# Folge 6: Keine Mütter-Stigmatisierung

An episode of ["Wenn Eltern Feinde werden" – Ein Podcast über Eltern- Kind- Entfremdung](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1836892223), 13 Oct 2025, 45 min.

Audio: https://cdn.audiorella.com/podcasts/1579-wenn-eltern-zu-feinden-werden/211342-folge6-keine-muetter-stigmatisierung.mp3?v=1

Als Mutter musste Suska Weblus schmerzlich erfahren wie der Vater ihres Sohnes ihn der Mutter systematisch entfremdete. Ihr Ex-Partner manipulierte den Sohn offenbar, die Mutter wurde nur noch ‚Piep‘ genannt, damit entpersonifiziert, negiert, mundtot gemacht. Suska Weblus gründete die Selbsthilfegruppe „Entfremdete Mütter“, schreibt einen Blog, ist eine Aktivistin gegen die Stigmatisierung entfremdeter Mütter. Anfänglich fiel es ihr schwer über ihren individuellen Fall öffentlich zu sprechen - schließlich gibt man zutiefst persönliche Gefühle, Verletzungen, Verzweiflungen preis. Heute weiß sie, dass oft nur der Gang in die Öffentlichkeit hilft, das brisante Thema Eltern-Kind-Entfremdung zu behandeln und zu beleuchten. Und auch sie weiß nur zu genau: am Ende des Tages sind’s immer die Kinder die am leittragendsten sind und das oft noch für den Rest ihres Lebens mit Beziehungsunfähigkeit bezahlen. Aber Suska Weblus gibt nicht auf, sie glaubt an das Gute. #ElternKindEntfremdung #EntfremdeteMütter #Selbsthilfegruppe #SuskaWeblus #Kindeswohl #Manipulation #PsychischeGewalt #Stigmatisierung #WennElternFeindeWerden Das Buch finden sie unter: https://finebooks.myshopify.com/products/briefefuermeinekinder –Weitere Podcast unter: www.abendblatt.de/podcast -YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=vTrf2-BpqdQ&list=PL2Ly-MZR_tF54XFVzvSeWatYs5Y-A2okG&index=11 - Wir freuen uns auf Eure Bewertungen und Likes - Abonniert unseren Podcast, natürlich kostenlos - Feedback: moinhamburg@abendblatt.de

## Transcript

[0:01] Wenn Eltern Feinde werden. Ein Podcast über Eltern-Kind-Entfremdung.
[0:07] Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Tom Brandner und ich begrüßen Sie zu einer neuen
[0:11] Folge des Abendblatt-Podcastes Wenn Eltern Feinde werden.
[0:16] Heute haben wir Besuch aus Lüneburg bekommen von Suska Weblus.
[0:19] Habe ich Weblus richtig aufgesprochen oder muss ich es auch sprechen?
[0:22] Ja, das geht so. Es geht so. Vielen Dank, dass du gekommen bist, Suska.
[0:25] Sie wird uns zum einen sicherlich ihre Geschichte erzählen aus der Sicht einer Mutter.
[0:31] Sie ist die erste Mutter, die heute bei uns in der Sendung ist.
[0:33] Und es ist auch eine, wie wir auch vorher schon hatten, keine einfache Geschichte,
[0:39] weiß Gott nicht. Bis heute nicht einfach.
[0:40] Ja, Tom ist diesmal zugeschaltet, weil er auf dem schönen Mallorca ist und dort
[0:45] arbeitet. Aber wir freuen uns auch, dass du nur mit dem Bild da bist, Tom.
[0:49] Ja, herzlich willkommen nochmal hier von meiner Seite und Und nochmal vielen
[0:52] Dank, liebe Suska, dass du dich heute als interessanten Gast hast. Sehr gerne, lieber Tom.
[0:58] Suska, ich würde dich bitten, vielleicht sagst du zwei, drei Sätze zu dir,
[1:02] was du so beruflich gemacht hast und machst.
[1:05] Und dann einfach mal, wenn das geht, ist natürlich immer schwierig,
[1:09] einigermaßen gedrängt deinen intüdlichen Fall schildern.
[1:12] Wobei, ein Fall ist es ja schon, es ist ja vor Gericht gelaufen.
[1:15] Okay, fang doch einfach mal an. Genau. Ja, also meine Geschichte ist schon relativ alt.
[1:22] Mein Sohn war drei, als ich mich getrennt habe und heute ist er fast 19.
[1:28] Das heißt, ich kann das Ganze schon mit einem bisschen Abstand betrachten.
[1:32] Trotzdem, wenn ich so Fälle immer wieder höre und auch Kontakt mit ganz vielen
[1:37] anderen Betroffenen habe, dann kommen diese Bilder natürlich immer wieder hoch, ist klar.
[1:41] Ich bin Grundschullehrerin und mache nebenbei so hier und da auch was mit Betroffenen.
[1:48] Ich habe eine Selbsthilfegruppe.
[1:50] Wir sind gerade dabei, einen Verein haben wir gegründet für entfremdete Mütter.
[1:55] Ja, das ist so das, was ich mache. Ich kläre auf bei Insta und habe einen Blog,
[1:59] wo Mütter auch ihre Geschichten erzählen können.
[2:02] Ja, das ist so das, was ich mache. Ist das Insta-Profil nur als Information
[2:07] für unsere Zuhörer? Ist das Suska Web Plus? Genau. Ah, okay.
[2:11] Das will ich da finden jetzt. Da kann man mich finden. Dann kann man ja wahrscheinlich
[2:13] auch zum Blog verlinken. Ja, genau.
[2:15] Weil das ist ja wichtig. Und so viel gibt es leider ja nach wie vor nicht zu
[2:18] dem Thema, haben wir ja vorher schon festgestellt.
[2:20] Ja, also auf entfremdung.blog habe ich so einen Blog, wo die Mütter und Väter
[2:24] ihre Geschichten erzählen können, wo ich aktuelle Dinge auch immer mal verlinke und so.
[2:29] Vielleicht darf ich noch eine Frage vorherstellen, bevor du persönlich loslegst.
[2:33] Du hast ja jetzt mehrfach das Wort Entfremdung genannt.
[2:36] Tom und ich haben das auch schon mal problematisiert bei uns.
[2:38] Es ist ja durchaus umstritten, ob es das überhaupt gibt sozusagen. Für dich gibt es das.
[2:44] Ja, also ich sage immer, letztendlich ist es egal, wie man das benennt.
[2:49] Da bin ich auch ganz offen. Viele sagen Nachtrennungsgewalt.
[2:52] Es ist eine Form von psychischer Gewalt. Es ist letztendlich eine Manipulation.
[2:57] Ein Loyalitätskonflikt, in den die Kinder gebracht werden.
[3:00] Wie das Ganze am Ende heißt, das kann jeder selber entscheiden.
[3:04] Wichtig ist das, was da passiert.
[3:07] Und das ist einfach ganz, ganz dramatisch. Was ist dir passiert?
[3:11] Ja, eigentlich erst mal nicht viel, außer dass ich aus meiner damaligen Beziehung gegangen bin.
[3:17] Und dann war ziemlich schnell klar, dass das Ganze vor Gericht landen wird.
[3:24] Also es gab keine Chance, sich außergerichtlich zu einigen. Und ja,
[3:29] ich hatte also quasi nach einer Woche schon einen Brief vom Amtsgericht,
[3:33] dass mein Ex-Mann das alleinige Säugerecht haben möchte für das Kind.
[3:38] Und wie das so ist, du kannst dann eigentlich nichts tun. Du musst den Anwalt
[3:43] nehmen und musst auch zu dem Gerichtstermin erscheinen.
[3:47] Also das ist eigentlich so das Traurige. Wir haben wenig Möglichkeiten in Deutschland
[3:52] Eltern in die Mediation zu bringen und niedrigschwellig erstmal zu starten.
[3:56] Also das wurde mir auch schnell klar. Es wird eigentlich gleich mit scharfen
[4:00] Kanonen geschossen. Ja, richtig.
[4:01] Ein oder zwei Stufen vorher zu gucken, ist nicht eventuell die Migration doch möglich. Genau, genau.
[4:07] Ich hatte auch versucht, über das Jugendamt gemeinsame Gespräche irgendwie hinzubekommen.
[4:12] Das war alles nicht gewünscht. Also es war einfach gleich voller Krieg.
[4:17] Und das erlebe ich immer wieder bei Betroffenen, dass da einfach auf dem Rücken
[4:22] des Kindes dann ganz schnell auch dieser Machtkampf im Grunde entsteht. Ja.
[4:28] Diese gekränkte Eitelkeit vielleicht auch, dass man die Beziehung beendet hat.
[4:33] Wie hat denn der Vater damals argumentiert überhaupt, dass er dir das Sorgerecht entziehen will?
[4:37] Also ein wichtiger Punkt ist ja immer der Kontinuitätsaspekt.
[4:43] Also ich bin ausgezogen, damit habe ich das Kind aus dem bekannten Umkreis rausgezogen.
[4:49] Das ist das, was auf dem Papier stand.
[4:52] In Wirklichkeit war es natürlich so, dass er weiterhin seine Freunde hatte. Er war noch klein.
[4:56] Er war erst seit zwei Monaten im Kindergarten. Also es war jetzt nicht so dramatisch,
[5:00] wie es geschildert wurde.
[5:01] Aber klar, da hat natürlich jeder dann seine Argumente.
[5:05] Und in dem Fall war es eben so, dass einfach der Vater der Meinung war,
[5:10] dass das Kind bei ihm besser aufgehoben ist.
[5:12] Und ja, also ein gemeinsames sich auseinandersetzen oder Gespräche,
[5:18] das war halt gar nicht möglich.
[5:19] Also es lief sofort alles übers Gericht. Wie ging es dann weiter?
[5:23] Tom? Ja, dazu nochmal eine kleine Zwischenfrage.
[5:27] Wie verlief denn der Umgang? Hattest du denn immerhin noch Umgang?
[5:32] Ja, also ich bin ja eine von denen, ich sage immer, das ist so ein bisschen
[5:36] so ein Sonderfall, zumindest empfinde ich das ganz oft so.
[5:40] Es gibt ja einfach ganz viele Mütter, die haben keinen Kontakt und wo das Kind
[5:45] auch wirklich von Anfang an im anderen Haushalt lebt.
[5:48] Bei mir war das so, dass zwar das Gutachten gegen mich ausgegangen ist damals,
[5:54] der Richter aber entschieden hat, dass das Kind bei mir leben soll.
[5:58] Und das passiert nicht häufig, aber das Gutachten war wirklich sehr,
[6:03] sehr miserabel, muss man sagen.
[6:05] Und insofern hatte ich Glück.
[6:08] Das Kind ist in meinem Haushalt geblieben. Aber das heißt nicht,
[6:12] dass dann sozusagen Frieden ist, sondern dann ging es erst richtig los.
[6:16] Also das Kind war ja weiterhin immer wieder beim Vater und mein Sohn musste
[6:21] da immer wieder erleben,
[6:23] wie sich der andere Elternteil dann geäußert hat, wie der Umgang mit mir war,
[6:31] dass da überhaupt keine Gespräche stattfanden.
[6:34] Und dann kommen die Kinder ganz schnell in so einen wahnsinnigen Loyalitätskonflikt.
[6:40] Umgang hatte ich immer, auch später, als mein Sohn dann zum Vater gezogen ist,
[6:45] hatte ich auch immer Umgang.
[6:47] Das ist auf der einen Seite ein Riesenglück, muss man sagen.
[6:52] Auf der anderen Seite sind es auch Höllenjahre gewesen, sage ich immer.
[6:55] Und ich kenne ein paar wenige, die das auch durchleben, die also das Kind im
[7:00] eigenen Haushalt haben, das ändert an dieser Entfremdung nichts.
[7:04] Es ist nur nicht so dramatisch von heute auf morgen, aber dieses Gift,
[7:08] sage ich immer, das ist trotzdem total drin.
[7:11] Können wir nochmal ganz kurz Tom oder Suska unseren Zuhörerinnen und Zuhörern
[7:16] erklären, was genau bedeutet Umgang?
[7:20] Also was darf man und was darf man nicht mit Umgang?
[7:22] Ja, Tom, willst du oder soll ich? Ja gut, also in meinem Fall war es dann so,
[7:27] bis dann ja eigentlich immer so gerichtlich geregelt wird,
[7:31] alle 14 Tage sieht man dann sein Kind oder seine Kinder und die Ferien werden
[7:37] in der Regel hälftig geteilt.
[7:40] Bei mir war es noch so, dass der Umgang dann sogar noch nach einer gewissen
[7:44] Zeit auf Anraten der Psychologen und des Gerichts noch um einen Tag verlängert
[7:48] worden ist, sodass ich dann quasi die Kinder am Freitag von der Schule holte.
[7:53] Also jeden zweiten Freitag und am Montag in die Schule gebracht habe.
[7:59] Das war insofern bei uns ganz gut, weil die Übergaben, so will ich es mal nennen,
[8:05] oder so nennt man es ja, die Kindesübergaben, waren immer nicht sehr harmonisch bei uns.
[8:11] Und die Mutter kam noch nicht mal vor die Tür.
[8:15] Ich wollte das Mundstück nicht betreten. Die Kinder sind dann quasi von meinem
[8:19] Auto aus dann alleine zur Tür
[8:21] gegangen, bis dann die Tür aufging und dann haben sie nochmal gewunken.
[8:25] Und um dieses halt eben so ein bisschen zu entgiften, wurde dann mein Umgang
[8:29] noch auf den Montag erweitert, sodass sich die beiden dann ganz neutral noch
[8:32] in die Schule gebracht haben.
[8:34] Ja. Hat denn dein damaliger Partner oder Ex-Partner, habt ihr in der selben Stadt gewohnt?
[8:41] Nach der Trennung? Ja? Nee. Wir waren 20 Minuten außenwender.
[8:46] Okay, das war eigentlich kein Problem.
[8:48] Und ich kenne das auch, so wie Tom
[8:50] das geschildert hat, Dass man das dann versucht, über die Kita zu regeln.
[8:54] Und das hat, finde ich, auch Sinn gemacht.
[8:59] Man musste natürlich dann Tasche mitgeben und so.
[9:01] Und das war meinem Sohn auch manchmal ein bisschen unangenehm,
[9:04] weil er war ja dadurch anders als die anderen Kinder. Er kam dann eben freitags mit Gepäck.
[9:09] Aber das ist in vielen Fällen sinnvoll.
[9:13] Aber du hast am Anfang gesagt, dass der Sohn 3 war, als du dich getrennt hast. Jetzt ist er 19.
[9:20] Mein Gott, was ist denn in diesen Jahren alles passiert oder eben nicht passiert?
[9:23] Ja, er wird 19 jetzt im Herbst, genau. Es sind 16 Jahre. Ja, genau.
[9:28] Also, um das grob zu umreißen, ich habe mich getrennt, er war drei.
[9:32] Als er zum Vater gegangen ist, war er neun. Das heißt, wir hatten sechs Jahre
[9:37] wirklich diese krasse Entfremdung, Manipulation wirklich in unserem Haushalt.
[9:44] Es war ganz, ganz belastend für alle.
[9:48] Mein Sohn hatte auch wirklich in der Zeit schwere Depressionen entwickelt.
[9:52] Und dann hat er letztendlich auch nachgegeben und hat gesagt,
[9:58] okay, ich gehe zum Vater.
[9:59] Er durfte dann die Grundschule noch zu Ende machen bei mir. Ich hatte mich da
[10:03] stark gemacht für, dass er nicht mitten in der Schulzeit wechseln muss.
[10:07] Und für ihn war das auch so ein bisschen eine Entlastung, weil er das Gefühl
[10:10] hatte, er kann jetzt sozusagen das Ganze gerecht regeln. Ja,
[10:15] er war jetzt so vier Jahre bei Mama und jetzt nochmal so vier Jahre bei Papa.
[10:19] Also das hat ihm ein gutes Gefühl gegeben.
[10:22] Als er dann beim Vater war, hat er allerdings auch ziemlich schnell gemerkt,
[10:25] dass vieles, was ihm versprochen wurde, was dann stattfinden soll, nicht stattgewundert.
[10:29] Also er war da wirklich so ein bisschen desillusioniert am Anfang,
[10:33] weil er mittlerweile eben auch viele neue Geschwister hatte.
[10:37] Der Vater hatte eine neue Beziehung und wenig Zeit fürs Kind. Und ja.
[10:42] Und letztendlich ist er da immer wie so ein Untermieter gewesen.
[10:45] Also er hat auch berichtet, dass sie da, ja, also es wirkte immer so,
[10:50] als ob er da nicht so richtig dazugehört.
[10:52] Ich habe mal zwischendurch gelesen, dass nicht mal dein Name fallen durfte im
[10:56] väterlichen Haushalt. Ja, also irgendwann sagte mein Sohn, Papa redet gar nicht
[11:00] mehr schlecht über dich, Mama.
[11:02] Wenn er was erzählt, sagt er nur noch Piep. Also da war er noch relativ klein.
[11:06] Und was er einfach natürlich zum Ausdruck bringen wollte, war,
[11:11] dass ich irgendwo nicht existieren darf in meinem Leben.
[11:16] Das ist ja eine Personifizierung. Eigentlich Tadegiru, die Mutter gibt es eigentlich
[11:19] nicht. Ja, genau. Und das ist ja nur ein ganz kleines Puzzleteil aus dem Ganzen.
[11:23] Also alles, was bei mir stattgefunden hat, ob das die Urlaube waren,
[11:27] die Hobbys, es wurde immer alles schlecht gemacht.
[11:30] Und für meinen Sohn war das schwer, dann den Rücken gerade zu machen und zu
[11:33] sagen, doch, ich finde es aber gut oder das war aber toll. Sondern dann merkte
[11:37] man immer so im Telefonat mit dem Vater, ja, naja, ach, so gut war es auch doch nicht.
[11:43] Und dann kamen immer wieder negative Sachen. Also er wusste schon,
[11:47] was gehört werden will und was nicht.
[11:49] Wie hast du das denn durchgehalten? Es ist ja ein täglicher 24-Stunden-Stress,
[11:54] 16 Jahre lang, mehr oder weniger.
[11:56] Wie hält man sowas durch? Ja, also ich muss sagen, dass vor ein paar Jahren
[12:01] mir wahnsinnig geholfen hat, dass ich gemerkt habe, dass ich nicht alleine bin.
[12:05] Also dieser Aspekt auf andere Betroffene zu treffen, das war damals bei einem
[12:12] Kongress in Hannover und da habe ich gemerkt.
[12:15] Boah, du bist nicht allein, du hast vielleicht gar nicht so viel falsch gemacht,
[12:20] du gehörst zu einer Riesengruppe von Betroffenen.
[12:25] Und dann habe ich angefangen, wirklich auch zu recherchieren und mich zu vernetzen
[12:30] und aktiv zu werden, den Blog gestartet, anderen Betroffenen eine Stimme gegeben.
[12:36] Und das hat mir so viel Kraft gegeben, das Ganze im Rückblick nochmal zu verarbeiten.
[12:42] Denn die Jahre, du hast es gerade schon gesagt, die waren wirklich einfach nur die Hölle.
[12:47] Und was mich dann erwischt hat später, als ich eigentlich schon durch Therapie
[12:53] und alles so ein bisschen auch verarbeiten konnte, war eine wahnsinnige Trauer rückblickend.
[12:58] Weil ich einfach mein einziges geliebtes Kind, was ich großgezogen habe,
[13:03] diese Zeit kann mir niemand mehr zurückgeben.
[13:06] Also wenn ich Eltern immer sehe, Mütter, die mit ihren Kindern irgendwie auf
[13:10] dem Spielplatz und so fröhlich. Und das hatte ich alles nicht.
[13:14] Also mein Kind war einfach nur völlig gelähmt, in sich zurückgezogen.
[13:20] Ich habe ihn nicht wiedererkannt.
[13:22] Ja, da war diese Leichtigkeit nicht. Und das wird mir nie wieder jemand zurückgeben
[13:28] können. Und auch meinem Sohn nicht.
[13:31] Und insofern, wenn ich ihn jetzt ab und zu alle paar Monate mal treffe,
[13:35] Also es ist schon recht wenig, aber ich finde es einfach toll,
[13:38] weil es auf einer Freiwilligkeit basiert und wir wirklich ein sehr schönes Verhältnis
[13:42] mittlerweile auch haben.
[13:44] Außer ich würde jetzt was ansprechen von damals, das mag er immer noch nicht so gerne.
[13:49] Das lasse ich auch, aber ja, ansonsten haben wir ein wirklich ganz schönes Verhältnis.
[13:54] Aber man merkt halt einfach, dass uns diese Jahre gestohlen wurden und wir müssen
[13:58] jetzt einfach gucken, wie wir vielleicht was Neues aufbauen.
[14:02] Also man muss sich das so vorstellen, dass das Kind zwar lebt,
[14:06] aber irgendwie auch nicht.
[14:08] Also das ist ein Zustand, den können nur Menschen nachvollziehen,
[14:12] die das durchgemacht haben.
[14:13] Die Kinder, selbst wenn du sie siehst, es sind irgendwo nicht mehr deine Kinder.
[14:18] Also ich kann es nicht anders sagen. Es ist wie, wenn die ausgetauscht wurden.
[14:22] Das haben wir ja vorhin auch mal kurz im Vorgespräch besprochen,
[14:26] Tom, dass man gerade in solchen Fällen ganz oft hört, wenn er einen Elternteil
[14:31] an den Kindern sieht, dass sie fast das Gefühl haben, seien Roboter,
[14:34] dass sie richtig Irrenwäsche sozusagen passiert ist. Richtig.
[14:38] Richtig. Aber das ist ja ganz folterlich. Ja, Herr Schwinden.
[14:41] Aber habt ihr das nie versucht oder habt ihr das vielleicht vor,
[14:44] mal gemeinsam alles aufzuarbeiten?
[14:47] Weil das ist ja letztens auch bei meiner persönlichen Geschichte,
[14:53] weil irgendwann die Hoffnung, dass man mit den Kindern mal darüber reden kann. Ja, natürlich.
[14:58] Also das würde natürlich auch nochmal für mich ganz viel bedeuten,
[15:02] aber es ist auch wichtig, dass man da keine Wunden aufreißt.
[15:05] Ich denke einfach, der Mensch hat ja seine Gründe, warum er bestimmte Erinnerungen
[15:09] verschließt und mein Sohn hat ganz viele Erinnerungen nicht und das hat er nicht ohne Grund.
[15:16] Und es hat für ihn zwar ganz große schulische Probleme mit sich gebracht,
[15:20] aber es ist ein Schutz und den hat er nicht umsonst.
[15:23] Und wenn er irgendwann das schafft, dass er sagt, es interessiert mich jetzt
[15:27] doch mal, was du erzählst oder wie deine Warte ist oder ich möchte da doch nochmal
[15:32] ran an das Thema, dann bin ich sofort da. Das muss von ihm kommen.
[15:35] Ja, das fühle ich einfach nicht so. Der Wunsch muss von ihm jeweiligen Kindern
[15:40] kommen. Also es gibt wenig Beratungsmöglichkeiten in dem Bereich,
[15:43] sonst hätte ich mir da sicherlich auch gern schon Hilfe geholt.
[15:46] Aber was ich gehört habe, ist immer, dass man an solchen traumatischen Erlebnissen
[15:52] nicht rühren soll, wenn man da nicht wirklich bereit zu ist.
[15:56] Und ich denke auch, er durchlebt gerade so eine tolle Zeit mit seinen Freunden.
[16:01] Er geht auf Reisen. Er ist gerade voll in diesem, ich bin jetzt frei.
[16:06] Er lebt ja jetzt weder bei mir noch beim Vater und kann jetzt so sein Ding machen.
[16:11] Und das möchte ich ihm nicht nehmen.
[16:13] Also ich freue mich einfach immer, wenn ich sehe, dass er...
[16:16] Spaß hat und fröhlich ist, weil ich habe mir jahrelang so riesen Sorgen gemacht.
[16:21] Ich dachte, also der wird mindestens auf die schiefe Bahn kommen,
[16:25] weil man einfach immer wieder hört von diesen Kindern, dass sie ganz,
[16:29] ganz große Probleme haben mit Konsum von irgendwelchen Sachen.
[16:34] Und also möchte das gar nicht alles ausführen, aber es ließ sich schon wirklich
[16:40] schrecklich und ich bin einfach froh, dass er da so seinen Weg im Moment geht.
[16:46] Und ich denke, manche Aufarbeitung hat uns ja auch Jahre gekostet.
[16:49] Also da mit 19, denke ich, ja, da ist noch Zeit.
[16:55] Aber ja, wie gesagt, das war wirklich eine harte Zeit.
[16:58] Also wir haben da alle unsere Riesenwunden vongetragen, auch körperlich.
[17:04] Ich habe Autoimmunkrankheiten. Ich bin also, ja, ich habe nur funktioniert jahrelang.
[17:10] Also immer wieder vorgeregt, dann war wieder hier was, dann war wieder da was.
[17:14] Dann die Sorgen um das Kind. Dem Kind ging es schlecht, eine Therapie gesucht.
[17:18] Therapeuten haben gesagt, nein, wir können ihn nicht therapieren,
[17:21] solange die Eltern nicht miteinander sprechen, macht das keinen Sinn.
[17:24] So, dann habe ich versucht, mit dem Vater zu sprechen, war nicht gewünscht.
[17:27] Dann wieder zu dem Therapeuten, nee, dann kann ich ihr Kind nicht therapieren.
[17:31] Also es konnte mir auch einfach niemand helfen und dann siehst du dein Kind.
[17:36] Und denkst, ich muss doch irgendwas tun, aber du kommst aus dieser Hölle nicht
[17:40] raus, weil du kannst ja auch nicht sagen, wie ein Job, der dich belastet,
[17:44] dann suche ich mir einen anderen Job. Es ist dein Kind.
[17:46] Nee, Kind ist Kind. Ja, so. Und dann musst du da durch.
[17:49] Und das ist das, was wir eben so traumatisch erleben, wir Betroffenen.
[17:54] Wir können nicht einfach uns umdrehen und gehen und sagen so,
[17:57] ich will damit jetzt nichts mehr zu tun haben.
[17:59] Geht dir genauso, Tom, oder? Ja, also ich...
[18:03] Mir schießen gerade die Gedanken durch den Kopf, wir stellen das so schwierig
[18:06] vor, wenn man dann mal seine Kinder sieht wieder und es dann aus psychologischer
[18:11] Sicht dann nicht klarstellen darf.
[18:14] Und somit die Kinder sieht, wie sie halt weiterhin in ihrer Blase im Prinzip weiterleben.
[18:22] Das stelle ich mir sehr, sehr schwer vor. Ja, also was du sofort natürlich dich
[18:28] von verabschieden musst, ist dieses Gefühl von Gerechtigkeit bekommen oder Recht bekommen.
[18:33] Das kannst du knicken. In dem Moment, wo du durch so Gerichtsverfahren durch
[18:36] bist, weißt du sowieso, dass das nichts unbedingt mit Gerechtigkeit zu tun hat, was da passiert.
[18:42] Und ja, natürlich würde ich mir das wünschen irgendwo, dass irgendwann ich gesagt
[18:49] bekomme, ja, du hast nichts falsch gemacht.
[18:51] Du kannst nur an dir selber arbeiten und mit anderen dich vernetzen.
[18:55] Und für mich war das, wie gesagt, ein Riesenschritt zu hören,
[18:58] wie es anderen ergangen ist, um einfach zu sehen, ich bin da nicht allein. und ja.
[19:05] Das ist ja eigentlich verrückt, weil normalerweise würde man ja in solchen Situationen
[19:09] sagen, wo kann ich mir Hilfe organisieren?
[19:11] Aber da dieses Thema zum einen ohnehin ja immer noch bei uns gesellschaftlich tabuisiert wird,
[19:16] mit vielen Vorurteilen belastet, mit einem juristischen System,
[19:21] das eigentlich völlig überlastet ist und mit so einem Thema eigentlich müsste
[19:24] neben der Richterin immer ein Sozialarbeiter sitzen, ein Sozialpsychologe und
[19:27] Psychiater sitzen, um sozusagen auch von vornherein klarzumachen,
[19:30] wir versuchen erstmal eine Mediation und ich werde dann in den Ring steigen sozusagen.
[19:35] Wie bist du dann, also gab es da so eine Art,
[19:39] So eine Art Aha-Erlebnis, wo du gemerkt hast, mein Gott, ich bin ja wirklich
[19:42] nicht alleine, weil das habe ich ja bei Tom auch erlebt, als es ihm ganz,
[19:46] ganz schlecht ging, dann ist man in so einem Tunnel, da kommst du auch selber gar nicht raus.
[19:51] Ja, das war wirklich ein großer Zufall letztendlich.
[19:55] Ich war schon einige Jahre, war mein Sohn schon nicht mehr bei mir und ich habe
[19:59] im Fernsehen einen Film geschaut mit der Julia Koschitz.
[20:03] Der ist ja sehr bekannt, weil du mir gehörst. Ja. Und darüber bin ich dann eigentlich
[20:08] nur, weil ich das kommentieren wollte in der Mediathek,
[20:12] bin ich dann eben auf den Väterverein gestoßen und diesen Kongress,
[20:20] den die einmal im Jahr in Hannover haben und ich hatte das Gefühl, ich muss da hin.
[20:23] Es ging um Anhörungen von Kindern vor Gericht, ob das Sinn macht oder nicht.
[20:27] Und da bin ich hingefahren. Und dann habe ich eigentlich erst als eine Mutter
[20:30] dann im Publikum aufstand und irgendeine Wortmeldung da.
[20:35] Dann brachte und dann war mir plötzlich klar, oh Gott, da sitzt ja im Publikum
[20:39] eine betroffene Mutter.
[20:41] Und in den drei Tagen habe ich eben sehr viele andere Betroffene kennengelernt
[20:45] und dann wurde mir erst dieses ganze Ausmaß bewusst und als ich mich dann halt,
[20:52] geoutet habe sozusagen mit meinem Blog und eben auch rausgegangen bin mit dem Thema,
[20:57] da habe ich so viel Rückmeldung bekommen.
[21:00] Es war Wahnsinn. Also ich hätte mich damit sofort irgendwie,
[21:05] selbstständig, es hat mich umgehauen und ich musste irgendwann auch vielen Betroffenen
[21:14] sagen, ich kann dir nichts raten,
[21:16] ich kann weder eine Rechtsberatung hier geben, noch kann ich dir sagen,
[21:20] was du morgen sagen sollst, wenn du das Gespräch im Jugendamt hast.
[21:24] Also das war wirklich schwer, da so einen Strich zu machen und zu sagen,
[21:30] ich muss jetzt auch ein Stück weit nochmal meine eigenen Kräfte in meinen eigenen Kräften haushalten.
[21:35] Weil der Bedarf einfach so groß ist. Und weil ich natürlich auch gerne helfen möchte.
[21:41] Bist du auch angefeindet worden? Angefeindet hier und da mal von Vätern,
[21:46] wenn ich mich zu doll für Mütter ausgesprochen habe.
[21:51] Aber ich habe eigentlich, und Tom kennt mich ja auch schon eine Weile,
[21:54] habe da eigentlich keine Grabenkriege oder irgendwelche, dass ich das irgendwie
[22:00] vorangetrieben habe, dass das etwas ist, was sich widerspricht oder so.
[22:04] Weil ich habe immer gesagt, im besten Fall sollen Kinder beide Eltern haben.
[22:10] Das sehe ich auch immer noch so.
[22:12] Wenn natürlich Gewalt im Spiel
[22:14] ist oder irgendwas, dann muss man genauer hinschauen. Das ist völlig klar.
[22:18] Und natürlich sollen Opfer geschützt werden. Aber wenn es geht und wenn.
[22:24] Wie gesagt, deswegen finde ich auch, dass eine Mediation so wichtig wäre und
[22:27] eine Beratung, dass man einfach erstmal schaut, wo kann man wirklich vielleicht
[22:31] nochmal ins Gespräch kommen, bevor eben wirklich mit Kanonen geschossen wird.
[22:37] Ja, du hast erzählt, jetzt seid ihr gerade dabei, einen Verein zu gründen sozusagen.
[22:42] Genau, wir haben Muki e.V. gegründet.
[22:44] Muki? Muki. Muki. Mutterkirchen Kontaktverlust e.V. Genau.
[22:49] Genau. Genau und ja, also da ist gerade ganz viel Bewegung drin.
[22:55] Und da wollen wir also auch eben besonders für die Öffentlichkeitsarbeit ganz viel machen.
[23:00] Damit das Thema eben jetzt auch ein bisschen mehr Gewicht bekommt und Betroffene
[23:05] auch schneller andocken können.
[23:08] Ja, das hatten wir auch schon mal, Tom, zwischendurch in einer unserer Sendungen,
[23:11] dass wir gesagt haben, dass eigentlich bevor dieser bundesweite Fallblock,
[23:14] also dem bundesweiten Interesse zu Gericht gegangen ist, war es eigentlich immer
[23:20] so ein Randthema, wenn überhaupt, wenn überhaupt.
[23:22] Und jetzt ist eben das Thema Entfremdung ein trauriger Anlass,
[23:26] aber über das Thema wird immerhin mal gesprochen sozusagen.
[23:31] War das für dich damals, Tom, als wir zusammen das Buch geschrieben haben,
[23:36] Briefe für meine Kinder, war das für dich auch so ein bisschen therapeutisch? Ja, total.
[23:41] Auch mich mit anderen Leuten auszutauschen, denen dasselbe widerfahren ist,
[23:46] Das war schon unheimlich wichtig, weil man will ja auch nicht gerne,
[23:53] zumindest habe ich das nicht getan.
[23:55] Sein familiäres Umfeld auch damit ständig belasten.
[23:59] Also man hat ja wirklich immer den Eindruck, man belastet die anderen Menschen,
[24:04] wenn man dann über sowas spricht.
[24:06] Und das habe ich bewusst nicht bei meiner Familie gemacht, sicherlich zu Anfang mal.
[24:11] Aber dann habe ich mich darauf sehr zurückgenommen und war dann eben auch froh,
[24:14] zu treffen mit Gleichgesinnten sozusagen.
[24:17] Und eben, wie gesagt, auch durch dieses Veröffentlichen des Buches.
[24:23] Aber ist das denn auch richtig?
[24:25] Die Frage geht natürlich beide sozusagen. Auf der einen Seite kann ich verstehen,
[24:28] dass man sein engstes familiäres Umfeld nicht so sehr belasten will.
[24:32] Auf der anderen Seite frage ich mich, in so einer Situation,
[24:36] abgesehen von den besten Freunden oder besten Freundinnen, Wer soll denen überhaupt
[24:38] noch helfen, außer die Ängste von Michi?
[24:41] Also es ist wahrscheinlich nur so ein Zwiespalt, in dem man so drin steckt,
[24:44] oder? Was würdest du sagen?
[24:45] Hattest du damals Familie, die dir geholfen hat? Ja, also ich hatte auf jeden Fall Familie.
[24:49] Ich hatte auch eine neue Beziehung dann ziemlich schnell und für mich war es
[24:53] also schon sehr wichtig, mich
[24:56] da auch immer wieder anlehnen zu können und darüber sprechen zu können.
[25:00] Was ich erlebt habe, ist eigentlich eher dieses, dass man von sich aus auch
[25:06] sich teilweise zurückzieht, weil du einfach an diesen,
[25:10] sage ich mal, normalen Abenden, alle sind da am Feiern und so unbeschwert und
[25:16] du kannst es einfach in bestimmten Phasen nicht gut haben dann.
[25:19] Also das habe ich erlebt.
[25:21] War mir alles irgendwann zu profan und so. Also das klingt so böse jetzt.
[25:25] Aber das war, ich hatte so existenzielle Sachen im Kopf.
[25:31] Ich hatte Angst um mein Kind. Für mich ging es um Leben und Tod.
[25:35] Und da konnte ich einfach ganz schlecht mich dann mit anderen Menschen übers
[25:41] Wetter unterhalten, um das mal so platt zu sagen. Was ich viel gemacht habe,
[25:44] war Reisen, also rauskommen.
[25:46] Ich konnte ganz schwer zu Hause sein.
[25:48] Ich muss sagen, ich war also jede Ferien weg und was möglich war überhaupt finanziell.
[25:56] Aber das habe ich immer irgendwie versucht möglich zu machen,
[25:59] weil zu Hause habe ich es dann ganz schwer ausgehalten, wenn das Kind nicht da war.
[26:04] Ja, also das hat mir so ganz gut geholfen. Was hast du denn gemacht,
[26:08] Tom, in solchen Situationen?
[26:09] Auf viel Reise oder? Ja, da sehe ich sehr, sehr viele Parallelen.
[26:13] Also ich bin auch in der Tat sehr, sehr viel gereist.
[26:16] Und es ist ja so, dass man ja in den meisten Fällen die Probleme mit sich schleppt im Gepäck.
[26:21] Aber in der Tat im Sinne, es hat so ein anderes Umfeld, hat mir auch sehr,
[26:26] sehr gut getan. Also, und ich habe auch erst ganz spät damit angefangen bei mir zu Hause.
[26:31] Ich hatte dort ja auch ein Kinderzimmer für meine beiden Kinder liebevoll eingerichtet.
[26:37] Hatte auch genug Klamotten für sie da, dass sie eben nicht mit einem kleinen
[26:42] Koffer dann immer zu mir gekommen sind, sondern ich hatte alles da.
[26:45] Und es hat sehr, sehr lange gedauert, das ist glaube ich auch erst,
[26:49] das ist vielleicht ein Monat her sein, wo ich mal jetzt gesagt habe,
[26:52] so jetzt verschenke ich die Spielsachen, verschenke die Kinderkleidung und mache
[26:57] aus dem Kinderzimmer ein Gästezimmer.
[26:59] Das hat sehr, sehr lange gedauert.
[27:02] Und hast du das schon gemacht? Gibt es das Gästezimmer schon?
[27:04] Das Gästezimmer gibt es ja.
[27:06] Natürlich habe ich noch viele Sachen, die ich auch bewusst behalten habe von
[27:10] meinen Kindern, aber das Gros habe ich jetzt echt in der Tat hilfsbedürftigen
[27:15] Kindern geschenkt. Was hast du behalten?
[27:18] Persönliche Zeichnungen, die sie gemacht haben, wo sie mal geschrieben haben.
[27:22] Zum Beispiel, ach, du bist der tollste Papa der Welt.
[27:27] Sowas habe ich behalten. Und natürlich stehen in meiner Wohnung auch immer noch Bilder.
[27:31] Also nicht mehr ganz so viele, wie ich es davor mal hatte, aber das muss halt
[27:37] einfach auch sein. Sie gehören ja zu mir.
[27:40] Suska, du hast erzählt eben, dass dein Sohn jetzt 19 hat, Abitur gemacht?
[27:44] Nee, das bei der Bundeswehr. Bei der Bundeswehr, jedenfalls ist er jetzt unabhängiger,
[27:48] eine eigene Wohnung oder mit Freund oder Freundin, wie auch immer zusammen,
[27:51] weder mit dir noch mit dem Vater. Seht ihr euch jetzt?
[27:56] Relativ regelmäßig. Telefoniert ihr dreimal die Woche?
[28:00] Habt ihr einen Tag ausgemacht, wo er kommt? Oder wie ist das so?
[28:02] Das ist alles sehr spontan. Nee, das ist alles sehr spontan.
[28:05] Also ich kriege über Insta immer mal eine Nachricht oder ein lustiges Video
[28:09] und ich weiß dann, dass er noch lebt.
[28:11] Und wenn ich sage, Mensch, guck mal, im Oktober ist Geburtstag,
[28:17] wollen wir was zusammen machen? Und so, dann sagt er ja.
[28:19] Also das ist so, wenn von mir was kommt, dann ist er mittlerweile wirklich ganz
[28:23] offen und ich freue mich darüber.
[28:25] Also es nimmt gerade wirklich eine ganz gute Entscheidung. Das ist ja schon
[28:26] ein richtiger Fortschritt. Absolut.
[28:28] Also Tom würde ja viel dafür geben, wenn bei Ilse wäre, ehrlich gesagt.
[28:33] Ja, also ich akzeptiere gewisse Regeln, hatte ich ja schon angesprochen und dann schaut man weiter.
[28:42] Also ich bin da ganz optimistisch und versuche nicht so sehr viel in die Vergangenheit
[28:47] zu schauen, dass das nicht mehr so weh tut.
[28:49] Und wenn dein Sohn, hast du jetzt gerade einen Partner, muss ich fragen,
[28:52] ich mache zusammen? Ich bin verheiratet.
[28:55] Wie ist denn das Verhältnis von deinem Sohn zu deinem Mann?
[28:58] Zu meiner Frau. Zu meiner Frau, sorry, ja. Ja, also die war ja von Anfang an
[29:03] da und hat mir geholfen, in der schwersten Zeit mein Kind mit groß zu ziehen.
[29:08] Also wenn ich sie nicht gehabt hätte, ich weiß nicht, ob ich das alles so geschafft hätte.
[29:12] Und insofern, die haben ein recht enges Verhältnis, was aber auch nicht immer
[29:18] einfach war, weil sie natürlich mit schlecht gemacht wurde.
[29:22] Also das war schon hart für sie. Ist dann auch egal, ob es ein Mann oder eine
[29:26] Frau ist, dann wird es einfach schlecht gemacht.
[29:28] Genau, der Partner wird mit schlecht gemacht.
[29:31] Und ja, also da die volle Entfremdung haben wir beide erlebt. Leider.
[29:40] Tom, wenn du jetzt mal so dran denkst, dass du deine Kinder hoffentlich irgendwann
[29:44] mal sehen wirst, meinst du denn, dass du tatsächlich immer die Kraft aufbringst,
[29:51] nicht über die Vergangenheit zu sprechen? Ja.
[29:54] Sondern Gegenwart und Zukunft. Weil ich finde das bemerkenswert,
[29:58] was Suska gesagt hat, ist natürlich vollkommen richtig.
[30:01] Aber ich stelle es mir wahnsinnig schwierig vor, weil man natürlich im Laufe
[30:03] der Jahre, und bei dir sind es jetzt auch schon sieben Jahre,
[30:06] du hast so viel Täler der Tränen durchschritten.
[30:11] Du warst so oft verdammt traurig. Du hast so oft die Hoffnung aufgegeben,
[30:15] sie überhaupt mal wieder zu sehen. Dann hast du das Sorgerecht gehabt,
[30:17] dann warst du es wieder los.
[30:18] Also eine permanente Achterbahnfahrt.
[30:21] Und plötzlich soll man dann funktionieren. Meinst du, was klappt bei dir?
[30:24] Also weiß ich nicht. Also ich würde es mir wünschen, aber dann klar stelle ich
[30:30] mir immer wieder die Frage, wie wird das sein, so eine erste Begegnung?
[30:34] Wird das eher ein Zufall sein, dass man sich irgendwo vielleicht mal auf der
[30:38] Straße begegnet oder im Restaurant trifft? Oder ich weiß es nicht.
[30:43] Ich wünsche mir da so eine Kraft zu haben, wie Suska sie hat.
[30:47] Aber irgendwann hätte ich dann schon mal den Drang, da auch mal so ein bisschen
[30:54] Licht ins Dunkel zu bringen, muss ich jetzt ehrlich sagen.
[30:58] Und ja, wie das geschieht oder so, da stelle ich mir sehr, sehr schwer vor.
[31:03] Eine Lösung habe ich dafür bis jetzt noch nicht. Hat wahrscheinlich keiner.
[31:07] Aber ich hoffe natürlich auch und Suska ja wahrscheinlich auch.
[31:10] Ich meine, die Kinder sind jetzt auch im Alter, wo sie auch Medien konsumieren,
[31:17] dass sie vielleicht den Podcast auch hören, dass sie die Berichterstattung lesen.
[31:21] Und damit ist ja schon geholfen, dass sie dann vielleicht auch mal die zweite
[31:25] Seite der berühmten Medaille sehen.
[31:29] Suska, Stichwort Selbsthilfegruppe, wie oft trefft ihr euch da so? Monatlich.
[31:34] Genau, monatlich. Das läuft über einen Paritätischen in Lüneburg.
[31:38] Es klappt sich auch in Räumen des Paritätischen Ruhelfahrverbandes.
[31:42] Das ist natürlich ganz schön, dass man es nicht immer so privat organisiert.
[31:44] Ja, ne, privat soll das nicht laufen.
[31:46] Das ist schon so gedacht, dass man sich da auf neutralem Boden trifft. Genau.
[31:50] Und einmal im Monat,
[31:54] Was wird das besprochen? Wir müssen uns mal vorstellen, weil keiner wahrscheinlich
[31:56] eine Tagesordnung haben, sondern mal geht es einem besser, mal geht es einem
[32:00] schlechter als Mutter. Also wir haben schon Rituale.
[32:03] Wir sagen erst mal, wie die letzten Wochen waren, wie es uns geht.
[32:07] Dann schaut man, ob irgendwas Aktuelles anliegt, ob vielleicht jemand ein Gespräch
[32:12] vor sich hat oder einen Gerichtstermin oder so.
[32:14] Es kommen auch immer mal wieder neue Frauen dazu,
[32:17] die natürlich dann in dem Moment auch viele Tränen und viele Sorgen haben,
[32:23] akute Sorgen, wo wir uns dann einfach wirklich drum kümmern und drüber austauschen
[32:27] und versuchen, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
[32:30] Wir haben aber auch in der Gruppe Frauen, die schon ganz, ganz lange betroffen sind.
[32:35] Also die wirklich schon seit über zehn Jahren keinen Kontakt haben. Also von bis.
[32:40] Und das ist das, was es ausmacht auch. Dass Menschen, die halt in der Kraft
[32:44] sind, die vielleicht einfach nicht so akut betroffen sind, anderen dann wieder
[32:48] ein bisschen Mut machen können oder helfen können.
[32:51] Oder einfach nur zuhören, was Tom auch sagte, dass man Menschen hat, die betroffen sind.
[32:56] Das ist eine ganz andere Dynamik und ein ganz anderer Zusammenhalt. Natürlich.
[33:00] Tom, jetzt an dich mal die provokative Frage. Warum hast du das eigentlich nicht
[33:03] gemacht? Du hättest ja auch als Mann in eine Selbsthilfegruppe gehen können,
[33:06] in Hamburg oder sonst wo.
[33:08] Aber du hast mal eine gegründet und hast dich ein bisschen zurückgezogen.
[33:11] Aus verschiedenen Gründen. Aber warum?
[33:14] Oder bist du eigentlich eher der Typ, der es mit sich selber ausmacht?
[33:18] Ist ja auch wieder eine sehr individuelle Sache. Der eine Mensch kann vor 20
[33:21] Leuten seine Seele offenbaren und der andere kann es eben nicht. Oder die andere.
[33:26] Ja gut, ich habe es da zu Beginn gemacht. wie du schon richtig gesagt hast,
[33:30] als ich die erste Gruppe in Herbmutter gegründet habe.
[33:35] Ja, also mir hat das sehr, sehr geholfen, aber für mich war auch irgendwann
[33:38] mal ein Punkt, da habe ich einfach beschlossen, damit jetzt selber umgehen zu
[33:44] wollen und zu müssen und habe auch ein Stück weit mein Leben auch sehr verändert.
[33:50] War wieder in der Lage, mich mehr in meinen Beruf zu stürzen.
[33:54] Wie gesagt, die Reisen haben extrem geholfen, was ich auch heute noch tue.
[34:01] Und habe mich, ja, ich glaube, ich hatte das schon mal in der letzten Folge
[34:05] gesagt, ich habe schon ein Stück weit losgelassen, was um Gottes Willen nicht
[34:09] heißt, dass ich meine beiden Kinder nicht genauso liebe, wie ich es sie immer getan habe.
[34:16] Das werde ich immer tun. Ich habe sie um Gottes Willen nicht abgeschrieben.
[34:18] Aber ich musste mich auf mein Leben einfach ab und zu dem Alter jetzt auch konzentrieren,
[34:24] um da nicht jetzt völlig unter die Räder zu kommen. Man hat nur ein Leben und
[34:27] das wollte ich jetzt nach diesen zehn Jahren Odyssee jetzt einfach auch mal beginnen.
[34:33] Neu, Neubeginn. Kann man, glaube ich, auch gut verstehen. Total.
[34:37] Ich finde das auch sehr gut, dass Tom das gemacht hat. Also das habe ich auch
[34:40] von Anfang an verstanden.
[34:43] Stichwort Selbsthilfegruppe einmal im Monat, immerhin hast du manchmal auch das Bedürfnis.
[34:49] Oder kannst du dir mal vorstellen, irgendwann mal ein Leben zu führen,
[34:52] ohne diese Selbsthilfegruppe sozusagen? Das würde ja nicht voraussetzen,
[34:55] dass du mit deinem Sohn ganz entspannt bist.
[34:58] Aber dieses Thema begleitet dich ja jetzt wirklich seit 16 Jahren.
[35:01] Das finde ich einfach eine lange, lange Zeit.
[35:02] Das ist Wahnsinn. Ja, das ist ganz spannend, weil ich gerade neulich wieder
[35:06] mit einer Freundin darüber gesprochen habe.
[35:07] Es ist halt so, es gibt nur eine kleine Schnittmenge an Leuten,
[35:11] die wirklich in der Öffentlichkeit sich zeigen mit dem Thema,
[35:14] weil du hast halt einmal die, die sind so voller Charme und so akut betroffen,
[35:18] die haben gar keine Kraft,
[35:20] sich auch mit ihrem Namen und ihrem Gesicht zu zeigen.
[35:23] Ja, die sind so auch voll in dieser Scham drin, was ich auch wirklich gut verstehen kann.
[35:28] Und dann hast du halt die, die sind mit dem Thema durch. Die haben abgeschlossen.
[35:32] Die haben vielleicht auch wieder Kontakt.
[35:34] Das gibt es ja auch, wenn auch nicht so häufig.
[35:36] Aber so. Und dann hast du halt noch so eine Schnittmenge an Menschen,
[35:40] die nicht mehr akut betroffen sind, aber irgendwie auch noch was bewirken wollen
[35:45] und in der Öffentlichkeit aufklären wollen.
[35:47] Und das sind halt nur eine Handvoll Leute. Also insofern, mir ist es wichtig,
[35:53] einfach da jetzt noch was geben zu können.
[35:56] Wenn das dann irgendwann jemand anders übernimmt, jetzt im Moment hat es eine
[35:59] Bekannte auch übernommen, provisorisch,
[36:03] weil ich einfach mit der Vereinsgründung so viel zu tun hatte.
[36:06] Das ist immer ganz gut, wenn man da einfach auch welche hat,
[36:09] die ein bisschen mithelfen.
[36:11] Sonst wird das einfach alles zu viel. Also ich schreibe ja auch nebenbei noch
[36:14] immer alles auf, weil ich vor Jahren schon gesagt habe, ich möchte da auch nochmal
[36:18] was drüber schreiben. vielleicht ein Buch oder so.
[36:21] Es ist einfach wahnsinnig viel, was da zu tun ist.
[36:24] Also Ehrenamt ist auf jeden Fall viel Arbeit. Also ich glaube...
[36:30] Also auch bei Tomba ist es ja so, neben der therapeutischen Wirkung von so einem
[36:34] Buch natürlich einfach auch, ist deswegen so ein Buch, deswegen würde ich dich
[36:37] sehr ermutigen, das eines Tages vielleicht zu schreiben,
[36:40] natürlich deswegen so wichtig, weil es eben viel zu wenig Literatur zu diesem
[36:43] Thema gibt, weil es eben viel zu wenig wissenschaftliche Untersuchungen nach
[36:47] wie vor zu diesem Thema gibt.
[36:48] Viel zu viele Fehlurteile meines Erachtens, weil ich das beurteilen kann.
[36:52] Das Thema wird, wir haben wiederholen uns, aber es ist leider so,
[36:54] es wird tabuisiert, deswegen jedes Buch, was ich mit diesem Thema erzutage auseinandersetze,
[36:58] ist ein wichtiges Buch. Ja, ihr hattet ja Roche Gonzales schon hier.
[37:02] Also mit dem habe ich ja auch in Lüneburg Kontakt gehabt immer wieder und der
[37:06] hat ja wirklich auch tolle Studien zu dem Thema gemacht, wo wir auch mitgearbeitet
[37:11] haben und unsere Interviews da gemacht haben,
[37:16] wo wir dann eben so einen Fragenkatalog hatten.
[37:19] Und das ist immer wichtig, dass man sich dafür dann bereit erklärt.
[37:23] Was ich ja gerne machen möchte, ist, ich habe ja schon an die 100 Frauen zusammen,
[37:28] die alle bereit sind, mit ihrem Namen und mit ihrem Gesicht den Rücken gerade
[37:33] machen und sich zu zeigen.
[37:34] Leider hatte da bislang keine Zeitung Interesse, aber wir wollen das jetzt über
[37:39] den Verein selber finanzieren.
[37:41] Würde ich machen. Ich würde mal zum Stern damit gehen zum Beispiel.
[37:43] Ja, wir haben ein paar Sachen versucht.
[37:46] Habt ihr schon versucht? Okay, ja. Ja klar, weil wir ja diese Schwangerschaftsabbruchsache,
[37:51] da wollten wir das so ein bisschen anlehnen.
[37:53] Naja, wir haben tausend Ideen und wir sind auch eine Handvoll wirklich ganz,
[37:57] ganz tolle Frauen, die da jetzt mit dem Verein an den Start gehen.
[38:00] Ich hoffe, dass daraus was richtig Gutes entsteht. Ich glaube,
[38:04] dass gerade so ein größerer Auftritt und dann eben auch gerade mit,
[38:07] ob das nun Frauen oder Männer sind, ist eigentlich relativ schnurz,
[38:09] ehrlich gesagt, oder beides, wäre mal ganz wichtig und wäre vielleicht würde dem ganzen Thema.
[38:16] Eltern-Kind-Entfremdung, oder wie man es nennen will, wie du richtig gesagt
[38:18] hast, einen enormen Push versetzen. Was meinst du, Tom?
[38:22] Ja, ich sage ja auch immer, wenn unser Schicksal oder das Aufklären dazu beiträgt,
[38:28] dass wir dadurch anderen Menschen helfen und die Politik mal wachrütteln so
[38:31] langsam, dann wäre das schön, ja.
[38:35] Dann hatte das zumindest einen schönen Sinn gehabt.
[38:38] Ja, das ist irgendwie auch manchmal tröstlich, der Gedanke. Das geht mir auch so.
[38:45] Habt ihr irgendwie auch in Lüneburg zu Politikerinnen Kontakt irgendwelcher Art?
[38:50] Oder gibt es da irgendwelche Drähte im Kreistag, in den Landtag oder in den
[38:54] Bundestag, wie auch immer?
[38:55] Also aktuell haben wir gerade nochmal einen Versuch gestartet,
[38:58] uns an jemanden zu wenden. Das ist noch in der Mache.
[39:00] Also klar, das wäre natürlich toll, wenn man das schaffen würde.
[39:04] Ist natürlich für einen Politiker oder eine Politikerin eben auch ein heikles Thema.
[39:09] Da trauen sich manche wahrscheinlich so richtig ran. Was meinst du,
[39:11] Tom? Also das ist ein heißes Eisen und die meisten lassen davon lieber die Finger weg.
[39:16] Richtig, richtig. Habe man ja auch an unserem damaligen Justizminister gesehen.
[39:22] Herr Buschmann. Da ist der letzten Endes, genau.
[39:24] Und da ist ja letzten Endes irgendwie auch nichts. Nichts bei rausgekommen bei der großen Konferenz.
[39:28] Genau. Und im Moment sehe ich da auch keine Bewegung.
[39:31] Es gibt mit Sicherheit auf lokaler Ebene oder regionaler Ebene den einen oder
[39:35] anderen Politiker. Wir sind ja gerade auch noch dabei.
[39:39] Andreas da rein. Ja, mal gucken. Kritiker noch zu bekommen, bislang noch keine Antwort bekommen.
[39:45] Aber nach seiner Aussage und nach seinem Profil setzt er sich zumindest für dieses Thema ein.
[39:49] Also Hoffnung habe ich, dass er ja noch zusagt und der am nächsten Hauptgass bei uns sein wird.
[39:54] Vielleicht hört das ja auch eine Politikerin gerade und die hat Lust in unsere Sendung zu kommen.
[39:58] Sehr gerne. Herzlich eingeladen. Herzlich eingeladen. Es ist nämlich gar nicht
[40:01] so einfach, da jemanden zu finden.
[40:05] Noch eine Frage, Suska.
[40:07] Kannst du denn überhaupt noch ein Leben führen.
[40:11] Ohne dieses Thema. Ja, ich kann mittlerweile... Das geht so.
[40:15] Ja, ja, ja. Also ich habe, klar, es spielt immer wieder mit rein und ich kann
[40:20] natürlich auch schwer meine Geschichte, die ich jetzt durch habe, davon trennen.
[40:25] Ich mache jetzt gerade eine Weiterbildung zur systemischen Therapeutin,
[40:28] was mich natürlich total bewegt als Thema immer schon Psychologie.
[40:35] Aber es ist, ich kann nicht sagen, ob das jetzt durch diese Jahre,
[40:40] die ich erlebt habe, vorangetrieben wurde.
[40:43] Also ich habe viele andere Interessen und das Schreiben eben wie gesagt sowieso.
[40:48] Aber ob das nun wirklich nur dadurch gekommen ist, weiß ich nicht.
[40:54] Aber ich kann auf jeden Fall wieder sehr fröhlich sein.
[40:57] Ich kann auch mal ein paar Tage nicht dran denken.
[41:01] Klar, jetzt im Moment mit dem Verein und so ist einfach viel zu tun.
[41:04] Ich sitze also wirklich nebenbei sehr viel da dran.
[41:08] Auch jetzt mit der Website und so weiter. Ich mache das alles selber mit ein paar anderen Frauen.
[41:13] Ja, also wo die Reise hingeht, ich bin gespannt, aber natürlich fühlt es sich
[41:17] alles schon sehr viel leichter an.
[41:19] Also wenn ich denke, ich habe jahrelang nachts wachgelegen, Gedankenkarussell,
[41:24] geweint, immer wieder diese Sorgen und vor allem diese Trauer.
[41:28] Also du hast einfach jahrelang noch diese Trauer um diese Zeit,
[41:32] die du mit deinem Kind eben nicht so hattest, wie es vielleicht eigentlich schön
[41:36] ist. Das geht dir ja genau so, Tom, oder?
[41:39] Exakt. Ich bin bei Trauer, ja. Ja, ja, klar. Also ich glaube sogar auch,
[41:45] also ich stelle das als Frau sogar noch.
[41:48] Ich meine, das Mann ist jetzt schon schlimm, wenn man seine Kinder nicht sehen kann.
[41:51] Aber als Frau stelle ich mir so oft vor, mein Gott, hast du oft das Wort,
[41:55] dass es ja bestimmt eine Rabenmutter gehört oder so?
[41:57] Weil ich meine, da ist das Kind geboren, ja, und du bist von ihm getrennt.
[42:01] Stelle ich mir nochmal ein bisschen schlimmer vor.
[42:03] Also natürlich ist niemand zu mir gekommen und hat gesagt, du bist ja bestimmt
[42:06] eine Rabenmutter gewesen. gewesen oder muss.
[42:10] Aber ja, also du brauchst natürlich schon ein gewisses Ego, sage ich mal,
[42:15] oder ein gewisses Selbstvertrauen, dass du nicht falsch bist.
[42:19] Wie gesagt, so richtig konnte ich das erst entwickeln, als ich ganz viele andere,
[42:24] Betroffene kennengelernt habe.
[42:26] Ja, also was die Menschen gedacht haben, kann ich natürlich nicht sagen,
[42:30] aber ich habe auch mal einen Spruch gehört von einer Kollegin,
[42:34] die dann gesagt hat, ja, ihrer Meinung nach gehören zum Streit Nummer zwei.
[42:38] Und das hat mich wahnsinnig getroffen, weil in manchem Fall und in so vielen
[42:42] anderen Fällen, die ich kenne, ich bin überhaupt kein streitlustiger Mensch
[42:46] und gerade schon nicht, wenn es ums Kind geht.
[42:49] Und ich, ja, das hat mich schon irgendwie getroffen.
[42:53] Und natürlich, du merkst ja, wenn Menschen einfach das Thema komplett aussparen
[42:57] und nie mit dir darüber sprechen und du kennst diese Menschen vielleicht irgendwie
[43:00] seit 20 Jahren, weil du mit denen zusammenarbeitest,
[43:03] dann merkst du natürlich auch, okay, vielleicht kommt denen das komisch vor
[43:07] und das kann ich auch verstehen, also ich möchte keinem einen Vorwurf machen,
[43:10] ich sehe es ja jetzt auch wieder an Frau Block du hast halt immer irgendwo.
[43:15] Nur einen gewissen Einblick und ja, jeder macht sich so dann sein Bild von etwas
[43:22] und das ist ja auch völlig menschlich aber ich denke einfach,
[43:27] manchmal ist es schöner, wenn man jemanden schon lange kennt,
[43:29] wenn man ihn einfach offen fragt, ne?
[43:32] Also das ist glaube ich dann sinnvoller,
[43:35] Ja, absolut. Ich sage ja auch immer, dieser Spruch, zum Streiten gehören immer
[43:40] zwei, den finde ich falsch.
[43:42] Zum Streiten reicht auch nur einer, zum Versümmeln gehören dann immer zwei.
[43:46] Das ist der große Punkt, ganz genau.
[43:49] Ich meine, das sieht man ja in der Weltpolitik.
[43:51] Absolut, ja. Leider ja.
[43:54] Suska, Tom, vielen Dank. Ich finde, das war eine sehr lebendige, sehr konkrete Sendung.
[43:58] Das finde ich ganz toll. Einmal war es ja ein bisschen, manchmal ist es ja auch
[44:01] ein bisschen theoretischer.
[44:04] Aber einmal mehr, danke, dass du da warst, Suska, es ist ein wichtiges Thema,
[44:09] das man eben viel mehr in die Öffentlichkeit tragen muss, aber dass viel mehr
[44:11] gesprochen werden müsste, als das der Fall ist.
[44:15] Und ich hoffe, dass wir einen kleinen Teil dazu beitragen können.
[44:19] Ja, auch nochmal vielen, vielen Dank.
[44:21] Viel Glück und Erfolg für deinen Verein. Unbedingt. Mucki. Mucki,
[44:25] ich finde Ihnen einen sehr guten Namen.
[44:26] Sehr, sehr schön. Okay. Vielen, vielen Dank. Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte.
[44:31] Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie
[44:36] in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.
[44:40] Music.

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