# "Zuhause im eigenen Körper" mit Lynn

An episode of [Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1754096105), 20 Sep 2026, 1 h 20 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1806-dieser-eine-moment-der-podcast-mit-philipp-fleiter/254492-new-episode.mp3?v=4&awCollectionId=julephosting_69aaf1da6ba1a&awEpisodeId=254492

Unser Werbepartner für diese Folge ist die DEVK Altersvorsorge. Du willst noch mehr fürs Alter tun? Dann lass dich jetzt persönlich zur Altersvorsorge bei der DEVK beraten! https://www.devk.de/altersvorsorge Am 17. Dezember 2020 sitzt Lynn völlig übermüdet in einem Auto irgendwo im finnischen Wald, als eine Nachricht auf dem Handy erscheint. Ein Link führt zu einer Rede im Deutschen Bundestag – und plötzlich hört Lynn dort die eigene Geschichte. Lynn kommt 1984 intergeschlechtlich zur Welt. Lynn ist gesund, doch die körperlichen Merkmale passen nicht eindeutig in die Kategorien männlich oder weiblich. Schon als Kleinkind folgen mehrere Operationen, die den Körper an ein weibliches Geschlecht anpassen sollen. Lynn selbst erfährt davon nichts. Jahrelang lebt Lynn mit Schmerzen, Scham und dem Gefühl, im eigenen Körper irgendwie falsch zu sein – ohne zu wissen, warum. Erst mit Anfang 20 erfährt Lynn die Wahrheit: Lynn ist intergeschlechtlich und wurde als Kind mehrfach operiert. Plötzlich ergibt vieles Sinn. Und langsam beginnt aus dem Kampf gegen den eigenen Körper etwas Neues zu werden: Akzeptanz. In dieser Folge erzählt Lynn, wie es ist, wenn andere schon kurz nach der Geburt über den eigenen Körper entscheiden, warum das Wissen um die eigene Geschichte schließlich befreiend wurde und wie Lynn gelernt hat, den eigenen Körper nicht länger als Gegner, sondern als Zuhause zu sehen. Außerdem sprechen Philipp und Lynn darüber, was Intergeschlechtlichkeit eigentlich bedeutet, warum medizinisch nicht notwendige Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern heute anders bewertet werden – und weshalb Sichtbarkeit für Lynn so wichtig ist. Denn Intergeschlechtlichkeit selbst war für Lynn nie das Problem. Das Problem war eine Gesellschaft, in der für einen Körper wie Lynns lange kein Platz vorgesehen war. Ihr findet Lynn und seine Band auf Instagram @inter_core @humanabyss_official Leseempfehlungen von Lynn: Intergeschlechtliche Menschen e.V.: https://im-ev.de/ Peerberatung: https://im-ev.de/peerberatung/ Bleib auf dem Laufenden über Philipp und "Dieser eine Moment" auf Instagram: @philippfleiter und @gutegefuehle_wemynd Du möchtest mehr über unsere Werbepartner*innen erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte: https://linktr.ee/DEM.diesereinemoment Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd. Neue Folgen alle 14 Tage montags – überall, wo es Podcasts gibt. Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd

## Transcript

[0:01] Ich dachte vorher immer so, alle Kinder gehen immer zum Arzt,
[0:05] mehrfach im Jahr. Und dann musste ich feststellen, erschreckend,
[0:08] dass niemand so eine Art von Behandlung durchmacht.
[0:12] Nackt auf den Tisch geschnallt wird und dann kommen Leute und fassen einem zwischen
[0:16] die Beine. Und das so in einem regelmäßigen Tonus über Jahre,
[0:19] Jahre, Jahre, Jahre. Und ja, Scham, Selbstekel, Selbsthass, ganz oben auf der Liste.
[0:28] Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.
[0:34] Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
[0:42] Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen,
[0:46] um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat.
[0:53] Hallo und herzlich willkommen zu dieser eine Moment. Heute geht es um ein Thema,
[0:57] mit dem ich bisher ehrlicherweise kaum Berührungspunkte hatte und auch nicht
[1:01] so wirklich viel wusste.
[1:04] Deshalb bin ich umso dankbar, dass Lynn bei mir zu Gast ist.
[1:07] Lynn ist 1984 als intergeschlechtliches Baby zur Welt gekommen.
[1:11] Das heißt, Lins körperliche Merkmale passten weder eindeutig in die Schublade
[1:16] männlich noch eindeutig in die Schublade weiblich.
[1:19] Was das für ein Kind, deren Eltern und schließlich irgendwann auch einen erwachsenen
[1:24] Menschen bedeutet, darüber sprechen wir heute.
[1:27] Eins kann ich euch schon mal sagen, die Intergeschlechtlichkeit an sich ist
[1:30] hier nicht das Problem, sondern die Art und Weise, wie die Medizin und die Gesellschaft
[1:34] damit umgegangen sind. Lin, schön, dass du da bist.
[1:38] Hallo Lin, toll, dass du dir Zeit nimmst. Hallo Philipp, sehr gerne.
[1:42] Wir sprechen heute über einen Moment, der am 17. Dezember 2020 passiert.
[1:48] Du bist gerade in Finnland angekommen und seit 24 Stunden wach.
[1:53] Was machst du dort in Finnland? Ja, ich bin mit meiner Ehepartnerin auf dem
[2:00] Weg, meine Schwiegereltern zu besuchen.
[2:03] Und aus irgendeinem Grund hat das ewig gedauert, diese Reise.
[2:07] Berlin-Helsinki, denkt man, ist jetzt nicht so weit. Aber wir haben halt noch
[2:11] auf jemanden warten müssen und...
[2:13] Das ist auch im finnischen Wald und dann braucht man ein bisschen Wegstrecke.
[2:16] Also waren wir ewig wach an die 24 Stunden und ich saß im Auto und mein Hirn war nur noch Banane.
[2:24] Das kann ich mir vorstellen. Also jeder, der schon mal in der Situation war,
[2:29] irgendwann ist die Hirnkapazität vollkommen drüber.
[2:33] Und genau in dieser Situation kommt dann eine Nachricht auf deinem Handy an.
[2:39] In der Nachricht ist ein Link. Wohin führt dich dieser Link?
[2:43] Ich habe von jemandem eine Nachricht bekommen, der mir noch nie eine Nachricht
[2:47] geschrieben hatte, das ist auch noch dazu.
[2:49] Und der meinte, hier schau mal, hier Bundestag heute.
[2:53] Im Bundestag hat der Herr Lehmann den Grünen meine Geschichte erzählt.
[2:58] Im Rahmen einer Debatte um das Operationsverbot.
[3:01] Und in meiner schwammigen Wahrnehmung war das eine Explosion.
[3:05] Und ich dachte, ist das jetzt ein Traum oder was ist da jetzt hier los?
[3:09] Aber tatsächlich hat mich das
[3:11] zutiefst, zutiefst bewegt, weil ich das überhaupt nicht erwartet hatte.
[3:16] Also das kam überhaupt nicht mehr in den Sinn, dass mein Name irgendwann im
[3:22] Bundestag fällt. Das ist ja wirklich wild. Also wenn ich mir das vorstelle,
[3:26] auf einmal sprechen die da über mich.
[3:28] Das heißt, ich habe jetzt das richtig rausgehört, du wusstest vorher von gar nichts.
[3:32] Nein, witzigerweise wurde mir nicht vorher Bescheid gegeben.
[3:36] Aber ich weiß auch nicht, wie sowas läuft. Normalerweise ist mir auch recht.
[3:40] Ja, aber das war ja sehr besonders.
[3:44] Und tatsächlich, der mir diese Nachricht geschickt hat, ist auch ein ehemaliger
[3:48] Chirurg, der sich sozusagen engagiert für Rechte und auch das Operationsverbot gegenüber.
[3:57] Das ist geschlechtsangleichende Operationen für intergeschlechtliche Menschen.
[4:02] Okay, dann lass uns doch mal ein bisschen zurückgehen, weil ich glaube,
[4:05] wir müssen das machen, um zu verstehen, warum das für dich so wichtig war und
[4:08] warum das so eine, du hast gerade gesagt, Gefühlsexplosion in dir ausgelöst hat.
[4:13] Und zwar, wenn wir jetzt zurückgehen, gehen wir wirklich an den Anfang.
[4:17] Du kommst 1984 zur Welt, du schreist, du bist gesund, also erstmal alles gut
[4:22] und trotzdem gibt es da etwas, das die Ärzte beunruhigt. Was ist das?
[4:27] Bei Geburt wurde ich gleich entdeckt quasi, also was ja allen Kindern passiert,
[4:34] das muss man ja fairerweise sagen, da wird erstmal zwischen die Beine geguckt,
[4:38] ist es ein Junge, ist es ein Mädchen, so.
[4:41] Überraschung, Überraschung, es gibt mehr als das und die Natur ist sehr einfallsreich.
[4:46] Und bei mir war sowohl Penis als auch Vagina vorhanden und das hat die ganze
[4:51] Belegschaft enorm in Aufruhr gebracht und hat dann eine dramatische Kette an
[4:56] Events zufolge gehabt, die darauf folgten.
[5:00] Das heißt, also du musst sagen, wenn ich jetzt zu privat frage,
[5:03] ist direkt sichtbar, dass du intergeschlechtlich bist. Also beide äußeren Geschlechtsmerkmale
[5:08] sind schon direkt zu sehen.
[5:09] Man muss fairerweise sagen, das ist nicht bei allen intergeschlechtlichen Menschen
[5:13] so. Bei mir, in meinem Fall, ist das so, dass man das gleich bei Geburt hat
[5:17] erkennen können von außen.
[5:19] Darauf folgen dann halt Untersuchungen und, und, und.
[5:23] Und dann hat man bei den Untersuchungen auch festgestellt, dass es nicht nur
[5:27] von außen beides ist, sondern auch von innen. Vielleicht kannst du uns da ein
[5:29] bisschen mehr darüber erzählen.
[5:31] In meinem Fall hat man einen Hoden und einen Eierstock gefunden im Bauchraum
[5:36] und eine Gebärmutter und eine Prostata.
[5:40] Also mit der Prostata, das habe ich später herausgefunden, die haben sie damals
[5:43] nicht entdeckt. Das ist auch alles sehr klein bei einem Neugeborenen.
[5:46] Also ich meine, das ist vielleicht auch fair einfach zu sagen,
[5:49] okay, das war denen nicht bewusst, dass die da ist. Das wurde entdeckt.
[5:55] Also alles da in dem Fall, aber das ist ja das Wichtigste eigentlich für ein
[5:59] Neugeborenes, du bist gesund.
[6:01] Richtig, genau. Also es ist so, dass es eine Variante von Intergeschlechtlichkeit
[6:06] gibt, AGS, die geht einher mit zum Beispiel einem massiven Salzverlust.
[6:12] Das heißt, die Kinder oder die Menschen an sich können kein Salz halten.
[6:16] Das ist ja für den Körper lebensbedrohlich. Und da muss man sofort gucken.
[6:20] Das ist eine lebenserhaltende Maßnahme, da sicherzugehen, dass das alles richtig ist.
[6:25] In meinem Fall war das nicht so. Alles gesund, alles super.
[6:30] Ach ja, Chromosomen hat man dann im Weiteren versucht festzustellen,
[6:34] sind mal XX und mal XY, je nachdem, welche Zelle man fragt. Das ist so.
[6:40] Irgendwo müssen die Baupläne auch herkommen, ja und genau das war im Prinzip
[6:45] die Situation in der ich mich da befunden habe, ja.
[6:50] Wenn ein Embryo im Mutterleib heranwächst, hat er erstmal männliche und weibliche Geschlechtsanlagen.
[6:56] Wir alle waren also mal intergeschlechtlich.
[6:59] Der einzige Unterschied liegt im Zellkern. Wenn im Zellkern zwei X-Chromosomen
[7:04] vorliegen, entwickelt sich vermutlich ein Mädchen.
[7:06] Sind es je ein X- und ein Y-Chromosom, wird es vermutlich ein Junge.
[7:11] Aber ihr merkt schon, ich sage vermutlich, denn ganz so einfach ist es nicht.
[7:16] Im Mutterleib herrscht nämlich ein komplexes Zusammenspiel aus Genen und Hormonen.
[7:20] Ungefähr in der 6. bis 7. Schwangerschaftswoche startet die Entwicklung des
[7:25] Geschlechts. Bei einer typisch männlichen Entwicklung entstehen zuerst aus den Anlagen die Hoden.
[7:31] Die schütten Testosteron aus, was dann wiederum dazu führt, dass Samenleiter,
[7:36] Samenblasen und Prostata entstehen.
[7:38] Die Entwicklung ist also so eine Art Kettenreaktion.
[7:41] Außerdem entwickeln sich Eichel, Penis und Vorhaut und gleichzeitig bilden sich
[7:45] die weiblichen Anlagen zurück.
[7:47] Bei einer typischen Entwicklung zum Mädchen entwickeln sich aus den Geschlechtsanlagen
[7:51] keine Hoden, sondern Eierstöcke und die produzieren kein Testosteron, sondern Östradiolen.
[7:57] Dieses Hormon führt wiederum dazu, dass Eileiter, Gebärmutter und schließlich
[8:02] Vagina, Klitoris und Harnröhrenöffnung entstehen.
[8:05] Das war jetzt vielleicht ein bisschen kompliziert, aber es ist wichtig zu verstehen,
[8:09] am Anfang tragen wir alle die Anlagen für beide Geschlechter.
[8:13] Erst nach und nach entscheiden Gene und Hormone, ob wir als Mädchen oder Junge geboren werden.
[8:18] Und der Knackpunkt ist, in jedem einzelnen Schritt der Entwicklung kann es auch
[8:22] ganz anders kommen und dann bleibt der Embryo intergeschlechtlich.
[8:26] Das ist also etwas ganz Natürliches, keine Krankheit oder Behinderung.
[8:31] Intergeschlechtlichkeit ist dabei ein Sammelbegriff für verschiedene Varianten
[8:35] dieser Uneindeutigkeit.
[8:37] Wie viele intergeschlechtliche Menschen in Deutschland leben,
[8:39] lässt sich gar nicht so einfach sagen.
[8:42] Der Deutsche Ethikrat schätzt, dass in Deutschland ca. 80.000 intergeschlechtliche Personen leben.
[8:48] Die UN sagt, dass etwa 1,7 Prozent der Kinder mit Geschlechtsmerkmalen geboren
[8:52] werden, die nicht mit den geltenden Normen von männlich und weiblich übereinstimmen.
[8:57] Die Bundesregierung weist allerdings auch darauf hin, dass es keine verlässlichen Zahlen gibt.
[9:01] Auch deshalb, weil manche Menschen bereits sehr früh erfahren,
[9:04] dass sie intergeschlechtlich sind, andere aber erst in der Pubertät oder sogar noch später.
[9:11] Und das ist jetzt vielleicht mal für all die Menschen, die sagen,
[9:13] es gibt biologisch nur zwei Geschlechter. Wir sitzen hier, der.
[9:19] Das absolute, der absolute Gegenbeweis ist.
[9:23] Aber du hast es gerade gesagt, klar ungewöhnlich natürlich mit diesen beiden
[9:27] Geschlechtsorganen, sowohl innerlich als auch äußerlich, aber eben gesund.
[9:31] Das heißt, eigentlich könnte man jetzt sagen, alles wunderbar,
[9:34] aber die Ärzte sagen deinen Eltern, soweit ich weiß, was anderes.
[9:39] Also das wissen die wenigsten. Es gab damals zumindest, die gibt es auch heute
[9:43] noch, eine Richtlinie, dass man innerhalb der ersten Wochen ein Geschlecht festlegen muss.
[9:50] Das muss man, also männlich oder weiblich, wenn es da nicht reinpasst, ja Pech gehabt.
[9:55] Und dann gibt es eine Empfehlung an die Medizin, das ist im Prinzip,
[10:00] ja, wie gesagt, auch in der Richtlinie drin,
[10:02] und das ist politisch vorgegeben, dass halt eine Eindeutigkeit hergestellt werden muss,
[10:07] und dann wird halt untersucht und operiert und ich meine, wenn man jetzt erstmal
[10:11] ein gesundes Kind hat und dann hat man da so junge Eltern, die sich gerade freuen
[10:15] und vielleicht auch ein bisschen überfordert sind mit der Gesamtsituation.
[10:18] Das ist natürlich ein Riesen-Event, ein Kind zu bekommen, das erste Kind.
[10:23] Wie kriegt man die dazu, dann die entsprechenden Unterlagen zu unterschreiben?
[10:28] Und dann hat man halt meinen Eltern speziell, und das wird auch bei anderen Eltern gemacht,
[10:33] auch immer noch, muss man erschreckenderweise hinzufügen, wurde angemerkt,
[10:38] ja, also wir müssen was machen, weil das kann zu Krebs führen und ihr Kind könnte krank werden.
[10:45] Also auch sehr viel im Konjunktiv und als dann ein bisschen Widerstand da war,
[10:50] haben sie dann die Keule rausgeholt und haben gesagt, naja, wenn wir jetzt nichts
[10:54] machen, dann ist ihr Kind in sieben Jahren tot. Wollen sie das?
[10:59] Und da möchte ich die ersten jungen Eltern sehen bei ihrem ersten Kind,
[11:02] die dann die Hand heben und sagen, wissen Sie was, ich hole mir nochmal eine
[11:06] zweite und dritte Meinung ein und vielleicht lassen wir das einfach.
[11:08] Offensichtlich ist das Kind ja gesund.
[11:10] Und wenn es so dringend ist, dann können wir ja Screenings machen.
[11:16] Ja, das heißt also, es geht weit darüber hinaus eine, ich sag mal,
[11:19] Empfehlung auszusprechen, dass man sagt, naja, das wäre vielleicht besser,
[11:23] aber entscheiden Sie selbst, das ist ja ein richtig großer Druck,
[11:26] der da aufgebaut wird, wie du gerade schon gesagt hast,
[11:29] welches Elternteil wird dann sagen, dann lasse ich mein Kind halt sterben,
[11:32] das macht ja niemand, also.
[11:34] Wie gehen denn deine Eltern mit diesem Druck um, die die Ärzte auf sie ausüben?
[11:38] Für alle Eltern ist das eine enorme Drucksituation. Und natürlich, was wird denn gemacht?
[11:44] Und dann diese ganzen Untersuchungen feststellen, was los ist. Und dann auch OPs, ja.
[11:50] Und zwar das Entfernen der Gonaden, das heißt des Eierstocks und des Hodens.
[11:55] Und dann auch, was eigentlich eine Schönheits-OP ist, das äußere Angleichen
[12:00] des Genitals an ein Idealbild von, ja, was sagen wir da, eine Vulva,
[12:05] ich weiß es nicht, ist nicht ganz gelungen, weil, naja.
[12:10] Ja, und die Eltern unterschreiben das natürlich dann, ja, also oder was heißt
[12:15] natürlich, also es gibt auch Fälle, die das nicht gemacht haben,
[12:18] aber da muss schon viel dazu gehören, ne, und gerade wenn man sehr jung ist,
[12:21] und das waren meine Eltern, das war zu viel, ja.
[12:25] Ich glaube, man muss auch dazu sagen, dass das ja eine Situation ist,
[12:27] auf die dich wahrscheinlich niemand vorbereitet, weil das Thema ja...
[12:30] So wenig in der Öffentlichkeit vorkommt, dass man das ja fast gar nicht mitbekommt,
[12:35] dass sowas überhaupt sein kann. Du machst ja wahrscheinlich 26.000 Gedanken,
[12:39] beim ersten Kind, was alles schief gehen könnte.
[12:41] Aber dass das, also diese Situation, dass du davor stehst, darauf bereitet dich ja niemand vor.
[12:46] Natürlich nicht. Und es ist ja auch, also fairerweise muss man ja auch sagen,
[12:50] dass Menschen, die Kinder kriegen, in der Regel ja.
[12:54] Männer und Frauen sind, die als Paar, als heterosexuelles Paar ein Kind gezeugt
[13:00] haben und die jetzt auch nicht,
[13:03] mit diesem Gedanke, also die mit dieser Idee, Geschlecht zu hinterfragen,
[13:07] nicht aufgewachsen sind, beziehungsweise sich damit noch nie beschäftigt haben.
[13:11] Wie gruselig muss das sein, wenn mir plötzlich jemand sagt, die Erde ist keine Scheibe.
[13:19] Wir sehen ja heutzutage auch, wie viele Menschen das irritiert,
[13:23] die nicht in der Situation sind.
[13:25] Jetzt sind Eltern in dieser Situation und erfahren, dass ihr Kind irgendwas
[13:29] dazwischen ist, was ja nicht sein kann, weil die Christen sagen,
[13:33] es gibt nur Mann und Frau.
[13:34] Also alle Religionen sagen, es gibt nur Mann und Frau. Also die großen Weltreligionen zumindest.
[13:39] Und wo soll es denn herkommen? Ja, und das macht natürlich Angst.
[13:45] Und dann, wenn die Ärzte das auch noch als Krankheit behandeln.
[13:49] Dann liegt das ja nahe, das ist ja krank. Also dann ist das irgendwie so eine Art Behinderung.
[13:54] Ich habe hier ein Mutantenkind, keine Ahnung, was einem da ins Gedächtnis kommt.
[13:58] Und das wird so kommuniziert von den Ärzten, das macht den Eltern Angst.
[14:02] Die unterschreiben natürlich alles. Übrigens sehr teure Operationen.
[14:04] Das ist auch sehr finanziell sehr günstig für die Krankenhäuser und die Chirurgen,
[14:08] die diese Operationen und Behandlungen durchführen.
[14:12] Das schlägt natürlich auch Kreise sozusagen in die Familie rein,
[14:16] in den Freundeskreis. Dann kommen Familien unter Druck. Kann ich das meinen
[14:20] Freunden erzählen? Kann ich das meinen Eltern erzählen? Wie reagieren die denn?
[14:24] Die sind dann auch aus einer ganz anderen Generation und dann nimmt das alles
[14:29] seinen Lauf, was unfassbar sozialen Druck auch auslöst.
[14:33] Ich habe von Eltern gehört, dass die eigenen Eltern sie dann verstoßen haben,
[14:39] du bist nicht mein Kind, weil die gesagt haben, du hast ein behindertes Kind
[14:43] auf die Welt gebracht. Ach, das haben dann den Kontakt abgebrochen.
[14:46] Die haben Freunde verloren, die auch gesagt haben, also mit dir wollen wir nichts
[14:50] zu tun haben, was ich einfach auch nicht. Also Moment mal, ja,
[14:54] da ist ein gesundes Kind auf der Welt. Ist das nicht irgendwie schön?
[14:59] Erstens und zweitens, was soll das denn? Also warum ist denn ein,
[15:04] auch selbst wenn es ein behindertes Kind gewesen wäre,
[15:08] was ist denn jetzt so unfassbar dramatisch da dran, das kann einfach passieren,
[15:12] das ist einfach angelegt, wenn man Kinder zeugt, dann kann einfach es auch schief
[15:16] gehen, beziehungsweise was heißt schief gehen, dann kann halt,
[15:19] also die Natur macht halt das, was sie macht.
[15:22] Und dann kommt halt das raus, was bei rauskommt und das kann,
[15:24] also das geht mir total ab, einfach diese Denke.
[15:27] Aber natürlich hilft die Gesamtsituation nicht, es kommt auch sozusagen gesellschaftlich nicht vor.
[15:33] Heutzutage ist natürlich eine andere Situation, wir haben das dritte Geschlecht,
[15:36] also divers heißt das ja im Geschlechtseintrag, im Geburtenregister so und das
[15:42] ist natürlich jetzt ein bisschen eine andere Situation.
[15:45] Das ist ja, dieser Druck muss ganz, ganz furchtbar sein und ich will nochmal
[15:49] sagen, wie schlimm das ist einfach, du kannst ja gar nichts dafür und deine
[15:54] Eltern ja eben auch nicht, also diesen Druck auszuüben ist ja schon mal ganz, ganz schlimm.
[15:58] Du hast das schon angesprochen, deine Eltern unterschreiben alles,
[16:02] sagen, okay, wenn die Ärzte das sagen, dann machen wir das so.
[16:04] Und wenn ich das richtig gelesen habe, bist du anderthalb als so ein richtiger
[16:08] Marathon an Operationen startet. Also du selbst wirst das wahrscheinlich nicht
[16:12] mehr wissen, weil du zu klein warst. Aber weißt du noch, wie oft du operiert worden bist?
[16:17] Also sieben Male am Genital operiert. Das heißt, die Gonaden wurden entfernt,
[16:22] also der Hoden und der Eierstock.
[16:24] Dann wurde mein Penis, der viereinhalb Zentimeter hatte, es gibt sogenanntes Phallometer.
[16:32] Das ist ein kleines Lineal, wo bestimmt wird, wann ist es noch Klitoris,
[16:39] dann gibt es so eine Grauzone und ab wann beginnt der Penis.
[16:43] Also Länge, wir reden jetzt hier über Länge, von wegen wie Länge zählt nicht.
[16:48] Ja, also und mein Penis war gerade so an dieser oberen Grenze von,
[16:56] also Grauzone unterhalb der Grenze, das ist ein Penis und dann wurde der gekürzt.
[17:03] Ja, und das kann man, also der wurde angeschaut.
[17:06] Abgeschnitten. Die Eichel wurde abgetrennt und aufgenäht auf den Rest.
[17:14] Aus der Haut drumrum, die vorher am Penis anlag, wurden dann künstliche Labien,
[17:20] reingetackert. Ich kann es mir gar nicht anders sagen.
[17:26] Das wurde dann irgendwie verkauft, als die kleine, wirklich sehr kleine Vagina
[17:32] wurde dann aufgedehnt bei einem kleinen ein Kind, wozu muss die penetrierfähig sein?
[17:40] Wofür, wozu? Das trifft ja andere, die von Intergeschlechtlichkeit betroffen
[17:45] sind, auch noch ganz anders. Also da hatte ich noch viel Glück.
[17:48] Aber das ist einfach, also dieses Denken dahinter, für wen wird dieses Genital
[17:53] präpariert? Also für mich nicht.
[17:55] Weil ich habe jetzt immer Schmerzen beim Sex. Ich habe Narben,
[17:59] die nicht mitgewachsen sind, die ziehen, die sich ständig entzünden.
[18:03] Ich habe kleine Labien, die da hingetackert sind, wie gesagt,
[18:07] die sind da nicht hingewachsen und das ist auch alles nervenfrei.
[18:12] Es gibt viele Intergeschlechtliche, die auch die Fähigkeit zum Orgasmus verlieren, komplett.
[18:18] Also was nimmt man da weg und für welchen Preis und mit welchem Recht?
[18:22] Ja, ich meine Kind ist man ja nur ein paar Jahre,
[18:26] wenn man so will und dann hat man irgendwie noch 60, 70 Jahre vor sich,
[18:32] wo man erwachsen ist, wo man auch ein Sexualleben haben will,
[18:35] wo man auch die Körpererfahrung an sich, ja was soll das?
[18:40] Nur damit dann andere Kinder nicht ärgern oder damit die Eltern sich besser
[18:44] fühlen, damit sich die Gesellschaft besser fühlt, muss ich dann kaputt operiert
[18:48] werden und mir einfach so eine Lebensqualität geraubt wird.
[18:53] Ich finde das gerade so stark, dieses Bild, was du aufgemacht hast,
[18:56] kaputt operiert, weil das ja alles völlig über deinen Kopf hinweg entschieden wurde.
[19:03] Als ich zum ersten Mal von diesen Operationen gehört habe, konnte ich ehrlich
[19:07] gesagt gar nicht glauben, dass das in Deutschland möglich ist,
[19:10] dass ein gesundes Baby operiert wird, einfach nur, weil es nicht in die Schubladen
[19:14] männlich oder weiblich passt.
[19:16] Genau das war aber über Jahrzehnte gängige medizinische Praxis.
[19:21] Vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging man davon aus,
[19:24] dass es für die Entwicklung eines Kindes am besten sei, möglichst früh ein eindeutiges
[19:28] Geschlecht herzustellen.
[19:30] Gleichzeitig wurde Eltern teilweise empfohlen, mit ihren Kindern später nicht
[19:35] über ihre Intergeschlechtlichkeit oder die Eingriffe zu sprechen.
[19:38] In der Medizin wurde dieser Ansatz als sogenannte Optimal Gender Policy bezeichnet.
[19:45] Das Problem dabei, viele dieser medizinisch oft unnötigen Eingriffe an den Geschlechtsorganen
[19:50] können irreversible Folgen haben, zum Beispiel für sexuelles Empfinden,
[19:54] Fruchtbarkeit oder spätere eigene Geschlechtsidentität.
[19:58] Und die Person, deren Körper dauerhaft verändert wurde, konnte als Baby oder
[20:02] Kleinkind natürlich überhaupt nicht mitentscheiden.
[20:04] Mittlerweile hat sich rechtlich einiges geändert. Seit 2021 gibt es in Deutschland
[20:09] ein eigenes Gesetz zum Schutz von Kindern mit Varianten der Geschlechtsentwicklung.
[20:14] Eltern dürfen bei einem nicht einwilligungsfähigen Kind nicht einfach über dessen
[20:18] Kopf hinweg eine Behandlung einleiten, wenn deren einziger Zweck darin besteht,
[20:22] den Körper optisch an das männliche oder an das weibliche Geschlecht anzupassen.
[20:27] Das bedeutet allerdings nicht, dass Operationen grundsätzlich verboten sind.
[20:31] Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit ist natürlich schnelles Handeln gefragt.
[20:35] Oder auch wenn es einen medizinischen Grund gibt, ist eine Operation möglich,
[20:39] muss aber durch ein Familiengericht genehmigt werden.
[20:42] Die intergeschlechtliche Menschen e.V. schrieb damals, das neue Gesetz sei ein
[20:46] Meilenstein hin zur Anerkennung von intergeschlechtlichem Leben in Deutschland,
[20:51] eine gute Signalwirkung.
[20:53] Aber zur ganzen Wahrheit gehört laut dem Verein auch, dass das Gesetz einige
[20:57] Schwachstellen aufweist und Umgehungspotenzial bietet.
[21:00] Zum Beispiel ist das Gesetz auf Kinder begrenzt, die eine Diagnose aus dem Bereich
[21:04] Variante der Geschlechtsentwicklung haben.
[21:07] Wenn diese Diagnose aber gar nicht erst dokumentiert wird, darf weiterhin operiert werden.
[21:12] Außerdem ist nicht klar, was mit Operationen im Ausland ist.
[21:15] Für Linns Körper kommt das Gesetz zu spät.
[21:20] Du selbst kannst dich ja an die Operation selbst nicht mehr erinnern,
[21:23] aber du wirst ja wahrscheinlich irgendwann als Kind gemerkt haben,
[21:26] dass bei dir was anders ist als bei anderen Kindern, oder? Wie war das?
[21:29] Tatsächlich habe ich recht viele Erinnerungen an die OP.
[21:34] Leider, so wie ich es erlebt habe und erfahren habe, In den frühen 80ern wurden
[21:39] auch Kinder unter zwei Jahren ohne Narkose, also ohne Schmerzbetäubung operiert
[21:45] worden und auch das ist mir passiert.
[21:47] Das nur so dazu, um einfach nochmal eins draufzulegen auf den ganzen Traumahaufen.
[21:55] So ins Leben zu starten und natürlich dann,
[21:59] zum Beispiel im Kindergarten, dass natürlich ich mich erstmal gar nicht,
[22:04] also für mich war dieses, da bin ich auch meinen Eltern dankbar,
[22:07] die haben mich ja immer abgesehen von diesen OPs, die sie unterschrieben haben, haben sie ja nicht,
[22:11] mich gezwungen Kleider zu tragen oder jetzt ein Mädchen zu sein.
[22:16] Die Empfehlung der Ärzte war allerdings nicht über das Geschlecht zu sprechen.
[22:20] Und ganz klar, mich als Mädchen zu verorten. Zurück zu der Situation im Kindergarten,
[22:25] wo ich mich habe nicht zu den Jungs oder den Mädchen habe zuweisen können.
[22:32] Das ist mir schon relativ früh aufgefallen, dass ich nicht so richtig reinpasse.
[22:35] Mädchen konnte ich so gar nicht. Dieses Mädchen-Theme, da konnte.
[22:41] Ich mich nicht mit identifizieren. Und mit den Jungs war schon besser, ging auch besser.
[22:45] Aber auch da gab es echt so Grenzen, wo ich auch gemerkt habe,
[22:49] ja, ist auch nicht so ganz meins. Obwohl ich wahrscheinlich mehr,
[22:53] wenn man von außen geguckt hätte, mich wurde sowieso für einen Jungen gehalten
[22:56] und ich wurde auch eher zu den Jungs sortiert.
[23:00] Allerdings war ich ja ein Mädchen laut Definition und musste deswegen immer in die Mädchengruppen.
[23:07] Die Jungs durften halt Ritter sein und die Mädchen müssten Prinzessin sein oder
[23:10] wollten. Ich weiß es nicht, wie das zustande gekommen ist. Auf jeden Fall sehr binär gedacht.
[23:15] Ja, und was machte ich jetzt da? Und ich konnte partout nicht in so ein Kleid
[23:19] rein. Ich konnte partout nicht
[23:21] Prinzessin sein. Also das war so weit weg von irgendwas, was ich war.
[23:25] Ich konnte es einfach nicht. Und natürlich mit großem Tantrum zu Hause habe
[23:30] ich dann durchgesetzt, dass meine Mutter völlig verzweifelt ein Bettlaken nahm,
[23:33] zwei Löcher rein, das Laken übers Kind geworfen und ab in den Kindergarten.
[23:38] Dann war ich halt das Schlossgespenst.
[23:39] Na, immerhin. Und da habe ich mich sehr gesehen. Also als so etwas,
[23:43] was irgendwie dazwischen ist. und auch irgendwie besonders natürlich in...
[23:48] Ja, was ich auch durch mein Leben ziehen würde dann später, ja,
[23:51] dieses immer irgendwie draußen sein, irgendwie immer anders sein, irgendwie nicht auch,
[23:56] diese Gender Codes, ja, also diese Geschlechtscodes zu sprechen,
[24:00] ja, also wie Jungs sich verhalten, so konnte ich, so habe ich mich nicht verhalten
[24:04] oder kann ich auch nicht oder so wie sich Mädchen verhalten,
[24:07] dieser ganze Typus, dieser ganze,
[24:09] Habitus, ja, den konnte ich einfach
[24:10] nicht und ich bin irgendwie dazwischen und das ist halt leider, ja.
[24:15] Macht mich dann, magt mich auch dann irgendwie als etwas Spezielles oder Besonderes.
[24:20] Du erzählst das jetzt sehr humorvoll und sehr reflektiert mit dem Abstand der
[24:24] ganzen Jahre, die jetzt dazwischen liegen.
[24:26] Aber lass uns mal zurückgehen zu diesem Gefühl. Also was ist das für ein Gefühl,
[24:30] was du empfunden hast, nirgendwo dazuzugehören? Du hast ja auch von diesen Narben
[24:35] gesprochen, die du ja auch selber gesehen hast.
[24:38] Ich könnte mir vorstellen, dass das sehr viel Scham wahrscheinlich auch ist,
[24:42] oder? Natürlich habe ich mich geschämt.
[24:45] Ja, für meinen Körper, für meine Existenz, ja, für mein Geschlecht.
[24:50] Also ich meine, muss ich das auch so vorstellen, das ist mir,
[24:53] glaube ich, erst in der Schule so richtig bewusst geworden.
[24:55] Ich dachte vorher immer so,
[24:59] alle Kinder gehen immer zum Arzt, mehrfach im Jahr.
[25:06] Und ja, und dann musste ich feststellen, erschreckend, dass niemand so eine
[25:11] Art von Behandlung durchmachte und auch nicht zum Arzt musste und nicht da nackt
[25:17] auf den Tisch geschnallt wird und dann kommen Leute und fassen einem zwischen die Beine.
[25:21] Und das so in einem regelmäßigen Tonus über Jahre, Jahre, Jahre, Jahre.
[25:26] Und das wurde mir dann auch klar und ich meine, ich war hochgradig traumatisiert,
[25:31] ich war unglaublich vulnerabel und habe mich dafür gehasst.
[25:34] Ich meine, wer findet das schon geil, vulnerabel zu sein und so exponiert.
[25:39] Ich meine, ich hatte einfach keine Sicherheit in mir, ich hatte kein Selbstbewusstsein,
[25:45] ja, im wahrsten Sinne des Wortes.
[25:48] Und ich habe einfach für dieses Monstrum, was ich war, was keinen Namen hatte
[25:53] und wo alle immer so verhuscht,
[25:55] sich weggedrückt und haben da einfach, da gab es keinen Namen für und es ist
[26:00] auch schlimm, wenn man was nicht benennen kann, es macht es noch größer.
[26:04] Und noch grausamer und noch ekelhafter. Und ich war auch an einem Punkt,
[26:10] wo ich nicht mehr weiter konnte. Also mehrfach.
[26:14] Und ja, Scham, Selbstekel, Selbsthass, ganz oben auf der Liste.
[26:19] Ich habe meinen Körper gehasst, dass er mir das antut, dass er mich so exponiert, ständig und ständig.
[26:24] Und ich meine, man kann ja diese medizinischen Untersuchungen nicht anders bezeichnen
[26:28] als ritualisierte, medizinische, systematische, sexualisierte Gewalt,
[26:34] weil mir wurde es nicht erklärt.
[26:35] Das wäre jetzt nämlich meine Frage gewesen. Also ich glaube,
[26:38] diese Operationen fangen an, als du so ungefähr acht Jahre alt bist und du musst
[26:41] da alle drei Monate, glaube ich, ungefähr hin.
[26:44] Du wirst da auf den Tisch geschnallt, fremde Leute gucken dir zwischen die Beine, hast du gerade erzählt.
[26:48] Und dir sagt niemand, was da gemacht wird und warum das gemacht wird.
[26:53] Richtig, also operiert wurde ich schon mit anderthalb, genau,
[26:56] da war ich ja auch jahrelang im Krankenhaus, dann sind die Labien wieder abgefallen,
[27:00] dann musste das nachkorrigiert werden und jeder, der glaubt,
[27:02] so eine Genitaloperation ist eine einfache Sache,
[27:05] täuscht, das sind viele, viele, viele, viele schmerzhafte Operationen,
[27:11] die auch lange gehen, viele Stunden, die sehr teuer sind und wir bezahlen das
[27:16] alles über die Krankenkassen, nur mal so viel dazu.
[27:20] Aber ich meine, du bist ja dann, das fängt ja an in deiner Kindheit,
[27:24] so mit acht und geht ja dann auch durch deine Jugend.
[27:26] Wenn du jetzt fragst, so ey, was machen wir hier eigentlich?
[27:29] Was ist los mit mir? Kriegst du da Antworten?
[27:31] Das war sehr schwierig. Ich glaube, meine Eltern oder Eltern grundsätzlich sind
[27:35] überfordert. Die sagen dann lieber, okay, dann folgen wir dem ärztlichen Rat.
[27:39] Und der ist natürlich eindeutig. Reden sie nicht mit dem Kind über die Sachen.
[27:44] Das ist natürlich schwierig und stört auch die Beziehung zu den Eltern massiv.
[27:48] Also ich habe bisher noch niemanden gefunden in der Community,
[27:51] der so ein richtig schönes, harmonisches Verhältnis mit den Eltern hat.
[27:56] Ja, nachvollziehbar. Das heißt also, deine Eltern haben auf den ärztlichen Rat
[27:59] gehört und haben mit dir darüber nicht gesprochen. Die haben dir nicht gesagt, dass du...
[28:03] Inter bist, dass du operiert wurdest, das hat alles in der Kommunikation nicht
[28:07] stattgefunden, diese Themen.
[28:08] Genau. Es gab später mal Momente, wo es glaube ich, speziell meine Mutter dann
[28:13] versucht hat, mir zu erklären, aber das war für mich gruselig,
[28:17] ich konnte das gar nicht hören.
[28:18] Also fairerweise, sie hat das dann versucht und ich habe es nicht hören können, ich konnte nicht.
[28:24] Alles, was sich darauf bezog, hat mich einfach in schiere Panik versetzt, kein Wunder.
[28:29] Du hast es schon so ein bisschen angeschnitten, Teenie-Zeit,
[28:32] Pubertät, Erste Liebe, das sind ja alles, wo wir alle irgendwie mal durch mussten,
[28:36] was wahrscheinlich für niemanden ganz einfach war.
[28:39] Aber als ein Intermensch, der gar nicht mal weiß, dass er überhaupt ein Intermensch
[28:43] ist, da ist das ja noch viel schwieriger, oder? Wie hast du das erlebt, deine Pubertät?
[28:48] Ja gut, erstmal muss man dazu sagen, dass ich per se nicht in die Pubertät gekommen
[28:51] wäre, hätte man mir nicht entsprechend Hormone gepumpt.
[28:55] Das ist einfach eine andere Situation und ich habe ja da, also als ich dann
[28:59] im jugendlichen Alter war, das ist so 12, 13, 14, habe ich halt versucht auch
[29:04] irgendwie Mädchen zu sein. Ich wollte halt irgendwie auch dazugehören.
[29:08] Boah, ich war echt leidig. In dem Job war ich nicht gut.
[29:13] Und irgendwann ist mir auch aufgefallen, dass ich mich auch,
[29:15] also dann interessiere sexuell auch für Mädchen, also für das weibliche Geschlecht so.
[29:23] Und das war auch in sich schon scheiße, weil ich meine, also queer oder lesbisch
[29:30] oder homosexuell zu sein, ist jetzt auch nicht witzig.
[29:34] Ja, auch kein Jackpot. Nee, ist auch kein Jackpot. Und ich dachte nur so, verdammt.
[29:40] Das jetzt auch noch. Nichts funktioniert. Ja, nichts. Nichts ist cool.
[29:44] Nichts ist cool oder leicht. Und ich war einfach am Ende.
[29:47] Mir ist dann aufgefallen, in der Auseinandersetzung mit meinem Körper so,
[29:50] den ich in fairer Weise auch echt Schwierigkeiten hatte, zu berühren und so.
[29:57] Und auch mir anzugucken. Ich meine, das haben andere Menschen auch,
[29:59] das ist jetzt auch nicht ein Alleinstellungsmerkmal, aber bei mir war das auch so.
[30:03] Und ich habe irgendwann, ist mir dann aufgefallen, dass ich ja so eine Art Knochen
[30:09] zwischen den Beinen habe, der mal da ist und mal nicht.
[30:13] Ja, und da war ich irgendwie, hm, und dann, ah, wenn man an dem reibt, das ist ganz schön.
[30:21] Ja, und so ist das dann, so habe ich das irgendwie entdeckt,
[30:23] aber so richtig gecheckt habe ich es nicht.
[30:25] Und ich meine, das hat auch immer alles da unten, es tut halt immer weh,
[30:28] ne, es ist einfach auch nicht nur schön und brennt und sowas, ne, und.
[30:33] Aber irgendwie war das so ein Thema. Und als ich dann anfing,
[30:37] da war ich nämlich ziemlich selbstbewusst, irgendwie habe ich mir das gesagt.
[30:40] Also das ist ja auch so ein starker Trieb, jemanden kennenlernen zu wollen oder
[30:45] Sexualität haben zu wollen. Ich weiß nicht, da war ich auch ziemlich ungeniert.
[30:50] Dachte ich so, ich will das haben, also muss ich mich drum kümmern.
[30:54] Ja, es ist ja so. Wie komme ich da hin? Wie macht man das?
[30:58] Und dann habe ich mich damit beschäftigt und mir war schon klar,
[31:01] dass es eine massive Einstiegshürde ist, da irgendwie auch ich am Label Frau
[31:06] irgendwie auf andere Frauen zuzugehen.
[31:08] Aber ich habe das dann schon auch irgendwann hingekriegt nach vielen Fails und
[31:13] auch sehr schamvollen Situationen. Aber das war so ein starker Trieb,
[31:17] dass ich das einfach musste. Also ich musste das tun, was mich ehrlich gesagt gerettet hat.
[31:22] Ich glaube, sonst wäre ich schon komplett vereinsamt. Und dann habe ich auch
[31:27] festgestellt, dass andere Frauen untenrum nicht so aussehen und die haben keinen Knochen.
[31:35] Und da ist mir erst langsam schmerzlich bewusst geworden, dass dieser Knochen
[31:39] irgendwas anderes ist und da war ja was. Und ich wurde ja in der Zeit immer
[31:42] auch noch untersucht, ja, regelmäßig.
[31:45] Und vielleicht auch nochmal, um das klarzumachen für einen Jugendlichen,
[31:50] der sich gerade eh, wie sehe ich aus, ist diese eine Schmalzlocke,
[31:53] die ich mir da hingedreht habe, ist die im perfekten Winkel?
[31:55] Die Pickel, die Stimme, das ist ja die schlimmste Zeit, voll.
[31:59] Fürchterlich. Und jetzt geh mal zum Arzt und dann redet da keiner mit dir und
[32:03] dann heißt es ausziehen und dann ziehst du dich aus und dann bist du da nackt
[32:07] irgendwie auf einen Tisch, der auch noch nicht besonders warm ist.
[32:11] Naja, und dann kommen da irgendwie 50 Leute rein in weißen Kitteln und fassen
[32:15] dir zwischen die Beine und alle halten mal einen Finger rein und so.
[32:18] Ich meine, man muss sich das mal vorstellen, was das macht. Und du fragst, ey, bin ich krank?
[32:23] Und dann heißt es nur, was? Nö, nö, du bist nicht krank. Hä,
[32:29] wie kommst du denn da drauf?
[32:30] Ja, und das war schon alles sehr schräg. Das war totaler Abfuck.
[32:35] Und ich habe das in meinem kleinen...
[32:38] Interhirn nicht verarbeiten können, was an mir so besonders ist.
[32:43] Und das war natürlich enorm. Dann noch mit diesen ekelhaften Hormonen,
[32:48] Sexualhormone sind Wachstumshormone, da wächst ganz viel.
[32:52] Und das will man ja sozusagen erreichen, dass man sozusagen nicht ewig Kind
[32:55] bleibt, sondern dass man sich fertig entwickelt.
[32:57] Aber wie stellt man das fest, wann was fertig entwickelt ist?
[33:00] So, Menschen werden ja immer an medizinischen Average Data sozusagen von Frauen
[33:05] und Männern verglichen.
[33:07] So, und dann gehörst du entweder, wirst du mit der einen Kurve verglichen oder mit der anderen Kurve.
[33:11] Jetzt ist das natürlich ein bisschen unfair, wo ich doch zu keiner Kurve dazugehöre.
[33:16] Auf jeden Fall hat man mich ja der Mädchenkurve zugeordnet, das heißt,
[33:19] man schaut dann nach dem Wachstum.
[33:21] Tja, jetzt hatte ich so eine Wachstumsjugendkurve, ganz, ganz schlecht.
[33:24] Meine Hände, man guckt, man röntgt dauernd den Handknochen, ob der sich schließt.
[33:29] Das kennt auch jedes Kind, dass mal die Handknochen geröntgt werden,
[33:32] um zu gucken, wie weit ist man denn schon in der Entwicklung,
[33:34] weil man das da ganz gut sehen kann.
[33:36] So, und weil ich aber zu groß, also meine Eltern sind beide sehr groß,
[33:39] also ich weiß nicht, was sie da für einen Fimmel hatten, das ist auch an deren
[33:43] Normdaten, Also der übliche allgemeine Durchschnittsmensch, Frau.
[33:49] Wie der in diesem Alter, wie groß wird der wohl sein?
[33:51] Und danach wird dann mein Körper gemessen oder jeder andere vermeintliche Frauenkörper,
[33:56] Mädchenkörper auch und dann wird geguckt und,
[34:00] oh, ist aber überdurchschnittlich oder unterdurchschnittlich und dann hat man
[34:02] in dieser Kurve gesehen, ah, das ist aber eine andere Kurve,
[34:05] die wollen wir aber nicht, das ist doch ein Mädchen. Und was hat man dann gemacht?
[34:09] Man hat dann, was man machen kann, wenn Leute zu schnell wachsen und groß werden,
[34:14] man vergibt hochdosiertes Östrogen. Das heißt, dann schließen sich die Knochen ganz, ganz schnell.
[34:20] Was zur Folge hatte, dass meine Gelenke, Füße und Hände kleiner sind als die
[34:25] dazugehörenden Gelenke.
[34:27] Das heißt, manches ist halt ein bisschen länger und größer geworden und alles
[34:31] andere hat so die Knochen so zugemacht. Und das war eine Maßnahme,
[34:35] das wird übrigens irgendwie heutzutage, also Amnesty International bezeichnet
[34:39] das als Folter, weil das darf man, also das ist einfach ein sehr...
[34:42] Das ist ein gewaltvoller chemischer Prozess, der da verübt wird.
[34:45] Und genau, meine Hände sind, ich habe chronische Sehnscheidentzündungen und,
[34:50] Gelenkprobleme deswegen.
[34:51] Und die Lebensrealität, solche Medikamente zu nehmen, heißt so morgens,
[34:57] mittags, abends so einen Stapel 20 Tabletten zu nehmen.
[35:02] Also für so eine kleine Kinderhand, wenn man sich das mal vorstellt,
[35:05] so 20, kann man zu Hause gerne mal nachspielen, so 20 Ibuprofen-Tabletten kann
[35:11] man sich mal in die Hand nehmen und die mal schlucken und zwar dreimal am Tag.
[35:15] Ich habe nach einer Woche nur noch gebrochen. Ich konnte nicht mehr. Das war fürchterlich.
[35:22] Und ich habe auch die Ärztin angefleht, das sein zu lassen, dass ich die nicht mehr nehmen möchte.
[35:26] Und dann hat die Ärztin, ganz ehrlich, das ist O-Ton, Das habe ich auch nicht
[35:30] durch vieles Erinnern daran wieder verdreht, die Realität.
[35:34] Die hat Alan Ernstes gesagt, möchtest du sterben?
[35:38] Das war ihre Antwort darauf. Also wieder dieses Motiv, wenn du das jetzt nicht
[35:42] machst, dann stirbst du. Richtig.
[35:45] Und das will man natürlich als Zwölfjähriges natürlich nicht.
[35:53] Ich würde gleich gerne nochmal mit dir darüber sprechen, was das psychisch mit
[35:56] dir macht. Aber eine Frage kam mir jetzt gerade noch, weil wir über Sexualität
[36:00] auch gesprochen haben. Du hast ja dein erstes Mal, glaube ich,
[36:03] mit 17 gehabt mit einem Mädchen.
[36:06] Wie war denn diese sexuelle Erfahrung überhaupt für dich?
[36:10] Weil du wolltest es ja unbedingt. Ich wollte es unbedingt. Ja,
[36:13] gut. Ich habe mir das alles so nett vorgestellt. Am Ende lag ich da wie ein Brett.
[36:19] Ja, ich konnte mich kaum berühren lassen.
[36:22] Also das muss man dazu sehen, dass ich einfach auch Berührung so mit Schmerz
[36:25] verbunden habe. Ich habe natürlich, das habe ich nicht mitgedacht,
[36:30] wie das wohl dann sein wird.
[36:31] Ich fand es trotzdem einen Erfolg. Ich habe für mich das wie einen Erfolg verbucht.
[36:36] Aber schön war das nicht. Also schön war es nicht. Und,
[36:40] später dann, als ich ganz viel gedatet habe, dass ich immer sehr offensiv damit umgegangen bin,
[36:46] dass ich gesagt habe, so Leute, ich bin inter, das war, da habe ich so gesagt,
[36:50] wir treffen uns im Café oder beim Italiener und dann so, wir bestellen jetzt
[36:54] ein Getränk und dann erzähle ich dir erstmal über meine Intergeschlechtlichkeit
[36:57] und wenn du dann noch Bock hast, dann können wir auch noch eine Pizza bestellen.
[37:01] Ja, weil ich habe ja Lesben gedatet. Das ist mir natürlich jetzt irgendwie erstmal.
[37:07] Nicht genau die Zielgruppe, aber was soll ich denn machen?
[37:10] Ja, hast du recht. Was soll ich denn machen? Und das war aber dann doch erstaunlich
[37:14] beliebt. Ich weiß es nicht.
[37:16] Ich hatte mehr Sorgen gemacht, aber ich habe unglaublich viel Erfahrung gemacht,
[37:20] dass für Menschen das eine totale Qualität sein kann und die sich das auch,
[37:26] die das auch total nett fanden, mit mir umzugehen, dann da speziell auch und
[37:30] sich auf mich einzulassen.
[37:31] Das fand ich eine total wichtige Erfahrung, die ich auch gebraucht habe.
[37:36] Ich habe sie auch sehr forciert, aber ich habe sie auch sehr gebraucht.
[37:38] Das kann ich mir vorstellen, weil du dann das Gefühl bekommst,
[37:41] du bist so, wie du bist, okay. Und das ist ja ein Gefühl, was du ganz lange
[37:44] gar nicht bekommen hast. Ja, natürlich.
[37:46] Es ist, glaube ich, jetzt, wenn man deine Geschichte kennt bis hierher,
[37:49] keine große Überraschung, dass es dir psychisch immer schlechter geht dann in dieser Jugendzeit.
[37:54] Und als du fast 18 bist, kommst du in eine psychiatrische Einrichtung.
[37:59] Vielleicht kannst du mal kurz beschreiben, wie es dir zu dem Zeitpunkt geht.
[38:04] Absolutes Chaos und absolute Leere, Hoffnungslosigkeit, Todessehnsucht.
[38:10] Du warst suizidal. Ja, hochgradig, ohnmächtig, ja.
[38:14] Ja, ich hatte ja irgendwie, ich habe ja naiverweise eine Therapie angefangen,
[38:18] weil meine Freunde mich da so hin und ich dachte auch, ja, irgendwie muss es
[38:21] therapiert werden, weil richtig gut geht es mir nicht und ich hätte es dann
[38:24] auch gerne mal wieder schön
[38:25] oder ich hätte es gerne erstmalig schön, so ich hatte glaube ich keine richtige
[38:29] gute Vorstellung davon, was schön ist,
[38:31] und das hat keine drei, vier Wochen gebraucht.
[38:35] Dann hat die mich verwiesen in die Psychiatrie, weil der klar geworden ist,
[38:41] dass ich aber dermaßen am Abgrund stehe, das kann sie nicht mehr verantworten, dem so zuzusehen.
[38:48] Und für mich war das auch so ein bisschen so, oh, okay, ja, verrückt,
[38:54] nee, verrückt mich nicht. Natürlich war ich komplett verrückt.
[38:58] Total wahnhaft. Ich war auch sehr wahnhaft und also mir ging es einfach grottig.
[39:03] Ich habe mich auch selbst verletzt, sehr schwer selbst verletzt.
[39:07] Ich habe dissoziiert, hochgradig, Flashbacks gehabt, also richtige PTBS,
[39:11] also posttraumatische Belastungsstörungen aus dem Bilderbuch quasi.
[39:16] Genau, sehr umfangreich, sehr tiefgreifend. Depressionen, also mittelschwere
[39:20] Depressionen wurde mir auch diagnostiziert und, und, und.
[39:23] Und ja, ich stand mit einem nackten Arsch an der Wand, sage ich mal.
[39:26] Also wie ich das mal so vorsichtig sagen darf.
[39:29] Da gab es kein Vor- und Zurück mehr. Da gab es nur noch Sterben,
[39:33] das habe ich mir echt sehr, sehr schön vorgestellt. Ich sagte,
[39:35] also dieses Leben ist so beschissen, das will ich nicht.
[39:39] Das kann ich nicht. Und ich kann auch nicht mehr. Ich konnte einfach nicht mehr.
[39:44] Ich habe auch diese übrigens diese Handvoll 20 Smarties da, die ich da immer
[39:49] eingeworfen habe, dreimal am Tag, die habe ich auch selbst abgesetzt, aufgehört zu nehmen.
[39:55] Ja und es war schwierig. Ja und
[39:59] die haben mich dann auch nicht mehr gehen lassen. Das war ein Resultat.
[40:01] Warum hast du dich entschieden, dass du leben willst in dieser Situation?
[40:07] Weil das ist ja eine Entscheidung. Du hast ja gesagt, du warst suizidal und
[40:10] dann muss ja irgendwann so ein Kipppunkt gewesen sein, wo du gesagt hast,
[40:14] nee, ich nehme jetzt diesen Kampf auf, ich mache weiter.
[40:19] Da war ich schon ein Jahr lang in der Psychiatrie und bin da halt auch,
[40:23] ich dachte halt, ich komme da hin und dann wird mir geholfen.
[40:26] Ich glaube, da hatte ich schon so einen Hoffnungsmoment, weil ich glaube,
[40:28] ich war voll bereit für Hilfe.
[40:30] Ich konnte es nur nicht alleine und ich hatte auch keine Vorstellung davon,
[40:33] wie das aussehen soll. Und der Psychiatrie gab es halt Medikamente.
[40:37] Und dann einmal die Woche so ein halbstündiges Gespräch. Und ich bin danach
[40:42] in ein noch tieferes, ich dachte, ich könnte nicht in ein noch tieferes Loch fallen.
[40:47] Aber ich bin tatsächlich in ein noch tieferes Loch gefallen.
[40:51] Und die haben auch mich dann irgendwann mal nochmal zu einem Gynäkologen geschleppt,
[40:57] weil die auch nochmal genau wissen wollten, was da eigentlich los war.
[40:59] Jetzt war das natürlich dasselbe Haus, ein Uniklinikum, wo die auch diese Untersuchungen
[41:04] gemacht haben. Die wollten sich natürlich nicht ans Bein pinkeln lassen.
[41:07] Und dann sind die echt zu mir hin. Die Psychiater haben gesagt,
[41:09] also das kann damit nichts zu tun haben. Stimmt's?
[41:12] Ich so, ja, was ist das? Das ist doch keine offene Frage. Soll ich da jetzt
[41:16] mit, wie soll ich denn darauf antworten? Was, wenn ja?
[41:20] Ja, ja. Und dann haben die das einfach weggekehrt.
[41:24] Und dann haben die irgendwo in meiner Family versucht, jemanden zu finden,
[41:27] der die Ursache für diese Art von Symptomatik ist. Obwohl ich die ganze Zeit...
[41:32] Erzählt habe, oh, ich werde getriggert von Spritzen, von Messern,
[41:36] von Desinfektionsgeruch, von diesem ganzen Krankenhaus-Klimbim.
[41:40] Ich habe dauernd, ich schlafe ein mit Flashbacks und Fantasien von OP-Sälen,
[41:48] von Untersuchungen, wo ich irgendwo auf einem kalten Tisch nackt fixiert war
[41:53] nicht eine Szene dabei, die man hätte im familiären Umfeld vermuten können.
[41:59] Aber das haben die alles ignoriert. Die haben gesagt, keine Ahnung,
[42:03] was sie gesagt haben. Ehrlich gesagt, mir haben sie es nicht erklärt.
[42:05] Aber eine Zwischentrage dazu.
[42:07] Du weißt zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht, dass du hinter bist und was da
[42:09] genau mit dir gemacht wurde.
[42:11] Nein, ich weiß gar nichts. Die Ärztinnen und Ärzte wissen das aber schon.
[42:14] Die wissen das schon, ja. Und die kommen nicht auf die Idee,
[42:16] dass es da eventuell einen Zusammenhang mit deinem psychischen Problem geben
[42:19] könnte. Nein, sehen sie nicht.
[42:21] Und da bin ich natürlich, also da bin ich noch einen Stockwerk tiefer gefallen,
[42:25] als ich dachte, dass es noch schlimmer geht.
[42:27] Und da war ich dann am Ende. Ich bin in so eine Einrichtung,
[42:31] also nach der Psychiatrie in eine Einrichtung gekommen für psychisch behinderte
[42:35] Kinder und da war dann Endstation.
[42:38] Das war dann so gesellschaftlich auch Endstation. Ich glaube,
[42:40] da habe ich eine Hoffnungslosigkeit, da war ich dann aus der Schule, habe ich abgebrochen.
[42:45] Ich war gerade im Fachabi oder im Abi irgendwie so, zwölfte Klasse und dann
[42:50] habe ich das abgebrochen und ich konnte nicht mehr.
[42:54] Ich war einfach am Ende. Ich konnte auch nicht mehr klar denken.
[42:56] Also wenn man normal mit mir geredet hat, ich konnte nicht mehr verstehen, was jemand zu mir sagt.
[43:00] Die Worte waren einfach nicht mehr für mein Gehirn. Ich war so überladen mit
[43:05] Schmerz und Kram, dass ich einfach nicht mehr prozessieren konnte,
[43:10] was mein Umfeld von mir will oder wo ich überhaupt bin oder oder.
[43:13] Also es war so Endstation.
[43:16] Und da bin ich dann auf so ein Therapeutennetzwerk gestoßen,
[43:22] die mir gesagt haben, so okay, also entweder höre ich jetzt hier auf.
[43:29] Oder ich probiere es nochmal. Und diese keine Zukunft zu sehen,
[43:33] also überhaupt nicht mehr zu existieren, es ist nur noch Vergangenheit da und
[43:37] Schlimmes Erlebtes, was einen so durch den Tag jagt.
[43:43] Wo man immer mit einem hohen Puls und Schweiß gebadet, immer in jeder Situation
[43:47] einfach tiltet, schlimme Sachen dann sich selber antut oder anderen.
[43:52] Ja, dann kommt irgendein Trupp, schnallt einen fest, keine Ahnung.
[43:56] Ja, also es ist einfach nicht, das ist ja kein Leben. Und dann ist man dauernd
[43:59] unter Beruhigungsmitteln und ich hatte irgendwie das Gefühl so, ja, nee.
[44:06] Und dann gab es so einen Moment von, okay, ich bin jetzt hier in einem neuen
[44:11] Umfeld, ich habe jetzt ein neues Team, das sich kümmert und weil ich mich dann,
[44:19] es war dann ein paar Stunden, dass ich also an mehreren Tagen natürlich verteilt
[44:22] mich auseinandergesetzt habe mit diesem Therapeuten-Team, was will ich hier
[44:27] und wo geht es jetzt hier hin und das ist ja eigentlich Endstation,
[44:30] das nächste ist dann so eine,
[44:32] Steckdosenkleben für irgendein Leben.
[44:35] Lebenshilfewerk und so mein restliches Leben in einer Erwachseneneinrichtung,
[44:40] das war so der Ausblick, ja, und,
[44:43] oder wir gucken uns das an, machen richtige Traumatherapie und dann gucken wir,
[44:48] was geht, da könnte es was anderes geben.
[44:51] Und mir ging es gar nicht so darum, so werde ich jetzt, wie ich heute bin, Elektroingenieur,
[44:56] und Programmierer und auch Sänger in der Metalband, ja, das waren alles Sachen,
[45:00] die ich damals nicht vor Augen, also nicht mal denken konnte,
[45:04] ja, sondern für mich war dann, oh, mit Traumatherapie, das habe ich ja alles
[45:09] bisher noch nicht gemacht und ausprobiert.
[45:11] Das heißt, mit dieser Option gäbe es die Möglichkeit, dass ich auch nur eine Stunde,
[45:17] nur eine Stunde Frieden in meinem Kopf haben könnte und mit mir.
[45:21] Und das wäre es mir wert zu probieren. Und das war die Motivation,
[45:25] die mich dann auf diese Reise hat gehen lassen.
[45:29] Die war trotzdem noch lang, sehr lang.
[45:31] Aber das war der Moment, wo ich gesagt habe, okay, let's go. Unvorstellbar.
[45:37] Unvorstellbar für mich.
[45:40] Furchtbar schrecklich, wenn du
[45:42] sagst, du hast dir nur einfach eine einzige Stunde Ruhe am Tag gewünscht.
[45:46] Diese Traumatherapie, die du da machst, ist schon eine Art Wendepunkt.
[45:50] Das dauert, das ist schmerzhaft, aber du machst Fortschritte, du wirst stabiler.
[45:54] Und irgendwann, ich glaube, da bist du schon so um die 20, entscheiden die Menschen,
[45:57] die dich betreuen, so jetzt ist er soweit, jetzt kann man ihm mal sagen,
[46:01] was da mit ihm los ist, warum er operiert ist und warum diese ganzen Untersuchungen gemacht wurden.
[46:07] Wie sagen die dir das? Also sozusagen der Schlüssel zum Schloss ist jetzt vielleicht
[46:13] ein falsches Bild, Aber dieses eine Puzzlestück, was dir sozusagen gefehlt,
[46:16] auch hat, um dich selbst zu verstehen. Wie wird dir das mitgeteilt?
[46:20] Ja, in der Sitzung ganz normal, so wie ich das vorher auch hatte und da war ich schon sehr weit.
[46:27] Da war ich schon sehr weit. Wir hatten durch vieles durchgearbeitet schon und
[46:30] eigentlich waren wir ziemlich am Ende, könnte man sagen. Also ich hatte da auch
[46:35] schon, das erinnere ich noch ganz kurz, so einen glücklichen,
[46:38] meinen ersten glücklichen Tag meines Lebens gehabt.
[46:41] Wir waren danach an dem Tag sogar bei einem Hosenkonzert. Und das war für mich wundervoll.
[46:49] Das war wundervoll. Ich war so voller Glück und Kram.
[46:52] Es war innerhalb einer normalen Sitzung und das war fast so ein bisschen so
[46:56] eine Orga. Also man hat ja manchmal so Orgasitzungen gehabt.
[46:59] Und da war dann so, ja, weißt du, warum eigentlich diese ganze Situation so
[47:04] ist, wie sie ist. Und dann war mir das halt nicht.
[47:06] Da habe ich gesagt, hä, ja, nee, keine Ahnung. Also ich hatte da nicht so richtig
[47:11] gute Antworten drauf. Ich glaube, es war mehr rhetorisch.
[47:14] Anyways, und dann wurde mir mitgeteilt, dass ich ein Hermaphrodit bin.
[47:19] Was die offizielle Diagnose ist, ist Hermaphroditismus verus.
[47:23] Das heißt echter Hermaphrodit, also echter Zwitter.
[47:27] Klingt halt so nach Sagengestalt. Völlig. Und dann dachte ich so,
[47:31] okay, das klingt falsch.
[47:34] Und dann habe ich mir das erklären lassen, was das ist, weil mein Gehirn konnte
[47:37] das gar nicht verstehen.
[47:39] Und dann bin ich mega erschrocken. Also das war so, das Monster hat einen Namen.
[47:46] Und dann habe ich noch ein wildes Streitgespräch darüber gehabt,
[47:49] ob der Knochen, von dem ich auch vorher mal berichtet habe, während der Therapie,
[47:54] ob der Knochen jetzt ein Penis sei oder nicht.
[47:56] Das wollte ich per Sotou nicht gelten lassen, weil das würde mich ja jetzt gänzlich
[47:59] rauskicken aus jeder Normalität.
[48:02] Und aber als klar war, dann bin ich damit nochmal schwanger gegangen.
[48:06] Da ist, das hat sich dann so.
[48:11] Ich glaube, jeder war mal schon mal richtig verspannt und die Rücken war,
[48:14] hat nicht funktioniert oder so.
[48:16] Jetzt wenn wir bei dem Bild bleiben, als wäre ich die ganze Zeit mit einer so
[48:19] ausgerenkten Wirbeln rumgelaufen, hat sich das plötzlich angefühlt,
[48:23] als würden sie so klack, klack, klack in so eine Linie sich stellen.
[48:28] Und da war plötzlich eine Kraft und eine Stabilität, die durch meinen Körper
[48:33] gegangen ist, die ich vorher nicht kannte, also nicht mal am Ansatz kannte.
[48:39] Und ich dachte, wow, das macht total Sinn.
[48:43] Das bin ich. Das ist mein Zuhause, das ist mein Körper, das ist mein, ja, da gehöre ich hin.
[48:50] Dass mir das eine, dieser vermeintliche Malus hat mir plötzlich eine unendliche
[48:54] Kraft gegeben und zwar Lebenskraft. Man hat viel Geld ausgegeben,
[48:59] um mich so hinzuoperieren, damit es keinem auffällt.
[49:02] Surprise, surprise, es fällt jedem auf. Es ist rausgeschmissenes Geld gewesen.
[49:06] Ich hätte schon lieber meinen eigenen Körper, also unversehrten Körper gehabt,
[49:10] um ein bisschen rauszufinden, wie der sich eigentlich entwickelt und diesen
[49:13] ganzen Scheiß, den man dadurch hatte, einfach gerne nicht, weil ich bin Schmerzpatient,
[49:18] Ich habe viele Schmerzen.
[49:20] Weil ich Down-Entzündungen habe, bin ich sehr erkältungsanfällig.
[49:24] Ich habe einfach richtig Bambule.
[49:27] Und zwar mein Leben lang. Ja.
[49:29] Ja, das geht nicht weg. Ich muss immer Medikamente nehmen. Ich muss ständig
[49:33] zum Arzt. Ich werde diese Bagage nicht los.
[49:36] Und das ist alles sehr teuer und kostet viel Zeit. Ich hätte darauf gern verzichtet.
[49:42] Du hast ja zu dem Zeitpunkt, als du das erfahren hast in dieser Traumatherapie,
[49:45] ja auch die ganze Zeit noch Östrogene genommen.
[49:48] Und hast dann gesagt, nee, will ich gar nicht mehr, oder?
[49:51] Wie genau war das? Also du hast komplett die Hormone abgesetzt.
[49:54] Genau, ich hatte so ein Präparat, so Östrogene und Gestagene,
[49:58] um so einen Zyklus, weil ich habe ja noch die Gebärmutter, die haben sie drin
[50:01] gelassen, witzigerweise.
[50:03] Damit man so einen Zyklus hat, fürchterlich war das für mich.
[50:07] Zyklus heißt, du hattest dann eine Menstruation auch?
[50:10] Richtig, genau. Aber diese Regelblutung, also die hat bei mir,
[50:13] ich habe ja mein ganzer Unterleib, ist vernarbt.
[50:16] Und das hat diese ganzen Narben und Knoten, das komplett verknotet da alles untenrum.
[50:21] So sehr, dass man auch, wenn man da Wachstumshormone drauf wirft,
[50:24] auch aufpassen muss, dass da nichts wächst. Dass dann halt so angefangen hat
[50:28] zu schwingen, schmerzhaft.
[50:29] Und das war nicht gut. Genau, man hatte versucht, so ein Zykluskram zu machen,
[50:33] weil es ja Mädchen haben. Das macht natürlich für mich überhaupt keinen Sinn,
[50:36] weil ich brauche keine Zyklusblutung.
[50:38] Stimmt. Ja, also wozu? Ich brauche ja keine Kinder.
[50:42] Also ich kann keine Kinder kriegen und nichts. Also das ist doch Quatsch.
[50:44] Und die Gebärmutter selbst braucht das nicht.
[50:47] Also die kann auch ohne.
[50:50] Ja, aber dadurch, dass du jetzt diese Hormone oder dieses Präparat abgesetzt
[50:54] hast, was passiert dann mit deinem,
[50:56] Körper, weil jetzt in Anführungsstrichen lässt du ihn ja dann das erste Mal
[50:59] in 20 Jahren in Ruhe oder er wird in Ruhe gelassen als Körper,
[51:03] weil dir die ganze Zeit immer was dazu beigegeben wurde, da muss doch irgendwas passiert sein, oder?
[51:08] Oh ja, das ist wie so eine Bleiumhang, den ich abgelegt habe.
[51:13] Also das war eine körperliche Empfindung tatsächlich, die ich hatte.
[51:16] Das ist jetzt nicht so nur metaphorisch gesprochen, sondern das war eine körperliche
[51:19] Empfindung, dass ich das Gefühl habe, ich fühle mich so frei und dieser Zwang,
[51:22] ich hatte so ein Zwanggefühl.
[51:26] Und ich war ja dann immer bei der Regelblutung dann richtig krank,
[51:28] also richtig krank krank.
[51:30] Das ist auch nicht geil, vor allem wenn man studieren und arbeiten will,
[51:34] dann eine Woche jeden Monat zu fehlen, mach das mal, erklär das mal jemandem,
[51:38] das ist nicht witzig und plötzlich hatte ich viel mehr Energie,
[51:42] meine Stimmung war auch erstaunlich viel besser,
[51:46] was ich dachte, eigentlich geht es nicht besser, aber es wurde besser und noch
[51:49] besser, als ich das abgesetzt hatte und ich hatte dann Wechseljahre.
[51:53] Ich bin halt knallhart, dann zwei Jahre lang hatte ich Wechseljahre,
[51:57] so richtig Schweißausbrüche, warm, kalt, ja, was man halt für Symptome hat.
[52:04] Fehlt. Was dein Körper und du schon alles gemeinsam durchgemacht haben, ist schon krass.
[52:11] Wir haben schon eben darüber gesprochen, über Datingleben und so.
[52:13] Also da beginnt dann so eine Phase, wo du selber mit dir ins Reine kommst und
[52:17] wo du auch Frauen datest und merkst, es gibt auch welche, die das gut finden
[52:21] und die da kein Problem mit haben. Also es hilft dir so zu dir selbst zu finden.
[52:26] Und ich glaube so nach knapp zehn Jahren, wo du jetzt keine Hormone genommen
[52:31] hast, denkst du irgendwann, ah ja, vielleicht sollte ich doch welche nehmen. Also wie kommt das?
[52:37] Ja, also ich habe ja mir zehn Jahre gegönnt, nicht zum Arzt zu gehen.
[52:42] Ja, was ich sehr gut nachvollziehen kann nach den Erfahrungen,
[52:44] die du gemacht hast. Gesehen mal von so einer Erkältung, wo man dann hingehen
[52:47] muss, weil der Arbeitgeber auch eine Krankschreibung braucht und so.
[52:50] Aber da wusste meine Ärzte nichts davon.
[52:53] Der habe ich auch niemals meinen Unterleib oder irgendwas in der Richtung gezeigt
[52:58] und irgendwann hatte ich so das Gefühl so, ui.
[53:02] Das ging allerdings auch parallel einher mit, ich bin bei Intergeschlechtliche
[53:07] Menschen e.V., das ist ein Trägerverein für Selbsthilfegruppen für intergeschlechtliche Menschen.
[53:13] Da bin ich irgendwie reingeschlittert, da bin ich mal zu so einem Berliner Stammtisch
[53:17] gegangen, das war total nett und die organisieren halt so Selbsthilfetreffen.
[53:22] Mehrfach im Jahr und dann treffen sich da alle aus Deutschland,
[53:25] fahren da hin und auch Eltern mit Interkindern und daraus hat sich dann so ein
[53:30] bisschen, so konnte ich mich ein bisschen mehr informieren, ein bisschen mehr
[53:33] kennenlernen, wie viele Varianten gibt es und es gibt so
[53:36] massig Varianten, also die auch so eine ganz andere Lebensrealität haben als
[53:40] ich, aber auch intergeschlechtlich sind.
[53:42] Da habe ich mich ein bisschen informiert auch über Hormone und was das macht,
[53:44] wenn man keine nimmt, weil ich hatte gar keine Ahnung und diese Leute,
[53:47] die da schon lange, lange, lange aktivistisch arbeiten, die sind mega informiert,
[53:51] die kennen sich sehr aus und die haben mir das halt so ein bisschen nahe gebracht.
[53:55] Ich habe unglaublich viel gelernt über den Körper, über Hormone,
[53:58] wie das ist, wenn man das oder jenes fehlt Und da habe ich auch gelernt,
[54:02] wie selten meine körperliche Situation eigentlich ist. In der Gruppe hatte ich,
[54:06] gab es nicht noch jemanden, der so war wie ich.
[54:09] Und das war mir auch schnell klar. Ich meine, die Ärzte hatten mir das auch
[54:12] schon mal, also meine, die mich damals behandelt hatten, hatten auch schon mal
[54:14] gesagt, dass es noch einen Fall gibt in Amerika.
[54:18] Also über mich wurden auch Bücher geschrieben und so. Das ist schon sehr,
[54:20] sehr auf irgendeine Weise einzigartig, was da, also nicht einzigartig,
[54:24] das wäre wirklich sehr besonders, aber wirklich sehr selten ist,
[54:28] was ich da habe. Auch unter intergeschlechtlichen Menschen.
[54:32] Ja, und da ist mir dann zu Bewusstsein gekommen, dass ich vielleicht,
[54:36] also die haben mir ja viel weggenommen, was der Körper vielleicht auch braucht.
[54:40] Und ich wollte nicht, ich hatte fast das Gefühl, das ist vielleicht jetzt so
[54:43] eine Fortführung von selbstverletzendem Verhalten, was ich nicht machen möchte.
[54:49] Und ich bin ja in Liebe mit meinem Körper und in wirklich einer sehr,
[54:53] sehr schönen, liebevollen, respektvollen Beziehung.
[54:56] Und ich habe gesagt, boah, nö, das machen wir nicht.
[55:00] Da bin ich jetzt mal mutig, ich bereite mich gut vor, ich suche mir jetzt Fachleute und...
[55:06] Mach das mit denen und setze, bestimme aber meine Konditionen.
[55:10] Also ich habe dann gesagt so, ihr habt keine Ahnung, das ist in Ordnung,
[55:14] solange ihr das zugebt, ihr Liebenärzte,
[55:16] dann können wir nämlich zusammenarbeiten und wichtig ist auch,
[55:19] weil ihr das mit nichts vergleichen könnt,
[55:22] heißt es doch dann zu gucken, was ist denn eigentlich für meinen Körper,
[55:25] was fühlt sich gut an, was ist richtig, was sind die Werte, die kennen sich
[55:28] ja ein bisschen mit Blutwerten aus, was kann man da machen, ist es noch im grünen Bereich und und und.
[55:32] Also dass sie mich sozusagen dabei unterstützen, meinen Weg zu finden,
[55:36] das war meine Bedingung. Also mit der Klarheit bin ich da reingedonnert,
[55:39] hier in die Charité und wurde erstmal massiv enttäuscht.
[55:43] Die hatten auch ein Forschungsprojekt zu dem Thema und ich dachte,
[55:46] das sind genau die, die das irgendwie verstehen, aber das war wahnsinnig.
[55:50] Am Ende bin ich jetzt bei einem super netten Urologen gelandet und einer Gynäkologin.
[55:56] Stimmt, du musst ja dann beides. Habe ich gar nicht drüber nachgedacht,
[55:59] klar. Ja, genau, ich muss dann doppelt zum Arzt, schön.
[56:02] Bei beiden im Wartezimmer ist es eine kuriose Szene.
[56:06] Das kann ich mir vorstellen. Ja, genau, bei einem Gynäkologen komme ich wahlweise
[56:11] immer nach Praxisschluss.
[56:13] Ja, das ist ja vielleicht für die Frauen, die dann da sitzen,
[56:15] auch nicht so ein angenehmes Gefühl, wenn eine als männlich gelesene Person
[56:19] dann dazwischen im Wartezimmer sitzt.
[56:22] Oh mein Gott, für alle, für mich ist das auch schlimm. Stimmt.
[56:24] Das ist doch für alle schön. Das ist für alle unangenehm.
[56:28] Und ich will doch überhaupt niemanden irgendwas. Ich will doch einfach nur gesund sein.
[56:32] Und es ist dann, wofür du dich entscheidest, ist, glaube ich,
[56:34] eine niedrig dosierte Testosteronbehandlung.
[56:38] Warum diese Art? Du hättest auch sagen können, ich will wieder Östrogenen nehmen,
[56:41] beispielsweise. Ja, also genau. Also die Idee war eigentlich,
[56:45] eine Östro und eine Testo, also beides zu nehmen, weil ich kann gar nichts davon produzieren. Nichts.
[56:52] Auf jeden Fall habe ich dann gedacht, na gut, ich möchte eigentlich so eine,
[56:57] ich möchte erst ganz leicht einsteigen und gucken, was gut ist,
[56:59] weil ich wollte das ein bisschen rausfinden.
[57:01] Ich hatte so gedacht, na gut, mein Körper hat für beide so Bahnhöfe gebaut,
[57:04] dachte ich immer so. Und da muss ja, also wenn die Züge, da muss ich ja gucken,
[57:08] wie viele Kapazitäten haben diese Bahnhöfe und muss man die Züge entsprechend
[57:11] dosieren, also irgendwie dimensionieren, so dachte ich.
[57:14] So, ich bin Ingenieur, für mich muss das immer mit Zügen zu tun haben.
[57:16] Aber ich kann das Bild, ja, fühle ich, kann ich nachvollziehen.
[57:20] Das ist nicht ganz so, aber das ist auf jeden Fall die Krücke,
[57:23] die ich mir genommen habe.
[57:24] Und dann wollte ich damit erstmal so anfangen und dann wollte mir die erste
[57:27] Ärztin, bei der ich war, partout kein Testo geben, weil die dann gesagt hat,
[57:32] ja, dann gehen sie ja wohl den Weg des Transmannes. Und ich war so, hä, was?
[57:37] Oder den Weg der Transfrau, was wollen sie denn von mir?
[57:42] Mit welchem Recht entscheiden sie das denn? Mir geht es doch nicht darum,
[57:46] ich könnte vielleicht Haare im Gesicht bekommen, darum geht es mir doch gar nicht.
[57:51] Für mich ist entscheidend, dass mein Körper gesund bleibt. Verstehen Sie das, habe ich dann gesagt.
[57:57] So, ja, hat sie nicht so verstanden. Dann habe ich den Arzt gewechselt.
[58:01] Und dann habe ich angefangen mit Testo erstmal, wirklich sehr niedrig dosiert.
[58:05] Und dann ist mir aufgefallen, dass mein Körper das halt aufsaugt.
[58:10] Ja. Also der frisst das in einer Art und Weise und das war keine Woche,
[58:14] da war ich schon, hatte ich noch nicht diesen Rauschebart, aber es war schon nah dran.
[58:20] Das war krass. Mein Körper hat das total gefressen und der hat sich auch sofort hart umgebaut.
[58:25] Das war auch so ein totales Gefühl von, also mein Körper war total glücklich.
[58:29] Also der war so, der hat sich sehr glücklich gefühlt und hat halt gebaut und
[58:33] gebaut. dann kam Stimmbruch und ich dachte, boah, jetzt noch eine Pubertät, Alter.
[58:38] Bitte nicht, ich bin 30 Jahre alt. Ich möchte nicht.
[58:43] Ja, das kam natürlich, wie es kommen musste. Und ich hatte mich da gerade erst
[58:47] von einer langjährigen Partnerin getrennt und ich habe Dating-Fälle davon schwimmen sehen.
[58:52] Wie soll ich denn mit tiefer Stimme und Bart, wie soll ich mich denn da in einem
[58:56] Les-Club bewerben als potenzieller Partner? Stimmt.
[59:03] Und es ist ja auch so eine Veränderung, die super sichtbar ist.
[59:06] Stimme, Muskeln verteilen sich anders. Bartwuchs hast du gerade schon angesprochen.
[59:11] Das haben ja auch die Leute in deinem Umfeld direkt gesehen.
[59:14] Wie haben die denn so reagiert? Ja, für die war das auch nicht leicht.
[59:17] Also es gab irgendwie eine Freundin, die mir dann dauernd sagte,
[59:20] ach, früher warst du so schön. Oh Gott.
[59:23] Ja, mit der habe ich dann leider keinen Kontakt mehr.
[59:28] Und das war für mich hart. Ich
[59:29] meine, ich habe gerade, war ich in so einem total sweeten Spot für mich.
[59:33] Mein ganzer Körper, der hat sich gut angefühlt. Ich kannte den.
[59:37] Ich habe mich da irgendwie drin wohlgefühlt. Ich konnte echt auch gut singen,
[59:42] so über viele Spektren hinweg. Stimmt, du singst ja auch in der Metal-Bed,
[59:46] das ist ja auch eine Herausforderung.
[59:49] Und dann war die Stimme weg. Ich habe bis heute dieses Register nicht mehr,
[59:54] wo ich meine, mein eigentliches Stimmregister ist weg, also wo ich vorher drin gesprochen habe.
[59:59] Also ich habe die Stimme verloren, ich habe jeden Tag anders geklungen,
[1:00:02] das war mega irritierend. Dann sah ich jeden Tag ein bisschen anders aus.
[1:00:07] Es war schwer und ich bin ja auch sozialisiert.
[1:00:11] Ja, bloß keine Haare im Gesicht, so als Frau.
[1:00:15] Und ich war schon immer haarig am Körper, restlichem Körper so,
[1:00:19] aber das war für mich an der Stelle echt hart.
[1:00:22] Ich stand dann irgendwann weinend vorm Spiegel und total frustriert und fühlte
[1:00:28] mich sehr ohnmächtig, dem ausgeliefert und war nur so, okay,
[1:00:30] ich weiß, ich kriege diese Information, Körper, dass es dir damit gut geht.
[1:00:36] Aber ich finde das schwer. Trotzdem, mach mal. Ich finde nicht,
[1:00:42] dass es mein Recht ist, dich einzugrenzen.
[1:00:45] Ich möchte nicht, nur weil ich jetzt ein sozial-psychologisches Problem sehe
[1:00:51] in der Gesellschaft, wie ich mich da wieder reinfüge, wie ich mich da wieder
[1:00:54] reinfinde, dass der Körper sich danach richten muss, wie andere den haben wollen.
[1:00:59] Der Körper ist halt, wie er ist und wir können da wenig gegen machen. Wir wissen das alle.
[1:01:04] Wir haben nun mal die Nase, die Wangenknochen, die Augen, den Bauch,
[1:01:08] den Po, die Hände, den Kopf, die Kopfformen, die Lippen, das Kinn,
[1:01:12] das Doppelkinn, so wie wir es halt nun mal haben.
[1:01:16] Da kann man jetzt viel Geld in die Hand nehmen, das wegoperieren lassen,
[1:01:18] geht ja heute alles. Aber eigentlich ist das auch ein bisschen so selbstverletzendes Verhalten.
[1:01:24] Ich stehe total auf radikale Akzeptanz der Realität. Und auch obwohl mir das
[1:01:29] sehr, sehr schwer war, habe ich gesagt, ich liebe dich, mein Körper,
[1:01:32] du darfst das und ich werde nicht in den Chor mit einstimmen,
[1:01:37] dich anders haben zu wollen, als du bist.
[1:01:39] Und du machst jetzt erstmal deine Entwicklung durch und dann gucken wir mal.
[1:01:42] Das ist ja auch, also du musstest ja dann nochmal wieder einen Körper akzeptieren,
[1:01:46] hast du ja gerade schon gesagt.
[1:01:49] War vielleicht auch so für dich der Gedanke dabei, das hätte mein Körper sein
[1:01:53] können, wenn man nicht schon vorher als Kind an mir rumgeschnippelt hätte?
[1:01:57] Ja, da sagst du was. Das ist tatsächlich dann mehrere, also ein halbes Jahr
[1:02:01] später würde ich sagen, nach dieser ganz harten Phase ist das so in mir erwachsen,
[1:02:06] immer mehr dieses Gefühl so.
[1:02:08] Weil das war damals als Baby weiß ich, dass die erhöhten Testosteronwert gemessen
[1:02:13] haben und dann ist mir aufgegangen so, oh, das hätte wahrscheinlich mein Weg sein können, aber.
[1:02:22] Irgendwie so und es gab noch einen netten Nebeneffekt tatsächlich,
[1:02:25] also jetzt auf der physischen Ebene, dass mein Fettgewebe, also unter der Haut,
[1:02:31] also Männer produzieren sozusagen Östrogene auch und zwar im Fettgewebe der
[1:02:36] Haut, das heißt Aromatase und dadurch versorgen die ihre Knochen quasi mit dem
[1:02:40] nötigen Material, was nun mal aus Östrogen gebaut wird.
[1:02:45] So und ich habe das auch, also diese Funktionen haben Frauen in der Regel nicht, manche haben das, aber,
[1:02:51] in der Regel nicht und ich habe das aber das heißt ich produziere meine eigenen Östrogene,
[1:02:56] und das ist ein großes Glück das heißt ich produziere so viel wie ich halt brauche,
[1:03:02] und das ist natürlich total geil, das hat sich auch super angefühlt von dem
[1:03:06] gar keine Hormone haben hat sich das jetzt noch stabiler und kräftiger und auch
[1:03:11] mein Körper sich zufriedener angefühlt als ganz ohne Hormone.
[1:03:15] Ein bisschen schmerzhaft an dieser ganzen Transformationsgeschichte war dann
[1:03:20] schon auch, dass mein Penis gewachsen ist dabei. Der Knochen.
[1:03:28] Und der ist aber ja unter der der ist ja auch gespalten worden,
[1:03:33] weil die Harnröhre ja verlegt wurde aus der Penisspitze woanders hin und ja
[1:03:39] und da sind natürlich lauter Narben und die sind natürlich nicht so flexibel.
[1:03:43] Und die sind dann von sich sehr gespannt, ich hatte Ultraschmerzen ich bin zu
[1:03:47] meinem Arbeitgeber hingegangen und habe gesagt die Penisnarben ziehen mir gerade oh Gott.
[1:03:55] Ich kann so Schmerzmittel nicht nehmen, wie das weh tut ich muss jetzt mal einen
[1:04:00] Tag irgendwie frei bekommen,
[1:04:03] Und mein Chef hat gesagt, Jo Len, mach mal frei, leg dich auf die Couch. Guter Chef.
[1:04:09] Hoffentlich wird es bald besser. Ja, ja, ich habe ein total tolles Umfeld.
[1:04:13] Damit haben wir schön den Bogen geschlagen zu heute.
[1:04:17] Wir haben es kurz angeschnitten. Du hast jemanden kennengelernt,
[1:04:19] du verliebst dich. Und ihr seid jetzt, glaube ich, neun Jahre zusammen und sogar
[1:04:23] verheiratet. Ja, und sogar seit zwei Jahren.
[1:04:26] Wie toll, herzlichen Glückwunsch.
[1:04:28] Also privat alles wunderbar. Das höre ich gerne nach der Reise.
[1:04:34] Aber jetzt geht es auch ein bisschen um die Öffentlichkeitsarbeit.
[1:04:36] Du setzt dich, glaube ich, seit
[1:04:37] 2018 auch ein für die Sichtbarkeit von intergeschlechtlichen Menschen.
[1:04:41] Warum ist dir das so wichtig? Du könntest ja sagen, ich mache das hier in meinem
[1:04:45] privaten Umfeld, ich spreche bei Arbeit drüber oder bei meinen Freunden und
[1:04:50] das reicht mir, aber du gehst raus. Warum machst du das? Ja, weil ich so bin.
[1:04:55] Gut, das ist eine sehr zutreffende Antwort. Ja, das ist wirklich,
[1:04:59] ich glaube, das ist, ich bin sehr klar darin mit dem, was ich bin und ich merke,
[1:05:04] dass ich diese Stabilität und dieses Rückgrat, was ich spüre für mich und diese Sicherheit,
[1:05:11] die mir keiner nehmen kann.
[1:05:12] Ich wurde ja damals, als dieses Verfassungsgerichtsurteil gesprochen wurde,
[1:05:16] wurde ich angerufen, wir brauchen
[1:05:18] jemanden in Berlin, der vor die Kamera tritt, könntest du das machen?
[1:05:24] Also es war gerade niemand da, der das hätte machen können aus dem Verein und
[1:05:27] dann war es okay. Und ich habe halt gedacht, oh gut, wenn ich das mache und
[1:05:31] das alle sehen, dann wissen ja alle, dass ich Inter bin. Dann muss ich das ja
[1:05:34] niemandem mehr erklären. Voll gut.
[1:05:36] Das heißt, ich habe für mich, weil ich leide ja darunter, dass ich nicht erkannt werde.
[1:05:43] Und ich hatte auch niemals eine Chance, dass es so weit kommt,
[1:05:46] dass jemand mir neu begegnet und sagt, Mensch, Entschuldigung,
[1:05:49] die Frage ist ein bisschen persönlich, aber bist du Inter? Das fragt ja keiner.
[1:05:54] Das fragt ja keiner. Und ich habe halt gedacht, okay, mir fällt es leicht.
[1:05:58] Und ich kenne ja so viele Menschen, denen es nicht leicht fällt.
[1:06:02] Und ich bin, ich fühle mich sicher, ich bin in einem sicheren Umfeld.
[1:06:06] Ich habe alles auch an psychologischer Stabilität und Ausdauer,
[1:06:13] die man braucht, um sich da vorne hinzustellen.
[1:06:15] Und ich habe dann in der Community gesehen, weil das war auch neu,
[1:06:20] Weil es ist nicht neu, dass eine Interperson öffentlich spricht,
[1:06:23] aber was neu war, dass sie nicht als Opfer spricht.
[1:06:25] Ich meine, ich bin Opfer, da müssen wir uns nicht missverstehen,
[1:06:28] aber ich zähle lieber von meiner Lebenskraft, diesem auch geilen Leben,
[1:06:33] was man haben kann als Interperson in dieser Gesellschaft.
[1:06:36] Und das ist eine Message, die ich kommunizieren möchte. Und ich habe auch mit
[1:06:40] Kindern und Jugendlichen dann gearbeitet als Peerberater. Peerberatung mache
[1:06:45] ich auch für Intergeschlechtliche.
[1:06:47] Und da war es dann auch so, dass da Kinder dann alles von mir gesehen und gehört
[1:06:52] hatten und die mich dann bei einem Treffen kennenlernen durften.
[1:06:57] Und dann habe ich mir die auch geschnappt und dann haben wir halt Sachen gemacht
[1:06:59] zusammen und dann waren wir zum Beispiel
[1:07:02] in so einer Szene, da war ich mit jemandem auf der Schaukel und ja,
[1:07:06] Und hat mich dann alles mögliche gefragt und.
[1:07:10] Auch zu den Interviews und so und hat die halt alle mehrfach gesehen,
[1:07:15] und hat dann selber so ein Selbstverständnis bekommen von hey,
[1:07:19] ich bin wer, ich bin nicht nur Müll oder irgendwas, was man wegschneiden muss,
[1:07:23] was man wegmachen muss, was man verstecken muss, wofür man sich schämen muss.
[1:07:27] Ja, all das ist nicht nötig. Ich bin hier ein Mensch, der unglaublich toll ist
[1:07:32] und der viel zu geben hat, der viel Liebe im Herz hat und Passion und Mut und auch Vulnerabilität.
[1:07:39] Aber das gehört zu uns allen. Wir alle haben das.
[1:07:42] Aber wir sind komplette Menschen, die auch alles hören und mitbekommen übrigens, wie man mit uns umgeht.
[1:07:48] Und dass man das selbstbewusst auch spüren und für sich so erleben darf und
[1:07:52] das sein darf, was man ist, weil die Gesellschaft hat für uns keine Kategorie.
[1:07:56] Ich meine, jetzt gibt es dieses Divers, das ist ein Pflaster auf die Wunde,
[1:08:00] Stelle, aber so richtig überall angekommen ist es noch nicht.
[1:08:04] Aber dann habe ich gemerkt, wie wichtig das so vielen Menschen ist.
[1:08:09] Und ich finde, wir haben das alle so viel mehr verdient, gesehen zu werden mit
[1:08:13] unseren Körpern, liebevoll gesehen zu werden mit unseren Körpern und auch erfüllende
[1:08:17] Sexualität zu haben und ein positives Selbstbild.
[1:08:21] Was wünschst du dir für Interkinder, die heute geboren werden?
[1:08:26] Ich wünsche mir, dass sie in einer Welt groß werden, die sie nicht versucht.
[1:08:31] In ein Schubladensystem oder in dieses Zwei-Schubladensystem,
[1:08:35] gerne eine dritte Schublade, die dazwischen Schublade, Hauptsache sie haben
[1:08:38] irgendwo einen Platz, wo sie körperlich unversehrt bleiben können,
[1:08:41] solange es keine medizinische Notwendigkeit für eine OP gibt.
[1:08:45] Und das würde ich mir wünschen, dass es in der Gesellschaft Liebe und Akzeptanz
[1:08:49] für einfach Vielfalt von Körpern gibt.
[1:08:52] Ich glaube, es ist sowieso schwierig mit dem Beauty-Wahn. Ich wünsche und hoffe
[1:08:56] sehr, dass diese Kinder nicht so sehr berührt und dass sie eine Community,
[1:09:01] das geht ja heutzutage besser als früher, eine Community finden,
[1:09:05] wo sie gesehen und gewertschätzt werden und so aufwachsen können.
[1:09:10] Oder das Toolkit an die Hand bekommen, wo sie mit aufwachsen können,
[1:09:14] dass sie in einer schwierigen Welt leben. Und das tun wir alle.
[1:09:19] Und das auch an die Eltern.
[1:09:22] Schwierig wird das sowieso.
[1:09:24] Aber Liebe hilft. Es ist wirklich so.
[1:09:27] Liebe und Unterstützung, offenes Reden hilft einfach. Das wäre nämlich genau
[1:09:33] meine Frage gewesen. Was würdest du den Eltern gerne sagen, die ein Interkind,
[1:09:37] bekommen oder dann nach der Geburt erfahren, wie es bei deinen Eltern so war.
[1:09:41] Das Kind ist anders als andere. Was würdest du denen sagen wollen? Er liebt euer Kind. Ja.
[1:09:47] Es ist sehr schwierig manchmal, ich weiß. Ja.
[1:09:51] Und auch nicht selbstverständlich, also no pressure, aber das ist wirklich ein
[1:09:56] Kind, was sich geliebt und gesehen fühlt, ist einfach am resilientesten gegen
[1:10:01] alles, auch Mobbing übrigens. Absolut.
[1:10:03] Ich glaube, es ist auch wirklich ganz, ganz wichtig an der Stelle,
[1:10:06] Das nochmal zu betonen, diese Operation, die du durchmachen musstest,
[1:10:10] jetzt vor knapp 40 Jahren, die gibt es heute immer noch.
[1:10:13] Wir sind da nicht viel weitergekommen. Also es gibt mehr und mehr,
[1:10:16] also es hat sich ein bisschen verbessert, also man muss wirklich sagen,
[1:10:19] durch die viele Öffentlichkeit und auch.
[1:10:23] Dieses Gesetzesänderung mit der dritten Option hat dazu gesorgt,
[1:10:26] dass die Operationen sich leicht rückgängig sind,
[1:10:30] beziehungsweise neue MedizinerInnen, die in den Beruf kommen,
[1:10:34] awareer, also die sind bewusster mit dem Thema, dass sie wissen,
[1:10:38] ah, oh, oh, oh, nicht einfach losmachen, sondern erstmal vielleicht auch,
[1:10:43] Peer-Beratung, den Eltern und auch den Kindern zur Verfügung stellen,
[1:10:49] Community-Anschluss zu erbitten, welche Unterstützung könnte man noch brauchen.
[1:10:56] Wirklich gucken, muss das gemacht werden, braucht es das, wer will das überhaupt.
[1:11:00] Ja genau, das gibt es schon, aber was wir auch sehen und das ist auch schlimm,
[1:11:05] ist eine Verschiebung von Diagnosen.
[1:11:09] Es gibt die Studie von Ulrike Klöppel, die zeigt, welche Operationstechniken
[1:11:14] und Operationen abgerechnet werden mit den Krankenkassen und da zeigt sich,
[1:11:18] da gab es sozusagen zwei,
[1:11:20] also es gab es ein Studio und dann eine Follow-up-Studie dazu,
[1:11:23] die dann zeigt, also ein paar Jahre später, die dann zeigt, dass die Diagnosen sich verschieben.
[1:11:29] Plötzlich gibt es halt keine Interdiagnosen mehr, sondern ja, Hoden im Bauchraum.
[1:11:34] Ach so, und das Ergebnis ist dann dasselbe am Ende, das dann wieder operiert
[1:11:38] wird. Okay, verstehe. Genau, also dass man sozusagen nicht bleibt bei einer,
[1:11:43] ich meine, männlich oder weiblich ist auch eine Diagnose.
[1:11:46] Also da wird auch nur geguckt, was haben wir hier, check, check,
[1:11:49] check, das ist alles da, ja, muss wohl ein Mädchen sein. Also weiblich sein,
[1:11:52] muss wohl männlich sein, wenn das und das da ist.
[1:11:54] Das ist auch eine Diagnose. Also ich habe gegen diesen Diagnose-Aspekt eigentlich
[1:11:58] nichts, weil das ist halt eine technische Herangehensweise, eine Zuordnung.
[1:12:01] Aber dass man versucht, eine Zuordnung positiv zu besetzen, zu sagen,
[1:12:06] ja gut, das ist nur eine Zuordnung, das andere ist krank.
[1:12:09] Davon muss man weg. Und wenn man jetzt krank, aber zu dieser Zuordnung,
[1:12:13] zu dieser Schublade nicht mehr sagen darf, dann geben wir ihnen jetzt nur noch Krankheitsnamen.
[1:12:18] Und das ist halt hochgradig problematisch, weil das Symptom bleibt, die Gewalt bleibt.
[1:12:26] Unglückliche Kinder und Menschen bleiben und wir haben dieses Problem nicht
[1:12:30] gelöst. Aber es ist, wie gesagt, es gibt Bewegungen, es gibt ja,
[1:12:32] wie gesagt, diesen positiven dritten Geschlechtseintrag, der mit der Bezeichnung
[1:12:38] divers ein bisschen unglücklich ist, aber gut.
[1:12:40] Welche Bezeichnung würdest du dir wünschen? Statt divers?
[1:12:44] Ich glaube, ich bin die falsche Person, die man da fragt.
[1:12:47] Ich hätte wahrscheinlich einfach gesagt Inter, weil das heißt ja dazwischen.
[1:12:52] Stimmt. Aber gut, das ist jetzt nur Ein Begriff, was weiß der nicht,
[1:12:57] geht schon klar, wenn ja jeder weiß, was damit gemeint ist. Zumindest gibt es
[1:12:59] jetzt diese Kategorie, genau das. Naja, genau, darum geht es,
[1:13:03] dass es überhaupt eine Kategorie gibt, damit genau...
[1:13:06] Kinder wegen diesem Zuweisungs, diesen ersten zweiwöchigen Zuweisungspflicht,
[1:13:10] dass man die irgendwo zuweisen kann und zwar auch positiv.
[1:13:13] Dass man dann warten kann und das Kind irgendwann hoffentlich selbst entscheiden
[1:13:17] kann, was es sein möchte.
[1:13:19] Man kann den Eintrag auch freilassen als Eltern. Ganz wichtig,
[1:13:23] wenn man das Gefühl hat, ich möchte nicht, dass mein Kind eine positive Benennung
[1:13:28] hat, kann man das auch leer lassen.
[1:13:30] Das ist auch eine Option. Und jetzt zu deinem, man kann sich ja dann später
[1:13:35] entscheiden, man muss gar nichts entscheiden. Nee, man muss sich eigentlich
[1:13:37] auch gar nicht entscheiden, genau. Aber das ist ja auch eine Entscheidung,
[1:13:40] sich nicht zu entscheiden, ist ja auch eine Entscheidung.
[1:13:41] Richtig, genau. Ja, das stimmt. Aber unter Entscheidungen heißt es immer ja
[1:13:44] Mann oder Frau, was willst du denn so?
[1:13:47] Also Selbstbestimmung, darum ging es mir jetzt bei dem Punkt,
[1:13:49] dass nicht irgendwelche Ärzte entscheiden, das muss jetzt abgeschnitten werden.
[1:13:53] Wir haben ja ganz am Anfang über den Moment gesprochen, wo du halt mitbekommst,
[1:13:57] dass Sven Lehmann im Bundestag deine Geschichte erzählt hat,
[1:14:00] was du ja vorher gar nicht wusstest.
[1:14:02] Warum ist das für dich so ein wichtiger Moment?
[1:14:05] Ich habe mich ja immer außerhalb der Gesellschaft gefühlt und dass die Gesellschaft mich nicht sehen kann.
[1:14:11] Und ich habe mich davon verabschiedet, weil es mir auch leidbringt,
[1:14:14] der Gedanke, dass ich jemals da auf so ein gutes Miteinander komme.
[1:14:21] Also auf so eine Verständigung, auf so einen Austausch vielleicht oder auf so
[1:14:25] eine Ebene von, ah, jetzt sehen wir uns.
[1:14:28] Jetzt sieht der Staat mich und ich war so mega verletzt, weil das ist ja vom
[1:14:34] Staat, von der Politik durchgesetzt, systematisch, wie gesagt,
[1:14:37] ich wiederhole das noch,
[1:14:39] systematische, sexualisierte, medizinische Gewalt basierend auf Richtlinie,
[1:14:46] die eine politische ist.
[1:14:47] Das heißt, die Gesellschaft entscheidet sich dafür, das vorzugeben.
[1:14:51] Das heißt, die Gesellschaft will mich nicht. Die hat dafür gesorgt,
[1:14:55] die hat das auch bezahlt.
[1:14:57] Also wir alle haben bezahlt, dass Lin keinen Eierstock mehr hat,
[1:15:01] keinen Hoden mehr hat, keinen Penis mehr hat.
[1:15:04] Ja, und beziehungsweise alles gekürzt und unverändert haben wir alle bezahlt.
[1:15:09] So, und das nicht nur bei mir, sondern ganz vielen anderen Menschen.
[1:15:12] Ja, und das ist 2 Prozent, 1,8 bis 2 Prozent der Bevölkerung. Das sind 1,4.
[1:15:22] Millionen Menschen. Ja. und erzählt wurde.
[1:15:26] Und das hat mich unfassbar bewegt, weil es jetzt in der Dokumentation des Bundestags
[1:15:31] für immer deutsche Geschichte ist.
[1:15:34] Dass eine Geschichte einer intergeschlechtlichen Person benannt wurde mit all
[1:15:38] dem Leid, allem was da dran hängt, die ist jetzt verankert in der Bundesrepublik Deutschland.
[1:15:45] In den Archiven fällt mein Name.
[1:15:48] Und da Das hat mich versöhnt. Das hat mich, ich habe geheult.
[1:15:53] Es hat mich wirklich beruhigt. Ich habe einen ganz tiefen Frieden damit gehabt.
[1:15:58] Und da bin ich sehr dankbar für.
[1:16:01] Nur für mein persönliches Wohlbefinden ist das enorm entlasten,
[1:16:06] dass ich das erleben durfte.
[1:16:09] Das wäre jetzt eigentlich schon das perfekte Schlusswort. Aber ich habe ja in
[1:16:12] meinem Podcast immer zwei Abschlussfragen.
[1:16:15] Die erste schließt aber nahtlos daran an, Wenn du nämlich heute auf diesen einen
[1:16:19] Moment zurückblickst, also den Moment im Auto im Finnland, wo du diesen Link
[1:16:23] da klickst und siehst, dass im Bundestag über dich gesprochen wird,
[1:16:26] welches Gefühl löst es heute in dir aus?
[1:16:29] Zufriedenheit oder Frieden. Ich habe für mich immer nur dieses,
[1:16:34] okay, ich möchte irgendwie Menschen erreichen und wenn ich nur eine Person erreiche,
[1:16:37] die das dann checkt oder besser checkt, sich einfühlen kann,
[1:16:41] das ist schon alles wert.
[1:16:43] Ja, das ist schon richtig. Da bin ich dann dankbar. Und ich weiß nicht,
[1:16:47] ob man im Bundestag viele Leute erreicht.
[1:16:50] Das ist die andere. Aber zumindest, wie du schon gesagt hast,
[1:16:52] du bist jetzt für immer festgehalten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
[1:16:57] steht jetzt drin, es gibt Intermenschen. Ja, genau.
[1:17:01] Und wir stehen da und es ist, glaube ich, wichtig zu begreifen,
[1:17:07] auch für Eltern zu begreifen, für Betroffene zu begreifen und für alle anderen.
[1:17:13] Dass Intersein nicht leicht ist oder auch sehr belastet und sehr schwierig,
[1:17:19] aber es ist auch nicht so, wie man sich schämen müsste, ganz im Gegenteil. Ja, Frage Nummer zwei.
[1:17:27] Wie war das für dich heute mit mir über deine Geschichte zu sprechen?
[1:17:32] Ich finde deine Art sehr angenehm und für mich ist es ja immer interessant,
[1:17:39] in einem Interview zu gucken, welche Aspekte, welche Schwerpunkte und es kommt
[1:17:45] ja immer irgendwie ein bisschen was anderes bei rum.
[1:17:47] Also man berührt immer eine andere Stelle ein bisschen und ich glaube,
[1:17:52] es ist ja auch schön, in einem Podcast-Format ein bisschen Zeit zu haben.
[1:17:55] Deswegen so ein bisschen das zu füllen, das ist schon sehr angenehm.
[1:17:58] Vielen Dank dir. Auch, dass du dieses Thema überhaupt hier an deine Community
[1:18:04] herantragen möchtest, das ist schon, vielen Dank.
[1:18:08] Sehr, sehr gerne. Und ich mache es ja auch für die Community,
[1:18:11] aber auch für mich, weil ich finde es wahnsinnig spannend.
[1:18:13] Und ich muss ehrlicherweise sagen, ich wusste natürlich, dass es Intergeschlechtlichkeit
[1:18:16] gibt, aber ich kann mich nicht daran erinnern, wissend mal mit einem Intermenschen
[1:18:20] so lange gesprochen zu haben. Und das war auch für mich so, so spannend.
[1:18:24] Deswegen danke für deine Offenheit und für deine Ehrlichkeit.
[1:18:27] Ja, sehr gerne, sehr gerne. Vielen Dank für die Einladung.
[1:18:34] Also ich muss sagen, die Geschichte von Lynn hat in mir ziemlich viel ausgelöst.
[1:18:38] Erstmal Entsetzen, Wut, aber auch ganz viel Mitgefühl für alles,
[1:18:43] was Lynn bis zum jungen Erwachsenenalter erleben musste.
[1:18:46] Dann aber auch total schön diese Hoffnung und die Zuversicht,
[1:18:50] weil es für Lynn ein Happy End gab und weil genau solche Gespräche hoffentlich
[1:18:54] dabei helfen, Intergeschlechtlichkeit zu enttabuisieren,
[1:18:57] und anderen Intermenschen zu zeigen, ihr seid gut, genauso wie ihr seid.
[1:19:02] Hier geht es wie gewohnt in zwei Wochen weiter mit der nächsten Folge.
[1:19:05] Und ich will eine Sache noch mal kurz loswerden. Ich freue mich sehr,
[1:19:09] sehr, sehr über eure lieben Kommentare und Nachrichten zu unserer ersten Folge nach der Sommerpause.
[1:19:14] Das bedeutet mir wirklich viel. Es ist total schön zu wissen,
[1:19:17] dass so viele von euch darauf hingefiebert haben, dass es endlich weitergeht.
[1:19:21] In diesem Sinne, bis in zwei Wochen. Tschüss.
[1:19:32] Philipp Fleiter ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMind.

Shows are listed from Apple Podcasts' charts and directory, and Podcast Index where it is used. Every show and episode belongs to its publisher and plays from the publisher's own feed; this site hosts none of them.
