# Die Geschichte der Raumfahrt: Mondlandung, Raumstationen und Sternen-Träume

An episode of [Terra X History - Der Podcast](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1585622346), 14 May 2026, 1 h 09 min.

Audio: https://cdn.julephosting.de/podcasts/1357-terra-x-history-der-podcast/244635-die-geschichte-der-raumfahrt-mondlandung-raumstationen-und-sternen-traeume.mp3?v=2

„Der Weltraum – unendliche Weiten“. Nicht nur begeisterte Trekkies können diesen Satz vermutlich problemlos mit „Wir schreiben das Jahr 2200“ ergänzen. Die Reisen des Raumschiffs Enterprise in „Star Trek“ sind Kult, Filme wie „Star Wars“ haben Filmgeschichte geschrieben. Doch egal, ob in Film, Fernsehserie oder Roman – der Weltraum übt offenbar auf sehr viele Menschen eine besondere Faszination aus. Und das ist nicht erst seit der ersten Mondlandung im Juli 1969 so. Schon vor 17.000 Jahren malten Menschen in den Höhlen von Lascaux auch Sterne an die Wände. Und der griechische Astronom Hipparchos beschrieb schon im Jahr 160 nach Christus eine fiktive Reise zum Mond. Doch erst nach dem zweiten Weltkrieg waren die technischen Entwicklungen soweit, dass ein Flug ins All immer realistischer wurde. Die Eroberung des Weltraumes begann mit dem russischen Satelliten Sputnik 1957. Und sie erlangte 2026 ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Artemis II – Mondmission der NASA. Ein Podcast über fiktive und echte Mondfahrten, über den ersten Deutschen im All und warum auch Weltraumschrott faszinierend sein kann. InterviewparterInnen: Bergita Ganse Alexander Geppert Alice Gorman Gerhard Thiele Matthias Koschnitzke Literatur • Ganse, Bergita/ Ganse, Urs (2017): Das kleine Handbuch für angehende Raumfahrer, Berlin, Springer. • GEOkompakt (2023): Aufbruch ins All. Staaten und Start-ups eröffnen eine neue Ära der Raumfahrt. Heft Nr. 74. • Geppert, Alexander C.T./Brandau, Daniel/Siebeneichner, Tilmann (2023): Militarizing Outer Space: Astroculture, Dystopia and the Cold War (Palgrave Studies in the History of Science and Technology), London, Palgrave Macmillan. • Geppert, Alexander C.T. (2018): Limiting Outer Space. Astroculture After Apollo, London Palgrave Macmillan. • Gorman, Alice (2019): Dr Space Junk vs the Universe: Archaeology and the Future, Cambridge, MIT Press. • Kepler, Johannes (2012): Der Traum oder Mond Astronomie - Somnium sive astronomia lunaris. Mit einem Leitfaden für Mondreisende von Beatrix Langner (Batterien), Berlin, Matthes & Seitz. • Koschnitzke, Matthias (2025): Orbital Signatures of Ultralight Scalars in Binary Black Holes, Hamburg. • Thiele, Gerhard/Thiele-Eich, Insa (2018): Astronauten: Eine Familiengeschichte, München, Komplett Media GmbH. • Osterhage, Wolfgang (2021): Die Geschichte der Raumfahrt. Berlin, Springer. Internetquellen • https://www.deutschlandfunk.de/steinzeitliche-sternbilder-wieviel-astronomie-steckt-in-100.html • https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/archaeologie/sternenkatalog-des-hipparchos-entdeckt-13376789 • https://www.deutschlandfunkkultur.de/kulturgeschichte-der-astrologie-das-wissende-laecheln-der-100.html • https://www.gutenberg.org/files/45858/45858-h/45858-h.htm • https://www.researchgate.net/publication/304811223_The_Placement_of_Lucian%27s_Novel_True_History_in_the_Genre_of_Science_Fiction • https://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2019/04/12/sternengeschichten-folge-333-wilhelm-herschel-und-die-bewohner-der-sonne/ • https://www.youtube.com/watch?v=DjbC0iKgYcs&t=100s • https://www.computerhistory.org/pdp-1/spacewar/ • Vortrag auf dem World Space Congress in Houston, 2002, zit. n. https://www.peta.de/themen/erster-hund-im-weltall/ • https://www.deutschlandfunk.de/start-von-sputnik-5-belka-und-strelka-die-hunde-astronauten-100.html • https://www.rmg.co.uk/stories/space-astronomy/michael-collinss-space-photo • https://www.dlr.de/de/forschung-und-transfer/projekte-und-missionen/iss • https://www.globalgrowthinsights.com/de/market-reports/space-tourism-market-115909 • https://correctiv.org/faktencheck/2025/05/07/blue-origin-wie-viel-co2-verursachte-katy-perrys-weltraumflug/ • https://www.youtube.com/watch?v=Lo7mR44sqCQ • https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Was_ist_Weltraummuell#:~:text=Der%20%E2%80%9EM%C3%BCllberg%E2%80%9C%20wird%20gr%C3%B6%C3%9Fer&text=Mit%20mathematischen%20Modellen%20haben%20die,gr%C3%B6%C3%9Fer%20als%20ein%20Millimeter%20sind. •…

## Transcript

[0:00] ZDF Und hier geht's.
[0:07] 10, 9, 8, 7, RS-25-Mitglieder, 8, 4, 3, 2, 1, Booster-Ignition und Lift-Off.
[0:21] Die Crew von Artemis II, jetzt für den Mond, die nächste große Veranstaltung beginnt.
[0:29] Das war der Start der Artemis II-Mission im April 2026.
[0:35] Drei Astronauten und eine Astronautin in einer Orion-Raumkapsel,
[0:40] angetrieben von einer Space-Launch-System-Rakete und rund 400.000 Kilometer vor ihnen, der Mond.
[0:47] Das erste Mal seit mehr als 50 Jahren haben sich Menschen wieder auf den Weg
[0:51] zum Erdtrawanten gemacht.
[0:57] Ja!
[1:11] Ich bin Birko Drotschmann, ihr hört Terra Existory, der Podcast.
[1:15] Und in dieser Folge stellen wir uns die Frage, warum wollte der Mensch irgendwann
[1:20] unbedingt in den Weltraum?
[1:22] Und wie hat er es am Ende tatsächlich geschafft?
[1:26] Wir Menschen interessieren uns schon seit Jahrtausenden dafür,
[1:28] was außerhalb der Erde existiert.
[1:30] Vermutlich haben die Menschen, die die berühmten prähistorischen Höhlenmalereien
[1:35] von Lascaux in Frankreich vor mindestens 17.000 Jahren erschufen,
[1:38] nicht nur Tiere an die Wände gemalt, sondern auch den Himmel beobachtet.
[1:42] Einige Tiersymbole könnten als Sternenbilder gedeutet werden.
[1:46] Auch der Lauf von Sonne und Mond fasziniert die Menschen schon seit vielen tausend Jahren.
[1:51] Frühe Bauern orientierten sich bei Ernte und Wettervorhersage vermutlich an den Gestirnen.
[1:55] Im mesopotamischen Ur führten rund 2000 Jahre vor Christus Priester genaue Aufzeichnungen
[2:02] über den Lauf der Planeten. Und der griechische Astronom Hipparchus soll schon 130 v. Chr.
[2:08] Den ersten Sternkatalog der Geschichte erstellt haben. Aber in den Weltraum
[2:12] zu reisen, das war auch für Gelehrte wie Hipparchus damals unvorstellbar.
[2:17] Denn der Himmel war Teil der göttlichen Welt. Astronomie, die Wissenschaft von
[2:21] Planeten und Sternen und Astrologie, also deren Deutung, gehörten zusammen.
[2:26] Für den griechischen Philosophen Aristoteles war klar, Wir müssen also annehmen,
[2:31] dass die Erde im Zentrum des Ganzen ruht.
[2:34] Viele antike Denker und Wissenschaftler dachten damals ähnlich.
[2:38] Die Erde war in ihrem geozentrischen Weltbild der Mittelpunkt des Universums.
[2:42] Um sie herum kreisten Mond, Sonne und Planeten auf perfekten Bahnen,
[2:47] eingebettet in unsichtbare Kristallsphären.
[2:51] Diese Vorstellungen regten auch die Fantasie von Dichtern an.
[2:55] Schon um 160 nach Christus schrieb der griechische Autor Lukian von Samosata
[2:59] eine Art Science-Fiction-Roman.
[3:02] In seinen wahren Geschichten geht es um eine Reise zum Mond.
[3:09] Plötzlich erfasste uns ein Wirbelwind, der unser Schiff herumwirbelte und uns
[3:14] etwa 3000 Stadien hoch in die Luft hob.
[3:17] Er ließ uns nicht wieder aufs Meer herab, sondern wir schwebten über dem Boden
[3:22] und wurden von einem mächtigen Wind fortgetragen, der unsere Segel prall füllte.
[3:28] So wurden wir sieben Tage und ebenso viele Nächte auf diese Weise dahingetrieben.
[3:33] Und am achten Tag erblickten wir ein großes Land in der Luft,
[3:38] einer leuchtenden Insel gleich, von runder Gestalt, wunderschön im Licht funkelt.
[3:45] Mit dieser fantastischen Reise zum Mond machte sich Lukian wohl auch über die
[3:49] Reiseberichte anderer Autoren der Zeit lustig, über deren Abenteuergeschichten
[3:54] und antike Mythen, die sie als vermeintlich wahre Geschichten verkauften.
[3:58] In Lukians Geschichte gab es Mondkriege im All, riesenhafte Spinnen und Soldaten
[4:04] mit Rüstungen aus Hülsenfrüchten.
[4:08] Diese Vorstellung, dass da oben vielleicht irgendjemand wohnt,
[4:11] hielt sich über Jahrhunderte. Noch im 18.
[4:14] Jahrhundert dachten Wissenschaftler darüber nach, ob die Sonne,
[4:17] der Mond oder andere Planeten bewohnt sein könnten.
[4:19] Die Idee von Sonnenbewohnern hielten viele für durchaus plausibel.
[4:24] Unter ihnen der deutsche Astronom Wilhelm Herschel. Er baute nachts Teleskope
[4:29] und entdeckte damit 1781 den Planeten Uranus.
[4:34] Herschel war überzeugt, die Sonne ist bewohnt. Seine Theorie war,
[4:39] unter ihrer heißen Oberfläche liege eine kühlere Schicht, wo Tiere oder Menschen leben könnten.
[4:45] Auch den Mond hielt er für von Lebewesen bevölkert.
[4:55] Aber selbst im 18. Jahrhundert war
[4:57] eine echte Reise zum Mond wie jetzt mit Artemis II für viele undenkbar.
[5:02] Der Erdrabant ist der nächste Nachbar in unserem Sonnensystem und man kann ihn
[5:06] mit bloßem Auge am Himmel sehen.
[5:08] Aber nicht nur die fehlende Technik, sondern auch das damals vorherrschende
[5:11] Weltbild standen einer Reise zum Mond entgegen.
[5:14] Für das Christentum etwa war der Himmel das Reich Gottes und die Erde das Zentrum der Schöpfung.
[5:19] Im ersten Buch der Bibel, der Genesis, steht...
[5:28] Wer das in Frage stellte, der zweifelte auch an der Kirche und den christlichen
[5:33] Glaubensvorstellungen.
[5:34] Das änderte sich erst allmählich im 16. Jahrhundert.
[5:38] Ein Kirchenbeamter namens Nikolaus Kopernikus saß in einem Turm im ostpreußischen
[5:43] Frauenburg und beobachtete Nacht für Nacht den Himmel.
[5:47] Irgendwann kam er zu einer Erkenntnis, die er selbst kaum zu veröffentlichen
[5:50] wagte. Denn er beobachtete, dass die Erde sich um die Sonne dreht.
[5:55] Nicht umgekehrt, wie man bisher angenommen hatte.
[5:58] Damit war auf einmal nicht mehr die Erde das Zentrum des Universums, sondern die Sonne.
[6:04] Schließlich scheinen wir die Sonne selbst in der Mitte des Weltalls regierend zu sehen.
[6:08] Als ob sie auf einem königlichen Thron sitze und die Familie der Planeten um sich versammle.
[6:16] Kopernikus hat sein Hauptwerk erst kurz vor seinem Tod im Jahr 1543 veröffentlicht,
[6:21] aus Angst vor den Reaktionen.
[6:23] Zu Recht, wie sich zeigen sollte. Die Kirche hat das Buch nämlich verboten.
[6:28] Wenige Jahrzehnte später nahm Galileo Galilei auch ein Teleskop und richtete es auf den Himmel.
[6:34] Galilei sah den Mond übersät mit Kratern, den Jupiter, um den viele kleine Monde
[6:39] kreisten und Galilei sah auch, dass Kopernikus recht hatte.
[6:44] Die Erde drehte sich tatsächlich um die Sonne und war somit nicht Mittelpunkt des Universums.
[6:50] Als er der Welt von diesen Sensationen berichtete, bekam auch er prompt Ärger mit der Inquisition.
[6:55] Der Prozess gegen Galileo Galilei war einer der berühmtesten in der Geschichte.
[7:00] Galilei wurde zu Hausarrest bis ans Lebensende verurteilt.
[7:05] Aber die neuen Erkenntnisse waren nicht mehr aus der Welt zu schaffen.
[7:10] Das Bild des Himmels hatte sich unwiederbringlich verändert.
[7:13] Der Kosmos wurde zu einer physikalischen Realität.
[7:17] Johannes Kepler, der zur gleichen Zeit die Gesetze der Planetenbewegung berechnete,
[7:21] ging dann sogar noch einen Schritt weiter.
[7:23] Er verfasste ein wissenschaftliches Science-Fiction-Werk.
[7:27] Somnium. Der Traum. Eine Reise zum Mond. Kepler stellte sich vor,
[7:32] wie sich ein Flug in den Kosmos wohl anfühlen würde.
[7:37] Diese Anfangsbewegung ist für ihn die schlimmste, denn er wird gerade so emporgeschleudert,
[7:42] als wenn er durch die Kraft des Pulvers gesprengt über Berge und Meere dahinflöge.
[7:49] Deshalb muss er zuvor durch Opiate betäubt und seine Glieder sorgfältig verwahrt
[7:54] werden, damit sie ihm nicht vom Leibe gerissen werden.
[7:57] So dann treffen ihn neue Schwierigkeiten, ungeheure Kälte sowie Atemnot.
[8:03] Keplers Vorstellungen haben natürlich mit der Realität heutiger Raumfahrten nichts zu tun.
[8:08] Für die Mondmission Atem ist 2 musste die vierköpfige Crew weder betäubt werden,
[8:13] noch litt sie unter Atemnot oder extremer Kälte.
[8:19] Integrity, es ist Zeit für ein Position Swap bei der Wendung.
[8:23] Wir bitten Reed und Jeremy zu Swapen Position und ich werde Ihnen noch einmal über Ihre SD-Card.
[8:30] Victor oder Christina, ich habe eine Wendung für die Kabin-Team, wenn Sie bereit sind.
[8:36] Was ist das eigentlich, der Weltraum? Und was ist eine Erdumlaufbahn?
[8:41] Und ab wann wird man schwerelos?
[8:44] Genau darüber haben wir mit dem Astro-Teilchen-Physiker Matthias Koschnitzke
[8:47] von der Universität Hamburg gesprochen.
[8:49] Und eins schon mal vorweg, es gibt nicht die eine Erdumlaufbahn,
[8:54] sondern, je nach Entfernung zur Erde, ganz viele.
[8:57] Aber um in den Erdorbit zu kommen, muss
[8:59] man auf jeden Fall erst einmal die Anziehungskraft der Erde überwinden.
[9:03] Und das funktioniert mit superschnellen Raketen.
[9:08] Im Prinzip geht es eben darum, sich so schnell um die Erde zu bewegen,
[9:12] dass man genauso schnell fällt, wie sich die Erde unter einem wegründet.
[9:15] Das ist genau das, was Satelliten machen.
[9:17] Es ist aber nicht so, dass es diese eine Erdumlaufbahn gibt,
[9:20] weil dieses Prinzip funktioniert theoretisch auf jeder Höhe.
[9:24] Wenn ich jetzt auf der Erdoberfläche diese Geschwindigkeit erreichen könnte,
[9:27] was wegen der Luftreibung nicht geht, dann rede ich da von der ersten kosmischen
[9:31] Geschwindigkeit oder im englischen Orbital Speed oder der Kreisbahngeschwindigkeit.
[9:35] Die sind hier in unserer Höhe sind es 7,9 Kilometer die Sekunde,
[9:40] da so in ungefähr 200 Kilometer Höhe ist es ein bisschen weniger,
[9:43] 7,8 Kilometer die Sekunde, das sind 28.000 kmh.
[9:47] So schnell ungefähr sind dann auch die Raketen beim Start.
[9:52] Schwerelosigkeit hat tatsächlich mit all dem gar nichts zu tun,
[9:55] weil schwerelos, das ist wirklich ein häufiges Missverständnis.
[9:58] Schwerelos ist man immer dann, wenn nichts der Gravitationskraft entgegenwirkt.
[10:03] Also wenn ich jetzt auf den Stuhl steige und vom Stuhl springe,
[10:06] bin ich auch kurz schwerelos.
[10:07] Und der einzige Grund, warum das eben auf so einer Raumstation dauerhaft so
[10:11] funktioniert, ist natürlich, weil die nicht auf den Boden fallen,
[10:14] sondern dauerhaft im Orbital.
[10:17] Was ist mit dem Weltraum und der Erde und dem Weltall? Und tatsächlich ist das
[10:21] ein bisschen ein semantischer Unterschied, der zu Recht Verwirrung aufruft.
[10:26] Also das, was wir so als allgemein vielleicht fachsprachlich das Universum bezeichnen
[10:30] oder umgangssprachlich das Weltall, da gehören wir natürlich dazu, auch als Teil der Erde.
[10:36] Und als Weltraum, das, was eben dann auch für die Raumfahrt interessant ist,
[10:39] ist der Raum zwischen den Himmelskörpern.
[10:41] Also zwischen den Planeten, zwischen den Monden, zwischen den Sternen.
[10:45] Wenn das Weltall unendlich ist, dann gibt es natürlich auch unterschiedlich viel Weltraum.
[10:50] Also ein Lichtjahr ist die Entfernung, die Licht in einem Jahr zurücklegt.
[10:55] Also Licht hat ja auch eine endliche Geschwindigkeit.
[10:57] Licht bewegt sich mit 300.000 Kilometern in der Sekunde.
[11:01] Das heißt, zum Mond braucht es eineinhalb Sekunden. von der Sonne.
[11:05] Das Sonnenlicht zu uns braucht knapp über acht Minuten.
[11:08] Der nächste Stern von der Sonne aus ist schon vier Lichtjahre entfernt und das
[11:12] Zentrum der Milchstraße 25.000 Licht,
[11:15] Wir sind ein sehr kleiner Teil in einer sehr riesigen Welt. Das erste Objekt,
[11:20] das Menschen dauerhaft in den Erdorbit befördert haben, war dieses hier.
[11:25] So hörten sich die Signale des sowjetischen Satelliten Sputnik 1 aus dem Jahr 1957 an.
[11:32] Als die US-amerikanischen Forschungskollegen diese Signale aus dem Weltraum
[11:37] empfingen, sollen sie angeblich geschockt gewesen sein. Denn die Sowjetunion
[11:41] hatte es als erste geschafft, einen Satelliten in eine Erdumlaufbahn zu bringen.
[11:47] Und unter anderem darüber spreche ich jetzt mit dem Weltraumhistoriker Alexander
[11:50] Gebhardt. Alexander, freut mich, dass du heute hier bei uns im Podcast bist.
[11:53] Herzlich willkommen. Hallo.
[11:54] Danke für die Einladung. Du schreibst in einem Aufsatz, der Weltraum war nicht
[11:58] immer da, sondern ist ein Produkt des 20.
[12:01] Jahrhunderts. Das klingt erstmal so ein bisschen paradox. Was meinst du denn
[12:04] damit mit dieser Aussage?
[12:06] Das ist natürlich ein bisschen provokativ gemeint, dass der Weltraum schon immer
[12:10] da war. Das weiß ich auf der einen Seite auch.
[12:12] Andererseits, die amerikanische Historiker, also die American Historical Association,
[12:16] hat den Leitspruch, anything has a history.
[12:19] Also alles hat eine Geschichte und der Weltraum hat auch eine Geschichte.
[12:22] Und die Idee ist, dass der Raum nicht immer da war, sondern gemacht worden ist,
[12:26] umkämpft, erdacht, ein ganz kleines bisschen erfahren, lange,
[12:31] lange vorgestellt. und hat sich dann vor allen Dingen im 20.
[12:34] Jahrhundert als sehr wirkmächtig entwickelt.
[12:37] Ob man sich sozusagen die Raumfahrt ansieht oder Satelliten,
[12:40] sogenannte unbemannte Raumfahrt oder die erdachte Raumfahrt in quasi Science-Fiction-Filmen,
[12:45] das sind alles sehr unterschiedliche Welträume.
[12:47] Die überlagern sich häufig, aber sind halt nicht deckungsgleich.
[12:51] Wann haben denn Menschen überhaupt damit begonnen, mit Raumfahrt zu experimentieren?
[12:55] Ich kann mir vorstellen, schon vor Hunderten von Jahren wollten die Menschen nach oben bewegen.
[12:58] Natürlich gibt es deutlich frühere Versuche mit Raketen und Feuerwerkskörpern,
[13:04] aber eigentlich beginnen Raumfahrtexperimente, was man nochmal darunter verstehen
[13:08] mag, erst im 20. Jahrhundert.
[13:11] Und was man unter Raumfahrtexperimenten versteht, gibt dann vor,
[13:15] welche Daten man da sozusagen nennen kann.
[13:18] Man könnte sagen, also in den 30er Jahren gibt es erste Experimente mit Flüssigbrennstoffen
[13:23] aus der Heeresversuchsanstalt in Kummersdorf.
[13:26] Ein Datum, was sehr häufig genannt wird, ist der 3.
[13:29] Oktober 1942, als die erste Aggregat 4 aus Benemünde 84,5 Kilometer hoch fliegt.
[13:36] Man kann über Alternativantworten nachdenken, je nachdem, wie man den Weltraum versteht.
[13:42] Und als Daten könnte ich zum Beispiel angeben, also der 15.
[13:46] Oktober 1929, deutlich früher. Das ist die Weltpremiere von Fritz Langs letzten
[13:51] Sturmfilm Frau mit Mond, der sehr einflussreich war. Man könnte auch verschiedene
[13:56] Daten anführen zwischen 42 und 46.
[14:00] Die würden quasi auf der einen Seite die technische Antwort,
[14:03] nämlich die erste A4, die quasi an der Grenze des Weltraums kratzt, ergänzen.
[14:09] In Klammern gesprochen, dass der Weltraum bei 100 Kilometern beginnt.
[14:14] Das ist völlig willkürlich.
[14:15] Das wird auch erst in den 50er Jahren festgelegt und in den 60er Jahren dann
[14:20] etabliert. Der Weltraum, das ist keine klare Grenze, sondern die Atmosphäre
[14:24] hört auf und das passiert bei 100 Kilometern.
[14:27] Wie mal Daumen, aber das ist kein Davor und Danach, das ist keine klare Grenze,
[14:31] die sogenannte von Karmann-Linie.
[14:33] Und man könnte also sagen, im Oktober 1942, weil halt die erste A4,
[14:39] die häufig in quasi Nazi-Terminologie, man auch als V2, also Vergeltungswaffe
[14:44] 2 bezeichnet wird, mit 84 Kilometern an den Weltraum kratzt.
[14:48] Über 1942 sprechen wir gleich noch genauer. Jetzt nochmal kurz einen Schritt
[14:52] zurück in die Weimarer Republik. Damals gab es in Deutschland ja auch Raketenvereine,
[14:56] da waren Ingenieure drin, da waren Science-Fiction-Fans drin und andere,
[14:59] die einfach ein bisschen rumexperimentiert haben.
[15:02] Welchen Einfluss hatten diese Vereine denn auf die Raketenforschung?
[15:05] Erstens gab es solche Raketenvereine nicht nur in Deutschland.
[15:11] Sondern auch in England.
[15:12] Die noch immer bestehende altehrwürdige British Interplanetary Society sei zu
[15:17] nennen, die American Rocket Society, die sich später umbenennt.
[15:21] Die ältesten Raketenvereine gab es in Russland und das wird sehr wichtig,
[15:25] dass das internationale Vereine sind, weil die sich sehr bald zusammenschließen.
[15:30] Und das Zweite ist, dass die durchaus in Großbritannien nicht,
[15:34] aber die fangen tatsächlich an, mit Raketen zu experimentieren.
[15:37] In Berlin gibt es einen auch altehrwürdigen Raketenflugplatz, also Villelet,
[15:42] einer der führenden oder zentralen Beteiligten in dem Verein für Raumschifffahrt,
[15:47] der hinterher Internationalkarriere macht, als quasi Pendant zu Werner von Braun
[15:52] in den Vereinigten Staaten.
[15:54] Der hat diesen Begriff erfunden und das sind fast alles ausschließlich Männer,
[15:58] da muss man nicht gendern, das sind wirklich junge, mittelalte Männer,
[16:02] die sich untereinander zusammenschließen, die Wissen generieren,
[16:07] die Zeitschriften gründen, die die ersten Konferenzen organisieren und die gleichzeitig
[16:12] sehr geschickt die verschiedenen Öffentlichkeiten bespielen.
[16:17] Konferenzen werden organisiert. 1951 in London wird die International Astronautical
[16:22] Federation begründet und die gibt es noch immer.
[16:24] Das geht alles zurück auf diese Raketenvereine, die quasi das Feld bespielen
[16:30] und aufmachen und sich sehr quasi vernetzen und international zusammenschließen
[16:34] und halt dieses Wissen generieren und auch Expertise.
[16:37] Das werden die Expertisen des Weltraumzeitleiters.
[16:39] Da schwingt natürlich auch sehr viel Begeisterung, Enthusiasmus mit in dieser Zeit.
[16:44] 1942, würde ich mal behaupten, hatte das nicht unbedingt mit Begeisterung und
[16:48] mit Experimentierfreude zu tun, sondern vor allem mit militärischen Nutzen,
[16:51] den man sich versprochen hat von dieser umgangssprachlich Vergeltungswaffe 2
[16:54] genannten Rakete. Du hast es vorhin schon kurz beschrieben.
[16:58] Warum haben die Nationalsozialisten so etwas entwickelt? Was war der Gedanke dahinter?
[17:01] Es wird häufig so getan oder argumentiert und das haben auch Werner von Braun
[17:06] und Konsorten danach sehr gerne getan.
[17:09] Ja, sie wollten eigentlich zum Mond, aber Mist, die Nazis haben sie gezwungen,
[17:14] eine Waffe zu bauen. Und die Raketentechnologie hat durch die Forschung und
[17:18] die Arbeiten in Penning-Mühne einen riesigen Schub gemacht, aber es ist in der Tat eine Waffe gewesen.
[17:23] Also es ist ein reines Rüstungsprojekt, eine sogenannte Wunderwaffe,
[17:26] von der man sich massive militärische Vorteile im Zweiten Weltkrieg erhoffte.
[17:31] Tatsächlich hat man sich dann ja nach dem Zweiten Weltkrieg dieser Experten
[17:36] bedient, die für die Nationalsozialisten tätig waren. Werner von Braun ist natürlich
[17:39] das bekannteste Beispiel.
[17:42] Da kann man sich natürlich schon fragen, gab es da gar keine moralischen Skrupel,
[17:45] dass die dann einfach an Programmen für die Vereinigten Staaten,
[17:48] zum Teil auch für die Sowjetunion gearbeitet haben?
[17:50] Oder gab es dann doch den anderen, der Bedenken hatte, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten?
[17:54] Nein, die Skrupe kam eigentlich entweder viel später oder gar nicht.
[17:59] Du sprichst auf die sogenannte Operation Paperclip oder Overcast an und in der
[18:03] Tat gab es da einen organisierten, riesigen Braintrain.
[18:07] Derjenige in die USA ist am besten bekannt und am meisten präsent auch in der Öffentlichkeit.
[18:13] Es gab auch Raketenexperten, die in die Sowjetunion mitgenommen wurden oder
[18:18] sozusagen exportiert wurden. Interessant ist, dass man quasi da eigentlich völlig
[18:23] skrupellos von dem deutschen Fortschritt auf dem Gebiet profitieren wollte.
[18:28] Erst waren es, glaube ich, sechs oder sieben zusammen mit von Braun.
[18:31] Im Endeffekt war das ein Team von 120 Spezialisten,
[18:35] die dann quasi in den USA eine gewisse Kernmannschaft aufbauten und dort das
[18:40] Raketenprogramm mithilfe von lokalen Experten aufbauten.
[18:43] Aber was häufig vergessen wird, ist, dass es nicht nur die Köpfe waren,
[18:48] Sondern auch Materialien. Es wurden, ich glaube, 300 Waggons voller Versatzstücke,
[18:54] V2s oder A4s oder quasi auch die Technik, die wurden mitgenommen und dann auch
[18:58] benutzt und gepimpt und quasi also nicht nur die Köpfe und das Wissen,
[19:03] sondern die Sachen auch.
[19:05] Also Skrupel tauchen erst sehr viel später auf, wenn überhaupt.
[19:10] In diesem Zeitalter gehen wir jetzt noch ein weiteres Stückchen nach vorne.
[19:16] 1957, da hat ein Satellit namens Sputnik die Welt in Schock versetzt,
[19:20] wobei man muss es präzise sagen, die westliche Welt in Schock versetzt.
[19:23] Da argumentiere ich eigentlich schon seit geraumer Zeit, dass das so ein bisschen Mythos quasi ist.
[19:30] Also der Begriff Sputnik-Schock, der fällt zu der Zeit ganz,
[19:35] ganz selten ein, zwei Mal und der setzt sich erst wie viel später durch.
[19:39] Man hat ja genau das studiert, stellt sich heraus, so richtig schockierend war
[19:47] das nicht oder schockierend trifft es nicht unbedingt.
[19:50] Die Eliten in den USA waren erstaunt, verärgert.
[19:55] Eisenhower selbst hatte einen solchen Satelliten schon 1955 angekündigt und
[20:01] dann kam die Sowjet dem zuvor. Es war auf jeden Fall ein Propagandaerfolg, das kann man sagen.
[20:06] Die Sowjetunion hat damit einen Punkt gelandet sozusagen.
[20:10] Die USA waren dann später dran, sprechen wir gleich noch genauer drüber.
[20:13] Aber erstmal die Frage, dieser Wettlauf im All, Space Race wurde das ja auch genannt.
[20:19] Wie wurde dieser Wettlauf genutzt von der Sowjetunion, von den USA als Bühne,
[20:24] um sich selbst zu präsentieren, als fortschrittliche Macht darzustellen?
[20:29] Was hat das für eine Rolle gespielt in dieser Zeit? Natürlich wurde der Wettlauf
[20:33] im All propagandistisch sehr stark genutzt.
[20:36] Das jeweilige System versuchte sich als das bessere System hervorzutun.
[20:42] Es gibt auch einen Wechselhauf um die sogenannten Space Firsts.
[20:45] Also wer hat die erste Frau im All? Wer hat den ersten Weltraamspaziergang?
[20:50] Also es gibt eine ganze Latte von Space Firsts, bei denen die Sowjetunion lange Zeit vorne liegt.
[20:57] Es werden Helden aufgebaut, die werden verkauft.
[21:00] Die Astronauten und Kosmonauten gehen weltweit auf Tour, auch jenseits der Systemgrenzen.
[21:08] Kosmonauten kommen nach Berlin. Gagarin wird nach London geschickt und wird
[21:12] dort von einer jubelnden Masse empfangen.
[21:15] Später werden Mondsteine auf auch globale Touren geschickt.
[21:18] Also die PR-Nutzung von den verschiedenen Space Firsts und den Errungenschaften
[21:23] im Weltraum, die werden sehr stark als politische Rühme genutzt.
[21:27] Und dann kommt es eben im Juli 1969 zu dem Ereignis schlechthin,
[21:32] wenn wir über dieses Thema sprechen, der Landung auf dem Mond.
[21:35] In vielerlei Hinsicht sensationell, auch weil hunderte Millionen Menschen das
[21:39] auf der ganzen Welt live verfolgen konnten.
[21:41] Was hat das bedeutet, diese Landung auf dem Mond? Und war damit dann alles vorbei?
[21:47] Also das Space Race war gewonnen von den USA?
[21:49] Natürlich ist das der vorläufige Höhepunkt der amerikanischen Weltraum-Exploration gewesen.
[21:58] Es hat sich aber anders ergeben. Der Moment hat anders gewirkt,
[22:02] als lange vorausgesagt war.
[22:05] Man ging davon aus, das sei quasi das neue Normale. Danach würden immer weitere Schritte folgen.
[22:10] Und das ist nicht der Fall gewesen. Also es war sozusagen nicht der Meilenstein,
[22:14] von dem man glaubte, dass er das sein würde, weil dann halt 1972 das Programm
[22:19] abbrach und die Planungen dafür nicht wirklich weit fortgeschritten waren.
[22:24] Das Apollo-Programm wurde ja 1972 abgebrochen und jetzt hat man mit Artemis
[22:28] II die Mondmission wieder aufgenommen.
[22:30] Erst der Mond und dann vielleicht demnächst der Mars?
[22:34] Wenn manche Raumfahrt sich ansieht, ja, in der Tat ist völlig unklar,
[22:38] ob es wirklich weitergeht und ob der Mars als nächstes ansteht.
[22:42] Das ist doch sehr teuer, wo es hingeht, das kann ich aber lange auch nicht sagen.
[22:46] Wenn es auf Elon Musk geht, dann werden wir in ein paar Jahren auf dem Mars
[22:49] Kolonien starten. Mal gucken.
[22:52] Gut, dass wir nicht über Elon Musk gesprochen haben, dann bräuchten wir noch
[22:56] mehr zurückhalten. Das machen wir dann beim nächsten Mal.
[23:00] Auf jeden Fall ganz herzlichen Dank für dieses Mal und für die Expertise zur
[23:04] Geschichte der Raumfahrt. Dankeschön. Dankeschön.
[23:08] Ja, und dieses Space Race, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs so richtig
[23:12] Fahrt aufgenommen hat, das schauen wir uns nochmal genauer an.
[23:15] Denn in den 1950er Jahren standen sich vor allem zwei große politische Lager gegenüber.
[23:22] Der kommunistische Ostblock mit der Sowjetunion an der Spitze und der kapitalistische
[23:26] Westen mit den USA als führender Großmacht.
[23:29] Vor allem die Supermächte Sowjetunion und USA wollten nicht nur auf der Erde
[23:34] zeigen, wer technologisch und vor allem militärisch führend war, sondern auch im All.
[23:39] Allerdings lag da lange Zeit die Sowjetunion eindeutig vorne.
[23:43] Nicht nur, dass die Sowjetunion mit Sputnik 1 1957 den ersten Satelliten ins
[23:48] All schoss, das beunruhnte die USA so sehr, dass kurz darauf die NASA gegründet wurde, sondern auch,
[23:53] dass mit Yuri Gagarin schon 1961 ein sowjetischer Kosmonaut als erster Mensch
[24:00] die Erde an Bord des Raumschiffes Vostok 1 umflog.
[24:04] Am 12. April 1961 startete Gagarin vom heutigen Kosmodrom in Baikonur auf eine
[24:11] Mission mit enormem Risiko.
[24:14] «Киатор!» «Я Золя-1! Как слышите меня?
[24:18] Буду вам транслировать команды! Прием!» «Понял! Вы же включите и отнесте свою работу!
[24:24] Самотенция отличная!» Gagarins Mission war erfolgreich und damals eine Weltsensation.
[24:39] Der sowjetische Kosmonaut hat übrigens den Begriff von der Erde als dem blauen Planeten geprägt.
[24:45] Denn Gagarin war der erste Mensch, der die Erde vom Weltraum aus betrachten
[24:49] konnte. Die USA haben daraufhin alles daran gesetzt, um aufzuholen.
[24:54] Schließlich ging es um die Vorherrschaft im Weltall.
[24:57] 1962 war in dem Zusammenhang ein ganz besonderes Jahr.
[25:01] Im Februar hatte John Glenn gerade als erster Amerikaner die Erde umkreist,
[25:06] und zwar bei der Mercury Atlas Six Mission.
[25:09] Es gab weltweit so etwas wie einen Weltraumfieber.
[25:14] Cambridge, Massachusetts, Frühjahr 1962.
[25:19] Am Massachusetts Institute of Technology, dem MIT, gibt es einen nagelneuen Computer.
[25:25] Der PDP-1 der Digital Equipment Corporation.
[25:28] Ein Gerät, so groß wie ein Kühlschrank, mit einem runden Bildschirm wie ein Bullauge.
[25:33] Die Firma hat dem MIT den Computer gestiftet. Für Bildungszwecke.
[25:39] Am Computer sitzt seit Monaten der Programmierer Steve Russell.
[25:43] Er tüftelt an einem der ersten digitalen Computerspiele der Geschichte.
[25:49] In Space War gibt es zwei Raumschiffe und einen Stern in der Mitte,
[25:54] dessen Schwerkraft alles anzieht.
[25:56] Jeder Spieler steuert sein Schiff und versucht, das andere zu vernichten.
[26:00] Russells neues Computerspiel entspringt dem damaligen Zeitgeist.
[26:08] Der Space Race war damals sehr präsent in den Nachrichten.
[26:12] Und so warb ich für die Idee, dass man doch eine Art Raumschifftrainer dafür bauen könnte.
[26:17] Also, dass jemand ein Programm schreiben könnte, um Menschen beizubringen,
[26:21] wie man ein Raumschiff fliegt.
[26:23] Und man könnte diesen Computer dafür nutzen. Das würde doch Spaß machen.
[26:30] Space War wird zu dem Computerspiel der Zeit. Also zumindest für diejenigen,
[26:35] die einen PDP-1-Computer haben.
[26:37] Den Programmiercode gibt es als Open Source auf Papierstreifen.
[26:41] Bald spielen Studenten und Programmierer an Universitäten quer durch die USA Krieg im All.
[26:48] Von einem Krieg im All war damals
[26:51] von offizieller US-amerikanischer Seite natürlich noch nicht die Rede.
[26:54] Diese Idee kam erst sehr viel später auf. Und zwar 1983, als US-Präsident Ronald Reagan am 23.
[27:02] März die Strategic Defense Initiative vorstellte, kurz SDI.
[27:07] Ein Forschungsprojekt, das ein weltraumgestütztes Raketenabwehrsystem entwickeln sollte.
[27:12] Das SDI-Programm wurde 1993 unter Präsident Bill Clinton formal eingestellt
[27:17] und in ein deutlich kleineres Raketenabwehrprogramm überführt, ohne Weltraumwaffen.
[27:22] Im September 1962 jedenfalls ging es in den USA erst einmal darum,
[27:27] die Menschen für den Weltraum zu begeistern.
[27:30] Und aus diesem Grund hielt John F. Kennedy, der damalige Präsident an der Rice
[27:34] University in Houston, seine heute berühmte Rede.
[27:41] Einige sagen, warum ausgerechnet der Mond? Warum wählen wir ihn als unser Ziel?
[27:47] Und sie könnten genauso fragen, warum den höchsten Berg besteigen,
[27:51] warum vor 35 Jahren den Atlantik überfliegen.
[27:55] Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt zum Mond zu fliegen und andere Dinge zu tun.
[28:00] Nicht, weil sie leicht sind, sondern weil sie schwer sind.
[28:09] Kennedys Rede entsprach dem Zeitgeist der 1960er Jahre.
[28:13] 1966 startete im US-amerikanischen Fernsehen eine Serie, die das Bild vom Weltall
[28:19] für Generationen prägen sollte.
[28:21] Star Trek. Captain Kirk und seine Crew erkundeten auf Raumschiff Enterprise
[28:25] die Galaxien. Eine Utopie der Zukunft.
[28:28] Und auch George Lucas ließ sich von der Raumfahrteuphorie inspirieren.
[28:33] 1977, genau in dem Jahr, in dem auch die Raumsonden Voyager 1 und 2 starteten,
[28:38] kam der erste Film von Star Wars in die Kinos.
[28:42] Parallel zur Popkultur arbeitete die Wissenschaft mit Hochdruck daran,
[28:46] Lösungen zu finden, wie man Menschen sicher ins All bringt.
[28:49] Und vor allem sicher wieder zurück zur Erde.
[28:52] Aber bevor der erste Mensch in der bemannten Raumfahrt mit einer Rakete in den
[28:56] Weltraum geschossen wurde, gab es viele Experimente mit unbemannten Raumfahrzeugen.
[29:01] Alles Mögliche wurde ins All befördert. Satelliten, Sonden, Roboter.
[29:05] Es wurden Milliarden in die Weltraumforschung gesteckt.
[29:11] Die ersten Lebewesen, die an Bord eines Raumschiffes dann die Erde in Richtung
[29:15] All verließen, waren Tiere.
[29:17] Fruchtfliegen machten 1947 den Anfang. Dann, im Juni 1948, versuchte die NASA,
[29:24] das erste Säugetier in den Weltraum zu schießen, und zwar an Bord einer V2-Rakete.
[29:30] Rhesusaffe Albert I. ist vermutlich erstickt. Aufzeichnungen darüber gibt es
[29:36] keine, wohl aber über seine Nachfolger, Albert II.
[29:39] Dieser Rhesusaffe war das erste Säugetier im Weltall. Er überlebte zwar den
[29:44] Flug, starb aber leider dann beim harten Aufprall.
[29:48] 1957 legten dann die Sowjets nach, und zwar mit der Hündin Laika,
[29:52] die traurige Berühmtheit erlangte.
[29:54] Sie wurde nämlich mit dem Satelliten Sputnik 2 in die Erdumlaufbahn geschossen
[29:58] und starb an Überhitzung.
[30:00] Eine Rückkehr war von Anfang an auch gar nicht geplant.
[30:03] Alek Gassenko war damals einer der leitenden Wissenschaftler und sagte 2002
[30:07] auf einem Kongress, Je mehr Zeit vergeht, desto mehr tut es mir leid.
[30:12] Wir haben durch die Mission nicht genug gelernt, um den Tod des Hundes zu rechtfertigen.
[30:18] 1960 wagten die Sowjets dann einen neuen Versuch. Dieses Mal an Bord von Sputnik V.
[30:24] Die Hündinnen Belka und Strelka, Mäuse, Ratten und Fliegen. Alle kehrten wohlbehalten zur Erde zurück.
[30:32] Die beiden Hündinnen waren die ersten Säugetiere, denen das vergönnt war.
[30:36] Sie lieferten wichtige Erkenntnisse für die spätere bemannte Raumfahrt.
[30:39] So wie auch 1961 der Schimpanse Ham, den die US-Amerikaner auf einen suborbitalen
[30:46] Flug bis in rund 250 Kilometer Höhe schickten.
[30:49] Die sowjetische Hündin Strelka wurde übrigens noch aus einem anderen Grund berühmt.
[30:54] Denn nach dem Flug bekamen sie sechs Welpen.
[30:58] Und der damalige Parteichef der sowjetischen kommunistischen Partei,
[31:02] Nikita Khrushchev, schenkte einen
[31:04] davon Caroline Kennedy, der Tochter des damaligen US-Präsidenten John F.
[31:09] Kennedy. Diese Hündin paarte sich dann mit dem Kennedy-Hund Charlie und bekam wiederum vier Welpen.
[31:15] John F. Kennedy soll sie im Scherz dann als Pupnicks bezeichnet haben.
[31:18] Eine Wortneuschöpfung aus dem Englischen Puppy für Welpe und Smootnik.
[31:26] Die Crew der Artemis II Missionen flog im April 2026 nur am Mond vorbei.
[31:32] Aber nachfolgende Missionen sollen irgendwann wieder auf dem Mond landen. wie damals am 21.
[31:39] Juli 1969, als der erste Mensch den Mond betrat.
[31:53] Kommandant Neil Armstrong von der Apollo 11 schrieb Weltgeschichte.
[31:58] Millionen verfolgten die erste Mondlandung damals am Fernseher.
[32:02] Alles noch in schwarz-weiß.
[32:03] Auch der Pilot der Mondlandefähre, was Aldrin
[32:06] hinterließ mit seinen dicken Raumfahrerschuhen Abdrücke im Mondstaub.
[32:10] Nur der dritte der Crew, Michael Collins, Pilot der Kommandokapsel, musste an Bord bleiben.
[32:16] 21 einsame Stunden lang.
[32:20] Ich bin jetzt hier alleine. Wirklich alleine und vollkommen abgeschnitten von allem Leben.
[32:26] Dann griff Michael Collins zur Kamera. Ihm verdanken wir eine der spektakulärsten
[32:32] Aufnahmen von der Erde, wie sie aus dem Dunkeln des Weltraums auslösen.
[32:36] Er folgte damit seinem Astronautenkollegen William Enders von Apollo 8,
[32:40] der gut ein halbes Jahr zuvor schon ein ähnliches Foto geschossen hatte.
[32:44] Beide Fotos vom Erdaufgang über dem Mond, dem Earthrise, sind heute Ikonen der Fotografie.
[32:52] Die US-Amerikaner haben ihr Apollo-Programm bereits 1961 begonnen.
[32:57] Zuvor hatte es schon einfache Raumflüge gegeben. Es gab Rückschläge und Unfälle.
[33:01] Wie zum Beispiel bei Apollo 1. Während eines Tests im Januar 1967 in Cape Canaveral
[33:07] geriet die Raumkapsel in Brand. Alle drei Crewmitglieder starben.
[33:12] Erst im Oktober 1968 unternahm die NASA mit Apollo 7 dann wieder einen bemannten
[33:18] Raumflug, nachdem man ein technisch besseres Apollo-Raumschiff hatte bauen können.
[33:22] Und mit der ersten Mondlandung 1969 hatten die USA jetzt im Space Race wieder die Nase vorne.
[33:29] Übrigens ging auch Apollo 13 in die Geschichte ein. Allerdings lautete der Funkspruch
[33:33] von Astronaut John Swigert am 13.
[33:36] April 1970 etwas anders, als die meisten von euch ihn vermutlich kennen.
[33:44] Wegen eines explodierten Sauerstofftanks musste diese Mondmission damals abgebrochen werden.
[33:49] Alle Astronauten kehrten glücklicherweise unversehrt zur Erde zurück.
[33:54] 1972 wurde das Apollo-Programm beendet. Insgesamt 27 Menschen hat die NASA zum Mond geschickt.
[34:00] Zwölf durften ihn tatsächlich betreten.
[34:02] Der letzte Mensch auf dem Mond war Eugene Cernan im Dezember 1972 mit Apollo 17.
[34:09] Dann war es mit der Mondeuphorie erst einmal vorbei.
[34:13] Interessant ist, dass es mitten im Kalten Krieg ausgerechnet der Weltraum war,
[34:18] in dem Zeichen der Entspannung und des Friedens gesetzt wurden.
[34:21] Und zwar am 17. Juli 1975.
[34:25] Da kam es nämlich in 230 Kilometern Höhe zu einem legendären Treffen einer amerikanischen
[34:32] Apollo-Kapsel und eines sowjetischen Soyuz-Raumschiffes.
[34:35] Die beiden Raumschiffe koppelten aneinander und der Astronaut Dex Leighton zeigte
[34:40] sich dann eng umschlungen mit dem Kosmonauten Alexei Leonov für die Kameras.
[34:45] Die Botschaft der beiden war klar.
[34:47] Im Weltraum gibt es weder Grenzen noch Konflikte.
[34:53] Mir, einem Bürger der Deutschen Demokratischen Republik, ist als ersten Deutschen
[35:00] die große Ehre zuteil geworden,
[35:02] mit dem sowjetischen Raumschiff Soyuz 31 und der Orbitalstation Salut 6 im Kosmos zu fliegen.
[35:11] Meldet Sigmund Jähn, Kosmonaut und Generalmajor der Nationalen Volksarmee am 26.
[35:17] August 1978 an das sowjetische Kontrollzentrum.
[35:22] Seit 1976 war Jähn im Sternenstädtchen bei Moskau im Rahmen des sowjetischen
[35:27] Interkosmos-Programms ausgebildet worden. An diesem 26.
[35:31] August ist er nun zusammen mit Valery Bikowski auf dem Weg zur Raumstation Salyut
[35:37] 6, auf der zwei Kosmonauten auf die beiden schon sehnsüchtig warten.
[35:41] Mit an Bord auch Tuben voller Cognac. Das war eine symbolische Menge.
[35:46] Das war vielleicht ein kleines bisschen auch der russischen Mentalität entsprechend.
[35:51] Wir haben dann an mehreren Tagen nacheinander zu viert einen wünsigen Schlag,
[35:56] wenn man das so sagt, genommen.
[35:58] Wobei sich Jan bei der Zahl der Crewmitglieder vertut. Denn eigentlich sind sie zu sechst.
[36:03] Auch das Sandmännchen und die Holzpuppe Mascha gehören dazu.
[36:07] Eine besondere Überraschung haben wir für unsere Kinder in der Deutschen Demokratischen
[36:12] Republik vor nicht. All so lange Zeit hat der Sandmann bei uns festgemacht.
[36:17] Aber die größte Überraschung war die, dass er sich mit Mascha sehr gut bekannt gemacht hat.
[36:22] Die erste Hochzeit, die es im Weltraum festgegeben hat.
[36:27] Sigmund Yen ist sieben Tage, 20 Stunden und 49 Minuten im All.
[36:32] Er wird als Held der DDR und der Sowjetunion gefeiert.
[36:36] Allerdings damals nur im Osten. Die westdeutsche Zeitung Die Welt lästert über
[36:40] ihn noch als Mit Escher in der Russenrakete.
[36:43] Den Titel Erster Deutscher im All kann ihm trotzdem niemand mehr nehmen.
[36:49] Sigmund Jens Landung in der Raumkapsel in der kasachischen Steppe war übrigens
[36:53] unerwartet hart, weil eine Windböe den Landefallschirm erfasst und über den
[36:57] harten Steppenboden geschleift hat.
[36:59] Jens hatte danach bleibende Wirbelsäulenprobleme. Die Geschichte der Raumfahrt
[37:03] ist voll von solchen missgeschicken und ungeplanten Komplikationen,
[37:07] die meist für die Raumfahrer und Raumfahrerinnen aber Gott sei Dank glimpflich ausgegangen sind.
[37:12] Es gibt aber auch eine Reihe spektakulärer Unfälle, die für die Crews tödlich endeten.
[37:18] Und das gilt sowohl für die Sowjetunion als auch für die USA.
[37:24] Es ist eiskalt in Florida an diesem 28. Januar 1986.
[37:30] Keine guten Bedingungen für einen Start. Die Raumfähre Challenger soll heute
[37:34] trotzdem in den Weltraum abheben.
[37:36] Mehrfach ist der Start schon verschoben worden.
[37:49] Es soll der zehnte Flug der Raumfähre werden. An Bord eine siebenköpfige Crew.
[37:54] Sie soll unter anderem einen Kommunikationssatelliten aussetzen.
[37:58] Auch die Grundschullehrerin Christina McAuliffe gehört zu der Besatzung.
[38:02] Sie soll vom Weltraum aus live als Space Teacher Unterricht geben.
[38:06] Dann kommt es zur Katastrophe.
[38:13] Nur 73 Sekunden nach dem Start zerbricht die Challenger in 15 Kilometer Höhe.
[38:20] Alle sieben Besatzungsmitglieder kommen ums Leben. Vermutlich haben mehrere
[38:24] Dichtungsringe an einer der
[38:26] seitlich angebrachten Feststoffraketen versagt und zur Explosion geführt.
[38:32] Das Unglück der Challenger war eines der schwersten in der Geschichte der Raumfahrt.
[38:37] Danach durften keine Shuttles mehr starten.
[38:40] Erst im Herbst 1988 hob mit der technisch verbesserten Discovery wieder ein
[38:45] Space Shuttle ab in den Weltraum.
[38:47] Dann ging es viele Jahre gut, bis es im Februar 2003 erneut zu einem schweren Unglück kam.
[38:53] Die Raumfähre Columbia brach bei ihrem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre auseinander.
[38:58] Auch dabei starben alle sieben Besatzungsmitglieder. Und ich frage mich natürlich,
[39:03] fliegt die Angst immer mit?
[39:05] Auch wenn solche Unglücke in der Geschichte der Raumfahrt natürlich eher selten waren?
[39:10] Und unter anderem darüber spreche ich jetzt mit Gerhard Thiele.
[39:12] Er ist nicht nur ein echter Astronaut, sondern er hat auch bei der Europäischen
[39:16] Raumfahrtagentur ESA Astronauten und Astronautinnen ausgebildet.
[39:21] Gerhard, schön, dass du heute hier bei uns im Podcast bist. Hallo Mirko.
[39:24] Ich habe neulich den Start von Artemis gesehen und ich muss sagen,
[39:28] ganz ehrlich, ich hätte mich da nicht reingesetzt, auch wenn da sicher alles
[39:31] total technisch ausgetüftelt war.
[39:33] Aber so ein Raumschiff mit Raketenantrieb, das ringt mir dann doch Respekt ab.
[39:38] Wer setzt sich denn da freiwillig rein?
[39:40] Ja, ich zum Beispiel. Ich wäre gerne mitgeflogen, aber man hat mich nicht gefragt.
[39:45] Du wärst tatsächlich nochmal eingestiegen? Ja, natürlich. Also der Mond wäre
[39:50] schon etwas, was mich sehr faszinieren würde.
[39:53] Vor allen Dingen, weil man in einer überschaubaren Zeit zurück ist.
[39:56] Das ist dann bei einer Reise zum Mars dann doch etwas anders.
[39:59] Jetzt ist es aber schon so, dass da ja zumindest theoretisch auch was schief gehen kann.
[40:05] Fliegt denn nicht auch die Angst mit, gerade zu Beginn, dass da jetzt irgendwas
[40:09] Explodiertes nicht explodieren sollte?
[40:11] Es ist schon so, dass man natürlich daran denkt, dass es Unwägbarkeiten gibt,
[40:16] auf die man am Ende noch nicht mal einen Einfluss hat.
[40:18] Wir trainieren zwar für viele Vorfälle, aber wenn man sich die Geschichte der
[40:23] Raumfahrt anguckt, dann sind die Unglücke mit Dingen passiert,
[40:27] die wir nicht trainiert haben, weil es eben Dinge waren, mit denen wir nicht
[40:31] gerechnet haben, dass sie so eintreten.
[40:34] Also meine Herangehensweise an diese Sache ist meine ganz persönliche.
[40:39] Ich muss mir einmal die Frage stellen, willst du das machen,
[40:42] ja oder nein? Und bist du bereit, das Risiko zu tragen, ja oder nein?
[40:46] Und wenn ich mir das mit Ja beantwortet habe, dann kann ich mir die Frage nicht
[40:50] jedes Mal beim Aufstehen erneut vorlegen.
[40:53] Und wenn ich das tue, dann weiß ich, dass ich sie offensichtlich falsch beantwortet
[40:56] habe. Das war aber bei mir nicht der Fall.
[40:58] Und deswegen würde ich auch jetzt auf einem Weg zum Mond nochmal mitfliegen, ganz klar.
[41:05] Vielleicht ergibt sich ja nochmal eine andere Gelegenheit. Das erste Mal,
[41:08] dass du auf dem Weg ins All warst, ist schon eine Weile her.
[41:11] Das war im Jahr 2000 mit dem Space Shuttle Endeavour.
[41:13] Was ging dir denn in dem Moment durch den Kopf, als die Triebwerke gezündet haben?
[41:18] Als die Triebwerke zündeten, das weiß ich gar nicht, was mir durch den Kopf
[41:21] gegangen ist, weil ich eine Aufgabe hatte. Ich musste nämlich verschiedene Instrumente
[41:25] in einer bestimmten Reihenfolge beobachten und gucken, ob sich die Werte so
[41:29] verändern, wie wir das aus dem Training her kannten.
[41:32] Und deswegen kann ich nicht mal beantworten, was mir bei der Zündung der Triebwerke
[41:37] durch den Kopf gegangen ist.
[41:40] Etwas später hatte ich Gedanken, oh, wir sind tatsächlich unterwegs.
[41:45] Aber ob das jetzt 10 Sekunden oder 30 Sekunden gewesen ist oder sogar noch länger,
[41:51] das kann ich gar nicht mal sagen. Aber wie ist das denn?
[41:53] Man trainiert das natürlich sehr, sehr lange. Du hast das ja gerade auch schon beschrieben.
[41:56] Und dann ist man aber tatsächlich im All.
[41:59] Kann man sowas überhaupt trainieren? Und wann ist dir dann bewusst geworden,
[42:02] okay, jetzt bin ich tatsächlich hier oben, jetzt ist das echt,
[42:04] jetzt ist das kein Training mehr?
[42:06] Wann realisiert man das und was geht einem dabei durch den Kopf?
[42:08] So richtig realisieren tut man das in einem Moment, wo man Pause hat und Abstand
[42:14] von dem normalen Betrieb haben kann.
[42:17] Und das war bei mir eher nach drei, vier Tagen der Fall.
[42:23] Ich wusste natürlich kognitiv, ich bin im All, aber ich war sofort mit Aufgaben zugeschüttet.
[42:28] Die allererste war, das Shuttle saß ja seitlich auf einem Tank.
[42:32] Diesen Tank zu fotografieren, um zu gucken, hat der Tank Beschädigungen,
[42:38] zeigt der abgefallenen Schaumstoff, der möglicherweise das Shuttle beschädigt hat.
[42:43] Also wir wussten um diese Gefahr oder Sorge.
[42:47] Und ich weiß noch ganz genau, wie ich das allererste Mal die Erde gesehen habe.
[42:52] Ich habe die Kamera mit einer 800-Millimeter-Linse in der Hand,
[42:56] also ein ziemlich großes Ungetüm.
[42:58] Überprüfe nochmal die Einstellungen und sage Kevin unserem Commander pull up,
[43:04] pull up pull up, das heißt er musste die Nase des Schattels immer weiter hoch nehmen,
[43:08] sodass die Erde langsam von unten in mein Blickfeld rutschen konnte und der
[43:13] erste Gedanke war wie im IMAX Kino,
[43:16] weil ich war auf meine Kamera konzentriert und wollte den Tank nicht aus den
[43:21] Augen verlieren und habe die Erde so nebenbei wahrgenommen das stand nicht im Fokus
[43:26] Kino ist ein ganz gutes Stichwort. Ich habe gelesen, bevor du an Bord durftest,
[43:30] musstest du dir alle Folgen von Star Wars anschauen. Stimmt das denn?
[43:34] Das ist richtig. Zum Glück gab es damals nur drei, die Folgen vier, fünf und sechs.
[43:38] Und in der Quarantäne, die sieben Tage vor dem Start begonnen hat,
[43:43] hat Kevin herausbekommen, dass ich Star Wars gar nicht kannte.
[43:47] Und dann sagte er, no one enters my spaceship who hasn't seen Star Wars.
[43:52] Also niemand kommt an Bord, der nicht Star Wars kennt. Und dann musste ich in
[43:57] den restlichen Tagen der Quarantäne alle drei damals verfügbaren Folgen unter
[44:02] Aufsicht angucken, damit ich nicht einfach die Kassette einlege und dann den Raum verlasse.
[44:07] Jetzt hattet ihr natürlich eine ganz andere Mission als die Besatzung bei Star
[44:10] Wars. Was war denn das Ziel eurer Mission damals?
[44:13] Unsere Aufgabe war es, die Erde neu zu vermessen. Das war auch eine spannende
[44:17] Aufgabe, weil man nicht damit gerechnet hat, dass das tatsächlich im Vordergrund
[44:21] stehen könnte im ausgehenden 20. Jahrhundert, bald 21.
[44:26] Jahrhundert. Aber tatsächlich war es so, dass die Erde zu diesem Zeitpunkt nicht
[44:31] der am besten bekannte Himmelskörper unseres Sonnensystems war.
[44:36] Das war damals der Mars gewesen und deswegen haben wir sie komplett neu vermessen
[44:41] und ein sogenanntes digitales dreidimensionales Höhenmodell der Erde erstellt.
[44:48] Und das ist das erste Mal gewesen, dass dieses geschehen ist.
[44:51] In der Zwischenzeit haben die Wissenschaftler andere Methoden entwickelt und
[44:55] verfeinern das Konzept immer weiter.
[44:58] Etwas, was du bestimmt schon hundertmal erzählen musstest, aber das natürlich
[45:01] einfach interessant ist, ist, wie das denn mit den alltäglichen Dingen da oben
[45:04] ist. Essen, Trinken, Schlafen und auf die Toilette gehen.
[45:07] Bei der aktuellen Atemist-Mission gab es ja zwischendurch mal Probleme mit der
[45:10] Toilette. Mal ganz banal gefragt,
[45:12] wie funktioniert das denn in der Schwerelosigkeit, wenn man mal muss?
[45:15] Also die ganz banale Antwort ist, das sogenannte kleine Geschäft ist vergleichsweise einfach.
[45:20] Man hat einen Staubsauger, in den man hineinpinkelt und das wird dann abgesaugt.
[45:26] Und für das andere, da empfehle ich die Sendung mit der Maus.
[45:30] Da gibt es ein wunderschönes Video, das das sehr genau beschreibt,
[45:33] wie das auf dem Shuttle funktioniert hat.
[45:35] Bei der Artemis ist es hoffentlich ein bisschen weiterentwickelt,
[45:39] sodass es noch etwas angenehmer ist.
[45:41] Das kenne ich gar nicht so genau, aber die Toilette ist tatsächlich etwas,
[45:47] was von der Crew allgemein mit Argus-Augen beobachtet wird und sorgsam betreut wird.
[45:53] Denn wenn man nicht mehr seine normalen Geschäfte verrichten kann,
[45:59] dann ist das schon eine sehr unschöne Situation.
[46:03] Dann kommen wir mal zu den eher appetitlicheren Dingen, nämlich zum Essen,
[46:06] wobei ich nicht weiß, ob das wirklich appetitlich ist, was man da oben bekommt.
[46:09] Was hat dir am meisten gefehlt und gab es irgendwas, was dir denn doch mehr
[46:12] geschmeckt hat, als du es gedacht hättest?
[46:14] Also mir hat alles sehr, sehr gut geschmeckt, muss ich sagen.
[46:17] Aber ich bin jemand, der generell Essen mag und es kaum etwas gibt, was ich nicht mag.
[46:23] Das amerikanische Essen war okay.
[46:27] Am meisten mochte ich tatsächlich Shrimp Cocktail, weil der eine sehr scharfe
[46:32] Meerrettichsoße hatte.
[46:34] Und davon hätte ich gerne mehr gehabt als von anderen Dingen.
[46:39] Unsere Mission dauerte elf Tage und jede Mission hat zwei Reservetage,
[46:45] weil nicht notwendigerweise das Shuttle auch an dem vorgesehenen Zeitpunkt landen
[46:51] kann aufgrund von Wetterbedingungen.
[46:52] Und deswegen hatten wir also für 13 Tage Essen an Bord und ich hatte das gesamte
[46:58] Essen, das ich für mich 13 Tage mitbekommen hatte, das waren die Beutelchen
[47:03] mit dem blauen Punkt, hatte ich nach acht Tagen verspeist.
[47:07] Okay, das scheint wirklich geschmeckt zu haben. Vielleicht ein bisschen auch
[47:10] so wie mit dem berühmten Tomatensaft im Flugzeug, der nur dort schmeckt und
[47:13] auf der Erde überhaupt nicht.
[47:15] Man soll ja auch in gewissen Höhen anders schmecken als auf der Erde.
[47:19] Und das ist, glaube ich, sehr viel näher an der Wahrheit, als man glauben könnte.
[47:24] Irgendwann war es dann vorbei, du bist wieder zurück auf der Erde gewesen.
[47:27] Was war das für ein Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben?
[47:30] Am Anfang natürlich etwas ungewohnt.
[47:32] Man geht etwas unsicher auf den Beinen.
[47:36] Denn unser menschliches System
[47:38] ist phänomenal in der Konzentration auf die Dinge, die wir brauchen.
[47:44] Und was man im All nicht braucht, ist das Gleichgewichtssystem.
[47:48] Und wenn man dann zurückkommt, dann fehlt das im ersten Moment.
[47:52] Also man steht etwas unsicher auf den Beinen.
[47:55] Auch die Muskulatur hat natürlich bei elf Tagen nicht so viel,
[47:59] aber ein klein wenig doch eingebüßt. Und deswegen ist es etwas schwieriger, sich fortzubewegen.
[48:07] Aber man lernt das jedenfalls bei Kurzzeitflügen doch relativ schnell wieder.
[48:13] Was mich doch sehr interessieren würde ist, du warst ja Teil einer internationalen
[48:17] Crew, es war ein gemischtes Team, zwei Astronautinnen gehörten auch zu dieser
[48:21] sechsköpfigen Mannschaft.
[48:22] Frauen sind trotzdem nach wie vor in der Minderheit.
[48:25] Jetzt ist es sehr interessant, dass auch deine Tochter Insa Astronautin ist,
[48:29] sie wartet noch auf ihren ersten Raumflug.
[48:31] Als sie zu dir kam und gesagt hat, ich möchte Astronautin werden,
[48:34] was ging dir da durch den Kopf und wann war das?
[48:37] Ich weiß es gar nicht mehr so genau. Sie hat mir das in dieser Form auch gar
[48:40] nicht gesagt, ich möchte Astronautin werden.
[48:42] Das erste Mal, dass ich das realisiert habe, war, sie telefonierte,
[48:47] ich weiß nicht mit wem, mit einem Schulkameraden über ein Thema,
[48:51] das habe ich auch nicht mitbekommen, aber ich hörte dann, wie sie sagte,
[48:54] hey, you are talking to the first woman on Mars.
[48:57] Und ich habe sie dann hinterher gefragt, was war das denn?
[49:01] Und dann hat sie gesagt, ja, also sie wird mal zum Mars fliegen. Das war für sie klar.
[49:06] Und Steve McLean, ein kanadischer Astronaut und Freund von uns,
[49:10] der erzählte mir dann auch später,
[49:13] dass bei einem der gemeinsamen Aktivitäten, die wir gemacht haben,
[49:16] ob das jetzt Grillen war, Frisbee spielen oder was, das weiß ich nicht mehr,
[49:20] hinter ihm erklärt hat, dass sie Astronauten werden will. Also mir hat sie das gar nicht gesagt.
[49:25] Ich vermute, das liegt einfach daran, dass die Kinder in einem Umfeld groß geworden
[49:30] sind, wo Astronauten ein- und ausgegangen sind. Das war gar nichts Besonderes.
[49:34] Das war schlichtweg für sie Normalität.
[49:37] Und sie hat als junges Mädchen und dann später als größeres Mädchen schlichtweg
[49:42] erlebt, dass es auch viele Frauen gab, die Astronautinnen gewesen sind und es
[49:48] problemlos gemacht haben. Sie hat erlebt, dass es mir riesigen Spaß gemacht hat.
[49:52] Also war das für sie eine Option und ist diesen Weg gegangen.
[49:55] Ja, und die Wahrscheinlichkeit ist auch groß, dass sie tatsächlich dann eines Tages im All ist.
[50:00] Meine Tochter, meine große Tochter, die hat so mit vier, fünf Jahren mal im
[50:03] Kindergarten erzählt, ich möchte Astronautin werden. Die Erzieherin hat gesagt,
[50:05] das schaffst du eh nicht.
[50:06] Und damit war der Berufspunkt wieder vom Tisch. Das fand ich sehr traurig,
[50:09] dass diese Reaktion dann so kam.
[50:11] Wie siehst du das denn generell? Frauen, die vorhaben Astronautin zu werden,
[50:16] bekommen die mehr Gegenwind? auch gerade im Kindesalter, wenn man so einen Wunsch
[50:20] äußert, als das bei Männern der Fall ist, das ist immer noch eher was,
[50:22] was man als untypisch ansieht.
[50:24] Meine Tochter sagt das in der Tat, dass das so sei. Und das muss ich so akzeptieren.
[50:30] Ich selber kann das aus eigener Beobachtung nicht bestätigen.
[50:33] Aber deiner Tochter kann ich jetzt nur sagen, als ich zu meinen Eltern gesagt
[50:38] habe, das mache ich auch mal, weil ich John Young und Gus Grissom im Fernseher
[50:43] gesehen habe, im Fernsehgerät, sage zu mir, träum mal schön weiter.
[50:47] Ja, ich habe mich davon nicht beirren lassen und manchmal tun sich Türen auf, an die keiner denkt.
[50:54] Wie alt ist sie jetzt? Jetzt ist sie zehn.
[50:56] Ach, sie hat noch Zeit, den Traum wieder. Sie muss sich nur daran erinnern,
[51:00] dass sie den mal gehabt hat.
[51:02] Das werde ich machen und wir sagen, ein echter Astronaut hat gesagt,
[51:04] du kannst es schaffen. Vielleicht motiviert sie das ja. Sie kann das schaffen.
[51:08] Nochmal zum Schluss ganz kurz zu dir und der aktuellen Artemis Mission.
[51:13] Du hast gesagt, auch wenn du könntest, wärst du auf jeden Fall mit eingestiegen,
[51:16] wärst gerne mit dabei gewesen.
[51:17] Jetzt gibt es Leute, die sagen, Mensch, diese Mission da zum Mond,
[51:20] das ist vielleicht ganz nett, aber das kostet auch unglaublich viel Geld.
[51:23] Warum muss man das überhaupt machen?
[51:25] Was sagst du denn diesen Leuten, die das so ein Stück weit infrage stellen?
[51:28] Ja, die Frage, warum fliegen wir eigentlich zum Mond, ist ja eigentlich eine doppelte Frage.
[51:33] Die eine betrifft den Menschen als Forscher, der immer wissen will,
[51:38] wie sieht es denn jenseits von meinem Tellerrand aus?
[51:42] Wir wollen alles immer genauer wissen und Alexander Gerst, finde ich,
[51:45] hat das auf den Punkt gebracht.
[51:46] Er hat gesagt, wir müssen ihn schon deswegen erforschen, weil er da ist und
[51:50] das drückt genau diesen Punkt aus.
[51:52] Die andere Frage ist natürlich, ist das ein so vorrangiges Ziel,
[51:58] dass angemessen der anderen Aufgaben, die wir haben, das jetzt tun müssen?
[52:04] Und darüber kann man trefflich streiten. Nur mir hat noch niemand den Euro oder Dollar zeigen können,
[52:12] der definitiv falsch ausgegeben worden ist und nicht langfristig doch etwas
[52:18] Positives bewirkt hat. Und das wird es immer geben.
[52:21] Deswegen kommt es darauf an, eine Balance zu finden zwischen all den Aufgaben,
[52:26] die wir gerne angehen würden, die wir angehen müssen.
[52:30] Und ich freue mich natürlich als Astronaut, wenn dabei die Raumfahrt auch heute
[52:36] noch eine sichtbare Rolle spielen kann.
[52:38] Das wird sie ganz bestimmt auch weiterhin und vielleicht ja dann auch weiterhin
[52:42] mit deinem Nachnamen, nur dann mit deiner Tochter, die dann im All unterwegs ist.
[52:46] Das wäre wirklich eine tolle Geschichte. Dann drücken wir die Daumen.
[52:50] Herzlichen Dank dir für den Einblick und fürs Mitnehmen auf die Reise.
[52:54] Und ich glaube, ganz viele, die uns zugehört haben, beneiden dich.
[52:58] Ich auch. Danke dir. Danke Mirko.
[53:03] Heute gibt es viele Nationen, die Weltraumforschung betreffen.
[53:06] Allen voran natürlich die USA mit der NASA, dann der Zusammenschluss der europäischen
[53:10] Länder in der ESA oder Russland mit Roskosmos.
[53:13] Aber auch Länder wie China, Indien und Japan betreiben Weltraumforschung oder
[53:18] investieren in Mond- und Marsmissionen.
[53:20] Inzwischen reden wir von Astronauten, Kosmonauten und auch Taikonauten.
[53:25] Wobei Astronaut aus dem Griechischen kommt, nämlich von Astron,
[53:29] Stern und Nautes, Seefahrer.
[53:31] Ein Astronaut ist also ein Sternseefahrer. So werden die Raumfahrer in den USA und Europa genannt.
[53:38] Die Sowjetunion hat bewusst einen anderen Begriff gewählt.
[53:41] Kosmonaut. Das klingt größer und universeller und das war auch politisch gewollt.
[53:46] Als China dann ins Raumfahrtzeitalter eintrat, war von Taikonauten die Rede.
[53:51] Denn Taikong bedeutet auf Chinesisch Weltraum oder Universum.
[53:58] Aber es geht nicht immer nur um Konkurrenz im All. Ein Beispiel dafür ist die
[54:03] Internationale Raumstation ISS.
[54:06] Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen den USA, Russland,
[54:09] Europa, Japan und Kanada.
[54:11] Die ISS umkreist in einer Höhe von 400 Kilometern alle 93 Minuten mit 28.000
[54:18] Kilometern pro Stunde einmal die Erde.
[54:20] Das sind immerhin 16 Sonnenaufgänge pro Tag.
[54:24] Die Internationale Raumstation gilt als das größte Technologieprojekt aller Zeiten.
[54:29] Sie ist nicht nur der größte Außenposten der Menschheit im All,
[54:32] wie das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum schreibt, sondern auch ein wichtiges Forschungslabor.
[54:38] Am 20. November 1998 brachte eine russische Rakete vom Weltraumbahnhof Balkanur
[54:45] in Kasachstan das erste Modul der Raumstation in die Erdumlaufbahn.
[54:49] Und gute zwei Wochen später, am 6. Dezember 1988, koppelte die Besatzung des
[54:54] Space Shuttles Endeavour das russische Modul mit einem US-amerikanischen Modul zusammen.
[54:59] China durfte sich übrigens nicht daran beteiligen.
[55:02] Die USA hatten dagegen Widerspruch eingelegt. Jetzt betreiben die Chinesen mit
[55:05] Tiangong ihre eigene Raumstation.
[55:08] ISS und Tiangong sind derzeit die einzigen Raumstationen, die die Erde umkreisen.
[55:13] Alle anderen sind Geschichte.
[55:15] Wie das sowjetische Salyut-Programm mit der ersten Raumstation im Jahr 1971.
[55:19] Oder das Skylab, die erste Raumstation der USA zwischen 1973 und 1979.
[55:25] Auch die russische Station Mir kreiste zwischen 1986 und 2001 im Orbit.
[55:33] Und waren Weltraumprogramme jahrzehntelang ausschließlich in staatlicher Hand,
[55:37] hat sich das inzwischen geändert.
[55:39] Der Weltraumtourismus boomt. Dieser Markt wurde 2025 auf etwa 2 Milliarden Dollar geschätzt.
[55:47] Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic arbeiten an Geschäftsmodellen,
[55:52] um mit dem Weltraum Geld zu verdienen. Auch die NASA profitiert übrigens davon.
[56:02] 2025 startete eine Blue Origin-Kapsel mit sechs Frauen an Bord ins All.
[56:08] Darunter Sängerin Katy Perry und Lauren Sanchez.
[56:11] Damals noch die Verlobte von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Inzwischen sind sie verheiratet.
[56:16] Es war kein Auftrag der NASA, kein wissenschaftliches Programm,
[56:19] sondern ein rein kommerzieller Flug. 10 Minuten Schwerelosigkeit in 100 Kilometern Höhe in 11 Minuten.
[56:27] Allein 150.000 Dollar Anzahlung verlangte Blue Origin für einen Platz in der Kapsel.
[56:33] Der finale Ticketpreis ist nicht bekannt.
[56:36] Andere wiederum feierten diesen Flug als Symbol. In der Kapsel saßen nur Frauen.
[56:41] In der wissenschaftlichen Raumfahrt sind Frauen noch immer die Ausnahme.
[56:45] Immerhin war an Bord der Orion-Raumkapsel der Mondmission Artemis II im April
[56:49] 2026 auch die Astronautin Christina Cook.
[56:55] My name is Christina Cook, and I'm a mission specialist for NASA's Artemis II
[56:59] mission around the moon.
[57:00] No action for the enabled internal camera controller fail.
[57:04] It's five and a half minutes away from coming home. Der Traum von der Reise
[57:09] zum Mond ist längst Wirklichkeit geworden.
[57:11] Eher selten wird in dem Zusammenhang auch über mögliche Spätfolgen für Raumfahrerinnen
[57:16] und Raumfahrer gesprochen.
[57:17] Selbst wenn technisch alles einwandfrei funktioniert, bleibt ein gewisses Restrisiko.
[57:22] Und genau dazu forscht die Weltraummedizinerin Birgitta Gansen.
[57:27] Wir erleben in Schwerelosigkeit einen erheblichen Abbau der Muskulatur und auch des Knochens.
[57:32] Und da muss man gegensteuern, denn sonst ist man zum Beispiel nach der Landung
[57:36] überhaupt nicht mehr gehfähig.
[57:38] Schon bei den kurzen Flügen mit dem Space Shuttle hat man ungefähr zu 20 Prozent
[57:43] der Muskelkraft verloren. Also es geht da um erhebliche Effekte.
[57:47] Und ein anderer, aber noch viel relevanterer Aspekt ist eigentlich der Metabolismus.
[57:52] Zum Beispiel ist unsere Muskulatur sehr relevant für den Zuckerhaushalt.
[57:56] Und Menschen, die sowieso schon so ein bisschen Richtung Zuckerkrankheit neigen,
[58:00] könnten dann durch so einen starken Muskelabbau eine Zuckerkrankheit ausgelöst
[58:04] bekommen. Das darf natürlich nicht passieren.
[58:08] Die ganze Physiologie ändert sich eine Menge.
[58:11] Zum Beispiel die Blutdrücke nicht nur in den Beinen, sondern auch in der Region
[58:15] des Herzens und der Lunge. Da ändert sich viel.
[58:18] Und die Bauchorgane schweben nach oben und drücken auch nach oben Richtung Lunge.
[58:22] Das Herz, das häufig so ein bisschen nach links verkippt ist,
[58:25] stellt sich irgendwie ein bisschen auf.
[58:28] Und das macht medizinisch eine Menge aus, vor allen Dingen auch was die Reflexe
[58:32] angeht dann im Innern des Körpers. Das ist an sich nicht schlimm, das Verrutschen.
[58:37] Allerdings muss man ein paar Dinge bedenken.
[58:39] Zum Beispiel auch dieser Fluid-Shift und das Verrutschen des Blutes im Körper
[58:42] führt dazu, dass man in den ersten Tagen sehr viel Wasser ausscheidet.
[58:47] Und dadurch verlieren wir insgesamt Blut. Also wir haben dann weniger Blut im All als auf der Erde.
[58:52] Und das ist auch einer der Gründe, warum die Astronautinnen und Astronauten,
[58:56] wenn sie zurückkommen, häufig getragen werden.
[58:58] Denen fehlen eineinhalb Liter Blut. Die haben viel zu wenig Blut.
[59:01] Und wenn das dann in die Beine absackt, dann wird man relativ schnell bewusstlos.
[59:05] Das ist häufiger passiert und deshalb trägt man die Leute lieber.
[59:10] Das hat man gerade bei Artemis 2 sehr schön gesehen.
[59:13] Die Astronautin, die mitgeflogen ist, sah auf der Erde ganz anders aus als dann in Schwerelosigkeit.
[59:18] Und das geht uns allen so, dass wir so ein sogenanntes Puffy-Face entwickeln.
[59:22] Und häufig kann man die Leute dann gar nicht wiedererkennen.
[59:25] Auch der Orientierungssinn gerät durcheinander. Deshalb gibt es in einer Raumkapsel
[59:29] jede Menge Hinweispfeile und Schilder, wo sich was befindet.
[59:32] Es gibt ja einfach kein Oben und Unten. Es gibt überhaupt nichts,
[59:35] was einen irgendwo hinzieht.
[59:37] Und auf der Erde sind wir immer orientiert dadurch, dass wir nach unten auf
[59:41] den Boden gezogen werden.
[59:42] Aber in Schwerelosigkeit ist das einfach nicht der Fall. Vegeta Ganser sagt,
[59:46] dass viele Raumfahrerinnen und Raumfahrer nach ihrem Ausflug ins All schlechter
[59:49] sehen können als vorher.
[59:51] Warum genau, das weiß man noch nicht. Aber warum sich der Geschmack bei vielen
[59:54] im Weltraum offenbar verändert, hat man noch nicht herausgefunden.
[59:58] Was ist mit der Weltraumkrankheit? Die Weltraumkrankheit ist eine Übelkeit,
[1:00:02] die man empfindet in den ersten Tagen im Weltall.
[1:00:05] Und das liegt daran, dass die Informationen, die die Augen an das Gehirn geben,
[1:00:08] die optischen Informationen, ein Mismatch haben mit dem, was das Innenohr wahrnimmt.
[1:00:13] Das Innenohr ist ja für Gravitations- und Lagesensor sozusagen zuständig.
[1:00:18] Und sobald diese Informationen nicht zusammenpassen, wird uns übel.
[1:00:21] Die meisten haben nach fünf, sechs Tagen auch keine Probleme mehr.
[1:00:25] Das muss man aber berücksichtigen bei Weltraumtouristen. Und man kann Medikamente
[1:00:29] geben, die machen allerdings meistens dann auch noch müde.
[1:00:32] Deshalb ist das blöd, wenn man zum Beispiel mal eben ins All fliegen will,
[1:00:36] um mal eben einen Raumspaziergang zu machen.
[1:00:38] Raumspaziergänge darf man natürlich erst machen, wenn die Übelkeit weg ist.
[1:00:42] Seit den 1950er Jahren schießen wir alles Mögliche in den Weltraum.
[1:00:46] Aber was passiert eigentlich mit all den Satelliten oder Raumschiffteilen,
[1:00:50] die nicht in der Erdatmosphäre verglühen?
[1:00:52] Mit jedem Flug in das All, mit jedem Satelliten, mit jedem Roboter,
[1:00:56] den wir dort hinaufschicken, hinterlassen wir früher oder später Weltraumschrott.
[1:01:01] Allein im Erdorbit sollen sich etwa 40.000 Objekte befinden,
[1:01:05] die größer als 10 Zentimeter sind.
[1:01:07] Und da sind die hunderttausenden noch kleineren Schrottteile,
[1:01:10] die um die Erde kreisen, gar nicht mitgezählt.
[1:01:12] Und darüber haben wir mit Alice Gorman gesprochen.
[1:01:14] Sie ist Weltraumarchäologin und nennt sich auch Dr. Space Junk.
[1:01:18] Alice Gorman forscht und arbeitet an der Flinders University in Adelaide in Südaustralien.
[1:01:26] Für eine Archäologin ist Schrott tatsächlich nicht einfach nur Schrott.
[1:01:31] Es sind alles Dinge, die uns Informationen über menschliches Verhalten geben.
[1:01:36] Mein Interesse gilt der Frage, wie wir das bei Orten jenseits der Erde machen,
[1:01:43] beim Weltraumschrott im Erdorbit, bei dem, was wir auf dem Mond,
[1:01:47] auf der Venus und dem Mars hinterlassen haben.
[1:01:49] Wir haben mehrere Raumsonden im tiefen Weltraum, darunter Voyager 1 und 2,
[1:01:55] die sich derzeit jenseits der äußersten Grenze unseres Sonnensystems befinden.
[1:02:01] Zum archäologisch besonders wertvollen Weltraumschrott gehört zum Beispiel Vanguard
[1:02:06] 1, ein US-Satellit, der schon 1958 auf seine Weltraumreise geschickt wurde.
[1:02:14] Der älteste, von Menschen erschaffene Gegenstand im Weltraum. Punkt.
[1:02:19] Nicht nur im Erdorbit, sondern überhaupt im All.
[1:02:22] Er funktioniert schon seit 60 Jahren nicht mehr, aber sein gesellschaftlicher Wert ist enorm.
[1:02:28] Es ist eine wunderschöne, kleine polierte Aluminiumkugel mit sechs Antennen.
[1:02:33] Frühes Raumfahrt-Zeitalter-Design.
[1:02:35] Leute verfolgen den Weg dieses Satelliten und nutzen ihn für Kunstprojekte.
[1:02:40] Und das macht ihn als kulturelles Erbe besonders interessant.
[1:02:47] Die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2 sind in der Hinsicht auch etwas Besonderes.
[1:02:52] Denn an Bord haben sie die Golden Records, vergoldete Kupferschallplatten,
[1:02:58] die Bild- und Audiodateien der Erde enthalten.
[1:03:00] Darunter Grüße, Musik und Geräusche. Als Botschaften für mögliche außerirdische Intelligenzen.
[1:03:06] Seit 1977 sind sie auf dem Weg. Sie haben mittlerweile unser Sonnensystem verlassen
[1:03:12] und bewegen sich im interstellaren Raum.
[1:03:14] Beide Sonden funken noch immer zur Erde und senden ihre Daten.
[1:03:19] Die beiden Voyager-Raumsonden werden im Laufe der Zeit voll von Staub sein.
[1:03:24] Erdstaub als erster Schicht kurz nach ihrem Start und Sternenstaub als letzte Schichten.
[1:03:30] Diesen Staub könnte man analysieren, um etwas über die Umwelt zu erfahren,
[1:03:34] die Voyager 1 und 2 bei ihrer Weltraumreise durchquert haben.
[1:03:39] Wenn ich also eine Archäologin wäre auf einem Planeten, auf den Voyager 1 oder
[1:03:44] 2 in Zukunft vielleicht treffen, dann würde ich mich darauf konzentrieren.
[1:03:49] Ich wäre vermutlich nicht so sehr interessiert an den Golden Records.
[1:03:53] Aber Alice Gorman interessiert nicht nur der archäologische und auch kulturelle
[1:03:58] Wert von Weltraumschrott, sondern auch die Gefahren, die davon ausgehen können.
[1:04:02] In einer Höhe von mehreren hundert Kilometern rasen tausende Objekte mit einer
[1:04:06] Geschwindigkeit von rund 28.000 Stundenkilometern ständig um die Erde.
[1:04:11] Siebenmal schneller als eine Gewehrkugel. Eine Schraube, ein abgesprengtes Metallteil,
[1:04:17] ein nicht mehr funktionierender Satellit.
[1:04:19] Dieser Weltraumschrott kollidiert irgendwann miteinander. Und bei jedem Zusammenstoß
[1:04:23] entstehen neue Trümmerteilchen, die wiederum dann mit anderen Trümmern kollidieren
[1:04:28] und so weiter und so weiter.
[1:04:30] Wir bringen mehr Dinge in den Orbit, als wir zurückholen.
[1:04:36] In den nächsten Jahren könnte es 100.000 Satelliten im Erdorbit geben.
[1:04:40] Da oben wird es immer voller.
[1:04:43] Es gibt immer mehr Schrott, der mit anderem Schrott zusammenprallt und noch mehr Schrott erzeugt.
[1:04:49] Was das ganz konkret bedeuten könnte, hat der amerikanische Astrophysiker Donald
[1:04:53] Kessler schon 1978 beschrieben.
[1:04:55] Nach ihm ist das sogenannte Kessler-Syndrom benannt. Kessler hat sich eigentlich
[1:04:59] mit Kollisionen zwischen Asteroiden beschäftigt.
[1:05:02] Aber was im Asteroidengürtel passiert, das könnte auch im Erdorbit geschehen.
[1:05:07] Dann käme eine nicht mehr zu stoppende Kettenreaktion in Gang.
[1:05:10] Nicht nur die memannte Raumfahrt wäre davon betroffen.
[1:05:13] Wettervorhersagen, globale Telekommunikation, GPS, von der weltweiten Warenlogistik
[1:05:19] bis zur Navigation auf dem Smartphone, all das hängt von Satelliten ab.
[1:05:23] Ein Erdorbit voll mit Weltraumschrott würde unsere moderne Welt in Teilen zusammenbrechen lassen.
[1:05:31] Es gibt also jede Menge, über das wir uns im Moment Sorgen machen sollten.
[1:05:36] Einige behaupten, das Kessler-Syndrom habe längst begonnen, wir wären nur noch
[1:05:41] nicht in der Lage, es zu erkennen.
[1:05:42] Es ist also ein ernstzunehmendes Problem für die Zukunft der Raumfahrt im Erdorbit.
[1:05:49] Die ESA, also die Europäische Weltraumorganisation, empfiehlt in ihrem Jahresbericht
[1:05:53] 2025 deshalb, den Weltraumschrott zu entfernen.
[1:05:57] Das würde natürlich auch die Forschungsobjekte von Alice Gorman betreffen.
[1:06:00] Die wären dann einfach weg.
[1:06:02] Genauso wie übrigens die beiden Voyager-Sonden in einigen Jahren.
[1:06:07] Bei Voyager 1 und 2 wird der wirklich traurige Moment in ein paar Jahren kommen,
[1:06:12] wenn sie keine Energie mehr haben werden, um Signale nach Hause zu senden. Sie werden verstummen.
[1:06:18] Und wenn sie verstummen, werden sie wie Waisen sein. Und wir können nichts mehr
[1:06:23] tun, um mit ihm zu kommunizieren.
[1:06:25] Und ich glaube, das wird mich dann sehr traurig machen.
[1:06:54] Die vier Besatzungsmitglieder der Mondmission Artemis II sind am 11.
[1:06:58] April 2026 im Pazifik vor der kalifornischen Küste in San Diego wieder wohlbehalten gelandet.
[1:07:04] Die Mission war die Generalprobe für eine im Jahr 2028 geplante Mondlandung der NASA.
[1:07:11] Jahrtausende lang träumten die Menschen vom Weltraum. Aber erst in der zweiten
[1:07:15] Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden diese Träume auch wahr.
[1:07:19] Jetzt soll nicht nur der Mond dauerhaft besiedelt werden. Auch eine Reise zum
[1:07:23] Mars scheint nicht mehr unmöglich. Wie heißt es nochmal bei Star Trek?
[1:07:28] Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200.
[1:07:34] Dies sind die Abenteuer des Raumschiffes Enterprise, das mit seiner 400 Mann
[1:07:39] starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen,
[1:07:44] neues Leben und neue Zivilisationen.
[1:07:47] Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor,
[1:07:52] die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
[1:07:56] Machen wir uns aus dem Orbit.
[1:08:02] Und wir machen uns jetzt auch aus dem Orbit oder so ähnlich zumindest.
[1:08:05] Wir sagen vielen Dank, dass ihr dabei wart.
[1:08:07] Ein herzliches Dankeschön auch an unsere Expertinnen und Experten dieser Folge.
[1:08:11] Wenn ihr Feedback für uns habt, dann schreibt uns sehr gerne per Mail oder auf
[1:08:15] TerraX History bei Instagram.
[1:08:17] Wir freuen uns über eure Gedanken zur Folge, aber auch über neue Themenvorschläge.
[1:08:24] Dieser Podcast hier ist eine Produktion von Objektiv Media im Auftrag des ZDF.
[1:08:28] Die Autorinnen waren wie immer Janine Funke und Andrea Kahrt.
[1:08:31] Sie sind verantwortlich für Buch und Regie. Und für die technische Umsetzung
[1:08:35] und Gestaltung verantwortlich ist Sascha Schiemann.
[1:08:38] Redaktion im ZDF hatte Katharina Kolvenbach. Ich bin Mirko Drotschmann,
[1:08:42] sage danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

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