# #118 Die Lüge vom schnellen Geld

An episode of [Aktenzeichen XY… Unvergessene Verbrechen](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1644661277), 28 Oct 2026, 1 h 12 min.

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Anfang der 2000er Jahre entdeckt Robert Pohlmann* für sich eine wahre Goldgrube: Der Auswanderer verkauft aus den USA heraus im deutschsprachigen Raum angeblich gewinnbringende Kapitalanlagen. Tatsächlich legt er das Geld jedoch nicht an, sondern steckt es sich in die eigene Tasche. In nur zwei Jahren zockt er seine Kunden so um mehrere Millionen US-Dollar ab. Mit seinem perfiden Schneeballsystem war Robert Pohlmann vor gut zwanzig Jahren sehr erfolgreich. Heutzutage gehen die Täter beim sogenannten „Cybertrading“ meist anonym vor, sprechen oft eine wesentlich jüngere Zielgruppe in sozialen Netzwerken an, nutzen moderne Methoden – und die Schadenssummen sind um ein Vielfaches höher. In der Spezialfolge zum Thema Anlagenbetrug sprechen Rudi Cerne und Nicola Haenisch-Korus im Tonstudio mit dem Leitenden Kriminaldirektor Oliver Hoffmann und dem Ersten Polizeihauptkommissar Michael Heck vom LKA Baden-Württemberg. Sie sind spezialisiert auf den Bereich Wirtschaftskriminalität und kennen nicht nur die Maschen der Betrüger, sondern wissen auch, wie Geschädigte wieder etwas von ihrem Geld zurückbekommen können. Außerdem im Interview: Yvonne Durban, Richterin am Landgericht Karlsruhe und Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Beide waren am Prozess gegen Robert Pohlmann beteiligt und schildern ihre Eindrücke vom Verfahren und den Opfern. *Name von der Redaktion geändert *** Links: BaFin Unternehmenslizenzen: https://portal.mvp.bafin.de/database/InstInfo BaFin Infos zu Anlagebetrug: https://www.bafin.de/DE/verbraucherinnen-verbraucher/themen-finanzprodukte/finanzbetrug-erkennen/anlagebetrug/anlagebetrug_node.html Onlinewachen der Polizei: www.portal.onlinewache.polizei.de Hinweise der Polizei zu Cybertrading-Betrugsmaschen: • https://www.polizei-beratung.de/aktuelles/detailansicht/trading-scam • https://www.polizei.hamburg/resource/blob/1122722/215347d15ce9691f70e992f13035e7f3/school-meets-finance-achtung-finanzfalle-experteninfo-do-data.pdf IT-Notfall-Hotlines zur Soforthilfe bei Cyberangriffen: In Baden-Württemberg: 0711/137 999 99 In Bayern: 089/1212 4400 *** Weitere Fälle gibt es jetzt auch im Kanal „ZDF Tue Crime“ auf YouTube: https://www.youtube.com/@ZDFTrueCrime *** Moderation: Rudi Cerne, Nicola Haenisch-Korus Gäste: LKD Oliver Hoffmann & EPHK Michael Heck, LKA Baden-Württemberg Experten: Yvonne Durban, Richterin am Landgericht Karlsruhe; Peter Mattil, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Autorin dieser Folge: Natascha Fehn Audioproduktion & Technik: Lalita Hillgärtner, Florian Oswald Leitung Postproduktion: Stephan Gossen Produktionsleitung Securitel: Marion Biefeld Produktionsleitung Bumm Film: Melanie Graf, Nina Kuhn Produktionsmanagement ZDF: Julian Best Leitung Digitale Redaktion Securitel: Nicola Haenisch-Korus Produzent Securitel: René Carl Produzent Bumm Film: Nico Krappweis Redaktion Securitel: Katharina Jakob, Zoë Jungblut Redaktion ZDF: Sonja Roy, Kirsten Zielonka Regie Bumm Film: Alexa Waschkau

## Transcript

[0:12] Hallo und herzlich willkommen zu Aktenzeichen XY Unvergessene Verbrechen.
[0:16] Eine Spezialausgabe. Ich bin Rudi Zerne.
[0:19] Auch von mir herzlich willkommen. Ich bin Nikola Hinnisch-Koros.
[0:23] Ja, Rudi, fangen wir doch mal gleich an. Wie stehst du zu Geldanlagen?
[0:27] Also ich bin da sehr konservativ eingestellt. Vorsichtig, muss ich wirklich
[0:31] zugeben, nicht sehr risikofreudig.
[0:34] Ja, also risikofreudig bin ich jetzt auch nicht. Aber man weiß ja im Grunde
[0:38] unlängst, seitdem das mit der Rente nicht mehr unbedingt noch was werden soll,
[0:42] dass man vielleicht ein bisschen was anlegt in ETFs.
[0:46] Das habe ich jetzt auch mal versucht. Mal gucken, wie das so rausgeht.
[0:50] Soll eine sichere Sache sein, zumindest über die Jahre.
[0:54] Aber ansonsten so in Einzelaktien oder so große riskante Geschichten mache ich auch nicht.
[1:00] Da sind wir aber auch wahrscheinlich schon beim Thema, denn es gibt gar nicht
[1:04] so viele Anlegerinnen und Anleger, die sich selbst um ihre Finanzen kümmern.
[1:08] Also zum Beispiel die Börse im Blick behalten, aussichtsreiche Investitionsmöglichkeiten
[1:14] recherchieren und dann ihr Geld anlegen und danach auch die Entwicklung kontrollieren.
[1:18] Zumindest lassen sich die meisten da eher von Experten helfen.
[1:22] Aber immer wieder entpuppen sich selbsternannte Expertinnen und Experten als
[1:26] Betrüger. Und die angeblich so vielversprechende Kapitalanlage,
[1:30] die sie einem aufgeschwatzt haben, erweist sich schließlich als dreiste Abzocke
[1:34] oder das Geld ist auch komplett futsch.
[1:37] Zahlreiche Finanzskandale im Millionen- oder sogar Milliardenbereich haben in
[1:41] den letzten Jahren die Öffentlichkeit erschüttert.
[1:44] Der erste Fall, der mir da sofort einfällt, ist natürlich der Wirecard-Skandal.
[1:49] Ja, stimmt. Das war übrigens auch mein erster Gedanke. Zur Erinnerung,
[1:53] Wirecard war ein Unternehmen, das digitale Zahlungsabwicklung für andere Firmen übernommen hat.
[1:59] Im Juni 2020 wurde öffentlich, dass 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf philippinischen
[2:06] Konten liegen sollten, überhaupt gar nicht existierten.
[2:09] Tatsächlich hatte das Unternehmen Kontoauszüge gefälscht und die Gewinne deutlich
[2:14] besser dargestellt, als sie eigentlich waren, vermutlich um nach außen hin finanziell
[2:18] stabil und wachstumsstark zu wirken und dadurch weitere Anleger anzulocken.
[2:24] Das alles macht den Wirecard-Skandal zum wohl größten Bilanz-,
[2:27] Fälschungs- und Betrugsskandal in Deutschland.
[2:30] Und auch sehr aktuell einer der größten Finanzskandale der US-Geschichte.
[2:35] Sam Bankman-Fried, erst als Kryptowunderkind in den Himmel gelobt,
[2:39] hat heimlich Milliarden an Kundengeldern von seiner Kryptobörse abgezweigt.
[2:44] Im November 2022 kam der Betrug ans Licht. Wenig später wurde Sam Bankman-Fried,
[2:51] zu 25 Jahren Haft verurteilt.
[2:53] Und einen dritten Fall wollen wir euch noch vorstellen. Wir sprechen gleich
[2:57] ausführlicher darüber in unserer heutigen Spezialfolge zum Thema,
[3:00] ihr könnt es euch inzwischen denken, Finanz- und Anlagebetrug.
[3:05] Auf welch perfide Art Betrüger heutzutage gerade auch junge Menschen in sozialen
[3:10] Netzwerken dazu bringen, in dubiose Finanzmodelle zu investieren,
[3:15] wie man unseriöse Anlagen erkennt und was Betroffene tun können,
[3:19] wenn sie einem Hochstapler aufgesessen sind, das alles thematisieren wir heute.
[3:24] Ja, und zuerst möchten wir unsere beiden Studiogäste begrüßen.
[3:27] Zwei Ermittler des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg. Oliver Hoffmann ist
[3:31] heute hier, leitender Kriminaldirektor und Leiter der Abteilung Wirtschafts-
[3:35] und Umweltkriminalität.
[3:37] Herzlich willkommen, Herr Hoffmann.
[3:39] Ja, herzlichen Dank. Ich grüße Sie auch und schön, dass wir heute hier sein
[3:42] dürfen. Herzlich willkommen auch von mir.
[3:44] Und bei uns ist noch Ihr Kollege Michael Heck. Er ist erster Polizeihauptkommissar,
[3:48] stellvertretender Inspektionsleiter und im Bereich Finanzermittlungen zuständig.
[3:53] Schön, dass Sie ebenfalls da sind und herzlich willkommen, Herr Heck.
[3:56] Vielen Dank auch von meiner Seite. Es freut mich total, heute über das Thema
[4:00] hier sprechen zu dürfen.
[4:01] Mal ganz kurz und knapp, was sind Ihre Aufgaben in der Abteilung Wirtschafts-
[4:05] und Umweltkriminalität, Herr Hoffmann?
[4:08] Ja, grundsätzlich bearbeiten wir im Landeskriminal in Baden-Württemberg die
[4:11] schweren Wirtschaftsstrafverfahren.
[4:13] Und wir versuchen natürlich da immer den Vermögensschaden zunächst einmal herauszufiltern,
[4:18] herauszuermitteln und natürlich auch die Täter dann zu identifizieren.
[4:23] Und ansonsten, wie gesagt, kümmern wir uns auch um alle Betrugsphänomene,
[4:27] also nicht nur um einfache Betrugsdelikte, sondern auch wirklich um die ganze
[4:31] Bandbreite der Betrugsverfahren.
[4:34] Und Sie, Herr Heck, übernehmen dann, wenn Ermittlungen zu den Geldflüssen notwendig sind.
[4:40] Wie sieht das aus? Also grundsätzlich machen wir die gesamten Finanzermittlungen,
[4:44] alles was man sich so vorstellen kann, wo Straftaten begangen werden.
[4:47] Dann ist zunächst unser Job, das Taterlangte zu ermitteln. Dann schauen wir
[4:51] an, wohin floss das Geld, das eben entsprechend hier die Täter erlangt hatten durch die Taten.
[4:56] Dann sind die weiteren Schritte die Vermögenssicherung. Wir sind dann auch involviert
[5:01] in der späteren Vollstreckung und wir kümmern uns auch um die Nachverfolgung
[5:05] von Kryptowährungen, zum Beispiel Bitcoin.
[5:07] Also die gesamte Palette, wenn man so sagen darf.
[5:10] Sie haben ja auch am Rande mit dem Fall zu tun gehabt, den wir gleich ausführlich
[5:14] vorstellen werden, nicht?
[5:15] Ja, es ist allerdings nur so, Ich habe am Rande damit zu tun gehabt.
[5:18] Ich war nicht der Finanzermittler, sondern leider der Kollege,
[5:21] der das damals bearbeitet hat, ist mittlerweile verstorben.
[5:24] Wie gesagt, ich habe nicht aktiv daran mitgearbeitet, aber es war damals schon
[5:27] ein richtig großer Fall.
[5:28] Auch Yvonne Durban war an dem Fall beteiligt, als Staatsanwältin vor Gericht.
[5:33] Sie wird uns später im Interview mehr über das Schneeballsystem des Täters erzählen.
[5:39] Und wir haben im Vorfeld auch mit dem Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
[5:43] Peter Mattil gesprochen.
[5:45] Seine Kanzlei hat im Verfahren gegen den Täter mehr als 250 Geschädigte vertreten.
[5:51] Bevor wir in den Fall einsteigen, noch ein Hinweis.
[5:54] Wir haben die Namen aller Beteiligten geändert.
[6:02] Es geht um einen Deutschen. Wir nennen ihn heute Robert Pohlmann.
[6:06] Nach einer Ausbildung zum Bürokaufmann arbeitet er in den 80er und 90er Jahren im Vertrieb.
[6:12] Ob Versicherungen, Bausparverträge, Kapitalanlagen, Fonds oder Eigentumswohnungen,
[6:18] Robert Pohlmann verkauft seine Produkte immer gut.
[6:22] Mitte der 90er Jahre wandert er dann in die USA aus.
[6:25] Dort wird der Anfang der 2000er auf eine Software aufmerksam,
[6:30] die alle auf dem US-amerikanischen Markt gehandelten Aktien analysiert.
[6:35] Er kauft sich das Programm und lernt es durch sogenanntes Paper Trading kennen.
[6:41] Dabei führt er Handelstransaktionen durch, ohne tatsächlich Geld einzusetzen.
[6:46] Trockenübungen also. Es ist Ende 2004, als sich Robert Pohlmann entschließt,
[6:52] die Software für einen Betrug zu missbrauchen.
[6:55] Der zu dieser Zeit einer der größten seiner Art in Deutschland werden soll.
[6:59] Robert Pohlmanns Plan ist simpel.
[7:01] Er will angebliche Kapitalanlagen verkaufen, die auf Basis der Software beträchtliche
[7:06] Gewinne einfahren sollen.
[7:08] Tatsächlich wird er aber das Geld seiner Anleger nie investieren und bereichert
[7:14] sich stattdessen mit ihrem Vermögen.
[7:16] Lediglich fällige Kundengelder zahlt er zurück, damit seine Investoren nicht misstrauisch werden.
[7:22] Aber das auch nur mit dem Kapital neuer Kunden.
[7:25] Dass seine Masche gelingen wird und vor allem in welchem Ausmaß,
[7:29] das überrascht Robert Pohlmann selbst.
[7:34] Bevor wir den Fall weitererzählen, wollen wir kurz erklären,
[7:37] wie Robert Pohlmann damals vorgegangen ist.
[7:41] Eine solche Betrugsmethode nennt man Schneeballsystem. Gewinne können nur durch
[7:46] das Anwerben neuer Teilnehmerinnen und Teilnehmer generiert werden.
[7:50] Kommen keine neuen Kunden dazu, bricht das System ein.
[7:55] Eine Person, die das Vorgehen von Robert Pohlmann ganz genau unter die Lupe
[7:59] genommen hat, ist Yvonne Durban, Richterin am Landgericht Karlsruhe.
[8:03] Sie war 2013 im Prozess gegen Robert Pohlmann als Staatsanwältin am Verfahren beteiligt.
[8:10] Und sie hat uns im Vorfeld erklärt, was der Betrüger genau gemacht hat.
[8:14] Konkret war es so, dass er eine Kapitalanlage beworben hat,
[8:18] bei der die Anleger ihre Gelder im Wege eines Darlehens an ein von ihm gegründetes
[8:23] Unternehmen in den USA ansässig zur Durchführung sogenannter Day-Trading-Geschäfte
[8:28] zur Verfügung stellen sollten.
[8:30] Dabei hat er vorgegeben, alle paar Sekunden etwa 35.000 Aktien,
[8:35] die zu dieser Zeit auf dem amerikanischen Markt gehandelt wurden, analysieren zu können.
[8:40] Das könne er mithilfe dieser speziellen Software, die er sich kurz davor zugelegt
[8:45] hat, und einer eigenen Prozessplattform.
[8:49] Und dadurch erworbene Aktien bereits zu einem Zeitpunkt wieder verkaufen zu
[8:54] können, zu dem andere Aktienhändler diesen Aufwärtstrend, von dem er dann sprach,
[8:58] gerade erst zu erkennen, in der Lage wären.
[9:01] Er hatte aber nie die Absicht, die vereinnahmten Gelder zur Durchführung von
[9:05] Daytrading-Geschäften überhaupt zu verwenden, sondern ausschließlich dazu,
[9:09] seinen Lebensstil zu finanzieren, die Provisionen für seine Haupt- und Untervermittler zu generieren
[9:15] und einzelne Anleger auszubezahlen bzw.
[9:18] Deren vermeintlich generierte Renditen zu bedienen.
[9:22] Also ältere Anleger wurden tatsächlich immer wieder bedient.
[9:25] Es erfolgten auch Rückzahlungen zum Teil von getätigten Anlagen,
[9:29] allerdings nur im untergeordneten Umfang. Das hatte den Zweck,
[9:33] das System möglichst lange aufrechterhalten zu können.
[9:36] Und diese Gelder wurden aber im Grunde ausschließlich aus den neu vereinnahmten
[9:41] Geldern neu gewonnener Anleger genommen.
[9:44] Seine Kunden hat Robert Pohlmann ganz gezielt ausgesucht.
[9:47] Allerdings nicht in seiner Wahlheimat Amerika. Warum?
[9:52] Das hat uns Richterin Yvonne Durban auch erzählt. Er hat eine Tätigkeit entfaltet
[9:56] ausschließlich außerhalb der USA, im deutschsprachigen Raum.
[10:00] In Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden die Anleger geworben und gezielt
[10:04] nicht in den USA, um sich vor der inländischen Strafverfolgung durch US-Behörden zu schützen.
[10:15] Auf seiner angeblichen Investments macht Robert Pohlmann durch Anzeigen in überregionalen
[10:20] deutschen Tageszeitungen oder auch durch Sponsoring von Events aufmerksam.
[10:25] So finanziert er beispielsweise einmal ein Pferderennen und wirbt dadurch neue Kunden an.
[10:31] Ab Februar 2005 verkauft er Anlagen, die einen monatlichen Zinssatz von 3 bis
[10:37] 6 Prozent, je nach Anlagedauer, beziehungsweise 36 bis 72 Prozent pro Jahr haben sollen.
[10:45] Die Erträge sollen monatlich ausgezahlt werden. Insgesamt nimmt Polmann damit
[10:50] mehr als 13 Millionen US-Dollar ein.
[10:53] Rund 3,1 Millionen Dollar zahlt er als Ausschüttungen an seine Anleger.
[10:59] Ab Januar 2007 ändert er dann seine Strategie. Um sein Schneeballsystem möglichst
[11:05] lange aufrecht zu erhalten, verspricht er einen höheren Zinssatz.
[11:09] Er garantiert, wer sein Geld bei ihm für fünf bis zehn Jahre anlegt und sich
[11:14] die angehäuften Zinsen erst am Ende auszahlen lässt, bekommt vier bis fünf Prozent Zinsen pro Monat.
[11:21] Mit dieser Taktik bereichert er sich nochmals um rund 19,4 Millionen Dollar,
[11:25] bei Rückzahlungen von diesmal nur etwa 1,2 Millionen Dollar.
[11:31] Abgesehen von dem finanziellen Vorteil nutzt ihm die neue Strategie auch anderweitig.
[11:36] Je länger die Laufzeiten der einzelnen Anlagen sind, desto länger dauert es
[11:40] auch, bis seine Kunden bemerken, dass etwas nicht stimmt.
[11:44] Insgesamt erbeutet Robert Pohlmann auf diese Weise etwa 32,5 Millionen Dollar.
[11:51] Das ist allerdings nur die Summe, die das Gericht später in seinem Urteil bestätigt.
[11:56] Der tatsächliche Schaden ist vermutlich weit höher.
[11:59] Vielleicht, so glauben die Ermittlerinnen und Ermittler, sogar um ein Vielfaches höher.
[12:04] Denn nicht alle Geschädigten werden in das spätere Verfahren aufgenommen.
[12:08] Zu umfangreich wäre sonst die Anklage und nicht alle Opfer werden ihren Schaden melden.
[12:14] Doch nicht jeder lässt sich von Robert Pohlmanns vermeintlichem Erfolg und den
[12:18] hohen Ausschüttungen blenden.
[12:20] Bereits 2006 kursieren im Internet erste Warnungen vor seinen Geschäftspraktiken.
[12:25] Unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass Robert Pohlmanns Vita erlogen ist.
[12:31] Robert Pohlmann hat dort nämlich unter anderem angegeben, seit 25 Jahren als
[12:35] internationaler Banker bei einer US-amerikanischen Großbank tätig zu sein.
[12:41] Seit zehn Jahren sei er sogar deren Chef-Trader.
[12:45] Er behauptet auch, ab 2003 eine eigene Handelsplattform mit einer von ihm entwickelten
[12:50] Software zu betreiben. Doch das ist nicht alles.
[12:54] Er gibt zudem vor, seine Firma verfüge über eine Börsenzulassung und einen halben
[12:59] Sitz an der New Yorker Börse.
[13:01] Wahr ist davon aber gar nichts.
[13:04] Die Geschichte mit dem halben Sitz an der New Yorker Börse hat er in seinen
[13:08] Lebenslauf aufgenommen, nachdem ihm ein Golf-Partner von dessen Halbensitz dort erzählt hat.
[13:14] In Wahrheit hat Robert Pohlmann noch nicht einmal ein Trading-Konto,
[13:18] denn ihm fehlt die notwendige Sozialversicherungsnummer zur Eröffnung des Kontos.
[13:24] Und die hat er nicht, weil er keine gültige Aufenthaltsgenehmigung in den USA hat.
[13:28] Auch bei der genannten großen US-amerikanischen Bank war er nie tätig.
[13:34] Ein Imposter also, ein Hochstapler, Blender, Betrüger.
[13:39] Doch seine Masche funktioniert, denn er ist überzeugend, charismatisch, eloquent.
[13:44] Potenzielle Kunden trifft er in einem Büro, das er sich genau für solche Zwecke anmietet.
[13:49] Seine professionelle Art und die Leistungen, die er angeblich in seiner beruflichen
[13:54] Laufbahn erbracht haben soll, begeistern seine Gegenüber.
[13:58] Als nur 2006 erste kritische Stimmen laut werden, lässt sich Robert Pohlmann
[14:03] nicht beirren. Im Gegenteil.
[14:06] Er gibt eine professionelle Internetseite über sich und sein Unternehmen in
[14:10] Auftrag, wirbt dort weiter für seine Produkte.
[14:14] Er lässt außerdem Einträge in Internetforen erstellen, die seine Seriosität
[14:19] unterstreichen und aufkommende Bedenken und Warnhinweise gegen ihn im Keim ersticken sollen.
[14:25] Eine Art Gegenpropaganda, wenn man so will.
[14:29] Ganz schön aufwendig, das alles. Aber Robert Pohlmann begeht den Betrug nicht allein.
[14:34] Er baut ein großes System auf, mit
[14:37] vielen verschiedenen Vermittlern auf unterschiedlichen Hierarchie-Ebenen.
[14:41] Je mehr neue Kunden die Vermittler werben, desto höher sind die Provisionen,
[14:45] die sie von Robert Pohlmann für ihre Dienste bekommen.
[14:49] Welche Vermittler wie viel von Pohlmanns Betrug wissen oder ahnen, ist nicht bekannt.
[14:55] Jedoch müssten die meisten seiner engsten Mitarbeiter irgendwann das System durchschaut haben.
[15:04] Wie es mit Robert Pohlmann weitergeht, dazu kommen wir später.
[15:09] Jetzt aber erstmal zu unseren beiden LKA-Ermittlern. Herr Hoffmann,
[15:12] wir haben jetzt viele Zahlen gehört.
[15:15] Das Gericht warf Robert Pohlmann am Ende eine Schadenssumme von rund 32,5 Millionen Dollar vor.
[15:22] Das ist ja wirklich echt viel Geld.
[15:24] Oder wie ordnen Sie das Ganze im Vergleich zu heutigen Ermittlungen von Anlagebetrug ein?
[15:30] Aus damaliger Sicht war das Verfahren sicherlich sehr außergewöhnlich.
[15:33] Gerade in dieser Zeit, heutzutage, haben wir es mit international global agierenden
[15:39] Täterstrukturen zu tun, die leider Schäden im Bereich von Milliarden produzieren.
[15:44] Also da müssen wir die 32 Millionen jetzt schon ein bisschen unterordnen.
[15:48] Das hat sich über die Zeit leider verändert.
[15:52] Das System von Robert Pohlmann basierte vor allem auf dem persönlichen Kontakt
[15:56] zu seinen Opfern. Das heißt, er hat die Leute persönlich treffen müssen.
[15:59] Da wurden vor Ort Verträge unterschrieben. Er brauchte zum Beispiel auch Büros und einiges mehr.
[16:04] Herr Heck, das ist heute alles nicht mehr so? Ja, früher war das ganz viel persönliche
[16:08] Kommunikation, face to face.
[16:10] Also die Täter und Opfer haben sich tatsächlich noch irgendwo getroffen.
[16:14] Es gab auch zum Teil Verkaufsveranstaltungen, muss man sich vorstellen,
[16:17] wie so Kaffeefahrten, wo ganze Hallen gefüllt worden sind und vorne der Betrüger
[16:21] dann seine Nummer abgezogen hat.
[16:23] Das ist heute ganz anders. Also heute findet es virtuell und anonym statt.
[16:27] Möglicherweise noch mit Callcentern sehr häufig, aber einfach im Internet.
[16:31] Vielleicht noch mit Videokonferenzen. Aber einen tatsächlich physischen Kontakt
[16:34] zwischen Täter und Opfer gibt es nicht mehr. Für die Polizei ist das tatsächlich ein Problem.
[16:38] Die Anzahl der Geschädigten steigt immens bei diesen großen Betrugsmaschen.
[16:43] Die Täter erreichen also deutlich mehr Menschen als früher. Herr Hoffmann,
[16:47] mit welchen Betrugsmaschen im Finanzbereich haben Sie aktuell denn am meisten zu tun?
[16:51] Was uns am meisten drückt, und das nicht nur in Baden-Württemberg,
[16:53] sondern auch in Deutschland und Europa, ist der Cybertrading-Betrug.
[16:57] Der hat wirklich so stark zugenommen.
[16:59] Die Leute suchen nach alternativen Anlage-Möglichkeiten und haben da den Cyber-Anlage-Entdeckt.
[17:05] Und leider gibt es da sehr viele Betrüger, die sich in diesem Bereich tummeln.
[17:09] Aber auch die klassischen Betrugsarten sind immer noch sehr stark,
[17:13] wie zum Beispiel der Romance-Cham oder der falsche Polizeibeamte, der Schockanruf.
[17:18] Das sind alles noch so Massendelikte, die uns wirklich auch immer noch belasten.
[17:23] Ja, Maschen, bei denen die Schadenssummen weniger hoch sind,
[17:26] sind unter anderem Glücksspiel, Gewinnspiele, bei denen man hohe Versandkosten
[17:30] zahlen muss und Squishing.
[17:33] Davon habe ich vor diesem Podcast allerdings noch nie gehört. Was ist das?
[17:37] Ja, Squishing ist so eigentlich ein Randphänomen. Das sind Menschen- oder Täterstrukturen,
[17:42] die kleben zum Beispiel auf einem Parkautomat ein QR-Code drauf.
[17:47] Und wenn man den mit dem Handy abscannt, dann gelangt man eben nicht zu der
[17:50] Bezahlseite dieses Parkherstellers oder der, der diesen Parkplatz vermietet,
[17:55] sondern dann gelangt man auf
[17:56] die Finanzseite der Täter und überweist dann halt das Geld zu den Tätern.
[18:01] Also man nutzt da wirklich alle Möglichkeiten, um die Menschen da zu betrügen.
[18:05] Deswegen muss man da auch bei diesen Parkautomaten sehr vorsichtig sein und
[18:09] am besten eben mit einer App vorgehen.
[18:11] Diese großen Park-Apps, die es gibt, das sind in der Regel kleine Beträge.
[18:14] Aber die Täter nutzen natürlich, durch das, dass sie cyberkriminell sind,
[18:17] die Chance, diese Bankinformationen abzuziehen. Und da haben wir oftmals erlebt,
[18:21] dass dann die Konten gehackt werden und dann Gelder auch in größerem Stil von
[18:26] den Konten der Geschädigten abgezogen werden.
[18:28] Sie haben es gesagt, das sind dann in der Regel nur kleinere Euro-Beträge.
[18:31] Für die Polizei sind aber auch solche Anzeigen von Bedeutung. Warum?
[18:34] Ja, für uns ist es wichtig, weil wir ja ein tägliches Lage-Monitoring machen.
[18:39] Das heißt, wir schauen jeden Tag, was passiert in Baden-Württemberg,
[18:43] was für neue Phänomene tauchen da auf, was für Straftaten häufen sich.
[18:47] Und eben um das festzustellen, brauchen wir tatsächlich auch die Anzeigen.
[18:50] Wir sind darauf angewiesen, dass auch solche kleineren Dinge bei der Polizei gemeldet werden.
[18:55] Das kann man ja auf verschiedene Dinge tun. Man kann aufs Revier gehen oder
[18:58] vielleicht auch mal eine Online-Wache bedienen.
[19:00] Aber wichtig ist für uns, dass wir die Informationen bekommen.
[19:03] Dadurch gewinnen wir auch viele Informationen über die Täter,
[19:06] Telefonnummern, neue Finanzströme, die dann für die Geldwäscheermittlungen wichtig
[19:11] sind oder auch Internetseiten.
[19:13] Alles sind Informationen, die uns dann nachher vielleicht wieder ein gesamtes
[19:16] großes Bild geben über das, was da passiert. Und diese Online-Anzeigen funktionieren nicht?
[19:23] Ja, die funktionieren eigentlich ganz einfach. Man geht in eine Suchmaschine
[19:26] rein, gibt da eine Online-Wache, Polizei und dann von dem Bundesland mal kommt
[19:31] und gelangt dann da direkt auf diese Seite drauf,
[19:34] gibt dann seine Daten ein, schickt diese Anzeige dann ab und hat dann mal schon
[19:38] mal seine Pflicht getan, sage ich mal.
[19:41] Wir werden dann nochmal nachfragen als Polizei, wenn wir da bestimmte Informationen
[19:45] noch brauchen, wenn irgendwas gefehlt hat und ansonsten wird dieses Verfahren
[19:48] dann auch online von uns weiter bearbeitet.
[19:52] Bei Ihrem Monitoring, was Sie da beschrieben haben, gleichen Sie Ihre Zahlen
[19:56] auch mit den Polizeien anderer Bundesländer ab?
[19:58] Das tun wir selbstverständlich. Also wir haben natürlich einen Bundesverbund
[20:02] und tauschen uns natürlich auch regelmäßig europäisch aus, weil die Täter haben ja keine Grenzen.
[20:07] Die interessiert Baden-Württemberg nicht in seinen Grenzen und auch Deutschland
[20:10] nicht, sondern denen geht es tatsächlich darum, natürlich so viel wie möglich
[20:14] Geld zu produzieren und das tun sie wirklich über globale Strukturen.
[20:19] Und wir tauschen uns mit Europol aus, das ist für uns ein sehr wichtiger Partner,
[20:24] der natürlich auch international vernetzt ist,
[20:27] und erlangen dadurch natürlich wiederum Informationen, was läuft gerade in anderen
[20:31] Ländern Europas, wo sind da gerade die Schwerpunkte oder wir tun uns auch zusammen
[20:36] in unseren Ermittlungen.
[20:37] Das lässt sich heute auch sehr einfach darstellen über sogenannte Joint Investigation
[20:41] Teams und dann gehen wir über Grenzen hinweg zusammen und fokussieren uns dann
[20:45] auf diese Täterstruktur.
[20:47] Kommen wir nochmal zurück zu der ersten Betrugsmasche, die Sie gerade genannt
[20:51] haben. Sie haben gesagt, allen voran Cybertrading.
[20:54] Was ist Cyber-Trading jetzt genau? Dieser Cyber-Trading-Fraud,
[20:58] das ist der wichtige Baustein. Also der Betrug mit dem Cyber-Trading,
[21:02] der ist im Prinzip ganz einfach erklärt.
[21:05] Man wird dort auf eine Investmentmöglichkeit im Internet hingewiesen,
[21:10] wo man 10, 20, 30 Prozent Gewinn machen kann innerhalb relativ kurzer Zeit.
[21:16] Und da müssen natürlich schon die ersten Alarmglocken eigentlich klingeln.
[21:18] Ihr Kollege lacht auch schon. Ja, genau, weil das natürlich der typische Fall ist tatsächlich.
[21:24] Und dann wird man über diese Seiten, gibt man seine Kontaktdaten ein,
[21:28] wird dann angerufen von einem vermeintlichen Broker oder Investmentmensch,
[21:33] der einem dann anbietet, für 250 Euro mal in das einzusteigen.
[21:37] Also ein relativ niedriger Betrag und es ist eigentlich fast immer 250 Euro
[21:42] mal 150, 250. Aber letzten Endes ist auch dieser Betrag schon ein Alarmzeichen,
[21:48] weil niemand anders auf der Welt, außer die Betrüger, bieten so ein System an.
[21:52] Und wenn man das dann gemacht hat, dann kriegt man Support, man hat seinen persönlichen Broker,
[21:56] man wird dann dazu animiert, weil man sieht auf einem scheinbaren Aktienkurs,
[22:01] dass die Gewinne sprudeln, dass aus den 250 Euro 1.000 Euro geworden sind oder sogar 2.000 Euro.
[22:08] Dann wird man da Stück für Stück animiert und hineingezogen in dieses System,
[22:13] um da mehr Geld anzulegen. Immer mehr, immer mehr.
[22:16] Und irgendwann, wenn es dann soweit ist, wenn man dann mal nach Auszahlung fragt,
[22:20] wird das dann meistens eben nicht gewährt, sondern man wird dann,
[22:24] so nennen die Täter, das verbrannt.
[22:26] Und dann wird der Kunde quasi, der vermeintliche Kunde, auf Eis gelegt.
[22:31] Und der bleibt natürlich auf dem Schaden sitzen. Wir stellen...
[22:34] Bundesweit Milliardenschäden fest. Es sind tatsächlich in Baden-Württemberg
[22:39] letztes Jahr 214 Millionen gewesen.
[22:42] Das ist aber nur der Schaden, der bei uns angezeigt wird.
[22:45] Das Dunkelfeld in diesem Bereich liegt etwa bei 80 bis 90 Prozent.
[22:52] Das heißt, wir müssen eigentlich schon fast von einem Milliardenschaden nur
[22:55] in Baden-Württemberg ausgehen.
[22:58] Viele, wie gesagt, dieser Fälle werden nicht angezeigt. Schaden über eine Milliarde
[23:02] Euro, das ist ja mal eine Hausnummer.
[23:04] Ja, das stimmt. Das ist eine riesen Schadenssumme.
[23:07] Das perfide an der Geschichte ist auch, dass die Opfer immer wieder weiter erpresst
[23:11] werden, noch mehr Geld rauszugeben.
[23:13] Die wurden zum einen mal Opfer dieser Straftat.
[23:17] Das heißt, sie haben schon Gelder investiert. Wenn die dann Geld zurückhaben
[23:20] wollen, also wenn die nach einer Rückzahlung fragen zum Beispiel,
[23:23] dann erzählt man denen eine Geschichte.
[23:25] Ja, sie müssen jetzt erstmal nochmal eine Gebühr bezahlen, dann kriegen sie
[23:28] ihr Geld zurück. Was wir auch noch feststellen, ist im Prinzip,
[23:32] dass die Daten der Opfer immer weiterverkauft werden.
[23:36] Das heißt, wenn ich einmal Opfer geworden bin von so einer Straftat, muss ich immer schauen,
[23:40] meine Handynummer mal ändern, mein Konto vielleicht auch ändern oder auch meine
[23:44] E-Mail-Adresse ändern, weil dieser Datensatz wird weiterverkauft,
[23:48] das ist so fünf Euro wert, so ein kompletter Datensatz mit allen Informationen.
[23:52] Also auch da findet nochmal eine weitere zweite Victimisierung statt.
[23:56] Also diese Täter genießen ein großes Vertrauen, obwohl die Täter und die Opfer
[24:01] sich kein einziges Mal vorher persönlich gesehen haben.
[24:06] Ganz anders ist es damals bei Robert Pohlmann, wie wir eben schon gehört haben.
[24:09] Der persönliche Kontakt war sogar wichtig, damit er mit seinem Charme,
[24:13] seiner Ausstrahlung, seinem angeblichen Wissen die potenziellen Kunden überzeugt.
[24:18] Der direkte Kontakt ist sowohl bei ihm als auch seinen Mitarbeitern,
[24:22] den Vermittlern, essentiell.
[24:25] Seine besten Vermittler, die die meisten Kunden anwerben, lädt er regelmäßig
[24:29] in seine Villa an einen Palmenstrand in Florida ein.
[24:33] Sozusagen als Belohnung für ihre erfolgreichen Vertragsabschlüsse.
[24:38] Bei diesen Treffen führt er den Anwesenden angebliche Live-Transaktionen vor
[24:42] und zeigt den scheinbaren Kontostand.
[24:45] Wir hören noch einmal Yvonne Durban, die sich an eine Situation in der Hauptverhandlung erinnert.
[24:51] Da wurde ein Screenshot in Augenschein genommen von einer solchen Trading-Plattform,
[24:56] von einer Handelsseite, die er auch seinen Vermittlern bei diesen Treffen präsentiert
[25:01] hatte und ein angebliches Live-Trading vorgeführt hatte.
[25:04] Und auf die kritische Nachfrage des Gerichts, ob denn da keiner irgendwelche
[25:08] Einwände gehabt hätte, denn im Grunde sei das doch einfach nur ein eingefrorener
[25:12] Bildschirm gewesen, den er präsentiert hätte.
[25:14] Da war er selbst überrascht am Ende, wie gut sein vergleichsweise plumpes Vorgehen
[25:19] überhaupt funktioniert hatte und es da keine weitergehenden Nachfragen gab.
[25:27] In dem ganzen Zeitraum ist nur ein Vermittler jemals misstrauisch geworden,
[25:32] hat nachgefragt und Belege verlangt.
[25:34] Mit der Folge, dass Robert Pohlmann sofort die Zusammenarbeit mit diesem Vermittler
[25:39] beendet und die von ihm geworbenen Anleger ausbezahlt hat.
[25:43] Bis August 2007 macht Robert Pohlmann weiter.
[25:47] Doch dann wird es ihm vermutlich zu heiß. Er geht in einen bereits länger angekündigten
[25:52] Urlaub, von dem er nicht mehr zurückkommt.
[25:55] Stattdessen begibt er sich im Anschluss gleich auf die Flucht.
[25:58] Wie auch sein ganzes System hat er seine Flucht von langer Hand geplant und gut durchdacht.
[26:04] Mit etwa einer Million Dollar und 600.000 Schweizer Franken in bar,
[26:09] 1.000 Gold sowie mehreren hundert Platin- und Palladium-Münzen,
[26:13] zehn Diamanten im Wert von insgesamt einer Million Dollar und vier gefälschten Pässen im Gepäck,
[26:19] taucht Robert Pohlmann unter und kann sich so jahrelang vor den Behörden verstecken.
[26:28] Wahnsinn, die Flucht war offenbar im Detail geplant. Herr Heck,
[26:32] kommt eine solche ja fast filmreife Flucht häufiger vor?
[26:36] Oh ja, das können wir tatsächlich sagen, dass das häufiger vorkommt.
[26:39] Es kommt natürlich immer darauf an, was der Täter oder die Tätergruppierung
[26:44] an Strafe zu erwarten haben und was sie an Vermögenswerten tatsächlich generiert
[26:48] haben und auch noch zur Verfügung haben.
[26:51] Kommen wir nochmal zurück zu dem aktuell riesigen Dilemma mit dem Cybertrading.
[26:55] Wir schauen uns das Ganze jetzt mal Schritt für Schritt an.
[26:59] Herr Hoffmann, wie finden die Täter ihre Opfer?
[27:02] Die Täter sind global unterwegs und machen auch global Werbung.
[27:06] Die werben überall da, wo sich
[27:08] Menschen tummeln, also in den sozialen Netzwerken, auf Internetseiten.
[27:13] Die nutzen Nachrichtenportale, um ihre Werbung zu verbreiten.
[27:16] Was wir in den letzten zwölf Monaten festgestellt haben, also im letzten Jahr
[27:20] etwa, dass sich sehr viel verlagert auf WhatsApp-Gruppen, Viper-Gruppen,
[27:26] also diese ganzen Messenger-Gruppen und dort wird dann im Prinzip den Menschen.
[27:32] Suggeriert, das sind meistens so ein paar hundert Geschädigte in diesen Gruppen
[27:35] drin, aber auch sehr viele Täter darunter,
[27:37] und die generieren da so einen Sog des Anlegens, des Gewinnens,
[27:41] die suggerieren dort einfach riesige Gewinnsummen und ziehen die Opfer da regelrecht
[27:47] mit hinein in diesen Anlagestrodel.
[27:49] Das haben wir auch schon ausgewertet und festgestellt, dass da möglicherweise
[27:53] sogar auch KI verwendet wird, also sogenannte Chatbots, die dann einfach automatisiert,
[27:58] je nachdem, was die Menschen dort reinschreiben,
[28:00] dann wiederum eine Antwort wiedergeben, die die Menschen eben noch zu mehr Anlagen bewegt.
[28:07] Was mich an dieser Stelle noch interessieren würde, Robert Pohlmann hat sich
[28:11] sicher finanziell sehr betuchte Leute der sogenannten Upper Class ausgesucht, oder?
[28:16] Wenn man über Social Media geht, ist die Zielgruppe dagegen oft eher eine andere.
[28:20] Also vor allem jüngere Leute erreicht man dort, die noch nicht so viel Vermögen im Hintergrund haben.
[28:26] Lohnt sich das denn für die Betrüger finanziell dann trotzdem,
[28:29] weil man über diese sozialen Netzwerke mehr Leute anwerben kann?
[28:33] Ja, die machen natürlich auch mit der Masse dann ihr Geld.
[28:37] Es gibt sehr viele Fälle, wo es bei den 250 Euro Erstinvestment mal bleibt und
[28:42] dann merken die, oh, das war jetzt nichts oder da habe ich irgendwie vielleicht
[28:46] Scheiße gebaut und dann lassen die das einfach stehen.
[28:50] Melden das der Polizei auch nie. Wir sehen das dann immer auf den Servern der
[28:53] Täter, dass da Tausende und Abertausende von 250 Euro Investments drin sind.
[28:58] Und da kann man auf der einen Seite Geld machen und dann fischen die natürlich
[29:02] gezielt die raus durch ihre Erfahrung, die viel Geld haben.
[29:06] Und bei denen, die werden dann halt systematisch immer wieder zu mehr Anlagen
[29:11] bewegt und dann letzten Endes manchmal sogar ganz ausgenommen.
[29:15] Gehen die Plattformen eigentlich gegen sowas vor, wenn die davon Kenntnis kriegen?
[29:18] Also grundsätzlich haben wir eine gute Kooperation mit den Plattformen.
[29:23] Wir haben ja auch immer wieder Ermittlungsanfragen an die, welche IP-Adressen
[29:27] werden dann benutzt, was steckt da dahinter, hinter diesen Werbenden.
[29:31] Aber die Plattformen, das muss man sagen, verdienen auch ihr Geld damit natürlich.
[29:36] Und das macht es natürlich für die auch schwierig, vielleicht da im einen oder
[29:40] anderen Fall mal Nein zu sagen.
[29:42] Oder das vielleicht auch auseinander zu dividieren. Wer ist jetzt eigentlich
[29:45] ein Betrüger nachher und wer ist vielleicht einer, der seriöse Werbung schält?
[29:49] Insoweit muss man schon sagen, ja, wird man sich vielleicht ein oder andere
[29:54] auch mehr wünschen von den Plattformen.
[29:55] Sie hatten ja gesagt, bis zu 16 Milliarden Dollar ist da drin an Werbeeinnahmen
[30:00] für die Betreiber der Plattform.
[30:01] Es ist tatsächlich so, ich hatte es in einem Artikel gelesen,
[30:04] dass ein großer US-amerikanischer Social-Media-Konzern.
[30:08] Da 16 Milliarden Dollar im Jahr nur durch die Fake-Werbung, also betrügerische
[30:13] Werbung verdient, während wohl der Gesamtumsatz wohl 44 Milliarden war.
[30:18] Insoweit ist es auch ein Stück weit natürlich, ja, nicht nachvollziehbar,
[30:22] aber verständlich vielleicht, dass sie da nicht so massiv dagegen vorgehen.
[30:25] Woran können jetzt Nutzer auf Social Media, aber auch auf anderen Internetseiten
[30:30] diese betrügerischen Angebote von echten unterscheiden?
[30:33] Das erste Warnsignal, das hatte ich vorher schon gesagt, ist natürlich dieser
[30:36] hohe Gewinn, der da versprochen wird. Wenn mir einer 40% Gewinn verspricht in
[30:41] vier Monaten, da muss mir was auffallen, das kann ja nicht sein.
[30:45] Warum soll mir das geschenkt werden? Das macht einfach keinen Sinn.
[30:49] Wir haben momentan Tagesgeldraten, die bei zwei Prozent liegen.
[30:54] Für den Normalverbraucher etwa bei zwei Prozent, warum soll es dann so diese hohen Gewinne da geben?
[31:00] Das ist das eine. Das Zweite ist ganz wichtig, man sollte vorher diese Portale
[31:04] mal in eine Suchmaschine eingeben.
[31:06] Einfach mal suchen, das Ding eingeben, schauen, was sagen Nutzer darüber.
[31:11] Und oftmals kommt dann da schon Vorsicht, es könnte ein Betrug sein oder ich
[31:15] habe mein Geld nicht bekommen. Das ist ein schwieriger Umgang und davon sollte
[31:19] man natürlich auf jeden Fall schon mal die Finger lassen.
[31:22] Was einem natürlich auch auffallen kann, ist, dass wenn man eine E-Mail bekommt,
[31:26] dass man mal die E-Mail aufmacht und schaut, wie die sich tatsächlich zusammensetzt.
[31:31] Und da kommt es dann häufig dazu bei diesen gefälschten E-Mail-Adressen,
[31:35] dass die aus so ganz kryptischen Zahlen und Buchstaben besteht und eigentlich
[31:39] gar keine so eine klare Struktur hat, wie sie am Computer dann erscheint.
[31:43] Am Ende kann man natürlich noch eins tun. Das ist ganz sicher auch eine ganz
[31:46] seriöse Quelle. Man kann einfach mal schauen, haben diese Plattformen eine BaFin-Lizenz?
[31:51] Die BAFIN ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
[31:55] Wer in Deutschland Dienstleistungen für Finanzen anbietet, zum Beispiel eine
[31:59] Internetseite für Kapitalanlagen betreibt, muss eine BAFIN-Lizenz haben.
[32:05] Wie kann man denn prüfen, ob eine Plattform eine entsprechende Berechtigung hat?
[32:09] Das ist ganz einfach. Man geht auf die BaFin-Homepage drauf.
[32:12] Die kann man ja auch in der Suchmaschine finden.
[32:14] Geht dann auf die Unternehmensdatenbank. Da kann man drin suchen,
[32:17] gibt diese Plattform ein und dann kommt Ja oder Nein.
[32:22] Entweder Sie haben eine Lizenz oder Sie haben keine.
[32:24] Klare Antwort. Und wenn jetzt eine Plattform keine BaFin-Lizenz hat,
[32:28] aber trotzdem Finanzdienstleistungen anbietet, was passiert dann?
[32:32] Also grundsätzlich ist es eine Straftat. Man verstößt da gegen das Kreditwirtschaftsgesetz.
[32:37] Ich glaube, Paragraf 84, wenn ihr es aus dem Kopf richtig weiß,
[32:40] müsst ihr mal nachschauen.
[32:42] Das ist eine Straftat. Man darf diese Finanzdienstleistungen in Deutschland
[32:45] nicht anbieten, ohne diese Lizenz.
[32:47] Und wir haben da jetzt für uns auch einen Weg gefunden, wie wir uns diese Straftat,
[32:53] die da im Prinzip begangen wird, zunutze machen. Und zwar machen wir wie folgt.
[32:57] Wenn wir feststellen, dass die ohne Lizenz hier diese Produkte anbieten,
[33:02] Dann holen wir uns einen Gerichtsbeschluss und leiten diese Seite auf einen
[33:07] sogenannten Seizure-Banner um.
[33:09] Das ist quasi eine große Seite, wo draufsteht, dieses Portal wurde beschlagnahmt
[33:12] von der BaFin und vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg und von der Cybersicherheitsagentur.
[33:17] Und so haben wir natürlich die Möglichkeit, weitere Anlagen zu verhindern.
[33:21] Und das machen wir ganz leidenschaftlich inzwischen. Da haben wir schon mehrere
[33:24] tausend Seiten umgeleitet und wollen das auch noch weiter skalieren.
[33:28] Und das ist unser Ziel, das noch größer zu machen und viele dieser Seiten einfach vom Netz zu nehmen.
[33:34] Ja, wenn Geschädigte sich an die Polizei wenden, möglichst schnell,
[33:37] haben sie natürlich die beste Chance, auch wieder ihr Geld zurückzubekommen
[33:40] oder zumindest teilweise.
[33:42] Ja, ich denke, das ist ein guter Hinweis für unsere Hörerinnen und Hörer.
[33:45] Gehen wir noch mal ein paar Schritte zurück. Herr Hoffmann, angenommen,
[33:48] ich habe die Werbung für eine vielversprechende Kapitalanlage gesehen und,
[33:53] leider nicht erkannt, dass es sich um einen Betrug handelt. Wie geht es dann
[33:56] weiter? Ja, also zunächst einmal machen die Täter ja folgendes. Die füttern einen an.
[34:01] Das ist so, die sagen, eine niedrige Einstiegsschwelle. 250 Euro hat ja jeder.
[34:06] Das kann man mal investieren. Wenn man es verliert, ist es auch nicht so schlimm.
[34:10] Und damit fangen die an. Und dann sieht man auf einer Seite,
[34:13] das ist so ein kleines Finanzportal, das wird einem auf dem Rechner installiert.
[34:17] Und da sieht man dann sehr schnell, wie man Gewinne macht. Da wird man dann
[34:21] nach drei, vier Tagen, hat man da schon 1.000 Euro.
[34:23] Und dann geht das Stück für Stück hoch. Und das tun sie natürlich mit einem
[34:27] Ziel, nämlich, dass man denkt, boah, das läuft ja gut, da habe ich jetzt mal
[34:31] richtig Glück, ich habe die richtige Investment auf meiner Seite.
[34:34] Und das tun die natürlich darum, dass man mehr Gelder investiert.
[34:37] Und so werden dann mal schnell 1.000, 10.000, 100.000, bis zu einer Million
[34:42] Einzelüberweisungen haben wir auch teilweise in diese Geldwäschenetzwerke rein.
[34:46] Das heißt, die bringen die Menschen dazu, systematisch mehr Geld dort anzulegen.
[34:51] Gehen wir mal auf die andere Seite, auf die richtige.
[34:54] Wie gehen seriöse Anbieter vor? Als seriöser Anlageberater, so würde ich mir
[34:59] das wünschen und so ist es ja auch reguliert, da führt man zunächst mal ein
[35:02] persönliches Gespräch.
[35:04] Man setzt sich miteinander zusammen, man macht vielleicht auch eine Videokonferenz,
[35:07] auch das ist ja heute durchaus möglich und spricht einmal über die Gesamtsituation
[35:12] des Kunden, also derjenige, der eigentlich das Geld anlegen will.
[35:16] Da führt man mal ein ausführliches Gespräch, das wird protokolliert,
[35:19] dieses Gespräch und das wird dann auch unterschrieben von beiden Seiten.
[35:22] Und das unterscheidet natürlich schon mal als erstes dieses seriöse Umgang mit
[35:27] meiner Lebenssituation, mit dann vor allen Dingen die Dokumentation,
[35:31] dieses Beratungsgespräch.
[35:32] Und dann kriege ich von diesen Anlageberatern, von den seriösen natürlich ein
[35:36] auf mich zugeschnittenes Anlagemodell.
[35:40] Also das heißt aber 250 Euro, das ist im Grunde etwas, was keine Bank machen
[35:45] würde, weil es gibt gar keine Anlagen, die mit so einer niedrigen Summe starten oder wie ist das?
[35:51] Kann man das grundsätzlich so sagen? Weil normalerweise würde ich jetzt sagen,
[35:53] okay, es gibt ja Leute, für die es 250 Euro trotzdem viel Geld gibt.
[35:57] Genau, die gibt es nicht, weil dieser Finanzdienstleister muss ja auch wirtschaftlich
[36:01] arbeiten und er verdient an 250 Euro Anlage, wenn er das Geld praktisch weiterverwenden
[36:06] kann in der Zeit, indem ich es ihm leihe, als Opfer verdient er nichts.
[36:10] Das heißt, es ist völlig unrealistisch, dass Anlagen mit 250 Euro legal angeboten
[36:15] werden. Also merken wir uns da immer misstrauisch werden.
[36:18] Genau. Herr Hoffmann, melden sich denn viele Betrugsopfer von alleine bei der
[36:22] Polizei, um Anzeige zu erstatten oder ist die Scham oft auch zu groß?
[36:26] Ja, leider melden sich viel zu wenige. Also ich weiß, dass ich meinen Kolleginnen
[36:30] und Kollegen damit keinen Gefallen mache, wenn ich das sage.
[36:33] Aber letzten Endes ist es tatsächlich so, dass sich zu wenige melden.
[36:36] Wir haben bei eigenen Verfahren herausgefunden, dass zwischen ein und drei Prozent
[36:42] der Geschädigten überhaupt den Weg zur Polizei gehen.
[36:46] Das heißt 97 Prozent nicht. Und das ist natürlich eine riesige Anzahl.
[36:51] Und für uns natürlich auch klar, dass damit die Dunkelziffer einfach extrem groß ist.
[36:57] Wir hatten zum Beispiel ein Verfahren, da hatte ich vorher schon drüber geredet,
[37:00] wo wir einen Server beschlagnahmt haben, der Täter.
[37:03] Und darauf haben wir natürlich auch nach deutschen Geschädigten gesucht.
[37:06] Da waren insgesamt dann 2800 deutsche Geschädigte registriert,
[37:11] in Excel-Listen erfasst, auch mit dem, was sie alles an Geldern verloren hatten.
[37:16] Und in unseren polizeilichen Datenbanken haben wir nur 25 Anzeigen auffinden
[37:20] können. Das macht schon deutlich, da reden wir über das eine Prozent.
[37:24] Wir haben dann Folgendes gemacht, wir haben dann alle mit einem Schaden über
[37:27] 10.000 Euro angeschrieben, also postalisch einen Brief geschickt und die unter
[37:31] 10.000 Euro eine E-Mail.
[37:33] Und auch da sind im Prinzip nur sehr wenige dann auf uns zugekommen und haben
[37:37] die Anzeige dann bei der Polizei erstattet.
[37:39] Für uns ist die Anzeige natürlich aber unheimlich wichtig, weil wir müssen ja
[37:42] zum einen den Schaden dokumentieren, also den Vermögensschaden, der entstanden ist.
[37:47] Daraus ergibt sich die Strafe der Täter.
[37:50] Und zum anderen ist natürlich auch eine Frage, ob man überhaupt nochmal was
[37:53] zurückkriegt von dem Geld, was man da investiert hat.
[37:56] Also auch schon alleine das Registrieren seines Schadens bei der Polizei gibt
[38:00] ja zumindest die theoretische Chance, dass man nachher wieder was zurückbekommt.
[38:04] Aber jetzt haben, wie gesagt, ja etliche keine Anzeige erstattet.
[38:08] Jetzt kann man sagen, ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
[38:11] Es gibt sicherlich noch weitere Gründe, warum Betroffene keine Anzeige erstatten.
[38:14] Herr Heck, dazu haben Sie sicherlich auch gleich eine gute Antwort.
[38:17] Da gibt es mit Sicherheit viele Gründe. Ich will mal ein paar davon schildern.
[38:20] Beispielsweise könnte es eher sein, dass diese investierten Gelder aus illegalen
[38:25] oder nicht-legalen Aktivitäten stammen, zum Beispiel Schwarzgeld.
[38:29] Da wird derjenige, der das Schwarzgeld investiert hat, bestimmt nicht zur Polizei
[38:32] gehen und sagen, hier, mein illegales Geld ist weg.
[38:34] Oder sie wollten das Geld möglicherweise waschen durch diese Anlage,
[38:37] sprich, diese Gelder stammten aus irgendwelchen anderen Straftaten und sollten
[38:40] da rein und legal gewaschen werden, indem sie investiert werden und später dann
[38:44] wieder ausbezahlt werden.
[38:46] Aber diejenigen melden sich natürlich nicht. Oder es gibt dann auch andere,
[38:50] die sehr hohe Werte verloren haben, die noch viel, viel mehr in der Hinterhand hatten oder haben.
[38:55] Beispiellich, wir hatten einmal einen Milliardär, der fünf Millionen investiert
[38:59] hat und der gesagt hat, das ist Spielgeld für mich. Das habe ich einfach eingesetzt
[39:03] mit dem Motto, entweder es gibt was oder eben nicht.
[39:05] Da kann ich auch noch ergänzen, wir hatten auch noch vor kurzem einen Fall,
[39:08] wo ein Geschädigter einfach weiter investiert hat, dem hat es einfach Spaß gemacht,
[39:12] mit den Tätern zu kommunizieren.
[39:14] Der hat den Fall zwar angezeigt bei der Polizei, wir haben dann auch recherchiert
[39:17] und der hat gesagt, ich investiere da weiter, dann habt ihr mehr Möglichkeiten zu ermitteln.
[39:21] Dem kam es dann tatsächlich auch nicht auf das Geld an. Das ist natürlich aber
[39:24] die Ausnahme, sowas kommt nicht jeden Tag vor und sollte man natürlich auch
[39:28] nicht tun. Also sobald man natürlich feststellt, dass man Geschädigter worden
[39:32] ist, soll man jegliche Kommunikation mit den Tätern einstellen.
[39:36] Keine Zahlung mehr durchführen und das Ding bei der Polizei anzeigen.
[39:39] Und da stehen wir dann schon etwas ratlos da, wenn wir sagen oder fragen,
[39:43] wollen Sie das nicht anzeigen und dann wird das verneint.
[39:46] Herr Hoffmann, jetzt haben wir eben auch noch gehört, dass sich Betrugsopfer
[39:49] häufig schämen, weil sie in die Falle getappt sind. Welche anderen Folgen hat
[39:53] so eine Tat für die Geschädigten? Das geht ja auch in den psychischen Bereich.
[39:57] Ja, definitiv. Also Scham ist das eine, aber zum anderen kann das natürlich
[40:00] auch, wenn man sehr viel Geld verloren hat, also dass man seinen Lebensunterhalt
[40:04] vielleicht nicht mehr bestreiten kann. Manche gehen ja auch her und finanzieren
[40:07] dann, also holen sich Kredite, um weiter zu investieren, weil sie einfach daran glauben.
[40:12] Also das kann dann zu Depressionen führen natürlich, das kann zu Angst führen,
[40:16] sozialem Rückzug, da ist alles möglich.
[40:19] Und wie gesagt, am Ende steht bei manchen tatsächlich auch der finanzielle Ruin,
[40:25] weil sie diese Belastungen dann nachher nicht mehr tragen können.
[40:28] Jetzt gibt es für Betrüger heutzutage ja weit mehr Möglichkeiten als noch vor
[40:33] 20 Jahren, wie bei Robert Pohlmann. Ich denke da vor allem an KI,
[40:37] Herr Hoffmann. Wie sieht es da aus?
[40:38] Ja, KI ist in diesem Bereich tatsächlich auf dem Vormarsch. Es liegt darin,
[40:43] dass man mit KI heute beschäftigt,
[40:45] diese Betrugsmaschen noch einfacher skalieren kann. Man kann sie viel größer
[40:49] machen als jetzt nur der Mensch.
[40:52] Man denkt zum Beispiel an das Anlegen oder Erstellen einer Internetseite, so einer Plattform.
[40:57] Da saß früher ein Programmierer da, hat die programmiert, hat die entwickelt
[41:01] und hat da jedes Klick für Klick zusammengeführt.
[41:04] Heutzutage sage ich meiner KI, das kann ich auf dem Handy machen,
[41:07] erstelle mir eine Plattform für Finanzdienstleistungen und dann macht die das.
[41:10] Dann steht in zehn Minuten fertig, dann macht man ein bisschen links und rechts
[41:14] drumherum Und dann ist das Thema so, dass man es schon wieder auf den Markt
[41:18] geben kann. Und das ist natürlich diese Skalierbarkeit.
[41:21] Da hilft natürlich KI und auch in der Kommunikation. Ich hatte das schon erwähnt vorher.
[41:26] Also gerade in diesen sozialen Medien, sozialen Messenger-Programmen,
[41:31] da kann man natürlich hervorragend solche Chatbots einsetzen und einfach in
[41:34] die Kommunikation mit den Menschen gehen, ohne dass überhaupt ein Mensch sitzt.
[41:38] Herr Hoffmann, im Vorgespräch haben Sie gesagt, dass es drei Säulen des Betrugs gibt.
[41:42] Welche sind das? Ja, also das fängt im Prinzip ja an mit den Call-Centern.
[41:47] Also das sind die, mit denen man dann aktiv die Kommunikation betreibt.
[41:51] Da sitzen reelle Menschen, die tatsächlich auch mit den Geschädigten telefonieren
[41:55] oder mit den Geschädigten schreiben.
[41:58] Die zweite Säule ist die technische Infrastruktur. Das sind also die,
[42:02] die die ganze IT um das ganze Thema bereitstellen, Server bereitstellen,
[42:08] Computerprogramme entwickeln, mit denen man dann nachher auch diese Kursgewinne
[42:12] simulieren kann oder auch den Absturz nachher simulieren kann,
[42:16] so wie es bei den allermeisten passiert.
[42:17] Irgendwann stürzen die Kurse ab und dann hat man sein Geld angeblich verloren.
[42:22] Und das Dritte ist im Prinzip das Geldwäschennetzwerk. Das ist ein eigener Crime-as-a-Service-Bereich,
[42:27] wo die Täterinnen und Täter nichts anderes machen, wie sich um die Geldwäsche kümmern.
[42:33] Das heißt, da geht es nur darum, wie kommen diese angelegten Gelder nachher
[42:38] in einen Geldwäschekreislauf, um ihn später dann wieder irgendwann mal den Tätern zuzuführen.
[42:43] Damit Sie, Herr Hex, dann später noch schwieriger haben, auf der Suche nach
[42:47] dem Geld. Damit wir es viel schwerer haben, genau.
[42:50] Ja, das ist Ihr Spezialgebiet, Geldwäsche. Können Sie nochmal erklären,
[42:55] was Geldwäsche genau ist und wie sie funktioniert? Sehr gerne.
[42:59] Also grundsätzlich geht es bei der Geldwäsche natürlich um das Einschleusen
[43:02] von illegal erwirtschaftetem Geld aus irgendwelchen Betrugshandlungen,
[43:07] aus Steuerhinterziehung, aus Drogenhandel.
[43:09] Diese Gelder sollen in den legalen Wirtschafts- und Finanzkreislauf eingebracht
[43:14] werden, um sie nachher als legal verdient darzustellen.
[43:18] Ziel ist also dann, die kriminelle Herkunft dieses Geldes zu verschleiern,
[43:22] damit es eben nachher wie rechtmäßig verdientes Geld aussieht.
[43:26] Die Täter sind zum Teil sogar bereit, die Gelder dann zu versteuern.
[43:29] Also das Minus nehmen sie dann in Kauf.
[43:31] Es kann unterschiedlich ablaufen. Also nehmen wir mal als Beispiel diesen Anlagebetrug,
[43:36] wo im Anschluss über sogenannte Finanzagenten das Geld gewaschen wird.
[43:40] Also da ist es in der Regel so, dass durch die Betrüger, durch die Täter diese
[43:44] Gelder eingenommen werden.
[43:45] Die sollen dann über Dritte, über die Geldwäsche, nachher als legal verdientes
[43:50] Geld dargestellt werden.
[43:52] Diese sogenannten Finanzagenten, das sind Menschen, die im Internet angeworben wurden.
[43:57] Beispielsweise über Nebenjobs werden sie Kontotester oder stellen sie ihr Konto zur Verfügung.
[44:03] Also immer wenn es darum geht, Kontos zu testen oder seine Kontodaten irgendwelchen
[44:08] unbekannten Personen zur Verfügung zu stellen, muss man unbedingt herhörig werden.
[44:13] Also diese Art von Tätigkeit gibt es nicht.
[44:15] Wir haben es vorher schon festgestellt, ich brauche für Finanzdienstleistungen
[44:18] eine BaFin-Genehmigung.
[44:20] Und das kann ich nicht als Nebenjob auf 600-Euro-Basis in meinem Wohnzimmer machen.
[44:26] Das geht nicht, also das ist nicht legal, da muss jeder sofort hellhörig werden.
[44:31] Ja, auf jeden Fall ist es so, die Betrugsopfer überweisen das Geld auf die Konto
[44:35] der Täter oder möglicherweise auch direkt der Finanzagenten.
[44:39] Und über diverse Finanzagentenstrukturen, Konten, werden diese Gelder im In-
[44:43] und Ausland dann eben weitergereicht. In der Regel haben die Konten einen Durchlaufcharakter.
[44:47] Das heißt, da gehen 1.000 Euro rein, Tag später 1.000 Euro raus auf das nächste
[44:51] Konto oder dann auch ins Ausland.
[44:54] Es ist also so, dass sowohl im Inland als im Ausland dann diese Strukturen eben
[44:58] entsprechend Konten haben.
[45:00] Die Finanzagenten selbst, die werden entweder entlohnt durch die Täterstrukturen
[45:05] oder, und so ist es meistens, dass sie einen Teil dieser Gelder,
[45:08] die auf ihren Konto eingehen, behalten dürfen.
[45:10] Beispielsweise dem Finanzagenten werden 1000 Euro überwiesen und ihm wird angewiesen,
[45:15] zahle 900 Euro auf das Konto X weiter.
[45:17] Und das ist tatsächlich ein Problem. Und solche Konten werden in der Regel und
[45:21] sehr häufig dann auch für Geldwäsche genutzt.
[45:24] Der Rechtsstaat hat hier aber ein gutes Werkzeug geschaffen und die Behörden
[45:28] sind glücklicherweise nicht hilflos gegen Geldwäsche. Stimmt's, Herr Eck?
[45:32] Das stimmt absolut. Wir haben da wirklich eine sehr, sehr gute Gesetzgebung,
[45:35] die auch immer wieder angepasst wird. Da gibt es also immer wieder schärfere
[45:38] EU-Richtlinien, die dann in den EU-Staaten umgesetzt werden müssen.
[45:42] Also die Banken, die Finanzdienstleister, die Güterhändler, die irgendwelche
[45:45] hochwertigen Waren verkaufen, Notare und so weiter, die müssen nach dem Geldwäschegesetz
[45:50] verdächtige Transaktionen melden.
[45:52] Sehr häufig stehen diese Meldungen dann auch im Zusammenhang mit bereits bekannten
[45:56] angezeigten Straftaten, die wir dann zuordnen können, aber genau auch andersrum.
[46:01] Wir haben ja vorher drüber gehabt, viele Straftaten werden gar nicht angezeigt.
[46:05] Das heißt, über diese Geldwäsche-Verdachtsmeldung der Bank sehen wir,
[46:08] ah, da war eine Transaktion, wir überprüfen das und merken, oh,
[46:11] da war ja ein Betrug, der aber noch nicht angezeigt wurde.
[46:14] Gehen wir wieder einen Schritt weiter. Jetzt habe ich mein Geld überwiesen und
[46:17] irgendwann festgestellt, Mist, das war jetzt ein Betrug.
[46:21] Wie kann die Polizei den Weg meiner Zahlung weiter verfolgen?
[46:24] Also ich stelle mir das ja ein bisschen so vor wie im Film. Da wird das Geld
[46:27] ja innerhalb kürzester Zeit von einem Konto zum nächsten transferiert,
[46:32] bis alle Außenstehenden irgendwann überhaupt nicht mehr durchblicken,
[46:34] wo das Vermögen eigentlich ist.
[46:36] Ja, das kommt natürlich sehr darauf an, vor allem wie schnell wir von dem Betrug
[46:40] beziehungsweise von dieser Straftat erfahren und wie schnell wir anfangen können zu ermitteln.
[46:45] Weil bei dem Fluss der Zahlung zählt schlussendlich jede Sekunde in Zeiten der
[46:48] Sofortüberweisung, die natürlich für den Kunden sehr gut ist,
[46:52] uns vor große Probleme stellt, können sie kündlich Zahlungen über Ländegrenzen
[46:56] hinweg erteilt werden bzw. durchgeführt werden.
[47:00] Daher ist es wichtig, dass die Opfer uns schnellstmöglich nach Kenntnis dieses
[47:04] Betrugs oder wenn sie vermuten, dass sie betrogen worden sind, Anzeige erstatten.
[47:08] Beispielsweise über den schnellen Weg der Online-Wachen der Polizei.
[47:12] Dann besteht natürlich eine höhere Chance darauf, die Gelder auch zurückzubekommen.
[47:17] Sofern die Anlage aber schon länger zurück ist, führen unsere Ermittlungen dann
[47:21] sehr häufig natürlich zu einem Konten und auch einem Geldwäschenetzwerk.
[47:25] Das heißt, die Gelder wurden dann mehrfach weitergeleitet.
[47:28] Dann wird es natürlich schwieriger, den Überblick zu haben und zu behalten und auch zu ermitteln.
[47:33] Wenn wir jetzt auf das Beispiel Polmann zurückkommen, dort ging es immer über Banküberweisungen.
[47:38] Und der Weg des Geldes über Bankkonten ist unproblematisch, weil das ist ja
[47:43] schlussendlich auch nicht wiederkehrbar bzw. umkehrbar.
[47:47] Das heißt, wir werden Bankauskunftsersuchen schicken an die jeweiligen Banken
[47:52] und somit die Finanzermittlungen anstrecken und eben den Weg des Geldes dann nachverfolgen.
[47:58] Genauso ist es heute eben jetzt in letzter Zeit, werden auch sehr häufig Kryptowährungen
[48:02] dann benutzt für diese Betrugsmaschenstraftaten.
[48:05] Können wir natürlich auch Kryptowährungen verfolgen. Das heißt,
[48:08] den Weg der Kryptozahlungen.
[48:11] A schickt Kryptowährungen an B.
[48:14] Und dann ebenfalls auch Konten einfrieren, sofern wir dann eben entsprechend
[48:18] diese Konten identifizieren können.
[48:20] Das hört sich jetzt erstmal beruhigend an. Wie können Sie denn im Bereich Kryptowährungen ermitteln?
[48:25] Also um das nochmal auch zu erläutern, wie das Ganze funktioniert,
[48:28] als eine Person überweist bzw. überträgt Kryptowährungen von seiner Kryptoadresse,
[48:35] von seinem Wallet, also von seiner elektronischen Geldbörse an eine andere Person.
[48:40] Sie vermutet dann, dass ein Betrug eben entsprechend Opfer eines Betrugs geworden ist.
[48:44] Dann können wir, kann auch jeder über die sogenannten Blockchains im Internet
[48:49] diese Zahlung grundsätzlich einsehen.
[48:50] Also von der einen elektronischen Geldbörse zur anderen. Aber da es sich um
[48:55] anonyme Zahlungen handelt, sieht man natürlich nicht, wer steckt hinter diesen
[48:59] entsprechenden Wallets, hinter diesen Geldbörsen.
[49:02] Und dementsprechend kommen dann auch viele möglicherweise andere Opfer,
[49:07] die auch noch Gelder überweisen an diese Adresse des Täters.
[49:11] Und dann können wir eben in Ruhe ermitteln.
[49:13] Sofern bisher keine Bewegung in diese Geldbörse der Täter stattgefunden hat,
[49:18] dann ist es zunächst mal noch anonym, aber die Gelder liegen ja auch noch dort.
[49:22] Das heißt, schlussendlich ist es so, wir müssen abwarten, wird Geld,
[49:25] reelles Geld, also Fiat-Geld, US-Dollar, Euro, Schweizer Franken,
[49:29] welche Währung auch immer, in Kryptos eingebracht oder wird es irgendwann wieder
[49:33] aus Kryptos rausgeholt.
[49:35] Und das ist da der Weg bzw. der Punkt, an dem wir ansetzen können.
[49:39] Wenn der Täter oder die Tätergruppierung die Kryptos lediglich hortet und die
[49:42] nicht bewegt, dann müssen auch wir abwarten und warten, bis die sich aus der Deckung wagen.
[49:47] Und wenn die sich dann aus der Deckung wagen und das dann sozusagen in reelles
[49:51] Geld wieder umwandeln wollen, kommen sie denn dann auch an die Identität der Täter ran?
[49:56] Dann kommen wir deshalb auf die Identität der Täter, weil der Täter ja dann legale,
[50:01] von sich auf seinen Namen eröffnete Bankkonten haben muss.
[50:05] Und genau dort greifen wir dann an. Also man kann sagen, die Polizei muss da
[50:09] einen ziemlich langen Atem haben, wie Sie eben auch schon gesagt haben,
[50:13] dann müssen Sie eben warten. Irgendwann wollen die Täter ja doch an das Geld
[50:17] ran und es ausgeben, an dem sie sich bereichert haben.
[50:20] Auf der Lauer liegen auch die Ermittler im Fall Robert Pohlmann,
[50:23] nachdem dieser von Florida in den USA aus im deutschsprachigen Raum Kapitalanlagen
[50:29] verkauft hat, die nie existierten.
[50:31] Mindestens 32,5 Millionen Euro hat er sich so ergaunert.
[50:37] Im August 2007 flieht er dann und taucht unter.
[50:41] Zwei Jahre später wendet sich das Landeskriminalamt Baden-Württemberg an unsere
[50:46] Redaktion von Aktenzeichen XY ungelöst, mit der Bitte, die Fahndung nach Robert
[50:51] Pohlmann in die Sendung aufzunehmen.
[50:53] Wir hören mal rein in die Folge vom 21. Oktober 2009.
[51:05] So, jetzt zu einer dringenden Personenfahndung für das Landeskriminalamt in
[51:10] Baden-Württemberg. Gesucht wird jetzt dieser Mann.
[51:13] Er soll im großen Stil Anleger um richtig viel Geld gebracht haben.
[51:17] Laut den Ermittlungen der Polizei soll er von Florida, USA aus 2005 bis 2007
[51:23] ein gigantisches Schneeballsystem initiiert haben. Über 6000 Anleger sollen
[51:28] auf ihn hereingefallen sein in Österreich, Deutschland und in der Schweiz.
[51:32] Bis zu seiner Flucht bewohnte er mit seiner Lebensgefährtin eine luxuriöse Villa in Florida.
[51:38] Er führte dort ein kostspieliges Leben, spielte Golf und hatte ein Faible für teure Autos.
[51:43] Sehr wahrscheinlich wird er versuchen, unter einer neuen Identität dieses Leben fortzusetzen.
[51:52] Und tatsächlich tritt Robert Pohlmann während seiner jahreandauernden Flucht
[51:56] immer wieder unter falschen Identitäten auf.
[51:59] Er gründet sogar, mithilfe einer weiteren Person, zwei neue Unternehmen.
[52:03] Dadurch hat er wieder Zugang zu Bankkonten und Kreditkarten.
[52:08] Er ist etwa dreieinhalb Jahre auf der Flucht, als er 2011 in eine Verkehrskontrolle gerät.
[52:14] Die US-amerikanischen Polizisten nehmen dabei seine Fingerabdrücke und speisen
[52:19] sie kurz darauf ins System ein.
[52:22] Wenig später ist klar, wen die Polizei da soeben kontrolliert hat.
[52:27] Doch Robert Pohlmann ist da schon auf und davon und wird durch Interpol zur
[52:32] internationalen Fahndung ausgeschrieben.
[52:35] Es dauert nochmal eineinhalb Jahre, bis Robert Pohlmann schließlich im Sommer
[52:38] 2012 vom FBI und weiteren anwesenden Sicherheitsbehörden in Las Vegas verhaftet wird.
[52:46] Nach rund fünf Jahren auf der Flucht kooperiert Robert Pohlmann sofort nach
[52:50] der Verhaftung mit den Behörden.
[52:52] Er führt sie zum Beispiel zu einem Lagerhaus, in dem er Wertgegenstände gesammelt hat.
[52:57] Dort befinden sich Gemälde, Plastiken, Kunstdrucke, Bargeld und vieles mehr.
[53:03] Insgesamt können die Strafverfolgungsbehörden ein Vermögen im Wert von etwa
[53:08] 24,1 Millionen US-Dollar sicherstellen.
[53:19] Herr Heck, mehr als 24 Millionen US-Dollar an verfügbarem Vermögen bei einem
[53:23] Schaden von etwa mehr als 32 Millionen Dollar. Klingt jetzt erstmal gar nicht so schlecht.
[53:29] Wie ist da Ihre Einschätzung? Da muss ich Ihnen zustimmen. Das sind rund 75 Prozent.
[53:33] Eine 75-Prozent-Quote haben wir relativ selten. Sehr häufiger geben die Täter
[53:38] oder die Täterstrukturen, die Gruppierungen deutlich mehr aus und wir können
[53:43] weniger an Vermögen auch finden.
[53:45] Aber es wurde ja vorher schon erwähnt, der tatsächliche Schaden dürfte wahrscheinlich
[53:49] viel höher gewesen sein. Es wurden nicht alle Straftaten angezeigt.
[53:52] Manche Opfer haben die Polizei nicht benachrichtigt.
[53:56] Ein Teil der Taten wurde auch nicht angeklagt. Wir hatten da schon viele Dinge erörtert.
[54:01] Der Robert Pullmann selbst hatte schätzungsweise mit Sicherheit fünf- bis sechsstellige
[54:06] Ausgaben pro Monat, Miete, Fahrzeuge, entsprechender Lebensstil.
[54:11] Die Täter versuchen ja durch diese Betrugstaten sich persönlich zu bereichern,
[54:16] sich einen Lebensstil zu leisten, natürlich mit dem Geld anderer Menschen,
[54:20] der ihnen sonst nicht möglich wäre.
[54:22] Das heißt, viele der Gelder werden dann auch, so sprechen wir es immer aus,
[54:25] verbrannt für teure Autos, für teure Reisen, für hohe private Ausgaben,
[54:30] für Luxusgüter und sonstige Dinge.
[54:33] Wenn die Täter, wie Sie sagen, alles Geld verbrannt haben, wie kommen denn da
[54:38] die Geschädigten, also Opfer, wieder an ihr Geld?
[54:40] Oft leider wenig oder gar nicht, wenn das Geld weg ist.
[54:44] Aber der Gesetzgeber hat da eine gute Möglichkeit geschafft.
[54:48] Wenn Vermögenswerte eben nicht mehr individuell vorhanden sind,
[54:51] muss der Täter Wertersatz leisten. Es kann ja sein, der Täter hat noch sonstiges
[54:55] Vermögen, auf das man zugreifen kann, was auch sein Legalvermögen sein kann.
[54:59] Und da greifen wir eben auf Vermögen in jeglicher Art hin bzw. zu.
[55:05] Das können bewegliche Gegenstände sein, zum Beispiel Schmuck,
[55:07] Kunstwerke, Bargeld, Fahrzeuge.
[55:10] Es können Forderungen sein, wie zum Beispiel Bankkontenfirmenanteile.
[55:14] Kautionen, Mieten, was auch immer. Es können Kryptowerte sein,
[55:17] es können Immobilien sein, Schiffe oder Luftfahrzeuge. Alles,
[55:20] was man sich an Vermögenswerten nur so vorstellen kann.
[55:24] Und es ist so, dass die Vollstreckung gegen den Täter nach dem Urteil grundsätzlich
[55:29] möglich ist und wir sogar, beziehungsweise die Staatsanwaltschaft, sogar
[55:34] den Täter, beziehungsweise derjenige, der eben dieses Vermögen schuldet gegenüber
[55:37] den Opfern oder dem Staat, zur
[55:39] Vermögensverhandlung ausgeschrieben werden kann. Und die ist zehn Jahre.
[55:42] Das heißt, wenn der Täter später dann mit Vermögenswerten angetroffen wird,
[55:46] dann werden ihm diese auch weggenommen.
[55:48] Wenn man also einem Betrüger auf den Leim gegangen ist, ihn angezeigt hat und
[55:52] er verurteilt wurde, muss er das Geld dann automatisch an die Opfer zurückzahlen,
[55:56] sobald er wieder welches hat? Ich habe das jetzt so verstanden bei Ihnen.
[55:59] Oder muss man das nochmal gesondert einklagen? Es ist grundsätzlich so,
[56:04] dass wenn das Vermögen des Täters.
[56:08] Den Opferanspruch übersteigt. Wir grundsätzlich zwei Möglichkeiten haben,
[56:12] zwei Wege, den zivilrechtlichen und den strafrechtlichen.
[56:15] Im strafrechtlichen ist es so, dass der Staat eben entsprechend beim Gerichtsurteil
[56:20] den Täter verurteilt in voller Höhe.
[56:22] Dann wird man auch versuchen, in dieser Höhe Vermögen bei ihm zu vollstrecken
[56:26] bzw. beizutreiben, dass dann eben entsprechend den Geschädigten auch ausgekehrt werden kann.
[56:31] Und es gibt natürlich den zivilrechtlichen Weg, der grundsätzlich immer offen
[56:34] steht, weil wir haben ja hier auch
[56:36] neben dem Betrug eine ungerechtfertigte Bereicherung aus dem Zivilrecht.
[56:41] Und so können die Geschädigten eben auch selbstständig etwas unternehmen,
[56:45] beispielsweise das gerichtliche Mahnverfahren betreiben, eine zivilrechtliche
[56:48] Klage und möglicherweise sogar, wenn festgestellt wird, der Anspruch der Geschädigten
[56:53] der Opfer ist höher als das Vermögen,
[56:56] des Täters, dass sogar ein Insolvenzantrag gestellt werden kann.
[57:00] Wenn es also ein Insolvenzverfahren durchgeführt wird, das sowohl aus dem strafrechtlichen
[57:04] Verfahren heraus möglich ist, weil es der Staatsanwalt stellen kann,
[57:07] wenn er feststellt, es ist nicht genügend Vermögen vorhanden und es gibt höhere Ansprüche.
[57:11] Oder im zivilrechtlichen Verfahren.
[57:13] Dann ist es grundsätzlich aber auch so, dass wenn dieses Insolvenzverfahren
[57:17] abgeschlossen ist, die Restschuld des Täters gegenüber den Opfern grundsätzlich erlischt.
[57:22] Weil nach dem Insolvenzverfahren der Täterschuldner dann auch schuldenfrei ist.
[57:28] Das betrifft aber nur die Taten, bei denen es Opfer gibt, nicht bei Taten,
[57:32] bei denen der Staat Anspruchsinhaber ist.
[57:43] Die Vermögenswerte fließen dann alle in eine Art Verteiltopf,
[57:48] aus dem heraus die Opfer entschädigt werden.
[57:50] Aber wie viel Prozent von ihrem ursprünglichen Wert bekommen die Betrogenen dann wieder zurück?
[57:56] Diese Frage haben wir vor der Podcast-Aufzeichnung Peter Mattil gestellt.
[58:00] Er ist Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in München.
[58:04] Seine Kanzlei hat bei dem Prozess
[58:06] gegen Robert Pohlmann mehr als 250 Geschädigte vor Gericht vertreten.
[58:11] Quoten nennt man das, was man zurückbekommt. Die Quote im Insolvenzverfahren,
[58:15] da habe ich erlebt von 0% bis 100%.
[58:19] P&R-Container, auch ein großes Verfahren, da bekommen die Leute ungefähr 30% zurück.
[58:25] Bei der Wirecard werden sie wahrscheinlich gar nichts zurückbekommen.
[58:30] Ich habe auch erlebt Verfahren, in denen die Leute 50, 70, fast sogar 100% wiederbekommen
[58:36] haben. Das hängt immer davon ab, was noch an Vermögen da ist.
[58:40] Nur das kann ein Insolvenzverwalter verteilen.
[58:43] Und wenn es kein Insolvenzverfahren gibt, dann muss man schauen,
[58:47] von wem man einen Schadensersatz bekommen kann.
[58:50] Das ist oft dann auch ein Berater, Beraterbank zum Beispiel,
[58:54] oder ein Wirtschaftsprüfer, der nicht richtig hingeguckt hat.
[58:57] Da gibt es schon auch Verantwortliche, die in der Haftung stehen.
[59:00] Und die verklagen wir dann.
[59:02] Wir haben den Rechtsanwalt außerdem gefragt, wie viel Prozent die Geschädigten
[59:06] konkret im Verfahren gegen Robert Pohlmann zurückbekommen haben.
[59:10] Es war nicht viel, aber immerhin ein bisschen was haben die Leute zurückbekommen,
[59:13] vielleicht fünf oder zehn Prozent.
[59:15] Der wurde ja eingefangen und wurde ausgeliefert und dann hier in Mannheim verurteilt.
[59:20] Und das ist natürlich eine Genugtuung für Anleger.
[59:23] Schlimmer ist, wenn die Leute abhauen und werden nicht mal bestraft.
[59:26] Das ist sehr bitter für Betrogener.
[59:28] Wie ein großer Teil der Menschen, die um oft viel Geld betrogen wurden,
[59:32] damit umgeht, hat uns Herr Mattel ebenfalls erzählt.
[59:36] Die sind natürlich fassungslos und schimpfen und dann ist natürlich...
[59:43] Der Staat schuld oder der Berater ist schuld oder die Bank oder wer auch immer.
[59:48] Da gibt es viele, die dann ihre Flinte ins Korn werfen, resignieren und überhaupt
[59:53] nichts mehr machen und nichts mehr hören wollen.
[59:56] Also natürlich sind die Opfer sehr frustriert und resigniert.
[1:00:00] Wir haben oft, wenn man ein bisschen hartnäckig ist, natürlich dann auch was
[1:00:03] erreichen können. Da muss man den Leuten auch helfen, auch psychologisch ein bisschen.
[1:00:08] Ich sage oft, schauen Sie mal, das passiert irgendwie jedem irgendwann einmal.
[1:00:13] Dann sind die Leute schon ein bisschen beruhigter, schimpfen sich auch selbst.
[1:00:16] Wie kann ich auf sowas hereinfallen? Wie blöd bin ich eigentlich?
[1:00:20] Und solche Sachen natürlich, die sind auch mit sich selbst dann sehr im Argen,
[1:00:24] dass sie auf sowas reinfallen.
[1:00:26] Und wenn sie dann von mir hören, es passiert jedem irgendwann einmal.
[1:00:32] Entweder ein Betrug oder eine Insolvenz, wie bei Wirecard.
[1:00:37] Dann ist die Stimmung schon ein bisschen besser. Wir wollten von Herrn Mattil
[1:00:40] noch wissen, wie weit das Insolvenzverfahren im Fall Robert Pohlmann heute ist.
[1:00:46] Das Insolvenzverfahren, das ist noch gar nicht abgeschlossen.
[1:00:51] Aber die Geldverteilung, das vorhandene Vermögen, das hat ungefähr zehn Jahre gedauert.
[1:00:56] Aber schon nach zwei oder drei Jahren hat der Insolvenzverwalter schon Abschlagszahlungen
[1:01:02] verteilt. Der Rechtsanwalt hat unserer Redaktion noch erzählt,
[1:01:05] was sein Ratschlag an Geschädigte von Betrügereien ist.
[1:01:09] Man sollte sich zumindest beraten lassen von einem Anwalt, ob das einen Sinn macht, was das kostet.
[1:01:15] Da gibt es dann immer irgendeine Möglichkeit, was man tun kann.
[1:01:19] Aber die Sachen in die Schublade oder in die Tonne stecken, das ist ganz sicher
[1:01:25] kein guter Rat, weil doch in vielen Fällen irgendwann doch ein Geld auftaucht.
[1:01:31] Oder der Täter wieder auftaucht. Oder der Täter wieder was Neues macht.
[1:01:36] Und all diese Dinge habe ich erlebt. Also man sollte sich zumindest beraten
[1:01:40] lassen, ob man was tun soll.
[1:01:43] Das Geld, wenn es weg ist, wird schwierig. Man soll nur immer bedenken,
[1:01:48] wenn man Opfer eines Anlagebetruges ist, die Ansprüche verjähren nach drei Jahren.
[1:01:54] Und drei Jahre gehen so schnell vorbei. Früher hatten wir 30 Jahre,
[1:01:59] finde ich auch viel, viel, viel gerechter, wenn mir jemand mein Geld klaut,
[1:02:03] warum ich mich dann so abhetzen muss, den zu verklagen. Man schützt ja den Täter
[1:02:06] durch kurze Verjährungsfristen.
[1:02:08] Also, liebe Hörerinnen und Hörer, ihr habt es gehört, wenn ihr nachweislich
[1:02:12] einen Betrug aufgesessen seid und euer Geld oder zumindest einen Teil davon
[1:02:17] wiederhaben wollt, dann handelt möglichst zeitnah.
[1:02:25] Der Fall Robert Pohlmann landet 2013 schließlich vor Gericht.
[1:02:29] Dass der Betrüger sofort geständig ist, bei der Aufklärung weiterer Betrugsdelikte
[1:02:34] mithilft und dazu beiträgt, sämtliche noch vorhandene Vermögenswerte zu sichern,
[1:02:39] geht zu seinen Gunsten in das spätere Urteil ein.
[1:02:42] Negativ legen ihm die Richter aber aus, mit welcher Professionalität er vorgegangen ist.
[1:02:47] Das präzise konstruierte Schneeballsystem, das er nur Anleger in deutschsprachigen
[1:02:53] Ländern ausgewählt hat, um nicht
[1:02:54] ins Visier der US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden zu geraten.
[1:02:59] Und seine bis ins Detail geplante Flucht. Am Ende wird er zu 8,5 Jahren Gefängnis verurteilt.
[1:03:05] Wegen guter Führung ist er 2017 nach etwas mehr als der Hälfte der verbüßten
[1:03:10] Strafe wieder auf freiem Fuß.
[1:03:17] Herr Hoffmann, wie kommt eine so frühe Haftentlassung bei den Ermittlern an?
[1:03:20] Naja, zunächst einmal haben wir da keine Emotionen drin als Polizei.
[1:03:24] Uns ist es wichtig, den Betrug zu stoppen, also dieses betrügerische Vorgehen,
[1:03:28] diese Schneeballsysteme aufzulösen und die Verfahren dann vor Gericht zu bringen.
[1:03:33] Wenn der oder die Angeklagte dann später gut in der Haft führt und da früher
[1:03:39] entlassen wird, dann ist das auch in Ordnung.
[1:03:41] Man darf auch nicht vergessen, dass diese Haftstrafen dann zur Bewährung ausgesetzt
[1:03:46] werden. Das heißt, wenn er wieder straffällig wird, dann muss er diese vier
[1:03:49] Jahre auch noch absitzen.
[1:03:51] Und Sie sind aber auch ganz zuversichtlich, dass Sie in Zukunft immer häufiger
[1:03:55] solche Erfolge erringen werden.
[1:03:57] Die Polizei entwickelt sich natürlich auch immer weiter und es entstehen neue
[1:04:01] Möglichkeiten, Straftaten und Täter zu verfolgen.
[1:04:04] Eine ganz zentrale Rolle spielt da die Operation Herakles. Das klingt mysteriös. Worum geht es da?
[1:04:10] Also es handelt sich um eine gemeinsame Operation vom Cybercrime-Zentrum der
[1:04:14] Generalstaatsanwaltschaft in Karlsruhe. der BaFin und dem Landeskriminalamt
[1:04:18] gegen den Cybertrading-Betrug.
[1:04:20] Unser Ziel ist es, die illegale Infrastruktur, also die Infrastruktur,
[1:04:25] die von den Tätern genutzt wird, für diese Betrugsstraftaten abzuschalten und zu identifizieren.
[1:04:31] Das heißt, wir schauen, was für Infrastruktur nutzen die Täter,
[1:04:34] um die Betrüge zu machen und tun sie dann ganz gezielt abschalten.
[1:04:39] So haben wir letzten Jahres insgesamt über 2200 Domains. Also das sind diese
[1:04:43] Internetseiten, wo die Plattformen drauf gehostet werden.
[1:04:46] Abgeschalten und über 3500 Rufnummern, die die Täterinnen und Täter benutzt haben.
[1:04:53] Ja, das ist schon mal ein toller Ermittlungserfolg und die Polizei hat auch
[1:04:56] einen Namen für diesen Ansatz.
[1:04:58] Disruptive Strafverfolgung, also die Zerstörung der Infrastruktur der Täter.
[1:05:04] Wie Sie betrügerische Internetseiten abschalten können, haben Sie uns ja schon
[1:05:08] erklärt. Sie drehen aber gleichzeitig an weiteren Stellschrauben.
[1:05:11] Welche sind das, Herr Hofmann?
[1:05:13] Eine Möglichkeit ist zum Beispiel auch diese Rufnummern abzuschalten.
[1:05:17] Das sind Rufnummern und Blöcke, die von den Täterinnen und Tätern genutzt werden.
[1:05:20] Die können die bei großen Telefonbetreibern anmieten und die identifizieren
[1:05:25] wir dann. Da stellen wir also fest, dass die diese Nummern nutzen und dann schalten
[1:05:29] wir die ab. Wir hatten letztes Jahr, vorletztes Jahr war das ein sehr großes Verfahren.
[1:05:34] Da haben wir also festgestellt zum ersten Mal, dass man Rufnummernblöcke anmieten
[1:05:37] kann, mit denen man zum Beispiel 40 Telefonate in der Sekunde gleichzeitig durchführen
[1:05:43] kann. Und diese große Infrastruktur, da versuchen wir reinzugehen und die abzuschalten.
[1:05:49] Mit der Abschaltung reduzieren wir natürlich deren Infrastruktur und streuen
[1:05:54] natürlich auch gleichzeitig Sand in die Getriebe.
[1:05:57] Das Ziel ist, die Täter müssen es so schwer wie möglich haben.
[1:06:01] Außerdem versuchen wir den Aufwand für die Täter natürlich so groß wie möglich
[1:06:04] zu machen, gerade das gelingt uns bei diesen Konten, wenn man da Videoident
[1:06:08] machen muss, sich immer wieder identifizieren muss, Rufnummernblöcke anmieten muss.
[1:06:12] Das ist alles mit sehr, sehr viel Aufwand verbunden und bringt natürlich für
[1:06:16] die Täter einen großen Nachteil und das wollen wir natürlich.
[1:06:18] Das muss unattraktiv sein, hier in Deutschland zu operieren.
[1:06:23] Ja, und wenn Sie dann mal vielleicht ein bisschen draufzahlen,
[1:06:25] wenn Sie dann merken, das funktioniert nicht mehr so gut, dann haben wir einfach
[1:06:28] die Hoffnung, dass Deutschland als Standard oder die DACH-Region als Standard,
[1:06:33] der deutschsprachige Raum für die Täter einfach unattraktiv wird.
[1:06:37] Ja, und auch was die Geldwäsche betrifft, haben Sie noch große Pläne mit der
[1:06:41] Operation Herakles? In welcher Form?
[1:06:43] Ja, also hier möchte ich noch nicht so viel drüber sprechen natürlich,
[1:06:46] weil wir wollen natürlich nicht alles hier in dem Podcast verraten.
[1:06:50] Aber es ist natürlich schon so, dass diese Geldwäschekonten,
[1:06:53] die da eröffnet werden, für uns natürlich auch ein Thema sind,
[1:06:56] was wir im Fokus haben, was wir ganz genau analysieren werden und wo wir ganz
[1:07:01] genau reinschauen werden, wo wir
[1:07:03] in die Theaterstrukturen eingreifen
[1:07:05] können, wo wir das Ganze auch ein bisschen größer machen können.
[1:07:08] Das ist jetzt unser Ziel. Wir haben also festgestellt, es zeigt Wirkung, was wir tun.
[1:07:12] Und jetzt wollen wir das größer machen. Wir wollen das skalieren und wollen
[1:07:16] dadurch natürlich einfach einen viel größeren Umfang erreichen,
[1:07:19] als wir bis bisher haben.
[1:07:22] Also ich fasse mal zusammen. Sie, die Polizei, sie geben ihr Bestes.
[1:07:26] Die Polizei gibt ihr Bestes, um dem Massenphänomen Cyber-Trading-Betrug Herr zu werden.
[1:07:31] Es gibt aber noch ein paar Dinge, die jeder Einzelne tun kann,
[1:07:34] um sich vor Betrügern zu schützen.
[1:07:36] Welche Tipps können Sie unseren Zuhörerinnen und Zuhörern noch geben?
[1:07:40] Also zum einen, wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie Opfer eines Betruges geworden
[1:07:45] sind, dann raten wir natürlich, das grundsätzlich bei der Polizei anzuzeigen.
[1:07:48] Und es ist natürlich immer Vorsicht geboten, wenn man Druck am Telefon hat,
[1:07:53] wenn man da Druck ausgeübt wird auf einen, dass man noch mehr anlegen soll,
[1:07:57] dass man noch schneller agieren soll, dass man irgendeine Chance verpasst.
[1:08:00] Da muss man eigentlich hellhörig werden und im besten Fall eigentlich auflegen,
[1:08:05] das Gespräch beenden und sich dieses psychischen Druckes mal entziehen,
[1:08:10] mal darüber nachdenken, was passiert hier eigentlich.
[1:08:13] Das Gleiche gilt auch für diese WhatsApp-Gruppen oder diese Messenger-Gruppen,
[1:08:17] die es ja häufig jetzt auch gibt und wo sehr viel Druck ausgeübt wird, das psychische Druck.
[1:08:22] Aber da gilt einfach mal rausgehen aus diesen Gruppen vielleicht,
[1:08:25] rausgehen aus der Situation, mal mit Nachbarn, mit Kollegen,
[1:08:29] mit Freunden darüber reden und sagen, Mensch, kann das überhaupt sein,
[1:08:32] was da passiert? Ist das reell?
[1:08:35] Und gegebenenfalls natürlich auch mal Nachfragen bei der Polizei oder auch bei
[1:08:39] Verbraucherzentralen, einfach sich mal informieren, kann das sein,
[1:08:43] dass Finanzdienstleistungen in diese Art und Weise angeboten werden?
[1:08:48] Für uns auch ganz wichtig ist natürlich, den Computer immer auf aktuell zu halten,
[1:08:52] auf dem neuesten Stand zu halten, also regelmäßig so Updates zu machen,
[1:08:56] auf dem Telefon, auf dem Computer, auf dem Laptop, um da zu vermeiden,
[1:09:00] dass man vielleicht mit Schadsoftware oder mit irgendwelchen,
[1:09:03] mysteriösen Apps dann infiziert wird, wo man dann später vielleicht noch einen
[1:09:07] größeren Schaden erleidet, weil da ganz viele Informationen abgezweigt werden.
[1:09:12] Und was für uns natürlich ganz zentral ist, auch diese Passwörter,
[1:09:16] dass man die immer wieder mal aktualisiert, dass man vielleicht so eine Passwort-App
[1:09:20] benutzt, die sehr starke Passwörter generieren können und die auch speichern,
[1:09:24] um zu vermeiden, dass man damit, wenn man einmal so ein Passwort identifiziert
[1:09:27] hat, dass dann die Täter in mein gesamtes Leben eindringen können,
[1:09:31] weil ich halt für alles eben nur dieses eine Passwort benutzt habe.
[1:09:35] Ja, das waren jetzt zum Schluss nochmal einige gute Ratschläge. Vielen Dank dafür auch.
[1:09:40] Damit sind wir jetzt am Ende unserer heutigen Folge. Ganz herzlichen Dank,
[1:09:43] dass Sie beide heute bei uns im Studio waren. Herr Heck, Herr Hoffmann.
[1:09:47] Ja, vielen Dank, dass wir da sein durften. Es war sehr interessant,
[1:09:50] nochmal über das gesamte Thema mit Ihnen da zu sprechen.
[1:09:53] Vielen Dank auch von mir und achten Sie auf Ihr Geld.
[1:09:57] Danke für den Hinweis. Schön, dass Sie heute da waren. Ein großes Dankeschön
[1:10:01] geht auch an Yvonne Doban, Richterin am Landgericht Karlsruhe und Peter Mattil,
[1:10:07] Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.
[1:10:09] Dafür, dass sie vom Prozess gegen Robert Pohlmann erzählt haben und davon,
[1:10:14] wie es mit den Opfern weitergegangen ist.
[1:10:17] Zu guter Letzt noch Danke an Natascha Fehn, der Autorin der heutigen Folge.
[1:10:21] Vielen Dank an euch fürs Zuhören.
[1:10:24] Bis zur nächsten Folge und wie immer, bleibt sicher. Von mir auch Tschüss und bis bald.
[1:10:29] In den Shownotes findet ihr den Link zu den BaFin-Lizenzen und den Polizei-Online-Wachen
[1:10:35] sowie weitere Links der Polizei rund um das Thema Anlagen und Finanzbetrug.
[1:10:41] An dieser Folge mitgearbeitet haben Katharina Jakob und Zoe Jungblut.
[1:10:45] Für Ton und Technik sorgten Florian Oswald und Stefan Gossen.
[1:10:49] Die Regie hatte Alexa Waschkau und die Redaktion im ZDF hatten Kirsten Zilonka und Sonja Roy.
[1:10:56] Die Podcast-Folgen könnt ihr auch auf dem ZDF True Crime YouTube-Kanal anhören.
[1:11:01] Den Link dazu sowie alle anderen Infos zu dieser Folge findet ihr wie immer auch in den Shownotes.
[1:11:07] Aktenzeichen XY – Unvergessene Verbrechen ist eine Produktion der Securitel
[1:11:12] in Kooperation mit Bummfilm im Auftrag des ZDF.
[1:11:16] Wenn ihr euch für wahre Kriminalfälle interessiert und herausfinden wollt,
[1:11:21] wie viel Geld mit einer gefährdeten Tierart, die in den Flüssen vor unserer
[1:11:25] Haustür schwimmt, verdient werden, dann hört bei Billion Dollar Babys,
[1:11:29] der Aal und die Gier rein.
[1:11:31] Ich bin Sebastian Weiß und ich
[1:11:33] habe zudem laut Europol größten Wildtierverbrechen Europas recherchiert.
[1:11:37] Ich bin der Frage nachgegangen, ob
[1:11:39] Geld aus dem Schwuggel von Aalen in den russischen Angriffskrieg fließt.
[1:11:43] Und ich wollte herausfinden, was der Aal mit dem Präsidentenmord auf Haiti zu tun hat.
[1:11:49] Alle sechs Folgen von Billion Dollar Babys könnt ihr überall dort hören, wo es Podcasts gibt.

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