# "Vom Nazirocker zum Aussteiger" mit Philip Schlaffer

An episode of [Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1754096105), 28 Dec 2025, 1 h 39 min.

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## Transcript

[0:01] Was sollen meine Eltern jetzt mit diesem unglaublich wütenden,
[0:04] 16-jährigen jungen Mann machen unter dem Hakenkreuz, der gewalttätig ist an
[0:08] der Schule mittlerweile?
[0:09] Ich habe zu Hause eine Hakenkreuzfahrt ins Kinderzimmer gehängt.
[0:12] Ich habe überhaupt nicht nachgedacht. Ich habe die ganze Zeit gedacht, das ist richtig.
[0:16] Manchmal schreiben die Leute dann auch über mich und sagen so,
[0:19] ja, der ist da so reingerutscht.
[0:20] Nein, ich bin da reingegangen. Ich wollte dazugehören.
[0:28] Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.
[0:34] Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
[0:43] Ich bin Philipp Fleiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen,
[0:46] um mit ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der ihr Leben für immer verändert hat.
[0:53] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von dieser eine Moment und
[0:58] heute habe ich einen anderen Philipp zu Gast, nämlich Philipp Schlaffer und
[1:02] der hat ein ziemlich krasses Leben gehabt bisher.
[1:07] Als Neonazi ist er in der Rockerszene zum Straftäter geworden und später auch
[1:12] im Gefängnis gelandet. Philipp hat scheinbar alles durch.
[1:15] Spielsucht, Drogen und Gewalt.
[1:18] Heute ist er nicht nur Ex-Nazi, sondern auch Antigewalt-Trainer und Autor des
[1:23] Buches Hass macht Gewalt, ein Ex-Nazi und Rotlichtrocker packt aus.
[1:28] Das finde ich ziemlich spannend und deshalb habe ich Philipp eingeladen, auch hier auszupacken.
[1:35] Er wird uns erzählen, wie man als junger Mensch in so etwas reingerät,
[1:39] was die Szene mit und aus ihm gemacht hat und vor allem auch,
[1:43] wie man da wieder rauskommt.
[1:46] Philipp, der Moment, der dein Leben verändert hat und der dich zu dem gemacht
[1:50] hat, was du heute bist, der liegt jetzt so mehr als zehn Jahre zurück.
[1:53] Du bist damals, ich würde mal sagen, ein harter Junge, verurteilter Straftäter,
[1:59] hast ein Hakenkreuz auf der Brust tätowiert und bist Teil von einer Rocker-Gang
[2:04] und eines Abends sitzt du nachts mit deinen Kumpels zusammen,
[2:08] alles andere als nüchtern und da platzt was aus dir heraus.
[2:12] Was sagst du an diesem Abend? Ja, erstmal ein Hallo an alle.
[2:17] Ja, ich weiß nicht, das heißt ja dieser eine Moment. Das ist schon ein krasser
[2:20] Moment. Ich habe viele dieser einen Momente in meinem Leben,
[2:22] aber das ist natürlich ein ganz prägnanter.
[2:24] Und da läuft auch gerade bei mir so eine Art Film bei mir ab im Kopf.
[2:29] Ja, was ist passiert? Und zwar ist es innerhalb unseres Clubs an diesem Abend
[2:35] um Mitternacht nach dem Konsum von Alkohol, Kokain im Rausch als kriminelle
[2:41] Vereinigung, als Motorradrocker, was zu unserem Lifestyle dazugehörte.
[2:45] Das sind Dinge, die unter der Oberfläche brodelten. Diese Elefanten,
[2:50] die wir im Raum hatten, die wurden nicht angesprochen.
[2:53] Auch wenn nach außen immer von einer Bruderschaft gesprochen wird,
[2:56] gibt es das natürlich nicht in diesen kriminellen Vereinigungen.
[2:59] Jeder möchte am meisten Geld, möchte am meisten Macht und es ist dann in diesem
[3:03] Rausch zu einem massiven Streit gekommen mit jemandem, den ich eigentlich auch
[3:07] noch sehr mochte aus dem Club.
[3:09] Und ja, es ist dann innerhalb von wenigen Sätzen ein bisschen zu Bedrohungen
[3:15] gekommen, dass wir getrennt werden mussten.
[3:17] Und das war rein theoretisch das Ende einer 20-jährigen kriminellen und extremistischen Karriere.
[3:23] Das heißt, ihr seid aufeinander losgegangen und dann sagst du etwas,
[3:28] was diese Karriere beendet. Was sagst du?
[3:31] Ja, wie soll ich das beschreiben? Das ist schwer ohne die Vorgeschichten. Also es ist so,
[3:35] dass ich diese Person, mit dem es der Streit ging, dass ich die sehr lange prodigiert
[3:41] hatte, dass ich sie rangezogen hatte, dass ich sie gefördert hatte in der organisierten
[3:45] Kriminalität, so komisch das klingt.
[3:47] Und diese Person auf einmal so über mich und über diese Dinge gesprochen hätte,
[3:53] als wenn ich ein Idiot wäre.
[3:55] Ich war Präsident in diesem Club. Ich habe ihm das ermöglicht,
[3:58] was er erreicht hat und hatte dann in seinem Rausch mich diffamiert, mich niedergemacht.
[4:04] Das habe ich mitbekommen und das mit meinem damaligen Ego hat sich nicht vertragen,
[4:09] dass dann dementsprechend dieser Raum voller Alphatiere aufeinander beinahe losgegangen ist.
[4:15] Wenn man es ganz einfach runterbringt, war es gekränktes Ego von mir.
[4:18] Und ich war natürlich auch so ätzend drauf, dass ich damals so arrogant war
[4:23] und die Zeichen der Zeit nicht erkannt habe und auch die Zeichen der Menschen
[4:26] um mich herum nicht erkannt habe.
[4:28] Ist dir in dem Moment, wo du im Prinzip sagst, mir reicht es jetzt,
[4:31] ist dir da schon klar, dass das jetzt zu Ende geht, diese Reise,
[4:35] will ich es jetzt mal nennen?
[4:36] Nein, nicht mit den Auswirkungen. Nicht mit den Auswirkungen.
[4:39] Ich habe nicht mit diesem massiven Einschlag gerechnet, es war für mich,
[4:44] als wenn irgendwie ein Meteorit einschlägt im Atlantik oder im Pazifik und ein
[4:49] Riesenzunami dann losrollt.
[4:51] Wie immer hatte ich gedacht, das lässt sich alles am nächsten Tag und dann nach
[4:55] der nächsten Tage drehen, deichseln, das lässt sich wieder einfangen,
[4:58] aber das war diesmal nicht so.
[5:01] Sondern dieses Mal hatten alle das gesagte Wort gehört, mir reicht's und ich
[5:06] scheiß auf ein paar Leute.
[5:07] Ich werde hier in dem Talk sehr real sein, also ich werde nicht so auf Sprache achten.
[5:11] Ich kann ohne diese Sprache, aber wenn ich über dieses alte Leben spreche,
[5:14] dann gehört das für mich mit dazu.
[5:16] Und nee, das war für mich nicht absehbar, sondern es war einfach,
[5:19] ich bin heute dankbar dafür, aber hätte ich es damals gewusst mit den Konsequenzen,
[5:24] vielleicht wäre meine Reaktion dann eine andere gewesen.
[5:27] Vielleicht mal um zu verstehen, wie es überhaupt dazu gekommen ist und vor allem
[5:31] um zu verstehen, warum das für dich jetzt auch so schlimm ist dann später in den Konsequenzen.
[5:37] Geh mal ein bisschen in die Vergangenheit. Du wirst 1978 in Lübeck geboren und
[5:43] wächst in Schleswig-Holstein auf.
[5:45] Wie würdest du denn deine Familie und so dein Aufwachsen beschreiben?
[5:49] Ja, ich komme aus einer wirklich gut bürgerlichen Familie,
[5:53] ich bin aufgewachsen ohne Gewalt, ohne Drogen, ohne Alkohol,
[5:57] ich hatte eine relativ glückliche Kindheit,
[6:01] war viel bei meinen Großeltern, war ein typisches Bolzplatz-Kind,
[6:04] nur der HSV natürlich und ich war kein überbeliebtes Kind, war auch kein Außenseiter,
[6:10] ich war so mittendrin und wirklich eine glückliche Kindheit,
[6:13] Schule fiel mir einigermaßen gut zu.
[6:15] Ich wurde gefördert, wurde geliebt, habe die Dinge bekommen,
[6:18] die ich im Groben wollte und der Weg für ein normales Leben in dieser Gesellschaft war vorgezeichnet.
[6:25] Das finde ich total interessant, weil das, was du schilderst,
[6:28] ist eigentlich so das Gegenteil von anderen Kriminellen, die ich kennengelernt habe.
[6:33] Da ist es ja ganz oft so, dass schon ganz viel Missbrauch, Misshandlung stattgefunden
[6:36] hat in der Kindheit, dass die unter ganz schlimmen Umständen aufwachsen.
[6:40] Das war bei dir definitiv nicht so.
[6:42] Also du bist praktisch aus der Mitte der Gesellschaft zum Rand der Gesellschaft
[6:46] dann später irgendwann gewandert.
[6:47] Ja, ich war eigentlich als Kind inkludiert und habe mich selber exkludiert.
[6:52] Ich wollte dann erst recht nicht sein wie meine Eltern in der Rebellion gegen
[6:57] meine Eltern. Ich hatte dann ja auch den ersten Bruch in meiner Biografie.
[7:00] Wir sind als ich zehn Jahre alt war, 1988 ausgewandert nach England für den
[7:04] Job meines Vaters nach Newcastle, So Bontain im Norden von England,
[7:07] das war der erste Bruch sozusagen in meinem Leben, den ich aber noch einigermaßen gut verdaut hatte.
[7:14] Ja, aber auch diese Zeit hat nach vier Jahren wieder geendet und dann gab es
[7:18] den zweiten Bruch in meiner Biografie und dann ging es wieder zurück nach Deutschland
[7:22] und dann fing die Reise im Negativen an.
[7:28] Ja, über die beiden Brüche sprechen wir gleich noch ein bisschen ausführlicher.
[7:30] Ausführlicher. Ich würde gerne noch mal ein bisschen auf deine Familie gehen,
[7:33] weil du hast in einem Interview die Struktur bei euch in der Familie sehr patriarchalisch
[7:39] beschrieben mit deinem Vater so als eine Art Diktator.
[7:43] Kannst du dich an eine konkrete Situation erinnern, wo du das das erste Mal
[7:47] zu spüren bekommen hast? Ja, das ist immer sehr schwer, wenn meine Eltern das
[7:52] hier natürlich noch hören, aber es war für mich so gefühlt als Kind,
[7:56] mein Vater war nach außen ein Demokrat.
[7:58] So richtig gespürt war eigentlich die Entscheidung, wir ziehen jetzt nach England,
[8:04] das wird euch Kinder bereichern.
[8:05] Ich hatte hier meinen Fußballverein, ich hatte hier meine Großeltern,
[8:09] ich hatte hier meine liebe Onkel und Tante und sonst irgendwas,
[8:12] ich hatte mein Umfeld und das...
[8:14] Und das war einfach so beschlossen und so ist das. Und hier gab es auch keinen
[8:18] Friss oder Stirb, Stirb war ja nicht mehr, sondern Friss, hier ist das,
[8:20] hier ist die Entscheidung.
[8:22] Und das hatte schon massiven Einfluss auf mich, also so, dass man auch als Zehnjähriger
[8:28] einfach nicht mal gefragt wird oder besprochen wird, sondern hier,
[8:34] so ist die Entscheidung.
[8:35] Das war, glaube ich, das erste Mal, dass ich das mitbekomme,
[8:37] okay, wir sind hier nicht alle gleich.
[8:41] Das heißt, dein Vater trifft die Entscheidung und ihr Kinder und eure Mutter, die folgen.
[8:46] Die werden informiert darüber, wie die Entscheidung aussieht.
[8:49] Genau, ganz nach dem alten Motto, ich bin hier, der die Brötchen bezahlt und
[8:54] ihr habt die Füße unter meinem Tisch.
[8:58] Und dann hat es auch so zu laufen, wie ich das zu sagen habe.
[9:01] Ich glaube heute natürlich als einigermaßen reflektierter Mensch,
[9:05] mein Vater hat auch das Gute gewollt.
[9:07] Ich mache das hier für uns, ich mache das für unseren Wohlstand.
[9:10] So ein Auslandsaufenthalt wird euch Kinder vielleicht mal bereichern in Zukunft.
[9:14] Und ich glaube, dass er nicht da rangegangen ist und hat gesagt,
[9:17] er scheißt auf die Familie und uns.
[9:20] Aber es ist halt eine andere Zeit auch gewesen.
[9:23] Absolut. Wir gehen jetzt mal ein bisschen näher auf diesen Moment ein.
[9:26] Du bist da zehn Jahre alt, 1988. Ihr sitzt im chinesischen Restaurant.
[9:31] Und dein Vater eröffnet euch, wir ziehen nach England.
[9:35] Ich habe da einen neuen Job, die ganze Familie geht nach England.
[9:38] Bernd, weißt du noch, was dir in dem Moment so durch den Kopf geht, als du das hörst?
[9:41] Ich habe diesen Moment noch relativ gut im Kopf.
[9:45] Ich weiß sogar noch, was ich essen wollte, aber ich hatte keinen Hunger mehr.
[9:48] Dass ich irgendwas mit süß-sauer essen wollte, würde ich jetzt behaupten,
[9:51] dass das so war. So ist zumindest meine Erinnerung.
[9:55] Ich habe fürchterlich geweint.
[9:57] Ich habe fürchterlich geweint. Das macht mich bis heute ganz traurig,
[10:01] weil das so der schon massiver Bruch so war.
[10:05] Ich habe die Bilder sehr genau. Ich habe das chinesische Restaurant,
[10:08] ich kann es jetzt zeichnen, wenn ich nicht so unbegabt wäre, was das angeht.
[10:11] Aber ich habe es sehr genau eingebrannt im Gehirn. Was sind denn so in dem Moment
[10:15] deine Ängste? Du hast es gerade schon so ein bisschen angesprochen.
[10:18] Du hattest dein ganzes Leben hier. Du hattest ein schönes Leben in Deutschland
[10:20] zu dem Zeitpunkt und das dann zu verlassen war für dich eigentlich schwer vorstellbar.
[10:25] Ich glaube, dass es sehr schnell bei mir darum ging, wie die meisten jungen
[10:29] Männer, die Fußball spielen, behaupten sie, sie waren mal ein Talent.
[10:32] Das habe ich dann von mir auch behauptet.
[10:34] Und das war, glaube ich, die größte Angst, meinen Fußballverein zurücklassen,
[10:41] meine Freunde aus dem Verein.
[10:43] Wir haben hier so eine kleine Hürde, so 500 Meter Radius um mich herum,
[10:48] meinen Bolzplatz, meine Schule, meine Kumpels, mein Kiosk.
[10:51] Und ich wusste, ich wusste, das habe ich selbst, glaube ich,
[10:54] schon als Zehnjähriger begriffen, okay, das ist hier, das ist weg.
[10:58] Und dann zieht ihr dahin, weil die Entscheidung ist ja schon gefallen,
[11:00] du hast keinen Einfluss darauf.
[11:02] Wie ist es denn dann, ganz konkret umzuziehen in ein fremdes Land?
[11:06] Weil ich glaube, deine Eltern haben schon versucht, dir das ein bisschen schmackhaft zu machen.
[11:10] Ja, die waren da schon recht manipulativ unterwegs.
[11:13] Wir sind dann noch kurz vorher nach England geflogen, haben dann noch einen Urlaub verbracht.
[11:19] Ich meine, die Osterferien haben wir dort verbracht und haben das verbracht in Whitley Bay.
[11:25] Das ist so ein Strandort in der Nähe von Newcastle.
[11:28] Da gab es dann so damals Spielbuden, so eine Art Rummel.
[11:32] Jeden Tag haben wir was gemacht, wir wurden da toll aufgenommen und ich durfte
[11:35] Geld so verzocken an so Schiebeautomaten, wo man so Münzen reinwirft und mit
[11:41] Plastikpistolen auf so einen Monitor schießen und Street Fighter spielen.
[11:45] Da habe ich gedacht, England muss ja das geilste Land der Welt sein.
[11:48] Ich habe geile Turnschuhe bekommen. Das war damals im Vergleich zu Deutschland.
[11:51] Deutschland hat richtig so eng geblieben.
[11:54] Und habe so geile Klamotten bekommen. Und habe gesagt, okay, das ist schon geil.
[11:59] Aber ja, das ist natürlich, gibt es in England auch Schule. Natürlich gibt es in England auch Tränen.
[12:04] Und dass dieser Urlaub das nicht war. Da sind meine Eltern recht manipulativ
[12:09] rangegangen, um ehrlich zu sein.
[12:11] Weil es ist ja eben nicht nur Urlaub. Du lebst dann jetzt da.
[12:14] Du musst vor allen Dingen auch auf eine englische Schule gehen.
[12:17] Nimm uns mal mit an deinen ersten Schultag. Wie läuft das ab?
[12:21] Ja, Schuluniform. Ich bin innerhalb kürzester Zeit auch ein bisschen dicker geworden,
[12:26] bin nicht mehr rausgegangen, habe draußen nicht mehr gespielt und ich weiß noch,
[12:30] wir kamen bei dieser Schule und ich habe ein ganz rudimentäres Englisch gehabt
[12:34] und konnte mich gerade so selber vorstellen und ich wusste, dass blau blue ist.
[12:40] Und wurde dann von dem Direktor Empfang genommen, wurde schon ein großer Bahnhof irgendwie aufgemacht.
[12:45] Und ich weiß, dass ich sehr viel geweint habe an dem Tag, weil ich habe Angst,
[12:50] in diese Schule zu kommen.
[12:51] Ich kenne die Sprache nicht, kenne die Schule nicht, kenne die Gegend nicht, die Leute nicht.
[12:55] Das war ganz fürchterlich, auch als die Klassenlehrer mich dann reingeholt hat,
[12:59] mich in diese Klasse gesetzt hat.
[13:01] Aber ich wurde nett aufgenommen, ich wurde nett aufgenommen.
[13:04] Das, was ich noch weiß, aber ich habe natürlich nichts verstanden.
[13:06] Und ich war einfach nur froh, als die letzte Klingel gegangen ist und meine
[13:10] Eltern mich abgeholt haben.
[13:11] Schnell in mein Kinderzimmer, Fernseher an, ALF, Videokassetten mitgehabt,
[13:15] Chips, Cola und die Welt ausgeblendet.
[13:19] Ja, der Empfang war erstmal nett, aber es spricht sich ja relativ schnell rum,
[13:22] dass du der Deutsche bist.
[13:24] Und ich glaube, einige von deinen Mitschülerinnen und Mitschülern hören dann
[13:27] auch was von ihren Eltern und Großeltern über Deutsche, was dir sozusagen dann
[13:32] entgegengeworfen wird als Zehnjähriger. Ja, das ging natürlich sehr schnell.
[13:36] Andere Zehnjährige wissen natürlich nicht, was Nazi-Deutschland war oder Erster,
[13:41] Zweiter Weltkrieg, Holocaust, all diese Dinge sind natürlich kein Thema für Zehnjährige.
[13:46] Aber einige der Eltern haben natürlich gehört, dass in Deutschland die Klasse
[13:49] gekommen ist, haben die Schüler selber zu Hause erzählt.
[13:51] Da haben einige der Eltern und Großeltern sehr intensiv gesagt,
[13:56] dass ich dieser zehnjährige Junge halt ein böser Nazi bin, ne?
[14:00] Scheiß Deutscher. Und dann, wo ich Nazis gab, ich wurde Fritz genannt,
[14:04] dann lange Zeit Kraut, alles Mögliche.
[14:07] Und dann ging schon recht massiver Hass gegen mich los, der sich auch ganz schön
[14:14] verfestigt hatte bei einigen.
[14:15] Wie hat sich dieses Mobbing damals konkret geäußert gegen dich?
[14:19] Boah, ich habe, um ehrlich zu sein, will ich jetzt hier keine Geschichte ausdenken,
[14:24] aber es muss so schlimm gewesen sein, dass mein Gehirn das teilweise versteckt hat.
[14:28] Also das hat das irgendwo vergraben, dass ich das nicht rauskriegen kann.
[14:32] Ich kriege die ersten Wochen, nachdem das dann losging, nicht mehr in mein Gehirn.
[14:37] Ich weiß nicht mehr, wie die gelaufen sind, was da passiert ist,
[14:41] wer wie wo was, Schule hin, zurück.
[14:43] Ich kriege es nicht mehr zusammen. Ich weiß, es war eine sehr düstere Zeit für mich, das erste Mal.
[14:48] Schwere Einsamkeit, schwere Depressionen, viel Wein, wahrscheinlich auch der
[14:53] erste Hass innerhalb der Familie, Vorwürfe.
[14:57] Ich will zu meinen Großeltern, ich will nach Deutschland, aber ich kann es dir
[15:00] gar nicht mehr sagen, wie es jetzt geäußert hat, weil das ist versteckt.
[15:03] Das hat mein Gehirn versteckt.
[15:05] War oder ist in der Zeit irgendjemand da, mit dem du darüber sprechen kannst,
[15:08] der deine Tränen trocknet, der dir zuhört? Ja, ein schöner Gedanke, wenn das so wäre.
[15:12] Mein Vater war rund um die Uhr arbeitend in England für diese Firma,
[15:16] für die er ausgewandert ist, um dort als Manager da die Niederlassung in England zu sanieren.
[15:21] Meine Mutter saß einsam in ihrem Wohnzimmer, hatte mit sich zu tun.
[15:24] Die hatte auch alles in Deutschland verloren, konnte auch kein Englisch.
[15:27] Meine Schwester saß in ihrem Kinderzimmer und.
[15:30] Und es war halt auch nicht die Zeit, wobei ich das nicht sagen will,
[15:33] dass heute auch das jeder macht,
[15:34] aber wir waren auch gegenseitig nicht achtsam füreinander, sondern ja hier Philipp,
[15:39] hier sind deine Videokassetten, Mensch,
[15:40] mach dir doch Rambo an, mach dir Rocky an oder hier ist eine Cola und jetzt
[15:46] trocknen die Tränen schon, denk dran, bald ist Wochenende, dann fahren wir,
[15:49] gehen wir Minigolf spielen oder so, aber nee,
[15:53] nee, das war nicht so.
[15:54] Es ist ja leider heute auch teilweise noch so, ich habe das Gefühl,
[15:58] es ist ein bisschen besser geworden, aber in ganz vielen Familien,
[16:01] du hast es gerade angesprochen, wird einfach über Gefühle nicht gesprochen.
[16:04] Ja und man kann, das ist ein kleiner Appell hier, nur weil man eine Familie
[16:10] heißt ja noch lange nicht, wir halten alle zusammen und wir sind achtsam füreinander,
[16:15] also das ist so immer wieder, was ich mitgeben kann,
[16:18] achtet auch aufeinander, wie verhält sich jemand, zieht sich jemand zurück,
[16:22] ist jemand zu aufgedreht, weint jemand viel, körperliche Veränderungen sind
[16:27] oft ein Zeichen dafür, äußerliche Veränderungen,
[16:30] da ein bisschen achtsam zu sein, was bei den Menschen los ist.
[16:33] Nicht nur bei Kindern, sondern generell.
[16:35] Stimmt, ganz, ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst.
[16:38] Zurück nach England, es wird mit der Zeit besser für dich.
[16:42] Was trägt dazu bei, dass es besser wird, dass du nicht mehr nur der Crowd und
[16:45] der Fritz und der Nazi bist?
[16:48] Ja, und was gehört zur Integration dazu? Das ist natürlich die Sprache lernen.
[16:52] Das verlange ich von jedem, der irgendwo einwandert, dass man die Sprache lernt.
[16:56] Das ist so das A und O für Integration. Wer das verweigert, will sich auch nicht integrieren.
[17:01] Ich habe dann auf einmal Englisch gelernt. Mein junges Gehirn hat Englisch gelernt.
[17:04] Ich habe dafür gar nicht viel getan.
[17:06] Ich erinnere mich, dass ich, glaube ich, innerhalb der ersten Monate sehr schnell
[17:08] Englisch gelernt habe und habe auch ein sehr derbes Englisch gelernt.
[17:11] Da oben aus dem Norden an der schottischen Grenze ist schon ein derber Akzent,
[17:15] auf den ich sehr stolz war, dass ich diesen Akzent hatte.
[17:16] Und ich wurde dann schon nach wenigen Wochen, Monaten der German Geordie genannt,
[17:19] weil Geordie, so heißen die Leute da oben.
[17:21] Und dann habe ich auf einmal England lieben gelernt. Ich habe Rugby gespielt
[17:25] in der Schule. Ich war ja auch ein bisschen größer und ein bisschen kräftiger
[17:27] als viele meiner englischen Schulkumpels.
[17:31] Als es dann über den Sport, Sprache funktioniert hat, kam ich so langsam in die Gemeinschaft rein.
[17:36] Man muss es aber trotzdem sagen, es hat über eineinhalb Jahre gebraucht,
[17:39] bis der erste Engländer sich zu mir nach Hause getraut hat.
[17:42] Ich erinnere mich selbst noch an meinen ersten Geburtstag in England.
[17:45] Da war ich schon ein Jahr in England, glaube ich, oder fast zehn, elf Monate.
[17:48] Da hatte ich so acht, neun Jungs aus der Klasse eingeladen und die meisten sind
[17:51] einfach nicht gekommen, weil sie sich nicht getraut haben.
[17:54] Ist ja auch für ein Kind schwer zu verstehen. Könnte ich heute noch weinen.
[17:57] Ja, das ist wirklich richtig.
[17:58] Das macht mich gerade richtig fertig, weil das einfach auch so gemein ist.
[18:01] Und du warst ja auch noch echt ein Kind.
[18:03] Aber das heißt, du bist dann echt mehr gefühlt Engländer als Deutscher.
[18:08] Also hast du auch so ein bisschen deine deutsche Identität so ein Stück weit abgelegt.
[18:14] War gar kein Deutscher mehr. Ja.
[18:16] Meine Eltern hatten ja noch Kontakt so nach Deutschland. Wir sind ab und zu
[18:18] dann zu den Schulferien hier rüber und so.
[18:20] Da hatte ich aber auch keinen Bock mehr drauf. Vielleicht hatte ich auch keinen
[18:22] Kontakt mehr zu den Jungs und so aus dem Kindergarten, aus der Grundschule.
[18:27] Ich liebe England. Ich habe bis heute zwei Heads in meiner Brust.
[18:30] Ein deutsches, ein englisches.
[18:32] Newcastle United, mein zweiter Verein. Ich habe Rugby gespielt,
[18:35] Fußball gespielt. Wieder super in der Schule. Tolle Gegend, tolle Leute, toller Humor.
[18:40] Und ich habe nur noch Englisch gesprochen, ich habe auch zu Hause erst so ein
[18:45] Deutsch-Englisch gemischt, was jeden Rechtsextremist irgendwie für Palme bringen
[18:49] würde und jeden Wutbürger irgendwie so, was soll das mit dem ganzen Englisch,
[18:52] aber das war so die langsame Assimilation,
[18:55] dass ich so Deutsch-Englisch vermischt habe, da habe ich nachher nur noch Englisch gesprochen.
[18:59] Und irgendwann ist es meiner Mama auch mal aufgefallen, dass ich selbst im Traum,
[19:01] wenn ich im Traum mal gesprochen habe, dass ich dann selbst da in Englisch gesprochen habe.
[19:05] Da war glaube ich, da war Deutsch raus aus mir.
[19:09] Das wäre jetzt eigentlich ein schöner Punkt für ein Happy End.
[19:13] Du hast dich da wunderbar angepasst, du hast ein neues Leben begonnen, du bist voll happy.
[19:18] Und dann kommt, als du 14 bist, dann der nächste Schlag ins Gesicht,
[19:22] nämlich der Moment, über den wir jetzt nochmal sprechen werden.
[19:25] Du erfährst nämlich, dass du zurück nach Deutschland musst.
[19:28] Also das, was du dir vier Jahre vorher wahrscheinlich gewünscht hättest und
[19:31] jetzt wünschst du es dir auf keinen Fall. Wie reagierst du?
[19:35] Boah, ich bin ausgerastet bei der Nachricht mit 14, schwerst in der Pubertät
[19:40] ich habe so meine erste Freundin so auf dem Schulhof ein bisschen,
[19:44] geküsst und die ersten Hormone und wir freuen uns auf die Highschool und geil,
[19:49] Rugby läuft richtig gut und,
[19:51] Schule läuft geil aber auch das wieder die letzten 2-3 Monate in England habe
[19:57] ich nicht eine Erinnerung ich könnte dir gegenüber jetzt nicht behaupten,
[20:01] wie wir zurückgeflogen sind, ob wir jetzt geflogen sind mit dem Schiff.
[20:05] Ich weiß nicht, wie ich mein Kinderzimmer zusammengepackt habe.
[20:08] Ich weiß nicht, wie ich mich verabschiedet habe von meinen Freunden,
[20:10] vom Verein, Schule, all das weiß ich nicht.
[20:12] Ich weiß, ich weiß noch, dass ich sehr, sehr doll geweint habe und einen richtigen
[20:18] Zusammenbruch hatte, als die ganze Schule mich irgendwie so verabschiedet hat in so einer Aula.
[20:24] Weil alle sollten sich aufteilen auf die Highschool, wer jetzt wohin geht und so weiter.
[20:28] Wieso Schulen das halt so machen und dann stehst du da alleine und der eine
[20:31] geht nach Deutschland zurück.
[20:33] Das war ganz fürchterlich, aber das war diesmal auch mit ungemeiner Wut und
[20:37] Aggression verbunden und...
[20:40] Und ein Unverständnis wieder, immer so, warum? Ihr habt gesagt,
[20:44] wenn wir nach England gehen, dann bleiben wir da länger oder vielleicht für immer.
[20:48] Und wie haben deine Eltern darauf reagiert? Haben die gesagt,
[20:50] ja, ist jetzt so, kann man nichts machen?
[20:52] Ja, auch die haben wahrscheinlich den Lerneffekt so gehabt und haben gesagt,
[20:55] ja gut, das ist das letzte Mal auch gut gegangen.
[20:57] Gut, dann halten wir das jetzt hier mal zwei, drei Monate aus,
[21:00] sein Rüngeschrei und seine Rebellion.
[21:05] Und letztes Mal hat das auch gut geklappt nach drei, vier, fünf, sechs Monaten.
[21:09] Das wird diesmal schon wieder klappen. Aber das Pokerspiel, das haben sie verloren.
[21:14] Du hast jetzt gerade von Wut gesprochen, aber was ich da raushöre,
[21:18] ist ja eigentlich Schmerz und Trauer.
[21:20] Ja, das war, ich habe vielleicht dem auch ein bisschen vorgegriffen.
[21:25] Es ist natürlich, aber guck mal, welcher 14-Jährige erkennt schon für sich selber
[21:29] seine Trauer und Depressionen und so. Ja, klar.
[21:32] Da tun sich viele Erwachsene schwer, mit das für sich selber zu diagnostizieren.
[21:36] Das müssen ja meistens Außenstehende machen, aber hauptsächlich Schmerz.
[21:41] Und eine Machtlosigkeit. Mit 14 bist du ja nun auch, dass du sagst,
[21:47] man steht so auf der Schwelle, Pubertät, Teenager, selber absolut machtlos. Es ist halt so.
[21:55] Dann kommst du zurück nach Deutschland. Deine Eltern hoffen,
[21:58] dass sich das alles wieder einpendelt, weil das hast du in England ja auch schon mal geschafft.
[22:01] Aber Spoiler, ist nicht so vor Ort.
[22:05] Ja, Spoiler, ist nicht so vor Ort, ist so ein bisschen leicht gemacht,
[22:10] weißt du, ist ja manchmal selbst schwer, irgendwie so ein junges Bäumchen zu
[22:13] verpflanzen, wenn das ein bisschen schon gewurzelt hat, da kann man auch nicht
[22:16] drauf wetten, dass das wieder neu gewurzelt.
[22:19] Ich bin halt zu meinem alten Freunden hin und habe gesagt, ja,
[22:22] bin ich wieder. Aber das hat auch nicht geklappt. Die haben sich in den vier
[22:24] Jahren anders weiterentwickelt.
[22:26] Ich glaube sogar teilweise, dass die das Gefühl hatten, du hast uns damals ja
[22:30] im Stich gelassen. Du bist ja abgehauen. Als wenn das so meine Entscheidung war.
[22:35] Aber Kinder können ja auch ungemein grausam sein. Das vergisst man immer.
[22:39] Die sind nicht nur niedlich, sondern die können auch ungemein grausam sein.
[22:43] Da bin ich nicht rein. Ich bin in meinen alten Fußballvereinen nicht rein.
[22:47] Es war die Wiedervereinigung wir sind hier in Lübeck nah dran in Mecklenburg-Vorpommern
[22:54] sind dann noch viele aus Ostdeutschland rübergekommen, es war viel im Wandel Anfang der 90er,
[23:00] und Techno kam auf, viele Jugend.
[23:04] Subkulturen ich war mit allem einfach maßlos überfordert Mann,
[23:08] in England bin ich jeden Tag losgegangen mit Anzug, Hose und Hemd und Krawatte,
[23:11] ja, jetzt kam ich hier nach Deutschland an und die meisten Leute,
[23:14] die ich hier gesehen habe, die sahen aus, als wenn sie aus der DRK-Kleiderkammer gekrabbelt sind.
[23:18] Ja, das Anfang der 90er war klamottentechnisch eine wilde Zeit.
[23:22] Ja, eine wilde Zeit. Und dann hatte ich wieder das Gefühl, ich passe hier wieder nicht rein.
[23:26] Wie sind denn deine Tage dann in Deutschland? Du hast gesagt,
[23:30] Fußballverein war nicht, Freunde waren nicht, warst du wieder viel auf dem Zimmer wahrscheinlich.
[23:34] Ja, wieder einsamkeitsgeprägt. Ich weiß bis heute, ja, was habe ich gemacht?
[23:40] Ich habe mich ins Naschen geflüchtet.
[23:43] Zu Hause irgendwie. Glück durch Zucker. Ich habe dann viel Fernsehen geguckt.
[23:49] Es kamen dann so Videotheken auf und so weiter und habe mich dann verbarrikadiert.
[23:53] Und Außenseiter, Einsamkeit, eigentlich wollte ich dazugehören,
[23:59] aber hat halt nicht funktioniert.
[24:02] Was denkst du mit dem Wissen von heute, was hättest du damals gebraucht in dieser Einsamkeit?
[24:08] Also ich hätte mir zumindestens gewünscht, dass meine Eltern irgendwie achtsamer sind.
[24:13] Mal hin zu diesem Fußballverein und zu sagen, wieso darf der Junge nicht mitspielen?
[24:17] Wo ist der Unterschied, ob ihr 26 oder 25 Jungs seid?
[24:21] Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich gerade machen für mich.
[24:24] Ich erinnere mich ganz massiv dran, von unserem Haus hier aus meinem Kinderzimmer
[24:28] konnte ich hier zu einigen Blöcken so rübergucken.
[24:31] Da waren wir gerade wieder frisch hier und da hat einer meiner damaligen besten
[24:34] Freunde so Geburtstag gefeiert.
[24:35] Und dann standen die ganzen Jungs, meine alten Freunde, alle auf dem Balkon
[24:38] und haben gefeiert und ich war nicht eingeladen.
[24:42] Und das macht mich bis heute, könnte ich jetzt gerade hier einen Kugelschreiber durchbrechen.
[24:47] Weißt du, da hätte ich mir auch das von meinen Eltern gewünscht,
[24:49] so dieses bisschen Netzwerken und sagen, weißt du.
[24:52] Aber das kann man bei Kindern auch schwer zu erzwingen. Ich glaube,
[24:55] dass ich mehr, ich hätte ganz viel mehr Support von meinen Eltern gebraucht,
[24:58] um mich irgendwo reinzubringen, Vereine, Strukturen aufbauen,
[25:02] Zeit verbringen, aber meine Eltern hatten mit sich selber zu tun.
[25:06] Mein Vater kam auch zurück, war dann auch auf einmal beruflich nicht mehr glücklich,
[25:10] wurde dann auch aussortiert, obwohl er super erfolgreich war in England und
[25:14] das weiß ich ja heute erst, aber da ist natürlich die Frage,
[25:17] hätte man das nicht auch einem 14-Jährigen erzählen können?
[25:22] Pass auf, Sohnemann, ich habe auch gerade mit mir zu tun. Ich bin auch gerade
[25:25] enttäuscht von der Firma, für die wir ausgewandert sind und so.
[25:28] Selbst wenn ich es damals nicht verständen hätte, aber es wäre heute beisern auf diese Narbe.
[25:33] Das kann ich mir vorstellen. Ja, weil ihr habt ja dann beide oder eigentlich
[25:36] habt ihr alle wahrscheinlich gelitten, aber nicht drüber gesprochen.
[25:40] Du hast gesagt, in England warst du ziemlich gut in der Schule.
[25:43] Das ändert sich jetzt in Deutschland.
[25:44] Ja, anderes Schulsystem.
[25:47] Für meinen Vater stand es gar nicht zur Debatte. Irgendwas unter Abitur wäre absolutes Scheitern.
[25:53] Das heißt, ich musste hier aufs Gymnasium. Ganz anderer Leistungsdruck,
[25:58] ganz anderes Schulsystem.
[26:00] Es hagelte vier, fünf und sechsen in allen Fächern. sehr viel Leistungsdruck meiner Eltern.
[26:05] Die Firma, für die wir ausgewandert sind, hatte dann noch Nachhilfelehrer für mich jeden Tag bezahlt.
[26:09] Deswegen, wenn ich aus der Schule kam, gab es erst mal ein paar Stunden Nachhilfe
[26:13] die Woche und ja, kam halt dieses Schulsystem nicht rein und war natürlich auch
[26:20] für mich eine große Fallhöhe.
[26:21] Ich bin gefühlt über Nacht dumm geworden, also über die Noten.
[26:26] In England war ich ein super Schüler und drei Monate später nach den Sommerferien,
[26:30] also sechs, acht Wochen später nach den Sommerferien, bist du dumm.
[26:33] Gelesen, du bist dann zweimal sitzen geblieben, fliegst von der Schule,
[26:37] musst auch die Realschule wechseln, was ja an sich überhaupt gar nichts Schlimmes
[26:41] ist. Das ist mir auch nochmal ganz wichtig, das zu betonen.
[26:44] Eltern, sagt euren Kindern nicht sowas alles unter Abitur und du musst studieren.
[26:48] Das ist völliger Quatsch, man muss nicht studieren.
[26:50] Man muss glücklich sein erstmal in seinem Leben und was finden,
[26:54] was man gut kann und was einem Spaß macht. Und das Abitur oder Studium ist kein
[26:57] Garant für Erfolg überhaupt.
[26:59] Also wir haben ein Schulsystem, das vor 100 Jahren geschaffen wurde und da sollen
[27:02] auf einmal 20 Millionen Kinder und Jugendliche reinpassen.
[27:05] Nicht alle passen in dieses starre System.
[27:08] Und weil jemand in diesem starren System Schule nicht funktioniert,
[27:11] heißt es noch lange nicht, dass er nicht erfolgreich werden kann.
[27:13] Und Erfolg ist nicht nur monetär. Das ist mir ganz wichtig, weil mich das so
[27:16] wichtig war. Also danke dir, Philipp, auch da für diesen Input.
[27:18] Und ich bin dann runtergeflogen und da war schon das Gefühl,
[27:20] ja, jetzt ist das Leben auch zu Ende.
[27:23] Realsschule, wer weiß, nachher nur Hauptschule oder so.
[27:26] Ja, aber ich hatte andere Themen. Also sitzen geblieben, wieder von der Schule,
[27:31] wieder neue Leute, wieder neuer Ort.
[27:34] Zum vierten, fünften Mal. Wo ich mir gedacht habe, ja, jetzt scheiß eigentlich auf euch alle.
[27:42] Diese Wut ist da und dann ist was ganz Entscheidendes oder passiert was ganz Entscheidendes.
[27:47] Du triffst nämlich auf andere Jungs, die auch wütend sind, so wie du.
[27:51] Ihr freundet euch an, ihr verbringt viel Zeit miteinander.
[27:55] Wie sieht das aus? Was macht ihr wütenden Jungs in dieser Zeit?
[28:00] Das ist so, weißt du, ich habe ja versucht, vorher in England habe ich alles
[28:05] getan, um dazu zu gehören.
[28:07] Ich habe mich echt angepasst. Ich habe die Musik gehört, die die gehört haben, um dabei zu sein.
[28:14] Auf dem Gymnasium habe ich auch dann mitgemacht.
[28:18] Was dann alles groß wurde, Nirvana, Grunge und jetzt kam ich auf dieser Schule
[28:24] und hab gesagt, oh, wisst ihr was, ich scheiß drauf.
[28:26] Ich scheiß auf euch. Ich will gar nicht mehr zu euch gehören.
[28:29] Ich will nicht eure Klamotten tragen, ich will nicht eure Musik hören.
[28:34] Mit dieser Wut habe ich andere auf dem Schulhof getroffen, die auch wütend waren.
[28:37] Da hat es noch gar nichts mit Politik zu tun, noch gar nichts.
[28:40] Sondern hier ging es wirklich einfach nur darum, ich habe jetzt auf einmal auch
[28:44] zwei, drei andere Jungs auf dem Schulhof und wir haben uns angezogen wie Magneten.
[28:48] Das kann ich ganz gar nicht erklären.
[28:50] Und wir haben uns angezogen wie Magneten auf dem Schulhof und waren gemeinsam wütend gegen alles.
[28:55] Und was habt ihr dann gemacht? Also wie sieht eure Freizeit dann aus, außer wütend sein?
[29:01] Ja, nicht so wie die Freizeit ist, sondern die erste Rebellion ging dann erstmal gegen meine Eltern.
[29:07] Großer Hass gegen meinen Vater, gegen meine Mutter, gegen meine Schwester.
[29:10] Ihr seid die Tollen, ich bin der Gescheiterte.
[29:14] Die Freizeit wurde sehr schnell damit gestaltet, mit wütender,
[29:17] aggressiver Musik hören.
[29:19] Ich bin sehr schnell zu den Onkels gekommen, die gefühlt mir eine Stimme gegeben haben.
[29:23] Mit diesem Außenseiter-Ding.
[29:27] Sei wütend, sei stolz, sei stark, sei dies. Außenseiter, laber,
[29:31] laber. Das holt ja schon viele ab.
[29:34] Und das hat mich als junger Mann auch abgeholt. Es war sehr geprägt.
[29:39] Trotzdem immer wieder diese Gruppe.
[29:41] Es wurde eine sehr intensive Gruppe, die sich fast täglich nach der Schule getroffen hat.
[29:47] Trotzdem immer noch so ein bisschen Fußball spielen, Musik hören. Dann kam Alkohol dazu.
[29:52] So Wochenende und los. Und in dieser Wut was kaputt machen.
[29:58] Irgendwelche Fahrräder mal kaputt treten oder irgendwelche, die aus der Disco
[30:00] kommen, dann anpöbeln. Das ging alles sehr schnell.
[30:03] Wir reden jetzt wirklich über eine unglaublich schnelle Zeit.
[30:06] Aber ich höre da auch so eine ganz krasse Hypermaskulinität raus.
[30:10] Also so dieses breite Brust, ich bin wütend, ich lasse mir nichts mehr gefallen,
[30:15] ich bin ein richtiger Mann, ihr könnt mich alle mal.
[30:17] Das hat auch irgendwie was mit falschen Männlichkeitsbildern, glaube ich, auch zu tun.
[30:20] Ja, ich glaube, über falsche Männlichkeitsbilder, das hast du mir jetzt unterstellt,
[30:24] und dass die immer so falsch sind, das weiß ich nicht. Ich glaube schon,
[30:26] dass man noch Mann sein darf in dieser Gesellschaft.
[30:28] Absolut, das wollte ich, nein, nein, nein, das wollte ich damit,
[30:29] aber Mann sein heißt ja nicht immer nur wütend und aggressiv sein, das meine ich damit.
[30:34] Also ich finde schon, dass man Mann sein darf, aber so wie du es sagst,
[30:37] darüber definiert sich es nicht.
[30:39] Ja, guck mal, vielleicht kann ich es so erklären. Vorher haben die Leute auf
[30:43] mich geguckt, auf dem Gymnasium haben die Leute auf mich geguckt und haben gesagt,
[30:46] guck mal, hier, der ist sitzen geblieben, schon wieder eine 5,
[30:49] hat das nicht verstanden, selbst
[30:51] in Englisch eine 4, der hat 4 Jahre in England gelebt und so weiter.
[30:53] Wurde ich ausgelacht, so ein Außenseiter. Ich war so jemand,
[30:56] auf den man zeigen konnte, konnte man auslachen.
[30:59] Und ist dann sitzen geblieben, wieder, hast keinen Schlag bei den Mädels gehabt.
[31:04] Und auf einmal wurde ich sehr körperlich, kam auf dieser Schule an und wurde
[31:07] sehr hypermännlich, was du gerade sagst.
[31:09] Ja, auf einmal wurde ich anders angeguckt in der Schule. Also du latscht halt
[31:13] durch den Flur nicht mehr und bist hier das Opfer, sondern auf einmal gehen
[31:16] die Leute dir aus dem Weg, weil sie Angst vor dir haben.
[31:19] Du kriegst eine andere Körperhaltung auf einmal. Und dein Körper wird gerade,
[31:23] ich bin angefangen zum Kickboxen zu gehen, zum Kruppssport so ein bisschen.
[31:26] Und auf einmal nehmen die Leute dich anders wahr. Du hast auf einmal,
[31:29] kam die erste Freundin, die dich dann auf einmal gesehen hat,
[31:34] ganz anders wahrgenommen hat.
[31:35] Und deswegen hat diese Hypermännlichkeit dann auch funktioniert.
[31:38] Und das war ja leider den Lerneffekt, den ich hatte. Ah, das funktioniert.
[31:41] Ich werde jetzt hier nicht mehr wahrgenommen als der Schulversager,
[31:45] als der Außenseiter, sondern jetzt bin ich der School-Bulli und bekomme darüber meinen Respekt.
[31:54] Hast du denn zu dem Zeitpunkt schon diese fremden, feindlichen oder rechtsextremen Gedanken?
[32:00] Also ist das von Anfang an erkennbar, dass ihr euch in diese Richtung entwickelt,
[32:04] in diesem Freundeskreis oder wie ist das losgegangen? Das ging relativ zügig.
[32:09] Der Rechtsextremismus benutzt in seinen Liedern, so ist das heute ja auch noch
[32:13] so, arbeiten die natürlich ganz stark mit Feindbildern.
[32:16] Ich habe über die Musik gelernt zu hassen, alle möglichen Menschen,
[32:20] aber die ködern ja nicht damit, dass sie sagen, wir sind die Bösen, dann geht ja keiner hin,
[32:28] sondern die ködern ja schon damit und haben gesagt, pass auf Philipp, komm zu uns.
[32:33] Einfach durch Geburt bist du alleine, gehörst du zu einer Elite.
[32:37] Einfach, dass du Deutscher bist mit deiner Optik. Und hier gibt es Familie,
[32:41] Anerkennung, Wertschätzung, Gruppe.
[32:43] Wir sind die Starken, wir sind die Guten. Und wenn wir an der Macht sind,
[32:46] dann wird alles in deinem Leben super und perfekt. Das ist jetzt mal ganz einfach,
[32:50] ganz schnell runtergebrochen.
[32:53] Das Gefühl, einfach nicht dazuzugehören, das kennen wir vermutlich alle.
[32:58] Sich ausgeschlossen zu fühlen, das ist ein unangenehmes Gefühl und es wirkt
[33:03] wie ein echtes Schmerzsignal.
[33:05] Es zeigt uns, dass wir uns nach Verbindung, Anerkennung und Sicherheit sehen.
[33:09] Wer sich wie Philipp immer wieder nicht zugehörig, nicht gesehen fühlt,
[33:13] der entwickelt schnell ein starkes Bedürfnis nach einer Gemeinschaft,
[33:16] die klare Zugehörigkeit verspricht. Und hier greifen radikale Gruppen,
[33:21] die genau dieses Bedürfnis ausnutzen.
[33:23] Sie bieten einfache Strukturen, klare Regeln, feste Rollen und vor allem sofortige Anerkennung.
[33:29] Viele Aussteigerinnen und Aussteiger berichten rückblickend,
[33:32] dass sie nicht aus Überzeugung eingestiegen sind, sondern um sich endlich gesehen
[33:36] und gebraucht zu fühlen.
[33:38] Für jemanden, dessen Selbstwert instabil ist, wirken diese Gruppen wie eine
[33:42] schnelle und einfache Lösung.
[33:44] Gerade in der Jugend oder in Lebensphasen großer Unsicherheit suchen viele Menschen nach Identität.
[33:50] Philipp hat sich schon als Engländer verstanden, da muss er wieder zurück nach
[33:54] Deutschland und seine Identität ein Stück weit wieder aufgeben.
[33:58] Wer aber keine klare Vorstellung davon hat, wer er ist und was er kann,
[34:02] der fühlt sich leicht von Gruppen angezogen, die ganz klar sagen,
[34:05] wer dazu gehört und wer eben nicht.
[34:07] Die Gruppe macht ein Beziehungsangebot, genau dann, wenn es scheinbar sonst
[34:11] niemand tut. Dadurch stabilisiert sich ein fragiles Selbstwertgefühl.
[34:18] Und mir wurde eine Stimme gegeben und auch, dass ich angeblich verstanden wurde.
[34:24] Also manchmal wird über diese Musik so geschmunzelt, weil sie angeblich so einfach ist.
[34:30] Aber sie ist so einfach, weil sie so leicht ins Gehirn geht.
[34:31] Die Botschaft ist so leicht.
[34:33] Sie ist nicht versteckt, sie ist nicht verschachtelt.
[34:36] Sie ist sehr schnell konsumierbar, geht sehr, sehr schnell ins Gehirn rein.
[34:41] Und das ging dann sehr schnell, dass es dann geheißen hat, ja,
[34:44] die Onkel sind ja eigentlich schon Verräter. Die hatten dann so Lieder gemacht,
[34:47] ich sehe braune scheiße Maschinen und so.
[34:48] Hatten sie dann Anfang der 90er, nach den Anschlägen, glaube ich,
[34:50] von Solingen oder Mölln oder so.
[34:53] Hatten sie dann auch was dazu gemacht. Dann galten sie als Verräter in der Rechtsextremszene
[34:56] und dann, ja, wie das so ist bei jungen Leuten, hat einer gesagt so,
[34:59] Onkel, das ist ja letzte Scheiße, ich habe hier was Richtiges.
[35:03] Hier was auf Kassette. Ja, da wissen jetzt alle, wie alt ich bin.
[35:07] Ja, hier was auf Kassette oder auf CD. Das sind richtige Bands.
[35:11] Und ja, was ist das geile verbotene Früchte, dies ist verboten,
[35:15] das ist indiziert und dann ging es ganz schnell über den Konsum von Musik,
[35:19] dass ich mich immer weiter radikalisiert habe.
[35:22] Weißt du noch, wie das für dich war, als du das erste Mal so richtig krasse,
[35:26] Rechtsrockmusik gehört hast, weil das muss ja für dich einiges geändert haben.
[35:29] Ich grinse bis heute dabei, da könnten mir Leute unterstellen und sagen,
[35:34] na guck mal wie der da grinst, jetzt erinnert er sich an die guten alten Zeiten.
[35:36] Nein, ich grinse, weil ich weiß, was das bewirkt hat.
[35:39] Du musst dir das vorstellen, also ich versuche das jetzt mal bildlich zu machen,
[35:41] wir sind sechs, sieben Jungs, ja, wir sind wütend,
[35:44] scheiß Schule, scheiß Eltern, scheiß Gesellschaft, scheiß Kapitalismus,
[35:47] scheiß Leistungsdruck und dann sitzen wir zusammen, ja,
[35:50] wir haben uns irgendwie drei, vier Sixpacks geholt, wir sitzen auf unserem Bolzplatz,
[35:53] haben den Ghetto-Blaster laufen und dann und dann kommt Musik,
[35:56] ja, wir Kameraden, wir stehen zusammen,
[35:58] wir kämpfen für Deutschland und wir und Gruppe und Mann, das hat uns angefeuert,
[36:02] wir haben auf einmal gedacht, wir sind irgendwie sowas wie so eine neue SA und.
[36:07] Und das ist halt eine unglaubliche Wirkung.
[36:10] Eine unglaubliche Wirkung. Natürlich haben wir uns gegenseitig hochradikalisiert.
[36:14] Jeder wollte immer krasser werden. Wer will in der Gruppe schon das kleinste Licht sein?
[36:18] Also keiner, über keinen will man ja sagen, du bist ja nur ein Halber.
[36:23] Sondern alle haben immer härtere Sachen besorgt, haben immer härtere Sachen
[36:26] angezogen, sich optisch verändert.
[36:28] Keim hat es mir gereicht, mit Schwarz-Rot-Gold rumzulaufen. Das haben wir sehr
[36:31] schnell Schwarz-Rot-Senf genannt und so mit dem Hagenkreuz rumgelaufen. Natürlich.
[36:35] Ich glaube, das ist für jemanden, der da nicht drin war, so wie du,
[36:38] ganz schwer und mir fällt das auch schwer, ein bisschen das nachzuvollziehen,
[36:41] weil eigentlich kommst du ja von, ich hasse meine Eltern, ich bin wütend und
[36:45] kommst dann zu, ich hasse Menschen, die anderer Herkunft sind.
[36:49] Kannst du versuchen, das ein bisschen zu beschreiben, wie dieser Switch so stattfindet?
[36:54] Ja, wir müssen natürlich auf den Punkt Rebellion noch eingehen.
[36:58] Ich kann ja die Challenge an dich und deine Community herausgeben und sie sollen
[37:03] mal in deine Kommentare drunter schreiben, welches Symbol,
[37:08] Triggert die Leute mehr als das Hakenkreuz? Das ist eine spannende Frage.
[37:14] Hast du schon eine Antwort auf diese Frage? Nein, weil nichts über dem Hakenkreuz
[37:17] steht. Ich könnte mir jetzt auch nichts Krasseres vorstellen. Nein, deswegen.
[37:22] Klar kannst du eine IS-Fahne zeigen. Das können die meisten ja auch schon nicht mehr deuten.
[37:26] Aber das Hakenkreuz steht weltweit. Wissen die Leute, das steht für Adolf Hitler,
[37:31] Holocaust, Verbrechen, Zweiter Weltkrieg, bis heute für Neonazismus.
[37:36] Und natürlich hat das auch mit Rebellion zu tun. Hier, ja, Mann,
[37:39] was für eine Rebellion, wenn die Eltern selber Demokraten sind und dann das
[37:46] Kind kommt damit um die Ecke.
[37:48] Das ist die härteste Rebellion mit. Also wie gesagt, Challenge accepted.
[37:53] Für uns, warum kommt man zu dem Hass der Leutze?
[37:58] Das kann ich mir in Teilen selber nicht mehr erklären, da müssten wahrscheinlich
[38:01] schlauere Menschen drauf gucken, mit denen du zu tun hast, als ich das unbedingt bin.
[38:05] Ich kann es aus meiner Sicht nur hören, es ist natürlich ein ganz einfacher
[38:09] Mechanismus. Ich glaube schon, dass wir Menschen uns ganz wohlfühlen, wenn jemand Schuld hat.
[38:13] Ja, total. Also auch wenn ich mich streite mit meiner Frau, dann bin ich immer
[38:17] ganz froh, wenn ich denke, sie hat Schuld.
[38:19] Obwohl das bei uns geklärt ist, dass ich immer zu 100% Schuld habe.
[38:23] Aber die Frage der Schuld.
[38:26] Und man kann auf jemanden herabgucken. Was für ein tolles Gefühl.
[38:30] Ich habe jetzt die Möglichkeit, alle sind aufgrund ihrer Optik unter mir.
[38:36] Ich gehöre zu einer Elite. Philipp, ich gehöre irgendwie zu den besten 1-2%
[38:41] der Menschen auf dieser Welt.
[38:43] Das könnt ihr alle Nachtrücken nicht ändern. Das könnt ihr nicht nachholen.
[38:48] Und dann ist es ganz leicht, das aufzubauen. Antisemitismus.
[38:51] Deutschland geht es gerade so schlecht, weil die Juden in Tel Aviv,
[38:55] in New York sitzen, weil sie das Geld steuern.
[38:58] Wir können nicht glücklich werden, weil die Muslime da sind und die Moscheen bauen.
[39:04] Und weil aus Afrika die runterkommen, geht es den Rentnern so schlecht.
[39:08] Und das wird die Welt leicht erklärt.
[39:11] Und wie schön ist das für einen 14-, 15-, 16-Jährigen, auch die Welt erklärt
[39:16] zu bekommen, daran liegt das, die haben Schuld.
[39:20] Und wenn wir die bekämpfen und das machen, dann geht es uns wieder gut.
[39:23] Und das funktioniert dann nicht nur bei jungen Leuten, sondern wir sehen das
[39:26] bei Wutwalder und Sauer Sabine, die irgendwo auf der Platte stehen,
[39:32] vielleicht auch berechtigt, dass sie mal wütend sind.
[39:34] Aber die glauben dann auch diese leichten Parolen. Und das war bei mir als junger Mann.
[39:38] Einfach zu einer Elite zu gehören war für mich schon toll. Ich bin jetzt auf einmal wer.
[39:42] Ich bin jetzt wer. Ich finde das gerade so erschreckend, wie du das erzählst,
[39:46] weil diese Botschaften, diese einfachen Botschaften, das ist ja jetzt 30 Jahre
[39:49] fast her und es sind immer noch dieselben Botschaften und die Leute werden immer
[39:54] noch mit diesen Botschaften gecatcht und vielleicht ein Punkt,
[39:58] über den ich gerade nochmal nachgedacht habe, ich glaube,
[40:00] es ist natürlich da mit Wut und mit einfachen Erklärungen, das ist glaube ich
[40:03] ein Ansatz, aber es hat auch ein bisschen was mit Entmenschlichung zu tun,
[40:07] Weil du sprichst ja dann nicht mehr von der einzelnen Person,
[40:10] sondern sprichst von den Schwarzen.
[40:12] Also man würde wahrscheinlich ein anderes Wort benutzen, aber die Menschen werden
[40:17] entmenschlicht. Da hast du vollkommen recht.
[40:19] Also ich habe sehr schnell in jungen Jahren all diese Feindgruppen überhaupt
[40:24] nicht mehr als Mensch angesehen.
[40:26] Ich glaube, ich hätte auch die Dinge nicht tun können, wenn ich sie nicht entmenschlicht
[40:29] hätte. Das ist ja sehr ähnlich.
[40:31] Die Bullen, die Linken, die Ausländer, die Schwarzen, wie du sagst.
[40:34] Wenn man dann anfängt, das ist ja auch ganz klar im Nationalsozialismus passiert,
[40:39] Menschen mit Ratten gleichgesetzt, besonders Juden, da gibt es Juden süß.
[40:44] Filmen und so weiter und da wird natürlich damit gearbeitet und das hat bei mir auch funktioniert.
[40:50] Manchmal werde ich dann so, weißt du, vielleicht gibt es dann Leute auch in
[40:53] deiner Community, die sagen, ja, aber denk da nicht so ein junger Mann drüber nach.
[40:56] Leute, ich war 15, was meint ihr, was für Leute, wer da so reflektiert?
[41:00] Natürlich gibt es da reflektiert, da gibt es aber auch Leute,
[41:02] wo Gruppe, Teenager, Pubertät, Das soll jetzt keine Ausrede sein,
[41:06] aber ich habe überhaupt nicht nachgedacht. Ich habe die ganze Zeit gedacht, das ist richtig.
[41:12] Manchmal schreiben die Leute dann auch über mich und sagen so.
[41:15] Ja, der ist da so reingerutscht. Nein, ich bin da reingegangen.
[41:19] Ich wollte dazugehören. Ich bin da reingegangen.
[41:24] Mich würde interessieren, wie deine Familie darauf reagiert,
[41:27] weil du hast es ja gerade schon selbst angedeutet, du hast dir das krasseste
[41:31] Symbol überhaupt auf die Brust tätowieren lassen, das ist ein Hakenkreuz,
[41:35] also ist ja dann auch nicht mehr zu übersehen,
[41:37] dass du Nazi geworden bist.
[41:39] Ich habe zu Hause eine Hakenkreuzfahne ins Kinderzimmer gehängt.
[41:43] Ich hatte Zitate von Rudolf Hess an der Wand hängen, Keltenkreuzflanken,
[41:47] alles mögliche. Also da hätte man schon blind sein müssen.
[41:51] Also Philipp, wenn du bei mir reingekommen wärst, wirst du gesagt,
[41:53] stopp, hier müssen wir was tun.
[41:55] Also hier entgleitet gerade ein junger Mensch.
[41:58] Aber haben die denn nichts gesagt? Dazu müssen wir ein bisschen meine Familie reingucken.
[42:02] Meine Eltern sollen mir das so ein bisschen nachsehen, weil meine Eltern wollen,
[42:05] dass ich darüber spreche. Vielleicht können wir irgendjemandem damit helfen.
[42:07] Aber bitte hack doch nicht auf meine Eltern umher.
[42:11] Und zwar, guck mal, mein Vater kam auch zurück und war auf einmal mit seiner
[42:16] beruflichen Situation auch überfordert.
[42:18] Der hat seine Familie geopfert, um nach England zu gehen. Und die Firma war
[42:21] relativ undankbar ihm gegenüber.
[42:23] Dann ist er aus dieser Firma raus, musste beruflich neu starten und hatte auch
[42:26] einen gewissen Fall hinter sich gerade. Hatte mit sich zu tun.
[42:30] Meine Mutter hatte dann im Fahrwasser meines Vaters zu tun, dass mein Vater
[42:34] schlecht drauf ist, Existenzsorgung alles hat und so weiter.
[42:38] Hat meine Mutter mit ihrem Mann zu tun, mit ihrem Sohn zu tun,
[42:42] die versucht die Familie zusammenzuhalten.
[42:44] Meine Mutter geht vielleicht mit dem Ansatz ran und denkt sich,
[42:47] das erledigt sich, das ist pubertär, das begegnet bis heute ganz viel Philipp.
[42:53] Die dann gedacht hat, okay, das erledigt sich. Drücken wir mal die Daumen.
[42:58] Hauptsache, Papa kriegt es nicht mit, damit ich nicht noch Stress kriege und
[43:01] wir in der Ehe Stress haben.
[43:02] Und mein Vater ist teilweise wochen oder monatelang nicht in mein Kinderzimmer
[43:06] gekommen. Hauptsache, ich habe mal beim Abendbrot vorbeigeschaut.
[43:08] Und deswegen war es so eine Art wegignorieren, nicht sehen wollen,
[43:14] aber auch mit eigenem Thema im Leben gerade unterwegs zu sein.
[43:19] Und ich glaube, und ich könnte an deine Community heute so viele Challenges
[43:24] rausgeben, aber ich kann dich jetzt mal challengen.
[43:28] Und zwar, ja, Philipp, berat meine Eltern. Was sollen meine Eltern tun?
[43:34] Ja, das ist ganz, ganz schwierig. Ich will dich nicht vorführen.
[43:37] Ja, wir kennen uns jetzt nicht.
[43:39] Aber weißt du, so manchmal, dann wirst du irgendwann hier einen Pädagogen in
[43:42] dem Talk haben, sagen, ja, das und das müsste man tun und das und das.
[43:45] Ja, Digga, das ist Theorie.
[43:46] Also, was sollen meine Eltern jetzt mit diesem unglaublich wütenden,
[43:50] 16-jährigen jungen Mann machen unter dem Hakenkreuz, der gewalttätig ist an
[43:54] der Schule mittlerweile.
[43:56] Was sollen meine Eltern tun, Philipp? Ja, klar. Du willst ja auch nicht komplett
[44:00] den Kontakt zum Kind verlieren, indem du es irgendwie vor die Tür setzt und
[44:04] sagst so, jetzt sieh mal zu.
[44:05] Ja, und so alt ist es ja auch nicht. Du kannst ja nicht einfach mit 16 sagen,
[44:08] ja, hier, tschüss, raus, zwei losen Ravioli.
[44:12] Familie und andere Bezugspersonen können eine Radikalisierung weder wegreden noch allein stoppen.
[44:19] Das ist eine Illusion, muss man leider sagen.
[44:22] Sie können aber entscheidend mit beeinflussen, dass ein Zugang nach außen offen bleibt.
[44:26] Dafür braucht es weniger Überzeugungsarbeit und vor allem Stabilität und Beziehung.
[44:30] Was also können wir konkret tun in so einer Situation?
[44:34] Zunächst mal geht es darum, die Beziehung nicht abbrechen zu lassen.
[44:37] Extremistische Gruppen leben von Abschottung. Je stärker sich jemand vom sozialen
[44:42] Umfeld abwendet, desto mehr Halt findet er in der Szene.
[44:45] Wir können also versuchen, den Kontakt zu halten und ehrliches Interesse an
[44:49] der Person, nicht an der Ideologie zu zeigen.
[44:52] Gleichzeitig ist es aber auch genauso wichtig, dass wir auf uns selbst schauen
[44:56] und unsere Grenzen schützen.
[44:59] Radikalisierung erzeugt enormen Druck im Umfeld. Bis wohin möchte ich ein Gespräch
[45:04] führen und ab wann brauche ich mehr Distanzen?
[45:07] Niemand muss versuchen, das allein zu bewältigen. Es gibt spezialisierte Beratungsstellen
[45:11] für Angehörige und Aussteigerprogramme.
[45:14] Und zuletzt müssen wir uns in Geduld üben. Menschen steigen nicht linear ein
[45:19] und sie steigen auch nicht linear aus.
[45:21] Phasen von Rückzug, Zweifel und erneuter Annäherung sind normal.
[45:26] Das Umfeld kann diesen Prozess nicht steuern, aber verhindern,
[45:29] dass alle Türen zufallen. Und das ist, glaube ich, die wichtigste Botschaft.
[45:34] Falls ihr Beratungsbedarf habt, in den Shownotes findet ihr einen Link zum Online-Portal
[45:38] der Radikalisierungsprävention der BBP.
[45:42] Zu Hause absoluter Terror. Mit meinem Vater ist, sobald ich auf ihn treffe,
[45:48] Dritter Weltkrieg, wir brauchen keine zehn Sätze, um auszurasten.
[45:52] Meine Schwester ist zu Hause geflüchtet in Teilen, weil ich zu Hause so unangenehm
[45:57] war, weil sie in großen Teilen auch auf mich geguckt hat und gesagt hat,
[46:00] das will sie sich für ihr Leben nicht antun.
[46:03] Meine Mutter versucht auch biegen und brechen, diese Familie zusammenzuhalten, maßlos überfordert.
[46:08] Ich habe die ersten Gewalttaten an der Schule, ich habe meine ersten Anzeigen,
[46:12] also wir machen einen sehr großen Sprung, aber wir reden über eine absolute
[46:15] Überforderung meiner Eltern zu Hause und ich gehe völlig verloren.
[46:21] Ich fange noch an, mich beim Fußball zu prügeln, fange an, zum VfB Lübeck zu
[46:25] gehen, ich fahre zum HSV auswärts, Ich trete in die NPD ein,
[46:31] bevor das mit 19 alles kommt.
[46:33] Also hier schlägt alles auf diese Familie ein. Krass.
[46:38] Ja, du hast es gerade gesagt, du trittst in Parteien ein, die jungen Nationaldemokraten.
[46:42] Du gründest in Wismar, glaube ich, die Kameradschaft Wehrwolf.
[46:46] Wie müssen wir uns das vorstellen? Also wie viele seid ihr? Was habt ihr gemacht
[46:50] bei der Kameradschaft Wehrwolf?
[46:52] Ja, wie gesagt, da ist ein großer Sprung von fast acht Jahren so ungefähr.
[46:57] Ich habe dann irgendwann beschlossen, aus Lübeck wegzuziehen mit meiner damaligen
[47:01] Lebensgefährtin, die selber Neonazi war.
[47:04] Ja, und eine Kameradschaft ist ja ein Zusammenschluss hauptsächlich von Männern
[47:07] mit den gleichen Feindbildern, politisch geprägt im Rechtsextremismus.
[47:12] Ich hatte mal das Gefühl, als wenn Kameradschaften weg waren.
[47:15] Ich weiß nicht, wie dein Gefühl ist, aber wenig mal gehört so. Ja, stimmt.
[47:20] Ja, also so ist mein Gefühl. Und dann kam das auch wieder auf durch Berichte
[47:24] von Spiegel TV und sonst irgendwas, Elbland-Revolte und so weiter.
[47:28] Das Kameradschaft, da sehen wir wieder Kameradschaftsgründung.
[47:30] Eine Kameradschaft ist im Endeffekt das Ziel, einem politisch Gleichgesinnte
[47:34] zu vereinen, vielleicht auch einen Ort zu schaffen, politische Ziele durchzusetzen, regional.
[47:40] Sich aber bundesweit oder europa-weltweit zu vernetzen, um dort Strukturen zu
[47:45] schaffen, Dinge zu organisieren, politische Veranstaltungen,
[47:49] politische Fortbildungen.
[47:50] Aber auch natürlich im Freizeitbereich Dinge wie Konzerte, Liederabende, Events und so weiter.
[47:56] Und ja, habe dann in Wismar dann sozusagen dann mit 22, 23 meine erste eigene
[48:02] Kameradschaft gegründet, die ich dann über viele Jahre geführt habe.
[48:05] Aber da geht es ja nicht nur darum, nette Liederabende zu organisieren,
[48:09] sondern ihr habt ja auch andere Sachen wahrscheinlich geplant und organisiert,
[48:11] wenn ich das so mit anderen Kameradschaften vergleiche, über die ich weiß.
[48:15] Ja, also man muss das schon sagen, dass wir auch sehr schnell,
[48:21] sehr schnell eigentlich nur als gewalttätige Gruppe unterwegs waren.
[48:24] Ja, wir haben versucht wirklich mit diesen knapp 20, die wir dann irgendwann
[48:29] waren, wirklich die ganze Stadt zu terrorisieren, was leider in Großteilen geschafft hat.
[48:34] Ja, man stellt sich das so vor, man braucht gar nicht so viele Leute,
[48:37] um eine Kleinstadt zu terrorisieren.
[48:40] Da Angst zu machen, man kann sich das vorstellen, wenn die Straßen gegangen
[48:42] sind, alle mit den gleichen T-Shirts, gleichen Jacken, Paronen,
[48:45] alle kahlgeschoren, alle hypermännlich, sehr körperlich dominant.
[48:49] Haben wir wirklich da über viele Jahre das Stadtbild geprägt und im Negativen
[48:54] beeinflusst. Und auch Gewalt ausgeübt, ne?
[48:57] Also was waren so eure Opfer? Auf wen habt ihr euch da gestürzt?
[49:01] Linke wahrscheinlich? Weißt du, das hat eigentlich gereicht,
[49:05] dass man, so hart es mal klingt, zur falschen Zeit am falschen Ort ist.
[49:10] Die Hochschule Wismar hatte damals sogar gewarnt, auf mehreren Sprachen,
[49:14] dass die Studenten nicht in den Stadtteil gehen sollten und so weiter.
[49:17] Dass dort wir aktiv sind, dass es dort Menschen treffen könnte,
[49:20] die optisch nicht in unser Weltbild passen.
[49:23] Also dann ist es dort auch immer wieder zu, wenn es angefangen hat von rassistischen
[49:28] Beleidigungen, Angriffe gegenüber Linken, einfach die Standardprovokation,
[49:33] dass es zur Gewalt kommt und es ist natürlich auch massiv zu körperlichen Übergriffen gekommen.
[49:38] Das ist, alles andere wäre gelogen. Also wenn ich mir jetzt so vorstelle,
[49:42] ich wäre damals hier mit diesem, siehst
[49:43] du jetzt hier mit diesem schönen Regenbogen-Armbändchen rumgelaufen.
[49:46] Ja, das Minimum, was passiert wäre, wäre natürlich eine Beleidigung.
[49:51] Also man muss sich das nicht so vorstellen, dass jeder, der vorbeigeht,
[49:55] wird da zusammengemöbelt, dann wäre die Komma-Reischaft.
[49:57] Aber es wäre natürlich schon, wir hätten mit drei, vier Mann draußen gestanden
[50:01] und hätten das gesehen, wäre natürlich Beleidigung gekommen.
[50:04] Und dann wartet man ja nur auf die Reaktion, dann hätten wir nur darauf gewartet,
[50:07] dass Philipp irgendwie sagt, ja, hat's Maul, die scheiß Nazis oder sowas.
[50:11] Ja, und dann wäre es wahrscheinlich körperlich geworden.
[50:13] Aber mit Sicherheit wäre das schon ein Trigger gewesen, um auszurasten. Krass.
[50:19] Es gibt ein Bild von dir, ich glaube, da bist du so 20 und hast so eine Kalaschnikow in der Hand.
[50:25] Was gibt dir das damals mit so einer Waffe da zu stehen?
[50:29] Militarismus und Waffen und Rechtsextremismus gehen Hand in Hand.
[50:32] Das ist einfach historisch gesehen im Blick auf Wehrmacht, Waffen-SS,
[50:37] Reichswehr und all diese Dinge eine Faszination für Militär, für Waffen.
[50:42] Und für mich gehörte das natürlich dazu, es war die Steigerung von diesem,
[50:47] wie du es auch genannt hast, dieses hypermännliche und dann ja,
[50:51] wie krass kann man werden dann ein bisschen, dass man sich eine Maschinenpistole
[50:55] besorgt oder ein Stromgewehr.
[50:59] Und deswegen war das für mich natürlich schon ein unglaublich großer Schritt
[51:02] und ja, war eigentlich war die logische Konsequenz von dem Weg,
[51:07] wozu ich mich entschieden habe, als Extremist unterwegs zu sein,
[51:10] um irgendwann auch mit Waffengewalt dieses Land zu übernehmen ja,
[51:13] das ich war kein Vertreter mehr davon,
[51:16] in meinen 20 Jahren war ich kein Vertreter davon, dieses Land über Demokratie
[51:19] zu übernehmen ich war ein Vertreter des sogenannten Tag X an einem unbekannten
[51:24] Tag mit Waffengewalt dieses Land zu stürzen.
[51:27] Solche Leute gibt es leider heute noch, muss man sagen und das nicht zu wenige.
[51:32] In der Presse wurde damals, glaube ich, über dich geschrieben,
[51:34] ja einer der gefährlichsten Rechtsextremisten der Republik.
[51:38] Wie ist das, das über sich selbst zu lesen? Ja, ich kann da heute drauf gucken
[51:43] und sagen, ja, war vielleicht so.
[51:49] Ich habe manchmal das Gefühl, weißt du, wenn du das jetzt so erwähnst,
[51:52] weiß ich, ich bin gemeint, aber ich gucke da fast drauf, als wenn das eine fremde
[51:55] Person ist, über die wir dann so sprechen.
[51:56] Wenn ich da jetzt so ein Bild sehen würde und diesen Zeitungsartikel würde ich
[51:59] sagen, das war mit Sicherheit so, das war auch nicht untertrieben und bei mir
[52:03] hat eigentlich manchmal nur ein Funken gefehlt oder die Situation,
[52:08] dass es vielleicht auch zu schlimmeren Dingen gekommen wäre,
[52:10] auch vielleicht zu solchen Dingen wie einem Attentat oder sowas und bin ich
[52:13] dankbar dafür, dass es nicht passiert ist.
[52:15] Aber es ist erschreckend von einem selber, das zu hören.
[52:18] Gerade weil es so konträr läuft mit dem Leben, das ich heute lebe.
[52:22] Man darf ja nicht vergessen, mit dem, was ich heute tun darf.
[52:25] Und dass es diese Dinge dann noch gibt.
[52:28] Ich wollte gerade sagen, es ist ja schön, dass du mich daran erinnerst,
[52:31] aber das ist es eigentlich nicht. Es ist aber wichtig, dass ich das auch immer
[52:33] wieder mal höre. Das war so.
[52:36] Aber fandst du das denn damals, als der Artikel rauskam, war das was,
[52:39] was dich stolz gemacht hat? Ja, na klar.
[52:42] Ich gehe da sowieso auch immer mit einem Zwiespalt ran, genauso wie True Crime
[52:48] präsentiert wird, wo ich mir dann sage, okay, da kann man schon bei einigen
[52:52] Formaten drüber sprechen, was ist das jetzt hier.
[52:54] Absolut. Genauso war das bei uns.
[52:58] Ich habe ganz groß das mal kritisiert, auch Stern TV mit Familie Ritter.
[53:03] War das noch Journalismus oder war das Voyeurismus?
[53:07] Wir saßen davor, wenn ich Fernsehartikel hatte und so ein Artikel rauskomme,
[53:11] die wurden ausgeschnitten, Die wurden ins Clubhaus gehangen und guck mal,
[53:13] wie wichtig wir sind. Scheiß auf die Presse, scheiß auf die und so weiter.
[53:16] Das hatte fast manchmal noch mit einer Art Motor zu tun.
[53:20] Also ja, wir werden jetzt hier gesehen. Man ist wichtig. Es gibt Aufmerksamkeit bundesweit.
[53:27] Ich glaube, das ist einige Extremisten, die auch heute noch aktiv sind,
[53:30] egal ob politisch oder religiös, die da teilweise nachlechzen.
[53:34] Der Skandal kann nicht groß genug sein. Und hauptsache springt jemand drauf
[53:37] an. Ja, das ist eine ganz große Verantwortung, die du als Journalist,
[53:41] Journalistin hast, auch gerade im True Crime Bereich, der man sich immer bewusst sein sollte.
[53:46] Bei dir geht es ja jetzt so weiter, dass du einen Rockerclub gründest,
[53:49] die schwarze Schar und wenn man jetzt ein bisschen was über Rockerclubs weiß,
[53:54] dann ist es ja, dass die sich jetzt nicht nur zum Motorradfahren treffen,
[53:58] sondern dass sie auch Business machen.
[54:00] Was ist denn euer Business? Also es gibt Leute da draußen, die es behaupten,
[54:03] das ist alles halb so schlimm.
[54:04] Das muss ich aber leider mit einem süffisanten Lächeln hier gerade weglächeln,
[54:09] weil hier wird sich zusammengetan unter dem Deckmantel, wir fahren Motorrad
[54:14] und sind ein bisschen Outlaws, also außerhalb der Gesellschaft,
[54:18] wollen wir ja nur ein bisschen Motorrad fahren und nicht bürgerlich sein.
[54:23] Das sind in Großteilen kriminelle Vereinigungen, die sich zusammenschließen
[54:28] mit einem Gebietsanspruch. auch meine Stadt, meine Regeln, mein Business.
[54:32] Das sind nicht alle, ich will nicht alle über einen Kamm scheren,
[54:35] nicht alle Bandidos, nicht alle Hells Angels, nicht alle Outlaws,
[54:38] ja, sind das, aber die Strukturen sind da.
[54:42] Und dass da Geschäfte gemacht werden, und das war bei uns auch so,
[54:45] es war ein Zusammenschluss, wir wurden als kriminelle Vereinigung gesehen, und das waren wir auch.
[54:49] Unser Leben drehte sich um Kriminalität. Wie finanzieren wir unser Leben mit
[54:55] möglichst wenig Aufwand in der Kriminalität?
[54:57] Mit möglichst großem Nutzen. Und was war euer Business?
[55:01] Eigentlich war es die Multikriminalität, Kriminalität, Leute,
[55:04] die sich irgendwann in die Kriminalität bewegen, die machen nachher Business
[55:06] mit allem, wenn die nur was hören, hier kann man zehn Blanko-Fahrzeugbriefe
[55:11] kriegen, dann nehmen sie die auch für kleinen Taler,
[55:14] aber das Hauptgeschäft sollte es sein, dass ich mein Geld verdiente im Rotlichtmilieu,
[55:19] beziehungsweise dann auch hauptsächlich im Drogenhandel und damit einer Marihuana-Plantage,
[55:24] beziehungsweise im Kokainhandel. Ah, okay.
[55:27] Du hast, glaube ich, im Interview mal gesagt, du warst zu dem Zeitpunkt bereit zu töten, ne?
[55:32] Ja, ich habe auch diese Gruppen, beweihräuchern sich ja selber,
[55:38] wir sind Brüder, one brother,
[55:41] one army, one lava lava, one one one und da hat man sich auch beweihräuchern
[55:45] und hat gesagt, na klar, den steche ich ab für dich, gehe ich fünf Jahre,
[55:49] acht Jahre, zehn Jahre in den Knast, überhaupt kein Thema.
[55:51] Ich habe da, glaube ich, dran geglaubt. Aber hast du es gesagt,
[55:54] weil du dachtest, es wird von dir erwartet oder weil es dazugehört oder hättest du es wirklich?
[55:58] Ich glaube, ich war zu dem Zeitpunkt überzeugt.
[56:02] Ja, krass. Überzeugt. Für dich, für dich tue ich das.
[56:05] Umso, ich muss gerade auch an die Person denken, über die wir am Anfang gesprochen
[56:09] haben, bei diesem einen Moment, wo drei Monate vor diesem Streit hätte ich noch
[56:13] zu ihm gesagt, ich schmeiße mir eine Kugel für ihn.
[56:16] Krass. Und drei Monate später stehen wir am Club aus uns gegenüber,
[56:19] wollen uns an die Gurgel und alles bricht zusammen.
[56:23] Hat es damals Situationen gegeben, wo es knapp war, wo du heute dankbar dafür
[56:27] bist, dass du nicht getötet hast, wo es hätte passieren können?
[56:31] Ich hätte, es gab mehrere Situationen, wo ich froh bin, dass nicht jemand liegen geblieben ist.
[56:35] So hart das klingt, wenn ich das so direkt sage. Ich habe in meinem Haus,
[56:39] als ich mal überfallen worden bin, mit scharfen Waffen auf die Geschossen,
[56:42] wir haben mit Messern rumhantiert, ich habe auf Leute eingeschlagen,
[56:45] um die Grenze zu überschreiten.
[56:48] Ich habe da keinen Mensch mehr gesehen, ich habe da nur noch ein Stück Fleisch
[56:51] gesehen, auf das ich einschlage.
[56:53] Gott sei Dank ist es nicht dazu gekommen.
[56:56] Aber das mit Glück. Und Glück kann man nicht raus provozieren, das weißt du selber.
[57:00] Und das ist Glück, das kann ich nur jedem mitgeben nur weil es bei mir gut gegangen
[57:05] ist, dass ich nachher nicht ein Mörder geworden bin, heißt nur lange nicht es geht bei euch gut, also.
[57:11] Da bin ich einfach sehr dankbar für mich, auch selber dankbar dafür,
[57:13] dass ich selber nicht drauf gegangen bin,
[57:15] ich wurde zweimal niedergestochen schon einmal in jungen Jahren ich bin selber
[57:20] da an diese Schießerei gekommen, ich wurde zu Hause da überfallen wir waren
[57:22] in Situationen drin, wo wir mit Waffen losgingen und wir uns mit absolut radikalen,
[57:27] mafiösen Strukturen angelegt haben und sonst irgendwas.
[57:29] Ich bin auch selber vorsichtig liegen geblieben.
[57:32] Du bist ja Boss sozusagen von dieser Gang und da verdient man ja doch ein bisschen
[57:38] Geld mit diesen kriminellen Aktivitäten.
[57:41] Was machst du denn mit der ganzen Kohle? Hast du ein richtig geiles Leben damals?
[57:45] Das Problem ist, beim schnellen Geld, weißt du, was damit passiert? Ja.
[57:49] Das ist ja meistens schwarzes Geld, das muss man ja erstmal irgendwie,
[57:52] also man kann es ja nicht zu Hause nur gucken. Das ist ein viel größeres Problem beim schnellen Geld.
[57:56] Das ist schnell wieder weg. Das fliegt schnell wieder weg. Ja,
[57:59] okay. Das ist ein eisernes Prinzip.
[58:01] Du wirst das sehen, wenn du das Leute fragst, die mal in der Kriminalität waren,
[58:04] die werden dir das wie aus der Pistole antworten.
[58:07] Dein Lebensstil wird dementsprechend mit teuer und exklusiver.
[58:10] Ich habe selber angefangen, Drogen zu konsumieren. Das war jetzt aber nicht
[58:13] das Problem mit dem Geld. Das war verfügbar.
[58:16] Ich habe sehr viel Geld rausgeschleudert in der Spielsucht.
[58:21] Habe mit Sicherheit einen Porsche durch die Nase gezogen und einen Porsche habe
[58:24] ich in den Automaten gesteckt.
[58:26] Du Scheiße. Ja, hätte ich auch beide gerne. Habe ich heute nicht mal Maßstab
[58:29] 1 zu 48 oder so. Aber gut, ist halt so. Und ...
[58:34] Ja, das Schwarzgeld sauber zu kriegen, ist nicht so das Problem.
[58:38] Also da redest du schon über Summen nachher, wenn du vielleicht im hohen Millionenbereich
[58:42] bist, vielleicht wird es vielleicht problematisch, aber auch für alles gibt es eine Lösung.
[58:47] Sondern dieser ganze Lebensstil war nachher so aufgebaut auf mehr,
[58:51] mehr, mehr, mehr Gierfristieren.
[58:53] Es hat nicht gereicht, wenn du das im Monat hast, da muss man sich vielleicht
[58:57] vorstellen, da guckst du eine Folge bei dir und sagst, geil,
[58:59] eine Million Zuhörer, aber warum habe ich nicht 1,2 Millionen? Ja, stimmt.
[59:04] Das ist einfach so ein Mechanismus, man wird nie satt in der Kriminalität.
[59:07] Es ist eine unglaubliche Sucht nach dem Geld, aber auch eine unglaubliche Sucht nach der Macht.
[59:13] Ich glaube sogar, das sind Teilen, die Sucht nach Macht größer war in mir als die Sucht nach Geld.
[59:17] Das fängt ja irgendwann an zu bröckeln. Du bist da ganz oben jetzt angekommen,
[59:21] also aus krimineller Sicht natürlich, aber dir selber geht es nicht mehr gut damit.
[59:25] Vielleicht kannst du das mal beschreiben, wie es da in dir drin aussieht.
[59:29] Ja, das ist so, was ist, wenn man auf einmal seine Ziele erreicht.
[59:35] Erfüllen die das Glück, was du dir vorgestellt hast, wenn du dieses Ziel erreichst.
[59:40] Und das kann konträr laufen.
[59:43] Wir hatten auf einmal diesen Club. Es wurde Geld verdient.
[59:46] Ich hatte das Geld, ich hatte Immobilien, Autos, Motorräder, die Gruppe.
[59:52] Wenn ich gekommen bin, haben die Leute Angst gehabt und sonst irgendwas.
[59:54] Aber es hat zu meinem persönlichen Glück nichts beigetragen,
[59:58] sondern die Situation wurde eher schlecht.
[1:00:03] Dass die Dinge, die da waren, habe ich dann irgendwann gemerkt,
[1:00:06] habe ich auch zu einem gewissen Preis geopfert.
[1:00:09] Also guck mal, ich habe in meinem Leben über 25 Hausdurchsuchungen gehabt.
[1:00:12] Ich weiß nicht, ob du dir das vorstellen kannst, was das bedeutet.
[1:00:14] Du hast ja auch schon mit einigen Kriminellen zu tun gehabt,
[1:00:17] beruflich, was das bedeutet. Ich hatte massiven Polizeidruck, 20 Jahre lang.
[1:00:23] Medien, morgens los, vor Gericht.
[1:00:27] Und das, was es mir gebracht hat, war bei einem gewissen Zeitpunkt,
[1:00:32] als ich gedacht habe, das ist es vielleicht nicht wert.
[1:00:34] Hast du denn zwischendurch viel im Knast gesessen?
[1:00:37] Nein, erstaunlicherweise bin ich jemand, ich hatte 16 Jahre lang Bewährung.
[1:00:43] Ich bin wirklich lange, lange der Justiz durch die Finger geglitten. Sehr, sehr lange.
[1:00:50] Glaubst du, wenn du mal richtig in den Knast gekommen wärst,
[1:00:53] dass das was geändert hätte? Weil ja oft immer gesagt wird, hier härtere Strafen
[1:00:56] und keine Bewährung und ab hinter Gittern und dann ist alles fein.
[1:00:59] Ja, Gott sei Dank heißt ein Podcast nicht hätte, hätte Fahrradkette,
[1:01:03] weil ich weiß es nicht. Das ist natürlich ein schöner Gedanke.
[1:01:08] In jungen Jahren mal so ein Dämpfer, hier so ein Schuss vor einen Bug oder einen
[1:01:12] Treffer aufs Deck und jetzt mal sechs Monate.
[1:01:15] Das kann es aber auch verschlimmern. Je nachdem, in welchen Knast man kommt,
[1:01:18] wer arbeitet mit dir, was lernt man da, welche eigenen kognitiven Fähigkeiten
[1:01:23] hat jemand, um das zu verarbeiten.
[1:01:25] Deswegen, ich weiß es nicht. Ich glaube trotzdem, und das ist ein bisschen doppelmoralisch
[1:01:29] von mir, mein Lieber, bin ich heute ein Vertreter davon, ich hätte härter bestraft werden müssen.
[1:01:34] Das ist jetzt leicht für mich zu behaupten, weil es mich jetzt nicht mehr betrifft.
[1:01:38] Aber das ist, glaube ich, eine Erkenntnis aus den Dingen, ich bin viel zu lange
[1:01:43] mit Samthandschuhen angefasst worden in jungen Jahren.
[1:01:46] Und ich bin viel zu lange mit den Dingen durchgekommen.
[1:01:49] Aber das ist ja auch eine interessante Erkenntnis. Und deswegen frage ich dich
[1:01:52] es ja auch, auch weil du ja das aus einer ganz anderen Sicht beurteilen kannst,
[1:01:55] als ich das jetzt zum Beispiel vielleicht sehen würde.
[1:01:58] Du hast jetzt diese ganzen Zweifel an dir selbst und das macht sich ja dann
[1:02:03] auch körperlich irgendwann bemerkbar.
[1:02:07] Ja, manchmal ist es dann so, dass als erstes mein Körper gestreikt hat.
[1:02:12] Ich habe aufgrund des aus meiner Sicht starken psychischen Drucks,
[1:02:17] auch dass ich wieder Angst hatte, zu Hause überfallen zu werden,
[1:02:20] wenn ich rausgegangen bin, dass ich mir Waffen eingesteckt habe,
[1:02:23] dass ich mich dauerverfolgt gefühlt habe.
[1:02:25] Ich habe am Handy nicht mehr gesprochen, habe im Clubhaus, dass ich den eigenen
[1:02:27] Leuten nicht mehr vertraut habe. Ich dachte, die Bullen.
[1:02:29] Und da hat mein Körper angefangen zu streiken. Das Erste, was ich bekomme, war Schlafstörungen.
[1:02:35] Die Zuhörer, die das von dir hören und das kennen, wissen, wie scheiße das sein
[1:02:38] kann. Man kann einfach nicht mehr schlafen.
[1:02:40] Der Kopf macht einfach irrt nicht auf. Ich habe dann dazu schwere Migräne bekommen
[1:02:44] auf einmal, so Rockerboss mit Mitte 30.
[1:02:47] Ich bin dann wirklich von Arzt zu Arzt gegangen und habe mich untersuchen lassen.
[1:02:50] Ich habe gedacht, ich habe eine schwere Krankheit oder so. Ich habe gedacht, ich bin schwer krank.
[1:02:54] Bis dann wirklich ein Arzt zu mir gesagt hat, das ist die Psychierschlafferei.
[1:02:58] Sie sind körperlich grundsätzlich gesund.
[1:03:01] Das ist das Leben, das sie leben, das sie tötet.
[1:03:04] Und das war im Endeffekt der erste Gedanke, erst mal ganz zart in mir,
[1:03:10] hier stimmt was nicht mehr.
[1:03:13] Aber kannst du damals, du hast gesagt, Rockerboss Mitte 30 mit Migräne,
[1:03:17] kannst du mit irgendwem darüber reden?
[1:03:19] Ja, guck mal, mein Leben war ja dauerhaft auf Stärke aufgebaut.
[1:03:23] Und das tun ja einige auch. Das hat ja gar nicht so viel mit Kriminalität zu tun.
[1:03:27] Und dann erwartet die Community was. Dein Umfeld erwartet, was die Firma erwartet.
[1:03:32] Etwas. Und das war bei mir nicht anders.
[1:03:35] Aber bei mir war das auch noch so, ich habe natürlich auch diese große,
[1:03:38] starke Person nach außen gegeben.
[1:03:40] Alles war aufgebaut auf Stärke.
[1:03:43] Und wem soll ich mich jetzt offenbaren? Meine damalige Lebensgefährtin,
[1:03:47] die hat mich kennengelernt als Rockerboss.
[1:03:48] Nicht mal zu der konnte ich ja gehen und sagen, weißt du was,
[1:03:51] ich glaube, hier stimmt was nicht.
[1:03:53] Wenn ich das zu meinen Jungs im Club gesagt hätte, ja, die hätten gedacht,
[1:03:56] okay, wenn die Bullen ihn jetzt cashen, in so einer Phase, wer weiß, was der auspackt.
[1:04:01] Und ich war einfach platt, ich war kaputt, aber ich hatte ja niemanden zum drüber sprechen.
[1:04:06] Deswegen, ich kann es immer wieder sagen, Leute, achtet in eurem Leben darauf,
[1:04:11] dass ihr irgendjemanden habt, der euch so nimmt, wie ihr seid.
[1:04:13] Wo ihr keine Rolle spielen müsst, wo ihr nicht die harte Managerin sein müsst
[1:04:17] oder der harte Bauarbeiter von nebenan.
[1:04:21] Habt irgendjemanden in eurem Leben, der euch so nimmt, wie ihr seid.
[1:04:22] Und das hatte ich nicht. Und deswegen hatte ich auch das Gefühl,
[1:04:25] ich muss das hier alleine schaffen.
[1:04:26] Aber so war ich sowieso geprägt von meinen Eltern aus. Also Philipp, stell dich nicht so an.
[1:04:31] Ja, jetzt steh mal auf, sei hart, funktioniert es mal. Zwölf Stunden Arbeitstag ist doch gar nichts.
[1:04:36] Guck mal, wir haben nach dem Krieg, ich habe jeden Tag 25 Stunden gearbeitet.
[1:04:41] Ja, ich weiß genau, was du meinst. Ja, und das war so tief drin und deswegen
[1:04:45] hat der Körper wahrscheinlich da erst einen vorgeschoben, um zu sagen,
[1:04:48] pass auf, wenn du das so nicht verstehst, dann müssen wir es über den Körper machen.
[1:04:53] Wenn du es einfach aus kognitiver Kraft nicht schaffst, das zu verstehen,
[1:04:58] und dann wurde ich halt so krank.
[1:05:00] Der Körper sagt uns schon was. Wir müssen nur dann drauf hören.
[1:05:03] Also die Erfahrung habe ich auch gemacht.
[1:05:05] Glaubst du denn, dass das nur was mit dem Druck und mit dem Lifestyle zu tun
[1:05:09] hat oder hat das vielleicht auch was mit den Taten zu tun, die du da begangen hast?
[1:05:13] Also zu dem Zeitpunkt war es dir wahrscheinlich egal, aber vielleicht arbeitest
[1:05:15] du ja unter Bewusstsein schon.
[1:05:17] Ja, da könnte ich mich wahrscheinlich bei dir und deiner Community einspeicheln
[1:05:20] und sagen, ja, ich habe auf einmal empathische Gefühle gehabt für meine Opfer, aber das wäre gelogen.
[1:05:24] Da bin ich mir sehr sicher, das wäre gelogen, weil zu diesem Zeitpunkt war ich nur bei mir.
[1:05:28] Ich habe gerade Migräne. Ich habe gerade, Schlafstörungen, ich,
[1:05:33] ich, ich, die Reflexion auf andere, die kam später.
[1:05:36] Ich glaube, da war ich ganz doll das erste Mal nur bei mir.
[1:05:40] Mir geht es schlecht, mein Körper ist kaputt, mein Leben ist kacke,
[1:05:43] da war ich, glaube ich, nur bei mir.
[1:05:45] Da haben andere noch gar keine Rolle gespielt, glaube ich. Und dann gärt das
[1:05:49] jetzt so ein bisschen in dir und brodelt, aber ich meine, ein wirklicher,
[1:05:53] Ausstieg ist ja eigentlich auch keine Option, weil es gibt ja gar kein geregeltes
[1:05:58] Leben, in das du gehen könntest zu dem Zeitpunkt. Naja, und.
[1:06:02] Du darfst nicht vergessen, besonders Extremisten oder so Menschen in der organisierten
[1:06:07] Kriminalität, die haben nur dieses Leben.
[1:06:09] Ich würde dir und deiner Community unterstellen, du hast halt Dinge neben diesen Podcasts.
[1:06:14] Du hast vielleicht Familie, liebe Menschen um dich herum, du hast ein Hobby,
[1:06:18] du hast vielleicht, das werden ganz viele haben, aber Extremisten oder die haben
[1:06:22] oftmals nur dieses eine Leben, worüber sie sich definieren.
[1:06:26] Die sind, auch wenn sie in einem Sportverein sind und dann ist es wahrscheinlich
[1:06:29] auch ein sehr hypermännlicher Sport, die sind immer in diesem Leben.
[1:06:35] Und deswegen war es mir klar, wenn ich hier was verändere und ich gehe hier
[1:06:39] raus, dann bricht alles zusammen.
[1:06:42] Ich habe nicht eine Gruppe, wo ich hingehen kann und sagen kann,
[1:06:46] oh Mensch, ich muss jetzt mehr Zeit mit euch verbringen, können wir uns nicht
[1:06:49] lieber dreimal die Woche zum Kegeln treffen, zum Fußball oder sonst irgendwas.
[1:06:55] Und Leute außerhalb dieser Bubble, die mich empowern und sagen,
[1:06:58] ja, zieh das durch, wir sind an deiner Seite und so weiter. Das hatte ich alles nicht.
[1:07:01] Deswegen war das umso schwieriger. Und deswegen habe ich mich diesen Schritt
[1:07:04] auch selber irgendwie nicht so richtig, habe ich den nicht selber so richtig gewagt.
[1:07:07] Aber dann kommt ja eben doch dieser Moment, über den wir ganz am Anfang schon
[1:07:10] gesprochen haben, wo du dich dann offenbarst.
[1:07:13] Und dem Ganzen geht ja ein Streit voraus, hast du eben erzählt.
[1:07:17] Genau, aber ich würde behaupten, Ich würde behaupten, dass es trotzdem da noch
[1:07:23] nicht so aus voller Überzeugung war.
[1:07:25] Weißt du, das wäre jetzt so, da war das ja noch nicht in meinem Kopf so gereift,
[1:07:28] ja jetzt ziehe ich das durch, sage ich und geil, jetzt starte ich neu.
[1:07:31] Sondern das war aus diesem Affekt heraus und dann in diesem Clubhaus,
[1:07:36] Alkohol, Drogen, Gruppe.
[1:07:40] Aber der Moment war halt dann da. Du hast es ausgesprochen, ne?
[1:07:43] Genau, aber es war halt nicht, die Tragweite, das komplette Bewusstsein dazu,
[1:07:49] das war natürlich nicht da.
[1:07:50] Das schlug, die Bombe schlug viel, viel später ein. Ja, aber es ist ja schon
[1:07:55] so, dass es dann doch kein Zurück mehr gibt ab dem Moment, wo du es ausgesprochen
[1:07:59] hast. Wie ist es dann weitergegangen?
[1:08:01] Also man kann das gesprochene Wort genauso nicht zurückstopfen wie eine abgefeuerte
[1:08:05] Kugel, die kann man nicht zurück in den Lauf stoppen.
[1:08:07] Das ist gesagt. Wir alle sagen manchmal Dinge, die wir nicht sagen wollen,
[1:08:10] sagen danach, Entschuldigung, meinte ich nicht so. Gesagt ist es.
[1:08:13] Ja, stimmt. Es ist dann schwer manchmal zu sagen, ja, okay, vergesse ich.
[1:08:18] Das war schon ein heftiger Moment, als ich es dann gesagt habe.
[1:08:21] Aber es kam dann, glaube ich, auch sehr schnell die Erkenntnis bei mir,
[1:08:23] Gott sei Dank ist es raus. Gut, dann ist es raus.
[1:08:26] Wie ist dein Leben denn danach? Du hast jetzt sozusagen hingeschmissen,
[1:08:29] du hast gesagt, ich habe keinen Bock mehr. Aber du hast ja gar nichts anderes eigentlich.
[1:08:33] Ja, was passiert dann? Was passiert dann? Du wirst innerhalb von wenigen Stunden,
[1:08:38] wirst du für viele deiner sogenannten Brüder, wirst du zum Verräter.
[1:08:45] Auch wenn du noch gar keinen Verrat begangen hast. Du hast ja noch mit niemandem
[1:08:48] geredet, du hast ja nichts ausgepackt bei der Polizei oder so,
[1:08:51] sondern du hast nur gesagt... Ja, aber Verrat hat nicht nur damit was zu tun,
[1:08:53] sondern das ist ein gefühlter Verrat an der Kutte, an der Sache, an den Zeichen.
[1:08:59] Nur durch den Ausstieg alleine, dass du sagst, dieses Leben und diese Farben
[1:09:02] und das, was du angeblich in den letzten Jahren dir jetzt tätowieren lassen
[1:09:05] und dann gelebt hast und so weiter, schmeißt du den Leuten vor die Füße und
[1:09:08] sagst, du kannst und willst nicht mehr.
[1:09:09] Das ist schon der Verrat für die, die die am meisten trifft.
[1:09:12] Hattest du Angst, dass dir was passiert? Ja, alles andere wäre gelogen. Also ich hatte...
[1:09:18] Angst, ich hatte in Teilen damit gerechnet, aber es war sehr schnell,
[1:09:24] da war die Polizei im Spiel, die dann auch zu mir gekommen ist und hat gesagt,
[1:09:26] pass auf, hier gibt es eine Gefährdungslage.
[1:09:29] Weder sie noch die andere Seite soll hier sich zu irgendwelchen Dingen hinreißen
[1:09:32] lassen, da wussten wir, wir sind im Visier der Polizei schon.
[1:09:35] Das kann man ganz schwer beschreiben, wie das auf einmal ist,
[1:09:38] wenn über Nacht und binnen weniger Tage die Leute, die du mal sehr gemocht hast,
[1:09:43] in Teilen sogar sehr lieb hattest.
[1:09:45] Wenn die innerhalb kürzester Zeit sich gegen dich stellen und zu deinem Feind
[1:09:49] werden, das macht was mit dir.
[1:09:53] Dann bricht auf einmal ja alle Werte, alle moralischen Themen,
[1:09:59] die du in dir hattest, brechen ja auf einmal in dir zusammen.
[1:10:02] War das alles gespielt? wir haben hier 10, 15 Jahre verbracht und über Nacht
[1:10:06] wegen Geld und Gruppe und so weiter, stellen sich Leute gegen ein.
[1:10:09] Dann wurden das meine Feinde auf einmal und einige sind nicht mehr zu erreichen,
[1:10:15] melden sich nicht mehr, mit denen du noch vor zwei Tagen auf Bruderschaft getrunken hast.
[1:10:19] Und das ist natürlich irgendwie, das macht ungemein, das ist ein unglaublich
[1:10:24] tiefer Fall, stark mit Depressionen verbunden, mit einem unglaublichen Leib
[1:10:30] und vielleicht mit der ersten Selbsterkenntnis auch.
[1:10:33] Und scheiße, was für ein Leben habe ich gelebt? Ich hätte was für Menschen mich umgeben.
[1:10:38] Also erst mal eine sehr, heute weißt du, dass es wahrscheinlich eine depressive
[1:10:42] Phase war. Damals weißt du es noch nicht.
[1:10:44] Du liegst viel auf dem Sofa rum und dir geht es richtig, richtig schlecht.
[1:10:48] Und dann so ungefähr ein halbes Jahr, glaube ich, nachdem du ausgestiegen bist,
[1:10:52] wird die schwarze Schar dann verboten.
[1:10:54] 2014 ist das. War ein bisschen anders, ja.
[1:10:57] Ja, der zeitliche Ablauf ist ein bisschen kompliziert. Also wir wurden 2014 verboten.
[1:11:03] Und ein halbes Jahr später nach dem Verbot wurde ich nochmal verhaftet. Ah, super, okay.
[1:11:09] Weißt du noch, wie das war, als du davon erfahren hast, von diesem Verbot?
[1:11:13] Ich muss dabei wieder grinsen, weil natürlich kann ich das nicht vergessen,
[1:11:16] weil morgens bei mir 20 Leute vom SEK eingerückt sind mit einem unglaublichen Aufwand.
[1:11:23] Der THW hatte draußen Scheinwerfer aufgebaut. Die haben mein Tor aufgerammt
[1:11:26] und sind ins Haus gestürmt.
[1:11:28] Und eine unglaubliche Razzia hat stattgefunden. Das weiß ich natürlich noch sehr, sehr genau.
[1:11:33] Ein Rieseneinsatz, meine Autos wurden beschlagnahmt, weil da drin Abhörgeräte verbaut waren.
[1:11:39] Das LKA kam dann irgendwann rein, nachdem das SEK das Haus gesichert hatte.
[1:11:44] Und dann haben die mir die Verbotsverfügung in die Hand gedrückt.
[1:11:47] Und da steht dann drin, weswegen man verboten wurde.
[1:11:50] Dafür muss man einiges tun, um als kriminelle Vereinigung verboten zu werden in diesem Land.
[1:11:54] Da wird dann aufgelistet, welche Straftaten uns unterstellt worden sind und
[1:11:58] so weiter. Und ich erinnere mich noch sehr genau, als sie mir das in die Hand
[1:12:03] gedrückt haben, dass ich einen Mix an Gefühlen hatte.
[1:12:08] Normalerweise wäre die Reaktion ja gegenüber der Polizei gewesen,
[1:12:11] ja scheiß auf euch Bullen, ist so scheißegal, wird uns verbietet,
[1:12:13] wir machen weiter, wir sind Outlaws, wir sind das, wir sind dies und scheiß
[1:12:16] auf euch und die Strukturen.
[1:12:18] Ich meine, das zu erinnern, dass ich in Teilen das als Erlösung empfunden habe.
[1:12:26] Ja, ihr habt das jetzt verboten und das geht mit Erleichterung und Erlösung Hand in Hand.
[1:12:34] Ja, weil du wolltest ja oder warst ja eigentlich schon geistig ausgestiegen.
[1:12:38] Und damit ist dieses Kapitel dann auch offiziell geendet.
[1:12:41] Ja, und damals war es für mich noch der Weg, irgendwie erhobenen Hauptes auszusteigen.
[1:12:46] Das war mir damals noch wichtig, was die Leute von mir denken.
[1:12:48] Weißt du, so, ja okay, der ist ausgestiegen jetzt, weil der verboten worden
[1:12:52] ist und hat sich zurückgezogen. Das war mir damals noch wichtig.
[1:12:55] Sondern ich bin nicht ausgestiegen aufgrund des Streites und so weiter.
[1:12:58] Das wusste ja damals noch keiner extern.
[1:13:00] Das war mir damals noch wichtig. Aber es ist ja nicht nur so,
[1:13:03] dass der ganze Bums da verboten wird, sondern es hat für dich ja auch persönliche Konsequenzen.
[1:13:07] Du kommst nämlich in Knast. Und zwar im Dezember 2014 wirst du verurteilt.
[1:13:11] Zwei Jahre und zehn Monate wegen illegalen Drogenhandels.
[1:13:15] Wie war das für dich, ins Gefängnis zu kommen zu dem Zeitpunkt?
[1:13:19] Naja, war meine zweite Haftzeit.
[1:13:22] Das erste Mal war ich in Untersuchungshaft. Jetzt bin ich rechtskräftig verurteilt
[1:13:25] worden, habe das Urteil auch sehr schnell angenommen vom Landgericht Schwerin.
[1:13:28] Ich muss auch dazu sagen, ich hätte mit Sicherheit über zehn Jahre verdient
[1:13:31] gehabt für meine Straftaten.
[1:13:34] Ja, wie war das? Diesmal komme ich auch nicht als der Rockerboss.
[1:13:37] Also diesmal komme ich schon als Aussteiger, als Verräter an der Sache in den Knast.
[1:13:44] Ich komme trotzdem noch als die Person, die ich bin, in den Knast.
[1:13:46] Also da haben schon einige Leute so gemunkelt, das ist ja jetzt,
[1:13:49] ist er da ausgestiegen und so weiter.
[1:13:51] Ich bin dann trotzdem kein Opfer geworden, weil sie natürlich klar wussten,
[1:13:54] okay, dass es die Strukturen gab ist und das und das hat der gemacht.
[1:13:59] Aber ich bin dann diesmal in den Knast gekommen mit einer gewissen Befreiung von der Psyche her.
[1:14:04] Ich bin zwar im Knast nochmal in eine schwere Depression gefallen,
[1:14:07] habe mich dann auch an den Gefängnispsychologen gewandt und evangelische Pastoren,
[1:14:10] die dort Seelsorge gemacht hat. Und meine Eltern haben das sehr massiv unterstützt
[1:14:13] im Gefängnis, zu denen ich dann zurückgefunden habe.
[1:14:17] Aber das war schon ein anderer Aufenthalt.
[1:14:23] Ich hatte sogar teilweise im Gefängnis Tage, die mich in Teilen glücklich haben scheinen lassen.
[1:14:30] Ich wurde künstlich entschleunigt vom Knast. Ein Leben auf der Überholspur von 180 auf 0 runter.
[1:14:38] Draußen ist alles zusammengebrochen. Es war mir alles scheißegal draußen.
[1:14:42] Ich habe mein altes Leben sowieso gehasst. Dann soll die Welt auch brennen, die ich hinterlasse.
[1:14:48] Und ich bin dann im Knast, habe ich ja zum Buddhismus dann gefunden,
[1:14:52] viel gelesen und habe dann irgendwann den Knast wirklich gesehen als eine Art
[1:14:56] buddhistischen Retreat, den als Auszeit zu nehmen, um an mir zu arbeiten und
[1:15:03] mein neues Leben vorzubereiten.
[1:15:05] Würdest du so weit gehen zu sagen, dass es dir im Knast besser ging als draußen?
[1:15:09] Es gab mit Sicherheit die Tage, wo ich das Gefühl mal hatte.
[1:15:13] Ja. Das darf aber nicht drüber hinwegtäuschen. Wenn sie mir die Tür aufgeschlossen
[1:15:17] haben, wäre ich jederzeit rausgegangen. Klar.
[1:15:19] Ja, also das wäre, aber ich hatte Tage, ich habe damals noch geraucht und ich
[1:15:26] hatte Tage, wo ich in meiner Zelle war, habe mir meine Zigaretten rausgeholt,
[1:15:30] habe mir einen Kaffee gemacht, habe meinen Fernseher angeschmissen, habe tagsüber gelesen.
[1:15:34] Besonders an so Tagen wie heute. Wir haben hier in Schleswig-Holstein 6 Grad Regen,
[1:15:39] keiner macht so schön grau wie Schleswig-Holstein und dann hatte ich ein gewisses
[1:15:43] Glück, mich dazu zurückzuziehen, zu lesen, mein Studium zu machen und losgelöst von der Welt, guck mal,
[1:15:50] ich habe mein Frühstück bekommen, ich habe meinen Mittag bekommen,
[1:15:53] abends habe ich mir vielleicht was gekocht in der Knastküche,
[1:15:55] das war natürlich alles nicht mit Luxus und nicht mit, dass ich mir da sagte,
[1:15:59] ich mache mir da ein Rinderfilet oder so, aber das hatte ich ja.
[1:16:03] Keine Verantwortung. Da geht es nicht um, die Gaspreise sind höher,
[1:16:07] die Autoversicherung ist fällig am 01.01.
[1:16:10] Wir haben vergessen, die Hecke zu schneiden, draußen liegt noch Schnee und ich
[1:16:13] muss auch noch einkaufen und irgendwas und die Freunde wollen es auch noch am
[1:16:17] Wochenende sind getroffen.
[1:16:18] Es war so leicht strukturiert, so einfach, ich musste mich um nichts kümmern
[1:16:21] und ich konnte den Geist fliegen lassen.
[1:16:24] Du hast eben ganz kurz diesen Psychologen erwähnt im Gefängnis,
[1:16:28] der ja ganz viel mit dir arbeitet und eine sehr gute Geschichte finde ich,
[1:16:34] das habe ich irgendwo gelesen, dass du bei ihm ja am Anfang in diesem Anfangsgespräch
[1:16:38] mal die Sorge geäußert hast, dass du vielleicht möglicherweise in eine Depression
[1:16:42] rutschen könntest und seine Antwort darauf finde ich wirklich gut,
[1:16:45] vielleicht kannst du die mal gerade wiedergeben.
[1:16:47] Ja, also ich hatte in meinem Leben mal eine ganz arrogante Herangehensweise
[1:16:52] an so Leute, die Psychologie oder sonst was studiert haben, wo ich gedacht habe,
[1:16:55] ja, Digga, beeindrucke mich, ja, Siegmund freut mich, Sie legt mich,
[1:16:59] legt dich auf die Couch und die ja reparieren mich mal.
[1:17:02] Und ich war dann bei ihm und ich konnte mir das nicht vorstellen,
[1:17:06] wie sieht so eine Therapie aus?
[1:17:09] Und dann hat er auch damit gespielt, so eine ganz komische Stille zwischen Menschen,
[1:17:14] das können einige auch nicht aushalten, dass wenn zwei Menschen sich mal anschweigen und sich angucken,
[1:17:19] das ist ja auch so eine Thematik in Coachings oder in der Psychologie,
[1:17:22] Schweigen auszuhalten.
[1:17:24] Ja, dann saßen wir bei ihm und dann irgendwann hat er mich ja so getriezt,
[1:17:27] um mich zu gewissen Themen zu äußern und so.
[1:17:29] Und dann habe ich irgendwann zu ihm gesagt, ja, ich glaube, ich wende mich auch
[1:17:32] an sie, weil ich habe Sorge, dass ich irgendwie in eine Depression reinrutsche oder so.
[1:17:37] Und da hat der Psychologe halt zu mir gesagt, keine Sorge, Herr Schlaffer,
[1:17:39] ich glaube, da sind sie mittendrin.
[1:17:41] Ja, also da sind sie schon. Sie sind hier, weil sie da drin sind,
[1:17:45] das Gott sei Dank erkannt haben.
[1:17:47] Und das war halt auch damals auch immer noch so diese Angst.
[1:17:51] Eben wenn ich es schon so vorsichtig formuliert habe, war das ja fast schon
[1:17:54] wie so eine rechtfertige, oh Gott, ich könnte eine Depression wünschen.
[1:17:57] Oh nee, mir doch nicht, ich doch nicht. Ich bin doch so stark und ich bin doch
[1:18:01] so männlich und das kann mir doch nicht passieren.
[1:18:04] Merke ich ihm gerade schon, wo ich es erzählt habe. Und der dann ganz klipp
[1:18:06] und klar zu mir gesagt hat, also da machen sich keine Sorgen, da sind sie drin.
[1:18:10] Und dann kannst du endlich mit ihm dann darüber reden. Du hast den evangelischen
[1:18:16] Pfarrer noch, Pastor noch genannt.
[1:18:18] Kannst dich öffnen. Wir sprechen später im Bonusteil bei Podimon noch ein bisschen
[1:18:23] intensiver über diese Knastzeit.
[1:18:25] Aber mich würde jetzt erst mal interessieren, wie es danach für dich weitergeht.
[1:18:28] Also knapp zwei Jahre lang bist du drin, dann wirst du vorzeitig entlassen.
[1:18:32] Was macht man an seinem ersten Tag in Freiheit? Man hat sich wahrscheinlich
[1:18:35] vorher schon die ganze Zeit überlegt, was werde ich an diesem Tag tun und dann kommt dieser Tag.
[1:18:39] Ja, das ist auch so ganz unspektakulär.
[1:18:42] Es gibt so eine Gegensprechanlage, wo man raufdrücken kann und dann mit dem
[1:18:47] Amt sprechen kann, das wollen wir auch nicht draufdrücken, das ist keine Infozentrale,
[1:18:49] ja, wenn man da dreimal draufdrückt, ohne dass das wichtig ist,
[1:18:51] dann gibt es auch richtig Maßnahmen.
[1:18:54] Ja, und dann ging die Sprechanlage an und dann hieß es so, Schlaffer,
[1:18:57] Sachen packen, sie sind entlassen worden.
[1:18:59] Hier ist ein Fax vom Gericht, also so raus. Okay, ähm.
[1:19:05] Ich saß ja in der JVA Strasund und Strasund ist so zwei Stunden Autofahrt von
[1:19:10] Lübeck entfernt und ich bin raus mit meinen paar Habsiedlichkeiten, die ich hatte.
[1:19:15] Den Rest habe ich an die Gefangenen verschenkt. Das macht man so,
[1:19:17] wenn man nicht ein totales Schwein ist und lässt das dann denen zurück.
[1:19:22] Ich habe dann meine Sachen, habe nur die paar privaten Sachen mitgenommen und
[1:19:26] ja, ich hatte damals schon ein Auto stehen dann da und bin in mein Auto und
[1:19:31] bin nach Lübeck gefahren, habe meine Eltern angerufen und habe gesagt, Mama und Papa,
[1:19:37] ich bin ab heute wieder bei euch zu Hause und ich habe dann meinem Vater gebeten,
[1:19:43] dass er losfährt und Currywurst Pommes holt und ein halbes Hähnchen und hat
[1:19:48] er für meine Eltern und mich irgendwie Imbiss geholt.
[1:19:51] Und wir saßen dann bei denen im Wohnzimmer und wir haben eine Flasche Wein aufgemacht
[1:19:55] und dann einen Imbiss gegessen sozusagen.
[1:19:58] Weißt du, es gibt ja Leute, die sprechen manchmal auch über eine Gefängniszeit,
[1:20:00] das widert mich dann auch so anders, so Knast und cool und halb so schlimm und
[1:20:04] wie ein Mann ohne Knast ist und wie ein Mann ohne Baum, die sollen am besten alle ihren Mund halten.
[1:20:09] Also wer Knast geil findet, der muss draußen ein richtig beschissenes Leben
[1:20:13] haben oder auf nichts anderes in seinem Leben geleistet haben,
[1:20:16] außer dass er sich von dem Bullen hat erwischen lassen.
[1:20:19] Und für mich war das Wiedererringen dieser Freiheit, wieder selbstbestimmt zu
[1:20:24] sein, war ein unglaubliches Gefühl.
[1:20:28] Ich wurde dann ja im Januar irgendwie entlassen und hatte das Gefühl so,
[1:20:32] ja, jetzt kommt das Jahr, hoffentlich kommt der Frühling bald.
[1:20:35] Und das Gefühl der Freiheit, wieder zurückzuhaben, selbstbestimmt zu sein,
[1:20:38] war ein unglaublich tolles Gefühl.
[1:20:40] Die Frage fällt mir gerade ein, weil du von deinen Eltern gesprochen hattest.
[1:20:43] Hattest du zwischenzeitlich überhaupt Kontakt zu denen, als du so in dieser
[1:20:46] ersten Nazi- und dann Rocker-Szene eingetaucht bist?
[1:20:50] Nein, ich hatte ganz massiv den Kontakt zu meinen Eltern eingestellt.
[1:20:56] Nicht nur eingestellt, sondern in Teilen fast aufgehoben. Ich bin zweimal im
[1:21:02] Jahr zu denen gefahren, aber...
[1:21:04] Dadurch, dass es so viele Befindlichkeiten meinerseits gab und mit Sicherheit
[1:21:08] auch in Teilen meines Vaters mir gegenüber, hat es innerhalb kürzester Zeit
[1:21:13] immer explodiert, wenn wir auf Familienfeiern waren.
[1:21:15] Also so Väter und Söhne ist, glaube ich, sowieso öfters meine spezielle Verbindung.
[1:21:19] Ich hatte immer das Gefühl, ich genüge meinem Vater nicht. Und dann sind wir
[1:21:23] aufeinander getroffen, dann sind wir explodiert. Und deswegen habe ich mich
[1:21:25] ferngehalten von der Familie.
[1:21:27] Wenn wir aufeinander getroffen sind, gab es meistens Ärger. Aber als mein Leben
[1:21:32] dann zusammengebrochen ist mit dem Verbot des Vereins damals,
[1:21:35] der kriminellen Vereinigung, habe ich mich an meine Eltern gewandt und die standen
[1:21:39] wirklich gewehrbeifuß.
[1:21:41] Und haben gesagt, Philipp, wenn du da raus möchtest, dann helfen wir dir natürlich.
[1:21:46] Du bist unser Sohn und wenn du zu uns kommst, dann sind wir für dich da.
[1:21:50] Also das haben sie immer bedingungslos gemacht.
[1:21:52] Toll, das ist wirklich toll. Wie ist eure Beziehung heute?
[1:21:56] Meine Eltern sind meine besten Freunde in meinem Leben.
[1:22:00] Ich sehe meine Eltern fast täglich. Die sind ja 82 und 83 jetzt.
[1:22:05] Und ich kann es nur jedem mitgeben, Zeit ist endlich.
[1:22:09] Stimmt. Kein Streit ist es wert, dass man das bis in die Holzkiste treibt, egal von welcher Seite.
[1:22:16] Es ist keine Allgemeinformel. Es gibt Dinge, die in Familien passieren,
[1:22:19] wo ich nicht, das steht es mir nicht zu, drüber zu sprechen.
[1:22:22] Aber wenn es Dinge sind, die man überwinden kann, dann kann man Dinge auch mal
[1:22:26] ruhen lassen. Das haben wir auch getan.
[1:22:28] Wir mussten es auch lernen, als Familie nicht über die Vergangenheit immer zu
[1:22:31] sprechen und alte Dinge rauszuholen.
[1:22:33] Weil das kann, wir haben dann irgendwann beschlossen, wir ziehen weiter.
[1:22:37] Und mein Vater hat dann irgendwann mal gesagt, wir haben seit zehn Jahren das
[1:22:41] beste Leben als Familie, das wir je hatten.
[1:22:43] Also mit meiner Schwester, meinem Schwager, meine kleine Nichte.
[1:22:46] Ich habe eine ganz tolle Frau kennengelernt, schlief schon in den Jordan zu
[1:22:50] Hause, den ich sehr lieb habe, auf den ich sehr stolz bin.
[1:22:52] Das wäre schön, wenn das nicht rausgeschnitten wird. Das soll er sich irgendwann mal anhören.
[1:22:55] Das hoffen wir, dass er sich das anhört und stolz auch auf dich ist.
[1:23:00] Von daher waren die Menschen mit die Wichtigsten auch in dieser Deradikalisierung.
[1:23:04] Weil ich wusste ja nicht, gib mir ein Philipp Fleiter nochmal eine Chance.
[1:23:10] Woher soll das ein Extremist wissen oder ein ehemaliger Krimineller?
[1:23:13] Und deswegen brauchte ich am Anfang irgendwie diese Nestwärme aus der Familie,
[1:23:18] die gesagt haben, nein, wir werden das schaffen und es wird Menschen geben,
[1:23:22] die dir die Hand reichen und damit haben sie auch Recht behalten.
[1:23:25] Wie hast du denn deine Frau kennengelernt überhaupt, von der du jetzt gerade gesprochen hast?
[1:23:29] Meine Frau kommt aus ganz anderen Verhältnissen. Die kommt aus dem Pferdesport,
[1:23:33] die ist Bereiterin. Die hat mit diesem Leben noch nie was zu tun gehabt.
[1:23:37] Aber sie ist glücklicherweise mit der Einstellung rangegangen und hat mich kennengelernt
[1:23:43] über gemeinsame Bekannte.
[1:23:45] Und hat gesagt, naja, den Menschen, den ich jetzt kennengelernt habe,
[1:23:47] in denen habe ich mich verliebt und nicht in den alten Philipp.
[1:23:50] Und ich glaube, das sagt sehr viel über sie aus. Und es war aber nicht ganz so einfach.
[1:23:55] Also mit der Vergangenheit. Wenn man Google einschmeißt und meinen Namen eingibt,
[1:23:59] da kommt natürlich viel Scheiße.
[1:24:01] Ja, klar. Also das heißt, sie wusste relativ von Anfang an, was du mal früher
[1:24:05] gemacht hast. Da hat mir Gott sei Dank der Psychologe geholfen.
[1:24:07] Der Psychologe hat zu mir im Knast gesagt, weil es ein großes Thema für mich
[1:24:11] war, wo finde ich neue Freunde?
[1:24:13] Wer würde mir wieder eine Chance geben? Hat der Psychologe gesagt,
[1:24:15] Herr Schlaffer, passen Sie auf.
[1:24:16] Wenn Sie rausgehen durch Ihre Optik und durch Ihr Tun und Ihr Sagen,
[1:24:21] wird das sowieso Leuten auffallen, dass Sie irgendwie nicht 0815, sage ich mal so, sind.
[1:24:25] Ja. Dann sagen sie es ganz ehrlich, weil wenn sie es verbergen,
[1:24:31] dann haben sie vielleicht sechs oder acht Wochen mit Menschen zu tun,
[1:24:34] die ihnen dann eine Chance geben und wenn sie es dann hören über sie,
[1:24:37] dann brechen sie vielleicht den Kontakt ab und dann haben sie deren Zeit und
[1:24:39] ihre Zeit verschwendet.
[1:24:41] Sagen sie den Leuten ganz ehrlich, passen sie auf, das und das bin ich,
[1:24:43] das und das ist mir für meine Vergangenheit, ich bin da ausgestiegen,
[1:24:46] ich will da raus, ich will mich verändern und...
[1:24:48] Gib mir eine Chance, mich kennenzulernen. Wenn du das nicht möchtest,
[1:24:51] verstehe ich das. Aber dann müssen wir unser Gespräch jetzt hier beenden.
[1:24:54] Und diese Anleitung, die ich im Groben jetzt hier erklärt habe,
[1:24:58] die habe ich genutzt und war aus meiner Sicht ein Erfolgsmodell.
[1:25:02] Und kann ich auch nur jedem da draußen mitgeben, wer sich mal verändern möchte,
[1:25:05] seid ehrlich mit den Menschen.
[1:25:06] Seid ehrlich, es gibt da draußen so viele tolle Menschen, die euch eine Chance
[1:25:09] geben. Guck mal, ich hatte gedacht, dass ich viel größere Ablehnung habe.
[1:25:14] Habe ich wirklich gedacht, das war meine größte Sorge so.
[1:25:16] Also, aber ich habe ganz wenig Ablehnung erfahren. Also die meisten Leute haben
[1:25:21] gesagt, ey krass, wenn du dich verändern möchtest, dann kriegst du eine Chance.
[1:25:24] Und das ist, finde ich, eine tolle Botschaft, dass diese Gesellschaft das leistet.
[1:25:27] Das finde ich auch ganz toll und auch ganz wichtig.
[1:25:30] Das versuche ich auch in meinem Podcast immer wieder unterzubringen,
[1:25:34] dass wenn Menschen dann ihre Strafe abgesessen haben, dann haben die ihre zweite
[1:25:38] Chance verdient. Weil so ist unser System.
[1:25:40] Es wird immer Leute geben, die im Gefängnis besser aufgehoben sind als in Freiheit.
[1:25:44] Da machen wir uns mal nichts vor.
[1:25:46] Aber es nützt ja nichts, die Leute für immer auf irgendwelche Inseln zu sperren
[1:25:51] und den Schlüssel wegzuschmeißen.
[1:25:53] Du hast von zweiten Chancen gerade gesprochen.
[1:25:56] Soweit ich weiß, hast du auch Kontakt zu deinen damaligen Opfern aufgenommen. Wie war das?
[1:26:02] Ich glaube, wir Menschen oder viele von uns sind immer sehr schnell nur bei sich.
[1:26:08] Was ist mir angetan worden? Ich opfer mein Leben. Das war natürlich bei mir auch so.
[1:26:14] Es ist unweigerlich wenn ich, wo ich mich in der Psychotherapie mit mir selber
[1:26:18] beschäftigt habe, dass ich auch irgendwann auf meine Opfer zu sprechen komme, das ist unausweichlich.
[1:26:23] Das ist natürlich sehr unangenehm, sich auf einmal damit zu beschäftigen,
[1:26:28] warum hast du diese Menschen zu Opfern gemacht.
[1:26:31] Und es ist dann irgendwann so gekommen, als ich bei YouTube erfolgreicher wurde,
[1:26:35] haben sich dann auch gewisse Menschen bei mir gemeldet und haben gesagt,
[1:26:38] Mensch Philipp, krass, dich heute so zu sehen.
[1:26:41] Also erstmal habe ich angefangen, Entschuldigungsbriefe aus dem Knast zu schreiben,
[1:26:43] das war das Erste. Das war für einige noch so ein bisschen so,
[1:26:46] ist das jetzt hier eine Auflage vom Knast?
[1:26:48] Muss er das jetzt? Hat ihm das der Anwalt geraten?
[1:26:51] Das war alles nicht so, ich hatte meine Strafe. Es hätte weder positiv noch
[1:26:54] negativ was beeinflussen können. Aber das Gefühl, glaube ich,
[1:26:57] war da. Weißt du, jetzt macht er das.
[1:26:59] Und dann, als ich rauskam und dann, wie gesagt, mit YouTube gestartet habe und
[1:27:03] so weiter, dass dann sich auch Opfer von mir gemeldet haben und haben gesagt,
[1:27:06] krass Philipp, was du da jetzt so machst.
[1:27:08] Aber ich würde dich gerne mal persönlich treffen. Da habe ich gedacht, krass.
[1:27:12] Ich habe dann ein Opfer hier bei mir aus der Gegend hier auch,
[1:27:14] den ich schon in jungen Jahren in der Schule zusammengeboxt hatte,
[1:27:18] wo ich mich nicht mal daran erinnern konnte.
[1:27:20] Und ich habe sein Leben für die nächsten Jahre so massiv beeinflusst,
[1:27:23] dass er sich nicht mal an die Bushaltestelle getraut hat.
[1:27:26] Dass er Angststörungen gehabt hat, teilweise Panikattacken bekommen hat.
[1:27:29] Und ich konnte mich kaum daran erinnern, weißt du.
[1:27:31] Mit dem habe ich mich dann hier vor Ort getroffen. Der hat mich noch zu sich
[1:27:33] nach Hause eingeladen, zu seiner Frau und seine Kinder waren da.
[1:27:37] Der hat noch für mich ein geiles Stück Fleisch besorgt, hat noch einen Gin Tonic
[1:27:40] besorgt, den er dann mit mir angestoßen hat, um mit mir darüber zu sprechen
[1:27:43] und wollte es unbedingt aufarbeiten und so weiter.
[1:27:45] Und ich fühlte mich, boah, das war so ein fürchterlicher Termin,
[1:27:47] aber es hat ihm so unglaublich viel getan.
[1:27:49] Aber das waren so mit die unangenehmsten Dinge, die ich in den letzten zehn
[1:27:53] Jahren in meinem neuen Leben gemacht habe.
[1:27:54] Ich glaube, es hat vielen meiner Opfer geholfen, aber natürlich für mich war
[1:27:57] das, ja, über das zu hören, was für ein Schwein man war, welche Auswirkungen
[1:28:03] das hatte. Und das können halt viele Gewalttäter.
[1:28:06] Und ich wünschte, man könnte das irgendwie machen, dass man Gewalttäter zeigt. Guck mal, das passiert.
[1:28:10] Durch deine Taten passiert das den Menschen. Und das hat auf deren Leben einen
[1:28:13] Einfluss über so viele Jahre. Und das habe ich leider dann auch erst mit knapp 40 gelernt.
[1:28:18] Eines der Opfer hat, soweit ich weiß, deine Entschuldigung nicht angenommen. Wie gehst du damit um?
[1:28:22] Also ich wurde zumindest ignoriert. Und das habe ich zu respektieren.
[1:28:28] Es steht mir nicht zu, als Täter zu verlangen, du musst dich rechtfertigen,
[1:28:34] du musst mir das erklären, du musst mit mir sprechen.
[1:28:37] Es ging mir auch nicht darum, dass die so eine Entschuldigung akzeptieren oder
[1:28:41] so. Das kann ich auch nicht.
[1:28:42] Es ging auch nicht um Vergeben und Vergessen. Das haben die auch alles jeder
[1:28:46] sehr unterschiedlich formuliert.
[1:28:47] Aber diese Person, dann habe ich dann auch gesagt, okay, dann nicht.
[1:28:52] Die Geste ist da. Vielleicht hat sie trotzdem was bewirkt.
[1:28:55] Aber vielleicht war es auch voller Abkehr. Und das muss man als Täter auch wissen.
[1:28:58] Man darf die Leute nicht wieder drängen.
[1:29:01] Ja, wieder Täter werden, weil Dieses Drängen könnte wieder psychischen Druck,
[1:29:04] es könnte Narben aufreißen und deswegen habe ich das akzeptiert und bin dann
[1:29:10] weitergezogen und habe es dann auch nicht wieder versucht.
[1:29:13] Ist es denn dazu gekommen, dass du angefangen hast, als Anti-Gewalt-Trainer
[1:29:16] zu arbeiten? Das finde ich auch ganz spannend als Job.
[1:29:20] Ja, also ich bin heute sehr divers aufgestellt.
[1:29:24] Mir wurde ja zugesagt, ich darf sogar mein Buch bewerben. Das ist ja so ein
[1:29:26] Hörbuch raus. Philipp Schlaffer, Hass macht Gewalt, Spiegel-Bestseller geworden.
[1:29:30] Eine Ex-Nazi droht sich Rocker, packt aus. Dankeschön dafür,
[1:29:32] Philipp, dass ich das machen darf. Wer da Lust hat, in die Geschichte einzutauchen, kann das gerne tun.
[1:29:37] Ja, eigentlich ist das Gefängnis drauf gekommen. Ich hatte eine sehr tolle Anstandsleiterin,
[1:29:42] die sich sehr für mich eingesetzt hat mit allen Widerständen.
[1:29:44] Ich war ja ein Hochsicherheitsgefangener mit einem sehr hohen Bekanntheitsgrad,
[1:29:49] wo die Presse schon auch hingucken könnte, wieso wird der entlassen,
[1:29:52] wieso kriegt der das und das.
[1:29:54] Und irgendwann, nach ein paar Monaten, haben die mir auch meine Veränderung geglaubt. Ja.
[1:30:00] Weißt du, so am Anfang bist du ganz motiviert. Du läufst ja so rein und sagst,
[1:30:03] ich will mich verändern, ich schaffe das.
[1:30:05] Und ja, ich war 20 Jahre Neonazi, 20 Jahre Kriminell. das schüttelt man nicht
[1:30:08] ab wie so eine alte Regenjacke.
[1:30:10] Und sagt, jetzt bin ich wieder ... Das hab ich mir auch zu euphorisch,
[1:30:13] zu schnell vorgestellt.
[1:30:15] Und dann ist aber diese Veränderung ein Marathon und kein Sprint.
[1:30:20] Und dann haben die gesehen, okay, ich laufe denen wirklich. Ich gehe diesen
[1:30:23] Weg und haben die ersten Menschen mir angefangen zu glauben.
[1:30:26] Und dann gab es immer wieder Gespräche, dass sie auch auf mich zugekommen sind
[1:30:30] und gesagt haben, ja, Herr Schlaffer, eigentlich mit Ihrer Vergangenheit müssten
[1:30:34] Sie eigentlich irgendwann an die Öffentlichkeit gehen.
[1:30:36] Wenn Sie diesen Wandel schaffen, wenn Sie das Gefängnis hinter sich lassen,
[1:30:39] dann müssten Sie das eigentlich erzählen.
[1:30:41] Und dann hat auch der Psychologe für mich beispielsweise so Vereine rausgesucht
[1:30:44] aus Schweden, wo es hieß, so ehemalige gefangene Arbeit mit Jugendlichen oder
[1:30:48] dass es so Projekte in Europa gab und so weiter.
[1:30:52] Das hatte mir alles in die Zelle gegeben und mir das mitgegeben.
[1:30:53] Ich habe mich da sehr motiviert.
[1:30:55] Und so bin ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, irgendwann auch was zu
[1:30:59] machen jenseits des Monetären.
[1:31:01] Ich wollte auch irgendwas machen, wo ich nicht an Sinn sehe.
[1:31:03] Und das war, ich habe das gesehen, als ich mich ehrenamtlich engagiert habe
[1:31:06] nach dem Knast, dass junge Leute irgendwie auf mich reagieren.
[1:31:10] Die spüren, dass das, was ich denen erzähle, das ist real. Das ist keine ausgedachte Geschichte.
[1:31:15] Ich bin auch nicht durchpädagogisiert. Ich glaube, das merkt man hier,
[1:31:18] wenn man mir zuhört. Ich bin nicht, mir ist das egal, was Leute hier von mir denken.
[1:31:23] Von irgendeinem Institut oder sonst was. Und da habe ich gemerkt,
[1:31:27] dass die jungen Leute das abholt. Und dann habe ich eine tolle Stifterin gehabt,
[1:31:31] die mir dann eine Ausbildung zum Antigewalt- und Deradikalisierungstrainer bezahlt hat.
[1:31:36] Das habe ich in Berlin gemacht beim Violence Prevention Network.
[1:31:38] Das ist toll, weil dann kannst du eben was zurückgeben, finde ich.
[1:31:43] Und was mich jetzt noch so interessiert, du hast gerade gesagt,
[1:31:45] 20 Jahre Neonazi-Rocker, das schüttelt man nicht ab wie eine alte Regenjacke.
[1:31:52] Wie viel von dem Neonazi und von dem Rocker ist denn jetzt noch in dem heutigen Philipp?
[1:31:56] Also merkst du das manchmal noch, dass da noch so ein Anteil drin ist von diesem Gewalttäter?
[1:32:02] Also, guck mal, ich bin jetzt mittlerweile zehn Jahre straffrei,
[1:32:05] was mir niemand zugetraut hat.
[1:32:07] Ich glaube, für das Leben, das ich gelebt habe, ist das schon eine ganz gute Leistung.
[1:32:11] Ich will dafür keinen Applaus, aber für das Leben, was ich vorher gelebt habe,
[1:32:14] ist das, glaube ich, schon eine ganz gute Leistung.
[1:32:16] In mir steckt mit Sicherheit kein Nichts Kriminelles und kein Neonazi mehr.
[1:32:22] Aber ich bin immer noch der Typ, der ich bin.
[1:32:26] Und das ist auch, glaube ich, aus Sicht, zumindest meines Psychologen,
[1:32:30] damals hat er gesagt, wir können nicht ihren Charakter neu erfinden.
[1:32:33] Wir müssen ihre Methoden und Denkweisen, da müssen wir hergucken,
[1:32:37] wo kommt die Gewalt her, wo kam der Hass her und das leuchtete mir ein.
[1:32:40] Aber ich bin immer noch der, der ich bin. Ich glaube, dass wir alle mal gewisse
[1:32:44] Charakterzüge haben, wo Leute von außen sagen, brauche ich heute mal nicht.
[1:32:49] Aber du hast Wege gefunden, anders damit umzugehen und du kannst,
[1:32:52] glaube ich, das habe ich schon jetzt gemerkt in dem Gespräch,
[1:32:54] deine Gefühle auch besser artikulieren.
[1:32:55] Es ist nicht immer alles sofort in Wut, auch wenn du vielleicht eine kürzere
[1:32:59] Zündschnur hast als andere Leute.
[1:33:00] Und ich selber, ich selber, ich erkenne, wenn ich mal wieder gestresst bin oder
[1:33:05] so, ich habe jetzt eine ganz tolle Gesprächspartnerin-Therapie,
[1:33:09] ich bin ein großer Freund von für Leute, sich einen passenden Coach oder sowas zu suchen.
[1:33:13] Oh ja, macht das Leute, macht das. Wir tragen alle manchmal Dinge mit uns rum,
[1:33:17] die uns zerstörerisch wirken, die uns belasten.
[1:33:22] Und das kann man nicht immer alles beim Partner abladen, sondern manchmal braucht
[1:33:24] man einen Blick von außen, wo man Dinge loswerden kann, die nicht moralisch
[1:33:29] kommentiert werden und so weiter.
[1:33:30] Also deswegen, da achte ich drauf und weißt du, so gehe ich damit um und ich
[1:33:37] weiß, ich beschäftige mich mit mir selber,
[1:33:39] versuche dann zu gucken, wenn ich merke, hier wird es wieder sehr,
[1:33:42] sehr wütend im Guteilen und begebe mich dann auch in eine Therapie und sage,
[1:33:46] okay, gucken wir, was da los ist und bezahle dann diese Therapie.
[1:33:50] Das ist, kann ich mich nur anschließen, Therapie, wenn man es irgendwie kann,
[1:33:54] ist was ganz, ganz, ganz Tolles, was man nutzen sollte.
[1:33:57] Wir kommen jetzt langsam zum Schluss dieses Interviewteils. Was ist denn mit
[1:34:01] dem Hakenkreuz-Tattoo passiert, frage ich mich.
[1:34:04] Ja, also die sind natürlich übergestochen.
[1:34:09] Auch das Hakenkreuz war das erste Tattoo, was sie überhaupt stechen lassen.
[1:34:13] Das ist jetzt alles nicht sehr schön auf dem Körper. Das sind jetzt alles so
[1:34:16] schwarze Balken natürlich.
[1:34:19] Aber das habe ich selber im Spiegel nicht ertragen.
[1:34:25] Deswegen, ich habe mittlerweile, glaube ich, zehn oder zwölf übertätowiert.
[1:34:28] Sie sind trotzdem in Großteilen noch als rechtsextreme Tattoos zu erkennen,
[1:34:31] was natürlich scheiße ist, weil besonders,
[1:34:34] wenn Leute mich kennenlernen und mich innerhalb von Sekunden einstufen müssen,
[1:34:39] in Schublade packen müssen, das tun wir Menschen nun mal, dass die Leute das
[1:34:42] Gefühl haben, oh Gott, das ist immer noch ein Nazi und so weiter.
[1:34:47] Unangenehm, aber ich kann nicht alles übertätowieren, ich kann nicht alles weglasern,
[1:34:50] so einfach ist das nicht, wie die Leute sich das vorstellen,
[1:34:52] aber die verbotenen Sachen sind alle weg und da bin ich auch sehr dankbar für.
[1:34:56] Wie denkst du darüber, dass die Positionen, über die wir ganz am Anfang gesprochen
[1:35:00] haben, also die ihr da eingenommen habt in eurer Gruppe, diese Entmenschlichung
[1:35:03] von Menschen mit anderer Hautfarbe oder politischen Gegnern, das sind ja,
[1:35:09] Positionen, die heute zum Teil im Bundestag angekommen sind. Wie denkst du darüber?
[1:35:15] Also ich persönlich, mir hat das am meisten getan, meinen Hass zu überwinden.
[1:35:20] Besonders gegenüber Menschen hat mir am meisten geholfen, dass ich Menschen
[1:35:25] begegnet bin. Ich habe Menschen kennengelernt.
[1:35:28] Ich habe beispielsweise mit 40 meine ersten Menschen mit einer Behinderung kennengelernt.
[1:35:32] Und Philipp, so hart das klingt, ich war mal ein Vertreter der Euthanasie.
[1:35:37] Also für die kurze Erklärung, die Euthanasie ist das Programm der Nazis gewesen,
[1:35:42] um Menschen mit einer Behinderung geistig oder körperlich zu töten, systematisch.
[1:35:51] Unwertes Leben. Unwertes Leben, um das sogenannte Erbgut nicht zu gefährden
[1:35:57] von dem Super-Area sozusagen, da war ich mal ein Vertreter davon.
[1:36:01] Schwer genug, das heute so zu erzählen, weil ich heute zwei enge Freunde von
[1:36:06] mir habe, die eine Behinderung haben, die beide als unwertes Leben gegolten hätten.
[1:36:11] Hat mir das erst überhaupt geholfen, als Beispiel diese Menschen kennenzulernen.
[1:36:15] Ich kann es immer wieder nur sagen, geht raus, lernt Menschen kennen,
[1:36:18] lernt Kulturen kennen, dann stirbt auch der Hass und dann versteht man die Welt ein bisschen besser.
[1:36:24] Wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst, wo du das erste Mal aussprichst,
[1:36:29] ich habe keinen Bock mehr, was für ein Gefühl löst das in dir aus?
[1:36:31] Gott sei Dank, habe ich es gesagt. Gott sei Dank.
[1:36:35] Stell dir vor, ich hätte es nicht gesagt. Stell dir vor, es hätte sich wieder eingeringt.
[1:36:39] Stell dir vor, jemand im Club wäre als Mediator gekommen und hätte gesagt,
[1:36:43] pass auf, das fangen wir jetzt alles ein.
[1:36:45] Reset, komm, wir vertragen uns alle, geht weiter.
[1:36:48] Boah, wer weiß, wie lange ich da noch drin gefangen wäre. Vielleicht immer noch oder sonst was.
[1:36:52] Gott sei Dank, Gott sei Dank, Mann, alles, das Neue, was ich hier habe,
[1:36:56] hier meine neue kleine tolle Familie hier, ich muss gleich Hausaufgaben kontrollieren,
[1:36:59] die haben morgen einen Vortrag, das wird natürlich, das jetzt,
[1:37:01] aber ja, ich kümmere mich heute um Hausaufgaben, keine Polizei steht mehr draus,
[1:37:04] ich bin Polizisten befreundet, ich habe einen tollen Freundeskreis, meine Frau ist da,
[1:37:07] ich werde heute Abend in die Sauna gehen, ich liebe mein neues Leben und Gott
[1:37:10] sei Dank habe ich es da zu dem Zeitpunkt gesagt, ich bin dem auch so dankbar,
[1:37:13] für Gott sei Dank hatte ich da einmal den Arsch in der Hose und habe das gesagt,
[1:37:17] dass ich nicht mehr kann.
[1:37:19] Das ist ein Plädoyer fast gewesen.
[1:37:23] Großartig. Man spürt das einfach so sehr, wie sehr du das meinst, was du sagst.
[1:37:27] Wie war das für dich heute mit mir über diesen einen Moment zu sprechen?
[1:37:32] Ja, war schon speziell und ich bin dir da schon dankbar für.
[1:37:35] Das war sehr, sehr, sehr bildlich heute. Und wirklich habe ich mich da kurz
[1:37:40] vorher mit beschäftigt.
[1:37:41] Und während der ganzen Zeit, wo ich mit dir gesprochen habe und heute mit Sicherheit
[1:37:44] danach noch, Gott sei Dank gab es diesen Moment.
[1:37:47] Ich habe den, glaube ich, nie so richtig für mich rausgearbeitet,
[1:37:49] wie wichtig dieser Moment war. Ich habe den noch nie so wirklich dargestellt.
[1:37:53] Das hat heute was mit mir gemacht und werde ich mit Sicherheit heute noch mitnehmen.
[1:37:56] Der Anfang von einem neuen Leben eigentlich, im Nachhinein betrachtet.
[1:38:00] Eigentlich war es irgendwie so Stunde Null.
[1:38:02] Vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Ich habe heute ganz, ganz viel mitgenommen.
[1:38:06] Dankeschön, Philipp. Dankeschön für die Einladung, Leute. Bleibt sauber.
[1:38:11] Philipps Geschichte zeigt mal wieder ganz deutlich, es ist nie zu spät,
[1:38:15] sich anders zu entscheiden und ein neues Leben zu beginnen.
[1:38:18] In diesem Fall ohne Hass, Gewalt und Hetze.
[1:38:22] Eine Geschichte, die, wie ich finde, gerade in diesen Zeiten auch ein bisschen
[1:38:25] Hoffnung gibt. Wenn ihr mehr über Philips Geschichte hören wollt,
[1:38:29] dann kann ich euch sein Buch empfehlen.
[1:38:31] Außerdem gibt es, wie schon erwähnt, noch einen Bonusteil bei Podimo.
[1:38:34] Da sprechen wir über seine Zeit im Gefängnis.
[1:38:37] Wir hören uns in 14 Tagen wieder. Zuerst bei Podimo und dann zwei Wochen später überall.
[1:38:43] Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Adventszeit. Tschüss.
[1:38:51] Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von
[1:38:56] Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo.
[1:39:00] Redaktion Philipp Fleiter, Laila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt
[1:39:04] Marius Fuchtmann für WeMind.

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