# Ich habe Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber – wie kann ich mit ihnen darüber sprechen?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 23 Aug 2026, 54 min.

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## Transcript

[0:05] Unglaublich viel Energie. Und dass mir das passiert ist, dass dieser Mensch
[0:10] mich gebrochen hat, dafür schäme ich mich in Grund und Boden.
[0:18] Hallo, herzlich willkommen zu Stahl, aber herzlich. Und heute ist Barbara bei
[0:22] mir. Und Barbara kommt mit dem Problem, dass sie viel Traumatisches erfahren
[0:28] hat, vor allem auch in ihrer letzten Ehe.
[0:31] Die Ehe war gewalttätig, ihr Mann war gewalttätig, sie hat oft unter Todesangst gelitten.
[0:37] Sie hat aber auch drei Kinder und
[0:39] diese Kinder haben dadurch ziemlich viel mitgemacht in dieser Beziehung.
[0:44] Und Barbara macht sich im Nachhinein schwere Vorwürfe, dass sie sich nicht viel
[0:48] eher von diesem Mann getrennt hat.
[0:50] Sie zerfleischt sich geradezu mit Schuldgefühlen und wir tauchen tiefer ein,
[0:55] in den Zusammenhang zwischen Trauma und Schuld.
[1:04] Hallo liebe Barbara, herzlich willkommen hier bei Stahl aber herzlich und wie
[1:09] du mir eben kurz, als wir kurz ein bisschen geplänkelt haben,
[1:13] erzählt hast, kommst du von weit her, ich sage jetzt nicht von wo,
[1:16] um deine Identität zu schützen.
[1:19] Welches Problem war dir denn diese Reise wert?
[1:23] Ja, hallo Steffi. Ich freue mich total, dass ich hier sein kann.
[1:26] Und ja, das Problem, was die Reise wert ist, ist ein Problem,
[1:31] was ich seit Jahren eigentlich mit mir herumtrage.
[1:35] Ich habe Schuldgefühle gegenüber meinen Töchtern.
[1:41] Wie soll ich das ausdrücken? Also ich wollte immer eine gute Mutter sein.
[1:46] Das war für mich auch mein Ziel als Kind schon. Und ich habe gedacht,
[1:50] ja, wenn ich mal groß bin, mache ich alles besser.
[1:55] Und dann habe ich drei Töchter bekommen und das war für mich das größte Glück.
[2:05] Ich bin zweimal verheiratet und habe mit meiner Männerauswahl nicht so den goldenen
[2:13] Griff gemacht, sage ich mal.
[2:15] Und war relativ alleine auf mich gestellt, was die Erziehung der Kinder anging.
[2:21] Sehr früh ist meine Mutter gestorben. Kurz nach der Geburt meiner dritten Tochter
[2:25] ist meine Mutter verstorben.
[2:28] Ja, ich konnte niemanden fragen.
[2:34] Und ich habe immer geglaubt, dass das, was ich tue, dass das gut ist.
[2:40] Dann gab es große Schwierigkeiten mit dem zweiten Ehemann, der ein bisschen
[2:46] Probleme mit seiner Impulskontrolle hatte und auch Alkoholiker war.
[2:52] Da ist es zu unschönen Situationen gekommen und da hätte ich viel früher eine
[2:59] klare Reißleine ziehen müssen.
[3:01] Es sind aber Dinge passiert, die das verhindert haben, dass ich die Kraft hatte, dazu das zu tun.
[3:08] Ich habe geglaubt, ich kriege das trotzdem irgendwie hin und meine Kinder lieben
[3:12] und für sie da sein reicht.
[3:15] Das hat nicht so gereicht, glaube ich.
[3:18] Ja, das ist ein Gefühl, was ich schon sehr lange kenne.
[3:23] Schuldgefühl? Ja. Also du sprichst ja eigentlich von Schuldgefühlen,
[3:27] dass du sagst heute im Nachhinein, hätte ich vieles anders gemacht.
[3:31] Ja, ich hätte an einer Wegzweigung abbiegen müssen.
[3:37] Und die Abzweigung habe ich nicht genommen.
[3:41] Und das kannst du dir schlecht verzeihen? Ja.
[3:46] Wie ist es denn auf Seiten deiner Töchter? Wie ist denn dein Verhältnis zu deinen
[3:49] Töchtern? Im Moment glaube ich ganz gut.
[3:55] Also mit meiner Mittleren hat es eine Aussprache gegeben.
[4:00] Die kam aber nicht von mir, sondern von ihr. Also sie hat da schon ordentlich
[4:06] mich zur Rechenschaft gezogen. Das ging auch über zwei Tage,
[4:11] bis ich gesagt habe, ich kann nicht mehr, jetzt ist gut.
[4:15] Da war ich sehr am Boden. Ich habe drei Wochen gebraucht, um überhaupt zu kapieren, was da passiert war.
[4:23] Das finde ich jetzt intuitiv schwer zu verstehen.
[4:27] Erklär mir das bitte mal.
[4:30] Du warst ja am Boden und hast gesagt, es reicht, aber du bist doch selbst diejenige,
[4:34] die sagt, wenn ich dich richtig verstanden habe, ich habe damals Fehler gemacht.
[4:39] Richtig, also ich denke durch das Gespräch von meiner mittleren Tochter,
[4:45] die hat mich wirklich knallhart, aber auch glasklar abgestraft.
[4:51] Und ich war erst mal wirklich am Boden. Und dann kam irgendwann die Phase,
[4:57] wo ich sage, das wusste ich gar nicht, dass die das alles in sich trägt.
[5:05] Verstehe ich dich richtig. Es ist eigentlich noch schlimmer,
[5:08] als du gedacht hattest. Ja.
[5:11] Also es war ja, wenn ich das richtig verstanden habe, nicht deine mittlere Tochter,
[5:15] die dir erst die Augen geöffnet hatte.
[5:17] Du wusstest schon vorher, dass du an der einen oder anderen Stelle als Mutter
[5:20] da nicht immer so einen guten Job gemacht hast. Dass ich das nicht so richtig
[5:24] gut gemacht habe, dass ich das hätte besser machen können, ja.
[5:27] Aber was die Mittlere gesagt hat, das war dann noch krasser,
[5:32] als du dir das selbst vorgestellt hast.
[5:35] Ja, sie hat mich im Prinzip als Mutter vollkommen degradiert.
[5:40] In Gänze. Also da war kein gutes Haar mehr?
[5:44] Nichts mehr. Wie alt ist die heute? Die ist heute Mitte, Ende 20.
[5:50] Dazu gab es einen Auslöser zu diesem Gespräch.
[5:55] Ich habe mich dann von dem zweiten Ehemann getrennt und relativ kurz,
[6:01] also wenige Jahre nach der Trennung, wir waren noch nicht geschieden, ist er verstorben.
[6:07] Relativ unvorhersehbar, weiß ich nicht, ob man das sagen kann,
[6:10] unvorhersehbar, aber von der Diagnose bis zum Versterben, das ging unglaublich schnell.
[6:19] Und alle drei Töchter konnten mit ihm das Gespräch nicht mehr suchen und nicht mehr finden.
[6:25] Sind die denn alle von ihm oder sind welche auch vom ersten?
[6:28] Nein, die letzte ist von ihm und die anderen beiden sind von meinem ersten Ehemann.
[6:36] Jetzt konnten sie sich aber auch an ihn ja auch nicht mehr wenden.
[6:40] Und ich glaube, sehr viel, was meine mittlere Töchter mir da vorgehalten hat,
[6:44] ging auch in seine Richtung.
[6:48] Und sie konnte es nicht mehr adressieren.
[6:50] Und das ist das, was ich verstanden habe. Sie hat auch hinterher gemerkt und
[6:54] sie hat sich auch entschuldigt, sie hat gesagt, ich bin total übers Ziel hinaus.
[6:58] Es ist mit mir durchgegangen.
[7:00] Es kam alles hoch, also quasi vom nicht gekauften Eis bis hin, da warst du ungerecht.
[7:07] Und ja, es kam dann alles in einem Wahnsinnsschwall raus aus ihr und es ist
[7:15] mir um die Ohren geflogen Und ich habe dann kapiert, das gehört gar nicht zu mir.
[7:20] Das ging in Richtung meines verstorbenen Mannes.
[7:24] Und dann habe ich gedacht, wie gut. Auf einmal, ich weiß nicht,
[7:27] was da mit mir passiert ist, aber auf einmal drehte sich das Blatt bei mir.
[7:30] Ich sagte, wie gut, dass sie das gemacht hat.
[7:34] Dass ich die Verzweiflung gesehen habe, die das Kind hatte.
[7:39] Und dass ich es noch adressieren kann.
[7:44] Ja, also du hast so gespürt, das ist für sie vor allen Dingen so.
[7:49] Für sie war es unglaublich wichtig. Ja.
[7:53] Für mich war es wahnsinnig schwer. Aber das ist zwei Jahre her und das hat eine
[8:01] starke Reaktion in mir ausgelöst, dass alles,
[8:06] Für mich mal Revue passieren zu lassen. Wieso, weshalb, warum die Dinge so gewesen
[8:13] sind, wie sie gewesen sind.
[8:14] Hattest du bis dahin das eher so ein bisschen verdrängt?
[8:18] Ja, man muss dazu sagen.
[8:24] Ich komme manchmal in Situationen oder in Gefühlszustände, wo sich das vor mir auflöst.
[8:31] Wo sich Dinge einfach auflösen. Ein Gedanke, der ich habe, weg ist er.
[8:37] Okay. Und eine Verletzung, die ich erfahre, löst sich, denke ich noch,
[8:44] wow, was war das jetzt gerade? Und dann ist es weg.
[8:47] Auf einmal ist es weg. Okay.
[8:50] Würdest du sagen, das ist so wie so ein reflexartiges Abspalten? Ja, das ist sowas.
[9:00] Was Barbara hier berichtet, berichten traumatisierte Menschen häufig,
[9:05] nämlich dass ihnen bestimmte Themen plötzlich wegschwimmen.
[9:08] Sie verlieren den Faden und können ihre Gefühle nicht mehr richtig greifen oder
[9:13] haben so das Gefühl, wie benebelt zu sein.
[9:16] Von außen wirkt das manchmal, als wollten sie dem Thema ausweichen.
[9:20] Tatsächlich handelt es sich aber um einen Schutzmechanismus des Nervensystems.
[9:26] Dissoziation, so nennen wir das in der psychologischen Fachsprache,
[9:30] also dieses Abspalten von Gedächtnisinhalten, das ist mehr als Verdrängen.
[9:35] Beim Verdrängen kann man sich wieder leicht erinnern, Dissoziation ist wie,
[9:40] dass das Thema plötzlich weg
[9:41] ist und diese Dissoziation ist gewissermaßen eine psychische Notbremse.
[9:48] Und das ist das ja, was der Barbara passiert im Alltag, dass immer wenn so schwere
[9:52] Themen an sie rankommen oder schwere Gedanken, dass sie sich plötzlich quasi auflösen.
[9:59] Dabei handelt es sich vermutlich bei Barbara um einen alten Schutzmechanismus,
[10:03] den sie schon in der Kindheit gelernt hat.
[10:06] Denn wenn ein Mensch in einer traumatischen Situation weder kämpfen noch fliehen
[10:10] konnte, blieb häufig nur noch die Möglichkeit, sich innerlich vom Geschehen
[10:14] abzukoppeln. Das ist eben diese Dissoziation, die oft schon früh gelernt wird.
[10:19] Das heißt, Gefühle, Körperempfindungen oder Erinnerungen werden abgeschwächt,
[10:24] damit das Erlebte überhaupt ausgehalten werden kann.
[10:28] Das Problem ist natürlich wie so oft, dass das Nervensystem heute,
[10:33] also in ihrer heutigen Realität, nicht mehr zwischen damals,
[10:37] früher und heute unterscheiden kann.
[10:40] Das heißt, sobald ein Thema an die ursprüngliche Überforderung erinnert,
[10:45] kann derselbe Schutzmechanismus erneut sofort wieder aktiviert werden.
[10:50] Und dann erleben die Betroffenen eben genau das, was Barbara erlebt,
[10:54] dass die Gedanken verschwimmen, Gefühle plötzlich verschwinden oder dass man
[10:59] einfach innerlich den Kontakt zu sich selbst verliert.
[11:05] Und vielleicht sollte ich.
[11:13] Mal erzählen, was zum Beispiel so eine Situation war.
[11:21] Relativ zu Anfang unserer Ehe,
[11:25] da war die Kleine schon da, also unser gemeinsames Kind war schon geboren.
[11:31] Wir haben erst das Kind auf die Welt gekriegt und haben dann geheiratet.
[11:36] Da sagte er zu mir so, ich sei der größte Fehler, den er in seinem ganzen Leben begangen hätte.
[11:43] Und er würde jetzt zu seiner Ex-Frau zurückgehen. Und dann hat mir das natürlich
[11:48] furchtbar wehgetan in dem Moment. Aber ich wusste auch, er hat getrunken.
[11:53] Und dann denke ich, ich gehe mal rein und wir saßen draußen auf der Terrasse.
[11:56] Und ich sage, ich mache mal Küche und so. Und dann sehe ich,
[11:59] wie er von hinten auf mich zukommt.
[12:02] Und diesen Blick, den kannte ich schon. Und dann ging das los. Es war ohne Vorwarnung.
[12:09] Endete die Fahrt für mich hinterher im Krankenhaus. Wieso die Fahrt?
[12:16] Ja, ich bin ins Krankenhaus gefahren dann. Ah, okay.
[12:20] Und da ist irgendwas in mir passiert, wo ich genau wusste, wenn ich den Mund
[12:25] aufmache, verliert er die Kontrolle.
[12:32] Und das hat irgendwas mit mir gemacht. Ich habe mich selbst nicht wiedererkannt.
[12:37] Ich habe Situationen, auch unter anderem hat er meiner kleinen Tochter,
[12:43] so eine Ohrfeige verpasst, dass sie umgefallen ist und wollte sich dann von
[12:50] oben auf sie stürzen. Da bin ich dazwischen gegangen.
[12:54] Dann habe ich auch mir Hilfe geholt beim Jugendamt. Ich habe auch Hilfe bekommen.
[12:59] Aber irgendwie war dieser Mensch unantastbar. Ich habe keine Ahnung.
[13:02] Und ich wusste genau, wenn ich jetzt sage wieder, ich will gehen,
[13:06] ich hatte eine Höllenangst.
[13:08] Okay, also der war ja richtig gefährlich. Der war gefährlich.
[13:12] Und das Jugendamt, hast du dir nicht geglaubt? Oder was meinst du mit Unantragsbau?
[13:17] Ja, nach außen hin war er der Geschäftsmann. Nach außen hin konnte der sich wunderbar verkaufen.
[13:23] Okay. Und innerhalb der eigenen vier Wände war, das war schlimm. Mhm.
[13:33] So, ja.
[13:36] Das war ja hochgradig bedrohlich, Einstein, in der Lebenssituation.
[13:40] Absolut. Absolut, aber nicht nur für mich, auch für die Kinder.
[13:48] Und dann steckte ich in einem Zwiespalt, weil ich, also für mich war,
[13:55] ich habe mich dann komplett ausgeblendet. Ich habe nicht mehr gefühlt.
[14:02] Ich habe nur noch geguckt, dass ich die Kinder beschütze.
[14:06] Aber auf die falsche Art und Weise. Das heißt?
[14:11] Ich hätte gehen müssen, meine Kinder mitnehmen müssen und hätte sagen müssen,
[14:16] das war mein Haus, in dem wir gelebt haben.
[14:20] Und dann hätte ich mir eventuell sogar auch polizeiliche Hilfe holen müssen,
[14:25] um den Mann aus unseren vier Wänden herauszubekommen.
[14:32] Zu bekommen. Das war eine logische Konsequenz, die, es war nicht mehr möglich.
[14:37] Das hat mein Kopf nicht mehr zugelassen. Ich war nur noch im Verteidigen, im Beschützen, im.
[14:49] War das zu viel Angst, dass du so weit nicht mehr denken konntest?
[14:52] War das so, dass du das Gefühl gehabt hattest, dass du sowieso völlig ohnmächtig bist?
[14:58] Ich war unglaublich, ich habe mich ohnmächtig gefühlt, sehr ohnmächtig gefühlt.
[15:02] Dann hatten wir beide, waren wir finanziell, geschäftlich sehr,
[15:06] sehr, sehr verstrickt miteinander.
[15:09] Und er hat gesagt, ich werde dich fertig machen, ich werde dich ruinieren,
[15:14] ich werde dir alles nehmen, was dir lieb ist.
[15:17] Ich werde dir unsere gemeinsame Tochter, die wird bei mir leben,
[15:21] die wirst du nicht mehr sehen. Der hat so richtig, der hat so richtig alles
[15:24] hervorgeholt, was man tun kann.
[15:29] Ich habe meinen Vater, meine Eltern haben sich getrennt, da war ich 15.
[15:33] Das war für mich der Horror. Und als der ging und mich quasi zurückließ,
[15:41] da habe ich gedacht, der hat gesagt, deine Mutter ist schuld an der Situation.
[15:45] Und ich wollte nicht schuld sein, dass meine drei Kinder jetzt den,
[15:50] ich sag mal, den zweiten Vater verlieren.
[15:54] Und ich habe gedacht, ich kriege das hin.
[15:57] Ich habe gehofft, ich kriege das hin. Da muss ich jetzt mal nachfragen.
[16:03] Also, du hast diesen Vater, der, ich sag's jetzt mal in meinen Worten,
[16:11] eigentlich ein brutales, gefährliches Schwein war. Ich sag's jetzt mal so, ja?
[16:18] Für besser gehalten als für gar keinen Vater. Ich will nur deine Welt verstehen.
[16:24] Nimm das jetzt nicht als Vorwurf, sondern ich will einfach nur verstehen,
[16:27] weil das klingt so ein bisschen unfassbar, dass du ihm diesen hochbedrohlichen
[16:33] Mann, der gefährlich für dich war, für deine Kinder, als Vaterfigur erhalten wolltest.
[16:42] Er war nicht immer so. Wenn alles so lief, wie er das wollte, konnte er sehr...
[16:54] Der konnte auch lustig sein und wir haben auch gelacht miteinander,
[16:58] wenn es mal unbeschwert war.
[17:01] Aber wahrscheinlich war das so, ja. Also Barbara, ich verstehe dich so,
[17:07] dass du damals eigentlich in einem so ganz eigenen Film gelebt hast.
[17:12] Ja, ist gut möglich. Und dass du heute viel mehr so in der Realität angekommen bist.
[17:22] Ja. Manchmal ist das ja so, wenn man sehr verstrickt ist und das hat ja auch
[17:29] alles mit Emotionen zu tun,
[17:32] auch deinen Kindern gegenüber, wahrscheinlich auch deinem Mann gegenüber,
[17:35] ich weiß gar nicht, was du für ihn empfunden hast.
[17:40] Verantwortung. Verantwortung, das finde ich jetzt interessant.
[17:46] Also keine emotionale Abhängigkeit? Nein.
[17:50] Okay. Auf jeden Fall hat das ja auch alles mit Emotionen zu tun und dass man
[17:56] dann in so einer Lebenssituation gefangen ist, weil man ja auch identifiziert
[18:02] ist mit dieser Lebenssituation,
[18:05] wo man ziemlich das Gefühl für Orientierung verliert.
[18:11] Das war so. Ja, genau. Und oft dann erst im Nachhinein sich fragt.
[18:16] Ich denke, ganz viele kennen diese Situation.
[18:20] Die müssen ja nicht immer ganz so dramatisch sein, wie jetzt in deinem Fall.
[18:24] Aber diese Situation, wo man sich im Nachhinein fragt im Leben,
[18:27] sag mal, in welchem Film warst du denn damals?
[18:32] Warum hast du denn solche Entscheidungen getroffen? Oder warum hast du das mitgemacht?
[18:37] So hat sich das für mich an. Und dann beschreibe ich das richtig?
[18:40] Richtig. Ich bin noch auf der Ebene verstehen zu wollen, wie es dir ergangen
[18:44] ist, beziehungsweise wie es dir heute damit ergeht.
[18:48] Heute,
[18:51] Weiß ich, was passiert ist. Ich weiß, ich glaube das zu wissen, was mich geritten hat.
[18:59] Die Sache war, wir waren tatsächlich hochgradig finanziell verstrickt.
[19:06] Und wir hatten eine wahnsinnsaufregende und furchtbare Zeit,
[19:11] auch geschäftlich. Und er hat die Firma gegen die Wand gefahren und da war er suizidal.
[19:19] Und ich habe für ihn sieben Jahre lang gerade gestanden und habe ihn quasi hochgehalten.
[19:29] Ich habe mir immer gesagt, wenn ich das jetzt nicht mache, ich könnte ihn ja
[19:32] jetzt fallen lassen, jetzt wo er am Boden liegt und er schwach ist,
[19:35] könnte ich jetzt gehen mit den Kindern. Und dann ist unsere ganze Existenz ruiniert.
[19:41] Und irgendwann fragen mich dann meine Kinder, in dem Moment,
[19:45] wo er dich am dringendsten brauchte, bist du gegangen?
[19:48] Und ich wusste nicht mehr, was ist richtig.
[19:54] War er denn da weniger bedrohlich, wo er am Boden lag? Er brauchte mich,
[19:58] er brauchte mich und ich bin ein... Und da war er nicht mehr gewalttätig?
[20:04] Er hat aufgehört zu trinken und er hat dann gearbeitet, wir haben dann,
[20:14] ein Bekanter von uns hat eine neue Firma gegründet, dann hat er da mitgearbeitet
[20:18] und ist da reingegangen und.
[20:22] Ja, da hat er einen neuen Aufwind bekommen und er hat gemerkt,
[20:28] obwohl es eine schlimme Zeit war, eigentlich eine Zeit, ich sag mal,
[20:34] des Wiederaufbaus, nicht nur für die Firma, sondern auch eventuell für uns.
[20:39] Und dann kippte das wieder. Dann war er wieder oben und dann kippte das wieder.
[20:44] Und dann wurde er nach unten getreten.
[20:48] Über mich erhoben. Er hat sich über mich lustig gemacht. Er hat mich beleidigt
[20:53] und gedemütigt vor anderen. Und so weiter und so fort.
[20:57] Und irgendwann, dann war es soweit.
[21:02] Dann waren die Kinder, die Kleine nicht. Die waren noch zu Hause,
[21:07] aber die anderen beiden, die Großen, waren ausgezogen.
[21:11] Und dann habe ich gesagt, ich werde jetzt gehen.
[21:18] Wir werden uns jetzt trennen und ich habe das in Kauf genommen.
[21:21] Ich habe in Kauf genommen, dass ich diese Entscheidung nicht überlebe.
[21:26] Gesagt, wenn das jetzt passiert, dann ist es auch rum. Hauptsache ist, es ist vorbei. Okay.
[21:36] Das habe ich geplant, das habe ich nicht im Haus gemacht, weil ich ihn ja nicht rausbekommen hätte.
[21:41] Ein Mann von 1,85 Meter und 120 Kilogramm, den schiebe ich nicht zur Haustür raus. Ja.
[21:47] Dann bin ich ins Büro gegangen, ich habe das alles vorgeplant,
[21:50] bin ich ins Büro gegangen, ganz normal, hätte ich am Morgen erst noch so eine,
[21:54] richtige Packung abgegeben.
[21:56] Was heißt richtige? Das habe ich nicht verstanden. Nee, ich sage eine richtige
[22:00] Packung. Das heißt, der hat mich morgens noch so richtig, der hat mich noch
[22:04] richtig gedemütigt und beleidigt, schon vor dem ersten Schluck Kaffee in der Küche.
[22:10] Und dann sagt der, du kommst aber gleich ins Büro. Ja, ich komme dann gleich ins Büro.
[22:14] Also das war der Tag. Jetzt ist Tag X, heute ist Tag X.
[22:19] Dann habe ich gewartet, dass mein Kind in die Schule geht.
[22:24] Dann bin ich anschließend ins Büro gefahren und habe ihm im Büro gesagt,
[22:30] du brauchst jetzt nicht mehr zurückkommen, ich packe all deine Sachen zusammen,
[22:34] ich bringe dir deine Sachen hier ins Büro.
[22:37] Du hast vollkommen recht mit mir, kann man es nicht aushalten.
[22:41] Wenn du das so siehst, dann gebe ich dir recht und das brauchst du ab jetzt nicht mehr.
[22:48] Und dann habe ich mich ins Auto gesetzt, bin nach Hause gefahren und habe das
[22:52] Haus verbarrikadiert und habe mir direkt auch telefonisch Hilfe geholt für den Fall.
[22:59] Also Polizei angerufen? Nein, ich habe meine Rechtsanwältin angerufen,
[23:02] meine Familienanwältin angerufen und gesagt, wenn jetzt etwas passiert,
[23:06] dann weißt du, wo es herkommt, wer das war.
[23:11] Und die ist dann auch anschließend zu mir gekommen und dann habe ich auch gewartet,
[23:15] bis das Kind von der Schule zurückkam, dass alles gut war und es ist auch alles
[23:22] ruhig geblieben dann. Also er hat das dann so,
[23:28] auch genommen.
[23:31] Hattest du denn nicht oft Angst, wenn du aus dem Haus gehst,
[23:34] dass dir irgendwas passieren könnte? Doch.
[23:38] Ja. Ja. Und dann kam das, dass ich einen Wahnsinnszusammenbruch hatte.
[23:51] Und dann bin ich mit einem Burnout in die Klinik.
[23:56] Da war ich acht Wochen.
[24:00] Wo war deine Tochter in der Zeit? Meine mittlere Tochter ist zurückgekommen
[24:07] und hat in der Zeit mit der jüngeren Tochter gelebt.
[24:12] Und die haben auch auf die Tiere aufgepasst und das war alles.
[24:16] Meine Freundin hat nach den Kindern geguckt und wir waren jeden Tag in Kontakt.
[24:22] Und das hat mir schon einen guten Impuls in die richtige Richtung gegeben.
[24:29] Hat mich ein bisschen stabilisiert und mir gezeigt, dass meine Entscheidung,
[24:34] das zu machen, überfällig war.
[24:38] Und dann ging das eigentlich los, dass ich versucht habe, wieder zu,
[24:44] Ich wusste nicht, ich habe Stunden in der Küche gesessen und habe auf den Tisch geguckt.
[24:50] Ich wusste nicht mehr, wer ich war.
[24:56] Die Kinder hatten ihre Schwierigkeiten, die Kleine hatte psychische Schwierigkeiten,
[25:02] die Große hatte psychische Schwierigkeiten.
[25:06] Und es ist auch heute noch, wenn da irgendetwas ist, dass ich denke,
[25:10] ich habe das alles zu verantworten. Alles.
[25:13] Alles, was in deren Leben schiefläuft, habe ich zu verantworten.
[25:18] Gibt dir das ein Stück Kontrolle, das so zu sehen?
[25:22] Also hast du das Gefühl, wenn ich von vornherein die totale Generalschuld auf mich nehme.
[25:30] Dass dir das einfach ein Stück weit Halt gibt? Ich glaube eher,
[25:34] dass mir das keinen Halt gibt. Okay.
[25:38] Ich habe mit zwei meiner Töchter schon gesprochen. Also mit der Mittleren haben
[25:43] wir auch anschließend nach diesem Gespräch sehr lange gesprochen und auch immer wieder gesprochen.
[25:51] Und auch mit der Kleinen habe ich ja mittlerweile das Gespräch geführt,
[25:59] mehrere Gespräche geführt, die alle...
[26:02] Schwer waren, aber auch unglaublich positiv.
[26:10] Ich habe mich entschuldigt bei ihnen. Ich habe,
[26:16] von ihnen auch Verständnis bekommen, ganz klar. Die waren ja dabei,
[26:21] die haben das ja auch erlebt, die haben mich erlebt.
[26:23] Aber irgendwie glaube ich es
[26:24] nicht. Ach so, also deine Kinder sehen das wesentlich differenzierter. Ja.
[26:32] Aber du hast das Gefühl, ich bin an allem schuld.
[26:35] Ich habe alles falsch gemacht. Ich hätte damals eine andere Abzweigung nehmen müssen.
[26:44] Es ist vorbei, es ist rum. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.
[26:49] Und wer weiß, was dann passiert wäre. Keine Ahnung.
[26:54] Also du sagst halt, ich hätte mich wesentlich früher trennen müssen.
[26:57] Ja. Ja. Und du kannst dir das nicht verzeihen.
[27:02] Insofern, ich kau da so ein bisschen drauf rum. Ich kann es aber so schwer,
[27:09] so richtig gut auf den Punkt bringen, weil es auch eher so ein Gefühl von mir
[27:12] ist, als dass es wirklich ein klarer
[27:14] Gedanke ist, dass dir dieses Ich-bin-an-allem-schuld irgendeine Form,
[27:21] auch wenn es dich destabilisiert, trotzdem irgendeine Form von Halt gibt.
[27:27] Das so ganz klar zu sehen.
[27:31] Also sowas von Selbstbestrafung. Von Selbstbestrafung, die vielleicht in deiner,
[27:36] Welt verdient ist und deswegen ein Stück weit wieder Gerechtigkeit herstellt.
[27:47] Ja, das Wort Gerechtigkeit, das klingt irgendwo an. Also du tust,
[27:54] ich sag mal so, im Moment schwere Buße.
[27:57] Du nickst, dir kommen die Tränen, also irgendwas.
[28:04] Da scheint was zu treffen in dir, was ich gerade gesagt habe,
[28:07] oder was zu berühren in dir.
[28:13] Ja.
[28:18] Ich möchte einfach, ich kann es wieder gut machen. Ich wollte gerade sagen,
[28:24] es geht ja um Wiedergutmachung.
[28:27] Schuld geht ja immer um Wiedergutmachung. Das ist ja die einzige Möglichkeit,
[28:31] die wir haben, wenn wir Schuld auf uns laden, es wieder gut zu machen.
[28:38] Und mein Gefühl ist, und es ist einfach nur eine Intuition, dass die radikale Selbstbezichtigung,
[28:49] dass du an einem schuld bist, dass du alles verbockt hast und,
[28:51] und, und, dich insofern ein bisschen erleichtert, weil es so ein kleiner Teil
[28:55] der Wiedergutmachung ist.
[28:57] So 100% die Verantwortung zu übernehmen?
[29:01] Ja. Ja.
[29:07] Es spielt sich in mir ab.
[29:11] Es spielt sich in mir ab. Es ist, glaube ich, gar nicht, also ich glaube,
[29:16] dass meine Kinder das mittlerweile,
[29:21] die sagen, Mensch, Mama, du arbeitest an dir und.
[29:27] Du reflektierst alles und wir wissen doch auch, wie es war.
[29:31] Und also ich habe dann gemerkt, dass mir das keine Erleichterung gab.
[29:39] Ja, weil du dir nicht verzeihen kannst. Ja.
[29:46] Also das ist ja das, was hier in diesem Gespräch eigentlich sehr überdeutlich
[29:52] ist, dass du dir nicht verzeihen kannst.
[29:55] Also du, dir fällt es schwer, bis gelingt dir gar nicht oder nur ansatzweise,
[30:04] ein Mitgefühl auch für deine Situation aufzubringen.
[30:08] Also in welcher Situation du damals gesteckt hast,
[30:15] auch emotional, welche Verzweiflung da war, drei Kinder, dann,
[30:19] ein gewalttätiger Mann, finanziell verstrickt, so verstrickt,
[30:24] dass es dein Ruin und damit ja auch den Ruin für die Kinder bedeutet hätte,
[30:28] also für die ganze Familie.
[30:31] Ein Mann, der vorübergehend, wo er mal am Boden liegt, dann wieder doch irgendwie,
[30:36] ganz lieb und nett sein konnte, bis er dann wieder Oberwasser hatte und so weiter und so fort.
[30:41] Also da haben ja unglaublich viele Faktoren zusammengespielt und einen Faktor
[30:46] sind wir ja noch nicht mehr darauf eingegangen. Das würde jetzt wahrscheinlich
[30:49] auch den Rahmen hier sprengen.
[30:51] Du hast es angedeutet, indem du gesagt hast, ich wollte damals alles besser
[30:54] machen als Mutter, dass du wahrscheinlich selber noch aus einer traumatisierten
[30:59] oder zumindest schwierigen Familiengeschichte kommst.
[31:04] Ja, du nickst. Ja, siehste. Und dieses Ding, ich bin schuld,
[31:10] ist ja sowieso eigentlich der Satz, der am engsten mit Trauma sowieso assoziiert ist.
[31:16] Also du warst schon als Kind traumatisiert, du wurdest nochmal traumatisiert
[31:19] durch die Ehe, hast im traumatisierten Zustand auch noch ein paar falsche Entscheidungen
[31:24] getroffen und hast jetzt dieses riesen Schuldding am Laufen.
[31:30] Und Schuld gibt natürlich, so paradox es klingt, immer auch ein Stück weit Kontrolle.
[31:35] Denn wenn du schuld bist, dann liegt es auch in deiner Kontrolle,
[31:39] alles wieder besser zu machen oder wieder gut zu machen.
[31:45] Aber ich denke, die Geschichte, die du erzählst, die braucht ja auf jeden Fall
[31:50] eine lange Aufarbeitung mit psychologischer Begleitung.
[31:56] Weil es ist ja schon ein großes Traumapäckchen was du da zu tragen hast was
[32:05] kann ich dir heute mitgeben,
[32:08] ich kann dir ja nur wichtige Impulse vielleicht setzen und,
[32:13] Ich glaube, das, was mir am meisten ins Auge springt, ist eben deine gänzlich
[32:19] mangelnde Bereitschaft im Grunde genommen, selbst zu verzeihen.
[32:24] Oder verzeihen, das ist viel zu früh und viel zu groß.
[32:28] Ich sage mal so, ein gewisses Verständnis für dich selber aufzubringen.
[32:33] Und zwar ein gewisses wohlwollendes Verständnis. Ja, das ist das Wort.
[32:39] Das ist das Wort. Wohlwollendes Verständnis. Wohlwollendes, ja. Ja.
[32:45] Also ich führe sehr oft mit mir Zwiegespräche, in denen ich mich,
[32:52] ich brauche gar keine anderen mehr, ich mache mich selber ganz schön fertig. Genau, richtig.
[32:59] Und damit bist du eigentlich irgendwie so in so einem Teufelskreis,
[33:02] weil das können wir hier in diesem einen Gespräch nicht leisten.
[33:08] Deswegen fantasiere ich jetzt ein bisschen aufgrund der Informationen, die ich von dir habe.
[33:14] Du kommst schon aus einer traumatisierten Kindheit. Das heißt,
[33:18] so ein Glaubenssatz wie ich bin nicht okay oder ich bin schuld,
[33:21] den wirst du schon mitgenommen haben.
[33:24] Mit diesem Glaubenssatz suchst du dir falsche Männer. Über den ersten haben
[33:27] wir ja nicht geredet, aber die Ehe ist ja auch auseinandergegangen.
[33:31] Der zweite war wohl noch die größere. Der Zweite war wie mein Vater.
[33:35] Der Zweite war wie dein Vater. Also der war noch schlimmer.
[33:40] Und da hat ja auch schon bestimmt ganz viel eine Rolle gespielt,
[33:43] dass du gedacht hast, dass es irgendwie auch an dir liegt und dass du vielleicht
[33:46] noch irgendwie anders sein müsstest oder ihn anders behandeln müsstest. Richtig, du nix.
[33:51] Und so setzt sich ja diese Schuldfreiheit immer weiter, immer weiter fort.
[33:57] Wahrscheinlich, wenn man dir die Haut von den Knochen zieht,
[33:59] dann steht da, ich bin schuld drauf. Weißt du, das ist ganz tief in dir drin.
[34:03] Ja, das ist tatsächlich so.
[34:07] Das ist tatsächlich so und.
[34:11] Ja, das wurde mir auch gesagt, du bist schuld.
[34:15] Von wem jetzt? Von meinem Vater, immer wieder. Ja. Immer wieder.
[34:19] Ja, und von deinem Ehemann ja auch wahrscheinlich. Ja.
[34:23] Richtig, siehst du.
[34:26] Das heißt, da ist einfach diese Traumatisierung und Traumatisierte haben es
[34:32] immer ganz tief mit der Schuldfrage.
[34:35] Trauma und Schuld sind ganz, ganz eng miteinander verknüpft.
[34:40] Viele traumatisierte Menschen leiden unter starken Schuldgefühlen.
[34:44] Und zwar auch dann, wenn sie objektiv keinerlei Schuld an dem Erlebten tragen.
[34:50] Das wirkt zunächst natürlich erstmal paradox, ist aber psychologisch eigentlich
[34:55] ganz gut nachvollziehbar.
[34:57] Vor allem Kinder stehen vor einem schier unlösbaren Dilemma.
[35:01] Denn sie sind ja auf ihre Bezugspersonen existenziell angewiesen.
[35:07] Zu erkennen, dass genau diese Menschen gefährlich und unberechenbar sind,
[35:11] würde ihr gesamtes Sicherheitsgefühl komplett erschüttern.
[35:16] Und deswegen ist es für ein Kind oft leichter zu glauben, mit mir stimmt etwas
[35:20] nicht. Oder eben auch, wenn ich mich anders verhalte, werde ich wieder geliebt.
[35:25] Schuld vermittelt also so das Gefühl von Einfluss. und Einfluss und damit Schuld
[35:30] ist immer besser auszuhalten als Ohnmacht.
[35:33] Wer glaubt, eben selbst etwas falsch gemacht zu haben, kann zumindest hoffen,
[35:38] es beim nächsten Mal besser zu machen.
[35:41] Und wie gesagt, die Alternative, völlig ausgeliefert zu sein,
[35:45] die wäre für ein Kind kaum auszuhalten, aber für Erwachsene eben oftmals auch nicht.
[35:52] Und das Tragische ist eben, und das sehe ich ja auch bei Barbara,
[35:55] dass eben diese Schlussfolgerung, ich bin schuld, häufig bis ins Erwachsenenalter
[36:00] bestehen bleibt, beziehungsweise da immer wieder reaktiviert wird,
[36:05] eben in ihrem Fall, dass sie in dieser toxischen Ehe gefangen war.
[36:10] Das heißt, aus diesem ursprünglichen Überlebensmechanismus wird ein tief verankertes
[36:18] Selbstbild. Und das erlebe ich auch bei Barbara. Es ist sehr,
[36:21] sehr, sehr tief in ihr verankert.
[36:24] Und deswegen besteht ein ganz, ganz wichtiger Teil der Traumaverarbeitung darin,
[36:29] zwischen tatsächlicher Verantwortung und einer Schuld zu unterscheiden,
[36:33] die aus einem alten Überlebensmechanismus entstanden ist.
[36:37] Das heißt, für Barbara werden die wichtigsten Schritte sein in Zukunft,
[36:43] ein anderes Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln,
[36:47] ein anderes Selbstbild zu entwickeln, was dieses Schuldthema betrifft und sich
[36:52] mit sehr viel mehr Wohlwollen und Verständnis zu begegnen.
[36:57] Das wird sicherlich kein einfacher Weg, aber ein sehr, sehr lohnenswerter.
[37:04] Erstmal, weil es sich so anfühlt oder in deinem Fall dir ja auch nahegelegt wurde.
[37:11] Und weil das Gefühl, ich bin schuld, insofern Kontrolle herstellt,
[37:16] als das Gefühl, ich bin schuld, letztlich besser zu ertragen ist, als ich bin ohnmächtig.
[37:24] Ja. Ja. Ohnmacht spielt eine große Rolle. Ja.
[37:29] Ohnmacht ist ein Zustand, den ich glaube, kein Mensch gut ertragen kann.
[37:34] Im Zweifelsfall bin ich lieber selbst schuld, als ich bin ohnmächtig.
[37:39] Ich habe Schwierigkeiten, mich als ein Opfer zu sehen.
[37:47] Ich habe so unglaublich viel Kraft, ich habe so unglaublich viel Energie.
[37:52] Und dass mir das passiert ist, dass dieser Mensch mich gebrochen hat,
[37:57] dafür schäme ich mich im Grunde und Boden.
[38:00] Okay. Ja.
[38:04] Und ich bin dann vor ein paar Jahren ins Ausland gegangen, komme da zu mir und,
[38:14] habe unglaublich viel Zeit,
[38:18] das auseinander zu dividieren, wie das war. und hilft mir auch dein Buch.
[38:26] Das habe ich schon zweimal gelesen.
[38:32] Und die Podcasts helfen mir auch. Ich kann, glaube ich, aus jedem Podcast was
[38:36] mitnehmen, muss ich sagen.
[38:38] Ja, und dieses Thema mit der Schuld und Verantwortung und das ist bei mir ein Riesenthema.
[38:50] Ja, richtig. Und das werden wir natürlich hier nicht in einem Gespräch auflösen können.
[39:00] Ich denke wirklich, du solltest dich dieses Themas auch nochmal mit professioneller
[39:07] Hilfe annehmen, weil das ist ja schon viel Trauma einfach, was du erlebt hast.
[39:13] Und das sitzt ja wirklich tief drin. Und ich würde mich da an deiner Stelle
[39:17] auf jeden Fall unterstützen lassen auch.
[39:22] Und es geht wirklich um dieses Schuld und diese Frage, wie kannst du es langfristig
[39:28] schaffen, gnädiger mit dir zu werden, also Selbstmitgefühl zu entwickeln,
[39:33] dir irgendwann auch verzeihen zu können, zu sagen, also dich einfach wohlwollender
[39:41] und wesentlich verständnisvoller und differenzierter zu beurteilen,
[39:46] dass darum wird es gehen.
[39:49] Oder darum geht es. Und ich frage mich auch ganz ehrlich, um nochmal den Blick
[39:55] auf deine Töchter zu lenken, weil um die geht es ja jetzt ganz viel auch.
[40:04] Sie wissen ja, also du hast ja eigentlich das Wichtigste getan,
[40:09] was zu tun ist, du hast dich bei deinen Töchtern entschuldigt.
[40:12] So, du hast gesagt, wie sehr es dir leid tut, dass du heute das nie wieder so
[40:16] machen würdest und und und.
[40:18] Also seine Töchter haben ja die allerwichtigste Botschaft erhalten,
[40:23] dass sie nicht der Fehler waren, sondern dass du Fehler gemacht hast.
[40:26] Das ist immer so die wichtigste Botschaft. Wenn das die eigenen Eltern nochmal
[40:29] validieren, ey, tut mir leid, ich habe damals missgebaut, würde ich heute nie
[40:34] wieder so machen, ist das ja für die Kinder doch eine große Lösung.
[40:38] Ich frage mich, und das ist jetzt aber nur für den Kopf, für dich.
[40:44] Ob es langfristig wirklich so viel Wiedergutmachung ist, immer wieder,
[40:50] wenn sie eine Mutter haben, die sich den Rest ihres Lebens zerfristet und schuldgefühlt.
[40:57] Ja, das wissen die nicht.
[40:59] Ja, okay, aber sie spüren es vielleicht.
[41:03] Die wissen auch nicht, dass ich hier bin. Weil ja dadurch vielleicht auch wieder
[41:07] das Gefühl kommt, die arme Mama stürzen zu müssen.
[41:12] Genau, das möchte ich ja auch vermeiden.
[41:17] Möchte ich gerne vermeiden. Ich wünschte mir nur manchmal, ich käme aus meinem Kopf raus. Klar.
[41:24] Ja, weil der Kopf dreht da wahrscheinlich endlos schleifen. Ja.
[41:29] Oft. Also wenn ich zum Beispiel auf der Arbeit bin, wenn ich mich mit meinen
[41:37] Leuten auf der Arbeit und so, geht es mir wunderbar.
[41:40] Geht es mir wunderbar, habe ich
[41:41] mal zu tun. Ja, und da bin ich auch tatsächlich gut in dem, was ich tue.
[41:49] Da werde ich anerkannt für das, was ich tue und werde geschätzt.
[41:54] Und da kann ich das komischerweise annehmen. Auf einmal von der Seite her kann ich das annehmen,
[42:01] weil ich weiß, das ist ein Feld, da mache ich meine Leidenschaft zu meiner Profession. Ja, schön.
[42:13] Und auf den anderen Gebieten funktioniert es nicht.
[42:18] Ja, aber auch da ist es ja so, dass dieses Krümeln und Endlosschleifen...
[42:25] Auch wieder ein Kontrollversuch des Gehirns. Du hast ja unheimlich wenig Kontrolle
[42:30] gehabt in deinen Beziehungen.
[42:32] Von deinem Vater über deine Ehemänner.
[42:37] Die komplette Kernfamilie war im absolut höchsten Maße dysfunktional.
[42:42] Siehst du, genau. Da habe ich mich schon immer so ein bisschen als Kuckuckskind gefühlt.
[42:47] Ja. Und da habe ich gesagt, die sind aber alle irgendwie komisch drauf. Ja.
[42:53] Und dadurch hast du sehr, sehr, sehr viel Ohnmacht erfahren und,
[43:00] Ohnmacht hatten wir eben, ist eigentlich schlecht, ist nur ganz schlecht auszuhalten,
[43:05] ist nicht gut zu verwalten, am besten noch zu verwalten, indem man im tiefsten
[43:08] Inneren denkt, ich bin schuld,
[43:11] dann hat man wieder so ein bisschen das Gefühl von Kontrolle hergestellt,
[43:15] aber ich meine, du hast eben gesagt, ich kann meinen Kopf nicht abschalten und
[43:18] hast eigentlich das Wesentliche die Lösung selber mitgeliefert.
[43:23] Das, was dir am meisten hilft, ist Ablenkung.
[43:27] Und das hast du auf der Arbeit. Das habe ich auf der Arbeit,
[43:29] das habe ich mit meinem Hund.
[43:31] Wenn ich im Wald bin, jede Gelegenheit nutze ich, um mit dem unterwegs zu sein.
[43:42] Das ist so auch das, was mir gut tut.
[43:45] Richtig. Wenn ich merke, ich rutsche in diesen Film, wieder rein,
[43:53] dann versuche ich, mich abzulenken. Ja, richtig, weil das bringt dich in dem
[43:57] Moment keinen Schritt weiter.
[44:00] Und du solltest, bist du irgendwo in Therapie? Ich habe einige Therapien gemacht.
[44:09] Und hinterher habe ich die auch privat bezahlt, weil die Kasse irgendwann gesagt
[44:14] hat, es ist gut. Dann habe ich die privat bezahlt.
[44:17] Hatte dann allerdings hinterher den Eindruck, dass bei dem Therapeuten, bei dem ich war,
[44:25] dass mir das nichts mehr gebracht hat. Und dann bin ich ja auch ins Ausland
[44:30] gegangen und dann ist es da jetzt ein bisschen schwierig.
[44:33] Aber vielleicht, also ich denke mal, tatsächlich eine Traumatherapie wäre vielleicht,
[44:41] ich meine richtige Traumatherapie wäre vielleicht,
[44:46] wäre vielleicht auch dort möglich. Keine Ahnung, was sowas kostet, aber man muss ja.
[44:52] Ich kann ja schon mal in sich investieren.
[44:58] Womit du halt sofort anfangen kannst, ist immer, wenn du dich ertappst,
[45:04] dass du wieder in dieser Schuldspirale bist, dass du dann sofort umschaltest
[45:09] auf die Erwachsene, Barbara.
[45:12] Und dich fragst,
[45:14] Wenn das jetzt eine Freundin von mir wäre, wie würde ich mit der reden?
[45:19] Stell dir vor, eine wirklich gute Freundin würde dir deine Geschichte erzählen.
[45:25] Wie würdest du mit der umgehen? Was würdest du der sagen?
[45:30] Der würde ich sagen, dass ich ihr die Schuldgefühle, die sie hat, nicht abnehmen kann.
[45:35] Und dass sie, solange die Töchter sagen, es ist in Ordnung, dass sie langsam
[45:43] mal da drüber kommen muss. Ja.
[45:46] Und dass ich ihr helfen wollen würde und sie ablenke. Ja.
[45:51] Aber ich glaube auch, wenn ihr mehrere Gespräche hättet, du würdest auch ganz
[45:56] oft sagen, ich kann verstehen, dass du dich damals so entschieden hast.
[46:00] Ich kann verstehen, in welcher Lage du damals warst. Ich kann verstehen,
[46:03] dass du emotional wirklich komplett überfordert gewesen bist.
[46:08] Ich verstehe das. Du hattest ja auch Angst vor diesem Mann.
[46:13] Also, das war so eine krasse Situation. So würdest du auch mit dir reden, oder?
[46:19] Viele Jahre in großer Angst gelebt. Ja.
[46:26] Nachts nicht geschlafen. Ich habe, ich weiß nicht wie viele Jahre,
[46:29] vielleicht zehn Jahre nachts zwei Stunden geschlafen. Stell dir mal vor.
[46:34] Ich war wirklich fertig.
[46:38] Ich war regelrecht fertig. Ich habe mir Hilfe geholt.
[46:41] Ich bin in Therapie gegangen. Ich habe versucht, mich aufzubauen.
[46:44] Ich hatte eine Dame vom Jugendamt, die war mir zugestellt, die auch einen Blick
[46:50] auf die Kinder hatte und auf ihn, die auch mit ihm gesprochen hat. Ich,
[46:55] habe mir Hilfe geholt, gesagt, ich schaffe das nicht, ich bin überfordert,
[47:00] ich kann gerade nicht und ich weiß nicht mehr, was richtig, was falsch ist.
[47:03] Das habe ich alles gemacht.
[47:07] Weil ich wahrgenommen habe, ich konnte keine Entscheidungen mehr treffen.
[47:12] Wenn man mich gefragt hätte, was ziehst du jetzt an, die gelbe oder die grüne Jacke?
[47:17] Weiß ich nicht.
[47:19] Das hätte Stunden gebraucht, dass ich mich für irgendwas hätte entscheiden können.
[47:23] Ging nichts mehr. Richtig, also eine totale Überforderung, weil du gar nicht
[47:26] mehr auch den Zugang zu deinen Gefühlen hattest und überhaupt sagen zu können,
[47:31] was ist richtig und was ist falsch. Null.
[47:34] Genau, und da möchte ich dir eben gerne mitgeben.
[47:38] Immer wenn du merkst, dass du wieder die Peitscher rausholst,
[47:42] um dich selbst zu verprügeln, sag Stopp, sag laut Stopp und sag dir,
[47:47] das bringt mich jetzt keinen Schritt weiter.
[47:50] Und dann leg mal den Schalter um und frag dich mal, wenn eine Freundin dir das
[47:54] erzählen würde, wie du mit ihr reden würdest.
[48:00] Um einfach mal anzufangen, dich zu trainieren, eine andere Haltung zu dir zu bekommen.
[48:08] Weil worum es ja geht in deinem Leben ist, eigentlich dir selbst etwas zu verzeihen.
[48:13] Das ist ja eine der ganz, ganz großen Überschriften.
[48:17] Und da hilft eben wirklich mal der Blick von außen, also im Sinne durch die
[48:23] Augen einer guten Freundin oder einer anderen sehr wohlwollenden Person,
[48:27] vielleicht fällt dir auch eine andere Person ein,
[48:30] aus deinem Leben, wie die mit dir sprechen würde.
[48:35] Ja. Kannst du was damit anfangen? Ja, du hast gerade was gesagt.
[48:42] Du hast das Wort Peitsche in den Mund genommen.
[48:46] Ich glaube, das ist es. Ja. Ja, wie ich schon sagte, wenn man keinen anderen
[48:52] mehr hat, der es macht, macht man es selbst. Richtig.
[48:56] Ja, ich glaube, das ist wirklich ein wahnsinnig altes Gefühl. Ja.
[49:03] Das habe ich auch als Kind schon gehabt, dass ich mich für alles verantwortlich gefühlt habe.
[49:15] Ich habe auch als Kind viel Verantwortung gehabt und wurde regelrecht verantwortlich.
[49:23] Und regelmäßig, ich sag mal, wie so ein Gerichtsverfahren so verhört.
[49:30] Ja, also du siehst, dieses Thema wurde wirklich tief, tief, tief in dich hineingetragen.
[49:37] Das ist tief angelegt, ja. Ganz, ganz tief. Und es geht noch weit über die Ehe hinaus.
[49:42] Und deine Rolle als Mutter ist ganz tief in dir drin.
[49:46] Und deswegen ist es wichtig, jetzt die ersten Schritte in Richtung End-Schuldung zu gehen. Aha.
[49:58] Okay. Meinst du, damit kannst du ein bisschen weitergehen? Ich werde es versuchen.
[50:05] Ich werde es versuchen.
[50:08] Denk immer an die gute Freundin. Ja, meine gute Freundin hat jetzt zu mir gesagt,
[50:13] war das gestern oder vorgestern?
[50:16] Wann hörst du eigentlich mal auf? Wann lässt du den Rucksack mal liegen und gehst weiter? Ja.
[50:23] Ich würde den Rucksack gerne liegen lassen oder zumindest große Steine,
[50:28] die drin sind, mal rauswerfen oder verabschieden.
[50:31] Im ersten Moment würde es dir schon ganz, ganz viel Erleichterung bringen,
[50:35] wenn du Verständnis dafür hättest, warum du ihn überhaupt mit dir rumschleppst.
[50:40] Ein wohlwollendes Verständnis.
[50:46] Wohlwollend. Wow, ja. Junge Frau, betrachten Sie sich wohlwollend.
[50:54] Ja. Okay. Ich werde es versuchen. Dann danke dir für dieses sehr offene Gespräch.
[51:04] Ich danke dir, Steffi. Nochmal vielen Dank, dass ich hier sein durfte.
[51:09] Und da bin ich schon gespannt. von,
[51:14] Wenn ich das nochmal anhöre, was ich dann über mich denke. Okay, Dankeschön. Danke dir.
[51:21] Ja, das war ein sehr tiefgehendes Gespräch mit Barbara, weil es sich auch wirklich
[51:26] um sehr, sehr schwere Themen drehte.
[51:30] Sie hat ja am Ende selbst nochmal von dem schweren Rucksack gesprochen,
[51:33] den sie eben mit durchs Leben schleppt.
[51:36] Und wie ich eben am Ende auch formuliert habe, denke ich, wird der erste Schritt
[51:40] für sie sein, dass sie ein Verständnis dafür aufbringt, und zwar ein wohlwollendes
[51:44] Verständnis, dass sie diesen Rucksack mit sich rumschleppt, ein Verständnis für sich.
[51:51] Dass sie einfach in manchen Situationen kaum anders handeln konnte und ein Verständnis
[51:58] für ihre tiefe Traumatisierung aufbringt.
[52:02] Und jetzt hören wir nochmal rein, wie es Barbara seit unserem Gespräch ergangen ist.
[52:07] Hallo liebe Steffi und hallo liebes Team von Stahl, aber herzlich.
[52:11] Ich wollte einmal kurz berichten, wie es mir seit der Aufnahme des Podcasts ergangen ist.
[52:16] Es sind mir so einige Erkenntnisse gekommen. Zum einen habe ich so große Schwierigkeiten,
[52:22] mir selbst zu verzeihen, weil ich glaube, dass ich meinen Eltern ihre Fehler so sehr nachtrage.
[52:30] Es ist wohl tatsächlich so, dass jede Generation die vorausgehende Generation anklagt.
[52:36] Bei mir ist das Thema Schuld und Verantwortung sehr tief verwurzelt.
[52:41] Daher glaube ich, dass mein erster Schritt tatsächlich sein wird,
[52:44] zu versuchen, meinen Eltern zu verzeihen.
[52:48] Ich möchte Ihnen nun auch mal unterstellen, dass Sie ebenfalls versucht haben,
[52:52] Ihrerseits das Beste für mich zu tun.
[52:55] Das hat mir leider überhaupt nicht funktioniert.
[52:59] Und ich sehe mich auch wiederum in der Situation, dass ich ebenfalls versucht
[53:02] habe, für meine Kinder das Beste zu tun Und stelle nun fest,
[53:06] dass das offensichtlich auch nicht so gut funktioniert hat.
[53:10] Wobei ich sagen muss, ist wahrscheinlich der Unterschied zwischen meinen Eltern
[53:14] und mir, dass ich, wenn ich meinen Eltern diese Vorwürfe heute machen würde,
[53:19] meine Eltern sagen würden, verstehen wir nicht, wieso.
[53:23] Wir haben doch alles richtig gemacht.
[53:25] In meiner Generation, und da möchte ich mich mit einschließen,
[53:28] vollzieht sich gerade ein Wandel.
[53:30] Wir lernen durch unsere Kinder auch uns selbst in Frage zu stellen, und zu reflektieren.
[53:37] Wenn meine Kinder mich heute fragen würden, dann würde ich sagen,
[53:41] ich würde vieles anders machen wollen.
[53:44] Im zweiten Schritt möchte ich auch versuchen, wie Steffi mir angeraten hat,
[53:48] für mich etwas Verständnis aufzubringen und zu versuchen, mir zu verzeihen.
[53:54] Das wird eine Reise sein, aber jede Reise beginnt mit einem ersten Schritt.
[53:59] Danke nochmal, Steffi. Danke, liebes Team.
[54:03] Ja, ich drücke ihr die Daumen und wünsche ihr auf diesem Weg ganz viel Kraft.
[54:08] Stahle war herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit mir, Stefanie Stahl.
[54:13] Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren, Produktion Milan Pfei
[54:19] und die redaktionelle Leitung hat Ann Groß.

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