# "Entrechtet durch die Vorsorgevollmacht" mit Frederike

An episode of [Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1754096105), 30 Nov 2025, 1 h 14 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1806-dieser-eine-moment-der-podcast-mit-philipp-fleiter/237085-entrechtet-durch-die-vorsorgevollmacht-mit-frederike.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69aaf1da6ba1a&awEpisodeId=237085

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## Transcript

[0:00] Und dann habe ich weiterhin versucht, das Krankenhaus zu kontaktieren,
[0:04] irgendwelche Infos zu bekommen und dann war er auf einmal verschwunden.
[0:08] Er war weg. Er würde da in dem Krankenhaus gar nicht mehr liegen.
[0:11] Und ab dem Moment war er für uns nicht mehr auffindbar.
[0:15] Mit Tag des Schlaganfalls gingen die Abbuchungen und Überweisungen los.
[0:21] Geldabhebungen immer in tausender Schritten und Überweisungen bis 25.000 Euro.
[0:30] Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.
[0:36] Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
[0:45] Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen,
[0:48] um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat.
[0:55] Mein Gast ist heute Frederike Brüning. Friederike hat uns geschrieben,
[1:00] weil sie das, was ihrer Familie und ihr passiert ist, unbedingt öffentlich machen will.
[1:06] Der Grund, sie möchte andere warnen und davor schützen, dass euch vielleicht
[1:10] dasselbe passieren könnte.
[1:13] Friederike, der Moment, über den ich heute mit dir sprechen möchte,
[1:17] der liegt im August 2020.
[1:19] Und du und deine Schwester, ihr Fahrt spontan nach Cuxhaven zu eurem Vater Wolfgang,
[1:25] nachdem ihr eine beunruhigende Nachricht von seiner Lebensgefährtin bekommen habt.
[1:30] Was steht denn in dieser Nachricht?
[1:33] Ja, in der Nachricht steht, dass es unserem Vater sehr schlecht gehen würde,
[1:37] und sie die Vollmacht nun damit an uns abtritt und weiter eigentlich nichts.
[1:43] Seine Schlüssel sind auf dem Weg zu uns. Punkt.
[1:47] Wow, okay. Ihr fahrt sofort los. Was findet ihr denn vor, als ihr in der Wohnung ankommt?
[1:54] Ja, unser Vater lag in Embryonalstellung, zusammengekrümmt auf seinem Bett,
[2:00] war nicht mehr ansprechbar oder kaum ansprechbar und wir wussten nicht, wie es weitergeht.
[2:07] Das ist ja auch ein Anblick, den man als Tochter auf keinen Fall haben möchte.
[2:12] Was geht dir in diesem Moment durch den Kopf? Ja, wir waren geschockt.
[2:17] Also wir wussten jetzt nicht, müssen wir den Krankenwagen rufen,
[2:22] ist es hier gleich zu Ende, rufen wir den Bestatter an.
[2:26] Ja, wir waren geschockt. Man kannte diese Situation nicht, wir wurden in eine
[2:31] Situation geschmissen, die wir so noch nicht erlebt haben und mussten erstmal
[2:35] überlegen, wie es weitergeht.
[2:38] Ja, absoluter Schockzustand, das kann ich mir vorstellen.
[2:41] Damit wir verstehen, wie es überhaupt zu diesem Moment kommt und was das mit
[2:45] dieser Vollmacht auf sich hat, die du gerade schon genannt hast,
[2:48] müssen wir vielleicht mal einige Jahre zurückgehen.
[2:51] Und zwar ins Jahr 2013.
[2:54] Da trennen sich deine Eltern. Was ist damals passiert?
[2:59] Ja, es war schon lange schwierig zwischen meinen Eltern. Er hatte immer mal wieder...
[3:04] Andere Frauen und nun kam es raus, dass er wieder jemanden hatte,
[3:09] das war auch die besagte Lebensgefährtin und daraufhin haben sich meine Eltern dann getrennt.
[3:14] Er ist auch ausgezogen und ziemlich zeitnah dann mit seiner Lebensgefährtin auch zusammengezogen.
[3:20] Das heißt, die Beziehung deiner Eltern war jetzt vorher schon nicht so ganz
[3:25] perfekt, das hast du dann als Kind wahrscheinlich auch schon mitbekommen in der Zeit, oder?
[3:29] Das ging über viele Jahre schon und am Ende war es absehbar,
[3:34] der Zeitpunkt der Trennung und somit, es war wieder eine andere Frau im Spiel
[3:39] und dann war klar, jetzt ist der Cut.
[3:41] Wie alt bist du damals, als es zu diesem Cut kommt? Zu dem Zeitpunkt 31 Jahre alt.
[3:48] Ja okay, das ist ja dann vielleicht nochmal was anderes, als wenn sich die Eltern
[3:51] trennen, wenn man ein Kind ist, da versteht man dann doch mehr,
[3:54] hat vielleicht schon seine eigene Familie, seine eigene Sicht auf die Dinge.
[3:58] Aber es ist wahrscheinlich trotzdem kein schönes Gefühl, wenn die Eltern sich trennen, oder?
[4:03] Nein, überhaupt gar nicht. Wobei wir immer sehr zu unserer Mutter gehalten haben,
[4:08] dadurch, dass wir mitgekriegt haben, was die ganzen Jahre passiert ist.
[4:12] Und haben ihr im Nachhinein dann natürlich auch gesagt, also sie hätte auch
[4:16] sich vorher schon trennen können und hätte nicht wegen uns Kindern zusammenbleiben müssen mit ihm.
[4:21] Ich glaube, das hätte für alle einiges einfacher gemacht, wenn wir das nicht
[4:25] mitgekriegt hätten alles.
[4:27] Wie ist es für dich? Bist du sauer auf deinen Vater, gerade weil du ja mitbekommen
[4:32] hast, was er alles so gemacht hat? Bist du enttäuscht?
[4:35] Nimm uns mal ein bisschen mit. Über die ganzen Jahre immer sauer gewesen, gar keine Frage.
[4:39] Alleine, weil wir es im Prinzip schon von klein auf immer mitgekriegt haben, was er da so treibt.
[4:46] Und dadurch war das Verhältnis auch ein sehr, sehr schwieriges zwischen uns.
[4:51] Sowieso, weil wir von unserem Sturkopf haben wir beide und haben uns deswegen
[4:57] schon immer sehr aneinander gerieben.
[4:59] Aber diese Situation, das hat es dann natürlich immer noch schwieriger gemacht.
[5:04] Das heißt für euch war gar nicht lange überlegen, auf welcher Seite ihr steht
[5:08] in diesem Streit sozusagen?
[5:09] Nein, also von vornherein war klar, wir halten zu Mama und hat sich dann auch
[5:15] über zwei Jahre nach der Trennung tatsächlich hingezogen, dass wir keinen Kontakt zu ihm hatten.
[5:20] Ah krass, okay. Dein Vater Wolfgang, der zieht erstmal in eine eigene Wohnung,
[5:26] dann geht es aber recht schnell weiter. Er zieht mit Heike zusammen,
[5:29] das ist die Frau, mit der er die Affäre hatte, richtig? Genau, richtig.
[5:34] Sie hatte Eigentum, sie hatte ein Einfamilienhaus und da ist er dann mit eingezogen.
[5:41] Und du hast gesagt, zwei Jahre lang hattest du keinen Kontakt mit deinem Vater,
[5:46] aber irgendwie hast du dich ja dann doch wieder entschieden,
[5:50] Kontakt mit ihm aufzunehmen.
[5:53] Erzähl uns mal davon.
[5:54] Ja, ich hatte mit meiner Schwester zusammen dann überlegt, es waren ja nun auch
[5:58] einige Enkelkinder schon da und das war sein Ein und Alles.
[6:03] Und für uns war dann irgendwann klar.
[6:07] So sauer wir auch auf ihn sind, aber den Kontakt zu den Enkelkindern,
[6:10] den wollen wir ihm nicht für immer verwehren und haben dann langsam den Kontakt wieder hergestellt.
[6:17] Wir haben ihm einen Brief geschrieben und so kam er uns dann das erste Mal wieder besuchen.
[6:23] Und das war eher so, höre ich raus, eine Art Vernunftentscheidung.
[6:28] In dem Moment war es eine Vernunftentscheidung.
[6:31] Wir wollten nicht, dass die Enkelkinder auf ihren Opa verzichten müssen oder
[6:34] ihn auch gar nicht erst kennenlernen.
[6:37] Und auch für ihn, weil wir immer wussten, wie wichtig ihm die Enkelkinder sind.
[6:41] Wie würdest du denn deinen Vater Wolfgang beschreiben? Also er hatte zwei Gesichter.
[6:49] Auf der einen Seite hat er wirklich alles für uns Kinder getan.
[6:54] Wir hatten, Zeit unseres Lebens hatten wir Pferde zu Hause, wir haben reiten gelernt.
[7:01] Er hat uns überall hingefahren. Also für uns hätte er sein letztes Hemd gegeben,
[7:07] aber das konnte dann auch die Stimmung von einer auf die andere Sekunde wieder
[7:11] umschwingen und dann war die Laune schlecht, alles war verkehrt,
[7:14] sehr aufbrausend, es war sehr, sehr schwierig.
[7:19] Die Frage klingt jetzt komisch, aber ich glaube, sie ist wichtig,
[7:22] um diese ganze Geschichte zu verstehen, ist dein Vater vermögend? Ja, war er.
[7:27] Also er war jahrelang Prokurist einer großen Firma, hat einige Lebensversicherungen
[7:35] gehabt, immer gut gespart.
[7:38] Es war immer viel und gut Geld da, ja.
[7:42] Es klingt so ein bisschen raus, dass Job bei ihm auch eine sehr große Rolle gespielt hat.
[7:47] Das habt ihr als Kinder wahrscheinlich auch zu spüren bekommen,
[7:49] oder? Er war sehr viel arbeiten, ist morgens halb sieben aus dem Haus,
[7:53] kam abends, ging halb sieben, sieben erst wieder.
[7:57] Das hat er irgendwann auch später mal gesagt, dass er das anders machen würde
[8:01] im Nachgang, aber die Zeit lässt sich nun mal nicht zurückdrehen.
[8:04] Aber er war Zeit seines Lebens. Sehr viel arbeiten, ja.
[8:07] Er brauchte das auch für sich, also diese Anerkennung, gut im Job,
[8:12] gutes Geld verdienen, das war so, dieses, was man darstellt,
[8:17] das war sehr wichtig für ihn.
[8:18] Das ist ja was, was es bei vielen Männern nicht nur dieser Generation gibt,
[8:23] sondern leider heute noch.
[8:24] Es sind vor allem Männer, die sich da sehr stark drüber definieren,
[8:27] über diesen Erfolg im Job leider.
[8:29] Du hast gesagt, aber auf der anderen Seite, diese zwei Gesichter erscheint ja
[8:32] auch ein total liebevoller Opa gewesen zu sein.
[8:35] Absolut, also wir sind uns auch sicher, würde er noch leben.
[8:39] Wären jetzt mindestens fünf kleine Ponys bei uns auf dem Hof und alle hätten
[8:43] ihren Kutschenführerschein und würden mit kleinen Kutschen durch den Wald düsen.
[8:48] Das wäre sein Traum gewesen, ja.
[8:52] Und jetzt gibt es da diese neue Frau Heike, die neue Partnerin,
[8:57] die ehemalige Alphäre, die jetzt seine Partnerin ist.
[8:59] Lernst du die denn richtig kennen
[9:02] jetzt, wo der Kontakt wieder mehr wird zwischen euch und eurem Vater?
[9:06] Nein, mitgebracht hat er sie nie. Wir haben sie mal einmal gesehen in ihrer
[9:11] Firma, als wir ihn da besucht haben.
[9:13] Aber uns ihr vorgestellt hat er nicht.
[9:16] Hast du denn von ihr so einen Eindruck von dem ein-, zweimal Sehen?
[9:21] Oder beziehungsweise wie ist dieser erste Eindruck von ihr?
[9:24] Ein kleines, zartes Persönchen, die keiner Fliege was zu Leide tun kann,
[9:30] wenn man sie das erste Mal sieht.
[9:32] Du sagst jetzt schon, wenn man sie das erste Mal sieht. Also was ich sehr interessant
[9:36] fand, deine Mutter bekommt damals, als sie noch mit deinem Vater zusammen ist,
[9:40] einen Anruf von Heikes damaligen Mann.
[9:42] Sie war nämlich auch noch verheiratet.
[9:45] Was will der denn von deiner Mutter? Er hat sich bei meiner Mutter gemeldet
[9:50] und hat gefragt, ob es wohl sein kann, dass seine Frau mit meinem Vater ein Verhältnis hat.
[9:57] Das ist ja nun auch ein Anruf, den man nicht unbedingt bekommen möchte.
[10:01] Wusste das deine Mutter zu dem Zeitpunkt schon?
[10:04] Ja, wir haben viel zusammen auch immer spekuliert und beobachtet und ob da wieder
[10:09] irgendwo was läuft mit einer.
[10:11] Also unsere Vermutung war auf jeden Fall da, ja.
[10:15] Und dann kommt dann noch so ein anderer Mann dazu und sagt, ich glaube das auch
[10:18] und ab da war es dann relativ klar.
[10:21] Habt ihr euren Vater darauf angesprochen oder hat deine Mutter ihn darauf angesprochen?
[10:25] Ja, eines Abends musste sie zu ihrer Schwester und meine Schwester und ich hatten
[10:34] dann ein sehr komisches Bauchgefühl und sind zu uns nach Hause gefahren und
[10:38] haben ihr Auto vor der Tür gesehen, also meine Mutter nicht da.
[10:43] Die Heike zu Besuch und dann haben wir durchs Fenster gesehen und sie auf frischer
[10:48] Tat ertappt. Und das haben wir Mama dann auch so gesagt.
[10:51] Und daraufhin hat sie ihn angesprochen und auch sofort die Trennung ausgesprochen.
[10:55] Und da war es dann auch egal, ob er es zugibt oder nicht, da war dann einfach vorbei.
[10:59] Er hat es dann tatsächlich zugegeben, weil er wusste, wir haben ihn gesehen
[11:03] und er braucht es nicht mehr leugnen.
[11:06] Und dieser Mann, also der mittlerweile Ex-Mann von Heike, hat dann später nochmal
[11:12] zu euch Kontakt aufgenommen und hat euch so ein bisschen, ja gewarnt kann man
[11:17] eigentlich schon fast sagen. Was hat er euch gesagt?
[11:20] Wir haben Kontakt aufgenommen mit ihrem Ex-Mann, mit dem sie eine große Firma zusammen hatte.
[11:28] Und der hat uns einiges berichtet, dass sie ihn jetzt auch vor Gericht zieht, verklagt.
[11:36] Das war auch ein sehr langer Prozess zwischen den beiden mit der Scheidung.
[11:41] Also sie ist da knallhart, hat gute Anwälte, weiß selber auch unheimlich gut Bescheid.
[11:48] Er hat uns über die ganzen, über ihre Machenschaften aufgeklärt,
[11:52] was sie nebenbei noch so gemacht hat, ihm vorgelegt hat, was er unterschreiben
[11:58] soll an Papieren, was er natürlich immer blind gemacht hat.
[12:01] Sie hat das Büro geleitet, er die Werkstatt und hat sich da total auf sie verlassen
[12:06] und hat alles blind unterschrieben, immer und das auch weiterhin gemacht,
[12:11] auch nach der Trennung sogar noch.
[12:13] Sie hat sich die abbezahlten Häuser unter den Nagel gerissen er hat alle bekommen,
[12:19] die noch abbezahlt werden müssen und,
[12:22] Dann sollte er viel Miete nachzahlen für die große Lagerhalle, die sie hatten.
[12:28] Er sagt, ich kann nicht mal mehr zur Bank gehen und einen Kredit beantragen.
[12:31] Sie hat mir alles genommen.
[12:34] Im Nachhinein kam auch raus, sie stand vor Gericht wegen 90.000 Euro Steuerhinterziehung.
[12:42] Also sie hat schon einiges auf dem Kerbholz. Und das hört man dann und weiß,
[12:46] das ist jetzt die neue Frau von meinem Vater, der auch Kohle hat.
[12:50] Das fühlt sich wahrscheinlich sehr gruselig an, oder?
[12:54] Erstmal ehrlich gesagt noch gar nicht, weil wir wussten, sie hat selber genug
[12:58] Geld, er hat seins und die leben jetzt ihr Leben da zusammen.
[13:03] Jeder sorgt für sich selber, jeder hat sein Auskommen.
[13:05] Da hatten wir noch überhaupt nicht die Vermutung, dass sie an sein Geld gehen würde. Ah, okay.
[13:11] Ja, und dann gibt es etwas, was alles ändert. Sommer 2016, dein Vater bekommt einen Schlaganfall.
[13:18] Es ist, glaube ich, nicht der erste, aber es ist der bisher schlimmste, oder?
[13:22] Also darüber hat uns die Lebensgefährte dann tatsächlich noch informiert.
[13:27] Wir sind dann ins Krankenhaus gefahren und sie wollte gerne mit ins Krankenzimmer.
[13:33] Wir kannten sie ja aber überhaupt nicht und haben gesagt, das ist so ein privater
[13:37] Moment, das wollen wir gerne alleine.
[13:39] Also ich und meine Schwester würden gerne alleine in sein Zimmer.
[13:43] Da war sie schon etwas pikiert, das merkte man, Aber er war auch nicht ansprechbar,
[13:48] hat nur gestammelt, also man konnte ihn überhaupt nicht verstehen.
[13:52] Wir wissen auch nicht, ob er realisiert hat, dass wir es sind.
[13:56] Und dann war der Besuch relativ schnell vorbei, weil sein Gesundheitszustand
[14:00] wirklich schlecht war und es auch nicht zugelassen hat.
[14:03] Nur kurz für die Einordnung. Ich glaube, er hat vorher schon kleinere Schlaganfälle
[14:07] gehabt, war aber so noch ganz fit bis zu diesem großen 2016, oder? Genau.
[14:12] Zwei oder drei kleine Schlaganfälle, auch ein Herzinfarkt war dabei.
[14:16] Er konnte auf einem Auge nicht mehr gut sehen, konnte aber noch Auto fahren
[14:20] und alles selbstständig.
[14:22] Es sind ansonsten keine Schäden zurückgeblieben. Und jetzt seht ihr ihn in diesem
[14:26] schrecklichen Zustand und ich glaube, die Ärzte hatten jetzt auch nicht so viel
[14:31] Hoffnung zu dem Zeitpunkt.
[14:34] Gar nicht. Mein Bruder war einen Tag später nochmal da und hat CT-Bilder gesehen.
[14:39] Da war vom Gehirn wirklich drei Viertel war schwarz. Da war nichts mehr da.
[14:46] Und zwei Tage nach diesem ersten Besuch willst du ihn wieder besuchen.
[14:52] Was passiert dann? Uns wird von den Ärzten gesagt, dass eine Vorsorgevollmacht
[14:59] auf den Namen von Heike vorliegt und wir keinen Zutritt zu ihm bekommen.
[15:04] Und auch keine Informationen, weder über seinen Gesundheitszustand,
[15:08] noch ob er die Nacht überlebt hat. Sie haben einfach gar nichts gesagt.
[15:11] Wir sind dann unverrichteter Dinge wiedergefahren.
[15:14] Das heißt, ihr fahrt da hin und ihr könnt nicht zu eurem Vater und ihr wisst
[15:19] nicht mal, was mit dem ist, obwohl ihr im Prinzip schon die Ahnung habt,
[15:23] dass es wirklich sehr, sehr schlecht um ihn steht und dass er theoretisch bald
[15:26] sterben könnte. Richtig.
[15:29] Und dann habe ich weiterhin versucht, das Krankenhaus zu kontaktieren,
[15:34] irgendwelche Infos zu bekommen und dann war er auf einmal verschwunden. Er war weg.
[15:40] Er würde da in dem Krankenhaus gar nicht mehr liegen. Und ab dem Moment war
[15:44] er für uns nicht mehr auffindbar.
[15:47] Wie ist es möglich, dass Friederike keinerlei Infos mehr zu ihrem eigenen Vater bekommt?
[15:53] Die Erklärung dafür ist eine Vorsorgevollmacht. Was eigentlich einen sinnvollen
[15:58] Hintergrund hat, wird hier zur Hölle für Wolfgangs Kinder.
[16:03] Bestimmt habt ihr schon mal davon gehört, Vorsorgevollmacht,
[16:06] Betreuungsverfügung, Patientenverfügung.
[16:08] Kurz gesagt, das sind alles Dokumente, die dafür sorgen sollen,
[16:12] dass meine Wünsche und Entscheidungen respektiert werden, falls ich nicht mehr
[16:15] selbst in der Lage bin, sie zu äußern.
[16:18] Das ist jetzt kein Thema, was man schön im Familienkreis gerne bespricht,
[16:22] aber als meine Oma vor ein paar Jahren verstorben ist, waren wir in der Familie
[16:26] sehr froh, dass es diese Vollmachten gegeben hat.
[16:30] Denn mit einer Vorsorgevollmacht bestimme ich eine Person meines Vertrauens,
[16:34] die rechtsverbindliche Entscheidungen für mich treffen darf.
[16:37] Das kann in Situationen nötig werden, in denen ich nicht mehr selbst handeln
[16:41] kann, Zum Beispiel durch Krankheit im Alter oder nach einem schweren Unfall.
[16:46] Ohne eine solche Vollmacht dürfen selbst nahe Angehörige, also jetzt außer Ehepartner,
[16:52] nicht automatisch füreinander entscheiden.
[16:54] Das bedeutet, falls ich in einem solchen Fall keine Vorsorgevollmacht habe und
[17:00] nicht verheiratet bin, bestimmt ein Gericht eine rechtliche Betreuungsperson für mich.
[17:04] Das ist vom Gedanken her eine super Sache, aber in den falschen Händen kann
[17:09] das gewaltig schief gehen, wie die Geschichte von Frederikes Vater Wolfgang zeigt.
[17:16] Ich glaube, ich wäre durchgedreht an deiner Stelle.
[17:19] Das macht mich jetzt beim Hören schon so wütend, weil das einfach so gemein
[17:25] ist und so kalt. Wie war das für dich?
[17:28] Ja, schlimm. Also ich habe dann ja angefangen rumzutelefonieren,
[17:32] um zu gucken, ob ich ihn in umliegenden Krankenhäusern finde.
[17:36] Dann haben wir aber auch angefangen, online Todesanzeigen zu durchforsten,
[17:40] ob er da schon beisteht, weil wir ja gar nicht wussten, lebt er noch oder lebt er nicht mehr.
[17:44] Ja, und das war, man hing sehr lange, hingen wir in der Luft,
[17:49] bis ich nach drei Monaten ihn dann wirklich nach tagelangem rumtelefonieren,
[17:56] stundenlang gefunden habe in einer Klinik in Hamburg.
[18:00] Lass uns nochmal über die Tage sprechen, bevor du ihn findest.
[18:03] Also kannst du uns dein Gefühl beschreiben?
[18:06] Ist das Wut? Ist das Verzweiflung?
[18:09] Ist das Traurigkeit?
[18:10] Ich kann mir das gar nicht vorstellen, so abgeschnitten zu werden auf einmal
[18:13] von meinem Vater, von einer mir fremden Person eigentlich.
[18:16] Also da war es wirklich schon, da ist es schon ungeschlagen in Wut,
[18:20] weil wir so hilflos jetzt davor standen und nicht wussten, an wen wir uns wenden können.
[18:27] Wir wussten da schon, da müssen wir alleine durch, uns kann keiner helfen.
[18:32] Es macht sich ja keiner, man kann ja nicht einen Privatdirektiv engagieren,
[18:36] der dann sich auf die Suche nach dem Vater macht.
[18:38] Wir haben einfach keinerlei Informationen bekommen, wussten aber auch nicht,
[18:42] wo wir anfangen oder aufhören sollen.
[18:44] Ja und dann kommt ja noch diese Ungewissheit dazu, was du gerade gesagt hast,
[18:48] dass du praktisch die Todesanzeigen in den Zeitungen durchblätterst,
[18:53] ja in der Hoffnung ist ja nicht richtig, aber in der Angst den Namen deines
[18:56] Vaters zu lesen, das muss ja wahnsinnig schlimm sein. Ja.
[19:02] Dann kommt eben, du hast es gerade gesagt, du telefonierst da sämtliche Kliniken ab,
[19:08] fährst dahin, fragst überall nach und dann bist du, glaube ich,
[19:10] irgendwann bei einem Krankenhaus in Hamburg angekommen und die sagen dir dann, ja, der liegt hier.
[19:17] Also auch dieses ganze Rumtelefonieren gestaltete sich ja schon deswegen schwierig,
[19:24] weil keiner freiwillig Infos rausgibt, wenn er überhaupt nicht weiß, wen er da am Ende hat.
[19:30] Gibt es eine Vorsorgevollmacht, darf ich Infos überhaupt rausgeben?
[19:34] Dann gibt es ja auch die Möglichkeit, Patienten anonym in einem Krankenhaus aufnehmen zu lassen.
[19:39] Denn wird gar nicht gesagt, ob er da überhaupt liegt oder nicht.
[19:43] Und die in Hamburg haben dann tatsächlich gesagt, ja, den Namen kennen wir,
[19:47] der liegt hier. Und dann wahrscheinlich bei dir erstmal große Erleichterung, oder?
[19:51] Noch nicht so richtig. Also die Freude, es war Freude da, dass wir endlich wissen, er lebt noch.
[19:58] Aber man wusste ja auch nicht, was kommt jetzt?
[20:02] Wie geht es jetzt weiter? Wenn wir da hinfahren sollten, was erwartet uns?
[20:06] Und ihr seid hingefahren?
[20:09] Erste Wiedersehen nach vielen, vielen Monaten. Wie ist dieses Wiedersehen?
[20:13] Sehr überrascht auf allen Seiten. Also...
[20:18] Heike war auch gerade bei ihm im Zimmer. Wir hatten extra sein frisch geborenes
[20:24] Enkelkind mitgenommen, damit er das kennenlernt oder sieht.
[20:29] Er saß im Rollstuhl und haben uns überrascht angeguckt und es wurde erst mal nichts gesagt.
[20:38] Okay, aber er kann schon wieder sprechen zu dem Zeitpunkt oder kann er nicht
[20:42] sprechen wegen des Schlaganfalls?
[20:44] Ganz, ganz schwer. Also es hat auch ganz, ganz lange gedauert,
[20:48] bis wir uns da reingehört haben.
[20:51] Sehr nuschelig und unverständlich.
[20:55] Und was hast du für ein Gefühl, wie er auf dich reagiert?
[21:00] Also klar, Überraschung ist natürlich erstmal da, aber ist das eine Wiedersehensfreude,
[21:05] gerade ihr habt das Enkelkind dabei, da würde man sich doch jetzt eigentlich
[21:08] in so einem Hollywood-Film, würden sich alle in die Arme fallen und es würde
[21:11] schöne Musik laufen und die Sonne durchs Fenster scheinen.
[21:14] Wie sind so die Gefühle?
[21:17] Nee, also er wirkte sehr skeptisch.
[21:21] Er hat sich sofort, ging die Hand in den Kinderwagen zu seiner Enkeltochter
[21:27] die ganze Zeit und hat auch da immer hingeguckt.
[21:30] Aber uns hat er wenig bis gar nicht angeguckt und auch nur sehr zurückhaltend mit uns gesprochen.
[21:37] Und das war auch dieser Moment, wo wir gedacht haben, ach, sie hat ihn schon
[21:42] irgendwie so ein bisschen bearbeitet.
[21:44] Ansonsten würde er nicht so skeptisch und negativ auf uns reagieren.
[21:49] Also du hast schon den Eindruck, dass er irgendwie abweisend auf euch reagiert,
[21:52] weil er beeinflusst wurde? Auf jeden Fall, zu dem Zeitpunkt ja.
[21:58] Heike ist ja auch mit dabei, hast du gerade gesagt. Wie verhält die sich denn in diesem Moment?
[22:03] Sie wollte ihn wegschieben von uns. Also ganz abweisend, gar nicht mit uns gesprochen,
[22:08] uns auch nicht angeguckt.
[22:09] So getan, als wären wir nicht mit im Raum gekommen.
[22:12] Und wollte mit ihm losschieben und die Gelegenheit haben wir dann genutzt und
[22:16] haben gesagt, das ist aber schön, dass ihr losschieben wollt,
[22:18] dann machen wir jetzt mal einen kleinen Spaziergang und sind dann am Rollstuhl
[22:21] die ganze Zeit geblieben neben ihm und haben versucht, uns mit ihm zu unterhalten.
[22:27] Und du sagst versucht, weil es nicht geklappt hat? Weil sie dazwischengegangen
[22:31] ist viel, sie hat es versucht zu unterbinden.
[22:33] Und er hat uns nicht zu Wort kommen lassen. Wird man, glaube ich, ganz schön sauer.
[22:38] Also ich an deiner Stelle wäre ganz schön sauer geworden, weil ich denke so,
[22:41] Mädel hier, mit wem redest du? Ich bin seine Tochter. Misch dich da mal nicht ein.
[22:46] Aber scheinbar hat sie sich da ja nicht wirklich reinreden lassen.
[22:49] Die hat einfach durchgezogen. Hat sie sich überhaupt nicht von beeinflussen
[22:52] lassen. Gar nicht. Krass.
[22:54] Dann geht ihr nach diesem Spaziergang auseinander. Mit welchem Gefühl?
[22:58] Also verabschiedet ihr euch im Sinne von bis bald. Hoffentlich sehen wir uns
[23:01] bald wieder. oder es gibt direkt Pläne für den nächsten Besuch oder wie geht ihr da auseinander?
[23:06] Also wir haben zu ihm gesagt, bis bald, Papa, wir kommen die nächsten Tage nochmal wieder.
[23:11] Erhol dich gut und sind dann gefahren. Mit dem Gefühl, dass ihr ihn wiederseht, bald wiederseht.
[23:18] Auf jeden Fall. Jetzt, wo wir wussten, wo er liegt und wir haben ja auch gesehen,
[23:22] es geht ihm noch nicht so gut, dass er wieder nach Hause kann oder zurück kann in seine Wohnung.
[23:27] Wussten wir, er wird da noch eine Zeit verbringen und dann kommen wir die nächsten
[23:30] Tage wieder. Und dazu kommt es dann auch, dass ihr ihn nochmal besucht oder
[23:33] wie funktioniert das dann? Wir sind, ich weiß nicht, ungefähr eine Woche später nochmal hingefahren.
[23:39] Wir hatten ihn beim vorherigen Treffen auch gefragt, möchtest du uns wiedersehen?
[23:44] Da sagte er, ja, das war das, was wir verstanden haben.
[23:48] Wir sind dann eine Woche später nochmal hingefahren und da waren sie gerade
[23:53] draußen im Park bei dem Anliegen am Krankenhaus.
[23:57] Und wir sind auf ihn zugegangen und er hat sofort Zeichen gemacht,
[24:01] Drehum und hat sich von Heike wegschieben lassen.
[24:05] Hat uns nicht beachtet, hat uns da so stehen lassen. Boah, wie war das für dich?
[24:10] Fassungslos. Wir wussten ja überhaupt nicht, warum, wieso, weshalb.
[24:13] Wir haben ja noch in keiner Richtung irgendwelche Antworten gekriegt.
[24:18] Man fängt ja an, sich die Fragen zu stellen. Warum ist er so komisch?
[24:22] Warum reagiert er so abweisend?
[24:24] Haben ja aber keine Antworten gekriegt. und dann wird man da stehen gelassen,
[24:28] ist den weiten Weg nach Hamburg gefahren, mit Enkelkind wieder, mit Baby.
[24:34] Und er lässt sich einfach wegschieben und ist wütend auf uns.
[24:37] Und wenn man nicht weiß, warum, fassungslos.
[24:41] Und Wut auf Heike, weil wir da schon gemerkt haben, das muss von ihr kommen,
[24:48] von alleine wäre er nicht so.
[24:49] Jetzt wird euer Vater Wolfgang irgendwann aus dem Krankenhaus entlassen.
[24:54] Weißt du, in welchem Zustand er da ist? Also kriegt ihr da Informationen drüber?
[24:59] Gar nicht, überhaupt nicht. Wir wussten ja auch nicht, zu welchem Zeitpunkt wird er entlassen.
[25:04] Wir haben dann irgendwann im Krankenhaus angerufen, ob er noch da ist,
[25:08] bevor wir uns wieder auf den weiten Weg machen.
[25:11] Nein, er wäre nicht mehr im Krankenhaus. Da war für uns dann klar,
[25:15] okay, entweder ist er in einer Reha-Klinik oder bei ihr zu Hause und haben dann
[25:21] alles Mögliche versucht. Wir haben...
[25:23] Ihm E-Mails geschrieben, wir haben ihm Fotos geschickt, wir haben versucht anzurufen,
[25:30] es wurde nichts beantwortet, gar nichts.
[25:36] Seid ihr auch mal hingefahren, weil ihr wusstet ja, wo die Heike wohnt oder wo er jetzt wohnt?
[25:41] Ja, das haben wir auch gemacht. Wir haben uns vor die Tür gestellt oder an der
[25:46] Straße so ein bisschen verdeckt und haben gewartet, bis sie das Haus verlässt
[25:51] und haben dann geklingelt.
[25:53] Aber es hat niemand aufgemacht. Wobei wir ja auch nicht wussten,
[25:56] in welchem Zustand ist er. Liegt er im Bett?
[25:59] Kann er sich selber zur Tür bewegen? Also wir wussten nicht,
[26:03] in welchem Zustand er ist und ob er uns selber überhaupt die Tür aufmachen kann.
[26:07] Wir sind auch da und verrichtet hat Dinge wieder gefahren.
[26:11] Jetzt mit dem Wissen von heute, glaubst du, dein Vater weiß damals,
[26:15] dass ihr versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen?
[26:17] Ich glaube nicht. Ich glaube, sie hat uns gesperrt im Handy,
[26:22] beziehungsweise unsere Nummern gelöscht, dass er gar nicht sieht, wer da anruft.
[26:26] Wenn sie weggefahren ist, vielleicht auch die Klingel abgestellt, E-Mails.
[26:30] Ich glaube, er konnte den Laptop selber nicht mehr bedienen,
[26:33] die hat sie alle abgefangen und gelesen, Briefe auch.
[26:36] Briefe kamen ungeöffnet wieder zurück.
[26:39] Er wird das nicht mitgekriegt haben.
[26:42] Ja und dazu kommt jetzt noch eine Geschichte, die mit dem besten Freund von
[26:49] deinem Vater zusammenhängt, der meldet sich nämlich irgendwann bei euch,
[26:53] vielleicht kannst du die Geschichte mal erzählen, weil die ist auch total krass.
[26:56] Das ist ein befreundetes Ehepaar, über 40 Jahre schon von meinen Eltern und
[27:03] die haben sich an mich und meine Schwester gewandt und haben gesagt,
[27:06] wir kennen jetzt die Seite von Heike und Wolfgang.
[27:09] Aber so recht können wir das nicht glauben. Wir sind bereit,
[27:13] uns eure Seite der Geschichte anzuhören.
[27:15] Und dann haben wir uns getroffen, uns auf dem Abend lange hingesetzt,
[27:18] viele Stunden und haben unsere Seite erzählt.
[27:21] Und beide haben den Kopf geschüttelt, haben gesagt, das können wir uns bei bestem
[27:25] Willen nicht vorstellen.
[27:26] So eine liebe Frau, die kümmert sich so fürsorglich. Das kann nicht sein.
[27:32] Und haben dann den Vorschlag gemacht, Mensch, euer Vater hat doch nächsten Monat
[27:36] Geburtstag, dann macht ihr ein schönes Video mit allen Enkelkindern und sagt
[27:40] ihm Glückwünsche, wir überreichen die CD dann.
[27:44] Und dann haben wir sie vorgewarnt und haben gesagt, das wird nicht gut gehen.
[27:47] Sobald Heike mitkriegt, dass ihr Kontakt zu uns habt, wird sie auch euch den Kontakt verwehren.
[27:53] Nein, das glauben wir nicht. Nein, wir probieren das.
[27:57] Ja, und so kam es dann. An seinem Geburtstag haben sie die DVD übergeben,
[28:01] darauf bestanden, dass es abgespielt wird.
[28:04] Mein Vater fängt an zu weinen und sagt, endlich melden Sie sich. Ja.
[28:10] Das ist der Beweis, dass er die ganze Zeit nicht mitgekriegt hat,
[28:13] dass ihr euch gemeldet habt, wie schrecklich.
[28:18] Aber was hat denn Heike diesem Paar erzählt? Weil sie ja zu euch gesagt haben,
[28:22] wir wollen jetzt mal eure Seite der Geschichte hören.
[28:24] Was war denn Heikes Seite der Geschichte?
[28:26] Wie hat sie die denn gebrieft sozusagen?
[28:29] Ja, wir würden ihn, das war ihre große Aussage, wir wären bei Gericht gewesen
[28:34] und wollten ihn entbündigen. Ach so.
[28:37] Und sie ist die Heldin, die ihn davor sozusagen bewahrt hat, entmündigt zu werden.
[28:41] Und ihr wollt, warum hättet ihr ihn entmündigen wollen, um an sein Geld zu kommen, oder was?
[28:47] Wahrscheinlich. Die bösen Töchter, die nur ans Geld wollen. So wird sie das ausgelegt haben.
[28:52] Ja, und jetzt haben die Freunde von deinem Vater dieses Video vorgespielt,
[28:58] haben sich sozusagen auf eure Seite geschlagen.
[29:00] Ihr hattet sie gewarnt und habt gesagt, das wird nicht gut ausgehen. Jetzt machen sie das.
[29:05] Geht es denn gut aus für die beiden oder nicht? Nein, ab dem Tag haben auch
[29:10] sie, mein Vater, nicht mehr erreichen können.
[29:14] Weder telefonisch, per E-Mail, keiner hat die Tür geöffnet. Ich weiß,
[29:17] der Freund ist auch noch hingefahren, hat es persönlich probiert.
[29:20] Nein, er wurde nicht reingelassen.
[29:22] Dann ist die liebe, nette Frau, von denen Sie...
[29:25] Gesprochen haben oder von der sie gesprochen haben, vielleicht dann doch nicht
[29:28] so lieb und nett. Das ist dann bei denen auch wahrscheinlich so langsam eingesickert.
[29:32] In dem Moment war ganz klar, auch wenn sie zu Anfang sehr skeptisch waren über
[29:37] das, was wir erzählt haben, haben sie uns ab dem Moment zu 100 Prozent geglaubt.
[29:42] Das ist ja, war der 60. Geburtstag von deinem Vater, also wo das mit dem Geschenk
[29:47] passiert ist. Der 61. Der 61.
[29:51] Irgendwann ist man dann ja total verzweifelt, weil man auch merkt,
[29:54] nichts funktioniert. Anrufen funktioniert nicht, Videoschicken funktioniert
[29:58] nicht, E-Mail nicht, persönlich vorbeikommen.
[30:01] Dann kommt der Juni 2019 und ihr bekommt einen wichtigen Hinweis,
[30:07] dass es mit eurem Vater eine Neuigkeit gibt.
[30:09] Von wem bekommt ihr diesen Hinweis? Ich hatte inzwischen wieder ganz lockeren
[30:14] Kontakt mit meiner Tante, seiner Schwester.
[30:17] Und sie rief mich an und sagte, unser Vater wäre jetzt in einem betreuten Wohnen in Bremerhaven.
[30:25] Das heißt aber, sie hat noch Kontakt zu ihm gehabt? Die hatten noch Kontakt,
[30:29] aber ich glaube auch eher sporadisch, also mehr telefonisch.
[30:33] Viel gesehen haben sie sich auch nicht, aber sie haben ab und zu telefoniert,
[30:37] ja. Okay, das heißt, ihr habt jetzt zumindest ein bisschen mehr Info,
[30:41] eine neue Info, betreutes Wohnen in Bremerhaven.
[30:44] Was macht ihr jetzt mit dieser Info, als ihr die habt? Auch da sind wir wieder sofort hingefahren.
[30:49] Wir haben uns ins Auto gesetzt, haben meine große Tochter mitgenommen,
[30:53] also seine älteste Enkeltochter.
[30:55] Und sind hingefahren und haben dann erstmal mit einer Pflegerin gesprochen,
[31:00] uns vorgestellt und gefragt, ob sie ihn fragen könnte, ob er uns sehen möchte.
[31:05] Auch das wussten wir ja nicht.
[31:07] Hätte ja auch sein können, dass er auch da wieder sagt, nein,
[31:09] ich möchte keinen von denen sehen und wir wären wieder gefahren.
[31:13] Aber sie hat ihn gefragt und kam wieder und sagte, ja, er möchte euch sehen, ihr dürft rein.
[31:18] Was war das für ein Gefühl für dich, als du das gehört hast?
[31:21] Ach, wir haben uns gefreut, alle.
[31:23] Wir hatten ein Fotoalbum extra mit, wo alle anderen Enkelkinder auch drin waren.
[31:28] Das hatten wir ihm fertig gemacht und sind rein zu ihm ins Zimmer und die Freude
[31:32] war auf allen Seiten groß.
[31:34] Wie schön. Ich glaube, das ist das erste Wiedersehen nach fast drei Jahren zu dem Zeitpunkt.
[31:39] Also eine wahnsinnig lange Zeit, weil da ja auch kein Telefonat oder kein Brief
[31:45] oder keine E-Mail irgendwie dazwischen war.
[31:47] Wie hat er denn so auf euch reagiert? Du hast gerade gesagt,
[31:49] Freude auf allen Seiten. Das heißt, so ganz anders als bei eurem letzten Treffen. Schon.
[31:54] Also diese Skepsis war total verschwunden. Er hat sich gefreut.
[31:59] Und dann ist das so ein bisschen umgeschlagen, dass er uns, er glaube ich,
[32:03] er hat nicht mehr ganz viel mitgekriegt.
[32:06] Aber er hat verstanden.
[32:09] Ach, jetzt sind meine Töchter da und Heike ist diejenige, die mich vor die Tür
[32:13] gesetzt hat und jetzt sitze ich hier und es war wirklich ein Loch da in Bremerhaven,
[32:17] ganz dunkler, kleiner Raum.
[32:19] Jetzt sitze ich hier und habe gar nichts mehr. Das hat er schon verstanden.
[32:23] Dass wahrscheinlich die Bösen doch nicht wir sind, sondern eher Heike.
[32:28] Ja krass, das heißt also es ist dann schon so ein bisschen bei ihm eingesickert,
[32:32] dass ihr nicht die seid, die ihn entmündigen wollt, von dem er beschützt werden
[32:36] muss, sondern im Gegenteil, sondern dass es seine Lebenspartnerin ist,
[32:39] die ihn da hinschickt in dieses Loch, wie du gerade gesagt hast.
[32:42] Ja, aber auf der anderen Seite wahrscheinlich auch Freude bei ihm,
[32:46] dass er seine seine Enkelkinder sehen
[32:48] kann, also einige auf Fotos und die Enkeltochter dann auch ganz direkt.
[32:51] Das muss ja auch wahnsinnig emotional gewesen sein. Ja, total.
[32:54] Auch weil sie ihn so lange nicht gesehen hat, war das auf ihrer Seite natürlich
[32:58] genauso wie auf seiner Seite.
[33:00] Die haben sich im Arm gehabt und sich riesig gefreut, nicht mehr losgelassen.
[33:04] Ja und jetzt so langsam sickert dann bei ihm ein, vielleicht habe ich mich sozusagen
[33:09] geirrt, habe auf der falschen Person vertraut und ihr besucht deinen Vater dort mehrfach,
[33:17] aber das geht nicht lange gut.
[33:19] Und im Dezember 2019 nimmt Heike ihn aus diesem Wohnprojekt raus und organisiert
[33:25] ihm eine eigene Wohnung in Cuxhaven, wo ein Pflegedienst nach ihm schaut.
[33:31] Vielleicht kurz mal die Frage, wieso überhaupt Cuxhaven? Gibt es da irgendwie Verbindungen zu?
[33:36] Wohnt die Heike da? Hat er da mal gewohnt? Warum Cuxhaven?
[33:39] Also vorweg, Bremerhaven sagte er, wäre nur eine Übergangslösung,
[33:45] bis die Wohnung in Cuxhaven frei ist.
[33:48] Und dann kam er ja nach Cuxhaven und wir haben auch gefragt, warum so weit weg?
[33:53] Möchtest du nicht eher zu uns in die Nähe kommen? Dann können wir dich auch
[33:56] mal abholen. Das ist dann viel einfacher, das Vorbeikommen auch.
[34:00] Und er hat immer mit den Schultern gezuckt und hat gesagt, ich weiß es nicht.
[34:04] Also sie hat eine Wohnung in Dunen.
[34:06] Er ist ziemlich in der Nähe. Das wäre dann einfach, dass sie nach ihm gucken könnte.
[34:11] Aber es könnte sie hier genauso. Wenn er bei uns in der Nähe gewesen wäre,
[34:14] hätten wir nach ihm schauen können.
[34:16] Das haben wir nicht verstanden. Sie hat es im Nachhinein so verkauft immer.
[34:20] Ja, er wollte ja ans Meer.
[34:21] Da konnte er ja nicht alleine hin. Also das Meer hat er nie gesehen in der Zeit.
[34:25] Ja, das ist ja wirklich total seltsam, weil genau wie du gerade schon sagst,
[34:30] er saß ja zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich im Rollstuhl, also mal eben ans Meer,
[34:34] ist ja auch nicht so einfach drin.
[34:36] Und vor allem ist das von euch auch richtig weit weg. Wie weit ist das mit dem Auto, eine Fahrt?
[34:42] Es kommt drauf an, wie man durchkommt, aber anderthalb bis zwei Stunden sind eine Fahrt.
[34:46] Oh krass, okay. Aber ihr besucht ihn natürlich trotzdem regelmäßig,
[34:50] jetzt wo der Kontakt wieder da ist und nehmt diese Fahrerei auf euch.
[34:55] Wir sind dann meistens mit zwei Autos gefahren, damit wir alle Enkelkinder mitkriegen.
[34:59] Zu Weihnachten hat er sich dann über bestimmtes Essen gewünscht,
[35:02] das haben wir ihm dann auch hingebracht, haben uns zu Weihnachten getroffen
[35:05] oder ihn auch tatsächlich aus Cuxhaven mal hergeholt, morgens hingefahren,
[35:10] abgeholt, abends wieder zurückgebracht.
[35:12] So eine Sache. Also wir haben uns in der Zeit relativ häufig gesehen.
[35:16] Immer geguckt, dass sie in der Zeit nicht da ist, wenn wir da hinfahren.
[35:20] Aber das hat gut geklappt. Das klingt ja fast schon ein bisschen nach so einem
[35:23] Happy End. Ihr habt euch wieder angenähert, er ist bei den Enkeln.
[35:27] Klingt jetzt erstmal alles schön.
[35:30] Was für einen Eindruck hast du denn bekommen von seinem Leben in Cuxhaven, also wie lebt er da?
[35:38] Einsam, das war eine Wohnung, es gab eine Küche und ein Schlafzimmer, kleines Badezimmer.
[35:44] Aber er hat da weder Besuch bekommen, noch ist sie wirklich oft da gewesen.
[35:49] Dann fehlte es auch an Versorgung. Er hätte dringend ein vernünftiges Krankenbett
[35:55] gebraucht, aus dem er sich hochziehen kann.
[35:57] Das wurde erst nach Aufforderung des Pflegedienstes irgendwann dann mal angeschafft.
[36:03] Er saß da im Prinzip den ganzen Tag vorm Fernseher.
[36:06] Boah, wie schrecklich. Und dann in der Stadt, wo er irgendwie keine Freunde, keine Bekannten hat.
[36:11] Und hast du mitbekommen, wie oft die Heike ihn dann besucht?
[36:14] Ich meine, wenn die jetzt jeden Tag bei ihm gewesen wären, dann hätte sie ihn
[36:16] ja zumindest gehabt, aber das klingt jetzt nicht so.
[36:19] Nee, gar nicht. Also wenn, dann war sie mal am Wochenende da,
[36:22] wenn sie in ihrer Ferienwohnung war.
[36:25] Aber in der Woche hat sie auch gearbeitet, da war sie auf jeden Fall nicht da.
[36:29] Ach so, das heißt, der arme Mann sitzt da die ganzen Tag in so einer ganz kleinen
[36:34] Wohnung und kriegt dann nur am Wochenende mal Besuch. Genau, richtig.
[36:40] Also ich meine, euch hätte auch eine Pflegerin erzählt, dass sie ja abbestellt
[36:46] wird, wenn die Heike da ist, weil sie sich dann selber um ihn kümmern muss,
[36:49] aber dass der Wolfgang gesagt hat, nee,
[36:54] komm du mal lieber doch. Habe ich das richtig verstanden?
[36:56] Die Pflegerin, wir dürfen sie nennen, Tatjana, war sein größtes Glück und auch unser größtes Glück.
[37:03] Mit der hat er sich, das hat er uns zwischendurch auch schon erzählt,
[37:06] unheimlich gut verstanden.
[37:08] Sie ist auch privat zwischendurch mal hingefahren und hat ihn besucht.
[37:12] Abends nach Feierabend, dann haben sie noch ein Weinchen zusammen getrunken.
[37:16] Das ging alles. Und irgendwann sagte mein Vater, Mensch...
[37:22] Gebt ihr mal deine Nummer. Falls mit mir was ist, kriegst du ja sonst keine
[37:27] Information. Das war auch immer unsere Angst, wenn mit ihm was ist.
[37:31] Heike hätte uns nicht informiert und wir hätten es nicht mitbekommen.
[37:34] Und er sagte, dann kann wenigstens Tatjana euch anrufen und euch informieren.
[37:40] Und das dauerte nicht lange. Eine Woche später rief Tatjana an.
[37:45] Auch da ist man ja erst mal skeptisch, wenn man schon so ein bisschen was drumherum mitgemacht hat.
[37:51] Und sie sagte, irgendwas stimmt da nicht mit der Heike, das kommt uns allen hier komisch vor.
[37:56] Dann bestellt sie den Pflegedienst ab, wenn wir hinfahren oder sie dann privat
[38:00] hinfährt, dann sitzt er seit Mittags im Schlafanzug da oder sie ist gar nicht da.
[38:04] Dann stehen da Hip-Baby-Gläschen, die er sich warm machen soll.
[38:08] Er kriegt sie aber alleine gar nicht auf.
[38:11] Also das kam den allen sehr komisch vor mit der Heike schon.
[38:15] Ja und dann kommt noch dazu, dass Heike die Physiotherapie und auch die Logopädie abbestellt.
[38:22] Das sind ja beides Sachen, die nach einem Schlaganfall super wichtig sind,
[38:25] um wieder gesund zu werden.
[38:28] Kannst du da oder könnt ihr als Familie dagegen irgendwas unternehmen und sagen
[38:32] so, hey das geht so nicht?
[38:33] Nein, wir hätten noch nicht mal einen
[38:35] Arzt anrufen dürfen, weil die Vorsorgevollmacht nach wie vor bei ihr lag.
[38:39] In Bremerhaven hat er die Therapien noch bekommen, in Cuxhaven dann aber gar
[38:43] nicht mehr. Keine Logopädie, keine Physio, gar nichts.
[38:46] Wurde alles von ihr verweigert. Ja, und damit dann eben auch die Chance,
[38:50] dass es zumindest ein bisschen wieder besser wird, weil bei Schlaganfällen,
[38:54] das ist ja sehr unterschiedlich, wie die Konsequenzen sind, aber man kann sich
[38:57] ja ein Stück Freiheit auch wieder erarbeiten.
[38:59] Manche werden ja sogar fast wieder ganz gesund mit der richtigen Arbeit.
[39:03] Das ist ja wirklich, wirklich krass. Im August 2020, also da ist dein Vater
[39:09] so ungefähr acht Monate in Cuxhaven,
[39:12] da bekommt deine Schwester eine sehr überraschende Mail von Heike.
[39:16] Was steht in dieser Mail?
[39:19] Ja, eurem Vater geht es sehr schlecht.
[39:22] Eure Voraussetzung war, dass er die Enkelkinder sehen kann, dass ich mich zurückziehe,
[39:28] das tue ich hiermit und gebe die Vollmachten ab.
[39:30] Das ist überraschend. Und es stimmt auch absolut nicht, weil die Enkelkinder
[39:35] hat er ja vorher gesehen, wir haben ihn ja besucht.
[39:37] Es war jetzt nicht unsere Voraussetzung, dass sie sich zurückzieht,
[39:41] damit wir ihn wieder besuchen. Totaler Quatsch.
[39:44] Also einfach so vor den Latz geknallt, ihr wollt es so, jetzt habt ihr die Vollmacht, bitteschön.
[39:48] Und eine weitere Begründung gibt es nicht. Nein, die Schlüssel sind auf dem
[39:51] Weg zu euch, eurem Vater geht es sehr schlecht.
[39:54] Und das ist natürlich eine Nachricht, wo man dann sich direkt wahrscheinlich
[39:57] in Bewegung setzt, auch wenn ihr die Schlüssel noch nicht habt.
[40:02] Ihr seid dann, glaube ich, direkt losgefahren.
[40:04] Auch da sofort wieder ins Auto gesetzt, meine Schwester und ich nach Cuxhaven
[40:08] gefahren und der Pflegedienst hat uns dann reingelassen, weil sie wussten,
[40:13] die hatten wir ja per E-Mail bekommen, die Vollmacht hatten.
[40:17] Und das ist jetzt wieder die Situation, dieser Moment vom Anfang,
[40:21] über den wir ganz am Anfang schon gesprochen haben.
[40:23] Nimm uns mal mit, ihr kommt in diese kleine Wohnung da rein.
[40:26] Wie findet ihr euren Vater vor?
[40:31] Ja, dunkles Zimmer stickige Luft er liegt auf seinem,
[40:37] Bett zusammengekrümmt in so einer Embryonalhaltung ihm läuft der Speichel aus
[40:42] dem Mund er kennt uns kaum, also auch da wissen wir nicht, hat er da jetzt noch
[40:47] wahrgenommen sind wir das oder nicht,
[40:50] und sagt, sie hat mich hier einfach liegen lassen das konnten wir verstehen,
[40:56] Boah, wie schrecklich.
[40:59] Und er ist auch, glaube ich, so in einem sehr schlechten Zustand,
[41:02] also abgemagert und so, ne?
[41:03] Ganz dünn, die Knochen gucken raus. Er hat keine Kraft mehr,
[41:07] konnte sich auch nicht hinsetzen selber. Ganz, ganz schlimm.
[41:13] Weißt du in dem Moment, wie ernst die Situation ist? Kannst du das schon begreifen?
[41:19] Nee, jetzt im Nachhinein ja, aber in dem Moment nicht.
[41:24] Wir wussten nur, er hat die Nahrung schon eine ganze Zeit verweigert.
[41:30] Und dann haben wir ihn gefragt, möchtest du ins Krankenhaus,
[41:34] sollen wir was tun, dass du wieder aufgepäppelt wirst, was in dem Moment ja
[41:38] heißt Magensonde und das hat er mit Ja beantwortet.
[41:43] Und daraufhin haben wir dann den Krankenwagen gerufen und er ist abtransportiert worden.
[41:48] Ich glaube, um das nochmal deutlich zu machen, der war ganz kurz vorm Sterben zu dem Zeitpunkt.
[41:53] Ja, war schon in so einem Dämmerzustand, ja.
[41:59] Aber du hast es gerade gesagt, ihr setzt alle Hebel in Bewegung,
[42:02] ruft den Rettungswagen, er wird ins Krankenhaus gebracht.
[42:07] Was erfahrt ihr dann im Krankenhaus über den Zustand von deinem Vater oder eurem Vater?
[42:14] Naja, viel Hoffnung haben sie uns nicht gemacht. Aufgrund dieser ganzen Vorerkrankungen,
[42:19] er war eine Zeit vorher schon da, wegen seinem Rücken hätte eigentlich operiert
[42:24] werden müssen, dann jetzt dieser schlechte Ernährungszustand.
[42:30] Und Hoffnung haben sie uns nicht gemacht. Also wir haben uns dann für die Magensonde entschieden.
[42:36] Aber inwieweit er wieder aufgepäppelt wird oder überhaupt dann wieder aufstehen
[42:41] kann irgendwann oder bettlägerig bleibt, dann wirklich letztendlich, das wusste keiner.
[42:46] Das heißt, die Ärzte haben da auch offiziell festgestellt, dass er unter Mangelernährung
[42:51] genitten hat, eine längere Zeit. Ja, auf jeden Fall.
[42:55] Und dadurch dann auch wieder körperliche Folgen hatte durch diese Mangelernährung.
[43:00] Das kam dann eine Zeit später, als wir ihn dann in ein Pflegeheim zu uns in die Nähe geholt haben.
[43:07] Da wurde dann eine Nierenerkrankung festgestellt und er musste alle zwei Tage
[43:12] zur Dialyse gefahren werden.
[43:15] Und es ist, glaube ich, auch so, dass er eine gewisse Wesensveränderung durchgemacht
[43:22] hat, wie dann im Krankenhaus festgestellt wird.
[43:25] Erzähl doch mal darüber. Ja, er war ja schon immer ein sehr aufbrausender Mensch,
[43:31] aber das hat sich dann manifestiert. Also er war wirklich…,
[43:36] Oder noch schlimmer geworden, aber höchst aggressiv, wenn man ihn falsch angefasst
[43:41] hat, wenn man was Falsches gesagt hat, wenn man irgendwas von ihm wollte,
[43:46] wenn man ihn nicht verstanden hat, viele verstehen ihn ja nicht,
[43:49] wenn man sich da noch nicht reingehört hat.
[43:52] Sofort böse, wütend, hat mit Sachen geschmissen, randaliert,
[43:57] also in seinem Maße randaliert, liegend.
[44:01] Wie gehst du damit um als Tochter mit dieser Situation, mit der,
[44:05] Einerseits deinen Vater so sehen zu müssen, was ja sowieso nicht schön ist und
[44:08] dann noch diesen ganzen Orga-Kram, der ist euch ja im Prinzip vor die Füße geworfen worden von Heike.
[44:15] Also den Orga-Kram, den habe ich immer übernommen und so dieses ganze Zwischenmenschliche
[44:21] und mit Papa reden und ihn beruhigen und sagen, Mensch, so kannst du hier mit
[44:24] den Schwestern und Pflegerinnen und so nicht umgehen,
[44:27] das war dann immer der Part von meiner Schwester. Habt ihr euch also aufgeteilt.
[44:31] Aber es hilft ja glaube ich auch, also ich kenne das selber aus solchen Situationen,
[44:35] wenn man in die Aktion kommt und was machen kann.
[44:38] Also wenn man was organisieren kann, wenn man sich irgendwie kümmern kann,
[44:41] dann fühlt man sich nicht ganz so machtlos.
[44:44] Was organisierst du denn zusammen mit deiner Schwester für deinen Vater?
[44:48] Naja, es fing damit an, dass wir den Heimplatz hier organisiert haben bei uns
[44:53] in der Nähe, dann den Krankentransport hierher und dann die ganzen finanziellen Sachen.
[45:00] Seine Bank hatte die Lebensgefährtin gewechselt, dann schon in Cuxhaven.
[45:06] Da mussten wir Einblick bekommen, es musste ja geklärt werden.
[45:09] Ich wusste überhaupt nicht, hat er eine Pflegestufe, wenn ja, welche.
[45:14] Er hatte zu dem Zeitpunkt Pflegestufe 4, das haben wir dann durch den MDK erhöhen
[45:18] lassen auf Pflegestufe 5.
[45:21] Also er bekam Pflegegeld mit seiner Rente. Wir hatten einen Ordner,
[45:26] Papiere, ja, aber immer nur von allem das oberste Blatt, sage ich mal.
[45:31] Also nicht die Vorgänge von davor, sondern immer nur den aktuellsten Vorgang.
[45:35] Und das alles dann auseinanderzufischen und rauszukriegen, wo er versichert
[45:39] ist, wo das Geld herkommt oder hingeht oder was er für Unkosten hat,
[45:43] diese Sachen mussten erstmal geklärt werden.
[45:47] Das sind ja eben auch viele finanzielle Fragen, weil so ein Klinikaufenthalt,
[45:52] auch ein Pflegeheim, Transport,
[45:54] das kostet ja alles Geld, aber zu dem Zeitpunkt gehst du ja noch davon aus,
[45:59] dass dein Vater genug Geld dafür zurückgelegt hat, weil wir hatten ja ganz am
[46:01] Anfang schon geklärt, dass er eigentlich immer gutes Geld verdient hat,
[46:04] also eigentlich hättest du jetzt nicht gedacht, dass das ein Problem werden könnte.
[46:09] Überhaupt nicht. Er hat gut verdient, also sprich, er hat eine gute Rente bekommen,
[46:13] er bekam sein Pflegegeld, eine Zusatzrente, seine Lebensversicherung waren zwischendurch
[46:20] immer mal wieder, wussten wir, waren welche fällig, also ausgezahlt worden.
[46:24] Bei der Trennung oder Scheidung hat unsere Mutter ihn ja auch ausgezahlt,
[46:27] das Haus, sie ist in dem Haus geblieben und hat ihn ausgezahlt.
[46:31] Also es hätte genug Geld da sein müssen.
[46:34] Und wie man schon hört, du sagst, hätte, irgendwann platzt dann die Bombe,
[46:40] als du dich da durch die Finanzen fühlst.
[46:42] Ich habe mir dann einen Kontoauszug geholt und habe gesehen,
[46:46] auf seinem Konto sind nur noch 2000 Euro.
[46:49] Und habe dann überlegt, gibt es vielleicht ein zweites Konto,
[46:52] auf dem er seine ganzen Ersparnisse hat oder nein, gab es nicht.
[46:56] Und dann ging unsere Suche los, wo ist sein Geld geblieben? Habt ihr es gefunden?
[47:03] Bei ihr. Wir haben uns von seiner alten Bank Kontoauszüge geholt zurück bis
[47:09] 2013 und sind das durchgegangen und haben dann festgestellt,
[47:14] mit Tag des Schlaganfalls im Juni 2016 gingen die Abbuchungen und Überweisungen los.
[47:23] Geldabhebungen immer in Tausender-Schritten
[47:25] und Überweisungen bis 25.000 Euro, dann mal 10.000 Euro.
[47:32] Am Ende mit Lebensversicherung und allem drum und dran waren es 290.000 Euro.
[47:37] Boah, wie trifft dich diese Erkenntnis?
[47:41] Hart, weil man irgendwo schon geahnt hat, es ist weg.
[47:46] Es gibt keine Chance, an dieses Geld ranzukommen.
[47:50] Sie hatte für alles Unterschriften.
[47:53] Es wird sehr schwer sein, ihr da irgendwas zu beweisen.
[47:57] Nichtsdestotrotz stand eigentlich dann schon oder da schon für mich fest oder
[48:01] für uns fest. Dagegen gehen wir vor.
[48:05] Aber es ist ja auch, also da ist ja eine Zukunft in Anführungsstrichen zerplatzt,
[48:10] wo man denkt, ja super, ich habe für das Alter vorgesorgt und ich muss mich
[48:15] dann da um nichts kümmern.
[48:16] Und dann ist das ganze Geld weg, was man über sein Leben erarbeitet hat.
[48:20] Wie hat denn dein Vater darauf reagiert, als du ihm das gesagt hast?
[48:24] Geschockt. Also er hat angefangen zu weinen, konnte das nicht glauben,
[48:29] als ich ihm diese Aufrechnung vorgelegt habe.
[48:32] Entsetzt, hat gesagt, die Leute kennen mich hier alle, wenn das einer rauskriegt,
[48:36] weil das Sozialamt ja dann auch für ihn einspringen musste.
[48:40] Er sagt, oder wir haben ihn dann gefragt, sollen wir dagegen vorgehen?
[48:44] Und seine Antwort war ganz klar, tut alles, was ihr könnt, aber nehmt euch einen guten Anwalt.
[48:51] Hat er sich geschämt? Das habe ich jetzt gerade so ein bisschen rausgehört.
[48:55] Es war ihm unendlich peinlich, ja.
[48:57] Er sagt, bitte sagt das nicht hier auf der Station, also in dem Pflegeheim,
[49:01] sagt das keinem, das soll keiner wissen.
[49:04] Hat er das denn realisieren oder glauben können, dass es die liebe nette Heike
[49:09] war, die ihn da ausgeräumt hat und ausgeraubt hat im Prinzip oder hat er das
[49:14] gar nicht so voneinander gekriegt?
[49:15] Doch, also er hat ja schon mitbekommen, was sie mit ihrem Ex-Mann gemacht hat,
[49:20] wie knallhart. Ach so, das wusste er.
[49:22] Das wusste er, das hat er noch mitbekommen, genau.
[49:26] Da war er ja noch gesund, als das passiert ist.
[49:29] Er hätte aber, glaube ich, nicht damit gerechnet, dass sie es mit ihm macht.
[49:34] Und dann kommen ja auch diese ganzen Sachen erst raus, was sie ihm auch über
[49:38] euch erzählt hat, dass ihr eigentlich diejenigen seid, die an sein Geld wollen
[49:43] und die ihn entmündigen wollen.
[49:44] Das ist ja eigentlich besonders gemein an dieser Geschichte.
[49:48] Dieses Schlechtmachen, das ist ganz typisch, sich selber gut darstellen und
[49:53] Freunde, Bekannte, Familie, alle drumherum schlecht reden.
[49:58] Ja, also wir reden jetzt, hast du gerade schon gesagt, von einer Summe von irgendwie
[50:01] 230.000 Euro plus Lebensversicherung,
[50:05] also das ist richtig, richtig, richtig viel Geld und dein Vater hat gesagt,
[50:08] nehmt euch einen guten Anwalt, das macht ihr jetzt ja auch, also es ist ja klar,
[50:12] dass ihr dagegen angehen wollt,
[50:13] wie sind denn die Erfolgsaussichten in seinem Fall, was sagt der Anwalt euch,
[50:17] als ihr ihm die Geschichte ausbreitet?
[50:19] Gleich null. Eigentlich, weil sie, wie wir uns das schon gedacht haben,
[50:25] ja für alles Unterschriften hat.
[50:27] Seine Unterschriften, die Vollmachten.
[50:32] Und es kann man nicht zurückholen, das Geld.
[50:36] Also er sagte, in den wenigsten Fällen kommt es da zu einer Verurteilung.
[50:41] Wollt ihr euch das wirklich antun?
[50:43] Aber ihr wollt. Auf jeden Fall.
[50:46] Dann war ja noch die Schwierigkeit, dass er selber nicht befragt werden konnte. Es war Corona.
[50:52] Wir haben alles aussagen müssen und schriftlich darlegen müssen und beweisen
[50:57] müssen, obwohl er der Kläger offiziell war.
[51:02] Es war noch relativ einfach, weil man das begründen konnte,
[51:08] Aber er hätte niemals vor Gericht angehört werden können. Wieder hätten nur
[51:12] meine Schwester und ich da gesessen, als, wie es dann ja oft wirkt,
[51:16] ach, die Kinder, die ans Erbe wollen.
[51:19] Ja, also ihr habt, glaube ich, im Dezember 2020 dann Klage eingereicht,
[51:24] weil ihr es eben nicht auf euch sitzen lassen wolltet.
[51:27] Und man hat es gerade schon so ein bisschen rausgehört, der Gesundheitszustand
[51:30] deines Vaters verschlechtert sich zu der Zeit dramatisch.
[51:33] Er kann eigentlich gar nicht mehr so viel, ne? Nee.
[51:39] Aufgestanden ist er seit dem Zeitpunkt gar nicht mehr. Man hat zwischendurch
[51:43] versucht, ihn mal in den Rollstuhl zu setzen, aber da hat er gesagt,
[51:46] ihm tut das alles weh, er will zurück ins Bett.
[51:49] Aufgestanden ist er, seitdem er dann ins Pflegeheim gekommen ist,
[51:52] gar nicht mehr. Er hat nur noch im Bett gelegen.
[51:55] Er hat zwar alles einigermaßen verstanden, was man ihm gesagt hat,
[52:00] aber die Aggressivität, die war und hat sich noch gesteigert.
[52:03] Das wurde wirklich für die Pflegerin fast unerträglich.
[52:07] Hat dann auch sehr starke Schmerzmittel bekommen, Morphin, um überhaupt so durch den Tag zu kommen.
[52:14] Und ich glaube, dann der entscheidende Punkt war, dass er irgendwann nicht mehr
[52:16] zur Dialyse wollte, oder?
[52:18] Das hat er verweigert, genau. Das gab natürlich auch alle zwei Tage,
[52:22] hat ihn jemand angefasst, umgebettet, auf die Trage zur Dialyse wieder zurück.
[52:27] Also da gab es auch schon böse Auseinandersetzungen, dass der Transportdienst
[52:31] ihn teilweise schon nicht mehr mitnehmen wollte.
[52:34] Und irgendwann hat er es ganz verweigert und hat gesagt, ich möchte nicht mehr.
[52:37] Und dann hat er hochdosiert Morphin bekommen gegen die Schmerzen.
[52:40] Und dann war eigentlich klar, es geht zu Ende. Dein Vater stirbt am 1.
[52:46] Mai 2021 und erlebt den Prozess damit nicht.
[52:51] Also stirbt im Alter von 63 Jahren.
[52:53] Woran genau jetzt an dieser Nierenerkrankung am Ende?
[52:57] An allem wahrscheinlich. Also wir wissen ja nicht, was das auch ausgelöst hat,
[53:01] diese Mangelernährung über die lange Zeit. Die Nierenerkrankungen.
[53:06] Ich glaube, sein Körper hat am Ende einfach aufgegeben.
[53:11] Der Tod ihres Vaters war für Friederike natürlich sehr traurig.
[53:16] Sie hat uns nach der Aufnahme des Interviews nochmal kontaktiert,
[53:19] weil sie Sorge hatte, dass es nicht deutlich genug geworden ist,
[53:23] dass ihr Vater eben auch sehr gute Seiten hatte, die er wesentlich öfter gezeigt hat als die schlechten.
[53:29] Friederike erinnert sich an eine wunderschöne Kindheit, an der auch ihr humorvoller
[53:35] und fürsorglicher Vater einen großen Anteil hatte.
[53:38] Ich finde schon, dass man merkt, dass Friederike ihren Papa Wolfgang sehr geliebt
[53:43] hat und dass das Verhältnis zu den eigenen Eltern nicht immer nur positiv ist.
[53:48] Das kennen wahrscheinlich die meisten von uns.
[53:51] Und jetzt ist er ja eigentlich das Opfer in diesem Prozess und das Opfer stirbt.
[53:57] Was bedeutet das denn dann für den Prozess gegen Heike? Ja, für uns bedeutete
[54:04] das, dass wir überlegen mussten, wir als Erben, wir haben noch einen Bruder,
[54:07] wir sind drei Geschwister, wir sind die Erben, möchten wir auch den Prozess erben.
[54:13] Vorher war der Prozess in Anführungsstrichen kein Problem. Unser Vater war mittellos,
[54:18] da lief es über Prozesskostenbeihilfe, die wir beantragt haben.
[54:22] Jetzt lag das Prozesskostenrisiko, aber bei uns wollen wir das.
[54:26] Wenn wir verlieren, gehen wir das Risiko ein.
[54:31] Aber relativ schnell war klar, wir drei ziehen an einem Strang,
[54:34] wir ziehen das durch, die Klage läuft weiter und ist sie auch.
[54:37] Das war ja auch das, was euer Vater sich gewünscht hat, dass ihr dagegen vorgeht
[54:42] und ihr habt jetzt sozusagen seinen letzten Wunsch erfüllt mit diesem Prozess.
[54:46] Am ersten Verhandlungstag seht ihr Heike dann wieder im Landgericht Stade.
[54:51] Wie ist dieses Wiedersehen? Ohne Beachtung, wie vorher auch, kann man sagen.
[54:56] Also es ist an uns vorbeigegangen, wir haben sie aber auch nicht groß beachtet.
[55:01] Man hat gemerkt, sie ist sehr unsicher in ihrer Art, das schon,
[55:05] aber hat auch komplett ihren Anwalt sprechen lassen.
[55:08] Also da hat sie sich selber gar nicht groß geäußert.
[55:11] Aber was geht dir denn durch den Kopf, wenn du sie jetzt nach so langer Zeit
[55:14] wieder siehst und jetzt weißt du ja auch zum ersten Mal wirklich,
[55:17] was sie gemacht hat. Das wusstest du ja vorher nicht, da war es ja eher so eine Ahnung.
[55:20] Und jetzt weißt du, wie sie deinen Vater wahnsinnig schlecht behandelt hat,
[55:25] da alleine in so einem Loch hat verrotten lassen und ihn ausgenommen hat eigentlich bis auf 2000 Euro.
[55:31] Natürlich war immer die ganze Zeit die Wut dabei, aber in dem Moment vor Gericht,
[55:37] auch Freude, so komisch wie das klingt, aber wir haben uns gefreut,
[55:40] dass wir es so weit geschafft haben,
[55:42] wenn man vorher gesagt bekommt, die Aussichten sind so gering,
[55:47] man muss wissen, Prozesskostenbeihilfe wird nur gewährt, wenn das Gericht ausreichend
[55:52] Chance auf Erfolg sieht.
[55:54] Und das war ja schon ein großer Schritt für uns, dass wir es überhaupt vor Gericht
[55:58] schaffen. Das schaffen die wenigsten.
[56:01] Und in dem Fall war das ja schon mal ein gutes Zeichen, dass wir wissen,
[56:05] sie kommt da nicht so mit durch.
[56:08] Wie ist sie denn vor Gericht aufgetreten? War sie wieder die kleine,
[56:12] zierliche, süße Maus, die sie sonst so immer gegeben hat, von dem, was ich gehört habe?
[56:17] Ja, genau so, wie sie sich anderen gegenüber immer gegeben hat.
[56:21] Außer wenn wir sie alleine irgendwo gesehen haben, so wie im Krankenhaus ganz zu Anfang.
[56:25] Dann vor anderen wieder ganz zart, so ein bisschen zusammengekauert.
[56:30] Wie so ein kleiner Engel, der keinem was zu Leide tun kann. Eine ganz zarte
[56:34] Stimme, ganz langsam und ruhig.
[56:38] Was hat sie denn gesagt zu ihrer Verteidigung? Ihre Begründung war,
[56:43] sie hat dann wirklich eine Auflistung dargelegt.
[56:47] Hat alle Stunden aufgezählt, die sie ihn irgendwo hingefahren hat,
[56:51] gepflegt hat, was sie für Aufwendungen mit ihm hatte.
[56:55] Dann wäre da viel Geld auch dafür draufgegangen für den Hausumbau, behindertengerecht.
[57:01] Das wollte euer Vater alles so und hat dann alle Rechnungen vorgelegt.
[57:06] Welches Haus wurde umgebaut? Ihr Haus. Aber da war er doch gar nicht.
[57:10] Als der Umbau abgeschlossen war, wurde er ja vor die Tür gesetzt,
[57:14] genau. Genau, das haben wir auch nicht verstanden.
[57:18] Er wollte das alles so und hat auch Zeichnungen vorgelegt, wo er handschriftlich
[57:22] was geändert hat, was die Küche betrifft oder so.
[57:25] Ja, na klar, wenn man zusammen wohnt und eine Küche neu plant,
[57:28] dann macht man das zu zweit und dann ist auch mal die Handschrift von dem Partner
[57:31] da drauf, auch wenn es nicht das eigene Haus ist.
[57:34] Nein, das wäre gewesen, weil er das alles so wollte. Neuen Wintergarten, alles neu.
[57:41] Weil er es so wollte, nicht sie. Nicht sie wollte es sich schön machen in ihrem
[57:45] Haus, sondern euer Vater wollte das, obwohl er selber ja dann da gar nicht mehr gewohnt hat später.
[57:51] Und das Geld, was sie von seinem Konto abgehoben hat, hat sie abgehoben als
[57:55] Bezahlung, weil sie ihn so nett gepflegt hat?
[57:57] Ja. Weil sie es brauchte für irgendwas für ihn? So hat sie es dargelegt,
[58:02] dass es nur für ihn gewesen wäre, hat damit aber den Hausumbau bezahlt.
[58:06] Aber sie hat schon für Sachen Belege und sowas alles vorgelegen.
[58:11] Sie hat gesagt, hier die Fahrt und das habe ich noch für ihn gemacht.
[58:14] Also es war jetzt schon so, dass sie sich darauf vorbereitet hatte.
[58:16] Ja, da waren auch mal kleinere Rechnungen bei für, ich sage mal,
[58:20] so einen Laufwagen, so einen Handwagen, woran er laufen konnte.
[58:24] Aber nichts, was diese großen Abbuchungen rechtfertigen würde.
[58:28] Das hat sie sich selber, hat einen Kalender vorgelegt, wie oft sie ihn irgendwo
[58:32] hingefahren hat und hat die Stunden und die Kilometer ausgerechnet.
[58:35] Naja, aber wenn das jetzt nur dafür wäre, hätte sie einen sehr hohen Stundenlohn gehabt. Genau.
[58:40] Wahnsinn. Das wäre ihre Entschädigung gewesen. Die Richterin folgt dem nicht ganz, sage ich mal.
[58:46] Die schlägt einen Vergleich vor, also eine Einigung beider Parteien,
[58:51] bei der jetzt niemand offiziell gewinnt oder verliert.
[58:54] Was genau ist diese Einigung oder was ist dieser Vorschlag, den die Richterin euch unterbreitet?
[58:59] Die Richterin selber schlägt nur vor, ob man über einen Vergleich nachdenken
[59:04] möchte. Und dann können beide Parteien rausgehen und sich besprechen und der
[59:08] Vorschlag von Heike war zu Anfang, ich glaube 30.000 Euro würde sie uns zahlen.
[59:14] Da haben wir gesagt nein und dann ist sie, ich glaube da haben wir uns relativ
[59:18] schnell auf 80.000 Euro geeinigt und damit war es auch abgeschlossen.
[59:24] Wir mussten überlegen, der Anwalt hat gesagt, es kann auch, egal wer gewinnt,
[59:29] geht ihr ja in Revision und es geht einen Schritt weiter. Es kann aber auch
[59:32] hochgehen bis zum Bundesgerichtshof, was sich dann mal locker zehn Jahre hinzieht.
[59:37] Wollt ihr das? Wollt ihr euch das antun?
[59:41] Und wir haben gesagt, das ist Geld, wofür wir selber nicht gearbeitet haben, nichts getan haben.
[59:47] Er hätte auch selber noch viele Jahre gesund leben können und das Geld selber ausgeben können.
[59:54] Uns ging es darum, sie kommt da nicht ungeschoren davon und haben dann den Vorschlag
[1:00:01] mit den 80.000 Euro angenommen.
[1:00:03] Allein damit dann endlich Ruhe einkehrt.
[1:00:06] Ja, finde ich total nachvollziehbar. Ich meine, du hast gerade schon es gesagt,
[1:00:10] es ist natürlich nichts im Vergleich zu den 280.000 insgesamt,
[1:00:13] die da an Schaden entstanden sind.
[1:00:15] Aber es ging euch ja auch darum, ein Zeichen zu setzen.
[1:00:18] Euer Vater, den wird es nicht mehr interessieren, der ist nicht mehr da.
[1:00:22] Aber einfach nur, um zu zeigen, sowas geht nicht. Ganz genau.
[1:00:27] Und gar nicht, was sie ihm nur finanziell angetan hat.
[1:00:30] Es geht ja auch darum, was sie ihm körperlich angetan hat. Denn sie hat ein
[1:00:34] großes Stück dazu beigetragen, dass er so früh verstorben ist.
[1:00:38] Ja, sie hat da eine Mitschuld dran getragen, kann man glaube ich sagen.
[1:00:42] Wie ist dann dein Gefühl, als es heißt, dieser Vergleich kommt?
[1:00:45] Du bist dann am Ende doch happy damit, dass ihr nicht weitergeht,
[1:00:48] oder? Höre ich jetzt schon so ein bisschen raus.
[1:00:50] Ja, weil es für uns wirklich mit dem Tag abgeschlossen war. Natürlich gab es
[1:00:55] noch einiges an Papierkram hinterher zu regeln.
[1:00:57] Am Ende ist von dem Geld auch nicht viel übrig geblieben.
[1:01:01] Gerichtskosten und das Sozialamt wollte noch Geld natürlich wieder zurückhaben,
[1:01:05] weil unser Vater in Anführungsstrichen ja dann wieder Geld hatte durch den Prozess.
[1:01:10] An das Sozialamt mussten wir Geld zurückzahlen.
[1:01:13] Die Gerichtskosten, die Anwaltskosten, aber die ist Zeichensätzen.
[1:01:17] Darum ging uns das. Sie kommt damit nicht durch.
[1:01:21] Wie ist das bei so einem Vergleich vor Gerichten? Muss man sich dann die Hände
[1:01:23] schütteln oder läuft das über die Anwälte?
[1:01:27] Das läuft über die Anwälte. Zum Glück nicht die Hände schütteln.
[1:01:30] Hättest du nicht so Bock drauf gehabt? Nee, alle Seiten nicht.
[1:01:34] Hätte ich auch verweigert.
[1:01:35] Ja, das kann ich absolut nachvollziehen. Es ist ganz interessant,
[1:01:39] das ist noch so ein kleiner Side-Fact, dass Heike nämlich ihren Ex-Mann auch
[1:01:43] so über den Tisch gezogen hat und dass sie mal wegen Steuerhinterziehung angeklagt wurde.
[1:01:48] Das habt ihr, glaube ich, alles erst in dem Prozess erfahren,
[1:01:52] ne? Das nicht in dem Prozess erfahren, aber alles im Nachhinein erfahren tatsächlich,
[1:01:57] ja, von dem Mann genau, dass sie da auch noch vor Gericht gestanden hat wegen
[1:02:01] Steuerhinterziehung, 90.000 Euro.
[1:02:04] Da muss schon ein bisschen was bewegt werden, was man 90.000 Euro hinterziehen kann.
[1:02:09] Genau, mit dem Wissen von heute, sie hat deinen Vater ausgenommen,
[1:02:13] sie hat ihren Ex-Mann ausgenommen, sie hat 90.000 Euro Steuern hinterzogen.
[1:02:17] Was denkst du, was Heike heute macht?
[1:02:20] Naja, man witzelt immer so ein bisschen rum, obwohl es nicht witzig ist,
[1:02:23] aber wir haben gesagt, sie hat hundertprozentig schon den nächsten Zuhause,
[1:02:27] den sie finanziell ausnehmen kann oder darauf vorbereitet.
[1:02:31] Würdest du sagen, du hast mit dem Thema Heike abgeschlossen?
[1:02:39] Also eigentlich schon. Andererseits denke ich heute immer noch darüber nach,
[1:02:45] wie wohl die Richterin entschieden hätte.
[1:02:47] Das würde mich bis heute interessieren. Denn ein Urteil ist ja nicht gesprochen worden.
[1:02:52] Wie hätte die Richterin in diesem Fall letztendlich entschieden?
[1:02:55] Das würde mich bis heute interessieren. Die Frage treibt einen um.
[1:02:59] Ja, das kann ich mir vorstellen, weil es eben kein Urteil ist, sondern ein Vergleich.
[1:03:03] Aber selbst wenn es ein Urteil gegeben hätte, dann hätte es eine Revision geben
[1:03:07] können, hätte es das nächste Urteil geben können. Das ist halt immer so ein
[1:03:09] bisschen die Schwierigkeit vor Gericht.
[1:03:11] Wenn du, Heike, was sagen könntest, gäbe es da was, was du ihr sagen wolltest?
[1:03:16] Nein. Nee? Ich habe ihr absolut nichts mehr zu sagen. Nein.
[1:03:21] In dem Fall haben wir da wirklich dann doch mit abgeschlossen,
[1:03:25] dass wir sagen, diese Frau, also mit dem Prozess war es abgeschlossen und wir
[1:03:30] müssen sie zum Glück nicht mehr wiedersehen und werden wir auch nicht.
[1:03:34] Ja, das ist vielleicht dann das Gute an diesem Vergleich, dass man so zumindest
[1:03:38] da einen Haken hinter machen kann, sagen, das ist jetzt geregelt und wir müssen
[1:03:42] jetzt irgendwie weitermachen mit dem Leben auch. Auch wenn sie ja dir und deiner
[1:03:46] Familie einfach wahnsinnig viel angetan hat.
[1:03:49] Das muss man ja einfach mal ganz deutlich an der Stelle sagen. Auf jeden Fall.
[1:03:53] Wir haben die ganze Zeit überlegt oder uns immer wieder gesagt,
[1:03:58] man müsste über diese Geschichte ein Buch schreiben.
[1:04:00] Das glaubt einem niemand und sowas erlebt auch kein anderer.
[1:04:04] Im Nachhinein bin ich auf eine Seite aufmerksam geworden, Initiative gegen Vollmachtmissbrauch
[1:04:10] e.V. Und auch da wird darum gebeten, dass man die Geschichte meldet und seinen Fall schildert.
[1:04:18] Und das habe ich getan und die Gründerin Hildegard Winnebeck rief mich daraufhin
[1:04:22] an, hörte sich auch meine Geschichte an und hat ganz klar auch nochmal gesagt,
[1:04:29] das ist Schema F. Genau so gehen diese Menschen vor.
[1:04:33] Dieses sich selber gut machen, dann andere schlecht machen und dann fallen lassen.
[1:04:38] Das ist ganz, ganz typisch.
[1:04:40] Und erst da habe ich gemerkt, das passiert Tausenden.
[1:04:45] Der Vollmachtmissbrauch e.V., den auch Friederike mit Gutmachen,
[1:04:49] Schlechtmachen, Wegmachen zitiert, will unbedingt zu diesem wichtigen Thema aufklären.
[1:04:55] Laut dem Verein sind am häufigsten ältere, meist gut situierte Menschen von
[1:04:59] Vollmachtsmissbrauch betroffen.
[1:05:01] Meistens läuft es so ab, dass ein Angehöriger, Freund, Partner oder vielleicht
[1:05:05] auch die Nachbarin sich erstmal sehr helfend zeigt. Es werden Einkäufe erledigt,
[1:05:11] Arzt- und Bankbesuche begleitet.
[1:05:13] Das alles schafft Zugang und Vertrauen.
[1:05:16] Der Täter oder die Täterin machen sich gut.
[1:05:19] Darauf folgt dann das Schlechtmachen. Das Umfeld des Opfers wird gezielt diskreditiert,
[1:05:24] Besuche werden verhindert, Kontakte minimiert.
[1:05:26] Es findet also eine Isolation statt, noch bevor ein finanzieller Schaden eintritt.
[1:05:32] Sobald das Opfer dann isoliert und unter voller Kontrolle des Täters oder der
[1:05:36] Täterin ist, beginnt die Ausbeutung.
[1:05:39] Vermögenswerte werden überschrieben, Immobilien verkauft, das Opfer ins Heim
[1:05:43] abgeschoben und so weiter.
[1:05:45] Für das Opfer bedeutet so ein Missbrauch nicht nur den Verlust von sehr viel
[1:05:49] Geld, sondern auch Einsamkeit, verlorene Freiheit und oft auch,
[1:05:53] wie in Wolfgangs Fall, gesundheitliche Schäden durch Vernachlässigung oder sogar Sedierung.
[1:05:59] Es gibt einige Warnzeichen, wie zum Beispiel, wenn eine Vollmacht besonders
[1:06:03] schnell und dringend und ohne viel Informationen ausgestellt werden soll.
[1:06:07] Das Umfeld sollte immer dann hellhörig werden, wenn ein sonst geselliger Mensch
[1:06:11] plötzlich schwer erreichbar ist oder nicht mehr besucht werden soll.
[1:06:15] Wenn ihr den Verdacht habt, da wird gerade jemand Opfer von Vollmachtsmissbrauch,
[1:06:20] dann kann auf jeden Fall Kontakt zur Polizei, zum Betreuungsgericht oder zu
[1:06:24] Beratungsstellen helfen.
[1:06:26] Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung meist eher gering ist,
[1:06:30] gibt es für das Opfer nichts Schlimmeres als ein Umfeld, das in diesen Fällen auch noch wegsieht.
[1:06:37] Ist das auch der Grund, warum du uns heute deine Geschichte oder eure Geschichte erzählen wolltest?
[1:06:42] Genau, um darauf aufmerksam zu machen und vor allen Dingen Mut zu machen,
[1:06:46] sich anwaltliche Hilfe zu holen und dagegen vorzugehen.
[1:06:51] Auch wenn es zu Anfang total aussichtslos erscheint, so wie unser Anwalt uns
[1:06:56] ja auch gesagt hat, die Chancen gehen gern null.
[1:06:59] Es trotzdem probieren, wenn man, das kommt noch dazu, es sich natürlich leisten
[1:07:03] kann. Wenn man nicht die Möglichkeit hat, Prozesskostenbeihilfe zu beantragen,
[1:07:07] dass man dieses Risiko nicht hat, wenn man verlieren sollte.
[1:07:10] Auf jeden Fall zumindest anwaltliche Hilfe holen, anwaltliche Beratung,
[1:07:16] dann weiter überlegen und wenn möglich auch den Schritt vor Gericht gehen und
[1:07:20] hoffen, dass da ein Richter ist,
[1:07:23] der sich das anhört und sich nicht nur zwei Seiten anhört, sondern auch das
[1:07:28] Umfeld des Betroffenen.
[1:07:30] Das wäre jetzt nämlich auch mal eine Frage gewesen, wenn man manchmal von solchen
[1:07:34] Sachen mitbekommt, ist die Wahrnehmung ja oft auch in der Öffentlichkeit eine andere, ne?
[1:07:40] Genau und das ist vor Gericht natürlich genauso.
[1:07:44] Wieso? Der Betroffene ist doch gut betreut. Sie stellt sich ja gut dar und stellt
[1:07:50] es so dar, als wären alle anderen die Bösen, wie sie es ja in unserem Fall auch
[1:07:53] gemacht hat. Und genauso läuft es vor Gericht.
[1:07:56] Und dann wird das Umfeld nicht angehört und damit ist die Sache für die Richter klar.
[1:08:01] Derjenige ist gut betreut, wir lassen alles so, wie es ist.
[1:08:05] Oder, was auch dazu kommt, die Verfahren ziehen sich so lange hin,
[1:08:09] selbst wenn man eine Vollmacht anfechtet, dass die Täter noch oft jahrelang
[1:08:16] Zeit haben, weiterzumachen.
[1:08:17] Bis das Opfer, wie in unserem Fall, dann sich gar nicht mehr äußern kann oder sogar verstorben ist.
[1:08:24] Was frustriert dich an der öffentlichen Wahrnehmung von solchen Fällen?
[1:08:28] Dass das so pauschalisiert wird. Und die Kläger werden automatisch,
[1:08:33] haben schon diesen Ruf weg, ach sie wollen ja nur an das Geld.
[1:08:36] Sie wollen die Kontrolle übernehmen über den in Anführungsstrichen Bedürftigen, den zu Pflegenden.
[1:08:44] Das wird pauschalisiert und nicht vernünftig hinterfragt. Die geldgeilen Kinder. Genau so.
[1:08:50] Das wart ihr in der Wahrnehmung von einigen Leuten in dem Fall.
[1:08:54] Aber du hast uns ja heute die Geschichte erzählt und hast uns erzählt, dass es anders war.
[1:08:57] Aber wenn man jetzt dann vor Gericht landet, was du gerade gesagt hast,
[1:09:00] diese Tipps sind ja wahnsinnig hilfreich, aber dann ist es ja fast schon zu spät.
[1:09:04] Dann ist das ja schon passiert, das Unglück.
[1:09:08] Wo würdest du sagen, liegt das eigentliche Problem? Ist es vielleicht,
[1:09:10] dass man diese Vollmachten auch zu einfach aufsetzen kann? Also,
[1:09:14] dass jeder das irgendwie auf dem Küchentisch mal eben machen kann,
[1:09:16] vielleicht fängt es da ja schon an, oder?
[1:09:19] Genau, und das möchte die Initiative auch erreichen, dass geeignete Präventionsmaßnahmen
[1:09:24] gefordert werden oder durchgesetzt werden.
[1:09:28] Es kann ja nicht sein, dass der, es sind ja nicht nur die Kinder,
[1:09:31] es kann auch der dahergelaufene Nachbar kommen, der vor zwei Wochen dazugezogen
[1:09:35] ist und sagt, ach Mensch, damit die Bankgeschäfte einfacher sind,
[1:09:39] unterschreib mir doch hier mal die Blanko-Überweisungsträger,
[1:09:42] dann haben wir nicht mehr so viel Gerenne.
[1:09:43] Oder damit ich das machen kann, unterschreib mir doch mal hier die Vollmacht,
[1:09:47] dann brauchen deine Kinder, die wohnen alle weit weg, nicht extra herkommen.
[1:09:51] Und so nimmt das dann seinen Lauf. Es wird den Vollmachtnehmern viel zu einfach gemacht.
[1:09:59] Eine Vollmacht, selbst wenn schon eine besteht, für, nehmen wir mal an,
[1:10:03] die Kinder, kann man die durch eine neue Vollmacht problemlos innerhalb von einer Minute ersetzen.
[1:10:09] Das heißt, deine Forderung wäre, dass solche Vollmachten nicht ganz so einfach
[1:10:14] aufzusetzen sind? Oder was würdest du dir wünschen, wenn man es jetzt so formuliert?
[1:10:17] Dass man tatsächlich das vor einer öffentlichen Stelle machen muss und sei es
[1:10:22] vielleicht sogar vor einem Notar,
[1:10:24] und dann auch geguckt wird, wenn es noch geht, wenn der Betroffene noch selber
[1:10:27] sprechen kann, sich selber dazu äußert oder vielleicht auch tatsächlich,
[1:10:32] dass man sagt, die Angehörigen müssen einmal dazukommen und sich auch äußern
[1:10:35] und wenn irgendwelche Zweifel bestehen, dann wird nochmal tiefer geforscht.
[1:10:39] Das hätte in eurem Fall sehr viel verhindern können. Auf jeden Fall.
[1:10:45] Wir sind schon am Ende unseres Gesprächs, Frederik, ich fand es wahnsinnig spannend,
[1:10:51] weil ich eben solche Fälle auch nur von außen kannte, genau das,
[1:10:53] was du gerade gesagt hast, mit diesem Gefühl sind das vielleicht die geldgierigen
[1:10:57] Kinder, die nicht wollen, dass die neue Frau des Vaters da gut bei abschneidet,
[1:11:02] also genau diese Gedanken habe ich mich jetzt auch gerade bei erwischt.
[1:11:05] Ich stelle ja meinen Gästen immer zwei Fragen zum Abschluss.
[1:11:08] Die erste ist, wenn du heute auf diesen einen Moment zurückblickst,
[1:11:13] welches Gefühl löst das in dir aus?
[1:11:16] Immer noch totale Traurigkeit und ganz viel Unsicherheit. Da in sein Zimmer zu kommen.
[1:11:23] Den Vater da so liegen zu sehen und dann nicht zu wissen, ja,
[1:11:27] rufen wir jetzt den Krankenwagen oder vielleicht auch gleich den Bestatter.
[1:11:32] Ich muss dazu sagen, mein Vorteil war natürlich, ich stand nie alleine da.
[1:11:38] Zum Glück hatte ich ja immer meine Schwester an meiner Seite und wir haben alles
[1:11:41] von vornherein zusammen entschieden und klären können.
[1:11:45] Das ist, glaube ich, schon eine große Erleichterung, dass man sich da eben absprechen
[1:11:49] kann, dass man füreinander da ist und sich auch irgendwie zuhört und sich mal in den Arm nehmen kann.
[1:11:53] Zum Glück habt ihr das gemeinsam so erkämpft, wie ihr es erkämpft habt.
[1:11:57] Wie war das denn heute für dich mit mir über diesen einen Moment und alles,
[1:12:01] was davor und danach passiert ist, zu sprechen?
[1:12:04] Ja, irgendwie jedes Reden darüber löst wieder diese Wut aus,
[1:12:08] ganz klar, was da mit unserem Vater gemacht wurde.
[1:12:14] Aber dafür muss ich sagen, warst du der perfekte Gesprächspartner.
[1:12:17] Es war ein richtig tolles Gespräch.
[1:12:19] Vielen Dank, Philipp. Sehr, sehr gerne und ich hoffe, dass wir vielleicht mit
[1:12:22] dem Gespräch ein paar Leute warnen können, ein bisschen vorsichtiger zu sein
[1:12:27] und eben, wenn man schon so das Gefühl hat, dass da irgendwie was komisch ist
[1:12:31] beim Papa oder beim Opa oder bei der Oma,
[1:12:34] dann hast du uns ja jetzt auch gesagt, wie man reagieren kann.
[1:12:37] Also deswegen, ich habe heute ganz viel gelernt.
[1:12:39] Friederike, vielen Dank, dass du uns deine und eure Geschichte erzählt hast.
[1:12:43] Sehr gerne, ich habe zu danken, vielen Dank.
[1:12:48] Das war wirklich eine krasse Geschichte.
[1:12:51] Als ich das erste Mal gehört habe, es geht um Vorsorge, Vollmachtsmissbrauch,
[1:12:55] konnte ich mir da gar nicht so richtig was darunter vorstellen.
[1:12:57] Aber das ist ja wie im Film I Care A Lot. Ich weiß nicht, ob ihr den vielleicht
[1:13:01] gesehen habt. Gibt es auf Netflix mit Rosamund Pike.
[1:13:04] Also, dass es sowas in der Realität gibt, ist wirklich gruselig.
[1:13:09] Nächste Woche habe ich Claudia zu Gast. Claudia wird mir ihre Geschichte erzählen,
[1:13:14] die wirklich krass ist. Sie war als junge Frau jahrelang verheiratet mit einem
[1:13:19] Mann, der sie nicht gut behandelt hat.
[1:13:22] Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Das, was er heimlich neben der Ehe mit
[1:13:25] Claudia gemacht hat, war viel schlimmer, als sie es jemals hätte ausmalen können.
[1:13:30] Sein Kartenhaus fängt an zu zerfallen, als plötzlich die Polizei vor der Tür steht.
[1:13:35] Die Folge mit Claudia hört ihr wie immer zuerst bei Podimo und dann zwei Wochen
[1:13:39] später überall sonst, wo es Podcasts gibt.
[1:13:42] Ich freue mich natürlich, wenn ihr bei diesem Podcast auf Folgen drückt,
[1:13:46] falls ihr das noch nicht getan habt und mir eine Bewertung da lasst.
[1:13:49] Wir hören uns in der nächsten Folge wieder. Tschüss.
[1:13:55] Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von
[1:14:00] Philipp Fleiter und WeMind im Auftrag von Podimo.
[1:14:04] Redaktion Philipp Fleiter, Laila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt
[1:14:08] Marius Fuchtmann für WeMind.

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