# Ich war ihm verfallen – wie konnte mir das passieren?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 6 Sep 2026, 1 h 00 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/252350-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69524a4a854ad&awEpisodeId=252350

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## Transcript

[0:01] Und das macht mich auch richtig emotional und traurig, weil wenn er das mal
[0:04] wirklich gemacht hat und sich richtig verletzlich gemacht hat und mir sein Innerstes
[0:07] und seine tiefsten Ängste gezeigt hat und ich auch, dann war das was,
[0:10] was ich noch mit keinem hatte.
[0:12] Und diesen Menschen in sich drin, den er mir auch hier und da immer wieder gezeigt hat, den liebe ich.
[0:18] Hallo, herzlich willkommen zu Stahl, aber herzlich. Und heute ist Sina bei mir.
[0:23] Und Sina kommt mit einem sehr beliebten Thema, aber das immer wieder gerne gehört
[0:28] wird, nämlich emotionale Abhängigkeit.
[0:31] Und zwar ist sie mega verstrickt mit einem Mann, mit dem sie kurze Phasen von
[0:39] höchstem Glück hatte und viel, viel längere Phasen vom großen Unglück.
[0:44] Und ich sage mal, blöderweise haben sie jetzt gemeinsam auch noch ein Kind.
[0:49] Und sie kommt einfach nicht von ihm los, obwohl sie ja eigentlich weiß,
[0:55] dass er ihr überhaupt nicht gut tut.
[0:58] Und welchen Weg sie wählen könnte, um es doch zu schaffen, da gehen wir jetzt rein.
[1:10] Hallo Sina, herzlich willkommen hier bei mir bei Stahl aber herzlich.
[1:13] Hallo, freut mich da zu sein. Ja, schön.
[1:16] Und die meisten sind immer ein bisschen aufgeregt. Wie geht es dir?
[1:19] Ja, ich bin auch aufgeregt, ehrlich gesagt. Du bist auch aufgeregt? Ja.
[1:24] Ich sage immer, ihr müsst doch gar nicht aufgeregt sein. Mensch,
[1:26] stehe ich doch auf dem Prüfstand. Ihr müsst ja nur eure Geschichte erzählen.
[1:31] Ja. Aber was ist denn deine Geschichte? Ja, da denke ich, fange ich am besten vorne an.
[1:37] Ja, also ich habe ihn, den Fabian, damals kennengelernt über einen Freund.
[1:42] Und ja, er war damals so in der ganzen Pick-up-Szene unterwegs mit einem Kumpel.
[1:49] Pick-up-Szene? Ja, das sind die, die die Frauen aufreißen. Ah,
[1:53] okay. Kennst du das? Ich habe immer einen Laster-Pick-up getan.
[1:58] Ja, stimmt. Pick-up-Szene. Ja, kenne ich. Ja, im Endeffekt war das so der Anfang,
[2:03] wo ich ihn kennengelernt habe. Und er hat damals in Berlin gewohnt,
[2:07] also sehr weit weg. Es war quasi dann alles über die Ferne.
[2:11] Und ja, ich habe ja Kinder und er hat mich quasi direkt mit den Kindern kennengelernt,
[2:16] weil wir halt alle befreundet waren.
[2:18] Und direkt am ersten Abend war es halt total voll die Chemie.
[2:23] Und es war auch direkt sexuell.
[2:25] Und ja, im Endeffekt haben wir aber dann auch ganz viel Kontakt gehabt.
[2:28] Und es war am Anfang ganz viel Anziehung, aber mehr so von seiner Seite aus.
[2:32] Also so, dass er halt auch dem Kumpel ganz viel so geschrieben hat.
[2:35] Und er hatte mit mir ein Tinder-Match angeblich, so das angefangen.
[2:38] Und ja, wir haben uns aber dann über das Schreiben halt ganz verstanden und,
[2:43] dann den Kontakt halt aufgebaut. Und dann eben erst über das Sexuelle,
[2:46] aber über die Zeit, über die Monate bin ich auch mal nach Berlin gefahren und
[2:50] war dann da ein paar Tage.
[2:52] Und ja dann ist halt nach ein paar Monaten das einfach mehr geworden und er
[2:56] hat dann im Endeffekt auch gemerkt, dass er halt scheinbar Gefühle hat,
[3:00] nur kannte er bis dahin halt Liebe nicht.
[3:02] Also er hat immer gesagt, er weiß gar nicht, was Liebe ist, er hat das auch nie gefühlt.
[3:06] Jetzt 27, damals waren wir 25. Okay.
[3:09] Er hatte aber davor eine sechsjährige Beziehung, glaube ich,
[3:13] aber scheinbar war das nie wirklich Liebe, sondern einfach nur Zweck und dann
[3:16] war quasi die Beziehung vorbei, das Pick-up und dann kam ich.
[3:20] Ja, das so zur Vorgeschichte. Und es ist sehr schwierig, das zusammenzufassen.
[3:25] Ich versuche es mal ein bisschen abzukürzen, dass sie das nachvollziehen können,
[3:28] also dass du das nachvollziehen kannst.
[3:31] Er hat am Anfang noch ganz viele Frauen gedatet nebenbei. Und so haben wir auch
[3:35] angefangen. Also ich wusste das auch und ich dachte mir halt,
[3:38] okay, ich mache das halt mit am Anfang.
[3:41] Ich wollte auch erst mal gucken, passt es überhaupt zwischen uns und ich wollte
[3:45] ihm auch nicht die Freiheit wegnehmen, weil wenn es ernster geworden wäre,
[3:47] hätte ich halt schon meine Grenze da klar gemacht.
[3:50] Aber so war halt der Anfang und damit bin ich halt am Anfang auch noch klar
[3:53] gekommen, bis halt dann eben das soweit war, dass ich halt gemerkt habe,
[3:56] er hat mehr da für mich übrig und ich eben auch.
[3:59] Und ja, dann hat er mich im Anfang August, war das damals vor zwei Jahren,
[4:05] nach München zu einer Fortbildung mit eingeladen, weil er mit mir eben den Beziehungsstatus
[4:10] klären wollte und dann waren wir auch offiziell zusammen.
[4:13] Und er hat aber direkt an dem Abend noch klargemacht, dass er halt eine offene
[4:18] Beziehung möchte, gerne so nach dem Motto. Und ich habe halt dann gesagt,
[4:21] darüber reden wir heute nicht, für mich nicht.
[4:24] Aber wir reden nicht heute darüber, weil ich wollte halt, dass es nicht abgehakt
[4:27] ist, sondern dass wir halt einfach offen darüber reden können.
[4:30] Er hat das aber als ein Ja, kann er machen verstanden und halt weiter gedatet.
[4:35] Das war der Anfang. Nina, warum hast du da nicht eigentlich schon die Reißleine gezogen?
[4:42] Ja, das ist eine gute Frage. Also ich habe es ja nicht gewusst,
[4:44] dass er das so verstanden hat am Anfang. Ja, aber ich meine,
[4:46] dass er überhaupt den Vorschlag macht. Ja.
[4:49] Es ist ja, wenn du jetzt sagst, für mich ist das überhaupt nichts,
[4:53] ist das ja schon, also für mich wäre es ein ganz blöder Anfang,
[5:00] wenn der Typ direkt von offener Beziehung faselt.
[5:02] Weil dann wüsste ich ja schon so ungefähr, wie der drauf ist.
[5:07] Und ich meine, eigentlich wusstest du das vorher, Pick-up-Szene und, und, und.
[5:11] Ja, das stimmt. Ich weiß es nicht. Ich habe wahrscheinlich gedacht,
[5:17] dass wenn er ernstere Gefühle hätte, dass es dann auch nicht so ist.
[5:20] Deswegen habe ich es mitgemacht und habe gedacht, okay, es könnte sich ändern.
[5:24] Das ist immer der dümmste Fehler, den viele machen.
[5:32] Es tut mir leid, ich muss es so offen sagen, das ist wirklich der dümmste aller
[5:35] Fehler und er wird immer wieder und immer wieder, wieder, wieder gemacht weltweit.
[5:40] Diese Illusion, bei mir wird es anders, er wird sich ändern,
[5:44] wenn er mich nur genügend liebt, dann wird er sich doch noch zu mir bekennen.
[5:48] Und diese Illusion ist so wahnsinnig eng verbunden mit der Hoffnung,
[5:53] der Hoffnung auf ein Happy End. Und ich sage immer, wenn die Hoffnung mal irgendwann
[5:57] stirbt, dann kommt man auch relativ schnell los.
[6:00] Das Problem ist nur, die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.
[6:04] Aber den Fehler, den Sina macht, da möchte ich wirklich ausdrücklich darauf
[6:08] hinweisen, der sollte vermieden werden.
[6:11] Muster eines Menschen zeigen sich sehr früh, meistens schon bei den ersten Dates.
[6:16] Und wenn ihr so ein Muster merkt und euch selbst bei dem Gedanken,
[6:20] bei der Hoffnung ertappt, bei mir wird es anders, dann sollten bei euch alle Alarmglocken angehen.
[6:32] Für mich hört es sich so ein bisschen an, wie, kenne ich wirklich gut von vielen,
[6:38] auch von mir selber, mit offenen Augen ins Unglück rennen.
[6:42] Ich glaube, das passt ziemlich gut leider.
[6:45] Ich meine, im Endeffekt ging es dann tatsächlich so weiter, dass ich dann von
[6:49] dem einen Kumpel, der hat dann zum Fabian gesagt, pass auf, weil er damals mein
[6:54] bester Freund war, entweder du sagst es ihr oder ich sag es ihr,
[6:58] weil ich kann das nicht vertreten.
[6:59] Im Endeffekt hat er es mir dann selber gesagt, dass er halt noch gedatet hat
[7:02] eben und dass es halt ein Missverständnis war.
[7:05] Und ich war dann natürlich total geschockt erstmal und ich habe halt dann gedacht,
[7:09] dass er es nicht ernst meint.
[7:10] Und es haben auch ganz viele Leute damals leider reingeredet in die Beziehung
[7:14] und auch immer wieder gesagt, er behandelt mich nicht gut und ich soll das nicht
[7:17] machen. Und ja, ich weiß nicht, ich glaube, ich war damals einfach ein bisschen
[7:20] unreif und habe einfach wirklich blind vor Liebe gedacht, nein, das ändert sich.
[7:24] Bis ich dann halt wirklich gemerkt habe, okay, er ist auch mir gegenüber.
[7:27] Ich würde jetzt nicht toxisch unbedingt sagen, aber so in die Richtung.
[7:31] So, dass er mich einfach anschnauzt zum Beispiel. Oder ich habe einen Erfolg,
[7:35] er freut sich nicht für mich und ist eifersüchtig.
[7:37] Also da waren ganz viele so Kleinigkeiten. Also ich sage mal so,
[7:40] irgendwie warst du ihm ganz schön verfallen. Ja, ja, absolut.
[7:44] Das nennt man doch so verfallen.
[7:46] Also das hört sich nach Abhängigkeit an. Ja, also ich habe jetzt auch mittlerweile
[7:50] sehr viel darüber reflektiert. Und ich glaube, am Anfang war es das auch.
[7:53] Weil ich einfach so viel in ihm gesehen habe und gedacht habe, er ist es und es wird.
[7:58] Und wir haben auch gut gepasst. Es war auch unfassbar viel Chemie,
[8:00] aber ich habe das einfach, glaube ich, mit vielem verwechselt,
[8:03] was in der Realität halt nicht da war. Das ist ja immer die große chemische
[8:06] Falle. Fühlt sich an wie die große Liebe, aber im Grunde sind es nur ein paar
[8:10] blöde Hormone, die einem das Gehirn vergiften.
[8:14] Ja, naja, im Endeffekt war es dann so, dass ich halt immer mehr gefühlt habe,
[8:20] okay, das sind Grenzen, die kann ich halt so nicht tolerieren.
[8:23] Wir waren da ja noch zusammen. Er hat dann quasi das mit den anderen Frauen
[8:26] gelassen, zumindest soweit ich mich erinnern kann.
[8:29] Aber es war immer mehr und ich habe dann einfach im gesamten...
[8:33] Gemerkt, also es haben so viele reingeredet und ab da fing im Endeffekt,
[8:37] ich sag jetzt mal, der ganze Scheiß an. Darf man das so sagen?
[8:40] Natürlich. Okay. So hier bei Stahl und bei Herz.
[8:43] Okay. Ja, ab da fing der ganze Scheiß leider an. Warte mal, warte mal, Sina. Ja.
[8:51] Ich finde, es ist eine komische Zuschreibung der Verantwortung.
[8:55] Es haben viele reingeredet und da fing der Scheiß an. Also ich habe dir jetzt
[8:59] fünf Minuten zugehört und für mich fing der Scheiß eigentlich schon vor fünf
[9:02] Minuten an. Also sprich von Anfang an.
[9:06] Ja, ich will da mal kurz nachfragen. Warum schiebst du es so rüber auf die anderen?
[9:10] Ich meine, du wusstest doch. Ich meine, wir hatten es ja eben mit offenen Augen ins Unglück.
[9:15] Willst du es bis heute nicht so richtig wahrhaben? Doch, mittlerweile sehe ich
[9:18] vieles ganz anders. Und ich denke mir auch, ich hätte von Anfang an meine Grenze klar machen sollen.
[9:23] Und entweder er akzeptiert sie oder es passt halt nicht.
[9:26] Aber damals war ich halt, da wollte ich halt mich anpassen. Und ich habe mich
[9:30] halt immer früher zu viel angepasst. Richtig.
[9:32] Das ist das Problem. Du hast dich viel zu viel angepasst. Ja. Und immer mehr...
[9:37] Deine eigenen Gefühle und Werte eigentlich verraten. Ja, ja,
[9:41] absolut. Also jetzt rückblickend denke ich mir das auch. Da hätte ich mich viel
[9:44] mehr für meine Grenzen einsetzen, sondern auch viel, viel direkter auch sein müssen.
[9:48] Früher war ich da immer sehr, sehr schüchtern und eben überangepasst.
[9:51] Da hatte ich immer total große Probleme, mich da so abzugrenzen.
[9:54] Ich meine, ich habe es zwar gespürt und eben dann kam ja auch irgendwann der
[9:57] Punkt, wo ich mich wirklich auch abgegrenzt habe, weil dadurch,
[9:59] dass so viele auf mich eingeredet haben und gesagt haben, das ist nicht gut, mach das nicht mit.
[10:03] Der reitet dich ins Unglück oder die Situation, weil das passt nicht.
[10:07] Habe ich irgendwann dann ganz nervös, ich glaube, das war so ein kleiner Nervenzusammenbruch,
[10:10] da habe ich so gezittert und gesagt, ich kann das nicht mehr.
[10:13] Wir hatten telefoniert und ich habe ihm gesagt, dass ich halt so die Beziehung nicht möchte.
[10:17] Das geht für mich alles nicht, weder das mit den anderen Frauen,
[10:20] noch dieses Verhalten mir gegenüber und dass ich es halt nicht kann.
[10:24] Und da hat er dann, also ich weiß nicht, wie man das nennt, aber im Endeffekt
[10:28] ist er dann auch auf mich zugekommen und hat halt mir gezeigt,
[10:30] dass ich ihm doch was bedeute, dass er das doch ändern will und dass er damit,
[10:34] ja, dass er da halt das dann anders macht.
[10:36] Und auf einmal war es halt total das, er hat das erste Mal so richtig,
[10:40] richtig gezeigt, dass da was ist für mich und dass er das versteht und will
[10:44] mich nicht verlieren. Und dann war es wieder voll an der Angel.
[10:47] Ja, so halb. Also ich habe dadurch halt das Gefühl gehabt, okay,
[10:49] da ist scheinbar doch mehr.
[10:51] Dementsprechend waren wir zwar für mich nicht mehr zusammen und im Endeffekt
[10:56] hatte ich dann noch so einen Text geschrieben, wo ich halt für mich die Beziehung beendet habe.
[10:59] Aber mir haben im Nachhinein viele gesagt, das war nicht so ersichtlich scheinbar,
[11:03] obwohl er es aber gewusst hat.
[11:05] Er hat im Übrigen währenddessen auch noch weiter Frauen getroffen und gedatet.
[11:08] Also es war dann nur im Hintergrund und ich habe dann tatsächlich auch jemand
[11:12] anderes an mich reingelassen, wo ich mir heute auch richtige Vorwürfe mache,
[11:16] dass ich das hätte nicht machen sollen.
[11:18] Und darüber habe ich auch schon ganz viel geweint, weil es einfach mein Fehler
[11:21] war, so schnell quasi auch weiterzuziehen, mich einfach nur abzulenken von dem ganzen Schmerz.
[11:26] Ich hätte es fühlen sollen, aber ich konnte es nicht aushalten damals.
[11:29] Und das ist der Vertrauensbruch.
[11:31] Ja, wir haben dann noch versucht, weiterzumachen. Was ist der Vertrauensbruch?
[11:36] Dass du dann jemand anders hattest? Also das sagt er halt zumindest bis heute.
[11:40] Er kann das nicht loslassen.
[11:42] Und ich mache mir dadurch Vorwürfe. Sina. Sina, ich glaube, ich habe zu viel
[11:47] solcher Geschichten gehört, wo ich die Frauen rütteln könnte, so wie dich jetzt.
[11:55] Deswegen habe ich da gar nicht mehr so einen guten Geduldsfaden,
[11:58] merke ich gerade. Mir tut das alles so leid.
[12:01] Ich verstehe es. Diese Scheißhormone. Ich könnte sie rechts und links klatschen
[12:05] und in die Mosel werfen. Ja, wirklich.
[12:08] Er hat von Anfang an dich betrogen,
[12:12] sich zum Teil scheiße behandelt, du.
[12:17] Lachst dir dann mal jemand anders an, um dich ein bisschen abzulenken,
[12:21] ist zwar nicht Schmerzverarbeitung,
[12:25] im Sinne der psychologischen Schule, aber mehr als menschlich,
[12:29] denn nichts vertreibt der Liebeskummer so gut wie ein neuer Flirt, ist bekannt. Jo.
[12:36] Und das ist jetzt der große Vertrauensbruch. Und du scheinst das ja dir reinzuziehen. Oh Gott.
[12:43] Ja, natürlich, weil er seitdem sich daran aufhört, er kann das nicht loslassen
[12:46] und der Schmerz hängt so nach, der Vertrauensbruch. Wo ist deine Wut, Tina?
[12:51] Das ist so lustig, dass du das jetzt sagst, weil ich habe vor zwei,
[12:54] drei Wochen auch den Impuls gehabt, ich habe gar keine Trennungsaggression.
[12:56] Da habe ich einen Podcast gehört von dir und da war das auch Thema und da habe
[12:59] ich gemerkt, ich habe keine Trennungsaggression.
[13:01] Aber wirklich? Ich habe seitdem alles versucht, das Ding zu retten.
[13:05] Wir waren beim Therapeuten, ich habe ja auch die Ausbildung gemacht,
[13:07] Heilpraktiker für Psychotherapie.
[13:09] Und bei meinem Ausbilder waren wir dann auch ein paar Mal und es ging so irrsinnig weiter.
[13:15] Wir haben das versucht eben dann noch hinzukriegen und er ist im Endeffekt durch
[13:20] all das und mehr Theater noch in die Depression gerutscht.
[13:24] Im März letztes Jahr ist es dann mit seiner Familie absolut gekracht.
[13:29] Da sind schlimme Dinge passiert und da war er dann auch in der Psychiatrie.
[13:32] Und da hat er mich dann auch wieder abgestoßen und gesagt, nein,
[13:35] er kann mir das nicht verzeihen.
[13:36] Und ich bin ihm noch nachgerannt absolut und habe ihm halt versucht zu zeigen,
[13:40] dass ich das nicht aus einer bösen Absicht gemacht habe und überhaupt und meine Liebe zu zeigen.
[13:44] Und keine Ahnung, ich habe so viel versucht. Ich bin auch sehr,
[13:47] sehr, sehr viel über meine Grenzen gegangen, in der Hoffnung,
[13:51] irgendwas noch zu geben. Und ich glaube, ich habe auch einfach zu viel gegeben,
[13:53] weil er hat nie so viel investiert.
[13:55] Ja, das Schwierige daran ist halt eben, dass ich auch mittlerweile eine Tochter mit ihm habe.
[13:59] Die ist jetzt vier Monate und das macht es natürlich schwieriger,
[14:02] die ganze Situation. Ja, absolut.
[14:05] Oh Mann, oh Mann, oh Mann, oh Mann. Also Sina, ich sage jetzt einfach mal die
[14:09] psychische Diagnose oder psychologische Diagnose, ich bin gerade selber unsicher.
[14:16] Emotionale Abhängigkeit bei dir. Ja, ja.
[14:21] Und das Krasse ist ja, wenn einem derartig Trennungsaggression auch fehlt,
[14:27] fehlt einem ja auch ein klarer Standpunkt.
[14:29] Und das merke ich so bei dir, du hast gar keinen klaren Standpunkt.
[14:33] Oder eigentlich ist sogar von der Psychologik die Reihenfolge umgekehrt.
[14:39] Weil du keinen Standpunkt hast, hast du auch keine Trennungsaggression.
[14:43] Denn dafür müsstest du überhaupt mal spüren und wissen, wann deine Werte wirklich auch verletzt sind.
[14:51] Und da scheinst du,
[14:53] wie alle sehr angepassten Menschen, dich sehr spät, wenn überhaupt, zu fühlen.
[15:01] Ich habe mich schon gespürt, aber ich bin es übergangen. Ich bin es ganz lange übergangen und,
[15:06] natürlich jetzt auch letztes Jahr, wo das war im März, da kam dann der Punkt,
[15:09] wo ich diese Aggression auch hatte und auch richtig sauer geworden bin,
[15:11] dass man immer noch daran hängt, weil ich, selbst wenn das nicht das Schöne
[15:15] ist, was man so macht, aber,
[15:17] von seiner Seite aus fand ich das immer schlimmer.
[15:19] Weil bei mir gab es vielleicht einmal, bei ihm gab es so viel im Hintergrund,
[15:23] so viele Chats, so viel, was er mir auch teilweise noch verheimlicht hatte.
[15:26] So viel Lügen, ja. Genau, und das wird halt nicht gesehen, das wird nur auf mich konzentriert.
[15:30] Ich bin die Blöde, so nach dem Motto, und ich bin die, die nicht ehrlich ist.
[15:33] Und alles andere, auch wie teilweise wirklich toxisch das war,
[15:37] wird komplett außen vor gelassen. Und letztes Jahr eben habe ich dann auch irgendwann
[15:40] gesagt, nee, also so nicht.
[15:42] Ich verstehe, dass es nicht schön war, aber ich bin hier, ich wollte das aufarbeiten
[15:45] mit dir, jetzt mir das noch vorzuwerfen, das ist nicht okay.
[15:48] Weil schau mal deine Seite an.
[15:50] Und daraufhin ist es im Endeffekt, ja, hat sich der Spieß, glaube ich,
[15:54] ein bisschen umgedreht. Und er hat dann doch erkannt, er möchte dafür kämpfen,
[15:57] weil er vermisst mich ja doch. Wir haben uns ganz lange nicht gesehen und all das.
[16:00] Ja, und dann haben wir versucht, weiterzumachen. Und am Anfang lief es auch
[16:03] wirklich gut und gesund und ganz anders.
[16:04] Und er wollte auf die Muster hinschauen und meinte auch, ich habe ihm geholfen,
[16:08] seine Kindheitswunden zu sehen, weil wir ja auch ganz viel darüber gesprochen
[16:12] haben, was da so sein Thema ist, weil er ist absolut autonom verankert, absolut,
[16:16] unabhängig und das ist ihm auch ganz wichtig, da überhaupt nicht verletzlich
[16:20] zu sein, sich unabhängig zu machen.
[16:22] Er ist eher so der, der dann trotzig wird.
[16:25] Und da war es halt so, er wollte das alles angehen und war so voll,
[16:29] ich habe ihm das gezeigt und er möchte das für die Liebe, für mich,
[16:32] für all das, was ich auch getan habe. Er hat das alles gesehen damals. Und bla bla. Genau.
[16:36] Ich glaube ihm auch, dass er es gesehen hat, aber das war halt dann nach ein
[16:39] paar Monaten weg. Schnell wieder versandelt. Genau.
[16:42] Und dann bin ich eben schwanger geworden.
[16:46] Und dann haben wir es natürlich auch versucht für die Kleinen am Anfang,
[16:48] haben auch gesagt, okay, bevor wir es beenden, versuchen wir erstmal so eine Art Paartherapie.
[16:53] Ja, im Endeffekt haben wir das aber nie wirklich so richtig gemacht.
[16:56] Und ja, jetzt auch in der Schwangerschaft ist das Ganze natürlich noch schlimmer
[16:59] geworden, hat sich immer mehr zugespitzt, immer toxischer war ich natürlich
[17:02] emotional, hormonell. Es ist immer schlimmer geworden.
[17:07] Ich habe mich einfach immer alleingelassen gefühlt. Er hat mich immer hängen
[17:09] gelassen. Und kurz nach der Geburt, nee, kurz vor der Geburt war das noch,
[17:13] haben wir beim Therapeuten auch die Trennung ausgesprochen.
[17:15] Der Therapeut hat das gesagt, weil er eben scheinbar gar nicht mich zu schätzen
[17:20] weiß. Und er einfach auch mal merken muss, was ist, wenn ich weg bin.
[17:23] Was dann fehlt, weil ich halt immer zu viel gegeben habe. Und ja,
[17:27] das ist natürlich ganz schwer, weil ich weiß, dass ich emotional ein Stück weit
[17:30] in dieser Abhängigkeit bin. Und das ist gar nicht er.
[17:33] Es ist einfach diese ganze Zukunft, die man so mal gesehen hat.
[17:37] Und ich habe dann versucht, mich davon zu lösen.
[17:39] Sina, wenn ich dich richtig verstehe, seid ihr ja im Moment getrennt. Ja.
[17:45] Und du siehst eigentlich auch ziemlich klar, mit wem du es da zu tun hast.
[17:50] Aber du sitzt heute bei mir im Podcast. Was ist aktuell dein Problem? Was ist deine Frage?
[17:55] Ja, also ich habe ja in der Mail das schon reingeschrieben, dass ich halt trotz
[17:59] allem die Hoffnung habe, auch wenn es, das ist mir schon fast ein bisschen peinlich.
[18:03] Natürlich habe ich noch die Hoffnung, weil jetzt ein Kind im Spiel ist,
[18:06] ob es vielleicht irgendwann, weil er sagt auch, es ist für jetzt vorbei,
[18:10] aber man weiß ja nicht, was irgendwann ist.
[18:12] Und das ist eben diese, quasi die Jetzt-Situation, dass ich in diesem Ding hacke.
[18:16] Er sagt ja jetzt nicht, weil er muss sich jetzt auf sich konzentrieren.
[18:19] Das hat auch der Therapeut klar gemacht.
[18:21] Er ist absolut beziehungsunfähig so. Er kann keine Beziehung führen.
[18:25] Deswegen soll er sich auf sich konzentrieren, auf die Bahn kommen und dann kann
[18:28] man irgendwann mal schauen, was damit ist.
[18:30] Und für mich ist das jetzt natürlich schwierig, weil wir haben jetzt noch sexuell was.
[18:34] Und ich merke halt, dass ich halt auch diese Wut habe, dass halt immer mehr
[18:39] ich dieses Ganze einfach, Das macht mich langsam richtig wütend.
[18:43] Es macht mich sauer. Ich bin auch verletzt und ich möchte da einfach irgendwo raus.
[18:49] Also du kommst ja gar nicht von ihm los. Und wenn du jetzt auch noch sexuell
[18:52] mit ihm unterwegs bist, dann werden dir die Hormone weiter ernährt und weiter ernährt.
[18:58] Ja, hier haben wir es wieder. Diese Metaebene habe ich schon öfter so ähnlich eingesprochen.
[19:04] Es geht um diese verfluchten Hormone. Ich könnte sie wirklich verfluchen.
[19:08] Denn solange der Hormonspiegel hoch ist, spielt das Gehirn verrückt,
[19:12] vor allem in Liebesdingen.
[19:14] Und ich muss dazu sagen, ich habe schon so viel mit Abhängigkeit zu tun gehabt
[19:19] in der Beratung, in der Psychotherapie, aber noch nie mit Frauen, die über 60 waren.
[19:26] Warum? Weil der Hormonspiegel einfach nicht mehr so hoch ist.
[19:29] Und diese verdammten Hormone, die vergiften einem wirklich das Gehirn und gerade
[19:33] wenn ein Kontrollverlust da ist und den hat Sina massiv, wird brutal viel Dopamin
[19:39] ausgeschüttet und diese Dopamin verseucht einem das Gehirn, weil es einem,
[19:44] vorgaukelt, dass dieser Mensch wirklich,
[19:48] das einzig Wahre wäre, die ganz, ganz große Liebe, die ganz große sexuelle Leidenschaft.
[19:54] Und dahinter steckt eben dieser wahnsinnige Kontrollsog, unbedingt genau diesen
[19:59] Menschen an sich binden zu wollen.
[20:01] Und all dieser ganze Unsinn wird mit ganz großen Gefühlen vertauscht,
[20:06] weil das Gehirn, unser steinzeitliches Gehirn einfach nicht versteht, dass Intensität
[20:12] nicht gleich große Liebe ist und dass Intensität nichts mit Sicherheit zu tun
[20:17] hat. Denn letztlich wollen wir ja Sicherheit haben.
[20:19] Aber bei solchen Menschen, und das gebe ich euch schriftlich mit drei Durchschlägen,
[20:23] findet man keine Sicherheit.
[20:28] Also bis in diesem Sog des Kontrollverlusts, wo ja sehr viel Dopaminräusche
[20:33] sind und man unbedingt, unbedingt die Kontrolle wiederherstellen will.
[20:38] Aber gefühlt, und das ist ja das Heimtückische, fühlt es sich ja für dich wie
[20:44] die große dramatische Liebe an, oder?
[20:46] Ja, am Anfang hat es das und am Anfang war es auch, es ist nicht so,
[20:50] dass ich nur Potenzial gesehen habe.
[20:52] Weil das sagen viele und ich habe immer gesagt, nein, am Anfang,
[20:55] ganz am Anfang, wo ich das noch nicht wusste mit den Frauen,
[20:58] nur was wir hatten, da war es wirklich was, was wir gelebt haben.
[21:01] Weil er war auch auf dieser Schiene, sich persönlich weiterzuentwickeln und
[21:04] hat auch ganz viele Sachen dazu gelesen. Und da war es wirklich so,
[21:07] dass ich mir dachte, wow, also wenn es so weitergeht und wir immer einen Weg
[21:11] miteinander finden, wäre das schon toll, halt auf einer gesunden Art.
[21:14] Ja, das ist am Anfang halt die große Illusion und oft gehen ja gerade diese,
[21:19] sehr bindungsgestörten Beziehungen unheimlich leidenschaftlich los,
[21:23] und das ist aber von kurzer Dauer und für den Rest der Beziehung kämpft man
[21:27] eigentlich nur darum, dass es irgendwann nochmal wieder wird wie am Anfang,
[21:31] aber am Anfang ist eigentlich das Beste schon gelaufen und dann wird es eigentlich
[21:35] immer nur noch schlechter und schlechter und schlechter mit kurzen Wiederbelebungen,
[21:39] aber ist ein permanenter Abwärtstrend.
[21:41] Das ist wirklich schwierig, ja. Sina, das Problem ist, einerseits siehst du
[21:48] sehr viel auf der theoretischen Ebene.
[21:53] Also du hast theoretisch verstanden, dass der Typ giftfüllig ist und nicht beziehungsfähig.
[21:59] Aber auf der emotionalen Ebene schaffst du es nicht, bislang dich gegen ihn zu entscheiden.
[22:05] Ja, vor allem, ich schaffe es nicht, weil ich halt auch eine Zeit mit ihm hatte,
[22:09] wo er halt wirklich sein Herz mir absolut geöffnet hat.
[22:12] Und das macht mich auch richtig emotional und traurig, weil wenn er das mal
[22:15] wirklich gemacht hat und sich richtig verletzlich gemacht hat und mir sein Innerstes
[22:18] und seine tiefsten Ängste gezeigt hat und ich auch, dann war das was,
[22:21] was ich noch mit keinem hatte.
[22:23] Und diesen Menschen in sich drin, den er mir auch hier und da immer wieder gezeigt
[22:27] hat, den liebe ich, aber nicht dieses,
[22:29] er muss sich vor allem schützen und dieses riesige Ego, was er hat.
[22:33] Und das ist das Schwierige, weil er hat bei mir, glaube ich,
[22:36] zumindest sagt er das auch und ich glaube das auch, sich so verletzlich gemacht wie bei noch keinem.
[22:40] Und da gab es auch was, also es war nicht nur das Schlechte,
[22:43] aber es war halt zu toxisch, zu verwoben in dieses ganze Negative auch und das
[22:48] macht es halt so schwierig.
[22:49] Ja, ich meine, Wenn du sagst, er hat sich bei dir eben auch von seiner verletzlichen
[22:55] Seite gezeigt, hatte dir ja in dem Moment eine große Nähe.
[22:59] Ja, ganz viel. Und sexuell habt ihr auch die große Nähe.
[23:04] Und das ist ja, denke ich, da, wo deine Sehnsucht ist.
[23:08] Du hast so eine wahnsinnige Sehnsucht nach ganz großer, exklusiver Nähe.
[23:15] Ja. Und ich frage mich, wo ist da in dieser Sehnsucht vielleicht auch deine
[23:24] Wunde oder deine Verwundung?
[23:28] Und das bezieht sich auf die Vergangenheit jetzt, das bezieht sich nicht aufs Aktuelle.
[23:34] Puh, das ist schwierig, das weiß ich gerade so gar nicht. Also wahrscheinlich,
[23:39] weil ich nie so eine Ehr hatte.
[23:41] Ich würde sagen, weil ich als Kind auch und überhaupt in meiner ganzen Geschichte
[23:45] nie so jemanden hatte, der mich so richtig gesehen hat und mit dem ich so richtig
[23:49] nah war, emotional. Das hat mir immer ein bisschen gefehlt.
[23:53] Und auch in meinen bisherigen Beziehungen.
[23:56] Ich bin halt auch so vom Mensch her ein Beziehungsmensch. Ich habe einfach gerne
[23:59] einen. Ich brauche es nicht. Das ist nicht, dass ich es brauche,
[24:01] mittlerweile nicht mehr.
[24:03] Aber ich habe es gerne, weil ich habe gerne diese Nähe, diese Liebe,
[24:07] einfach einen Menschen, der einfach da ist, auf den man sich verlassen kann,
[24:10] wo ich auch ein Anker sein kann.
[24:11] Also das ist ein Wunsch schon per se, aber ich meine, ich kann es auch nicht erzwingen.
[24:16] Also jetzt gerade bin ich ja auch Single und ich schaue mich jetzt auch nicht
[24:21] um, weil ich will jetzt auch nicht noch mehr Verwirrung reinströmen.
[24:24] Naja, du bist ja auch nicht wirklich innerlich frei.
[24:27] Ja. Du bist doch ja sehr besetzt von ihm. Wie viel Prozent des Tages,
[24:30] wenn du mal ganz ehrlich bist, denkst du an ihn?
[24:33] Also mittlerweile ist es zum Glück weniger geworden. Da würde ich sagen,
[24:35] es ist eher 30 Prozent so, dass halt hier und da einfach mal Gedanken hochkommen,
[24:40] Gefühle, so was macht der gerade?
[24:42] Oder mal so ein Gedanken wie, vermisst er mich auch mal? Oder ist das jetzt
[24:46] nur eine Mauer, weil er sich einfach nur so stark fühlen will?
[24:48] Weil eigentlich ist er nicht so stark. Er tut nur so.
[24:51] Also in sich drin ist er ganz klein und schwach und das meine ich gar nicht
[24:54] böse, aber er ist nicht stark. Er darf sich erst selber stärken und auch Grenzen
[24:58] lernen und all das Ganze, da ist er noch sehr am Anfang.
[25:01] Auch wenn er da sehr viel gesehen hat, war ich halt immer so von der Dynamik.
[25:05] Ich bin halt extrovertiert. Entschuldigung, dass ich dich nochmal unterbreche. Ja.
[25:10] Ich behalte auch meinen Faden im Kopf. Der rote Faden ist, dass ich nochmal
[25:15] mit dir gucken will, tiefer tauchen will, wo diese ursprüngliche Verwundung eigentlich da ist.
[25:22] Aber ich gehe gerade nochmal auf das ein, was du aktuell gerade gesagt hast.
[25:26] Du siehst, wie Verletzer ist. Du siehst, dass er eigentlich psychisch...
[25:30] Erst mal in die psychische Früherziehung muss, sozusagen.
[25:37] Das ist so lustig. Ich habe immer gesagt, man muss ihm erst mal das ABC erklären,
[25:41] was das angeht. Genau so einen Gedanken hatte ich eben auch.
[25:44] Man sagt es sonst immer so, musikalische Früherziehung, bis gerade mal psychische
[25:48] Früherziehung. Habe ich auch noch nie gesagt. Egal, auf jeden Fall.
[25:52] Eigentlich ist er emotional unreif.
[25:56] Und dann frage ich mich auch immer wieder und fragt auch alle Frauen,
[26:01] die da draußen das jetzt hören und dich, was verdammt nochmal ist daran so attraktiv?
[26:07] Das ist doch überhaupt nicht männlich.
[26:11] Auf was fällst du da rein, Sina? Oder was blendet dich denn so derartig?
[26:17] Ich kann es, glaube ich, gut beantworten. Es ist immer, dass ich diese absolut
[26:21] verletzliche Seite gesehen habe.
[26:22] Hätte ich die niemals gesehen, ich glaube, ich wäre weggerannt.
[26:24] Und was macht dich denn daran so an? Ich meine, die könnte dich doch auch total abtüren.
[26:30] Ich meine, er war ja auch in der Psychiatrie. Ich will jetzt nicht,
[26:33] es hört sich jetzt so hart an, dass ich eine Psychologe nicht weiß.
[26:37] Also ich hoffe, auch die da draußen verstehen mich jetzt nicht falsch. Aber ich...
[26:43] Der ist ja psychisch nullstabil. Was findest du denn so geil an dieser Verletzlichkeit?
[26:49] Warum stehen Frauen immer so auf die harten Jungs, die innerlich aber auch so verletzlich sind?
[26:56] Welche Sehnsucht, welche Fantasie ist denn dahinter?
[27:00] Ich kann es nicht beantworten, ehrlich gesagt. Ich kann nur für mich jetzt sprechen,
[27:04] dass es halt wirklich so diese Anfangszeit war, weil ich für mich sowas noch
[27:07] nie mit jemandem gefühlt habe.
[27:09] Und es am Anfang wirklich, also nicht nur am Anfang, es war auch die Monate,
[27:14] die dann bevor der Psychiatrie war, haben wir immer wieder versucht und eben
[27:17] auch dann, als das war nach der Psychiatrie, wo wir diese zwei Sitzungen hatten,
[27:22] beim Therapeuten, da war es ja auch so, dass er dann gesagt hat,
[27:25] okay, wir sollten jetzt drei Tage mal keinen Kontakt haben und einfach schauen, wie es sich anfühlt.
[27:28] Und da kam halt ganz viel wieder hoch und dann danach war es ja wirklich eine
[27:33] Zeit lang sehr gesund und ohne irgendwas Ekliges, sondern wirklich so sehr bewusst.
[27:38] Und ich glaube, das ist das, dass ich das mal gesehen habe und das auch eine
[27:41] Zeit lang war, dass ich mir gewünscht habe, dass das einfach wahrscheinlich weitergeht.
[27:44] Weil mit ihm wäre es halt möglich und ich weiß ja, dass das rational gesehen,
[27:48] weil ich ja auch viel von den ganzen Themen weiß.
[27:50] Nur, ja, ihm im Weg steht, dass er sich nicht so, wie soll ich das sagen,
[27:54] so nahbar und verletzlich machen möchte, weil er Angst hat, wieder verletzt
[27:58] zu werden. Und dieses Ego so, er braucht es nicht. Und ich glaube,
[28:02] wenn das nicht wäre, wäre es halt anders.
[28:04] Ich glaube, weil ich halt so das sehe, all das, weil ich habe ja so viel darüber
[28:08] schon reflektiert und selber so viel gehört dazu. Ich glaube, das ist das Problem.
[28:16] Hier haben wir etwas, was wirklich sehr heimtückisch auf der psychologischen
[28:20] Ebene wirkt, nämlich Ambiguität.
[28:22] Das heißt, sie hat im Grunde genommen zwei krasse Botschaften,
[28:25] zwei krasse emotionale Zustände und Bilder.
[28:28] Das eine ist das Highlight, die große erste Verliebtheit, die kurzen Zeitfenster,
[28:33] wo diese Beziehung einfach mal gut gelaufen ist.
[28:36] Und dann haben wir auf der anderen Seite eine ganz, ganz große Daten- und Erlebnismenge,
[28:42] wo die Beziehung überhaupt nicht gut gelaufen ist, um nicht zu sagen beschissen.
[28:48] Und unser Gehirn ist aber ein Ordnungsliebhaber und unser Gehirn will unbedingt Eindeutigkeit.
[28:54] Und diese Ambivalenz, also diese beiden Bilder zu verwalten,
[28:57] erzeugt totalen Stress.
[28:59] Und die ganzen Emotionen sind ja beim schönen Bild, weil da ist auch die ganze
[29:03] Hoffnung, da ist die ganze Sehnsucht, da ist das ganze Schattenkind.
[29:06] So, da ist alles, wo es eigentlich hinstreben will. Und was macht das Gehirn jetzt?
[29:11] Es schaltet die schlechten Phasen, die absolut zur Realität gehören,
[29:16] die noch viel mehr zur Realität gehören, allein von der Datenmenge und vom zeitlichen
[29:20] Umfang als die guten Phasen, es blendet die irgendwie aus.
[29:24] Die sind einfach nicht mehr so laut und es wird sich nur konzentriert auf das Gute,
[29:29] weil wir brauchen ja unbedingt auch vom Gehirn her diese Bestätigung,
[29:34] also diese Bestätigungssehnsucht, dass man im Grunde genommen nur das wahrhaben
[29:38] will, was die eigenen Wünsche und die eigene Hoffnung bestätigt.
[29:43] Und deswegen ist eine ganz wichtige Exit-Strategie aus solchen Situationen.
[29:49] Die Realität ins Gehirn einzuladen.
[29:52] Dass man sich wirklich auf einer tiefen Ebene versucht bewusst zu machen,
[29:57] dass die Realität der Beziehung, zum Beispiel hier in Sinas Fall, das Schwierige ist.
[30:03] Das absolut Beziehungsgestörte, das Beziehungsunfähige, das ist die Realität
[30:08] und da wäre es für Sie ein ganz wichtiger Schritt, diese Realität auch anzuerkennen.
[30:18] Sina, wenn ich dir zuhöre, sind es ja immer so krass zwei Sachen,
[30:25] die nebeneinander stehen.
[30:27] Das eine ist das ganze Gestörte.
[30:30] Ich sage jetzt auch gerne mal Toxische. Und das andere ist irgendwas,
[30:36] was auch funktioniert hat.
[30:38] Oder auch funktioniert. Sexuell funktioniert es sowieso. Und das ist natürlich
[30:41] eine wahnsinnig starke Macht. Unglaublich starke Power, die darin liegt.
[30:46] Aber es funktioniert natürlich deshalb auch sexuell so gut, weil sonst nichts sicher ist.
[30:50] Das ist auch klar. Hätte dir jetzt eine ganz sichere Beziehung,
[30:53] wäre der Rausch auch nicht mehr so da.
[30:57] Wahrscheinlich. Ja, mit Sicherheit. Aber im Grunde genommen kriegt dein Gehirn
[31:04] ja nicht einfach eine Botschaft verwaltet.
[31:07] Das ist so widersprüchlich in dir auch. Ja, voll. Das ist auch echt schwer.
[31:13] Also das ist ja, du wünschst ja ja eigentlich den Menschen, den er...
[31:20] Mal kurze Zeit gezeigt hat. Aber er ist ja auch das ganze Andere.
[31:26] Und es ist ja so, wie wenn einfach dieses Gesamtbild, weil er vor allem auch
[31:33] das Andere ist und zeitlich gesehen viel, viel, viel mehr das Andere ist.
[31:40] Aber irgendwie berührt dich das nicht so. Ja, also ich weiß,
[31:45] dass ich das nicht verdient habe.
[31:47] Also ich habe jetzt echt die letzten Monate, es war wirklich die Hölle.
[31:51] Und da habe ich auch ganz viel an mir selber geschaut, warum.
[31:55] Und dass ich da eben so abhängig bin, eben keine Trennungsaggression habe und
[31:59] all das. Und da habe ich mir auch gedacht, dass ich weiß, ich habe das alles gar nicht verdient.
[32:02] Und ich brauche das auch nicht. Das ist aber nur mein Fakt jetzt.
[32:05] Ja, also sorry, ich muss es umsetzen.
[32:09] Theoretisch ist das alles richtig. Aber es berührt dich ja überhaupt nicht.
[32:12] Das ist es und ich weiß auch nicht, warum oder wie man das dann praktisch macht,
[32:17] weil was ich jetzt mittlerweile mache, also ich habe für mich jetzt eben mehr
[32:20] so meinen Wert erkannt und ich lasse mich da auch nicht mehr so reinziehen.
[32:23] Natürlich hier und da gibt es noch so Momente, aber es ist nicht mehr so wie
[32:26] am Anfang, wo ich gefühlt betteln würde.
[32:28] Also das ist ja, da verliere ich ja komplett meinen eigenen Wert und da habe
[32:32] ich auch gar keine Integrität von mir selber mehr und keine Würde und da bin
[32:35] ich froh, dass ich das jetzt nicht mehr habe.
[32:37] Natürlich würde ich jetzt, wenn es einen gesunden Weg gäbe und man sagen würde,
[32:40] okay, das muss jetzt mit einer Bahn gehen, ich würde es wahrscheinlich machen, ja.
[32:44] Aber er sagt ja auch selber, er macht mir keine Hoffnung mehr.
[32:47] Vielleicht irgendwann, aber jetzt ist der Fokus für ihn auf sich,
[32:50] um sich auf die Reihe zu kriegen.
[32:53] Aber Sina...
[32:57] Wenn du die Hoffnung aufgeben würdest, dann würdest du ganz leicht loskommen.
[33:02] Aber wie gibt man die Hoffnung richtig auf? Aber alles in dir weigert sich,
[33:05] die Hoffnung aufzugeben.
[33:08] Also ich denke, das ist immer wieder der entscheidende Punkt in all diesen verstrickten
[33:13] Beziehungen, ist der entscheidende Punkt, dass man die Hoffnung nicht aufgeben kann.
[33:21] Es taucht mal ganz tief in dich, bitte, wenn du dazu bereit bist. Ja, gerne.
[33:29] Und spür doch mal, welcher kindliche Anteil in dir oder welcher Anteil in dir,
[33:36] gegen alle Wahrscheinlichkeit es unbedingt, unbedingt, unbedingt wahrhaben will.
[33:43] Ich weiß nicht, ob es das ist, aber das Erste, was mir so kam,
[33:46] war so das, gut genug zu sein, gewählt zu sein.
[33:50] Aha, bleib da mal bitte.
[33:53] Spür mal bitte, wenn du das jetzt sagst, wo genau im Körper fühlst du diesen
[33:59] Wunsch, ausgewählt zu werden, gut genug zu sein.
[34:05] So im Bauch und am Brustanfang, also am Brustkorbanfang hier. So im Solarplexus.
[34:14] Und wie fühlt sich das dort an?
[34:18] Wenn ich jetzt daran denke, dass ich gewählt werde und gut genug bin,
[34:22] ja so ein bisschen, ja nicht doch kribbelnd vielleicht, so in die Richtung.
[34:27] Nicht wie verliebt sein, aber so ein bisschen kribbelnd.
[34:31] Und jetzt spür noch mal hin, also du spürst, dass dieses Kribbelige da im Sonnengeflecht,
[34:38] dieses ich will gewählt werden, ich will gut genug sein,
[34:43] dass dieser Teil, der will einfach die Hoffnung nicht aufgeben.
[34:47] Ja, vor allem halt auch mit der Tochter, mit der Kleinen. Ich glaube,
[34:51] ohne die Kleine hätte ich das abgeschlossen.
[34:54] Versuch mal gerade, die Tochter vielleicht außen vor zu lassen,
[34:57] weil ich will jetzt erstmal nur bei dir bleiben. Es geht jetzt erstmal nur um dich.
[35:01] Also da ist die ganz große Hoffnung, ausgewählt zu werden.
[35:06] Ja, also es fühlt sich auch komisch an, so ambivalent, weil eigentlich wähle
[35:12] ich mich ja selber und ich weiß, dass ich eine tolle Frau bin.
[35:15] Das hat dein Kopf. Ich würde gerne beim Gefühl bleiben.
[35:18] Das ist ganz schwierig, ich versuche es.
[35:21] Ich weiß. Ich habe auch nicht gesagt, dass es leicht wird.
[35:26] Versuch wirklich mal nur beim Gefühl zu bleiben, weil dein Kopf hat natürlich
[35:29] immer recht, aber das nutzt ja nichts, wenn dein Gefühl nicht zustimmt.
[35:34] Also da spürst du diesen tiefen Wunsch nach Anerkennung. Okay.
[35:41] Jetzt bleib mal innerlich bitte bei diesem Wunsch und...
[35:46] Heißt den mal innerlich sozusagen willkommen, dass der jetzt einfach mal da sein darf.
[35:53] Der darf jetzt einfach mal da sein. Also der wird jetzt mal anerkannt und gesehen.
[35:58] Diese tiefe Sehnsucht nach Anerkennung und auserwählt sein und gut genug sein.
[36:09] Wie ist das jetzt gerade für dich damit zu sein? Es ist leichter.
[36:13] Ja, also es fühlt sich besser an, sodass ich halt das eigentlich gar nicht brauche,
[36:23] wenn ich es jetzt versuchen müsste, irgendwie in Worte zu fassen.
[36:27] Also du merkst, dass es da innerlich auch so ein Shift in dir gibt. Ja.
[36:33] Ich würde trotzdem noch mal gerne vor der Lösung, also Lösung wäre ja,
[36:38] ich brauche das nicht, erstmal gerne noch da bleiben.
[36:43] Woher in deinem Leben kennst du diesen Wunsch?
[36:46] Also wie alt ist der, wenn du jetzt mal wirklich bei diesem Gefühl bleibst oder
[36:50] diesem kribbeligen Gefühl im Sonnengeflecht und damit sozusagen innerlich durch
[36:57] deine Vergangenheit reist?
[37:01] Woher kennst du das? Woher kommt dir das bekannt vor?
[37:05] Dieses kribbelige Gefühl. Ja, der tiefe Sehnsucht nach Anerkennung und ausgewählt sein.
[37:12] Ich weiß nicht, ob das richtig ist, aber das Erste, was mir jetzt so kam,
[37:16] war, ich habe mich ziemlich verändert äußerlich innerhalb von kurzer Zeit.
[37:22] Und ich glaube, davor habe ich mich immer auch in meiner Schulzeit überhaupt nicht wohl gefühlt.
[37:28] Also ich war eigentlich immer mehr ein bisschen pummeliger und ich hatte da immer total Probleme.
[37:33] Und als ich ganz klein war, bis meine Mandeln rauskamen, war ich immer sehr
[37:37] dünn und ab da habe ich irgendwie zugenommen.
[37:40] Das fiel mir total schwer und ich habe genau in dem Jahr, wo ich ihn kennengelernt
[37:45] habe, ich glaube 20 Kilo verloren.
[37:49] Und auch das erste Mal wirklich viel aus mir rausgeholt, sodass ich mich innen
[37:54] wie im Außen fühle. Also ich weiß nicht, ob das zu kurz ist,
[37:56] aber ich glaube schon, dass es da auch einen Zusammenhang gibt.
[38:00] Weil ich mich ganz lange dann auch am Anfang von der Beziehung,
[38:03] das war so ganz komisch, weil ich habe mich überhaupt nicht gefühlt wie jetzt,
[38:07] sondern es war immer so ein Schock, wenn ich in den Spiegel geschaut habe,
[38:09] weil ich so ganz anders aussah als mein inneres Bild.
[38:11] Und mein inneres Bild war immer sehr, auch in der Schulzeit,
[38:14] nicht negativ. Aber ich wurde auch hier und da so in Teilen gemobbt.
[38:20] Nicht so hart, aber so von wegen natürlich, dass man sich halt mal gegeneinander
[38:25] aufzieht und so. Und das hat mir schon wehgetan, auch wenn es jetzt nicht so
[38:28] gemein war, wie es für andere Fälle gibt. Aber halt auch diese kleinen Teile,
[38:31] ich bin da sehr sensibel drauf.
[38:33] Also ich könnte mir vorstellen, dass das damit zusammenhängt,
[38:35] dass ich in der Schule quasi nie in der, ja, ab so der siebten Klasse vielleicht
[38:40] oder sechste, siebte Klasse, dass ich ab da, wo ich eben dann auch mehr war, nenne ich es jetzt mal.
[38:47] Wo es halt auch daheim und in der Familie halt immer schlechter ging,
[38:51] dass es eben man auch in meinem Äußeren einfach gesehen hat,
[38:54] dass ich halt einfach mir mehr quasi Schutzschichten, Fett quasi angesammelt
[38:59] habe und mich dann überhaupt nicht mehr wie ich gefühlt habe.
[39:02] Also vielleicht aus der Zeit, weil davor war es eigentlich okay.
[39:05] Also das Erste, was dir einfällt, ist, dass dein Selbstbild lange davon geprägt
[39:12] war, dass du pummelig warst.
[39:15] Ja, so gerade, wo halt so Pubertät war, wo die Hormone so anfangen.
[39:20] Ja, also wenn du so ganz tief, jetzt nicht vom Verstand her,
[39:25] ich meine wieder rein emotional, was ist denn dein Selbstbild? Also in welcher Härte?
[39:33] Kommt, wird das formuliert. Jetzt habe ich gelernt, sanfter mit mir zu sein.
[39:37] Nee, will ich nicht wissen. Ich will das Alte. Ich will die Tiefe drin.
[39:40] Das Alte war sehr hart. Sag es mal.
[39:44] Dass ich abnehmen muss. Komm, es geht schlimmer. Ja, dass ich halt so schrecklich
[39:51] ausschaue oder solche Sachen.
[39:54] Es gab schon Zeiten, wo ich so... Man redet doch noch härter mit sich.
[39:57] Ja, es gab schon Zeiten, wo ich mir gedacht habe, ich hasse meine Beine und
[40:00] ich würde nicht so das Fett absaugen lassen. und so Sachen. Ja,
[40:03] und mit sich selber redet man doch so, fette Sau. So in diese Richtung redet man doch mit sich.
[40:09] Ja, so in die Richtung. Ich weiß nicht mehr genau, was ich für Wortwollen hatte,
[40:11] aber es war so schon in die Richtung so, ja, ich bin voll dick und das gefällt
[40:16] mir nicht und es wird auch keinem gefallen, so nach dem Motto.
[40:18] Und eben meine Beine viel zu dick wie so Elefantenbeine, so nach dem Motto.
[40:22] So schlimm war es zwar nie, aber für mich war es so schlimm.
[40:25] Genau, darum geht es ja nur. Es geht ja nur um das Gefühl.
[40:27] Genau, es ist so war es schon und auch, dass ich halt nichts aus mir rausgut
[40:31] habe, dass ich mich auch völlig falsch so geschminkt oder fertig gemacht habe,
[40:35] wo ich mir heute denke, oh Gott, so bist du rausgegangen.
[40:37] Schrecklich. Also das habe ich mir damals in Teilen wahrscheinlich auch gedacht.
[40:42] Und ich hatte mal früher eine Zeit lang ein bisschen dickere Augenbrauen.
[40:46] Da habe ich die alle gezupft, dass es nicht so ausschaut, weil ich mir auch
[40:48] dachte, boah, was sind das für Balken?
[40:50] Also es war schon eine Zeit lang sehr negativ so in meiner Pubertät.
[40:54] Und dann eben... Und das steckt noch tief in dir. Ja, ich glaube,
[40:57] das steckt. Also weil in der frühen Kindheit, da fühle ich nicht so viel.
[41:01] Das ist es nicht. Das, glaube ich, ist dann echt erst in der Pubertät losgegangen,
[41:04] dass ich da nicht gewählt wurde, gerade wo man eben mit Jungs ist. Ja, klar.
[41:08] Ich glaube, da fing das so richtig an, dass ich da nie meine Bestätigung bekommen habe.
[41:13] Ja. Versuch bitte noch mal all das, was du jetzt so erzählt hast,
[41:18] noch mal mit diesem Gefühl im Solaplexus noch mal so zusammenzukriegen.
[41:25] Also dieses Pummelchen mit den dicken Beinen. Also wirklich alles so,
[41:30] wie dein Selbstbild eigentlich immer war.
[41:34] Nochmal abzugleichen mit dem dringenden Wunsch, gewählt zu werden.
[41:38] Mir tut es einfach voll leid, dass ich so mit mir war und so,
[41:42] dass ich einfach meine eigenen Grenzen so übergangen habe dafür.
[41:51] Also ich merke, dass ich in Teilen zwar verstehe, warum ich dann irgendwo natürlich
[41:56] rational im Außen mir das gesucht habe, aber.
[42:00] Ich merke, dass natürlich noch dieses alte Bild irgendwo da ist Und das ist
[42:03] mir immer noch heute so schwer für zu glauben, dass ich jetzt anders bin und
[42:06] dass ich jetzt bei mir bin.
[42:07] Und das merke ich, das ist halt so schwierig.
[42:09] Es ist nämlich voll noch da, ne? Ja, in Teilen ist es immer noch da.
[42:12] Also das war ein zu schneller Shift zwischen den zwei Ichs.
[42:17] Ja, das sitzt tief.
[42:20] Und das will jetzt von Fabian erlöst werden.
[42:24] Ja, ich glaube, das war auch. Fabian ist jetzt der Heiland, der dich erlöst, der dich wählt.
[42:34] Und dann bist du nicht mehr der Frosch oder die Fröschin, sondern die Märchenprinzessin.
[42:44] Vom Frosch zur Märchenprinzessin, vom Aschenputtel zur Königin.
[42:51] Ja? Ich habe wahrscheinlich gehofft, dass wir das so gegenseitig veranlasst
[42:54] sind. Ich im Äußeren und er im Inneren. So wie so eine Art Ergänzung.
[42:59] Kam mir jetzt gerade so, weil ich habe ihm immer das Innere gegeben und durch ihn habe ich halt...
[43:04] Wahnsinnig romantisch. Wie im Märchen. So irrational.
[43:10] Heute denke ich mir auch, oh Gott. Du bist seine Ritterin auf dem weißen Pferd
[43:14] und buddelst ihn raus aus dem Dörr-Ressenschloss und küsst ihn wach.
[43:19] Und damit seid ihr wahnsinnig exklusiv, einmalig, sowas von exklusiv miteinander
[43:26] und er küsst dich wach vom Frosch zur Märchenprinzessin.
[43:35] Oh Gott, wenn du das so sagst, das klingt so krass.
[43:41] Also ich sehe die visuelle Vorstellung, ja.
[43:46] Ja, aber das sind doch unsere tiefsten Sehnsüchte, oder? Es sind doch die Sachen ganz einfach. Ja.
[43:52] Und da ist doch so eine tiefe menschliche Sehnsucht genau danach.
[43:57] Dass es wie ein Märchen ist, nach dieser wahnsinnig einmaligen Verschmelzung und Exklusivität.
[44:03] Das sind so ganz tiefe Sehnsüchte.
[44:07] Ja, schon. Natürlich.
[44:10] Ja, aber man spricht es immer nicht so direkt auch so oft.
[44:13] Klar, jeder wünscht sich da was Besonderes und Liebe und Verbundenheit und ein
[44:19] Partner wahrscheinlich, ich denke, in sich drin, die meisten.
[44:23] Ja, das ist halt einfach alles so blöd gelaufen. Wie geht es dir jetzt gerade?
[44:29] Bleib nochmal mit diesem inneren Gefühl in Verbindung.
[44:32] Wenn es geht wie geht es dir jetzt gerade was passiert gerade in dir.
[44:40] Es ist irgendwie einfacher, weil ich den Zusammenhang jetzt nochmal deutlicher
[44:43] sehe. Ich habe davor schon da einmal ein bisschen hingeschaut,
[44:45] aber je öfter man darüber redet, desto andere Gedanken und desto mehr hat man
[44:49] ja auch dazu. Und deswegen, ich sehe jetzt schon mehr Zusammenhang dazu.
[44:53] Es ist einfacher und ich denke mir jetzt auch, es ist sehr wichtig,
[44:56] dass ich mich wähle. Auch wenn ich das davor auch wusste, aber ich muss es ja auch innerlich fühlen.
[45:01] Und ich glaube, wenn ich mir so diese Wunde, nenne ich es jetzt mal,
[45:03] anschaue, dann fällt es mir schon leichter, es wirklich zu fühlen und nicht
[45:08] nur vom Verstand her, weil ich oft es nur im Verstand habe, aber eben nicht im Gefühl.
[45:14] Ja, weil man halt auch wirklich sieht, was da so bei einem selber war.
[45:19] So würde ich das jetzt erklären. Dass man sieht, okay, da waren eben ganz viele Anteile davon.
[45:24] Und natürlich wollte ich von ihm auch gewählt werden. Natürlich auch,
[45:26] weil dann diese emotionale Beziehung damals anfing.
[45:30] Aber ja, ich denke, das hat sich einfach zeitgleich überschnitten.
[45:33] Es hätte ja vielleicht ja auch jemand anderes sein können, den ich genau in
[45:36] dem Moment getroffen hätte. Und vielleicht wäre es dann ja auch anders gelaufen.
[45:40] Ich weiß es nicht, weil ich glaube, dass der Frosch in dir,
[45:46] die Fröschin in dir, also dieses Gefühl.
[45:52] Oder ganz einfach gesagt dein inneres Schattenkind von sich überzeugen will.
[45:58] Und ein Mann, der direkt überzeugt ist, ist langweilig.
[46:02] Ich glaube, das ist ein Anteil und ich glaube aber auch, dass es ein Anteil
[46:05] ist, dass ich erst den anderen überzeugen würde, damit ich selber überzeugt
[46:09] bin. Und jetzt weiß ich, dass ich in mir überzeugt bin und eigentlich brauche
[46:12] ich es nicht mehr, aber jetzt ist die ganze Geschichte da. Jetzt ist der Schlamassel quasi schon da.
[46:16] Also in dir bist du halt eben noch nicht wirklich überzeugt.
[46:18] Dein Verstand weiß es schon, aber es ist noch nicht im Gefühl angekommen.
[46:22] Was du ja jetzt bräuchtest aus meiner Sicht ist, dass diese alte Wunde,
[46:30] wo wir eben ganz nah waren….
[46:33] Dieses Schattenkind, was sich so sehr nach Anerkennung sehnt und vor allen Dingen
[46:38] auch Anerkennung auf der äußeren Ebene als Frau, dass es ganz einfach hübsch ist.
[46:43] Das ist ja so ein tiefer Wunsch, den eigentlich alle Mädchen und Frauen haben,
[46:49] oder die allermeisten, weil das ist halt so in unserer Gesellschaft,
[46:52] das ist ganz tief in uns drin, dass das die alte Wunde ist.
[46:56] Und dass der Fabian seine Projektionsfläche ist, der dir diese Wunde verarzten
[47:05] soll, indem er dich wählt. Ja, das darf gar nicht sein.
[47:09] Also das merke ich auch, dass ich mir sofort denke, nee, das will ich nicht.
[47:13] Das geht gar nicht für mich. Also es geht ja, das mache ich ja scheinbar,
[47:16] aber das möchte ich nicht haben. Ich möchte nicht, dass ich da so abhängig bin.
[47:20] Dass irgendjemand mich da, das muss ich selber machen.
[47:23] Also da streibt sich gerade alles in mir, weil das möchte ich nicht.
[47:26] Ich frage mich auch, aber das ist jetzt sehr rational, was das überhaupt auch
[47:30] an den Tatsachen ändern würde.
[47:32] Ja, eben. Also ich meine, ob Fabian dich jetzt auserwählt oder nicht, weißt du?
[47:39] Du wirst sowieso nicht jedem gefallen. Du kannst nicht jedem gefallen,
[47:42] verstehst du? Du legst ja damit dein Selbstwertgefühl in seine Hände.
[47:46] Er kann über deinen Selbstwert bestimmen.
[47:50] Wie kann ich das für mich praktisch leben? Weil ich meine, ich merke ja,
[47:52] es ist immer diese Gedankenschleife. Und ich weiß es ja, dass es nicht gut ist,
[47:56] aber ich weiß nicht, wie ich da rauskomme, wie ich das unterbrechen kann,
[48:01] wie ich immer wieder zum Beispiel in diese Trennungsaggression komme.
[48:05] Weil das ist ja von vorne bis hinten, wenn ich mir das jetzt auch hier anschaue,
[48:10] also da bin ich schon auch irgendwo sauer, weil ich habe mir so viel bieten
[48:13] lassen, so viel gefallen lassen und er macht das ja immer noch.
[48:15] Wie komme ich da für mich raus?
[48:19] Nicht nur, weil ich es weiß, sondern gibt es irgendwas, was ich vielleicht...
[48:24] Weiß ich nicht. Also ich denke.
[48:29] Worum es eigentlich geht, ist, dass du für dich klarkriegen musst,
[48:34] dass du überhaupt ein Recht darauf hast.
[48:38] Weil ich denke, tief in dir gibt es etwas, das hat kein Recht darauf.
[48:43] Ja, ich habe immer das Gefühl, ich muss die Verständnisvolle sein.
[48:46] Ich muss doch es sehen. Du hast immer das Gefühl, im Grunde genommen,
[48:50] ich bin 100 Prozent verantwortlich für die Beziehung. Ja, ja.
[48:55] Aber ich frage dich jetzt mal, wie war denn deine Beziehung zu deinem Vater?
[48:58] Musstest du da auch so kämpfen? Ich hatte im Endeffekt fast keine Beziehung zu ihm.
[49:02] Also ich bin, wo ich eineinhalb glaube ich war, ist meine Mom von ihm quasi weggegangen.
[49:09] Also er wohnt in Österreich und sie ist dann nach Deutschland und hat halt sich
[49:13] getrennt. Und ab da gab es dann nur noch Umgangsstreit.
[49:17] Kein Umgang, also ich hatte nie Umgang mit ihm. Ich wollte es auch nicht.
[49:20] Er hat es immer wieder hier und da versucht.
[49:24] Aber ich habe immer das Gefühl gehabt, dass es halt nicht ehrlich ist.
[49:26] Dass er es halt nur macht nach außen, aber nicht, weil er wirklich an mir Interesse
[49:29] hat. Ich habe mich immer komisch gefühlt, wenn ich mit ihm zu tun hatte.
[49:32] So als meint er es nicht ernst. So war das Gefühl. Und erst,
[49:36] wo ich 14 war, habe ich dann Kontakt gehabt. Und da war es auch wieder komisch.
[49:39] Und dann hatten wir auch ganz schnell wieder keinen Kontakt. Okay.
[49:41] Und so jemanden hast du dir jetzt ausgesucht?
[49:44] Ja. Ja, das habe ich auch schon gemerkt, dass ich da ein ähnliches Muster habe. Was bekannt ist.
[49:52] Du läufst eigentlich zum verlorenen Vater hinterher.
[49:58] Ob das jetzt so war bei deinem Vater oder nicht, es gibt etwas,
[50:02] worüber du mal nachdenken kannst, das werden wir hier jetzt nicht behandeln,
[50:05] weil es sind ja viele Themen bei dir,
[50:09] ob deine Mutter dich etwas vergiftet hat, was deine Beziehung zu deinem Vater betrifft.
[50:15] Weil es kann gut sein, dass deine Mutter diese Zweifel in dich hineingetragen
[50:18] hat und dein Vater insofern nie eine wirkliche Chance bei dir hatte.
[50:22] Ich würde sagen, meine Oma hat das gemacht. Deine Oma, genau.
[50:24] Aber wie ich sagte, das ist nicht für diesen Podcast. Das wäre jetzt viel zu
[50:27] viel. Aber das würde sich bestimmt lohnen, da nochmal tiefer zu tauchen.
[50:32] Vor allen Dingen, falls dein Vater noch lebt.
[50:36] Vielleicht siehst du deinen Vater gar nicht durch deine eigene Brille.
[50:42] So, aber das ist in Klammern und Klammern wieder zu.
[50:46] So oder so, weil du es ja subjektiv auf jeden Fall so empfindest,
[50:49] ob es jetzt stimmig ist oder nicht, das ist gar nicht wichtig.
[50:52] Da gibt es ja so eine verlorene Liebe, der du hinterherläufst.
[50:56] Ja, und ich hatte halt auch, das ist so das, was mich halt auch mal so gehalten
[51:01] hat an ihm, also an Fabian, dass ich immer dachte, naja, vielleicht finde ich
[51:07] ja sowas Besonderes nicht mehr. Aber das weiß ich ja gar nicht.
[51:11] So hart es jetzt vielleicht auch klingt. Meinst du besonders gestört oder was meinst du?
[51:15] Nein, so das, was am Anfang mal da war. Ich sag mal, die 20 Prozent,
[51:19] die gesund waren. Aber dieses Idealisieren muss aufhören.
[51:22] Das ist genau das. Ich muss damit aufhören, es zu idealisieren.
[51:25] Ich muss bei mir bleiben und ich merke halt auch, das muss ich auch sagen,
[51:28] ich fühle mich ein bisschen schuldig, weil erstens, ich bin noch nicht bereit weiterzuziehen.
[51:33] Ich muss es erstmal für mich verarbeiten. Bevor ich irgendwas Neues aufmache,
[51:36] ich muss es erstmal verarbeiten.
[51:37] Aber noch würde ich mich schuldig fühlen und als würde ich ihn betrügen,
[51:42] wenn Beispiel jemand mich ansprechen würde oder irgendwas wäre,
[51:44] ich würde das glaube ich erstmal wegschieben, weil ich Angst hätte damit dann
[51:47] gleich wieder dieses Illoyale aufzumachen und gleich wieder quasi eine auf den
[51:52] Deckel zu kriegen, auch wenn ich mich ja gar nicht abhängig machen muss.
[51:54] Aber ich weiß, dass dann was kommen wird und da darf ich, denke ich,
[51:58] jetzt auch lernen, mich wirklich abzugrenzen, mich auf mich zu konzentrieren,
[52:02] es erstmal für mich zu verarbeiten, bis ich wirklich sage, okay,
[52:05] jetzt bin ich befreit davon.
[52:07] Das zeigt eben jetzt das Letzte, was du gesagt hast, wie tief es in dir verankert
[52:11] ist, dass du nicht okay bist.
[52:13] Ja, ja. Und wie tief es in dir drin sitzt, dass du ein Fehler bist. Ja.
[52:16] Und das geht weit darüber hinaus, dass du in der Pubertät mobbelig warst.
[52:23] Das geht weit darüber hinaus. Das ist was ganz, ganz Tiefes.
[52:27] Und das hat mit Sicherheit auch viel mit deiner Vaterbeziehung zu tun.
[52:32] Und da liegt halt diese Sehnsucht und eben diese Wunde, auserwählt zu werden, endlich mal. Ja.
[52:40] Darum geht es. Auch wenn du zum Teil im Moment den Wald vor lauter Bäumen manchmal nicht siehst. Ja.
[52:47] Aber im Grunde genommen wird es für dich darum gehen, immer wieder in Kontakt
[52:53] zu gehen mit diesem tiefen Gefühl dieser Sehnsucht auserwählt zu sein.
[52:58] Und sobald du merkst, dass du wieder zu sehr in den Kopf abrutscht und ja und
[53:03] hier und vor und zurück, immer wieder damit in Verbindung gehst,
[53:07] mit diesem Wunsch ausgewählt zu werden.
[53:09] Das ist ganz wichtig zu hören, weil jetzt die letzten Wochen eben,
[53:12] wo ich auch mehr mich so emotional löse, da sind ja die Gedanken steifen weniger
[53:17] und da mache ich das auch.
[53:18] Dann merke ich, dass ich mich selber auswähle. Dass ich mir denke,
[53:21] ich will mich, ich sehe mich doch.
[53:23] Gefalle ich mir, liebe ich mich? Und dann kann ich mittlerweile wirklich sagen, ja, tue ich.
[53:27] Es ist nur noch nicht, glaube ich, so angekommen, dass ich jetzt anders bin
[53:30] und dass ich jetzt auch eigentlich doch mehr meine Werte leben darf.
[53:33] Ich glaube, es ist mehr noch so, dass ich mich zu viel zurückhalte,
[53:36] hinter dem zu stehen, was ich doch eigentlich fühle.
[53:38] Aber es ist da. Es ist nicht wie früher, wo ich ihn kennengelernt habe zum Beispiel,
[53:42] wo ich das noch absolut weggeschoben habe, sondern es ist so,
[53:44] dass ich merke, nein, aber es ist eigentlich mein Wert. Eigentlich kann ich das nicht machen.
[53:48] Eigentlich muss ich das nach außen tragen jetzt.
[53:51] Also ich merke schon, dass dieses ganze Neue immer, immer mehr da ist.
[53:55] Und dass ich halt, ja denke ich jetzt auch dieses Finale davon loslassen darf.
[54:01] Auch diese Wunde, dass ich sie sehen darf. Natürlich gehört sie dazu.
[54:05] Aber dass ich jetzt auch darf, weil du hast ja vorhin gesagt,
[54:08] ich darf mir die Berechtigung geben. Ich glaube, das ist auch ein ganz großer
[54:11] Punkt, dass ich mich mehr trauen darf, da einfach dahinter zu stehen.
[54:16] Weil eigentlich, ich habe mich die letzten Jahre so viel mit meinen eigenen
[54:20] Themen beschäftigt, so viel Familienwunden und all das versucht zu heilen und
[54:25] ich bin da auch sehr weit gekommen, weil ich ganz anders war, auch vom Inneren.
[54:28] Aber ja, ich glaube, dieses bisschen mit ihm hat da einfach noch damals gefehlt
[54:33] und wir haben uns da wo reingeritten, wo ich jetzt gerade wieder rauskommen darf.
[54:38] Ja.
[54:41] Wie geht es dir jetzt mit dem Gespräch? Besser.
[54:45] Viel besser. Also es hat mir auch nochmal gezeigt, dass ich,
[54:48] dass das Ganze mit der Kamil das nicht verzeihen und so, worum es am Anfang
[54:51] ging, dass das voller Quatsch ist und dass ich mich da auch voll,
[54:56] in diese Schleife habe wieder ziehen lassen, dass ich ja was gemacht hätte und,
[55:01] wie verdreht und verzerrt es ist, dass es einfach nicht normal ist.
[55:04] Und eben auch, dass ich da wahrscheinlich eben sowieso auf verlorenen Posten
[55:07] stehe, aber auch, dass das unter aktuellen Umständen absolut keinen Sinn macht.
[55:11] Nichts davon und dass er im Endeffekt nur die Vorteile von all dem versucht,
[55:14] sich rauszuziehen, eben unabhängig noch sein, mich irgendwo haben,
[55:18] so halb, aber auch irgendwie nicht.
[55:20] Auch wenn er es vielleicht nicht aus böser Absicht macht, keine Ahnung,
[55:22] darüber will ich nicht urteilen, aber er hat es sich halt sehr einfach und bequem
[55:26] gemacht und ich habe es halt mitgemacht.
[55:27] Richtig und es ist ganz, ganz wichtig und das gebe ich dir noch als letzten Gedanken mit.
[55:33] Dass du anfängst, wirklich die Realität zur Kenntnis zu nehmen.
[55:37] Realität von Wunschdenken unterscheidest.
[55:40] Ja, definitiv. Die Realität, die knallharte Realität. Und die Realität,
[55:46] die kannst du an Fakten bemessen.
[55:48] Und du hast ganz, ganz viele Fakten.
[55:52] Dass du wirklich mal auf die Faktenebene guckst und die wirklich unterscheidest
[55:56] von der, ich wünsche mir was Ebene.
[55:58] Absolut, das darf ich auch gerade lernen. Das merke ich auch,
[56:00] dass ich mir das die letzte Zeit oft denke, die Realität sieht halt nicht so aus, dass er möchte.
[56:05] Es wäre ja was anderes, wenn er sagen würde, ja, er sieht es und er arbeitet
[56:07] und man sieht wirklich was, aber es ist nicht der Fall und solange es nicht
[56:10] der Fall ist, funktioniert es nicht. Wird auch so bleiben. Ich möchte ja schriftlich
[56:14] mit drei durchschlagen.
[56:16] Wirklich. Und wenn, wird das so ein langer Weg sein, bis dann bist du Urgroßmutter. Verstehst du?
[56:21] Also es ist wirklich wichtig, dass du die Realität zur Kenntnis nimmst.
[56:26] Hart. Irgendwo natürlich ist es trotzdem schmerzhaft. Ja, das ist schmerzhaft,
[56:30] aber diese Schmerzen kannst du aushalten. Das ist besser als immer,
[56:33] um diesen Schmerz einen Boden zu machen und schnell wieder die Hoffnung installieren.
[56:37] Ja, das habe ich ja die letzten Monate schon durch und ich möchte auch nicht mehr zurück.
[56:43] Ich möchte mich nicht mehr so fühlen. Und auch so diesen Kontrollverlust,
[56:48] der war ganz, ganz schlimm. Der war richtig schlimm.
[56:52] Okay.
[56:56] Dann lass uns jetzt mal.
[56:59] Einen Abschluss finden. Also wichtig ist, dass du mit diesem dringenden Wunsch
[57:05] nach Anerkennung in Verbindung bleibst, wirklich auf der emotionalen Ebene,
[57:08] dass du dich darum kümmerst.
[57:09] Es ist nicht nur die Anerkennung in der Puertät, es geht auch um die Anerkennung
[57:13] von deinem Vater und vielleicht auch noch viel mehr, vielleicht auch von deiner
[57:17] Mutter, wer auch immer. Also wirklich hinguckst und mit dem Teil in Verbindung bleibst.
[57:22] Ganz wichtig ist eben, dass du auch die Realität zur Kenntnis nimmst.
[57:26] Und dich diesem Gefühl stellst, es wird wirklich nichts.
[57:30] Das ist ja devastating erstmal. Aber das wird dir schneller dazu verhelfen,
[57:37] dich auch wirklich zu lösen.
[57:39] Weil es ist immer wieder ein Bogen, um dieses Gefühl herumzumachen.
[57:42] Das klingt auch so wie, ich soll mich nicht mehr kleiner machen.
[57:45] Und ich glaube, das ist wirklich eine so wichtige Botschaft für mich,
[57:48] dass ich mich nicht immer klein mache. Weil eigentlich habe ich doch so viel, was auch raus darf.
[57:53] Vielleicht ist das wirklich der Punkt, dass ich mehr in mich vertrauen darf
[57:57] und mehr ich sein darf und mich immer alles klein und unterdrücken.
[58:00] Und ich darf nicht, sondern mir selber mehr zeigen, dass ich doch für mich vielleicht auch toll bin.
[58:06] Dass du strahlen darfst. Ja, das ist schön, dass ich strahlen darf.
[58:10] Aber eigentlich strahle ich. Es ist nur die letzten Jahre durch das jetzt mit
[58:14] ihm auch sehr viel weggegangen. Und ich habe es versucht noch zu behalten, aber es war schwierig.
[58:18] Aber das ist eine gute Botschaft. Ich darf mehr strahlen. Nee,
[58:21] du darfst strahlen nicht mehr. Ich darf strahlen.
[58:25] Das ist wirklich schön.
[58:27] Das sind schöne finale Worte. Okay, dann vielen, vielen Dank für das schöne
[58:31] Gespräch. Vielen Dank auch dir, das hat mir sehr weitergeholfen. Gerne.
[58:37] So ihr Lieben, das war es heute wieder mit Stahl aber herzlich und Sina hat
[58:42] uns wieder wunderbar demonstriert, wie schwierig es ist, aus so einer emotionalen
[58:49] Abhängigkeit rauszufinden,
[58:51] weil es ja um Liebesdinge geht und Liebesbeziehungen.
[58:55] Und das hat immer sehr schnell was sehr Existenzielles.
[58:58] Und da liegen eben unsere größten Sehnsüchte, unsere größten Wünsche,
[59:02] unsere größte Verletzlichkeit.
[59:05] Und genau da ist auch unser Selbstwertgefühl am fragilsten. Und deswegen hoffe
[59:09] ich wirklich für sie, dass sie es schafft. Aber ich bin ja eigentlich auch optimistisch,
[59:13] weil sie ziemlich reflektiert ist und hart an sich arbeitet.
[59:16] Ihr Selbstwertgefühl immer mehr von innen heraus zu stabilisieren und es dem
[59:23] Fabian sozusagen aus den Händen zu entreißen und wieder zu sich zurückzuholen.
[59:40] Stahle war herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit mir, Stefanie Stahl.
[59:45] Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren, Produktion Milan Fay
[59:52] und die redaktionelle Leitung hat Ann Groß.

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