# Die Geschichte des Indischen Ozeans

An episode of [Terra X History - Der Podcast](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1585622346), 18 Jun 2026, 1 h 11 min.

Audio: https://cdn.julephosting.de/podcasts/1357-terra-x-history-der-podcast/247732-die-geschichte-des-indischen-ozeans.mp3?v=2

„Iran blockiert Straße von Hormus“ – das war Anfang des Jahres 2026 eine der Schlagzeilen, die weltweit für Aufsehen sorgte. Durch den Krieg in Iran konnte vom Persischen Golf kein Öltanker mehr durch diese Meerenge in den Indischen Ozean fahren. Die Benzinpreise stiegen – nicht nur in Europa. Ein Beispiel, warum der Indische Ozean mehr mit uns tun hat, als wir oft glauben. Seit Jahrtausenden ist dieser Ozean ein bedeutender Handelsraum und ein Ort des kulturellen Austauschs. Aber er ist auch ein Meer, auf dem der Sklavenhandel schon im Mittelalter blühte, in dem westliche Kolonialmächte wie England, Portugal und die Niederlande jahrhundertelang herrschten und das uralte Handelssystem veränderten. Und dann gibt es da noch den Indischen Ozean als Sehnsuchtsort für Millionen Touristen, die jedes Jahr auf Bali, den Seychellen oder den Malediven Urlaub machen. Ein Podcast über die Kraft des Monsuns, kosmopolitische Inseln und die Frage: Warum gibt es im Indischen Ozean eigentlich so viele Erdbeben? InterviewparterInnen: • Colin Devey • Jürgen Nagel • Himanshu Prabha Ray • Beate Ratter • Bernhard Schnepel • Alpers, Edward A. and Burkhard Schnepel (Hg). (2018): Connectivity in motion: island hubs in the Indian Ocean world. Palgrave Series in Indian Ocean World Studies. Cham: Palgrave Macmillan. • Fauconnier, Bram (2012): Graeco-Roman merchants in the Indian Ocean: Revealing a multicultural trade, in: Topoi. Orient-Occident, Suppl. 11, S. 75–109. • Guyot, Alain (2021): „Le voyage de Théophile Gautier en Égypte ou les leçons d’un accident de parcours“, in: Viatica, Nr. 8, S. 1–16. • Huber, Valeska (2010): Multiple Mobilities. Über den Umgang mit verschiedenen Mobilitätsformen um 1900, in: Geschichte und Gesellschaft, Jg. 36, Heft 2, S. 317–341. • Mann, Michael (2011): Arbeitsnetzwerke im Indischen Ozean. Sklaven-Sträflinge-Kulis-Gastarbeiter, in: Südasien-Chronik – South Asia-Chronicle, Jg. 1, S. 7–40. • Nagel, Jürgen (2025): Abenteuer Fernhandel. Die Ostindien-Kompanien. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft. • Nagel, Jürgen G. (2024): Indischer Ozean und Malaiischer Archipel vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, in: Mark Häberlein und Markus A. Denzel (Hrsg.): Handbuch globale Handelsräume und Handelsrouten. Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin: De Gruyter, S. 341–387. • Nagel, Jürgen G. (2017): Schifffahrt auf dem Indischen Ozean im 19. Jahrhundert. Technologie und Wissen in der Transportrevolution der Moderne, in: Zeitschrift für Weltgeschichte. Interdisziplinäre Perspektiven, Jg. 18, Heft 2, S. 61–80. • Nagel, Jürgen (2003): Der Schlüssel zu den Molukken. Makassar und die Handelsstrukturen des Malaiischen Archipelsi m 17. und 18. Jahrhundert. Schriften zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Bd. 3. Hamburg, Dr. Kovač-Verlag. • Osterhammel, Jürgen (2012): Das 19. Jahrhundert (= Informationen zur politischen Bildung, Nr. 315), Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung. • Pargas, Damian A. und Juliane Schiel (Hrsg.) (2023): The Palgrave Handbook of Global Slavery throughout History, Cham: Palgrave Macmillan. • Ramseyer, Urs (2016): NUSANTARA (21). Die Gewürzkriege und ihre Auswirkungen im Indonesischen Archipel. Teil II: 15. – 17. Jahrhundert. Konsequenzen des Geschmacks. Eine kommentierte Chronologie. Online verfügbar unter: http://ursramseyer.blogspot.ch. • Ratter, Beate; A. Hennig; Zahid (2024): Section 5.10. Small Island Adaption in the Maldives. In: Engels, Anita et al. Hamburg Climate Futures Outlook 2024. Conditions for Sustainable Climate Change Adaption. Cluster of Excellence “Climate, Climatic Change , and Society” (CLICCS), S. 127-130. • Ray, Himanshu Prabha (2020): The Archaeology of Knowledge Traditions of the Indian Ocean World, London: Routledge India. • Schnepel, Burkhard (Hg) (2017): Max Planck Fellow Group “Connectivity in Motion: Port Cities of the Indian Ocean.” Max Planck Institute for Social Anthropology Report 2014/2016. Halle/Saale: Max Planck Institute for Social Anthropology. • Shyam, Radhey…

## Transcript

[0:02] ZDF,
[0:06] Es ist der 26. Dezember 2004. Viele Urlauber verbringen ihre Weihnachtsferien
[0:13] an den tropischen Stränden der Andamanensee in Thailand am Indischen Ozean.
[0:18] Einige liegen schon in der Morgensonne oder frühstücken mit Blick auf das türkisblaue Meer.
[0:24] Sie freuen sich über eine entspannte Zeit in Phuket, Kaulak oder Kopipi.
[0:29] Doch dann zieht es sich in der Zeit sich das Wasser an den Stränden plötzlich zurück.
[0:33] In Thailand ist es 7.58 Uhr. Wir gingen zum Strand und sahen,
[0:39] dass das Meer wirklich weg war. Das war so faszinierend, so unglaublich.
[0:45] Die Welle kam immer näher. Man sah auch, wie bedrohlicher sie wurde,
[0:49] aber niemand reagierte.
[0:51] Man stand dort und schaute einfach raus.
[0:54] An diesem Morgen, am 26. Dezember 2004, kommt es zur tödlichsten Tsunami-Katastrophe der Geschichte.
[1:04] Ausgelöst wird diese riesige Flutwelle durch ein Seebeben der Stärke 9,1,
[1:08] etwa 85 Kilometer nordwestlich der Küste Sumatras.
[1:13] Es ist eines der stärksten Beben, die bis dahin jemals aufgezeichnet wurden.
[1:19] Der Meeresboden des Indischen Ozeans reißt auf einer Länge von rund 1200 Kilometern auf.
[1:25] Dieser Riss reicht von Indonesien bis nach Myanmar.
[1:28] Durch das Seebeben entsteht eine gigantische Flutwelle, ein Tsunami.
[1:33] An der Küste von Atschee im Nordwesten
[1:35] der Insel Sumatra türmen sich die Tsunamiwellen bis zu 30 Meter hoch auf.
[1:41] Im thailändischen Khao Lak sind es bis zu 10 Meter.
[1:46] Mit 800 Kilometern pro Stunde rasen die Flugwellen auf die Küsten Indonesiens,
[1:51] Sri Lankas, Indiens und Thailands zu.
[1:54] Es gibt kein Frühwarnsystem. Viele Menschen in den Küstenorten haben keine Chance zu entkommen.
[2:00] 230.000 sterben. Allein in Thailand ertrinken etwa 8.000 Menschen in den Fluten,
[2:06] darunter hunderte Deutsche.
[2:09] Es war ein katastrophaler Tag, als hätte ein Dämon den indischen Ozean in die
[2:14] Hand genommen und über tausende von Kilometern ringsum Richtung Land geworfen.
[2:32] Ich bin Mirko Rotschmann, ihr hört Terra X History, der Podcast.
[2:36] Heute geht es um die Geschichte des Indischen Ozeans.
[2:40] Auch die Tsunami-Katastrophe von 2004 ist Teil dieser Geschichte.
[2:44] Auf einmal war der Indische Ozean fast täglich in den Schlagzeilen.
[2:48] Und er ist es mehr oder weniger bis heute geblieben.
[2:51] Denn viele momentane Krisen spielen sich vor allem im Indischen Ozean ab.
[2:55] Denkt etwa an die Piraterie vor den Küsten Somalias.
[2:58] Vor allem in den 2000er Jahren haben schwer bewaffnete Piraten Handels- und
[3:02] Frachtschiffe überfallen. Auch Schiffe aus Deutschland.
[3:05] Sogar die Bundesmarine griff damals ein, um die Piraterie unter Kontrolle zu bekommen.
[3:10] Oder denkt an die Straße von Hormuz, die den Persischen Golf mit dem Indischen
[3:13] Ozean verbindet und auf der normalerweise mehr als ein Viertel des per Schiff
[3:17] gehandelten Erdöls transportiert wird.
[3:19] Normalerweise durchfahren jeden Monat etwa 3000 Schiffe dieses Gebiet.
[3:23] Momentan fast gar keins.
[3:25] Durch die Blockade sind 2026 in Deutschland und dem Rest der Welt die Spritpreise deutlich gestiegen.
[3:30] Der Indische Ozean ist für die meisten von uns ziemlich weit weg.
[3:33] Aber, wie ihr seht, hat auch er eine ganze Menge mit uns zu tun.
[3:41] Sechs Grad, sieben Minuten Nord, 81 Grad, sieben Minuten Ost. Hambantota, Sri Lanka.
[3:49] Ein moderner Tiefseehafen mit strategischer Lage im Indischen Ozean.
[3:55] Der Indische Ozean ist eines der bedeutenden Weltmeere, erreicht von der Ostküste
[3:59] Afrikas bis nach Südostasien.
[4:02] Mehr als 30 Länder grenzen an ihn. Mehr als 2,5 Milliarden Menschen,
[4:07] also einem Drittel der Weltbevölkerung, bietet dieses Meer die Lebensgrundlage
[4:11] oder prägt zumindest den Alltag. Im Positiven wie im Negativen.
[4:15] Der Indische Ozean hat reiche Fischgründe. Aber es kommt auch häufig zu katastrophalen
[4:20] Sturmfluten, die große Teile von Ländern wie Bangladesch im Ganges-Delta regelmäßig
[4:25] unter Wasser setzen und viele Todesopfer fordern.
[4:30] Mit seinen Inseln und antiken Hafenstädten wie Lovtal im heutigen Indien oder
[4:35] Mutsa auf der arabischen Halbinsel oder Godavaya im heutigen Sri Lanka war der
[4:39] indische Ozean ein uralter Kultur- und Handelsraum.
[4:42] Lange bevor die ersten Europäer hier im 15. Jahrhundert ankamen.
[4:51] 12 Grad, 47 Minuten Nord, 45 Grad, 2 Minuten Ost. Aden, Jemen.
[4:59] Dort, wo das Rote Meer in den Indischen Ozean mündet. Seit der Antike ein wichtiger Hafen.
[5:05] Zentrale Handelswege kreuzen sich hier bis heute.
[5:08] Geografisch gesehen ist der Indische Ozean das drittgrößte Weltmeer.
[5:12] Mit Wassertemperaturen meist zwischen 22 und 28 Grad der wärmste Ozean unseres Planeten.
[5:19] Der Indik, wie er auch genannt wird, nimmt gut 20 Prozent der Meeresoberfläche ein.
[5:23] Vor allem für uns Europäer ist der Indische Ozean wegen seinen angenehmen Wassertemperaturen
[5:28] und den palmengesäumten weißen Sandstränden heute auch so etwas wie ein Sehnsuchtsort.
[5:35] Einige Inseln im Indischen Ozean stehen exemplarisch für das Bild eines tropischen Paradieses.
[5:41] Die Malediven, die Seychellen, Mauritius oder Bali.
[5:45] Dass diese Paradiese natürlich auch bedroht sind von den Folgen des Klimawandels
[5:49] und anderen Umweltproblemen, darüber sprechen wir am Ende dieser Folge hier.
[5:53] Aber was macht den Indischen Ozean so faszinierend, nicht nur für Luxusurlauber?
[5:58] Warum war er im Zeitalter der europäischen Kolonisation so hart umkämpft?
[6:02] Und was ist erhalten geblieben von dem Jahrtausende alten Schauplatz des kulturellen
[6:06] Austauschs, des Handels und der maritimen Verbindungen?
[6:12] Interessant ist, dass der Indische Ozean biologisch gesehen relativ jung ist.
[6:16] Deutlich jünger als der Atlantik und der Pazifik.
[6:19] Und an manchen Stellen ist er unglaublich tief. Etwa im Sunda-Graben vor Indonesien.
[6:25] Dort sind es mehr als 7000 Meter bis zum Meeresgrund. Die tiefste Stelle des Indischen Ozeans.
[6:31] Auch vor der Küste Australiens fällt der Ozean auf extreme Tiefen von rund 7000 Metern ab.
[6:37] Aber wie ist dieser gigantische Ozean eigentlich entstanden?
[6:41] Und was macht ihn so besonders?
[6:43] Darüber haben wir mit dem Geologen und Vulkanologen Colin Devey vom GEOMAR-Helmholtz-Zentrum
[6:47] für Ozeanforschung in Kiel gesprochen.
[6:53] Wie ist der Indischen Ozean entstanden? Der ist entstanden im Prinzip als ein,
[7:00] früherer Ozean namens Thetis, der sozusagen vom Mittelmeer bis rüber,
[7:06] ja fast nach China sich erstreckte.
[7:09] Der würde geschlossen. Und die Erdgeschichte ist immer eine Geschichte von Ozeanen,
[7:14] die sich öffnen und schließen.
[7:16] Und der Indischen Ozean ist relativ jung und entstand im Prinzip hinter das,
[7:21] was wir jetzt Indien nennen, als Indien sich von Afrika getrennt hat und raste
[7:26] nach Norden, um in Eurasien reinzudonnern,
[7:30] das hat denn die Himalaya produziert.
[7:34] Für eine Geologie ist der Indische Ozean jung, selbstverständlich.
[7:37] Aber wenn man andere Ozeane, wie Atlantik oder Pazifik, haben wir da Meeresboden,
[7:43] der über 100 Millionen Jahre alt ist.
[7:45] Im Indischen Ozean fehlt das fast gänzlich. Also wenn ich sage jung,
[7:49] meine ich, der Meeresboden im Minskischen Ozean ist junger als etwa 80 Millionen Jahre überall.
[7:57] Also für uns Geologen ist das ein junger Ozean.
[8:06] Also geologische Besonderheiten von Indischen Ozeanen sind seine Größe relativ
[8:12] klein, sind der Tatsache, dass er letztendlich alles Mögliche an geologischen,
[8:18] an tektonischen Plattengrenzen in sich hat.
[8:20] Er hat Teile, wo in Südostasien, Indonesien usw.
[8:24] Teile, wo Ozeanboden unter den Kontinent geschoben wird, Teile,
[8:29] wo neuer Ozeanboden entsteht und auch große Teile, wo diese Ozeanplatten aneinander vorbei ratschen.
[8:36] Deshalb gibt es im Indischen Ozean auch so viele Erdbeben und Vulkane unterhalb der Wasseroberfläche.
[8:42] Und das ist im Prinzip eine Nahtstelle, wo zwei teutonische Platten auseinandergehen.
[8:47] Und da die Erde kein Loch aufrechterhalten kann, der muss neuer Boden entstehen.
[8:52] Also das kommt durch Vulkanismus von unten. Ich sage immer, das ist wie wenn
[8:56] man seine Haut aufritzt. Da bleibt kein Loch bis runter zum Knochen,
[9:00] sondern das fällt Blut raus, macht das Loch zu.
[9:02] Die Erde macht es im Prinzip gleich. Die Platten gehen auseinander und es kommt
[9:06] von unten was nach, um dieses Loch zu stopfen.
[9:09] Und diese Nahtstellen verlaufen quer durch den Indischen Ozean,
[9:12] südlich an Mauritius vorbei oder bis nach Australien.
[9:16] Und weil an den mittelozeanischen Rücken fortlaufend neuer Meeresboden entsteht,
[9:20] muss er irgendwo auch wieder verschwinden.
[9:23] Und das ist zum Beispiel im Sundagraben vor Indonesien im östlichen Indischen
[9:27] Ozean der Fall. Sonst hätten wir ein ständig sich aufblähende Planeten. Das haben wir nicht.
[9:33] Auch den Monsun, der typisch für den Indischen Ozean ist, würde es ohne die Geologie nicht geben.
[9:39] Gäbe es nicht die Himalaya und diese gigantische tibetische Hochplateau,
[9:43] dann gäbe es den Monsun, wie er jetzt ist, überhaupt nicht.
[9:47] Also der entsteht, weil da ist ein sehr hoher, sehr trockener Plateau hinter
[9:53] den Hauptgebirgen von Himalaya.
[9:55] Und im Sommer wird es da richtig heiß. Da steigt dann die Luft auf und saugt,
[10:00] weil schon wieder die Ammosphäre kann auch kein Loch haben. Wenn irgendwas nach
[10:02] oben geht, dann muss irgendwas von unten nachfließen.
[10:05] Es saugt nasse, feuchte Luft vom Indischen Ozean nach Indien, Richtung Himalaya hin.
[10:11] Und dann regnet es, dann regnet es aus Kübeln.
[10:15] Im Winter kehrt sich das um, dieser Plateau wird sehr kalt und die Winde gehen
[10:19] in eine andere Richtung, Richtung warmer Meer.
[10:21] Also der Himalaya an sich ist ein Hauptantrieb für den Munzu.
[10:27] Und noch etwas ist besonders am Indischen Ozean.
[10:30] Die gigantischen Mengen an Sediment, das die großen Flüsse wie Ganges und Indus
[10:34] hier jedes Jahr ablagern.
[10:36] Weil die Himalaya Millionen von Kubikmeter Steine jedes Jahr verlieren.
[10:41] Weil die Gletscher und das Schnee und Eis und so weiter ganz weit oben macht das Stein kaputt.
[10:46] Und dann fließt es diese gigantischen Flüsse. Wir kennen sie alle.
[10:49] Ganges, Indus und so weiter. Das sind Flüsse, dessen Namen wir alle kennen.
[10:53] Und die transportieren Abermillionen von Tonnen von Sediment jedes Jahr im Indischen Ozean.
[10:59] Da sind auf dem Meeresboden enorme Schuttfetten aufgebaut. Die sind 1000 Kilometer lang.
[11:04] Da fließt das Sediment oben mit den Flüssen rein und dann rollt es langsam runter
[11:08] bis auf den tiefen Meeresboden.
[11:10] Also ich würde sagen, ich habe die Prozente nicht im Kopf, aber mindestens so
[11:14] 20 Prozent des Meeresbodens im Indischen Ozean ist mit Sediment bedeckt,
[11:19] die im Prinzip vom Himalaya kommt. Musik.
[11:26] 1 Grad, 17 Minuten Nord, 103 Grad, 51 Minuten Ost.
[11:31] Singapur, südliches Ende der malayischen Halbinsel an der Straße von Malacca.
[11:37] 1819 gründen die Briten hier in einem sumpfigen Küstengebiet einen Handelsposten.
[11:43] Heute ist daraus einer der größten Containerhäfen der Welt geworden.
[11:47] Interessant ist, dass der Indische Ozean seit den Anfängen der Seefahrt ein
[11:51] Meer war, auf dem sich viele Kulturen begegnet sind.
[11:54] Es gab einen regen Austausch von Waren, Ideen, Religionen.
[11:58] Und genau darüber spreche ich jetzt mit Himanshu Praparei. Sie ist Professorin
[12:02] an der Javahalal Nehru Universität in New Delhi und Expertin für die Geschichte des Indischen Ozeans.
[12:08] Praparei, danke, dass Sie sich die Zeit für den Podcast nehmen. Hallo.
[12:11] Danke für die Inhabilitation und danke für das Errichtung.
[12:15] Für uns in Deutschland ist der Indische Ozean weit weg. Warum sollten wir uns
[12:18] denn trotzdem mit der Geschichte dieser Region beschäftigen und vor allem auch mit dem Meer selbst?
[12:23] Well, to let me start with the present, the closing of the Straits of Hormuz,
[12:28] as you know, has had an awful impact on the economy of the world.
[12:32] Lassen Sie mich mit der Gegenwart beginnen.
[12:35] Die Blockade der Straße von Hormuz hat enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.
[12:39] Das zeigt, dass das, was im Indischen Ozean passiert, sehr weitreichende Konsequenzen hat.
[12:44] Und das war in der Geschichte auch schon so. Der zweite wichtige Punkt ist,
[12:49] die meisten Länder Asiens, die rund um den Indischen Ozean liegen,
[12:53] haben ihre Unabhängigkeit erst vor etwa 60 bis 70 Jahren erlangt,
[12:57] Indien zum Beispiel vor 75 Jahren.
[13:00] Diese Länder und ihre Gebiete haben also wirklich vergleichsweise neue politische Grenzen.
[13:05] Wenn wir aber auf die vormoderne Zeit zurückblicken, dann sehen wir,
[13:09] dass all diese Regionen damals miteinander verbunden waren.
[13:13] Wir sollten aufhören, nur auf die Nationalgeschichte und die politischen Grenzen
[13:16] der letzten 75 Jahre zu blicken, sondern wir sollten weiter zurückgehen.
[13:21] And we need to look how we connect it to each other rather than looking only
[13:24] at our own selves and how the 75-year-old present political boundaries can be projected backwards.
[13:31] Der Name Indischer Ozean kommt ja aus dem Lateinischen, von Oceanus orientalis
[13:35] Indicus und stammt etwa aus dem 16. Jahrhundert. Aber die Geschichte der Region ist viel älter.
[13:41] Wie wurde der Ozean denn früher beschrieben?
[13:52] Wenn wir uns unsere Inschriften ansehen, und ich spreche jetzt von Indien,
[13:55] wenn wir uns diese Inschriften aus dem dritten, zweiten Jahrhundert vor Christus
[13:59] anschauen, welcher Begriff wird da verwendet?
[14:02] Sicherlich nicht indischer Ozean.
[14:05] Es heißt da zum Beispiel Jambu Dweepa.
[14:07] Dweep bedeutet Insel. Eine Insel ist also von Wasser umgeben,
[14:11] genau wie wir es jetzt sind.
[14:13] Der indische Subkontinent war also in den alten Inschriften eine Insel,
[14:17] auf der der Jambu-Baum wächst.
[14:19] Tief in der indischen Geschichte gab es schon das Bewusstsein,
[14:22] dass wir von Meer umgeben waren und dass sich dieser Ozean über ein sehr großes Gebiet erstreckte.
[14:28] Wir haben andere Inschriften, in denen Könige von ihrer Herrschaft über den Ozean sprechen.
[14:34] In einem Ursprungsmythos heißt es, das Aufschäumen des Ozeans.
[14:38] Diese frühen Texte erzählen, dass die Götter und die Dämonen beschlossen,
[14:42] das Meer aufzuschäumen, so wie man Milch aufrührt, um Butter zu gewinnen,
[14:47] um Schätze und Wohlstand aus ihm zu gewinnen.
[14:49] Solche Geschichten sind nicht nur auf Indien beschränkt, sie reichen bis nach Südostasien.
[14:54] Der Ozean ist tief in unserem Bewusstsein verankert. Er hat viele Namen.
[14:59] Und du hast recht, der Begriff indischer Ozean ist erst viel später aufgekommen.
[15:03] Es gab vorher viele andere Bezeichnungen. The ocean is deep in our consciousness.
[15:08] It was called many names. And certainly you're right that the Indian Ocean would
[15:12] be a term that came up much later. But there are other terms which were used
[15:16] to indicate the presence of the ocean.
[15:18] Was sind denn die frühesten Belege für die Seefahrt im Indischen Ozean?
[15:25] Also das älteste Schiffswrack haben wir in Kuwait gefunden. Es handelt sich
[15:29] um ein Schilfboot, das aus der Zeit um 5000 vor Christus stammt.
[15:34] Das ist damit das älteste Schiffswrack, das wir bislang gefunden haben,
[15:37] also aus einer Zeit vor etwa 7500 Jahren.
[15:44] Das ist auf jeden Fall sehr viel früher als im Atlantik. Und im Pazifischen
[15:48] Ozean konzentrierte sich die ganz frühe Schifffahrt vor allem auf Kanu- und
[15:51] Floßfahrten zwischen den vielen Inseln.
[15:54] Über den Atlantik und den Pazifik haben wir auch schon Podcast-Folgen gemacht.
[15:57] Wir verlinken sie euch in den Shownotes, wenn euch das interessiert.
[15:59] Schaut da gerne mal rein.
[16:01] Im Indischen Ozean gibt es ja aber noch eine Besonderheit, die für die Schifffahrt
[16:04] sehr interessant ist. Und das ist der Monsun. Wir haben vorhin schon mal kurz drüber gesprochen.
[16:08] Können Sie uns erklären, warum gerade der Monsun so wichtig ist für die Menschen
[16:11] im Indischen Ozean, heute wie damals?
[16:16] Der Monsun ist wichtig, weil er einem jährlichen Rhythmus unterliegt.
[16:19] Von Juni bis August weht er aus dem Südwesten in Richtung Asien nach Indien und Südostasien.
[16:25] Und dann drehen die Winde sich im Winter im Dezember und Januar um und werden
[16:30] zum Nordostmundsruhen.
[16:31] Es gab damals ja nur Segelschiffe, und diese Segelschiffe waren auf diesen Wind
[16:35] angewiesen. Ohne Wind kamen sie nirgendwo hin.
[16:39] Die Häfen, wie wir sie heute kennen, also Mumbai, Kolkata oder Chennai,
[16:43] die entstanden wirklich erst in der Kolonialzeit im 18. und 19. Jahrhundert.
[16:49] In der frühen Periode gab es Handelszentren, aber diese lagen nicht an der Küste,
[16:53] sondern an küstennahen Flussmündungen, wie zum Beispiel Baruch in Nordwestindien,
[16:58] dort, wo der Fluss auf die Küste trifft.
[17:01] Das war auch deshalb wichtig, weil man den Fluss nutzen konnte,
[17:04] um ins Landesinnere zu gelangen.
[17:06] Die Güter mussten ja irgendwo hin. Man konnte sie nicht einfach abladen,
[17:09] denn dann hätte man Lagerhäuser und Speicher gebraucht, die es gar nicht gab.
[17:14] Erst im 18. Jahrhundert mit den Briten entstanden die Häfen und die Entwicklung
[17:18] der Docks mit Entladestrukturen und so weiter.
[17:29] Seit Jahrtausenden werden Güter über die Handelswege des Indischen Ozeans transportiert.
[17:33] Man hat bei archäologischen Ausgrabungen zum Beispiel römische Münzen in Indien
[17:37] gefunden oder chinesische Keramik in Ostafrika oder Reste indischer Baumwolle in Ägypten.
[17:42] Aber nicht nur das. Sie argumentieren, dass auch Ideen und Religionen transportiert
[17:46] wurden sozusagen. Haben Sie dafür ein Beispiel?
[17:49] We should look at culture as the anchor, which then opens out the gates for trade and commodities.
[17:57] So let me explain. Let's take the example of insects. Wir sollten die Kultur
[18:01] als eine Art Anker betrachten, der dann die Tore für Handel und Güter öffnete.
[18:06] Lassen Sie mich das erklären. Nehmen wir zum Beispiel Weihrauch und Räucherstäbchen.
[18:10] Weihrauch wurde gehandelt.
[18:12] Die Menschen sprachen von Weihrauch, der aus Westasien kam.
[18:16] Wofür wurde er verwendet? Für die Verehrung der Götter.
[18:19] Diese Götter konnten aber unterschiedlich sein. Weihrauch wurde in Arabien zur
[18:24] Götterverehrung verwendet.
[18:25] Er wurde auch im Christentum verwendet, im Buddhismus und auch im Hinduismus.
[18:30] Der Punkt ist also, eine Ware ist die eine Sache, aber wir müssen auch untersuchen,
[18:34] wozu sie verwendet wurde.
[18:36] Und wie dieser Verwendungszweck dann die Nachfrage steigerte. oder Sambia steigerte.
[18:42] So, Feli.
[18:56] Was wissen wir also über diese Kulturen und welche Religionen betrachten wir?
[19:01] Ziemlich früh gab es die Apostelgeschichte des Thomas, die davon berichtete,
[19:05] dass der heilige Thomas bis nach Indien gereist war, um dort das Christentum zu verbreiten.
[19:11] Diese Apostelgeschichte stammte aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus.
[19:15] Aber es gab Verweise auf christliche Kreuze in Sri Lanka und in Südindien in Kerala.
[19:21] Es gab auch Klöster und Kirchen im Persischen Golf, wo Ausgrabungen durchgeführt wurden.
[19:27] Wenn wir also auf den westlichen Indischen Ozean blicken, das Christentum war
[19:31] dort schon früh verbreitet.
[19:33] Wenn wir auf die andere Seite schauen, auf den Golf von Bengalen und die Region
[19:37] zwischen Süd- und Südostasien, Dann verbreiteten sich dort der Buddhismus und
[19:41] auch der Hinduismus sehr früh.
[19:43] If we look at the other side, the Bay of Bengal and the region between South
[19:48] and Southeast Asia, then both Buddhism, Hinduism spread fairly early.
[19:52] It comes from the island of Sakotra. It's a small island that was seen as a
[19:56] place where nobody went to.
[19:58] But on that island, there is the Hawk Cave, which is two kilometers deep.
[20:03] Beweise dafür fand man auf der Insel Sokotra, die heute zum Jemen gehört.
[20:07] Eine kleine Insel, zu der normalerweise niemand hinfuhr.
[20:11] Aber auf dieser Insel gibt es die Hork-Höhle, zwei Kilometer tief.
[20:15] Dort wurden Inschriften gefunden, zusammen mit Weihrauchgefäßen.
[20:19] Offensichtlich war diese Höhle also ein Ort der Verehrung oder des Gottesdienstes.
[20:24] Und die Inschriften stammten von buddhistischen Mönchen. Es gab Verweise auf
[20:28] hinduistische Symbole.
[20:30] Wir haben noch mehr Inschriften an vielen Orten des Indischen Ozeans gefunden,
[20:34] die von Gelehrten, religiösen Menschen und Gläubigen berichten,
[20:38] die den Ozean überquerten.
[20:40] Und ich würde sagen, wir sollten sie ebenfalls berücksichtigen,
[20:43] wenn es um die Verbreitung oder die Beliebtheit bestimmter Güter geht.
[20:53] Ja, das sagt auch nochmal, wie unterschiedlich der indische Ozean als Kulturraum ist.
[20:57] Wenn Sie sich ein Objekt aussuchen könnten, das am ehesten diese kulturelle
[21:00] Vielfalt symbolisiert, was würden Sie wählen?
[21:08] Das Objekt, das ich wählen würde, ist eine Wirbelschnecke, eine Turbinella pyrum,
[21:13] die nur im Indischen Ozean vorkommt.
[21:16] Es gibt kaum etwas Beeindruckenderes als diese großen Schneckenschalen.
[21:20] Sie wurden in der Jungsteinzeit und in der Urgeschichte für die Kommunikation verwendet.
[21:25] Wenn man in ein solches Schneckengehäuse hineinbläst, hört man den Klang noch in großer Entfernung.
[21:31] Wenn man also Menschen warnen oder auf andere Weise eine Botschaft übermitteln
[21:35] wollte, war diese Schnecke sehr nützlich.
[21:38] In Indien und Südostasien wurde sie auch für rituelle Handlungen verwendet.
[21:43] Wie kam man an diese Schnecken? Von Menschen, die in den Indischen Ozean tauchten,
[21:47] um die Schnecken zu sammeln und heraufzuholen.
[21:50] Dann wurden sie gereinigt, bearbeitet und zu begehrten Objekten.
[21:54] Diese Schnecken wurden zu Armbändern verarbeitet oder zu anderen Schmuckstücken.
[21:59] Es wurden daraus Schöpflöffel gefertigt oder rituelle Objekte wie Behälter für
[22:04] Weihwasser in Tempeln, alle möglichen Dinge.
[22:07] Und wir wissen, dass diese Objekte mindestens ab dem dritten Jahrtausend vor
[22:11] Christus an vielen archäologischen Städten rund um den Indischen Ozean gefunden wurden.
[22:24] Ich glaube, jetzt werden alle googeln und nach diesen Muscheln suchen.
[22:27] Vielen herzlichen Dank, es war sehr interessant. Dankeschön.
[22:31] Und so hört sich der Klang dieser riesigen Wirbelschnecken an.
[22:36] Der Indische Ozean ist also seit Jahrtausenden ein vielfältiger Kulturraum.
[22:40] Händler aus Arabien, Indien, Ostafrika und Südostasien begegneten sich auf dem
[22:44] Meer oder in den Hafenstädten entlang der Küsten.
[22:47] Ohne die frühe Seefahrt wäre das natürlich nicht möglich gewesen.
[22:51] Die Überreste des Schilfboots aus dem Jahr 5000 vor Christus,
[22:53] das Simancho Praparei erwähnt hatte, wurde im kuwaitischen As-Sabia gefunden.
[22:58] Es gehörte zur sogenannten Obed-Kultur, die das Fundament für die späteren Hochkulturen
[23:03] Mesopotamiens gelegt hat.
[23:04] Das Schilf war mit Bitumen abgedichtet, das aus Erdöl gewonnen wird.
[23:08] So konnte kein Wasser eindringen.
[23:10] Es gab natürlich keinen Motor und auch keinen Kompass, nur den Wind und die Strömung.
[23:14] Und eine unglaublich gute Kenntnis der Menschen über das Meer.
[23:19] Dieses Boot ist der älteste Nachweis für die Seefahrt im Indischen Ozean.
[23:22] Und es zeigt, Menschen fuhren hier aufs offene Meer, lange bevor irgendeine
[23:28] europäische Zivilisation auch nur daran dachte, die Segel zu setzen.
[23:36] 31 Grad, 57 Minuten Süd.
[23:40] 115 Grad, 51 Minuten Ost. Perth, Australien. Wichtiges Drehkreuz für Asien.
[23:48] Von hier aus werden Eisenerz, Kohle und Flüssiggas verschifft.
[23:52] Einer der wichtigsten australischen Containerhäfen und wichtiger Anlaufpunkt
[23:56] für Kreuzfahrtschiffe.
[23:59] Durch die frühe Seefahrt wuchs über Jahrtausende ein dichtes Handelsnetzwerk
[24:03] rund um den Indischen Ozean.
[24:05] Ein antiker Zeuge, der davon berichtete, war der griechische Geograf Strabon.
[24:10] Er schrieb in seiner Zeit als Begleiter des römischen Stadthalters in Ägypten
[24:13] Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus.
[24:15] Ich fand heraus, dass etwa 120 Schiffe von Mios Hormos nach Indien segeln,
[24:21] obwohl zu Zeiten der Ptolemaeer kaum jemand diese Reise gewagt hätte.
[24:25] Mios Hormos war ein ägyptischer Hafen am Roten Meer, das Tor zum Indischen Ozean.
[24:30] Und der Handel zwischen Indien und Rom wuchs nach Strabons Besuch noch weiter.
[24:34] Die Handelsroute, die diese Schiffe befuhren, war damals schon seit Jahrhunderten bekannt.
[24:39] Sie gehörte zu einem weitverzweigten Netzwerk, das von Händlern aus dem Vorderen
[24:42] Orient, aus Südasien und aus Ostafrika genutzt wurde.
[24:50] Auch in Quellen aus Indien finden sich Nachweise für diesen Handel.
[24:53] Tamilische Gedichte aus Südindien beschreiben die Ankunft westlicher Händler in indischen Häfen.
[24:59] In einem Gedicht aus der Sangam-Literatur über den Hafen von Muziris an der Westküste Indiens im 1.
[25:04] Jahrhundert nach Christus heißt es Die schönen Schiffe, die Meisterwerke der
[25:09] Yavanas, rühren weißen Schaum auf dem Periyar, dem Fluss Keralas,
[25:14] ankommen mit Gold und abfahren mit Pfeffer.
[25:17] Yavana war der indische Begriff für Händler aus dem Westen.
[25:20] Ursprünglich hat man damit die Griechen bezeichnet, später alle,
[25:23] die aus dem Mittelmeerraum über den Ozean gekommen sind.
[25:26] Was dieses Gedicht zeigt ist, der Handel war ein dynamischer Austausch.
[25:31] Die einen brachten Gold, die anderen nahmen Pfeffer wieder mit nach Hause.
[25:35] Es gab auch Händler, die sich niederließen, heirateten und hier eine Familie gründeten.
[25:42] 4 Grad, 3 Minuten Süd 39 Grad, 40 Minuten Ost Mombasa, Kenia Seit mehr als 1000
[25:50] Jahren wichtiger Hafen für Händler von der arabischen Halbinsel,
[25:54] Heute größte Hafenanlage an der ostafrikanischen Küste.
[26:00] Segelschiffe, die in der Spätantike und dem Mittelalter von der ostafrikanischen
[26:03] Küste nach Indien oder in andere Regionen des Indischen Ozeans segelten,
[26:07] hatten nicht nur Waren an Bord.
[26:09] Über dieselben Routen wurden auf denselben Schiffen auch Menschen transportiert.
[26:15] Basra, Mesopotamia. Das Jahr 869 n. Chr.
[26:22] Im Mündungsgebiet von Euphrat und Tigris arbeiten tausende ostafrikanische Sklaven.
[26:27] Man nennt sie Sange, die Schwarzen. Sie kommen aus dem Gebiet des heutigen Tansania und Mozambique.
[26:34] Arabische Sklavenhändler haben sie über den Indischen Ozean verschleppt.
[26:39] Die afrikanischen Sklaven sollen die Salzkrusten von den Sümpfen des irakischen
[26:44] Marschlandes abschaben.
[26:46] Damit sollen die Flächen für die Landwirtschaft nutzbar werden.
[26:49] Die Sklaven arbeiten in den Salzsümpfen unter erbärmlichen Bedingungen.
[26:54] Die Sands sprechen eine elegante Sprache. Oft steht ein Mann aus ihrem Volk
[26:58] auf und wendet sich an eine große Menge.
[27:01] Er ermahnt sie, sich ihrem Gott zu nähern und ihm Gehorsam zu leisten und erinnert
[27:06] sie an das Beispiel ihrer früheren Könige und Vorfahren.
[27:09] So beschreibt ein arabischer Gelehrter und Weltreisender aus Bagdad die Sklaven aus Ostafrika.
[27:15] Er hält ein wichtiges Ereignisfest, den Sklavenaufstand im September 869.
[27:26] Sie erhebt sich. Sie erobern Wasser. Dieser Rebell, dessen Herrschaft 14 Jahre
[27:31] andauerte, hatte ohne Erbarmen Kinder, alte Menschen, Männer und Frauen getötet.
[27:38] Überall hinterließ er Feuer und Plünderung. Auslöser für die Rebellion sind
[27:42] die Worte eines charismatischen Mannes, namens Ali ibn Muhammad,
[27:47] der sich als arabischer Prophet ausgibt.
[27:50] Er verspricht den Sklaven Freiheit und Reichtum, wenn sie sich erheben.
[27:57] Der Aufstand beginnt in den Salzsünfen. Bald fällt auch mit Basra das damals
[28:02] bedeutendste Handelszentrum des Abbasiden-Kalifats.
[28:06] Fast 15 Jahre lang rebellieren die Saansch gegen das damals mächtigste Imperium der islamischen Welt.
[28:12] Es ist eine der größten Sklavenrevolten in der Geschichte.
[28:17] Doch die Truppen des Kalifen können den Aufstand schließlich niederschlagen.
[28:22] Sie bringen die Region schrittweise unter Kontrolle und schneiden den Sanj ihre Versorgungswege ab.
[28:28] Gleichzeitig versuchen sie, Kämpfer durch Zugeständnisse auf ihre Seite zu ziehen. Mit Erfolg.
[28:33] Tausende laufen über. Im Jahr
[28:36] 883 wird Ali ibn Muhammad, der Anführer der Revolte, schließlich getötet.
[28:42] Der Aufstand war damit vorbei. Er ist einer der blutigsten Kapitel der arabischen Geschichte.
[28:48] Der Sklavenhandel im Indischen Ozean hatte schon Jahrhunderte vor diesem Sklavenaufstand begonnen.
[28:53] Zur Zeit der Tang-Dynastie in China, also zwischen 618 und 907,
[28:58] gab es schon ostafrikanische Sklaven in südchinesischen Städten.
[29:01] Ähnlich war es in Indien.
[29:03] Über einen dieser Sklaven aus dem 16. Jahrhundert gibt es sogar historische Quellen.
[29:08] Und zwar über den aus dem heutigen Äthiopien stammenden Shapu,
[29:11] der unter dem Namen Malik Anbar berühmt werden wird.
[29:16] Bagdad, Mitte des 16. Jahrhunderts, einer der damals wichtigsten Sklavenmärkte der Welt.
[29:25] Shah Pu und viele tausend andere werden hier zum Kauf angeboten.
[29:29] Schon als Kind wurde Shah Pu von Sklavenhändlern gefangen genommen und über
[29:33] den Jemen nach Bagdad verschleppt.
[29:35] Jetzt bietet ein Käufer aus Indien den höchsten Preis.
[29:44] In Indien muss Shapu für einen Sultan im Dekan-Hochland im Süden Indiens arbeiten.
[29:49] Er nimmt einen neuen Namen an, Ambar. Als sein Herr stirbt, lässt ihn dessen Witwe frei.
[29:57] Das Dekan-Hochland ist zu dieser Zeit ein zersplittertes Gebiet.
[30:02] Rivalisierende Sultanate ringen um die Macht. Und Ambar nutzt die Gunst der Stunde.
[30:07] Er baut eine unabhängige Streitmacht auf und bietet sich und seine Kavallerie
[30:11] lokalen Herrschern gegen Geld als Unterstützer an.
[30:15] Als das mächtige Mogulreich von Norden vordringt und das Dekan zu schlucken
[30:19] droht, ist Ambar derjenige, der sich den heranrückenden Truppen erfolgreich entgegenstellen kann.
[30:28] In Kriegsführung, in Befehlsgebung, in klugem Urteil und in der Verwaltung hatte
[30:33] er keinen Rivalen und keinesgleichen.
[30:36] Die Geschichte kennt kein anderes Beispiel eines abessinischen Sklaven,
[30:40] der eine solche Stellung erlangt hat.
[30:42] Hält der Hofkronist des Mogul-Kaisers Jahangya fest.
[30:46] Für seine militärischen Leistungen
[30:48] verleiht ihm der Sultan den Ehrentitel Malik, auf Arabisch König.
[30:53] Malik Ambar wird zum mächtigsten Mann im Dekan. Er gründet das heutige Aurangabad,
[30:59] wo er seit seinem Tod 1626 bis heute verehrt wird.
[31:05] 6 Grad, 48 Minuten Süd. 39 Grad, 17 Minuten Ost. Dar es Salaam, Tansania.
[31:13] Tor zu Ostafrika und Zentralafrika mit Ververbindung nach Sansibar,
[31:18] dem historischen Zentrum des ostafrikanischen Handels.
[31:25] Arabische Händler dominierten den Sklavenhandel im Indischen Ozean vom 6.
[31:28] Jahrhundert an bis zur Ankunft der Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts.
[31:33] Im 19. Jahrhundert wurde Sansibar unter dem osmanischen Herrscher Said bin Sultan
[31:37] zum größten Sklavenmarkt des Indischen Ozeans.
[31:40] Historiker schätzen, dass zwischen dem Jahr 800 und dem Jahr 1900 rund 12,5
[31:46] Millionen Menschen aus Afrika über den Indischen Ozean in die Sklaverei verschleppt worden sind.
[31:51] Erst auf Druck der Briten wurde dieser Sklavenmarkt 1873 geschlossen und der
[31:56] Menschenhandel verboten.
[31:58] Und noch etwas sollte Gesellschaft und Kultur und die jahrhundertealten Handelsbeziehungen
[32:02] im Indischen Ozean für immer verändern. Nämlich.
[32:05] Die Ankunft der ersten Europäer, Ende des 15. Jahrhunderts. Und über diese Ankunft
[32:10] und die Folgen daraus spreche ich jetzt mit Jürgen Nagel.
[32:13] Er ist unter anderem Neuzeithistoriker und Experte in Sachen europäische Expansion
[32:17] und die Verflechtungsgeschichte des Indischen Ozeans.
[32:20] Ich freue mich sehr, dass wir heute sprechen können. Hallo. Schönen guten Tag.
[32:23] Wir haben in dieser Folge schon gehört, dass es im Indischen Ozean lange vor
[32:27] der Ankunft der ersten Europäer viele wirtschaftliche und kulturelle Verflechtungen gab.
[32:31] Und 1498 dann landete der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama als erster
[32:36] Europäer in Kalikud. So hieß das damals. Heute heißt es, ich hoffe,
[32:40] ich spreche es richtig aus, Kotzikode im Süden des heutigen Indiens.
[32:44] Wie hat die Welt für ihn aus europäischer Perspektive damals ausgesehen?
[32:47] Das ist die asiatische Welt, in die er gereist ist, wenn man es flapsig ausdrücken will.
[32:51] Bunt, wild und chaotisch. So kann man sich das, glaube ich, erst einmal vorstellen,
[32:55] wenn europäische oder portugiesische Seefahrer dort ankommen.
[32:59] Aber man muss sagen, der Indische Ozean war ja für die Europäer nichts Unbekanntes.
[33:02] Es gab ein vielfältiges Wissen seit der Antike überliefert, das häufig eher
[33:07] sich auf das Das als auf das Wie bezog. Dass es bestimmte Güter gibt,
[33:11] lokale Herrscher, Seefahrer und so weiter.
[33:13] Aber wie bestimmte Routen befahren werden mussten.
[33:16] Baschkodagama brauchte ein Zwei-Ligi-Noten, um überhaupt auf den Subkontinent zu kommen.
[33:20] Wie mit den Eliten dort umzugehen war, wie der Handel organisiert war und die
[33:24] Gesellschaftsstrukturen, auf die man traf. All das war unbekannt und musste
[33:27] erstmal in Erfahrung gebracht werden. Insofern ist die Rede von einer fremden
[33:31] Welt, in die die Portugiesen kamen, durchaus zutreffend.
[33:34] Das wäre allerdings zu der Zeit in Norwegen für Vasco da Gama auch gewesen. Das stimmt, ja.
[33:38] Auf jeden Fall war es abenteuerlich, zumindest stelle ich mir das so vor.
[33:41] Natürlich auch mit der einen oder anderen Gefahr.
[33:43] Verbunden, unbekannte Krankheiten und vieles mehr. Warum sind die Portugiesen
[33:47] damals überhaupt so weit nach Osten gesegelt? Was wollten sie in der für sie
[33:50] noch unbekannten Region?
[33:52] Also eine beliebte Überschrift ist immer Christen und Gewürze.
[33:55] Der Handel mit den begehrten Luxuswaren aus Asien stand sicherlich im Mittelpunkt.
[34:00] Da ging es eben um Gewürze, aber auch um Dinge, die über die Seidenstraße transportiert wurden.
[34:05] Seidentextilien, Porzellan. Aber gerade für Länder wie Portugal,
[34:09] die da eher etwas an der Peripherie lagen, waren sie viel zu teuer.
[34:13] Sie gingen über die Seidenstraße durch etliche Hände. Jeder Herrscher in Zentralasien
[34:18] wollte seinen Schnitt damit machen.
[34:19] Das steigerte enorm die Preise. Also dann saßen am östlichen Mittelmeer,
[34:23] wo die Seidenstraßen ankommen, die italienischen Seerepubliken und eben nicht
[34:26] die Portugiesen und monopolisierten den Handel weitgehend.
[34:30] Daraus wollten dann führende Kreise in Portugal herauskommen,
[34:33] um einen eigenen Zugang zu finden.
[34:35] Allerdings deswegen auch dieser Begriff Christen in dieser Titulierung.
[34:39] Mission sollte man da im Zusammenhang mit den Portugiesen nicht unterschätzen,
[34:42] zumal sie ja auch eine Legitimation für Expansion und Landerwerb mitlieferte.
[34:49] Prestigedenken spielte wahrscheinlich auch eine Rolle, aber alleine hätte das
[34:52] für diesen riesigen Aufwand und die Gefahr, die Sie angesprochen haben,
[34:55] man muss schon mal die Nussschalen angucken, mit denen man da über die Ozeane
[34:58] gekreuzt ist, das war sicherlich noch nicht vermögenssteuerpflichtig.
[35:03] Nur für Prestigedenken einer Krone hätte man das nicht getrieben.
[35:06] Also der große Antriebspunkt ist tatsächlich der wirtschaftliche.
[35:10] Wie kann man sich das denn ganz konkret vorstellen? Da sind die Portugiesen
[35:13] jetzt gelandet, sind angekommen, waren ja erstmal völlig fremd für die Menschen,
[35:18] die dort gelebt haben, haben eine andere Sprache gesprochen.
[35:21] Wie war der erste Kontakt? Wie haben die Menschen reagiert auf die Ankunft?
[35:24] Wahrscheinlich, weil es sind ja relativ wenige, die dort ankommen,
[35:27] wahrscheinlich war es so, dass die wenigsten die Ankunft überhaupt mitbekommen haben.
[35:31] Und dann sind ja verschiedene Gruppen, auf die man trifft, die unterschiedlich reagieren.
[35:35] Das eine sind eben die Machthaber, die Herrscher, deren Verhalten war zwischen
[35:41] vorsichtig positiv, weil da
[35:42] gegebenenfalls ein neuer Handelspartner auftauchte, bis hin zu skeptisch.
[35:47] Ich glaube nicht, dass man von grundsätzlicher Feindseligkeit auf indischer
[35:49] Seite ausgehen kann, weil der Indische Ozean ja sowieso schon dafür stand,
[35:54] dass andauernd neue Gruppen auftauchten, mit denen man Geschäfte machen konnte,
[35:58] mit denen man Bündnisse eingehen konnte.
[36:00] Für Freitseligkeit hat man dann gerne den Portemüssen selbst mit ihrem anfangs
[36:04] wenig diplomatischen Auftreten dann gesorgt. Insofern kam es natürlich sehr
[36:08] früh auch zu Auseinandersetzungen.
[36:10] Und man kann davon ausgehen, dass die Kaufleute dort vor Ort,
[36:13] die asiatischen Kaufleute aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern eher
[36:17] verhalten begeistert waren.
[36:18] Da kommt eben ein neuer Konkurrent und ein Konkurrent, der nicht davor zurückschreckt,
[36:23] die Situation auf dem Markt in einem Hafen im Zweifelsfalle mit Waffengewalt zu verändern.
[36:28] Damit haben die Portugiesen sich sicherlich sehr früh sehr viel kaputt gemacht.
[36:33] Wenn auch nicht vorbildlich. Aber englische und niederländische Nachfolger der
[36:37] Portugiesen haben das dann schon ein bisschen geschickter angestellt.
[36:40] Jetzt haben Sie gerade freundlich formuliert, die sind nicht so wirklich diplomatisch aufgetreten dort.
[36:46] Was bedeutet das denn konkret? Wie haben die sich verhalten, die Portugiesen?
[36:49] Die Portugiesen standen vor der Situation, in ein Handelssystem zu kommen,
[36:52] das seit Jahrhunderten etabliert war und sich dynamisch immer weiterentwickelt hat.
[36:57] Aber gerade bei den Portugiesen ist durchaus eine gewaltbereite Vordienstweise zu sehen.
[37:03] Das fängt relativ früh an mit der Eroberung von ostafrikanischen Städten,
[37:07] Sofala, Mombasa, ganz am Anfang des 16. Jahrhunderts und der Schlacht von Diyu,
[37:11] also schon vor der indischen Küste.
[37:13] Eine Seeschlacht mit der Osmanischen Flotte. Es zeigt sich, dass Städte wie
[37:17] Goa, Malacca oder Hormuz wurden schlichtweg erobert.
[37:20] In anderen war dann nicht eine wirkliche Belagerung notwendig,
[37:23] aber man hat dann mächtige Festungen in Kolombo, aufs Gelanke zum Beispiel,
[37:26] Internate in Diyu und so weiter errichtet.
[37:30] Und man hat auch quasi eine neue Hafenstadt gegründet, den Macao.
[37:33] Das war zwar nicht mehr im Indischen Ozean, sondern schon im südchimesischen Meer.
[37:36] Aber das ist natürlich auch eine wichtige Rolle. Und in solchen Zentren,
[37:39] gerade wenn man an Goa denkt, traten sie durchaus wie Kolonialherren,
[37:43] wie wir das auch so ein bisschen aus Südamerika kennen, auf.
[37:46] Das gilt natürlich insbesondere für die Hauptstadt Goa.
[37:49] Also die Hauptstadt ist der Staat oder India. Das heißt nicht zufällig Erstaatung
[37:52] der India, indischer Staat. Also es ist die Fortsetzung der portugiesischen
[37:56] Krone in einem anderen Kontinent.
[37:58] Und nicht vernachlässigen darf man dem Zusammenhang durch die Mission,
[38:01] vor allem Jesuiten, aber auch Franziskaner, Dominikaner, die vor allem an den
[38:05] Küsten, in den unteren Kasten Indiens größere Erfolge hatten.
[38:09] Teilweise auch von großer Dauer. In Goa gibt es immer noch eine katholische Kirche.
[38:14] Im Inland allerdings und insbesondere dort, wo islamisch geprägte oder regierte
[38:18] Gebiete sind, ich denke nur an Ostafrika, da klappt sich erstmal gar nichts
[38:21] mit katholischer Missionierung. Dort ist man erst einmal gescheitert und man
[38:25] hat sich mal wieder selbst ein Beigestellt.
[38:27] Es gibt dann in Goh so einen katholischen Rigorismus, der dazu führt,
[38:31] dass man dann tatsächlich Inquisition eingeführt hat.
[38:34] Vielleicht erstmal ganz allgemein kann man festhalten, zunächst waren die Portugiesen.
[38:38] Vorreiter, Dann kamen aber schnell auch die anderen. Im 16. und 17.
[38:41] Jahrhundert waren die Niederländer, auch die Briten, Franzosen, Spanier auf der Karte.
[38:46] Wie hat sich denn die Region dadurch verändert? Vielleicht können Sie da mal
[38:48] ein, zwei Beispiele nennen.
[38:50] Ernsthaft Konkurrenz bekamen die Portugiesen Ende des 16. Jahrhunderts.
[38:54] Die Niederländer hatten seit 1595 die sogenannten Vorkompanien.
[38:58] Mit Schlag 1600 treten dann die Engländer mit der East India Company auf.
[39:02] 1602 wird die Vereinigte Ostländische Kompanie, die Reusene,
[39:04] in den Niederlanden gegründet.
[39:06] Und alle anderen kleineren ziehen dann im 17. Jahrhundert nach.
[39:09] Ich würde sagen, das ist in der Region erst einmal eine schleichende Veränderung,
[39:12] wie auch schon anfangs bei den Portugiesen, die ja.
[39:15] Nur sehr punktuell präsent waren. Von so einem wirklich portugiesischen Jahrhundert
[39:18] kann man eigentlich gar nicht sprechen.
[39:20] Und auch wenn dann diese westeuropäischen Kompanien kommen, dann müssen sie
[39:23] sich erst einmal mit einem bestehenden Handelssystem, Verflechtungssystem erst einmal arrangieren.
[39:30] Teilweise hat man sich einfach in zentralen Orden, die wichtig waren für die
[39:33] eigenen Interesse, integriert. Also man könnte an Bantam auf Java denken bis
[39:38] 1682, wo die Niederländer ja erste Hauptniederlassung hatten.
[39:42] Oder andere Städte. oder an Huguet in Indien, wo die Niederländer ihre indische
[39:46] Hauptfaktorei gründeten.
[39:47] Teilweise wurden neue zentrale Orte etabliert.
[39:51] Batavia ist so eine quasi Neubründung auf der grünen Wiese, erst vor in Fischerdorf.
[39:55] Das war aber nicht sonderlich bedeutend.
[39:57] Da wird eben Batavia so ein neues Zentrum unter niederländischer Kontrolle und
[40:01] die überregionalen Verbindungen, Seefahrtsverbindungen, Handelsverbindungen
[40:05] konzentrieren sich immer mehr auf diese Metropole.
[40:08] Die früher Konkurbierenden, Malakka und Makassar, Die verlorenen Gegenzug dazu ihre Zentralität.
[40:14] Das führte auch zu Verschiebungen von Bevölkerungsgruppen. Es gibt Fluchtbewegungen
[40:18] der portugiesischen oder halb-portugiesischen Bevölkerung aus Malacca weiter in den Osten.
[40:23] Gleichzeitig steigt aber auch so etwas wie eine malayisch-niederländische Mischkultur.
[40:27] Also die Nachkommen von niederländischen Väter und indonesischen Frauen wird
[40:31] zunehmendermaßen wertführend in der Wirtschaftsschicht.
[40:34] Jetzt haben Sie auch häufiger gesprochen über die großen Handelskompanien,
[40:38] Insbesondere die Ost-Indien-Kompanie, die WOC aus den Niederlanden.
[40:42] Vielleicht können Sie doch mal kurz beschreiben, was das genau für Unternehmungen gewesen sind.
[40:47] Herr Mann, das zeichnet Sie ganz gerne als erste Aktiengesellschaft der Weltgeschichte.
[40:52] Das trifft aber nur in Teilen zu.
[40:54] Wir haben so zwei Seiten der Medaille. Einerseits sind es tatsächlich Kapitalgesellschaften.
[40:59] Das sind Wirtschaftsunternehmen, die ihren Fokus ganz auf Handel,
[41:02] auf Gewinnmaximierung haben.
[41:04] Sie werden getragen von privaten Kapitalanlegern, haben auf Dauer zumindest
[41:08] einen festen Kapitalstock.
[41:09] Also die VCR dient von Anfang an, die ISI musste noch ein bisschen lernen,
[41:12] die ist dann Mitte des 17. Jahrhunderts.
[41:14] Davon abgegangen, Einzelreisen zu finanzieren und hat sich auch ein Joint-Stock zugelegt.
[41:19] Und der führt eben noch dazu, dass an der Börse handelbare Anteilsscheine verkauft und gekauft werden.
[41:25] Insofern kann man tatsächlich von einem Vorreiter kapitalistischer Unternehmensformen sprechen.
[41:30] Aber es gibt eben auch eine andere Seite. Und da sind diese Kompanien durchaus
[41:33] ein Kind der Vormoderne geprägt durch Mercantilismus und Absolutismus.
[41:39] Sie haben Privilegien vom Staat. Die hat natürlich eine moderne Aktiengesellschaft
[41:42] nicht. Sie haben ein Handelsmonopol im Inland, also Beispiel VOC unter allen
[41:46] Niederländern dürfen nur die in der VOC-Handel mit Ostasien treiben.
[41:51] Sie verfügen über ein eigenes Militär, eine eigene Rechtsprechung.
[41:54] Sie haben die Erlaubnis, völkerrechtlich verbindliche Verträge abzuschließen.
[41:58] Also all das sind so staatsgleiche Eigenschaften, die eben ein staatliches Auftreten
[42:03] im Operationsgebiet dann nach sich ziehen.
[42:05] Für Asiaten in dieser Zeit war die VOC eigentlich die Niederlande.
[42:10] Jetzt gab es aber auch eine Veränderung für die beteiligten Mächte,
[42:13] muss man sagen, denn wir haben über die Portugiesen gesprochen, über die Niederländer.
[42:18] Und die sind dann immer mehr ins Hintertreffen geraten. Das British Empire hat
[42:22] übernommen. Großbritannien hat die Vorherrschaft in der Region bekommen.
[42:27] Wie ist das denn passiert? Ja, da gibt es sicherlich eine ganze Menge Gründe
[42:30] oder so ein Faktorenbündel.
[42:32] Also die Portugiesen zunächst einmal, die waren ja schon im 17.
[42:35] Jahrhundert, hatten sie ja schon ihre Rolle verloren. Das waren noch die anderen
[42:39] westeuropäischen Mächte im Konzert, die sie eigentlich zurückgedrängt haben.
[42:43] Und im 17. Jahrhundert spielen die Portugiesel allenfalls noch so als kleine
[42:47] Nadelköpfe in der Region eine Rolle. Dann war es eine lange Zeit ein Konkurrenzkampf
[42:52] zwischen den Niederlanden und Großbritannien, der sich so ein bisschen sortiert hatte.
[42:56] Die IIC hatte ihren Schwerpunkt in Indien, die WOC im malayischen Archipelien,
[43:00] im heutigen Indonesien. Und dann im 18. Jahrhundert spielen Faktoren,
[43:05] die eigentlich außerhalb des Indischen Ozeans anzusiedeln sind, eine wichtige Rolle.
[43:09] England beziehungsweise dann Großbritannien konnte den verschiedenen europäischen
[43:14] und globalen Machtstreitigkeiten kriegen, die Oberhand behalten,
[43:17] die immer nur so Auswirkungen indirekte meistens auf den Indischen Ozean hatten.
[43:22] Denke an den Siebenjährigen Krieg, der ja gerne schon mal als Erster Weltkrieg
[43:26] tituliert wird, der in Europa stattfand, der in Nordamerika stattfand,
[43:29] ein wenig dann auch im Umfeld von Bengalen. Aber eigentlich ist es die Tatsache,
[43:33] dass sich England global durchgesetzt hat.
[43:36] Und am Ende dieser ganzen Entwicklung spielt sicherlich auch das Scheitern von
[43:39] Napoleon und seinen Expansionsbestrebungen eine Rolle. Also vieles,
[43:42] was sich auf globaler Ebene abspielt, hat erstmal dazu geführt,
[43:45] dass sich die Machtverhältnisse verändern.
[43:47] Dadurch konnte sich eben auch die britische Handelsmacht, die ja noch als Kompanie
[43:50] in Asien unterwegs war, auch militärisch nochmal enorm aufplustern.
[43:55] Die Kleidenkompanie, jetzt war von den Niederlanden abgesehen,
[43:57] es gab mal ihre skandinavische, die habsburgische Niederlande hatten mit der Ostendekompanie eine.
[44:02] Es gab auch was Manners aus Preußen, die waren alles viel zu klein und da auf
[44:06] Dauer mithalten zu können.
[44:07] Niederländer waren die größte Konkurrenz. Wichtiger Punkt ist,
[44:11] dass sie an den Gewürzen als Haupthandelsgut festhielten, was dann im 18.
[44:16] Jahrhundert auf den europäischen Märkten gar nicht mehr so großartig zu vermarkten
[44:20] war. Sie haben sich ein wenig in wirtschaftliche Krisen hineingeritten,
[44:24] hatten interne Probleme.
[44:26] Die ISI, die geht dann seit Ende des 18. Jahrhunderts quasi unter,
[44:30] weil sie sich mehr und mehr zu einer Kontrollialbürokratie verändert.
[44:33] Tut sie tatsächlich, der freie
[44:35] Handel besetzt sich gegenüber den privilegierten Kompaniehandel durch.
[44:39] Nichtsdestotrotz, gerade dieser Transformationsprozess legte dann die Grundlage
[44:42] für das, was der britische Ratsch, also die Kolonialherrschaft Großbritanniens in Indien darstellt.
[44:47] Transformationsprozess ist auch ein guter Stichwort. Sie schreiben das,
[44:50] im 19. Jahrhundert gab es einen tiefgreifenden Wandel in der Geschichte des
[44:54] Indischen Ozeans. Einige der Faktoren haben Sie gerade schon genannt.
[44:58] Was ist denn von den vielfältigen Handelsverflechtungen im kulturellen Austausch.
[45:02] Den es ja schon vorher gab, bevor die Europäer angekommen sind.
[45:05] Was ist da von Ende des 19. Jahrhunderts überhaupt noch übrig geblieben?
[45:09] Ich würde sagen, eigentlich alles.
[45:10] Der Austausch auf den verschiedenen Ebenen ist ja durchaus bestehend geblieben.
[45:16] Und Sie können ja auch die Präsenz der unterschiedlichsten Kulturen auf den
[45:18] unterschiedlichsten Ecken des Indischen Ozeans bis heute beobachten.
[45:23] Es gibt neue Austauschformen durch die europäische Präsenz, dass sicherlich,
[45:28] also zusätzliche Migrationsströme, sowohl erzwungene als auch Ausweichbewegungen,
[45:33] wenn man den zunehmend dominant werden Europäern ausweichen will,
[45:36] eine der großen Veränderungen im 19.
[45:39] Jahrhundert auf dem Indischen Ozean ist ja das, was wir Europäer als Tatsport-Revolution bezeichnen.
[45:44] Das hat mit schnelleren Schifffahrtsverbindungen zu tun, durch Dampfschifffahrt,
[45:48] dann auch durch den Suezkanal, die Anbindung des Hinterlands durch die Eisenbahn
[45:52] und auch mit Telegrafieinformationen konnten immer schneller ausgetauscht werden.
[45:56] Nautisches oder mercantiles Wissen oder auch überhandlicher,
[46:00] zunehmend demokratisiert, breiteren Schichten zugänglich.
[46:04] Und diese breiteren Schichten beziehen sich eben nicht nur auf Europäer,
[46:06] sondern es kommt zu europäisch-asiatischen Joint Ventures.
[46:10] Asiatische Reedereien erleben einen Aufstieg, unter anderem mit Massentilgerschaft
[46:15] nach Mekka, dann zunehmend von arabischen oder indischen Reedereien organisiert,
[46:21] dann unter einer Oberkontrolle der Kolonialmächte.
[46:24] Und eins sollte man auch nicht vergessen. Die meisten Austauschbeziehungen und
[46:27] Kulturkontakte fanden ja eigentlich unterhalb des Radars der europäischen Vorherrschaft statt.
[46:32] Die Daos, diese Segelschiffe mit den Dreieckssegeln, die haben in allen Jahrhunderten
[46:37] bis heute den regionalen Verkehr zwischen kleinen Allhäfen aufrechterhalten
[46:42] und damit für die Austauschbeziehungen besorgt.
[46:45] Und das pflanzt sich auch heute noch vor Ort.
[46:47] So ein normaler Gau aus Sanzibar oder Ähnlichem kommt vielleicht nur bis zur arabischen Welt.
[46:52] Aber dort fahren andere zum Indischen Ozean und dort treffen sie irgendwann auf die,
[46:56] verschiedenen Trahus aus Indonesien, sodass auch auf einer Ebene,
[47:01] die für die meisten Europäer reichlich und interessant war, die Verflächungsbeziehungen
[47:04] weiter bestanden haben. Das gilt eigentlich bis zu heutigen Tage.
[47:07] Ja, damit haben wir den Bogen beschlagen von den ersten Portugiesen bis zur
[47:10] heutigen Zeit. Ganz herzlichen Dank für diesen Ritt durch die Geschichte und
[47:14] für die interessanten Einblicke. Ja, sehr gerne.
[47:16] Jürgen Nagel hatte gerade schon von der Transportrevolution des 19.
[47:19] Jahrhunderts im Indischen Ozean gesprochen.
[47:22] Aus europäischer Perspektive war das eng mit dem Bau des Suezkanals verbunden.
[47:29] Port Said, Ägypten. 16. November 1869.
[47:36] Im Hafen liegen dicht an dicht Stutzende Kriegsschiffe und Dampfer aus aller Welt.
[47:40] Festlich beflaggt mit französischen, britischen, osmanischen und österreichisch-ungarischen Farben.
[47:46] Zehntausende Menschen stehen am Ufer.
[47:50] An Bord der französischen kaiserlichen Yacht L'Aigle steht in einem weißen Kleid
[47:55] mit blauer Schärpe Kaiserin Eugénie de Montigeau.
[48:00] Sie ist die Ehefrau Napoleons III. und verwandt mit dem Mann,
[48:04] der sich an diesem Tag feiern lässt, Ferdinand de Lesseps.
[48:08] Denn er hat es geschafft, wovon Generationen von Ingenieuren bis dahin nur träumen konnten.
[48:13] Eine Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Mittelmeer und damit einen direkten
[48:18] Seeweg in den Indischen Ozean zu schaffen. Den Suezkanal.
[48:24] Die Idee einer Wasserverbindung zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer reicht
[48:28] bis in die Antike zurück.
[48:30] Bereits altegyptische Herrscher planen einen Kanal zwischen dem Nil und dem Roten Meer.
[48:35] Napoleon lässt 1798 bei seiner Ägypten-Expedition Vermessungen vornehmen.
[48:41] Doch seine Ingenieure raten ihm von einem solchen Bauwerk ab.
[48:45] Es warf eine Reise durch die libysche Wüste von Alexandria nach Kairo,
[48:50] die ich in Begleitung des Prinzen unternahm, dass die Frage eines Durchstichs
[48:55] durch den Isthmus von Suez zwischen uns zum ersten Mal zur Sprache kam.
[49:00] Schreibt Ferdinand de Lesseps 1855.
[49:03] Aperire teram gentibus.
[49:06] Die Erde den Völkern öffnen, ist sein Plan. 15 Jahre später,
[49:10] einen Tag nach der feierlichen Eröffnung des Kanals, werden die Dampfmaschinen
[49:14] der Schiffe im November 1869 angeheizt.
[49:21] Um 9 Uhr morgens ist die kaiserliche französische Yacht Lègle das erste Schiff,
[49:26] das in den Suezkanal einfährt.
[49:28] Gefolgt von einem großen Konvoi. Der österreichisch-ungarische Kaiser Franz
[49:32] Josef ist dabei, Kronprinz Friedrich aus Preußen, Botschafter,
[49:36] Admiräle, Journalisten aus aller Welt.
[49:39] Augenzeuge und Dichter Theophile Gauthier schreibt, Man hat das Gefühl,
[49:43] Zeuge eines jener außerordentlichen Momente zu sein, in denen die Geschichte
[49:48] der Welt eine neue Seite aufschlägt.
[49:53] Zwei Tage brauchen die Schiffe, um durch den neuerbauten Kanal zu fahren.
[49:57] Mehr als zehn Jahre hat der Bau gedauert. Zeitweise schufteten rund 30.000 ägyptische
[50:02] Zwangsarbeiter gleichzeitig in der sengenden Sonne.
[50:05] Der Suezkanal veränderte den Handel im gesamten Indischen Ozean.
[50:09] Der Seeweg von Europa nach Indien verkürzte sich um fast 8.000 Kilometer.
[50:14] Wer den Kanal kontrolliert hat, der kontrollierte auch die Handelsroute.
[50:18] Und genau das machte ihn zum begehrtesten Bauwerk der Welt.
[50:22] Gebaut wurde er von einer französisch-ägyptischen Gesellschaft.
[50:25] Ägypten hielt zunächst große Anteile.
[50:27] Aber schon sechs Jahre nach der Eröffnung, im November 1875,
[50:31] kaufte der damalige britische Premierminister Benjamin Disraeli die ägyptischen
[50:36] Anteile an der Suezkanal-Gesellschaft ab.
[50:38] Und erst knapp 80 Jahre später, am 26. Juni 1956, war der Suezkanal zum ersten
[50:45] Mal vollständig in ägyptischer Hand.
[50:48] Und zwar ist der damalige Staatschef
[50:49] Gamal Abdel Nasser die Suezkanal-Gesellschaft verstaatlicht hat.
[50:53] Vielleicht habt ihr schon einmal von der Suez-Krise gehört. Großbritannien,
[50:56] Frankreich und Israel wollten militärisch dagegen vorgehen, dass der Suezkanal
[51:00] jetzt ägyptisch war und sie scheiterten.
[51:03] Damals erzwangen die USA und die Sowjetunion den Rückzug ihrer Truppen.
[51:09] Heute fahren jährlich rund 20.000 Schiffe durch den Kanal. Das sind etwa 14
[51:14] Prozent des gesamten maritimen Welthandels.
[51:17] Aber die Suezkrise von 1956 war mehr als ein Streit um eine Wasserstraße.
[51:22] Sie hat auch gezeigt, das Zeitalter der europäischen Vorherrschaft über den
[51:26] Indischen Ozean war endgültig vorbei.
[51:29] Die Länder rund um den Indischen Ozean wurden nach und nach unabhängig.
[51:32] Indien 1947, Indonesien 1949, die ostafrikanischen Staaten in den 1960er Jahren.
[51:40] Genauso wie Malaysia, Singapur, Sri Lanka oder Mauritius.
[51:47] 22 Grad, 32 Minuten Nord, 88 Grad, 20 Minuten Ost.
[51:54] Kolkata, Indien, der einzige große Flusshafen Indiens, verbindet das Hinterland
[52:00] mit dem internationalen Schiffsverkehr.
[52:02] Zentrales Wirtschafts- und Handelsdrehkreuz für Ostindien.
[52:06] Die Handelsrouten durch den Indischen Ozean waren sowohl Macht- und Wirtschaftsbereiche
[52:10] als auch Räume der Migration.
[52:12] Entlang der Seerouten gab es viele Orte, an denen Schiffe anlegten,
[52:15] Waren umgeschlagen wurden und wo Menschen sich dauerhaft niedergelassen haben.
[52:20] In der Wissenschaft nennt man solche Orte Haps, also Knotenpunkte.
[52:24] Solche Knotenpunkte gab und gibt es überall im Indischen Ozean.
[52:28] Aden am Eingang zum Roten Meer wäre ein Beispiel. Oder Malacca an der gleichnamigen Meerenge.
[52:33] Oder das frühere Kalikud, heute Kozikode an der Westküste Indiens.
[52:38] Diese Orte blicken auf eine lange Geschichte zurück, mussten aber nach der Unabhängigkeit
[52:42] ihre Rolle neu definieren.
[52:44] Mauritius ist ein ganz gutes Beispiel dafür. Eine Vulkaninsel im Indischen Ozean,
[52:49] rund 2000 Kilometer vor der ostafrikanischen Küste.
[52:52] Knapp 1,3 Millionen Menschen leben dort. Die Insel ist nicht größer als das
[52:57] Saarland und trotzdem hat sie eine immense Bedeutung.
[53:00] Der Ethnologe Burkhard Schneepel von der Universität Halle hat dort jahrelang geforscht.
[53:07] Man kann aus der Geschichte Mauritius einiges lernen. Gerade Ethnologen sagen
[53:13] ja immer kleine Worte, große Fragen.
[53:18] Das Klima ist angenehm, es gibt Wasser, es gibt Wälder, es gab Tiere,
[53:24] die hat man dann ziemlich schnell aufgegessen. Den Dodo kennen vielleicht einige,
[53:28] der wurde gleich von den ersten holländischen Siedlern ja auch als Nahrung benutzt.
[53:33] Mehrere Schildkröten, trotzdem lebten dort bis ins späte 16.
[53:39] Jahrhundert hinein keine Menschen. Es mag nur das eine oder andere Schiff da
[53:42] gelandet sein, aber die ersten, die versucht haben, da eine Siedlung zu gründen, waren die Holländer.
[53:47] Die haben es 100 Jahre versucht, ich sage das jetzt mal in groben Zügen und
[53:51] es hat nicht geklappt. Um 1700 haben die Holländer die Insel wieder verlassen.
[53:58] Die kleine Siedlung, die es da gab, war immer vom Auszungern bedroht,
[54:03] hatte Zyklone zu überstehen, hatte Krankheiten.
[54:06] Die Sklaven, die man mitbrachte, sind weggelaufen und so weiter.
[54:10] Erst die Franzosen haben es im 18. Jahrhundert, auch mit vielen Schwierigkeiten,
[54:14] geschafft, dort eine Siedlung zu gründen.
[54:17] Die erste Lehre sozusagen ist, die wir aus dieser kleinen Insel ziehen können,
[54:22] ist, dass es gar nicht so leicht ist, eine Gegend zu besiedeln.
[54:26] Die zweite ist, eine Insel wurde erst besiegelt, wenn sie auf den Seefahrtswegen lag.
[54:31] Ein Hub ist nur dort von Nutzen, wo auch die Schiffe langfahren.
[54:36] Und das war erst mit den Holländern der Fall. Die Portugiesen,
[54:40] die 100 Jahre vor waren, die sind die Ostküste Afrikas hochgefahren,
[54:44] um das Kap der guten Hoffnung Südafrika herum.
[54:47] Und die Holländer waren die Ersten, die aber sagten, wir fahren weiter südlich
[54:50] lang, die wollten eigentlich eher nach Indonesien.
[54:53] Und da ist ein holländischer Kapitän vom Sturm von der Route abgeweht worden
[54:58] sozusagen und hat Mauritius zufällig entdeckt.
[55:01] Und erst danach hat man dann zehn Jahre später gesagt, das liegt ja ganz günstig auf der Route von
[55:07] Südafrika, wo alle Europäer rummussten, bevor es den Suezkanal 1869 gab,
[55:13] von Südafrika nach Indien. Eigentlich da wollten alle hin.
[55:17] Aus der kleinen Vulkaninsel Mauritius wird so ein wichtiger Hub im Indischen Ozean.
[55:23] Und es gab keine indigene Bevölkerung auf der Insel. Auch eine Besonderheit.
[55:27] Die Menschen, die sich dort niedergelassen haben, kamen aus allen möglichen Teilen der Welt.
[55:32] Wir hatten Franzosen, wir vergessen jetzt mal die Holländer,
[55:36] die sind ja dann abgezogen, Franzosen, französische Kolonialbeamten der französischen
[55:42] Ostindien-Kompanie und ihre Sklaven.
[55:44] Das heißt, wir hatten die Herren und die Sklaven, Franzosen und afrikanische
[55:49] Sklaven hauptsächlich.
[55:50] Die Sklaven selbst kamen auch wieder aus unterschiedlichen Orten.
[55:53] Das war der Ursprung der mauritischen Gesellschaft.
[55:58] Eine ganz klare Sklavenhalterkultur.
[56:02] Und weil die französischen Herren mit ihren Sklaven irgendwie kommunizieren
[56:06] wollten, entstand allmählich eine Kreolsprache, die auf dem Französischen basierte.
[56:11] Es kam dann ja auch noch ab dem frühen 19. Jahrhundert.
[56:17] Indische Kontraktarbeiter dazu. 1810 wurde Mauritius von den Engländern erobert.
[56:25] Die Franzosen blieben zwar dort, die französischen Plantagenbesitzer und die
[56:30] afrikanischen Sklaven, aber die Engländer haben in großem Maße indische Kontraktarbeiter
[56:37] von ihrem Empire in Indien
[56:40] nach Mauritius geschifft, um dort die Zuckerrohrplantagen zu bebauen.
[56:44] Einige waren Hindus, andere waren Muslime und insofern hat sich auf Mauritius
[56:50] ein sehr interessanter Schmelztiegel gebildet, wo Menschen aus sehr vielen unterschiedlichen,
[56:58] religiösen Hintergründen, sozialen Hintergründen, kulturellen Hintergründen,
[57:03] sprachlichen Hintergründen sich auch mal auf einer kleinen Vulkaninsel wiederfanden.
[57:08] Mit großen sozialen, auch ökonomischen Unterschieden, aber man musste sich zusammenraufen.
[57:15] Auch wirtschaftlich wurde Mauritius erfolgreich. Übrigens wurde die Sklaverei
[57:19] auf der Insel 1835 abgeschafft.
[57:22] Von der einstigen Monokultur des Zuckerrohranbaus hat man sich im Laufe der
[57:26] Zeit verabschiedet und Neues geschaffen.
[57:28] Zum Beispiel die Tourismusindustrie, die Mauritius als Paradiesinsel verkauft.
[57:33] Auch die Textilindustrie wurde seit den 1970er Jahren ausgebaut.
[57:39] Das ist eine Erfolgsgeschichte. Und warum? Meine These ist, weil Mauritius verstanden
[57:45] hat, die Fähigkeiten als Hub, die es als maritimer Hub erworben hat, von Anfang an,
[57:52] auf nicht-maritime Bereiche auszuweiten.
[57:57] Zum Beispiel, das habe ich noch nicht erwähnt, ein Financial Hub,
[58:01] so nennen die sich selber, also ein Offshore-Banking wird gemacht,
[58:06] hauptsächlich indisches Kapital für Investitionen in Afrika.
[58:11] In Mauritius sind sehr schnelle Unterwasserkabel für Internet zusammengekommen,
[58:17] sodass sich die Insel auch als Cyber-City oder Cyber-Hub positionieren will,
[58:24] um Konkurrenz zu Indien, Südindien zu machen.
[58:28] Das ist so die Erfolgsgeschichte von Mauritius.
[58:33] Und viele sagen, dieser Erfolg basiert darauf auch, dass wir dort erstmal eine
[58:39] stabile politische und ökonomische Basis haben, aber auch, dass die Bevölkerung,
[58:45] ich sag's mal salopp, Multikulti ist.
[58:48] Auf Mauritius spricht man Englisch, Französisch, Hindi, Arabisch.
[58:52] Das ist sozusagen eine kosmopolitische Gesellschaft.
[58:56] Oft denkt man ja, Inseln sind isoliert und nur eine Art von Bevölkerung,
[59:01] aber in vielen Fällen sind Inseln viel kosmopolitischer als zum Beispiel.
[59:07] Ich bin von Berlin meistens aus nach Mauritius geflogen und habe das Gefühl
[59:13] gehabt, nichts gegen Berlin, dass ich von der Provinz in eine kosmopolitische Gesellschaft fliege.
[59:20] Und das ist das, was Mauritius so erfolgreich macht und deswegen kann die Insel die Habqualitäten.
[59:30] Als einen Umschlagplatz nicht nur für Güter und Waren, sondern auch für Ideen,
[59:36] für Finanzen, für Information,
[59:41] für Touris, dann Erfolg haben.
[59:44] Ja, und was Burkhard Schneppel über Mauritius sagt, gilt für viele Inseln im
[59:48] Indischen Ozean. Von den Seychellen über Sansibar bis nach Bali.
[59:51] Forscher sprechen heute manchmal auch von einer maritimen Seidenstraße.
[59:56] Einem Netz aus Häfen, Inseln und Küstenstädten, das den Indischen Ozean seit
[1:00:00] Jahrtausenden zusammenhält und das China heute mit seinem sogenannten Belt and
[1:00:04] Road Program neu aufbaut.
[1:00:06] Davon ausgenommen sind nur ganz wenige Inseln, deren Betreten strikt untersagt ist.
[1:00:12] Eine davon ist 2025 wieder in die Schlagzeilen gekommen. Es geht um North Sentinel
[1:00:17] Island in der Andamanensee.
[1:00:19] Die Insel gehört zu Indien.
[1:00:20] Hier lebt eines der isoliertesten Völker der Welt, die Sentinelesen.
[1:00:25] Sie lehnen Kontakt zu Fremden ab und greifen jeden an, der sich ihnen nähert.
[1:00:29] Es gibt seit den 1990er Jahren ein striktes Verbot der Regierung Indiens,
[1:00:33] diese Insel zu betreten, um die indigene Bevölkerung vor eingeschleppten Krankheiten zu schützen.
[1:00:39] Aber einem Social-Media-Influencer und YouTuber war das Ende März 2025 egal.
[1:00:44] Für Klicks und Likes hat er sich einfach über das Verbot hinweggesetzt.
[1:00:48] An American YouTuber has been arrested for illegally entering a prohibited area
[1:00:53] in India and trying to make contact with a reclusive tribe that inhabits a remote
[1:00:59] island in the Bay of Bengal.
[1:01:00] Mikhailo Viktorovich Poljakov war im März 2025 für wenige Minuten auf der Insel.
[1:01:05] Und er hatte Glück. Er ist niemandem begegnet.
[1:01:09] Er hat eine Dose Cola und eine Kokosnuss als Opfergabe dagelassen.
[1:01:13] Dann aber wurde er von den indischen Behörden festgenommen. Er kam zunächst
[1:01:17] in Untersuchungshaft und wurde dann zu einer Geldstrafe von umgerechnet rund
[1:01:20] 130 Euro verurteilt und musste Indien verlassen.
[1:01:27] Andere hatten weniger Glück als der damals 24-Jährige. 2018 wurde der amerikanische
[1:01:33] Missionar John Allen Chow von den Sentinelesen mit Pfeilen umgebracht,
[1:01:37] als er illegal auf der Insel landete
[1:01:39] und versucht hat, das indigene Volk zum Christentum zu bekehren.
[1:01:43] Und schon 2006 waren zwei indische Fischer getötet worden, weil sich ihr Boot
[1:01:47] während einer illegalen Fischereiaktion in der Nacht vom Anker losgerissen hatte
[1:01:52] und auf North Sentinel an den Strand gespült worden war.
[1:01:56] Normalerweise aber muss man auf keiner anderen Insel im Indischen Ozean befürchten,
[1:02:00] von Einheimischen umgebracht zu werden.
[1:02:02] Die meisten sind fest in der Hand der Touristen.
[1:02:05] Denn viele Inseln sind heute vor allem eins. Sehnsuchtsorte.
[1:02:09] Die Malediven, Bali oder die Seychellen. Paradiesbilder aus dem Reiseprospekt.
[1:02:15] Millionen von Touristen erliegen jedes Jahr diesen Verlockungen und hinterlassen
[1:02:19] dabei ihre folgenreichen Spuren.
[1:02:21] Und genau dazu forscht Beate Ratter.
[1:02:23] Sie ist Professorin an der Universität Hamburg für integrative Geografie und
[1:02:28] hat sich auf die kleinen Inseln im Indischen Ozean spezialisiert.
[1:02:31] Vor allem mit den Seychellen und den Malediven kennt sie sich gut aus.
[1:02:37] Man hat sich auf den Seychellen oder auf den Malediven eben dafür entschieden,
[1:02:41] den Tourismusweg einzuschlagen.
[1:02:43] Und es klingt natürlich als eine saubere Industrie. Ich habe keine Schlote, wo irgendwas rausgeht.
[1:02:50] Aber man hat in der Beobachtung der letzten, ich würde schon fast sagen 30 Jahre
[1:02:54] erkannt, Tourismus ist keine saubere Industrie.
[1:02:57] Und gerade im Zusammenhang mit dem Klimawandel, wir haben 1,7 Millionen Touristen,
[1:03:03] die allein auf die Malediven pro Jahr kommen. und das bei einer Lokalbevölkerung von 500.000.
[1:03:09] Da können Sie sich vorstellen, was das für einen Druck auf das Ökosystem und
[1:03:13] auf die Landmassen dort hat.
[1:03:14] Nicht nur, dass alle Touristen mit dem Flugzeug auf die Malediven kommen, sei problematisch.
[1:03:19] Meerwasser muss energieaufwendig entsalzt werden, weil es auf den Inseln des
[1:03:23] Archipäes kaum Trinkwasser gibt.
[1:03:25] Und dann ist da noch der Müll. Traditionell gingen die Malediver mit ihrem Mülleimer
[1:03:28] an den Strand und kippten ihn im Meer aus.
[1:03:31] Und das ist über Jahrhunderte hinweg überhaupt kein Problem gewesen.
[1:03:35] Wenn sie nur Essensreste ins Meer schmeißen, dann füttert das sogar noch die Fische.
[1:03:40] Aber wenn in diesem Mülleimer heutzutage eben Batterien sind oder Badeschlapfen
[1:03:45] aus Plastik oder sonst irgendwas, dann tragen sie auch ihren Teil dazu bei,
[1:03:51] dass wir ein Müllproblem in den Weltmeeren haben.
[1:03:54] Auf den Malediven gibt es inzwischen
[1:03:55] eine Müllinsel, wo der gesamte Abfall hingebracht und verbrannt wird.
[1:03:59] Fossile Energieträger wie Diesel sollen langfristig ersetzt werden.
[1:04:03] Aber anstatt auf jedes Häuschen ein Solarpanel zu machen, um sich sozusagen
[1:04:08] selbst versorgen zu können und unabhängig zu sein.
[1:04:12] Werden riesige schwimmende Solaranlagen auf den Malediven mit Unterstützungsgeld,
[1:04:19] meistens aus China, installiert.
[1:04:22] Auf den Seychellen hat man zumindest schon 2017 ein Plastikverbot erlassen.
[1:04:26] Allerdings nur für große Einkaufstüten. Die Strohhalme sind alle nicht mehr. Das war dann 2021.
[1:04:33] Und in der Zwischenzeit darf man auch keine Luftballons mehr auf den Seychellen
[1:04:36] haben. Also es gibt eine Bestrebung und die finde ich positiv.
[1:04:40] Die will ich nicht schlechtreden.
[1:04:42] Weil auf den Seychellen in den letzten 30 Jahren der Tourismus als Hauptwirtschaftsquelle,
[1:04:49] etabliert worden ist, aber erkannt wurde, dass der auf der Basis einem gesunden Ökosystem steht.
[1:04:57] Und wenn wir uns das kaputt machen, dann machen wir sozusagen unsere wirtschaftliche Basis kaputt.
[1:05:02] Das sind erste Ansätze, mit denen die Inselregierungen versuchen,
[1:05:05] die Umweltprobleme in den Griff zu bekommen, die der Tourismus verursacht.
[1:05:08] Und dann ist da auch noch der Klimawandel und der damit verbundene Anstieg des
[1:05:12] Meeresspiegels, der aber nicht alle Inseln gleichermaßen trifft.
[1:05:16] Besonders kritisch könnte es für die Korallenatolle der Malediven werden,
[1:05:19] die nur wenige Meter über den Meeresspiegel hinausragen.
[1:05:22] Steigt der Meeresspiegel nur wenige Dezimeter an, dann versinken die Malediven
[1:05:27] in den Fluten des Indischen Ozeans.
[1:05:29] Der Tourismus ist dann hier Geschichte.
[1:05:34] Die Zentralregierung geht dahin, dass sie möglichst nahe am Regierungszentrum Inseln aufschütten,
[1:05:42] künstliche Inseln schaffen, vier, fünf Meter über dem Meeresspiegel und dort
[1:05:47] neue Hochhäuser und Baugebiete hinsetzen, weil sie dann die Leute aus den Outer
[1:05:52] Islands zusammenziehen können und unter ihre Kontrolle bringen können.
[1:05:56] Und dieser Weg der Aufschüttung ist auch eine Art von Anpassungsmaßnahme an
[1:06:01] den Klimawandel, Weil die fünf Meter aufgeschüttete Insel ist erstmal für die
[1:06:06] nächsten 100 Jahre gegen den Meeresspiegelanstieg gewappnet.
[1:06:11] Aber die soziokulturelle Situation verändert sich komplett, wenn Sie vorher
[1:06:16] auf einem kleinen eigenen Häuschen mit einem Gartentur herum gewohnt haben und
[1:06:20] jetzt plötzlich im fünften Stock von einem Hochhaus wohnen.
[1:06:23] Das mag am Anfang vielleicht noch ganz apart sein, aber die ganze soziokulturelle
[1:06:27] Situation hat sich verändert.
[1:06:29] Wie es gehen könnte, Ökologie und Tourismus in Einklang zu bringen,
[1:06:33] zeigt ein anderes Beispiel aus dem Indischen Ozean.
[1:06:36] Die winzige Insel Lamu vor der kenianischen Küste.
[1:06:39] Eine Art Vorreiter in Sachen Ökotourismus in der Region.
[1:06:43] Weil die kleine Insel sich bemüht hat, den Tourismus, sie sind etwas später
[1:06:48] eingestiegen in die Tourismusentwicklung.
[1:06:50] Und mit einer sehr bewussten, kleinen lokalen Strategie, mit lokal und,
[1:06:57] fast hotelbezogenen Lösungen für Frischwasserversorgung, Schmutzwasserentsorgung
[1:07:03] und mit vielen ökologischen Strategien, die naturverträglich sind.
[1:07:10] Die Zukunft wird härter. Vor dem Hintergrund, dass wir mit Trinkwasserversorgung
[1:07:15] zu kämpfen haben, mit Müllentsorgung zu kämpfen haben.
[1:07:19] Wenn das Korallenriff abstirbt, ja nicht nur die Erosion ansteigt,
[1:07:24] sondern zum Beispiel auch für die Fischereibevölkerung, wir Einbußen im Einkommen haben.
[1:07:29] Dann haben wir einen Nicht-Überlebenskampf, aber wir haben eine Erschwerung
[1:07:35] der Lebensbedingungen.
[1:07:36] Da muss man bitte noch mit hinzu bedenken, die Seychellen und auch die Malediven
[1:07:41] sind mit die reichsten afrikanischen Staaten, die wir haben.
[1:07:46] Das heißt, da gibt es schon noch eine Möglichkeit, so eine Art Puffereffekt
[1:07:51] aus der Nationalregierung heraus, aus dem Staatsbudget heraus zu machen.
[1:07:56] Das wäre für so einen Staat wie die Kumoren viel schwieriger,
[1:07:59] die selber ein least developed country sind. Also da muss man schon nochmal
[1:08:03] schauen, auf welchem Niveau haben wir wirtschaftliche Prosperität und wirtschaftliche Möglichkeiten.
[1:08:10] Nicht belegt ist, ob es tatsächlich stimmt, was oft behauptet wird,
[1:08:13] nämlich, dass die wohlhabende Mittelklasse auf den Malediven schon Apartments
[1:08:16] auf Sri Lanka gekauft hat, um dorthin im Notfall auswandern zu können.
[1:08:21] Ob das nur stimmt, weiß ich nicht, aber da soll anscheinend schon drüber nachgedacht
[1:08:25] werden, wenn wir hier nicht mehr bleiben können, wo gehen wir dann hin.
[1:08:32] Und damit sind wir am Ende unserer Reise durch den Indischen Ozean.
[1:08:36] Ein uralter Kulturraum, der viel mehr mit uns zu tun hat, als es auf den ersten
[1:08:40] Blick vielleicht scheint.
[1:08:42] Und wer jetzt überlegt, den Sommerurlaub auf einer dieser tropischen Inseln
[1:08:45] wie den Malediven zu verbringen, schaut euch vorher die Klimatabelle genau an.
[1:08:49] Denn da weht von Mai bis November der Südwest-Monsun und das bedeutet jede Menge Regen.
[1:08:55] Da macht Urlaub vielleicht nicht ganz so viel Spaß. Und wenn ihr jetzt noch
[1:08:58] mehr vom Indischen Ozean sehen wollt, Ende September 2026 nimmt Terra X euch
[1:09:03] in einer fünfteiligen Reihe mit zu den großen Ozeanen dieser Welt.
[1:09:07] Auch zum Indischen Ozean.
[1:09:09] Danke, dass ihr zugehört habt. Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Expertinnen
[1:09:12] und Experten. Und wenn ihr Feedback für uns habt, dann schreibt uns sehr gerne
[1:09:16] per Mail oder auf Terra X History bei Instagram.
[1:09:19] Wir freuen uns über eure Gedanken zur Folge, aber auch über neue Themenvorstege.
[1:09:23] Und wenn ihr wollt, dann hören wir uns wieder am 3. Juli 2026 zur nächsten Folge.
[1:09:28] Und da geht es dann um 250 Jahre amerikanische Revolution und die Unabhängigkeitserklärung von 1776.
[1:09:39] Dieser Podcast hier ist eine Produktion von Objektiv Media im Auftrag des ZDF.
[1:09:42] Die Autorinnen waren wie immer Janine Funke und Andrea Kahrt.
[1:09:46] Sie sind verantwortlich für Buch und Regie und für die technische Umsetzung
[1:09:49] und Gestaltung verantwortlich ist Sascha Schiemann.
[1:09:52] Redaktionen im ZDF hatten Katharina Kolvenbach und Arne Peisker.
[1:09:55] Ich bin Mirko Drotschmann, sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
[1:10:02] Und ganz zum Schluss haben wir noch einen Hörtipp für euch, nämlich den Podcast
[1:10:06] NS-Klicken von Menschen und Mördern. Dort gibt es neue Folgen.
[1:10:10] In der dritten Staffel stehen Biografien von Männern und Frauen im Vordergrund,
[1:10:14] die nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 aktiv an der Ermordung von Zivilisten,
[1:10:20] Kriegsgefangenen und den europäischen Juden beteiligt waren.
[1:10:23] Anhand von Quellen dieser Zeit verfolgen der Historiker Stefan Hörtler und meine
[1:10:27] Podcast-Kollegin Janine Funke die Lebenswege der Menschen, ihre Taten und die Netzwerke.
[1:10:32] Wie funktionierten Hierarchien? Gegenseitiges Fördern? Und wer profitierte vom
[1:10:36] Massenmord? Den Link zum Podcast findet ihr in den Shownotes.

Shows are listed from Apple Podcasts' charts and directory, and Podcast Index where it is used. Every show and episode belongs to its publisher and plays from the publisher's own feed; this site hosts none of them.
