dankes schuld hat mich niemals beschwert." Bothwell stand bleich und schweigend vor ihm, gedemüthigt von so viel Güte. „Verzeihen Sie mir, mein Herr," stammelte er endlich. „Es gab eine Zeit, wo ich von Ihnen lieber als von jedem anderen Lebenden eine Gefällig keit angenommen haben würde. Ich bin aber des Dienstes müde. Ich habe dem Mann meiner Cousine den Stand meiner Angelegenheiten kundgegeben, er ist ein Genie in Finanzsachen und wird sich mit meinen Gläubigern aus einander setzen. Dann kann ich als mein eigener Herr das Leben von vorn anfangen." Bald nach dieser Unterredung mit dem General verließ Bothwell Indien. Lady Valeria war empört über das Benehmen ihres Anbeters, der den Osten verließ, während sie noch dort ausharren mußte. Sie schieden im Zorn, und Bothwell fühlte sich in dem Gedanken an seine wiedergewonnene Freiheit einigermaßen erleichtert. Er getröstete sich, daß dieses gefährliche Band, dieses schmachvolle Gelöbniß den Thorheiten der Vergangenheit zu zurechnen sei, und war um so beflisse ner, Das zu glauben, als während des friedlich in Penmorval verlebten Win ters eine Neigung zu einem anderen Weibe in ihm aufzusprossen begann. Zuerst glaubte Bothwell, daß seine Be kanntschaft mit Hilda Heathcote ihn nur beschwichtige und aufheitere, daß er in ihr ein kaum der Kinderschuhe entschlüpftes Kind erblickte. Doch über raschte es ihn, wie richtig sie über die ernstesten Dinge urtheilte. Auf einmal überkam es ihn. daß er sie liebe, und während er noch zaudernd und zwei felnd mit sich rang, ob es ihm gestattet fei, sich dieser reineren, süßeren, glück licheren Neigung hinzugeben, ob jenes alte Band auf ewig gelöst sei oder nicht, empfing er einen Bries von Valeria mit dem Poststempel Paris. „Eben sind wir aus Brindisi hier angelangt," schrieb sie. „Wir bleiben noch ein paar Tage hier, bis ich mir einige Toiletten bestellt haben werde, dann gehen wir auf einige Wochen nach London. Von da aus suchen wir den Landsitz des Generals bei Plymouth auf und dort müssen sie alle Tage hin kommen, wie Sie es in Simla zu thun Pflegten. O Bothwell, kaum wage ich es, Ihnen Das zu schreiben. Ihnen nur die Hälfte Dessen einzugestehen, was ich bei dem Gedanken an unser Wieder sehen empfinde. Wenn ich Ihnen noch werth bin, würden Sie nach London kommen. Sie würden in Grosvenor- Square einen warmen Willkommen finden. Ihr letzter Brief machte mir einen so kühlen, fremden Eindruck als ob Sie mich zu vergessen anfingen oder mir meinen Zorn über Ihre Fah nenflucht noch nicht vergeben hätten, l Ach, Bothwell, Sie hätten mich bei je nem grausamen Abschied weit eher be dauern und Sie hätten ftlei'ven verurteilt ein Sekükl Is od man xsii? scdls! un 6 okns Lhrgei?, Lnergis vcler vre. Sie ist okt 6sr VorlDiker von ervtztkukter Xrsnkdeit. ocier cisr Rexleiter von neritisell I.eieden una Lnerxle. Oie Xotken-I>e>ceit Ilooä's KsrsspA rill xegen ?u neiimev ist clslier.letlein bekannt, unel >ls >1 0 0 y n 7 Baltimore i g 0 I ii 5 0 2 Ii Nops Pilcher nd lilarke Catcher fiir Baltimore. St. i!ouis. I? ll ä x Touglas. L. F 4 1 I Z V N T-Wl>. l 5 F 5 2 I 2 N I Zuruer. NF ..5 I l I 00 Connor, B. .....4 Z 7 2 jzartman. 3. V. 3 l l 2 2 M.Fariand, C. .....2 Y I 1 3 N Koiijeulaii. 2. B 4 I 3 V Crok, S S 3 l N 7 I I Tonahue, P 3 Y 0 2 I Zusammen ZZ 7 S 27 12 1 Baltimore. 41, k! tt I'ü L McGraw. Z B 4 I I 2 I N Kreier. R. 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Central bahn G old ker IUUO 10?, I.ONVNördl. Sentralbahn 10,^ Iv.'ltio Cbar., Col. 6 Aua.,ser I>^ 7.UON Ea Southern äd Flsrida ser 2, Staat? Seluritüicn: ??cb. Verl. N. .Carolina Sonlol-. 4er 103... Sali?. .j'i-?r0z.1v36 107 OaSSeturilSlen: E-niolidirteSaS-Aktien 57 57' L Sonsoltdirte GaS-Odligatlonen. er ll7 Bank-Akilen: ffarmer-'ck MerchantZ-Bank U 1 U 2 National-Bank os Commerc 17)^ National Zrchanze 1-"l National Marine 68 4t Z>ahn?lklien: Atlanta Charloile 02 !4 li 3 Z'alt" Oh. 12 Central Odio Vd. 5 Ga,. Southern i 1!)l>. E. F. 6 ?1. Ä.. 1-Ucr (Serie S> 4O C. F ä 8.. 1. H-. U:r (Seriem, ISIS 40 Lentral-Obio. 4>j, 1830 Char. 601. Auz..üer IVO Va.Sar. Nor., 1. Hvs.. er. 12! 82 Ga., Southern 4 47 Ohio 7er 104 Ohio ä Mist.. 1. VVS 7-r I'- 102^' Ta Midland I. Hu, t-er IVIU., 113 Ba, Midlarid. 2. P 1,.. -Ucr Il'> Va. Mldland, 3. Hvo.. Uer 11t a. Midland, 4. Hu.. 3-4 5 5 Midland.s. Hiiv- ser 1" lot Da. .V Tenn., 2. Hy?.. ser I"l La. t Tenn Ber HO 112 Wefll. Md.. 3. Hr>v.. Uer W. Nor. Car..Con Tel., Lack. Gestern l4 Tis? Vln.Clecriic La!? 6rie Gestern.. I2j^ >-ake Crie Wcsieru. Pfd "1 kaClede BaS 22 Laie Sti°r: LoulSviSe.b NaihviUe 43 -14 Mcnha:-an B^, Diu KaniaZ T t" M Kahlas T., Pfs 27 2, Milion-i.Faclfi- IS 1^ N°?'°6N.C N. t).Central St. L- L- C. .t AZesterii 1 North American 4 Nortkern paeific -2'. 12^
VM>>nan Sleadinz to Südliche Pacific SvutoernLah-i 7'i lenueiiec, C. Z >k N. sc TeraS Pacliic 8-, Union-Paclfic v' S. eathcr. Pj- K)' SS iwavai! ,s' zuabasd, Ad ti!esiein Union .U .ti H. Lake Cne v. rate C-ie. Vid erir. , 25'! 25' t 25 Zedt 2UX 2i- 2, 2U Juli.".!".' IB',i Sept 181! IBX Id. ls S.L2 BV2 B.UO BiO epi S.U2 Schmal,. Juli S 5 397 S.tt S.OS Sept 4.0 S 4(17 4.02 4.05 4.07 4.67 4.i'5 4 U 5 -ept 4.70 4.72 4.57 4.7 U Mai. Zum. Jun. Aug. Sept. Okt. N-w. nfang. ...7.3 7.38 7.0 7.34 7.02 U 1 U.l Schiut. 7.44 7.4 U 7.SL 7.04 U.U k.5
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Per Deutsche Korrespondent. Samstag, den 3. Mai 18N7. Unter tltngsWegweiser. Ford' Opernbau?." Diese Woche: Giroflt-Airofla.- Samstaz Matinee. ~')riuM'Musikballe" und Dachgarten. —Vaudedille und Dachgarten-Conjerte. „Munk-Holle." Schottoss'S russische? Scl'leqel's „Orckenrion-Halle." Zeden Tbend Alp-nsäager-TrioS u.s.w. MunkaMcti-^)ramattster Familien-Club. si.mmlung: „P-chier Grauschimmel und sein Esel." „Familien Circle," Hesse's Park. Lay „Vliicher Bund N'. D.0.d.5.N." „Allgemeine Teutsche —Montag, den I?. Mai, Jahres- und EinweihungSsest in der Anstalt. Marvländer?chule für Bli de. ?lm 4. Juni jährliches Conzert im Lyceum-Theater." Wichtig für Anzeigende. die Ausläse de! Teutschen Sirreid-ndenten' in fünf Stunden fünf Minute riLÜRZ. ?IV llvvn. ?IVL uixvrll. Ter „Corrcspondent" während des Sommers. Personen, welche für den Sommer die Stadt verlassen, können den „Cor rcspondenten" mit der frühesten Post nach irgend einem Orte zur Rate von 65 Cents pro Monat oder P 1.90 für drei Monate einschließlich des Sonntagsblattes zugeschickt bekom men. Das Wochenblatt 25 Cents pro Monat. 65 Cents für drei Monate. Die Adresse kann nach Wunsch geän dert werden, wenn man dafür sorgt, daß in allen Fällen sowohl die alte, wie die neue Adresse aufgegeben werden. Brirsbcförderung nachd cm Auslande Die ausländische Post für die mit dem 15. Mai 1897 endende Woche schließt im hiesigen Postamte (in allen Fällen), wie folgt: Samstag. 15. 7 Uhr Abends für China und Japan per Dampfer von Tacoma. Die Post für Neufundland und Mi guelon, via Boston und Halifax, schließt hier täglich um 4 Uhr Nach mittags; für Euba, via Tampci, Fla., täglich um 1.50 Nachmittags; für Au stralien. Neu Seeland, Hawaii, Fiji und Samoa täglich bis zum 22. Mai 7 Uhr Abends. S. Davies Warfield, Postmeister. Stadt Baltimore, b'akteen Beete im „Barroll Park." Superintendent L 5 Seybold hat mit Unter stützung der CaktuS-Gesellschast wieder ein prächtige Beet in dem Park geschaften. Wenn in den verflossenen Jahren Tausende und aber Tausende Besucher sich nach dem „Carroll Park" hinaus begaben, um das daselbst von dem S uperintendenten C. L. Seybold ange legte Cacteen Beet zu besichtigen und sich an demselben zu erfreuen, so wird in diesem Jahre zweifelsohne der Be such des Parks nicht hinter dem vorig jährigen zurückstehen; denn bereits über fünfhundert Anfragen liefen bei dem Superintendenten Seybold ein, ob auch in diesem Jahre ein solches Beet in dem Park angelegt würde. Die Absicht war, es bereits vorgestern fer tig zu stellen; die unfreundliche Witte rung hinderte" jedoch die Arbeiten, so daß es erst gestern vollendet werden konnte. Dieses Jahr ist übrigens die Zahl der ausgestellten Cacteen, Dank der Unterstützung des „Cactus Vereins," und besonders des Hrn. I. A. Becker, des Präsidenten desselben, eine unge mein große. Denn Hunderte von Cac tus Sorten, cirka 1150 befinden sich im Parke, neben 10 Varietäten Echeve ria(Dachwurz) in 18.000 Exemplaren, welche in einem großen Cacteen Beet vier zusammengestelltenEacteen-Grup pen- einem Felsbeet mit Alven, Cac teen, und etwa 2500 anderen Pflanzen untergebracht sind. Dabei weist die Ausstellung dieses Jahr außer den be kannten Arten, wie „Golden spine," „Old man's head," „Bischofsmütze", Fischangel Cactus, Mammellurian cerens u. s. w. viele neue seltene Erem plare auf, u. A. „Teufels Nadelkissen", „Perlen Cactus," „Opuntien" (gro ßes Sortiment), „Candilober-Cactus". Riesen Cacteen, „Echinocactus Li contai" u. s. w. Das große Cacteen Beet, für wel ches den Entwurf Hr. Seybold gemacht hat. ist ein sog. gothisches Parterre- Beet. in Kreuzform, und enthält über 3000 Pflanzen, welche in effektvoller Weise mit der peinlichsten Sorgfalt zu sammengestellt sind. Um eine große Rosette in dem Centrum des Beetes, aus welchem sich ein sieben Fuß hoher „Cereus Jama caru glaucus" erhebt, gruppiren sich in der allgemeinenForm nicht weniger, als fünfzig kleinere Ro setten, jede mit besonderer Sorgfalt derart zusammengestellt, daß die Mit telstücke stets die hübschesten und sel tensten Exemplare enthalten. So bil den die vorgenannten Riesen Cacteen und „Echinocactus Liconta" das Cen trum der großen Rosetten in den vier Kreuz Enden. Diese vier Cacteen langten vorige Woche von Arizona an und haben zusammen das ansehnliche Gewicht von 575 Pfund. Zwölf an dere Mittelstücke sind die „golden Spi ne"-Cacteen, eine fast ausgestorbene Art, die nur noch im Besitze von Cac tus Freunden gefunden wird. Hüb sche Miniatur Pflanzen aller Sorten sind als Einfassungen der Rosetten be nutzt. während die Einfassung des gan zen Beetes aus Cacteen, Euphorbien, Echeverien (Enoymus Zwerg Sor ten) u. dgl. gebildet ist. Doch genua. ganz beschreiben läßt sich das Beet nicht; es ist ein Kunstwerk, und man darf wohl sagen, das schönste in den Ver. Staaten nicht nur, sondern in der Welt überhaupt, das sich der Besichti gung unbedingt lohnt. Die seltenen Pracht Exemplare derCacteen in dcm Beet sind Eigenthum der HH. I. A.Be cker, Dr. L. F. Kornmann, H. Mciser und des Hrn. C. L. Seybold, welche natürlich auch die Mehrzahl der ande ren verwandten Pflanzen für die Aus stellung geliefert haben. So hat Hr. Becker speziell für dasßeet kürzlich 119 Pflanzen aus Mexico kommen lassen. Für See-Reisende. Stark gebaute Koffer und Reise taschen. ConradZeul'sSohn, Sharp- und Baltimore Straße. (Mail.jSLD.IMt) Ankunft der „Aachen Vassagleee gelandet 55 Kisten Svielwaare sür Jakob Epstein, 2 Kiste Töpscrwaaren für Bawo u, Dolter, I Kilte bauinwolkcne Waaren für llhas, Wvnian u, Co., 2 Kiste Zlrumpswaarcn sür Treide Söhne, 15 Kisten Struinpswaaren sür Johnson, Pond Säcke ''Polas-He sür JameS Bond, jnn,, u, Halle." Dirigent Hr. S.Herrmann, (iie) Ableben. Im Alter von 68 Jahren starb Hr. August M. Hummel am Donnerstag in seiner Wohnung. Nr. 1621, West Baltimorestraße. Er hinterläßt seine Gattin und 13 Kin der. Zu Grabe gebracht. —Nach- dem Pastor Dr. Markus Bachmann von der 5. res. Kirche zu Canton ge stern Nachmittag im Trauerhause Nr. 52. Süd Carrollton Avenue, einen erhebenden Trauergottesdienst abge halten hatte, wurden die irdischen Ue berreste von Hrn. Johannes Schmelz, welcher am Mittwoch plötzlich im Alter von 69 Jahren starb, auf der „Western Cemetery" zur letzten Ruhe bestattet. Als Bahrtuchträger fungirten die HH. John Freund. H. Scherger und Georg Jacob von dem „Telasco-Stamm Nr. 46" vom „Verb. Orden der Rothmän ner" und die HH. John Opper, Georg Feick und C. Schmidt vom „Allgem. Arbeiter Kr. Unterst. Verein." Welcher Beliebtheit und Achtung sich der Verblichene, dessen biographische Skizze der „Deutsche Korrespondent" bereits veröffentlicht hat, erfreute, be wiesen die zahlreichen Blumenspenden, welche an seinem Sarge niedergelegt waren, sowie das große Trauergefolge, welches ihm die letzte Ehre erwies. Stecherei. —lm Belair-Mark te wurde gestern Abend Hr. Frank Litz von Nr. 1156. Lowstraße. von einem betrunkenen Neger gestochen und le bensgefährlich verletzt. Als der That dringend verdächtig ist der 33 Jahre alte Neger John H. Simms verhaftet worden und nach der mittleren Polizei station gebracht worden. Der Verletzte wurde von den Aerzten des „Johns Hopkins' Hospitals" in Behandlung genommen. Wetterbericht. ver. Staaten Wetter Bureau B a ltim o re, den 14. Mai ISS 7. z it Feuch- j met-r. Ich. W°tt. j.NY M. 2S S 0 2 4 S. 4 Trüb. k.0i.!2.7 63 9 S. 1 Regen Mlltl.Thermometerst Z 0 Die Höchsle Schnelligkeit des Windes in eiiur Stund: betrug 1 Meilendon Züdosten. Da gestrige Wetter. Die höchste Temveratur während des zcslriqen Tages aus nachdcnanntea Sta tionen war. wie folaN S Stationen. Z Stationen. S
Atlanta 7K Memshis lid Alpcna KV Monlqxmerli tt Alban 74 Ncw-OrlcanS Bismarck 62 New-Hork t>B Boston 70 Buffalo. 6V Platte öleoeland kl Detroit... S 2 Auburg. gtz Eastport SS St. iiouis 64 t?>alvel>on Zt. Bau! 4 k Ä-aj.'lngion...... ey West L2 Wetter Aussichte n. —Für Maryland und den Distrikt Columbia klares.kühleres Wetter und nordwest liche Wind, Aus der Welt des Kunst. Skeperiolr der englischen Theater. Irving Seil, in der Gerinonia-Männerebor Palle."—.Darlev-Vark-Tbeater Prome- Heute wird nochmals in Nixon 6: Zimmermanns Academy in der Ma tinee und Abend-Vorstellung von der „Castle Square Opera Company" Gounod's „Faust" zur Aufführung ge bracht, während für die nächste Woche die populäre Oper „Erminie" auf dem Repertoire steht. Sie ist seit Jahren hier nicht mehr zur Aufführung ge bracht worden, u. hat das Direktorium des Theaters von Francis Wilson, das das Aufführungsrecht für Amerika eig net, ohne die Kosten zu scheuen, die Er laubniß zur Darstellung der beliebten Oper sich gesichert. Vom scenischen Standpunkte aus, wird „Erminie" namentlich in der „Ball-Saal-Scene" die Ausstattung der Oper „Faust" noch übertreffen. Die Besetzung der Rollen ist ebenfalls eine gute, so wer den Frl. Grace Golden als „Erminie." Joseph Sheehan als „Eugene," Billy Wolfs und Arthur Wooley als „Ra vennes" und „Codeau," Frl. Bessie Fairbairn als „die Prinzessin" und Frl. Gertrude Ouinlan als „Javotte" erscheinen. Am nächsten Mittwoch wird wieder eine „Rosen-Matinee" ver anstaltet, für welche 1500 Rosen be reits bestellt sind. Auditorium Musikhalle. Am nächsten Montag wird in der „Auditorium-Musikhalle" die Som mer-Saison eröffnet, indem nach der regulären Vorstellung in dem geräu migen Dachparke eine zweite Vaude ville-Vorstellung gegeben wird. Das Groß-New-Aorker Damen-Orchester ist speziell für den Sommer-Garten engagirt worden und wird von 48 Uhr bis 12 Uhr conzertiren. Clara Morris wird, unterstützt von Mark Murphy, John T. Tierney, Pauline Fletcher u. A., in dem Theater auftreten. Nur eine Matinee findet statt, und zwar am Samstag. Ford'sGrandOperaHouse. Die dritte Woche des Gastspiels der „Lyric Opera Company" in „Ford's Grand Opera House" wird Auber's romantische Oper „Fra Diavolo" mit Villa Knox als „Zerline" und Hubert Wilkie als „Fra Diavolo" bringen. Auch das „Lumiere Cinematographe" wird während der nächsten Woche vor geführt. Hollidaystraßen-Theater. Die Winter-Saison schließt heute im „Hollidaystraßen-Theater," und am Montag wird die Sommer-Saison unter Leitung der HH. Buckler und Butler mit dem Lustspiel „The Ara bian Rights" eröffnet. Promenaden C o n z e r t e in der Musikhalle. Der Umstand, daß der Besuch der Promenaden Conzerte in der Musik halle von Tag zu Tag, bezw. von Abend zu Abend zunimmt, ist der beste Beweis dafür, daß dieselben an Popu larität immer mehr gewinnen und daß Hr. Edgar Strakofch das Richtige ge troffen, als er dieselben letztes Jahr in augurirte. In der nächsten Woche wer den Mary Norman durch Imitationen von anderen bekannten Sängern, Madgie Davenport, eine hübsche Sou brette, durch Lieder und Tänze a la Cissy Fitzgerald und Frank Cushman durch witzige Monologe erfreuen. Da die Musikhalle für Montag und Dien stag für anderweitige Unterhaltungen verpachtet ist, werden die Promenaden- Conzerte erst am Mittwoch Abend wieder beginnen. Irving s „The Bell s." In der „Germania Männerchor- I Halle" fand gestern Abend Seitens ei ner Anzahl tüchtiger Schauspieler, mit Hrn. Georg F. Lurßen an der Spitze, eine Theater-Vorstellung statt, bei wel cher das englische Drama „The Bells" und die Posse „Hr. N." zur Auffüh rung gelangten. Unzweifelhaft gefiel die Posse, welche auf brillante Weise durchgeführt wurde, bedeutend besser, als das ernste Drama. Namentlich erledigte sich Hr. Geo. F. Lurßen, wel cher die Hauptrolle inne hatte, seiner Aufgabe in trefflichster Weise. Doch gebührt auch den übrigen Mitwirken der, nämlich den HH. Maurice Mans sord und George R. Johnson und den Frls. Carrie Wulsert, Gufsie Wulsert und Rosalind Clay, für ihr Spiel alle Anerkennung. Bei dem Drama „The Bells" hatte wiederum Hr. George F. Lurßen die Hauptrolle inne, während die übrigen Rollen durch die HH. Geo. L. Kennedy. Lawrence Darrel!, Mau rice Mansford, Walter Clay, W. L. Dobson, T. Francis Ryland, Howard I. Klitsch u. die Frls. Gussie Wulfert, Carrie Wulfert u. Annabelle Hastings besetzt waren. Von den Damen zeich neten sich namentlich die Frl. Gussie und Carrie Wulfert durch ihr vor treffliches Spiel aus. Hr. Walter Venn führte die Regie. Darley-Park. „Pächter Grauschimmel" oder „Die schuldlosen Schuldbewußten" ist -das reizende Lustspiel, welches morgen, Sonntag, im „Darley Park" zur Aufführung kommt. Es ist aus der Feder des unsterblichen August von Kotzebue und gleich den meisten seiner Lustspiele pikant und amüsant. Die komischen Situationen und Verwicke lungen sind drastisch und spannend, so daß die Zuhörer nicht aus dem Lachen herauskommen. Der Aufenthalt in dem kühlen, frischen Park und auch derjenige in dem gut ventilirten Thea tersaal ist jetzt bei warmem Wetter an genehm, und die Vorstellungen unter Leitung des bewährtenßegisseurs Hrn. Alexander Kost sind mehr anziehend. Für den Comfort der Besucher wird der neue Verwalter Hr. Charles Gran zer bestens sorgen. Conzert der Blinden- Schule. Das jährliche Conzert der Mary länder Schule für die Blinden wird am 4. Juni im „Lyceum Theater" veranstaltet. Zur Erlangung von Eintrittskarten sende man, wie der Superintendent F. D. Morrison be kannt macht. Postkarte mit Angabe der erwünschten Anzahl Karten vor dem 25. Mai an die Maryländer Schule für die Blinden. Verschiedenes. Am Montag wird Soufa's Kapelle das letzte Conzert dieser Saison in der Musik Halle geben. Die Senior Klasse der Marylän der Staats Normalschule brachte ge stern Abend in der Aula der Anstalt „Pygmaleon und Galatea" zur Auf führung. Die prächtigen lithographischen Ab bildungen, welche Hr. Prang von der Walters'schen Sammlung chinesischer und japanischer Vasen hergestellt hat. werden heute noch in der McCoy-Halle ausgestellt bleiben. Ein Kranker wird nicht eher gene sen, bis er den Genuß des Bohnenkaf fees aufgegeben hat und als Ersatz für denselben den gesünderen Kneipp- Malz Kaffee verwendet. Die ihm vom Hausarzt verschriebene Arznei wirkt dann gleichzeitig besser. (116) Miffouri-Synode. Dlr morgi>e iseier in Kord rand Opera- House." T>ie gestrigen Verbandlungen der Konseren, de östlichen Distrikt. Bekanntlich ist mit Rücksicht auf die zur Zeit in der deutschen evang.-luthe rischen Immanuels Kirche an Caro line-, nahe Baltimorestraße, stattfin dende Sitzung des östlichen Distrikts der Missouri Synode seitens der hie sigen Gemeinden eine gemeinsame Feier des 50 jährigen Jubiläums der Synode für morgen. Sonntag Nachmittag, in Ford's Theater in Aussicht genommen. Das Programm für diese Feier ist bereits vom „Deutschen Korrespon denten" mitgetheilt worden, doch sei es hiermit noch einmal wiederholt: 7. liidellied, gedichlet für die Feier von Pastor 6. Deutsche Festpredigt von Pastor P. Prand von Pittsbnrg, dein Präse! des östlichen Distrikts. 9. Kantate „dalleluja, Gott zu loben" von F. M. Gast, gesungen von den vereinigten Kirchenchö Ii). t>Ynine, A mighiy Fortrek is our God. 11. Englische Festpredigt von Pastor W. Echön feldt von New-Pork, 12. ldallelujah-khor von Händel, gesungen von t)rn. Fred W Miller, Organist der Smanuels-Ge- Das Fest Comite setzt sich aus je einem Glied der einzelnen Gemeinden zusammen und wird von folgenden Herren gebildet: W. Scheu, Imma nuels Kirche; Phil. Reisinger, Jack son Square Kirche; Brüggemann, englische Emanuels Kirche; F. Korf, St. Thomas Kirche; Ch. Hemmeter, St. Pauls Kirche; C. Ruppel, Mar tini Kirche, und den Pastoren W. Dallmann und Chr. Kühn. Hr. Joh. Wolfermann ist Vorsitzender des Fest- Comite's. Bei der gemeinschaftlichen Feier soll auch eine Kollekte erhoben werden, um die Unkosten zu decken, u. ein etwaiger Ueberschuß soll in die Kasse für innere Mission fließen. Offizieller Sitzungs-Be richt. Die Sitzungen des östlichen Distrikts der deutschen evangelisch lutherischen Synode von Missouri. Ohio und an deren Staaten in der Jmmanuels- Kirche an der Süd Carolinestraße waren gestern wieder sehr zahlreich besucht; fast jeder Sitz in dem geräu migen Gotteshause war besetzt. Es fanden, wie am vorhergehenden Tage, Vormittags und Nachmittags Sitzun gen statt. Vierte Sitzung. Freitag Vormittag. Die Eröffnung der vierten Sitzung fand um 9 Uhr gestern Vormittag durch Gesang des Liedes 179 und Ver lesung aus 1. Moses, 18 statt. Das Protokoll vom vorhergehenden Mor gen wurde alsdann verlesen und mit etlichen Aenderungen angenommen. Zur Tagesordnung übergehend, fuhr Pastor Beyer fort in seinem Vor trage über „den Segen unseres Ge meindeschulwesens, dessen wir in die sem Jubeljahre zum Preise Gottes mit Dank billig gedenken." Die gestrige Fortsetzung umfaßte den zweiten und dritten Punkt der A bhandlung, wie folgt: 2. „„Die Schwierigkeiten und Ge fahren. mit denen die Gemeinden zu kämpfen hatten." „Der Teufel und seine Genossen kämpfen ja gegen Al les, was Gott zur Gründung und För derung seines Reiches beginnt. So traten sie auch allezeit in den Weg. wo es sich um Gründung einer lutherischen Gemeindeschule handelte. Der Teu fel wußte wohl, welcher Schaden da durch seinem höllischen Reiche zugefügt werde. Denn eine Gemeindeschule nach unserem Sinne ist eine Festung gegen den Teufel. Er suchte daher stets, entweder ihre Entstehung zu ver hindern, oder sie doch zu verderben, wo sie in's Leben gerufen wurde. Die Welt, d. h. alle Gott entfremde ten Menschen, stellte sich auch diesem köstlichen Werke kräftig entgegen. Sie will ihre Weisheit gelehrt haben, dem Kreuze Christi aber und allem christli chen Unterricht ist sie fremd. Unsere Gemeindeschulen hält sie für Verdum mungs Anstalten und sucht auf alle mögliche Weise ihnen zu schaden. Das eigene fündlich? Fleisch, das auch noch in den Christen wohnt, war auch diesem Werke hinderlich. Es macht träge, unwillig, das zu thun, was wir als unsere Christenpflicht er kannt haben. Es sagt: Wir brauchen keine Gemeindeschulen, die Kinder ler nen schon das Nöthige in dem Confir mations-Unterricht; unsere Kinder müssen auch so schnell, als möglich, Geld verdienen helfen. Zudem kön nen wir die großen Kosten sparen, die eine eigene Schule uns auflegt. Dazu kam auch bei den Pastoren das sünd liche Fleisch und sagte: Ich habe sonst in meinem Amte reichlich zu thun, habe keine Zeit zum Schulehalten; ich habe meine Pflicht gethan, wenn ich die Kinder für die Consirmation vorberei tet habe. Allen diesen Feinden traten unsere Väter kräftig entgegen, über wanden in der Kraft Gottes Teufel. Welt und Fleisch und gründeten und pflegten diese Segensstätten für unsere Synode. Dazu kam, daß von Anfang an so wohl von den hier angesiedelten Schweden, als auch von den Hollän dern, die hier Gemeinden gründeten, das Schulwesen fast gänzlich vernach lässigt wurde. Meistens wurde von den Pastoren nur der allernöthigste Religionsunterricht ertheilt, und die Eltern wußten kaum anders, als ihre Kinder in die Staatsschule zu schicken. Als endlich I. P. Mühlenberg zu einer besseren Einsicht kam, da fehlte es an lutherischen Lehrern. Ganz unfähige und verkommene Charaktere wurden daher häufig als Lehrer angestellt."" Sehr interessante Mittheilungen machte der Herr Referent aus jener Zeit aus einer Anzahl Briefen, die er verlas. Pastor Beyer fuhr dann fort: „So eifrig nun auch Pastor Mühlen berg für christliche Schulen eintrat, so durste er doch ein rechtes Aufleben der selben nicht sehen. Und ob auch her nach andere Synoden eine Besserung hierin zu Stande zu bringen suchten, so fehlte es doch an einem Seminar, darin treu-lutherische Lehrer ausge bildet werden konnten. So sah es aus, als unsere lutherische Missouri- Synode gegründet wurde. Ein weiteres Hinderniß, das sich uns entgegenstellte, lag in den Zustän den der Gemeinden selbst. Dies wa ren theils eingewanderte Leute von Deutschland, theils von Pastoren ge sammelte Häuflein, theils endlich sol che, die von anderen Synoden zu uns gekommen waren. Alle aber waren arm, hatten kaum das Nöthigste zum Leben und zur Erhaltung der Pasto ren und deren Familien. Wie da noch einen Lehrer erhalten? Sie brauchten auch die Kinder zur Arbeit in Haus und Feld. Die umwohnenden Ameri kaner waren den Schulen auch feind lich und belästigten die Kinder sogar auf ihren Schulwegen. Doch ob- gleich dieses Alles in den Weg troMdie Synode auch kein anderes Mittel Mtte. diesen Hindernissen ahk Gottes Wort so hat sie doch Gottes Hülfe alle diese siegreich überwunden und in uwlZAm Schulwesen erreicht, was hevke vor Augen ist."" Welchen Segen Gott in den letzten 50 Jahren durch unsere Gemeindeschu len über unsere Synode ausgegossen hat. Unter diesem Segen verstehen wir nicht die Dinge, die nur für dieses zeit liche Leben gelten, große Kenntnisse ir discher Dinge, so daß die Kinder da durch in der Welt zu Ehre und Reich thum kommen. Wahrer Segen ist al lein, was zum wahren zeitlichen und ewigen Heil des Menschen dienet. Die ser Segen kommt von Gott, er ist al lein die Quelle alles rechten Segens. Unsere Gemeindeschulen haben es mit Kindern zu thun. Wenn wir nun vom Segen unserer Gemeindeschulen han deln. so ist da der Segen an den Kin dern in's Auge zu fassen. Unsere Kin der sind in der Taufe dem Herrn ge heiligt, sind Gottes Kinder geworden. Aber das böse Herz und sündliche Fleisch bleibt in und an ihnen. Da ist nun die Arbeit unseres Gemeindeleh rers, dieses sündliche Fleisch immer mehr zu tödten, das Herz hingegen im mer mehr zu heiligen und die Kinder zu wahrer Gottesfurcht zu erziehen. Dieses geschieht durch täglichen Unter richt in der biblischen Geschichte und unserem luth. Katechismus. Sind die Kinder oft auch noch klein und schwach. Gottes Wort ist doch in ihren Herzen kräftig, lehret, leitet, tröstet sie, und ein mancher Lehrer und Prediger hatte schon die Freude, zu sehen, wie freudig solche Kinder in Noth und Tod sind und in Frieden sanft einschlafen zum ewigen Leben. Wie Manche, die spä ter auf böse Wege geriethen. sind, viel leicht noch in der Todesstunde, gerade durch einen Spruch des göttlichen Wor tes, den sie in der Gemeindeschule lern ten, zur Besinnung gebracht und vom ewigen Verderben errettet worden." Hierauf erfolgte Vertagung bis H 3 Uhr Nachmittags. 5. Sitzung, Nachmittags 43 Uhr. Die Versammlung wurde in übli cher Weise eröffnet. Das Protokoll vom Mittwoch Nachmittag wurde ver lesen und angenommen. Finanzen der inneren Mission. Es wurde der Kassenbericht über in nere Mission sammt dem Comite Be richt hierüber verlesen und zur Bespre chung aufgenommen. Beschlossen ward: Der Buffalo- Conferenz den Kassenbericht zu über senden. damit sie denselben mit den Büchern vergleiche und damit in Ueber einstimmung bringe. Beschlossen ward ferner, daß die Comite'n womöglich die Voranschläge, wie viel für die einzel nen Posten nöthig ist, noch prüfe und der Synode Bericht erstatte/ DasProgymnasium in Neperon, N.-J. Die Sache, das Progymnasium in Neperon, N.-J., betreffend, wurde dann aufgenommen und zunächst der Bericht der Aufsichtsbehörde verlesen. Darin wurde unter Anderem berichtet, daß die Allgemeine Synode bei ihrer letzten Versammlung diese Anstalt übernahm, die darauf ruhende Schul denlast aber vom östlichen Distrikt zu tragen sei. Diese Schuld beläuft sich zur Zeit auf P 30.000. Es wurde ge fragt, ob es nicht möglich sei, daß diese Summe durch eine Anzahl Glieder des Distriktes durch freie Gaben, auf so und so viele gleichmäßig vertheilt, auf gebracht werden könnte? Im Anschluß hieran wurde auch der Comite Bericht hierüber verlesen. Desgleichen der Bericht der Delegaten von ihrer Versammlung am Donner stag Abend. In letzterem Bericht wur de unter Anderem erwähnt, daß die Pastoren sich nicht genug für diese An stalt interessiren, sonst würde es da rum besser stehen. Hierauf wurde der Comite Bericht zur Besprechung auf genommen. In Bezug auf den ersten Punkt: „Es sollte dafür gesorgt wer den, daß dieses Eigenthum so bald als möglich der Allgemeinen Synode ge setzlich überschrieben werde," wurde be schlossen, ein Comite einzusetzen, mit den Personen, die jetzt das Eigen thum in Händen haben, zu unterhan deln, damit diese Sache geordnet wer de. Pastor A. E. Frey. Pastor S.Keyl und die HH. Jak. Morch und H. Fi scher wurden als Comite ernannt; fer ner ward beschlossen, daß die Beamten ermächtigt und beauftragt seien, einen Schuldschein von §30,000 an die Cre ditoren auszustellen. Bei der Berathung des zweiten Punktes:„Wir empfehlen, daß dieAuf sichts Behörde sich bemühe, diese Summe zinsfrei zu bekommen," wur de von einem der Herren Delegaten in längerer Rede darauf hingewiesen, daß nur ganz wenige Gemeinden für diese Sache bisher etwas Erkleckliches ge than hätten, jedenfalls, weil die Pa storen die Sache nicht ernstlich genug treiben. §9OOO wurden von einem Mitgliede aus Pittsburg. Pa., und §13,000 von einer Gemeinde in New- Nork hierfür geschenkt. Von den üb rigen Gemeinden kamen nicht viel über §5OOO. Auch bat der betreffende Herr. man möge doch recht viele Knaben in diese Anstalt schicken. Es wurde beschlossen, den zweiten Punkt dahin zu ändern, daß er laute: „Wir empfehlen, daß das eben erwähl te Comite gebeten werde, sich zu bemü hen, diese Summe zinsfrei zu erhalten und daß Denjenigen, die das Geld zinsfrei vorstrecken, das Versprechen geaeben werde, es bald zurück zu zah len. Der dritte Punkt wurde, wie verle sen, angenommen. Es wird darin ein Plan angegeben, wie etwa die Summe gleichmäßig vertheilt und so ausge bracht werden könnte. Es wurde dann der Bericht der De legaten zur Besprechung aufgenom men. Nach kurzer Debatte folgte dann Vertagung bis heute, Vormittags 9 Uhr. Heute Nachmittag findet keine Sitzung statt. Reisen nach Washington. Heute Nachmittag wird ein Theil der Pastoren der Bundeshauptstadt einen Besuch abstatten. Missions Gottesdienst. In der Immanuels-Kirche wurde gestern Abend ein Missions-Gottes dienst abgehalten. Pastor A. Hansen von Buffalo. N.-Y., hielt die Predigt. Er sprach über Jesaias 60, 22: „Aus dem Kleinsten sollen Tausende wer- Geringsten ein machtig Volk." Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Der „Jm manuel-Männerchor" sang unter Lei tung des Dirigenten Hrn. L. Krieger ein passendes Lied und Frl. Marie Muller brachte ein Solo zu Gehör, Hr. A. Beyer, ein Lehrer von Al bany. N.-Y trug zur Erhebung des Gottesdienstes durch ein Violinsolo bei unter Begleitung von Hrn A T Aubke, eines Lehret von Allegheny' Morgige Gottesdienste Morgen Vormittag werden in den I öier deutschen und zwei englischen Kirchen der Stadt, die zu der Missou ri-Synode gehören, besondere Gottes dienste gehalten werden mit Beicht- Gottesdienst. In der Jmmanuels- Kirche an der Carolinestraße werden die Pastoren Halsmann und Stech holz predigen, in der St. Pauls-Kirche an Saratoga- und Fremont-Straße die Pastoren E. H. Wischmeyer von Allegheny und M. Schulze, in der Martini-Kirche an Sharp- und Hen riettastraße Pastor Ruhland, in der St. Thomas-Kirche an Payson- und Mary Annstraße Pastor Merkel, in der englischen Emanuels-Kirche Pa stor Oelschläger und in der englischen Jackson-Square-Kirche die Pastoren Winter und Eckhart. Erste Consirmation eines lattischen Mädchens. Morgen, Sonntag, Nachmittag 1 Uhr wird Pastor H. Rebane, ein Liv länder Prediger, welcher in Philadel phia und Boston Gemeinden hat, in der Jmmanuels-Kirche an der Süd- Carolinestraße einen Gottesdienst ab halten und das lattische Mädchen Minna Krauklis consirmiren. Es wird dies die erste Consirmation eines Abkömmlings dieses Volksstammes in Baltimore sein. Kamberger Klein, Bodega, Nr. 11, W. Str. Heute und die folgenden Tage (111.3,6) Maibowle. Teutsche evangelische Syuode von Nord-Amerika. Die Verhandlungen der l?. Jahret-?onferen> d arlantifcken Distrikt begonnen. Die anwesenden LalenZ>elegaen. Dle drei stufige Gliederung verworfen.—Die Schul srage. Die 14. Jahres Conferenz des at lantischen Distrikts der deutschen evan gelischen Synode von Nord Amerika wurde gestern Vormittag in der ev.- luth. St. Matthäi Kirche an der Fa hettestraße, nahe Central Avenue, er öffnet. Um 9 Uhr verlas Pastor Ed. Fuhrmann von Troy, N. A., einen Bibelabschnitt und darauf erklärte der Präses Pastor R. Katerndahl die Si tzung für eröffnet. Die Verlesung der Namensliste ergab, daß von 41 stimmberechtigten Pastoren des atlan tischen Distrikts 38 erschienen waren; von den Synodal Gemeinden waren 24 beglaubigte Abgeordnete erschie nen: I. G. Gutermuth, Zions Ge meinde, Sand Lake, N. N-5 Karl Graf, Friedens Gemeinde, Scran ton, Pa.; H. W. Lämmert, Zions-Ge meinde, Frostburg, Md.; F. Stahl, St. Pauls Gemeinde, Newark, N.- I.; C. Sames, St. Pauls Gemein de, Scranton, Pa.; H. F. Schmidt, St. Pauls Gemeinde, Priceburg, Pa.; F. Storck, St. Pauls Gemein de, New Uork und St. Pauls Ge meinde, Bergen Point, N. I.; I. lmmanuels Gemeinde. Cambridge, Md.; W. Harms, Sa lems Gemeinde, Columbia, Pa.; I. C. Dettbarn, Friedens Gemeinde, Schenectady, N. N-! Phil. Metz, Stephans Gemeinde, Newark, N.- I.; Louis Euker, St. Johannes-Ge meinde, Richmond, Va.; F. Eller mann, Salems Gemeinde, Baltimo re; Geo. Cawein, St. Johannes-Ge meinde, Mt. Vernon, N.-A.; A. Leim bach, Christus Kirche. Baltimore; H. Körner, St. Pauls Gemeinde. Troy. N. A.; L. Spehr, ev. prol. Kirche, Albany, N. Y.; H. Volz, St. Mi chaels Kirche, Perry Hall, Md., und Zions Kirche, Stemmers Run, Md.; G. Hebbel, Concordia Gemeinde, Baltimore; F. Heimbuck.St. Martins- Gemeinde, Annapolis, Md. Als Gäste der Distrikts Synode waren anwesend: Theo. Braasch aus Karlsstadt, N. I.; Kettner aus Jr vington, N. I.; G. Bruett aus Bloomsield, N. I.; I. Stephan. Frenzke und Walter aus Baltimore, die Pastoren Dr. M. Bachmann. L. H. Nerger, A. Psost, R. Schmidt, Ä. Schmidt von Baltimore. Ueber den Vorschlag der dreistufi gen Gliederung der Gefammt Syno de beschloß der Distrikt, bei der Gene ral Synode hinzuwirken, daß diesel be nicht vorgenommen werde. Das Schul Comite berichtete über den Fortschritt der Schulen und be schloß, zu regerer Thätigkeit anzuspor nen. Pastor Max Hirsch von Newark, N. 1., wurde in den Synodal-Ver band aufgenommen. Die Synode vertagte sich um 5 Uhr und machte einen Besuch im „Allge meinen Deutschen Waisenhause." Heute wird über die Aufnahme von drei neuen Gemeinden berathen. Der Präses ernannte folgende ge meinsame Comite'n: storr A, Weber uiid W Pa, k, islcck uu Z. Purkar und Telcgal Tellboru, Für Begutachtung des Präsidial-PerichleS Pa storen Neehren, Persch und v. Heller und P. 'il!rl> lind F. stoßen A, Weber, k ,Busf und Dallioff. Revision der Pucher Pastoren k Z. Schmidt und v. Yyr und Delegat I. lichantre, Wahlk Pastoren z. Rudolph und Wciß kopf und Delegat W ÄarmS. Schul-Comite Pastoren E. I. Schmidt, H.. Rller, aas nd Delegat Aug, Dellbor. Ausnahmezesuche von Pastorcn Pastoren Dr, P, L. Menzel, O. Bxitz, Ed. Huber, Geo. Kern und Kikling. Pr.-ssc Pastiren W. Pal;, L. Prendel nd A L. i>eck. Gliederung der Shnode, der Invaliden-, Wittwen i,nd Waisen-Kasse Pastoren Tr, P, L. Menzel, E, I. Schmidt und Delegat I. ?llermaiin. Abends fand ein Gottesdienst in der St. Matthäi Kirche statt, bei welchem Pastor Sam. Lutz von Bloomsield, N. 1., Predigte und Pastor A. We ber von Tailor, Pa., den Altardienst versah. Der thätige Frauen Verein der St. Matthäi Gemeinde trug für die Be wirthung der Theilnehmer an derCon ferenz bereitwilligst Sorge. Alle Mahlzeiten werden gemeinsam in dem Schulhause eingenommen. Präses R. Katerndahl wurde er sucht, nach Newark, N. 1., zurück zu kommen, um an der Beerdigung des verstorbenen Kirchenraths Mitglieds Joh. Schwarz dortselbst theilzuneh men. Die Conferenz mußte jedoch in Anbetracht der Wichtigkeit der Geschäf te den Urlaub verweigern. Die Geschäfts Sitzungen sollen Morgens von 9 bis 12 Uhr und Nach mittags von 3 bis 5 Uhr stattfinden. Fahrplan-Aendcrung. Von Montag, den 17. Mai. an wird der neue Fahrplan der „Nördli chen Central Eisenbahn" in Kraft treten. Ein neu eingerichteter Zug wird den Calvert Bahnhof um 5 Uhr ö Minuten Nachmittags täglich, aus genommen Sonntags, verlassen. Nach Green Spring Branch ver lassen die hinzugefügten Züge denCal vert Bahnhof um 8.20 Vormittags. 1.58 und 6.10 Nachmittags täglich, ausgenommen Sonntags. 4.55 Nach mittags und 9 Uhr Abends täglich, u. um 1 Uhr Nachmittags nur an Sonn tagen. Der Zug. welcher früher um 3.05 Nachmittags täglich, ausgenom men Sonntags, abfuhr, ist verlegt worden auf 3.50 Nachmittags. Wegen weiterer Einzelheiten siehe gefälligst den Fahrplan, welcher auf Verlangen bei'm Billet Agenten zu haben ist. (116) Bischofs-Weihe in der Kathedrale. Eine große Zahl Prälaten >rd der Tonsekra tton de Bischof Allen von Mobile dei wobnen. Morgen, Sonntag, wird in der hie sigen Cathedrale die Consekration des zum Bischof von Mobile. Ala.. er nannten Vaters Dr. E. P. Allen durch Cardinal Gibbons vollzogen. Die Feier wird um 10 Uhr mit einer Pro zession des Klerus und der Seminari sten von des Cardinals Residenz nach der Kirche eingeleitet, und werden an der Prozession etwa fünfzig Semina risten des St. Mary's Seminars von Emmittsburg, dessen Präsident Bi schof Allen ist. theilnehmen, sowie alle Seminaristen des hiesigen St. Ma rien Seminars. Cardinal Gibbons wird die Conse kration vollziehen, unterstützt von Bi schof Edward Fitzgerald von Little Rock, Ark., und Bischof Matthew Har kins von Providence. R. I. Hülfs- Priester wird Vater E. T. O'Callag han von Mobile, Ala., sein. Außer dem nehmen an den Ceremonien als Ehren Diakone Jesuitenpater I. H. Richard von Georgetown, D. C., und Vater W. L. O'Hara vom St. Ma rien Seminar, als Diakon der Messe Vater L. I. Morris von Brookline, Mass., und als Sub Diakon Vater Thomas McManus von Lowell, Mass., als Notar Vater A. L. Mag men, Präsident des St. Marien-Se minars, als Ceremonienmeister Vater C. F. Thomas, Rektor der Kathedrale, als Assistenten Vater R. I. Bradley und T. Smith vom St. Marien Se minar, als Kapläne der assistirenden Bischöfe Vater Hugh Roe O'Donnell von Boston, Mass., und Vater John Baasen von Pensacola, Fla., als Ka pläne des zu consekrirenden Bischofs Vater Jos. P. McCasfrey von Tusca loosa, Fla., und Vater P. L. Morris von Marwick. N. A- Die Festpredigt wird Vater Dr. Philipp I. Garrigan von der katholi schen Universität in Washington, D. C., halten. Vater James Farrelly vom St. Ma rien Seminar wird als Träger des erzbischöflichen Kreuzes fungiren; fer ner die Seminaristen HH. I. W. Wright und I. Keely von Mobile, Ala., als Acolyten. O'Brien von Mo bile. Ala.. als Weihrauchfaßträger, A. S. Malone von Lowell. Mass., Mitre Träger, E. P. Sanders von Lowell, Mass., Hirtenftabträger, Th. I. McEafferty von Boston, Mass., Buchträger, T. F. Howard von Sy racufe, N. A-. Kerzenträger. Der zu weihende Bischof wird heute in Baltimore eintreffen und als Gast in der Residenz des Cardinals Woh nung nehmen. Voraussichtlich werden der Conse krations Feierlichkeit auch noch die Bischöfe Becker von Savannah, Moore von St. Augustine, Fla., Van de Vy ver von Richmond. Virg.. Donohue von Wheeling. W.-Virg.. u. der Erz bifchof Ryan, sowie Weihbischof Pren dergast von Philadelphia beiwohnen. Neue Kreuz weg st ationen. In der hl. Kreuz Kirche werden morgen die neuen Kreuzwegstationen, welche eine mildthätige Dame der Ge meinde zum Andenken an ihre verstor benen Eltern gestiftet hat. errichtet und benedizirt. Die 14 Stationsbilder sind Kunstwerke und stammen aus dem bekannten Atelier von Froc Roberts in Paris. Dieselben bestehen aus stark hervortretenden Terra Cotta- Reliefbildern. welche in geschnitzte und reichvergoldete Eichenrahmen gefaßt sind. Die Bilder sind 6 Fuß hoch u. 4 Fuß breit, und werden der ohnehin prachtvollen gothischen Kirche zur wei teren Zierde gereichen. Die Kosten des Stationsweges belaufen sich auf ca. §7OO. Bei der Feier wird Mon signore Dr. Joseph Schröder, Profes sor an der katholischen Universität in Washington, die Festpredigt halten. Monsignore Schröder hat seit drei Jahren nicht in Baltimore gesprochen. Ein spezielles musikalisches Programm hat der Dirigent des Chors. Hr. Frank Bopp, für die Feier aufgestellt. Erhalten eine Vereins- Fahne. Die „St. Jakobus Ritter" haben durch Hrn. Jakob Gminder eine Ver einsfahne anfertigen lassen, welche auf der einen Seite das Bild des hl. Jako bus des Jüngeren, des Schutzpatrons des Vereins, zeigt. Morgen wird diese Fahne gelegentlich des wegen des 40- stündigen Gebets vom 2. Mai bis auf morgen verschobenen Patronatsfestes der Ritter feierlich geweiht. Alle ka tholischen Ritterschaften der Stadt werden an der Feier theilnehmen. Um Uhr ist General Communion der Mitglieder und um 10 Uhr solennes Hochamt, vor dessen Beginn die Fah nenweihe stattfindet. Verschiedenes. Auf Anordnung des Cardinals Gibbons wird morgen, Sonntag, in allen Kirchen der Erzdiözese eine Kol lekte erhoben, deren Ertrag für die ka tholische Universität in Washington bestimmt ist. Die jährliche Reunion der „Katho lischen Wohlthätigkeits Legion" wird unter den Auspizien des Maryländer Staats Eonzils am Dienstag, den 18. Mai, in der „Musik Halle" statt finden. Das von dem Staats-Prä sidenten der Legion, Hrn. H. A. Bosse, ernannte Arrangements Comite, aus den HH. Adam Deupert, Vorsitzer, Henry Rosendale, jun., Jos. Lautner, Harry F. Hooper und P. Welsh beste hend, hat die Vorbereitungen für das Fest vollendet. Klein, Bodega, Nr. W. Fanette-Str. Heute und die folgenden Taqe (111,3,6) Maibowle. Hr. W m. F. S t o n e f ü r P o st meister. Der „Republikanische Wm. H. Schilling Verein" hat unter Vorsitz des Präsidenten W. W. Baker, jun., und der Protokollführung des Sekretärs John W. Mitchell eineßeihe Beschlüsse angenommen, worin Herr Wm. F. Stone für das Postamt in dossirt wird. Hr. Stone wird als ein unparteiischer, ehrenhafter Mann be zeichnet, der das Amt als Postmeister in der fähigsten Weise auszufüllen im Stande ist. Die Beschlüsse sind dem Präsidenten McKinley, dem Senator Wellington und demGeneral-Postmei ster Jas. A. Gary übersandt worden. Eine jugendliche Braut. Die 14 Jahre alte Clara Knausf wurde am Donnerstag Abend in der katholischen St. Markus Kirche zu Catonsville durch Vater I. E. Dunn mit Dr. George F. Galloway von Fe deralsburg, Md., zum Bund siir's Le ben vereint. Der junge Ehemann ist acht Jahre älter, als seine Frau. S2.BN nach Philadelphia und zurück. Die „Baltimore Ohio-Eisenbahn" wird am 14. und 15. Mai Exkursions- Billete nachPhiladelphia verkaufen für alle Züge der „blauen Linie," gültig für die Rückfahrt bis zum 17. Mai einschließlich, zu der Rate von H 2.80 für die Rundreise. Die Züge können vom Mt. Royal- oder Camden-Bahn hofe aus benutzt werden. (111-16) wie in eigen? dazu beslnnmleu Auiügeu. Wdurch wir a vir alliailivk ?lnZwalil von gen erinnert werden, welche wir Indien Erster Flur, Anner. Krönt. Ausfällige Müller, bescheidene Müller. Sl,,vio>-!. hübsches gewürselleS Müller wurde denselben soeben theils und .LweaterS und
der ragen dichl am valse und an de --Hullern anschließt; die Nähte, das Futter und das elrganle lkinige Muster und Waaren sind Tic ehrli chen Werthe beziffern sich hoher, Plaib?. spezielle (Gewebe, gewürfelt und gestreift, helle und dunkle Farben, und schwärz. Zweiter Flui, Haupt Gebäude. Krönt. Svezial Attraktionen für beute. 12 Matrosen-,iige, Z bis 7 Jahre; früherer PreiZ tzl, heule kl 'ilt. I? Aniiior-Aniiige, bis 7 Jahre: früherer Preis K!'>>>, heule N, ?i ?>unior-Äjüge, 3 bis 5 Jahre: früherer PreiS 15 e"/er-'Anzüge" '4 bis 7 Jahre: früherer Preis 55 und heute 5I 7-V N Reefer-Annige, 3 und 4 Jahre: früherer PreiZ und tzci 50, heute 9?c. Zwei Partie' für die großen Brüder 4Z lacket- und vostn-Anzüge, 6 bis IL Jahre: wa 27 lange Oasen 'Anzüge 1t bis 18 Jahre: waren tIZ, heute tl" Haupt.Kebäude, Haupt-Flur. westlich. GeZttn's Arme Kall. Baltimore- und (sharlcs-Ttrnßc. L'iien bi? I! hr heute Abend Nus dem Innern Marylands und den angrenzenden Staaten. Unter schwerer Anklage. Andrew W. Baker, welcher in der Nähe von Lisbon, im vierten Distrikt von Howard Countn, eine Farm be trieb, zuletzt jedoch eine Metzgerei hat te, ist auf die Anschuldigung, einen criminellen Angriff auf die achtjähri ge Tochter von Robert L. Tucker ge macht zu haben, verhaftet und vom Friedensrichter Pearre zu Lisbon un ter P2OOO Bürgschaft für das Gerichts verfahren festgehalten worden. Bater ist über 60 Jahre alt. Vereinigte Tanger. Morgen, Tonutaq, Uhr Nachm., Probe in der „Germania Männer chor-Halle." Dirigent Hr. (iie) Eine angenehme Ueber ras ch un g wurde Hrn. Heinrich Weiß, Nr. 1415, Fairmount-Avenue, am Donnerstag Abend von seinen Freunden und Bekannten zu Theil, in dem dieselben erschienen waren, uur ihm zu seinem 57. Geburtstage zu gra tuliren; bei dieser Gelegenheit wurde ihm unter anderen nützlichen Geschen ken eine werthvolle goldene Brille von seinen Freunden überreicht, wofür er in warmen Worten dankte. Erfri schungen wurden sodann fervirt, wobei manches Glas schäumenden Gersten saftes auf das Wohl des Geburtstags kindes getrunken wurde. Der „Eres cent-Mandolin-Club," welcher erschie nen war, trug ebenfalls viel zum Ge lingen des schönen Festes bei. Unter den Gratulanten waren erschienen: Hr. und Frau Lang. Hr. und Frau Acker mann, Hr. und Frau Schmidt, Hr. und Frau List. Frau Huiß. Frl. Emma Lang, Frl. Franziska Lang, Frl. Emma Horn. Frl. Lizzie Heiser. Frl. Therese Kimpel, Frl. Bertha Gimm, die HH. John Ulrich. Christoph Ulrich, Georg Körner, Georg Brunnier, John Gebner vom „Crescent Mandolin- Club," Heinrich Weiß, jun., Wilhelm Weiß. Frau Weiß. Friedrich Lang, Gretchen Lang, Bertha Betz, August Patschke, Wilhelm Lingelbach, Arthur Hildebrand und Andere. Im Interesse einer Cen tennialseicr der Stadt Bal timore. Die Idee, welche vor Kurzem von dem „Deutschen Histori schen Verein" von Maryland angeregt wurde, für eine Centennialfeier der Jncorporation der Stadt Baltimore in diesem Herbst zu wirken, hat sich seit gestern zu einem vorläufigen Plan for mulirt, der mit der Zeit eine feste Ge stalt annehmen dürfte. Das von der „Historischen Gesellschaft" ernannt? Comite, welches beauftragt war, sich zu unterrichten, ob eine Neigung vor handen sei, das Centennial der Stadt Baltimore in irgend einer Weise zu feiern, kam nämlich.gestern Abend in der „Germania-Männerchor-Halle" zu einer Besprechung zusammen, zu der auch andere Herren aus dem deutsch amerikanischen Publikum eingeladen waren. Die Herren tauschten ihre Meinungen über das Projekt in in formeller Weise aus und gelangten, nachdem alte Erinnerungen an die gleichfalls von Deutsch-Amerikanern angeregte Sesqui-Centennialfeier unv an den erfolgreichen „Deutschen Tag" wachgerufen waren, zu demEntschlusse, es dem Comite zu überladen, mit den verschiedenen kaufmännischen und son stigen größeren Vereinigungen der Stadt in Fühlung zu treten und die Angelegenheit mit den Vertretern der selben zu berathen, und falls genügend Entgegenkommen Seitens der Handel swelt Baltimore's gezeigt werden sollte, späterhin eine Versammlung einzube rufen, um eine allgemeine Feier in's Leben zu rufen, an welcher sich auch das Deutschthum, wie stets, hervorra gend betheiligen wird. Bei der gestrigen Besprechung waren anwesend: die HH. Louis P. Hönig hausen, Herm. Hobelmann. Jakob Klein. Henry Lauts, Edw. F. Leyh, Fritz Meyer, Edw. Raine. Robert Ro ther. Ernst Schmeißer und Carl Luc Schönrich. Wegen Mißhandlung verhaftet. John Malone. ein junger Taugenichts, ward gestern vom Polizeirichter Caulk dem Gerichtsver fahren überwiesen, weil er ohne Ver anlassung Hrn. Frank Weigand von Nr. 1309, Haubertstraße, thätlich an griff und schwer mißhandelte. Glückwunsch-Kartrn Geburtstag, sür Ho^ze't. von nnr 5 <sts. an Ä empfiehlt in neuer roßer Auswahl ju billigsten deutsche Juchhaniüun?. H s Park Ave. r-lin.on.Slr,
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Der Deutsche Korrespondent, täglich. chtttch ud Staine, Eigenthümer und Redakteur v U. at). S 7. Jahrgang. Karald oder Olaf? Noman von I. Bernhard. (Nachdruck verboten.) tForlsttzu.) In ihrem parsümirten rauchge schwängerten Zimmer aber lag Leo ni's Mutter zwischen Blumen und Heiligenbildern. Auch sie sah in die Zukunft hinein; aber es waren nur unbestimmte Schattenrisse, die ihr vorschwebten. Das Räucher pulver legt einen Schleier über den Verstand, alles wird in unbestimmte Formen gehüllt und das Gefühls leben wird stark beeinflußt. Leoni war für sie Alles. Wenn sie zu der Mutter Gottes betete, sah sie ihr eigenes Kind sie anlächeln, schöner konnte die Madonna ja nicht sein, gerade so mußte die unbefleckte Jungfrau aussehen. Wenn Nebel und Regenbogen über die Höhen trieben und die große, weitgestreckte Landschaft in ihrer strengen Ein förmigkeit vor ihr lag, dann schloß sie ihre Augen, warf mehr Räucher pulver in die Schaale und sah dann nur die Bilder, welche ihre Einbil dungskraft hervorzauberte. Denn diese gehörten einem warmen, son ichzen Lande an, in welchem die Ka thedralen emporragen und Lobge sänge unter den mächtigen Bogen brausen, wo Straßen und Märkte von Menschen wimmeln, während der Vornehme auf seinem Balkon unter den schützenden Jalousien ruht und auf das bewegte Leben hinabschaut. Leoni wollte sie einst mals in dies Land führen, wo sie Beide zu Hause gehörten. Wie sie es machen würden, wußte sie nicht, dachte auch nicht näher darüber nach. Harald sollte sie das wünschte sie begleiten. Wenn Leoni nun aber den Anderen vor zog? Als Leoni frisch und blühend von ihrem Morgenritt heimkehrte, legte die Mutter ihr Haupt gegen die Wange der Tochter. „Welcher von den Brüdern gefällt Dir am besten?" Leoni sah die Mutter verwundert an. „Von wem sprichst Du, Mama?" „Von den jungen Herren auf Högholm." Leoni sah ihre Mutter vergnügt an. Dann schaute sie zum Fenster hinaus. Sie warf den Kopf lä chelnd etwas zurück und sagte: „Derjenige, welcher Herr auf Hög holm wird." 3. Kapitel. In der Schenkstube war ein fürchterlicher Qualm. Der „Jung frauentabak" füllte den niedrigen Raum mit mächtigen Rauchsäulen, die aus den Pfeifen zu der schweren Balkendecke emporwirbelten, um sich dann als dicke, sette Masse langsam niederzusenken, Zoll für Zoll, bis Alles und Alle in die heiße Atmo sphäre eingehüllt waren. Dieser fettige Rauch machte das Haar kleb rig und röthete die Augen. Es verursachte im Halse ein Gesühl, als würde in demselben ein Reibei sen auf- und niedergezogen. Aber es war, wie gesagt, auch der echte „Jungfrauentabak," der hier ge raucht wurde. Er bildete ein Uni versalmittel, das der Bauer sowohl für sich, wie für sein Vieh brauchte. Man rauchte, schnupfte und kaute diesen Tabak, wusch das Vieh mit demselben, um Räude und Wanzen zu vertreiben. Der „Jungfrauentabak" und die Wunderessenz waren die täglichen Medikamente, u. es mußte schlimm kommen, bevor der Doktor gerufen wurde. Wozu sollte man ihn da für bezahlen, daß er dem Apotheker zu verdienen gab? Die Aufforderung zur Versamm lung war von Marius ausgegan gen. Herr Berg hatte ihm mitge theilt, daß der Reichstag voraus sichtlich bald aufgelöst würde, des wegen müsse man sich rechtzeitig auf eine Neuwahl vorbereiten. Wenn man die dampfende Ver sammlung betrachtete, konnte man sich nicht denken, daß dies Politiker waren, die sich hier versammelten. Wortkarg und zugeknöpft faß. jeder mit seiner Pfeife da und dampfte so gut er konnte. Ein äußeres Zei chen von Interesse war nicht bemerk- IM SmmMmjMümt. bar, die verehrten Redner kramten ihre ganze Gelehrsamkeit aus, ohne jedoch diesen Aristokraten in Holzschuhen eine einzige Beifallsäußerung ablocken, zu können. Für wen stimmten sie denn eigent lich? Für den herablassenden Baron, den doppelzüngigen Schneider, den so liden Simon Haek oder den einfälti gen Jakob? Der Baron hatte von vornherein versichert, daß sie alle Bauern seien, u. ein gemeinsames Interesse die Landwirthschaft sie mit einander verbände. „Er würde immer wie ein Bauer stimmen." Kein Beifall. Der Doktor fand es natürlich, daß man den Baron wähle. Es sei eine Ehre für den Kreis durch einen Mann wie Baron Högh vertreten zu sein. Der Probst empfahl den Baron. Er sei wie geschaffen für diesen Kreis. Die großen und kleinen Besitzer müß ten zusammenhalten. Der Baron dankte dem Seelsorger, wie dem Doktor, die Beide sich viele Jahre bewährt hätten. Es sei eine große Ehre für ihn, von solchen Män nern empfohlen zu werden.' Der Förster empfahl gleichfalls den Baron. Er wäre oft mit dem Baron zusammen auf der Jagd gewesen und könne bestätigen, daß er ein ebenso gu ter Schütze, wie amüsanter Gesell schafter sei. Dann fing er an, einige Anekdoten von dem Baron zum Besten zu geben, doch wurde er hierbei von Marius' Glocke unterbrochen. Ma rius machte darauf aufmerksam, daß hier eine politische Versammlung sei und daß Jagdgeschichten hier nicht am Platze wären. Simon Haek erklärte, daß er sich aufstellen lassen wolle. Es sei doch ein großer Unterschied zwischen ihm und dem Baron. Er meinte, Jeder könne ja wählen, wen er wolle. Darauf entstand eine peinliche Pause. Marius wollte sich selbst durchaus nicht empfehlen. Er meinte, daß so wohl der Baron, wie Simon Haek und der jetzige Abgeordnete mehr Er sahrungen hätten, als er selbst. Er sei ja noch ziemlich jung und Neuling in der Politik. Leider müsse er aber gestehen, daß bei ihnen Allen noch nicht unbedenkliche „Verkaufsfehler" vor handen seien. Und dann begann er, die Candidaten einzeln niederzurei ßen, allerdings immer mit einer Men ge Entschuldigungen und mit der Re serve, daß er sich ja auch irren könne. Fast alle Zuhörer aber fanden, daß er durchaus nicht fehlgegriffen habe. Nur der Probst und der Lieutenant ärgerten sich über eine Frechheit. Als Marius merkte, daß sein Ba rometer im Steigen war Zurufe aus der Versammlung bestätigten es ihm da beschloß er. sich mit Jedem einzeln zu unterhalten. „Hätte Sören Seiersen nicht Recht, wenn er sagte: Das ist natürlich so, wie Karl Christensen meinte?" Sören Seiersen und Karl Chri stensen, zwei reiche Hofbesitzer, lächel ten stolz. „Und ist es nicht merkwürdig, daß das Ministerium nicht sehen kann, was jeder Bauer seit Jahren gewußt hat? Hat Peter Petersen uns nicht seit langen Jahren gepredigt, daß wir gute Stammthiere haben müssen, um unsere Pferde- und Hornvieh-Rasse zu conferviren?" So bekam jeder Bauer sein Theil, und nachdem er sein Lob nach links und rechts ausgestreut hatte, ging es auf das Ministerium los. Der Sieg aber war gewonnen. Er hatte die Wähler davon überzeugt, daß Marius ein gefährlicher Gegner sei. Ihn mußten sie in den Reichstag wählen, dann konnten sie durchsetzen, was sie wollten. Er würde schon Al les besorgen. Simon Haek war rasend; aller An deren hatte Marius Erwähnung ge than, Jeden mit einer guten Idee de korirt, nur ihn, den Gemeindevorste her, der, wenn es darauf ankam, doch der Tüchtigste von Allen war, hatte der Esel völlig übergangen. Und dieser Hanswurst wollte seine Tochter haben!' Nein, das war denn doch zu toll! Marius aber ließ nicht nach. Ganz harmlos lud er seinen zukünftigen Schwiegervater zu einem GlasePunsch ein. und da die übrigen großenßauern gleichfalls an sie ergangene Einla- Baltimore, Md., Samstag, de 15. Mai 1897. Dung angenommen hatten, fand Si mon es nicht für gerathen, den Knecht mit den Hinderen allein bleiben zu las sen. Inzwischen hatte Olaf den Lieu tenant und den Förster zu einem war men Abendessen im Honoratiorenzim mer eingeladen. Der Baron, den er auch gebeten, hatte sich wegen dringen der Geschäfte entschuldigt. Der ei gentliche Grund aber war, daß er sich fürchtete, die Wähler dadurch zu ver letzen. daß er sich in ein anderes Zim .mer setzte und besser aß, als sie. Und in der Schenkstube zusammen mit Marius zu bleiben, dazu konnte er sich doch nicht bequemen. Er gab daher mit seinen kleinen, grauen Augen dem Probst und dem Doktor einen Wink, diese verstanden das Signal und fuhren mit ihm zu einem soliden Whist nach Sandager. Marius wurde mehr und mehr mit theilsam, und nach und nach entschloß sich Simon Haek, der dem Punsch ziemlich stark zusprach, zu einem Ent gegenkommen. Der verschlagene Ma rius kam dann mit seinen Vorschlägen heraus. Er wollte sich im letzten Au genblick von der Wahl zurückziehen und damit die Stimmen in Simon's Hände spielen, natürlich nur unter der Bedingung, daß Simon ihm seine Tochter gäbe und ihm Kristen Linde halle's Hos, der gerade verkäuflich war, schenke. Diese heimlichen Unterhandlungen zwischen den Beiden wurden auf dem Heimwege fortgesetzt. Die Eitelkeit war Simon in das Blut geschossen, er sah auf den Schneiderjungen hinab. Wenn ihm aber dadurch die Wahl sicher wurde und er über diesen hohen Freiherrn triumphiren konnte? Von dem einfältigen Jakob wollte er gar nicht sprechen. Der starrköpfige Simon kämpfte einen schweren Kamps. Es war und blieb doch ein Skandal, daß seines Tochter diesen Schneidersohn Heira then sollte. Die Haare standen ihm bei diesem Gedanken förmlich zu Ber-j ge, und geringschätzig warf er dem eifrig Redenden verstohlene Blicke zu. Marius ließ sich aber nicht stören. Er redete ungenirt weiter, und als sie Simon's Hof erreicht hatten, sagte dieser Ja. Mit Noth und Mühe bezwang Ma rius seine Freude; als das Thor hin ter Simon geschlossen war, jubelte er laut auf: „Dich hätte ich gefangen. Habe ich erst den Hof an das Mädchen er nicht dann werde ich mich das nächste Mal zur Wahl stellen. Das kann mir Niemand verbieten." Im Honoratiorenzimmer saßen Herr von Mehren Und der Förster Prahl und ließen sich von dem jun gen Herrn traktiren. Es war offenbar Olaf's Absicht, sie Beide betrunken zu machen. Den gan zen Sommer hindurch hatte er sich im Walde herum getrieben und verschie dene Versuche gemacht, bei dem Förster einzudringen. Wie ein wahrer Cer berus bewachte aber der Lieutenant den Forsthof und regelmäßig wurde er abgewiesen. Prahl's Nichte war es, auf die er ein Auge geworfen. Die selbe war noch nicht lange auf dem Forsthofe. Sie hielt sich dort auf, um die Wirthschaft zu erlernen. Der Lieutenant wußte wohl, daß Olaf keine ernsten Absichten habe und daß ihm das Mädchen nur gut genug schien, um sich die Zeit zu vertreiben. Er hatte sich dies schon in jener Nacht klar gemacht, als sie ihm in Olaf's Gegenwart die Thür geöffnet hatte. Der Lieutenant hatte sich den ganzen Sommer hindurch so leidlich nüchtern gehalten. Im Krug hatte er sich nicht wieder sehen lassen und darauf war er sehr stolz. Heute konnte er sich desGe fühls nicht erwehren, daß Olaf ihn und den Förster unschädlich machen wollte. Deshalb hatte er auch die Ei nladung nicht sofort angenommen. Der nichts ahnende Förster wollte aber nicht nach Hause. Sollte er ihm allein alle die Herrlichkeiten überlassen? Er gelobte sich von einem Glas zum ande ren, nicht mehr zu trinken. Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Dem ersten Glase folgte ein zweites, dem zweiten ein drittes, dem dritten ein viertes, und viele mehr. Herr von Mehren machte die verzweifelnden Anstrengungen, Maß zu halten. Der Förster aber ermunterte ihn, und sein „Todfeind" führte ihn in Versuchung., Er war fest davon überzeugt, daß er nicht betrunken war, obgleich der Mund lallte, die Augen glänzten und die Wangen glühten, während das eine Glas nach dem anderen verschwand. „Du mußt Dich in Acht nehmen, Henrik." Der Lieutenant nannte den jüngeren Förster immer bei'm Vorna men. „Du mußt Dich vor dem Mephi sto hüten!" „Vor dem Mephisto? Mephisto ist ja ein Hühnerhund," antwortete der Förster. Der Lieutenant seufzte laut, rollte mit den Augen und schielte entsetzt nach der Seite, an welcher Olaf saß. „Unsinn," sagte er, „Du glaubst, A lles drehe sich um Hunde und Jagd." „Das thut es auch, alle Menschen jagen, jeder auf seine Art," lachte jetzt Prahl, „der eine nach Reichthum, der andere nach Mädchen, das ganze Leben ist eine Treibjagd, die erst mit dem To de endet! Habe ich nicht Recht, Herr Hjersing?" Olaf bezigte dem braven Förster seinen unbedingten Respekt. „Sehr bequem für den Jäger," sagte der Lieutenant feierlich und fixirte Olaf mit einem scharfen Blick. „Zum Kuckuck, mein alter Freund, Sie wollen da doch nicht das Wild sein," rief Olaf herausfordernd. Der Lieutenant wurde ganz ver blüfft. Sollte sein Don Juan ihn wirklich fordern wollen? „Ich trinke nicht mehr." sagte er. „Komm', Henrik, wir wollen nach Hause. „Dann ein Glas zum Abschied," sagte Olaf. „Prosit!" Der Lieutenant konnte nicht wider stehen. er mußte den heißen Wein Pro biren, der eingeschenkt war. „Potz Wetter, wo hat die Wirthin nur diesen Wein her?" fragte er und schnalzte mit der Zunge. „Der Wein ist von Högholm," ent gegnete Olaf. „Ich nahm ihn mit, da ich hoffte, Sie zu treffen!" „Hm," seufzte der Lieutenant und sah verzweifelt nach der Flasche hin über. Es war klar, daß Olaf ihn für heute unschädlich machen wollte. „Ein Glas noch?" „Ich trinke nicht mehr," sagte er mit verzweifeltem Muth. „Ein Glas noch?" „Nein, gewiß nicht." „Nun, dann nicht," sagte Olaf und schenkte das halb leere Glas voll. Der Lieutenant stieß in Verzweif lung den Förster in den Nacken. „Du Esel, Du! Du weißt nichts! Die ganze Last ruht auf mir!" „Ja, Sie haben es schwer," lachte Prahl. „Er hat den ganzen Sommer hindurch Küken und Gänse gehütet!" Der Lieutenant seufzte; keiner, selbst nicht der eigene Onkel ahnte, daß er die junge Taube vor dem Ha bicht gehütet habe, und daß die Sorg falt, die er auf die Küken und Gänse verwandte, nur den Feind irre führen sollte. Plötzlich wurde ih. weich um's Herz, er verachtete diesen staarblinden Onkel und wandte sich, von allen war men Gefühlen gehoben, an seinen Geg ner. „Olaf Herr Hjersing wir sind Freunde?" „Können Sie daran zweifeln, Herr von Mehren?" „Sie waren ehemals ein prächtiger Junge!" „Das war damals, wie ich noch klein war." „Richtig! Schön, bezaubernd schön und unschuldig!" „Ja, früher natürlich." „Und Sie nehmen auch noch heute Raison an, nicht wahr. Olaf? Ich darf wohl wieder Olaf sagen, wie in den alten Tagen?" Der Lieutenant schielte nach dem Glas. „Nun sind wir Beide erwachsen," sagte Olaf, „wollen wir zusammen ein Glas als Kameraden trinken?" Die Rührung des Lieutenants hatte ihren Höhepunkt erreicht. Also auch Olaf war sein treuer Kamerad geblie ben. Ein flinker Junge. Eigentlich hatte er ihn immer bewundert. Also Harald und Olaf, alle Beide hatten sie ihm ihre Freundschaft bewahrt. Das machte ihn stolz und glücklich. Vertraulich rückte er Olaf heran. All' die Angst und Sorgen, die seine Seele den ganzen Sommer erfüllt hatten, vertraute er.ihm an. Olaf versicherte, daß er an dasMäd- !chen gar nicht denke; er solle sich keine unnöthigen Sorgen machen. „Was ist das für ein ewiges Flü stern und Zischeln dort?" unterbrach sie der Förster. „Und von welchem Mädchen sprechen Sie denn da?" „Von Deinem," entgegnete der Lieutenant mit Pathos. „Unsinn," lallte der Förster. Der Lieutenant warf seinem Haus genossen einen vernichtenden Blick zu, würdigte ihn aber im Uebrigen keiner Antwort. Olaf überlegte die Situation. Sollte er sich für eine energische Verfolgung seines Planes entscheiden? Die Ver hältnisse lagen günstig, die Beiden wa ren tüchtig betrunken, und er brauchte nur damit fortzufahren, ihnen weiter einzuschenken. Er drehte die feinen Schnurrbart spitzen. „Wie denken die Herren über ein Gläschen Champagner und eine frische Jmportirte?" fragte er langsam und mit berechnetem Nachdruck. „Havanna!" schnalzte der Förster. „Champagner," seufzte der Lieute nant. „Ist das so traurig?" fragte Olaf mit seinem verbindlichsten Lächeln. „Mein Lieber, in diesem verwünsch ten Krug bekommt man nur Citronen wasser," versicherte von Mehren. „Hier, nein, wir gehen nach Hög holm!" Der Lieutenant sprang auf. Ein unbestimmtes Gefühl sagte ihm, daß jetzt die Gefahr sich nahe. Aber Olaf sah so ruhig, leidenschaftslos und un interessirt aus, wie er den Blick halb verschleiert über das Halbdunkel der Schenkstube gleiten ließ. Nach Högholm. Der Hof lag ja nach Osten, der Wald mit der Prinzeß aber nach Westen. Dann entfernten sie sich ja von ihr. Also konnte unmöglich Ge fahr vorhanden sein. „Aber die Frau Kammerräthin?" fragte er. „Hat Nichts mit meiner Gesellschaft zu thun," warf Olaf hin. „Wir steigen im Hohlwege ab, gehen ein paar Schritte über die Wiese und schleichen uns über die Planke. Mor gen ahnt Keiner, daß Högholm wäh rend der Nacht Gäste gehabt hat." Dies mystische Kommen und Ver schwinden gefiel in hohem Grade dem romantischen Sinn des Lieutenants, u. außerdem machte es ihm gewisserma ßen Vergnügen, der allzu pedantischen Kammerräthin einen kleinen Streich spielen zu können. Er war entzückt über die Idee. Der Förster war etwas zweifelhaft. Es war vielleicht doch nicht ganz rich tig, daß er mitging. Die Kammerrä thin war ja seine Herrschaft, der junge Herr war es ja allerdings auch, und dann die famosen Havanna-Cigarren. Nein, die Versuchung war zu groß. Der Förster war ein richtiger Jüt länder, vorsichtig und überlegend, im mer nur auf sich bedacht. Olaf bezahlte und ließ den Wagen vorfahren. Es war beinahe Mitter nacht. Der Krüger dankte für die Ehre, die Herr Hjersing der Lieute nant und derFörfter wurden übersehen ihm durch seine Anwesenheit erwie sen hatte. Olaf würdigte ihn keiner Antwort. Schnaubend und stampfend warfen die Pferde die Köpfe auf und nieder, der Schaum flog mit dem Nachtwinde über den Wagen. Vorwärts ging es, der Wiese zu. „Du sagst kein Wort." sagte Olaf, an den Kutscher gew. ndt. „fragt man, so antwortest Du, daß ich den Herrn Lieutenant nach Hause begleitet habe." Der Kutscher nickte. Er verstand den jungen Herrn besser und besser. So ein paar Kronen für jede Ausfahrt machten bald den halbjährigen Lohn aus. Diskrete Dienstboten sind noch bil lig in Jütland. Mit Mühe brachte der Erbe von Högholm seine Gäste über die schwan kende Planke, er bugsirte den einen nach dem andern, und lautlos schlichen sie sich alle Drei nach seinen Zimmern hinauf. Bald waren die kleinen Fen ster in den dicken Mauern von dichten Jalousien bedeckt, kein Lichtstrahl konnte hinausdringen und das nächt liche Gelage verrathen. Der Lieute nant und derFörfter fühlten sich in die sen gemüthlichen Räumen sehr wohl. Vreis des Aonnlagö-Torrtlpondtnlei! pro la!r. Wö-btnNlch utgad mit Sonnteqtblat Sl> nach dem Ja- und nach dem Auslands Tägliche Ausgabt mir Tvnntogtdlatt t7.SV v, Jahr. Nr. 11. Das Zimmer war a la Makart geord net. Keiner von ihnen hatte früher ein solches Arrangement gesehen. Der gute Förster glaubte sich nach China oder Japan versetzt. Der phantasie reiche Lieutenant träumte sich in dem Heim einer Pariser Schönen. So hatte er sich stets einen Pariser Salon ge dacht. Beide waren sie in ziemlich bedenk licher Verfassung, und wurden es noch mehr, als Olaf Ale und Champagner zusammengoß und ihnen diese Mi schung in großen Bierkrügen vorsetzte. Der Förster fiel zuerst ab. Der Lieutenant hielt sich tapfer. Noch schlummerte in ihm ein schwacher Ver dacht, noch hatte er eine Vorstellung von einem Versprechen, was er sich selbst gegeben hatte. Alle Conturen aber verloren sich in das Unbestimmte, und er sah, wie Olaf sich erhob und die Lichter löschte. Dann wurde die Thür geöffnet, und ein kalter Luftstrom strömte ihm vom Corridor entgegen. Der Lieutenant athmete tief. Er wollte sich aufraffen und alle seine Kräfte sammeln, um Olaf festzuhalten. Die kalte Luft aber hatte die entgegenge setzte Wirkung, und mit einem lallen den und stöhnenden „Schurke, willst Du sie zufrieden lassen," sank er, vom Rausche übermannt, zu Boden. Am nächsten Morgen rüttelte der Kutscher die Beiden aus dem Schlafe auf. „Der junge Herr läßt Sie bitten, unbemerkt den Hof zu verlassen. Sie kennen ja den Weg, und die Kammer räthin ist gerade auf dem Vorwerk." Beschämt schlichen sich Beide über die Planke. Keiner von ihnen sagte ein Wort. Als sie das Forsthaus er reicht hatten, gingen sie mit einem trockenen, heiseren „Guten Morgen" auf ihre Zimmer. 6. Kapitel. Der Reichstag war richtig aufgelöst worden. Man hatte sich über Nichts einigen können. Der Probst war rasend über den Geist des Ungehorsams, der über das Volk gekommen war. „Der hochselige König würde sich ja in seinem Grabe umwenden, wenn er alles Dies sähe." Ueber Niemanden ärgerte er sich aber so sehr, wie über den Schneider sohn! Dieser aufgeweckte Knabe, den er in der Schule förmlich verzogen hatte, war nicht der flinke Handwer ker geworden, mit dem er die Gemeinde zu bereichern gehofft; er war ein Esel, der sich auf Ägitationsreifen herum trieb, aufrührerische Artikel schrieb und keinen Respekt vor der Obrigkeit hatte. Während der Probst hierüber nach dachte, wurde an seine Thür geklopft. Ein donnerndes „Herein," und Ma rius erschien in der halb geöffneten Thür. Ein süßliches Lächeln um spielte seinen Mund, und demüthig sagte er: „Ich störe den Herrn Probst wohl nicht?" Der Probst brummte etwas Unver ständliches in den Bart und setzte seine Spaziertour im Zimmer fort. Hier hatte er ja den Schlingel, aus den er so wüthend war, und nun stand der Mensch so still und bescheiden vor ihm. Wahrscheinlich erwies er auch nur ihm, dem Probst, diesen Respekt. Ja, ja, die Leute der alten Schule besaßen doch noch Autorität. „Was willst Du, Marius?" fragte der Probst endlich in einem ziemlich gutmüthigen Tone. „Mich verheirathen," entgegnete Marius schließlich, sich bescheiden an der Thür haltend. Der Probst maß ihn mit einem lan gen Blick, während seine kalten blauen Augen voll Verwunderung unter den buschigen Brauen Hervorschossen; das mit dem Heirathen hätte er nun am allerwenigsten erwartet. „Du willst Dich verheirathen?" „Ja, wenn Sie Nichts dagegen ha ben, Herr Probst." Eine lange Predigt über das viel zu frühe Heirathen der Jugend und die daraus entstehende Armenlast der Gemeinde war die Antwort. „Wenn man nun aber liebt?" sagte Marius mit heuchlerischer Miene. „Das hast Du gar nicht nöthig. Such' Dir eine ordentliche nützliche Arbeit. Dann vergißt Du diese Dummheiten ganz von selbst." Das wollte Marius nun nicht. Der Probst wurde böse. Doch da begann
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2 Marius und hielt eine lange Rede, in der er den Probst, Simon Haek, seine Heirathspläne und den Reichstag durch einander rührte, daß seinem Zu hörer förmlich schwindelig wurde. „Was stehst Du da und redest für dummes Zeug?" sagte der Probst. Vorsichtig und behende entwickelte Marius dann seine Pläne. Er meinte, der Handel könne unmöglich fehlschla gen, wenn der Probst nur helfen wollte. Er fei doch sein alter Lehrer, und er selbst sei doch immer ein or dentlicher Mensch gewesen. „Ja, das warst Du," brummte der Probst, „jetzt aber bist Du ein Schlin gel, ein Windhund, ein Aufrührer!" Marius verhieß Besserung; er wollte sich nicht mehr mit Politik ab geben, sagte er durchtrieben. Der Probst schaute ihn mißtrauisch an und erbat sich eine nähere Erklä rung. Im Vertrauen erzählte Marius ihm von dem Handel, den er mit Si mon Haek abgeschlossen hatte. „Ich verstehe aber nicht, worin ich Dir eigentlich helfen soll. Marius?" Marius machte verzweifelte An strengungen, seine Meinung zu um schreiben. „Ja, sehen Sie," sagte er schließ lich, „es können ja trotzdem Stimmen fehlen und des Doktors, des Försters und des Lieutenants „Was sagst Du da?" „Alle Stimmen der Feinen. Sie sind ja nicht für mich," beeilte er sich sobald er einen .un heimlichen Blick in den Augen des Probstes erblickte, „sondern alle zu sammen nur für meinen Schwieger vater." Weiter kam er nicht. Der Probst hatte in einem Nu die Thür zum Eor ridor verriegelt und suchte mit der Hand hinter seiner großen Bornhol mer Uhr. Dort hatte das spanische Rohr viele Jahre hindurch seinen Platz gehabt. Marius wollte seinen eigenen Au gen nicht trauen. Da kam er wirklich mit dem Rohr. „Sie wollen mich doch nicht schla gen, Herr Probst?" „Jawohl, mein Sohn, für Dich sind Prügel die reine Wohlthat!" Und lustig tanzte das spanische Rohr auf dem Rücken des angehenden Gesetzgebers. „Ich schlage wieder, ich schlage wie der!" „Das wirst Du Wohl sein lassen, Du Schlingel. Du hast ja keine Kräfte." Und das spanische Rohr fiel gleich mäßig und sicher, während Marius sich vergebens zu wehren suchte. Der große, schwere Probst hatte Arme von Eisen und Muskeln von Stahl. Prügel hätte ich Dir schon längst geben sollen. Leider habe ich es versäumt. Jetzt, hoffe ich, wirst Du es mir nicht übel nehmen, daß es so lange gedauert hat." Marius kochte vor Wuth. Er wollte sich aber nicht lächerlich machen und deshalb schwieg er. „Warten Sie nur, bis ich in den Reichstag komme," hatte er gestöhnt. Der Probst antwortete nicht, son dern öffnete die Thür mit einer be zeichnenden Handbewegung. Draußen stand die Mamsell Hjort, seine Haushälterin, und lauschte. Sie war sichtlich erstaunt, daß die Bestra fung ein so schnelles Ende fand. Ei ligst entfernte sie sich, um aller Welt zu erzählen, wie es dem Schneidersohn ergangen war. Die Neuigkeit verbreitete sich rasch über Dorf und Umgegend. Marius leugnete aber hartnäckig. Er behaup tete, das Gerede sei von seinen Fein den aufgebracht, um ihm in den Au gen der Wähler zu schaden. Frau Hjersing stieg gerade aus ih rem alterthümlichen, schmalspurigen Holsteiner, als Marius blutroth vor Wuth und Raserei aus dem Pfarrhof heraus kam. Er sah weder zur Rech ten, noch zur Linken, sondern setzte seine Flucht über den Hof fort und zum Thor hinaus. Hier wandte er sich drohend gegen das Pfarrhaus und die Kammerräthin fing den wüthen den Blick auf, den er der Studierstube zuwarf. „Mir schien, als sähe unser zukünf tiger Abgeordneter etwas gestört aus," sagte sie zum Probst, der heraus geeilt war, sobald er des Wagens an sichtig wurde, „er ist doch nicht böse auf Sie, Herr Probst. Sonst nehmen Sie sich in Acht, denn Marius ist ja ein ganz gefährlicher Mensch gewor den." „Ich habe ihm nur ein wenig den Text gelesen," antwortete der Probst. „Im Uebrigen sind wir gute Freun de." Es lag diesmal etwas Gezwunge- nes im Wesen der Kammerräthin. Sie sing mit einigen Bemerkungen an, verließ aber bald das begonnene The ma, um nach etwas Anderem zu fra gen. Der Probst überlegte, was es wohl sein möchte, das seine vieljährige Freundin so aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Schließlich steuerte sie gerade auf's Ziel los. Ohne Um schweife berichtete sie von Olaf's Ex travaganzen. Dann erzählte sie von ihrem Besuch bei dem Baron, dem nächtlichen Gelage mit dem Lieutenant und dem Förster und schloß schließlich mit dem Entschluß, daß Olaf sich ent weder verloben verreisen müsse. „Also auch auf dem Hofe macht er seine Streiche?" fragte der Probst verwundert. Die Kammerräthin sah ihrem alten Freunde fest in die Augen. Sie stand als die Anklägerin ihres Sohnes da. Aber es half nicht. „Ja, auch auf dem Hof." sagte sie feierlich, „er hat vor Nichts Achtung, nicht einmal vor seiner eigenen Mut ter. Lange genug habe ich die Augen geschlossen und den Muud aehaltcn. Jetzt spricht man aber schon in der ganzen Umgegend von seinem Leicht sinn." „Na, na, so schlimm ist es denn, doch wohl nicht," meinte der Probst, „und dann ist er ja auch erst zweiundzwan zig Jahre." „Alt genug, um zu wissen, was er mir schuldig ist," entgegnete sie mit zu rückgedrängtem Unwillen. „Sie dür fen mich nicht im Stich lassen," fügte sie hinzu und trocknete einige Thränen. „Aber warum wollen Sie ihn mit der Tochter desßarons verheirathen?" fragte er. während er seine Spazier tour fortsetzte. „Nun, weil er auch ihr nachläuft," sagte sie. „und weil ich eine Heirath für seine einzige Rettung ansehe. Da er sich nun einmal für sie interessirt, ist es ja auch vernünftig, an sie zu denken." „Hm, ich glaubte, daß Harald sagte der Probst. „Ja, Harald schwärmt allerdings sür sie," sagte Frau Hjersing. >„oder richtiger gesagt, ich weiß, daß er sie liebt. Hier aber muß er seinem Bru der weichen." „Aber wenn er nun nicht will, oder richtiger gesagt, wenn die Baroneß nun Harald vorzieht?" „-So fügt er sich seiner Mutter und läßt sie Olaf behalten. Glauben Sie mir, ich kenneHarald, er ist ein Mann." „Sie meinen also, daß Olaf Die Kammerräthin zuckte die Ach seln. „Eigentlich wäre es mir am Lieb sten, wenn der Baron ganz aus dem Spiel wäre," sagte sie, „Das genirt mich und kostet mich viel Geld." Sie sagte Das, indem sie die Schultern zog und ein höhnischer Zug ihre Lippen umspielte. „Leoni ist ja aber hübsch und sehr klug, und kann diese Verbin dung meinen Sohn retten, so werde ich mich darin finden und den B°aron mit in den Kauf nehmen." „Und deswegen wünschten Sie mich zu sprechen?" fragte der Probst. „Ja, deswegen." Das Antlitz des Probstes klärte sich. Er empfahl sehr dringend, den Versuch zu machen. Wenn er nun aber mißglückte? Der Gedankengang des Probstes wurde verwirrt. „Will Leoni nicht?" fragte er halb betreten. „Da ist gewiß Niemand, der um ihre Ansicht fragt," sagte Frau Hjer sing hart, „wenn ich nur will, so küßt der Baron gern die Hand. Högholm ist ein fetter Bissen für einen halb ver hungerten Cavalier, und die Baroneß scheint mir keinen eigenen Willen zu haben. Und sie wird sich wesentlich besser auf Högholm fühlen, als auf Sandager." Der Probst stellte einige Betrachtun gen darüber an, daß es nicht nothwen dig sei, die Eltern mitzunehmen. Frau Hjersing aber zog von Neuem die Schultern. „Giebt man dem Teufel den kleinen Finger, so nimmt er die ganze Hand," sagte sie, „es nützt Nichts, die Dinge anders anzusehen, als sie es wirklich sind." „Gott behüte mich," rief der Probst in größtem Erstaunen. „Wenn Sie Alles für Olaf opfern wollen, was kann dann mißglücken?" Frau Hjersing sah mit einem leich ten Kopfschütteln den verwunderten Prediger an. Sie hatte stets seine Ue berlegenheit ihr gegenüber gefühlt. Heute fühlte sie sie doppelt. „Was mißglücken kann? Högholm und zweier Menschen Glück stehen auf dem Spiel. Vergessen Sie Das nicht!" „Sie meinen, daß Olaf vielleicht sein altes Leben fortsetzen wird?" Sie nickte bekräftigend. „Das wäre allerdings schlimm. Aber dann müssen Sie den Hof wieder nehmen." „Und Harald?" „.Harald?" „Kann ich auch ihm sein Glück wie der geben, wenn Leoni Olaf's Gattin geworden ist?" Der Probst verlor den letzten Halt. Es war ja klar, daß hier viel auf dem Spiel stand. Jetzt wußte er nur ein Mittel, und dieses wurde in deij Ge meinde gegen die Burschen angewandt, die nicht zu regieren waren. Halb in Gutem, halb in Bösem wurden sie nach Amerika gebracht. Dann war man sie los. Frau Hjersing errieth seine Ge danken. Deshalb sagte sie: „KommenSie nur nicht mit Dumm heiten, Probst, meinen Sohn kann ich nicht wie einen Knecht fortsenden. Will er nach Kopenhagen reisen und seine Studien fortsetzen, so wär' Das ja das Beste. Das will er ja aber nicht. Ich habe mit ihm vergebens deshalb gesprochen. Ihn nach Amerika zu sen den geht auch nicht. Es würde Das einen Skandal geben und es würde in den Mund der Leute kommen." Die Berathung verlief ohne Erfolg. Wenn man zu keinem endgültigen Be schluß kommen kann, ist es besser, bis zum nächsten Tage zu warten. Dar über wurden die Beiden sich stillschwei gend einig. Der Probst schlief während der Nacht schlecht. Er war aus seiner täg lichen Ruhe aufgerüttelt; Marius und die Kammerräthin hatten ihn DaT'ge gelehrt. Seine Autorität war gebro chen, und hiervon hatte er doch seit vie len Jahren gelebt! Frau Hjersing ging diese Nacht gar nicht zu Bett. (Fortsetzung folgt.) stine Urberraschung. (Münchener Gerichtsverhandlung.? Der Billeteur Georg Z., ein gebore ner Auer, bereits in Mitte der vierziger Jahre, ist eine jener Persönlichkeiten, von denen man sagt: „daß sie nie mehr gescheidt werden," ein Mann mit zwei felhaftem Einkommen und unzweifel haften Schulden. Er lebt von der Hand zum Mund und beherzigt das Sprüch wort: „Holt's der Gott gibt's wieder!" Diesmal war er zur Abwechslung einmal der Berufsbelei digung angeschuldigt, weil er einem Beamten auf öffentlicher Straße nicht nur erfolgreich Widerstand geleistet, sondern auch durch verschiedene Aus drücke, wie solche am rechten Jsarufer wie Piltze aus dem Boden wachsen, be leidigt hatte. Richter: „Sie kommen in neuester Zeit wieder recht häufig zu uns, und es scheint, daß Sie wieder einmal tüch tig hineingelegt zu werden bedürfen, um Ihren Uebermuth zügein zu kön nen. Wie kam es denn diesmal zu dem Straßen-Skandal mit Ihnen, wobei sich mehr, als hundert Personen ange sammelt hatten?" Angeklagter: „Aber so g'fährlich war's net, Herr Staatsanwalt! I hab nur 's Gfrett und wenn i an Mensch'n a krumps Zwanz'gerl schuldig bin und kann net auf d'Stund zahl'n, nacher ist's ärger, als wenn der Staat Italien oder die ganze Türkei verkrach'n thät. Da hab i zum Beispiel drei so g'sähr liche Gläubiger, die mir's ganze Leben z'wider macha. Der erste is mein Hausherr, a netterMensch sag i Eahna. Wenn der Erste kimmt, dann steht er von Früah bis Mittags auf der Lauer, damit die paar Zinsgrosch'n net in an Andern seiner Tasch'n warm werden. Da geht er auf und ab, betrachtet fein' Stoanerkalup'n und wenn a Inwoh ner kimmt, nacher hoaßt's: „Guet'n Morg'n, Herr Josefpepperl! Wollen S' zu mir? OHausfrau is scho' drin net zum Quittir'n." Der Andere schüt telt 'n Kopf, dann geht's aus'n andern Ton! „Hoffentlich ham S' die paar Markl bei anander! Dösmal kann i koan Tag länger warten! Moana S' i zahl Verzugszinsen auf der Bank? Und was nur die Steuer ausmacht, die Umlag, der Wasserzins, d'Reparaturen etcedera und so weiter, da habt Ihr gar koan Dunst! Mobiliar habt's a so nit übrig's, wo mer sich d'ran halt'n kunnnt." Nichter: Mit Ihrem Hausherrn ha ben wir Nichts weiter zu thun." Angekl.: „I wollt', i wär' aa so guet d'ran und sietzet zinsfrei wia Beamter! Aber es is mal so, a grüebiger Mensch hat koa Glück. Mein zwoater Freund is der Kramer vom Nebenhaus. I sag' Sahna, der reinste Delikatessenhändler, der kann Stranitzl drehen wia a Sa franhändler. Um a Zehnerl Kaffee kriagen S' elf Bohnen, und drei davon san no' untauglich. Der Zucker wird auf der Goldwaag' g'wog'n und koft't im Oanzelnpreis a Mark! das Pfund. Neuling hat er die Dreipfenningzi garr'n auf fünf Pfenning ekhöht z'we gern Krieg in Euba, weil er von die Pflanzer nimmer richtig bedeant wird. Aber a guete Seit'n hat er doch bis zu 30 Pfenning pumpt er an die g'wiss'n Leut' im Haus, die koane Kin der und Nix'n aus'n Abzahlungs i g'schäst ham. Aber no' amal was woll'n wenn S' thuan, und es steht no' die Hauptsumma an der Tafel.... da i hat's was!" i Richter: „Ich möchte endlich erfah ren, was der Anlaß zu der Affaire vom 30. März gewesen ist." l Angekl.: „Der Anlaß kimmt jetz'n! Das war mein dritter Freund, näm lich d' Wäscherin vom Rückgebäude. Der war i a Mark und zwanzge scharf und hab' auf Ehrenwort versprochen, am 30. März wird's beripst. Am 30. März is aber mei' Onkel von Amerika net kemma, der Zwerch war größer wia acht Tag zuvor und vor lauter Kohldampfschieb'n hab' i mi' a mal als a Kranker in's Bett g'legt. Um Achte in der Fruah klopft Jemand an, i horch', richtig, d' Wäscherin war's und sagt: „Wollen S' vielleicht d' i Klapp'n ausmachen, wenn Eahnere Gläubiger kemma, oder net, Sie Bleamlmacher, Sie odrahter Ueber- anand? I will wiss'n, wia's mit mein' Geld steht! Heut', wenn S' net zah len, Sie Haderlumperer, dann können S' a Feuerwerk derleben, wo dös von der Eementarseier 87 a Kerz'nliachtl dagegen war." I nehm' mi z'samma und ruef' so wehleidi' als i kann: Lei der bin i krank, gnädige Frau Wal burga, aber morg'n kimm i ganz g'- wiß, schaugen S', i Hab's Schleimfie ber. „Wooos ham S'? A Schleim fieber ham S'? Der Ander aa a Schleimfieber! Eahna wenn i seh' oder hör', dann trifft mi derSchleim fchlag. Warten S'! derrath'n wenn i Eahna thua nacher schleimt si' was, Sic Pazi'. Damit is' wieder surt. Um a Zehne steh' i wieder auf und mach' mein' Plan, wia i mi' aus'n Haus drucka kann, ohne daß der Ma lefizwaschbär was spannt. Bald d'raus is d'Schul' aus, d' Kinder kem ma massenhaft in's Haus eina und bei der Gelegenheit witsch i außa. Wia i um d' Eck'n war, geh' i a wen'gl sta !der und freu' mi' über dös Glück bumbs, krieg i a Dachtl, daß mei Huet davon fliegt, und wia i fchaug, steht d' Wäscherin hinter meiner und läßt a ganze Sündfluth über mich weg. Is dös Dein Schleimfieber, Du Tropf, Du eiskalter? Willst die Mark zwanzge einreib'n oder i laß' Di' au genblicklich verarretir'n, Du Hutterer, Du windiger? Moanst, aus meine Klauen kimmst dösmal. Du Windbeu tel, Du elendiger? Im Guet'n is da nix mehr z' machen." I g'lang in d' Tasch'n, die Andere moant, jetz'n kimmt's Moos und lauert wie a Stoßvogel, derweil kriagt's an Ren ner und i spring' davon wia a Hirsch. D' Wäscherin kräht wia b'sess'n: „Halt's 'n auf. den Spitzbuam!" Auf a mal hat mi Jemand am Rockkrag'n und wälzt sich gleich mit mir am Bo den. Der Mensch hat sich mir no' gar net vorg'stellt. viel weniger, daß i eahm kennt hätt. Was wollen S' denn eigentlich, Sie oaschichtig's Supp'nboan, Sie miserablichcr Stist'n? sag' i. Woll'n S' eahna viel leicht a paar nahrhafte Hausbackene außahol'n? Verschwinden S' mo mentan, Sie Grashupfer, fünft ver kürz' i Eahna's Dasein. Jetz'n sagt er: „I bin städtischer Beamter und Sie san arretirt." Derweil kimmt a Schandarm und die dicke Wäscherin, der Oane führt mi' ein wegen Beam tenbeleidigung und die Andere sagt zu der Menschenmasse, die ang'sam melt war: „Gott seiDank, jetz'n ham's eahm a mal! Dös is a ganz g'sähr licher, i krieg aa no' a Mark zwanzg Pfenning von eahm! I verzicht aber d'rauf, wenn's 'n nur drinn g'halt'n. Fertig san mer!" I war überrascht und hab' für die Beleidigung nix kön nen, weil mir der Mann unbekannt war." Das Urtheil lautete auch auf Frei sprechung. Im Zuhörerraum ballte eine Frau beide Fäuste und äußerte gegen ihre Nachbarinnen: „Da hört si' Alles auf! 's G'richt hilft so an Gauner aa no'! Na wart'! Jetzt kimm i wieder um meine Mark zwanz ge sauer verdiant's Waschgeld und wennst no' mal zupft wirst!" (Münch. N. Nachr.") Am Czarenhofe. Ein in kulturgeschichtlicher Bezie hung merkwürdiges Bild hat Professor A. Brückner im ersten Bande seiner „Geschichte Rußland's bis zum Ende des 18. Jahrhunderts" von dem russi schen Hofe im 16. und 17.Jahrhundert entworfen, besonders von den damali- gen Eheschließungen des Ezaren und der gefangenschaftartigen Absperrung ihrer Gemahlinnen, Töchter und Schwestern. Von Iwan dem Vierten bis zur er sten Ehe Peter's des Großen, diese mit eingeschlossen, verfuhr man am zu Moskau Zug für Zug nach chi nesischem Muster, wenn es galt, für ei gnen Ezaren eine passende Frau zu fin den. Andere, als Mädchen aus dem i eigenen Lande kamen dabei nicht in !Betracht, und auf Herkunft wurde we niger, als auf Schönheit gesehen, die bei der Wahl ausschlaggebend war. Iwan der Vierte, der Grausame und Schreckliche, wie er in der Geschichte ge nannt wird, ließ 2000 Jungfrauen höheren und niederen Standes nach der Alexandrow'fchen Vorstadt brin gen, wo er sich aufzuhalten pflegte, um für sich aus dieser Zahl eine Frau aus zusuchen. Die Besichtigung soll ein Jahr gedauert haben. Schließlich fiel seine Wahl acf die Tochter eines now gorodischen Kaufmannes. Daß ein geisteskranker Wütherich in einer An wandlung seiner Despotenlaune sich auf solche Weise eine Gemahlin ver schaffte, ist nun weiter nicht verwun derlich, wohl aber, wie Professorßrück ner hervorhebt, die Thatsache, daß sich über ein Jahrhundert diese Sitte oder vielmehr Unsitte für die heirathsfähi gen Ezaren als ständige Einrichtung erhalten konnte. „Oft haben sich die Beispiele einer solchen Brautschau im großen Stil, unter Anderem bei Gele genheit der Vermählungen der ersten Ezaren aus dem Hause Romanosf wiederholt und eine Unmasse von Rän ken von Familien, um deren Töchter es sich handelte, Thor und Thür ge öffnet. Romanhafte Episoden spiel ten sich dabei ab. Die Niedertracht u. Verkommenheit der Emporkömmlinge, tvelche durch den Erfolg bei einer sol chen Menschenlotterie Ansehen und Vermögen zu gewinnen hofften, stei gerten sich zu Verbrechen. Es kamen Fälle von Vergiftung vor; unschuldige Bräute wurden wegen angeblicher Ver heimlichung körperlicher Mängel mit ihren Familien in die Verbannung ver stoßen. Die Abschließung der Ezarinnen nicht allein von der Außenwelt. sondern auch von ihrer nächsten Umgebung war so vollkommen, daß sich z. B. un ter dem Ezaren Alexei von tausend Hofbeainten kaum ein einziger rühmen konnte, seine Gemahlin oder seine Töchter und Schwestern gesehen zu ha ben. Von den Letzteren berichtet ein zeitgenössischer Chronist, daß sie in be sonderen Gemächern wie Einsiedlerin nen wohnten und ihr Leben in Gebet, Fasten und Thränen verbringen muß ten. Das Glück der Ehe sei ihnen ver sagt. Selbst die Vornehmsten im Reiche wurden als Sklaven des Eza ren für unwürdig der Eheschließung mit einer Ezarewna angesehen;-diese aber an ausländische Prinzen zu ver heirathen, sei nicht Sitte wegen der Verschiedenheit des Glaubens, und auch deshalb nicht, weil die Prinzes sinnen mit Sprache und Sitten ande rer Länder nicht vertraut seien, und dieses ihnen zur Schande gereichen würde. Als Zeitvertreib in ihrer tröst- und freudlosen Absperrung blieb den un glücklichen Schwestern und Töchtern des Ezaren nichts Anderes übrig, als sich von ihren Mägden Märchen erzäh len und von Zwerginnen und Spaß macherinnen auf andere Weise die Ta ge verkürzen zu lassen. Von geistiger Ausbildung war bei ihnen keine Rede. Bei der Toilette spielte die Schminke die Hauptrolle. Gelegentlich scheint sich auch eine oder die andere der Prinzef zessinnen aus Verzweiflung demTrun ke ergeben zu haben, denn als die rus sischen Gesandten in Kopenhagen aus nahmsweise für die Verheirathung der Tochter des Ezaren, Irina, um die Hand des dänischen Prinzen warben, hoben sie ausdrücklich hervor, daß sie sich niemals betrinke. Als einst Je-5 mand im Palast der Mutter Peter's des Großen unvermutket begegnete,! wurde er verhaftet, gerichtet, bestraft. Wenn eine der höchsten Damen er krankte, so durfte der behandelnde Arzt! sie nicht sehen; den Puls der verhüllten! Kranken fühlte er durch eine feme Dek ke. „Als der Ezar Alexei eines Ta ges in seinem Lustschloß zu Kolomens koje in seinem Prunkgemach eine aus ländischen Diplomaten empfing, lauschte die Ezarin hinter der Thür und blickte neugierig durch die Thür spalte. Der dreijährige Peter war bei ibr; plötzlich öffnete der ungeduldige Knabe die Thür, und die Ezarin, wel che gleich einer Sultanin verborgen bleiben sollte, wurde sichtbar. Es ist, als habe in dieser unscheinbaren Epi sode die große Veränderung der kom menden Zeit angedeutet werden sollen. Kein Anderer, als Peter der Große hat die Frauengemächer geöffnet, Luft und Licht hinein strömen lassen, die Frauen aus ihrer Zelle befreit, sie zur Theil nahme am Lebensgenuß und an den Geschäften berufen." JmVortragseife r.—P fessor (bei der Lektüre des Soph les): „Glücklich sind Die, die ni das Licht der Welt erblickten! meine Lieben, dies Glück ward n wenigen Sterblichen zu Theil." i „Lehmann, wie heißen Sie, ich ha l Ihren Namen vergessen!" „Die leichte Stelle können Sie als maner nicht einmal übersetzen? Das könnte ja ein Sextaner, wenn er Griechisch verstände." „Hase mann, Sie werden mich noch mit l Ihren Albernheiten zu Tode ärgern und dabei merken Sie nicht einmal daß die Späße, die Sie hier treiben l so läppisch sind, daß sich kein ver nünstiger Mensch mehr darüber är i gert." „Es ist ein wahres Glück l daß es einen Berthold Schwarz ge geben hat. denn von Denen, die hier i in der Klasse sind, hätte sicher Keine? das Pulver erfunden!" Kurioser Wettstreit. Der Protzenbauer thut sich dick Mit seinem fetten Lande Vor seinem Nachbar, dessen Gut Besteht zumeist aus Sande; „Es wird erzählt er dieseZ Jahr I Bei mir gemäht schon werden, Noch eh' die Wolle ist verkauft i Von Euren Hammelheerden." „D'rin seh' ich 'was Besonderes l nicht," f Erwidert lustig Jener, „Schon längst wird auch bei mir gemäht." „Oho, das wär' noch schöner!" Der Bauer grinst. Der And're sagt: „Stellt Euch doch nicht so dämlich! Ge —mäht natürlich wird haha! Von meinen Schafen nämlich!" Erklärt. A.: „Der Doktor Müller scheint aber ein recht hoch i nasiger Mensch zu sein." B.: „Kein Wunder der verkehrt nur in den höchsten Kreisen." A t „So? Was ist er denn?" B „Der ist Assistent an der Ster.-, warte." 5 Kindlicher Wunsch. Der kleine Hans (welcher mit se nein Vater im zoologischen Garte dem im Basin sich badenden Nil pferd zuschaut): „Papa, was ist da für ein Thier im Wasser?" Vater: „Das ist ein Nilpferd." Der kleine Hans: „Ach, Papa, kans' mir doch einJunges für mein Aqua- rium." Kathederblüthe. P' fessor (in der Geschichtsstunde' „Geben Sie ja gut Acht, denn ii -Z Hinblick auf das frühe Oster i bleibt uns nichts übrig, als noch i 7 dieser Woche das neunzehnte Jahr- I hundert zu Ende zu bringen." Entsprechender Titel. Wirth (zum Hausknecht an fei nem 25-jährigen Jubiläum): „In Anbetracht Deiner treu geleisteten prompten Dienste ertheile ich Dir hiermit den Titel als „Hülfs-Expe dient für den Außendienst." i Jnteressenpolitik. Stemm' DeinJnteresse rücksichtslos Nicht Allen gegenüber. Doch sorg' auch nicht für alle Welt Und ruinir' Dich d'rüber. Die Interessen kreuzen sich In tausendfachen Winden; Die wahre Lebensweisheit ist, Den Treffpunkt stets zu finden. Devotions styl. Aus dem Schreiben eines gräflichen Kammerdieners: „Ew. Gnaden die ergebenste Nachricht, daß wir Ew. Gnaden geehrten Nero Gott habe ihn selig!—auf der Ueberfahrt in's Meer versenken mußten, da demsel ben unterwegs etwas Menschliches passirt war." Zeitgemäß. Dame (eine Gouvernante engagirend): „Tags über haben Sie die Kinder zu beauf sichtigen; vor allen Dingen achten Sie darauf, daß sie nicht raucher Skat spielen oder gar in den EU gehen." Kasernenhofblüthe. Unteroffizier: „Ei, seht mir doc den Müller an! Ich glaube, de Kerl schläft bei lebendigem Leibe!' Naturgeschichtlich es. Lehrer: „Kann mir Jemand sagen wo das Känguruh vorkommt?" Schüler: „Ich!" —Lehrer: „Nun?' Schüler: zoologischen Gar ten!" Begründung. Dame „Aber, Herr Doktor, es ist doch gan unmöglich, daß ich an Hypertroph! leiden soll!" Arzt: „Ja, gnädig Frau, es ist eben jetzt das Mo dernste!" Maliciö s.— „Es ist unglauk lich, ich sehe nun die Gräfin Olgc an zehn Abenden stets in andere Toilette!" „Das ist bei der Dam wirklich nicht schwer, die braucht j zu zehn Toiletten nicht soviel, wi andere zu einer."
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Pe Licht." lliUk von Dorlt Urtln VN Tv^ttgrn V a (Nachdruck vkkbotkn.) Weit draußen am äußersten En von Williamsbourgk, einem '—.stadttheile Brooklyn's, dort, wo Straßen- und Häuserreihen be reits durch ausgedehnte Wiefenflä chen und üppige Obstplantagen un terbrochen werden, so daß die Be zeichnung „Stadt" daselbst eigent lich nicht mehr zutreffend erscheint, weil die Gegend schon allmälig den Charakter des Ländlichen annimmt dort steht eine Reihe allerliebster, Mtenartiger Häuschen, deren Ge sammtheit, wegen der Zierlichkeit u. Gleichheit der Gebäude, im Volks munde „Dolly Ward" („Puppenfe stung") benannt wird. Diese Mi niatur Villen, eine auf's Haar ge nau so wie die andere, mußten un zweifelhaft aus der Hand desselben Baukünstlers hervorgegangen sein, der sie, wohl mehr um einer flüchti gen Laune zu genügen, als um praktische Behausungen zu schassen, aus der Erde hervorgezaubert ha ben mochte. Jedes der Häuschen war mit ei nem niedlichen Vorgärtchen, einer Art Veranda, worauf die Haus thür mündete, und einer grün an gestrichenen, hölzernen Treppe ver sehen, deren Geländer ein fast ele gant zu nennendes Schnitzwerk aus wies. Das Innere einer solchen Villa bestand nur aus zwei größe ren Zimmern im ersten Stock, soge nannten Parlors, drei Manfarden stübchen und der großen hellen Kü che im BafeMent (Souterrain). Merkwürdiger Weise stand nur äußerst selten ein Häuschen der Dol ly Ward zu vermiethen. Die mei- derselben befanden sich schon nt vielen Jahren in festen Händen, ihr Aeußeres auch fast durch leg verrieth. Die Gärtcheu zeig- sich auf das Sorgsamste gepflegt, schmalen Gänge waren mit ro hem Kies bestreut, während ver schiedenes feines Strauchwerk die twas primitiven Staketenzäune, "'welche die Grundstücke von der Ver kehrsstraße trennten, verdeckte und dadurch eine Art hübsche lebende Hecke bildete. Rosen und andere duftende Blumen erfreuten imSom .-".er das Auge der Vorübergehen- A'en, und die stets blitzblank geputz en Fensterscheiben und sauberen Gardinen vollendeten den guten Eindruck, den diese Villen auf den Fremden ausübten. Die Bewohner von'Dollv Ward, zumTheil bejahrte Leute, welche sich nun in's Privatleben zurückgezogen hatten, zum Theil Angestellte gro ßer Geschäfte von Brooklyn und New Aork, welche ihrer Familie wegen der bei Weitem billigeren und gesünderen Wohnungen hier drau ßen dem Geräusch und dem Staube der Großstandt vorzogen, und eini ge alte Fräuleins, welch: Pensio näre hielten, bildeten eine förmliche feste Clique, so daß auf Dolly Ward jeder neue Ankömmling anfänglich allseitigem Mißtrauen begegnete. Im Anfange des Frühlings 188 war Mr. Holstein, der deut sche Eigenthümer des Häuschens Nr. 9, plötzlich gestorben und bald darauf hatte seine Wittwe den güten Bekannten von rechts und links Le bewohl gesagt, weil sie ihren Aus enthalt fortan nach Jersey City zu einer verheiratheten Tochter zu ver legen gedachte. Mr. O'Reilly, der Nachbar zur Rechten, welchem die alte Dame vor ihrem Scheiden die vorteilhafte Bermiethung ihresße sitzthums noch recht eindringlich an das Herz gelegt hatte, hing eigen- händig die weiße Tafel zum Fenster hinaus, auf welcher in großen Let tern zu lesen stand: „to let!" Etwa vier Wochen lang zerbrach 6 nan sich in Dolly Ward die Köpfe, wer wohl seinen Weg hier heraus dem entlegenen Theile von nehmen würde, die guten Leute der kleinen Kolonie waren äußerst ex i'klusiv und fürchteten begreiflicher 3 Weise das Niederlassen des ersten besten Rowdie in ihrer friedlichen I Ansiedelung. Da verkündete Mr. eines Morgens einer wiß begierigen Dame, daß des seligen Holstein's Häuschen vermiethet sei und die neuen Bewoh k'ner, in Gestalt von Mutter und Tochter, demnächst schon eintreffen würden. Das gab natürlich viel >zu reden. Allein auf alle an ihn Fragen vermochte Mr. keine weitere Auskunft zu I "geben, als daß beide Damen sehr re- Sspettabel aussähen u. gebildet schie- 6/"en Vier Tage später war die kleine Villa von den Bewohnern bezogen. „Wer mag das wohl sein? Weshalb kommen Leute, die solch eine Masse von eleganten Möbeln mit sich führen, hier heraus? Die Geschichte gefällt uns nicht das hat sicher noch einen Haken!" So flüsterte man sich ge genseitig zu nach dem Eintreffen von Mrs. Northland und ihrer selten schö nen Tochter auf Dolly Ward. Nach dem jedoch zwei und drei Monate in's Land gegangen und die beiden Damen trotz ihrer großen Zurückhaltung be kannter geworden waren, fing man an, sie gerade um ihrer Zurückhaltung und vornehmen Würde willen mit an deren Augen anzusehen, und nun sag ten die Nachbarn von rechts und links unter sich: „Feine Leute sind es offen bar, das bezeugt ihr ganzes Auftreten, allein wovon leben sie?" Nach amerikanischen Begriffen hat das Wort „Arbeit" die höchste und eh rendste Bedeutung und nur der gilt als angesehen, welcher auf irgend wel che ehrliche Weise durch eigene Arbeit sein Brod erwirbt. Die reichen Leute arbeiten aus angeborener und aner zogener Lust am Schaffen, die Unbe mittelten, um reich zu werden Mü ßiggang giebt es in den Ver. Staaten nicht und wer sich ihm hingiebt, hat Mißtrauen zu fürchten über die Art, durch die er sich seinen Lebensunter halt erwirbt. Da nun Mrs. North land und ihre Tochter, außer einer ge legentlichen Fahrt nach New keine besondere Beschäftigung zu ha ben schienen, so war das selbstverständ lich auch ein Grund, sich über die selt same Lebensweise der beiden Damen aufzuhalten. Dessen ungeachtet hat ten die Fremden es verstanden, sich bald die Achtung und Theilnahme der Bewohner von Dolly Ward zu erwer ben. Wer auch hätte dem freundlich sanften Wesen der Mutter, wer dem bezaubernden Augenaufschlag der Tochter zu widerstehen vermocht? So schroff und absprechend Anfangs über die beiden Frauen geurtheilt worden war, jetzt bemühte sich jeder, ihnen Ge fälligkeiten zu erweisen, wenn auch ein näherer Verkehr nicht in den Wün schen der Damen zu liegen schien. Außer Mr. O'Reilly, dem Advokaten, welcher in Goldsmith'sOs sice in Brooklyn arbeitete, und hier bei, der alten Miß Colnay Pensionär war, außer diesem hatte noch keiner der Be wohner von Dolly Ward Mrs.North-i land's Schwelle überschritten und auch sein Verkehr mit den beiden Damen beschränkte sich nur auf einige geschäft liche Besuche, die O'Reilly der neuen Mietherin als Verwalter des Holstein'- schenGrundstückes zu machen hatte. Es schien auch durchaus nicht in deren Ab sicht zu liegen, mit irgend Jemand nä her bekannt zu werden. Bei Begeg nungen grüßte man sich untereinander und sprach gelegentlich einige Worte über den Gartenzaun, das war Alles. Im Allgemeinen galt O'Reilly als wortkarger Mann; seit er jedoch die Bekanntschaft der Fremden gemacht, gab es dennoch einen Punkt, der seinen Mund überfließen machte: das war, wenn er von Mrs. Northland und de ren Tochter sprach und in Lob und of fene Bewunderung über Beide sich er ging. Durch ihn wußte es auch bald Jedermann in Dolly Ward, daß diese Damen eine ganz ungewöhnliche Bil dung, sowie die feinsten Umgangsfor men besäßen und daß, obwohl Miß Grace Northland alltäglich mit einem Körbchen am Arm die Einkäufe bei 'Fleischer und Kaufmann selbst machte, die jetzige Einrichtung von Nr. 9 der jenigen einer Lady der S. Avenue von New-Aork gleichgestellt werden konnte. An einem regnerischen Junitage, um die sechste Abendstunde, trat Miß Grace, eine schlank gewachsene Brü nette, mit kühn geschwungenen Au genbrauen und herbgeschlossenem aus drucksvollem Munde, dessen Linien so wohl starke Willenskraft wie auch Un erschrockenheit bekundeten, nach einem Ausgange durch die Verandathüre in das vordere der beiden Parlours und schaute sich sichtlich befremdet darin! um: „M'a! Mama!" Keine Antwort erfolgte das jun ge Mädchen stellte daher den Regen schirm rasch beiseite und eilte nach dem zweiten, nach der Rückseite des Häus chens gelegenen, kleinen Salon, wel cher von dem ersten nur durch eine schwere, moosgrüne Portiere getrennt war. M'a!" Auch hier zeigte sich Niemand. Und doch wußte Grace, daß die MutterTag für Tag an dem nach der Straße gele genen Fenster saß und die Tochter, wenn sie von ihren kurzen Ausgängen heimkehrte, regelmäßig an diesem Pl atze erwartete. So lange man auf Dolly Ward wohnte, war dies geschehen und heute nun zum ersten Male vermißte sie die theure Gestalt an dem gewohnten Platze. Ein banges Gefühl beklemmte die Brust des jungen Mädchens. Rasch sprang sie die Treppe zum oberen Stoc kwerk hinan und össnete die Thüre des gemeinsamen Schlafgemachs dort saß Mrs. Northland und schien, über ein weißes Papier gebeugt, zu schrei ben. Sobald die alte Dame jedoch der schnell Eintretenden ansichtig wurde, schrack sie leicht zusammen und sagte halb verlegen, die Hand über das vor ihr liegende Schriftstück breitend: „Wie, schon zurück, mein Kind? Ich habe Dich noch nicht erwartet!" „Eben das befremdet mich. Mama, was thust Du hier allein?" Mit diesen erregt gesprochenen Wo rten eilte Grace auf die Mutter zu und umschlang sie mit fast ungestümer Zärtlichkeit: „M'a! geliebte M'a, Du verbirgst Etwas vor mir, Du willst Etwas thun, was ich nicht wissen soll! O, warum das? Haben wir nicht bis her alle Sorgen und Mühen mit ein ander getheilt?" Ein wahrhaft rührender Ausdruck lag jetzt über den schönen Zügen der jungen Sprecherin. „Grace!" Die ältere Dame versuch te, ein Schluchzen zu bekämpfen, „o, Grace, es kann ja so nicht weiter ge hen!" „Es darf nicht, Mama, Du leidest physisch und seelisch darunter, das ha be ich Dir schon ost gesagt, und des halb werde ich Abhülfe schaffen. Ich muß es schon um Deinetwillen thun," entgegnete das junge Mädchen mit fe ster Stimme. „Nein, nein, nur das nicht! Du sollst nicht hingehen in die großen Ge schäfte, wo all' die tausend von jungen Mädchen als Verkäuferinnen angestellt !und von früh bis spät in jenen Tret mühlen beschäftigt sind nimmer mehr! Mein Stolz würde das nie er tragen lernen! Lasse mir doch diesen Stolz —er ist das Einzige, was von Mallem Glanz und Schimmer der schö ben Vergangenheit mir geblieben ist." schluchzte Mrs. Northland unter hei ßen Thränen. „Es gibt aber doch auch noch andere Wege, uns einen genügenden Unter halt zu verdienen," gab Grace unbeirrt I zurück. „Du meinst- als Lehrerin, mein Kind! Gewiß diese Damen werden gut bezahlt, allein, ob wir auch an Dei ne Erziehung viel gewendet haben, so bist Du für diesen Beruf doch noch nicht ausgebildet genug und müßtest noch einmal mit Deinem Studium von vorn beginnen, was einige Jahre be anspruchen würde nein, mein Kind, auch das will ich nicht. Welchen De müthigungen und Versuchungen wä rest Du in einer solchen Stellung aus gesetzt!" fügte Mrs. Northland hinzu, ihre Wange zärtlich an die der Tochter schmiegend. „Aber, was willst Du denn thun, Herzens Mama, hast Du denn einen anderen Plan?" fragte das junge Mädchen eindringlich, indem sie das mit Zahlen bedeckte Papier auf dem Tische prüfend musterte. Die Antwort ließ eine Weile auf sich warten, dann kam es zagend über der Mutter Lippen: „Ich glaube, daß un sere Einrichtung, das bischen Silber 5 dazu genommen, noch ein recht leidli ches Sümmchen repräsentirt. Nach meiner Zusammenstellung des Ganzen ergibt sich schlecht gerechnet ein Ertrag von 2300 Dollars. Damit könnte ich vielleicht irgend ein —be scheidenes Geschäft beginnen, das uns wenigstens vor Noth schützte. Niemand kennt uns in New Uork wer ahnt in mir die Wittwe des Millionärs und Eisenbahnkönigs Frederick A. North land aus St. Louis, dessen Name ehe dem im Westen einen so bedeutungs vollen Klang gehabt?! Nicht Du, mein Liebling, sondern ich muß mich aufraffen, aus dieser lähmenden Apa thie und für unsere Zukunft sorgen!" „Nein, um Gotteswillen, nein, wenn Du mich liebst, Mama, so schwei ge von solchen Dingen," rief Grace lei denschaftlich, „Du, die schöne, vorneh me Frau, Dich erniedrigen, um hinter dem Ladentische zu stehen entsetz lich! Du Dich von Deinen lieben Sa chen trennen, wo jedes Stück Dich an das frühere Glück und an den theuren Vater erinnert! Das undankbarste Geschöpf unter der Sonne müßte ich sein, wollte ich -das zulassen. Wozu bin ich jung und kräftig? Nein, Ma ma. daraus wird absolut nichts!" Jetzt hatte das junge Mädchen sich zur vollen Höhe emporgerichtet, wobei ein Ausdruck von Energie und Muth aus den schönen Augen leuchtete. „O Gott, daß es dahin kommen mußte! Wenn er, Dein Vater, nur noch lebte, es stünde besser mit uns. u. wie gern wollte ich auch Noth und Sor gen mit ihm theilen!" weinte leise die beklagenswerthe Frau. „Der Himmel hat ihm dieses Schwerste erspart, das muß uns trö sten, M'a," sagte die Tochter weich. „Als wir hier ankamen, Grace, glaubten wir uns beinahe reich mit der kleinen Summe, die wir mitbrachten nun ist sie zusammenge schmolzen! Ich habe nie gedacht, daß die täglichen Bedürfnisse des Lebens so viel Geld verschlingen könnten. Dabei steht der Quartalswechsel vor der Thür und die Miethe soll an Mr. O'Reilly bezahlt werden. Ach, ich werde ihn wohl bitten müssen, uns den Betrag für einige Wochen zu stunden." „Nimmermehr, Mama! Nur kei ne Gefälligkeiten von diesem Manne, es wäre mir schrecklich erdrückend!" wehrte Grace mit auffälliger Hast ab. Prüfend schaute ihr die Mutter in's Gesicht und sagte bedeutsam: „Er ist kein übler Mann. Seine Manieren sind tadellos und neben ei nem guten Einkommen scheint er ein redliches gutes Herz zu besitzen. Nicht ohne Grund sucht er uns verlassene Frauen öfters auf hast Du schon daran gedacht, mein Kind?" „Er ist mir unsympathisch, Mama! Bitte, erwähne seiner gegen mich nie mehr in dieser Weise, ich könnte Mr. O'Reilly sonst nie mehr unbefangen u. freundlich begegnen," gab Grace un willig und in ernstem Tone zurück. Mrs. Northland seufzte und schwieg, worauf beide Damen langsam nach der oberen Etage hinaufstiegen. Da die Dämmerung eingetreten war, so brachte das junge Mädchen die Lampe, welche sie alsbald mit großer Geschicklichkeit in Brand setzte. Ein intensives Licht beleuchtete jetzt das mit feinem Geschmack ausgestattete Ge mach, so daß jeder Gegenstand darin erkennbar war. Die Mutter, welche sichtlichem Vergnügen den flinken der auffallend schönen Hände ihres Kindes zugeschaut hatte, sagte plötzlich lächelnd: „Wie Du doch diese wenig anmu thende Arbeit verstehst und graziös verrichtest, mein Liebling! Ich habe niemals, auch in jener Zeit, als viele I Diener mir zur Verfügung standen, solche hell und klar brennende Lampe gehabt, wie jetzt, wo mein theures Töchterchen sich dieser Mühe eigenhän digst unterzieht!" „Ich bin auch stolz darauf, Mama, weil ich mir sage: Arbeit schändet nicht," versetzte Grace heiter. „Nein, gewiß nicht, aber, abgesehen von Deiner Opferwilligkeit, Du hast wirklich ein großes Talent dafür." Bei diesen harmlosen Worten hob das schöne Mädchen die langen, dunk len Wimpern und sah der Sprecherin einige Sekunden starr und nachdenk lich in's Gesicht. Eine schärfere Be obachterin, als Mrs. Northland war, würde wahrgenommen haben, daß es zugleich wie ein blitzartiges Aufleuch ten über die regelmäßigen Züge glitt. Als nach einer halben Stunde die Damen am Theetisch saßen, die in sei nem zierlichen Arrangement von gu tem Porzellan und einigen werthvollen Stücken Silbergeräth nur zu deutlich verrieth, daß die da Sitzenden einst bessere Tage gesehen, erschien Grace merklich einsilbig und zerstreut. Aber mals seufzte die Mutter still für sich" und beobachtete mit Wehmuth und Trauer, aber verstohlen des einzigen Kindes liebes Angesicht. Am nächsten Morgen fuhr Grace, kleine Einkäufe vorschützend, hinüber nach New-Uork. Pünktlich nach drei Stunden, wie sie es versprochen, kehrte sie auch zurück, doch konnte das junge Mädchen es jetzt nicht unterlassen, der Mutter eine Mittheilung zu machen. Halb verlegen, halb freudig schlüpfte die geheimnißvolle Enthüllung über die rosigen Lippen, daß sie Hoffnung hege, vielleicht einen kleinen Verdienst zu bekommen. Auf's Höchste erschreckt, starrte Mrs. Northland der Erzählerin in's Gesicht, indem sie darauf noch einmal alles schon unzählig oft Gesagte wie derholte und das junge Mädchen him melhoch beschwor, sich nicht als Laden mädchen zu verdingen. Aber Grace beruhigte die erregte Frau insofern, daß diese Aussicht auf einen Erwerb bisher nur in einer Annonce bestände, die sie in den „Herald" habe einrücken lassen und worüber ste die Mutter auf klären wolle, sobald man darauf ge antwortet haben würde. Unter einer Chiffre habe sie Briefe. Hauptpostamt restante New-Uork erbeten. Der fle hende und zugleich so mädchenhaft reine Ausdruck in Grace's Augen be kämpfte die im Herzen der bekümmer ten Frau aufsteigenden Zweifel, und damit war die Sache für's Erste ab- gethan. M Im Speisesaale eines hoch elegan ten Privathauses der Fünften Avenue in New-Aork befanden sich eine ältere, Iber noch immer sehr Wohl conservirte Dame, welche, den „Herald" in der Hand, am Fenster saß, und ein jun aer, auffallend hübscher Mann von vielleicht neunundzwanzig Jahren, welcher sich mit seinem Frühstück be schäftigte. „Welch' seltsame Annonce! Bitte, höre mir einmal zu, Anthony, Haha ha!" „Ja, sofort, Mutter! Erlaube nur. daß ich noch dieses halbe Ei verzehre, dann stehe ich zu Deinen Diensten." „Das ist wirklich originell, hahaha!" Abermals tönte das helle Lachen nach dem Speisenden hinüber. „So nun, was ist denn so spaßig, Mutter?" Der Gerufene war jetzt näher getre ten und zog sich einen Stuhl dicht an die Seite der stattlichen Frau. Diese las: „Eine sehr respektable junge Dame i aus guter Familie, welche, durch miß liche Verhältnisse gezwungen, sich ei nen eigenen Broderwerb zu verfchaf fen genöthigt ist, bietet in nur seinen Häusern ihre Dienste an, um das von den Domestiken in der Regel vernach lässigte Geschäft des Putzens, Reini gens und Verforgens der Lampen zu übernehmen und bestmöglichst auszu führen. Dieselbe besitzt in dieser Branche eine seltene Fertigkeit und Uebung und wird ihre Kunden sicher- lich zufriedenstellen. Auf Wunsch Referenzen. Briefe erbeten: Head i Postoffice restante Nr. 600." „In der That höchst sonderbar," der mit Anthony Angeredete kopfschüttelnd, mehr ernst als scher- zend, „entweder ist das nur ein scklech ter Spaß oder was mir wahrschein lich dünkt ein Nothschrei aus der Brust einer armen Frau." Er nahm die Zeitung in die Hand und ließ die Blicke über die kleine Annonce gleiten, ehe er fortfuhr: „Ich bin überzeugt, daß fast jede dieser Zeilen einen Ro man zu verzeichnen hat. Dafür lebt man eben in der Riesenstadt New- Uork. Wohl demjenigen, dem es ein mal vergönnt ist, einen Blick in solch ein verborgenes Leid zu thun, der in die Lage versetzt wird, heimlich gewein te Thränen trocknen zu können!" „Du bist ein Schwärmer, Anthony. Diesen weichen, menschenfreundlichen Sinn und das poetische Gemüth muß Dir Deine deutsche Mutter vererbt ha ben. Dein Vater besaß hiervon nichts," versetze die stattliche Dame mit einem leichten Seufzer, indem sie das edel geformte Antlitz des Stief sohnes wohlgefällig betrachtete. „Was meinst Du, Anthony, ob ich diese An nonce beantworte? Man könnte ja dann sofort erfahren, inwieweit Deine Vermuthungen zutreffend sind oder nicht." „Thue das Mutter' es würde mich herzlich freuen, wenn Du ein gutes Werk damit zu stiften im Stande wä rest," sagte der jung? Mann lebhaft, und die Dame fuhr angeregt fort: „Uebrigens könnte wirklich eine kunstgeübte Hand unseren Lampen sammt und sonders nicht schaden, da der alte, schwachköpsige Jim sein Ge schäft zuweilen arg vernachlässigt. Fast täglich habe ich Klage über ihn 'zu führen wohlan, ich schreibe, An thony." Als der junge Handelsherr Mr. Anthony E. Clark gegen die elfte Vor mittagstunde nach seiner in der unte ren Stadt gelegenen Office fuhr, hatte er selbst den Brief der Stiefmutter zur Beförderung in der Tasche. Als dies geschehen war aber bei ihm auch die Annonce und das darauf bezügliche Gespräch vergessen. Der nächste Morgen führte den jun gen Mann indessen nach der in einem Seitenflügel seines großen Hauses ge legenen Bibliothek, um ein für sein Geschäft wichtiges Werk daraus zu entnehmen. Bei'm Durchschreiten ei nes in den Garten mündenden Zim mers, welches von seiner Stiefmutter zur Aufbewahrung des häuslichen Wäscheschatzes benutzt wurde und mächtige Schränke und Truhen auf wies, stutzte Mr. Anthony überrascht. Dort an einem großen Tische am Fen ster, auf welchem eine förmliche Batte rie von Lampen aufgestellt war, stand ein hochgewachsenes Mädchen und schien in ihre prosaische Beschäftigung so vertieft zu sein, daß sie den Eintritt des jungen Mannes gar nicht wahrge nommen hatte. Wohl drei Minuten betrachtete die ser das trotz seiner Originalität höchst anmuthige Bild. Durch die halb zu gezogene Gardine fiel ein Strahl der goldigen Morgensonne gerade über den dunklen Scheitel des feinen, et was vorgebeugten Kopfes und ließ ein wahrhaft holdseliges Profil erblicken, das gegen den hellen Hintergrund wie gemeißelt erschien. Die ebenmäßige Figur zeigte auffallend schöne Formen, wie auch der Schnitt des Kleides un-! leugbare Eleganz bewies. Anthony Clark zögerte noch immer weiter zu schreiten, weil er darauf wartete, daß de junge Unbekannte vielleicht einmal die tief auf die Arbeit gesenkten Augen heben würde, aber vergebens. Nun trafen seine prüfenden Blicke die rüh, rigen Finger wie sonderbar! Ein Paar waschlederne Handschuhe bedeck ten dieselben bis zum Gelenk, hieran schlössen sich eine Art Schutzärmel au grauem Futterstoff, die bis über den Ellenbogen hinaufreichten; ein kleines, weißes Schürzchen vervollkommnete diese seltsame Toilette. Das also war die junge Dam? aus guer Familie, welche ihr Brod zu er werben genöthigt war? Er hatte mit seinen Vermuthungen demnach doch recht gehabt. „Eine Dame, hm!' Im Augenblick dachte er gar nicht mchi an seine Absicht, jenes Buch zu holen, sondern beschäftigte sich mit dem Ge danken, daß diese Bezeichnung hier in der That höchst gerechtfertigt erschien wobei ein merkwürdiges Gefühl, hall Befriedigung, halb Freude sein Inne res bewegte: „Wie glücklich mochte da arme Mädchen sein, etwas Beschäfti gung und hoffentlich auch rech! lohnende gefunden zu haben!" Gleichsam instinktiv, als ob es di> Nähe eines Fremden ahne, schlug das schöne Mädchen jetzt die Augen empor und tlat, merklich erschrocken, zurück, während ein heißes, Verrätherische- sich über Antlitz und Hals er jgoß. Mr. Anthony Clark wußt, i nichts Anderes zu thun, als leicht zu und rasch nach der Bibliothe! hinüberzuschreiten, von wo aus e, dann seinen Rückweg durch einen an deren Theil des Hauses nahm. Etwa vier Wochen mochten vergan gen sein, während welcher die jungt Fremde alltäglich um die zehnte Mor genstunde bei Mrs. Clark erschien, um sämmtliche im Haushalt gebrauchten Lampen in Stand zu setzen. Nach Ver einbarung wurde ihr regelmäßig durcj die Lady selbst ein Dollar für ihre Ar beit verabreicht, den sie auch mit vor nehmer Herablassung entgegen nahm, als ob sie selbst dem Hause einen großen Dienst geleistet hätte und nicht die Em pfängerin eines unverhältnißmäßig hohen Arbeitslohnes sei. Mrs. Clark, eine obwohl stolze, doch zugleich äußerst gutherzige Frau, hatte das junge Mäd chen, dessen schönes Antlitz sie oft nach denklich musterte, gelegentlich auch ein mal gefragt, ob es auf die im „Herald" erlassene Annonce noch mehr Arbeit und Verdienst erhalten habe, worauf ihr die in kühlem Tone gegebene Ant wort wurde, daß sie bereits fünfzehn der feinsten Familien zu ihren Kunden zähle und mit der eZit noch bekannter zu werden hoffe. Mr. Anthony Clark, ein Mann von durchaus ehrenhaften, edlen Gesinnun gen, hatte es nicht mehr gewagt, di Unbekannte in ihrer mehr oder weniger demüthigenden Beschäftigung durch seine Gegenwart zu belästigen, und mied das Zimmer, in welchem sie ihre Arbeit stets pflichttreu verrichtete. Allein der Zufall wollte es, daß er ihr öfters in der großen Halle oder auf der Treppe begegnete. Alsdann lüftete er jedesmal in ausgesuchtester Höflichkeit den Hut, wobei er es jedoch nicht unter lassen konnte, einen raschen Blick in das reizende, stets so ernste Mädchengesichl zu thun. „Nun, freust Du Dich nicht über meine Acquisition, Anthony?" fragte Mrs. Clark eines Abends, als man ei nige Freunde zum Diner erwartete und nun bei den prächtig und tadellos bren nenden Lampen saß. „Die Freude ist eine problematische, Mutter," lautete die freundliche, aber bestimmte Antwort des Stiefsohnes, „die blendende Helligkeit all' dieser Lampen bildet einen grellen Contrast zu dem dunklen Lebenswege des armen Mädchens, dem wir zu Dank verpflich tet sind." Die Hausfrau zuckte halb bedauernd die Schultern und meinte gutmüthig, daß man der Fremden zu Neujahr ein recht anständiges Geschenk zu machen verpflichtet wäre. Eines Morgens, bevor Mr. Anthony wie gewöhnlich nach seiner Office fuhr, trat Mrs. Clark, zum Ausgange gerü stet, noch einmal in des Stiefsohnes Privatzimmer und sagte in mütterlich herzlicher Weise: „Bitte, thue mir den großen Gefal len, Anthony, und trage die Bücher, welche ich mir gestern Abend aus der Bibliothek holte, wieder an den alten Platz. Du weißt, ich liebe die Ord nung sie liegen auf meinem Schreib tisch." Da das Verhältniß zwischen dem Sohne und der zweiten Frau des ver storbenen Mr. Clark ein selten inniges 3
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4 war. so entgegnete er ebenso freundlich und zuvorkommend: „O gewiß gern, liebe Mutter, aber Den Schluß seiner Rede hörte die Dame nicht mehr, weil sie Eile zu ha ben schien und das Zimmer bereits ver lassen hatte. Zögernd und mit einer ihm selbst un erklärlichen Befangenheit stand An thony Clark noch einige Minuten vor der Thür des Zimmers, das von der Fremden zu ihrem prosaischen Geschäft benutzt wurde. Er wußte es selbst nicht, warum er gerade diesen Weg nach der Bibliothek eingeschlagen hatte. Einer seits scheute er eine Begegnung mit dem jungen Mädchen, andererseits trieb eine innere Gewalt ihn vorwärts. War er denn nicht der Hausherr hier, der überall hin kommen und gehen konnte, wie es ihm beliebte? Mit dieser Schluß folgerung trat er endlich ein. Ja, da stand sie wieder, die so eigen thümlich imponirende und doch so mädchenhast schüchterne Gestalt. Ein leichtes Roth war ihm nun in die Stirn gestiegen, weil er sich bewußt war, oft vielleicht sehr oft sich die ses seltsame Bild vor die Seele gezau bert zu haben. Recht auffällig sichtbar nahm er nun den mitgebrachten Bücherstoß in seinen linken Arm und grüßte höflich mit den Worten: „Verzeihung, mein Fräulein, daß ich Sie störe, allein ich muß hinüber nach der Bibliothek!" Dabei war aber Anthony keineswegs weiter geschritten, sondern etwa sechs Schritte von dem jungen Mädchen stehen geblieben. Verwundert und, wie es ihm vorkam, mit leisem Lächeln, begegnete sie seinem leuchtenden Blicke. „Es steht mir kein Recht zu, dieses Zimmer für mich allein beanspruchen zu wollen, Mr. Clark," entgegnete sie mit voMönender, überaus sympathi scher Stimme. Also wußte die Fremde darum, daß er der Hausherr war. Rasch erwiderte er: „O doch. Miß. Miß (augen scheinlich verlangte es ihn, ihren Na men zu erfahren) „Northland!" klang es sehr leise zurück. „O doch, Sie haben ein Recht, hier ganz ungestört zu sein, MißNorthland. Sie sind ja die Wohlthäterin für das ganze Haus, ich meine: seit Sie zuerst hier eingetreten, ist es Licht gewor den." Der schöne Mädchenkopf senkte sich tiefer aus die Brust herab. „Man ist zu gütig gegen mich," flüsterte sie be scheiden. „Vielleicht ist es sehr anmaßend von mir, Ihnen ein plumpes Lob zu spen den, aber ich kann es doch nicht unter lassen, Ihnen zu gestehen, daß ich Ihren Awth, Ihre Willensstärke und Selbstverleugnung bewundere," sagte Anthony nun eigenthümlich er regt. „Das Wörtlein „muß" ist ein stren ger Lehrmeister, Mr. Clark, welcher mit eiserner Hand alle rebellischenOp positionsgelllstc herab zu drücken ver steht. Aber dennoch gibt es noch et was Mächtigeres, als diesen morali schen Zwang, und diesem Mächtigeren bringt man gerne Hochmuth, Eitelkeit und thörichte Eigenliebe zum Opser," versetzte das junge Mädchen, indem ihre großen Augen freudig aufleuchte ten. „Sie haben Eltern, Miß Northland. eine Mutter, für die Sie sorgen?" forschte er, näher tretend. „Jawohl, um meiner Mutter willen stehe ich hier an diesem Platze, und das Bewußtsein, für sie, die mir auf Erden das theuerste ist, meineKindespslicht zu erfüllen, hat den Gedanken an Demü thigung und Erniedrigung noch nie mals in mir aufkommen lassen!" Mr. Anthony erwiderte kein Wort, und so war es ganz still im Zimmer; Miß Northland hatte unterdessen ihre Beschäftigung wieder aufgenommen. „Haben Sie hier keine Verwandten oder Freunde in New Aork?" fragte er nun eindringlich und leise. Es kam ihm so vor, als ob seine Stimme plötz lich einen veränderten Klang bekom men hätte. „Nein, keine; wir sind erst vor eini gen Monaten aus dem Westen aus St. Louis gekommen und daher noch ganz fremd hier," lautete der einfache Bescheid. Die Sprecherin gewahrte nicht die sichtliche Ueberraschung in des jungen Mannes Zügen; unverwandt und for schend waren seine Augen auf das fei ne Profil gerichtet. Nur als er sich jetzt fast ehrfurchtsvoll vor ihr ver beugte und leise sagte: „Auf Wiederse hen. Miß Northland." schaute sie ei genthümlich befremdet auf und ent gegnete schüchtern: Ich hoffe, daß Ihre Frau Mutter meine kleinen Dienste noch einige Zeit wird gebrauchen können." Nicht lange verweilte Mr. Anthonys in der nahen Bibliothek, schon nach fünf Minuten kehrte er daraus zurück; allein dieses Mal durchmaß er beinahe hastig das Gemach, indem er in An knüpfung an das vorige Gespräch nur die halb prophetische, halb aufmun ternde Bemerkung hinwarf: „Miß Northland, gewiß wird sich auch an Ihnen das Dichterwort erfül len: Was man Schwerstes je gefun den, Liebe hat es überwunden!" An demselben Abend nach dem Di ner war es das erste Mal, daß Antho ny seiner Stiefmutter gegenüber die Rede auf die Fremde brachte. Er blät terte dabei in einem Buche und seine gleichgültige Miene zeigte nichts der Erregung und Unruhe, die in ihm arbeiteten. Ernst und wie beiläufig' fragte er: „Hast Du niemals nach den Fami lienverhältnissen des Mädchens ge forscht, das seit einigen Wochen hier ein- und ausgeht, Mutter?" „Nein, wieso? Ich denke, sie ist sehr bescheiden und zurückhaltend. Auf mich macht sie einen ausnehmend stigen Eindruck. Vielleicht bin ich aber bei dieser Meinung beeinflußt durch ei ne Aehnlichkeit, welche mich an ver gangene Zeiten erinnert. Hast Du, mein Sohn, etwas gegen das Mädchen einzuwenden?" Ich einzuwenden? Allerdings!" Der junge Handelsherr war aufge sprungen und ließ sein schönes, kluges Auge mehrere Sekunden prüfend auf den wohlgebildeten Zügen der älteren Dame haften, dann fuhr er, tief und schwer aufathmend, fort: „Als ich heu te, auf dem Wege zur Bibliothek, zu fällig einige Worte mit der jungenDa me (er betonte letzteres Wort ziemlich scharf) wechselte, erfuhr ich, daß sie den Namen „Northland" führt und mit ihrer Mutter aus St. Louis herüber gekommen ist. Du hast mir nun frü her das große Vertrauen geschenkt, mich in eine mir ziemlich nahe gehende Angelegenheit einzuweihen, und soviel ich mich aus Deinen damaligen Mit theilungen erinnere, ist dieser Name Dir durchaus nicht unbekannt, vor ausgesetzt, daß irgend welche Bezie hungen bestehen sollten zwischen zwischen Er stockte. „Northland! O, mein Gott, also doch! Ja, diese Aehnlichkeit mit die sem Manne, den ich einst liebte, srap pirte mich sofort." Tief erblaßt hatte Mrs. Clark jenen Ausspruch hervor gestoßen und die Hände dabei auf das Herz gepreßt. „O, Anthony, sie, diese arme Kleine, wäre Marys undNorth land's Kind? Nein, das kann, das darf nicht möglich sein!" „Dieses Räthsel recht bald recht bald zu lösen, soll Dir und mir eine Pflicht sein!" gab der Sohn mitNach druck zurück, indem er seinen Arm zärtlich um die Schulter der tiefer schütterten Stiefmutter legte. Mit dem Taschentuche vor den Augen wein te diese jetzt leise vor sich hin: „O, Anthony, das wäre eine grau same Strafe für mich. Wie oft, als ich mich damals voll Empörung mit harten Worten von Mary losgesagt und Northland's Reichthum und An sehen höher und höher stieg, wie ost ha be ich da das Glück dieses Paares be neidet und berufen! Und tief im Her zen grollte ich der einstigen Freundin, weil von rechtsivegen der Platz an ih res schönen Gatten Seiten mir gebühr te, mir, die ihn ebenso, vielleicht noch inniger geliebt. Und auf diese Weise soll ich endlich, endlich wieder vonMary i hören! Antony, ich kann's nicht fas sen!" „Gottes Wege sind unerforfchlich," versetzte der Angeredete sanft. „Aber, mein Himmel, was sitze ich hier fomüßig und lasse die kostbare Zeit verrinnen," rief Mrs. Clark nun heftig aufspringend. „Mary, meine arme Mary, in Noth und Elend, wäh rend ich in Wohlleben und Ueberfluß j schwelge. Fort, mein Sohn, bringe Irnich zu ihr! An mein reuiges Herz will ich die Theure und ihr O, welch' eine Schmach ist es für mich, daß gerade hier in unserem Hause das arme Mädchen sich so er niedrigen mußte, Anthony!" „Erniedrigen? O nein, Mutter! was Miß Northland gethan hat, webt einen Glorienschein um ihr edles Haupt," klang es ausfallend feurig aus des jungen Mannes Munde, so daß Mrs. Clark in stummer Ueberra schung zu dem Stiefsohne aufblickte. „Willst Du meine Rathschläge be folgen, Mutter?" fragte er nach einer Pause. „Thue ich das nicht stets, Anthony?" „Wohlan, so lasse die junge Dame, welche zweifellos die Tochter Deiner Freundin ist, morgen noch einmal zum letzten Male hier ihres schwe ren Amtes walten, nur damit ich ihr dann unbemerkt folgen und Mrs. Northland's Wohnung erforschen kann. Ist das erreicht, so magst Du hingehen und thun, was Dir Pflicht und Herz gebieten. Bist Du damit einverstanden, Mutter?" Unter Thränen nickte diese ihm zu. Anthony Clark vermochte in der da raus folgenden Nacht gar keine Ruhe zu finden. Immer und immer stand das hochherzige Mädchen mit den ern sten, charaktervollen Zügen und den wunderbar schönen Augen vor seinem fieberhaft erregten Geiste. Und als gegen Morgen der Schlaf sich endlich auf seine Lnder herabsenkte, war es ihm, wie wenn ihr holdes Angesicht, von einer leuchtenden Strahlenkrone umgeben, sich über ihn niederbeuge u. die melodische Stimme in sein Ohr flüstere: „Was man Schweres je ge sunden, Liebe hat es überwunden." Ganz seltsam unsicher und befangen hatte Miß Northland am anderen Morgen das Clark'fche Haus betreten und war viel eiliger, als sonst, durch die weite Halle der unteren Etage die Treppe hinauf nach dem für ihre Ob liegenheiten bestimmten Zimmer ge schlüpft. Dort angekommen, athmete sie förmlich erleichtert auf. daß ihr heute Niemand begegnet war, weil sie sich nach ihrer Idee heute in einer krankhast erregten Gemüthsstimmung befand. Zu ihrer Schande mußte sie auch heute selbst die Wahrnehmung machen, daß ihr die zu verrichtende Arbeit zum ersten Male drückend und peinlich war. Wenn Mr. Clark nur nicht etwa wieder bei ihr eintreten und ein Gespräch mit ihr anknüpfen woll te, dachte das junge Mädchen mit hoch klopfenden Herzen heute würde sie ihm nicht mehr so unbefangen in die Augen blicken und nicht mehr so prä zise antworten können! Warum aber fürchtete sie sich davor? Ueber dieses Warum indessen wußte sich Grace nicht klar zu werden und schob es auf ihre „krankhaft erregte Gemüthsstim mung." Vei ihrem Eintritt in den gewohn ten Arbeitsraum stand Alles, wie sonst, am gewohnten Platze. Sie zog flink Schürze, Schutzärmel u. Hand schuhe aus der mitgebrachten Tasche hervor und war eben im Begriff, an die Arbeit zu gehen da gewahrte sie dicht neben den Lampen eine pracht volle Marschall Niel-Rose liegen. Was bedeutete das? Bei'm Anblick der Blüthe war Grace dunkle Gluth in's Gesicht geschossen und eine tiefe Zornesfalte legte sich über die weiße Stirn. Empörend! das mußte der unverschämte Nigger, der Butler des Hauses, gethan haben, welcher ihr bei Kommen und Gehen stets den 'Mantel aus- und anziehen hals und sie dabei immer so keck anstierte und seine wulstigen Lippen zu süßlichem verzog. Empörend war es! Mit dem Zeigefinger der linken Hand schob sie die zartgelbe Blüthe an das entgegengesetzte Ende des großen Ti sches; allein ebenso schnell ergriff sie dieselbe wieder sie mit fast wildem Ungestüm an die Brust pressend. All mächtiger Gott, wäre es denkbar, ja. konnte es möglich sein, daß er An thony Clark,'dessen Bild sich in ihrer jungen Brust gar fest eingelebt hatte, dessen milde, zum Herzen dringende Stimme ihr noch jetzt durch das Ge müth klang, daß er jene Blume hier auf den Tisch gelegt? Ein Zittern überfiel die hohe Mädchengestalt und wenn er es wirklich gethan, muß te sie es dann nicht eher als Demüthi gung und Beleidigung ansehen, die er, der reiche, hochgestellte Mann, dem ar men schutzlosen Mädchen damit ange than? Durfte sie die Blüthe, ohne er rathen zu müssen, auch wirklich an nehmen? Was würde die Mutter da zu fageu? O gewiß. Anthony Clark war eines unedlen Gedankens nie fä hig, das war ja sonnenklar! Mit fliegenden Händen, gewiß das erste Mal weniger gewissenhaft, als sonst, verrichtete Grace Northland an diesem verhängnißvollen Morgen ihre Arbeit. Mrs. Clark sei ausgegangen, bedeute te sie der auswartende Butler, als sie sich zur Dame des Hauses, wie alltäg lich, begeben wollte. Wie Grace bei dieser Auskunft voll Beruhigung wahrnahm, verriethen die Züge des Schwarzen heute nur steife Würde u. stumme Ehrerbietung. Gott feiDank, endlich konnte sie dem sie heute eigen thümlich beengenden Hause den Rücken wenden, flink eilte das junge Mädchen in die anderen Häuser, in welchen sie die nämliche Beschäftigung zu verrich ten hatte, und wenige Stunden später lies Grace Northland bereits leichtfü ßig die Treppenstufen zu dem trauli chen Häuschen Nr. 9 auf Dolly Ward hinan. Hätte sie während des Weges nur ein einziges Mal nach rückwärts geschaut, dann würde sie wohl sicher nicht mehr im Zweifel über den Geber jener Rose gewesen sein. Es war ein zauberisch seiner Juli-j Abend. Gleich Diamanten strahlten die Sterne am Himmel, und wer nie eine amerikanischeSommernacht durch lebte, Der hätte denken können, ein Theil der Gestirne wäre zur Erde her abgefallen, so glitzerten und funkelten die zahlreichen „glow Worms" (Leucht käfer) allenthalben im thauigen Grase und duftigen Gesträuch. In traulicher Eintracht faßen Mutter und Tochter auf der kleinen Veranda, während Polly, eine junge Negerin, welche Grace, seitdem sie so guten Verdienst erzielte, zum Beistand der Mutter in's Hauswesen genommen, geräuschlos hin und her glitt und den Theetisch ab räumte. „Du bist heute so still, mein Kind, was ist Dir? Zuweilen scheint es mir, als ob Deine Gedanken ganz wo anders weilen, als zu Hause!" fragte Mrs. Northland, nachdem sie schon einigemal nach der prächtigen Rose geschaut hatte, die an des jungen Mädchens Busen prangte. „Ich denke darüber nach, daß wir doch jetzt sehr glücklich sein können, M'a," entgegnete die Angeredete mit halb abgewandtem Gesicht. „Du, mein Engelskind! Wie sorgst und plagst Du Dich für mich Das zu vergelten, vermag nur Gott," flü sterte die ältere Dame in tiefer Bewe gung. „Ich ernte ja auch reiche Früchte. Die Mühe ist so gering, in Anbetracht, daß ich Deine Stirn wieder ohne Sor genfalten erblicke, lautete die heitere Erwiderung. „Du wolltest mir ja längst einmal Etwas über die verschiedenen Häuser in denen Du ein- und aus gehst, Grace. Ich hoffe, man begegnet Dir mit Achtung?" „Sei außer Sorge, Mama. Noch niemals habe ich die geringste Zurück setzung erfahren. Vor Allen ist es (Grace zögerte ein wenig) „ist es Mrs. Clark, die stets in sehr liebreicher Weise zu mir spricht." „Mrs. Clark, eine noch junge Frau?" „Etwa in Deinem Alter. Sie ist eine große, volle Blondine, mit selten schönen, blauen Augen und „Und einem kleinen rothen Male an der Oberlippe?" fiel Mrs. Northland der Tochter hastig in's Wort. „Ja, gewiß. Woher kennst Du denn diese Dame?" Die Mutter war jetzt in ihren Stuhl zurückgesunken und athmete tief und i schwer. j „O Grace, welche Entdeckung! Ma trum auch mußtest Du gerade in dieses !Haus gerathen? Gerade sie ist die Frau, um deren Willen Dein armer Vater einen Treubruch beging, indem er mich ihr, dem reichen Mädchen, mit welchem er bereits verlobt war, vor zog. Einst waren wir beide uns als Mädchen in beinahe mehr, als schwe sterlicher Liebe zugethan, lange Jahre hindurch; dann aber hat sie mir die Thür gewiesen, sich gänzlich von mir losgesagt mich verflucht! Ein Un fegen ruhte seitdem auf dem Bunde zwischen Deinem Vater und mir. Dein Vater verlor sein ganzes Hab' u. Gut und ist im kräftigsten Mannesalter dahin gerafft worden. Annie, meine frühere Freundin, wurde die zweite jFrau des reichen Handelsherrn Mrs. Clark, wie ihr Vater es wünsch te, und nun lebt sie im Ueberfluß in So viel ich weiß, hat Clark auch einen Sohn aus erster Ehe; Annie hatte keiner Kinder!" Längst war das junge Mädchen von seinem Sitze aufgesprungen, war vor der Mutter niedergekniet und lauschte, die verschlungenen Hände im Schooße der alten Dame, athemlos deren Wor te: „Grace," fuhr dieselbe nach kurzer Pause fort, „in diesem Hause darfst Du Deinen Namen niemals nennen, hörst Du, Grace?" Es erfolgte keine Antwort. Dafür aber gewahrte Mrs. Northland, unge achtet der zunehmenden Dunkelheit, wie ein Herr und eine Dame sich lang sam dem Hause Nr. 9 genähert hatten und nun leise zögernd die Stufen der hölzernen Treppe emporstiegen. Durch die Glasthür der Veranda fiel ein hellerLichtstrahl direkt auf das blasse Gesicht einer stattlichen, noch im mer schönen Frau. „Annie! Barmherziger Gott!" „Mary!" Wie durch einen Federdruck in die Höhe geschnellt, fuhr nun auch des jungen Mädchens Kopf aus dem Schooß der Mutter empor. Allein Grace sah nicht, daß diese der elegan ten Dame in die Arme sank, nicht, daß jene das vergrämte Gesicht der Wie dergefundenen mit heißen Küssen be deckte sie sah nur ihn Anthony Clark und seine herzlich und liebevoll auf sie blickenden Augen. „Annie,Du kommst zu mir? Bringst Du mir Vergebung bringst Du Deine so schmerzlich vermißte Liebe mir zurück?" klang es schluchzend aus Mrs. Northland's Mund. „Alles, alle Mary. Aber ich bringe Dir noch mehr: siehe hier, das ist An thony Clark, der mir zu jeder Zeit ein lieber Sohn gewesen. Er hat eine Bitte an Dich zu richten, die so groß und bedeutungsschwer ist, daß es mei ner Fürsprache bei Dir bedarf!" Der Genannte war rasch näher ge treten und verneigte sich tief vor der überraschten Frau. „Eine Bitte an mich?" stammelte Mrs. Northland, während sie in fast scheuer Verwunderung von dem ele ganten, hübschen Manne zu ihrer Tochter hinübersah. Was war denn hier geschehen? —Das purpurglühende Gesichtchen mit den Händen bedeckend, Lehnte das junge Mädchen in einem Sessel. I Obwohl in leidenschaftlicher Erre gung, aber doch in festem Tone sagte nun Mr. Anthony: „Ich habe einmal die Aeußerung gethan, daß es, seit Sie, Grace Northland, die Schwelle unseres Hauses überschritten, Licht darin geworden ist. Allein damals wagte ich nicht, hinzuzusetzen, daß ses Licht mit einer Kraft und Macht, die höherenUrfprung zeigten, auch mir in's Herz hineingedrungen ist! Wie ein Geblendeter bin ich seit Wochen umher gegangen geblendet und be schämt über die eigentliche Erbärm lichkeit des sonst so hoch geschätzten ei gentlichen Werthes. Erst Sie, nur Sie, Miß Northland, haben mich ge lehrt, daß es noch Höheres gibt, als Das, was mir bis dahin als allein edel uud erhaben vorgeschwebt! Wenn ich mir bisher einbildete, ein guter Mensch zu sein, so erkannte ich mich jetzt als einen egoistischen, jämmerlichen Wicht, dessen ganzes Verdienst darin bestan den hatte, die Annehmlichkeiten des Lebens mit Behagen zu genießen. Heute, als die verhängnisvolle Rose lhrem Platze lag, war ich so an maßend, durch eine Thürspalte nach Ihnen zu sehen. Ich gewahrte Ihren Kampf, gewahrte aber auch, wie mein stummes Liebeszeichen dann mit Un gestüm an'sHerz gepreßt wurde. Grace Northland! Diese Brust ersüllt nun mehr ein einziger, seliger, heißer Wunsch eine Bitte „Anthony!" Ein fassungsloser Jubelruf unterbrach den Sprecher; Grace's Arme waren jetzt von den er glühten Wangen herabgesunken und wie in einer Verklärung starrte sie ihn an. „Grace. mein hochherziges, muthi ges Mädchen, ich will noch nichts An deres wissen, als ob Sie meine tiefe, innige Liebe einst werden erwidern können. Das Weitere überlassen wir der Zeit und diesen da Damit deutete er auf die beiden äl teren Damen, welche Hand in Hand neben einander standen und mit seli gen Blicken an der reizenden Befan genheit des holden jungen Mädchens sich weideten. Jedenfalls mußte die Antwort auf jene inhaltsschwere Frage Wohl zur allseitigen Zufriedenheit ausgefallen sein, denn bald darauf saßen vier glückliche Menschen in dem kleinen ge müthlichen Salon, wo Erinnerungen ausgetauscht und neue Zukunftspläne geschmiedet wurden. Als Anthony Clark, über das Geländer der Veranda gebeugt, indessen die Stiefmutter lä chelnd voraus gegangen war, noch ein Letztes Lebewohl, einen warmen Kuß austauschte mit seiner schönen Braut, war es bereits dunkle Nacht geworden. Selbstverständlich brachte nun die nächste Zeit den guten Leuten von Dolly Ward wieder viel Stoff zum Reden. Mr. O'Reilly ging jedoch wo möglich noch etwas einsilbiger als sonst umher. So lange schon hatte er sich, nach einem schweren Kampf mit seiner ursprünglichen Absicht einer Geldheirath, bereit gemacht, der schö nen Tochter seiner Nachbarin von Nr. 9 einen ernsten Antrag zu machen, aber es hatte ihm stets an dem nöthi gen Muth gefehlt, und ?un mußte ihn das glückstrahlende Gesicht des jungen Mädchens, als es wenige Tage später an Anthony Clark's Arm an der Be hausung des Advokaten vorüberging, hinlänglich darüber aufklären, daß feine erträumten Aussichten auf Er füllung seiner stillen Herzenswünsche nur sehr kümmerlich beschaffen gewe sen seien, und das schien ihm ziemlich nahe zu gehen, denn bei einem gele gentlichen Besuche in der Nr. 9 ließ der junge Jrländer die Bemerkung fallen, daß er demnächst .aus Geschäftsrück sichten" nach Brooklyn überzusiedeln gedenke. Noch vor seiner Vermählung mit Grace hat Anthony Clark ganz heim lich das Häuschen Nr. 9 auf Dolly Ward käuflich erworben, um es seiner holden Braut als Morgengabe zu s schenken. Mrs. Nothland ist fort an die Gebieterin desselben, und für die fchivergeprüfte Frau ist es stetz ein Festtag, wenn das glückliche junge Paar dem Geräusch und Ge- triebe der Riesenstadt einmal ent flieht, um ein paar ruhige, selige Stunden zu verleben in der poeti schen Einsamkeit von Dolly Ward Das Unergründlichste. Unergründlich ist die Welt, Alles Forschen ist vergebens! Unergründlich ist der Geist Und das Räthsel dieses Lebens; Unergründlich ist die Zeit, Unergründlich ist der Raum Und der Sterne bunt Gewimmel; Unergründlich ist der Stoff, Unergründlich ist die Seele, Doch das Unergründlichste Zweifellos ist meine Kehle! Sonderbare Schwär merin.—Backfisch (einen Roman lesend): „Ach, so ein langer, thrä nenreicherAbschied muß doch himm lisch sein!" Frau e n l i st. Freundin: „Wie, bei dem furchtbaren Wind willst Du ausgehen?" Frau: „Warum nicht vielleicht fliegt mein alter, unmoderner Hut weg." Kindermund. Die kleine Elsa: Nicht wahr. Mama, die Ki nder kommen aus dem Himmel, weil sie oben zu viel Lärm machen?" Nicht so schlimm. „Du hattest gestern Besuch, war wohl Deine Schwiegermutter hier?" „Nein, so schlimm war's nicht!" Im Resta u r a n t. Mann (zu seiner Frau): „Was meinst Du, trinken wir noch einen Schnitt Bier?" Frau: „Ich trinke Nichts mehr." —Mann: „Kellner, bringen Sie mir noch ein Kriigel." Schlau. Feldwebel eines Kriegervereins: „Ich ruse jetzt alle Mitglieder mit Namen auf, damit ich weiß, wer fehlt; wer nicht da ist, hat nicht „hier" zu rufen, sondern den Grund seiner Abwesenheit an zuzeigen." In der Zerstreuung. Schüler (welcher rothe Tinte über sein Schreibheft gegossen hat, ängst lich): „Ach, herjeh! .Schöne Ge schichte! Nochmal zu machen, ist's zu spät, ich riskir's." Professor (kurzsichtig, schlägt das Hest Zwecks Corrigirens auf): „Hm, das scheine ich ja schon durchgesehen zu haben. Also gut." a la Röntgen. Kaum, daß die Röntgen-Strablen entdeckt worden waren, bemächtigte sich des Gastwirths Biermaier inNädleberg eine unbezwingbare Neugier, die Experimente mit den X-Strahlen zu sehen. Einige seiner Stamm gäste beschlossen nun, einen Spaß zu inszeniren und bestellten einen Photographen aus der benachbar ten Kreisstadt. Dieser wurde in den Plan eingeweiht und fertigte ei nige Photogrtaphie'n von Thierge rippen an. Unter allgemeiner Spannung ließ Biermaier sich nun Photographien, und eine Stunde später schon überreichte ihm der Photograph die Bilder a la Rönt gen. „Meiner Seel'," rief der Wirth zum größten Gaudium der Gäste aus. „wann ich's nicht wüßt', daß ich's bin, ich glaube, es wär' a Ocks!" Ein Natur -Philosoph. Hansjörg: „Wie ich heut' mor gen den Kopf zum Fenster 'rausge streckt hab' und ich g'fehen hab', daß es regnet, hab' ich gleich denkt': heut regnet's!" Präzis. Verkäufer: „Was darf ich Ihnen vorlegen, mein Herr?" Professor: „Ich möchte was war's doch gleich? Ach Gott, nun hab' ich's vergessen! Na, das thut Nichts, geben Sie mir et was in derselben Preislage!" Moderne Jugend. Back fisch (zu ihrer Freundin): „Du mußt entschuldigen, daß Mama dies eben zu Dir sagte; es war mir sehr peinlich; aber was kann man ma chen? Sie ist eben eine „Mama ter rible!" 'Zerstreutheit. Arzt „Sie haben doch nichts Ungesund, genossen?" Dame: „Nein, i war gestern nur in einer Kaffeeg fellschaft." Arzt: „Zeigen Sie mal Ihre Zunge." Kurirt. „Nun, welche Er folge hattest Du mit Deiner Kur?" „Er war ein tüchtiger Mann, dieser Doktor. Ich hoffte von ihm kurirt zu werden, aber ich bin durch ihn von allen Aerzten kurirt." Stilles Sehnen. —Mann: „Schon wieder willst Du einen Hut; wie kann man denn nur immer so auf sein Aeußeres bedacht sein?" Frau: „Na, in meinem Innern trag' ich ihn schon längst!"
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Der entdeckte Lohengrin. „Wirklich, Sie haben eine herr liche, ganz wundervolle Stimme. Schade, daß Sie nicht Opernsänger geworden sind. Ich bin fest davon überzeugt, daß Sie noch einmal ein berühmter Künstler werden." „Wollen wir hoffen!" antwortete der Angeredete, seines Zeichens Tischler und mitNamen Fritz Hun ger, der soeben vor einem kleinen Kreise von Zuhörern im Gasthofe Zum nackten Frosch ein Lied gesun gen und reichen Beifall geerndtet hatte. Mit Stolz ließ er sich jetzt nieder. „Leider bin ich noch zu unbe kannt," hub er an. „Doch vielleicht werde ich eines schönen Tages ent deckt, und dann, meine Herrschaften, sollen Sie sehen, was aus einem Tischler Alles werden kann!" In einer Seitennische des Gast hofes saßen zwei Herren. Sie wa ren offenbar angeheitert. „Mit dem Kerl muß äch mir doch einen Scherz machen," sagte der Eine zum Andern, „daß ihm jede weitere Lust von seinem Gröhlen, das er Gesang nennt, vergehen soll. Ich werde ihn meinem Kapellmeister Flöter, diesem unübertrefflichen Grobian, auf den Hals schicken, der wird es ihm eintränken." „Verzeihen Sie, mein Herr, ich bin der Direktor Schneider u. habe das Vergnügen gehabt, Ihrem Ge sang zu lauschen. Sie haben eine wundervolle Stimme. Sie haben das Zeug zu einem Lohengrin." Hunger war nämlich ein baumlan ger kräftiger Mensch. „Es wäre thatsächlich ein Vergehen gegen die Kunst, wenn Sie nicht der Bühne zugeführt würden. Ich mache Ih nen einen Vorschlag. Wenden Sie sich an meinen Kapellmeister Flöter ich muß auf zwei Wochen leider verreisen der wird Ihnen den weiteren Weg zum Ruhme zeigen. Hier haben Sie meine Karte, die ich dem Herrn Kapellmeister zu über reichen bitte. Bestehen Sie darauf, daß er-Sie als „Lohengrin" enga girt. Doch noch eins. Der Herr Kapellmeister ist ein äußerst grober Mensch. Lassen Sie sich aber da durch nicht einschüchtern. Kommen Sie ihm wieder grob. Je gröber, je besser. Und suchen Sie ihn schon vor 6 Uhr Morgens auf. Der Herr Kapellmeister steht nämlich fehr, sehr früh auf." Hunger stammelte einige Worte des Dankes, und Direktor Schnei der mit feinem Begleiter entfernte sich, im Innern sich über das Aben teuer amüsirend, das seinem Kapel lmeister beschieden sein würde. Um 6 Uhr Morgens am folgen den Tage klingelte Hunger bei dem selbstverständlich noch im tiefsten Schlafe liegenden Kapellmeister. Endlich läßt sich eine feine Stimme, die des Dienstmädchens, vernehmen. „Wer ist da?" Fritz Hunger. Ich will den Herrn Kapellmeister sprechen." „Aber, mein Herr, der schläft noch!" „Ich muß ihn aber sprechen." Sie mich dann wenig stens ankleiden. Nach ein paar Mi nuten wird geöffnet. „Hier," sagte Hunger, „bringen Sie diese Karte dem Herrn Kapell meister." Das Dienstmädchen wandte sich an die ebenfalls noch im Schlafe liegende Hausfrau. Den Kapellmeister, der regelmäßig bis 10, ja 11 Uhr schlief, zu wecken, da zu fehlte ihr der Muth. „Der Herr draußen will sich durchaus nicht abweisen lassen Er behauptet, den Herrn Kapellmeister sprechen zu müssen." Die Haus frau erhob sich, ungern zwar, aber der Noth gehorchend, und weckte ih ren Gatten. „Ich glaube, Du mußt den Herrn empfangen. Er kommt vom Direk tor Schneider." Der Kapellmeister wollte sich durchaus nicht dazu ver- stehen. Heute war er gerade beson ders müde. Endlich gab er dem Drängen seiner besorgten Ehehälfte nach. Unwillig erhob sich der sehr beleibte Herr Kapellmeister, und nicht lange danach stand Fritz Hun ger vor ihm und schilderte seine Be gegnung mit dem Direktor. „Singen Sie einmal." Hunger sang ein Lied. Schon nach den er sten Takten merkte der Kapellmei ster, daß sich sein Direktor mit ihm einen Scherz gemacht habe. Er är gerte sich. „Mensch, Sie singen ja wie eine Krähe. Das nennen Sie Gesang? Sie wallen als „Lohengrin" enga girt werden? Unsinn, Blödsinn!" Hunger erinnerte sich der Worte des Direktors, recht grob zu sein. „Nun, dann verstehen Sie Nichts. Denn Sie werden doch das Urtheil des. Direktors nicht umwerfen wollen." „Und ich sage Ihnen, daß Sie durch aus keine Stimme haben!" Hunger lachte ihn aus. „Werden Sie nicht unverschämt!" „Ich unverschämt? Sie vielleicht, Sie alter Grobian!" „Herr!" „Herr!" „Was, Sie „Sie!" Und dann lagen sie sich in den Ar men, aber nicht vor Rührung und Freude, nein, sie hatten sich gepackt und rangen. Der dicke Kapellmeister keuchte wie eine Maschine, und der lange „Lohengrin" reckte sich noch länger, um sein grobes vis-a-vis zur Erde zu wer fen. Beide geriethen in Schweiß. Endlich glückte es dem Kapellmeister, sich den Liebkosungen des entdeckten „Lohengrin's" zu entziehen. Er fühlte sich diesem baumlangen Kerl gegen über doch ohnmächtig. Die Wuth hier über erzeugte in seinem Hirne einen Plan. Er wollte es nun auch dem Di rektor besorgen. Wieder stehen sich Beide, der Kapellmeister und Hunger, wie zwei Kampfhähne gegenüber. Sollte er der Kapellmeister sich mit diesem Riesen-„Lohengrin" noch einmal messen? Nein. Er ergreift die Hand seines Gegenübers. „Sie sind doch ein großer Künstler. Sie sollen die Rolle des „Lohengrin" übernehmen. Ich engagire Sie! Ich wollte Sie nur prüfen, ob Sie auch al len Hindernissen eines Künstlerlebens Trotz bieten können. Sie haben die Prüfung glänzend bestanden!" Nach vierzehn Tagen traf der Di rektor wieder ein. „Ich habe ihn engagirt, Ihren ent deckten „Lohengrin," mit -dreihundert Mark monatlicher Gage." „Was? Kapellmeister, sind Sie von Sinnen?" „Sie haben es ja gewünscht!" „Aber das war doch nur ein Scherz!" „Ich danke, ein netter Scherz, Ihr „Lohengrin" hätte mir bald alle Kno chen im Leibe zerschlagen. Ich habe ihm die Rolle übertragen müssen. Er studirt sie bereits." „Sind Sie des Teufels? Der Kerl soll den „Lohengrin" spielen?" „Sehen Sie zu, wie Sie mit ihm fertig werden. Aber nummeriren Sie Ihre Knochen, der Kerl schlägt Sie windelweich." Der Direktor war sprachlos, er be reute seinen Scherz. Doch was war zu machen. In Be gleitung handfester Männer begab er sich zu seinem entdeckten „Lohengrin." Als er ihn verließ, da war er um meh rere hundert Mark leichter. Denn Hunger wollte sich zu Nichts verstehen. Erst als dieser die vielen funkelnden Füchse auf dem Tische sah, stand er von seiner Rolle zurück. „Wissen Sie, Herr Direktor, dafür lasse ich mich gern noch ein paar Mal entdecken!" sagte er schmunzelnd und strich sein Geld ein. Neger in der Marine-Akademie. Wie es unter der Herrschaft des Gottesgnadenthums in Preußen „feudale" Regimenter giebt, deren Of fizierscorps in ihren Reihen keinen Vertreter der bürgerlichen Canaille duldet, selbst wenn derselbe ein Ideal militärischer Tüchtigkeit wäre, so hat „Onkel Sam" in den Marine-Offi zieren ein Corps gezüchtet, das sich üben den gewöhnlichen Sterblichen hoch erhaben dünkt. Mit Argusau gen wachen diese „Coburger," damit lein Unberufener in die Marine-Aka demie zu Annapolis eindringe, und wenn dies doch einmal geschehen, dann wird. Nichts unversucht gelassen, um das unwillkommene Element wieder „heraus zu graulen.". Dies kann man jetzt wieder beobachten, da ein junger Neger, Namens Bundy, die Ernen nung als Kadet erhalten hat. Selbst verstandlich ist die Disziplin der Ma rine-Offiziere so stramm, daß kein Einziger dem jungen Manne Schwie rigkeiten machen oder dulden wird, daß die anderen Kadetten ihrem far bigen Kameraden offen entgegen tre ten; allein es giebt so viele Mittel und Wege, um dem „Eindringling" das Leben in der Akademie zur Hölle zu machen, das bisher noch kein Neger das Bundesinstitut in Annapolis ab solvirt hat. Was trotz des Schutzes, den die zur Dienstleistung in der Aka demie commandirten Osfiziere un zweifelhaft angedeihen lassen werden, sein Schicksal sein wird, kann ohne be sondere Prophetengabe vorausgesagt werden. Seit der Existenz der Marine-Aka demie hat es erst drei farbige Kadetten gegeben. Der erste Neger, welcher in aufgenommen wurde, war James H. Canyers aus Süd-Caroli- na. dessen Ernennung im September 1872 erfolgte. Der junge Mann wurde von seinen Kameraden mit der schnödesten Mißachtung behandelt und nicht eines Wortes gewürdigt. Bezüglich seines Umganges war er auf Rassengenossen angewiesen, wel che ihn während seiner wenigen Frei stunden besuchten, und daß solche Be suche überaus selten waren, braucht wohl kaum besonders betont zu wer den. Die angehenden „Coburger" gingen in ihrer Animosität so weit, jede Berührung mit dem geächteten Neger zu vermeiden, selbst wenn dies unter Mißachtung eines Dienstbefehls geschehen mußte. Bei den Fechtübun gen trat dies besonders zu Tage. Da die Kadetten sich ihre Gegner selbst auswählen durften und meistens eine ungerade Zahl vorhanden war, so war Canyers stets gezwungen, unthä tig zuzuschauen, da Keiner mit ihm die Klinge kreuzen wollte. Eines Tages hatte die Klasse sich etwas verspätet und Canyers stand wieder müßig da, als der inspizirende Lieutenant C. C. Cromwell einem anderen Kadetten be fahl, mit dem geächteten Neger zu fechten. Der hoffnungsvolle „Kobur ger" aber lehnte dies rundweg ab und wurde selbstverständlich wegen Insubordination rapportirt. Vor die Alternative gestellt, entweder den Lieutenant Cromwell um Entschuldi gung zu bitten oder aus der Akademie verwiesen zu werden, zog der Bursche das Letztere vor. Aber auch Canyers selbst blieb nicht lange nach diesem Zwischenfall. Er erwies sich den be deutenden Anforderungen, welche an die Kadetten auf wissenschaftlichem Gebiete gestellt werden, nicht gewach sen, plumpste bei'm Examen durch und verschwand. Der zweite farbige Kadet war Alonzo C. McClellan aus Süd-Ca rolina, der im September 1873 vom Präsidenten ernannt wurde. Bis zum folgenden März blieb er in dem In stitut; dann wurde er wegen Lügens an Bord der „Santee" geschickt und in Folge dessen quittirte er freiwillig. McClellan ist heute Apotheker in Charleston, S.-C. Der dritte und letzte Neger, welcher der Akademie an gehörte, war Henry E. Baker aus Mississippi, dessen Ernennung im Jahre 1874 erfolgte. Dieser hatte nicht blos unter der allgemeinen Miß achtung der übrigen Kadetten zu lei den, sondern wurde von denselben ge radezu barbarisch maltraitirt. Eines Tages wurde er in so scheußlicher Weise „geprellt," daß der Offizier du jour zu seinem Schutze mit gezogenem Säbel dem Unfug ein Ende machen mußte. Während er eines Abends in einem Trupp über den Exerzierplatz marfchirte, fiel die ganze Bande über den Wehrlosen her und mißhandelte ihn. Von dieser Affaire wurde dem Admiral Worden, der damals Su-! perintendent der Akademie war, keine Meldung gemacht, allein die Geschichte wurde von den Zeitungen publizirt und dadurch erhielt der genannte Of fizier Kenntniß davon. Er war au ßer sich vor Zorn und die Uebelthäter wurden streng bestraft. Trotzdem hatte Baker weiter zu leiden. Eines Tages schlug ihm bei Tisch ein Kadet mit ei nem Stuhl gegen das Schienbein und als Baker dem Burschen darauf ein Schimpfwort in's Gesicht schleuderte, wurde er rapportirt. Vom Kriegs gericht wurde deshalb seine Entlas sung angeordnet, doch waren die Au toritäten in Washington Willens, ihn wieder zu rehabilitiren. Allein Baker hatte genug und quittirte. Nach sei nem Austritt widmete er sich dem Studium der Rechte und heute beklei det er eine Stellung im Postamte zu Washington. Außer diesem verun glückten Kleeblatt erhielt noch ein Ne ger aus Chicago, Robert Wheeler mit Namen, die Ernennung als Kadet, allein dieser meldete sich niemals zum Dienstantritt. In Annapolis gilt es seit Jahren als Maxime, daß kein Kadet, dem die Zöglinge der ersten Klasse nicht wohl wollen, graduiren kann. Dies ist darauf zurückzuführen, daß fast alle Rapporte wegen Dienstvergehens von den Mitgliedern dieser Klasse ge macht werden, und bei den überaus strengen Dienstvorschriften in der ist es einem Kadetten, dem die anderen aufsässig sind, kaum mög lich, alle Klippen sicher zu umschiffen. In Anbetracht dieser Umstände wird auch dem jungen Bundy das Schick sal, aus der Akademie „herausgeekelt" zu werden, Wohl nicht erspart bleiben. Kaiserin Taitou. Eine der Wrmähltesten Frauen der ganzen Erde ist die Gemahlin des Ne gus Menelik von Abessynien, die all mächtige Kaiserin Taitou, welche, da sie die unbedingteste Herrschaft über ihren kaiserlichen Gatten ausübt, in Wahrheit die Lenkerin der Geschicke ihres dunklen Heimathlandes ist. Es war in den sechsziger Jahren, da Prin zessin Taitou, damals noch ein kaum erwachsenes Mädchen, zusammen mit all' ihren Verwandten, Prinzen und Prinzessinnen der alten Dynastie, vom Kaiser Theodor vom abessinynischen Hofe verbannt wurde und am Hofe von Gondar eine Zufluchtsstätte fand. Hier lernte Taitou zuerst den Prinzen Me nelik kennen, und eine gegenseitige tiefe Herzensneigung sproß zwischen den Beiden auf. Allein das Geschick riß die beiden Liebenden nur zu bald aus einander. Menelik und Taitou hatten schon den Tag ihrer Vermählung fest gesetzt, als plötzlich eine Botschaft von Kaiser Theodor einlief, die Verbann ten wieder an seinen Hos berief, ihnen Sicherheit und Leben zusagte, sie wie der in ihre Besitzungen einzusetzen ver sprach, ja, ihnen seine unwandelbare -Gunst in Aussicht stellte. Die Lieben den folgten der Einladung Theodor's, aber ihre Rückkehr hatte die traurigsten Folgen für sie selbst: der Negus faßte eine heftige Leidenschaft für Taitou. erhob sie zu seiner Kaiserin und gab dem verwaisten Menelik als Entschä digung eine seiner eigenen Töchter zur Frau. Taitou war somit zwar die Ge mahlin des regierenden Fürsten gewor den, aber ihr Loos war ein trauriges. Sie erlitt unsägliche Mißhandlungen von ihrem brutalen Manne, so daß sie seinen Tod. der bei der Erstürmung von Magdala erfolgte, als eine Erlö sung aus tiefem Elend willkommen hieß. Die Kaiserin-Wittwe blieb nicht lange unvermählt. Die liebebedürftige Frau schenkte bald darauf Herz und Hand einem tapferen General, Namens Ualde Gabriel. Dieser fiel wenig spä ter in der Schlacht. Sein Nachfolger in der Liebe der Ex-Kaiserin wurde General Thackle Ghiorgis, der Oberst- Eommandirende von Tigre. Da Tai tou aber mit diesem Krieger eine sehr unglückliche Ehe führte, so ließ sie sich wieder von ihm scheiden und heirathete den Gouverneur von Anigou. Aber auch seiner wurde sie nicht froh. Kai- ließ ihn in's Gefängniß werfen und bald darauf hinrichten. Ueber dieses stete Mißgeschick in der Ehe wurde Taitou schwermüthig und zog sich in ein Kloster zurück. Doch bald kehrte die alte Lebenslust ihr wie-, der. Sie verschaffte sich einen erzbi schöflichen Dispens, der sie von ihrem Gelübde befreite. Das Erste, was sie that, war sich von Neuem zu ver mählen. Diesmal mit einem zwar ti tellosen, aber äußerst reichen Manne des Namens Znocaragagiou; auch in ihm hatte sie sich schwer getäuscht; sie wurde von ihm auf das Grausamste mißhandelt, und oftmals waren Züch tigungen mit der Peitsche ihr Loos. Daher ließ sie ihn, unter dem Vorwand, ihre Mutter besuchen zu wollen, im Stich und flüchtete sich zu ihrem Bru der in der Provinz Ephrata. Hier traf Taitou im Jahre 1882 wieder mit ihrem ersten Verlobten mit ihrem Vet ter Menelik zusammen, der mittler weile König von Shoa geworden war. All' die alte Liebe, die einst die Beiden verbunden, flammte bei dieser Begeg nung wieder auf, und Menelik bewog sie, mit ihm an seinen Hof zu ziehen. Menelik war vermählt, und seine Gat tin, die Königin Tosuna, sah die Ne benbuhlerin mit stillem Grimme am Hofe erscheinen. Allein, ihr Schicksal war bereits besiegelt. Menelik ließ sich von ihr scheiden, und da sie ihm auch da noch unbequem war, ließ er sie hinrich ten. Jetzt waren die lang getrennten und nunmehr neu vereinigten Lieben den aller Fesseln ledig, und die Prin zessin wurde, fünfunddreißig Jahre alt, im Jahre 1885 die Gemahlin Me nelit's. Seitdem ist Kaiserin Taitou ohne Nebenbuhlerin auf dem Thron und in der Liebe ihres Mannes geblie ben. Sie beherrscht den Kaiser, der ihr blind ergeben ist, unbedingt. Er unter nimmt Nichts ohne den Rath seiner Taitou. der „Königin aller Königin nen. der Sonne und des Lichtes von Aethiopien." Sie ist eine schön ge wachsene Frau von hoher Intelligenz, hat regelmäßige Züge, und nur ihr Mund weist eine eigenthümliche Miß gestaltung auf, die sie bei'm Sprechen zu verbergen sucht. Ihre Hautfarbe ist ein schönes Braun, ihre Augen sind groß und schwarz. Sie kleidet sich nach äthiopischer Mode, aber mit viel Ge schmack und Eleganz. Um ihren Hals, ihre Hand- und Fußgelenke trägt sie goldene Reifen. Sie liebt französische Liquöre und Champagner über Alles, und da geschieht es manchmal, daß sie des Guten zu viel thut. Altrömische Gastmähler. Die alten Römer waren nicht weni ger geplagte Menschen, als wir es sind! Den ganzen Tag über mußten sie repräsentiren, Klienten empfangen, Senats Sitzungen und Volks-Ver sammlungen beiwohnen, von Zeit zu Zeit an einer Hochzeit oder einem Be gräbniß theilnehmen, und noch viele Wandere Plackereien ertragen. Das ge lhörte eben zum guten Ton. Es blieb dem vornehmen Römer also nur der Abend zu seiner Erholung und Unter haltung und zur Pslege der Freund schaft. Abends nur versammelte er l seine Freunde um sich; die Gäste wur den durch Sklaven feierlich eingeladen, !am Gastmahl theilzunehmen, zu wel !chem die Frauen in der ersten Zeit nicht hinzugezogen wurden. Lan !ge Zeit noch, nachdem man die Frauen als der Gesellschaft der Männer wür dig erachtet hatte, zeigten die niedrigen Stühle, die man ihnen neben den Ru jhebetten der Männer anwies, die nie drige Stellung an, welche die Frauen im alten Rom einnahmen. Die Ein geladenen, welche die feierliche Toga und die Schuhe mit hellen Gewändern und Sandalen vertauscht hatten, harr ten im Peristyl (einem den Hof von allen Seiten umgebenden Säulengang) der Aufforderung des Sklaven, sich die Hände zu waschen. Darauf wurde jeder Gast zu seinem Platze in das Eßzimmer geführt, wo Ruhebetten u. Ruhekissen um kleine runde Tische gruppirt waren. Die Zahl der Gäste durfte nie unter drei, die Zahl der Grazien, sein, aber auch nie neun, die Zahl der Musen, übersteigen. Ueber dem Tische waren Rosen das Sym bol des Schweigens befestigt. Das Zimmer war mit Guirlanden geschmückt, der Fußboden mit Blumen bestreut; jeder Gast setzte einen Blu menkranz auf's Haupt, ein kleiner Strauß wurde neben sein Gedeck auf den Tisch gelegt. Ein Diener las dann das ihm von einem kleinen Skla ven auf silberner Platte überreichte Menu laut vor. Der „Vorschneider" zerlegte die Speisen und theilte die Portionen aus. Wein wurde nur mit Wasser gemischt getrunken, der von hübschen Knaben von dem Misch gefäß in die Pokale geschöpft wurde. Die obligate Becherzahl war drei: dem Zeus, der Higieia und dem Schutzgeist geweiht, man brachte aber jedem Freunde wie jeder Freundin eins, ja sogar wer's aushielt so viel Gläser, als der Name der Liebsten Buchstaben enthält. Uebrigens kann ten schon die allen Römer die Raffine ments der modernen Civilisation. Es, fehlte u. A. auch nicht an Ueberra schungen bei Tische: so wurden z. B. in den Leib eines Wildschweins leben-> de Krammetsvögel eingenäht, welche natürlich bei'm Aufschneiden der Sau Sau ihrem unfreiwilligen Versteck ei ligst entschlüpften. Aber auch Genuß mittelverfälschungen waren auf der Tagesordnung, gerade so wie heute. Man fälschte den Falerner, man färb te Früchte und Gemüse mit Salpeter wasser, man schwindelte und betrog, wo es nur anging. Wenn zumSchlusse' das Desert servirt wurde, begannen die Toaste. Sobald die Liqueure aufgetragen wurden, traten Mädchen ein, Sängerinnen und Tänzerinnen, und die angeregte Unterhaltung währ te bis Mitternacht. Dann verabschie deten sich die Gäste, ein Sklave trug ihnen in einer Serviette die Reste der Mahlzeit (zur Erinnerung an das Gastmahl) nach, während ein anderer ihnen die Fackel vorantrug. Riesrndörfrr und Zwergsiädte in Teutschland. Nach den Ergebnissen der Volkszäh lung giebt es in Deutschland 34 Land gemeinden, die über 10,000 Einwohner zählen. Es sind nach der Größe ge ordnet folgende: Schöneberg, 62,6Ä; Rixdorf. 59.937; Altendorf, 40,299; Borbeck. 34,807; Lichtenberg. 28,852; Altenessen, 20,984; Neu-Weißensee, 25.048; Herne. 19.321; Löbtau. 19,- 106; Beeck. 18.800; Zaborze, 18,- 395; Schalke. 18,328; Bottrop. 18.- 019; Langenbielau, 17,613; Steglitz. 16,522; Buer, 16,127; Giebichenstein, 15,072; Langendreer, 15,057; Alt- Zabrze, 14,016; Bredow. 13,545; Dudweiler, 13,467; Sulzbach. 13,- 275; Laurahütte, 11,485; Sterkrade, 11,315; Lechhausen, 11,019; Ruda, 10,996; Langerfeld, 10,898; Bogut schütz, 10,779; Reinickendorf, 10,667; Weitmar, 10,283; Vilich, 10,225; Altwasser, 10,212; Nowawes, 10,055; Bensberg, 10,006. Diese Riesendör fer liegen, abgesehen von den der Ein gemeindung harrenden Vororten von Großstädten, wie um Berlin (7). Stet tin (1). Halle (1), Augsburg (1) und Dresden (1), ausnahmslos in den Bergbaugebieten Oberschlesien's (1), Westphalen's (7) und der vinz (9). Das Gegenbild zu diesen Riesendörfern sind die ganz kleinen Städte, die noch aus alter Zeit die Stadtgerechtigkeit erhalten haben. Nicht weniger, als 139 von ihnen ha- ben es auf noch nicht 1000 Einwohner gebracht. Die kleinste Stadt im deut schen Reich ist Hauenstein im badischew Kreis und Amtsbezirk Waldhut, di 4 „Hauptstadt" des Hotzenlandes; siÄ zählt 160 Einwohner. Die größten Zwergstädte sind: ZavelsteirS in Württemberg, 301; Berneck. 343zL Fürstenberg inWaldeck, 350; Blumen feld in Baden, 350; Lißberg in 353; Staden in Hessen, 400; Hering: in Hessen, 450; Lagow in Branden burg, 454; Neusreistett in Baden, 470 Z Psirt im Elsaß, 485; Waldeck in deck, 486; Teichel in Schwarzburgx Rudolstadt. 495. Aufzubewahrende Briefe. Als der Schriftsteller Thomas Bai? ley Aldrich einen Brief von feinem- Freunde, dem Professor E. S. Mörses dem berühmten Ex-Präsidenten deik amerikanischen Akademie zur Beför derung der Wissenschaften, fand er die Handschrift vollkommen unleserlich. Daraufhin ertheilte eri folgende Antwort: „Mein lieber Herx Morse! Es bereitete mir große Freu de, vor wenigen Tagen einen Brief vol? Ihnen zu erhalten. Vielleicht wäre es für mich noch angenehmer gewesen, wenn ich ihn hätte lesen können. Ich' vermochte davon aber nichts Anderes herauszufinden, als das Datum das ich erkannte, und Ihre Unter schrift, die ich errieth. Ein Brief von Ihnen hat allemal einen eigenen und' auch andauernden Reiz; er wird nie mals alt. Jeden Morgen kann man sich auf's Neue sagen: Da ist ein Brieh von Freund Morse. Noch hab' ich ihn nicht gelesen. Ich denke ihn heute vor-- zunehmen, und vielleicht bin ich im Laufe einiger Jahre im Stande, zu entziffern, was er mit seinen t's, die wie w's, und mit den g's, die p's aus sehen. eigentlich meint. Andere Briefe werden durchlesen und dann weggeworfen und vergessen, die Ihri gen dagegen für immer aufbewahrt. Ein einziger reicht davon für einen halbwegs verständigenMann das ganze Leben lang aus. In ge wohnter Verehrung Ihr T. B. Al drich." Ter schlaue Ungar. Es war zu Chicago. Ein neuein gewanderter Schwabe wurde von ei nem irischen Raufbold angegriffen u. theilte einige „Schwabenstreiche" aus, die dem Sohne der grünen Insel daS irdische Dasein prompt abschnitten. In den Ländern des englischen Rech tes bedarf es zu einem schuldigspre chenden Erkenntniß der Geschworenen der Einstimmigkeit. Es kam also darauf an, einen Freund des Ange klagten in die Geschworenenliste hin einzubringen, denn die Anklage war auf Mord gerichtet und es hatte sich eine ganze Reihe von Landsleuten des Erschlagenen gefunden, die bereit wa? Ren, das Vorhandensein sämmtlicher „Requisiten" der vorsätzlichen, mit Ue berlegung ausgeführten Tödtung zn beschwören. Dem Anwalt des Deut schen gelang es in elfter Stunde, einen Ungarn auf die Geschworenenbank zn bringen, der mit sich reden ließ und dem tausend Dollars versprochen win den, wenn er sich weigern würde, für- Mord zu stimmen. .Lassen Sie sich auf keine Unterhandlungen ein/ schärfte ihm der Advokat in geheimer Conferenz ein, „sagen Sie nur immer zu: Todtschlag!" Der Fall wurde verhandelt, der Advo-kat that sein Be stes und die Geschworenen zogen sich! zur Berathung zurück. Eine Stirnde um die andere verging, bis um Mitter nacht der Obmann den Wahrspruch verkündete: „Schuldig des Todt schlags!" Der Schwabe wurde zn zwei Jahren Gefängniß verurteilt. Schweißtriefend stellte sich der unga rische zwölfte Mann bei dem Anwalt ein, der ihm die tausend Dollars ein händigte und ihm warm die .Hand drückte. „Na. Sie müssen eine schwe re Arbeit gehabt haben, die Elfe zum bloßen Todtschlag zu überreden." „Dos will ich manen," sagte der Un gar. „Hob ich fünftausend Mal ge sagt: Todtschlag woren nämlich Andere olle für Fraifprechung." Ein Ereig n i ß. Bumske? „Mit diesem Anzüge habe ich die Reise um die Welt gemacht." Humpske: „Allerdings ein Ereigniß von großer Tragweite." Berechtigter Hochmut h. Sie: „Ich bitte Dich, lieber Mann, schau' Dir nur einmal dort Nachbars Lene an, den Stolz, den die jetzt hat, weil sie den bekannten Waldhornblä ser Meier geheirathet hat." Er: „Deshalb ist sie ja so stark aufgebla sen." Nachwehen. „Ihre Kran? heit hat also gar keine üblen Folgen hinterlassen?" „O doch; die Dob tor- und Apotheker Rechnung." 5
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6 Ter gestörte Skat. '.Sit/ saßen bei'mSkat, Meyer, Mitt ler und Lehmann. Müller hatte so eben einen Grand mit Vieren gewon ven. l „Ja, wenn Sie nicht in die Karten guckten, hätten Sie den Grand auch Vicht gewonnen!" sagte Meyer. „Was, ich soll in die Karten sehen? Das ist eine Beleidigung! Wie kom men Sie dazu?" Müller war außer M „Und doch haben Sie in die Karten gesehen!" „Ich erkläre hiermit, daß dies nicht Hahr ist!" „Und ich erkläre, daß Sie in die Karten gesehen haben." „Herr, Sie sind ein Lump, wenn Sie diese Beleidigung nicht zurück nehmen." x „Fällt mir gar nicht ein." „Was? Sie, Sie, Sie Müller Wollte sich auf Meyer stürzen, doch Lehmann trat energisch dazwischen. Müller verklagte Meyer. „Halten Sie, Herr Meyer, auch heute noch Ihre Behauptung ausrecht? fragte der Richter, x „Jawohl!" „Wie kommen Sie zu dieser Aeuße rung?" „Nun. gewiß hat Müller in dieKar !en gesehen, aber in seine eigenen. Wie Hätte er sonst spielen lönnen." i „Warum haben Sie denn das nicht gleich gesagt, Meyer?" bemerkte Mül iler. „Aber Müller," erwiderte Meyer, Konnte ich denn wissen, daß Sie so duckm sein würden, den Witz nicht zu Werken?" Sie versöhnten sich wieder. Pie Mebenbutiter. „Ja, meine Herren, die alte Wech selmaschine da. die pustet u. schnaubt, wie ein abgetriebenes Pferd, könnte eine Geschichte erzählen, wenn sie nicht so kurzathmig wäre. Es ist die Ma schine, die John Wright fuhr, als ick sein Heizer war. Laß sehen ich fahre nun drei Jahre ja, im Sep zember sind zehn Jahre darüber ver gangen. John war ein stattlicher Mursche. Er war gut seine drei Ellen hoch und dazu war er breitschulterig, Blber außerdem war er eigentlich ein Sonderling. Ich sagte ihm oft, er Krauche eine Frau, die auf ihn Acht gebe. Haha! Er machte sich seinen Thee immer mit Wasser aus dem Dampfkessel, und wenn ich ihn aus lachte. gab er mir einen Schlag auf den Rücken und antwortete: Was für das Pferd gut genug ist. ist's auch sür den Reiter. Harry. Er war ein eige ner alter Bursche." 5 „War er denn ein alter Mann?" j'' „O nein; einige vierzig Jahre war kt alt. denke ich; aber ich war damals erst 23 Jahre und er erschien mir alt im Vergleiche zu mir. Er war. wie gesagt, unverheirathet und schien es auch bleiben zu wollen. Zu einem Frauenliebling war er freilich nicht geschaffen. Aber stille Wasser sind m tiefsten und John Wright hatte Fein kleines Geheimniß, i -Etwa drei Meilen vor der Stadt werkte ich gewöhnlich, daß er drei Kfeifensignale gab und stets über die Melder hinüber blickte, als ob er nach ZEtwas ausschaue. Ich fragte ihn ein jpaar Mal, was es war, aber er ant wortete ausweichend und lenkte das Gespräch auf etwas Anderes. Ich Hielt indessen meine Augen offen. Es war im Winter, als ich John's Heizer wurde und es war gut acht Uhr Abends, wenn wir mit unserem Gü terzuge auf dem Wege nach Carnham i>ie besagt? Stelle passirten. Sie wis sen vermuthlich, daß die Strecke berg vn steigt, und wir hatten nie besonders schnelle Fahrzeit, besonders wenn wir gu viel zu schleppen hatten. Aber Al les, was ich während einiger Monate jentdecken konnte, war der dunkle Um- Uiß eines kleinen Hauses, das eine Strecke weit fort in den Feldern lag. Vor dem Fenster hing eine rothe Gar dine. Was meine Aufmerksamkeit da rauf richtete, war der Umstand, daß jedes Mal, wenn wir vorbei fuhren, das Fenster regelmäßig plötzlich hell tvurde. 1 Auch in John Wright's Gesicht fvurde es hell, sobald er daT sah. Solch' ein Lächelns... Und er hatte kin freundliches Gesicht, der alte John Dann schien er eine Weile in an genehme Gedanken versunken. Ich konnte nicht daraus klug werden, denn ich hielt John für einen brummigen, .Vlten Hagestolz, so ein braver Kerl er auch sonst war. Aber die hellen .Llbende brachten das Geheimniß Her- Mus. Es nützte ihm nicht länger, ein Schloß vor den Mund zu halten; denn da, in dem kleinen Garten vor dem! Hause, sah man ein hellrothes Kleid/ einen Sonnenhut und eine kleine Hand, die ein Taschentuch schwenkte, bis wir vorbei waren jeden Abend, so pünktlich wie ein Uhrwerk. Das erste Mal, als ich das sah/ neckte ich John tüchtig, und er errö thete ja, denken Sie sich nur, errö thete wirklich. Obwohl sein Gesicht kupferfarbig war, kann ich darauf schwören, daß er erröthete. Aber er sah so vergnügt und stolz aus; denn da waren wir bereits so gute Freunde geworden, daß er nichts dagegen hatte, daß ich darum wußte. Nach und nach kam die ganze Wahr heit heraus. John und ihr Vater, der Weichensteller bei der Station Chubb, eine halbe Meile weiter auf der Strecke, waren Jugendkameraden. John hatte N?ary Mathers von Geburt an gekannt, und als sie Kind war, setzte er sie sich auf's Knie und sagte, er wolle auf sie warten damals noch gewiß blos im Spaß, aber wie sie allmälig aufwuchs, merkte er, daß er bei ihr lieber war, als ir gendwo sonst in der Welt. Dann er krankte ihr Vater Tom Mathers, und ich erfuhr später vermuthete es übrigens schon damals daß John Wright vier Menschen statt eines mit seinem Lohne versorgte. Mary's Va ter wurde nie mehr arbeitsfähig. Er lag Jahre lang halb unzurechnungs fähig und dann starb er. Sie können glauben, John war ein Vater für die Vaterlose und ein Ver sorger für die Wittwe. Wie gern wollte er, daß die Tochter sein werden sollte! Und Mary sckien auch nichts dagegen zu haben. Warum sollte auch? Sie hatte nie Jemanden ken nen gelernt, den sie lieber hatte, ein stattlicherer Bursche als John> Wright hat niemals in den Schuhen' gestanden. Er ließ sie daß sie die Lampe in dem Zimmer mit der rothen Gardine anzünden würde, so oft er an dunklen Abenden auf sei ner Maschine vorbei sauste, und an hellen Abenden ihm zuwinken würde. Das war etwas zum Mitnehmen, sagte er; es schlug ein warmes Herz in John. Eines Samstags Abends sagte er: „Harry, könntest Du nicht morgen mit mir hinüber gehen?" „Wohin?" „Zu Mrs. Mathers natürlich. Ich möchte gern, daß Du meine Mary ken nen lernst; dann kannst Du mir er zählen, was Du von meiner Liebsten hältst." Bei diesen Worten erhielt sein Gesicht jenen abwesenden Ausdruck von stillem Glück, und ich wußte, er liebte das Mädchen, wie wenige Mäd chen geliebt werden. Ja, ich ging mit, und da wünschte ich, ich hätte es nie gethan. Ich war sofort getroffen und fühlte, daß ich nie mehr derselbe Mensch werden wür de. Gott verzeihe mir! aber seit jenem Sonntag Nachmittag fühlte ich zuweilen, daß ich John Wright haßte. Wenn sie so am Zaune stand, mitten zwischen dem Hause und der Signal bude wie sie es jeden Abend seit dem Tage, da ich mit John gegangen war, that und ihm verschämt zu winkte und er ihr einen plumpen Kuß zuwarf, dann war mir's, als könnte ich ihn von der Lokomotive hinab stür zen. Ich kämpfte dagegen, und Sie müs-! sen wissen, daß ich das nicht so die ganze Zeit fühlte, denn wir waren gute Freunde und keiner konnte etwas merken. Aber wenn er von ihr in sei ner ruhigen Art sprach von Hoch zeit und dergleichen war es mir wie ein Messerstich. Dann nöthigte er mich wieder ein mal, einen Sonntag mit ihm in dem kleinen Hause zu verleben. Ich suchte darum herum zu kommen, aber er wollte von keinemEinwande hören und ob es nun geschah, um seine Gefühle nickt zu verletzen, oder weil ich es nicht fassen konnte, hinzugehen kurz, ich i begleitete ihn. Später kam ich noch Male hin und verliebte mich immer mehr und mehr in John's Lieb ste; ja. was das Schlimmste war, ich i konnte nicht blind dagegen bleiben, daß auch ich Mary keineswegs gleichgültig war. Aber das sage ich, daß ich nie versuchte, Mary zur Liebe zu mir zu gewinnen, und nie wurdq zwischen uns ein Wort von Liebe gesprochen. Aber zuweilen schien es mir, als ob ich in John's Blick etwas Aengstliches sähe, und da gelobte ich mir, nicht öfter hin zugehen Oft genug stand ich vorn auf der Maschine oder auf dem Tender, wenn wir während des Sommers den Zaun passirten und da konnte ich es nicht un terlassen. ihren Blick aufzufangen, ob wohl sie dem alten John zuwinkte. Eines Abends zeitig im Herbste gin- Igen wir mit so flotter Fahrt, als es die Steigung erlaubte, und näherten >uns dem kleinen Hause. John hatte mich mit meiner Petroleumkanne vorn auf die Lokomotive geschickt, und ich konnte nicht umhin, zu sehen, obMary dastand und am Zaune wartete. Ja, da war sie gewöhnlich, gerade vor uns, denn die Strecke machte eben an dieser Stelle eine Biegung nach rechts. Ich konnte ihr Kattunkleid erkennen und ihren kleinen weißen Hut, denselben den sie getragen hatte, als ich sie an je nem Frühlingsabend zuerst in dem Garten sah. Ach, wie ich mich nach ihr sehnte! Und wie das alte häßliche Ge fühl gegen John in mir ausstieg und meine Nerven zittern machte! Mary stand mit dem Rücken gegen uns, was sie sonst nicht zu thun pfleg te, und ich erinnere mich, daß ich mich wunderte. Nun ertönten die drei kurzen scharfen Pfeifensignale. wandte sich augenblicklich um und warf die Arme hoch in die Luft, als ob sie verrückt sei. Wir brausten immer näher auf sie zu. und ick sah in ihrem kreidebleichen Gesichte ihre Augen, die glühenden Kohlen glichen, auf mich stieren und konnte meinen Blick nicht von ihr abwenden. In demselben Augenblick sperrte John den Dampf ab und ich hörte ihn etwas thun, was er nie zuvor gethan hatte, die Maschine bremsen! Plötzlich schien Mary zu erwachen Fnd einen fürchterlichen Traum vor sich er füllt zu sehen, denn durch das Dröhnen des Zuges und den schneidenden Laut der Bremsen hörte ich einen durchdrin genden Schrei. Es war ein Wort mein Name: „Harry!" Natürlich geschah das alles in einer zwei Sekunden. Ein halbes Le sben wird manchmal in eine halbe Mi nute zusammengedrängt. Ich wandte meine Augen nicht von Mary's Gesicht, als wir an ihr vorbei passirten, wäh rend sie wie zu Stein verwandelt da stand. Dann blickte ich vorwärts. Himmel! Was für ein Anblick! In starker Fahrt kam eine losgegangene Maschine. Tender voran, den Abhang herab, auf uns zu. Wir hätten sie auf der Station treffen sollen. Ich sah das alles wie ein Blitz. Der Zug aber sprang wie ein unbändiges Pferd, und am ganzen Körper zitternd, war ich mit genauer Mühe noch im Stande, mich zum Fußbrett zurück zu schlagen. Da stand natürlich John Wright. Mir war's, als säh ich ihn und nichts Anderes. Er hatte alles gethan, was in Menschenmacht lag, und stand nun ganz still, die Hand am Hebel. Aber nicht seine Ruhe war es. die mir Thrä nen in die Augen trieb. Es war der Ausdruck in seinem Gesichte. Der ließ mich fast den Untergang, dem wir ent gegen eilten, vergessen. Ich kann ihn nicht beschreiben. Er sah aus wie ein Mensch, der nichts mehr hat, wofür er leben kann, dessen Hoffnung mit einem Male für immer zunichte gemacht wor den ist! Sobald er mich Zu sehen bekam, ver änderte sich sein Gesichtsausdruck. Er sprang mir entgegen, faßte mich mit einem eisernen Griffe am Arm und flüsterte heiser, aber deutlich: „Spring ab, mein Junge, Du hast Zeit, Du Kannst es thun! Spring ab um ihretwillen sie liebt Dich. Junge, sie liebt Dich! Um ihretwillen, Har ry!" „Nein. John!" antwortete ich. „Beeile Dich!" sagte er. „Harry, Harry, spring' ab um Mary's wil len!" Ich setzte das eine Bein aus der M aschine das Leben war theuer und schickte mich an, in das Gras hinab zu springen. Da wurde ich von einem überwältigenden Gefühle für diesen Mann ergriffen, ich faßte ihn bei der Hand und sagte: „John, wir wollen zusammenhalten und zusammen ster ben, wenn es Gottes Wille ist, um ihretwillen!" Er sandte mir einen herzensguten Blick zu, trat vor mich, als ob er sich mit seinem mächtigen Leibe zwischen mich und den Tod stel len wollte, und da kam ein Krach, wenn Himmel und Erde zusam menstürzten, und mir schien, daß ich mehrere Male überschlug, darnach war es, als ob sich die ganze Erde er höhe und mich zerschmetterte, und dann wußte ich von nichts mehr. Ick erwachte aus einem wirrenTrau me, der ein Leben gedauert zu haben schien, und öffnete die Augen, erst halb bei Bewußtsein und nicht ganz sicher, ob ich nicht noch träumte. Wieder ver sank ich in tiefen Schlaf, und ich erin nere mich, ich glaubte, ein paar freund liche Augen, die die meinen trafen, ge hörten meinem Schutzengel. Und so war es wirklich. Denn wie ich meine Augen wieder öffnete, tauchte mir die -anze Vergangenheit mitMary's kum mervollem Antlitze auf. Ich legte meine Hand auf die Bett decke und sie legte sanft die ihre darauf. Glauben Sie mir, das war meine ganze Werbung! Wir hatten zu viel zusammen durchgemacht, um viele Umstände nöthig zu haben. „Wo ist er?" Ich weiß nicht, ob die Worte über meine Lippen kamen; aber sie verstand die Meinung, denn aus ihrem Busen zog sie eine schwarz ge ränderte Karte und hielt sie mir vor Augen, während die ihrigen sich mit Thränen füllten. Ich las: „Zur liebe vollen Erinnerung an John Wright. der auf seinem Posten starb." „Und Sie sind in Ihrer Ehe glück lich gewesen?" „Glücklich? Das ist ein viel zu schwaches Wort. Unsere Ehe gehört zu denen, die imHimmel gestiftet sind!" Geschwundene Herrlichkeit. In einem einsamen Thale von Alle gany-County im „Empire-Staate" ist ein verödeter Flecken belegen, in dessen Straßen einstmals Tausende hasten der Menschen, von dem hochgradigsten .Spekulationsfieber ergriffen, sich auf der Jagd nach dem Golde drängten, und turbulante Auftritte, wie sie zu den charakteristischen Merkmalen der Goldgräber Camps in den Rocky- Mountais gehören, waren an der Ordnung. Heute ist der Flecken still, wie ein Friedhof. Von der geschwun denen Herrlichkeit zeugen stattliche Ge bäude mit vernagelten Fenstern, lange Reihen von leerstehenden Wohnhäu sern und dem Verfall überlassenenKir chen. Ueberall starrt Einem das Ge spenst des trostlosen Niede/zanges ent gegen. Von 8000 Bewohnern sind nur 300 übrig geblieben, und dieses Häuf lein war vor wenigen Jahren bereits nahe daran, sogar den Charter des Ortes aufzugeben. Petroleum hat das phänomenale Aufblühen, wie den rapiden Nieder gang des Ortes Richburg ist sein Name bewirkt. Am 1. April 1881 war Richburg noch ein „Hamlet," das sich nicht Telegraphen- Büreaus rühmen konnte. Etwa 25 Häuser, zwischen denen sich die einsa me Landstraße nach der elf Meilen ent fernten Station Friendfhip der „Erie- Bahn" hinzog, bildeten den ganzen Ort, dessen Hauptereigniß an Wochen tagen die Ankunft der Postkutsche und seines sporadischen Reisenden bildete. >Des Sonntags besuchten die guten Be wohner von Richburg ihr Kirchlein u. dem Gottesdienst debattirten sie im Sommer über die wichtige Frage, ob die Käsepreise in die Höhe gehen würden, während im Winter Heu- und Holzpreise die einzigen Unterhal tungs-Themata bildeten. Kein Rich burger hatte eine Ahnung davon, daß unter seinen Füßen im Schooße der Erde Millionen Fuß von Naturgas eingeschlossen waren, und im Schweiße des Angesichts sägten und spalteten deshalb die Männer knorrige Stäm me, um während des langen Winters nicht Mangel an Feuerungsmaterial leiden zu müssen. Von Zeit zu Zeit wurde wohl ein Richburger des mono tonen Lebens überdrüssig, und dann ging er nach dem Westen, unbekannt mit der Thatsache, daß sich unter sei nem Grund und Boden Petroleum in und Fülle befand, dessen Gewin nung ihm den lange ersehnten Wohl stand bringen mußte. Oelsucher aus iPennsylvanien, welche der Erschlie ßung der reichen Quellen von Oil iCreek nach Bradsord mit größerer Aufmerksamkeit gefolgt waren, kamen nach Richburg und trieben mehrere Bohrlöcher tief genug, um sich über die geologische Formation jener Gegend Gewißheit zu verschaffen. An einigen Stellen wurde zwar Oel erbohrt, al lein die Brunnen erwiesen sich nicht als ergiebig genug, um große Hoffnungen an dieselben knüpfen zu können. Endlich, am 27. April 1881, wurde auf einem Hügel bei Richburg ein Brunnen erschlossen, der vierhundert Varrels Oel pro Tag lieferte, und so sort wurde die Nachricht von diesem reichen Funde nach allen Richtungen der Windrose telegraphirt. Schon am nächsten Tage war die ganze Gegend vom Oelsieber ergriffen, und von allen Seiten strömten Glücksjäger nach dem neuen Eldorado. Um all' die Men schen nach dem neuen Eldorado beför dern zu können, wurden vier Waggon- Verbindungen mit der Station Eldred etablirt. und da e? in Pittsburg selbst an Unterkommen für die Glücksjäger mangelte, konnte es nicht Wunder neh men, daß exorbitante Preise gefordert und bezahlt wurden. Ein Bett zu be kommen, war nur den Wenigsten mög lik; die große Mehrzahl campirte im Freien, da für die bloße Benutzung ei nes Stuhles in den Wirthschaften 50 Cents pro Nacht bezasH werden muß ten. Bau- und Grundeigenthums- Spekulanten trieben die Preise guter Bauplätze bis zu einer schwindelhaften Höhe. Schankwirthfchaften u. Spiel häuser schössen wie Pilze in die Höhe. von keiner Behörde behelligt, da Je dermann einzig und allein darauf be dacht war, möglichst schnell reich zu werden. Aber auch an soliden Ge schäfts-Unternehmen fehlte es nicht. Es wurden zwei Banken etablirt, Fa briken errichtet, Wasserwerke angelegt, Schulen, sowie Kirchen gebaut, und allmälig entwickelten sich wohlgeord nete Verhältnisse aus dem anfängli chen Chaos. Behufs Herstellung einer besseren Verbindung mit der Außen welt wurde eine schmalspurige Eisen bahn zwischen Richburg und Friend ship gebaut, und in kurzer Zeit folgte eine Schienenverbindung mit Bolivar. Die Richburger ließen kein Fleckchen Land unbenutzt. In den Gärten, ja sogar am Friedhofzaune erhoben sich Bohrthürme und schließlich ließen die Kirchenältesten auch im Hofe der Pre digerwohnung nach Oel bohren. Al lein die Herrlichkeit war nur von kur zer Dauer. Als im Mai 1882 die ge waltigen „Gulpher" bei Cherry-Grove in Pennfylvanien erbohrt wurden, und in Folge dessen der Oelpreis ra pid zurückging, wandten die Glücksjä ger sich diesem neuen, mehr verheißen den Felde zu. Bolivar begann empor zublühen, und als die „Standard-Oil- Co." ihre Centrale nach letztgenanntem Orte verlegte, war das Schicksal von Richburg besiegelt. Wie Ratten, wel che ein Schiff verlassen, zogen Speku lanten, Spieler und ihr Anhang nach Bolivar, die Nachfragen nach Gebäu den für Geschäfts- und Wohnungs zwecke wurden immer geringer, bis viele unter den Hammer kamen und für ein Spottgeld verkauft wurden. Ein Bankerott folgte dem anderen, die Schienenverbindungen wurden aufge rissen und an Stelle des emsigen Le bens und Treibens trat die Lethargie unaufhaltsamen Niederganges, von dem Richburg sich wohl nie wieder er holen wird. Ter Professor im Bade. „Mein Mann ist nicht zu Hause?" fragte Frau Professor, als sie ziemlich spät von einem Kränzchen heimkehrte und das Arbeitszimmer ihres Gatten leer fand. „Der Herr Professor sind in der Ba destube, aber schon sehr lange," ant wortete Anna, das Mädchen, mit un beholfenem Lächeln. „Sehr lange? Wie lange denn?" „Um acht gingen der Herr Professor baden." „Und jetzt jst zehn?! Erbarme Dich, Anna, und da hast Du gar nicht nach gesehen „Ja, wenn der Herr Professor ba den „Da hättest Du durch das Schlüs selloch sehen sollen." „Das habe ich auch gethan." „Nun, nud?" „Um neun Uhr; und jetzt, ehe die gnädige Frau kamen, habe ich nochmal nachgesehen!" „Nun?" „Der Herr Professor standen noch immer so und trockneten sich den Fuß." „Denselben?!" „Es kann auch der andere gewesen sein, soll ich einmal nachsehen?" „Nein, laß nur, ich gehe selber!" Frau Professor begab sich zur Ba destube und klopfte an. „Darf ich hereinkommen?" „Einen Augenblick," ertönte des Professors Stimme von innen; ich trockne mir eben die Füße!" „Aber Du trocknest ja schon eine Stunde daran!" „Ja, ich bekomme sie, weiß der Teu fel, nicht trocken." „Unbegreiflich," murmelte seine Frau und öffnete entschlossen dieThür. Gerade hatte der Professor, in der Wanne stehend, einen Fuß getrocknet, tauchte damit wieder in's Wasser zu rück. hob ächzend den anderen heraus, setzte ihn triefesd auf den Rand der Wanne und begann von Neuem zu trocknen. „Aber Constantin," rief die Frau Professor, die Hände faltend, „Du stellst ja den abgetrockneten Fuß im mer wieder in das Wasser zurück!" „Ja, soll ich denn etwa beide Füße zugleich herausheben?" „Nein, aber Du mußt natürlich aus der Wanne steigen." „Ja, sieh' da, das'ist kein übler Ge danke," erwiderte der Professor nach denklich; „übrigens wäre ich schließlich auch wohl selber darauf gekommen." Hoch st ungesund. „Stein eck hat noch keinen Arzt, ich würde mich an Ihrer Stekke dort niederlassen." „Danke schon, in dem verflixten Nest ist ja die Gesundheit epidemisch!" Mathematisches. Frage: „Welche Kugel besteht aus vier Halb kugeln?" Antwort: Die Erde, denn man theilt sie ein in die nördliche, die südliche, die östliche und die west liche Halbkugel." Unerwünschte W i r k u n z. Ein Rabbiner hat unter seiner Gemeinde einen sehr reichen, aber ungeheuer geizigen Hausbesitzer. An einem hohen Festtage beschließt er, dem hartgesottenen Sünder in'sGe wissen zu reden. Er hält eine Pre digt über den Segen der Wohlthä tigkeit und sieht auch zu seiner Ge nugthuung, daß der alte Geizhals seinen Worten aufmerksam und ge rührt folgt. Nach Schluß der Pre digt bricht er sogar in Thränen aus. Der Rabbiner tritt zu dem Bekehr ten. „Nun, habt Ihr endlich einge sehen, daß Wohlthun Glück und S egen bringt?" „Gewiß." schluchzt der Alte ganz zerknirscht, „von mor gen an geh' ich schnorren!" Zufall. „Wo lassen Sie Ih re Toilette machen?" „In Paris!" „Aber da kommen Sie ja nie hin!" „Ist auch gar nicht nöthig; ich suche mir die Stoffe hier aus, zur Anprobe geht mein Pariser Schnei der in den Louvre ich und die V enus von Milo haben zufällig ein und dieselbe Figur!" Ei n Alib i. Richter: „Sie sind des Verbrechens der Brandle gung angeklagt; können Sie ein Ali bi nachweisen?" Angeklagter: „O ja. Wie's brennt Hot, war i schon lang fort!" Vei'm Mittagessen. Frau:„Aus Langeweile habe ich heu te selbst die Kartoffeln geschält!"— Mann: „O, sie schmecken aber sonst ganz gut!" Abgeführt. A.: „Sie wif sen eben nicht mit Frauen umzuge hen." V.: „Erlauben Sie ich bin schon 40 Jahre alt und noch nicht verheirathet!" EineEvastochte r. —„Mei- netwegen, wir lallen uns scheiden, aber die Scheidungstoilette mußt noch Du bezahlen!" Pn: inzen Unterrich t. Lehrer: „Aber Hoheit sollten sick nicht so viele Mühe geben, die Ge schichte zu verbessern!" Erklärung. Sohn: „Pa pa, was ist eigentlich Ehrgeiz?" Vater: „Das ist das Bestreben, et was zu thun, von dem man nicht genau weiß, daß man es nicht kann." Ueberzeugend. Richter: „Sie sagen, Sie kennen den Mitan geklagten nicht?" Angeklagter: „Hab' ich nie gesehen. Herr Rich ter." „Er kennt Sie aber doch, und sagt, sie kennen sich seit sechs fahren." Angeklagter: „Glau ben Sie ihm nicht, Herr Richter, der Kerl lügt. Mich hat er die ganzen sechs Jahre belogen und betrogen." Ganzdeutlich. Advokat: „Haben Sie Ihrem Schuldner be reits die Rechnung überreicht?" Klient: „O, das hab' ich schon lange gethan." Advokat: „Und was sagte er?" Klient: „Ick solle zum Teufel geh'n." Advokat: „Und was haben Sie darauf gethan?" Klient: „Ich bin zu Ihnen gegan gen!" Verwandt oder ver liebt? Pensionsvorsteherin: „Ellen, wer war der Herr, der Sie vorhin grüßte?" Ellen: „Ein Verwandter." Pensionsvorstehe rin: „Verwandt? In welchem Gra de?" Ellen: „Im höchsten Gra de!" Wortgehalten. Schwie gersohn: „Sie haben mir doch ge sagt, lieber Schwiegerpapa, ich wer de von der Mitgift Ihrer Tochter überrascht sein, und nun bekomme ich gar nichts?" Schwiegervater: Also sind Sie etwa nicht über rascht?" Berechtigte Klage. Reicher Ungar (dem eine Fliege auf der Nase sitzt): „Merkwürdig, hob' ich 500 Morgen Land, warum setzt sich Fliege verflixtes grod' auf mei' Nofenfpitz?" Er: „Mir scheint, Frau Bram ist von ihrer Reise in's Ausland sehr befriedigt!" „Ohne Zweifel, und fühlt sich auch sehr glücklich, wieder zu Hause zu sein? Er: „Natürlich, wo sollte sie denn svnst davon reden können?" Unmöglich. A.: „Sagen S', Frau Nachbarin, wie ist denn Ihr gestriges Kaffeekränzchen aus gefallen, haben Sie stark verleum det?" B.: „Ach, leider nein, es sind ja Alle gekommen!" Naturgeschichte: „schwach." Unteroffizier (zum Rekruten): „Kerl, Sie sind ja das reine Rhino ceros, Ihnen fehlen nur noch die beiden Höcker!" Schön gesagt. „Ich' ver sichere Sie, Herr Professor, daß ich geheirathet habe, war die größte Dummheit meines Lebens." „Das können Sie noch gar nickt wis sen. bevor Sie nicht todt sind!"
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Bin Hriginat. Erzählung von K. E. Nicolai. 5 Die Zeit, wo bei'm Militär noch eine ganze Anzahl sogenannter Ori ginale für den Humor sorgte, ist längst vorüber. Der Krieg von 1866 mit seinen einschneidenden Umwälzungen in den mittelstaatli chen Armee'n hat erbarmungslos j aufgeräumt mit jenen Ueberbleib seln einer guten alten Zeit. Das alte militärische Sprüchwort: „Nir gends gibt es so viel Spaß wie bei'm Militär," hat längst seine Gültig keit verloren. Für den Dienst mag es wohl gut sein, daß Dem so ist; für den Hu mor im Waffenkleid jedenfalls nicht. Er ist gar selten geworden in der Strenge des Dienstes. Dem Major von Schnabeltitz war es merkwürdiger Weise geglückt, sich in der Armee auch in der neuen Aera zu behaupten, obgleich er zweifellos jenen Originalen der alten Zeit hin zu zu rechnen war. Sei es, daß er sich eines mächtigen Fürsprechers er freute, oder daß man ihm sein res Verhalten im Gefechte bei Git schin so hoch anrechnete er hatte mit seiner Compagnie allein lange Zeit einem weit überlegenen Feinde Stand gehalten kurz, der wackere Schnabeltitz blieb im Dienst und wurde sogar Major und Bataillons- Commandeur. Er war ein kreuzbraver und her zensguter Mann, aber von eiiMi schier unglaublichen Eigensinne. Auch argwöhnisch und mißtrauisch war er in hohem Grade, besonders wo es sich um seine Autorität als Vorgesetzter handelte. Wehe Dem, der ihm zu widersprechen wagte! Und wenn der Widerspruch noch so berechtigt war, er wurde nachdrück lich zurückgewiesen. „Aeben nich!" war das dritteWort des Herrn Majors. „Aeben nich!" Dabei blieb es. In seinem Aeußeren zeichnete er sich durch einen eigenthümlichen Gang aus. Seine langen dürren Beine waren steif wie Stöcke, so daß man eigentlich kaum begriff, wie er sich fortbewegen konnte. Denn nicht die leiseste Biegung der Knieegelenke war bei'm Gehen bemerkbar. Da durch erhielt sein Gang etwas unge mein Komisches, Stelzenhaftes, Storchartiges. Erhöht wurde diese unfreiwillige Komik durch seine ei genartige Haltung der Arme. Diese bewegten sich nicht, wie bei anderen Sterblichen, frei hin und her, son dern sie standen in sanfter Rundung etwa einen Fuß breit vom Oberkör per ab. Die auffallend großen Hände mit den auseinander ge spreizten Fingern staken gewöhnlich in viel zu großen Handschuhen von zweifelhafter Reinlichkeit. Auf der langen hagern Gestalt thronte ein auffallend kleiner Kopf mit einem Paar listig dreinblickender kleiner Aeuglein von unbestimmter gräu licher Farbe. Ein struppiger, grau gefprenkelterVollbart umrahmte das Gesicht. Leider ging dem braven Major das für den Offizier doch zweifellos recht wichtige Vermögen. Gesichter j zu unterscheiden und Namen zu be halten, gänzlich ab. Nicht einmal die Namen seiner Offiziere waren ihm geläufig, welcher Umstand oft zu den komischsten Verwechselungen Anlaß gab. Doch wehe dem Armen, dessen Namen ihm mundrecht war! Er konnte sicher sein, daß er der Schul dige war an Allem und Jedem, was zu tadeln war. Da war der Sergeant Rindfleisch von der zehnten Compagnie, dessen Name dem guten Major stets auf der Zunge lag vielleicht weil Rindfleisch mit Kartoffelstückchen sein Leibgericht war, vielleicht auch wegen der Absonderlichkeit dieses Namens. Denn besagter Rindfleisch war ein überaus brauchbarer und tüchtiger Unterofizier, obgleich der Bedauernswerthe bei jedem Batail lons-Exerzieren den Sündenbock ab geben mußte. Wenn nach unendlich langem Hi n Herrathen, Vor- und Rück wärtstreten und Schulterverdrehen endlich, endlich die Richtung nach „Points" gelungen war und der ge strenge Herr Major noch einen letz ten Blick auf die langen Linien der Glieder warf, so war zehn gegen eins zu wetten, daß der Sergeant Rindfleisch die Richtung der schlie ßenden Unteroffiziere vollständig über den Haufen warf. „Sergeant Rindfleisch!" kreischte alsdann die breite Quetschstimme des Majors von Schnabeltitz. „Ser- geant Rindfleisch, wollen Sie sich gleich ä Mal in de Richtung 'nein schären? Sie schmeißen mir ja wieder de ganze Karre um! Sie trauriger Gottlieb, Sie!" Dann kam der Parademarsch in Zügen und die Kritik des Herrn Ma jors über denselben. „Parademarsch war so ziemlich. 810ß der Sergeant Rindfleisch, das dottige Pfährd, hatte wieder keinen A bstand! Arretiren Se den Kerl, Herr Hauptmann." „Zu Befehl, Herr Major," versetzte dieser dienstlich, ohne auch nur daran zu denken, diesen Befehl jemals aus führen zu wollen. Er wußte ja, daß, es nur eine Redensart des Gestrengen war. Von den Offizieren war es der Lieutenant Berger, den er fortgesetzt zu schelten hatte, wobei er ihn beständig „Herr Leitnant Wäber" nannte. „Herr Leitnant Wäber!" kreischt die Stimme des Majors in Heller Wuth. Niemand rührt sich. „Herr Leitnant Wäber!" Noch lau ter, grimmiger. Derselbe negative Erfolg. „Herr Leitnant Wäber!" schreit er zum dritten Male so laut, daß die Stimme überschnappt. Und dabei jagt er auf seinem stark knochigen Braunen mit drohend ge schwungenem Säbel auf den Lieute nant Berger zu mit einem Gesicht, als ob er ihn sofort verschlingen wollte. „In's Namen, nein, wo ham Se denn heite wieder Ihre Ohren Herr Leitnant?" „Ich heiße Berger, Herr Major." erwiderte der Lieutenant, indem cr die Hacken stramm an einander schlägt und den Säbel senkt. „Aeben nich!" schreit da Schnabel titz vom Pferd herunter. „Wäber Heeßen Sie äben!" Dabei wendet er den Gaul und rei tet zurück unter dem verstohlenen Ge lächter des Bataillons, ohne noch fer ner daran zu denken, dem Offizier die beabsichtigte Nase zu ertheilen. Ein Mal wollte das Bataillons- Exerzieren ganz und gar nicht klap pen. „Herr Leitnant Wäber" und Sergeant Rindfleisch hatten schon Grobheiten über Grobheiten gefaßt. Als eben wieder ein furchtbarer Ha gel von „traurigen Gottlieben," „dot tigen Pfährden" und „Hammelkerls" auf den Sergenten hernieder gepras selt war und das Commando „Rührt Euch" ertönte, versuchte der Chef der Zehnten vergeblich, seinen steifbeini gen Schimmel in Galopp zu setzen. Das widerwillige Thier stieg kerzen gerade in die Höhe, aber von der Stelle ging es nicht. Der Major bemerkte die Absicht des Hauptmannes. „Ich weeß schon, was Se woll'n!" schrie er ihm zu. „Bleiben Se nur hinten; ä dottiges Pfährd is er doch!" Und schnell machte das Commando „Stillgestanden" allen weiteren Ver mittelungs-Versuchen des Hauptman nes ein Ende. Aber erneut regneten die Verwün schungen auf den beliebten Sünden bock hernieder. Schon drei oder vier Mal hatte der Major dem Sergenten Rindfleisch mit Arrest gedroht, nun hatte er es aber satt. „Herr Hauptmann schrie er mit hochgeröthetem Kopf. „Herr Hauptmann Der Name wollte ihm durchaus nicht auf die Zunge. „Herr Hauptmann, der Ser gent Rindfleisch wird arretirt! Drei Tage mittlern Arrest von heute Mit tag zwelse an! Verstanden?" Da schoß des Hauptmanns Schim mel unter dem wüthenden Druck der Sporen seines Reiters auf den Major los in einem Tempo, als ob er ihn über den Haufen rennen wollte. „Herr Major!" rief der Haupt mann, daß es über das ganze Batail lon hinweg schallte. „Der Sergeant Rindfleisch ist auf Wache!" „Ganz ägal!" krächzte der Major. „Er wird äben arretirt!" H Die Herbst-Uebungen sind in vol lem Gange. Der Herr Major hat ein herzlich schlechtes Quartier erhalten und ist außer sich. Er diktirt dem quartiermachenden Offizier drei Tage Stuben-Arrest die er ihn niemals verbüßen läßt und bestimmt bei'm Antreten des Bataillons, daß der „Leitnant Wäber" von jetzt ab für den Bataillons-Stab Quartier zu machen habe. Der Hauptmann legt die Hand an den Helm: „Den Lieutenant Berger meinen der Herr Major?" „Aeben nich!" schreit dieser ärger lich. „Leitnant Wäber macht äben Quartier!" Gut, denkt der Compagniechef. Mir kann es ja recht sein. Lieutenant Ber ger also nicht. Am nächsten Tage ist Quartier wechsel. Der Major ist schon außer sich, daß „dieser Wäber" sich gar nicht zum Abgang mit den Quartierma chern gemeldet hat. Aber am anderen Morgen bei'm Rendezvous denkt er nicht mehr daran. Es ist ein glühender Tag und das Manöver besonders anstrengend. Der Herr Major faßt so manche Nase, erst, vom Obersten, dann auch noch vom General. Schließlich muß er in der Kritik des Commandirenden noch hö-! Ren, daß er allein am Mißgeschick der Südpartei schuld ist. Der Major von Schnabeltitz hält Fch selbst für einen großen Strategen. Allerdings steht er mit dieser Ansicht ganz allein in der Welt; er befindet sich eben auf einsamer- Höhe. Er ist wüthend über die natürlich ganz unge rechtfertigten Ausstellungen seinr Vorgesetzten. Schon geht er mit dem Gedanken um, den „Leitnant Wäber" für das Unglück des Tages verant wortlich zu machen, als ihm einfällt, daß er ihn ja als Quartiermacher vorausgesandt hat. Das geht nun doch nicht gut. Sergent Rindfleisch hat die- Fourage des Bataillons zu fassen, der kann also auch nicht schuld sein. In schlechtester Stimmung, hun grig und durstig, staubig und ver schwitzt, reitet er mit hängendem Kops an der Spitze seines Bataillons seinem neuen Quartierdorf zu. Unablässig nagt er an dem stacheligen Schnurr bart, ein untrügliches Zeichen seiner geradezu abscheulichen Laune. Wehe dem „Leitnant Wäber," denkt er, wenn das Quartier nicht sauber, wenn das Bett nicht vortrefflich, wenn das Essen nicht bereit ist. Ich werde ihn unbe dingt in Arrest schicken. Schon wird in der Ferne das Dorf sichtbar, das ihn mit einein Theile des Bataillons aufnehmen soll. Die quar tiermachenden Unteroffiziere der Compagnie erscheinen einer nach dem anderen auf der Bildfläche und mel den sich mit den Quartierzetteln. Vom „Leitnant Wäber" keine Spur. Der Major geräth schon wieder in Zorn. „Wo zum Kuckuk steckt denn nur der Leitnant Wäber! Der Kerl scheint ooch noch keene blasse Ahnung vom Dienste eines Quartiermachers zu ham. Erscht meldet er sich nich zum Abgang, dann kommt er dem Batail lon nich ä Mal entgegen. Dan Herrn wärd' ich in Arrest stecken." Jetzt ist das Dorf erreicht. Die Compagnie'n sind entlassen. Der Herr Major ist am Ziele und weiß noch im mer nicht, wo sein Quartier ist. Er ruft den Quartiermacher der nächsten Compagnie heran. „Ham Se denn den Leitnant Wäber nich gefäh'n?" „Nein. Herr Major." „Wissen Se denn nich wenigstens, wo mein Quartier is?" „Nein. Herr Major." Ein anderer Quartiermacher wird herbeigerufen doch dieselbe nichts sagende Auskunft. Der Major ist außer sich. Da rückt die zwölfte Compagnie an ihm vor über. An der Spitze derselben, neben dem Hauptmann: der Lieutenant Ber ger. Die Zornader schwillt dem gestren gen Herrn. Eine Verrätherische Röthe überzieht sein Maulwurfsgesicht. „Herr Leitnant Wäber!" schreit er so laut, als ob er die ganze Brigade überschreien müßte, dem dicht an ihm Vorüberschreitenden zu, jede Silbe deh nend und stark betonend. Der bedauernswerthe Lieutenant sieht das Ungewitter hereinbrechen. Den Anruf einfach zu übergehen, geht nicht an, trotz dem falschen Namen, da der wüthende Major ihm unmittelbar in's Gesicht schreit. Er tritt also aus der Marsch-Kolonne heraus und legt 'die Hand an den Helm. Gleichzeitig mit ihm biegt der Haup tmann aus. Er läßt den aufgebrachten Commandeur ruhig austoben. Dann sagt er mit größterßuhe: „Verzeihung, Herr Major, aber Lieutenant Berger ist auf des Herrn Majors ausdrück lichen Befehl nicht quartiermachen ge gangen." „Was?" schnauzt dieser. „Ich habe doch ausdrücklich befohlen „Berger äben nich!" ergänzt det Hauptmann. Schnabeltitz wandte erbost sein Pferd und ritt dem Dorfe zu. In dem mehr als bescheidenen Quartier des Lieutenants Berger machte er sich's dann, so gut es eben gehen wollte, be quem. Der „Leitnant Wäber" aber war als solcher für immer abgethan. -i- -K Der Krieg ist ausgebrochen. Stolz zieht der Major von Schnabeltitz an der Spitze seines Bataillons in's Feld. Er wird den Franzosen zeigen, „wo Barchel den Most holt." Mit Hurrah hat man die franzosi- sche Grenze überschritten. Bei strö-I mendem Regen wird ein Bivouac auf schlammigem Ackerboden bezogen. Es ist ein wahres Hundewetter. Ein trau riger Anfang in Feindesland; eine un vergeßliche garstige Nacht. Naß wie die gebadeten Mäuse, übernächtig und frierend ersehnen Tausende den Mor gen herbei. Endlich ist cr da. Bleiern und grau, naßkalt und unfreundlich wie die. Nacht. Es regnet Bindfaden. Das Regiment rüstet sich zum marsch. Gott sei Dank! Nur aus dem lehmigen Brei. Nur vor wärts, vorwärts! Der Herr Major will zu Pferde stei gen. Da tritt der Bursche zitternd vor Angst und Schuldbewußtsein an den Gestrengen heran. „Die Pferde sind verschwunden! Im Schutze der Nacht haben sie sich davon geschlichen mit sammt den Pflöcken, die sie mit Leich tigkeit aus dem Schlamme herausge rissen haben. Sie sind und bleiben verschwunden." „Millionen-Bomben-Element noch ä Mal!" schreit der Major in Heller Wuth. „Meine Pfährde! Du neun Mal genähtes Heipfährd, Du dottiges! Jellt schleppst Du sälber de Sättel alle beede bis Paris, Du trauriger Gott lieb, Du!" Aber das Regiment setzt sich schon in Bewegung. Das Bataillon Schnabel tiß wird gleich folgen müssen. Und der Herr Major ist ohne Pferd. Da kommt ihm ein Gedanke. „Herr Adjutant!" ruft er. „Herr Major?" „Da wärd ich äben Ihren Braunen reiten." „Der ist als lahm in's Pserde-Depot abgegeben." „Und Ihr Fuchs?" „Den reite ich." „Aeben nich," siel der Major ein. „Wir werden uns äben abwechseln. Wenn ich reite, losen Sie und wenn Sie lofen, dann reite ich äben." Und der bedauernswerthe Adjutant mußte es geschehen lassen, daß der Major seinen Leibfuchs bestieg, wäh rend er selbst im Matsche nebenher traben mußte. Mit der französischen Sprache stand der Major auf sehr gespanntem Fuße. Und die „dottigen Pfährde," die Ein geborenen, verstanden ja ihre eigene Sprache nicht so meinte der Herr Major wenigstens, da sie sein furcht bares Kauderwälsch zumeist wirklich nicht verstehen konnten. Nun war aber Schnabeltitz auch mißtrauisch und das Gespenst eines Vergiftungsversuches verfolgte ihn von Quartier zu Quar tier. Jn einem Dorfe in der Champagne war er bei'm Schulzen einquartiert. Derselbe ließ ihm das Mittagsessen auf sein Zimmer bringen. Sofort wit terte Schnabeltitz Verrath. „Maire ici!" befahl er der erstaun ten Köchin in barschem Ton. Der Maire erschien, um nach des Majors Wünschen zu fragen. „Mangfcheh (mangez)!" schrie die ser ihn an und zeigte dabei auf das „falmi de lapin," das vor ihm stand. Der Dorfschulze verstand ihn nicht gleich. „Oh, c'est bon ca, mon com mandant," sagte er. „So ä falscher Hallunke," raunte Schnabeltitz dem neben ihm sitzenden Adjutanten zu. „Wir sollen essen! Na wart, Kerl!" „Mangscheh! Ici avec nous!" schrie er den Schulzen an. der verblüfft ei nen Schritt zurücktrat. „Sähen Se den Giftmischer!" rief Schnabeltitz dem Adjutanten trium phirend zu. „Er weeß schon, warum er nicht essen will." Der Maire aber erwiderte würde voll: „Mon commandant, j'ai deja pris mon diner." „Ach was da, 's ward äben mitge gässen!" Platzte der Major ärgerlich heraus. „Prendre place; Mangscheh!" Bei diesen Worten ergriff er den er nannten Schulzen am Arm, zog ihn auf einen der Strohsessel nieder und legte ihm eine tüchtige Portion von dem unvermeidlichen Kaninchen Ragout vor. „Mangscheh dong!" schrie er dazu, sobald der unglückliche Mann nur eine Pause machte. Erst als dessen Teller geleert vor ihm stand, war der Major befriedigt und fing nun mit großem Behagen u. mit noch größerem Appetit zu schmau sen an. Den Schulzen aber über häufte er von dem Augenblicke an mit Liebenswürdigkeiten. Er trank ihm zu, klopfte ihm vertraulich auf die Schulter und lobte feinen Wein. „Bong se wing, trä bong" (bon ce vin, tres bon!"). Dann bot er ihm gar eine von seinen Cigarren an, was bei seinem bekann ten Geiz wahrhaftig keine Kleinigkeit war. Als aber der Kaffee kam, wurde er von Neuem mißtrauisch. Kaffee eig nete sich am Ende am Besten zur Gift mischerei, und das Gesicht der alten, Haushälterin sah nichts weniger, als z vertrauenerweckend aus, als sie den Kaffee vorsetzte. „Trinken!" schrie cr ihr zu, da ihm, das französische Wort in der Aufre-i gung nicht gleich einfallen wollte. Und da sie ihn natürlich nicht verstand und demgemäß nicht die geringste Miene machte, zu gehorchen, so sprang er auf, packte sie mit der Linken am Arme fest u. goß ihr mit der Rechten den heißen Kaffee eigenhändig in den Mund. Die Alte kreischte laut. Sie hatte sich den Mund verbrannt. Schnabel titz aber gerieth in Wuth. „Da, Du olle Gifthexe!" knirschte er, indem er bemüht war, ihr von Neuem den Kaffee einzuflößen. „Sauf Dein Gebräu gefälligst selbst!" Der Adjutant hatte mittlerweile den Schulzen über den Verdacht des Majors aufgeklärt. „Mon commandant!" rief dieser, nun. „Le case est tres-bon!" Und mit einem Zuge leerte er die riesige Schaale. Das wirkte. Ruhig, als wenn gar nichts geschehen wäre, setzte sich Schna beltitz an den Tisch und schlürfte be haglich seinen „cafe au fait." Paris ist eingeschlossen. Das Ba taillon Schnabeltitz befindet sich auf Vorposten. In einem der wahrhaft fürstlichen Prunkgemächer der Maifon Rouge sind die Offiziere, die nicht auf Feldwache sind, beisammen. Ihre lehmigen Schmierstiefel bilden einen gar seltsamen Gegensatz zu den prachtvollen Smyrna-Teppichen, die die Fußböden bedeckep. Und die Ta fel, die sonst die auserlesensten Spei sen zu tragen gewohnt war, ist mit Commißbrod undPellkartosfeln noth dürftig besetzt. Mit selbstzufriedener Miene setzt der Adjutant eine Blechbüchse mit Schweinefett auf den Tisch. „Zum allgemeinen Besten," sagt er .schmunzelnd. Es war ja ein seltener Alles fällt über die Fettbüchse her, um die Kartoffeln ein bischen schmack hafter zu machen. Auch der Kugel runde Stabsarzt, gegen den der Ma jor Schnabeltitz eine unbegründete Abneigung hegte, langt mit seinem Messer in die Büchse und bestreicht sich mit Behagen seine Brodschnitte. Der Major sieht es. Sein Mund winkel verzieht sich. „Wie kommen Sie denn eigentlich dazu, sich von meinem Fette zuzulan gen, Herr Stabarzt? Ich dachte, Se hätten gerade genug eegenes Schmär am Leibe! Runter mit dem Fett vom Brode!" Allgemeines Gelächter. Der Stabs arzt macht ein verdutztes Gesicht und zögert. Der Major aber wiederholt krei schend: „Sie haben wohl nicht verstan den, Herr Stabsarzt? Runter mit dem Fett vom Brode!" Und mit verbissenem Grimme kratzt der Doktor das schmackhafte Fett von seiner Schnitte herunter, um es be fehlsgemäß wieder in die Fettbüchse zu versenken. -5 -i- Wenige Tage darauf hatte die Kriegsherrlichkeit für den alten Hau degen ein Ende. Eine Ordre rief ihn in die Heimath zurück, wo er bei den Ersatztruppen Verwendung finden sollte. Der alte Herr weinte, als er von seinem Bataillon Abschied nahm. Er empfand die Abberufung als eine furchtbare Kränkung. An seiner Statt übernahm der äl teste Hauptmann das Commando des Bataillons. Mit dem Spaß aber war es von da ab zu Ende. Tie Lebensweise des Krebses. Ueber die Lebensweise des Krebses sind noch immer diele Irrthümer und Märchen verbreitet, trotzdem dieser Kruster nicht blos seines Geschmackes wegen ein sehr beliebtes, sondern auch wirthschaftlich ein achtbares Thier ist. Heyking, der Verwalter der Herrschast Leuthen bei Lübben, der als Züchter die Krebse in ihren natürlichen Lebens bedingungen beobachten konnte, veröf fentlicht nun einige interessante Ein zelnheiten. Jeder Krebs hält, wie Heyking feststellte, indem er Krebse zeichnete, immer ein bestimmtes Revier inne. Niemals nimmt der Krebs, ent gegen der allgemeinen Meinung, Fau lendes und Stinkendes, frisches Fleisch im Nothfall, frische Fische und abge streifte Frösche am Liebsten, ferner be sonders kalkhaltige Pflanzen. Klee. Luzerne. Esparsette, Schoten. Er ver zehrt auch seinen eben abgeworfenen Panzer. Die Krebse häuten im Som mer mehrere Male, im ersten Jahre 7 bis 8 Mal, im dritten nur noch 2 Mal. Die Aesung ist darauf von Ein- sluß. Vorher sind sie matt, nachher be sonders lebhaft, voll augenscheinlichen Wohlbehagen? Das Sprengen des Panzers ist für ihn augenscheinlich schmerzhaft. Der Krebs dehnt sich, der Panzer platzt in der Rückenrinne und' der Krebs schlüpft aus; Schwere und Schwanz zieht er dann aus wie Schuhe und.Strümpfe. Jeder Krebs hat seine eigene Höhle, in die er sich bei'm Ein tritt kälterer zurückzieht. Der Krebs hält keineswegs einen Winterschlaf oder erstarrt, wie wohl vielfach noch geglaubt wird, sondern geht, je kälter es wird, um so tiefer auf den Grund. In Schweden geht man aus dem Eise zum Krebsfang, als Kö der frische gespaltene Fische benutzend. Der Krebs hat zahllose Feinde: alle Fischräuber (Hecht, Barsch, Zander und Wels), Füchse und selbst der Krebspesi gar nicht zu gedenken Leider haben die kleinen Krebschen kei nen größeren Feind, als ihre eigenen Eltern, die sie verspeisen, wo sie ihrer habhaft werden. Gerade deshalb künstliche Krebszucht so schwierig. Der schlimmste Feind des Krebses ist aber doch der Mensch. Hier wird die un sinnige Regel, die sich allgemein einge bürgert hat, dem Krebs besonders ver derblich, nämlich, daß der Krebs in den Monaten „ohne R" gegessen werden müsse. Heyking erklärt, daß gerade die IMonate Juni, Juli, August u. äußer ndem November gesetzliche Schonzeiten !sein müßten; im September und Ok tober könnten beide Geschleckter gefan gen, in allen übrigen Monaten sollten aber nur männliche Krebse in den Han del gebracht werden. Bekanntlich kann 'der Krebs auch außerhalb des Wassers längere Zeit leben. Im Keller kann er nach Heyking's Erfahrungen fünf und !noch mehr Tage ohne Schaden aufbe wahrt werden, während er im Son nenlicht am Land in einigen Stunden, im Wasser in ein bis zwei Tagen stirbt^ Ter Telegraph in tthina. Ein Berichterstatter der„North Chi na Daily News" in Uatschoh in de?- fernen Provinz Szutschuan am oberen? Aangtsekiang macht einige bemerkens werthe Angaben über die Errichtung von Telegraphenpsälen in der dortigen Gegend. Es herrschte eine allgemeine gespannte Erwartung im Volke so schreibt er als ob nach Errichtung der Pfähle mit den geheimnißvollen Drähten etwas ganz Wunderbares ge schehen müßte. Die halb.e Stadt schien außerhalb der Thore zu sein, als sich die Telegraphenarbeiter allmälig der Mauer näherten. Sogar Krüppel, Lahme und ganz gebrechliche alte Leu te ließen sich nicht zurückhalten, son dern humpelten mit der Menge. Als dann zuletzt die Verbindung des nen errichteten Telegraphenamtes in Dak schoh mit den benachbarten Städten hergestellt war und es bekannt wurde, nun würde das Telegraphiren losge hen. stieg die Spannung auf's Höchste. Aller Augen richteten sich auf den, Draht, um zu sehen, was nun wohl ge schehen werde. Man starrt u. aber nichts Merkwürdiges will sich er-, eignen. Endlich meint einer aus de Menge, die Botschaft müsse wohl schon auf ganz feinem Papier so schnell den Draht entlang geflogen sein, daß man sie nicht mit den Augen habe verfolgen können. Dies wird von anderer Seit bezweifelt, da die Pfähle im Weg feien; Mit wichtiger Miene tritt darauf ein weitgereister Mann vor und verkündet.: „Nein, das ist Alles Unsinn. Auf Pa pier fliegt die Botschaft nicht dahin Ich will Euch die richtige Erklärung geben, die ich in anderen Gegenden ge< hört habe. Die Pfähle sind sämmtlich hohl, und in jedem sitzt ein ausländ!-, sches Teufelchen, das die Botschaft durch die gleichfalls hohlen Drähte fei nen Nachbarn mit unglaublicher Ge schwindigkeit zuruft." Zustimmendes Kopsnicken der Hörer beweist, daß diL Erklärung für gut gehalten wird. „Aber, wozu sind denn die weißen NL pfe da?" fragt schließlich Einer. DaZ weiß der kluge Mann nicht recht zu be antworten. So bleiben die Ansichten darüber getheilt. Die Einen meinen, die Porzellannäpfe hätten wohl den Zweck, zwei aus entgegengesetzten Rich tungen kommenden Botschaften die Möglichkeit zu gewähren, einander, auszuweichen. Andere sind dagegen der Ansicht, bei Stürmen könnten die Depeschen nicht reisen und warteten dann in den Näpfen besseres Wetter ab. Noch Andere behaupten, bei Ge wittern würden die Blitze in diesen Be hältern aufgefangen, damit sie dein Draht keinen Schaden thun könnten-- Zukunftsbild. Frau (zum Manne, der eben mit dem Marktkorb heimkam): „Aber ich bitte Dich. zehij Uhr! Wo hast Du denn wieder sf lange herumgetratschtZ" 7
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