# Nofretete: Die wahre Geschichte der Königin

An episode of [GEO Epoche - Menschen, die Geschichte machten](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1756494712), 6 Jul 2026, 30 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1683-geo-epoche-menschen-die-geschichte-machten/248885-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_692d965a8d93f&awEpisodeId=248885

3000 Jahre nach ihrem Tod ist Nofretete zur Projektionsfläche für den Geist der Zeit geworden: Ihr Bildnis ziert T-Shirts, inspiriert Menschen weltweit. Doch wer war die berühmte Königin, die über Ägypten herrschte? Historische Reportage: Tanja Beuthien Sprecher: Peter Kaempfe Host und Redaktion: Insa Bethke (GEO) Audio-Produktion: Leah Fritsch (GEO) Wir freuen uns, wenn ihr GEOEPOCHE auf Instagram (@geo_epoche) und Facebook (@geoepoche) folgt. Ihr habt Fragen oder Feedback für uns? Wir freuen uns über eine Mail an podcast@geo.de Viele weitere Audio-Geschichten aus der Welt von GEO hört ihr auf GEO+. Unter geo.de/probe könnt ihr für 1 Euro einen Probemonat starten. MEHR GEO EPOCHE ZUM HÖREN... "Germanen gegen Rom": Unter geo.de/germanen gelangt ihr an alle Folgen der sechsteiligen Podcast-Serie sowie ein vergünstigtes Abo für GEO+. "Deutschland 1945": Unter www.geo.de/1945 findet ihr alle acht Folgen sowie ein vergünstigtes Abo für das Verbrechen der Vergangenheit-Special über das Kriegsende 1945. "Menschen, die Geschichte machten – kurz erzählt": Das neue Kurzformat von GEOEPOCHE mit Peter Kaempfe auf GEO+. Zu allen bisher erschienenen Folgen geht es hier: geo.de/menschen ... UND ZUM LESEN Unter www.geo-epoche.de könnt ihr einen Monat lang GEOEPOCHE+ für einen Euro testen – mit fast 3000 Artikeln zu allen Aspekten der Weltgeschichte, unseren Podcasts und weiteren Audio-Inhalten +++ Alle Rabattcodes und Infos zu unseren Werbepartnern findet ihr hier: https://linktr.ee/Menschendiegeschichtemachten +++ Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de

## Transcript

[0:01] 3000 Jahre nach ihrem Tod ist Nofre Thete zur Projektionsfläche für den Geist der Zeit geworden.
[0:08] Ihr Bildnis ziert T-Shirts, inspiriert Menschen weltweit.
[0:12] Doch wer war die Frau, die um 1340 v. Chr. über Ägypten herrschte?
[0:19] Menschen, die Geschichte machten. Ein Podcast über große und kleine historische
[0:25] Momente und die Frauen und Männer, die sie geprägt haben.
[0:29] Präsentiert von Geo Epoche.
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[0:42] Der Schlag trifft sie mit voller Wucht. Er zerschmettert ihr das Gesicht und
[0:47] reißt die Frau aus dem Leben.
[0:49] Womöglich durch einen Sturz, einen Unfall bei großer Geschwindigkeit mit dem
[0:54] Wagen, durch den Tritt eines Pferdes
[0:57] oder durch die Einwirkung mit einem schweren Gegenstand durch Mord.
[1:03] Als Forschende in den Jahren 2007 bis 2009 die weibliche mumifizierte Leiche
[1:09] aus einem Grab im Tal der Könige unweit der heutigen Stadt Luxor untersuchen, stellen sie fest,
[1:16] ihre Verletzungen erlitt die Frau vor mehr als 3300 Jahren und sie war sofort tot.
[1:23] Die Younger Lady, wie sie in der Ägyptologie genannt wird, muss plötzlich gestorben sein.
[1:30] Brutal, Irrgestalt mit Gewalt ausgelöscht.
[1:35] Bei dem versehrten Körper, so schloss das Forschungsteam aus den DNA-Analysen,
[1:41] handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um die Mutter des berühmten Pharaos Tutanchamun,
[1:47] und eine Schwester des Sonnenkönigs Echnaton.
[1:51] Einige Fachleute sehen in ihr gar eine Ikone der Geschichte,
[1:55] die für ihre einzigartige, makellose Schönheit berühmte ägyptische Königin Nofretete.
[2:03] Es ist eine Hypothese, eine von vielen.
[2:07] Denn vom Tod und vom Leben der Herrscherin, ihrer Regentschaft an der Seite
[2:12] Echnatons, ihrem Alltag, ihrem Wesen, ihren Gefühlen, weiß man trotz aller akribischen
[2:18] Nachforschung auch im 21.
[2:21] Jahrhundert so gut wie nichts.
[2:23] Der Ruhm der Neuphrethete speist sich aus der Projektion, die den Leerraum ihres Lebens füllt.
[2:30] Aus der Anziehungskraft ihres Gesichts überliefert in Kunstwerken.
[2:35] Der Macht, die man ihrer historischen Persönlichkeit zuschreibt,
[2:39] der Rolle, die sie als Frau im alten Ägypten verkörperte.
[2:44] Ihr ganzer Glamour gründet sich heute auf ihre nicht einmal 50 Zentimeter hohe Porträtbüste.
[2:52] Dieses Meisterwerk ägyptischer Bildhauerkunst wurde 1924 erstmals im Ägyptischen
[2:58] Museum Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.
[3:01] Die feinen Gesichtszüge sind über dem Kalksteinkern lebendig mit Gips modelliert,
[3:07] die Augen symmetrisch, die Brauen mit schwarzem Kohlenstoff gezeichnet,
[3:12] der Teint gemalt mit rotem Ocker, gelbem Auri-Pigment,
[3:17] die Krone auf dem kahlgeschorenen Kopf aus künstlich hergestelltem ägyptisch Blau.
[3:23] Beim Anblick der Nofretete gerät die Welt in einen Rausch bis heute.
[3:30] Eine göttlich schöne Frau sei da zu sehen, urteilt die Presse 1924.
[3:36] Ein Weib von großer Schönheit, mit langen Augen, einem stolzen Munde und dem Halse einer Gazelle.
[3:44] Wunderbarer noch als die Mona Lisa in Paris oder die Figuren der Sixtinischen Kapelle in Rom.
[3:51] Mit der Kinolegende Greta Garbo wird die Königin bald verglichen und ihr jahrtausendealtes
[3:57] Gesicht wird zu einer Ikone der Moderne.
[4:02] Als Mohamed Ahmed S. Senussi am Nachmittag des 6. Dezember 1912 im mittelägyptischen
[4:09] Tel El Amarna eine Büste kopfüber aus dem Erdreich zieht, ist die weltweite
[4:15] Euphorie noch nicht absehbar.
[4:17] Senussi, ein erfahrener Vorarbeiter, gehört wie viele weitere Einheimische zum
[4:23] Grabungsteam um den Ägyptologen und Bauforscher Ludwig Borchardt,
[4:28] der die Arbeiten der Deutschen Orient-Gesellschaft in Amarna leitet.
[4:33] Seit einem Jahr haben die deutschen Wissenschaftler und ihre Helfer vor Ort
[4:36] einen Großteil des antiken Stadtgebiets vermessen und in Planquadrate eingeteilt,
[4:42] denn genau hier, in Amarna, am Ostufer des Nil, hat sich um 1340 v. Chr.
[4:49] Die Residenzstadt Achet-Aton von Pharao Echnaton und seiner großen königlichen
[4:56] Gemahlin Nofretete befunden.
[4:59] In einem der besseren Viertel der Kapitale erforschen die Archäologen die Überreste
[5:04] eines weitläufigen Anwesens samt Werkstätten.
[5:08] Es gehörte offensichtlich einen Bildhauer, den man später mit dem Namen Tutmosis identifiziert.
[5:16] In dem Haus mit der Nummerierung P47.2 stößt Borcherts Mannschaft immer wieder
[5:22] auf Teile von Skulpturen und auf Gipsmodelle.
[5:26] Sie bergen Pfund um Pfund.
[5:29] Dann trifft Mohammed Ahmed S. Sanussi erneut auf Widerstand im Boden.
[5:35] Ein fleischfarbener Nacken mit aufgemalten roten Bändern, so der Ausgrabungsleiter,
[5:42] ist das Erste, was Sanussi von der Skulptur sieht, bevor er sie zu fassen bekommt.
[5:48] Noch am selben Tag notiert Borchardt im Grabungstagebuch lebensgroße bemalte
[5:55] Büste der Königin, 47 Zentimeter hoch, mit der oben gerade abgeschnittenen blauen Perücke,
[6:04] gemeint ist Neuphretetes hohe Krone, die auf halber Höhe noch ein umgelegtes Band hat.
[6:10] Farben wie eben aufgelegt, Arbeit ganz hervorragend.
[6:16] Und, offenbar überwältigt vom Anblick des Fundes, beschreiben nützt nichts, ansehen.
[6:25] Dabei ist die Büste der Nofretäte bei Weitem nicht makellos,
[6:29] denn neben ein paar Kratzern und den abgestoßenen Ohren fehlt ihr das ganze linke Auge.
[6:36] Die rechte Pupille und die Iris sind aus schwarz gefärbtem Bienenwachs gestaltet,
[6:41] bedeckt von einem dünn geschliffenen Bergkristall.
[6:44] Doch die linke Einlage bleibt unauffindbar, obwohl Borchardt intensiv nach ihr
[6:51] Suchen und den Schutt durchsieben lässt.
[6:54] Erst viel später, so der Ausgräber, sah ich, dass sie nie vorhanden gewesen ist.
[7:02] Der Wissenschaftler vermutet, dass es sich bei der so sorgfältig gestalteten
[7:06] Kalksteinbüste um ein Modell für die Bildhauer aus Thutmosis Werkstatt handelte,
[7:12] einen Prototyp zur Vervielfältigung.
[7:16] Das fehlende Auge war seiner Meinung nach überflüssig, da es einfach gegengleich
[7:22] auszuführen war, so seine Hypothese, die lange als Gewissheit galt,
[7:27] mittlerweile aber in der Forschung angezweifelt wird.
[7:32] Doch das lebensvollste ägyptische Kunstwerk, wie Borchardt die Nofretete nennt,
[7:38] bleibt der Welt erst einmal verborgen.
[7:42] Die Büste, wie auch viele andere der Funde, geht über in den Besitz des Berliner
[7:47] Baumwollfabrikanten James Simon, eines Kunstmizens und Liebhabers der Antike,
[7:53] der die Grabungen der von ihm gegründeten Deutschen Orientgesellschaft in Amarna
[7:58] komplett aus eigener Tasche finanziert und daher auch die Grabungslizenz bei
[8:04] den ägyptischen Behörden beantragt hat.
[8:07] Wie damals üblich, endet jede Forschungskampagne einer ausländischen Mission
[8:12] mit einer Fundteilung zwischen den Ausgrabenden und dem ägyptischen Staat.
[8:18] Das Reglement sieht eine exakte Aufteilung aller gefundenen Artefakte vor.
[8:24] Die Führungspositionen in der Altertümerverwaltung sind seinerzeit allerdings,
[8:30] wie andere wichtige staatliche Posten in Ägypten auch, ausschließlich von Europäern besetzt,
[8:38] eine Folge der jahrzehntelangen imperialistischen Politik der Kolonialmächte.
[8:43] Der Leiter des antiken Dienstes ist zu dieser Zeit der französische Ägyptologe
[8:48] und Altphilologe Gustave Lefebvre.
[8:51] Borchardt präsentiert ihm vor Ort die Fotografien seiner Kunstschätze,
[8:56] auch die Originale kann der Franzose in Augenschein nehmen.
[9:00] Und Le Favre, der sich eher für schriftliche Zeugnisse der Pharaonenzeit als
[9:05] für Skulpturen begeistert,
[9:08] entscheidet sich für das Konvolut mit einem farbigen Altarbild der königlichen
[9:13] Familie von Amarna voller Hieroglyphen und gegen die Nofretete.
[9:20] Immer wieder ist seither gemutmaßt worden, Borchardt habe an jenem Tag nicht
[9:25] mit offenen Karten gespielt.
[9:28] Zwar ist die historische Aufteilung der Funde unzweifelhaft legal.
[9:32] Doch Sebastian Konrad, Professor für neuere Geschichte und Autor des Buches
[9:37] »Die Königin – Nofretetes globale Karriere« gibt zu bedenken,
[9:43] dass diese Gesetze nur im kolonialistischen Gefüge der damaligen Zeit möglich waren.
[9:49] Diese Regelungen, denen heutzutage keine ägyptische Regierung mehr zustimmen
[9:54] würde, waren das Produkt sehr ungleicher Machtverhältnisse.
[9:59] Wer sich heute unreflektiert auf sie beruft, schreibt diese unrühmliche Geschichte im Grunde fort.
[10:09] In Berlin sieht man dennoch keinen Grund zu handeln. Bislang habe es keine offizielle
[10:14] Rückgabeforderung Ägyptens gegeben, so das politische Argument.
[10:18] Und das konservatorische, die Büste sei zu fragil für einen Transport.
[10:25] Dass es Rückgabeforderungen bei diesem außerordentlichen Werk geben könnte,
[10:31] befürchtet wohl schon der Archäologe Borchardt.
[10:35] Als die Funde aus Amarna im Neuen Museum Berlin vom November 1913 bis Juni 1914 ausgestellt werden,
[10:43] ist die Nofretete-Büste nicht dabei, um gar nicht erst Begehrlichkeiten auf
[10:49] ägyptischer Seite zu wecken.
[10:51] Borchardt veröffentlicht 1913 nur einen Artikel über die Funde,
[10:56] der von einem Schwarz-Weiß-Foto des Kunstwerks flankiert wird,
[11:01] im rechten Profil, Krone und Schultern abgeschnitten.
[11:07] Die Büste der Königin steht unterdessen auf dem Schreibtisch von James Simon,
[11:12] dem Financier der Grabungen.
[11:15] 1920 schließlich schenkt er sie dem Ägyptischen Museum in Berlin,
[11:19] wie auch alle anderen der Deutschen Orientgesellschaft zugesprochenen Artefakte aus Amarna.
[11:26] Vier Jahre später und elf Jahre nach dem Fund hat die Königin dann ihren Auftritt.
[11:34] Die Welt ist zu dieser Zeit ohnehin im Ägyptenfieber.
[11:38] Der Brite Howard Carter hat 1922 das Grab des Tutankhamun im Tal der Könige entdeckt.
[11:46] Die Medien überschlagen sich vor Begeisterung über die Schätze,
[11:49] die den jung verstorbenen Pharao auf seiner Jenseitsreise begleiten sollten.
[11:55] Auch in Deutschland ist die Faszination groß.
[11:58] Möchte man daran teilhaben? Die Zeit für Nofretete ist gekommen.
[12:06] Eine Marketingkampagne begleitet die geplante Präsentation und trägt zur Popularität
[12:12] der Königin wesentlich bei.
[12:14] Vorab schon kursieren Fotografien und Repliken.
[12:18] Der Dichter Rainer Maria Rilke rühmt das Kunstwerk als bezauberndes Beispiel
[12:23] der erblühten Schönheit jener rätselhaft kurzen Epoche der Amarna-Zeit.
[12:30] Als die Neufretete-Büste 1924 endlich in Erscheinung tritt, gibt es kein Halten mehr.
[12:37] Man pilgerte zu ihr wie nach Paris zur Venus von Milo.
[12:42] Die Welt beneidete uns um diesen Kunstschatz, schreibt die Berliner Börsenzeitung.
[12:49] In Großbritannien formen die Frauen ihre Augenbrauen nach Art der Büste.
[12:55] Dass ihr ein Auge fehlt, trägt nur weiter zu ihrer Popularität bei.
[13:01] In den USA gründet sich in den 1930er Jahren der Nofretete-Club für Frauen,
[13:07] deren Sehkraft auf einem Auge beeinträchtigt ist.
[13:10] Und in Deutschland durchdringt der Nofretete-Kult alle Lebensbereiche.
[13:16] Die Dichterin Else Lasker-Schüler kleidet sich in ägyptischem Stil.
[13:21] Der Schriftsteller Thomas Mann gönnt der Königin einen Auftritt in seinem Epos
[13:26] Josef und seine Brüder, bezieht sich dabei aber auf ein anderes Bildnis der Nofretete.
[13:32] Der Künstler Paul Klee ist so begeistert, dass er selbst nach Ägypten reist.
[13:38] Und Male des Kubismus fühlen sich noch im Nachhinein bestätigt von den überschlanken,
[13:44] anatomisch verformten Körpern,
[13:47] wie sie die Kunst der Amarna-Zeit, die Epoche von Pharao Echnaton bis König
[13:52] Tutankhamun vor allem an ihrem Anfang hervorgebracht hat.
[13:58] Nofretete wird damit mehr als drei Jahrtausende
[14:01] nach ihrem Tod zu einer Projektionsfläche für den Geist der Zeit.
[14:06] Und darüber hinaus, ästhetisch und fremd, wirkt sie zunächst,
[14:12] dabei überaus modern, ein Vorbild für die neue, die emanzipierte Frau der 20er
[14:19] Jahre des 20. Jahrhunderts.
[14:22] Doch war die historische Königin tatsächlich so einflussreich wie vermutet?
[14:29] Und war sie wirklich von so umwerfender Ausstrahlung?
[14:35] Ihr Aussehen jedenfalls ist schon zu ihren Lebzeiten ein Thema.
[14:39] Die Schöne ist gekommen, bedeutet ihr Name übersetzt.
[14:44] Und schön an Gesicht, herrlich zu betrachten mit der hohen Doppelfederkrone,
[14:51] heißt es über sie in Texten.
[14:54] Aber aus welcher Familie Nofretete stammt, wann, in welcher Stadt und welchem
[14:59] Landesteil sie geboren ist, darüber gibt es keine Gewissheit.
[15:05] Das ägyptische Großreich erstreckt sich zu jener Zeit über zwei Kontinente,
[15:09] vom heutigen Sudan im Süden Afrikas,
[15:12] den Nil hinauf bis ans Mittelmeer, über die Sinai-Halbinsel entlang der Westküste
[15:18] Asiens bis Syrien im Norden.
[15:23] Einige Forschende vermuten in dem späteren Pharao Eje ihren Vater oder auch
[15:28] Ziehvater, denn dessen Frau war, so viel ist belegt, ihre Amme.
[15:35] Andere spekulieren, ob Nofretete die Tochter der Königin Theje war, der Mutter Echnatons.
[15:41] Für diese Theorie würde auch die Analyse der DNA-Probe der gewaltsam ums Leben
[15:46] gekommenen Younger Lady sprechen.
[15:49] Nofretete hätte dann im jugendlichen Alter ihren Bruder geheiratet.
[15:54] Keine Seltenheit in der altägyptischen Oberschicht.
[15:58] Denn eine Ehe unter Geschwistern dient dem Erhalt der Dynastie.
[16:05] Als Echnaton 1351 v. Chr. gekrönt wird, ist Nofretete bereits mit ihm verheiratet.
[16:13] In Bildern und Texten trägt sie den Titel der großen königlichen Gemahlin,
[16:19] der Hauptfrau unter den vielen Frauen eines jeden Pharaos.
[16:24] An der Seite Echnatons erscheint sie in etlichen dieser Darstellungen gleich
[16:28] groß und, das ist außergewöhnlich, auf Augenhöhe mit dem König.
[16:35] Oft trägt sie dabei die ikonische dunkelblaue Krone, die auch ihre Büste aus
[16:41] der Werkstatt des Thutmoses ziert.
[16:44] Nofretete führt auf den Abbildungen wichtige rituelle Handlungen aus,
[16:48] die sonst dem Herrscher vorbehalten sind, und schreckt augenscheinlich auch
[16:54] vor Handgreiflichkeiten und Kriegsführung nicht zurück.
[16:59] Ein Relief zeigt sie, wie sie eine Frau an den Haaren packt und mit der Rechten weit ausholt.
[17:05] Das Erschlagen der Feinde ist ein Symbol der politischen und religiösen Macht der Pharaonen.
[17:11] Frauen sind dabei nur sehr selten gezeigt.
[17:16] Ebenso unerschrocken sieht man sie auf Reliefs im Streitwagen stehen,
[17:21] neben ihrem Mann die Zügel zu einer lässigen Schlaufe gefasst,
[17:25] die Pferde im Lauf bei hoher Geschwindigkeit, denn die Bänder an ihrer Krone fliegen.
[17:32] Die Präsenz und die herausgehobene Stellung Nofretetes ist für die damalige Zeit ungewöhnlich.
[17:39] Heute möchte man eine Machtposition in diese Bilder hineininterpretieren,
[17:45] die wir aber durch die Inschriften nicht bestätigt finden, sagt die Ägyptologin
[17:50] Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums in Berlin,
[17:55] wo sich die Büste der Nofretete heute noch befindet.
[17:59] Die Königin und Echnaton stehen nicht für sich, sondern bilden ein Paar,
[18:04] das nicht getrennt werden kann.
[18:07] Denn über Nofretete und dem Bild ihres Mannes leuchtet die Sonnenscheibe,
[18:11] ein Symbol des Gottes Aton, der durch seine Strahlen mit dem König und der Königin verbunden ist.
[18:19] Echnaton kultigt einer Lichtreligion.
[18:23] Göttlich ist nun das Licht selbst, das aus der Sonne kommt.
[18:28] Es ist die Kraft, die alles Leben schafft, sagt Seyfried.
[18:33] Aton differenziert sich aus in eine weibliche und eine männliche Gottheit.
[18:39] Zusammen mit ihm bilden Nofretete und Echnaton eine Trinität.
[18:46] Die Dreieinigkeit des Herrscherpaares mit einem einzigen Gott ist eine Revolution.
[18:51] Denn bis dahin waren dies und jenseits der Ägypter von vielen Göttern bevölkert.
[18:57] Echnaton konzentriert nun alle Verehrung auf die Sonnenscheibe Aton.
[19:02] In nie dagewesener Radikalität lässt er das Andenken der alten Götter auslöschen.
[19:08] Die Gründe dafür sind unter Forschenden nach wie vor umstritten. Aber es ist ein Umsturz.
[19:15] Eine Selbstermächtigung.
[19:18] Auf Echnatons Befehl meißeln Steinmetze nicht nur im großen Amun-Tempel von
[19:23] Karnak Symbole und Hieroglyphen ab, zerstören Skulpturen und löschen den Namen
[19:29] des einstigen Reichsgottes aus, wo sie ihn entdecken und erreichen können.
[19:33] Der König ändert seinen ursprünglichen Namen Amenophis, Amun ist zufrieden, in Echnaton,
[19:41] dem Aton wohlgefällig, und lässt eine Retortenstadt zwischen den alten Machtzentren
[19:46] Theben, heute Luxor, und Memphis südlich von Kairo errichten,
[19:51] mit zum Himmel geöffneten Tempeln für Aton mitten in der Wüste,
[19:56] Achetaton, Horizont des Aton.
[20:01] Eine binnen wenigen Jahren hochgezogene Manifestation der Macht,
[20:05] die nur einem Zweck dienen sollte, den Ruhm Atons, Echnatons und Nofretetes zu mehren.
[20:14] Nach Achetaton zieht nun auch das Königspaar.
[20:18] Wohl im fünften Regierungsjahr Echnatons verlässten Ophretäte mit ihrem Mann
[20:22] und den Töchtern Meritaton, Marketaton und Anchesenpaton Theben.
[20:29] Zusammen mit Beamten, Priestern, Bildhauern, Arbeitern, Architekten und Steinmetzen,
[20:34] bildet die königliche Familie die Vorhut für die neue Megacity.
[20:39] Der große Palast im Zentrum ist über eine Brücke mit dem Haus des Königs und seinem Hof verbunden.
[20:46] Die neuen Königsgräber entstehen im Osten der Hauptstadt, da,
[20:51] wo die Sonne aufgeht, das Leben beginnt.
[20:54] Das Totenreich, traditionell im Westen verortet gewesen, hat abgedankt und mit
[21:00] ihm der Gott Osiris als Jenseitsherrscher.
[21:04] Nun zählt das Diesseits die Gegenwärtigkeit.
[21:11] Auch in den Darstellungen des Königspaares wird dies deutlich.
[21:15] Nofretete und Echnaton erscheinen nicht mehr wie die Pharaonen vor ihnen als
[21:19] dem Alltag entrückte, gottähnliche Gestalten, sondern als Mittler zwischen den Menschen und Aton.
[21:28] Außerdem aber erstmals als Individuen mit Emotionen.
[21:32] Reliefs zeigen das Paar in zärtlicher Umarmung und Berührung oder in Trauer
[21:37] vereint am Grab der offensichtlich früh verstorbenen Tochter Makedaton.
[21:43] Auf einem Hausaltar aus Amarna, der sich heute im Ägyptischen Museum Berlin
[21:48] befindet, sitzen sich die beiden im Licht des Adeln gegenüber.
[21:53] Nofretete auf einem Thron mit Herrschaftszeichen hält zwei ihrer Töchter auf dem Arm und dem Schoß.
[22:01] Echnaton hebt eine dritte Tochter empor und küsst sie.
[22:05] Die Szene präsentiert ein intimes Familienleben als Vorbild für die Untertanen,
[22:11] wohl Zags Töchter bringt Nofretete zur Welt.
[22:16] Echnaton stirbt in seinem siebzehnten Regierungsjahr wohl eines natürlichen Todes.
[22:22] Um Nofretetis Tod dagegen ranken sich zahlreiche Hypothesen.
[22:27] Eine davon, sie sei bereits nach dem zwölften Regierungsjahr ihres Mannes Echnaton
[22:33] verstorben oder verbannt worden.
[22:36] Die andere, unter dem Namen Semenchkare, soll sie zunächst als Mitregentin neben
[22:42] Echnaton, dann als Pharaonen, die zwei bis drei Jahre bis zur Regierungszeit
[22:47] des Tutankhamun geherrscht haben.
[22:50] Eine vor einigen Jahren gefundene Inschrift in einem Steinbruch unterstützt
[22:55] diese Lesart, denn sie besagt, dass Nofretete mindestens im 16.
[23:00] Regierungsjahr Echnatons noch als große königliche Gemahlin an seiner Seite und am Leben war.
[23:09] Bisher gibt es keine Festlegung der Ägyptologie zur endgültigen Identität von Semenchkare.
[23:16] Doch es verdichten sich die Indizien, dass Nofretete zwei Jahre über den Tod
[23:21] ihres Gatten hinaus noch regiert hat, sagt Friederike Seifried.
[23:27] Das würde die Autorität und das Ansehen Nofretetes noch einmal unterstreichen.
[23:34] In späteren Inschriften und Abbildern findet sich jedenfalls keine Spur mehr
[23:38] von ihr, denn unter der Herrschaft des neuen Königs wird die Zeit zurückgedreht.
[23:44] Er legt seinen ursprünglichen Namen Tutanchaton, Leben des Abbildes Aton,
[23:50] ab und nennt sich Tutanchamun.
[23:53] Er gibt die Stadt Achedaton auf und verlegt den Sitz der Regierung nach Memphis im Norden.
[23:59] Die Mumien von Echnaton und Nofretete werden umgebettet, ihre Hauptstadt verwaist.
[24:06] Doch erst nachfolgende Könige tilgen ihre Inschriften, zerstören die Tempel,
[24:12] Skulpturen und Altäre der Amarna-Zeit, lassen die Steine abtransportieren.
[24:17] Nichts, gar nichts soll mehr an die Ketzerkönige erinnern, die es gewagt haben,
[24:24] die alten Götter zu vertreiben.
[24:27] Irgendwann trifft es auch die Werkstätten der Bildhauer. Im Haus des Thutmoses
[24:32] wird ein Porträtkopf des Echnatons zerschlagen, eine farbig gefasste Büste der
[24:38] Nofretete bleibt achtlos auf dem Boden liegen.
[24:41] Bis Mohammed Ahmed S. Sanussi sie mehr als 3000 Jahre später ins Licht der Gegenwart holt.
[24:49] Im Neuen Museum Berlin steht sie heute im Nordkuppelsaal, fast sakral inszeniert.
[24:56] Hinter Glas, Höhepunkt des Museumsrundgangs
[24:59] für mehrere hunderttausend Besucherinnen und Besucher im Jahr.
[25:04] Die Faszination setzt sich bis in unsere Tage fort.
[25:09] Das Abbild der Nofretete hat sich schon lange von der historischen Gestalt gelöst,
[25:14] hat Eingang gefunden in Werbung und Marketing, etwa
[25:18] wenn die Berliner Morgenpost 2010 zu einem Foto der Nofretete textet, Berlin ist,
[25:25] wenn die schönste Bewohnerin Migrationshintergrund hat.
[25:31] Doch die Ägypterin ist längst Weltbürgerin geworden und ein Pop-Phänomen.
[25:37] Im Musikvideo zu Michael Jacksons Song »Remember the Time« erscheint das Supermodel Iman,
[25:44] 1992 als schwer zufriedenzustellende Königin mit dem ikonischen Kopfschmuck
[25:50] der Nofretete an der Seite von Eddie Murphy in der Rolle eines Pharaos.
[25:56] Brianna präsentiert sich 2017 auf dem Cover der arabischen Vogue mit der berühmten
[26:01] blauen Krone als eine der starken und dynamischen Frauen, die die Welt verändern,
[26:08] wie der Chefredakteur erklärt.
[26:10] Die Sängerin hat sich schon fünf Jahre zuvor ein Abbild der Nofretete-Büste tätowieren lassen.
[26:17] Und auch Superstar Beyoncé zitiert mit ihrem Outfit auf dem Coachella-Festival
[26:23] 2018 die Gemahlin Echnatons.
[26:27] Ein Auftritt, der ihr Beifall, aber auch Kritik eingebracht hat.
[26:32] Vor allem in Ägypten reagiert man verärgert auf die Vereinnahmung der prominenten
[26:37] Landesikone als schwarze Königin.
[26:42] Nofretete ist inzwischen Feministin, Filmstar, Aktivistin, Identifikationsfigur.
[26:49] Sie wird benutzt und bewundert. Sie ist viel.
[26:55] Kaum jemand hat das besser verstanden als die Künstlerin Isa Gensken,
[26:58] die eine Serie von Abgüssen der berühmten Büste aufgelegt hat.
[27:02] Durch unterschiedliche Brillen blickt sie da in alle Länder und alle Zeiten.
[27:09] Was aber ist aus der Königin geworden? Ist sie, kurz vor Echnatols Ableben,
[27:14] tatsächlich bei einer Ausfahrt zum Tempel mit dem Pferdewagen verunglückt?
[27:20] Oder nach seinem Tod verfolgt und heimtückisch erschlagen worden?
[27:25] Ist sie trotz aller Zweifel doch identisch mit der Younger Lady,
[27:31] der Mumie, die im Tal der Könige gefunden wurde?
[27:36] An Spekulationen darüber mag sich Ägyptologin Friederike Seifried nicht beteiligen.
[27:41] Zu unklar seien die Befunde und die DNA-Ergebnisse.
[27:46] Schließlich ist nur die Mumie des Tutanchamon eindeutig identifizierbar,
[27:51] denn diese wurde in seiner eigenen Grabkammer im Sarg gefunden,
[27:56] so wie man ihn einst beigesetzt hat.
[27:59] Die beiden Mumien, die nach der DNA-Analyse als die seiner Eltern gelten,
[28:04] sind offenbar umgebettet worden und können weder der Person des Echnaton noch
[28:10] der seiner Gattin Nofretete hundertprozentig zugeordnet werden.
[28:15] Auch jüngere Vermutungen des britischen Forschers Nicholas Reeves,
[28:19] Nofretetes Grab lege hinter der Grabkammer des Tutankhamun in einem Hohlraum
[28:24] verborgen, ließen sich nicht bestätigen.
[28:29] Solange jedoch ihr Grab und ihr Körper fehlen, wird man das Rätsel ihres Lebens nicht lösen.
[28:36] Es bleiben ihre Bilder, die büsten Skulpturen und Reliefs einer makellos schönen
[28:43] Frau, gleichberechtigt neben ihrem Mann dem König.
[28:48] Die Zügel auf dem Streitwagen fest in der Hand. Eine selbstbewusste Frau,
[28:54] eine Wagenlenkerin im Rausch der Geschwindigkeit.
[28:58] Unversehrt und lebendig für immer.
[29:03] Die Bänder an ihrer Krone jedenfalls fliegen.
[29:09] Das war Menschen, die Geschichte machten. Wir hoffen, dass Ihnen diese Folge
[29:12] gefallen hat und würden uns freuen, wenn Sie Menschen, die Geschichte machten.
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