# Ohne Partner klarkommen – warum traue ich mir mein Leben nicht zu?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 4 Apr 2026, 1 h 12 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/239722-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69524a4a854ad&awEpisodeId=239722

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## Transcript

[0:00] Ja, ich bräuchte ein gestärktes Selbstwertgefühl. Also einfach,
[0:06] dass ich mehr das Gefühl habe, ich bin okay, so wie ich bin.
[0:10] Und ich kann das auch alleine.
[0:14] Hallo und herzlich willkommen bei Stahl, aber herzlich. Heute ist die Linda bei mir.
[0:20] Und Linda berichtet mir, dass sie, wenn sie einen neuen Freund hat,
[0:25] beziehungsweise schon beim Daten extrem angespannt und ängstlich ist,
[0:30] dass er sich nicht wirklich auf sie einlassen würde oder eben auch,
[0:34] dass er sich trennt, wenn sie schon zusammen sind und die Anspannung ist enorm
[0:39] hoch und auch körperlich.
[0:42] Sie hat ein Riesenproblem, auf eigenen Füßen zu stehen und wünscht sich immer
[0:47] jemanden, der sie durchs Leben führt. Und womit das alles zusammenhängt,
[0:53] da werden wir gleich mal tiefer tauchen.
[0:58] Hallo Linda, herzlich willkommen bei Stahl, aber herzlich. Hallo.
[1:03] Welches Thema hast du mitgebracht? Erstmal danke, dass ich hier sein darf.
[1:07] Ich bin heute hier wegen meinem Beziehungsmuster.
[1:11] Das zieht sich eigentlich so schon durch mein ganzes Leben. Also seit ich die
[1:14] ersten Erfahrungen mit Männern gemacht habe in Teenagerjahren.
[1:18] Und zwar ist es, dass ich mich sehr schnell sehr emotional abhängig von meinem Gegenüber mache.
[1:24] Auch teilweise schon in Kennenlernphasen, also gar nicht mal nur in Beziehungen.
[1:28] Wenn die mir dann wichtig sind. Und die Sache ist die, dass sich das bei mir
[1:32] nicht nur emotional äußert, sondern dass es auch dann auf körperlicher Ebene eben sich zeigt.
[1:39] Also du kannst dir das so vorstellen, wenn bei mir eine Unsicherheit aufkommt
[1:42] oder eine Irritation und die kommt bei mir sehr schnell auf und sehr oft,
[1:47] dann kriege ich zum Beispiel Herzrasen.
[1:49] Oft bin ich dann auch wie erstarrt und sitze dann einfach auf der Couch und
[1:52] kann mich nicht richtig bewegen oder mache dann auch gar nichts anderes,
[1:56] außer wirklich in Gedankenspiralen zu kreisen, kann nachts nicht schlafen und
[2:00] habe dann teilweise sogar auch Panikattacken, wenn es ganz schlimm ist.
[2:03] Welche Emotionen gehören denn zu diesen körperlichen Symptomen?
[2:09] Angst auf jeden Fall, also Verlustangst. Also extreme Verlustangst.
[2:15] Ja, genau. Und halt auch so Hilflosigkeit.
[2:20] Wahrscheinlich Kontrollverlust wieder. Also dass ich Angst habe,
[2:24] dass ich die Kontrolle verliere über die Beziehung in meinem Gegenüber.
[2:28] Ja, dass du verlassen wirst. Ja, genau.
[2:31] Ja, und das ist halt für mich sehr belastend, weil Beziehungen deswegen für
[2:35] mich schon immer wie so eine Achterbahnfahrt waren.
[2:37] Also es gibt die ganz hohen Hochs, wenn alles okay ist, wenn ich mich dann wirklich mal sicher fühle.
[2:41] Und dann im nächsten Moment, sobald die kleinste Unsicherheit aufkommt,
[2:44] falle ich wie in so ein Loch.
[2:46] Und mein Nervensystem fühlt sich an, als wäre ich auf Starkstrom eigentlich
[2:50] dauerhaft. Und das ist für mich dann eigentlich nicht aushaltbar.
[2:54] Also ich klappe dann wirklich körperlich so zusammen eigentlich nach einer Zeit.
[2:58] Und ich habe eigentlich das Gefühl, dass ich schon meine Muster ganz gut erkannt
[3:01] habe und dass ich eigentlich auch meine Glaubenssätze schon gut rausgearbeitet
[3:05] habe. Aber irgendwie kann ich es trotzdem einfach nicht lösen.
[3:08] Also meine Vermutung ist, dass das alles stark mit meinem Selbstwertgefühl zusammenhängt
[3:12] und ich glaube, dass auch Männer für mich so eine Art Regulationsfunktion oft haben sollen,
[3:18] weil ich fühle mich in meinem Alltag auch oft halt los, also dass ich mir dieses
[3:22] Konstrukt selbst nicht so geben kann, was ich brauche, um mich sicher zu fühlen.
[3:27] Und ich glaube, so ein Mann soll mich dann oft wie an die Hand nehmen und so durchs Leben führen.
[3:33] Also das Muster hast du nicht nur in Beziehungen, sondern überhaupt im Alltag,
[3:37] dass du das Gefühl hast, du kannst gar nicht so richtig auf eigenen Füßen durchs Leben gehen.
[3:43] Ja, also oftmals, ja, nicht immer, aber ja, die gibt es auf jeden Fall, ja.
[3:52] Ja, hier hat das Gespräch ja gerade erst begonnen, wir sind noch nicht lange
[3:56] dabei und ich als Psychotherapeutin bilde natürlich früh Hypothesen, worum es gehen könnte.
[4:04] Die Hypothese kann natürlich auch immer wieder verworfen werden und hier liegt
[4:09] die Hypothese nahe, dass Linda ein großes Problem mit dem Thema Autonomie hat.
[4:16] Autonomie ist ja ein psychisches Grundbedürfnis, dem steht das Grundbedürfnis
[4:21] von Bindung dagegen Und Menschen,
[4:24] die eine schwache Autonomieentwicklung haben, das heißt,
[4:28] die so das Gefühl haben, mit dem Leben gar nicht so richtig gut alleine klarkommen
[4:31] zu können die das Gefühl haben, nicht richtig auf eigenen Füßen stehen zu können
[4:35] und dadurch auch nicht wirklich für sich eintreten zu können oder nicht gute
[4:39] Entscheidungen treffen können,
[4:41] die sind immer sehr stark auf Bindung angewiesen, weil sie brauchen eine enge
[4:45] Bezugsperson, die für sie sozusagen die autonome Funktion übernimmt.
[4:51] Wie so ein kleines Kind, was nicht ohne die Hand von der Mama allein über die Straße gehen kann.
[4:56] Und wenn die Autonomieentwicklung halt gestört ist, dann macht sich das eben
[5:03] sehr im Erwachsenenalter bemerkbar.
[5:05] Unter anderem eben wie bei Linda durch sehr anklammerndes Verhalten und allgemein
[5:09] so dem Gefühl, dem Leben nicht ganz gewachsen zu sein.
[5:12] Und jetzt gucken wir mal, ob die Hypothese von mir da ins Schwarze trifft.
[5:23] Für mich hört sich das an, wie wenn du ganz
[5:28] furchtbare Verlust- und Verlassenheitserfahrungen gemacht haben musst.
[5:34] Weil die Stärke der Reaktion, die du beschreibst, weist eigentlich schon in Richtung Trauma.
[5:43] Weil es ja, wie dir theoretisch auch klar ist, übertrieben.
[5:48] Ja, auf jeden Fall. Aber dein Körper und dein ganzes Angst- und Alarmsystem
[5:54] schlägt halt viel, viel schneller an als dein Verstand.
[5:57] Dein Verstand steht auf verlorenen Posten und dann gehen schon die ganzen körperlichen
[6:02] Alarmfunktionen in dir los. Ja, also mir ist das auch bewusst.
[6:07] Teilweise habe ich Kennenlernphasen und ich projiziere dann halt direkt schon
[6:12] drauf. Ich denke mir, oh, das könnte endlich jemand sein, der zu mir passt.
[6:15] Und dann habe ich, obwohl ich die Person ja noch gar nicht in meinem Leben habe
[6:18] und sie eigentlich noch gar keinen Stellenwert in meinem Leben hat,
[6:21] habe ich schon Angst, sie potenziell verlieren zu können.
[6:26] Was ja anders ausgesprochen genauso viel bedeutet, wie sie potenziell gar nicht
[6:31] an mich binden zu können.
[6:32] Ja, oder halt eher so der Gedanke, ja, irgendwann verstehen sie sowieso,
[6:38] dass ich nicht interessant genug bin. Ja, genau, darauf folge ich hinaus.
[6:44] Also dein Selbstwert ist irgendwie so, dass du denkst, dass du es gar nicht wert bist. Ja.
[6:51] Und wenn du davon tief überzeugt bist, musst du ja psychologischerweise,
[6:55] geht ja gar nicht anders auch davon überzeugt sein, dass andere das genauso sehen. Ja.
[7:02] Vielen Dank.
[7:02] Woher kommt denn das? Also was hat denn das mit deiner Lebensgeschichte zu tun?
[7:06] Da müssen ja starke Sachen vorgefallen sein.
[7:11] Ja, komischerweise gar nicht mal so. Also ich glaube, bei mir sind das vielleicht
[7:16] eher viele kleine Sachen, die sich so zusammensetzen.
[7:19] Also vielleicht so ein Mosaik aus verschiedenen Stücken.
[7:23] Also ich hatte irgendwie eine harte Grundschulzeit. Ich hatte eine Freundin
[7:27] bei mir in der Klasse, die war so eigentlich meine einzige richtige Bezugsperson.
[7:31] Und die hat sich in Pausen oft entschieden zwischen mir und einer anderen, einem anderen Mädchen.
[7:37] Und wenn sie sich dann gegen mich entschieden hat, dann habe ich oft einfach
[7:42] dann auf dem Schulhof alleine da gestanden mit meiner Brotdose und das war schon echt schwer für mich.
[7:49] Da bin ich oft irgendwie danach heimgegangen, habe geweint und habe mich dann
[7:54] schon hilflos gefühlt. Ja, aber da müsste doch schon vorher eine Unsicherheit gewesen sein.
[7:59] Also du beschreibst dich ja schon auf dem Pausenhof als nicht besonders selbstbewusst.
[8:06] Auch so, dass du so wartest, dass die Freundin sich für dich entscheidet,
[8:09] anstatt, sage ich jetzt mal, noch andere Freundschaften zu schließen,
[8:15] aktiver auf andere Kinder zuzugehen.
[8:17] Es hört sich für mich so an, wie wenn du schon vor der Schule,
[8:21] also dass du schon in die Schule mit deine Unsicherheit gebracht hast.
[8:25] Kannst du dich da an was erinnern, wie es damals bei deinen Eltern war, zu Hause?
[8:31] Also es gab nie so was Großes, was passiert ist.
[8:34] Mein Papa ist halt der typische Kerl, der schwer Emotionen zeigen kann äußerlich.
[8:40] Also er zeigt es eher auf so seine Love Languages Hilfsbereitschaft oder auch
[8:45] Zeit miteinander verbringen.
[8:47] Und ich glaube, das haben wir auch wirklich viel gemacht, als ich klein war.
[8:51] Aber ich kann mich daran erinnern, umso älter ich wurde, umso mehr habe ich
[8:56] mich auch von ihm nicht geliebt gefühlt, weil umso größer man ja wird,
[9:00] umso mehr will man ja auch alleine dann spielen und Zeit verbringen und dann,
[9:03] ist das quasi bei uns weggefallen, weil wir dann nicht mehr so wirklich die
[9:07] Connection halt hatten, dass wir dann zusammen gespielt haben und so weiter.
[9:11] Und dann habe ich halt einfach nur gesehen, okay, er sagt mir halt nie,
[9:14] dass er mich lieb hat und kann mir das halt nicht so zeigen,
[9:19] wie ich es halt gebraucht hätte.
[9:21] Und es kam aber erst später. Also ich glaube, das war nicht so,
[9:24] als ich noch ganz klein war. Und die Mama?
[9:27] Meine Mama ist so das komplette Gegenteil von meinem Papa. Sie ist sehr anklammernd.
[9:32] Sie hat mich schon immer sehr an sich gebunden.
[9:34] Also wollte meine komplette Schulzeit in die Schule fahren und hat auch immer
[9:41] so Wir-Botschaften auch benutzt, so von wegen,
[9:44] wir können das nicht so gut, wir haben nicht so einen guten Orientierungssinn
[9:47] und wir bleiben mal alle in derselben Stadt wohnen und ziehen in ein Mehrfamilienhaus und so.
[9:53] Also ich meine, ich habe zwei Geschwister, es war immer viel los.
[9:57] Ich habe auch, wenn irgendwie Streits war mit meiner Schwester öfters mal,
[10:00] mich dann nicht gesehen gefühlt, weil ich dann eben wie weint in mein Zimmer gegangen bin und ja.
[10:07] Dann irgendwie auch niemand nach mir geguckt hat und ich mich dann irgendwie
[10:10] selbst halt beruhigen musste.
[10:13] Aber ansonsten, wenn ich zum Beispiel weinend aus der Schule gekommen bin,
[10:16] weil ich erzählt habe, heute wollte wieder niemanden mehr spielen,
[10:18] meine Mama hat mich immer in den Arm genommen und mir immer gesagt, wie lieb sie mich hat.
[10:22] Also eigentlich war da nie irgendwas ganz Großes.
[10:26] Ich möchte gerne mal da ein bisschen bleiben mit der, dass deine Mutter dich
[10:32] sehr stark an sie gebunden hat und sehr stark dieses Wirrgefühl gemacht hat.
[10:35] Und kannst du mir noch vielleicht ein bisschen mehr darüber erzählen,
[10:40] wie sie zum Beispiel mit Ängsten umgegangen ist oder ob es erlaubt war,
[10:45] daheim auch mal wütend zu sein?
[10:47] Ja, also ich hatte eigentlich keine Grenzen wirklich.
[10:51] Ich habe die aber auch nicht ausgenutzt. Also ich hatte keine feste Zeit,
[10:55] wo ich ins Bett gehen musste.
[10:56] Ich durfte den ganzen Tag Fernsehen schauen. Das ist vielleicht auch noch so ein Punkt.
[11:01] Also meine Mama war nicht so wie mein Papa, die gerne mit mir gespielt hat.
[11:05] Sondern sie war dann eher so, ja okay, sie hat halt so viel anderes zu tun,
[11:08] Haushalt, was weiß ich und ist einfach nicht so ihr Ding gewesen.
[11:11] Und dann war es halt einfach für sie zu sagen, ja du kannst auch den ganzen
[11:14] Tag Fernsehen gucken, wenn du willst. Und das habe ich dann auch oft gemacht. Ja.
[11:21] Es ist so schwierig, sich da so ein Bild rauszumachen, weil was du dir erzählst,
[11:25] ist einerseits zu viel Anbindung und auf der anderen Seite zu wenig Halt. Ja.
[11:36] Ja, das stimmt. Die Frage ist, ist das so stark, dass es dann so ein Muster bei mir auslöst?
[11:41] Das ist in meinem Kopf immer das, was für mich so wenig Sinn macht,
[11:45] weil ich mir denke, ja, andere, die werden irgendwie von ihrem Vater verlassen,
[11:49] wenn sie zwei Jahre alt sind, der haut irgendwie ab, dann denke ich mir,
[11:52] das macht irgendwie Sinn.
[11:54] Ja, aber bei mir, es gab nie so einen großen Knall.
[12:02] Es muss ja auch nicht immer der große Knall sein sondern es geht ja so darum
[12:06] irgendwie zu verstehen wie es kommt.
[12:11] Es sind ja zwei Themen bei dir, das eine ist so dieses ganz direkt so am Selbstwert,
[12:17] dass du irgendwie nicht so eine hohe Meinung von dir hast und das andere ist,
[12:20] dass du dir nicht zutraust so richtig auf eigenen Füßen durchs Leben zu gehen ja,
[12:27] und die beiden glaube ich hängen ja auch irgendwie miteinander zusammen gehe
[12:31] ich schon stark davon aus.
[12:34] Ja. Und dass du, deine Mutter scheint ja durch ihre Wir-Botschaften auch einiges
[12:43] in dich hineingetragen zu haben.
[12:46] Und das, was du eben schon so ein bisschen nebenbei erzählt hast,
[12:51] ist ja so, dass deine Mutter irgendwie auch so ein bisschen Autonomieproblemen hatte.
[12:56] Also dass sie eher ängstlich durchs Leben gegangen ist. Sie ist heute noch so.
[12:59] Also wenn ich ihr jetzt sagen würde, ich fahre nach Frankfurt,
[13:02] dann würde sie sagen, mach das auf keinen Fall.
[13:05] Wie bitte? Weil sie Angst hat, dass ich dann irgendwie von jemandem abgestochen werde oder so.
[13:10] Oh krass. Ja. Also wirklich ziemlich übertrieben. Ja, ja.
[13:14] Also extrem. Wenn draußen ein minimaler Schneefall ist, dann sagt sie,
[13:17] fahr nicht mit dem Auto rum. Am Ende hast du einen Autounfall und Glatteis und was weiß ich.
[13:22] Also eine permanente Katastrophenszenario. Ja, ja.
[13:28] Ja. Ja, sie ist auch selbst schlecht darin, Verantwortung für sich zu übernehmen.
[13:33] Also sie lässt uns dann gern irgendwie was für sie auf Amazon bestellen oder
[13:37] was weiß ich. Also weil sie sagt, sie kann das nicht.
[13:40] Ja, also ich glaube, sie projiziert schon auch viel von ihren Unsicherheiten
[13:43] auf uns Kinder definitiv.
[13:45] Und sie hat ja auch wenig Verantwortung übernommen im Sinne von gesunder Grenzsetzung. Ja.
[13:53] Also von wegen Fernsehzeiten und und und und laissez-faire. Ja.
[13:59] Und sie war ein extrem starkes Vorbild.
[14:04] Wie immer. Ja. Geht ja gar nicht anders. Klar, war meine engste Bezugsperson.
[14:09] Logisch. Und die hat dir vorgelebt, die Welt da draußen ist gefährlich und ich
[14:13] komme in der Welt nicht klar.
[14:14] Und ich kann auch kleine Entscheidungen, wie was zu bestellen,
[14:18] nicht wirklich alleine treffen.
[14:20] Ja, da hast du scheinbar recht, ja. Du lachst, ja.
[14:25] Ich gehe gerade hier vor. Ich sage immer, wenn man einen Punkt trifft,
[14:29] dann fangen die Leute entweder an zu lachen oder zu weinen.
[14:34] Ja, es ist schon so, dass ich schon immer sehr viel Wert auf die Meinung von
[14:38] meiner Mutter gelegt habe.
[14:39] Also ich habe da zum Beispiel so eine Situation im Kopf, Abschlussball,
[14:43] einfach Kleider aussuchen.
[14:45] Da hat mir halt ein Kleid gut gefallen. Das hatte halt damals gefühlt jeder
[14:48] so vom Stil her. Und da hat sie gesagt, ah, dann siehst du doch aus wie jedes
[14:51] andere Mädchen, ist doch nicht so schön.
[14:53] Und dann habe ich mich überreden lassen, irgendein Kleid zu kaufen,
[14:55] was mir überhaupt nicht gefallen hat. Einfach weil sie gesagt hat,
[14:58] das siehst du schöner aus. Und da dachte ich mir ja, wenn die Mama sagt,
[15:01] das sieht schön aus, dann wird es auch so stimmen.
[15:04] Also traust du dir auch gar keine so richtig eigene Urteilsfähigkeit zu?
[15:08] Ne, also ich bin gerade dabei, meine eigene Wohnung einzurichten.
[15:11] Ich sage dir, da habe ich ähnliche körperliche Symptome manchmal wie bei Männern,
[15:15] weil ich mich einfach nicht, also ich sitze wirklich acht Stunden vor meinem
[15:18] Handy, gucke mir alle möglichen Kommoden an und kann mich dann nicht entscheiden, eine Kommode zu kaufen.
[15:24] Bei dir war auch mal irgendjemand im Podcast und hat gesagt,
[15:26] sie kann sich nicht, sie war irgendwie mal stundenlang im Baumarkt und konnte
[15:29] sich nicht für einen Blumentopf entscheiden.
[15:31] Das hatte ich auch schon, genau dieselbe Situation.
[15:34] Ich bin danach heimgefahren nach fünf Stunden ohne Blumentopf.
[15:40] Was ist, wenn ich jetzt sage, ganz die Mama?
[15:45] Ja, ich glaube, ja, ich glaube, ich bin reflektierter als meine Mama.
[15:54] Und meine Mama hat auch viele gute Seiten, wo ich sage, das ist auch schön zu
[15:57] sein wie sie, aber da, ja, das hat sie mir viel mitgegeben.
[16:03] Ja, also du kommst sofort in den Loyalitätskonflikt, auch ein bisschen mit den guten Seiten, oder?
[16:10] Oder deute ich das gerade falsch?
[16:17] Ja, sie ist halt eigentlich schon ein guter Mensch. Also sie meint das nicht böse oder so.
[16:22] Aber ja, sie hat mir viel, und viel mehr als meine anderen Geschwister,
[16:27] also die haben das nicht so wie ich.
[16:29] Also ich habe das auf ganz vielen
[16:31] Ebenen, das habe ich ihr auch schon oft gesagt, das habe ich wegen dir.
[16:36] Also ich möchte es mal vielleicht so formulieren, sie hat,
[16:41] unwillentlich ganz viel ihrer eigenen Ängste in dich hineingetragen.
[16:48] Ja. Sodass du,
[16:52] wie deine Mutter, die dir das ja vorgelebt hat, und sie hat es ja nicht nur
[16:55] vorgelebt, sondern sie hat dich ja auch häufig gewarnt und dir immer wieder die Botschaft gegeben,
[17:02] dass du ein Kind da draußen ist gefährlich und das schaffst du nicht.
[17:05] Das kriegst du nicht hin.
[17:08] So oder im Grunde haben wir auch Frankfurter Beispiel, das überlebst du nicht
[17:13] ja stimmt also es ist ja schon krass von der Botschaft her,
[17:19] ja aber die Botschaft war eigentlich immer das packst du nicht ja,
[17:25] ich versuche mich da auch schon echt,
[17:29] abzugrenzen von also wenn sie jetzt heute ab und zu immer mal noch so ein Wir-Botschaften
[17:32] macht, dann sage ich auch Mama, stopp, also Also das bin nicht ich.
[17:36] Wenn sie zum Beispiel sagt, ja wir können das nicht so gut, sage ich,
[17:39] Mama, ich bin schon irgendwie allein in andere Länder geflogen.
[17:43] Ich habe einen Orientierungssinn, ich kriege das hin. Das bin nicht ich.
[17:47] Aber ja, irgendwie macht es halt doch nicht Klick bei mir. Ich weiß auch nicht.
[17:52] Auf tieferer Ebene scheinbar, weil ich habe die Muster ja immer noch.
[17:56] Ich versuche gerade mal so den Bogen hinzukriegen.
[18:02] Zu deinen Männern, weil ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon richtig verstehe.
[18:08] Die Frage, die sich mir gerade stellt, ist die Panik, die du schiebst in Beziehungen,
[18:16] ist da eigentlich mehr der Schwerpunkt, ich brauche einen Mann,
[18:20] der mich durchs Leben führt?
[18:23] Oder mehr der Schwerpunkt, ich bin so schlecht, du verlässt mich.
[18:28] Also ist es mehr das Selbstwertgefühl, was so richtig getriggert ist?
[18:31] Oder ist es mehr diese Autonomie?
[18:33] Ich brauche dich als Stütze und Führung in meinem Leben.
[18:42] Ich glaube, das ist beides sehr stark ausgeprägt. Ich weiß gar nicht,
[18:45] ob es da einen gibt, was so richtig überwiegt, weil auf der einen Seite ist
[18:50] es definitiv so, dass es Regulationsmechanismus von mir ist,
[18:54] weil ich scheinbar nicht hinkriege, mich selbst zu regulieren.
[18:56] Ich hoffe dann, er zeigt mir, wie schönes Leben plötzlich sein kann.
[19:01] Und ja, plant dann unseren Tag und was weiß ich.
[19:05] Und auf der anderen Seite ist es aber auf jeden Fall auch, ja,
[19:08] du nennst mir, wie viel ich wert bin, das auf jeden Fall auch.
[19:14] Weiß nicht. Ist dein Selbstwert, ich gehe jetzt mal so richtig denkend analytisch
[19:20] vor, ist dein Selbstwert auch so labil, weil du im tiefsten Inneren das Gefühl
[19:25] hast, ich kriege das Leben nicht geregelt?
[19:31] Oder auf was bezieht sich deine, also vielleicht kannst du mal so,
[19:36] vielleicht hast du ja schon so die einen oder anderen Glaubenssätze erarbeitet.
[19:40] Was ist denn so dein Selbstbild vielleicht auch, warum du damit rechnest,
[19:45] dass du verlassen wirst?
[19:48] Also ich glaube, so mein tiefster Glaubenssatz ist auch, ich muss aktiv etwas
[19:53] dafür leisten, nicht verlassen zu werden.
[19:56] Und dass ich eben einfach nicht genug so bin, wie ich bin.
[20:01] Ich glaube an sich bin ich schon ein sehr guter Mensch und das denke ich auch wirklich über mich.
[20:07] Aber wo es, glaube ich, bei mir Probleme gibt, ist, dass ich denke,
[20:10] ich bin nicht so gut wie andere.
[20:12] Vor allem in diesen typischen Kategorien, wo man ja sagt, okay,
[20:16] das muss man schaffen, um irgendwie als erfolgreich dazustehen.
[20:23] Welche wären das in deinem?
[20:25] Zum Beispiel Karriere, auch Liebesleben, also keinen Mann zu haben,
[20:31] aber auch so Fähigkeiten.
[20:33] Also ich habe das Gefühl, ich kann gar nichts richtig gut.
[20:35] Ich kann gut nachdenken und gut reflektieren und habe ein gutes Wertesystem.
[20:41] Das ist alles, was ich kann und habe.
[20:44] Ist so sehr leistungsgebunden definiert.
[20:54] Fällt mir auf. Also es geht ja so darum, was habe ich vorzuweisen? Welche Erfolge?
[21:00] Ja, also ich empfinde mich als langweilig einfach auch.
[21:03] Als nicht, ja, so ja, irgendwie, wahrscheinlich bin ich eh jedem zu langweilig.
[21:10] Warum? Wie kommst du darauf, dass du langweilig bist?
[21:13] Weil ich nicht so cool Lobbys habe wie andere, weil ich keine richtige Fähigkeit
[21:19] habe, wo andere, keine Ahnung, ein Instrument spielen oder was weiß ich.
[21:26] Ja, ich bin auch immer so ernst und mit mir kann man irgendwie immer nur Deep
[21:31] Talk reden, aber ich kann nicht einfach mal witzig sein, einfach mal so leicht durchs Leben gehen.
[21:36] Dann denke ich mir immer, ich bin wahrscheinlich viel zu schwer und das tut
[21:38] bestimmt Menschen mal gut, mit mir auch mal Deep Talk zu führen,
[21:41] aber wenn sie das dreimal hintereinander machen, dann denken sie auch,
[21:44] ja, mit der kann ich überhaupt gar nicht irgendwie auch mal lachen.
[21:50] Obwohl du hier eine ganze Menge lachst. Ja, ist wahrscheinlich auch ein Schutzmechanismus.
[21:57] Ja. Ja, das ist irgendwie...
[22:05] Also in meinem Gefühl geht das alles in die Richtung, schon in diese Autonomieschaden,
[22:11] ich kriege vieles irgendwie nicht hin. Ja.
[22:15] So vom Grundthema. Ja. Ich kriege vieles nicht hin, was andere hinkriegen.
[22:20] Genau, und ich wünsche mir dann immer, dass irgendjemand kommt,
[22:23] egal ob Freundin oder Elternteil oder was weiß ich, wo sagt,
[22:27] okay, wir machen das jetzt zusammen.
[22:30] Genau. Und das ist ja genau deine Prägung.
[22:36] Das ist ja genau deine Prägung. Das ist ja das, was du aufgesogen hast bei deiner Mutter. Wir, wir, wir.
[22:43] Erstmal mit der Hauptbotschaft, wir können das nicht, wir schaffen das nicht.
[22:47] Und du alleine schon gar nicht.
[22:49] Ja. Wenn eigentlich nur mit Mama. Ja. Und dann auch noch schlecht,
[22:53] weil wir sind ja nicht die, die sowas schaffen. Ja.
[22:58] Ja, nee, da hast du recht. Und du bist durchdrungen von dieser Botschaft.
[23:02] Vom Scheitel bis zur Sohle.
[23:06] Ja, meine Mama, die kennt mich ja auch sehr gut und meine Prägung und ich rede
[23:10] da mit ihr auch offen drüber.
[23:12] Sie ist auch gar nicht kritikfähig und sie sagt immer, ja, das ist halt,
[23:17] weil der Papa so emotional nicht verfügbar ist und war.
[23:21] Also sie denkt da nicht, dass sie irgendeine Schuld trifft.
[23:27] Und mein Papa hat bestimmt auch seinen Teil dazu beigetragen,
[23:30] mit Sicherheit, aber ja, sie eben auch.
[23:34] Ja, es ist so wenig selbstreflektiert.
[23:38] Das macht es ja auch nicht so ganz einfach, das dann mit dir zu klären. Nee.
[23:46] Weißt du, was ich bei dir so raushöre? Und ich kann mir vorstellen,
[23:51] dass das auch wirklich ein Teil des Problems ist. Das ist...
[23:57] Dass du einerseits wirklich ein paar blöde Prägungen von deiner Mutter abbekommen
[24:02] hast und auch von deinem Vater.
[24:03] Aber ich nehme jetzt mal mehr die Mutter, weil für diesen Autonomieschaden,
[24:06] das hat auch viel das Vorbild deiner Mutter.
[24:09] Und welche Botschaften sie dir vermittelt hat zu tun.
[24:12] Und auf der anderen Seite höre ich so raus, dass du sie echt auch lieb hast.
[24:18] Ja, genau, auf jeden Fall. Also wir haben auch ein sehr enges Verhältnis miteinander.
[24:22] Aha, genau, immer noch, was die Autonomie ja auch nicht gerade beflügelt.
[24:28] Und dann ist das ja umso schwerer, sich da gesund zu lösen. Ja.
[24:33] Übrigens so, also was Eifersucht und Verlustangst angeht, im Familienkontext habe ich das auch.
[24:38] Also bei Freunden nicht so, aber ich bin schon sehr oft sehr eifersüchtig,
[24:43] auch auf das enge Verhältnis zwischen meiner Schwester und meiner Mutter oder
[24:47] auch zwischen meinem Bruder und meiner Schwester.
[24:50] Also da äußert sich das auch und ich gehe mal davon aus, weil da auch der Ursprung
[24:54] irgendwo liegt wahrscheinlich.
[24:55] Hängt das nicht alles damit zusammen, wie auch mit der Freundin auf dem Schulhof,
[25:00] dass du dich immer so abhängig fühlst von der einen Person.
[25:06] Und da darf eben keine Konkurrenz kommen. Komm mal auf dem Schulhof.
[25:10] Ich finde dieses Bild eigentlich wahnsinnig symptomatisch für das, was du mir erzählst.
[25:17] Ich sehe dich da wirklich stehen, die Freundin spielt mit der anderen.
[25:21] Und dann stehst du da einfach.
[25:23] Und ich denke, warum gehst du denn nicht los? Da sind doch noch andere Kinder.
[25:27] Warum machst du denn nichts?
[25:30] Frag doch hier, ob du mitspielen kannst. Oder fang selber ein Spiel an und hol dir Mitspieler dazu.
[25:36] Also dieses ganz Passive, was in diesem Bild ist.
[25:42] Das ist irgendwie...
[25:44] Und das meine ich jetzt gar nicht kritisch, das meine ich jetzt gar nicht so,
[25:48] fühlt dich bitte jetzt nicht kritisiert, sondern einfach nur beschreibend.
[25:52] Irgendwie auch ganz süß, aber das ist ja genau das, was dir eigentlich auch
[25:56] vermittelt wurde. Nicht geh raus in die Welt und pack es an und du kriegst das schon hin.
[26:01] Also deine Autonomie wurde ja nicht gefördert, gar nicht.
[26:07] Und auf der anderen Seite, fällt mir jetzt noch ein, gleichzeitig auch zum Teil
[26:12] eine Überforderung an Autonomie.
[26:14] Weil dadurch, dass deine Mutter daheim so laissez-faire war,
[26:18] warst du natürlich dann auch wieder sehr auf dich zurückgeworfen,
[26:21] selbst dir den Tag zu strukturieren.
[26:26] Also da auch wieder so eine Überforderung. Also da wurde dann manchmal vielleicht
[26:31] auch zu viel Autonomie von dir verlangt.
[26:34] Und auf der anderen Seite immer die Botschaft, das packst du nicht, das kannst du nicht.
[26:40] Ja Ja doch, da ist da ist was dran, ja Und deswegen bist du jetzt so geschwächt,
[26:49] dass du dich wirklich sehr, sehr abhängig fühlst,
[26:54] Und wenn man sehr abhängig sich fühlt ist ja klar, dass man dann auch eine große
[26:58] Verlustangst hat Wie soll das anders gehen?
[27:01] Wenn ich total abhängig wäre auch mein Horror Also wenn ich irgendwo am Tropf
[27:05] hängen würde und davon hängt mein Leben ab dann wäre auch mein Horror der Tropf
[27:09] würde abgezogen werden.
[27:11] Das macht ja alles Sinn.
[27:14] Die Frage ist ja jetzt nur, wie kommst du besser auf die eigenen Füße?
[27:19] Ja, das ist die große Frage. Da stelle ich mich auch schon lange.
[27:24] Ich frage dich erst mal noch eine andere Frage.
[27:29] War dir das eigentlich bisher, bis zu diesem Zeitpunkt, wo du jetzt gerade hier
[27:33] sitzt, so klar, wie umfangreich deine Prägung ist, was die geschwächte Autonomie
[27:40] betrifft, diese Abhängigkeit durch deine Mutter?
[27:44] Oder war dir das eher so halbbewusst? Doch, mir war das schon bewusst.
[27:51] Also ich habe auch schon viel mit deinem Buch gearbeitet und so weiter.
[27:55] Ich habe das schon alles rausgearbeitet. Also es ist irgendwie immer noch mal
[27:59] krasser, wenn man es von außen hört, aber eigentlich war es mir schon klar.
[28:04] Aber das eigentlich ist immer so ein Wort, was dann ja doch und eigentlich dann
[28:11] ja doch nicht so ganz auch wieder transportiert.
[28:14] Aber das ist ja oft so und das ist ja auch der Vorteil in psychotherapeutischen
[28:19] Gesprächen oder auch Gesprächen mit Freunden,
[28:22] dass man manchmal jemanden außen braucht, der einem so die eigenen Gefühle auch
[28:28] nochmal so validiert. Ja.
[28:30] Und sagt, doch, das ist wirklich krass und so ist es. Ja.
[28:34] Und das ist vielleicht das, was hier jetzt auch nochmal stattfindet,
[28:37] gerade in diesem Moment.
[28:39] Ja, das stimmt.
[28:43] Und ja, und ich habe auch schon, also meine Geschwister zum Beispiel,
[28:47] mit denen habe ich auch schon mal versucht, darüber zu reden,
[28:49] zu fragen, hey, wie habt ihr das eigentlich wahrgenommen, so als Kinder?
[28:53] Aber meine Schwester, die ist da ganz anders als ich, die verschließt ihre Gefühle da eher und so.
[28:58] Deswegen habe ich da nie so rausgefunden, ob die das auch so wahrnimmt.
[29:01] Aber ja, es hat auf jeden Fall viel mit meiner Mama zu tun, denke ich.
[29:06] Ich dachte immer nur, dass wahrscheinlich mein Papa und auch diese ganze Schulhof-Geschichte
[29:11] noch einen größeren Anteil spielt.
[29:15] Also ich dachte, dass meine Mama wahrscheinlich eher so einen kleineren Teil
[29:17] dazu beitragt. War das auch eine Hoffnung?
[29:22] Ich habe es einfach nie so groß wahrgenommen, weil sie hat Wir-Botschaften verwendet,
[29:27] aber das war jetzt ja auch nicht täglich.
[29:30] Aber klar, ihre Angst spiegelt sich an jedem in allem, was sie tut, auch wieder.
[29:36] Und das ist wahrscheinlich unbewusst, was ich auch viel aufgenommen habe,
[29:39] auch wenn sie es gar nicht so direkt zu mir geäußert hat. Das denke ich nämlich.
[29:42] Ich denke dabei sehr, sehr viel durch Vorwurf. Und das sickert ja noch viel
[29:47] unbewusster und perfider in einen hinein.
[29:50] Also ganz klar ausgesprochene Botschaft. Wenn sowas ganz klar ist,
[29:54] dann kann man ja immer noch sagen, nö, sehe ich nicht so. Aber das sickert einen,
[29:57] das ist durchsickert einen so.
[30:00] Und ich habe eben gesagt, ist das auch deine Hoffnung, weil ich höre so raus,
[30:03] dass du einfach zu deiner Mutter auch das wesentlich engere Verhältnis hast,
[30:06] das heißt, die Loslösung von ihr.
[30:10] Ja, sie ist halt einer meiner größten Bezugspersonen immer noch und dann wäre
[30:15] es ja okay, wenn ich da auch noch katte. Jetzt kommst du in die Klemme.
[30:18] Wenn ich da auch noch katte, dann bin ich ja noch mehr alleine, wie ich eh schon bin, ja.
[30:23] Ich glaube, da beiße ich geradezu die Katze den Schwanz und da kommst du nämlich richtig in die Klemme.
[30:28] Du, sicherlich, hatte dein Vater auch Anteile. Also du hast ihn ja beschrieben
[30:33] als eine Person, die eben Schlechtgefühle äußern kann, die aber durchaus präsent war.
[30:40] Du hattest manchmal Zweifel, ob er dich liebt hat durch seine Art und so weiter.
[30:44] Das ist sicherlich auch ein wichtiges Thema. Das glaube ich schon.
[30:48] Aber wir können, ich konzentriere mich mal ganz gern, weil wir eben dieses Format
[30:53] haben, dass wir nur das eine Gespräch haben, mich immer ganz gern auf so einen
[30:58] zentralen oder wenige zentrale Aspekte.
[31:02] Und da sehe ich im Moment mehr deine Mutter, weil deine Mutter natürlicherweise
[31:05] für dich als Frau, als Mädchen,
[31:08] ja auch die größere Identifikationsfigur ist und auch die viel stärkere Bezugsperson
[31:13] war, weil deine Mutter, wenn ich das raushöre, ja eigentlich mehr noch sich
[31:16] um die Kinder gekümmert hat. Ja.
[31:18] Und du bis heute zu ihr ein sehr enges Verhältnis hast und jetzt hast du halt so eine.
[31:27] Doppelprägung, also das ist jetzt nicht so richtig gut ausgedrückt,
[31:30] aber was ich eigentlich sagen will ist, auf der einen Seite hat deine Mutter,
[31:33] dadurch, dass sie selber so eine geschwächte Autonomie hat,
[31:39] deine Autonomie sehr stark geschwächt, durch Botschaften, durch Vorbild und so weiter.
[31:43] Auf der anderen Seite hat sie sich ja immer, zum Teil auch natürlicherweise,
[31:50] als seine engste Bezugsperson angeboten und auch als seine Beschützerin, schon als Kind.
[31:57] Dass sie so dich warnt, mich schützt, das sagt, kannst du nicht alleine, ich komme mit oder so.
[32:03] Und sicherlich auch bei einigen Aufgaben, die durchaus altersgerecht alleine
[32:07] zu bewältigen gewesen wären. und dadurch hat sie ja implizit immer die Botschaft
[32:12] in dich hineingetragen, du schaffst das nicht ohne Mama.
[32:16] Ja. Das ist ja die implizite Botschaft, die ist nicht gewollt,
[32:20] aber die schwingt einfach mit für ein Kind.
[32:22] Ja, nicht nur du kannst nicht, aber du darfst auch nicht.
[32:25] Sogar noch weiter, du darfst nicht ohne Mama, also bist du ja jetzt richtig eng an sie gebunden.
[32:32] Ja. Nein, du darfst dich dann ja auch nicht lösen. Ja.
[32:36] Und du bist ja auch gar nicht gelöst.
[32:39] Und jetzt hast du aber nun, und das meine ich mit doppelter Prägung,
[32:42] das nächste Problem, dadurch, dass du so geprägt bist, dass du ohne Mama nicht
[32:46] durchs Leben gehen kannst, kannst du dich ja jetzt auch umso schlechter von
[32:51] ihr lösen und zu einer gesunden Autonomie kommen.
[32:56] Ja. Und wie gesagt, ich versuche es ja schon.
[33:00] Also wenn mir Sachen direkt auffallen, dann spreche ich die jetzt schon seit ein paar Jahren auch an.
[33:05] Das berührt mir so die Oberfläche des Problems. Ja, weil tief in mir,
[33:12] heute mache ich natürlich alle Sachen ohne meine Mama.
[33:16] Also ich brauche sie jetzt nicht, um mir irgendwas auf Amazon zu bestellen.
[33:20] Obwohl, jetzt wieder beim Wohnung einrichten wäre es gut, wenn sie mir sagen,
[33:23] die Kommode sieht gut aus.
[33:26] Aber ja, ja.
[33:29] Es ist halt einfacher, glaube ich, wenn man zusammenlebt, weil man dann die
[33:33] ganzen Situationen mehr hat präsent.
[33:36] Aber wenn man ja auch gar nicht mehr zusammen wohnt. Und wie löse ich mich da?
[33:42] Das Ding ist ja, dass du es so wahnsinnig tief verinnerlicht hast. Ja.
[33:50] Wie waren nochmal deine Glaubenssätze, was Autonomie betrifft?
[33:54] Ich schaffe das nicht alleine. Ich schaffe das nicht alleine, reicht ja schon.
[33:57] Ja, und ich bin nicht sicher in mir. Also ich brauche jemand anderen,
[34:00] um sicher zu sein. Ich brauche dich, ja. Genau.
[34:04] Und das ist ja tief in dir drin. Ja. Ja, ganz tief.
[34:10] Was würde es denn mit deiner Loyalität zu deiner Mutter machen,
[34:17] wenn du sie wirklich nicht mehr brauchst, wenn du wirklich alleine klarkommst,
[34:24] inwiefern würde das eure Beziehung verändern? Hm.
[34:36] Ja, das ist eine gute Frage.
[34:40] Also eigentlich denke ich da eher so an mich wieder, dass ich dann halt haltloser bin.
[34:48] Also erstens kannst du es dir gar nicht vorstellen, weil du sofort das Gefühl
[34:51] hast, deinen Halt zu verlieren. Ja, genau, da geht mein erster Gedanke hin. Genau.
[34:56] Und ich kann mir aber auch vorstellen, dass da noch eine zweite, sehr schwere Ebene ist.
[35:04] Und zwar, du durftest doch auch nicht alleine machen, hast du eben gesagt.
[35:10] Du darfst es ja auch nicht. Nicht nur, du kannst es nicht. Du darfst es nicht.
[35:15] Was wäre denn jetzt...
[35:18] Wenn sie sich wirklich löst.
[35:23] Das ist nicht auch irgendwie so ein kleiner Verrat oder Schuldgefühle,
[35:27] die da hochkommen würden?
[35:30] Also ich glaube, dass ich eigentlich auch schon gar nicht mehr,
[35:33] ich mache auch gar nicht mehr so viel für meine Mama.
[35:36] Also klar, ich bin für sie da, aber ich denke, das ist eigentlich in einem gesunden Verhältnis.
[35:41] Also mir ist schon aufgefallen, dass eigentlich, wenn meine Mama irgendwas braucht,
[35:44] sie sich immer bei meiner Schwester meldet, weil die auf jeden Fall immer Ja sagt.
[35:49] Und ich zum Beispiel so Sachen, die sie teilweise von ihr dann will,
[35:53] gar nicht machen würde für sie, weil ich sagen würde, mach das selbst.
[35:56] Und deswegen, ich denke mir, eigentlich mache ich das doch schon.
[35:59] Ich löse mich doch eigentlich schon.
[36:01] Und was ist das Aber? Bleib mal dabei. Versuch jetzt mal, weil im Moment bist
[36:06] du im Kopf, du überlegst, jetzt versuch mal nochmal, am besten senkst du sogar
[36:10] den Blick, dann geht das leichter, wieder ins Gefühl zu kommen.
[36:14] Was ist denn das Aber? Also irgendwas klebt doch da wie Zement trotz allem.
[36:19] Ja, dass unsere Bindung dann auch kleiner wird.
[36:25] Bitte bleib mal dabei, das spürst du da gerade. Versuch mal wirklich das auch
[36:30] jetzt zu fühlen, was da in dir eigentlich im Widerstand ist.
[36:38] Also die Bindung wird kleiner. Ja, und auch wenn ich sie weniger brauche,
[36:44] dann braucht sie mich auch weniger.
[36:47] Und was würde das bedeuten, wenn sie dich weniger braucht?
[36:51] Ja, dass wir beide unabhängiger sind und beide auf uns alleine gestellt.
[36:59] Und was für ein Gefühl löst das in dir aus?
[37:05] Alleine gestellt.
[37:09] Ja, Hilflosigkeit, Panik und da schließt sich dann auch der Kreis zu den Männern, denke ich.
[37:14] Weil das ist gerade so das Gefühl, an was ich dann denke.
[37:17] Also ich habe mir jetzt gerade vorgestellt, was passiert, wenn ich jetzt wieder
[37:21] in der Unsicherheit mit einem Mann bin.
[37:23] Was da dann für ein Gefühl mit mir aufkommt. Und das ist dann,
[37:26] denke ich, ein ähnliches.
[37:32] Ja.
[37:36] Also ein ähnliches tiefes Gefühl von, ich komme nicht klar.
[37:43] Wenn du jetzt mal so auf dieser Gefühlsebene bleibst und wirklich auf der Gefühlsebene,
[37:51] was bräuchte es denn, dass du dir innerlich ein bisschen mehr zutraust und dir
[38:00] ein bisschen mehr Selbstständigkeit zutraust und mehr Entscheidungsfähigkeit.
[38:07] Fühl mal hin, was wäre so ein erster Schritt und in welche Richtung müsste das denn gehen?
[38:14] Ja, ich bräuchte ein gestärktes Selbstwertgefühl. Also einfach,
[38:20] dass ich mehr das Gefühl habe, ich bin okay, so wie ich bin und,
[38:28] ich kann das auch alleine.
[38:31] Aber das ist ja schon relativ groß.
[38:37] Und vielleicht im ersten Schritt auch noch zu abstrakt.
[38:44] Spür mal hin,
[38:49] Was noch ein kleinerer Schritt wäre. Also da ist ja diese irre Bindung zu deiner Mutter.
[38:57] Ja.
[39:01] Und zwar auf so eine doppelte Art und Weise. Einerseits das Gefühl, ich kann nicht ohne sie.
[39:11] Und auf der anderen Seite aber auch so ein bisschen wie, ich darf dich nicht verlassen.
[39:20] Oder sehe ich das falsch? Nee, das passt schon. Ja.
[39:28] Also ich kann nicht ohne dich und ich darf dich nicht verlassen.
[39:32] Ja, das sagt sie auch immer. Sie sagt immer, ja, Familie, das ist so wichtig
[39:36] und das Größte und da muss man dran festhalten.
[39:38] Und wir können so glücklich sein, was wir haben und ist ja auch so. Aber ja,
[39:46] muss man dran festhalten, ja. Das passt.
[39:58] Also ich habe immer den Eindruck in diesem Gespräch, dass du deinen Selbstwert
[40:03] für die Bindung opferst.
[40:07] Also ich bin lieber nicht okay und bleibe wenig autonom, als dass ich die Bindung
[40:13] zu meiner Mutter oder zu der Familie opfer.
[40:15] Ich bleibe bei deiner Mutter, als dass ich die Bindung zu Mama opfer.
[40:18] Das ist der Preis, den du bezahlst für die Bindung.
[40:24] Ja, es ist schwer vorzustellen.
[40:28] Das ist schwer, weil ich überlege, wann ich das eben mache im Alltag.
[40:33] Ja, jeden Tag. Du fühlst dich ja unselbstständig und bleibst dadurch innerlich
[40:37] auch immer in der Bindung.
[40:39] Ja. Also von deinen tiefsten inneren Überzeugungen bist du ja immer noch das
[40:43] kleine Kind, was an der Hand von Mama durchs Leben geht.
[40:46] Auch wenn es auf einer äußeren Ebene nicht immer so ist, aber das Innerste,
[40:50] das ist ja so. Das ist ja deine gefühlte Realität.
[40:53] Ja, okay. Ja, da bin ich dabei. Und da, auf der Ebene ist es wichtig,
[40:58] Linda, dass du immer auf dieser Ebene arbeitest, weil dieses Theoretische und
[41:02] das Oberflächliche, ja, ich kann alleine ein Hotel buchen oder so,
[41:07] das ist eine Makulatur.
[41:10] Es geht darum, wirklich dieses Gefühl der Innere, was ja extrem nochmal laut
[41:15] wird in Männerbeziehungen.
[41:17] Da wirst du Busch, da bist du nochmal voll damit. Oder du willst eine Wohnung
[41:20] einrichten, kannst keine Entscheidung treffen. Ja, also da ist ja diese tiefe
[41:26] Bindung, Loyalität zu deiner Mutter, die dich aber auch gleichzeitig in der
[41:29] Unselbstständigkeit hält.
[41:31] Ja, ja.
[41:36] Also im Grunde genommen...
[41:42] Müsstest du dich ein Stück weit aus der Bindung befreien? Innerlich?
[41:47] Ich rede von inneren Prozessen.
[41:51] Aber das bräuchte etwas, was ich bei dir im Moment nicht fühle.
[41:58] Sowas auch ein bisschen wie Trennungsaggression zu sagen, das war scheiße.
[42:03] Ich habe nie, also das Witzige ist, ich bin gegenüber von meinen Eltern immer sehr auf Krawall aus.
[42:12] Habe ich bei anderen gar nicht so, aber ich bin eigentlich schon,
[42:15] sagt sie auch immer, ich spüre bei dir immer so eine Aggressivität gegen mich.
[42:19] Also sie ist da, aber? Ja, ich bin dann auch wirklich unausstehlich meinen Eltern
[42:25] gegenüber teilweise, denke ich mir so. Also ich würde nicht so mit mir reden lassen.
[42:30] Bei Männern habe ich das gar nicht. Die stelle ich immer auf den Podest.
[42:34] Also du merkst schon, da ist eine Wut und trotzdem kommt es ja nicht richtig weg.
[42:40] Ja, obwohl ich sie ja schon an denen rauslasse. Was lässt du denn da raus? Welche Wut?
[42:46] Also Passivaggressivität ist so schnippig immer.
[42:49] Ja, aber Passivaggressiv ist ja...
[42:53] Ja, aber was macht dich denn so wütend? Ich kann das gar nicht sagen.
[42:59] Ich gehe ins Auto, wenn sie mich jetzt abholen würde, ich mache die Tür auf,
[43:04] setze mich hin und das ist wie ein Schalter umgelegt und dann bin ich plötzlich passiv-aggressiv.
[43:10] Ja, aber was ist denn da? Was findet denn da statt?
[43:15] Ja, irgendein Schutzmechanismus. Gegen was?
[43:21] Was beschützt du? Was geht dir auf den Sack auf gut Deutsch?
[43:27] Das weiß ich gar nicht so genau. Wahrscheinlich...
[43:32] Wieder in diese Kindesrolle gesteckt zu werden, weiß ich nicht.
[43:37] Obwohl ich dir ja auch auf der anderen Seite gerne bin. Aber es macht dich auch
[43:41] wütend. Also beides. Ja.
[43:44] Formulier mal, was dich wütend macht, wenn du es mal aussprichst.
[43:48] Mir fehlt da gerade noch so ein bisschen der Zugang dazu, leider.
[43:52] Also du merkst, du bist wütend. Du bist aber nicht passiv-aggressiv,
[43:58] also mehr so schnippisch. oder wie äußern sich deine passiven Aggressionen?
[44:03] Ja, ich will wirklich nett sein. Ich stelle mir auch vorher vor,
[44:07] ich bin jetzt, alles ist gut, alles ist Frieden.
[44:10] Und trotzdem, also ich bin auch sehr reizempfindlich und ich denke mir immer,
[44:14] ach vielleicht, weil ich weiß, bei meinen Eltern werde ich bedingungslos geliebt,
[44:17] da kann ich das rauslassen. Das ist immer so meine Erklärung dafür.
[44:21] Aber vielleicht ist es auch Wut, die ich habe gegen die Art,
[44:26] wie sie mich eben erzogen haben oder wie ich halt aufgewachsen bin.
[44:30] Das kann natürlich auch sein.
[44:32] Also du weißt eigentlich gar nicht so richtig, was dich wütend macht? Nee.
[44:37] Und hast du einen blinden Fleck? Ja. Der ist doch spannend.
[44:43] Weil da ist wahrscheinlich viel vorzufinden. Ja.
[44:49] Ja, der ist blind, ja.
[44:55] Ja, an dieser Stelle fällt ja auf, dass Linda bei dem Thema Wut so einen blinden
[45:00] Fleck hat, dass sie zwar spürt, dass sie wütend ist und wütend sein kann,
[45:05] aber diese Wut nicht richtig reflektieren kann.
[45:09] Was genau macht sie eigentlich so wütend oder was ist da eigentlich los in diesem Moment?
[45:14] Und Wut ist ja das Gefühl, das die Natur uns mitgegeben hat,
[45:18] um autonome Bedürfnisse durchzusetzen.
[45:22] Also ohne eine gewisse Aggression ist es schwierig, für meine eigene Autonomie einzutreten.
[45:29] Und deswegen ist es recht typisch für jemanden, der so eng in der Bindung ist,
[45:36] wie Linda eben zu ihrer Mutter, vor allem aber auch zu ihren Eltern,
[45:41] dass sie diese Wut eben unterdrückt, um die Bindung auf jeden Fall aufrechterhalten zu können.
[45:48] Und gleichwohl spürt sie, dass da aber trotzdem Wut da ist.
[45:53] Also sie ist da innerlich richtig in der Klemme zwischen ihrem Wunsch nach Bindung
[45:57] und ihrem Wunsch nach mehr Autonomie und Loslösung von ihren Eltern.
[46:03] Aber noch opfert sie häufig die Autonomie und die Wut eben für die Bindung,
[46:08] weil sie sich noch nicht so richtig in der Lage sieht, auf eigenen Füßen zu stehen.
[46:14] Und dafür müsste sie eben, um das besser zu können, einen besseren Kontakt zu
[46:19] ihren Wünschen und Bedürfnissen bekommen, denn je klarer sie sich selbst spüren
[46:24] kann, desto mehr Bodenhaftung wird sie auch verspüren.
[46:28] Und damit auch mehr Stärke, innere Stärke, die sie wiederum zu mehr Autonomie führt.
[46:34] Und dafür ist aber vor allen Dingen auch wichtig, dass sie Kontakt bekommt zu
[46:38] ihren Wutgefühlen und sich diese auch erlaubt.
[46:42] Kannst du mal so in dich spüren, wo im Körper du die Wut spürst?
[46:47] Ich spüre sie immer hier oben im Brustbereich, Brustkorb.
[46:53] Kannst du sie jetzt spüren, wenn du sie spüren willst?
[46:57] Ein kleines bisschen vielleicht. Dann lass uns mal in die Situation reingehen.
[47:03] Du bist bei deinen Eltern.
[47:09] Und dann ist plötzlich diese, was spürst du dann da plötzlich?
[47:13] Obwohl du dir vorgenommen hast, nett zu sein.
[47:17] Ich denke mir dann oft, du bist mir jetzt zu viel.
[47:22] Du bist mir zu viel. Ja, ich kann deine Energie gerade nicht haben. Welche Energie?
[47:27] Einfach die Anwesenheit. Was ist genau zu viel?
[47:31] Sie sagen ja noch nicht mal was. Ist ja so, bevor überhaupt irgendwie was gesagt
[47:37] wird, ist mir schon zu viel.
[47:38] Ich mir denke, ah nee, du passt gerade nicht zu mir.
[47:42] Also du willst Grenzen setzen?
[47:47] Ja, ich wüsste jetzt gar nicht, welche Grenze. Ja, die Grenze ist ja so ein
[47:51] Gefühl von, du bist mir zu sehr auf der Pelle.
[47:56] Ja, aber es sind eigentlich normale Alltagsbegegnungen, aber ja,
[47:59] trotzdem fühlt sich das für mich so an Ja, also es ist irgendwie ein Trigger
[48:03] dieses wahrscheinlich von früher dieses irgendwie so vereinnahmt werden immer,
[48:10] formuliert du es mal Bei meinem Papa ist es glaube ich viel so,
[48:15] du siehst mich nicht, kann ich mir vorstellen,
[48:18] also keine Ahnung, letztens hat er irgendeine irgendwas Altes von mir weggeschmissen
[48:23] und hat mich vorher nicht gefragt, was halt noch bei ihm im Haus war von mir
[48:27] und es hat mich halt auch richtig angekotzt und da habe ich halt auch gesagt, du fragst mich nie und,
[48:34] Du siehst mich nicht und was ist bei deiner Mutter?
[48:44] Gut, Frage.
[48:49] Was macht dich so wütend?
[48:57] Wahrscheinlich dann das Gegenteil. Einfach, dass sie mich zu sehr beansprucht.
[49:03] Schätze ich mal, aber ich spüre es gerade im Moment schlecht.
[49:08] Okay, also das ist etwas, wo du ganz schlechten Zugang hast. Da ist irgendeine Wut.
[49:13] Aber die, die dir auch nicht wirklich so richtig gestattet, die dann eher immer
[49:18] so in verdeckter Gestalt daherkommt und die von dir auch nicht so richtig reflektiert ist. Ja.
[49:28] Ich kann mir teilweise auch schon ihre Sprachnachrichten nicht anhören,
[49:31] weil mir das alles zu viel ist. Ja.
[49:33] Also eigentlich willst du mehr Grenzen.
[49:39] Ja, eigentlich schon. Aber auf der anderen Seite fühle ich mich auch schlecht,
[49:43] wenn sie mir den ganzen Tag nicht schreiben würde. Das ist so ein Zwiespalt. Ja.
[49:49] Das heißt, du hängst da extrem fest.
[49:54] Und du bräuchtest die klare Wut, aber du gibst ja auch nicht das Recht dazu.
[50:01] So richtig. Du hängst überall ein bisschen so zwischen Baum und Borke. Weißt du, so irgendwie.
[50:11] Einerseits ist es ja zu vielen und du willst auch Grenzen setzen,
[50:14] aber du setzt sie dann irgendwie so unterschwellig und schnippisch.
[50:17] Auf der anderen Seite fühlst du dich total abhängig.
[50:23] Und wahrscheinlich spielen auch Schuldgefühle eine Rolle, weil ja diese Botschaft
[50:26] ist, wir müssen zusammenhalten und du darfst im Grunde auch nicht wirklich selbstständig
[50:32] sein. Die schwingt dir auch noch mit.
[50:35] Also das ist ja so ein ganzer Kladderadatsch. Ja, ja.
[50:41] Ja, ich glaube, da hast du einen Punkt. Und da ist es für dich wichtig,
[50:47] viel, viel klarer, denke ich, zu deinen Bedürfnissen zu kommen.
[50:53] Also, was du wirklich willst an Nähe, was du wirklich richtig findest an Kümmern
[50:59] oder Nicht-Kümmern, dass du lernst, viel mehr bei dir zu sein,
[51:04] bei deinen Bedürfnissen.
[51:07] Dann kriegst du auch mehr Boden unter den Füßen.
[51:15] Ich frage es nur, wie mache ich das? Wie gesagt, ich mache schon viele Sachen
[51:22] gar nicht für sie, weil ich mir denke, das kriegst du auch alleine hin,
[51:25] wenn du bist eine erwachsene Frau.
[51:27] Und deswegen werde ich da auch schon gar nicht mehr angefragt,
[51:29] sondern meine Schwester.
[51:32] Ja, das sind ja so Abgrenzungsversuche auf der äußeren Ebene,
[51:37] die sind ja auch völlig okay.
[51:41] Aber auf der inneren Ebene fehlt es dir so an innerer Klarheit.
[51:48] Deswegen fällt es dir auch so schwer, Entscheidungen zu treffen.
[51:51] Weil du so wenig einen klaren Ausschlag hast.
[51:55] Und dir fehlt es auch an Klarheit, was macht mich eigentlich wütend.
[52:00] Das ist auch so ein Gemauschel da mit der Wut. einerseits so ein bisschen patzig,
[52:04] auf der anderen Seite ist ja gar nicht klar, worum geht es eigentlich wirklich.
[52:12] Und einerseits setzt du zwar ein paar Grenzen, auf der anderen Seite bist du aber gar nicht gelöst.
[52:18] Weil du sofort auch sagst in einem Satz, mir gehen ihre Sprachnachrichten zum
[52:22] Teil auf die Nerven, ich will es gar nicht hören.
[52:25] Und sofort in einem Satz, aber es wäre auch schlimm, wenn sich mal ein Tag nicht wählen würde. Ja.
[52:31] Also du weißt ja auch gar nicht, was du willst und was du darfst,
[52:37] wo überhaupt deine Rechte aus sind. Ich wusste noch nie, was ich will.
[52:40] Ja. Ja. Und ich glaube, es hängt auch viel damit zusammen, dass du auch nicht weißt, was du darfst.
[52:47] Du wüsstest mehr, was du willst, wenn du mehr wüsstest, die innere Erlaubnis
[52:52] hättest, dich auch wirklich lösen zu dürfen. Ja.
[53:02] Okay, wie löse ich mich?
[53:10] Ich denke, es geht weniger um diese äußeren Handlungen.
[53:14] Oder du hast natürlich so einen Handlungsdruck, den kann ich auch total verstehen,
[53:18] als vielmehr darum, dich innerlich besser zu spüren und dich besser zu sortieren.
[53:24] Also, dass du einen besseren Draht nach innen bekommst.
[53:28] Dass du deine Gefühle klarer fühlst auch die Wut,
[53:36] die Wut ist ja das Gegengift zu deiner Abhängigkeit ja, die ist aber eigentlich nie da ja,
[53:44] die ist viel zu wenig da ich habe das auch bei Männern gar nicht also selbst
[53:47] nachdem ich wenn die Beziehung vorbei ist ich schreibe mir sogar,
[53:51] habe mir schon Listen geschrieben was alles falsch vom Gegenüber war und trotzdem kam keine Wut aus.
[53:58] Ich habe mir die durchgelesen, durchgelesen und trotzdem war es für mich noch ja, der tolle Mann.
[54:07] Ja, und ich denke, ein bisschen, also es ist auch ähnlich mit deinen Eltern.
[54:12] Du bist zwar manchmal so patzig oder so und dir sind Sachen zu viel,
[54:15] aber eigentlich ist es dasselbe in Grün.
[54:18] Du fühlst dich abhängig und deine Wut ist unterdrückt. Mhm.
[54:26] Ja, kann gut sein.
[54:29] Und da fehlt es dir, glaube ich, auch so an inneren Schwung,
[54:32] weil dir da auch so die Energie und die Wut fehlt, zu sagen,
[54:36] sag mal Mama, Papa, das war echt scheiße, was ihr da zum Teil gemacht habt.
[54:41] Hätte ich ja nicht mal selber in Therapie gehen können, anstatt eure, ne, so. Mhm.
[54:49] Ich spüre, du beschreibst mir das zwar alles, aber ich fühle keine,
[54:54] dass du sagst, was war denn das?
[54:57] Ja, ich habe das bei der Mama schon gesagt, aber dann halt vielleicht nicht
[55:01] in einem richtig vorwurfsvollen Ton, sondern eher mit ein bisschen Humor gesagt,
[55:05] du hast mir das alles mitgegeben, danke dafür. Damit hältst du doch komplett die Beziehung.
[55:10] Aber es geht auch gar nicht darum, das ist es, was ich meine,
[55:14] es geht gar nicht so sehr um die äußeren Handlungen bei dir,
[55:16] ob du ihr das sagst oder nicht, es geht bei dir vielmehr, um dieses,
[55:21] dir innerlich mal die Erlaubnis zu geben, zu sagen, ey, was haben die da eigentlich mit mir gemacht?
[55:26] Was hat die denn da immer für Filme am Laufen? Hat sie die noch Allergie nicht
[55:32] nach Frankfurt? Geht's noch? Ja.
[55:36] Jetzt lachst du wieder. Ja, aber damit entkräftest du auch die Wut.
[55:40] Und ich glaube, das ist das, was du jetzt erstmal bräuchtest.
[55:45] Dass du in eine gesunde Trennung reinkommst und dann kriegst du auch viel mehr Autonomie.
[55:53] Also mit den Männern kannst du erstmal meines Erachtens ein bisschen,
[55:57] solltest du nach hinten schieben.
[55:59] Du bist im Moment, es überfordert dich.
[56:02] Sollte ich gar nicht jetzt daten aktuell? Also aus meiner Sicht bist du im Moment
[56:07] nicht fit für eine Beziehung, sondern es ist wichtig, dass du erstmal für dich
[56:11] selbstständiger wirst. Sonst gehst du ja in jeder Beziehung unter.
[56:16] Also würde ich nicht machen. Kann ja noch gefährlich werden,
[56:21] wenn du an irgendeinen Toxiker gerätst, der dich komplett in die Abhängigkeit reintreibt.
[56:27] Also würde ich im Moment mal nicht machen.
[56:30] Ich würde gucken, dass ich diese Loslösung von meinen Eltern hinkriege und dass
[56:34] du wirklich in die Autonomie kommst. Und der erste Schritt ist,
[56:39] dass du klarer in deinen Gefühlen wirst, was da passiert ist und mehr tatsächlich
[56:49] dir auch mal gestattet ist, wütend sein zu dürfen.
[56:57] Ich glaube, da sind viele Situationen, wenn man jetzt ein längeres Therapiesetting
[57:01] hätte, die man mal besprechen könnte und was ist da eigentlich passiert und
[57:05] wie hast du dich da als Kind gefühlt und da mal zu gucken, was war denn da los.
[57:13] Weil ich denke, dass du dir das auch.
[57:18] Dass du da auch noch einen ziemlichen Schleier über der Realität hast dass es
[57:23] dir einerseits zwar klar ist aber nicht so wirklich,
[57:28] weil das wird ja wieder die Bindung gefährden also das Thema ist Trennung,
[57:36] aber du hast ja zu wenig,
[57:39] Bindungs also zu wenig Selbstständigkeitsgefühl. Ja.
[57:45] Und da ist es so wichtig, gleichzeitig eben auch diese Autonomie,
[57:51] ich schaffe das auch zu fördern. Also bist du in Therapie?
[57:57] Ich war mal in Therapie, ja.
[57:59] Und meine Therapie hat damals auch geendet, weil meine Therapeutin gesagt hat,
[58:06] sie hat nichts mehr, was sie mir mitgeben kann und ich mache also keine Fortschritte.
[58:11] Also sie merkt, ich verstehe zwar alles, aber es macht nicht Klick und sie sagt,
[58:16] na, bin ich scheinbar vielleicht nicht die Richtige oder, ja.
[58:20] Ja, weil es eben ganz wichtig ist, auch im tiefen Inneren an diesem Gefühl zu
[58:25] arbeiten, ich schaffe das.
[58:30] Ja, was bei mir auch irgendwie oft so ein Muster ist, ist, dass ich irgendwie
[58:36] immer eine Ausrede finde, immer so ein Aber.
[58:39] Ja, aber das, genau.
[58:41] Und das habe ich auch schon mein ganzes Leben lang.
[58:45] Also ja, ich tue mir nur immer so schwer mit diesen Formulierungen,
[58:52] du musst dich mit deinen Gefühlen besser verstehen,
[58:57] weil ich immer trotzdem denke, was heißt das in so einem Alltagsbeispiel,
[59:01] also wie mache ich das im Alltag, weil ich kann ja jetzt nicht jeden Tag mir
[59:05] meine Liste durchlesen, warum ich wütend auf meinen Eltern zu sein habe, oder?
[59:11] Da höre ich jetzt so einen richtigen Widerstand raus. Ich kann mir keine Liste
[59:16] durchlesen, warum ich auf meine Eltern wütend zu sein habe. Nicht dauerhaft, meine ich.
[59:22] Nee, daraus höre ich ja ganz deutlich, du machst mir hier Vorschriften.
[59:28] Und eigentlich stehe ich gar nicht dahinter.
[59:32] Okay. Zu sein habe.
[59:38] Und daran merke ich eben, und ich glaube, das ist so das Problem,
[59:41] Und da beißt sich wieder die Katze im Stand, dass im tiefsten Inneren aufgrund
[59:45] deiner Abhängigkeitsgefühle auch gar keine Bereitschaft da ist.
[59:52] Ja.
[59:58] Ja, das ins Tun kommen fällt mir sehr schwer. Genau, weil das würde ja genau
[1:00:03] das verlangen, was dir so schwerfällt, diese eigene Verantwortung zu übernehmen.
[1:00:08] Weil du ja immer die Hoffnung unterhältst, da kommt schon jemand, der dich erlöst.
[1:00:16] Ja.
[1:00:22] Das stimmt.
[1:00:29] Okay, wo setze ich jetzt an? Ich will es wirklich.
[1:00:35] Ich will ja beziehungsfähig sein. Ich will glückliche, harmonische Beziehungen führen können.
[1:00:43] Und eigentlich im Kopf bin ich auch bereit, das alles zu gehen.
[1:00:47] Deswegen mache ich ja schon seit Jahren die Arbeit.
[1:00:50] Nur ins Tun komme ich halt nicht. Ich weiß ja, da ist der Widerstand. Wie löse ich denn auf?
[1:00:57] Kann ich dir nicht sagen. Okay.
[1:01:02] Weil jetzt passiert ja dasselbe, was immer passiert. Ich soll dich erlösen. Ja, genau.
[1:01:09] Immer, was soll ich denn jetzt tun? Ja. Hast du bestimmt schon fünf, sechs Mal gefragt. Ja.
[1:01:20] Und ich denke, es geht nicht so sehr ums Tun, es geht ums Innere akzeptieren,
[1:01:24] zu sagen, ja, so war das ja wirklich. Das ist ja echt krass.
[1:01:29] Krasse, diese Gefühle mal zuzulassen einfach rund um das Thema Abhängigkeit,
[1:01:35] rund um das Thema, was ist eigentlich daheim passiert.
[1:01:40] Und ich versuche mir innerlich ein bisschen zu sortieren.
[1:01:46] Dass da dann auch der Schwung herkäme zu sagen, jetzt krempel ich mal die Arme hoch.
[1:01:58] Und ich würde dringend nochmal eine Therapie machen an deiner Stelle,
[1:02:01] weil die Themen sind sehr tief eingeprägt das können wir hier in einem Gespräch
[1:02:06] nicht lösen Gibt es da eine Therapieform, die du mir empfiehlst?
[1:02:10] Das letzte Mal habe ich eine Verhaltenstherapie gemacht hat Gesprächstherapie.
[1:02:20] Meine Therapeutin damals hatte mir gesagt, vielleicht wäre tiefenpsychologisch was für mich.
[1:02:27] Also ich glaube, dass dir einige Ansätze da helfen könnten.
[1:02:31] Also eine gute Verhaltenstherapie, aber auch ein tiefenpsychologischer Ansatz.
[1:02:35] Auch Familientherapeutin. Meine Erfahrung ist immer, es kommt nicht so sehr
[1:02:39] auf die Therapieform an, sondern
[1:02:41] ob die Therapeutin oder der Therapeut irgendwie da gut ist. Also ja.
[1:02:53] Ja, also es ist ja was, was so sehr tief sitzt.
[1:02:57] Und die größte Klemme, die du hast, ist, dass du einerseits einen Wunsch nach
[1:03:01] Lösungen hast und andererseits am liebsten immer bei Mama bleiben würdest.
[1:03:07] Und das passt nicht zusammen.
[1:03:09] Und deswegen bist du manchmal auch so wütend und dann wieder nicht.
[1:03:12] Also deswegen, weil du dich gar nicht so richtig selber traust, dich zu lösen.
[1:03:20] Logischerweise, weil in dir reingetragen wurde, du schaffst es nicht allein.
[1:03:24] Und da hängst du so richtig in der Klemme.
[1:03:28] Zwischen dem Wunsch nach Lösung und dem Wunsch nach Bindung. Ja.
[1:03:37] Ja, manchmal habe ich dann auch so Anfälle, wo ich sage, ich will es mir jetzt
[1:03:40] beweisen. Also das habe ich sogar relativ oft. Sage ich ja, ich habe noch nie ein Bild gemalt.
[1:03:45] Nee, ich kaufe mir jetzt alles, was gehört, ich will jetzt ein Bild malen und
[1:03:49] dann bin ich danach, aber so denke ich mir, ja klar, das ist jetzt nichts geworden,
[1:03:54] sieht scheiße aus, ja klar, ist jetzt wieder versagt,
[1:03:57] jetzt hast du wieder Zeit und Geld ins Fenster rausgeschmissen und da ist glaube
[1:04:03] ich auch schon mein Ansatz falsch, allein auch dieser Anspruch an mich,
[1:04:06] dass ich es perfekt machen muss, also wahrscheinlich einfach so,
[1:04:09] ja ich mache es jetzt halt einfach mal, aber,
[1:04:13] Das kann ja gar nichts werden. Wie soll denn das was werden?
[1:04:15] Ja. Das ist ja so ähnlich wie, ich kaufe jetzt ein Klavier und dann kann ich Klavier spielen.
[1:04:19] Und dann stelle ich fest, ich kann ja gar nicht Klavier spielen.
[1:04:21] Siehst du, hast ja schon wieder Scheiße gebraucht. Du hast noch nicht mal das, kriegst du hin.
[1:04:25] Das ist doch völlig irre. Ja. Ja.
[1:04:29] Genau. Ja. Also du baust das Schal dann ja schon mit ein in deinen Ansprüchen. Genau.
[1:04:40] Okay, wir müssen aber dem Ende zukommen. Was kannst du denn für dich heute hier so mitnehmen?
[1:04:48] Ja, also dass das ganze Thema mit meiner Mutter wohl doch mich mehr geprägt
[1:04:56] hat, als ich gedacht habe.
[1:04:57] Ich habe ja vorher gedacht, dass es eher ein kleineres Stück ist quasi im großen Puzzle.
[1:05:05] Und dass ich versuchen werde, jetzt mehr auf meine Gefühle zu hören.
[1:05:09] Also wenn im Alltag halt ein Gefühl aufkommt, dass ich da dann wirklich mal
[1:05:13] auch reingehe, vielleicht auch mir das aufschreibe oder so und dass ich mir
[1:05:20] nochmal eine Therapie, also Psychotherapie suche, habe ich sowieso vor.
[1:05:25] Aber ich bin gerade noch in dieser Übergangsfrist, wo man ja irgendwie warten
[1:05:28] muss oder so schlecht auf jeden Fall einen Therapieplatz kriegt.
[1:05:32] Ja, ja.
[1:05:37] Ich bin leider nicht so hoffnungsvoll, dass es irgendwie was wird.
[1:05:41] Aber ja, weil ich es halt schon so lange mit mir rumtrage. Aber ich versuche es weiter.
[1:05:50] Es liegt ja in deiner Struktur dass du keine Hoffnung haben kannst weil du hast
[1:05:54] doch den Glaubenssatz ich schaff das nicht,
[1:05:58] ja, hast du recht.
[1:06:05] Vom Gefühl her glaubst du das ist was was man lösen kann.
[1:06:14] Auf jeden Fall. Okay. Auf jeden Fall kann man das lösen.
[1:06:22] Aber du sagst ja immer, du willst es auch.
[1:06:28] Auf der einen Seite rutscht man aber auch immer so ein bisschen ab bei dir.
[1:06:34] Du hättest ja jetzt mit diesem Mutterthema auch sagen können, ja stimmt eigentlich.
[1:06:40] Schon krass. weißt du, so innerlich dich ein bisschen mehr öffnen.
[1:06:46] Und das ist, glaube ich, das Problem, weswegen ich auch sage,
[1:06:50] du brauchst nicht die äußeren Lösungen, sondern dass du dir innerlich mehr Erlaubnis gibst.
[1:06:55] Ja. Für alles, was da ist an Gefühlen. Ja.
[1:07:01] Ja, stimmt. Ich mache dann schnell dicht. Genau. Und dann hast du zwar einerseits
[1:07:08] den Anspruch, hilf mir, aber auf der anderen Seite kriegt man,
[1:07:11] wie bei so einer glatten Wand, keinen richtigen Griff.
[1:07:14] Weil du das dann emotional nicht zulässt.
[1:07:20] Und das sind ja genau die Gefühle, die du bräuchtest.
[1:07:26] Um in die Veränderungsbewegung zu kommen. Aber wenn du dann dicht machst,
[1:07:30] weil du doch nicht wahrhaben willst, dass es sehr eng ist, oder weil du doch
[1:07:33] nicht wütend sein willst, oder was auch immer,
[1:07:37] dann drehst du dich selber im Kreis, weil du dann keine klaren Emotionen hast.
[1:07:43] Dann weißt du auch nicht, in welche Richtung du gehen sollst.
[1:07:49] Ja, alles sehr verzweckt. Ja, ich gebe dir recht. Nee, ist auch nicht einfach
[1:07:54] für mein Gegenüber dann.
[1:07:56] Aber ich denke, wenn du da jetzt ein bisschen tiefer tauchst,
[1:08:00] auch im Nachgang, könntest du daraus einiges mitnehmen.
[1:08:04] Ich denke auch. Danke dir. Sehr, sehr gerne.
[1:08:09] Ja, das war ein sehr interessantes Gespräch mit Linda, weil sie so sehr offengelegt
[1:08:15] hat, was viele Menschen so spüren.
[1:08:18] Ich versuche doch alles, um mich zu verändern. Ich habe auch ganz viel verstanden,
[1:08:23] aber ich fühle es einfach nicht.
[1:08:25] Ich komme auf diesem Weg irgendwie nicht so richtig weiter.
[1:08:28] Und das ist immer so die Kluft zwischen reflektierenden, mentalen Verstehen
[1:08:34] und es auf der anderen Seite auch wirklich emotional zu erfassen.
[1:08:39] Und deswegen denke ich, ist es für sie ganz wichtig, mehr in die emotionale Erfassung zu gehen,
[1:08:46] weil sie durch die enge Bindung zu ihren Eltern sich noch nicht richtig traut,
[1:08:52] ihre Gefühle richtig zu fühlen, auch ihre Wut mal zu fühlen und überhaupt das
[1:08:57] alles richtig einzusortieren.
[1:08:59] Das heißt auch noch ein Stück weit mehr vielleicht die Realität ihrer doch nicht
[1:09:05] ganz einfachen Elternbeziehung in ihre Emotionen reinzulassen,
[1:09:10] weil ihre Bindungsunsicherheit beziehungsweise ihre Unsicherheit,
[1:09:15] auf eigenen Beinen zu stehen.
[1:09:17] Ihr da immer wieder auch im Wege steht.
[1:09:19] Und ich denke, wir haben diesen Konflikt heute ganz gut herausgearbeitet.
[1:09:24] Und ich hoffe, dass es Linda auch Schritt für Schritt gelingt,
[1:09:29] noch einen tieferen Zugang zu ihren Emotionen zu bekommen und sich die Erlaubnis hierfür zu geben.
[1:09:34] So, und jetzt hören wir mal, wie es Linda ein paar Wochen nach unserem Gespräch ergangen ist.
[1:09:44] Hallo. Ja, die Podcastaufnahme ist jetzt ungefähr fünf Wochen her und es hat
[1:09:52] sich seitdem jetzt nichts drastisch verändert.
[1:09:56] Es fällt mir auch schwer, wirklich in Worte zu fassen, ob sich was verändert hat.
[1:10:01] Man vergisst doch relativ schnell sehr viel, einfach weil ja diese eine Stunde
[1:10:06] mit Steffi natürlich vollgepackt ist von Input, Aufregung.
[1:10:10] Und ja, ich bin auf jeden Fall total gespannt, mir die Folge dann selbst anzuhören, weil ich glaube,
[1:10:17] wenn man sich selbst nochmal sprechen hört und sieht, an welchen Stellen man
[1:10:21] vielleicht irgendwie dicht macht oder wie man reagiert, dass das einem auch
[1:10:25] nochmal voll die Augen öffnen kann.
[1:10:28] Ich hatte seitdem auf jeden Fall schon ein paar Momente, wo ich als Win auf
[1:10:33] jeden Fall abstempeln würde, wo mir aufgefallen ist, dass ich irgendwie in meinem
[1:10:38] Muster wieder bin und wo ich dann auch umschalten konnte.
[1:10:41] Aber natürlich sind die Probleme weiterhin da und ich werde Steffis Tipp auf
[1:10:49] jeden Fall auch nachkommen, mir psychotherapeutische Unterstützung zu suchen,
[1:10:54] und habe auch jetzt erst mal die Dating-Apps deinstalliert und fokussiere mich erst mal auf mich.
[1:11:01] Und genau, ich wünsche euch auf jeden Fall einen schönen Tag und ich bin ganz gespannt auf die Folge.
[1:11:10] Ja, das war's für heute mit Stahl aber herzlich und ich hoffe,
[1:11:14] dass dir das Gespräch gefallen hat, beziehungsweise, dass du vielleicht an der
[1:11:18] einen oder anderen Stelle ganz gut mitschwingen konntest und für dich auch vielleicht
[1:11:23] persönlich etwas daraus gezogen hast.
[1:11:25] Dann freue ich mich aufs nächste Mal und verbleibe bis dahin, deine Steffi.
[1:11:31] Stahl aber herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl.
[1:11:36] Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren. Produktion Jonathan
[1:11:41] Rauer, Redaktionelle Leitung an Groß.

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