# "Bis zum Burnout und zurück" mit Louisa Dellert

An episode of [Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1754096105), 8 Sep 2024, 1 h 09 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1806-dieser-eine-moment-der-podcast-mit-philipp-fleiter/237117-bis-zum-burnout-und-zurueck-mit-louisa-dellert.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69aaf1da6ba1a&awEpisodeId=237117

Unser Werbepartner für diese Folge ist die DEVK Altersvorsorge. Du willst noch mehr fürs Alter tun? Dann lass dich jetzt persönlich zur Altersvorsorge bei der DEVK beraten! https://www.devk.de/altersvorsorge Heute ist Philipp im Gespräch mit einer Freundin. 2013 entdeckt Louisa Dellert Instagram für sich. Damals nutzt sie die Plattform, um im Fitnessbereich Inspiration zu finden. 2013 gab es den Begriff „Influencerin“ noch nicht, aber mit steigender Followerzahl wird genau das Lous Beruf. Zunächst rutscht sie als Fitnessinfluencerin jedoch in eine Essstörung und Sportsucht, erst durch einen Weckruf im OP-Saal merkt sie, dass sie etwas an der Wahrnehmung ihres Körpers ändern muss. Mit der zunehmenden Auseinandersetzung mit Themen wie Selbstliebe und Achtsamkeit um den eigenen Körper, wandelt sich auch ihr Content. 2017 passiert ein weiterer Umbruch, Lou engagiert sich zunehmend politisch zu Themen wie Umweltschutz, Feminismus und Antirassismus - sie zieht von Braunschweig nach Berlin. Ihr Alltag ist vollgestopft mit Arbeitsterminen: Sie hält Vorträge, berät Firmen zu Nachhaltigkeit, schreibt zwei Bücher, gründet eine Beratungsagentur und eine Produktionsfirma, moderiert die NDR Talkshow deep&deutlich und pflegt nebenbei ihren Insta-Kanal. Ihre gesamte Entwicklung wird von Hasskommentaren begleitet, besonders zu der Zeit, als sie sich politischem Content widmet, macht sie sich zur Zielscheibe für Anfeindungen und sogar Morddrohungen. Dabei bezeichnet Lou sich selbst als klassische People-Pleaserin, sie probiert es allen Recht zu machen und alle Termine unter einen Hut zubekommen. Bis zu diesem einen Moment, als sie einkaufen ist und ihr selbst eine Entscheidung vor dem Supermarktregal zu treffen, über den Kopf wächst. An diesem Punkt steigen Lou und Philipp in die Folge ein. Lou berichtet von der Sorge, sich ihrem Umfeld und einem/r Ärzt*in zu öffnen und dem starken Rückhalt, den sie aber von beiden Seiten erfährt. Außerdem berichtet Lou von ihrem Umgang mit ihrer Diagnose „Depression“, ihrer therapeutischen Begleitung und dem Weg zurück aus dem Burnout-Syndrom. Mehr zu Louisa auf Instagram @louisadellert. Unterstützungsangebote zur Therapie-Suche Bundes Psychotherapeuten Kammer und der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung https://www.bptk.de/patient-innen/#psychotherapeutensuche https://www.wege-zur-psychotherapie.org/ Therapiesuche über die Kassenärztliche Vereinigung https://www.kbv.de/html/arztsuche.php Gruppentherapie: https://gruppenplatz.de Selbsthilfegruppen: https://www.nakos.de/informationen/ Immer auf dem Laufenden über Philipp und seine Projekte auf Instagram @philippfleiter Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd im Auftrag von Podimo. Neue Folgen alle 14-Tage Montags überall, wo es Podcasts gibt. Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd Abonniert den Podcast, um keine Folge zu verpassen. Teilt die Folgen mit euren Liebsten und lasst uns eine Bewertung da.

## Transcript

[0:00] Ich bin morgens wach geworden und habe sofort geschwitzt.
[0:05] Mein Herz hat sofort geklopft, weil ich in meinem Kopf hatte,
[0:08] was muss ich heute alles machen.
[0:10] Also da war irgendwie so ein Druck auf meinem Brustkorb die ganze Zeit drauf.
[0:15] Ich habe angefangen zu weinen, mir war alles zu viel. Ich habe meine Umgebung
[0:20] gar nicht mehr richtig wahrgenommen und konnte auf einmal und das erste Mal
[0:26] in meinem Leben keine Entscheidung mehr treffen.
[0:28] Das war wirklich das Höchste aller Gefühle, dass ich mich mal nach vier,
[0:32] fünf Tagen unter eine Dusche gestellt habe.
[0:39] Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.
[0:45] Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
[0:53] Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen,
[0:57] um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat.
[1:03] Heute gibt es bei dieser eine Moment eine kleine Premiere.
[1:07] Zum ersten Mal habe ich eine Freundin zu Gast. Ich freue mich sehr,
[1:11] dass Luisa Dellert heute mit mir über den Moment spricht, der ihr Leben im letzten
[1:15] Jahr auf den Kopf gestellt hat.
[1:17] Vielleicht kennt ihr Luisa oder auch Lou aus den sozialen Medien oder aus dem Fernsehen.
[1:21] Sie ist nämlich Influencerin, Autorin und Moderatorin.
[1:25] Auf Instagram spricht sie über Themen wie Nachhaltigkeit und Feminismus und
[1:30] setzt sich gegen Rassismus ein.
[1:33] Bis 2023 hat sie auch die ARD-Talkshow Dieb und Deutlich moderiert,
[1:38] was immer ein kleiner Traum von ihr war.
[1:41] Aber dann ist etwas passiert, das für Lou wirklich alles verändert hat.
[1:46] Ich werde heute mit ihr über ihren Burnout und ihre Depression sprechen.
[1:50] Ich glaube, dass das für ganz viele von uns eine total wichtige Geschichte sein
[1:55] kann, weil sie eben zeigt, dass man oft selbst gar nicht bemerkt,
[1:59] wenn es einfach nicht mehr geht.
[2:02] Das ist für mich auch hier an der Stelle so ein kleiner Disclaimer,
[2:05] eine sehr, sehr persönliche Folge.
[2:07] Nicht nur, weil Lu eine Freundin von mir ist, sondern weil ich leider selbst
[2:11] auch Erfahrung mitbringe oder machen musste, was das Thema Depressionen angeht.
[2:17] Hallo Luisa, schön, dass du da bist. Ich freue mich sehr, Philipp,
[2:21] und finde es schön, dass ich mit dir heute zusammen über das Thema spreche.
[2:24] Ja und wir steigen auch direkte Mengen ein.
[2:28] Wir gehen zurück in den Mai 2023.
[2:32] Du stehst gerade im Supermarkt, willst was fürs Mittagessen einkaufen. Was passiert dann?
[2:39] Ich habe meinen Einkaufskorb in der Hand gehabt und wollte gerade zwischen den
[2:44] Regalen schauen, was ich brauche und konnte auf einmal nicht mehr.
[2:48] Ich habe angefangen zu weinen, mir war alles zu viel, ich habe meine Umgebung
[2:53] gar nicht mehr richtig wahrgenommen und konnte auf einmal und das erste Mal
[2:59] in meinem Leben keine Entscheidung mehr treffen.
[3:01] Es hat mich total überfordert, diese ganzen Lebensmittel vor mir zu sehen und diese Menschen.
[3:07] Und ich habe den Korb wieder hingestellt und bin irgendwann,
[3:12] ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat, weinend aus dem Laden gegangen.
[3:16] Du hast gerade gesagt, das erste Mal in deinem Leben, das heißt,
[3:19] gab es irgendwie schon so Anzeichen,
[3:21] eine ähnliche Situation oder war das wirklich so von null auf hundert?
[3:24] Also ich meine, du kennst es auch, unser Leben in der Öffentlichkeit ist sehr
[3:30] schnelllebig, man bekommt von allen Seiten gesagt, wie man sein soll und was man lassen soll.
[3:36] Das hat mich schon immer auf irgendeine Art und Weise gefordert und ich war
[3:40] schon immer mal in Situationen, in denen ich wirklich sehr gestresst war und
[3:44] nicht mehr konnte, aber ich war schon immer mal in Situationen,
[3:46] in denen ich wirklich sehr gestresst war und nicht mehr konnte.
[3:47] Dieses Loch, in dem ich in dem Moment reingesprungen bin, das hatte ich so noch nicht.
[3:53] Das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich nicht mehr wusste,
[3:56] was ist eigentlich los mit mir.
[3:58] Vielleicht mal, um das zu verstehen, du hast es gerade schon gesagt,
[4:00] Leben in der Öffentlichkeit.
[4:02] Wie sieht dein Alltag zu diesem Zeitpunkt aus? Gibt es so einen typischen Tag
[4:07] an der Seite von Lu? Kannst du den vielleicht mal beschreiben?
[4:10] Also so einen ganz typischen Tag gab es gar nicht, weil jeder Tag einfach anders
[4:14] aussah. Aber meine letzten zehn Jahre eigentlich sahen so aus,
[4:20] dass ich von Montag bis Sonntag gearbeitet habe.
[4:23] Es gab nie einen Tag, an dem ich das nicht getan habe.
[4:26] Urlaube gab es nicht so wirklich, weil ich immer auch online war und immer geliefert habe.
[4:32] Ich hatte parallel eine Beratungsagentur, war Moderatorin bei Dieb und Deutlich,
[4:39] stand auf Bühnen und habe Vorträge gehalten,
[4:42] habe dann noch irgendwie versucht auf Instagram wertvollen Content zu kreieren und hochzuladen,
[4:49] hatte noch einen Podcast und dann auch noch ein Privatleben und Freundinnen
[4:53] und das alles hat irgendwann einfach nicht mehr funktioniert.
[4:59] Das heißt, es war eigentlich schon immer so, dass du so viel gearbeitet hast?
[5:03] Genau, das war einfach schon immer so und hatte auch ganz viel,
[5:07] jetzt im Nachhinein verstehe ich das ja auch langsam mit meiner Kindheit zu
[5:10] tun, also so diesen inneren Glaubenssätzen, die man hat.
[5:13] Man ist nur was wert, wenn man leistet und das hatte ich schon immer in meinem
[5:18] Leben und seit der Selbstständigkeit 2013 hat sich das bei mir dann einfach
[5:23] nochmal komplett verfestigt.
[5:25] Und ich hatte das Gefühl, Menschen haben mich nur lieb und mögen mich,
[5:28] wenn ich viel arbeite, wenn ich viel leiste.
[5:31] Ja, und das ist mir am Ende auf die Füße gefallen.
[5:34] Ich kann das gerade so sehr nachvollziehen, weil ich diesen Glaubenssatz auch
[5:38] in mir drin habe und ich denke, einerseits ist es natürlich.
[5:41] Also es hat auch Vorteile, weil ich denke, dass wir beide nicht da wären,
[5:44] wo wir jetzt sind, wenn wir diesen Glaubenssatz nicht gehabt hätten,
[5:46] aber auf der anderen Seite genau das, was du gerade gesagt hast,
[5:49] dass man denkt, wenn man nicht arbeitet, ist man nicht so viel wert,
[5:52] also als Mensch ist man nicht so viel wert und das ist natürlich ganz,
[5:55] ganz schlimm, das zu denken und das ist sehr schwer, das wieder loszuwerden eigentlich.
[5:59] Total und nicht nur im Arbeitskontext, aber vielleicht kennen das ja einige, die hier zuhören.
[6:05] Wenn du dich mit Freunden und Freundinnen triffst, hatte ich auch immer das
[6:09] Bedürfnis, ganz viel für die machen zu wollen. Also wenn ich mit denen unterwegs
[6:14] war, ich war immer diejenige, die sofort gefragt hat, hey, was wollt ihr trinken?
[6:17] Was wollen wir heute machen?
[6:19] Was kann ich tun, damit es euch gut geht? Und das haben die gar nicht verlangt,
[6:23] aber ich hatte immer dieses Bedürfnis, weil ich immer das Gefühl hatte,
[6:27] die mögen mich nur, wenn ich denen so gut es geht, ein gutes Gefühl gebe.
[6:32] Und ich konnte es für mich nicht aushalten, mich einfach nur hinzusetzen und
[6:36] vielleicht auch die mal etwas machen zu lassen. Wir performen die ganze Zeit.
[6:40] Ja, genau. Kann ich total nachvollziehen. Wir können ja mal ein bisschen in
[6:44] die Vergangenheit reisen, wie das bei dir eigentlich angefangen hat.
[6:49] Ich glaube, du warst 22, als du angefangen hast, so ein bisschen was über dein
[6:53] Leben zu posten auf Social Media.
[6:55] Ich weiß gar nicht, ob es da den Begriff Influencer überhaupt schon gab.
[6:59] Was war denn so der Startpunkt? Also was hat dich daran gereizt,
[7:02] dein Leben mit anderen Leuten, mit fremden Leuten zu teilen?
[7:05] Ich weiß noch, dass es 2013 war.
[7:08] Ich hatte da meine Ausbildung fertig gemacht. Ich komme aus einer Handwerksfamilie,
[7:12] habe dann bei meinem Vater auch im Handwerkbetrieb angefangen,
[7:16] stand mit denen oft auf Dächern und wir haben irgendwelche Photovoltaikanlagen installiert.
[7:20] Und irgendwann kam der Zeitpunkt an der,
[7:24] Dem ich mich persönlich unwohl gefühlt habe. Also das war so die Zeit,
[7:27] man hat Germany's Next Topmodel geschaut, auf den ganzen Covern waren immer
[7:32] ganz, ganz schlanke, ganz, ganz gut aussehende Menschen.
[7:34] Und das hat was mit mir gemacht, so dieser Schönheitsdruck und Wahn, würde ich sagen.
[7:40] Und ich wollte zu der Zeit einfach Anerkennung haben und das Gefühl haben,
[7:45] wenn ich so aussehe wie die ganzen bei Germany's Next Topmodel,
[7:49] dann bin ich vielleicht glücklicher und dann werde ich vielleicht mehr gesehen
[7:52] und dann werde ich vielleicht mehr geliebt.
[7:54] Und deswegen habe ich mich damals auf der damals noch sehr jungen Plattform
[7:58] Instagram angemeldet, um erstmal mir Inspiration zu suchen. Ich wollte mal gucken,
[8:03] wie machen das denn andere?
[8:04] Also wie nehmen die denn ab und wie glücklich sind die dann?
[8:07] Was essen die? Was machen die für Sport?
[8:09] Und wollte das dann einfach auch mit meinen Freundinnen teilen.
[8:13] Und das war so der Startschuss, der mich dahin gebracht hat,
[8:17] wo ich heute bin. Also ich wollte damals nie eine Influencerin werden.
[8:21] Ich wusste gar nicht, was das ist. Wie du schon gesagt hast,
[8:23] den Begriff, den gab es damals in Deutschland noch nicht. Auch Bloggerin, das war was ganz Neues.
[8:27] Und ich wurde irgendwie automatisch zu dem, was ich heute bin.
[8:32] Und nach immer ein paar Monaten, wenn ich noch mehr abgenommen habe und noch
[8:36] mehr Sixpack hatte und diesem Schönheitsideal eigentlich mehr entsprochen habe,
[8:42] desto mehr Leute sind dazugekommen und desto mehr Likes habe ich bekommen.
[8:45] Und das war irgendwann auch eine Droge für mich.
[8:47] Also ich habe mich da einfach wohlgefühlt in dieser Aufmerksamkeitsspirale.
[8:51] Und so hat das eigentlich alles angefangen.
[8:53] Das ist dann irgendwann gekippt bei dir und dir ging es nicht mehr gut damit.
[8:58] Kannst du erzählen, was da passiert ist?
[9:02] Ich war irgendwann sehr untergewichtig. Ich habe dreimal am Tag Sport gemacht,
[9:07] habe nichts mehr mit meinen Freundinnen unternommen, habe so gut wie gar nichts mehr gegessen.
[9:12] Und irgendwann bin ich beim Sport öfter mal umgekippt.
[9:15] Also jetzt nicht umgefallen und ich habe mir einen Knöchel verstaut,
[9:19] sondern wirklich zum Teil bewusstlos geworden, weil mein Körper das nicht mehr mitgemacht hat.
[9:25] Und erst dachte ich, naja, vielleicht habe ich jetzt wirklich heute mal zu wenig
[9:28] gegessen, ich muss einfach noch mal ein bisschen mehr irgendwie essen.
[9:31] Und irgendwann haben das zum Glück meine Freundinnen und auch meine Familie
[9:37] nicht mehr mitgemacht und haben gesagt, hey, geh mal zum Arzt.
[9:41] Und der hat tatsächlich herausgefunden, dass ich ein Loch in der Herzklappe hatte.
[9:45] Das war schon immer da, das wusste ich nicht. Aber durch diesen exzessiven Sport
[9:51] hat sich das in kurzer Zeit ganz dolle vergrößert.
[9:55] Und ich glaube, ein paar Wochen nach diesem Arztbesuch musste ich dann auch schon operiert werden.
[10:00] Das heißt, das hätte lebensgefährlich enden können für dich?
[10:03] Das hätte lebensgefährlich enden können.
[10:06] Auf der einen Seite, weil ich mich natürlich immer mehr runtergehungert habe.
[10:09] Und auf der anderen Seite, weil mein Herz das so einfach gar nicht mehr mitgemacht hat.
[10:13] Wenn du das jetzt so sagst, ja, wenn ich da mal so drüber nachdenke,
[10:17] hätte das echt ins Auge gehen können.
[10:19] In dem Moment habe ich mich aber ehrlicherweise nur darüber geärgert,
[10:23] dass ich jetzt keinen Sport mehr machen kann.
[10:25] Das ist ein ganz interessanter Satz. Also würdest du sagen, dass du süchtig
[10:27] nach Sport warst zu dem Zeitpunkt?
[10:29] Ich war auf jeden Fall, vielleicht ist es gar nicht der Sport Philipp,
[10:34] sondern süchtig auch da nach Liebe und Anerkennung.
[10:39] Also weißt du, ich glaube damals hat auch schon dieser Glaubenssatz,
[10:42] ich bin nur gut und werde nur geliebt, wenn ich was leiste, der hat damals schon
[10:47] in mir was ausgelöst und am Ende war es gar nicht der Sport,
[10:50] sondern dieses gemocht werden.
[10:54] Luisa ist also lange Zeit bereit, Warnsignale ihres Körpers zu ignorieren,
[10:59] um die Anerkennung von außen nicht zu verlieren.
[11:02] Aus psychologischer Sicht ist Anerkennung ein Motiv, das ganz,
[11:06] ganz tief im Menschen verwurzelt ist.
[11:08] Der Wunsch von anderen gesehen, geschätzt und auch wertgeschätzt zu werden,
[11:13] kann ein starker Antrieb sein, der uns zu großen Leistungen motiviert.
[11:18] Das kenne ich selber auch sehr gut.
[11:20] Einerseits kann der wunsch nach anerkennung uns also antreiben unser bestes
[11:24] zu geben uns motivieren ziele zu erreichen die wir uns sonst vielleicht gar nicht zugetraut hätten.
[11:30] Kann unser Selbstwertgefühl sogar stärken. Doch wie bei vielen Dingen im Leben,
[11:35] hat auch das Streben nach Anerkennung zwei Seiten.
[11:38] Aus dem Wunsch, nach Anerkennung zu handeln, ist auch ein Symptom unserer Leistungsgesellschaft
[11:43] und wird Anerkennung zu unserem Hauptmotiv, laufen wir Gefahr,
[11:47] uns selbst aus den Augen zu verlieren.
[11:49] Dann überschattet die Meinung anderer unsere innere Überzeugung und unsere Freude an der Sache.
[11:56] Langfristig kann dieses Verhalten zu innerer Leere führen, weil die Anerkennung
[11:59] von außen oft nicht ausreicht, um ein tiefes und nachhaltiges Gefühl der Zufriedenheit zu schaffen.
[12:05] Dann kann es schnell passieren, dass wir uns überlasten, weil wir ständig versuchen,
[12:09] es allen recht zu machen.
[12:11] Wir setzen uns selbst unter Druck, immer mehr zu leisten, um die Bestätigung anderer zu erhalten.
[12:17] Bei Lou kommt erschwerend hinzu, dass sie die Anerkennung, die ihr entgegengebracht
[12:22] wird, sogar ganz konkret in Form von Likes und Followerzahlen messen kann.
[12:26] So wird es im Ergebnis unglaublich schwierig, eine Balance zwischen Anerkennung
[12:31] von außen und innerer Zufriedenheit herzustellen.
[12:36] Ich glaube, das ist ganz wichtig, das an der Stelle nochmal zu unterstreichen,
[12:40] dass es natürlich wichtig ist, auf seinen Körper zu achten und dass es gut ist,
[12:43] dass man sich heutzutage im Internet so einfach über sowas informieren kann.
[12:46] Aber dass eben gerade junge Frauen und Mädchen durch diese falschen Körpervorbilder
[12:51] ganz schnell abrutschen, so wie du ja eigentlich auch. Du warst sportsüchtig.
[12:53] Und wenn ich das höre mit dem Essen, eigentlich hast du auch eine Essstörung
[12:56] gehabt zu dem Zeitpunkt.
[12:57] Ja, hatte ich auch. Ich war ja nie beim Arzt. Und deswegen haben wir dir dann
[13:01] auch im Krankenhaus gesagt, ja, also Frau Dellert, das ist ein sehr gestörtes
[13:04] Verhältnis zum Essen, das sie da auf jeden Fall hatten.
[13:08] Und im Krankenhaus, also im Krankenhaus,
[13:11] Alle Menschen, die schon mal ansatzweise eine OP hinter sich haben,
[13:16] in der man dann auch wirklich in Narkose gesetzt wird oder vielleicht auch schon
[13:20] mal am Herz operiert worden, die können glaube ich nachvollziehen,
[13:24] dass das voll was mit einem macht.
[13:27] Und dieser Zeitpunkt aufzuwachen nach dieser OP, mein Brustkorb war aufgeschnitten,
[13:34] ich konnte mich nicht mehr bewegen.
[13:35] Ich war diesem Krankenhaus und diesem Bett einfach total ausgeliefert und gleichzeitig
[13:40] war ich einfach wirklich ganz, ganz dünn und hatte gar nichts mehr wirklich auf den Rippen.
[13:46] Und dann kam ein Arzt damals rein, der meinte, Frau Dellert,
[13:50] wenn Sie jetzt nicht was essen, dann wird es auch viel länger dauern,
[13:54] dass Ihr Körper sich wieder aufpäppeln kann.
[13:57] Also Sie brauchen ja Nahrung, Sie brauchen ja etwas, womit Ihr Körper arbeiten kann.
[14:01] Und das war damals schon so ein kleiner Aha-Moment, der zugelassen hat,
[14:06] dass ich dann überhaupt wieder angefangen habe, normal zu essen.
[14:10] Aber du hast ja diesen Körper gehabt, für den du bewundert wurdest,
[14:13] diesen dünnen, durchtrainierten Körper.
[14:16] Und das, was mir viele Menschen erzählen, die mal eine Essstörung gehabt haben,
[14:19] dass es ganz schwierig ist, dann wieder ein normales Verhältnis zum Körper zu bekommen.
[14:23] Also war das auch schwierig, dann wieder zuzunehmen und in einen normalen Körper zurückzukommen?
[14:28] Auf jeden Fall. Das war total schwierig für mich.
[14:32] Aber es ging zu dem Zeitpunkt gar nicht anders. Also mein Körper hat es ja gar
[14:36] nicht zugelassen, dass ich überhaupt Sport machen wollte.
[14:38] Weil ich ein Jahr lang erst mal wieder zusammenwachsen musste,
[14:43] was dann nun mal jetzt alles irgendwie aufgemacht wurde am Brustkorb.
[14:46] Und ich war auch einfach viel zu schwach. Und das zu akzeptieren,
[14:50] das war damals für mich ganz, ganz schwierig und voll die Herausforderung.
[14:55] Und hat letztendlich damals schon dazu geführt, dass ich nach dieser Herz-OP
[15:01] meine erste Therapie angefangen habe.
[15:05] Also wo ich wirklich aufgearbeitet habe, wo kommt das her,
[15:09] was hat das vielleicht auch mit meiner Kindheit und mit meiner Familie zu tun,
[15:13] wie ich aufgewachsen bin, warum wollte ich denn unbedingt schlank sein und wie
[15:18] lerne ich, dass ich auch okay bin, wie ich bin.
[15:21] Und diese Therapie, war das auch einer der Gründe, warum du dann angefangen
[15:25] hast, deine Themen oder deine Inhalte zu ändern?
[15:28] Du hast ja dann auch mehr so über Körperakzeptanz gesprochen,
[15:32] Achtsamkeit, Feminismus.
[15:35] Also die Themen haben sich so ein bisschen verändert. Hängt das auch damit zusammen?
[15:38] Ja, das hängt auf jeden Fall damit zusammen. Aber auch, ich meine,
[15:42] wir alle kennen es, wir werden älter, man interessiert sich für andere Themen.
[15:46] Man ist vielleicht auch ein bisschen reflektierter. Und damals dachte ich noch,
[15:52] dass das mit Selbstliebeübungen,
[15:55] die ich mir irgendwie beibringe und jeden Tag mache und umsetze,
[16:00] dass das damit funktioniert.
[16:02] Aber dass das ein lebenslanger Prozess ist, der einen immer wieder einholt,
[16:06] das war mir damals noch nicht so bewusst.
[16:08] Du hast gerade das Wort Selbstliebe genannt. Würdest du aus heutiger Sicht sagen,
[16:11] dass du dich damals selbst wirklich geliebt hast?
[16:14] Boah Philipp, ich würde sogar sagen, dass ich mich auch heute nicht zu 100% selber lieben kann.
[16:21] Aus ganz vielen unterschiedlichen Gründen, aber es gibt immer Tage und Phasen, in denen...
[16:29] Ich meinen Körper nicht mag, in denen ich mich nicht mag, an denen ich mich
[16:34] total vergleiche und das Gefühl habe, ich habe das schlimmste Leben,
[16:38] obwohl objektiv betrachtet ich ein sehr schönes und privilegiertes Leben habe.
[16:43] Also nein, ich würde sagen, ich werde es auch nie in meinem Leben,
[16:48] glaube ich, ehrlicherweise schaffen, mich zu 100 Prozent selbst zu lieben.
[16:52] Ich kann es nur schaffen, und das tue ich auch gerade wohlwollender,
[16:56] mit allen Facetten, die ich in meinem Kopf habe, umzugehen.
[17:00] Und mich nicht unter Druck zu setzen, wenn es mal Tage gibt,
[17:03] an denen ich mich nicht mag, weißt du? Und dann zu sagen, das ist voll okay.
[17:08] Und dann geht es vielleicht in drei Tagen weiter und da hast du wieder ein ganz
[17:12] anderes Gefühl dir gegenüber.
[17:14] Ja, ich glaube, dass dieses Ziel mit der Liebe auch ein sehr,
[17:17] sehr hohes Ziel ist, wo ich mich frage, ob man das überhaupt jemals erreichen kann.
[17:20] Also ich glaube, es ist schon viel erreicht, wenn man an sich runtergucken kann
[17:23] und sagen kann, ich bin so okay, wie ich bin.
[17:25] Ich bin zufrieden mit mir. Ich muss ja nicht alles lieben, was ich da sehe.
[17:29] Aber das wird ja nicht das einzige Thema bleiben, dass du auf Social Media mit
[17:32] deinen Followern teilst.
[17:34] 2017 fängst du an, dich vermehrt mit Klimaschutz auseinanderzusetzen.
[17:39] Du postest viel zum Thema Müllvermeidung, Erderwärmung und fängst an,
[17:44] dich öffentlich politisch zu äußern.
[17:46] Ich kann mir vorstellen, dass man sich damit bestimmt nicht bei allen beliebt macht, oder?
[17:51] Nee, in der Phase würde ich sagen, in der ich sehr politisch auch gesprochen
[17:56] habe und auch meine tiefsten Gedanken geteilt habe, die ich hier zu Hause sonst
[18:01] nur mit meinem Freund teile.
[18:03] In der Phase habe ich wirklich auch den meisten Hate bekommen.
[18:08] Also der Hate, der dann auch wirklich so weit ging, dass Leute wussten, wo ich wohne.
[18:14] Der Briefkasten wurde demoliert, da stand dann Schlampe drauf,
[18:16] da waren Eier im Briefkasten.
[18:19] Ich habe Anrufe bekommen und mir wurde gedroht.
[18:25] Dass ich umgebracht werde und dass ich aufpassen soll, dass ich nicht vom Auto
[18:28] überfahren werde, wenn ich das nächste Mal durch die Stadt gehe und so. Also so war das.
[18:32] Und das war nochmal ein ganz neues Level. Weißt du, früher wurde mir gesagt,
[18:37] du bist eine gepresste Leberwurst und hast Zellulite und einen fetten Arsch.
[18:41] Das war damals schon schlimm für mich, aber das war halt nochmal wirklich ein
[18:45] neues Level, dass ja heute leider, leider, leider schon fast die Tagesordnung
[18:51] für ganz, ganz viele Menschen da draußen ist.
[18:54] Ja, man kann das ja auch heute noch teilweise sehen, weil du ja solche Sachen
[18:58] auch zum Teil postest, Nachrichten, die du bekommst, Kommentare,
[19:02] die dir Menschen mit Klarnamen schreiben, wirklich absolut ekelhafte Dinge.
[19:07] Wie fühlt sich das an für dich, wenn du sowas liest?
[19:11] Ja, ich glaube, man muss das ein bisschen unterscheiden. Also die letzten Jahre
[19:16] bin ich ja total abgestumpft und habe diese ganzen Hassnachrichten einfach immer
[19:21] an HateAid weitergegeben.
[19:22] Also das ist eine Organisation, die kümmert sich um so eine Hate-Kommentare
[19:26] und wenn die vor Gericht damit Erfolg haben, refinanzieren die sich dadurch.
[19:31] Also nicht ich kriege das Geld, sondern Hate-Aid. Das war eine ganz schöne Sache
[19:34] und hat mir auch so ein bisschen geholfen zu denken, ja okay,
[19:37] ich sehe das jetzt so, dass das am Ende auf Hate-Aid einzahlt,
[19:41] wenn ihr mir so eine Scheiße schreibt.
[19:43] Jetzt letztes Jahr...
[19:45] Während meinem Burnout und dann auch der Depression habe ich wieder zugenommen
[19:50] durch Medikamente und eigentlich brauche ich mich gar nicht erklären,
[19:54] ich habe zugenommen und das ist auch ganz okay und ganz menschlich und ganz
[19:57] normal und danach hat es mich aber total verletzt, dass Leute mir geschrieben haben,
[20:02] du bist ganz schön fett geworden, du hast zugenommen.
[20:06] Weil ich mir dachte, ihr wisst gar nicht, was ich das letzte Jahr durchgemacht
[20:09] habe und es hat mich bisher gar nicht interessiert, dass ich zugenommen habe
[20:13] und nur wegen euch ist es jetzt in meinem Kopf und ich habe mich eigentlich
[20:16] gefreut, dass mein Körper mich durch diese Zeit gebracht hat,
[20:19] und das hat mich verletzt, aber so Kommentare, wo irgendwelche Peters oder Jürgens
[20:24] mir schreiben Alter, keine Ahnung, halt mal deine Schnauze und du weißt sowieso
[20:30] nicht, von was du redest und so das ist mir inzwischen total egal,
[20:34] Und auch diese brutalen Sachen, vielleicht kannst du mal ein Beispiel nennen,
[20:36] was dir Leute damals in dieser politischen Hochphase, nenn ich es jetzt mal
[20:40] geschrieben haben, das ging ja auch über die reine Beleidigung hinaus, oder?
[20:44] Ja, also wirklich, das war dann, also am allerschlimmsten war es in der Corona-Phase.
[20:49] Da hat man ja wirklich leider gemerkt, dass die Gesellschaft,
[20:53] finde ich, sich da nochmal kümmern.
[20:55] Keine Ahnung, untereinander gespalten hat und auch radikalisiert hat in der
[20:58] Art und Weise, wie miteinander gesprochen wurde.
[21:01] Und da war es einfach wirklich so, dass ich Morddrohungen gekriegt habe.
[21:05] Also da wurde mir dann wirklich gesagt, hey, pass auf, du wohnst in Prenzlauer
[21:09] Berg, kann ich jetzt ruhig sagen, weil da wohne ich jetzt nicht mehr.
[21:12] Pass auf, dass da morgens nicht das Auto in deine Haustür reinfährt und so.
[21:15] Also sowas habe ich da zum Teil bekommen und das hat mir zum Teil auch Angst
[21:19] gemacht, weil ich dachte, scheiße, da wissen wirklich Leute,
[21:22] wo ich wohne, ohne dass ich das irgendwie so im Detail gezeigt habe.
[21:27] Und wenn du dann halt morgens rausgehst und am Briefkasten eine Post holen willst
[21:31] und da steht auf einmal drauf, was für eine, ich weiß nicht,
[21:35] ob wir das jetzt piepen müssen, aber Hure oder Fotze du bist und dann sind da
[21:39] Eier in deinem Briefkasten.
[21:41] Das war schon krass, wirklich. Und ich weiß, dass es bei vielen anderen noch
[21:45] viel, viel schlimmer war.
[21:47] Jetzt wissen wir beide vom Kopf, dass das wahrscheinlich wenig mit uns als Personen
[21:50] zu tun hat, wenn Leute im Internet schreiben, keine Ahnung, zu dir,
[21:54] du fette Kuh und zu mir, du dumme Schwuchtel.
[21:57] Das weiß man vom Kopf, aber es tut ja trotzdem weh.
[22:00] Oh ja, Philipp, also ...
[22:02] Auf einer Skala von 1 bis 10, wie dolle verletzt dich das? Weil wenn du jetzt
[22:06] das gerade aussprichst, verletzt es mich ganz dolle, wenn du solche Kommentare bekommst.
[22:11] Es hat sehr viel mit der Tagesform zu tun, ehrlich gesagt.
[22:15] Ich finde etwas, das mit meiner Sexualität zu tun hat, nicht so verletzend mehr,
[22:22] weil ich mich mit 16 auf dem Dorf geoutet habe und da mir ganz viele schlimme
[22:25] Sachen habe anhören müssen.
[22:26] Ich glaube, da stumpft man schon ab, weil ich auch da genau weiß,
[22:30] dass das nichts mit mir als Person zu tun hat.
[22:33] Ich finde eher schlimmer, wenn Leute meine Arbeit in einem ungerechten Maße kritisieren.
[22:38] Also wenn denen irgendwas Subjektives nicht gefällt und schreiben hier,
[22:43] wie kannst du nur das und das sagen, wie kannst du nur den Gast einladen,
[22:46] der ist scheiße, die Stimme gefällt mir nicht.
[22:48] Das ist ja keine konstruktive Kritik, da geht es ja nur darum, jemandem wehzutun.
[22:51] Aber du bist ja schon ein Mensch, der gefallen will, klingt sehr negativ,
[22:55] aber der schon Leuten schön und recht machen will, so erlebe ich dich,
[22:59] dann ist das doch, glaube ich, noch schwerer, wenn man sowas über sich lesen muss, oder?
[23:04] Ja, auf jeden Fall. Und also du hattest schon recht mit deiner Aussage,
[23:08] ich möchte Menschen gefallen, aber auf so eine Art und Weise,
[23:13] dass sie sich einfach bei mir wohlfühlen.
[23:15] Und das probiere ich nicht nur bei meinen Freundinnen und meiner Familie,
[23:20] sondern halt bei fast 500.000 Menschen im Internet.
[23:23] Ich nehme mir da immer noch viel zu Herzen, wenn Leute mir schreiben,
[23:27] hey, warum hast du jetzt heute, keine Ahnung, das Thema angesprochen,
[23:31] aber warum hast du die Petition nicht geteilt und kannst du mich vielleicht
[23:35] mal einladen in dein Insta-Live und warum hast du nur dieses Thema.
[23:38] Also ich mache mir da schon Gedanken darüber, wie ich allen gerecht werde und
[23:42] das geht halt einfach nicht.
[23:44] Es funktioniert niemals. Das stimmt, aber es ist ein gutes Stichwort.
[23:49] Ich war ja selbst auch an Depressionen erkrankt. Das habe ich dir ja schon erzählt.
[23:54] Allerdings ist es bei mir ein bisschen länger her, zehn Jahre ungefähr.
[23:57] Und so dieses, was du gerade angesprochen hast, ist versuchen,
[24:00] allen recht zu machen auf der einen Seite und auf der anderen Seite auch stark
[24:05] sein zu wollen, falls es sowas überhaupt gibt.
[24:08] Das kenne ich von mir total gut. Das war bei mir auch so, es ist zum Teil heute immer noch so.
[24:14] Glaubst du, dass diese Sachen auch bei dir so ein bisschen Auslöser von dieser
[24:18] Depression, von diesem Burnout gewesen sind? dieses allen recht machen und stark sein wollen?
[24:23] Auf jeden Fall. Also das weiß ich inzwischen durch meine Therapie,
[24:28] die ich mache und mit meiner Therapeutin da ganz, ganz viel und ganz,
[24:32] ganz offen darüber spreche.
[24:34] Ich weiß, dass das meine Depression am Ende sehr begünstigt hat.
[24:39] Und ich diese depressiven Phasen auch irgendwo die letzten Jahre schon immer
[24:44] hatte, sie aber nie so wahrgenommen habe.
[24:47] Und das auch immer in Phasen war, in denen ich ganz, ganz dolle den Drang verspürt
[24:54] habe, jetzt meiner Familie oder meinen Freundinnen gefallen zu wollen und da
[25:00] Leistung erbringen zu wollen.
[25:02] Und das erstmal jetzt zu wissen, ist für mich total wertvoll und auch zu wissen,
[25:07] dass das kein Fehler ist, sondern dass es menschlich ist und dass es da draußen
[25:11] wahrscheinlich auch ganz, ganz vielen, die uns hier gerade zuhören,
[25:14] so geht und die sich damit identifizieren können,
[25:17] das hat mir ehrlicherweise schon den Druck rausgenommen und ja,
[25:21] so ein bisschen ein besseres Gefühl gegeben, nicht allein damit zu sein.
[25:25] Ja, es ist, wenn du das Menschen erzählst, dass du mal Depressionen hattest
[25:28] oder gerade eine hast, dann ist oft die Reaktion, ach du, das hätte ich ja nie
[25:32] gedacht, weil du bist ja so jemand, der immer so viel macht und der irgendwie
[25:35] immer für alle da ist und immer gute Laune und so.
[25:38] Das sind ja oft gerade die Leute, die daran erkranken, weil sie ja irgendwann
[25:44] diesem Bild nicht mehr gerecht werden können.
[25:46] Und bei dir ist, denke ich mal, auch noch ein sehr, sehr krasses Arbeitspensum
[25:49] dazu gekommen. Das hat ja bestimmt auch eine Rolle gespielt, oder?
[25:52] Ja, das hat dazu geführt, dass ich mich nie mit mir selber auseinandergesetzt
[25:56] habe, weil ich halt immer nur funktionieren wollte.
[25:59] Also diese ganzen Anzeichen, dass es zu diesem Tag im Supermarkt.
[26:05] Kommen, die gab es schon vorher, Jahre ehrlicherweise vorher,
[26:09] aber auch die letzten Monate dann nochmal intensiv.
[26:11] Also dieses, ich bin morgens wach geworden und habe sofort geschwitzt,
[26:18] mein Herz hat sofort geklopft, weil ich in meinem Kopf hatte,
[26:21] was muss ich heute alles machen.
[26:22] Also da war irgendwie so ein Druck auf meinem Brustkorb die ganze Zeit drauf,
[26:28] den ich nicht erklären konnte.
[26:30] Ich konnte nicht mehr einschlafen, ich habe nicht durchgeschlafen,
[26:32] ich habe bis nachts um zwölf Uhr irgendwie noch gearbeitet und dann wachgelegen,
[26:37] ich hatte öfter mal Kopfschmerzen.
[26:39] Ich war einfach schon die ganze Zeit so geladen, was meinen Körper angeht.
[26:46] Also der war irgendwie die ganze Zeit auf Spannung, aber ich konnte gar nicht verstehen, warum.
[26:52] Weil ich mich aber auch gar nicht darum gekümmert habe, sondern einfach nur funktioniert habe.
[26:55] Und jetzt am Ende weiß ich, dass das alles auch einfach schon Zeichen waren,
[27:01] die mein Körper mir gesendet hat, weil er mir sagen wollte, Luisa,
[27:04] das geht gar nicht mehr, also du musst jetzt mal ein bisschen runterkommen.
[27:07] Deswegen umso wichtiger, auf diese Zeichen zu hören, kann ich nur sagen,
[27:11] bei mir waren es die Schlafstörungen, die mich dann immer zum Arzt gebracht haben.
[27:14] Und hätte ich nie gedacht, dass dann Depression die Diagnose ist.
[27:17] Ich dachte, der gibt mir jetzt Schlaftabletten und dann kann ich wieder schlafen.
[27:20] Das war so mein Gedankengang.
[27:22] Ich muss schlafen, damit ich arbeiten kann.
[27:24] Also total irre, gar nicht auf den eigenen Körper gehört, sich überlegt,
[27:27] woran könnte das liegen, dass ich nachts nicht schlafe, sondern nur gedacht,
[27:30] ich muss hier morgens funktionieren und dafür muss ich schlafen.
[27:33] Und dafür nehme ich jetzt mal ein paar Medikamente, damit es irgendwie klappt. Genau.
[27:36] Richtig, richtig dumm. Zum Glück hatte ich einen guten Arzt,
[27:38] der gesagt hat, ich kann Ihnen da jetzt gerne Medikamente verschreiben.
[27:40] Was wird das Problem nicht lösen?
[27:42] Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, zum Neurologen zu gehen oder zu einer Psychiaterin zu gehen?
[27:46] Und da war ich so, was brauche ich doch nicht. So, das war die erste Reaktion.
[27:50] Und wir können ja mal zurück zu diesem Moment gehen, wo wir jetzt am Anfang
[27:54] stehen geblieben sind. Also die Supermarktgeschichte.
[27:57] Du hast es aus dem Supermarkt raus geschafft, sitzt vor deiner Wohnungstür und
[28:01] traust dich aber nicht rein in die Wohnung aus Angst, dass dein Freund dir das nicht glauben könnte.
[28:08] Und deinen Freund, den kenne ich ja auch ziemlich gut. Das ist ein ganz,
[28:11] ganz toller Typ, der Markus, muss man mal an der Stelle sagen.
[28:14] Liebe Grüße. Aber deswegen, dadurch, dass ich ihn auch kenne,
[28:18] finde ich das so absurd, dass dir jemand nicht glauben könnte und dann auch
[28:23] ausgerechnet er dir nicht glauben könnte.
[28:25] Also was glaubst du, woher kommt diese Angst, dass dir das jemand nicht abnehmen
[28:29] könnte, dass du wirklich gerade was Schlimmes erlebt hast?
[28:32] Ja, weil ich immer halt performt habe und auch mein Freund mich halt immer so
[28:36] gekannt hat, dass ich abliefern kann und dass man sich auf mich verlassen kann.
[28:41] Und wie du schon sagst, mein Freund ist wirklich der Letzte.
[28:46] Bei dem man Angst haben müsste, dass der einen verurteilt oder einem nicht glaubt.
[28:51] Also das war eigentlich so glasklar, dass ich einfach reingehen kann und ihm das sagen kann.
[28:56] Aber ich habe mich das einfach nicht getraut, weil ich mir dachte,
[29:00] der sieht mir doch nicht an, dass es mir schlecht geht.
[29:02] Ich habe jetzt geweint, aber es ist halt einfach was anderes, Philipp.
[29:07] Wenn ich hinfalle und blute, dann kann ich hochgehen zu ihm in die Wohnung und
[29:12] sagen, oh, ich habe mir wehgetan, das tut jetzt echt weh. Und dann kann er mir helfen.
[29:16] Aber in diese Wohnung zu gehen und ihm zu sagen, Markus ...
[29:20] Ich konnte einfach nicht mehr da unten, es ging nicht mehr. Da ist halt immer
[29:24] so ein Stück weit im Hinterkopf, glaubt der mir das, weil der sieht mir das ja gerade nicht an.
[29:29] Und so war es ehrlicherweise auch, als ich dann zum Arzt gegangen bin.
[29:33] Da hatte ich auch ganz dolle Angst davor, dass der jetzt denkt,
[29:36] dass ich mir einfach nur eine Krankschreibung abholen will, weil ich mal eben
[29:39] keinen Bock habe zu arbeiten und mir nicht glaubt, dass es mir so geht,
[29:44] wie es mir halt in dem Moment ging.
[29:45] Und man muss an der Stelle vielleicht auch sagen, es gibt ja ganz,
[29:49] ganz viele Menschen, die haben eine Depression, aber funktionieren gleichzeitig trotzdem.
[29:56] Und das ist für ganz, ganz viele Menschen halt so schwer nachvollziehbar.
[29:59] Und das verstehe ich auch.
[30:00] Ich verstehe, dass man das nicht so nachvollziehen kann, wenn man nicht selber
[30:04] in der Situation drin ist.
[30:06] Ich muss sagen, dass ich früher auch nie richtig nachvollziehen konnte,
[30:10] wenn jemand gesagt hat, ich habe einen Burnout.
[30:12] Dann dachte ich ehrlicherweise auch zum Teil so, ja gut, dann hast du jetzt
[30:16] halt zu viel gearbeitet, dann mach jetzt halt mal langsamer.
[30:19] Aber was so ein Burnout beziehungsweise auch eine depressive Erschöpfung alles
[30:23] mit sich bringen kann und wie sich das anfühlt, das konnte ich in dem Moment ja nicht wissen.
[30:27] Und deswegen hatte ich auch schon so meine Vorurteile, das würde ich nie wieder
[30:31] jetzt haben, weil ich da selber durch bin. Aber es ist ganz,
[30:34] ganz wichtig, dass wir Menschen das glauben.
[30:36] Jetzt sind wir gerade schon wieder ein bisschen weg von dem Moment gekommen,
[30:38] weil wir haben Markus jetzt schon ein paar Mal erwähnt. Wie hat er denn jetzt
[30:41] reagiert? Das müssen wir vielleicht noch klären.
[30:43] Na, total liebevoll. Also der hat mich in den Arm genommen und hat mir einen Tee gemacht.
[30:49] Und ich weiß noch, ich habe mich dann auf den Balkon gesetzt.
[30:51] Und der war super liebevoll.
[30:54] Auch in der ganzen Zeit, während dieser ganz, ganz schlimmen Phase,
[30:58] als wirklich meine Depression ganz schlimm war, war dieser Mensch immer da.
[31:03] Und man muss dazu sagen, dass eine Depression ...
[31:07] Die zieht in diese ganze Wohnung mit ein. Die zieht nicht nur in den Menschen
[31:11] mit ein, die die Depression hat, sondern auch an die Menschen, die drumherum sind.
[31:16] Und das ist nicht leicht für Angehörige, damit umzugehen.
[31:20] Absolut. Also dieser Mensch, was der alles wirklich gemacht hat für mich und
[31:25] mitgemacht hat, das war, ich weiß nicht, ob ich das gekonnt hätte, keine Ahnung.
[31:32] Aber das war schon krass.
[31:34] Und das rechne ich ihm ganz hoch an, weil das nicht einfach ist für die Angehörigen.
[31:40] Ja, das stimmt. Das sollte man an der Stelle wirklich noch mal ganz deutlich
[31:42] sagen. Das ist einfach eine Krankheit, die auch wie Alkoholismus auch,
[31:45] die auch die ganze Familie dann mit betrifft.
[31:47] Und ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, ungefähr so zu der Zeit
[31:52] muss das gewesen sein, war ich mit euch beiden in Berlin zum Essen verabredet.
[31:55] Und dann war nur Markus da.
[31:57] Und ich habe gesagt, ach, kommt du heute gar nicht? Und dann hat er gesagt,
[31:59] nee, der geht es nicht so gut. Und hat dann so ein bisschen erzählt, was bei dir los ist.
[32:03] Und da war, glaube ich, dieses Wort noch gar nicht. Depression oder Burnout,
[32:08] das war noch gar nicht so richtig im Raum.
[32:11] Und als er mir nur erzählt hat, was du gerade so ein bisschen durchmachst,
[32:14] ohne jetzt zu sehr in die Details zu gehen, habe ich gedacht,
[32:17] scheiße, das ist, glaube ich, eine Depression.
[32:20] Und hattest du diesen Gedanken, also dieses Wort dafür, wie es dir gerade geht,
[32:25] ganz am Anfang auch schon?
[32:27] Nee, gar nicht. Also ich bin...
[32:30] Ich bin ja zu dem Arzt dann gefahren und dafür bin ich extra in die Heimat gefahren,
[32:35] weil das mein Hausarzt war, der mich schon immer kannte, weil ich einfach so
[32:39] Angst hatte, zu einem anderen Arzt zu gehen und der mir nicht glaubt.
[32:43] Und dann saß ich da und hab dem das erklärt und hab die ganze Zeit auch zu ihm
[32:47] gesagt, ich hoffe, sie glauben mir das.
[32:49] Ich weiß, ich seh jetzt gerade nicht so aus, aber es ging mir wirklich ganz
[32:52] schlecht und ich weiß nicht, was los ist.
[32:54] Und der war total lieb und kannte mich ja und hat gesagt, also der duzt mich
[33:00] und hat gesagt, Luisa, also das jetzt erst passiert ist eh ein Wunder nach den
[33:05] ganzen letzten Jahren, die du so durchgepowert hast.
[33:07] Und der hat mir dann einen Schein gegeben und da stand dann drauf,
[33:11] depressive Erschöpfung und hat mir dann eine Überweisung für eine Therapie gegeben.
[33:16] Und das war dann erst mal auf der einen Seite super erleichternd,
[33:20] weil ich schwarz auf weiß hatte, dass ich mir das, was ich da hatte und wie
[33:26] es mir geht, nicht ausgedacht habe, sondern dass mir da ein Arzt glaubt und
[33:29] da anscheinend wirklich mehr dahinter steckt.
[33:32] Und ich auch allen Kooperationspartnern und auch bei meiner Moderation und so
[33:38] sagen konnte, ey Leute, mir geht es nicht gut und ich habe hier wirklich einen Schein.
[33:41] Aber auf der anderen Seite hat das bei mir auch ganz viel aufgewühlt,
[33:45] weil ich ja wusste, dass ich damals nach meiner Herz-OP schon mal so eine depressive Phase hatte,
[33:52] die ich damals nur vielleicht noch nicht so wahrgenommen habe,
[33:55] wie ich sie heute wahrgenommen habe.
[33:57] Also heute habe ich das nochmal ganz intensiver, viel intensiver wahrgenommen
[34:01] und da war erst so der Moment, in dem ich mich überhaupt damit auseinandergesetzt habe,
[34:06] ja was bedeutet denn das jetzt überhaupt und was hat das vielleicht schon die
[34:10] letzten Monate mit mir gemacht und was soll ich jetzt überhaupt machen?
[34:16] Wir springen ja jetzt hier immer wieder zwischen den Begriffen Burnout und Depression
[34:20] hin und her und deswegen ist vielleicht eine kleine Differenzierung ganz hilfreich an der Stelle.
[34:26] Der Begriff Burnout ist mittlerweile schon in fast allen Köpfen angekommen und das ist auch logisch.
[34:33] Burnout, das Ausgebranntsein vom Job, ist nämlich alles andere als eine Modeerscheinung.
[34:39] Nach Schätzungen der AOK gab es im Jahr 2022 in Deutschland über 200.000 Fälle.
[34:46] Ein Burnout ist laut der Definition der WHO aber keine Krankheit,
[34:51] sondern ein Syndrom, also eine Häufung von Symptomen.
[34:55] Der Name verrät es schon, das Gefühl ausgebrannt zu sein und ein Gefühl völliger
[35:00] emotionaler Erschöpfung stehen dabei in der Regel im Mittelpunkt.
[35:04] Das Burnout-Syndrom wird als Zusatzdiagnose gestellt und das geschieht eben
[35:09] oftmals im Rahmen einer Depression, wie auch bei Luisa. Eine Depression an sich
[35:15] ist eine psychische Störung, also eine Erkrankung.
[35:18] Depressionen beeinträchtigen unsere Gefühls- und Stimmungslage und führen so
[35:22] bei den allermeisten Betroffenen zu extremer Niedergeschlagenheit und Traurigkeit,
[35:28] Antriebslosigkeit und nicht selten auch zu Selbstvorwürfen, ständigen Grübeln
[35:32] und Konzentrationsproblemen.
[35:35] Viele depressive Menschen schlafen schlecht, haben keinen Appetit und spüren
[35:40] auch einen Verlust der Libido.
[35:42] Außerdem ist das Risiko, Suizidgedanken zu bekommen, bei Betroffenen bedeutend erhöht.
[35:47] Kurzum, eine Depression stellt das gesamte Leben auf den Kopf und hat einen
[35:52] riesengroßen Einfluss auf das Berufs- und natürlich auch auf das Privatleben.
[35:57] Ich muss sagen, dass ich bei meiner eigenen Diagnose damals gedacht habe,
[36:00] Depressionen, das haben andere, das habe ich doch.
[36:04] Ich konnte damit erst mal in Bezug auf mich selbst überhaupt nichts anfangen.
[36:09] Bei Luisa war die erste Reaktion ein bisschen anders.
[36:15] Ja, bei mir war es nicht so, also bei mir war es nicht Abwehrhaltung,
[36:18] bei mir war es eher Erleichterung, dass ich Situationen in den letzten Jahren
[36:24] vielleicht auch schon besser einordnen konnte,
[36:27] weil ich zum Teil immer nicht gewusst habe, warum reagiere ich denn jetzt so.
[36:30] Ich konnte damals schon nicht wochenweise rausgehen oder hatte so richtige Tiefs,
[36:36] wo ich alles absagen musste, aber ich konnte es nie einordnen.
[36:39] Ich dachte immer, naja, vielleicht liegt das daran, ich bin eine Frau und ich
[36:41] habe ja auch meine Tage und sowas, kann ja daran liegen, war aber nicht immer so.
[36:46] Und es war einfach für mich eine Erleichterung zu wissen, vielleicht hat das
[36:51] alles zusammengespielt schon die letzten Jahre.
[36:53] Und das war aber ehrlicherweise dann einfach der große Knall letztes Jahr,
[36:57] wo es mir dann einfach nicht nur ein paar Wochen, sondern wirklich Monate ganz, ganz schlecht ging.
[37:01] Du hast dann, glaube ich, dein Management angerufen. Ihr habt alles an Terminen
[37:05] abgesagt, alles erst mal auf Pause gedrückt.
[37:09] Zum Glück können sich viele Menschen das gar nicht vorstellen,
[37:12] wie das ist, weil sie es selber nie gefühlt haben. Aber vielleicht kannst du
[37:14] mal beschreiben, wie sich das für dich angefühlt hat, diese Krankheit in dieser
[37:19] ganz krassen Phase, die du gerade angesprochen hast.
[37:22] Ja, ich probiere das immer mit zwei Bildern zu machen.
[37:25] Also zum einen, wenn ich jetzt gerade rausgucke, die Sonne scheint,
[37:28] es ist richtig warm und ich erinnere mich noch ans letzte Jahr.
[37:31] Da bin ich dann auch des Öfteren mal mit Markus spazieren gegangen.
[37:35] Das war das Höchste aller Gefühle. Und ich konnte...
[37:40] Die Sonne, die Lichter, die Bilder, die man so gesehen hat im Park,
[37:45] gar nicht so wahrnehmen.
[37:46] Bei mir war das alles so ein grauer Schleier, der da drüber war,
[37:50] weil ich einfach nichts mehr fühlen konnte.
[37:52] Also ich konnte nicht fühlen, dass das heute ein schöner Sommertag ist,
[37:57] sondern bei mir war einfach gar nichts da. Und man kann sich das so vorstellen,
[38:01] als wenn wirklich die ganze Welt um dich herum grau ist.
[38:05] Das ist so ein bisschen so das eine Bild. Und dann hat es sich auch so angefühlt,
[38:11] stell dir vor, du bist gerade unterwegs auf dem Meer mit, keine Ahnung,
[38:17] einem kleinen Ruderboot und willst eigentlich voll den schönen Tag haben und
[38:21] Delfine oder Orcas sehen.
[38:22] Und auf einmal fängt dein Boot aber an, unterzugehen und du hast da eine Rettungsweste,
[38:28] aber du bist zu kraftlos, dir diese Rettungsweste anzuziehen und gehst mit dem Boot zusammen unter.
[38:35] Dieses Bild hat für viele in meinem Umkreis noch mal so einen Aha-Moment erzeugt,
[38:42] weil der halt so verdeutlicht, dass du eigentlich weißt, dass es dir gerade
[38:47] nicht gut geht, aber du kannst einfach nichts machen.
[38:49] Also du kannst die Situation einfach nur aussitzen und zugucken dabei.
[38:54] Wie schlecht es dir geht, weil du einfach zu kraftlos bist.
[38:57] Und das ist für mich so ein bisschen das, wie ich meine Depression immer beschreibe.
[39:04] Ich finde das ein gutes Bild, weil viele Leute stellen sich vor,
[39:07] dass man in so einem ständigen Tief ist und nur weint. Das ist auch Teil davon.
[39:13] Aber auch bei mir war es eher so, dass ich mich...
[39:16] Ohne es wirklich zu merken, ich habe nichts mehr gefühlt. Keine Hochs und keine
[39:20] Tiefs. Es ist wie in Watte gepackt.
[39:23] Und ich habe dann eine Therapie angefangen und ich habe auch Antidepressiva
[39:27] bekommen und habe dann so nach ein paar Wochen gemerkt, die Sonne schien,
[39:32] das weiß ich noch ganz genau, die Sonne schien ins Fenster rein.
[39:35] Ich habe mich über diesen Sonnenstrahl gefreut.
[39:37] Ich habe gemerkt, dass ich mich wochen und monatelang nicht mehr über sowas
[39:40] gefreut habe, weil ich einfach gar nichts gefühlt habe. Und dass man dann wieder
[39:44] auf so ein normales Level kommt und Sachen fühlt, schöne, aber auch schlimme.
[39:49] Und dass es halt nicht nur so eine Nulllinie ist, so wie du das gerade so ein
[39:53] bisschen auch geschildert hast.
[39:56] Was war denn das, womit du dann deine Tage verbracht hast? Du hast gerade gesagt,
[40:01] Spaziergang war das höchste der Gefühle.
[40:03] Also das ist durch so Phasen bei mir gegangen.
[40:06] Ganz am Anfang war es tatsächlich noch so, nachdem ich dann diese Supermarktsituation
[40:11] hatte und alles abgesagt habe,
[40:13] dass ich dann erst mal wirklich tagelang nur auf dem Balkon saß von morgens
[40:18] bis abends und den Bienen dabei zugeguckt habe, wie sie über meine Tomatenpflanzen fliegen.
[40:24] Also mehr konnte ich nicht. Und es war auch kein, ich bewerte diese Situation,
[40:28] sondern es war einfach, ich saß da und habe das halt gesehen.
[40:31] Und dann gab es so den Moment, dass ich dachte, ey ...
[40:37] Ich muss mal raus, ich muss mal irgendwie weg hier aus der Wohnung,
[40:40] aber ich will auch keine Leute um mich herum haben.
[40:42] Und da konnte ich noch für mich entscheiden, dass ich eine Woche einfach wandern
[40:47] gehe. Ich habe meinen Rucksack gepackt und bin einfach eine Woche ganz alleine
[40:51] wandern gegangen, ohne Menschen zu sehen, ohne mein Handy, sondern einfach nur ich.
[40:55] Und das hat mir relativ gut getan, weil ich während diesem Wandern und Spazierengehen
[41:02] nicht mehr nachgedacht habe und nicht in so einen Grübelstatus gekommen bin oder überlegt habe,
[41:08] warum bin ich jetzt hier und was mache ich, sondern ich habe einfach nur die Natur wahrgenommen.
[41:12] Und das war sehr schön. Und danach ging es dann aber auch durch so ein paar
[41:16] familiäre Situationen ehrlicherweise richtig bergab.
[41:21] Und ich war in so einem richtigen Loch und in so einem richtigen Tunnel.
[41:24] Und da war es wirklich so, dass ich zum Teil gar nicht aufstehen konnte.
[41:29] Also das war wirklich das Höchste aller Gefühle, dass ich mich mal nach vier,
[41:34] fünf Tagen unter eine Dusche gestellt habe.
[41:37] Oder Markus hat mir wirklich immer einen Kaffee und einen Tee gemacht.
[41:42] Den auszutrinken und entgegenzunehmen, das war echt ganz, ganz schwierig für mich.
[41:48] Ich habe auch wochenlang keine Post aufgemacht. Ich war einfach total energielos.
[41:54] Ich konnte das alles nicht machen. Und das war wirklich das Tief,
[41:58] dass ich wirklich einfach nur da lag und gegen die Wand geguckt habe.
[42:02] Ohne jetzt da zu sehr in die Details zu gehen. Du hast gerade gesagt,
[42:06] es gab einen Auflöser, dass es dann noch mal tiefer gegangen ist bei dir.
[42:10] Was glaubst du, wie es dazu gekommen ist, dass es dir dann noch schlechter ging?
[42:15] Ja, ich habe in meinem Freundeskreis und in der Familie einfach ein paar Menschen,
[42:23] die mir ganz wichtig sind, aber bei denen ich das Gefühl hatte,
[42:27] in der Situation, in der es mir wirklich am allerschlimmsten ging,
[42:30] dass sie nicht für mich da waren, dass sie das nicht so interessiert hat und ja, dass sie...
[42:37] Dass sie sich einfach nicht für mich interessiert haben. Und da war wieder dieser
[42:39] Glaubenssatz. Keiner liebt mich, keiner interessiert sich für mich.
[42:43] Und weil das einfach schon immer in meinem Leben eine Rolle gespielt hat,
[42:48] war das in dem Moment so schlimm für mich, dass das ganz viel aus meiner Kindheit
[42:52] auch wieder hochgeholt hat und da ausgebrochen ist.
[42:55] Und ich dann irgendwann froh war, dass ich einen tatsächlichen Therapieplatz
[42:59] bekommen habe und da einfach mal mit einer Person sprechen konnte.
[43:03] Weil vieles, was man in seiner eigenen Kindheit erlebt, können ja andere um
[43:08] einen herum gar nicht verstehen, weil sie eine ganz andere Kindheit durchlebt haben.
[43:12] Und da dann jemanden zu haben, mit dem du sprechen kannst, der völlig wertfrei
[43:16] dir zuhört und das mit dir aufarbeitet, das war für mich ganz, ganz wichtig.
[43:21] Ich glaube, das ist auch ganz wichtig, noch mal festzuhalten,
[43:23] Es ist doch schon was anderes, ob man mit einem Therapeut oder einer Therapeutin
[43:26] spricht oder mit Freunden. Auf jeden Fall.
[43:30] Und das ist auch voll normal, denn Freunde und Freundinnen dürfen und können
[43:36] bis zu einem gewissen Grad da sein,
[43:38] aber die können ja das zum Teil gar nicht leisten, was eine Therapeutin oder
[43:42] ein Therapeut da mit dir durchlebt und aufarbeitet.
[43:48] Und es ist voll okay, ab einem bestimmten Zeitpunkt dann auch die Verantwortung
[43:54] bestenfalls an einen Arzt, Ärztin,
[43:58] Therapeutin halt abzugeben und zu sagen, hey, ab dem Punkt, da kann ich dir einfach nicht helfen.
[44:05] Sich einen Therapieplatz zu suchen, ist natürlich leichter gesagt als getan.
[44:09] Die traurige Wahrheit ist, dass es in Deutschland leider viel zu wenige sogenannte Kassensitze gibt.
[44:17] Also Psychotherapeuten und Therapeutinnen, die von der Krankenkasse die Erlaubnis
[44:21] haben, gesetzlich krankenversicherte Menschen zu behandeln.
[44:24] Und das liegt nicht nur daran, dass es zu wenige Psychotherapeutinnen und Therapeuten
[44:29] gäbe oder dass diese lieber nur Privatpatienten behandeln wollen.
[44:33] Statistischen Bundesamt gibt es in Deutschland etwa 48.000 approbierte Psychotherapeutinnen
[44:39] und Therapeuten, aber nur 32.500 Kassensitze.
[44:43] Das Problem ist, dass es einen Deckel, also eine Maximalzahl für diese Kassensitze gibt.
[44:48] Und die hat ein Bundesausschuss im Jahr 1999 festgelegt, also vor mehr als 20 Jahren.
[44:55] Obwohl sich dieser Bedarf in den letzten 25 Jahren immens gesteigert hat,
[44:59] wurde bisher nur einmal, nämlich 2019 nachjustiert und da gab es dann 800 zusätzliche Sitze.
[45:06] Die Bundespsychotherapeutenkammer schätzt aber, dass es noch ungefähr 7000 dieser
[45:12] Kassensitze bräuchte, um den Bedarf.
[45:17] Kleiner Exkurs soll jetzt aber
[45:19] nicht bedeuten, dass die Suche nach einem Therapieplatz aussichtslos ist.
[45:22] Ich kann wirklich jedem Betroffenen nur ans Herz legen, sich unbedingt auf die
[45:27] Suche zu machen, auch wenn es ein bisschen länger dauern kann.
[45:30] Weil es dazu oft viel Informationen gibt, will ich hier einmal festhalten,
[45:35] das ist mir ganz wichtig an der Stelle.
[45:36] Für einen ersten Termin bei einem Psychotherapeuten oder einer Psychotherapeutin
[45:41] ist keine Überweisung nötig.
[45:43] Wenn es euch also mental schlecht geht, dann müsst ihr keinen Hausarzttermin
[45:48] abwarten, sondern ihr könnt euch direkt und sofort bei einer psychotherapeutischen Praxis melden.
[45:53] In den Shownotes verlinken wir euch einige Online-Portale, die euch bei der Suche helfen können.
[45:59] Wenn ihr keinen freien Termin findet oder schlichtweg nicht die Kraft oder den
[46:03] Antrieb dafür habt, euch selbst jemanden rauszusuchen, dann gibt es Unterstützung
[46:08] unter der Telefonnummer 116 117.
[46:12] Das ist der Patientenservice des ärztlichen Notdienstes.
[46:16] Der ist verpflichtet, einen Termin für ein Erstgespräch zu vermitteln,
[46:19] der nicht länger als vier Wochen in der Zukunft liegt.
[46:25] Jetzt hast du aber diese Reise, die ja eine wirkliche Reise ist und die auch
[46:30] nicht einfach ist, nicht für dich alleine durchlebt, sondern in der Öffentlichkeit.
[46:36] Dann steht da auf einmal auf bild.de Influencerin Luisa Dellert, ich habe Depression.
[46:42] Was sind da für Reaktionen gekommen, als es dann raus war, in Anführungsstrichen?
[46:47] Also überwiegend absolutes Verständnis für meine Situation.
[46:54] Ganz, ganz viele Menschen, die sich geöffnet haben und gesagt haben,
[46:57] Lu, mir geht es ähnlich, ich kenne das selber, mein Freund, meine Mutter,
[47:02] mein Vater sind dann Depression erkrankt, danke, dass du darüber redest,
[47:06] so kann ich besser damit umgehen.
[47:08] Also da war ganz viel Verständnis da und es gab natürlich auch die Seite, die gesagt hat, ah ja.
[47:16] Jetzt hat sie Marketing betrieben und jetzt hat sie ein neues Thema gefunden
[47:22] und mal gucken, wie lange es dauert, bis sie eine Talkshow über Depressionen macht und was weiß ich.
[47:27] Also die gab es auch und die wenigen haben mich leider auch total verletzt,
[47:32] weil ich mir dachte, oh ihr Arschlöcher,
[47:35] wenn ihr wüsstet, wie es mir geht und wie es mir auch die letzten Monate ging,
[47:40] ich wünsche das wirklich niemanden.
[47:43] Ich wünsche das gar keinem, auch nicht Menschen, die ich nicht mag.
[47:45] Das wünsche ich einfach niemandem, das zu durchleben.
[47:48] Und ihr unterstellt mir, dass ich mir das ausdenke. Das war so,
[47:51] so scheiße für mich, dass das schon was mit mir auch gemacht hat.
[47:55] Aber du hast dich ja dafür entschieden, diesen öffentlichen und vielleicht auch
[47:59] schwereren Weg zu gehen.
[48:00] Du hättest ja auch einmal einen Post machen können, sagen, so ist es,
[48:03] Leute, mir geht es schlecht, ich ziehe mich zurück.
[48:04] Und dann nach einem halben Jahr wiederkommen und, keine Ahnung,
[48:07] Rabattcodes verteilen und so tun, als wäre nichts gewesen.
[48:10] Du hast dich ja bewusst dafür entschieden, die Menschen auf der Reise mitzunehmen.
[48:14] Ja, erst hatte ich das nicht entschieden und dann dachte ich für mich,
[48:18] ich muss es auch machen, Weil in der Phase, in der es mir wirklich schlecht
[48:22] ging, musste ich dann auch meine Firma schließen, weil ich nicht mehr arbeiten konnte.
[48:27] Also ich konnte meine Beratungsagentur, meine Aufgaben dann nicht mehr erfüllen
[48:31] und mit den Kunden sprechen und ich konnte auch nicht mehr bei Deep und Deutlich moderieren.
[48:36] Das ging einfach nicht mehr. Das heißt, die Dinge, mit denen mich zum Teil die
[48:41] Menschen da draußen auch identifiziert haben.
[48:43] Die habe ich nicht mehr wahrgenommen. Und ich wollte da einfach von Anfang an
[48:47] ehrlich sein, warum ich jetzt auf einmal bei Dieb und Deutlich aufhöre und warum
[48:50] ich meine Beratungsagentur zumache.
[48:53] Weil ich auch einfach nicht wollte, dass sonst wieder irgendwelche,
[48:55] du weißt, wie es ist, dann kommen Gerüchte, dann wird was anderes erzählt,
[48:58] wurde sie da rausgeschmissen, hat sie kein Geld mehr.
[49:02] Und mir war es einfach wichtig, von Anfang an ehrlich damit umzugehen.
[49:05] Und ich dachte, wenn ich das jetzt auch ehrlich tue, warum soll ich dann nicht
[49:10] auch die Leute auf dem Weg, in den Momenten, in denen ich es fühle,
[49:14] auf jeden Fall mitnehmen.
[49:15] Und am Ende war das für mich auch der richtige Weg, weil ich einfach unglaublich
[49:19] viel Feedback bekommen habe dazu, dass da in vielen Köpfen jetzt,
[49:23] glaube ich, mehr Awareness herrscht, was das Thema mentale Gesundheit und auch Depression angeht.
[49:29] Du zeigst dich auch, wenn du mal weinst, du zeigst dich auch mit deinen Schwächen,
[49:34] mit deinen Unsicherheiten.
[49:35] Und ich glaube, es ist eben auch wichtig, oder? Also es ist ja aus der Situation heraus entstanden.
[49:40] Du hattest ja jetzt nicht den Masterplan, mein neues Thema ist jetzt mentale Gesundheit,
[49:44] aber es scheint ja eben auch ein Thema zu sein, was ganz viele Leute anspricht
[49:48] und hat ja, glaube ich, auch neue Menschen sozusagen in den Feed gespült,
[49:53] die sagen, hey, das ist ja cool, was die macht, da interessiere ich mich für. Auf jeden Fall.
[49:56] Und bei all dem, was du gerade sagst, probiere ich mich natürlich auch selber
[50:00] immer zu reflektieren, weil am Ende des Tages mache ich den Job schon lang und natürlich stimmt es,
[50:06] dass emotionale Themen auf Instagram nun mal auch für Aufmerksamkeit sorgen. Und das weiß ich auch.
[50:12] Und es gab auch Leute, die das kritisiert haben, was ich auch zum Teil verstehe,
[50:17] dass ich ein Foto hochgeladen habe, auf dem ich geweint habe.
[50:21] Weil wie komisch muss es für Leute sein, die sehen jetzt erstmal das Foto und
[50:25] denken, aha, hat sie jetzt extra geweint, um das Foto zu machen oder hat sie
[50:30] jetzt angefangen zu weinen und dann sofort die Kamera drauf gehalten. Ich verstehe das.
[50:34] Auf der anderen Seite wollen wir immer mehr authentische und aus dem Leben erzählende
[50:41] Geschichten und den Content auch haben.
[50:44] Also es ist so ein Zwiespalt. Und bei mir war es einfach so, dass ich...
[50:49] Von Anfang an sehr früh während meiner Depression das auch einfach für mich
[50:54] dokumentiert habe, um auch immer wieder ein Jahr später noch drauf gucken zu
[50:59] können und zu wissen, ja, mir ging es wirklich scheiße.
[51:01] Das war nichts, was ich mir jetzt eingebildet habe oder ausgedacht habe,
[51:04] sondern ich sehe der Lou vor einem Jahr an, mir ging es da scheiße.
[51:09] Und in den Momenten habe ich das nicht gemacht, wenn ich angefangen habe zu
[51:12] weinen und dann gedacht habe, ja, jetzt muss ich die Kamera drauf halten. Geil, Content.
[51:16] Ja, genau. Sondern es war schon so, immer wenn ich mich dann beruhigt habe oder
[51:21] es mir einfach so wieder ein bisschen besser ging, habe ich halt dieses Foto gemacht.
[51:26] Ich verstehe, dass das für manche Menschen befremdlich ist.
[51:28] Aber ich denke mir, wisst ihr, wir finden es auch alle nicht befremdlich,
[51:32] wenn wir in den ganz tollen Situationen uns immer fotografieren.
[51:35] Warum soll man das auch nicht in Situationen machen, in denen es einem nicht so gut geht? Stimmt.
[51:41] Würdest du sagen, dass du ein Mensch bist, der in Extremen lebt?
[51:45] Weil das war jetzt gerade so die Gedanken, die ich jetzt zu unserem bisherigen
[51:48] Gespräch hatte, weil du hast angefangen mit Sportsucht, Essstörung,
[51:53] dann Body Positivity, ganz viel Arbeit, dann der Burnout,
[51:59] also ja Influencer-Welt, gleichzeitig politische Themen. Kannst du dich da ein
[52:03] bisschen wiederfinden?
[52:05] Philipp, hast du mit meiner Therapeutin gesprochen? Nein, es gehört nicht zur
[52:09] Sendungsvorbereitung dazu. Ja, ich absolut bin ich ein Mensch, der immer...
[52:18] In dem Entweder-Oder lebt und dann auch von Null auf Hundert.
[52:22] Also ich kann mich zum Beispiel für ein Thema total faszinieren.
[52:26] Dann will ich aber auch von Null auf Hundert, dass das dann durchgezogen wird
[52:29] und dass ich das dann mache.
[52:31] Und genau, ich lebe immer in diesem Extrem. Das hat mir meine Therapeutin auch so gespiegelt, ja.
[52:37] Und gleichzeitig habe ich dich als einen Menschen kennengelernt,
[52:40] der wahnsinnig warmherzig ist, der sich für andere interessiert und der vielleicht
[52:45] auch manchmal die Probleme anderer Leute zu seinen eigenen macht.
[52:47] Das sind ja eigentlich tolle Eigenschaften, aber sind die nicht vielleicht auch Teil des Problems?
[52:54] Ja, ich glaube, das ist auch bei vielen Menschen so, dass das auch Teil des Problems sein kann,
[52:59] aber gleichzeitig das eigentlich Eigenschaften sind, die wir in unserer Gesellschaft
[53:03] in der aktuellen Situation auch eigentlich viel öfter brauchen,
[53:07] dass man Menschen zuhört und dass man sich Probleme auch mit aneignet,
[53:14] um sie dann zu lösen mit anderen zusammen,
[53:16] aber das kann halt ab einem bestimmten Punkt auch kippen.
[53:20] Und ich glaube, wir brauchen alle so einen gesunden Teil von,
[53:27] ich weiß nicht, ob man es Egoismus nennen soll oder Selbstschutz,
[53:31] wo wir dann sagen, hey, ab hier kann ich das Problem nicht zu meinem eigenen
[53:36] Problem machen oder zu dem Problem, was ich alleine lösen soll.
[53:39] Also wir hatten vorhin das Thema Klimaschutz, Klimakrise.
[53:44] Da ist es mir irgendwann auch schwergefallen, Grenzen zu ziehen und mir selber
[53:49] noch Dinge zu erlauben, weil ich immer dachte, ich bin ja das große Problem,
[53:55] dabei ist das eins, was wir alle zusammen nur lösen können, weißt du?
[53:59] Und da den richtigen Weg zu finden, ist total schwierig.
[54:02] Aber um halt nicht auszubrennen und weiterhin auch für Leute da zu sein,
[54:08] zuzuhören und schöne Momente haben zu können, musst du halt auch Grenzen ziehen können.
[54:12] Ich finde ehrlich gesagt, Egoismus ist das genau richtige Wort.
[54:14] Weil das ist was, was ich für mich total aus meiner Krankheit rausgezogen habe.
[54:18] Ich bin egoistischer geworden. Im Sinne von, dass ich früher...
[54:22] Gedacht habe, es sind drei Geburtstage an einem Abend, ich muss bei allen dreien
[54:27] sein, weil sonst könnte ja irgendwer sich zurückgesetzt fühlen.
[54:31] Und heute ist es so, dass ich denke, habe ich wirklich Lust unter Leute zu gehen
[54:34] oder bleibe ich einfach zu Hause?
[54:36] Ich denke, dass Menschen, mit denen man gut befreundet ist, das auch verstehen,
[54:40] dass man dann auch mal nicht irgendwas vorschieben muss.
[54:43] Keine Ahnung, die Abgabe hat sich irgendwie verschoben, ich muss heute Abend
[54:46] noch arbeiten, dass man wirklich unter guten Freunden sagen kann,
[54:49] weißt du was, mir geht es heute nicht so gut und mir wird es helfen,
[54:52] wenn ich einfach Zeit mit mir selbst verbringe.
[54:55] Du hast total recht, nur ist das Wort Egoismus halt so negativ behaftet. Stimmt.
[55:02] Also vielleicht brauchen wir dafür einfach nochmal ein anderes Wording,
[55:05] das besser passt, weil Egoismus halt immer gleich bedeutet, ach ja,
[55:09] die Person denkt nur an sich, was aber auch einfach in Ordnung sein darf und
[55:14] einem nicht sofort zu einem schlechteren Menschen macht.
[55:17] Absolut, ich kann mich ja trotzdem für andere einsetzen, aber ich muss die Energie,
[55:20] die ich dafür aufwende, ja erst mal sammeln.
[55:22] Du hast jetzt diese ganze Reise, die vergangenen elf Jahre, das ist ja wirklich
[55:26] eine Reise, mit fremden Menschen geteilt in der Öffentlichkeit.
[55:33] Hast du irgendwann mal darüber nachgedacht, dich da komplett rauszuziehen und
[55:36] zu sagen, Leute, wisst ihr was, leckt mich alle am Arsch, ich möchte das jetzt
[55:39] für mich haben, so die Zeit?
[55:40] Ja, schon des Öfteren, ehrlicherweise.
[55:44] Also auch wenn ich mal irgendwie einen deutschlandweiten Shitstorm hatte,
[55:47] der nicht nur auf Instagram, sondern irgendwie auch in den Medien stattgefunden
[55:50] hat, dann gab es immer mal die Situation.
[55:54] In der ich darüber nachgedacht habe, einfach wieder was im Offline-Leben zu machen.
[56:00] Und ich es dann aber trotzdem nicht getan habe. Und dazu gehört,
[56:04] ein Teil der Wahrheit ist, es macht mir Spaß.
[56:07] Aber ein anderer Teil der Wahrheit, den natürlich viele nicht aussprechen wollen,
[56:12] weil es ein unangenehmes Thema ist, ist einfach, dass es auch ein finanzielles
[56:16] Privileg ist, das machen zu können. Total.
[56:19] Was ich mache, was du machst.
[56:22] Und es mir einfach schwerfällt, nach zehn Jahren das aufzugeben.
[56:27] Es geht ja auch um die eigene Existenz. Also was würdest du machen,
[56:31] was würde ich machen, wenn das dann irgendwann mal nicht mehr ist?
[56:35] Also irgendwas würde man wahrscheinlich finden, aber es ist natürlich eine riesige
[56:37] Umstellung. Es ist unser Job, den wir auch geben würden.
[56:40] Ja, auf jeden Fall. Also es ist eine Umstellung von dem, was wir gerne machen,
[56:44] aber auch von dem finanziellen Aspekt, von dem zeitlichen Aspekt,
[56:47] nicht mehr vielleicht sich die Zeit selber einteilen zu können.
[56:50] Das spielt da alles mit rein.
[56:52] Und das war auch bei mir immer so und hat dann letztendlich auch dazu geführt,
[56:56] dass ich eben nicht aufgehört habe damit. Und ich mache es auch einfach zu gerne und ich glaube ...
[57:03] Ich möchte für mich einfach einen gesünderen Weg finden. Aber du hast ja was
[57:08] an deinem Leben geändert.
[57:10] Ich würde jetzt nicht sagen, dass du offline gegangen bist, aber ein bisschen
[57:13] mehr in die Richtung gehst.
[57:15] Du bist aus der Medienhauptstadt Berlin in deine Heimat Braunschweig gezogen.
[57:21] Warum? Ja, das war einfach für mich total wichtig,
[57:24] weil ich mit Berlin halt mit dem letzten Jahr so viel Negatives verbunden habe
[57:31] und gleichzeitig in Berlin immer den Druck hatte, überall hingehen zu müssen.
[57:36] Du wirst dann halt oft eingeladen, bist auf vielen Veranstaltungen,
[57:41] hast dann irgendwie FOMO, wenn du irgendwo nicht bist und dann die Fotos nächsten
[57:44] Tag siehst, definierst dich auch irgendwie voll darüber.
[57:49] Und ich wollte nicht mehr Teil davon sein. Ich wollte es nicht mehr machen,
[57:54] weil es mich einfach nicht glücklich gemacht hat.
[57:55] Und für mich war dann die logische Konsequenz, aus Berlin wegzugehen.
[57:59] Da haben wir überlegt, wohin.
[58:00] Erst haben wir überlegt, ob wir nach
[58:02] München gehen, weil mein Freund dort herkommt. Ist aber viel zu teuer.
[58:07] Und deswegen haben wir uns auf Braunschweig geeinigt, weil ich da einfach ja
[58:09] schon immer gelebt habe, Markus Braunschweig auch nicht ganz so blöd findet
[58:13] und ich hier einfach auch meine besten Freundinnen habe, die einfach ganz wichtig für mich sind.
[58:18] Und seitdem wir.
[58:22] Braunschweig wohnen und auch diese Entscheidung getroffen haben,
[58:25] ist auch nochmal irgend so ein Klotz von mir abgefallen, den ich noch nicht ganz definieren kann.
[58:32] Aber das war auf jeden Fall der Punkt, an dem nochmal auch so mein mentales
[58:39] Dasein mir erlaubt hat, dass es mir ein bisschen besser geht.
[58:42] Du bist ja nicht nur umgezogen, weil du Braunschweig so schön findest,
[58:45] sondern du hast ja auch ein bisschen was vor in Braunschweig.
[58:47] Magst du da vielleicht schon ein bisschen was drüber erzählen?
[58:49] Ja, da darf ich jetzt drüber erzählen.
[58:51] Genau, also wir haben ja jetzt festgestellt, dass es mir im Offline-Leben auch
[58:54] ganz gut geht und ich das Online-Leben jetzt nicht komplett abschalten werde,
[59:00] aber da irgendwie ein bisschen kürzer treten möchte.
[59:02] Und wenn ich etwas letztes Jahr gelernt habe oder für mich mitgenommen habe.
[59:08] Dann ist es das, dass es so Wohlfühlorte für Menschen braucht,
[59:11] dass einem manchmal zu Hause dann schon die Decke auf den Kopf fällt und ich
[59:15] Orte aufgesucht habe, an denen es mir einfach gut geht und an denen ich nicht
[59:19] so das Gefühl haben musste,
[59:20] die gucken mich jetzt komisch an, weil ich hier ganz alleine sitze und einfach
[59:23] nur aus dem Fenster gucke und einen Kaffee trinke.
[59:26] Und deswegen habe ich für mich entschieden, dass ich hier in Braunschweig ein
[59:30] Buchcafé aufmachen möchte,
[59:32] weil mir auch unter anderem geholfen hat, viele Bücher zu lesen,
[59:36] also Romane, sowohl für Romane einfach letztes Jahr, die mich einfach mal in
[59:41] so eine andere Welt eintauchen lassen haben und gleichzeitig ich halt diesen Ort gesucht habe.
[59:45] Und deswegen wird es jetzt ein Buchcafé, das ich im Herbst eröffnen werde hier in Braunschweig,
[59:51] wo Leute hinkommen sollen, die sich einfach nur wohlfühlen und so sein dürfen,
[59:55] wie sie sind und eine gute Zeit haben können und vielleicht mal zehn Minuten
[1:00:00] vom Alltag abschalten können.
[1:00:03] Also es hat sich doch ein bisschen was geändert im Leben der Lisa Dellert.
[1:00:08] Es hat sich was geändert.
[1:00:09] Es bleibt natürlich trotzdem, wenn man das so hört, sagen viele,
[1:00:12] ja, jetzt ist ja schon wieder das nächste Projekt und der nächste Stress.
[1:00:16] Und das stimmt auch. Ich würde lügen, wenn ich jetzt sagen würde,
[1:00:21] hey, ich arbeite gerade nicht so lange.
[1:00:22] Also es ist jetzt gerade schon auf jeden Fall stressig.
[1:00:25] Aber ich kann halt anders meine Grenzen setzen. Und ich merke früher,
[1:00:29] wenn es zu stressig wird.
[1:00:30] Und ich merke, wenn ich wieder in so eine Phase komme, in der ich mich selbst
[1:00:35] in Frage stelle und dann weiß ich einfach inzwischen, was zu tun ist und habe
[1:00:39] meine Wohlfühlliste, da gucke ich drauf und weiß, okay, jetzt ist gerade der Part.
[1:00:44] In dem ich mal in den Wald gehen sollte und ein bisschen spazieren gehe oder einfach ein Buch lese.
[1:00:48] Und ich glaube, das ist einfach ganz, ganz wichtig, denn wir werden immer Phasen
[1:00:52] im Leben haben, die stressig sind und in denen es uns nicht gut geht,
[1:00:56] aber es wäre schade, wenn wir uns,
[1:00:59] weil wir Angst davor haben, jetzt nicht mehr trauen, Dinge zu machen oder zu verändern.
[1:01:04] Also würdest du schon sagen, dass diese Krankheit für dich auch einen gewissen
[1:01:08] Nutzen hatte, im Sinne von, du hast dich selber verändert, was über dich gelernt? Ja, auf jeden Fall.
[1:01:15] Ich glaube, das kann man ja immer erst so im Nachhinein dann auch wirklich würdigen
[1:01:19] und reflektieren und schätzen.
[1:01:21] Aber wenn mir diese ganz schlimme Phase der Depression letztes Jahr etwas gezeigt
[1:01:26] hat, dann wie ich jetzt besser Grenzen setze, was mir nicht gut tut.
[1:01:31] Also dieses ständig im Fernsehen zu sein, zu moderieren, auf Bühnen zu stehen,
[1:01:35] das hat mir nicht mehr gut getan und das möchte ich nicht mehr und ich möchte
[1:01:38] einfach wieder was im Offline-Leben machen und das ist, glaube ich,
[1:01:42] etwas, was ich dadurch auch jetzt mitgenommen habe.
[1:01:45] Was würdest du einem Menschen sagen, der vielleicht in einer ähnlichen Situation
[1:01:49] ist wie du jetzt vor einem Jahr, also gerade erst vor?
[1:01:53] Erkannt, dass da vielleicht was sein könnte oder vielleicht noch gar nicht zum
[1:01:57] Arzt gegangen, einfach nur Schlafstörungen gehabt, eben all diese Sachen,
[1:02:00] Herzrasen, was du erzählt hast.
[1:02:02] Gibt es was, was man den Leuten an die Hand geben kann aus deiner Sicht?
[1:02:05] Also ich würde immer Menschen, die ungefähr so fühlen, wie wir jetzt hier auch
[1:02:10] gerade in der Folge beschrieben haben, sagen, nimm das ernst.
[1:02:16] Nimm dich ernst und lass das zu, dass du darüber sprichst oder auch zum Arzt
[1:02:23] oder einer Ärztin gehst.
[1:02:24] Das ist keine Schwäche, auch wenn das in unserer Gesellschaft leider immer noch
[1:02:28] oft so suggeriert wird, dass eine mentale Erkrankung etwas ist,
[1:02:33] was mit Schwäche zu tun hat. Das ist es nicht.
[1:02:36] Und nimm dir die Zeit, die du brauchst.
[1:02:40] Ich weiß, dass das auch sehr privilegiert ist, das zu sagen,
[1:02:43] denn ich weiß, dass es da draußen auch ganz, ganz viele Menschen gibt,
[1:02:47] die eine ganz andere Verantwortung tragen als du und ich, die vielleicht Kinder haben,
[1:02:52] pflegende Angehörige, die sich das einfach nicht leisten können,
[1:02:57] zeitlich oder finanziell, sich die Zeit zu nehmen.
[1:03:01] Und trotzdem glaube ich daran, dass wenn diese Menschen da offen drüber reden,
[1:03:05] auch mit ihrem Umfeld und das Kommunizieren, dass sie nicht mehr können,
[1:03:09] sie da Hilfe bekommen können.
[1:03:10] Und deswegen bitte, bitte redet darüber, habt keine Angst, schämt euch nicht
[1:03:16] dafür, wenn es euch nicht gut geht.
[1:03:19] Und eine mentale Krankheit ist eine Krankheit, die ernst genommen werden muss,
[1:03:23] auch wenn es kein gebrochenes Bein oder keine blutende Nase ist.
[1:03:27] Schöner hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich glaube, das ist ganz,
[1:03:29] ganz wichtig, das nochmal zu unterstreichen am Ende dieses Podcasts.
[1:03:34] Aber ich habe ja, wenn du den Podcast schon gehört hast und ich weiß,
[1:03:37] dass du ihn gehört hast, zwei Abschlussfragen, die ich allen Gästen stelle.
[1:03:40] Die erste ist, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst,
[1:03:45] also du im Supermarkt und nichts geht mehr, welches Gefühl löst das in dir aus?
[1:03:50] Und heute löst das in mir immer noch Traurigkeit aus, wenn ich die Lou von vor
[1:03:56] einem Jahr sehe und auch ein bisschen Verzweiflung.
[1:03:59] Aber es löst auch aus, dass ich die alte Lou gerne umarmen möchte und dir sagen
[1:04:04] will, hey, das geht vorüber und du bist damit nicht allein.
[1:04:09] Und wie war das für dich heute mit mir über diesen einen Moment im Supermarkt zu sprechen?
[1:04:15] Es war nochmal sehr emotional und als wir über Markus geredet haben,
[1:04:21] ist mir nochmal bewusst geworden,
[1:04:24] wie sehr man dann auch doch wieder im Alltag drin ist und Dinge für selbstverständlich
[1:04:28] nimmt und man seinen Liebsten vielleicht das ein oder andere Mal nochmal sagen sollte,
[1:04:34] wie glücklich man ist, sie zu haben und dass man das zu schätzen weiß.
[1:04:39] Aber das ist doch das Schönste, was man mit so einem Podcast erreichen kann.
[1:04:43] Wenn du jetzt gleich zu Markus gehst und ihn in den Arm nimmst und sagst,
[1:04:47] danke für alles, ist doch, also was Besseres kann doch gar nicht passieren eigentlich.
[1:04:50] Ja, das war gut, dass wir das heute gemacht haben, denn manchmal kehrt einfach
[1:04:54] der Alltag zu schnell wieder ein.
[1:04:56] Absolut, ich kenne das von mir selber und ich kann dir nur Danke sagen für das
[1:05:00] Vertrauen, was du mir entgegengebracht hast, mit mir über diese Dinge zu sprechen.
[1:05:05] Und ja, wir haben, es war ja eigentlich gar kein Interview, Es war ja eher wirklich
[1:05:09] ein Gespräch, aber gerade das fand ich so schön daran.
[1:05:13] Ich auch. Ich hätte dich auch noch viel mehr fragen können, aber dann ist es
[1:05:17] doch noch ein bisschen dein Podcast. Das machen wir, wenn wir das nächste Mal essen gehen.
[1:05:19] Das machen wir und da wird dann höchstwahrscheinlich kein Mikro mitlaufen.
[1:05:23] Ist auch mal ganz schön. Das ist auch mal ganz schön.
[1:05:26] Lu, vielen Dank. Ich danke dir.
[1:05:30] Heute bin ich aber froh, dass ein Mikro mitgelaufen ist. Das war sehr persönlich
[1:05:35] und selbst wenn ich Lou und ihre Geschichte ja schon kenne, hat mir das an ganz
[1:05:40] vielen Stellen nochmal total die Augen geöffnet.
[1:05:43] Lou's Erzählungen zeigen so sehr, dass eine Depression wirklich jede und jeden
[1:05:47] treffen kann, egal wie wir sie vielleicht als Person in der Öffentlichkeit wahrnehmen.
[1:05:52] Was mir nochmal ganz wichtig ist, Probleme mit der mentalen Gesundheit und psychische
[1:05:57] Erkrankungen sind keine Schwäche und darüber zu sprechen und sie anzugehen ist so, so wichtig.
[1:06:03] Ich glaube, dass sich in der gesellschaftlichen Wahrnehmung mentaler Gesundheit
[1:06:09] in den letzten Jahren schon ganz viel getan hat, aber die Kommentare,
[1:06:13] die Lu teilweise nach ihrem Depressions-Outing in Anführungsstrichen erreicht haben,
[1:06:18] zeigen auch ganz deutlich, dass da noch viel zu tun ist.
[1:06:22] Eine Sache, die wir, glaube ich, alle mitnehmen können.
[1:06:25] Ganz egal, ob wir selbst Influencer sind oder Menschen, die gerne in sozialen Medien abhängen.
[1:06:30] Es tut wahnsinnig gut, dem ganzen Online-Kram nicht zu viel Bedeutung zuzumessen
[1:06:35] und vor allem zu schauen, dass wir uns ein Leben im Offline gestalten.
[1:06:42] Da ist Lou mit ihrer Reise ja auch noch nicht am Ende und ich wünsche ihr sehr,
[1:06:46] dass es sie in der Zukunft nie wieder so kalt erwischt wie letztes Jahr im Supermarkt.
[1:06:51] In der nächsten Folge von dieser einen Moment spreche ich mit Klaus Schirdewahn.
[1:06:57] Das ist ein Gespräch, auf das ich mich sehr freue, aber dass es glaube ich auch sehr emotional wird.
[1:07:02] Klaus wurde als 17-Jähriger verhaftet, weil er dabei erwischt wurde,
[1:07:07] wie er mit einem anderen jungen Mann intim wurde.
[1:07:09] Der andere Mann wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil Klaus noch minderjährig
[1:07:14] war, hatte er die Wahl zwischen Gefängnis- und Konversionstherapie,
[1:07:18] also eine Therapie, die ihn von seiner Homosexualität heilen sollte.
[1:07:23] Klaus erzählt mir seine unglaubliche Lebensgeschichte von seiner Verhaftung,
[1:07:28] seiner Ehe mit seiner Frau, seinen strenggläubigen Eltern.
[1:07:31] Heute ist er 77 Jahre alt und ich spreche mit ihm darüber, was es mit einem
[1:07:37] jungen Menschen macht, wenn die Gesellschaft und die Eltern die eigene Identität
[1:07:40] als Schande oder Todsünde bezeichnen.
[1:07:44] Ich freue mich sehr, wenn ihr wieder mit dabei seid. Ihr könnt natürlich bis
[1:07:47] dahin gerne nochmal die bisherigen Folgen hören und uns natürlich euren Freunden
[1:07:52] und Freundinnen weiterempfehlen.
[1:07:53] Und ich freue mich außerdem natürlich sehr, wenn ihr mir eine Bewertung für den Podcast da lasst.
[1:07:58] Ich weiß, ich sage das immer wieder, aber es ist wirklich so,
[1:08:00] so wichtig, um den Podcast noch bekannter zu machen, damit ihn möglichst viele
[1:08:04] Menschen hören können. Vielen Dank.
[1:08:10] Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von
[1:08:15] Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo.
[1:08:18] Redaktion Philipp Fleiter, Laila Keuthage und WeMind, Sounddesign und Schnitt,
[1:08:23] Marius Fuchtmann für WeMind.

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