# ADHS bei Kindern: Zwischen Herausforderung und Stärke

An episode of [Dr. Anne Fleck - Gesundheit und Ernährung](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1548655626), 7 Apr 2026, 47 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1740-dr-anne-fleck-gesundheit-und-ernahrung/240345-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_6952232841964&awEpisodeId=240345

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## Transcript

[0:01] ADHS ist eine häufige neurobiologische Besonderheit und überhaupt keine Erfindung oder Erziehungsfrage.
[0:10] Etwa zwei bis sechs Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden daran und deswegen
[0:15] widmen wir uns heute genau diesem Thema.
[0:21] Dr. Anne Fleck, Gesundheit und Ernährung.
[0:27] Lola Weipert, Marie Nasemann, Justin Bieber und auch Eckart von Hirschhausen
[0:32] haben ADHS und stehen dazu.
[0:35] Sie haben das Publikum gemacht und reden darüber, genauso wie wir heute.
[0:39] ADHS bei Erwachsenen war bereits Thema in einer unserer Podcast-Folgen vom 25.06.2025.
[0:47] Gerne auch nochmal reinhören und heute nehmen wir ADHS bei Kindern unter die Lupe.
[0:52] Und wie das bin ich, Dr. Anne Fleck genannt Doc Fleck, Fachärztin für Innere
[0:56] Medizin und Rheumatologie und Ärztin für Präventiv- und Ernährungsmedizin.
[1:02] Und Kirsten Frindrop, Redakteurin und Co-Host dieses Podcast. Herzlich willkommen.
[1:07] Ein paar generelle Infos zu ADHS. Die Abkürzung steht für Aufmerksamkeitsdefizit,
[1:14] Hyperaktivitätsstörung.
[1:16] ADS ist dagegen die Abkürzung für Aufmerksamkeitsdefizitstörung.
[1:21] Hier fehlt die Hyperaktivität im Gegensatz zu einer ADHS, deshalb gibt's hier kein H in der Abkürzung.
[1:29] ADS-Betroffene lassen sich zwar leicht ablenken und sind verträumt,
[1:33] sie zeigen aber keine körperliche Unruhe.
[1:36] Heute liegt unser Schwerpunkt auf ADHS bei Kindern.
[1:39] Eine neurologische Entwicklungsstörung, die geprägt ist auch von Konzentrationsproblemen und Impulsivität.
[1:48] Sie ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kinder- und Jugendalter
[1:51] mit potenziell lebenslangen, individuellen, familiären und sozialen Auswirkungen.
[1:57] Anne, wie entsteht ADHS?
[2:00] Wann merke ich das? Und hat man das von Geburt an oder kann man es auch später noch entwickeln?
[2:07] Also eins muss man sagen, für die Entstehung.
[2:10] Der ADHS-Symptome gibt es immer noch keine eindeutige Erklärung.
[2:15] Sie beginnt jedoch immer im Kindesalter.
[2:18] Und lange Zeit galt es deswegen als typische Kinderkrankheit.
[2:23] Heute weiß man, auch im Erwachsenenalter kann diese Symptomatik auftreten.
[2:29] Und das wächst sich nicht ganz so aus.
[2:33] Was man aber schon sagen kann und weiß, Es ist ein komplexes Zusammenspiel von
[2:39] genetischen, biologischen und umweltbedingten Faktoren, die alle die Informationsverarbeitung
[2:45] im Gehirn beeinflussen.
[2:47] Was ich mir in dem Zusammenhang grundsätzlich wünschen würde,
[2:51] wäre eine intensive Beforschung sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen.
[2:57] Wie sieht es mit dem Darm aus? Wie sieht die Mikronährstoffversorgung aus?
[3:00] Es gab interne, externe Faktoren, die das Immunsystem irritieren.
[3:07] Alte, neue Infektionen und so weiter. Wir tappen da immer noch so sehr im Dunkeln.
[3:12] Und da würde ich mal zum Beispiel ansetzen, um dieses doch um sich greifende
[3:17] Thema besser zu beleuchten.
[3:19] Ich persönlich glaube, dass auch diese Umweltsymptomatik eine deutliche Rolle spielt.
[3:26] Wir wissen, dass wohl auch Genetik hier einen großen Faktor einnimmt.
[3:30] Und aber auch ein Ungleichgewicht von Neurotransmittern eine Rolle spielt.
[3:36] Das heißt also die Informationsübertragung, die ja Neurotransmitter gebunden ist, gestört ist.
[3:42] Und da bin ich wieder bei dem Darm, weil wir wissen ja, dass auch die Neurotransmitterproduktion
[3:48] extrem auch aus dem Darm kommt und die Darm-Hirn-Achse da auch ein Wörtchen mitzureden hat.
[3:56] Und was man sagen kann, dass die typischen Symptome in ganz unterschiedlichen
[4:01] Altersstufen auftreten können, das ADHS wächst irgendwie so mit.
[4:07] Und es ist, wie gesagt, so häufig inzwischen, dass wir von einer Prävalenz ausgehen,
[4:14] bis zu 5 Prozent der Kinder und Jugendlichen.
[4:18] Was ich auch sagen muss, ich werde immer öfter mit diesem Thema auch in der Praxis konfrontiert.
[4:24] Also Eltern wenden sich immer mehr auch mit diesem Thema, aber auch Erwachsene,
[4:30] die selbst für sich feststellen, aha, da gibt es ja ein Thema.
[4:33] Und jetzt kommt die gute Nachricht, dazu tauchen wir gleich auch noch,
[4:37] man ist dem Symptom nicht nur wehrlos ausgeliefert.
[4:41] Das ist ja immer das Schöne, dass wir hier auch reingehen, aber auch rausgehen
[4:45] mit einer guten Nachricht.
[4:48] Okay, was sind denn so typische Umweltfaktoren, die auch die Entstehung von
[4:54] ADHS begünstigen können?
[4:56] Also bisher wird diskutiert, dass zum Beispiel Faktoren wie Alkoholkonsum in
[5:02] der Schwangerschaft oder auch Drogenkonsum in der Schwangerschaft eine Rolle spielen können.
[5:06] Aber sehr wohl auch häufig ist Sauerstoffmangel bei der Geburt ein Thema.
[5:12] Es gibt aber auch natürlich die psychosozialen Faktoren in der familiären Dynamik.
[5:19] Zum Beispiel auch das Thema Vernachlässigung, Missbrauch.
[5:23] Man geht davon aus, dass solche Umgebungsbedingungen zwar ADHS jetzt nicht direkt
[5:27] verursachen, aber wenn es eine genetische Veranlagung gibt, dann können sie
[5:33] wirklich als Auslöser fungieren und die Symptome verstärken.
[5:36] Ich glaube, dass da aber noch eine ganze andere Rolle zu berücksichtigen ist.
[5:43] Ich sehe als Umfeldfaktoren auch mal eine spannende Frage, wie sieht es denn
[5:47] eigentlich aus mit den zum Beispiel chemischen Stoffen, denen wir ausgeliefert
[5:54] sind. Ich will jetzt immer überhaupt keine Panik schüren, im Gegenteil.
[5:58] Aber was ich so aus meiner Erfahrung sehe, die Medizin, die Symptome und auch
[6:02] die Strategien verändern sich so massiv, gerade in den letzten 20, 30 Jahren.
[6:07] Und ich fürchte einfach, dass der Aspekt der Umweltmedizin noch viel zu wenig
[6:12] auch in der ADHS-Betrachtung eine Rolle spielt.
[6:16] Das würde mich nämlich mal sehr interessieren.
[6:18] Gibt es vielleicht auch Schadstoffbelastungen, die das Ganze auslösen?
[6:23] Wer sagt uns denn, dass da nicht auch irgendwelche Schwermetallbelastungen eine Rolle spielen?
[6:27] Das ist jetzt alles out of the blue, noch eine reine These, aber Wissenschaft
[6:32] beginnt ja auch mit einer steilen These, die es dann zu beforschen gilt.
[6:36] Also hier würde ich mir einfach sehr viel mehr wünschen, dass nicht nur Umweltfaktoren
[6:41] so beforscht werden, psychosozial, was bedingt uns da in der Umwelt,
[6:46] sondern auch wirklich im Sinne der Toxikologie.
[6:50] Keine steile These, sondern eigentlich eine nachweisbare Zahl oder ein nachweisbarer
[6:56] Aspekt ist, dass Jungs häufiger betroffen sind als Mädels.
[7:00] Wie unterscheiden sich die Symptome denn bei Jungs und Mädchen?
[7:04] Also das ist wirklich interessant. Während Jungen mit ADHS häufiger durch so
[7:10] ein impulsives, hyperaktives oder auch oppositionelles Verhalten auffallen, sind Mädchen anders.
[7:18] Sie sind eher unauffälliger und haben so Symptome wie Verträumtheit,
[7:24] emotionale Labilität, ein langsameres Arbeitstempo oder auch mal mehr Ängste,
[7:30] mehr depressive Verstimmungen,
[7:32] eine hohe Anpassungsfähigkeit, ein ausgeprägter Perfektionismus und Zwanghaftigkeit.
[7:38] Also diese Symptome führen jetzt eher seltener zu dem Fall Klassenzimmeralarm, Lehrerschreck.
[7:47] Und im sozialen Umfeld sind die Mädchen deswegen eher auch jemand,
[7:52] der da geschmeidig dabei ist und entsprechend bleiben die Mädchen länger unbemerkt
[7:59] und das wird auch falsch interpretiert, also zum Beispiel auch als emotionale
[8:03] Instabilität oder Pubertätskrise.
[8:06] In der Fachexpertise spricht man deswegen bei ADHS im weiblichen Geschlecht
[8:11] auch von einer sogenannten Hidden Disorder, also eine versteckte Sache,
[8:17] eine versteckte Störung.
[8:18] Das ist also insofern ganz interessant.
[8:21] Wie macht sich das denn im Alltag bemerkbar? Also wir haben eben schon gesagt,
[8:25] dass Kinder und Jugendliche mit ADHS-Auffälligkeiten oft unkonzentriert sind,
[8:29] einen starken Bewegungsdrang haben, die Jungs mehr als die Mädchen und auch
[8:34] sehr impulsiv sein können.
[8:35] Aber ab wann spricht man denn von ADHS? Wo ist dieser Scheitelpunkt?
[8:40] Genau, denn auch jedes Kind ist mal unkonzentriert, auch jedes Kind ist mal
[8:44] oppositionell und jüngere Kinder sind dann auch lebhafter.
[8:48] Die Probleme...
[8:50] Kinder mit ADHS sind aber deutlich stärker ausgeprägt als bei den Gleichaltrigen
[8:57] und sie beeinträchtigen die Kinder auch zum Beispiel in den schulischen Leistungen,
[9:02] in den Beziehungen zu der Familie, zu den Geschwistern, zu den Eltern,
[9:06] zum Lehrpersonal und im Freundeskreis und die Bandbreite dieser Probleme ist
[9:11] also groß und dieser Übergang von einem normalen Verhalten zu einem auffälligen
[9:16] Verhalten eher fließend.
[9:17] Was man auch sagen kann, Forschungen haben zuverlässig feststellen können,
[9:22] ob jetzt wirklich ein ADHS-Fall vorliegt oder nicht.
[9:26] Und zu dieser sachgemäßen Diagnose gibt es eben auch international bestimmte
[9:32] Kriterien, die vorgeben, wann jetzt von einem ADHS zu sprechen ist.
[9:38] Zum Beispiel muss so eine Störung wirklich mindestens sechs Monate dauern.
[9:43] Also daran kann man schon sehen, wenn ein Kind mal einfach so ein bisschen anders
[9:49] ist, dann ist das nicht immer gleich ein ADHS.
[9:52] Und man muss aber auch sagen, man vermeidet aber grundsätzlich den Begriff Krankheit
[9:59] bei ADHS, um damit auch den Unterschied klarzumachen zu wirklich körperlichen Erkrankungen.
[10:06] Man verwendet deswegen international lieber den neutraleren Begriff Störung
[10:11] oder psychische Störung und so weiter.
[10:14] Und ich würde das aber nicht, wie gesagt, verkranken, die ADHS,
[10:20] sondern einfach, wie gehen wir jetzt damit um?
[10:23] Und da gibt es auch wirklich auch aus der Erfahrung der letzten Jahre auch in
[10:29] der Praxis ein paar wohltuende Erkenntnisse, die wir auch gleich hier ansprechen.
[10:35] Ein wichtiger Punkt, den ich hier wirklich nicht außer Acht lassen darf,
[10:39] ist, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS im Vergleich zu Gesunden deutlich
[10:46] höhere Raten an Suizidgedanken haben und auch an Suizidversuchen.
[10:51] Also mit jeweils circa dreifach, zweifach bis zu sechsfach erhöhtem Risiko und
[10:58] umgekehrt sind auch von ADHS-Betroffene in Stichproben von Kindern und Jugendlichen
[11:03] mit suizidalen Verhaltensweisen überrepräsentiert.
[11:07] Also diese Aspekte, die so vermehrtes suizidales Verhalten bei ADHS begünstigen,
[11:14] das ist zum Beispiel so eine hohe Impulsivität oder wenn sich die Emotionen
[11:19] nicht mehr so richtig regulieren lassen und auch andere negative Interaktionsmuster,
[11:26] ein großes Selbstwertproblem oder Überforderungserleben.
[11:30] Das sind alles Hinweise, die man auch als Eltern und als betreuende Lehrer ernst nehmen sollte.
[11:43] Was können wir denn dann tun, wenn die Diagnose ADHS gesichert da ist?
[11:47] Also ich bin ja eher auch immer fürs Unterstützen, vor allem bei Kindern,
[11:51] denn die sollen ja gut erwachsen.
[11:55] Ein schönes Wort erwachsen, ja. Die deutsche Sprache ist einfach so wunderschön, merke ich immer.
[12:01] Ich habe auch so eine Liebe auch oft für alte Worte oder die man gar nicht so oft verwendet.
[12:08] Zurück zu keine Verzettelung. Also im Alltag ist für diese Kinder und Jugendlichen
[12:14] unbedingt Struktur, Struktur, Struktur wichtig und Routine.
[12:19] Also ganz klar wiederkehrende Abläufe.
[12:23] Morgenroutine, Abendroutine, fester Hausaufgabenplatz, fester Zeiten.
[12:28] Auch die Aufgaben könnte man in kleine Schritte teilen.
[12:32] Erst die Stifte einpacken, dann die Hefte einpacken. Und die Kommunikation ist wichtig. Und zwar ...
[12:39] Erstens mal den Faden nie abreißen lassen. Das Kind spürt, ich habe einen Rezeptor.
[12:44] Ich bin geliebt unter allen Umständen. Ich finde, das ist immer das Wichtigste,
[12:48] was man Kindern mitgeben kann.
[12:50] Wir haben dich lieb, auch wenn die Note nicht gut ist oder so.
[12:54] Auch um den Selbstwert zu stärken.
[12:57] Und die Kommunikation sollte eher nicht überladen sein,
[13:02] kurz sein, konkret sein, einen Schritt nach dem anderen, Blickkontakt mit dem
[13:07] Kind aufnehmen und auch verstärken durch eine sanfte Berührung,
[13:12] bevor man jetzt was sehr Wichtiges sagt.
[13:14] Oder auch dieses Zulassen gegenseitig von Nachfragen ist auch wichtig.
[13:18] Zum Beispiel so eine Frage, kannst du mir jetzt sagen, was du jetzt machst?
[13:22] Das Kind kann die Frage stellen, aber auch umgekehrt das Elternteil oder das Geschwisterchen.
[13:28] Und ich würde die Umgebung mal auch mit der wunderbaren Lupe scannen,
[13:34] weil eine reizarme Umgebung ist einfach viel besser.
[13:39] Vor allen Dingen, wenn jetzt eine Aufgabe erledigt werden muss,
[13:42] je weniger Ablenkung, umso besser.
[13:44] Handy weg, gezielte Pausen einplanen, zum Beispiel nach 10, 15 Minuten konzentrierten
[13:51] Arbeit mal kurz aufstehen, mal eine Bewegung machen.
[13:54] Das Kind auch da zu animieren und auch, wie geht man mit den Konflikten um?
[14:01] Also zum Beispiel, was ist denn, wenn die Wut kommt?
[14:04] Auch die Wut braucht einen Rezeptor. Das gilt jetzt nicht für Kinder mit ADHS,
[14:08] das ist in jeder guten Beziehung so.
[14:09] Aber dann das Gefühl von Sicherheit und Ruhe vermitteln und jetzt nicht zurückbrüllen,
[14:18] sondern einfach da sein, annehmen und dann nächster Schritt.
[14:25] Also ich würde dann auch als Erwachsene.
[14:28] Nicht die ganze Situation bewerten, um Gottes Willen, jetzt schon wieder so
[14:33] ein Drama hier, sondern verwerten.
[14:36] Das ist übrigens ein Satz, der mir sehr viel im Alltag hilft.
[14:39] Ich habe im Moment echt einiges an der Backe, ja, habe die Praxis,
[14:43] die mir sehr am Herzen liegt.
[14:45] Wir machen unseren Podcast, wir machen Newsletter und nebenbei noch ein Buch
[14:51] und dann passieren, ich mache das ja alles, ich recherchiere und schreibe und
[14:55] kann auch nicht sagen, hier, mach du, mach du, mach du, das liegt alles bei mir.
[14:59] Ich glaube, ich erkenne mich da manchmal auch wieder, wo ich denke,
[15:01] ich brauche Struktur, mehr Struktur für Doc Fleck.
[15:06] Und dass man einfach nicht die Dinge bewertet, sondern verwertet.
[15:13] Das heißt jetzt nicht, dass man nachlässig ist oder luschig ist,
[15:17] sondern konzentriert bleibt und das Beste draus macht.
[15:21] Und ich würde auch Verhaltensziele für das Kind und auch für einen selbst im
[15:27] Umgang mit dem Kind und dem Jugendlichen klein und positiv definieren.
[15:31] Also heute üben wir einfach mal, wie wir beim Essen sitzen bleiben,
[15:36] statt du bist jetzt aber mal endlich brav, du musst jetzt mal hier ruhig sitzen sein.
[15:41] Sondern wenn man das Ganze spielerisch verpackt, komm, wollen wir das mal ausprobieren,
[15:46] gucken wir mal, wer das heute von uns kann.
[15:49] Weil Kinder lieben es ja auch so ein bisschen, so mal was auszumachen.
[15:54] Also ich merke immer, der beste Trick bei den Kleinsten in der Familie ist,
[15:58] wenn morgens sich niemand anziehen möchte.
[16:01] Wer hat als erstes die Strumpfhose angezogen?
[16:05] Ja, also wenn mehrere kleine Kinder auf einmal da sind, sowas kann auch Wunder bewirken.
[16:13] Ich hoffe, dass diese Tipps sehr vielen Menschen da draußen helfen,
[16:18] Sowohl den betroffenen Kindern als auch den Angehörigen, ja.
[16:24] Dann lass uns doch mal überlegen, weil jetzt gerade das Thema Bewegung aufkam
[16:27] und immer mal wieder nach 10, 15 Minuten stillsitzen, mal wieder auch ein bisschen
[16:30] was machen. Ein Hampelmann oder was auch immer.
[16:33] Was könnten denn so gute Aktivitäten und Hobbys für Kinder mit ADHS sein,
[16:38] wenn Bewegung so gut tut?
[16:40] Also ich habe dann als erstes Fußball im Kopf. Rennen. Genau.
[16:44] Aber Hampelmänner sind toll. Also es gibt ja sogar Daten, die gezeigt haben,
[16:49] dass Hampelmänner, also Bewegung dieser Art, extrem gut auf die emotionale Gesundheit wirkt.
[16:55] Teilweise sogar vergleichbar mit Medikationen, gibt es faszinierende Studien zu.
[17:00] Und ob das jetzt Fußball ist, ob das Trampolin ist, Karate, Judo,
[17:07] Reiten fördert übrigens ja auch die Motorik und Wahrnehmungsfähigkeit.
[17:11] Auch interessant, der Umgang mit einem Tier. Also könnte ich mir vorstellen, ein Hund ist auch was.
[17:16] Dann Musik baut viele der positiven Eigenschaften von ADHS-Lern auf,
[17:22] denn die Kreativität kann endlich fliegen.
[17:24] Ich bin ja auch ein unglaublich kreativer Mensch.
[17:27] Ich war ja manchmal fast ein bisschen, oh Mann, wo ist die Kreativität in der Medizin?
[17:32] Das habe ich so vermisst. Es kam mir alles so dröge, so noch statisch vor.
[17:37] Auch dieses Freidenken im Forschen und Tun,
[17:42] Und jetzt bin ich ja total froh, dass ich dabei geblieben bin und die Kreativität
[17:47] in der Arbeit leben kann.
[17:49] Aber gerade diese hochsensiblen, emotionalen Menschen mit ADHS,
[17:53] die sind oft sehr, sehr Kreativität und musisch veranlagt.
[17:58] Und da würde ich reingehen, das sollte man fördern. Schlagzeug spielen,
[18:01] fällt mir ein. Schlagzeug, ja.
[18:04] Prominente Beispiele. Mozart, Britney Spears, Jennifer Lopez,
[18:09] Justin Timberlake und so weiter.
[18:12] Auch mit der Musik, jetzt nicht nur Musik spielen, vielleicht auch tanzen,
[18:17] können auch diese impulsiven Situationen, sag ich jetzt mal,
[18:24] sanft abmoderiert werden.
[18:26] Und auch finden ihren Kanal, sodass man das auch nicht als was Schlechtes sieht,
[18:30] sondern wenn man einfach etwas umlenkt.
[18:33] Wut ist ja zum Beispiel auch nicht nur was Schlechtes.
[18:36] Wenn Wut sich in eine kreative, konstruktive Sache lenkt, dann kann ein Kind,
[18:44] was vielleicht wütend war, weil es Wurst es jetzt anders machen können,
[18:50] was ganz Tolles draus machen.
[18:52] Es ist einfach nur, wie lenkst du die Emotion?
[18:56] Ja, spannend. In der Recherche habe ich auch gelesen, dass die Forschung einen
[19:02] möglichen Zusammenhang zwischen mitochondrialen Dysfunktionen und ADHS aufgezeigt hat.
[19:08] Was sagst du dazu und wie kann diese Erkenntnis, wie könnte diese Erkenntnis
[19:12] im Umgang mit ADHS-Patienten helfen oder unterstützen?
[19:16] Also dieses Forschungsfeld der mitochondrialen Medizin ist elementar wichtig.
[19:23] Das war übrigens was, was sich schon vor 20 Jahren abgezeichnet hat.
[19:28] Inzwischen gehen auch führende Wissenschaftler davon aus, dass mitochondriale
[19:34] Störungen das Kernproblem von Krankheiten sind.
[19:37] Weil die Mitochondrien als Motor der Zelle, wenn die lädiert sind,
[19:44] dann hat das ja Auswirkungen auf alles mögliche.
[19:46] Inzwischen wissen wir, Mitochondrien spielen eine Rolle bei Parodontitis,
[19:51] Mitochondrien sind involviert bei Kinderwunsch. Übrigens wird die Qualität der
[19:56] Mitochondrien ja auch von den Müttern vererbt.
[19:59] Und deswegen hat mich das 0,0 überrascht, dass die Mitochondrien bei ADHS eine Rolle spielen.
[20:07] Und jetzt wird da ein guter Schuh draus.
[20:09] Wenn man das weiß, und hier würde ich mir natürlich noch viel mehr wissenschaftliche
[20:13] Untersuchungen wünschen, dann kann man natürlich über eine Messung,
[20:18] aber auch erst mal ganz pragmatisch über eine Stärkung der Mitochondrien aktiv werden.
[20:24] Und wir wissen ja, dass diese Mitochondrin das ATP produzieren,
[20:28] Adenosintrifosphat, die Energiewährung der Zelle.
[20:35] Und neueste Forschungen haben gezeigt, dass Kinder mit ADHS wirklich auch mitochondriale
[20:40] Parameter verändert haben und
[20:43] auch oxidativen Stress deswegen deutlich mehr. Und was kann man machen?
[20:48] Zum Beispiel, was ich in meiner Praxis mache, wir messen da auch die Mitochondrien durch.
[20:55] Man schaut, gibt es genug ATP im Körper, gibt es einen hohen adäquaten Coenzym Q10-Spiegel.
[21:02] So kann man dann über eine Q10-Therapie, zum Beispiel mit Ubiquinol als Spray,
[21:09] einen Mangel ausgleichen.
[21:12] Alternativ ist auch gut zum Beispiel die intermitierende Hyperoxytherapie, IHHT.
[21:19] Das ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem der Patient, die Patientin abwechselnd
[21:26] sauerstoffreicher und dann wiederum sauerstoffarmer Luft ausgesetzt wird.
[21:31] Und das stimuliert die Mitochondrin und verbessert die Funktion.
[21:35] Was ganz interessant ist, ist auch, Menschen, egal jetzt mit oder ohne HDHS,
[21:42] die merken, dass wenn sie sich sportlich extrem ausgepowert haben,
[21:46] dass sie sich so ein bisschen kränklich fühlen. Mhm.
[21:51] Immer aus der Erfahrung in der Praxis ein Problem mit Mitochondrien.
[21:55] Und deswegen auch in der Beratung in der Praxis mit,
[22:01] Leistungssportlern, Hobbysportlern ist der Blick auf die Mitochondrien elementar,
[22:05] aber eigentlich nicht nur für Menschen mit ADHS, nicht nur für die Sportler,
[22:09] sondern für jeden von uns.
[22:11] Hier steckt ein riesen, riesen, riesen Hebel.
[22:15] Und übrigens zur Vorsorge, ich merke, ich meandere schon wieder so ein bisschen in eine andere Ecke.
[22:20] Aber die Mitochondrien, die gehören natürlich auch geschützt.
[22:25] Und es gibt zum Beispiel Medikamente, die die Mitochondrien nachweislich lädieren können.
[22:31] Das sind zum Beispiel Antibiotika aus der Gruppe zum Beispiel.
[22:38] Ziprofloxacin, Moxifloxacin, also wo so Ox drin ist.
[22:42] Das muss nicht passieren, das kann passieren. Und das sind dann Menschen,
[22:46] die zum Beispiel auch längerfristig chronisch müde sind.
[22:49] Also die Mitochondriopathie ist auch oft ein Zeichen, klassisch bei der Fatigue.
[22:54] Und deswegen ist mir das so wichtig, dass wir auch hier bei dieser wichtigen
[22:59] ADHS-Folge drauf hinweisen, über die Kernrolle der Mitochondrien bei so vielen
[23:05] Abläufen hinweisen und auch wie man die schützen kann.
[23:08] Das heißt, natürlich braucht man manchmal ein Antibiotikum, um Leben zu retten,
[23:12] Aber man sollte zum Beispiel bestimmte Reserveantibiotika, die nur dem absoluten
[23:17] Notfall vorenthalten sind, nicht einfach so einbauen, wenn es nicht sein muss. Weil...
[23:22] Die Folgen können Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen sein.
[23:27] Anne, wenn du sagst, Mitochondrien durchmessen, wie muss ich mir das vorstellen? Wie geht das?
[23:32] Also man kann heutzutage sehr, sehr viel laburchemisch machen.
[23:37] Ich bin da immer sehr bedacht, einen sehr pragmatischen Ansatz zu wählen,
[23:42] auch um Kosten zu sparen, weil, das muss man auch sagen, nicht Krankenkassen da jeden Wert bezahlen.
[23:50] Das ist noch sozusagen Avantgarde der Medizin und man muss auch gar nicht viel
[23:55] machen, weil oft schon Symptome des Patienten, wenn man jetzt darin erfahren
[24:00] ist, einen sehr, sehr klaren Fingerzeig geben können.
[24:04] Aber man kann zum Beispiel das ATP intrazellulär messen,
[24:09] man kann das Coenzym Q10 messen und man kann inzwischen sogar den Mitochondrien-Status,
[24:17] wie gesund oder schlecht die sind, kann man alles messen.
[24:20] Ich finde, man muss aber gar nicht alles messen.
[24:23] Man kann auch einfach mal pragmatisch rangehen. Ab dem 20.
[24:28] Lebensjahr bis zum 30. Lebensjahr nimmt zum Beispiel das Enzym Q-Enzym Q10 schon leicht ab. Ab dem 40.
[24:35] Lebensjahr geht es richtig runter. Und so könnte man dann auch sagen,
[24:40] jeder ab einem bestimmten Alter kann mit Coenzym Q10 einen Mehrwert erreichen.
[24:48] Man kann das natürlich auch vorher messen, aber ich denke immer noch an den
[24:53] alten Apotheker meiner Eltern.
[24:56] Der leider nicht mehr unter uns lebt, der war toll. Der hat schon irgendwie
[24:59] vor 50 Jahren, 40 Jahren immer gesagt, ihr braucht alle Q10 irgendwann, Q10, Q10, Q10.
[25:06] Ich habe das dann irgendwie so als ganz kleines Kind schon aufgeschnappt.
[25:11] Also wusste überhaupt nicht, was das ist, aber ich fand das immer so spannend.
[25:15] Deswegen Q10 ist ja auch ein super Tipp gegen Parodontitis.
[25:20] Ganz spannende Substanz.
[25:23] Also heißt Durchmessen von den Mitochondrien, das läuft übers Blutbild. Ja, genau.
[25:28] Wie relevant sind denn bei ADHS-Betroffenen Sachen wie Omega-3,
[25:33] Zink, Magnesium, Vitamin B6?
[25:36] Absolut relevant. Also ich habe gerade in dem Thema ADHS sehr viel Austausch
[25:44] mit auch Eltern, die ihre Kinder zu mir schicken.
[25:48] Und wo man dann auch verschiedene Dinge probiert und auch misst,
[25:53] zum Beispiel im Blut und sieht, Wie geht es dem Kind von der Nährstoffversorgung
[25:58] und wie geht es mit einer Substitution?
[26:00] Hier muss man wirklich sagen, die Qualität von Omega-3-Fettsäuren und auch der
[26:06] Einsatz von qualitativ hochwertigen Omega-3-Fettsäuren ist einfach das absolute A und O.
[26:13] Wir wissen aber auch, dass auch in Studien bestätigt, Zink, Magnesium und B-Vitamine
[26:19] vor allen Dingen B6 eine wichtige Rolle spielen, weil sie im Neurotransmitterstoffwechsel
[26:24] hochrelevant sein können.
[26:27] Vor allen Dingen, wenn ein nicht erkannter Mangel vorliegt.
[26:30] Also zum Beispiel Zink ist essentiell für diesen Dopaminstoffwechsel.
[26:35] Dopamin ist unser Belohnungszentrum.
[26:37] Wenn Menschen da einen Mangel haben,
[26:38] dann brauchen die immer wieder so ein bisschen was Süchtigmachendes.
[26:42] Das ist so ein Kennzeichen, dass man da ein Problem mit hat.
[26:46] Das heißt, man sieht, dass Kinder mit ADHS in nachweislichen messbaren Studien
[26:52] häufig niedrige Zinkspiegel haben und dass deswegen eine Supplementierung bei
[26:58] nachgewiesener Mangel vor allen Dingen die Hyperaktivität reduzieren und die
[27:02] Aufmerksamkeit verbessern kann.
[27:04] Magnesium ist ja überhaupt das Stressmineral. Es beruhigt das Nervensystem.
[27:09] Und auch da bestätigen die Daten, dass es vor allen Dingen auch in Kombination
[27:15] mit Vitamin D Verhaltensprobleme, Hyperaktivität und emotionale Symptome lindern kann.
[27:23] Und B6 würde ich jetzt nicht alleine substituieren, sondern auch in einer bioaktiven
[27:27] Form und mit anderen B-Vitaminen ist ein Kofaktor für Neurotransmitter wie Dopamin und Serotonin.
[27:35] Und wenn man zu wenig davon hat, das gilt jetzt auch nicht nur für die armen
[27:39] Kinder, dann ist man oft müde, reizbar, hat Konzentrationsprobleme.
[27:45] Manche Leute haben auch einen Reizdarm, daher kommt ja auch der Name.
[27:49] Und in Kombination mit Magnesium sieht man Verbesserungen, vor allem auch von
[27:55] der Aufmerksamkeit, Aggressivität.
[27:57] Also man merkt, wenn man Dinge zusammen einsetzt, wird da ein großer Schuh draus
[28:03] und ich würde, wenn man es jetzt optimal machen will, diese Werte bestimmen,
[28:09] also zum Beispiel Vitamin D,
[28:11] B6 bioaktiv, Magnesium, Zink.
[28:14] Ich würde aber auch mal schauen, was macht das Eisen und Selen und dann kontrolliert
[28:20] diese Ergänzungen machen.
[28:22] Also wir haben da wirklich sehr, sehr schöne Erfahrungsberichte von Eltern und
[28:31] die uns bestätigen, wie effektiv das Ganze ist.
[28:34] Es gibt auch Beobachtungsfälle, wo man sieht, dass wenn man diese Basis hat.
[28:41] Auch mit der Gabe von Ginseng Kindern helfen kann.
[28:45] Aber das A und O ist, wie gesagt, die Omega-3-Versorgung.
[28:50] Dazu hast du ja auch in dem Buch Rann an das Fett, glaube ich,
[28:53] ein ganzes Kapitel geschrieben.
[28:54] Absolut, zum ADHS und vor allen Dingen zum Einsatz von Fetten auf das ADHS und
[29:00] auch mit Möglichkeiten, wie man gutes Fett alltagstauglich in den Alltag bringt.
[29:07] Ein ganz, ganz wichtiges Buch, finde ich, und in dem Bezug unglaublich aktuell
[29:14] geblieben, interessanterweise. Ja.
[29:17] Ich habe eine neue Studie gefunden aus August 2025 zu den Auswirkungen von ADHS-Medikamenten.
[29:25] Mit ermutigenden Nachrichten kann man sagen für Betroffene und ihre Familien.
[29:30] Eine internationale Forschungsgruppe unter Leitung des Karolinska-Instituts
[29:34] in Schweden und der University of Southampton hat erstmals wissenschaftlich belegt,
[29:40] dass eine medikamentöse ADHS-Behandlung weit über die bekannte Symptomlinderung hinaus schützt.
[29:46] Sie verringert signifikant das Risiko für suizidales Verhalten,
[29:51] Substanzmissbrauch, Verkehrsunfälle und kriminelle Handlungen.
[29:55] Drösel das doch bitte mal für uns auf. Ja, das ist eine Studie,
[29:59] die in einem renommierten Journal, dem British Medical Journal, publiziert wurde.
[30:04] Und die war wegweisend für das Verständnis von ADHS und der Therapie.
[30:10] Weil mit rund 149.000 Teilnehmern zwischen 6 und 64 Jahren ist das also keine kleine Studie.
[30:19] Manchmal liest man ja Bücher und da wird eine Studie zitiert und man denkt sich, boah, Wahnsinn.
[30:23] Und dann bestellt man sich das Originalpaper und denkt sich,
[30:26] wie, nur neun Probanden sind da eingeschlossen? Das ist also auch mit Vorsicht
[30:31] zu genießen, wenn da steht Studie und so weiter.
[30:35] Also es ist wirklich die größte, größte Arbeit ihrer Art und umfasste Menschen
[30:41] mit ADHS-Diagnose, jung wie alt.
[30:46] Übrigens, jetzt tauche ich so ein bisschen tiefer in die Pharmakologie ein.
[30:50] Also liebe Menschen da draußen, die jetzt nicht abgeschreckt seien,
[30:53] jetzt kommen ein paar Worte, die nicht so leicht auszusprechen sind.
[30:56] Also was wurde da am häufigsten verordnet?
[30:59] Nämlich der Klassiker der Medikation Methylphenidat.
[31:04] Gefolgt von Atomoxetin und Listexamphetamin.
[31:10] Die Ergebnisse sind beeindruckt und statistisch wirklich hochsignifikant.
[31:15] Man sieht, dass Menschen, die medikamentös behandelt wurden.
[31:21] Ein deutlich verringertes Risiko für vor allen Dingen schwerwiegende Lebensereignisse
[31:26] hatten, also suizidales Verhalten, Substanzmissbrauch, Verkehrsunfälle, Kriminalität.
[31:32] Das heißt, konkret so eine reduzierte Impulsivität kann auch wirklich signifikantes
[31:42] Verhalten ändern und auch gerade aggressives Verhalten eindämpfen.
[31:48] Ich würde jetzt natürlich aus meiner ursachenmedizinischen Sicht nicht sagen,
[31:53] juhu, da haben wir noch ein Medikament, los geht's.
[31:57] Ich versuche mich ja dem Thema immer von zwei Seiten zu nähern und den Menschen
[32:05] in die bestmögliche Gesundheit zu bringen.
[32:07] Und deswegen würde mir natürlich extrem am Herzen liegen, dass man gleichzeitig über Nahrung,
[32:16] Schlaf, Bewegung, Nahrungsergänzung und auch hier wieder Darm,
[32:20] Hirnachse, das müsste man dringend beforschen, arbeitet.
[32:25] Weil das ist die Erfahrung aus der Praxis, dass wenn man das parallel aufzieht,
[32:31] dass man da Medikamente auch einsparen kann.
[32:35] Und umgekehrt macht es also Sinn, auch bereits bei gesunden Kindern oder bei
[32:40] leicht auffälligen Kindern auch da schon dran zu denken.
[32:44] Okay, jetzt machen wir mal ein bisschen was mit mehr Ballaststoffe.
[32:46] Gucken wir mal, dass wir ein qualitativ gutes Omega-3 reinkriegen.
[32:50] Wie ist die B-Vitamin-Versorgung? Wir sehen, dass Kinder oft sehr,
[32:53] sehr mangelversorgt sind.
[32:55] Die Kinder kommen wirklich da zu kurz und sie sind auch im aktuellen Gesundheitssystem.
[33:01] Ich werde nicht nur schimpfen, es läuft auch vieles gut.
[33:03] Aber in der modernen Mikronährstoffmedizin ist da einfach für die Kinder noch
[33:09] irgendwie so richtig nicht der Anschluss unter der Nummer.
[33:13] Sie wollen ja auch vieles nicht essen. Das muss man ja auch immer dazu sagen.
[33:17] Also Kinder sind ja auch immer so ein bisschen speziell. Wie soll man es reinkriegen?
[33:21] Also ich nehme mich da gar nicht aus. Also wenn ich mich gerade vorstelle,
[33:26] in einer Zeitreise zurück, Anne Fleck in der Pubertät, also mich konntest du
[33:31] auch mit dem Salatblatt nicht immer lotten.
[33:34] Aber trotzdem hatte ich den Geschmack von ehrlichen, guten Lebensmitteln immer zu Hause.
[33:41] Hatte das Glück, dass meine Mutter auch sehr viel immer frisch gekocht hat.
[33:45] Ich glaube, man kriegt dann schon mit vom Geschmacksnerv, wie er zumindest seine
[33:49] Erziehung bekommen hat, dass er wusste, wie es denn eigentlich ganz gut schmecken kann.
[33:55] Aber zum Beispiel, ich finde das ja immer rührend, wenn Menschen uns schreiben,
[33:59] sie machen das Doc-Fleck-Frühstück. Das ist ein ideales Frühstück für jedes
[34:03] Kind mit ADHS oder ohne ADHS.
[34:07] Also auf der Basis von Quark oder auf der Basis von Nüssenkern,
[34:11] Samen, eine Handvoll Obst.
[34:14] Das Kind kann das alles selbst dekorieren oder man macht in den Quark eine Banane,
[34:18] püriert die rein und macht dann.
[34:20] Der Trick ist ja ein Algenöl rein, Leinöl mit DHA, EBA, Zusatzweizenkarmöl und
[34:27] Vitamin D gibt es ja auch inzwischen schon dabei.
[34:30] Man kann das Öl direkt unterpürieren, vielleicht auch noch ein bisschen Honig dran.
[34:35] Oder manche lieben das ja sogar obendrauf. Mein jüngster Neffe,
[34:40] der kommt ja dann ganz zauberhaft im Alter jetzt von fünf und sagt,
[34:44] also ich nehme jetzt noch ein bisschen von dem guten Öl.
[34:48] Und der betont das, da legst du dich einmal nur noch in die Ecke, ganz zauberhaft.
[34:53] Und wenn das Kind dann aber selbst diese Basis dekorieren kann,
[34:57] also vielleicht mit Blaubeeren oder manche mögen was anderes und dann machen
[35:00] sie da noch eine Nuss in die Ecke oder das oder man kann noch ein Ballaststoffpulver unterrühren.
[35:06] Ich sage wirklich mit vollster Überzeugung, dass das so viel Nutzen bringen
[35:12] kann, weil einfach die Menschen mich davon überzeugt haben, dass es funktioniert.
[35:18] Das wäre eigentlich ideal, einfach auch mal so anfangen.
[35:22] Dann bleiben wir doch auch direkt beim Thema Ernährung. Die Ursachen für ADHS
[35:26] liegen in der Entwicklung und der Arbeitsweise des Gehirns.
[35:30] Haben wir übrigens auch eine sehr ausführliche Folge zugemacht letztens.
[35:33] Ernährung ist also nicht die Hauptursache, aber sie kann Einfluss auf die Ausprägung
[35:39] der Symptome haben, oder?
[35:41] Ja, der Zusammenhang ist komplex. Man kann jetzt nicht einfach sagen,
[35:45] dieses Lebensmittel macht ADHS.
[35:48] Ernährung ist auch hier ein Faktor unter vielen, vor allem neben der Genetik,
[35:53] der Umwelt, dem Stresslevel, der Schlaf.
[35:56] Aber auch hier, es zeigt sich immer wieder,
[36:00] eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, mit Obst,
[36:05] mit hochwertigem, qualitativ gutem Fett, ausreichend Eiweiß bei Kindern,
[36:10] Vollkornprodukten, kann mit einem geringeren ADHS-Risiko und mit milderen Symptomen einhergehen.
[36:17] Also Ernährungsweisen, die jetzt stark mit Fastfood, Süßigkeiten,
[36:24] Softdrinks und sehr hochverarbeiteten, zuckerreichen Lebensmitteln arbeiten,
[36:30] die stehen dagegen nachweislich mit einem erhöhten Risiko in Verbindung.
[36:34] Und vor allen Dingen auch Zucker oder Süßstoff sehe ich da besonders kritisch.
[36:40] Und Struktur in die Mahlzeiten bringen, weil viele ADHS-Kinder vergessen ja
[36:45] auch zu essen oder futtern dann ganz viel. Wie kriegen wir da so ein bisschen mehr Struktur rein?
[36:50] Richtig, also die grobe Struktur morgens, mittags, abends, also zum Beispiel
[36:55] so ein Doc Fleck, Frühstück mit einem guten Fett, dann sind die Kinder auch sehr, sehr lange satt.
[37:00] Sie haben ideales Futter fürs Gehirn, gutes Fett mit Eiweiß.
[37:05] Eiweiß bringt gutes Omega-3, besser dahin, wo es hin soll.
[37:09] Und dann eigentlich möglichst feste Zeiten.
[37:12] Ohne die Kinder jetzt noch neurotisch zu programmieren, dass sie zwanghaft,
[37:16] ich esse aber nur um 12.07 Uhr.
[37:20] Das ist wichtig, aber so beugt man eben auch Heißhungerattacken vor,
[37:24] Blutzuckerkarussell. und ich würde vor allen Dingen den Morgen und den Abend ähm,
[37:33] Sehr darauf achten, wenn die Kinder auch oder wenn man mit der Familie zusammen isst.
[37:38] Mittags ist es auch oft so, dass wenn die Kinder Medikamente nehmen,
[37:43] die Lust aufs Essen eher geringer ist.
[37:45] Manchmal essen die Kinder ja heutzutage auch schon auswärts in der Schule.
[37:49] Das kann man auch nicht immer beeinflussen. Wenn man es beeinflussen kann,
[37:53] kann man sagen, so schnellverdaubliche Kohlenhydrate, Weißbrot, Süßigkeiten.
[37:59] Leider auch die Brezel oder so, lässt den Blutzucker schnell ansteigen und wieder abstürzen.
[38:05] Und das kann gerade bei diesen Kindern Unruhe, Reizbarkeit
[38:08] und den ganzen Konzentrationsschwankungssymptomen Vorschub leisten.
[38:14] Also besser wäre hier doch auch mal Haferflocken oder Hülsenfrüchte oder dem
[38:21] Kind auch noch mal was extra ein bisschen mitgeben.
[38:23] Ein Apfel, ein Säckchen mit Nüssen oder Mandeln oder Naturjoghurt.
[38:28] Manche guten Ölen gibt es in kleinen Fläschchen. Ich würde Öl übrigens nicht
[38:32] in den Quark oder Joghurt einrühren und dann in der Tupperdose mitgeben.
[38:38] Direkt verbrauchen, ne? Selbst direkt verbrauchen, damit das Öl nicht oxidiert.
[38:43] Und Eiweiß braucht das Kind eben auch, weil das ist elementarer Baustein für
[38:48] die Botenstoffe im Gehirn und spielt bei ADHS eine extrem wichtige Rolle.
[38:54] Das heißt, man weiß, eine tendenziell eiweißbetonte, gesunde,
[38:59] fettbetonte Ernährung mit weniger Kohlenhydraten, vor allem qualitativ hochwertigen
[39:05] Kohlenhydraten, also Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse,
[39:10] scheint wirklich vorteilhaft zu sein.
[39:13] Und ob das jetzt ein Vollkompot ist mit einem Lieblingskäse oder ein Joghurt
[39:17] mit Haferflocken, kann ich nur ans Herz legen.
[39:21] Ich würde dann darauf achten, wenn man als Familie zusammen isst, natürlich...
[39:26] Frisch, vielfältig, hoher Gemüseanteil, auch mal gern noch ein bisschen Olivenöl dazu.
[39:32] Das Kind kann vielleicht auch lernen, mit ein bisschen Nüssen,
[39:35] Kernen, Samen den Teller zu dekorieren.
[39:37] Auch das kann Struktur bringen, wenn das Kind einfach sieht,
[39:40] ich habe da was im Angebot, auch morgens beim Frühstück.
[39:43] Da stehen dann ein paar Kerne, die es mag und jeden Tag macht es sein Frühstück
[39:48] selbst in seiner Struktur.
[39:51] Das ist ein ganz tolles, beruhigendes, schönes Ritual.
[39:57] Es gibt einen Begriff, der immer wieder auftaucht, wenn man sich mit ADHS und
[40:02] Ernährung beschäftigt, die Oligo-Antigene-Diät.
[40:06] Was ist die Idee denn dahinter?
[40:09] Also unter diesem auch wieder etwas komplizierten Wort Oligo-Antigen kommt ja
[40:15] aus dem Altgriechischen, hatte ich noch in der Schule.
[40:18] Dann übersetzt mal. Ja, wenig, ja Oligos, wenige Antigene.
[40:23] Das heißt, man fokussiert sich erstmal auf eine kleinere Auswahl an Lebensmitteln,
[40:29] die ein geringes allergenes Potenzial haben.
[40:32] Also man lässt so typische verdächtige Lebensmittel weg, vor allen Dingen Kuhmilch,
[40:38] Kuhmilchprodukte, Ei, Fisch, Soja, Nüsse und Gluten.
[40:44] Das macht man jetzt nicht endlos, aber für einige Wochen.
[40:48] Was ist erlaubt? Vieh Gemüse, Obst, glutenfreies Getreide, da gibt es ja auch
[40:53] eine Menge Reis, Hirse, Buchweizen, glutenfreie Haferprodukte,
[40:57] Kartoffeln, Fisch, Fleisch, also schlichte Lebensmittel.
[41:03] Und wenn man beobachtet, dass sich die Symptome wirklich bessern,
[41:09] dann können die ausgelassenen Lebensmittel eins nach dem anderen wieder nach
[41:13] und nach eingeführt werden, aber auch mit ein bisschen Abstand.
[41:16] Also auch nicht jeden Tag nochmal was Neues einführen, so wirklich ein paar
[41:20] Tage dazwischen Zeit lassen, drei, vier, fünf Tage und dann mit einem Ernährungstagebuch
[41:26] beobachten. Wie ist die Stimmung?
[41:29] Wie ist die Konzentration? Wie ist der Schlaf? Also es gibt wirklich relevant
[41:35] ernstzunehmende Fakten, die zeigen,
[41:38] dass diese Diät bei manchen einen durchschlagenden Erfolg bringen kann.
[41:44] Ich würde das nicht auf eigene Faust einfach so machen, sondern auch fachärztlich
[41:50] gut kontrolliert machen und es strukturiert machen.
[41:55] Das wäre aber erstmal Zündstufe 3. Zündstufe 1 ist, finde ich, erstmal die Struktur.
[42:01] Zündstufe 2 ist die Ernährung, die Nahrungsergänzung berücksichtigen,
[42:07] also auch das Omega reinholen und auch vielleicht einen Eisenmangel abklären lassen.
[42:12] Übrigens ein Eisenmangel findet sich ja auch bei Kindern mit ADHS sehr häufig.
[42:17] Das ist für mich wiederum als Detektiv ein Indiz, dass es sich um ein entzündliches
[42:23] Phänomen handeln könnte, wenn nicht sogar muss, weil das geht oft mit einem Eisenmangel anher.
[42:29] Deswegen profitieren auch Kinder, dass man Eisen substituiert,
[42:33] kontrolliert natürlich oder auch mal sagt, in dem Fall ist es schon mal nicht
[42:38] schlecht, wenn es auch mal ein Stück Geflügel, ein Stück Fleisch isst.
[42:41] Also der Eisenspiegel muss gut sein.
[42:44] Das ist neben Omega-3, den B-Vitamin, Magnesium und Zink auch ganz, ganz wichtig.
[42:50] Und wenn man dann mit diesen Maßnahmen merkt, man ist noch nicht so ganz zufrieden,
[42:56] dann würde ich mal diese doch immunologisch interessante Ernährung umsetzen.
[43:03] Weil wofür steht diese Ernährungsform?
[43:07] Sie ist eigentlich der Beweis, dass wenn man das Immunsystem beim ADHS beruhigt.
[43:13] Man nimmt einfach Lebensmittel raus, die das Immunsystem auf Trab halten,
[43:17] also Milch, Eiweiß, Gluten als Eiweiß, dass da auch was hinter stecken kann.
[43:24] Deswegen wäre es so wichtig auch zu erforschen, was hat das Immunsystem kompromittiert
[43:29] oder auch weiterführende Studien gibt es bestimmte immunologische Auffälligkeiten,
[43:35] die eine noch nicht erkannte Ursache von ADHS sind. Also spannend.
[43:41] Da würde ich in der Forschung unbedingt reingehen und mehr wünschen.
[43:45] Dann hören uns hoffentlich die richtigen Leute zu. Ja, unbedingt.
[43:49] Ich wurde auch schon ein paar Mal gefragt, ja und hier Interesse, Lehrstuhl und so.
[43:55] Ich hätte Sorge, das Problem ist, du willst ja auch Dinge beforschen und aus voller Kraft.
[44:01] Und ich fände es total frustrierend, weil ich weiß, ich habe unglaublich viele Ideen.
[44:06] Das hat mir auch meine frühe wissenschaftliche Gruppe bestätigt.
[44:12] Aber wenn du dann kein Geld kriegst und dann auf dem Trockenen sitzt,
[44:15] dann wäre ich sehr frustriert.
[44:17] Also das... Und es würde ja auch deine Arbeit an den Patienten,
[44:20] die du jetzt hast, beeinträchtigen.
[44:23] Also von daher... Ich finde, sehr, sehr gute Forscher können auch gute Kliniker sein.
[44:28] Ist nicht immer beides, aber ich habe immer sehr, sehr gern an der Uni gearbeitet und lange.
[44:36] Und habe mich auch immer wahnsinnig gern um die jungen Weißkittel gekümmert.
[44:40] Also ich hatte da eine Riesenfreude in der Lehre. Aber wer weiß, was noch kommt.
[44:45] Ja, dann kommen wir auch schon zum Ende, Anne. Zum Schluss aber noch was Positives von uns.
[44:49] Wir möchten ja nicht unerwähnt lassen, dass viele Betroffene aufgrund ihrer
[44:52] ADHS auch wirklich besondere Ressourcen haben.
[44:56] Absolut. Also Impulsivität kann sich in Kreativität umschlagen.
[45:01] Also wir sehen ja auch an den Beispielen, ja auch Musiker Justin Bieber,
[45:06] dass gerade Menschen, die etwas Herausragendes leisten, sind ja auch manchmal
[45:12] genau die, die auch so eine Grenze haben, was Impulsives haben,
[45:16] was sehr Kreatives haben.
[45:18] Insofern würde ich mich jetzt auch gar nicht verstecken. Und vielleicht sollte
[45:24] man auch die Kinder und Jugendlichen gerade ermächtigen.
[45:29] Mach das Beste draus. Du hast einfach ein bisschen Impulse, aber wie gehst du damit um?
[45:37] Und das eben nicht bewerten, sondern verwerten.
[45:42] Und ich hoffe, dass diese Folge vielen, vielen Menschen da draußen ganz viel bringt. Danke, Anne.
[45:48] In der nächsten Folge kümmern wir uns um das Thema Frauengesundheit. Auch ein großes Feld.
[45:53] Wir wollen den Zyklus besser verstehen und deswegen fangen wir damit an.
[45:57] Schreibt uns bis dahin gerne an podcast.dogfleck.com und abonniert uns auf RTL
[46:03] Plus und wo auch immer ihr uns hört.
[46:05] Bis nächste Woche. Bis nächste Woche und...

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