# "Der lange Weg aus der Wettsucht" mit Thomas Melchior

An episode of [Dieser eine Moment – Der Podcast mit Philipp Fleiter](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1754096105), 12 Jul 2026, 1 h 33 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1806-dieser-eine-moment-der-podcast-mit-philipp-fleiter/248906-spielsucht-mit-thomas.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69aaf1da6ba1a&awEpisodeId=248906

Unser Werbepartner für diese Folge ist die DEVK Altersvorsorge. Du willst noch mehr fürs Alter tun? Dann lass dich jetzt persönlich zur Altersvorsorge bei der DEVK beraten! https://www.devk.de/altersvorsorge 2005 setzt Thomas seine erste Sportwette. Einsatz: 10 Euro. Gewinn: 1 Euro — plus 10%! Ein scheinbar harmloser Moment – aber auch der Beginn seines Absturzes. Aus dem erfolgreichen Bankkaufmann wird ein Mann, der immer tiefer in die Spielsucht gerät. Er verliert seinen Beruf, Freunde und Familie. Was folgt, sind Lügen, Beschaffungskriminalität, eine Flucht vor dem Gefängnis und der Gefühl, dass es keinen anderen Ausweg gibt. Bis zu einem Tag in einem Elektronikmarkt – und dem Moment, in dem Handschellen klicken. In dieser Folge erzählt Thomas, wie das Wetten ihn kaputt gemacht und seine schlechtesten Seiten hervorgebracht haben, wie ihn die Mechanismen der Wettanbieter immer tiefer in die Sucht gezogen haben und weshalb seine Verhaftung am Ende seine Rettung wurde. Ihr findet Thomas auf Instagram @sportwettensheriff Hier gehts zu Thomas' Buch: https://shop.delius-klasing.de/im-kampf-gegen-spielsucht-und-wettmafia-p-2004084/ Glücksspielsucht ist eine Krankheit, für die es professionelle, kostenlose und anonyme Hilfe gibt. Wenn du betroffen bist, hol die dir Unterstützung! Hier sind die wichtigsten Anlaufstellen: Sofort-Schutz: Die bundesweite OASIS-Sperre blockiert dich für Spielhallen und Online-Casinos Telefon-Hotline (BZgA) 0800 1 37 27 00 (Kostenlos & anonym) Online-Hilfe auf Check-dein-spiel.de / Playchange.de Vor Ort: Suchberatungsstellen & Anonyme Spieler Bleib auf dem Laufenden über Philipp und "Dieser eine Moment" auf instagram: @philippfleiter und @gutegefuehle_wemynd Du möchtest mehr über unsere Werbepartner*innen erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte: https://linktr.ee/DEM.diesereinemoment Dieser Podcast ist eine Produktion von Philipp Fleiter und WeMynd. Neue Folgen alle 14 Tage montags - überall wo es Podcasts gibt. Redaktion: Philipp Fleiter und Laila Keuthage | Produktion: WeMynd"

## Transcript

[0:02] Da ist mir auch mal bewusst geworden, Thomas, wo hast du denn dein Leben gerade hingeführt?
[0:06] Du hast Abitur, du bist Bankkaufmann, du hast alles und 13 Jahre später sitzt du jetzt hier im,
[0:14] Nieselregen, im Schneeregen, irgendwo in einem Hinterhof, versteckst dich vor
[0:19] der Polizei, deine Rose ist vollgeschissen und du weißt nicht mehr wohin.
[0:28] Manchmal sind es nur ganz kurze Momente, die ein Leben komplett verändern können.
[0:34] Ein Augenblick, eine Entscheidung, ein Ereignis, ein Wimpernschlag und danach ist alles anders.
[0:42] Ich bin Philipp Leiter und ich treffe in diesem Podcast Menschen,
[0:46] um mit Ihnen genau über diesen einen Moment zu sprechen, der Ihr Leben für immer verändert hat.
[0:53] Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge dieser Eine Moment mit einer Frage an euch.
[0:59] Wann habt ihr zuletzt Werbung für Sportwetten gesehen?
[1:03] Wahrscheinlich ist das nicht so lang her, denn gerade jetzt zur Fußball-WM sind
[1:07] die Anbieter überall im Fernsehen. Auf den Trikots von Fußballmannschaften,
[1:11] auf riesigen Plakaten in der Innenstadt. Ja, wirklich überall.
[1:15] Teilweise werben auch Profisportler dafür, wie zum Beispiel früher Olli Kahn.
[1:20] Geld verdienen mit Sportwissen. Das ist das Versprechen der Anbieter,
[1:25] aber was das mit einem Menschenleben anrichten kann, das erzählt uns heute Thomas
[1:29] Melchow. Vielleicht kennt ihr ihn unter seinem Pseudonym Sportwettensheriff.
[1:34] Thomas ist heute Ende 40 und hat im Jahr 2005 seine erste Sportwette platziert mit heftigen Folgen.
[1:44] Hallo Thomas. Hallo Philipp. Ja, der Moment, über den wir heute sprechen, der passiert am 18.
[1:50] Januar 2019. Du bist in einem Elektromarkt, schaust, ob du irgendwie betrügen
[1:56] oder irgendwie anders Geld machen kannst in diesem Markt, findest keinen Weg
[2:00] und willst gerade wieder gehen,
[2:02] aber dann wirst du auf dem Weg nach draußen aufgehalten. Von wem?
[2:07] Es ist gut, dass ich aufgehalten wurde. Es ist gut, dass ich dort nichts mehr
[2:12] machen konnte. Und dieser Tag, dieser 18.
[2:16] Januar 2019 war das Ende einer mehr als 13-jährigen Achterbahnfahrt.
[2:23] Ist fast schon zu gut, weil das suggeriert, dass es auch sehr nach oben geht.
[2:27] Ich glaube, das war eher ein Sturzflug gewesen. Und der 18. Januar 2019 war
[2:34] dann eher so der Crash zum Schluss. Und das war auch gut.
[2:37] Und aufgehalten hat mich ein Ladendetektiv eines bekannten Elektronikmarktes.
[2:43] Und der hat im Prinzip dafür gesorgt, dass eben diese 13 Jahre dann an dem Tag ihr Ende fanden.
[2:54] Das wusste er aber natürlich nicht und ich wusste es vorher auch nicht,
[2:57] aber im Nachhinein bin ich sehr dankbar, dass es so gekommen ist.
[3:00] Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat er dich aufgehalten,
[3:03] weil er dich wiedererkannt hat vom Tag zuvor, glaube ich, ne?
[3:06] Richtig, einen Tag vorher war ich
[3:09] dort gewesen und habe einen Staubsauger umgetauscht, ohne ihn zu haben.
[3:14] Also das klingt jetzt schon mal abenteuerlich, aber ich bin da reingegangen und.
[3:19] Wollte an Geld kommen, um weiter wetten zu können und hatte die wahnwitzige
[3:25] Idee, den Staubsauger umzutauschen, den ich wenige Tage zuvor für meine damalige
[3:30] Freundin gekauft habe, weil sie sich den gewünscht hat.
[3:33] Und damit sie den nicht sieht, habe ich den bei ihrer Mama gelagert und bin,
[3:39] praktisch in diesen Laden rein, ohne den Staubsauger zu haben.
[3:42] Ich habe mich zu dem Zeitpunkt dann schon auf der Flucht befunden.
[3:46] Ich glaube, wir kommen dann gleich noch dazu, warum und weshalb.
[3:48] Hatte also keinen Kontakt mehr zu denen gehabt, in dem Moment hatte kein Handy,
[3:52] kein nichts, kein Null und kein Geld und dachte mir
[3:55] was machst du, tausch diesen Staubsauger um, ohne ihn zu haben,
[3:57] bin in den Elektronikmarkt reingegangen, ohne Staubsauger, bin zu dem Stapel
[4:01] mit den Staubsaugern gegangen, von dem ich den,
[4:04] ein paar Tage vorher auch gekauft habe,
[4:07] hab mir wieder einen Staubsauger runtergenommen, bin zur Verkäuferin gegangen,
[4:10] hab gesagt hallo Frau, so und so, sie kennen mich doch noch,
[4:13] ich hab diesen Staubsauger gekauft und Jetzt haben wir den versehentlich doppelt gekauft.
[4:19] Kann ich den wieder zurückgeben? Er ist noch zu. So, klar, weil er lag ja da
[4:23] eben noch auf dem Stapel. Ja, und dann erkannte sie mich und hat mir gesagt,
[4:26] ja, dann brauche ich ihren Kassenzettel.
[4:28] Ja, den hatte ich nicht. Den hatte auch meine Schwiegermama.
[4:31] Also ich hatte weder Staubsauger noch Kassenzettel.
[4:34] Und dann habe ich gesagt, habe ich nicht, aber sie wissen ja,
[4:36] dass ich gekauft habe, ich kann ihnen genau das Datum nennen und dann sind wir
[4:39] in den Computer gegangen, ich habe ihr das Datum genannt, das hat ziemlich genau
[4:42] gestimmt von der Uhrzeit auch her und.
[4:46] Dann ist sie hier zu ihrem Vorgesetzten gegangen und hat einen Ersatzkaufbeleg
[4:51] sich ausstellen lassen und kam dann fünf Minuten später mit diesem Beleg wieder zurück.
[4:55] Ich habe den Staubsauger auf den gleichen Stapel wieder zurückgelegt und bin
[4:59] dann mit diesem Ersatzkaufbeleg runter an die Kasse, habe mir 599 Euro auszahlen
[5:04] lassen und bin aus diesem Markt genauso,
[5:08] rausgegangen, wie ich reingekommen bin, nur halt mit 599 Euro mehr.
[5:12] Ja, ganz wichtig Philipp, für alle die jetzt hier zuhören,
[5:16] das ist eine Straftat und das ist in keiner Weise in irgendeiner Form gut zu
[5:21] heißen oder was auch immer und schon gar nicht nachmachen und ja,
[5:25] diese Situation hat dazu geführt, dass ich am nächsten Tag erkannt wurde.
[5:30] Ich mache gleich mal weiter, weil an dem gleichen Tag, wo ich den Staubsauger
[5:33] umgetauscht habe, kam meine damalige Freundin mit ihrer Mutter mit dem richtigen
[5:38] Staubsauger in den Markt und wollten den wirklich umtauschen.
[5:41] Ja, und dann waren die natürlich verdutzt, als sie gehört haben,
[5:44] der wurde schon umgetauscht und haben gesagt, das kann ja nicht sein,
[5:47] wir haben einen Staubsauger, wir haben einen Kassenzettel.
[5:49] Ja, und dann hat der Ladendetektiv da mal einen Blick auf die Überwachungskameras geworfen und,
[5:55] ja, da war relativ schnell klar, wer das war und dann gab es einen Namen,
[5:59] da gab es ein Gesicht dazu und ja, davon wusste ich allerdings nichts und bin
[6:02] am nächsten Tag wieder in diesen Laden rein und das war natürlich.
[6:06] Für ihn ein gefundenes Fressen und für mich tatsächlich dann auch ein sehr glücklicher
[6:10] Umstand, dass ich dort aufgehalten wurde.
[6:13] Und der Ladendetektiv hat dich erkannt, der wusste, okay, der will hier nicht
[6:17] was kaufen, der will irgendwie was abziehen, der will betrügen und der ruft
[6:20] dann die Polizei und die Polizei wird direkt hellhörig.
[6:24] Als sie dann checken, wer du bist, weil gegen dich läuft zu dem Zeitpunkt ein Haftbefehl.
[6:30] Warum? Der Haftbefehl war draußen seit ca.
[6:34] Einem halben Jahr und wegen verschiedener,
[6:40] Taten, die ich damals begangen habe, also klassische Beschaffungskriminalität,
[6:44] Betrug, Unterschlagung, Diebstahl,
[6:47] und ich wurde mehrfach vorher verurteilt eben wegen diesen Verfehlungen und
[6:54] zu Bewährungsstrafen verurteilt und ja dann irgendwann hat der Richter halt
[6:58] mal gesagt, ja wenn der Thomas das halt nicht lernt, dann wird das nicht verurteilt.
[7:01] Was bleibt uns denn noch anderes übrig?
[7:03] So nett der vielleicht scheinen mag, wenn er da vor Gericht sitzt,
[7:05] aber dann müssen wir ihn dann halt ins Gefängnis schicken.
[7:08] Und dann war der Haftbefehl draußen und ich hatte eben meine damalige Freundin
[7:13] kurz vorher kennengelernt, die
[7:14] hatte davon überhaupt gar keine Ahnung gehabt. Ich habe bei ihr gewohnt,
[7:18] Habe mich nicht angemeldet, sonst hätte mich die Polizei ja sofort gefunden.
[7:23] Ja und habe da ungefähr ein halbes Jahr mit ihr zusammen gewohnt,
[7:27] mit einem offenen Haftbefehl und musste so tun, als gäbe es den nicht.
[7:32] Und das war, ja, ich glaube für alle Beteiligten eine sehr, sehr unschöne Situation.
[7:40] Ich war irgendwie ständig.
[7:44] Ja, hatte Angst verhaftet zu werden. und die anderen wussten von nix,
[7:48] dachten sich, warum verhält der sich so komisch und dann bin ich am gleichen
[7:52] Tag noch in die JVA Dresden eingeliefert worden.
[7:55] Jetzt hast du dich da schon vorher länger versteckt oder hast mit der Angst
[7:59] gelebt, dass du festgenommen werden könntest und dann passiert es dir wirklich.
[8:03] Wie fühlst du dich denn in dem Moment? Ich glaube, auf diesen Moment kann man
[8:07] sich nicht vorbereiten.
[8:09] Zumindest nicht, wenn man ihn das erste Mal erlebt und das war bei mir so gewesen.
[8:15] Und ja, zum Glück auch das letzte Mal.
[8:18] Und da ist etwas sehr Ungewöhnliches passiert. Als mir die Handschellen angelegt
[8:22] wurden, das war so ein Moment, vor dem ich mich wirklich sehr,
[8:25] sehr lange gefürchtet habe, da war so der erste Moment, in dem ich mich dann
[8:29] wieder freigefühlt habe, als es geklickt hat.
[8:32] Als die Handschellen geklickt haben, wusste ich, okay, plötzlich ist die ganze
[8:35] Last von mir abgefallen und ich habe, also ich habe mich plötzlich wieder freigefühlt.
[8:41] Also seit meiner ersten Wette, 13 Jahre zuvor, habe ich mich wieder frei gefühlt
[8:46] und das war ein ein Gefühl, was ich so vorher.
[8:51] Also zumindest nicht erwartet habe. Also ich habe die Spielsucht überlebt.
[8:56] Das war nicht immer ganz selbstverständlich.
[8:58] Und plötzlich habe ich auch gespürt, okay, die Situation ist maximal schlecht.
[9:02] Ich bin zu Recht jetzt festgenommen worden, aber ich habe eine Chance gesehen,
[9:08] dort wieder rauszukommen und da etwas zu machen.
[9:11] Wir kommen natürlich gleich nochmal ganz ausführlich zu dem Teil.
[9:15] Lass uns ein bisschen zurückgehen, also um zu verstehen, auch wie du in dieser
[9:18] Situation landest. Wir gehen jetzt mal so ein paar Jahrzehnte sogar zurück.
[9:22] Du wirst 1978 in der damaligen DDR geboren, wächst in einer Kleinstadt zwischen
[9:27] Görlitz und Bautzen auf.
[9:29] Wie verbringst du deine Kindheit? Was machst du so als Kind den ganzen Tag? Sport.
[9:35] Um es mal vorsichtig zu formulieren. Also ich muss sagen, ich bin sehr froh,
[9:40] dass meine Kindheit grundsätzlich wirklich sehr behütet ablief.
[9:45] Also wir waren in unserer Nachbarschaft wirklich, ich weiß gar nicht,
[9:49] wie viele Kinder wir waren, im gleichen Alter. Fünf, sechs, sieben,
[9:51] acht Kinder. Alle im gleichen Alter, alle in der gleichen Schule.
[9:55] Und wir haben unsere ganze Kindheit draußen verbracht. Und das ist,
[9:58] glaube ich, gerade heutzutage in unserem elektronischen Zeithalter ein sehr
[10:03] großes Privileg, glaube ich. Also zumindest nehme ich es so wahr.
[10:08] Und ich war ein Straßenfußballer gewesen, so wie man sich das vorstellt.
[10:15] Das Problem war, dass ich in der Leichtathletik noch besser war als im Fußball.
[10:22] Und dann wurde mir praktisch von der Schule damals...
[10:27] Aufdiktiert, also ich durfte nicht zum Fußball, sondern ich musste in die Leichtathletik.
[10:32] Ich habe von Montag bis Freitag jeden Tag nach der Schule Training gehabt,
[10:36] habe Sport gemacht und mir hat das wahnsinnig viel Spaß gemacht.
[10:39] Also ich fand das toll und am Wochenende hatte ich Wettkämpfe gehabt und deswegen
[10:45] war mein Tagesablauf sehr von Sport,
[10:49] Sport bestimmt, Freunde, also all sowas und so glaube ich, ließ sich das als Kind in der DDR,
[10:57] also ich war elf, als die Mauer fiel, ließ sich das tatsächlich sehr gut aushalten
[11:02] tatsächlich, weil was es bei uns zum Beispiel nicht gab, war Neid,
[11:06] weil wir alle das Gleiche hatten, das war nicht sehr viel.
[11:09] Also es gab jetzt nicht irgendwelche finanziellen Unterschiede,
[11:12] die gab es einfach nicht, weil alle hatten das Gleiche und ja,
[11:16] ich glaube, die Kugel Eis hat, glaube ich, 20 Pfennig gekostet.
[11:20] Und der Eintritt ins Freibad, glaube ich, auch 20 Pfennig.
[11:23] Also das sind so die Probleme, die man vielleicht heutzutage manchmal hat,
[11:26] seinen Lebensunterhalt zu bestreiten mit Kindern, das hatten wir damals nicht
[11:29] und das hat es sehr einfach gemacht und mit der ganzen politischen Situation,
[11:35] ich bin so aufgewachsen, ich habe es nicht mitbekommen, ja wir durften nirgendwo
[11:38] hinreisen, vielleicht maximal das größte der Gefühle war glaube ich bei uns
[11:41] damals mal Tschechien und.
[11:46] Ja ansonsten war ich an der Ostsee im Urlaub oder was auch immer,
[11:49] aber also zum damaligen Zeitpunkt hat mir nichts,
[11:53] Ja, du warst natürlich auch noch ein Kind, also du hast wahrscheinlich viele
[11:56] Sachen gar nicht verstehen können zu dem Zeitpunkt, was da politisch passiert ist zum Beispiel.
[12:01] Richtig. Wir haben jetzt noch gar nicht über deine Eltern gesprochen.
[12:04] Wie ist dein Verhältnis zu deinen Eltern?
[12:06] Ja, das ist vielleicht der Knackpunkt in der Geschichte.
[12:10] Also meine Mama ist Ärztin damals gewesen. Mein Papa hat was mit Bau gemacht.
[12:16] Und das Verhältnis zu den Eltern war, zumindest zu meinem Papa,
[12:23] sehr schwierig gewesen, würde ich mal sagen.
[12:25] Also auch das Verhältnis zwischen Mutter und Vater war, glaube ich,
[12:30] nicht immer ganz einfach.
[12:31] Also mein Papa war sehr jähzornig gewesen. Ich glaube, meine Mama hat da auch,
[12:35] sehr drunter gelitten und ich bin nicht mit Liebe groß geworden,
[12:42] würde ich mal formulieren.
[12:44] Zumindest habe ich es nicht so gespürt oder empfunden, weil ich habe meine Eltern
[12:48] zum Beispiel nie sich küssen sehen und die waren zusammen immer wie Hund und Katze.
[12:51] Also es war so ein ständiges Streiten und ich als Kind stand dort dazwischen,
[12:58] habe versucht so ein bisschen für gute Laune zu sorgen und habe da glaube ich
[13:03] ganz viel in mich reingefressen.
[13:05] Ja, und wenn es irgendwie ganz extrem wurde, dann hat mein Papa damals mich geschlagen.
[13:12] Und das kam jetzt nicht so selten vor tatsächlich.
[13:18] Aber auch das war mir als Kind damals nicht bewusst gewesen,
[13:20] weil, und das ist auch verrückt, Philipp, das war irgendwie in unserer Nachbarschaft so...
[13:27] Normal. Also das immer mal wieder, dann heult mal der, dann heult mal der,
[13:33] dann rastet da mal wieder einer aus.
[13:34] Ich kann das gar nicht erklären, sowas gibt es heute gar nicht mehr.
[13:37] Aber irgendwie dachte ich mir, naja gut, okay, also wenn alle da irgendwie eins
[13:41] auf die Fresse kriegen, dann ist das halt einfach so, vielleicht gehört das
[13:45] mit dazu. Aber jetzt im Nachhinein weiß ich, es gehört überhaupt nicht mit dazu und.
[13:52] Was geht in dem Kopf vor, wenn man sein eigenes Kind schlägt und es gab eine
[13:56] Situation, da hat mein Papa mich wirklich mit einem Gürtel verprügelt.
[14:01] Verprügelt. Ich lag im Badezimmer auf dem Boden und meine Mutter kam dann nach
[14:06] oben, war auch ganz panisch und hat noch gesagt, ja Norbert,
[14:10] also mein Papa hieß so Norbert hör auf, du schlägst den Thomas tot.
[14:14] Und das sind so Sachen, die sind so ein bisschen in mein, also die wurden so
[14:18] ein bisschen in mein Gedächtnis geprügelt, diese Momente und die sind.
[14:23] Kommen immer wieder mal hoch, jetzt wo wir gerade drüber reden,
[14:25] natürlich auch und das ist sehr faszinierend, obwohl es ja schon Jahrzehnte
[14:28] her ist und Und das hat die Beziehung,
[14:31] insbesondere zu meinem Papa negativ beeinflusst, auf alle Fälle, ja.
[14:37] Gibt es denn auch Menschen aus deiner Familie, die dir Liebe geben und die dir Wärme geben?
[14:43] Ja, ganz klar Oma. Also Mama natürlich auch, aber die war damals sehr hilflos gewesen.
[14:47] Aber meine Oma, mütterlicherseits, also ich habe glaube ich auch einen Großteil meiner Kindheit dann,
[14:54] Bei meiner Oma verbracht. Die wohnte nicht weit weg von uns.
[14:56] Ich war da mal zum Mittagessen gewesen und nach der Schule und Oma war irgendwie immer für mich da.
[15:01] Also Oma und Opa. Und die haben auch dann später noch in der schwierigen Zeit
[15:07] immer zu mir gehalten, waren immer loyal, obwohl sie auch sehr viel Geld verloren haben durch mich.
[15:12] Aber Oma und Opa, die waren immer irgendwie weit, weit über allem gewesen. Ja, auf alle Fälle.
[15:19] Das kenne ich auch. Omas sind einfach oft die Besten, muss man mal.
[15:23] Oma ist unbezahlbar, wirklich. Ja, das stimmt.
[15:27] Nach der Schule zieht es dich dann nach München. Ich glaube September 2000 der
[15:31] Umzug. Was machst du in München?
[15:33] Ich gehe mal zwei Jahre zurück oder fast schon drei.
[15:37] 97 habe ich Abitur gemacht und stand dann plötzlich vor der Herausforderung,
[15:40] was mache ich jetzt eigentlich mit meinem Abi?
[15:43] Und damals, ich weiß gar nicht, ob es das heute wieder gibt,
[15:46] Wir haben damals Zivildienst gehabt, also entweder Armee oder Zivildienst.
[15:50] Und ich habe mich damals für den Zivildienst entschieden und habe den bei uns
[15:54] im örtlichen Krankenhaus gemacht, 13 Monate lang, total tolle Zeit.
[15:58] Also wirklich sensationell.
[16:01] Ja, und da war aber der Zivildienst vorbei. Und ja, was machst du dann?
[16:05] Medizinstudium war meine Note, glaube ich, zu schlecht. Ich hatte 2,7 im Abitur.
[16:10] Also das ging nicht einfach so.
[16:12] Und dann war meine Vision, woher auch immer die kam, ich studiere Jura,
[16:18] also Rechtswissenschaft.
[16:19] Das habe ich dann zwei Semester gemacht in Dresden. Ich habe festgestellt,
[16:22] das ist einfach wahnsinnig trocken. Also für mich jetzt persönlich.
[16:27] Ja, und dann habe ich das Jurastudium abgebrochen und hatte dann die nächste
[16:30] Vision, dass ich Bankkaufmann werde und habe mich wirklich ausschließlich nur
[16:35] bei Banken in München beworben.
[16:37] Meine erste Bewerbung, die war bei der Stadtsparkasse München,
[16:39] die hat auch gleich funktioniert.
[16:41] Und dann bin ich daraufhin im September 2000 nach München gezogen und das ist
[16:49] schon ein großer Sprung aus einem, ich würde mal sagen, 10.000 Einwohner Städtchen
[16:53] in so einer Millionenstadt.
[16:56] Das war erstmal sportlich. Aber ich höre raus, dir hat es auch gut gefallen
[17:02] in München, oder? München super.
[17:04] Also ich muss sagen, ich habe dort sehr schnell hinzugelernt und habe mich dort
[17:10] auch nochmal von der Entwicklung her einen riesengroßen Schritt gemacht, weit weg von zu Hause.
[17:17] Bin auch super klar gekommen mit den Kollegen, die Arbeit hat mir Spaß gemacht.
[17:23] Und deswegen bin ich froh, diese Entscheidung da mit München damals so getroffen zu haben.
[17:27] Fußball spielt weiter eine Rolle in deinem Leben. Du spielst so amateurmäßig
[17:31] noch ein bisschen Fußball in der Zeit, bist auch Fußballfan.
[17:34] Und dann passiert etwas, was dein Leben in eine ganz andere Richtung lenken wird.
[17:40] Du hast es so ein bisschen mit Sturzflug, glaube ich, verglichen am Anfang.
[17:44] Und das ist am 22. November 2005.
[17:46] Du schaust dir ein Champions-League-Spiel an und siehst in der Werbepause eine
[17:51] Werbung, die dein Leben so ein bisschen auf den Kopf stellen wird.
[17:55] Also das ist eigentlich der zweite, dieser eine Moment innerhalb dieser Folge.
[17:59] Also diese beiden Daten sind, glaube ich, so die ganz entscheidenden.
[18:02] Philipp, ich komme trotzdem noch mal ganz kurz ein bisschen zurück zu dem Thema
[18:06] München. München hat so gut funktioniert, dass meine Eltern das so toll fanden,
[18:11] wie es da läuft. Dann haben sie meinen Bruder gleich noch hinterher geschickt.
[18:14] Und der hat eine Ausbildung gemacht bei der Dresdner Bank und dann haben wir
[18:18] zusammen gewohnt seit dem Jahr 2004 und das muss man glaube ich innerhalb dieser
[18:22] Story schon noch erwähnen, weil das für dann den 22.
[18:27] November 2005 wichtig ist, weil da habe ich nämlich mit Stefan,
[18:31] mit meinem Bruder vor dem Fernseher gesessen zu Hause und wir haben damals Premiere
[18:36] geschaut, also gibt es ja heute nicht mehr. Die Älteren erinnern sich.
[18:39] Ja, genau, richtig so. Und da lief genau unter Halbzeitpause des Spiels FC Bayern
[18:46] München gegen SK Rapid Wien plötzlich eine Werbung für Bad and Win damals noch.
[18:52] Und das war zu der damaligen Zeit noch ein absolutes Novum, weil Sportwetten
[18:59] waren irgendwie nicht so wirklich ein Thema, also schon gar keine Sportwettenwerbung.
[19:04] Und deswegen fand ich die Werbung interessant, weil ich ja natürlich einen sehr
[19:11] großen sportlichen Hintergrund habe und damals wie heute, und das ist das Entscheidende,
[19:16] wird und wurde suggeriert.
[19:18] Dass du mit Sportwissen ganz einfach Geld verdienen kannst. So,
[19:22] und Sportwissen hatte ich und habe ich nach wie vor dazu als Bankkaufmann schon
[19:27] noch ein gewisses Zahlenverständnis.
[19:31] Und das war ja für mich die perfekte Mischung. Und deswegen dachte ich mir,
[19:37] ja, Thomas, super, das probieren wir einfach mal aus.
[19:40] Und deswegen habe ich mich damals bei meinem Bruder ins Zimmer gesetzt,
[19:44] nebenan an den Computer.
[19:45] Wir mussten ja noch an den Computer. Ja, also wir reden ja vom Jahr 2005.
[19:48] Also ich hätte damals ein Nokia-Handy, damit konnte ich telefonieren,
[19:52] SMS schreiben und Snake spielen, dafür hielt der Akku 14 Tage, ja. Das stimmt.
[19:57] Mehr ging aber auch nicht und deswegen musste ich an den Computer,
[20:00] hab da ein Konto eröffnet bei Bad & Win, hab 10 Euro eingezahlt und hab da irgendwas
[20:05] platziert auf dieses Spiel, weil,
[20:08] plötzlich war da eine Welt aus Zahlen vor mir, also da hatte ich gar keine Ahnung.
[20:13] So, dann habe ich eine Wette platziert und habe mich wieder zurückgesetzt vor
[20:16] den Fernseher und das Spiel ging dann zum Schluss 4 zu 0 aus und ich war gespannt,
[20:22] ob ich das, was ich da getippt habe, eine Handicap-Wette, ob die richtig war.
[20:27] Und dann habe ich den Computer wieder angeschaltet und siehe da,
[20:30] aus den 10 Euro sind unfassbare, Philipp, 11 Euro geworden.
[20:36] Also ich habe genau einen Euro gewonnen und dieser eine Euro,
[20:39] der uns jetzt vielleicht so ein bisschen zu vernachlässigen scheint,
[20:44] der hat dazu geführt, dass ab diesem Tag, ab diesem einen Moment bis zu dem
[20:50] nächsten, diesem einen Moment alles anders wurde.
[20:54] Ein Euro, hast du gerade schon gesagt, klingt jetzt nicht nach wahnsinnig viel
[20:57] Geld, aber warum fixt dich das so an, dass du denkst, ey, damit will ich weitermachen?
[21:03] Das ist sehr einfach zu erklären, weil für mich als jemand, der damals als Bankkaufmann
[21:08] tätig war, war das ja nicht nur ein Euro, sondern für mich waren es einfach
[21:13] mal 10% Rendite in 45 Minuten.
[21:16] Und da hat bei mir der Schalter am Kopf Klick gemacht, weil ich mir dachte,
[21:19] ja Moment mal, also ich bin ja absoluter Amateur, ich bin Laie im Thema Wetten.
[21:24] Ich weiß zwar nicht, worauf ich gerade gewettet habe, aber was ich weiß,
[21:26] ist, dass ich gerade in 45 Minuten insgesamt 10% Rendite gemacht habe.
[21:32] Und was wäre denn gewesen, wenn ich nicht 10 Euro gesetzt hätte,
[21:35] sondern 100? Oder wenn ich nicht 100 gesetzt hätte, sondern 1000?
[21:38] Und da dachte ich mir, also jetzt wird es aber mal dringend Zeit,
[21:43] dass du dich näher mit dem Thema beschäftigst, weil,
[21:45] in meiner Arbeit habe ich tagtäglich meinen Kunden Sparanlagen,
[21:51] Sparprodukte verkauft mit Verzindungen von so 3, 4, 5 Prozent pro Jahr.
[21:56] So, und ich, als jemand, der wirklich erstmal da ein Einsteiger ist in diese
[22:01] Sportwettenwelt, mache 10% Rendite und da dachte ich mir, boah.
[22:07] Das ist doch genau mein Ding, auf geht's. Ich muss dazu sagen,
[22:09] Philipp, ich war zu der damaligen Zeit, ich war überhaupt nicht suchterfahren
[22:14] gewesen. Also, Rauchen ist kein Thema, Alkohol ist kein Thema und ich habe noch
[22:18] nie in meinem Leben Drogen genommen.
[22:20] So, und ich habe früher mal meine Freunde gesehen, wie sie vor diesen Spielautomaten
[22:25] saßen und da die D-Mark noch reingeschossen haben.
[22:28] Das hat für mich aber keinen Sinn ergeben, weil das sind ja Automaten,
[22:31] die dazu gemacht sind, um mir das Geld aus der Tasche zu ziehen.
[22:33] Und deswegen hat mich das nicht gereizt.
[22:36] Beim Thema Sportwetten ist es anders gewesen, weil da eben der Glaube da ist,
[22:43] dass du eben das durch dein eigenes Wissen beeinflussen kannst.
[22:46] Und das ist der große Unterschied. Du spielst ja nicht gegen eine Maschine,
[22:50] aber du denkst, dass du mit deinem Wissen, da kann eigentlich nichts schief
[22:54] gehen. Ich glaube, wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß,
[22:57] hätte ich meine erste Wette nicht gesetzt.
[22:59] Es fühlt sich wahrscheinlich nicht so an wie Glücksspiel. Das ist ja das,
[23:02] was du gerade gesagt hast. im Gegensatz zu diesen Leuten in einer Kneipe,
[23:05] die da irgendwie am Automaten sitzen und noch einen Euro, noch einen Euro da
[23:08] reinschmeißen, du hast das Gefühl, es ist eine Art Wissensspiel.
[23:12] Was ist denn, es klang jetzt gerade schon so ein bisschen an,
[23:14] wie hast du denn auf Leute geblickt, die süchtig sind zu dem Zeitpunkt?
[23:20] Ich glaube, Glücksspiel ist so etwas, das ist ja nicht greifbar,
[23:23] das siehst du von außen nicht, anders als bei Alkohol oder bei Drogen vielleicht,
[23:28] wo man es den Menschen irgendwann ansieht.
[23:30] Bei Glücksspiel ist ja die große Gefahr, dass du es einfach von außen fast nicht
[23:34] erkennst. Es sei denn, du hast so ein bisschen Erfahrung.
[23:37] Und ich dachte immer, und jetzt horchere ich dich rein, du vielleicht auch,
[23:42] das passiert nur anderen, aber nicht mir.
[23:44] Also was ist das schon? Glücksspiel. Glücksspiel kann süchtig machen.
[23:47] Ja gut, dann spiele ich halt nicht. Also das ist ja, dann hör doch auf zu spielen.
[23:52] Das habe ich ganz oft gehört. Aber das ist ja nicht so einfach und das ist sehr
[23:58] schwer Außenstehenden zu vermitteln. Also alle, die jetzt auch hier zuhören,
[24:02] Dieses Thema Glücksspiel ist, das ist schon eine ganz, ganz...
[24:07] Das ist eine verrückte Geschichte. Tatsächlich, was da am Kopf passiert und,
[24:13] sich da reinzudenken, reinzuversetzen, was da im Kopf der Betroffenen vorgeht,
[24:17] das ist schon wirklich nicht ganz einfach.
[24:19] Wir wollen es trotzdem mal probieren. Also du hast direkt am nächsten Tag weitergemacht,
[24:22] nachdem du gemerkt hast, geil, 10% Rendite hast, glaube ich,
[24:25] irgendwie 600 Euro am nächsten Tag eingesetzt, weil es eben für die Leute,
[24:29] die das selber nie erlebt haben, wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen ist,
[24:32] warum das überhaupt süchtig macht.
[24:33] Wie würdest du denn das Gefühl beschreiben, was du dann hattest, wenn du gewettet hast?
[24:39] Ja, also nach der ersten Wette habe ich richtig gemerkt, es ist im Kopf etwas
[24:44] passiert. Also es hat wie einen Schalterklick gemacht.
[24:47] Ich bin mit dem Gedanken an diese eine Wette ins Bett gegangen und bin am nächsten
[24:51] Tag aufgestanden mit den Gedanken an die nächsten Wetten, die an diesem Tag
[24:56] folgen. Und genauso bin ich auch arbeiten gegangen.
[24:59] Und am Abend bin ich nach Hause gekommen, habe eben deine angesprochenen 600
[25:03] Euro eingezahlt und habe über 40 Wetten platziert. Und im Nachhinein ist mir,
[25:10] vielleicht folgender Vergleich...
[25:13] Da aufgefallen, eingefallen, also es hat sich ein bisschen angefühlt wie verliebt sein,
[25:21] weil du nicht weißt, wann es passiert und in wen, aber wenn es passiert ist, dann merkst du es.
[25:29] Und dann hast du Schmetterlinge im Bauch und dann fühlst du dich zu dieser Person
[25:32] hingezogen, aber du kannst es vorher nicht wissen, wer es ist,
[25:36] wann es passiert, sondern du merkst es erst genau in dem Moment, wenn es passiert ist.
[25:40] Und genauso war das auch mit der Spielsucht gewesen, dass Das ließ sich für
[25:43] mich vorher überhaupt nicht irgendwie, ja, wie sollte ich mich darauf vorbereiten?
[25:48] Das war nicht möglich gewesen, außer komplett die Hände davon lassen.
[25:51] Aber in dem Moment, wo ich dort einmal dieses Gefühl hatte, da hat sich plötzlich
[25:57] mein ganzes Handeln, mein ganzes Denken verändert.
[25:59] Aber ab der allerersten Wette, und das ist ja auf der einen Seite sehr,
[26:03] sehr faszinierend, aber auch gleichzeitig wahnsinnig erschreckend.
[26:10] Thomas wird direkt süchtig und das zeigt nochmal, wie gefährlich Glücksspiel
[26:15] ist. Und trotzdem ist es so weit verbreitet.
[26:19] Knapp 80 Prozent der deutschen Bevölkerung hat schon mindestens einmal an einem
[26:23] Glücksspiel teilgenommen.
[26:25] Als süchtig gelten laut einer Studie aus dem Jahr 2023 2,4 Prozent der erwachsenen
[26:30] Deutschen, Männer häufiger als Frauen.
[26:33] Und obwohl Glücksspiel eigentlich erst ab der Volljährigkeit erlaubt ist,
[26:37] zeigen etwa 0,3 bis 3 Prozent der Jugendlichen unter 18 ein problematisches
[26:41] Glücksspielverhalten.
[26:43] Aber wann wird aus Spaß, aus einfach mal ausprobieren oder aus einem Hobby eine Sucht?
[26:49] Es gibt einige Merkmale, auf die man achten kann. Bei einer Sucht ist der Drang
[26:53] zu spielen schwer bis gar nicht mehr kontrollierbar.
[26:56] Die Gedanken der Betroffenen kreisen ständig um das Glücksspiel und infolgedessen
[27:00] werden persönliche, familiäre und berufliche Verpflichtungen immer mehr vernachlässigt.
[27:06] Man zieht sich von Aktivitäten zurück, die einem früher Spaß gemacht haben und
[27:10] Versuche mit den Spielen aufzuhören scheitern.
[27:13] Dann kommt oft dazu, dass Betroffene anfangen zu lügen oder sogar Straftaten
[27:17] zu begehen, um an Geld zu kommen.
[27:19] Verluste halten sie nicht auf, sondern darauf folgen in der Regel Versuche,
[27:24] mit erneuten Spielen das Geld wieder reinzuholen.
[27:27] Das Ganze ist psychisch so belastend, dass Glücksspielsüchtige zu Stimmungsschwankungen
[27:31] und plötzlichen Wutausbrüchen neigen.
[27:33] Daraus und auch aus dem, was Thomas mir erzählt hat, geht er vor,
[27:37] ein geregeltes Leben wird mit Spielsucht absolut unmöglich.
[27:41] Und es ist wirklich Wahnsinn, was das in Zahlen bedeutet. Die Glücksspielbehörde
[27:46] der Länder veröffentlicht, wie hoch die Verluste der Glücksspielenden auf dem
[27:50] legalen Glücksspielmarkt sind. Also das sind auch diese ganzen Sachen,
[27:53] die unter der Hand passieren, gar nicht drin.
[27:55] Allein im Jahr 2024 haben Menschen in Deutschland beim Glücksspiel 14,4 Milliarden Euro verloren.
[28:03] Zwei Milliarden davon sind bei
[28:05] Sportwetten draufgegangen, also ein Anteil von mehr als 14 Prozent. Und.
[28:10] Wie hast du dir das denn selbst zu dieser Zeit sozusagen schön geredet?
[28:13] Weil du bist ja reflektiert und denkst nach. Das heißt, du musst ja für dich
[28:17] auch irgendwie so eine Erklärung für dieses Verhalten gefunden haben.
[28:20] Oder hast du da gar nicht drüber nachgedacht?
[28:23] In der Sucht selber ist das mit dem, Spielsucht ist nicht rational,
[28:29] weil du Dinge tust, die einfach gar keinen Sinn ergeben, weil du ständig Grenzen
[28:33] überschreitest und Dinge tust, die du normalerweise nie tun würdest,
[28:37] und ich habe drüber nachgedacht und für mich war es ganz plausibel gewesen,
[28:41] dass ich am Anfang Geld verliere.
[28:45] Weil ich das ja beim Sport genauso kannte.
[28:47] Also wenn ich jetzt für einen Wettkampf trainiere, dann muss ich erstmal trainieren,
[28:52] um besser zu werden, um eine beste Leistung zu bringen und genau so habe ich
[28:55] das mit den Sportwetten auch verglichen.
[28:58] Ich dachte mir, okay, jetzt hast du mal ein paar Euro verloren,
[29:01] gut, das tut mir jetzt im ersten Schritt mal noch nicht weh,
[29:05] aber wenn ich besser werden will, also,
[29:08] einfach mal dieses Sprichwort, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen,
[29:11] dann musst du einfach noch ein bisschen trainieren, ein bisschen dranbleiben,
[29:14] dich noch ein bisschen mehr damit beschäftigen,
[29:18] und dann werde ich schon besser.
[29:19] Also so war meine Herangehensweise gewesen und die ist natürlich fatal.
[29:24] Also wenn wir jetzt so drüber sprechen, ist das fatal. Das wusste ich nur zu
[29:28] dem damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht.
[29:30] Was unter anderem auch daran lag, Philipp, dass das Thema Spielsucht damals
[29:34] überhaupt gar nicht präsent war.
[29:36] Also das war nicht, was ist das? Also gerade Sportwetten, okay,
[29:40] man hätte das, man konnte das schon einordnen mit den Leuten,
[29:44] die vor den ganzen, vor den Automaten sitzen, dort tagelang und dort Geld einwerfen.
[29:48] Okay, das, aber der war ich ja nicht, sondern ich war jemand,
[29:52] der arbeiten gegangen ist, der zum Sport gegangen ist und der plötzlich angefangen
[29:56] hat zu wetten, aber der einfach nur versucht hat, mit seinem Sportwissen,
[30:00] so wie es die Werbung gesagt hat, Geld zu machen.
[30:02] Und dieser, diese völlige Fehleinschätzung von mir.
[30:08] Die hat eben dazu geführt, dass sich diese Sucht richtig ausbreiten konnte.
[30:14] Du hast ja gerade gesagt, du hast dir dieses Verlieren am Anfang auch so ein
[30:17] bisschen schön geredet im Sinne von Erfahrungen sammeln und das gehört auch dazu.
[30:21] Aber, und ich glaube, das ist ja fast noch das Gefährlichere,
[30:24] du hast ja nicht nur verloren, sondern du hast auch gewonnen.
[30:27] Also wie war das, wenn du Geld gewonnen hast?
[30:30] Ich glaube, das ist ja das Fatale an dieser Sucht.
[30:34] Also wenn du nur verlieren würdest oder was wäre passiert, wenn ich meine erste Wette verloren habe?
[30:38] Ich meine, darüber nachzudenken ist jetzt müßig, aber genau dieser Moment des
[30:44] Gewinnens oder diese Momente des Gewinnens
[30:47] sorgen dafür, dass du weiter in diesem Hamsterrad bleibst und zwar selbstständig,
[30:52] weil es ist ein ständiges Spiel mit der Hoffnung.
[30:56] Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, der Emotionen es ist letztlich,
[31:02] es ist ja wirklich ganz viel Emotion, diese Freude wenn man gewinnt,
[31:08] das ist die gleiche Freude wie wenn du bei einem Wettkampf eine tolle Leistung
[31:12] hast oder was auch immer oder wenn dein Lieblingsverein das entscheidende Tor schießt in der 95.
[31:16] Minute nur mit dem Unterschied das macht der halt nicht jeden Tag sondern das
[31:21] macht der vielleicht einmal in der Saison oder was auch immer.
[31:24] Also so ein Mario-Götze-Moment gegen Argentinien in der Verlängerung.
[31:31] Also solche Fußballwunder, die bleiben im Kopf.
[31:36] Und bei Sportwetten hast du halt das Gefühl, dass du diese Wunder,
[31:39] diese fantastischen Emotionen, dass du die jeden einzelnen Tag haben kannst,
[31:46] Und zwar mit beliebigen Spielen, mit Mannschaften, die du noch nicht mal kennst,
[31:51] quer über den ganzen Globus, quer durch alle Sportarten und.
[31:57] Diese Emotionen, Wettanbieter spielen mit den Emotionen der Menschen,
[32:02] die sorgen dafür, dass du das immer wieder haben willst und dieses Gefühl macht süchtig.
[32:07] Und du denkst, das ist das ultimative Glück.
[32:13] Dabei habe ich im Nachhinein festgestellt, ja, das wahre Glück findest du natürlich
[32:19] nicht beim Glücksspiel, sondern im realen Leben.
[32:22] Was ich so ein bisschen rausgehört habe, war bei dir jetzt, weil du über dieses
[32:26] Gefühl gesprochen hast, auch eine gewisse Art von Anerkennung, oder?
[32:29] Dass du was geschafft hast mit diesem Sieg. Also hat das vielleicht auch was
[32:33] damit zu tun, dass dir diese Anerkennung in deinem früheren Leben,
[32:36] also Kindheit und so, auch mal ein bisschen gefehlt hat? Also dass du diese
[32:39] Anerkennung dadurch selber holen konntest?
[32:42] Das hat sogar sehr viel damit zu tun. Das ist auch so rückblickend ein Thema,
[32:45] der das Ganze sehr verstärkt hat, dass ich ja im Prinzip seit meiner Kindheit
[32:51] gewohnt war, um Anerkennung zu kämpfen.
[32:54] Also ich musste immer etwas Besonderes tun, gute Noten, besondere sportliche
[33:00] Leistung, um eben die Anerkennung von meinen Eltern zu bekommen,
[33:03] also auch von meinem Vater gerade, die ich im normalen Leben nicht hatte.
[33:08] Also ich hatte immer das Gefühl, so wie ich war, das hat nicht gereicht.
[33:13] Ich muss etwas Besonderes tun. Das war mein Gefühl.
[33:16] Mit diesem Gefühl bin ich jetzt so aufgewachsen. Und natürlich hat dann dieses
[33:22] Thema Anerkennung später bei der Spielsucht eine ganz entscheidende Rolle gespielt,
[33:27] weil ich bin später dann mit Geld aufgewachsen.
[33:30] Es wurde alles mit Geld geregelt, tolle Zensuren, gute Leistungen,
[33:33] da habe ich Anerkennung bekommen, aber oftmals eben Anerkennung in Form von Geld.
[33:40] Und deswegen war für mich klar, wenn ich jetzt besonders gut wette,
[33:43] wenn ich dort vielleicht viel Geld gewinne, bekomme ich Anerkennung von meinen
[33:46] Eltern. Also das hat sicherlich mit reingespielt.
[33:50] Dabei hatte ich ja meine finanzielle Unabhängigkeit vorher schon längst erreicht.
[33:54] Also ich hatte meinen Job, ich hatte meine Wohnung in München,
[33:57] einen Job, der mir Spaß gemacht hat, Freundinnen, Freunde, ich hatte alles von außen.
[34:02] Ich musste mir auch über Geld keine Gedanken machen, nicht weil ich unendlich
[34:06] Geld hatte, sondern weil ich mit meinem Geld einfach super hingekommen bin,
[34:09] und es gab von außen betrachtet nicht,
[34:14] das Thema, dass mir dort irgendwas gefehlt hat, also ich musste kein Geld gewinnen,
[34:17] um irgendwie überleben zu können und das ist natürlich dann gleichzeitig auch
[34:21] wieder fatal, dass ich mich dann in eine Situation begeben habe,
[34:26] Die dazu geführt hat, dass ich das Gefühl hatte, Geld gewinnen zu müssen,
[34:30] um glücklich zu sein und um überleben zu können.
[34:32] Und das ist, ja, nach wie vor ist das wirklich verrückt, ist vielleicht das
[34:38] falsche Wort, aber es ist wirklich Wahnsinn, wie sowas entstehen kann.
[34:42] Und das ist ja auch der Grund, warum ich heute so sehr davor warne,
[34:46] weil du einfach nie weißt, wie sehr du dieses Thema plötzlich aus der Kontrolle verlierst.
[34:51] Wie war denn ungefähr so die Balance zwischen Gewinnen und Verlieren bei dir?
[34:56] Also ich habe täglich gewonnen. Ich habe manchmal auch oder nicht selten auch
[35:01] mal Tage und Wochen gehabt, wo ich mehr gewonnen habe als verloren.
[35:05] Ich mache mal ein Beispiel. Im letzten Monat, bevor ich festgenommen wurde oder im letzten Jahr,
[35:12] hatte ich bei einem Wettanbieter für 500.000,
[35:18] Euro Wetten platziert, nur bei einem und habe 400.000 Euro gewonnen.
[35:24] Also dieses Gefühl, 400.000 Euro über ganz, ganz viele Wetten zu gewinnen,
[35:29] das ist schon sehr intensiv.
[35:31] Das Problem ist nur, Philipp, ich habe 500.000 gesetzt, also effektiv habe ich
[35:34] nicht 400.000 gewonnen, sondern 100.000 verloren.
[35:37] Aber nur mal, dass du siehst, es wird ständig gewonnen.
[35:41] Aber zum Schluss bleibt dann ein gewisser Prozentsatz X, der einfach bei der
[35:47] Bank oder in dem Fall beim Wettanbieter landet.
[35:51] Und das sind jetzt in dem Fall 20 Prozent gewesen, aber wenn du natürlich bei
[35:56] jeder Wette 20 Prozent Minus machst, dann wird es halt hinten raus irgendwann mal schwierig.
[36:01] Und das ist eben genau das Thema, dieses ständige Gewinn führt dazu,
[36:05] dass du immer wieder Hoffnung hast, jetzt kommt die eine Wette,
[36:08] jetzt kommt diese eine Glücksträhne, die dazu führt, dass sich alles wieder ins Plus dreht.
[36:13] Und was ich übrigens, und das ist ganz wichtig hier an der Stelle auch mal zu
[36:17] erwähnen, was ich neben Geld verloren habe, am meisten verloren habe,
[36:21] sind soziale Beziehungen und Lebenszeit.
[36:26] Das ist fast in meinen Augen noch viel schlimmer als das Geld.
[36:33] Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen, nämlich was das macht mit deinem
[36:36] Leben? Was hat das gemacht mit deinem Job, die Spielsucht?
[36:39] Naja, ich habe mich nicht mehr auf meinen Job fokussiert. Ich habe wenige Tage,
[36:43] nachdem ich die erste Wette platziert habe, schon angefangen,
[36:46] während der Arbeitszeit oder nach der Arbeitszeit an meinem Arbeitscomputer zu wetten.
[36:50] Und das ist ein absolutes No-Go.
[36:52] Und mir war auch klar, dass das irgendwann auffällt.
[36:56] Ja, und ansonsten ist einfach der Fokus war von der Arbeit weg gewesen.
[37:01] Also ich dachte mir, wenn ich einfach Geld gewinnen kann durch das Wetten,
[37:04] wo ich ja schon verloren hatte, warum soll ich hier noch für 2000 Euro netto
[37:10] im Monat jeden Tag zur Arbeit laufen? Macht ja gar keinen Sinn.
[37:15] Und das hat dazu geführt, dass meine Arbeitsleistungen schlechter wurden Und
[37:20] plötzlich habe ich auch angefangen, mir Darlehen aufzunehmen und die Bombe geplatzt
[37:25] ist dann irgendwann mal, ich glaube im September und Oktober 2006,
[37:30] war es gewesen, also knappes Jahr nach meiner ersten Wette, wo plötzlich eine Kreditkarte gelangt.
[37:36] Nicht mehr abgebucht werden konnte, weil die Rechnung war über 17.000 Euro.
[37:42] Und ja, dann kam natürlich die Personalabteilung auf mich zu und hat gefragt,
[37:47] Herr Mercher, was machen Sie denn mit dem Geld?
[37:49] 17.000 Euro Kreditkartenabbuchung bei einem Gehalt von 2.000 Euro,
[37:54] das passt jetzt irgendwie nicht so richtig zusammen.
[37:56] Dann haben sie sich mein Konto angeschaut und haben natürlich gesehen,
[37:58] dass dort Abbuchungen sind von Wettanbietern. Es waren auch Gutschriften von
[38:02] Wettanbietern drauf, also von BWIN.
[38:05] Und sie haben mir damals Hilfe angeboten, ich habe die Hilfe abgelehnt,
[38:09] weil ich zu diesem Zeitpunkt nach wie vor dachte, ich schaffe das selbst,
[38:13] ich kriege das hin und auch diese Entscheidung war im Nachhinein betrachtet fatal.
[38:17] Das heißt aber, du hast irgendwann deshalb deinen Job auch verloren?
[38:20] Ja, also mir wurde praktisch nicht direkt gekündigt, wir haben einen Aufhebungsvertrag gemacht und.
[38:28] Damit war das Thema Stadtsparkasse innerhalb ja, kann man schon sagen,
[38:32] innerhalb eines Jahres habe ich dann meine ganze berufliche,
[38:36] Laufbahn in München beendet und bin dann nach Dresden zur Ostsächsischen Sparkasse,
[38:43] man kann schon sagen, geflüchtet.
[38:45] Ich bin weggelaufen vor dem Problem, aber wir beide wissen, von der Spielsucht
[38:49] kannst du dich weglaufen.
[38:50] Trotzdem war das ja damals noch zu einem relativ frühen Zeitpunkt.
[38:53] Das war, ich glaube, April, Mai 2007 gewesen.
[38:58] Wenn ich gewusst hätte, dass das ganze Ding noch bis 2019 geht,
[39:02] dann hätte man dort irgendwo eine Möglichkeit finden müssen Und die hätte man
[39:06] auch gefunden, um dort einen Cut zu machen.
[39:08] Aber das ist nicht passiert und stattdessen bin ich dann nach Dresden.
[39:12] Da ging es schon so los, dass ich die Kaution für meine erste Wohnung nicht
[39:16] bezahlen konnte als Bankkaufmann. Das war schon mal super peinlich gewesen.
[39:19] Dann habe ich sechs Monate bei der Ostsächsischen Sparkasse gearbeitet und habe
[39:24] in dieser Zeit zwei Wohnungen verloren.
[39:26] Zum Schluss saß ich in der Wohnung bei Kerzenschein, weil ich den Strom nicht
[39:31] mehr zahlen konnte und in dieser Wohnung war im Prinzip nichts mehr drin gewesen.
[39:35] Ja, ich hatte, du musst dir vorstellen, ich hatte meinen Anzug angehabt,
[39:37] meine Krawatte, alles, du siehst aus von außen wie ein Bankkaufmann,
[39:41] sitzt aber in der Wohnung ohne Strom bei Kerzenlicht und denkst dir,
[39:46] was zum Teufel mache ich eigentlich, was soll das noch?
[39:48] Und da kannst du dir natürlich vorstellen, dass auch da die Arbeitsleistung richtig scheiße war.
[39:52] Ja, und dann haben die auch nach sechs Monaten mitbekommen, dass bei mir finanziell
[39:55] hinten und vorn gar nichts mehr stimmt und haben mich dann in der Probezeit
[39:59] im Prinzip rausgeschmissen.
[40:00] Und ohne Job ist doch auch keine Wohnung oder nicht irgendwann mal, oder?
[40:05] Ich hatte noch eine Wohnung gehabt.
[40:08] Die Wohnung hatte ich noch bis Anfang, Mitte 2008 gehabt. Das war die Wohnung
[40:14] ohne Strom. Danach wurde die zwangsaufgelöst.
[40:17] Ich bin nach der ostsächsischen Sparkasse, bin ich nochmal genau auf die gegenüberliegende
[40:23] Straßenseite gewechselt zur Norisbank. Dort habe ich nochmal vier Monate gearbeitet,
[40:26] was mich gewundert hat, dass die mich noch einstellen.
[40:30] Ja, aber das war eher, das war, ja, da war ich dann nur noch ein Schatten meiner
[40:35] selbst, weil die finanziellen Probleme so groß wurden. Sobald ich Geld hatte, habe ich es verspielt.
[40:40] Und die Probleme wuchsen an und dort war dann im Februar 2008,
[40:45] war dort Feierabend gewesen, haben die gesagt, das geht nicht,
[40:48] das ist nicht machbar, was hier passiert.
[40:50] Und ja, dann hatte ich noch kurz eine Wohnung gehabt in Dresden,
[40:54] die wurde dann zwangsaufgelöst und da bin ich mehr oder weniger notgedrungen
[40:59] wieder zurück zu meinen Eltern gezogen.
[41:02] Allerdings nicht in mein eigenes Kinderzimmer von früher. Da hatte ich ein eigenes
[41:06] Bad noch gehabt, so ein bisschen wie meine eigene Etage.
[41:09] Sondern meine Eltern wussten auch nicht, wie sie damit umgehen sollen.
[41:11] Also haben sie mich dann im Keller einquartiert. Also da war ich dann schon mal.
[41:17] Unter der Erde angekommen und habe dann dort im Keller meiner Eltern gewohnt,
[41:22] weil irgendwie haben die mich versteckt.
[41:25] Ich habe mich versteckt. Wir waren alle überfordert. Wir waren alle hilflos.
[41:28] Und das waren dann auch so die ersten Momente, wo dann die Gedanken an Selbstmord
[41:34] kamen, weil ich dachte, was soll jetzt noch kommen?
[41:37] Also ich habe mich meiner beruflichen Perspektive beraubt, also ich habe das
[41:42] gemacht und finanziell sieht es grottenschlecht aus, ich habe Schulden ohne
[41:47] Ende, was soll jetzt noch kommen?
[41:50] Und dazu noch eben diese Scham, dass eben vor den wenigen Freunden und Bekannten,
[41:54] die ich dort noch hatte, das irgendwie eingestehen zu müssen.
[41:58] Jeder wusste ja, da ist irgendwas los, aber niemand konnte es genau benennen.
[42:03] Und ja, also ich habe mich damals schon im Jahr 2008 in einer absoluten Sackgasse gefühlt.
[42:11] Irgendwie war ich in der auch, aber die Sackgasse war das Thema Spielsucht gewesen
[42:15] und dort wieder rauszukommen, aber nach wie vor war der, also es war immer noch nicht die Einsicht da,
[42:22] dort irgendwie dieses Problem anzugehen, sondern ich dachte selbst damals noch,
[42:26] ich komme dort selber wieder raus.
[42:28] Wenn du das eine Mal ganz groß gewinnst, um deine Verluste wieder auszugleichen.
[42:32] Das war so die Hoffnung. Genau.
[42:34] Typisches Spielerdenken, genau. Und dieses immer dem Hinterherlaufen der Verluste,
[42:40] also immer versuchen, praktisch mit der nächsten Wette die Verluste von vorher wieder auszugleichen.
[42:45] Und letztlich habe ich versucht, und das ist wirklich verrückt,
[42:47] wenn man sich das überlegt würde, habe ich versucht, durch noch mehr Wetten
[42:51] die Probleme zu lösen, die durchs Wetten überhaupt erst entstanden sind.
[42:55] Also, das kann nicht funktionieren. Das sagen wir jetzt so, aber wir beschreiben
[43:00] ja gerade den Zustand von damals und der ist ganz typisch für die Spielsucht.
[43:04] Und während wir das hier sagen, hören uns vielleicht jetzt auch einige zu,
[43:06] die jemanden kennen, der gerade in so einer Situation ist oder den es selber
[43:11] betrifft. Und den Menschen möchte ich sagen, redet mit jemandem,
[43:15] geht zur Suchtberatung, was auch immer.
[43:17] Aber was ich euch garantieren kann, ihr werdet dieses Problem nicht selber lösen.
[43:21] Du hast gesagt, dass du zu dem Zeitpunkt auch schon wahnsinnig viele Menschen
[43:24] verloren hast aus deinem Umfeld.
[43:27] Hast du auch Menschen aus deinem Umfeld um Geld gebracht? Weil irgendwie musst
[43:31] du das ja finanziert haben, diese ganze Wetterei.
[43:33] Also ich habe angefangen, als mein eigenes Geld zu Ende war,
[43:36] das war so Mitte 2006, familiär nach Geld zu fragen. Ich habe mir ja Geschichten ausgedacht.
[43:44] Die es einfach nicht gab, um so an Geld zu kommen. Und das war mein Bruder,
[43:50] meine Eltern, aber dann auch Freunde schon. Also das ging relativ zeitig schon los.
[43:54] Und auch das ist ein typisches Merkmal der Spielsucht. wenn man anfängt nach
[43:58] Geld zu fragen und versucht mit fremdem Geld zu spiegeln und Verluste wieder
[44:01] reinzuholen, wusste ich damals auch nicht, dass das auch so ganz typisch dafür ist.
[44:08] Und so haben sich immer mehr Menschen,
[44:12] von mir abgewendet, also völlig verständlich, vollkommen zu Recht,
[44:15] weil stell dir vor, wenn dich dein bester Freund nach Geld fragt ständig und
[44:18] du kriegst es nicht wieder, dann sagst du irgendwann mal, du komm,
[44:22] bleib mir fern, aber löst deine Probleme bitte selbst.
[44:24] Irgendwann reicht es dir halt nicht mehr, dir Geld zu leihen,
[44:28] wahrscheinlich weil du auch keins mehr bekommst aus deinem Umfeld.
[44:31] Irgendwann wirst du kriminell und das ist ja dann nochmal eine neue Hürde oder
[44:35] ein neuer Tiefpunkt, wie auch immer man das sehen möchte. Wie geht das los mit
[44:39] der Kriminalität bei dir?
[44:41] Es beginnt mit der Sucht, dieses Gefühl, wenn du nicht spielen kannst,
[44:45] das ist eben für Außenstehende sehr schwer nachzuempfinden, aber ich versuche
[44:49] es trotzdem mal zu erklären.
[44:51] Das ist wie, also ich war damals wahnsinnig nervös und.
[44:56] Konnte mich gar nicht mehr auf normale Dinge fokussieren, sondern ich habe die
[45:00] ganze Zeit, mein Kopf hat mir die ganze Zeit gesagt, versuche an Geld zu kommen,
[45:05] um wetten zu können, weil ich habe die ganze Zeit an diesen Moment geglaubt,
[45:08] wo sich alles wieder umdreht.
[45:10] Diese eine ominöse Wette oder diese Glücksträhne, du musst nur lange genug weiterspielen
[45:16] und irgendwann wird es gut, du darfst nicht zu zeitig aufhören,
[45:18] obwohl du deinen Job verloren hast, deine Freundin, Freunde,
[45:22] also alles, es ist erschreckend, oder?
[45:25] Oder dass es dann trotzdem noch so weitergeht, dass man sagt,
[45:28] okay, also ich glaube daran, dass ich das hier noch selber in den Griff bekomme.
[45:33] Und das hat dazu geführt, dass ich die nächste rote Linie überschritten habe
[45:37] und dann angefangen habe, nicht mehr nach Geld zu fragen, sondern mir Geld genommen habe.
[45:42] Und das ging los mit Betrugshandlungen oder irgendwann kam dann Diebstahl dazu, Unterschlagungen.
[45:49] Ich habe zum Beispiel einen Mietwagen nicht rechtzeitig zurückgegeben,
[45:52] bin dann einfach weitergefahren, weil ich den nicht mehr bezahlen konnte,
[45:56] um die Fassade aufrechtzuerhalten und irgendwann wird dir dann halt mal abgeholt, der Mietwagen.
[46:02] Ich habe in Dresden, um jetzt mal ein Beispiel zu nennen, in Dresden am Hauptbahnhof,
[46:08] habe ich mich mit Koffer hingestellt, habe mich als Reisender ausgegeben,
[46:10] hatte eine Fahrplanauskunft der Deutschen Bahn in der Hand.
[46:15] Und habe fremde Menschen nach Geld gefragt, das war glaube ich im Jahr 2013,
[46:20] 14, muss das gewesen sein, und habe suggeriert, dass ich meinen Geldbeutel verloren habe.
[46:27] Ich habe denen meine richtigen Daten gegeben, habe nur gesagt,
[46:31] ich komme nicht an Geld, ich habe einen wichtigen Termin, den muss ich einhalten,
[46:34] können sie mir bitte die Zugfahrt auslegen.
[46:38] Ja, und tatsächlich haben das Menschen gemacht. Ich habe denen meine richtige
[46:42] Identität gegeben, weil ich denen ja auch das Geld wieder zurückgeben wollte.
[46:46] Nur im Hauptbahnhof selber war ein Wettbüro.
[46:50] Und die Intention war gewesen, an das Geld der Leute zu kommen.
[46:54] Meistens war das immer so freitags, dass ich dann Zeit habe,
[46:56] von Freitag bis Montag aus dem Geld mehr zu machen, den Menschen das Geld wieder
[46:59] zurückzugeben und dann trotzdem noch Geld für mich übrig zu haben.
[47:03] So, dann hatte ich das Geld von den Leuten, bin mit dem Koffer,
[47:05] der übrigens leer war, in das Wettbüro gegangen, im Hauptbahnhof,
[47:10] hab mit dem Geld gewettet und wenn es zu Ende war, bin ich wieder losgegangen.
[47:13] Ja, und dann kam irgendwann der Montag, wir hatten ja Telefonnummern,
[47:16] alles gehabt und die Leute haben gefragt, okay, können wir uns treffen und da
[47:20] kannst du das Geld überweisen.
[47:22] Ja, und wenn du es dann nicht kannst, dann wird es schwierig und dann fühlen
[47:26] sich die Leute verarscht und das ist ja komplett nachvollziehbar,
[47:29] weil ich sie verarscht habe.
[47:31] Und dann kamen die ersten Anzeigen, dann kamen immer mir Anzeigen,
[47:34] aber das ist so ein Beispiel und das würde ja niemand machen,
[47:38] also das würdest du nicht machen, das würde ich jetzt auch nicht mehr machen,
[47:41] aber das zeigt trotzdem auf ganz ganz erschreckende Art und Weise,
[47:45] was ein spielzüchtiger Mensch bereit ist zu tun, um wetten zu können.
[47:50] Also du gehst in dem Moment sprichwörtlich über Leichen, du machst alles,
[47:53] du kennst weder gar keine Freunde mehr, du kennst auch keine Moral mehr.
[47:58] Wichtig war mir in dem Moment, ich brauche das Geld, um daraus wetten zu können,
[48:03] um damit wetten zu können und daraus Gewinne zu erzielen.
[48:07] Und dann den Leuten das Geld wieder zurückzugeben. Nur wenn du mit geborgtem
[48:10] Geld spielst, das wissen wir beide, glaube ich, sehr genau, das kann nicht funktionieren.
[48:15] Und deswegen wurde ich zu Recht verurteilt, weil das sind einfach Dinge,
[48:19] die überhaupt nicht gehen. Aber es zeigt einfach, was ein spielsüchtiger Mensch
[48:23] für Schaden bereit ist anzurichten. Und das ist eben die ganz große Gefahr bei Spielsucht.
[48:28] Was ich gerade interessant fand, das war so ein Nebensatz von dir.
[48:30] Du hast gesagt, du bist dann im Bahnhof direkt ins Wettbüro gegangen.
[48:34] Zu dem Zeitpunkt konnte man ja schon im Internet wetten. Da hat es ja bei dir angefangen.
[48:37] Warum bist du denn trotzdem ins Wettbüro gegangen, wenn du auch im Internet
[48:41] deine Wetten hättest absetzen können?
[48:43] Ich glaube, das lag darin, weil ich erst mal das Bargeld von den Menschen da
[48:48] in der Hand hatte. Ja. Und...
[48:51] Ich meine auch, dass das für mich damals online gar nicht mehr so einfach möglich
[48:55] war, weil auch diverse Konten schon gefändet waren.
[49:01] Und Bar hatte auch immer den Vorteil gehabt, du hast den Gewinn sofort.
[49:06] Also online dauert es immer ein, zwei, drei Tage, bis der wieder da ist.
[49:11] Du musst es erst einzahlen und Kreditkarten oder sowas hatte ich nicht mehr
[49:15] gehabt, dann hätte ich es anders machen müssen.
[49:16] Also es wäre einfach zu umständlich gewesen und so war ich in diesem Wettbüro.
[49:21] Und der viel wichtigere Punkt, Philipp, ist ja, dieses Wettbüro oder die Menschen,
[49:26] die ich in diesem Wettbüro getroffen habe, waren zu diesem Zeitpunkt fast noch
[49:29] meine einzigen sozialen Kontakte. Oh, hm.
[49:33] Also ich hatte sonst niemanden mehr um mich drumherum und die einzigen Leute,
[49:39] die mich vorurteilsfrei gesehen haben, waren die, die selber süchtig waren.
[49:44] Mit denen konnte man dort reden, aber das waren ja keine Freundschaften in dem
[49:48] Sinne, sondern das war eigentlich, eigentlich muss man sagen,
[49:51] war es eine Leidensgemeinschaft gewesen.
[49:53] Und der einzige, der dort irgendwo davon profitiert hat, war der Wettbeerobetreiber.
[49:57] Für den war es natürlich toll, dass wir dort alle da saßen und unsere Kohle verspielt haben.
[50:01] Aber Aber ich bin manchmal, das ist glaube ich auch ganz interessant.
[50:05] Ich habe zu dem damaligen Zeitpunkt noch mit einer anderen Freundin zusammengewohnt
[50:10] gehabt und sie hatte sich dann von mir getrennt und ich habe trotzdem noch bei
[50:13] ihr wohnen dürfen, weil ich sonst nicht mehr gewusst hätte wohin.
[50:17] Und sie war auf Party gewesen am Samstag zu Sonntag, kam dann um halb sechs irgendwann nach Hause.
[50:24] Und in dem Moment bin ich gerade aus dem Haus gegangen, weil ich bin zu dem
[50:27] Wettbüro gegangen im Hauptbahnhof in Dresden.
[50:30] Es hat zu der damaligen Zeit um sechs Uhr morgens geöffnet und um 23 Uhr geschlossen.
[50:34] Und ich habe nicht selten dort den kompletten Tag zugebracht. Das ist Wahnsinn.
[50:39] Du bist dann jetzt eben da unterwegs, betrügst Menschen, organisierst dir irgendwie Geld.
[50:45] Aber das hat ja Konsequenzen. Also wie oft wirst du verurteilt in der Zeit?
[50:50] Ich glaube, zwei oder dreimal wurde ich verurteilt insgesamt,
[50:53] glaube ich. Das ist ja auch schon mal schlimm, dass man es gar nicht weiß.
[50:55] Also ich habe, glaube ich, zweimal vor Gericht gestanden, zweimal Bewährung
[51:00] bekommen, was auch schon echt knapp war.
[51:04] Dann denkst du jetzt wahrscheinlich, ja du, wenn ich einmal mit einer Bewährungsstrafe
[51:07] da vollkomme, das muss ja reichen, denke ich jetzt auch, hat es aber damals
[51:11] nicht. In dem Moment, wo ich die Bewährungsstrafe bekommen habe,
[51:14] war ich erleichtert gewesen und habe eins zu eins weitergemacht. Krass.
[51:18] Hättest du, ist jetzt auch wieder so, hätte wäre wenn, wenn du direkt eine harte
[51:23] Strafe kassiert hättest, was ja juristisch gar nicht möglich ist,
[51:26] wenn du nicht unbedingt vorbestraft bist oder so, aber wenn sie dich direkt
[51:28] in den Knast geschickt hätten oder der Richter, die Richterin,
[51:31] glaubst du, das hätte was geändert?
[51:33] Ich glaube ja, dass Knast gar nicht der richtige Ort ist für jemanden,
[51:37] der mit einer Suchterkrankung zu tun hat, weil die Sucht im Knast nicht weggeht.
[51:44] Sondern sie wird erstmal nur eingesperrt, das ist gut, aber sie ist nicht weg.
[51:48] Ich glaube, man hätte von vornherein, und das ist ja auch das,
[51:52] was ich den Leuten heute versuche, zu sagen, du musst sofort,
[51:56] wenn du sowas merkst, intervenieren.
[51:57] Und eigentlich darfst du erst gar nicht zu Straftaten kommen,
[52:00] sondern wenn, dann musst du zu einer Suchtberatung und dann eigentlich auch
[52:03] direkt zu einer stationären Therapie.
[52:05] Und zwar so lange, bis das Thema funktioniert. Also der Leidensdruck muss groß
[52:12] werden, aber der kann nicht so groß werden, dass du dann zum Schluss in den
[52:15] Knast gehst. Also das kann nicht die Lösung sein.
[52:19] Bei mir war es leider so gewesen und bei mir war es dann auch der letzte Ausweg,
[52:23] aber das heißt nicht, dass es bei jedem anderen auch so ist,
[52:25] sondern sobald du in irgendeiner Form merkst, du hast damit ein Problem,
[52:30] musst du zur Suchtberatung oder die Angehörige müssen dich hinschicken und auf
[52:33] gar keinen Fall Geld geben.
[52:38] Das löst gar nichts, sondern es verlängert das Leiden. Das ist auch,
[52:41] glaube ich, ein sehr guter Hinweis, weil ich mir vorstellen kann,
[52:43] dass das für Menschen natürlich aus dem Umfeld von Sucht, Kranken,
[52:46] Spielsüchtigen total schwierig ist, weil die denken, ja, ich möchte der Person
[52:50] ja auch irgendwie helfen, aber
[52:51] wie du gerade gesagt hast, du hilfst der Person damit überhaupt nicht.
[52:54] Ende 2018, Anfang 2019 wirst du dann verurteilt zu fünfeinhalb Jahren Haft, aber du haust ab.
[53:02] Ich muss sagen, zu dem Zeitpunkt war ich noch gar nicht zu fünfeinhalb Jahren
[53:04] verurteilt, sondern die verschiedenen Bewährungen waren, die haben sich dann
[53:08] einfach summiert und dann hat eine Verurteilung zu einem Monat Gefängnis.
[53:15] Auf Bewährung dazu geführt, dass die anderen Bewährungen hinfällig wurden.
[53:19] Und dann wurde ich, ich glaube es war August, Juli, August 2018,
[53:24] da waren erst mal nur drei Jahre auf der Uhr. Nur, ist auch schon schlimm.
[53:28] Ja, ist schon drei Jahre.
[53:30] Und in dem letzten halben Jahr, wo ich draußen war, habe ich dann noch so viel.
[53:35] Scheiße gebaut, dass einfach nochmal zweieinhalb Jahre dazugekommen sind.
[53:38] Und ich bin damals genau geflüchtet, habe einfach die, was heißt geflüchtet?
[53:42] Ich habe weiter in Dresden gewohnt, konnte nicht mehr in mein Fitnessstudio
[53:45] gehen, weil die Polizei da hingekommen ist, konnte nicht mehr auf Party gehen,
[53:48] weil mich die Leute sonst erkannt hätten.
[53:50] Meine Freundin wusste ja nichts.
[53:51] Also das heißt, ich musste ja trotzdem so tun, als wäre alles okay.
[53:55] Und wir sind zweimal in Polizeikontrollen, Verkehrskontrollen geraten.
[54:01] So, das Auto vor uns wurde rausgezogen und das hinter uns auch.
[54:04] Und uns haben die durchgewunken. Und ich sitze da am Steuer und Sophie neben
[54:08] mir und die hatte von nichts Ahnung. Dachte auch, möch, waren wir ein Glück,
[54:11] dass wir hier durchgewunken werden.
[54:13] Ich meine, die war sich ja gar keiner Gefahr bewusst und ich saß so da,
[54:15] ich konnte wirklich nicht mehr reden. Ich hatte einen Herzschlag von 300,
[54:18] weil in dem Moment, wenn die mich da anhalten, ist das Thema einfach durch.
[54:21] Dann wirst du vor den Augen deiner Freundin verhaftet und dann geht's drei Jahre in den Knast.
[54:25] Ganz ehrlich, Philipp, das wäre gut gewesen, wenn es so gewesen wäre,
[54:29] weil dann hätte ich ihn auch mehr Blödsinn anstellen können.
[54:32] Und der absolute negative Höhepunkt, eigentlich dieser ganzen Fluchtstory war
[54:38] ja auch gewesen, dass ich von meinem Wettanbieter im September 2018 nach London eingeladen wurde.
[54:46] Als Bonus für mein tolles Wetten.
[54:50] Also ich war auf einer internen Rangliste aus Deutschland, Österreich,
[54:52] Schweiz auf Platz 2 gewesen und hab eine Reise gewonnen für zwei Personen nach
[55:00] London zum Spiel Chelsea gegen Liverpool mit Flug- und VIP-Tickets.
[55:04] Und jetzt mach das mal mit Haftbefehl.
[55:07] Das ist de facto nicht möglich. Da wir aber in Dresden gewohnt haben,
[55:11] war meine Idee gewesen, okay, dann lasst uns von Prag aus fliegen,
[55:14] in der Hoffnung, es ist kein internationaler Haftbefehl.
[55:16] Und jetzt musste ich Sophie, meiner damaligen Freundin, verklickern,
[55:20] dass wir diese Reise von Prag aus antreten müssen, obwohl von Dresden auch im Flug gegangen wäre.
[55:25] Und da musst du ja trotzdem erstmal nach Prag kommen. Also auch da kann es ja
[55:27] passieren, dass sich irgendwo unterwegs die Polizei rauszieht.
[55:30] Dann standen wir dort bei Boarding oder wo auch immer und dann schauen die da
[55:35] meinen Ausweis an oder vorher schon bei der Passkontrolle, schauen dir meinen
[55:39] Ausweis an, gucken in den Computer, schauen wieder einen Ausweis wieder, schauen mich an.
[55:44] Dachte, oh Gott, bitte, bitte, bitte
[55:45] nicht jetzt hier, weil er wäre ja in Tschechien in den Knast gekommen.
[55:49] Dann aber nach gefühlt unendlich langen 30 Sekunden winkt er mich durch.
[55:53] Da dachte ich, okay, alles klar, fliegst du jetzt nach London,
[55:55] ist erstmal am Wochenende alles okay.
[55:57] Da haben wir uns sogar noch mit einem befreundeten Pärchen getroffen und am
[56:00] Sonntag ging es dann wieder zurück.
[56:03] Ja, und dann wieder Prag gelandet und dann zurück nach Dresden gefahren.
[56:08] Wenn ich nie gewettet hätte, hätte ich mir diesen Ausflug nach London gefühlt
[56:12] hundertmal selber leisten können, aber ich habe zu der damaligen Zeit von meinem,
[56:17] Wettanbieter monatlich Preise bekommen, iPhones, MacBooks, was auch immer,
[56:21] habe ich natürlich sofort zu Geld gemacht, um wetten zu können.
[56:25] Und also ich war damals VIP-Kunde gewesen. Und das ist eben auch nochmal ganz
[56:31] wichtig zu erzählen in dieser Story.
[56:32] Ich hatte ganz am Anfang im Frühjahr 2006 mal eine Phase, da habe ich tatsächlich
[56:37] Geld gewonnen bei Bet & Win.
[56:39] Und das waren knapp 25.000 Euro, aber das beruhte auf Glück.
[56:44] Und damals wurde ich von Bet & Win aber reglementiert oder nach unten reglementiert
[56:50] von den Einsätzen, also de facto gesperrt.
[56:53] Mit dem Verweis drauf, sie machen sich Sorgen um mich, ich könnte an Spielsucht leiden.
[56:58] Damit hatten sie übrigens recht. Nur, ich habe damals sehr viel Geld gewonnen
[57:02] und konnte nicht mehr so viel Geld gewinnen, weil sie haben mich dort limitiert.
[57:07] Als ich aber bei einem anderen Anbieter im Jahr 2018 jeden Monat fünfstellige
[57:13] Beträge nicht meines eigenen Geldes verloren habe, hat mich nie wieder jemand
[57:19] gesperrt, sondern es ist genau das Gegenteil passiert.
[57:21] Ich habe eine VIP-Betreuerin bekommen und habe Preise bekommen für meine Kundentreue,
[57:26] ergo für mein regelmäßiges Verlieren.
[57:28] Und das zeigt eben auch so diese moralische Verwerflichkeit,
[57:34] Katastrophe dieser kompletten Branche, dass Verlierer werden hofiert,
[57:38] damit sie noch mehr verlieren und die, die vielleicht ein bisschen gewinnen,
[57:41] die werden rausgekickt.
[57:42] Und ja, so war damals die Zeit.
[57:48] Verrückt. Ich finde das so wild, dass du ja trotzdem, Du hast es auf eine Art
[57:53] auch geschafft, die Fassade aufrecht zu erhalten, deiner Freundin gegenüber,
[57:57] während du weißt, die Polizei sucht dich und du musst eigentlich in den Knast.
[58:02] Also was hat das mit dir gemacht? Das muss ja ein absoluter Ausnahmezustand gewesen sein.
[58:09] Das ist ein absoluter Ausnahmezustand, der irgendwann normal wurde.
[58:13] Das ist auch aus heutiger Sicht völlig verrückt. Also wenn wir jetzt sitzen,
[58:18] theoretisch jetzt könnte es klingeln, die Polizei kommt mit mich mit und dann
[58:20] bist du die nächsten drei Jahre weg.
[58:22] Es wurde normal, ich habe einfach mein Handy versucht so oft es geht auszumachen,
[58:27] dass man mich nicht irgendwie orten kann oder ich war ja schon paranoid geworden,
[58:32] wenn ich die Polizei gesehen habe, habe ich immer versucht irgendwie wegzugucken oder was auch immer,
[58:37] also ständig immer gucken, schauen, ist irgendwo jemand beobachtet dich jemand,
[58:41] ist irgendwo die Polizei ich hatte ja damals auch schon eine Tasche gepackt, so heimlich für,
[58:46] dass ich jederzeit abhauen kann und tatsächlich habe ich ja die dann irgendwie
[58:50] auch nochmal gebraucht, aber Aber ich war irgendwie schon aufs Schlimmste vorbereitet.
[58:54] Aber ich dachte zu dem Zeitpunkt trotzdem noch, dass wenn ich diesen einen großen
[58:58] Gewinn lande, dass sich die ganze Situation wieder klären lässt.
[59:01] Aber das ist ja verrückt. Du kannst doch so viel Geld gewinnen.
[59:04] Einen Haftbefehl kriegst du dadurch nicht weg.
[59:05] Aber bis zum Schluss, und das ist wirklich erschreckend, habe ich in der Annahme
[59:11] gelebt, irgendwie aus dieser Nummer, aus diesen 13 Jahren Katastrophe noch rauszukommen.
[59:16] Und ja, das war, ich muss es wieder sagen, es war verrückt.
[59:22] Jetzt kommen wir, nähern wir uns langsam diesen einen Moment an,
[59:26] den wir am Anfang schon kurz besprochen haben.
[59:28] Also du bist wieder dringend auf der Suche nach Geld und dann fällt dir was
[59:33] ein und das hat mit einem Staubsauger zu tun. Lass uns da nochmal reingehen.
[59:37] Was ist deine Idee, wie willst du diesen Staubsauger zu Geld machen?
[59:42] Ich würde, Philipp, tatsächlich, bevor wir zu dem Staubsauger nochmal kommen,
[59:45] mal auf einen anderen Moment kommen, der mindestens genauso wichtig ist.
[59:50] Und zwar der Moment, wo die Polizei mitkriegt, wo ich bin.
[59:53] Und das war drei Tage vorher gewesen. Und weil...
[59:59] Und ich, also Sophies Mutter ruft sie an und sagt, hier Polizei und das und
[1:00:04] alles und sie wussten dann plötzlich, der Thomas wird gesucht.
[1:00:07] Das hat sie ihr aber in dem Moment noch nicht gesagt. Und ich war mit Sophie mit dem Auto unterwegs.
[1:00:12] Ihre Eltern wollten abends vorbeikommen. Das war der 15. Januar.
[1:00:16] Und ich wusste schon, okay, alles klar, die Story ist jetzt vorbei.
[1:00:20] Das war es jetzt gewesen.
[1:00:23] Habe, konnte meine Tasche gar nicht mehr holen, die ich mir schon gepackt hatte.
[1:00:26] Habe Sophie zu Hause rausgelassen und bin dann mit dem Auto losgefahren.
[1:00:30] Wusste gar nicht wohin, wollte einfach nur weg.
[1:00:32] Und da kam aber, ihre Eltern hatten schon so einen privaten Sicherheitsdienst
[1:00:35] beauftragt, der ist hinter mir hergefahren, durch Dresden.
[1:00:38] Wir haben uns praktisch eine Verfolgungsjagd geliefert mit zwei Autos,
[1:00:41] die ist dann geendet in der Sackgasse unten an der Elbe. Und dann hatten die mich.
[1:00:45] Und haben die Polizei gerufen. Und dann, die waren, das waren wirklich so richtige
[1:00:49] Hühne, wenn man sich das vorstellt.
[1:00:52] Und da haben die mich aber ganz kurz im Moment mal losgelassen und dann bin ich losgelaufen.
[1:00:56] Und hatte nichts mehr gehabt. Ich bin einfach losgelaufen. Es war so,
[1:01:00] glaube ich so um 18, 19 Uhr gewesen, 15.
[1:01:02] Januar, Nieselregen, 0 Grad, losgelaufen, ins Dunkel und hab mich dort in einem
[1:01:09] Hinterhof von so einem Haus versteckt, eine Stunde,
[1:01:13] hab ich dort irgendwo bei einem Fahrradständer gehockt, es hat so genieselt
[1:01:18] und, und jetzt kommt eigentlich das Fatale, als die mich dort hatten,
[1:01:23] also die hatten mich im Schwitzkasten gehabt, da ich,
[1:01:27] Wie soll ich es jetzt formulieren? Ich sage es gerade raus. Dort habe ich mir
[1:01:30] vor Angst eingeschissen.
[1:01:33] Und jetzt sitze ich dort in diesem Hinterhof mit einer vollgeschissenen Hose,
[1:01:40] jederzeit die Angst, dass die Polizei kommt.
[1:01:42] Und das war für mich auch so ein Moment, der war extrem einprägsam gewesen.
[1:01:48] Da ist mir auch mal bewusst geworden, Thomas, wo hast du denn dein Leben gerade hingeführt?
[1:01:53] Du hast Abitur, du bist Bankkaufmann, du hast alles.
[1:01:56] Und 13 Jahre später sitzt du jetzt hier im Nieselregen, im Schneeregen,
[1:02:02] irgendwo in einem Hinterhof, versteckst dich vor der Polizei.
[1:02:07] Deine Hose ist vollgeschissen und du weißt nicht mehr wohin.
[1:02:11] Ja, und dann habe ich mich da eine Stunde gewartet, habe mich dann weggeschlichen,
[1:02:17] bin am Elbe-Radweg, weiß ich noch, langgelaufen, habe auch immer geguckt,
[1:02:21] kommt die Polizei, kommt sie nicht, war immer hellhörig, wenn ich irgendwo Sirenen gehört habe.
[1:02:26] Und meine erste Anlaufstelle, weil ich nichts mehr hatte, kein Telefon,
[1:02:29] kein nichts, kein Null, war das Wettbüro.
[1:02:31] Und das Wettbüro, wo ich damals war, da habe ich die Tage zuvor,
[1:02:34] glaube ich, 30.000 Euro gelassen.
[1:02:36] Da hat mir der Inhaber irgendwie 1.200 Euro geborgt und davon konnte ich mir
[1:02:39] dann an dem Tag ein Hotel nehmen.
[1:02:42] Und Teile des Geldes habe ich verspielt, einen anderen Teil habe ich in das
[1:02:46] Hotel investiert, in das Hotelzimmer.
[1:02:49] Und ja, ich hatte dann eben kein Handy, kein nichts mehr, keinen Kontakt mehr zu Sophie, null.
[1:02:54] Und das Einzige, was ich hatte oder was so war, das Hotel war gegenüber von
[1:02:59] dem Elektronikmarkt, wo ich den Staubsauger umgetauscht habe.
[1:03:03] Und dann dachte ich, zwei Tage später.
[1:03:06] Jetzt gehst du dahin, weil du brauchst irgendwo, irgendwo musst du das Geld
[1:03:09] hernehmen. Also es waren so die Momente gewesen, wo ich dann dachte,
[1:03:13] entweder find jetzt eine Lösung, dich umzubringen oder lass dich festnehmen
[1:03:17] oder komm an Gelb oder flüchte oder was auch immer.
[1:03:20] Und dann bin ich da in meiner Verzweiflung da drin gegangen und hab diesen Staubsauger
[1:03:24] umgetauscht, den Dyson, ohne ihn zu haben und hab jegliche Konsequenzen ausgeblendet.
[1:03:29] Aber das ist eine ganz wichtige Vorgeschichte, dass ich in dem Moment schon
[1:03:32] völlig isoliert gewesen bin und wirklich nichts mehr hatte und deswegen diesen,
[1:03:37] Staubsauger umtauschen musste.
[1:03:38] Das ist ja auch wirklich, also dein Plan ist eben halt, mit diesem Trick wieder
[1:03:43] an Geld zu kommen, du gehst da rein, sagst, du willst den Staubsauger umtauschen,
[1:03:46] die du ja gar nicht hast, weil der ist ja,
[1:03:48] bei deiner Freundin, beziehungsweise damaligen Schwiegermutter,
[1:03:51] du hast den Bon nicht, das heißt, du musst dir erst aus der Auslage so einen
[1:03:55] Staubsauger klauen, die du angeblich ja gekauft hast,
[1:03:58] gehst da hin und dann passiert eben noch der Zufall, dass ja genau zu dem Zeitpunkt
[1:04:03] ja deine Freundin da ist und wirklich den Staubsauger, den du gekauft hast,
[1:04:07] umtauscht. Also das ist ja auch...
[1:04:09] Weiß nicht, ist es Pech, ist es Schicksal? Es ist auf jeden Fall ein riesiger Zufall, oder?
[1:04:13] Es ist Schicksal, würde ich jetzt mal sagen. Aber im positiven Sinne.
[1:04:17] Also, muss dazu sagen, Sophie und ihre Mutter, die kamen jetzt nicht zum gleichen
[1:04:20] Zeitpunkt, aber die kamen irgendwie ein bisschen später. Aber die kamen am gleichen Tag.
[1:04:24] Und die wollten den Staubsauger umtauschen. Und ich war da mit dem Umtausch schon fertig gewesen.
[1:04:30] Ja, aber das sind so Dinge, die erzählen diese Geschichte, also dieses ganze,
[1:04:37] Drama dieser Geschichte irgendwie nochmal in dieser einen Story und das ist.
[1:04:43] Also das bestärkt mich ja immer wieder darin, das zu machen,
[1:04:46] was ich heute mache, also diese, dass wir hier drüber reden, Prävention und so,
[1:04:50] dass eben diese Leute, dass am besten niemand mit Sportwetten anfängt,
[1:04:55] um dann genau so eine Geschichte da zu durchleben und eben auch nicht auch andere
[1:05:00] Menschen so dermaßen zu schädigen.
[1:05:03] Also es ist, ja, wenn du das so erzählst und wenn ich eben nicht wissen würde,
[1:05:07] dass es echt ist, also wenn ich das in der Serie sehen würde oder so.
[1:05:09] Ich denke so, ja komm, das ist jetzt ein bisschen eine Umdrehung zu viel im
[1:05:13] Plot, das kann ja jetzt eigentlich nicht sein.
[1:05:15] Aber ja, jetzt führt es eben dazu, du wirst festgenommen, weißt,
[1:05:18] das sind jetzt so fünfeinhalb Jahre, die dich erwarten,
[1:05:21] aber du hast am Anfang gesagt, es war eine Erleichterung da,
[1:05:24] aber diese Vorstellung, fünfeinhalb Jahre Knast, macht dir das nichts aus,
[1:05:28] der Gedanke, oder ist die Erleichterung einfach nur stärker?
[1:05:30] Die Erleichterung ist stärker und ich war wirklich froh, also ich war froh,
[1:05:35] dass es einfach vorbei ist.
[1:05:37] Diese Erleichterung, hat deutlich überwiegt und,
[1:05:41] Ja, ich bin dann ins Gefängnis eingeliefert worden, das ist ja auch so eine
[1:05:43] ganz, ganz besondere, also.
[1:05:46] Das ist auch so ein Moment, den kann man nicht beschreiben, ja,
[1:05:48] zumindest nicht, wenn man das erste Mal dahin kommt, da durch die Schleuse und
[1:05:51] dann sitzt so ein Polizeiauto und geht nochmal so ein Tor auf und plötzlich
[1:05:55] bist du da in so einer ganz eigenen Welt, die regiert wird von,
[1:06:00] ja, also sehr viel Beton, sehr viel Stahl und ganz vielen verschlossenen Türen, ja.
[1:06:05] Ja, bin ich da hingekommen, hatte Sachen aus einer Reinigung mir noch geholt
[1:06:10] gehabt, frisch, die hatte ich so auf dem Bügel noch alles drauf und das war
[1:06:12] noch das Erste, was der dort an der, ich sag's jetzt mal, Rezeption,
[1:06:17] zu mir gesagt hat, war, oh, was haben Sie denn gemacht, haben Sie eine Reinigung
[1:06:20] überfallen, sag ich, ja, schön wär's, aber leider ist es nicht nur das gewesen.
[1:06:26] Naja, und dann musste ich meine Sachen abgeben, hab da so einen modisch grünen Schlafanzug bekommen.
[1:06:33] Der sogenannte Frosch in Knast-Sprache wusste ich damals noch nicht.
[1:06:36] Du bist dann komplett grün gewesen und so habe ich dann meine erste Woche verbracht, komplett grün.
[1:06:42] Und wurde dann in Zimmer, Zimmer, Zelle gebracht, Doppelzelle.
[1:06:47] Da saß schon jemand drin, hat Zeitung gelesen.
[1:06:50] Und da hatte ich auch das Glück, dass ich mich mit dem gleich gut verstanden
[1:06:52] habe. Der war auch Fußballfan, wir konnten viel reden und da war das schon mal
[1:06:57] okay. Und ich habe in dieser Nacht, in dieser ersten Nacht so gut geschlafen
[1:07:00] wie schon seit langem nicht mehr. Wow.
[1:07:01] Du hast, glaube ich, im Vorgespräch gesagt, dass es so ein romantischer Gedanke
[1:07:04] ist, dass der Knast die Menschen besser macht, also dass man das selbst in die
[1:07:07] Hand nehmen muss, wenn man ein besserer Mensch werden will.
[1:07:10] Wie nimmst du denn deine eigene Veränderung, als du dann im Knast bist,
[1:07:14] selbst in die Hand? Also was machst du da?
[1:07:16] Ich war wieder glücklich. Das ist verrückt. Ich war tatsächlich,
[1:07:19] ich habe mich nie eingesperrt gefühlt.
[1:07:21] Ich habe plötzlich wieder, also ich habe mich selber erst mal kennengelernt.
[1:07:25] Ich konnte, hatte genügend Zeit und Raum für Selbstreflexion und habe eben gemerkt,
[1:07:30] dass ich Glücksspiel, also es gab ja keine Möglichkeit, dort irgendwie Sportwetten
[1:07:33] zu machen und das hat mir auch nicht gefehlt.
[1:07:35] Das war auch eine ganz wichtige Erfahrung. Ich hatte keinerlei Entzugserscheinungen
[1:07:39] oder sonst was, sondern ich war vom ersten Moment an komplett,
[1:07:44] ja, also wieder auf das Leben fokussiert. Also das Thema Glücksspiel war weg.
[1:07:49] Also die Mauer drumherum, die schützt ja nicht nur die Außenwelt vor den Gefangenen,
[1:07:53] sondern die hat in dem Fall auch mich vor den Gefahren des Glücksspiels geschützt.
[1:08:00] Klingt jetzt hier so einfach. Die Möglichkeit ist weg und damit auch die Sucht.
[1:08:05] Ganz so simpel ist es bei der Sucht natürlich nicht und deshalb sprechen Fachleute
[1:08:09] in der Regel auch nie von Heilung, sondern eher von Remission oder stabiler Genesung.
[1:08:14] Denn die Anfälligkeit, die kann bestehen bleiben. Selbst wenn jemand zehn Jahre
[1:08:19] lang abstinent war, kann es bestimmte Umstände geben, unter denen er wiedergefährdet ist.
[1:08:24] Das bedeutet aber nicht, dass abstinente Süchtige andauernd gegen eine riesige
[1:08:28] innere Kraft kämpfen müssen.
[1:08:30] Viele erleben es so, dass es da eine stetige Entwicklung gibt.
[1:08:34] Von ich denke ständig dran zu ich denke manchmal daran.
[1:08:38] Bis sie schließlich ankommen bei es bestimmt mein Leben nicht mehr.
[1:08:43] Die einen müssen ihre Abstinenz aktiv pflegen, etwa in Therapie- oder Selbsthilfegruppen.
[1:08:48] Für andere tritt das Thema irgendwann richtig weit in den Hintergrund.
[1:08:52] Suchtdruck an sich kommt oft in Wellen. Daher gibt es einige Strategien,
[1:08:57] sich darauf vorzubereiten.
[1:08:58] Man kann zum Beispiel lernen, Auslöser zu erkennen.
[1:09:01] Was führt dazu, dass ich wieder Suchdruck verspüre?
[1:09:04] Man kann den Zugang erschweren, zum Beispiel indem man Apps löscht,
[1:09:08] sich offiziell in Systemen sperren lässt oder Konten schützt.
[1:09:11] Außerdem, und das ist vielleicht das Wichtigste, kann man lernen,
[1:09:14] Verlangen nicht direkt in Handlung umzusetzen.
[1:09:17] Also anzuerkennen, ich habe jetzt den Drang, aber ohne direkt zu Schlussfolgern, ich muss spielen.
[1:09:24] Man kann herausfinden, was einem stattdessen guttut und wie man sich erfolgreich ablenken kann.
[1:09:29] Was an dieser Stelle vielleicht auch noch wichtig ist zu sagen,
[1:09:32] selbst wenn man rückfällig wird, muss das nicht das Ende oder ein ultimatives
[1:09:36] Scheitern sein, sondern es lohnt sich immer wieder dagegen anzukämpfen.
[1:09:41] Denn es gibt so viel an Lebensqualität, die Betroffene durch Abstinenz zurückgewinnen können.
[1:09:47] Thomas hilft es damals im Gefängnis, neue Routinen zu entwickeln und Aufgaben zu haben.
[1:09:54] Ja, ich bin arbeiten gegangen. Ich war ein halbes Jahr in der Bäckerei arbeiten gewesen.
[1:09:58] Ich habe mich sehr schnell angemeldet für die Gefangenezeitschrift,
[1:10:04] da habe ich geschrieben.
[1:10:04] Diverse Sportangebote wahrgenommen, Fußballgruppe und so weiter und so fort.
[1:10:09] Und ich hatte auch das Glück, dass ich Gefangene um mich drum herum hatte,
[1:10:14] die mich, naja, sagen wir mal, zumindest mal respektiert haben.
[1:10:18] Das ist auch ganz wichtig, also dass mich auch die richtigen Gefangenen respektiert haben.
[1:10:22] Ich habe schnell gelernt, was man da drin machen kann, was nicht,
[1:10:25] was geht, was nicht geht. Und das war, glaube ich, eine sehr wichtige Zeit,
[1:10:30] das dazulernen. Du hast ja im Gefängnis schon angefangen, deine Geschichte aufzuschreiben. Warum?
[1:10:37] Ich habe in der Gefangenenzeitschrift geschrieben und habe da verschiedene,
[1:10:40] ich habe mal von A bis Z habe ich so verschiedene Punkte aus dem Knast benannt.
[1:10:45] Was war denn A? A ist Antrag. Also im Knast läuft alles nur über Antrag.
[1:10:50] B ist, ich weiß gar nicht, was war B, C, C war Computer. Also so ein Knast-ABC
[1:10:55] sozusagen. Habe ein Knast-ABC geschrieben.
[1:10:58] Und das wurde aber so viel, dass wir das nicht in die Gefangenenzeitschrift
[1:11:02] nehmen konnten. Weil ursprünglich war dafür eine Sonderausgabe geplant.
[1:11:05] Die konnte man dann aus Kostengründen nicht umsetzen und dann hieß es,
[1:11:09] okay, also entweder du stampfst dieses ganze Thema jetzt ein oder.
[1:11:14] Machst was anderes damit und dann dachte ich, naja Moment, jetzt habe ich einmal
[1:11:17] diese ganzen Geschichten, jetzt kann ich ja zu meiner eigenen Geschichte ein
[1:11:19] bisschen was dazu schreiben, mache ich doch glatt mal ein Buch draus.
[1:11:23] Und dann durfte ich tatsächlich, habe ich einen Antrag gestellt und durfte an
[1:11:26] unserem Computer der Gefangenenzeitschrift, der Redaktion, durfte ich dort mein
[1:11:32] eigenes Buch schreiben durch eine Sondergenehmigung.
[1:11:35] Ohne Internet, aber nur einfach, dass man das überhaupt als Privileg empfindet,
[1:11:39] auf so einer altertümlichen Tastatur herumtippeln zu dürfen,
[1:11:42] Computer zu haben und eine Maus von 2000.
[1:11:46] Aber es war.
[1:11:49] Es hat funktioniert. Und da habe ich einfach Buch geschrieben und habe das dann
[1:11:53] im Eigenverlag veröffentlicht, habe da ein paar Exemplare drucken lassen und
[1:11:57] habe die in verschiedene Zeitschriften und Zeitungen schicken lassen.
[1:12:01] Und da sind Menschen darauf aufmerksam geworden und so hatte ich glaube ich im Juni 2000,
[1:12:08] den ersten Zeitungsbericht gehabt, relativ groß sogar schon,
[1:12:11] in der sechstischen Zeitung und dann sind weitere gefolgt, zum Beispiel Kicker
[1:12:14] oder was hat man noch, Spiegel oder Stern, also große, große Blätter.
[1:12:19] Und das hat mich auch darin bestärkt, da weiterzumachen und,
[1:12:25] ja, ich finde es einfach wichtig, dass man wirklich aus erster Hand,
[1:12:28] so wie wir heute reden, einfach mal das Thema Spielsucht beleuchtet,
[1:12:32] um dafür ein bisschen Verständnis zu naja.
[1:12:38] Verständnis nicht, dass man die Straftaten tut, aber dass die Leute sich mehr,
[1:12:42] da reinversetzen können, was passiert da eigentlich und wie wichtig ist es,
[1:12:45] dagegen vorzugehen und warum ist es schlecht, dass wir ständig hier Sportwettenwerbung
[1:12:48] sehen, zum Beispiel bei der WM.
[1:12:50] Ja, es ist ja wirklich auch viel Aufklärung, was du machst.
[1:12:53] Am Ende wirst du drei Jahre und vier Monate in Haft sein, kommst dann raus,
[1:12:58] hast reflektiert, hast deine Taten aufgeschrieben.
[1:13:01] Aber die Realität ist jetzt nicht so, dass die Welt auf dich wartet,
[1:13:03] dass du wieder zurückkommst, wenn man mal ehrlich ist. Also ich glaube,
[1:13:07] du hast so 800.000 Euro Schulden ungefähr zu dem Zeitpunkt. Also wie ist dann
[1:13:12] ein Neustart mit 800.000 Euro Schulden?
[1:13:16] Ja, de facto ist der gar nicht möglich, weil.
[1:13:20] In dem Moment, wo ich wieder rauskomme, sind auch die Probleme der Vergangenheit wieder da.
[1:13:24] Also ich war ja in einer geschützten Atmosphäre, in einer Glocke und da stehst
[1:13:28] du draußen und alles kommt wieder auf dich drauf zu.
[1:13:30] Und dann komme ich raus und ja, wie du sagst, auf mich wartet keiner.
[1:13:33] Auf mich haben noch nicht mal meine eigenen Eltern gewartet,
[1:13:35] die hatten den Kontakt abgebrochen gehabt. In dem Moment, wo ich meine Geschichte
[1:13:38] öffentlich gemacht habe, wollten die nicht mehr mit mir zu tun haben,
[1:13:44] weil es ihnen unangenehm war.
[1:13:46] Hat sich dann Gott sei Dank wieder geändert, aber zum damaligen Zeitpunkt war
[1:13:49] es so gewesen und dann hatte ich die gleichen Herausforderungen wie vorher,
[1:13:54] find eine Wohnung, find einen Job,
[1:13:56] find irgendeine Lösung für all das, was du vorher angerichtet hast und,
[1:14:01] ja, kannst dir vorstellen, wenn jemand in der Bewerbung angibt ja,
[1:14:04] ich war 13 Jahre spielsüchtig und dann nochmal 3 Jahre im Knast,
[1:14:08] ich glaube wenn es da mindestens einen oder wenigstens einen Mitbewerber gibt,
[1:14:11] dann hat der bessere Karten als Klug, ja und deswegen war es sehr schwierig.
[1:14:15] Ich war danach dann drei Monate in Wales sogar gewesen und auf Einladung einer
[1:14:21] Organisation aus England, die sich auch mit um das Thema dort kümmert,
[1:14:26] Spielsucht, weil es auch in Großbritannien,
[1:14:29] Und die Wales, ein riesengroßes Problem ist Spielsucht und das muss ich sagen,
[1:14:33] hat mir auch sehr, sehr gut getan.
[1:14:34] Aber da war ich eben auch nur drei Monate und dann bin ich wieder zurück und dann, ja,
[1:14:39] hat jemand doch keine Wohnung, hab da auch in Dresdorf Weihnachtsmarkt gearbeitet und.
[1:14:44] Das hätte fast dazu geführt, dass ich wieder zurück ins Gefängnis gekommen wäre,
[1:14:47] weil ich hatte Ende 2022 einen Rückfall gehabt bei einem Wettbüro in Leipzig.
[1:14:57] Ich war zwar gesperrt über dieses Oasis-Spielersperrsystem, aber die haben mich
[1:15:03] trotzdem spielen lassen. Jetzt könnte man sagen, warum gehst du da einfach rein?
[1:15:06] Aber so einfach ist es ja nicht, weil ich lasse mich ja sperren aus Schutz vor mir selber.
[1:15:10] Und Wettbüros müssen verpflichtend die Ausweise der Spielerinnen und Spieler
[1:15:17] kontrollieren, um festzustellen, sind die gesperrt oder nicht.
[1:15:19] Und das haben die dort einfach nicht gemacht.
[1:15:21] Und so, ich habe meine erste Wette platziert, 20 Euro nach mehreren Jahren und
[1:15:26] gewinne verdammt nochmal 300.
[1:15:29] In dem Moment war das komplette Denken wieder drin.
[1:15:33] Da hat sie eine Spirale in Gang gesetzt für ein paar Wochen und dann bin ich
[1:15:36] aber Gott sei Dank im Februar 23 dort von selbst wieder rausgekommen,
[1:15:40] sonst würde ich jetzt wahrscheinlich hier sitzen, sondern wäre schon wieder im Knast.
[1:15:42] Aber das ist ja spannend. Was ist denn dieses Mal anders gewesen?
[1:15:46] Es war ja wieder, wie du sagst, die gleiche Spirale, aber was war dieses Mal
[1:15:50] anders, dass du nicht mehr wieder so tief gefallen bist?
[1:15:53] Die Erfahrungen haben dann gegriffen von früher. Ich bin nämlich damals dann
[1:15:57] auch zur, was ist denn das, Landesdirektion Sachsen gegangen,
[1:16:01] die sich, also es ist praktisch so eine Glücksspielaufsicht in Leipzig,
[1:16:05] und habe diesen Fall dort auch zur Anzeige gebracht, weil.
[1:16:10] Ich ja auch gesehen habe, dort waren ja auch andere gewesen,
[1:16:12] die dort niemals hätten sein dürfen, dort wurde gar nichts kontrolliert und
[1:16:16] dann haben die festgestellt, ja Moment mal, die machen ja schon seit Monaten
[1:16:19] gar keine Oasisabfragen mehr, verdient sich dort am Leid der Leute, dumm und dämlich.
[1:16:24] Und das war so der Moment, wo ich dann gesagt habe, ich bin einfach mehr als
[1:16:28] dieser Süchtige und ich will nicht mehr zurück ins Gefängnis,
[1:16:30] ich will auch nicht mehr zurück in dieses Leben, was ich jetzt jahrelang hatte,
[1:16:35] und habe mich dort angefangen dagegen zu wehren. Und in dem Moment,
[1:16:38] ab diesem Moment wurde es besser.
[1:16:40] Ja, du bist nochmal gestolpert, aber du bist zum Glück nicht hingefallen,
[1:16:42] könnte man vielleicht sagen.
[1:16:44] Es klang jetzt gerade schon ein bisschen an, Neustart mit so vielen Schulden,
[1:16:47] mit so einem Lebenslauf, mit so einer Lücke in dem Lebenslauf ist nicht einfach.
[1:16:52] Und irgendwann machst du dann so ein bisschen aus der Not eine Tugend,
[1:16:55] weil es so schwierig für dich ist, einen festen Job wiederzufinden.
[1:16:58] Und fängst an, Vorträge über Spielsucht zu halten in Schulen, in Sportvereinen.
[1:17:07] Wie läuft das am Anfang?
[1:17:09] Genau, also ich habe dann gesagt,
[1:17:11] dass das Thema muss einfach präsenter werden in der Öffentlichkeit.
[1:17:15] Aber ich muss natürlich gleichzeitig auch die Möglichkeit haben,
[1:17:18] meinen Lebensunterhalt in irgendeiner Form da zu bestreiten.
[1:17:21] Und genau, du hast das richtig gesagt, aus der Not eine Tugend machen.
[1:17:23] Also nicht darauf warten, dass sich irgendwann mal jemand einstellt, sondern.
[1:17:27] Ich habe kurzzeitig in einem Café gearbeitet, aber das war einfach,
[1:17:30] also ich würde ja nie an den Punkt kommen, um jemals meine Schulden irgendwie
[1:17:34] begleichen zu können. Ja, das klappt so nicht mit Mindestlohn.
[1:17:38] Und da habe ich gesagt, okay, es muss neue Wege geben und habe eben angefangen,
[1:17:42] diese Vorträge zu halten.
[1:17:44] Und im Jahr 2024 habe ich zusätzlich noch das Thema illegale Sportwetten angenommen,
[1:17:50] habe da relativ viel dagegen getan, wo es sehr viele Zeitungsberichte gab zu der damaligen Zeit.
[1:17:56] Und habe dort mitgeholfen, dieses Thema ein bisschen in den Griff zu bekommen.
[1:18:02] Daraufhin ist ein Verlag aufmerksam geworden auf mich, hat mich angeschrieben,
[1:18:05] ob wir nicht zusammen ein Buch machen wollen. Dann haben wir dieses Buch zusammen umgesetzt.
[1:18:09] Und aus diesem Buch heraus wollte ich, ich wollte einfach nur eine Promo für das Buch machen.
[1:18:16] Und daraus hat sich dann etwas völlig Verrücktes ergeben, was dazu geführt hat,
[1:18:23] dass ich jetzt auf Social Media bekannt bin. Aber vielleicht kommen wir da ja
[1:18:27] nochmal dazu. Genau da wollte ich jetzt hin.
[1:18:29] Es waren glückliche Umstände, Philipp, die dann wirklich dazu geführt haben,
[1:18:33] dass ich jetzt an dem Punkt bin, wo ich bin. Das ließ sich vorher so gar nicht
[1:18:36] planen. Deswegen sage ich grundsätzlich, es ist unmöglich, wieder zurückzukommen
[1:18:40] mit 800.000 Euro Schulden.
[1:18:41] Es sei denn, du suchst dein Glück nicht mehr im Glücksspiel,
[1:18:44] sondern vertraust darauf, dass sich das Glück im wahren Leben findet.
[1:18:47] Und genau so lief das auch, was das Thema Social Media angeht.
[1:18:51] Da sind wir jetzt beim Sportwettbewerbsheriff. Das ist das, woher man dich vielleicht
[1:18:55] kennt. Im Mai 2025 fängt das, glaube ich, an und du machst da ein bisschen was,
[1:19:01] Verrücktes. Erzähl mal den Leuten, die jetzt gar nicht wissen,
[1:19:03] was das ist, was du da machst.
[1:19:05] Im Mai 25 wurde zumindest mal der Name Sportwettensheriff geboren.
[1:19:11] Das war gar nicht ich, sondern das war ProSieben gewesen, Galileo.
[1:19:16] Wir haben da was gedreht und die haben dem Beitrag den Arbeitstitel gegeben,
[1:19:19] Sportwettensheriff. Und da dachte ich mir, Mensch, das klingt irgendwie ziemlich prägnant.
[1:19:25] Und da habe ich meine Social Media Kanäle mal umbenannt. Aber zu dem damaligen
[1:19:28] Zeitpunkt hatte ich noch 700 Follower gehabt.
[1:19:30] So und dann war es September, der 12.
[1:19:34] September 2025, also vor was weiß ich,
[1:19:38] neun oder zehn Monaten jetzt ja und da haben wir uns mit einem Trikot von Preußen
[1:19:45] Münster in Bielefeld vor die Alm gestellt und mit dem Schild Wette verloren,
[1:19:49] weil ich einen Weg gesucht habe, wie kann man auf Social Media möglichst,
[1:19:54] viel Aufmerksamkeit für das Thema bekommen, mit möglichst geringen Mitteln,
[1:19:58] weil das Schild selber ist ein zersiegter Besenstiel, das ist einfach nur so
[1:20:01] eine Bastelplatte oben drauf geklebt und Pauli hat Wetterfall drauf geschrieben.
[1:20:04] Naja und halt das Trikot.
[1:20:05] So und dann haben wir überlegt, okay vielleicht passiert auch gar nichts.
[1:20:09] Und dann habe ich dort die Jacke ausgezogen, grünes Trikot drunter,
[1:20:14] inmitten von ganz vielen blauen Trikots.
[1:20:17] Und an dem Moment kann ich mich auch ganz genau erinnern, als wäre das gestern gewesen.
[1:20:21] Ja auf einmal, ich habe mich wirklich sehr unwohl gefühlt erstmal,
[1:20:24] weil ich dachte, oh Gott, was mache ich hier eigentlich?
[1:20:27] Jeder, der so ein bisschen Fußball interessiert ist, kann das weit nachvollziehen.
[1:20:31] Und dann war auf einmal kurze Ruhe, die Leute haben mich angeschaut,
[1:20:34] dann haben Leute angefangen zu johlen, zu klatschen und dann kamen auch schon
[1:20:37] die ersten, die mich da irgendwie gesagt haben, was machst du denn hier?
[1:20:40] Und dann plötzlich war mein Trikot voller Aufkleber gewesen,
[1:20:43] das Schild war dann auch schon voller Aufkleber.
[1:20:46] Ja und dann haben wir da ein Video draus gemacht, was eigentlich ursprünglich
[1:20:49] mal für YouTube gedacht war, aber.
[1:20:53] Dann haben wir festgestellt, ja Moment mal, das haben auch ganz viele Leute
[1:20:56] so schon fotografiert und gefilmt und die haben es bei Social Media reingestellt
[1:20:59] und der entscheidende Knackpunkt kam dann am nächsten Tag, da war man nämlich
[1:21:02] mit Dortmund-Trikot auf Schalke, ist auch so ein Ding, was man eigentlich nicht machen sollte,
[1:21:07] und auch schlimmer wurde es dann am Abend mit Braunschweig-Trikot in Hannover,
[1:21:10] also das ist ja ein komplettes No-Go und da hat das jemand mitgefilmt gehabt, ein kleiner,
[1:21:17] TikTok-Kanal und der hatte plötzlich binnen kürzester Zeit, er hat das online
[1:21:21] gestalt, binnen kürzester Zeit mehrere hunderttausend Aufrufe und da haben wir
[1:21:24] gesagt, Moment, das können wir jetzt so nicht machen mit YouTube und längerer
[1:21:27] Film und so, machen wir nicht.
[1:21:28] Wir machen einfach kleine Reels für Instagram.
[1:21:33] So, und dann haben wir am 15. September das erste hochgeladen mit Dortmund-Trikot
[1:21:37] auf Schalke und dann ist der Kanal explodiert von jetzt auf gleich und das Video
[1:21:43] hatte dann jetzt irgendwie 4,7 Millionen Aufrufe und ich habe, weiß nicht,
[1:21:48] ja, also plötzlich am ersten Tag 2.000, 3.000 Leute mehr gehabt,
[1:21:52] also von 700 auf irgendwas und dann ist das über die nächsten Tage und Wochen
[1:21:56] so gewachsen und jetzt sind es halt 57.000,
[1:21:59] und wir haben, ich weiß gar nicht wie viele Aufrufe, wir haben 60,
[1:22:02] 70, 80 Millionen seitdem.
[1:22:04] Die Leute kennen das Thema, das ist ziemlich viral gegangen und das ist auch
[1:22:08] gut und wir kriegen unglaublich viel Zuspruch auch vor Ort. Natürlich auch.
[1:22:13] Das eine oder andere, wo es den Leuten vielleicht nicht so gefällt,
[1:22:16] dafür habe ich totales Verständnis.
[1:22:18] Aber wer sich mit der Sache beschäftigt, wird feststellen, dass es total wichtig ist,
[1:22:23] auf dieses Thema aufmerksam zu machen und Social Media funktioniert halt nun
[1:22:27] mal nach ganz eigenen Prinzipien und dazu braucht es eben auch so eine sehr
[1:22:30] aufmerksamkeitserregende Aktion.
[1:22:34] Okay, es geht um Aufmerksamkeit. Das finde ich nachvollziehbar.
[1:22:38] Aber kommst du dann auch wirklich ins Gespräch mit den Leuten?
[1:22:41] Weil ich könnte mir schon vorstellen, wenn du da jetzt zum Beispiel auf Schalke
[1:22:44] mit dem Dortmund-Trikot rumläufst oder in der Allianz Arena mit dem 1860-Trikot
[1:22:48] oder so, dass man auch angepöbelt wird. Also ist da Raum für Gespräche?
[1:22:53] Ja, da ist sehr viel Raum für Gespräche. Das Anpöbeln gehört auch mit dazu.
[1:22:57] Das ist auch völlig okay. Mit Worten kann ich leben. Das ist gar kein Problem. Mit Gewalt nicht.
[1:23:03] Wir kommen mit sehr vielen Leuten ins Gespräch. Aber wichtiger ist fast,
[1:23:06] noch wichtiger als das, was vor Ort passiert, ist, was online passiert.
[1:23:09] Also es wird online über das Thema diskutiert. Es wird sehr viel geschrieben.
[1:23:14] Es hat eine Awareness stattgefunden, die es vorher so nicht gab auf das Thema.
[1:23:19] Und den Leuten wird immer mehr bewusst, okay, das ist ein riesengroßes Problem.
[1:23:22] Und mein Postfach ist voll mit Nachrichten von Leuten, die sagen,
[1:23:27] mir geht es genauso und danke, dass du das machst oder was kann ich tun.
[1:23:31] Also das Problem wird anhand meines Postfachs unglaublich sichtbar,
[1:23:35] aber auch anhand der Videos.
[1:23:37] Und es brauchte einfach diese Aktion, um diesem schwierigen Thema Spielsucht,
[1:23:42] damit beschäftigt sich ja sonst keiner im Alltag, wir mussten dem eine Schleife
[1:23:46] umbinden, dass die Menschen sich überhaupt erstmal damit beschäftigen.
[1:23:50] So, und das ist, glaube ich, jetzt dadurch gelungen und deswegen bin ich sehr froh,
[1:23:56] dass wir jetzt an dem Punkt, wo wir sind oder sind, wo wir sind und ja,
[1:24:02] also es fühlt sich immer noch an so ein bisschen wie so ein Traum,
[1:24:06] ja, also wenn ich früher mal gewusst hätte.
[1:24:09] Oder auch, wo ich aus dem Gefängnis entlassen wurde, dass ich jetzt mal an dem
[1:24:12] Punkt bin, das hätte ich so nie geglaubt, aber es ist ein sehr großes Privileg,
[1:24:17] dafür bin ich sehr dankbar, aber trotzdem muss ich sagen, besser wäre es gewesen, am 22.
[1:24:22] November 2005 die erste Wette nicht zu setzen, dann würden wir vielleicht heute
[1:24:27] dieses Gespräch nicht führen, aber dann wäre sehr vieles anders gelaufen und
[1:24:32] das ist wichtig, das immer so zu erwähnen.
[1:24:34] Damit sind wir im Heute. Wie ist dein Verhältnis zu deiner Familie,
[1:24:39] zu deinen Freunden, denen du damals Geld unterschlagen hast heute?
[1:24:44] Also ich bin mit sehr vielen Menschen im Austausch von damals,
[1:24:47] die honorieren tatsächlich sehr, was ich mache, auch Leute, die noch Geld bekommen
[1:24:50] und das ist, glaube ich, auch ganz, ganz wichtig.
[1:24:52] Natürlich lässt sich diese Riesensumme nicht von heute auf morgen zurückzahlen,
[1:24:56] aber ich glaube, es ist schon mal wichtig, das Signal zu setzen,
[1:25:00] dass ich alles dafür tue, dass möglichst viel Geld wieder zurückkommt.
[1:25:02] Und mit meiner Familie ist es
[1:25:04] auch wieder sehr gut, zumindest mit meinem Bruder und mit meiner Mutter.
[1:25:08] Mein Vater ist vor zwei Jahren gestorben, das war, ich glaube,
[1:25:12] also er hat bis zum Schluss nicht verkraftet, was da passiert ist.
[1:25:17] Selbst im Moment seines Todes wollte er mich nicht mehr sehen.
[1:25:20] Das hätte ich mir anders gewünscht, aber er hat sich dann eben so entschieden.
[1:25:25] Gleichzeitig war das für uns, also auch wenn es ein bisschen schwierig klingt,
[1:25:30] für uns als Familie war es die Chance gewesen, als der Papa nicht mehr da war,
[1:25:33] haben wir wieder zusammengefunden, weil er hat bis zum Schluss meiner Mutter
[1:25:37] den Umgang mit mir verboten,
[1:25:39] und hat zum Beispiel auch das Telefon,
[1:25:41] die Nummer gesperrt und sowas.
[1:25:43] Also hat versucht den Kontakt zu unterbinden und das ist glaube ich auch nicht
[1:25:46] der richtige Weg und deswegen sind wir jetzt wieder als Familie zusammengewachsen
[1:25:52] und das ist natürlich sehr,
[1:25:54] sehr schön und grundsätzlich muss ich sagen, habe ich jetzt wirklich ein ganz
[1:25:57] tolles Umfeld gewonnen, in dem Fall wirklich gewonnen, eben durch Pauli,
[1:26:01] meine Freundin, meine Schwiegermama mit Gudi und das ist glaube ich so die Basis des Ganzen.
[1:26:09] Warum das überhaupt so erfolgreich sein kann und das ist einfach auch wieder
[1:26:15] so ein Punkt, den ich weitergeben mag, dass das Glück vertraut einfach darauf,
[1:26:18] dass das Glück euch im wahren Leben findet,
[1:26:21] sucht Glück nicht im Glücksspiel, das wird nicht passieren und vor allen Dingen
[1:26:26] auch die kleinen Dinge im Leben mal ein bisschen,
[1:26:29] wertzuschätzen, ich glaube das ist auch ganz wichtig Geld ist bei weitem nicht
[1:26:32] alles, sondern es gibt ganz viele kleine Momente, die sind so viel wichtiger,
[1:26:35] aber werden oftmals leider vernachlässigt.
[1:26:39] Wir haben jetzt über die Menschen aus deinem näheren Umfeld gesprochen.
[1:26:42] Was ist denn zum Beispiel mit denen vom Bahnhof, die Leute, weißt du,
[1:26:45] von denen du dir das Geld geliehen hast?
[1:26:47] Bist du mit denen auch im Kontakt oder versuchst du da in Kontakt zu treten?
[1:26:51] Also tatsächlich, tatsächlich habe ich auch die ganzen Nummern gar nicht mehr,
[1:26:54] aber die Leute, die damals die Anzeigen erstattet haben, die sind ja in Urteilen
[1:27:01] mit drin, wo ich Geld zurückzahlen muss.
[1:27:02] Also die werden praktisch Geld bekommen, was ich an die Landesjustizkasse zahle
[1:27:06] und die Landesjustizkasse wiederum verteilt ist.
[1:27:09] Also genau, das ist wie so ein großer Pool, wo jeder anteilig dann eben Geld
[1:27:13] bekommt, weil wir reden tatsächlich um mehrere hundert Fälle von Menschen,
[1:27:20] die damals Geld verloren haben.
[1:27:22] Und wenn es nur 20 Euro sind, aber 20 Euro sind 20 Euro.
[1:27:26] Und deswegen, das ist darüber geregelt und das ist auch ganz gut so.
[1:27:31] Wie hoch sind deine Schulden aktuell noch, wenn du das sagen möchtest?
[1:27:35] Wir sind, glaube ich, noch weit im sechsstelligen Bereich. Wir haben vieles familiär.
[1:27:40] Durch Erbschaftssachen geregelt, aber ich würde jetzt mal beziffern,
[1:27:45] wir sind irgendwo zwischen 250.000 und 300.000 Euro. Ich kann dir sagen,
[1:27:49] Philipp, ich zahle das Geld zurück.
[1:27:51] Es wird ein bisschen dauern, es wird ein bisschen dauern, aber es haben sich
[1:27:55] jetzt ja auch durch Social Media Möglichkeiten ergeben.
[1:27:58] Und ich fühle mich fit, bin motiviert. Und das ist ein ganz großes Ziel,
[1:28:05] dass jeder einzelne Euro wieder an denjenigen oder diejenige zurückgeht, wo er mal herkam.
[1:28:09] Also man muss ja sagen, du hast ja dann auch schon viel geschafft.
[1:28:11] Wenn du mit, als du rauskommst, bei 800.000 warst, dann bist du ja schon Teil des Weges gegangen.
[1:28:16] Und ich finde es auch wirklich stark, dass du dich dem stellst,
[1:28:19] weil man hört ja auch sagen können, ich melde Privatinsolvenz an,
[1:28:21] da bin ich in drei Jahren schuldenfrei und alles ist gut. Aber diesen Weg gehst du ja nicht.
[1:28:26] Wie ist es denn heute? Also verspürst du manchmal noch den Suchtdruck?
[1:28:30] Tatsächlich nicht und da bin ich sehr froh drüber.
[1:28:32] Muss allerdings dazu sagen, es gibt keine Garantie, dass es so bleibt.
[1:28:36] Deswegen ist es auch wichtig, dass ich nach wie vor gesperrt bin.
[1:28:39] Ich mache das Ganze natürlich hier auch als Schutz vor mir selbst, sondern,
[1:28:44] also beziehungsweise war es ja immer so gewesen, ich wollte eine,
[1:28:47] also die Hürde so hoch bauen, dass sie idealerweise im Fall,
[1:28:51] dass dieser Suchtdruck mal wieder zurückkommt, dass ich nie wieder drüber steigen
[1:28:55] kann und dass es mich davon abhält.
[1:28:57] Und ich glaube, das ist mir gelungen, weil ich kenne diese Sucht leider viel
[1:29:02] zu gut und ich weiß, was sie mit mir gemacht hat oder was ich geworden bin dank ihr.
[1:29:09] Und deswegen ist maximaler Schutz wirklich absolut wichtig und notwendig.
[1:29:14] Und dieses ständige Reden darüber, ich meine, das ist jetzt letztlich meine
[1:29:17] Arbeit, das schützt mich natürlich.
[1:29:20] Sehr, sehr gut davor, aber es gibt nie eine hundertprozentige Garantie und deswegen
[1:29:24] gehe ich auch zum Beispiel heute wieder alle 14 Tage in eine Gruppe mit,
[1:29:31] ja, entweder aktuell Süchtigen oder ehemals Spielsüchtigen, wo man einfach so
[1:29:35] über die eigenen Erfahrungen redet, auch das tut mir nochmal gut,
[1:29:38] auch da kriege ich nochmal eine andere Sichtweise auf die Dinge.
[1:29:41] Also es ist schon wichtig, dass man dort was macht und dass man dort nicht so sorglos damit umgeht.
[1:29:47] Wir sind schon am Schluss dieses Podcasts, eine wilde Reise.
[1:29:50] Ich glaube, wir hätten noch fünf Stunden weiter reden können.
[1:29:52] Aber wenn du den Podcast kennst, weißt du, dass ich meinen Gästen immer am Ende
[1:29:56] dieselben zwei Fragen stelle. Nämlich die erste, wenn du heute auf diesen einen
[1:29:59] Moment zurückblickst, also den Moment, wo die Handschellen klicken,
[1:30:02] welches Gefühl löst dieser Moment in dir aus?
[1:30:05] Ich bin glücklich, dass es so gekommen ist. Also ich bin wirklich glücklich
[1:30:08] und dankbar, dass es so gekommen ist, weil die Alternative, ja,
[1:30:12] die wäre nicht gut gewesen und deswegen bin ich sehr dankbar dafür,
[1:30:16] festgenommen worden zu sein.
[1:30:18] Und eigentlich, so komisch das klingt, können wir auch auf eine Art dankbar
[1:30:22] dafür sein, weil jetzt kannst du aufklären und Menschen hoffentlich davor eben
[1:30:25] bewahren, dass denen etwas Ähnliches passiert wie dir.
[1:30:28] Zweite Frage, wie war das für dich heute, mit mir über deine Geschichte zu sprechen?
[1:30:33] Also ich muss sagen, Philipp, ich habe mich sehr wohl gefühlt.
[1:30:35] Ich könnte jetzt auch noch fünf Stunden mit dir drüber reden,
[1:30:37] müsste vielleicht mal was trinken und was essen, aber ansonsten,
[1:30:40] die Geschichte selber ist wirklich verrückt.
[1:30:42] Wir haben ja heute nur an der Oberfläche gekratzt und es gibt so viele kleine
[1:30:47] Geschichten und ich glaube, da kann man wirklich noch ewig drüber reden, aber ich glaube.
[1:30:54] Für deine Zuhörer ist es sehr gut, einfach mal einen Einblick zu bekommen,
[1:30:58] vielleicht sich so ein bisschen reinzuversetzen.
[1:31:00] Und also du hast es mir super leicht gemacht und deswegen kann ich nur sagen,
[1:31:05] danke überhaupt, dass du dich dieser Thematik annimmst, das ist super wichtig,
[1:31:08] ja, davon lebt das Ganze ja auch, dass das so verbreitet wird und,
[1:31:13] ja, ich möchte auch denjenigen, die das heute hören, auch sagen,
[1:31:19] dass ihr, ja, möglichst die Finger von Glücksspiel lasst, versucht,
[1:31:24] Umstehenden oder, ja, Nahestehenden zu helfen, wenn ihr merkt,
[1:31:29] da gibt es Probleme und ansonsten kann ich nur sagen,
[1:31:33] schaut auf meinem Kanal vorbei, ist auch nicht ganz unwichtig oder schreibt
[1:31:37] mir auch gern, wenn es irgendwie Bedarf gibt nach Hilfe, also ich bin da gern
[1:31:41] dabei, mir macht das sehr viel Spaß, die Arbeit zu machen und,
[1:31:45] kann nur sagen, ja nochmal, danke Philipp, dass du dich dieser Thematik annimmst,
[1:31:48] mir hat es sehr viel Spaß gemacht mit dir.
[1:31:49] Kann ich nur zurückgeben, danke Thomas. Danke Philipp.
[1:31:54] Das war für mich wieder mal ein Einblick in eine Lebensgeschichte,
[1:31:59] mit der ich wahrscheinlich ohne diesen Podcast nie in Berührung gekommen wäre,
[1:32:02] und dafür liebe ich die Gespräche hier so und ich hoffe, dass es euch genauso
[1:32:06] geht und ihr aus jeder Folge ein bisschen was mitnehmen könnt.
[1:32:09] Eine kleine Info zum Ende für euch. Wir machen jetzt hier mit diesem Moment
[1:32:13] erstmal eine kleine Sommerpause.
[1:32:14] Ja, ich weiß, Podcast-Fans hassen dieses Wort, aber ich muss mal ein bisschen
[1:32:19] runterkommen und ich hoffe, ihr habt auch die Möglichkeit, es euch ein bisschen
[1:32:22] gut gehen zu lassen und schönes Wetter zu genießen.
[1:32:25] Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben wollt, dann folgt mir gerne bei Instagram,
[1:32:29] ganz einfach zu finden, da findet ihr mich und dort erfahrt ihr auch zuerst,
[1:32:32] wann es hier mit neuen Folgen weitergeht.
[1:32:35] Bis dahin ein fettes Dankeschön, dass ihr eine so treue und auch so wertschätzende
[1:32:40] Community seid, also wenn ich mir die Kommentare durchlese, das ist immer wieder total schön.
[1:32:45] Es macht mir einfach Riesenspaß, diese Folgen für euch aufzunehmen und auch
[1:32:49] ich kann einfach jedes Mal wieder was mitnehmen.
[1:32:52] Also wir hören uns hier bei dieser eine Moment. Tschüss.
[1:33:00] Dieser eine Moment, der Podcast mit Philipp Fleiter, ist eine Produktion von
[1:33:05] Philipp Fleiter und WeMind.
[1:33:07] Redaktion Philipp Fleiter, Laila Keuthage und WeMind. Sounddesign und Schnitt
[1:33:12] Marius Fuchtmann für WeMind.

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