# Meine Bipolare Störung belastet meine Beziehungen – oder bin ich einfach bindungsängstlich?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 27 Jun 2026, 59 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/247696-meine-bipolare-stoerung-belastet-meine-beziehungen-oder-bin-ich-einfach-bindungsaengstlich.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69524a4a854ad&awEpisodeId=247696

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## Transcript

[0:02] Auch wenn ich mal Schwäche zeigen muss, ist mir bei meinen Eltern auch der Kragen
[0:07] geplatzt, weil ich nicht mehr konnte, weil ich nicht mehr die Leistung bringen
[0:11] konnte, sage ich mal, oder weil mir auch manche Sachen gegen den Strich gegangen sind.
[0:16] Damals, wo ich jung war, konnte ich damit aber nicht adäquat damit umgehen.
[0:21] Hallo und herzlich willkommen zu Stahl aber herzlich und heute ist der Timon
[0:25] bei mir. Timon ist 43 Jahre alt und hat schon einige Beziehungen und sogar drei
[0:30] Ehen sozusagen in den Sand gesetzt.
[0:33] Und er sagt, er leide eben auch unter einer diagnostizierten bipolaren Störung,
[0:39] und ist sich aber nicht sicher, ob er eben auch noch Bindungsangst hat oder
[0:43] ob das eine mit dem anderen zusammenhängt und möchte natürlich gerne auch Tipps
[0:48] haben, wie er es jetzt in seiner aktuellen Beziehung, die er gerade wieder hat,
[0:52] einfach besser machen kann.
[0:54] Und genau um diese Themen wird es gleich gehen.
[1:04] Hallo, lieber Timon. Willkommen bei Stahl, aber herzlich.
[1:10] Und du hast ja bestimmt einige Folgen gehört und weißt, dass ich immer direkt
[1:14] einsteige, ohne viel Smalltalk.
[1:19] Was ist dir passiert im Leben sozusagen, dass du jetzt hier sitzt?
[1:24] Ja, ich wollte mal mit dir darüber sprechen, weil ich leide unter einer biopolaren
[1:29] Störung und das beeinflusst auch mein Beziehungsleben.
[1:32] Also Beziehungen bedeuten für mich halt Nähe und Vertrauen, genau das,
[1:36] was bei einer bipolaren Störung oft schwerfällt.
[1:39] Bipolare Störung, mir ist bewusst, was das bedeutet. Ich weiß nicht,
[1:44] ob alle Hörer und Hörerinnen das wissen.
[1:47] Magst du uns gerade mal kurz erklären, was das heißt, eine bipolare Störung zu haben?
[1:53] Ja, man schwankt in seinen, einfach gesagt, Launen, aber auch man extrem gesagt
[2:00] zwischen einer Depression und einer manischen Phase, das heißt einer Hochphase,
[2:05] in der man begeistert ist oder überbegeistert ist,
[2:09] viel Enthusiasmus hat, aber auch einer Depression, in der man tiefe Depressionen
[2:15] hat und das Gefühl halt einfach hat, sich zurückzuziehen.
[2:19] Ja, ich denke, das Wichtige, was zu verstehen ist bei der bipolaren Störung,
[2:23] es handelt sich eben nicht um normale Stimmungsschwankungen,
[2:27] die jeder kennt, sondern richtig manische Phasen.
[2:30] Manische Phasen heißt, man verliert ja ein Stück weit auch den Kontakt zur Realität,
[2:35] kommt in einen Zustand der starken Übererregung.
[2:39] Alles ist toll, alles ist großartig, ich bin großartig, was kostet die Welt.
[2:45] Und schwankt dann wieder in eine depressive Phase.
[2:47] Das ist dann eher die Unterregulierung, da ist man eher untererregt,
[2:52] wo dann Rückzug ist und eben auch Gefühle der Wertlosigkeit. Jawohl.
[2:58] Und das hat mich eigentlich ein Leben lang halt auch begleitet in Bezug auch
[3:02] zu Beziehungen, in denen man am Anfang auch eine sehr große Hochphase hatte.
[3:08] Eine gute Bindung aufbauen konnte, aber dann auch Phasen gab,
[3:12] in denen man einfach sich zurückziehen wollte, in denen man Ruhe gebraucht hat.
[3:16] Und das hat natürlich auch dann Beziehungen beeinflusst.
[3:19] Aber auch die eigene Angst davor, einfach vor solchen Phasen auch was zu verlieren.
[3:25] War sehr eine Belastung für mich gewesen. Wie lange hast du das denn schon,
[3:29] diese bipolare Erkrankung?
[3:32] Also diagnostiziert wurde das schon in meiner Zeit,
[3:36] Pubertät sozusagen, sagen wir mal, gut in der Spätpubertät zwischen 17 und 18
[3:42] eigentlich, ja, wurde das von einem Arzt diagnostiziert.
[3:48] Okay, und nimmst du Medikamente?
[3:51] Ich nehme dafür Medikamente, ja, um das gewissermaßen zu regulieren,
[3:56] aber das schließt nicht aus, dass man trotz allem praktisch diese Stimmungsschwankungen
[4:00] immer auch fühlt trotzdem.
[4:05] Okay, also die Medikamente dämpfen es bei dir nur?
[4:09] Aber du hast trotzdem noch eine ziemliche Amplitude manchmal. Jawohl, ja.
[4:14] Und dann gibt es aber auch Phasen, die relativ normal sind.
[4:18] Die relativ normal sind, ja. In so einer bist du gerade. Ja,
[4:22] in so einer bin ich normal, kann man so sagen.
[4:26] Wie gesagt, es ist momentan der Fall. Deswegen bin ich auch bei dir.
[4:31] Es ist momentan, dass ich eine neue Beziehung habe, die startet,
[4:34] die gut startet, die ich aber auch gut halten möchte.
[4:37] Und die Frage ist, wie geht man damit um, diese Phase zu halten?
[4:41] Also man ist eher in der Hochphase, es läuft alles gut, aber die Angst auch
[4:45] davor kann es sein, dass durch eigenes Zutun irgendwie das zerbricht.
[4:49] Verstehe ich dich richtig, Timon. Du hast eigentlich so die Sorge,
[4:54] dass deine psychische Erkrankung dir dazwischen kommt.
[4:58] Das ist richtig. Die Frage ist natürlich meinerseits natürlich auch,
[5:03] kommt es von der psychischen Erkrankung?
[5:06] Ist es irgendwas, was aus der Kindheit kommt? Ist es was anderes?
[5:11] Inwieweit ist die Krankheit dafür verantwortlich?
[5:14] Inwieweit bin ich das? Inwieweit ist das mein Charakter? Ja,
[5:18] was kann ich dagegen tun noch?
[5:20] Ja, wo ich sage, ja, mit der Krankheit, man kann gut mit Medikamenten leben natürlich auch, aber im
[5:27] sozialen Aspekt ist es natürlich auch, will man sich auch weiterentwickeln,
[5:30] was kann man noch tun, wie kann man sich noch entwickeln, um praktisch dieses
[5:35] soziale Miteinander auch gerade in Beziehungen einfach zu verbessern.
[5:39] Okay, ich versuche das jetzt nochmal für mich so zu sortieren und auf den Punkt zu bringen.
[5:44] Was du ja erzählst ist, also eher so ein bisschen implizit erzählst,
[5:49] dass du befürchtest, dass da vielleicht auch eine gewisse Bindungsangst ist,
[5:55] also dass du irgendwie deine Beziehung immer wieder…,
[5:58] Du belastest, weil du dich zurückziehst, weil du dann irgendwie nicht mehr so
[6:02] viele Beziehungen haben willst nach einem tollen Start und du dir nicht sicher bist, inwiefern,
[6:08] ist das eigentlich eine Folge dieser bipolaren Störung oder könnte es etwas
[6:13] sein, was völlig unabhängig davon existiert.
[6:16] Habe ich das richtig verstanden? Das ist richtig, ja. Okay. Genau.
[6:19] Dann würde ich sagen, werden wir jetzt einfach mal konkret.
[6:22] Wie viele Beziehungen sind denn bei dir so ungefähr schon gescheitert?
[6:26] Ja, mit mehr. jetzt mit 43 Jahren sind leider auch schon drei Ehen gescheitert. Drei Ehen?
[6:34] Ja. Das hört sich auch schon ein bisschen manisch an, wenn ich das so sagen
[6:36] darf. Richtig, das hört sich auch schon etwas negativ an, ja.
[6:40] Plus noch, sagen wir vielleicht zusätzlich nochmal drei Beziehungen,
[6:46] ja, drei richtige Beziehungen, ja, die daran gescheitert sind.
[6:53] Daran? Woran denn eigentlich genau? Also versuch es mal konkret zu schildern.
[6:57] Wie so ein typischer Beziehungsverlauf bei dir abläuft.
[7:01] Ja, am Anfang läuft ja alles immer relativ gut.
[7:06] Es läuft gut. Und dann kommt mal eine Phase,
[7:10] in der ich mich zurückziehe, in der ich meine eigene Energie brauche oder es
[7:16] einfach nicht schaffe, eigentlich, was ich auch denke, einfach so gut zu performen, wie ich es möchte.
[7:24] Ich habe einfach nicht die Kraft dazu, so gut,
[7:27] zu performen, wie es es eigentlich möchte, setzt mich zusätzlich unter Druck
[7:31] und gibt das eine oder andere, es war auch schon die letzten Jahre halt so der
[7:36] Fall, dass ich mich dann aus Beziehungen rausgezogen habe und mich gar nicht
[7:40] mehr gemeldet habe, weil ich gar keine Kraft mehr hatte.
[7:43] Um das aufrechtzuerhalten.
[7:46] Okay, also Timon, jetzt hast du eigentlich was extrem Wichtiges gesagt.
[7:50] Das halte ich für einen der Schlüsselpunkte in deinem Beziehungserleben.
[7:55] Nämlich du hast gesagt, ich kann ja nicht mehr so gut performen.
[8:00] Und das bedeutet ja auch, dass du das Gefühl hast, in gewisser Weise performen
[8:05] zu müssen, dass du dich gar nicht so richtig traust, du selbst zu sein in Beziehungen.
[8:11] Und wenn du jetzt gut drauf bist, wenn du in einer stabilen Phase bist,
[8:16] vielleicht sogar ein klein bisschen manisch, weil so ein bisschen manisch ist
[8:20] ja gar nicht so schlecht, solange es nicht zu krass wird. Richtig.
[8:25] Dann bist du super gut drauf, was kostet die Welt, dann wow,
[8:30] Charisma und und und und.
[8:33] Aber irgendwann wird es ja auch wieder ein bisschen ruhiger,
[8:35] vielleicht kippt es sogar ein bisschen wieder mehr ins Depressive,
[8:38] dann kommen wieder die Selbstzweifel, dann kommt wieder so ein Rückzugsbedürfnis.
[8:43] Und jetzt hast du aber das Gefühl, nicht das Gefühl, das darf auch sein,
[8:49] das gehört auch zu mir, sondern du hast das Gefühl, du müsstest so einen gewissen
[8:53] Performance-Level aufrechterhalten. Ja, absolut, ja.
[8:58] Ja, man möchte konstant sein. Versuch immer mal ich zu sagen, nicht Mann.
[9:02] Mir fällt auf, die Rede ist immer viel mit Mann. Versuch möglichst zu sagen ich. Ja, okay, absolut.
[9:09] Ja, ich möchte ein gewisses Level halten. Ich habe auch einen Anspruch an mich,
[9:13] das muss ich auch dazu sagen.
[9:15] Ich habe auch einen gewissen Perfektionismus, der auch bei mir eine Rolle stellt, den ich habe.
[9:22] Das sind halt solche Sachen, genau deswegen habe ich gesagt,
[9:24] das sind halt Sachen, die möglicherweise aus der Kindheit kommen.
[9:27] Vielleicht sind die nicht von der Krankheit herröhren, aber so bin ich aufgezogen.
[9:31] Perfektionismus, performen, eine
[9:33] gewisse Leistung bringen, auch in der Beziehung diese Leistung halten.
[9:37] Und wenn ich das nicht schaffe mit meiner Kraft, verzweifle ich.
[9:40] Das hört sich nach echt viel Druck an, Timon. Absolut, das ist Druck.
[9:45] Das ist Druck. Und ich würde sagen, dieser Druck, also ein Teil deiner Frage,
[9:49] den kann ich dir jetzt schon direkt beantworten, der ist unabhängig von deiner Erkrankung.
[9:55] Du hast ja eben auch schon Andeutung gemacht, das hat was mit deiner Kindheit
[9:59] zu tun, du bist so erzogen worden.
[10:01] Also da war ein hoher Leistungsdruck anscheinend bei euch in der Familie,
[10:04] dass man performen muss, dass man liefern muss, dass man Leistung zeigen muss.
[10:09] Das kann natürlich mit einem Stressor gewesen sein, dass diese Erkrankung auch
[10:14] bei dir überhaupt ausgebrochen ist, aber der auch unabhängig von deiner Erkrankung besteht.
[10:22] Und natürlich, wenn ich mich in dich hineinversetze, wenn ich mir vorstelle,
[10:27] ich leide unter einer bipolaren Störung,
[10:30] und kann schon alleine aufgrund dessen gar nicht immer so leisten,
[10:35] dann ist der Druck ja gleich mal doppelt.
[10:38] Richtig, das fühle ich auch.
[10:43] Ja, die bipolare Störung gehört zum Kreis der psychischen Erkrankung und diese
[10:49] Erkrankung ist multifaktoriell. Das heißt, es gibt nicht den einen Grund,
[10:54] warum man darunter erkrankt, sondern mehrere Gründe.
[10:57] Es hat sich gezeigt, dass es eine genetische Komponente gibt.
[11:01] Das heißt, Menschen, die einen bipolaren Verwandten haben, also im nahen Verwandtenumfeld,
[11:06] haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Aber die genetische Komponente
[11:11] allein reicht nicht aus.
[11:13] Häufig kommen eben auch biografische Ursachen hinzu.
[11:16] Das heißt, wie war die Kindheit? Gab es da weitere Stressoren,
[11:20] die eben in der Kindheit aufgetaucht sind?
[11:23] Und dann gibt es auch so etwas wie aktuelle Stressoren, das heißt zum Beispiel schlechter Schlaf oder.
[11:30] Alkohol, Drogen und so weiter, können auch Einflussfaktoren sein,
[11:35] die eine bipolare Störung dann eben auch mit auslösen können.
[11:41] Man kann sich die bipolare Störung in etwa wie vor vorstellen.
[11:45] Normalerweise ist die Psyche,
[11:48] Wie so ein Thermostat, das heißt, wird immer so ein bisschen reguliert,
[11:52] auch die Stimmungen werden reguliert, gewisse Schwankungen werden ausgeglichen
[11:56] und bei der bipolaren Störung ist dieser Thermostat sozusagen etwas kaputt.
[12:03] Das heißt, in der Manie sozusagen fährt die Heizung ungebremst hoch.
[12:09] Das Gehirn wird von Neurotransmittern wie Dopamin überflutet.
[12:14] Und das bedeutet, dass man in so rauschartige Zustände kommt.
[12:18] Das heißt, man hat mega viel Energie, wahnsinnige, tolle Ideen, eine hohe Euphorie.
[12:26] Und das kann dann eben ganz krass auch werden, das heißt bis hin zu Wahnvorstellungen,
[12:33] dass die Betroffenen plötzlich glauben, sie werden Jesus und müssen die Welt
[12:36] therapieren oder dass sie ganz krasse
[12:40] Sachen machen in der manischen Phase, also ganz viel Geld ausgeben,
[12:44] ständig lokal Runden schmeißen, irrsinnige Anschaffungen machen,
[12:48] wenn es sehr ausgeprägt ist.
[12:50] Und dann gibt es immer wieder den anderen Zustand. Das heißt,
[12:54] die Heizung fällt plötzlich komplett aus. Das ist die Depression.
[12:59] Und da ist es eben nicht nur eine Traurigkeit, sondern auch so eine bleiernde Schwere.
[13:03] So ein totaler biologischer Stillstand. Hier fehlt plötzlich das ganze Dopamin.
[13:10] Auch Serotonin fehlt.
[13:12] Und plötzlich ist das ganze innere System auf dem Energiesparmodus mit den ganzen
[13:17] depressiven Symptomen.
[13:19] Und das ist eben eine Erkrankung, die kann man auch nicht mit gutem Willen in
[13:23] den Griff kriegen, sondern ganz gut mit Medikamenten einstellen.
[13:28] Und die Betroffenen müssen eben auch aufpassen, dass sie einen einigermaßen
[13:32] geregelten Lebensstil führen.
[13:35] Und diese Erkrankung ist natürlich auch im unterschiedlich starken Ausmaß da.
[13:39] Die einen haben ganz, ganz krasse Amplituden, bei den anderen ist es nur so
[13:44] eine leichte Manie und eine leichte depressive Verstimmung.
[13:49] Wo es nicht so stark ausgeprägt ist.
[13:52] Wie stark das bei Timon ausgeprägt ist, das weiß ich jetzt noch nicht an dieser
[13:56] Stelle des Gesprächs, aber das wird natürlich auch noch thematisiert werden.
[14:03] Okay, dann frage ich dich jetzt einfach mal, Timon, was glaubst du denn,
[14:08] musst du leisten in der Beziehung?
[14:10] Also was musst du denn da so liefern? Also was ist denn so dein Selbstbild,
[14:16] wie du sein musst, dein Ideal selbst als Beziehungspartner?
[14:20] Naja gut, man beschäftigt sich, also ich beschäftige mich auch viel mit Psychologie,
[14:25] auch mit Paartherapie und mit solchen Dingen, um natürlich sich da zu verbessern.
[14:33] Das ist immer mein Anspruch auch.
[14:35] Und für den Partner da zu sein, das Richtige im richtigen Moment zu machen, was muss man machen?
[14:45] Das ist eine gute Frage, um einfach keinen Konflikten Raum zu geben.
[14:53] Oh je, das hört sich so anstrengend an. Ja, es ist auch so anstrengend, wie es sich anhört.
[14:59] Also Timon, das heißt ja im Grunde genommen, dass du fast die hundertprozentige
[15:05] Verantwortung dafür übernimmst, dass die Beziehung zu deiner Partnerin gelingt.
[15:10] Du musst dich richtig verhalten, du musst Konflikte vermeiden,
[15:13] du musst irgendwie wahrscheinlich auch noch gut drauf sein, gut gelaunt sein,
[15:17] ihre Bedürfnisse rechtzeitig erkennen und rechtzeitig erfüllen und so weiter und so fort.
[15:23] Ja, das ist richtig. Ich weiß aber andererseits, das ist auch natürlich,
[15:27] dass man eigentlich so sein sollte, wie man ist, um einfach frei zu sein.
[15:35] Und dieses beide zu kombinieren.
[15:39] Ist schwer. Theoretisch ist ja klar, dass du eigentlich auch du selbst sein
[15:45] dürftest, müsstest in der Beziehung, um dich auch irgendwo ein bisschen auch
[15:50] noch frei zu fühlen in der Beziehung.
[15:53] Aber das ist nicht, was du lebst.
[15:55] Das ist nicht das, was ich leben kann.
[16:00] Ja, was wäre denn, wenn du jetzt mal so der echte Timo wärst?
[16:07] Hast du davon überhaupt eine Vorstellung, wer du wärst, wenn du nicht performen müsstest?
[16:13] Ja, wäre ich sicher auch jemand.
[16:19] Und ich bin auch schon mal so eine Beziehung eingegangen, in der ich das machen
[16:24] konnte, aber diese Person nicht wirklich geliebt habe.
[16:27] Aber ich konnte so sein, wie ich bin. Dann war ich in dem anderen Dilemma,
[16:31] dass ich die Person halt nicht geliebt habe.
[16:34] Das hat dir dann Freiheit gegeben. Genau, das hat mir Freiheit gegeben, zu sein, wie ich bin.
[16:39] Andererseits, um auf deine Frage zurückzukommen so sein, wie man ist zu einer
[16:44] Person, die man liebt, die man von Herzen liebt,
[16:49] Man hat Angst vor Ablehnung. Du hast Angst vor Ablehnung? Ja,
[16:54] vor Ablehnung, vielleicht vor Verlustängsten, dass sich die Person von einem
[16:58] abwendet, wenn man so ist, wie man ist oder Schwäche zeigt.
[17:03] Okay, also im Grunde genommen ist ja dein Problem das Problem,
[17:06] das ganz, ganz viele Menschen haben und das existiert aus meiner Sicht unabhängig
[17:13] von der bipolaren Erkrankung, aber wird durch sie noch verstärkt,
[17:18] Nämlich das Gefühl, ich genüge nicht, wie ich bin.
[17:21] Also muss ich mich anstrengen, um geliebt zu werden. Beziehungsweise ich muss
[17:25] deine Erwartungen erfüllen, um geliebt zu werden.
[17:28] Richtig, ja. Das ist irgendwie was Tiefes in meinem Herzen, ja. Genau.
[17:33] Und das, denke ich, wird durch die bipolare Erkrankung verstärkt in dem Sinne.
[17:41] Und dann habe ich noch diese manischen Schübe und dann ab und zu wieder einen depressiven Absturz.
[17:46] Also ich genüge ja wirklich nicht, wie ich bin. Ich bin da ja teilweise eine
[17:51] Zumutung oder irgendwie sowas, was so in diese Richtung geht von den Gedanken her.
[17:55] Absolut, ja. Also es ist so ein bisschen obendrauf noch so eine zweite Packung, vermute ich.
[18:02] Denn es hört sich für mich so an, dass dieses mangelnde Selbstwertgefühl nicht
[18:08] eine Folge deiner Erkrankung ist, sondern dass das schon vorher da war,
[18:12] weil du hast Andeutung gemacht, dass sehr viel Leistungsdruck in deinem Elternhaus war.
[18:17] Kannst du uns da mal ein bisschen mit reinnehmen, wie das bei euch zu Hause zuging?
[18:22] Ja, absolut. Natürlich. Also ich kann dazu sagen, zu meiner familiären Historie
[18:27] ist es so, ich bin halt ein Einzelkind.
[18:30] Und es hat sich alles auf mich konzentriert. Meine Eltern wollten was aus mir machen.
[18:38] Haben auch bis ins jugendliche Alter oder bis zu meinem Beruf,
[18:42] haben sie mir gesagt, wenn sie nicht wären, hätte ich es nur nicht so weit gepackt.
[18:46] Sie haben mich immer angespornt, mach dies, mach jenes, lern was.
[18:52] Ich musste auch in der Schule, was heißt musste, es wurden gute Leistungen natürlich erwartet.
[18:59] Und das hat man halt auch immer so erfüllt. Für mich war das jetzt nichts Ungewöhnliches,
[19:04] Ja, weil ich habe das, ja, ich habe gesagt, okay, wenn man Leistung bringt,
[19:11] dann ist man auch, kriegt man Anerkennung.
[19:15] Man schafft es zu was.
[19:17] Du hast dich im Grunde von Anfang an angepasst, den elterlichen Erwartungen.
[19:22] Du hast auch nicht rebelliert, sondern du hast es dir zu eigen gemacht.
[19:26] Ja, was deine Eltern von dir erwartet haben, hast du dir zum eigenen Maßstab dann auch gemacht.
[19:33] Im Großen und Ganzen, ja genau, das ist das, was in mir drin ist, von klein auf.
[19:38] Natürlich gab es in der Jugend auch Rebellion oder dass ich mal dagegen gegangen bin und so.
[19:45] Da sind ja dann auch meine Eltern hingekommen, okay, vielleicht stimmt was mit
[19:50] mir nicht. Da sind wir ja dann auf die bipolare Störung gekommen.
[19:54] Aber ja, ich habe natürlich immer versucht, meinen eigenen Willen irgendwie
[19:57] durchzuholen, aber es gab sehr oft Ärger und Konflikte.
[20:03] Und ich habe einfach gemerkt, dass man, wenn man Leistung bringt,
[20:08] einfach Konflikte aus dem Weg gehen kann.
[20:11] Und dazu bin ich ein harmoniebedürftiger Mensch.
[20:13] Ja, ja, ja. Das ist also voll deine Selbstschutzstrategie, Leistung erbringen,
[20:19] und für Harmonie sorgen, um eben nicht auf Ablehnung zu stoßen.
[20:24] Jawohl. Ich frage mal umgekehrt.
[20:27] Für mich fühlt sich das so an, dass du ja nicht als Kind die Botschaft hattest,
[20:33] wir lieben dich so wie du bist.
[20:35] Einfach für das, was du bist. Ja, kann man rückblickend eigentlich so sagen.
[20:41] Du fühlst dich eigentlich von deinen Eltern nicht bedingungslos geliebt. Ja, richtig. Ja, genau.
[20:49] Es wäre mir im Rückblick zu sehen, kann ich das definitiv sagen,
[20:52] es wäre mir froh, einfach irgendwas mehr Freies zu haben, einfach freier zu sein,
[20:59] sich selbst entfalten zu können und dass nicht die Leistung wichtig ist,
[21:04] sondern das Gefühl, wie man sich fühlt. Richtig.
[21:09] Da war wenig Freiheit, weil da so viele autoritäre Grenzen waren.
[21:13] So höre ich das raus in der Elternhaus. Richtig, kann man so sagen.
[21:16] Und vor allen Dingen hat so ein bisschen die, eigentlich ja die echte Verbindung gefehlt.
[21:22] Also echte Verbindung heißt ja, ich werde gesehen, wie ich bin und dafür werde ich geliebt.
[21:31] Und ich darf so sein, wie ich bin.
[21:34] Du warst ja immer nur so ein bisschen in, ich sag mal, partieller Verbundenheit
[21:40] mit deinen Eltern, nämlich...
[21:44] Unter der Bedingung, dass du ein guter Schüler warst, unter der Bedingung,
[21:49] dass du dich angepasst hast, nicht rebelliert hast, bist du mit deinen Eltern klargekommen.
[21:56] Jawohl, genau. Aber nicht unter der Bedingung, dass du einfach mal du selbst
[21:59] sein durftest. Das ist richtig, jawohl.
[22:04] Und das steckt tief in dir drin. Ja, also lieb sein war die Permisse.
[22:08] Also schon als kleines Kind, wenn man sagt, das Kind bleibt lieb sein, dann ist alles gut.
[22:14] Und keine Selbstentfaltung.
[22:17] Genau, so bin ich leider geprägt. Richtig, aber das sitzt auch richtig tief
[22:23] in dir drin. Absolut, ja.
[22:25] Und das ist ja das Programm, was du mit in deine heutigen Beziehungen nimmst. Das nehme ich mit, ja.
[22:33] Und ich merke, du bist auch sehr stark damit identifiziert. Also du glaubst
[22:37] es auch wirklich, weil du das ja so gelernt hast.
[22:40] Du glaubst wirklich so, wie ich wirklich bin.
[22:43] Kann man mich nicht liebhaben. Ja, das ist richtig, so wie ich wirklich bin.
[22:48] Und da trittet ja wieder die Krankheit ins Spiel.
[22:52] Wenn man mal ein bisschen schwächer ist, Schwäche zeigt, dann kann man mich nicht liebhaben.
[22:57] Das ist so, ja, genau.
[23:00] Wie sind denn deine Eltern mit dieser psychischen Erkrankung umgegangen?
[23:05] Wie sind sie damit umgegangen? Ja, sie muss, also mit der psychischen Erkrankung,
[23:08] also die bipolare Störung, sie mussten sie halt akzeptieren.
[23:13] Das ist klar. Eigentlich haben Sie mich ja zum Psychologen geschickt oder zum
[23:19] Psychiater, um das zu diagnostizieren, weil Sie gedacht haben,
[23:22] da ist was nicht in Ordnung.
[23:25] Haben das aber auch schon...
[23:27] Ich habe nicht akzeptiert, aber ich habe dann auch in dem zunehmenden Alter,
[23:32] klar, gab es auch mehr Konflikte mit meinen Eltern.
[23:34] Auch wenn ich mal Schwäche zeigen muss, ist mir bei meinen Eltern auch der Kragen
[23:40] geplatzt, weil ich nicht mehr konnte, weil ich nicht mehr die Leistung bringen
[23:44] konnte, sage ich mal, oder weil mir auch manche Sachen gegen den Strich gegangen sind.
[23:48] Und damals, wo ich jung war, konnte ich damit aber nicht adäquat umgehen.
[23:53] Und es ist oftmals zu Konflikten und Auseinandersetzungen mit meinen Eltern
[23:57] gekommen, die damit auch dann überfordert waren.
[24:01] Also dieses Konfliktmanagement, wo ich dann in schwachen Momenten geplatzt bin, war sehr schwierig.
[24:09] Verstehe ich das richtig? Du kannst, also du hast es ja wohl nicht richtig gelernt,
[24:15] Du kannst irgendwie nicht einen Konflikt,
[24:19] noch freundlich ansprechen oder normal ansprechen, sondern du schluckst ewig
[24:23] lange runter und irgendwann explodierst du und dann flippst du richtig aus.
[24:27] Ja, das war damals so der Fall gewesen, auch in meiner Jugend mit meinen Eltern.
[24:32] Auch in Beziehungen war das der Fall gewesen, in frühen Beziehungen.
[24:36] Wie gesagt, ich habe mich mit dem Thema auseinandergesetzt, versuche immer noch damit umzugehen.
[24:41] Klar, man schluckt viel runter, das ist aber nicht gut, das habe ich auch gelernt.
[24:47] Ich habe jetzt versucht, die letzten Jahre, wie geht man mit Konflikten richtig
[24:51] um? Wie kann man das richtig ansprechen?
[24:54] Wie kann man da einen Konsens finden?
[24:57] Also ich versuche das nochmal für mich so auf den Punkt zu bringen.
[25:01] Du bist schon ein Performer, du versuchst Konflikte zu vermeiden.
[25:06] Aber es gibt durchaus Momente, wo du Konflikte hast, auch in deinen Paarbeziehungen.
[25:11] Und wenn ich das richtig verstehe,
[25:14] Sagst du, aber dann wird es zu krass von meiner Seite aus. Habe ich das richtig verstanden?
[25:22] Ja, es wird zu krass. Also das ist dann so der Punkt, dass ich mich dann eher
[25:28] gelernt habe, die letzten Jahre aus solchen Sachen eher zurückzuziehen und ziehe
[25:32] mich zurück, als um den Konflikt.
[25:36] Zu lösen, sage ich jetzt mal. Und das sind auch noch solche Rückzugssachen.
[25:40] Weil auch gerade, wenn man jetzt praktisch in einer Depression ist,
[25:42] Es gibt Sachen, die einen wehtun, Verletzungen, Leid.
[25:47] Und habe gemerkt, ich kann vielleicht noch nicht richtig mit einer Konfliktlösung
[25:53] umgehen und ziehe mich lieber zurück, anstatt den Konflikt zu suchen.
[25:57] Ist auch nicht korrekt.
[26:01] Also verstehe ich das richtig. Du willst eigentlich angepasst sein und performen
[26:06] und alles richtig machen, aber vor allen Dingen, wenn du in einer depressiven
[26:10] Phase bist, gelingt dir das gar nicht immer und dann fängst du eben doch Konflikte an.
[26:14] Du sagtest eben, du hättest schon viele Menschen eben auch sehr verletzt.
[26:19] Verletzt. Jawohl, natürlich, klar.
[26:22] Ja, weil das Leid halt auch sehr groß ist oder der Schmerz groß ist oder höher
[26:27] ist in der depressiven Phase.
[26:29] Und dadurch, durch das Konfliktmanagement, man auch dann vielleicht sein Gegenüber
[26:35] mehr verletzt. Ja, genau.
[26:38] Oder die Schuld am Gegenüber sucht. Das steht ja eigentlich dann so im Widerspruch,
[26:44] zu dem, was dir beigebracht wurde und zu dem,
[26:48] was du eigentlich willst, so der angepasste, nette Junge zu sein oder Mann.
[26:55] Und dann aber kannst du auch mal...
[27:00] Wie würdest du das sagen? Dann kann ich manchmal auch gemein werden oder kann
[27:03] ich manchmal sehr verletzend werden. Also wie würdest du es formulieren?
[27:07] Ja, natürlich, klar. Aber das versuche ich ja zu vermeiden. In der Hinsicht
[27:11] bin ich ein Vermeider und versuche halt, also das ist meine Strategie,
[27:15] die ich momentan fahre, sowas zu vermeiden mit Rückzug.
[27:21] Okay, dann noch mehr Rückzug, aber dann wird vielleicht das Pulverfass noch
[27:26] ein bisschen krasser, weil was ich daraus ja höre ist und was ich auch ganz normal finde,
[27:33] du unterdrückst deine Wut und deinen Frust eigentlich ganz schön viel.
[27:38] Ja, das kann man so sagen. Und ab und zu, vor allem wenn du in einer depressiven
[27:42] Phase bist, dann fliegt mal der Deckel hoch, dann ist zu viel Druck auf dem Kessel.
[27:47] Aber daraus spricht ja, dass du dir eigentlich normal gar nicht die Erlaubnis
[27:51] gibst, dass dir mal was nicht passt, dass du mal eine Grenze setzt,
[27:56] dass du vielleicht auch mal wütend bist.
[27:58] Ja, das ist richtig. Das fällt mir sehr schwer, damit umzugehen.
[28:01] Theoretisch weiß ich das, dass es so ist.
[28:05] Ich kriege es aber, wie gesagt, noch nicht richtig umgesetzt.
[28:10] Ich weiß, dass man bei Sachen, die einem nicht passen, oder dass man einfach
[28:17] mal seine Meinung äußern kann, auch wenn sie eine andere ist.
[28:21] Aber das in den richtigen Rahmen zu bringen, fällt mir noch sehr schwer.
[28:26] Oder ich bin dabei, das Ganze umzusetzen.
[28:30] Ja, ja, ich verstehe das.
[28:32] Ich stelle mir das jetzt gerade so vor. Und widersprich mir bitte,
[28:36] wenn ich das jetzt irgendwie falsch verstanden habe.
[28:40] Also deine Kindheit war geprägt davon, du musst funktionieren. Jawohl.
[28:44] Und am besten Konflikte vermeiden, weil das wird dann immer sehr unschön mit
[28:48] deinen Eltern. Richtig? Richtig.
[28:50] Also hast du nie gelernt, wie ein gesunder Konflikt geht? Ja,
[28:55] kann man so sagen. Ja, hast du nicht gelernt.
[28:58] Jetzt entwickelst du diese Störung, die wahrscheinlich ja auch mit im Zusammenhang
[29:05] mit deinem Elternhaus steht. Nicht allein, das hat ja auch genetische Faktoren
[29:08] und und und. Es ist multifaktoriell.
[29:12] Aber dein Elternhaus wird da schon ein bisschen was zu beigetragen haben.
[29:16] Und dann hast du abends zu depressive Phrasen und dann lässt du alles raus.
[29:23] Was du dir sonst immer verkniffen hast. Auch mal die ganze Scheißwut auf deine Eltern. Absolut, ja.
[29:30] Dann kriegen sie mal richtig einen von Latz geknallt. Das geht aber vor allem
[29:33] in der depressiven Phase, weil dann deine Selbstkontrolle wahrscheinlich nicht
[29:39] mehr so gut funktioniert. Ja, absolut.
[29:41] Dann ist es halt so. Aber immerhin gibt die depressive Phase dir die Erlaubnis,
[29:46] mal endlich einen rauszuhauen.
[29:48] Ja, genau. Irgendwie ja auch geil.
[29:52] Ja, stimmt. Es ist einfach ein bisschen, ja, löst. Endlich mal,
[29:55] löst was, endlich mal Druck vom Kessel. Richtig. So.
[30:00] Okay, und jetzt bist du dabei zu versuchen, irgendwie einen gesunden Umgang
[30:04] mit Konflikten zu finden. Ja, ja, muss ich, ja.
[30:09] Also es ist mir halt wichtig, ja, in meinem Alter, irgendwann muss es mal funktionieren,
[30:14] irgendwann muss man mal so entwickelt sein, um einfach,
[30:18] es ist leider so, das ist ja dann auch wieder widersprüchlich,
[30:21] Wenn ich sage, dass jetzt mal alles richtig läuft oder jetzt mal alles richtig
[30:24] machen, dann würde man sagen, ja, haben wir doch gesagt, mach doch alles richtig.
[30:30] Timon, ich kann dir jetzt schon sagen, das ist der falsche Ansatz.
[30:33] Okay, okay. Aber dafür bist du ja hier. Genau.
[30:37] Weil du machst mehr desgleichen. Du baust dir wieder so einen Druck auf. Ja, absolut.
[30:43] Du machst dir so ein Ideal selbst von dir selbst. Das wäre jetzt der ideale
[30:48] Timo, der auch ideal Konflikte ansprechen kann, der ideal in der Spur läuft,
[30:53] der ideal, was weiß ich, die Wünsche seiner,
[30:57] jeweiligen Freundin erfüllt und so weiter und so fort.
[31:01] Und damit baust du wieder so einen Druckkessel für dich auf.
[31:07] Ja, fühle ich auch. Fühlst du auch, ne? Ja, ja. Und ich denke so,
[31:12] das kann doch gar nicht gut gehen.
[31:14] Wie kann man, wenn man sich selber so viel Druck macht, so viel sich selber
[31:19] schon Grenzen setzt, wie soll man dann eine Beziehung überstehen?
[31:25] Das ist doch viel zu anstrengend. Ja, das ist die Frage, die ich mir auch stelle, ja.
[31:31] Aber wenn ich dir das jetzt nochmal gerade so spiegele, Hättest du eine Idee,
[31:38] welche innere Einstellung, welche Haltung dir und deinen Beziehungen besser tun könnte?
[31:44] Ja, ich weiß natürlich auch, sei einfach wie du selbst, sei einfach natürlich und okay.
[31:55] Man kann auch Schwäche zeigen.
[32:01] Schwäche zu zeigen oder beziehungsweise irgendwas zu haben, ist jetzt kein Nachteil
[32:06] für die Beziehung, sondern kann auch eine Beziehung stärken.
[32:10] So versuche ich das zu sehen. Timon, das hört sich im Grunde nicht viel anders
[32:15] an, als was du vorher gesagt hast.
[32:18] Und zwar nur auf eine andere Ebene, weil du hast ja vorher gesagt,
[32:22] ich will dann alles richtig machen.
[32:24] Und jetzt sagst du eigentlich das Gleiche, wenn ich selbst bin,
[32:30] auch da, das muss man richtig machen. Dann zeigt man mal eine Schwäche,
[32:35] dann steht man mal so zu seiner Meinung.
[32:38] Es stimmt ja auch alles, aber es klingt genauso ein bisschen weit weg von dir selber.
[32:46] Ja. Also es klingt für mich so, wie wenn du auch von Ich-bin-ich-selbst so eine
[32:52] Art angelesenes Idealbild hast.
[32:55] Ach so, das habe ich da gelesen, so ist das, wenn man mein Selbst ist.
[32:58] Weißt du, was ich meine? Es fühlt sich nicht so richtig...
[33:03] So ich. Ich bin es, ja, ich verstehe. Verstehst du?
[33:06] Ja, ja, ja, ja. Vielleicht muss ich das einfach noch lernen.
[33:09] Ich bin wahrscheinlich noch nicht so weit.
[33:10] Deswegen bin ich auch bei dir. Deswegen bin ich auch auf der nicht verzweifelten
[33:14] Suche oder auf der Suche nach mir selber. Ja, absolut. Und das ist auch ganz
[33:20] toll, dass du das machst.
[33:23] Ich glaube, der erste Schritt für dich wäre, einfach mal wirklich zu atmen. So mit der Atmung.
[33:33] So tief ein- und ausatmest und mal so richtig auch durch die Atmung versuchst
[33:39] mal den Druck abfließen zu lassen.
[33:42] Kannst es gerade mal versuchen ein bisschen mitzumachen.
[33:50] Und dir einfach mal so innerlich auch versuchst, so ein bisschen zu sagen und zu fühlen.
[33:59] Ich darf ich sein. Ja, das ist einfach ein gutes Gefühl. Also ich darf einfach mal ich sein.
[34:08] Und dazu würde ja gehören alles. Zu mir gehört auch, dass ich ab und zu manische Phasen habe.
[34:17] Ich habe zu mir gehört, dass ich ab und zu in eine depressive Verstimmung reingehe,
[34:23] und dann ein bisschen mehr Rückzug brauche.
[34:26] Zu mir gehört, dass ich Konflikte nicht immer so richtig gut ansprechen kann.
[34:32] Ich gebe mir Mühe, aber es gelingt mir nicht immer.
[34:36] Zu mir gehört, dass ich immer das Gefühl habe, ich müsste liefern.
[34:43] Zu mir gehört, dass mein Selbstwertgefühl nicht immer so ganz stabil ist.
[34:48] Zu mir gehört, und jetzt kommen wir die ganzen schönen Eigenschaften und so
[34:54] gut kenne ich dich noch gar nicht, aber das, was ich jetzt hier erlebe,
[34:56] zu mir gehört, dass ich sehr lebendig bin.
[35:00] Zu mir gehört, dass ich sehr lustig sein kann.
[35:04] Zu mir gehört, dass ich irgendwie auch das Leben liebe. Ich rate das jetzt so
[35:08] ein bisschen, wie du zu mir rüberkommst.
[35:10] Ja, ja, ja. Dass ich viel Energie habe. Zu mir gehört, dass ich ein guter Kerl
[35:16] bin, der sich unheimlich bemüht.
[35:19] Ja, so. Richtig, ja. Also dieses Gesamtpaket Timon.
[35:27] Zu dem einfach mal Ja zu sagen. Okay. Ohne in die eine oder eine andere Richtung performen zu müssen.
[35:36] Also, sondern einfach sich mal bewusst zu machen, was gehört eigentlich zu mir,
[35:43] Und dir innerlich die Erlaubnis zu geben, dass das auch da sein darf.
[35:47] Dass du nicht ständig gegen dich arbeiten musst.
[35:50] Und zwar auch mit den Seiten, die du nicht so gut an dir findest.
[35:58] Ja, okay. Diese Akte zu akzeptieren.
[36:03] Was geht gerade in dir vor? Ja, ich muss gerade schlucken bei dem Satz,
[36:08] wo du sagtest, die schlechten Seiten zu akzeptieren.
[36:12] Ja, das fällt mir sicher ein bisschen schwer. Habe ich wirklich schlechte Seiten?
[36:17] Nein, schlechte Seiten, schwache Seiten. Was hast du gesagt?
[36:20] Ich weiß es auch nicht mehr. Ich hoffe nicht, dass ich schlechte Seiten habe.
[36:23] Nein, nein, nein, aber so ist es bei mir angekommen. Ich meine das,
[36:26] was du aus deiner Sicht an dir, ich rede eigentlich immer von deiner Selbstwahrheit. Ich denke.
[36:35] Ich vermute, aber wir haben ja noch nicht drüber geredet, dass du natürlich
[36:39] irgendwie nicht so begeistert bist, als dass du,
[36:43] manische und depressive Phasen hast, sondern dass das etwas ist,
[36:47] wo du eher das Gefühl hast, das muss ich irgendwie verstecken oder so.
[36:51] Ja, ja, natürlich, klar. Man will ja normal wirken oder man möchte sein Leben normal führen.
[36:57] Ja, und du hast eigentlich im Grunde das Gefühl, ich bin nicht normal.
[37:01] Ja, und das ist ja schon die tiefe Basis der Selbstablehnung.
[37:09] Ah, okay.
[37:11] Tiefe Basis der Selbstablehnung. Darum geht es ja, dass du da so ein bisschen
[37:17] tiefer an die Wurzel gehst und dir auch die Erlaubnis gibst,
[37:20] manchmal depressiv und manchmal manisch zu sein.
[37:23] Dass das zu deinem Leben dazugehört. Weißt du? Ja, ja, ja.
[37:30] Ich kann das verstehen, okay. Die Erlaubnis zu geben, so zu sein.
[37:36] Mit allem, was man hat drumherum. Mit allem. Also auch dazu ruhig mehr stehen
[37:41] zu dürfen, zu sagen, ich habe manchmal diese depressiven Phasen.
[37:45] Versuchst du die immer zu überspielen? Ja, natürlich, man versucht es zu überspielen.
[37:49] Das kostet natürlich sehr viel Kraft.
[37:54] Versuch mal ich zu sagen, Timon. Ja, ich sage immer Mann. Natürlich,
[37:58] ich versuche einfach so normal wie möglich zu sein, auch wenn es schwerfällt.
[38:03] Ich merke das natürlich auch.
[38:05] Mir fehlt es schwerer, Gespräche zu führen, Konversationen zu führen.
[38:10] Die Energie ist einfach nicht da. Man ist viel müder im Leben und es fällt mir
[38:16] einfach viel schwerer, aber ich versuche es zu überspielen und es kostet sehr viel Kraft.
[38:22] Und was wäre, wenn du es nicht überspielen würdest, sondern wenn du einfach
[38:26] dir den Raum nehmen würdest, zu sagen, ich brauche halt diesen Rückzug,
[38:31] ich will mich nicht immer so anstrengen.
[38:34] Was wäre denn dann? Dann habe ich Angst vor Konsequenzen, weil dann würde es heißen.
[38:41] Es tut mir leid, ich bringe die Leistung nicht, egal wie, wo oder die Performance
[38:46] nicht in der Beziehung und habe dann Angst vor der Ablehnung.
[38:52] Und es ist wirklich eine Angst, es ist eine tiefe Angst in mir.
[38:55] Das glaube ich, ja. Und die Angst
[38:57] vor der Ablehnung kommt, weil du es so erlebt hast bei deinen Eltern?
[39:00] Richtig, ja. Das wird so sein, ist so, ja. Ist ja deine Realität. Ja, ja, ja.
[39:08] Also müsstest du eigentlich so die Erfahrung machen, auch wenn ich mal eine
[39:11] depressivere Phase habe, mich ein bisschen mehr zurückziehe,
[39:16] dass die Bindung aufrechterhalten bleibt, dass ich nicht allein gelassen werde. Ja, ich würde mir da...
[39:23] Ich würde mir da halt mehr wünschen, mehr Unterstützung, ja,
[39:28] aus dem Drumherum, dass man hochgezogen wird und sagt, ja, es ist auch nicht
[39:34] so schlimm, dass es dir jetzt mal schlecht geht oder dass du jetzt mal keine
[39:39] Kraft für das oder jenes hast, ja,
[39:42] zu machen, was das allgemeine Leben betrifft oder so.
[39:45] Ja, das ist einfach gut so. Die Unterstützung, ja, würde mir schon viel helfen.
[39:51] Das glaube ich dir sofort, weil du dadurch ja eigentlich in der Bindung bleibst.
[39:58] Timon hat ja eben erzählt, dass er äußerlich so scheinbar in der Verbindung
[40:03] bleibt, aber innerlich eigentlich in den Rückzug geht und äußerlich eine Fassade
[40:07] aufrecht erhält, die er innerlich aber gar nicht so spürt.
[40:10] Also er versucht eigentlich, seine Symptomatik zu überspielen.
[40:16] Und das ist insofern problematisch, als vor allem die Bindung immer das heilsame,
[40:22] Element ist in allen psychischen Störungen, beziehungsweise die Bindung,
[40:26] die Beziehung auch immer mit einer wesentlichen Ursache ist, warum man überhaupt,
[40:32] eine psychische Belastung oder sogar eine psychische Erkrankung überhaupt entwickelt.
[40:38] Am Ende geht es immer darum, dass die Menschen zu wenig Verbundenheit spüren.
[40:45] Zum Beispiel Timo bei seinen Eltern hat ja immer nur Verbundenheit gespürt,
[40:49] wenn er irgendwie Leistung gezeigt hat, wenn er funktioniert hat.
[40:52] Also er hat sich nie mit seinem ganzen Wesen so richtig verbunden gefühlt.
[40:56] Und das ist eine echte psychische Belastung für ihn, die wahrscheinlich auch
[41:03] im Zusammenhang mit seiner bipolaren Erkrankung steht.
[41:07] Und die Heilung liegt umgekehrt auch immer in der Bindung. Das heißt,
[41:11] in dem Moment, wo wir gute, sichere Bindungserfahrungen machen,
[41:15] die vielleicht auch im Kontrast stehen zu den mangelnden Bindungserfahrungen, die wir in der.
[41:23] Kindheit gemacht haben, liegt da immer ein ganz, ganz großes Stück der Heilung.
[41:28] Das heißt, auch bei traumatisierten Menschen, bei allen, die psychisch belastet
[41:32] sind oder in einer psychischen Problematik sind, war wohl oft der Mangel an
[41:37] Verbindung und Verbundenheit,
[41:40] in der Kindheit die Ursache für die späteren Probleme im Leben.
[41:45] Aber in einer guten Bindung und Verbundenheit besteht eben auch die ganz große Chance auf Heilung.
[41:52] Und deswegen wäre es ganz toll, wenn der Timo es schaffen könnte,
[41:55] mit seinen Problemen, die er hat, in einer echten Verbindung zu bleiben.
[42:02] Denn da besteht für ihn die Chance auf Heilung.
[42:07] Du isolierst dich ja selbst, indem du es versuchst zu überspielen.
[42:12] Weil damit zeigst du ja irgendeine Fassade von dir, aber du bist dann ja im
[42:17] Innersten gar nicht verbunden in dem Moment.
[42:21] Ja, bin ich nicht. Also das würde doch eigentlich, wenn du auch sagst,
[42:26] das würde mir so helfen, das würde doch für deine neue Beziehung bedeuten,
[42:30] einfach mit offenen Karten zu spielen, oder?
[42:32] Zu sagen, ich habe manchmal diese Phase und mein größter Wunsch wäre,
[42:36] du könntest mich dann unterstützen.
[42:38] Ja, genau. Das ist auch meine Idee, die ich habe, die ich auch versuche umzusetzen.
[42:43] Natürlich auch immer offen mit der Erkrankung umzugehen oder mit dem umzugehen
[42:48] und auf das Verständnis zu hoffen.
[42:51] Das ist auch momentan so der Fall, was mich auch wiederum freut und mir mehr
[42:57] zeigt, okay, ich kann so sein, wie ich möchte, wie ich bin, auch Schwäche zeigen.
[43:04] Und ich habe dieses Verständnis oder diese Unterstützung von der anderen Seite.
[43:09] Und das hilft schon sehr ungemein.
[43:12] Genau. Das empfinde ich so. Das ist auch so.
[43:17] Also die Verbindung ist das A und O. Und ich denke, dass du da einen ganz richtigen
[43:23] Weg gehst, nämlich deine Freundin mit ins Boot zu holen.
[43:27] Und auch zu sagen, da wo du Unterstützung brauchst und nicht versuchen,
[43:32] das immer nur zu überspielen, dich dann massiv selber unter Druck setzt und
[43:36] zwar so unter Druck, dass du dich dann selber irgendwann aus der Beziehung zurückziehst.
[43:43] Sondern versuch mit den Teilen, die ja auch zu dir gehören, dass du eben manchmal
[43:48] depressiver oder manischer bist, trotzdem in Verbindung zu bleiben.
[43:52] Mit dir selber, dass du das bei dir selber nicht so ablehnst,
[43:55] sondern zu sagen, hallo, da ist die Stimmung wieder, hallo Depression,
[44:00] da bist du gerade wieder.
[44:02] Schauen wir mal, wie wir diesmal miteinander klarkommen.
[44:07] Dass du auch mit dir selber in Verbindung bleibst,
[44:10] Und aber auch versuchst, so weit offen zu bleiben mit deiner Freundin zum Beispiel,
[44:16] dass auch sie mit dir in Verbindung bleiben kann, dass du dich nicht so verschließt.
[44:21] Ja, also so ist mein Plan, so möchte ich das unbedingt machen und ich bin auch
[44:26] froh, dass ich momentan jemanden habe, der auch da,
[44:31] Interesse und Verständnis für so eine Situation zeigt, weil ich mir immer Gedanken,
[44:36] gemacht habe, dass es einfach schwer ist, so jemanden zu finden,
[44:41] der dafür Verständnis hat. Dachte ich, ja.
[44:44] Es ist nicht so ganz einfach. Dachtest.
[44:49] Du? Das denkt man ja oft, wenn man das Gefühl hat, ich genüge nicht.
[44:53] Dann denkt man ja immer und macht sich da irgendwelche Fantasien,
[44:57] was die anderen von einem wollen und was die erwarten.
[45:00] Und ist dann komplett erstaunt, wenn man es mal anders macht,
[45:04] dass das ja gar nicht so ist.
[45:06] Dass viele andere Menschen da draußen sind, die durchaus ein Verständnis haben,
[45:12] für depressive Geschichten, für, dass man mal nicht funktioniert.
[45:18] Weil das sind ja alles zutiefst menschliche Themen, die uns ja alle verbinden.
[45:22] Ja, richtig. Ja, das ist auch eine gute Erkenntnis für mich, muss ich sagen.
[45:27] Ich würde gerne noch mal ein Thema ansprechen, was ja bei,
[45:32] psychischen Erkrankungen und auch gerade bei Bipolarenstörungen oft eine Rolle
[45:37] spielt und was für dich ja auch ein relevantes Thema gerade in diesem Zusammenhang
[45:42] mit Beziehungen sein könnte, weil du eben auch gesagt hast, du versuchst das
[45:44] immer zu verstecken, ähm.
[45:48] Das ist ja auch schambehaftet. Also nach einer manischen Episode,
[45:53] dass man sich schämt oder wenn man einen depressiven Einbruch hatte, dass man sich schämt.
[46:00] Kennst du das? Ja, das kenne ich auch.
[46:04] Egal, wenn es jetzt mal eine manische Phase war, wo man denkt,
[46:07] okay, da waren wir mal ein bisschen wieder drüber gewesen, zu enthusiastisch.
[46:11] Es ist ja auch so, dass das auch Personen merken, wenn man mal ein bisschen manischer ist.
[46:18] Es ist ja auch klar und es ist auch schambehaftet, weil ich das manchmal auch
[46:23] am Feedback merke, dass Personen dann merken, ja, da ist doch was und ich schaffe
[46:29] es nicht, das zu überspielen.
[46:32] Und das löst einen Charme in einem aus.
[46:38] Wobei ich den Eindruck habe, wir sind jetzt auch nicht...
[46:43] Auf die Auswirkungen, also wie sich das bei dir symptomatisch zeigt,
[46:47] nicht tiefer eingegangen.
[46:49] Ich habe aber, so wie du erzählst, höre ich so raus, dass das eher so ein bisschen
[46:54] hypoman ist, also nicht so krass, sondern dass das so nicht so krasse Ausschläge bei dir hat.
[47:02] Ja, ja, nicht so krass manisch, das muss man sagen, es sind hypomanische Phasen.
[47:07] Also das ist auch so, auch mal diagnostiziert worden, der Wortlaut,
[47:11] der sagt mir schon was. Ja, genau.
[47:14] Also Hypoman heißt, um unsere Hörer ins Boot zu holen, man ist mit Spur wieder
[47:20] zu lustig, eine Spur zu unternehmenslustig, man schläft ein bisschen zu wenig,
[47:25] ist immer gut drauf, immer gut drauf.
[47:28] Eigentlich ist das ein geiler Zustand.
[47:30] Eigentlich ist es ein geiler Zustand. Ich glaube, wenn man sehr frisch verliebt
[47:35] ist, das kommt dem Zustand relativ nah, also Hypoman.
[47:40] Während in einer krassen Manie, das geht dann noch viel weiter.
[47:43] Das geht eher ein bisschen zu Wahnvorstellungen. Also das ist ja dann auch bei
[47:47] dir gar nicht so ein ganz ausgeprägtes Krankheitsbild.
[47:50] Und in den depressiven Phasen scheinst du auch nicht so völlig abzustürzen.
[47:56] Also es ist auch nicht schwer, depressiv zu sein. Nee, es hält sich alles noch im Rahmen.
[48:00] Und das macht die Situation auch wieder so schwierig, weil das wollte ich auch noch sagen.
[48:04] Ja, weil eigentlich ist man fast normal, aber auch mit ein bisschen Krankheitsbild behaftet.
[48:10] Ja, ist man jetzt zu den normalen oder zu diesem Krankheitsbehafteten.
[48:14] Also man ist nicht so krank, dass man jetzt weg vom Leben ist.
[48:18] Also man ist so inzwischen drin, in so einer Schwebe.
[48:22] Und das macht die ganze Sache auch ein bisschen kompliziert.
[48:24] Ja, oder man lässt einfach die Pathologie da raus.
[48:28] Und behandelt das gar nicht so sehr als Erkrankung, sondern als einen Persönlichkeitsstil. Ja, ist so.
[48:38] Bei dir ist dann halt der Pegel ein bisschen größer als bei anderen Menschen,
[48:41] zwischen gut drauf und mal schlecht drauf sein. Ja, genau.
[48:45] Das einfach ein bisschen entdramatisierst auch für dich.
[48:49] Ja, das kann ich schon. Ich kann das schon ein bisschen, ja,
[48:52] muss man ein bisschen entdramatisieren. Ja, genau.
[48:56] Aber leider ist es so, dass halt doch die Menschen merken, ein bisschen stimmt was mit ihm nicht.
[49:03] Was wäre denn, wenn du ganz offen damit umgehst, zu sagen, ich bin im Moment
[49:07] wieder so ein bisschen hypoman drauf, dürfte nicht alles so ernst nehmen?
[49:12] Ja, ja, also fühle ich auch, kann ich machen.
[49:17] Also ich hätte kein Problem damit. Also ich versuche auch offen damit umzugehen.
[49:21] Das ist jetzt, kann man schon, also das ist ein guter Ansatz eigentlich,
[49:25] einfach das auch von sich selber anzusprechen.
[49:28] Genau, damit stellst du wieder ein Stück Kontrolle her, weißt du?
[49:31] Ja, ja, richtig, dass man selber das sagt. Genau, wenn man es selber sagt,
[49:35] dann zeigt das ja auch Reflektionsniveau und dann, okay, dann wissen die Leute Bescheid oder.
[49:43] Man kann auch, wenn du jemanden hast zum Beispiel bei der Arbeit,
[49:47] mit dem du dich besonders gut verstehst, dass du dem sagst, ey,
[49:51] du merkst, ich geh wieder drüber, dann schlag mir mal, so bildlich gesprochen,
[49:56] ein bisschen auf die Finger oder so.
[49:59] Weil wenn man selber so identifiziert ist in diesem Zustand,
[50:03] merkt man es ja nicht selber immer so hundert Prozent. Du kannst das auch sagen,
[50:07] dann sag mir mal Bescheid.
[50:11] Also man kann das Umfeld da auch durchaus mit einbinden.
[50:16] Finde ich. Ja, es ist ein guter Tipp.
[50:19] Dadurch hat man Selbstkontrolle, man spricht selbst an, anstatt wenn man überlegt.
[50:23] Die merken jetzt auch wieder, dass ich ein bisschen verrückt drüber bin oder
[50:28] auch mal gar nichts schwätzt. Der Schwett redet heute gar nichts.
[50:32] Er hat wieder seinen ruhigen Tag oder wie auch immer. Ich glaube,
[50:36] je transparenter du das machst.
[50:38] Das stimmt, da bin ich noch nie so drauf gekommen, einfach zu sagen,
[50:41] ach, ich bin heute nicht gut drauf.
[50:43] Ja, dann nimmst du dir wahnsinnig viel Druck raus. Ja.
[50:46] Nämlich diesen Druck immer überspielen zu müssen, immer performen zu müssen,
[50:51] und genauso offen würde ich auch in der Beziehung damit umgehen und wirklich
[50:56] für dich einfach ganz daran arbeiten,
[50:59] dich mit allem, was zu dir gehört, zu mögen.
[51:06] Das würde bedeuten...
[51:08] Dass du dich da wirklich auch von den Botschaften deiner Eltern distanzierst.
[51:17] Ich denke, die hatten die gute Absicht, dich bestmöglich fördern zu wollen. Denke ich auch.
[51:21] Und die haben dich bestimmt geliebt, aber ihre Botschaften sind einfach schräg rübergekommen.
[51:26] Und deswegen hast du jetzt immer diesen Druck und denkst immer,
[51:29] du musst es performen und jetzt kommt noch dieses leicht Hypoman-Depressive
[51:33] hinzu und dann denkst du irgendwie, mit mir stimmt was nicht, ich bin der Fehler,
[51:38] ich muss nicht verstecken, ich muss mich überspielen, sonst,
[51:41] verlässt mich dann auch meine Freundin oder so.
[51:45] Und dass du Step by Step, das wird nicht so ganz von heute auf morgen sein,
[51:50] aber das wäre meine Idee für dich,
[51:53] welchen Weg, also die Richtung von deinem Weg, immer mehr lernst,
[51:57] dich zu entspannen und zu sagen, so bin ich eben.
[52:02] Immer mehr so, ich zu dir komme, zu sagen, das gehört eben zu mir.
[52:05] Das heißt ja nicht, dass man trotzdem weiter an sich arbeiten darf.
[52:09] Das ist eine sehr gute Idee, dass du sagst, ich habe eigentlich nie richtig
[52:12] Konflikt gelernt. Also versuche ich das jetzt mal zu lernen,
[52:16] wie man gut Konflikte anspricht. Das ist ja völlig okay.
[52:20] Aber trotzdem in so eine Mehrgrundhaltung zu kommen, dass du dich magst. Ja.
[52:26] Mit allem, was zu dir gehört. Und nicht unter der Bedingung,
[52:29] dass du eine perfekte Performance ablieferst.
[52:33] Ja, in diese Position muss ich kommen. Das muss ich mir einfach mehr sagen.
[52:38] Das ist richtig. Sagen bzw.
[52:41] Atmen, fühlen, sagen, so ist das jetzt eben. Diese radikale Selbstannahme zu
[52:47] sagen, so ist das jetzt eben.
[52:48] Und das gehört auch zu mir. Und das gehört auch zu mir. Und das ist okay.
[52:52] Sich selbst annehmen, eine innere Freiheit spüren. Ja, das sind gute Punkte.
[52:58] Also da, wirklich, das gehört auch zu mir. und das ist okay so.
[53:04] Und das darf sein. Und das ist immer so, das tut immer so gut,
[53:08] wenn man das so mit dem Atmen verbindet. Ja, das ist richtig, ja.
[53:10] Freie Atmen entspannt sich der Körper so direkt. Ja, mhm.
[53:14] Jaja, das ist ja auch prinzipiell durch die Atmung, nimmt man sich den Druck,
[53:18] der ja eigentlich auch auf dieser Brustlast sitzt.
[53:23] Ja, so fühle ich das. Sind damit deine Fragen beantwortet, beziehungsweise,
[53:29] wenn wir nochmal an den Anfang zurückgehen, du hattest ja so ein paar Fragen,
[53:33] wenn du jetzt nochmal drüber nachdenkst, laut drüber nachdenkst,
[53:37] Hast du jetzt etwas mehr Orientierung? Also wenn du nochmal sagst,
[53:41] mit welcher Frage du hier angereist bist.
[53:44] Ja, genau. Also eine Beziehung ohne Angst zu führen. Aber das zeigt mir einfach,
[53:48] du hast mir einfach gezeigt, habe ich erfahren, einfach der Punkt,
[53:52] einfach sich anzunehmen, wie man selber ist, für einen selber.
[53:56] Und auch der Punkt, einfach dieses offene Äußern von Situationen,
[54:02] wie man ist, ob man gut drauf ist, ob man schlecht drauf ist.
[54:06] Ja, ja, dieses Kommunizieren gibt einem auch wirklich die Kontrolle,
[54:09] das hilft, also das werde ich auch mal so anwenden, ja.
[54:12] Vor allem führt das dazu, dass du nicht mehr so viel schauspielen musst.
[54:15] Richtig, genau, weil das will ich mir auch ein bisschen nehmen,
[54:18] ja, dass es nicht mehr so ist und egal, ob es jetzt auf der Arbeit ist oder
[54:23] auch in der Beziehung oder gerade in der Beziehung, gerade.
[54:27] Mit einer Partnerschaft, mit einer Freundin,
[54:30] das offen zu kommunizieren, ja,
[54:33] werde ich so umsetzen, absolut, ja.
[54:35] Ja, nehmen sie mit ins Boot. Ja, und da fühle ich mich eigentlich auch ganz gut.
[54:38] Dann brauchst du dich nämlich nicht verstellen, dann brauchst du nicht so performen.
[54:42] Also deine Anfangsfrage war ja, habe ich irgendwie Bindungsangst oder ist das
[54:46] so eine Folge, dass ich so ein bisschen bipolar bin? Ja.
[54:49] Bindungsangst ist ja ganz oft nichts anderes, als dass man sich zu viel unter Druck setzt.
[54:55] Weil man das Gefühl hat, so wie ich wirklich bin, bin ich nicht okay.
[55:00] Ja. Und dann setzt man sich unter Druck und irgendwann wird einem alles zu viel
[55:04] und dann flüchtet man aus der Beziehung. Richtig, richtig, ja.
[55:08] Und du hast da so ein bisschen einen unsicheren Bindungsstil wahrscheinlich von zu Hause.
[55:12] Also dieses tiefe Gefühl, ich darf ich sein und werde geliebt,
[55:15] das haben dir deine Eltern leider nicht geschenkt.
[55:18] Und dadurch baust du dir da halt immer wieder Druck auf und den trägst du dann
[55:22] auch in deine Beziehung mit rein.
[55:25] Und deswegen, je weniger Druck du dir machst, desto freier fühlst du dich und
[55:30] desto besser wird auch die Beziehung gelingen.
[55:32] Aber die Voraussetzung ist, dass du dich selbst mehr magst und annimmst und sagst, ich darf so sein.
[55:41] Weil sonst müsstest du ja immer wieder zu dem Ergebnis kommen,
[55:44] nein, ich darf nicht so sein, dann werde ich nämlich verlassen, wenn ich nicht bin.
[55:49] Da ist ja dein Teufelskreis lang.
[55:51] Und deswegen ist es so wichtig, dass du lernst, Schritt für Schritt dir immer
[55:55] mehr die Erlaubnis zu geben, dass du sein darfst und zwar mit allem, was zu dir gehört.
[56:01] Ja, das muss ich einfach ein bisschen mehr umsetzen.
[56:08] Fühlen vor allen Dingen. Und fühlen vor allem, okay. Ja, das ist ein guter Punkt,
[56:15] den werde ich annehmen von dir.
[56:18] Schön. Gerne, ja. Bist du eigentlich irgendwie in psychologischer Behandlung
[56:23] oder machst du alles mehr als du selbst?
[56:26] Ich sollte vielleicht in psychologische Behandlung, ja.
[56:30] Ja, bringen es aber irgendwie nicht zustande, wie eine Verhaltenstherapie oder
[56:36] Gesprächstherapie anzufangen.
[56:38] Ansonsten betreut mich ein Psychiater, was die Krankheit angeht.
[56:42] Aber das sieht man sich ja nur alle vierten Jahre. Da geht es ja nur um Medikamente.
[56:46] Medikamente prinzipiell und momentane Stimmung, ob alles so funktioniert.
[56:50] Aber das ist auch noch ein Punkt, den habe ich noch nicht geschafft umzusetzen.
[56:56] Ja, das könnte dich halt unterstützen auf diesem Weg der Selbstannahme.
[57:01] Glaube ich auch. Darum geht es ja.
[57:05] Das ist auf jeden Fall für dich, denke ich, der richtige Weg.
[57:08] Ja, nee, das werde ich mir zu Herzen nehmen, genau.
[57:12] Und vielleicht auch wirklich mal das in Angriff nehmen, dann auch eine Therapie, ja.
[57:21] Auch wenn es schwierig ist, auch wenn man Termine schwierig findet,
[57:24] ja, oder den richtigen Therapeuten, aber ja, das steht noch auf meiner To-Do-Liste.
[57:31] Okay, dann danke ich dir sehr für das Gespräch. Ja, danke schön,
[57:35] danke auch, dass ich hier sein durfte.
[57:39] Das war es mal wieder mit Stahl, aber herzlich heute mit Timon.
[57:43] Ich habe mich gefreut über seine Offenheit und ich fand, dass er so seine Zusammenhänge
[57:49] sehr gut reflektiert hat.
[57:51] Und wie so oft läuft es eben darauf hinaus, das ist immer wieder doch das Epizentrum,
[57:56] dass man in eine gute Verbindung mit sich selber kommt, dass man sich annimmt
[58:02] mit seinen Schwächen und nicht nur unter der Bedingung, dass man perfekt ist.
[58:06] Und je mehr man in Verbindung mit sich selbst kommt und in Frieden und in die
[58:10] Annahme mit sich selbst kommt, desto besser gelingt es auch mit den Beziehungen.
[58:15] Ich habe aber das Gefühl, dass der Timon da auf einem wirklich guten Weg ist.
[58:20] Und ich bin eigentlich ziemlich hoffnungsfroh, dass der Timon es schaffen wird,
[58:25] sich immer mehr selbst anzunehmen und dann auch endlich mal ein langfristiges
[58:29] Glück in einer Liebesbeziehung findet.
[58:32] Dann bis zum nächsten Mal. Eine Steffi.
[58:36] Stahl aber herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl.
[58:42] Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren.
[58:45] Produktion Jonathan Rauhe, redaktionelle Leitung an Groß.

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