# Paar-Trilogie Teil 1: Kann ich um meine Ehe kämpfen, ohne mich selbst aufzugeben?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 18 Apr 2026, 1 h 06 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/241355-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69524a4a854ad&awEpisodeId=241355

+++ Weitere Infos zu mir und meinen Werbepartnern findet ihr hier: https://linktr.ee/stahlaberherzlich.podcast +++ Frischt euer Englisch auf oder startet eine neue Sprache: Mit kurzen, spielerischen Lektionen passt Lernen in euren Alltag. Testet Super Duolingo jetzt einen Monat kostenlos: http://duolingo.com/stahl Diese Folge ist Teil 1 eines besonderen Dreiteilers, der aus zwei Einzelgesprächen eines Ehepaars und einer gemeinsamen Sitzung mit beiden zusammen besteht. In dieser ersten Folge sitzt Marie auf der Couch. Sie ist sehr unglücklich in ihrer Ehe, will sie aber unbedingt retten. Dabei scheint sie bereits sehr viel über sich ergangen lassen zu haben. Ihr Mann Thomas hatte sich bereits am Anfang ihrer Beziehung als Marie schwanger war einmal von ihr getrennt, scheint in ihrer Ehe Alleinherrscher über Nähe und Distanz zu sein und hat Marie auch schon mehrfach betrogen. Trotzdem hat sie ihn mitgebracht, in der Hoffnung, dass die Gespräche sie wieder zusammenbringen können. Dass sie dabei nur fixiert darauf ist, was er anders machen soll und ihre eigenen Mittel außer Acht lässt, wird im Laufe des Gespräches immer klarer. Steffi muss ihr hier aufzeigen, dass sie die Situation realistisch betrachten muss, auch wenn es schmerzt. In der nächsten Folge wird dann Thomas bei Steffi sitzen und seine Seite schildern. ++ !Wichtige Info: Stahl aber Herzlich könnt ihr ab nun kostenfrei bei RTL+ hören. Dort hört ihr neue Folgen exklusiv bereits eine Woche früher. Alle Folgen sind aber auch weiterhin auf allen anderen Plattformen verfügbar! +++ Dieser Podcast wird vermarktet von Julep Media: sales@julep.de Wir verarbeiten im Zusammenhang mit dem Angebot unserer Podcasts Daten. Wenn Sie der automatischen Übermittlung der Daten widersprechen wollen, melden Sie sich hier: datenschutz@julep.de

## Transcript

[0:00] Ich habe mich praktisch wie unsichtbar im Haus gefühlt. Also ich habe mich total
[0:04] ignoriert, habe mich nicht mehr angeschaut, mich angesprochen.
[0:08] Hallo und herzlich willkommen bei Stahl, aber herzlich. Und wir haben ein paar
[0:12] besondere Folgen vor uns, denn ich werde heute mit Marie sprechen und dann werde ich mit Thomas,
[0:19] ihrem Ehemann, sprechen und in der dritten Folge werde ich mit beiden sprechen.
[0:25] Die beiden haben nämlich massive Eheprobleme und ich fange heute mit Marie an.
[0:31] Das haben wir so entschieden, mit irgendjemand muss ich anfangen,
[0:35] weil Marie das hier alles so
[0:37] eingefädelt hat, dass die beiden eben auch zu Stahl dabei herzlich kommen.
[0:42] Und ich werde gleich Maries Perspektive hören auf die Ehe.
[0:46] Und ja, sie erzählt mir halt, dass ihr Mann für sie immer sehr emotional unerreichbar
[0:52] war, dass sie im Grunde genommen schon lange gefühlt seiner Liebe hinterherläuft,
[0:59] dass Klärungen schwierig waren und dass er im letzten Jahr dann auch noch heimliche Affären hatte.
[1:06] Und in diesem Gespräch tauche ich tief mit Marie in ihre Perspektive ein und
[1:12] wo ich ihre Anteile sehe.
[1:16] Steigen wir doch direkt ein.
[1:19] Hallo Marie, herzlich willkommen hier in Trier bei schönem Wetter heute.
[1:24] Danke Steffi, danke für die Einladung vor allem. Sehr, sehr gern.
[1:28] Ja, das wird ja diesmal interessant, weil ich mich jetzt erst mit dir unterhalte,
[1:32] dann mit deinem Mann und dann führen wir auch noch ein Gespräch zu dritt.
[1:37] Und ihr kommt ja wegen Eheproblemen, ihr seid verheiratet, oder?
[1:42] Ja, wir sind verheiratet, seit 18 Jahren jetzt.
[1:44] Seit 18 Jahren, also auch schon richtig lang.
[1:47] Und magst du einfach mal so aus deiner Perspektive erzählen,
[1:50] was eure Ehe so belastet?
[1:54] Bis jetzt dachte ich immer, dass alles in Ordnung wäre oder beziehungsweise,
[1:57] ja gut, wir sind zwei so freiheitsliebende Menschen eigentlich,
[2:00] also so richtig eingeengt haben wir uns gegenseitig nicht.
[2:04] Jeder hat so immer seins gemacht, wir haben aber auch viel zusammen gemacht,
[2:06] wir haben vier Kinder. Vier? Vier, ja. Wow.
[2:10] Und haben jetzt vor, also mit 21 rum, 22 haben wir nochmal ein Haus gekauft,
[2:16] weil das andere Haus zu klein war mit vier Kindern.
[2:21] Und mein Mann hat daraufhin auch die Arbeit gewechselt nochmal.
[2:26] Ja, und dann war es schon nicht so toll. Also am Anfang dachte ich schon nicht,
[2:30] dass es uns betrifft, aber er hat dann entschieden, eben drei Tage in der Woche
[2:35] vor Ort zu schlafen, also nicht mehr heimzukommen. Da waren die Kinder verhältnismäßig noch klein.
[2:42] War das denn so weit weg von eurem Wohnen? Nee, es ist eine Stunde Fahrzeit.
[2:46] Ja, okay. Also es ist nicht so weit und er ist auch Donnerstag,
[2:49] also Mittwoch spätabends heimgekommen, ist Donnerstag nochmal in die Arbeit
[2:52] gefahren und Donnerstagabend wieder heimgekommen.
[2:54] Das ist so der Rhythmus. Freitag war Homeoffice.
[2:57] Das war so das Ding. War aber auch, ich habe mich irgendwann arrangiert gehabt
[3:00] damit, dass es halt so ist.
[3:02] Und die Kinder das alleine gemacht. Aber war sehr belastend, die Zeit.
[3:06] Ich hatte ein Handwerk, das ist ein altes Haus gewesen. Wir mussten alles renovieren
[3:09] und sanieren und musste das immer koordinieren mit den ganzen Leuten,
[3:13] die da halt kamen oder nicht kamen, je nachdem.
[3:18] Und ja, ich dachte, das ist eigentlich alles in Ordnung. Wir haben Familienurlaube gemacht und...
[3:24] Ja, ich habe dann praktisch Ende letzten Jahres, also 25 Ende Januar,
[3:29] habe ich gemerkt, dass es irgendwie komisch ist bei ihm.
[3:32] Habe dann nachgefragt und er hat dann gesagt, ja, es ist alles in Ordnung, es ist nichts.
[3:36] Und ich fand, er hat schon immer so ein näher Distanzverhalten eigentlich gehabt,
[3:40] aber das kannte ich nicht anders von ihm.
[3:43] Also dass es immer so gewechselt hat? Ja, genau. Also mal war er halt eher bei
[3:46] mir und dann hat er wieder so seinen Freiraum gebraucht.
[3:49] So war es bei mir ja ähnlich, vielleicht auch ein bisschen anders.
[3:52] Ich bin halt so der fürsorgliche Typ, der halt immer irgendwie alle betüttelt
[3:56] und behütet und schaut, dass jeder alles hat.
[3:58] Und er ist halt so, ja, wenn ich ihn gefragt habe, hat er mir immer geholfen
[4:02] und er hat mich auch unterstützt.
[4:04] Aber ja, fürsorglich jetzt nicht unbedingt, also was man sagt,
[4:07] so kleine Präsente oder irgendwie mal an jemanden denken.
[4:10] Das gab es halt Weihnachten und zum Valentinstag und sonst nicht.
[4:13] Und Ende Januar habe ich so eine Veränderung bei ihm festgestellt,
[4:20] dass er plötzlich sehr abwertend war gegenüber mir, beziehungsweise abweisend.
[4:26] Also erst habe ich gedacht, ich irre mich da.
[4:28] Gut, vielleicht hat er einen schlechten Tag. Er hat ja auch die Arbeit wieder gewechselt.
[4:31] Das ist von der alten Arbeit wieder zurück in die, also von der Arbeit zurück
[4:35] in die neue Arbeit gewechselt.
[4:37] Da war er früher schon mal. Da gab es recht viel Stress halt gerade in dem Zeitpunkt,
[4:41] oder das ist viel Wandel halt in der Firma und habe das dann darauf hinbezogen.
[4:48] Und ja, ist dann Anfang Februar noch schlimmer geworden, also dann war es mehr oder weniger,
[4:57] Und eindeutig auch so, dass es auch den Kindern aufgefallen ist.
[5:00] Er drehte sich beim Essen mit dem Rücken zu mir, hat den Raum verlassen,
[5:03] wenn ich den betreten habe.
[5:04] Wenn ich mich ins Sofa gesetzt habe, ist er aufgestanden, ins Büro gegangen.
[5:09] Ohne irgendeinen Erkenntnis? Ohne was zu sagen. Also ich habe nichts gewusst.
[5:11] Erst habe ich gedacht, habe ich irgendwie was ihn beleidigt.
[5:14] Oder ich dachte, er ist sauer auf mich. Also es war wirklich so eigenartig gewirkt.
[5:19] Und mein Sohn hat dann auch gesagt, was hast denn du angestellt,
[5:23] dass er so wütend auf dich ist.
[5:24] Und ich habe keine Ahnung. Und dann habe ich versucht, mit ihm zu reden,
[5:27] was denn los sei, dass er so abweisend ist und so. Und er hat gesagt,
[5:31] nein, ist alles in Ordnung.
[5:32] Aber ganz auch vom Gesicht her so versteinert und hat sich dann in mein Büro
[5:38] zurückgezogen und hat darüber umgetippt. Und dann habe ich mal was gefragt.
[5:42] Also er ist nicht auf dich eingegangen? Nö, also ich habe keine Antwort gekriegt eigentlich.
[5:47] Und dann habe ich gedacht, gut, vielleicht hat er irgendwie Stress und er macht
[5:49] viel mit sich selber aus.
[5:50] Und wenn das dann irgendwie klar ist, dann kommt er mal eher,
[5:53] wenn irgendein Problem ist. Aber du entschuldigst das dann schon auch, fällt mir auf.
[5:57] Du könntest ja auch sagen, also so möchte ich nicht, dass mit mir umgegangen
[6:01] wird und wir sind hier in einer Beziehung und jeder kriegt 50 Prozent Verantwortung
[6:05] und da muss er mit mir reden. Ja, das ist so schwierig.
[6:11] Maßstäbe hast du jetzt nicht, sondern du passt dich dann schon an.
[6:14] Ich habe mich sehr angepasst.
[6:15] Also ich muss sagen, ich war früher anders, aber ich habe mich dann schon immer
[6:18] angepasst bei ihm, weil er halt immer so ein bisschen, also wenn ich Druck aufgebaut
[6:23] habe, zieht er sich umso mehr zurück.
[6:25] Und dann hast du ja gar nichts in der Hand. Dann habe ich gar nichts in der
[6:28] Hand, ja. Und wenn du nichts machst, dann passiert auch nichts.
[6:31] Dann passiert auch nichts.
[6:33] Oder es regelt sich wieder, wie auch immer, aber ich kann es nicht beeinflussen in dem Sinne.
[6:37] Also wenn ich halt versuche mit ihm da den in die Ecke zu drängen,
[6:40] mehr oder weniger, dann treibe ich ihn wirklich weg.
[6:43] Ja, was heißt in die Ecke zu drängen? Ich meine, das erste Mal wirst du ihn
[6:46] ja bestimmt freundlich auffordern, mit dir zu reden, das zweite Mal auch.
[6:50] Und wenn er das dann als Druck empfindet, dann bist du ja nicht erst mal die,
[6:55] die ihn in die Ecke drängt. Ja, aber er dreht es so hin.
[6:59] Also er dreht es dann auch um. Er dreht es um und sagt dann auch, naja.
[7:04] Irgendwie schafft das immer, dass ich das Gefühl habe, dass ich eigentlich an
[7:06] der Situation schuld bin.
[7:08] Das ist oft schwierig. Und dann verlierst du so das Gefühl dafür,
[7:13] was richtig und was falsch ist.
[7:15] Ja, ich bin dann schon, also er schafft es irgendwie immer, das so hinzudrehen,
[7:19] dass ich immer das Gefühl habe, ich fange dann an zu überlegen,
[7:22] liege ich jetzt wirklich richtig oder sehe ich das falsch oder...
[7:27] Oder du beziehst dann wirklich erstmal auf mich, ob ich dann jetzt eigentlich
[7:31] die Ursache bin, dass diese Situation gerade so ist. Also das ist schon oft
[7:34] einmal so ein Thema, wo ich sage.
[7:36] Also du stehst nicht so richtig gerade für deine Wahrnehmung?
[7:40] Nee, ich erbringe mich so zu zweifeln, ja.
[7:42] Also am Anfang ist es schon für mich klar, aber er ist sehr gut talentiert im Reden.
[7:48] Ach, dann doch. Und dann ist es so, ja genau, dann schon. Aber wenn er für sich
[7:52] argumentiert, dann immer, das ist irgendwie so.
[7:54] Und dann ist es schon schwierig manchmal, dass ich dann so bei der Linie bleibe.
[7:59] Und ich will ja auch irgendwie auch keinen Streit, der wirklich sinnlos wäre.
[8:04] Das ist aber ich brauche sehr lange immer zum Überlegen,
[8:09] wie ich es praktisch ob das jetzt so richtig ich muss immer dahinter stehen
[8:12] können, dass ich sage, ich bin mir wirklich überzeugt dass es richtig ist, was ich gerade mache,
[8:16] und das ist immer schwierig, wenn er mich so zum Wanken bringt,
[8:20] dass ich dann überlege, ob das jetzt stimmt was er so sagt, also er argumentiert
[8:23] schon gut es ist nicht so, dass es jetzt irgendwie.
[8:27] Aber ich überlege es dann halt, ich bin halt nicht jemand der sagt,
[8:30] ich überfahre jetzt jeden mit meiner Meinung, egal ob ich jetzt richtig liege
[8:33] oder nicht, sondern versuche,
[8:36] dann brauche ich immer ein bisschen noch, und überlege das nochmal,
[8:38] wenn ich dann der Meinung bin, dass es trotzdem so richtig ist,
[8:41] dann kann ich wieder für mich eins sagen, nee, also ich bin der Meinung,
[8:44] das war jetzt schon so richtig, wie es war.
[8:46] Und dann zieht er sich wieder zurück und dann... Also eigentlich kriegst du
[8:51] ihn nicht zu fassen. Nee, krieg ich nicht.
[8:52] Also jetzt auch, es ist ja so ein Stillstand jetzt zwischen uns.
[8:55] Also ich möchte gerne das klären.
[8:57] Ich hab so das Gefühl, sag mir, ob ich dich da richtig verstehe.
[9:02] Du hast sehr wenig Gestaltungsspielräume in der Beziehung.
[9:07] Also eigentlich...
[9:11] Dann kooperiert er ja nicht richtig, wenn ich dich verstehe.
[9:15] Also dass du so wenig bewirken kannst.
[9:19] Er fühlt sich schnell unter Druck gesetzt. Und auch wenn du dir eigentlich sicher
[9:23] deiner Wahrnehmung bist.
[9:25] Ja, er ist emotional irgendwie nicht greifbar für mich. Also er ist halt schon
[9:30] präsent. Er macht schon. Aber es ist halt so.
[9:33] Und ich bin halt eher so emotionaler vom Wesen her.
[9:38] Und bin halt auch schnell angefressen. Also wenn mich dann wirklich was ärgert
[9:43] oder wenn ich traurig bin, dann kommen mir halt schon mal die Tränen.
[9:47] Aber damit kann er gar nicht umgehen. Also sobald ich weine,
[9:51] entweder verlässt du den Raum oder sitzt halt dann da.
[9:55] Wie fühlst du dich dann? Ziemlich alleine gelassen. Also schon schwierig. Hilflos auch.
[10:03] Ist das überhaupt so ein Gefühl in deiner Beziehung, dass du dich öfter allein fühlst?
[10:11] Ja, ich denke, also nicht immer, ja. Aber es sind so Phasen,
[10:16] wo er sich so distanziert, auf jeden Fall.
[10:20] Und wie gesagt, bis jetzt war es eigentlich auch nie ein Problem,
[10:22] bis eben zu dem 25, Anfang Februar, wo er dann halt so ganz von mir weg ist.
[10:31] Und so hat man es noch nie, muss ich auch dazu sagen. Es war immer so ein bisschen
[10:34] hin und ein bisschen her.
[10:35] Wo ich sage, okay, gut, wenn er heimkommt, dass er halt Sport gemacht hat und
[10:38] nicht jetzt irgendwie geguckt hat, ob er daheim irgendwie was helfen müsste
[10:42] oder irgendwie wegen den Kindern so. Aber er hat auch schon geholfen,
[10:46] ist ja nicht so vom Ding her.
[10:47] Aber ja, ja und dann, ich wusste halt nicht mehr, also er hat sich nicht fassen
[10:52] lassen und ich habe ihm nicht sagen können oder fragen können,
[10:56] habe ich schon, aber er hat gar keine Antwort gegeben.
[11:00] Also er sagt, es ist nichts, aber für mich war die Situation so schlimm,
[11:03] dass ich nicht mehr gewusst habe, was ich machen soll.
[11:05] Also ich habe mich praktisch wie unsichtbar im Haus gefühlt.
[11:09] Also er hat mich total ignoriert, hat mich nicht mehr angeschaut, nicht angesprochen.
[11:19] Ja, hier fällt mir auf, dass die Marie ziemlich am Schwimmen ist und eigentlich
[11:23] immer sehr viel mit ihren Gefühlen und Gedanken bei ihm ist,
[11:26] und auch versucht, seine Perspektive einzunehmen, aber für sich eigentlich gar
[11:32] keinen klaren Standpunkt hat, was sie möchte in einer Beziehung,
[11:36] was ihre Standards sind, wo ihre Red Flags sind.
[11:39] Also, dass es ihr wirklich schwerfällt, für sich einen eigenen Standpunkt zu
[11:45] formulieren, was sie eigentlich erwartet, was sie richtig finden würde oder
[11:50] was sie auch entsprechend falsch finden würde.
[11:52] Denn wenn sie den nicht hat, kann sie ja eigentlich auch gar keine gesunden Grenzen setzen.
[11:57] Denn dafür müsste sie ja erstmal wissen, was sie selber will und wo sie selber steht.
[12:02] Und deswegen würde ich hier gerne ein bisschen tiefer nachfragen.
[12:09] Was wäre denn deiner Meinung nach eigentlich ein richtiges Verhalten von ihm gewesen?
[12:16] Er sagt, es wäre nichts und du hast ganz offensichtlich ein Problem,
[12:20] das du auch formulierst.
[12:21] Also was würdest du eigentlich dann von deinem Partner erwarten?
[12:25] Ja, dass er mir halt sagt, was los ist mit ihm oder warum er sich so verhält.
[12:29] Ich meine, es war ja schon extrem anders wie sonst.
[12:32] Ja, zum einen das. Also alleine, dass er den Raum verlässt, wenn ich ihn betritt,
[12:36] das war wirklich sehr eigenartig.
[12:40] Und stell dir mal vor, es wäre wirklich nichts gewesen. Was würdest du dann
[12:43] erwarten, wie er sich verhält?
[12:50] Ja, zumindest nicht so. Also wir haben uns ja schon immer ganz normal unterhalten
[12:54] und alles. Das war ja sonst nie das Thema.
[12:57] Also du bist recht bescheiden, merke ich.
[13:00] Würdest du nicht eigentlich erwarten, dass er sich dir zuwendet und sagt,
[13:03] mein Schatz, was ist denn, warum bist du so verunsichert, ich habe mich irgendwie,
[13:08] selbst wenn nichts wäre aber es war ja auch offensichtlich was also du lässt
[13:16] dich da irgendwie schnell ne, das macht er eigentlich nicht,
[13:20] Und du nimmst das immer so hin?
[13:24] Naja, immerhin nicht. Aber wir hatten schon mal die Situation am Anfang,
[13:28] also der ist schon so ein bisschen so schwierig.
[13:31] Ganz am Anfang unserer Beziehung, da war ich gerade schwanger.
[13:37] Das heißt am Anfang, nach einem Jahr oder so, dann war ich schwanger.
[13:40] Und da ist er auch innerhalb von 20 Minuten, hat er mir erzählt,
[13:44] dass er sich jetzt trennen geht.
[13:46] Also er hat innerhalb von 20 Minuten alles gepackt und ist ausgezogen.
[13:49] Und hat sich dann erst wieder gemeldet. Da war ich so im achten Monat oder so.
[13:54] Und genauso wie er ausgezogen ist, ist er auch wieder eingezogen.
[13:58] Ich habe gesagt, er soll sich das überlegen, wenn er wiederkommen will, kann er das machen.
[14:01] Aber nur wenn er sich hundertprozentig sicher ist, dass er nur wegen mir kommt
[14:04] und nicht bloß, weil er Kind da ist.
[14:06] Das wollte ich, das soll er sich zumindest genau überlegen, weil ich das Gefühl
[14:10] hatte, dass er damit überfordert war und das nicht wollte.
[14:13] Also du hast ihm schon viel verziehen? Ja, genau. Also das Ganze ist praktisch schon mal durch.
[14:17] Und dann hat er angerufen, ja, er packt jetzt gerade und kommt wieder.
[14:20] Aber ich wurde eigentlich nicht gefragt, also nicht gefragt in dem Sinn,
[14:24] sondern hat es einfach so entschieden, wie er genauso entschieden hat zu gehen.
[14:28] Würdest du sagen, dass er so der Alleinherrscher über Nähe und Distanz ist in
[14:32] eurer Beziehung? Ja, auf jeden Fall.
[14:35] Er bestimmt eigentlich immer, wenn er nahe ist und wenn nicht.
[14:38] Ich habe auch 23, 23 schon öfters mal vorgeschlagen, wie sieht es denn aus?
[14:44] Ich würde gerne mal mit dir alleine essen gehen.
[14:46] Die Kinder sind jetzt schon so groß, dass man sagt, man könnte den Ältesten
[14:48] sagen, jetzt passt mal auf eine Stunde auf oder so.
[14:51] Da hat er damals gesagt, es sieht keinen Sinn darin, mit mir alleine essen zu gehen.
[14:56] Und was macht das mit dir? Ich war verletzt.
[15:01] Und du verzeihst ihm das dann wieder?
[15:05] Nicht wirklich. Es brennt so im Hintergrund. Aber du nimmst es ja irgendwie hin und machst weiter.
[15:15] Das ist schwierig manchmal.
[15:19] Und ist das eigentlich irgendwie so, das, was deinen Werten entspricht,
[15:24] wie die Beziehung funktioniert?
[15:26] Nee, sicherlich nicht, nee. Was sind denn so deine Werte?
[15:35] Ja, wenn man gern zusammen ist, verbringt man ja auch gern Zeit miteinander.
[15:40] Dann bist du schon sehr verletzt. Ja.
[15:45] Also was wären da so Werte, wenn du die sagen würdest? Ja, Ehrlichkeit,
[15:50] Respekt, Liebe auf jeden Fall,
[15:54] Zuwendung und Nähe und emotional halt auch dieses wertgeschätzt werden.
[16:00] Also auch für das, was man so miteinander leistet oder tut.
[16:05] Also verletzt da eigentlich ganz viele Werte von dir.
[16:14] Und was ist jetzt aktuell die Situation? Die aktuelle Situation war, dass wir,
[16:20] also im Februar, nachdem er sich so komisch verhalten hat und ihr nicht gesagt
[16:26] hat, was das Problem ist, die Situation so schlimm war, dass ich echt gedacht habe,
[16:30] also ich kam mir ja unsichtbar vor, wirklich unsichtbar, also so aufgelöst und
[16:34] ich habe nichts verstanden mehr, was los ist und das war halt.
[16:39] Und dann bin ich halt irgendwann mal an seinen Rechner ran und bin dann,
[16:44] glaube ich, eine halbe Stunde davor gesessen, weil es mir total also gegen mein,
[16:49] Prinzipien, dass ich jetzt danach spioniere oder an Sachen gehe,
[16:52] die ich nicht gefragt habe praktisch oder so, aber nach einer halben Stunde hat er gesagt,
[16:57] so kann ich nicht weitermachen, ich brauche jetzt irgendeine Antwort und dann
[17:00] bin ich halt in seine E-Mails gegangen und habe dann praktisch herausgefunden,
[17:04] dass er dann seit Anfang Februar eine beginnende Affäre hat,
[17:09] also zwar anscheinend schriftlich, aber es war neu,
[17:12] Und ich habe nicht viel gefunden, bloß zwei, drei E-Mails, aber die waren richtig heftig verletzend.
[17:17] Also eigentlich stand grob drin, dass er sich jetzt von mir trennt.
[17:22] Und naja, so Aussagen wie, er wusste von Anfang an, dass unsere Beziehung praktisch
[17:29] irgendwann endet und dass er mich nie geliebt hat, außer eine Person,
[17:35] die er je im Leben vorher mal gesagt hat, dass er sie vom ganzen Herzen liebt.
[17:39] Ja, das hat mich ein bisschen gewundert, die Aussage.
[17:44] Also ganz, ja, dass sie jetzt praktisch die perfekte Frau ist,
[17:49] auf die er sein Leben lang gewartet hätte und solche Sachen hat er sich geschrieben.
[17:52] Natürlich mit großer Liebesbekundung und sonst irgendwas, da hatten sie sich
[17:55] gerade mal zehn Tage gekannt,
[17:57] also mit wo ich mir dachte immer,
[18:01] ich habe dann in meinen Kopf geschüttelt, weil ich dachte, das erzählt mir jetzt
[18:04] gerade, also ich lese das gerade, was mein Mann eigentlich immer schon gesagt
[18:07] hat, er kann erst nach einem Jahr sagen, ob er wirklich länger zusammenbleiben
[18:10] möchte, weil man vorher gar nicht weiß
[18:12] wenn man frisch verliebt ist, ob das wirklich was festeres wird,
[18:14] aber das was der so geschrieben hat das ist ja irgendwie ganz eigenartig gewesen
[18:17] und ich habe das auch nicht verstanden und dann bin ich nochmal in dem Satz
[18:21] hängen geblieben dass er eben nur einer Person bis jetzt eben gesagt hat im Leben,
[18:25] dass er sie vor allem im ganzen Herzen liebt. Und das war eben nicht ich,
[18:29] hat er reines Schrieme hat.
[18:31] Und das hat mich gewundert, weil ich kenne ja seine Ex-Frau,
[18:34] weil sie war vorher schon mal verheiratet.
[18:36] Und dachte, naja gut, die Ex-Frau kann es nicht sein, weil sonst wäre er ja
[18:38] nicht geschieden gewesen, wenn es die große Liebe gewesen wäre.
[18:41] Und dann habe ich eben weiterhin E-Mails gesucht und habe dann auch gleich eine
[18:45] E-Mail gefunden von einer ehemaligen Arbeitskollegin in der Firma,
[18:50] wo er vorher war. und dann auch,
[18:54] Mit denselben, ich liebe dich, schreibe Sachen 2 bis 2, 3, nicht viel,
[18:59] was ich gefunden habe, der Rest hatte alles gelöscht, aber das ging dann über neun Monate.
[19:05] Meinst du, dass das die einzige Zeit war?
[19:10] Also das ist für mich eben ganz schwierig, dass ich überhaupt nur irgendwas
[19:14] glauben kann. Ja, finde ich auch an deiner Stelle.
[19:17] Er schwirrt Stein und Bein, aber... Wenn du mal ganz knallrealistisch ausgehst.
[19:23] Ja, er sagt, also eigentlich würde ich nicht so einschätzen,
[19:26] warum das so war. Ich habe keine Ahnung.
[19:29] Also es war so, das, was ich danach, also die ersten Anzeichen,
[19:34] wenn man es ganz grob sieht, das wusste ich aber damals, ich habe Weihnachten
[19:36] mal, weil man jetzt sagt, ich verteidige ihn immer noch ein bisschen,
[19:41] Weihnachtenerhaltskette gefunden.
[19:42] In der Weihnachtspost, was ich für Kinder bestellt habe, da kam ein Päckchen
[19:45] nach Hause und ich habe natürlich die Päckchen aufgemacht, weil ich die immer
[19:48] Kartons versteckt habe dann für die Kinder, was wir so einpacken.
[19:51] Da war eben eine Schmuckkette dabei. Eine Goldkette mit einem Herzanhänger.
[19:55] Also er hat dich belogen und betrogen.
[19:59] Er redet nicht mit dir. Er wendet sich ab. Er ist abwertend.
[20:03] Du kannst ihn nicht wirklich auf ihn verlassen. Er ist Alleinherrscher von Nähe und Distanz.
[20:08] Rutscht er jetzt auf Knien und sagt, es tut mir so leid. Ich war das größte Arschloch.
[20:13] Oder was ist jetzt die Phase?
[20:16] Ja, das ist ein Problem. Er ist im Stillstand und möchte nicht mehr drüber reden.
[20:20] Für ihn ist das Akte ist abgeschlossen und das hatte keine Bedeutung.
[20:23] Keine Bedeutung. So ungefähr, dass die erste längere Affäre mit der Arbeitskollegin,
[20:29] die 18 Jahre jünger wäre.
[20:32] Und die zweite beginnende Affäre war ja dann ein Jahr älter wie er.
[20:37] Er ist jetzt 50 Jahre alt.
[20:39] Also für ihn ist das jetzt abgeschlossen? Das ist jetzt abgehakt für ihn.
[20:44] Ich möchte es gerne noch klären, warum und weshalb.
[20:47] Du möchtest das klären? Was sein Problem war, dass er sich im Außen jemanden
[20:50] gesucht hat und er möchte darüber nicht reden.
[20:53] Sag mal, warum hast du ihn eigentlich mitgebracht?
[21:02] Das ist meine letzte Hoffnung einfach. Du möchtest festhalten?
[21:13] Wir wissen ja immer noch nicht, was genau war. Er sagt, es war nur emotional
[21:16] und es war eigentlich für ihn platonisch nicht mehr.
[21:22] Marie, kannst du mal aufhören, dir was vorzumachen? Ja.
[21:33] Ich glaube, du machst dir seit 18 Jahren was vor.
[21:39] Könntest du mal den Mut haben, der Realität ins Auge zu gucken? und und,
[21:56] und und und Ja, ohne ihn entschuldigen zu wollen, aber.
[22:11] Was ist die Realität? Bist du emotional abhängig von ihm?
[22:20] Wenn er entschieden hätte, er sagt, okay, er trennt sich und ist mit anderen
[22:23] zusammen, das ist gar kein Thema. Warte mal.
[22:27] Aber dann kann er ja gehen, wenn er meint. Nein, nein, nein.
[22:31] Wo ist deine Verantwortung?
[22:34] Willst du ihm dein Leben in die Hand legen oder kannst du dein Leben selber bestimmen?
[22:41] Soll er darüber bestimmen, weiterbestimmen, wann er dir nahe ist,
[22:44] wann er nicht, wann er mit dir redet, wann er nicht, wann er fremdgeht,
[22:46] wann er nicht, wann er dich lügt, anlügt, wann nicht, wann er sagt,
[22:50] es ist jetzt genug geklärt.
[22:52] Ich meine, du hast ja, was ich höre, extrem wenig, bis keinen Handlungsspielraum.
[22:59] Und du nutzt ihn auch nicht.
[23:03] Weil du eigentlich nur darauf wartest, dass er irgendwie sich dir zuwendet.
[23:11] Ja, wir hatten schon schöne Zeiten, das ist nicht so, dass es nicht so war.
[23:15] Mit Sicherheit hattet ihr auch schöne Zeiten.
[23:18] Und darauf willst du jetzt wieder warten? Du meinst, darauf kann man nochmal
[23:24] aufbauen, auf dem allen, was passiert ist? Und auf seinem Charakter?
[23:30] Ich weiß nicht, vielleicht...
[23:34] Ich meine, logisch, dass das alles super, super wehtut und dass das eine ätzende Situation ist.
[23:42] Aber was ich hier von außen sehe, ist, dass deine Neigung, ihn immer wieder
[23:48] zu verzeihen und dir immer wieder was vorzumachen, dich überhaupt in diese Situation geführt hat.
[23:56] Und jetzt ist ja die Frage, willst du das die nächsten 20 Jahre weiter so betreiben?
[24:01] Also für mich ist klar, wenn der dann nicht jetzt aktiv zu klärt,
[24:06] dann möchte ich das gern beenden.
[24:09] Hältst du das für realistisch, dass er überhaupt dazu in der Lage ist?
[24:12] Das weiß ich nicht, ob es realistisch ist, Besuch halte ich es einfach nicht
[24:14] aus. Warum gehst du da nicht?
[24:19] Warum gehst du nicht? Warum handelst du nicht mal in dieser Beziehung?
[24:23] Warum überlässt du ihm immer das gesamte Spielfeld?
[24:33] Weil mir die Zeit eigentlich schon wichtig war, die 20 Jahre.
[24:37] Tut schon weh. Also du willst dem Schmerz aus dem Weg gehen.
[24:41] Ich verstehe das. Ja, aber die Kinder halt auch und es hängt halt so ein bisschen mehr dran. Ja.
[24:46] Ich glaube, die Kinder, ehrlich gesagt, ich bin sehr konfrontativ,
[24:49] ich weiß es, aber ich glaube, die Kinder können auch ohne ihn,
[24:52] weil du hast sowieso alles ohne ihn hingekriegt, wenn du mal ehrlich bist.
[24:57] Nee, so kann man es nicht sehen. Also er ist schon ein guter Papa und macht
[25:00] das mit den Kindern auch. Gut. Und die mögen ihn auch.
[25:03] Kann er ja bleiben. Kann er ein guter Papa bleiben. Aber ich glaube,
[25:06] du hast sehr viel auch alleine hingekriegt.
[25:10] Ja. Ich bin mir sicher, dass er das wieder ganz anders sieht, wie ich.
[25:15] Das ist ja das. Aber wir sind ja jetzt mal bei dir. Ja.
[25:21] Ich habe eben schon gesagt, so funktioniert es nicht, weil er am Anfang gesagt
[25:25] hat, er möchte, dass es wieder so ist wie früher, weil ich jetzt halt so angefressen bin.
[25:29] Das kann er vergessen. Für mich ist die alte Beziehung einfach gestorben.
[25:33] Also unsere Ehe hat eigentlich damit geendet. Ja. Und warum bist du dann noch da?
[25:43] Weil ich denke, dass er selber nicht sieht, was er da angerichtet hat.
[25:46] Also du willst ihn verändern?
[25:48] Nee, nicht verändern, aber ich möchte wenigstens, dass er dazu steht,
[25:51] was er gemacht hat. Also willst du ihn verändern?
[25:54] Also deine Kontrolle ist über ihn Kontrolle auszüben. Dass er sich verändert,
[25:58] dass er es einsieht, dass er sich verändert. Damit hast du Null.
[26:03] In der eigenen Hand. Null.
[26:08] Die einzige Kontrolle, die du ja hättest, wäre über deine Entscheidung. Ja.
[26:18] Ja, das habe ich schon ein paar Mal versucht, aber jedes Mal,
[26:20] wenn ich dann weg von ihm weggehe, dann verändert er sein Verhalten.
[26:26] Ja, natürlich. Das ist dann schwierig für mich. Ja, dann ist es schwer.
[26:30] Aber du hast es ja jetzt mehrfach erlebt. Sobald du wieder Ja sagst,
[26:34] wird er ganz schnell wieder der Alte.
[26:37] Ja, momentan ist es wirklich längere Zeit schon so, aber trotzdem reicht es mir halt nicht aus.
[26:41] Das ist nicht nur ein bisschen jetzt mehr machen oder sich mehr präsent zeigen,
[26:44] sondern ich möchte halt schon das Gefühl haben, dass er wirklich nett ist.
[26:49] Er sagt ja auch, ich habe ja am Anfang gefragt, wenn du dich trennen willst, dann trenne dich jetzt.
[26:54] Aber ich sehe es jetzt nicht ein, dass ich jetzt noch der Buhmann bin und sage,
[26:57] okay, jetzt hat sie sich von mir getrennt.
[27:00] Weil ich glaube, dass er... Warum wärst du denn dann der Buhmann?
[27:03] Wärst du der Buhmann oder die Frau, die einfach mal eine eigene Entscheidung trifft?
[27:07] Ich denke, dass er sehr nach außen hin bedacht ist, was sein Bild nach außen
[27:10] ist. Ich rede von dir. Du redest immer von ihm.
[27:16] Und mir fällt halt auf, dass du wahnsinnig viel Kontrolle abgibst in dieser
[27:22] Beziehung und irgendwie auch immer abgegeben hast, weil du hast dich immer angepasst,
[27:26] du hast alles mitgemacht, aber du hast wenig,
[27:30] wo du selber sagst, da sind meine Werte, da sind meine Standards,
[27:34] das ist meine Vorstellung vom Leben und das werde ich jetzt auch so gestalten.
[27:40] So habe ich es jetzt ihm gesagt, dass ich das halt anders haben möchte.
[27:44] Ja, aber dann willst du ihn anders haben. Ich frage mich, wie erfolgreich das ist.
[27:49] Das ist die Frage, wie weit er mir entgegenkommt. Weil es ist ja anscheinend,
[27:53] ging das ja mit der anderen Dame auch.
[27:55] Es liegt ja überhaupt nicht in deiner Hand, ob er dir entgegenkommt.
[27:58] Das stimmt. Aber wenn dir die Beziehung was wert ist, dann muss er sich halt anstrengen.
[28:04] Das möchtest du von ihm hören, dass du ihm was wert bist.
[28:11] Also legst du auch das in seine Hände, deinen Wert.
[28:17] Damit hängst du an der Angel, wenn dein Wert von seinem Verhalten abhängt.
[28:27] Ja, das stimmt ja.
[28:31] Also aus meiner Sicht hängst du in der klassischen Beziehungsfalle,
[28:35] Also was du mir von deinem Mann beschreibst, ist ja dieses typische krass bindungsängstliche
[28:41] Verhalten. Er lässt sich nicht wirklich ein.
[28:43] Er kann keine wirkliche Nähe ertragen. Er stellt immer wieder mit allen Mitteln Distanz her.
[28:49] Wie oft er das schon gemacht hat oder auf welche Weise, wissen wir nicht,
[28:52] werden wir wahrscheinlich auch nicht erfahren.
[28:54] Die Vertrauensgrundlage ist einfach nicht da. Und du, wenn du mal ehrlich bist,
[28:59] läufst du ihm doch immer hinterher.
[29:03] Wenn du mal wirklich ehrlich bist.
[29:12] Ja, ich habe in dem Gespräch mit Marie und ich glaube, das ist ja auch an meinen
[29:16] recht intensiven Interventionen zum Teil klar geworden, so dieses Gefühl,
[29:22] dass die Marie sich zum Teil irgendwie was vormacht, also dass sie so ein bisschen
[29:28] an der Realität hin und her biegt,
[29:32] weil sie sich doch sehr emotional von ihm auch abhängig fühlt und auf keinen
[29:36] Fall eigentlich diese Beziehung beenden möchte.
[29:40] Und das führt natürlich auch immer schnell dazu, dass man sich selber ein bisschen
[29:43] was vormacht und auch nicht ganz ehrlich mit sich selbst ist.
[29:47] Und deswegen würde ich da gerne mal genauer reingehen.
[29:53] Du legst in seine Hände, dass er sich verändert. Das ist alles Bereiche,
[29:57] wo du überhaupt keine Kontrolle drüber hast.
[30:00] Da kannst du hoffen, bangen, betteln, weinen, diskutieren.
[30:05] Aber letztlich, wenn er sich nicht ändern will? dann ändert er sich nicht.
[30:10] Dann wird er sich nicht ändern.
[30:12] Und dann kannst du die weiteren nächsten zehn Jahre so verbringen.
[30:18] Ich sehe einfach, dass du dich viel zu abhängig von ihm machst.
[30:25] Du hättest ihm ja schon in der Schwangerschaft die Tür vor der Nase zuschlagen.
[30:32] Ja, ich hätte ihn nicht wieder nehmen sollen.
[30:33] Du hättest ihn nicht wieder nehmen müssen. Ich denke, es gibt noch ganz viele
[30:36] Situationen, die so waren. Was machst du?
[30:37] Du kriegst noch ein Kind und noch ein Kind und noch ein Kind und noch ein Kind. Jetzt sind es vier.
[30:44] Also immer wieder die Entscheidung. Du baust ihm immer wieder Brücken.
[30:48] Immer wieder Empathie. Immer wieder Entschuldigen. Immer wieder Verzeihen.
[30:53] Welches Gefühl möchtest du unbedingt nicht fühlen?
[31:00] Was ich nicht fühlen möchte? Ja, du gehst einem Gefühl mit deinem Verhalten aus dem Weg.
[31:06] Auch, dass du ihn jetzt hier mit herbringst. Du hättest ja auch alleine kommen
[31:09] können und sagen, Steffi, wie konnte ich von dem los? Bisher habe ich es nicht geschafft.
[31:13] Aber du bringst ihn ja mit. Du erhoffst dir ja, dass hier was passiert.
[31:18] Also du willst ja unbedingt ein gewisses Gefühl in dir nicht fühlen und das
[31:25] wahrscheinlich seit 18 Jahren.
[31:29] Ich dachte nicht, dass es schlecht ist, wie wir feiern. Das sind die letzten Jahre.
[31:34] Es hätte ein bisschen besser laufen können, ja, aber ich konnte viel selber machen, was ich wollte.
[31:40] Ich habe selber auch Entscheidungen treffen können. Da hat er mich auch nicht
[31:43] gesagt, du darfst das nicht oder kannst das nicht, sondern es war schon so,
[31:46] auch arbeitstechnisch.
[31:48] Das ist schon so, egal wie ich es mache, war immer okay.
[31:53] Wenn es alles ist, was du brauchst, dann ist es okay. Ja genau,
[31:59] das war eher so eine freundhaftliche Beziehung.
[32:03] Also wenn das nur das ist, was du brauchst, dass du deine Entscheidungen treffen
[32:06] kannst von der Beziehung, dann wäre das okay.
[32:09] Aber ich glaube, du willst eigentlich viel mehr von der Beziehung. Ich will mehr, ja.
[32:12] Es hat sich halt immer so schleichend, am Anfang war es ganz anders und es hat
[32:15] sich dann so schleichend weggelegt durch die Kinder.
[32:19] Es war auch nicht am Anfang anders. Er hat dich in der Schwangerschaft schon sitzen lassen.
[32:24] Entschuldigung, dass ich so, wie sagen die Amis immer pain in the ass bin, dass ich dich immer so.
[32:29] Aber ich merke, dass du dir einfach ganz viel vormachst, um einem Gefühl auszuweichen.
[32:36] Und ich spüre mal in dich, welches Gefühl würde denn aufkommen bei der Vorstellung,
[32:42] du würdest dich von ihm trennen.
[32:45] Wenn du jetzt heute sagen würdest, pass mal auf, bei der Steffi ist mir klar
[32:49] geworden, das ist alles Murks, daraus wird nichts mehr. Das war's, mein Freund.
[32:53] Welches Gefühl hättest du? Welches Gefühl müsstest du aushalten? aushalten, na ja.
[33:00] Dass ich wieder alleine wäre, aber das wäre jetzt auch nicht.
[33:05] Unselbstständig bin ich nicht, wenn ich selber alleine bin. Ich kann das eigentlich
[33:08] dann halt so machen, wie ich es gerne möchte. Also wäre es gar kein Problem für dich?
[33:11] Ich muss ja alles umorganisieren, aber es war ja eine Zeit lang jetzt auch so,
[33:14] dass ich alleine war eigentlich.
[33:17] Also wäre es ganz locker.
[33:22] Dann wundere ich mich, dass du überhaupt hier bist. Ich meine,
[33:25] worum kämpfst du denn, wenn es alles so gleichgültig ist?
[33:28] Gleichgültig nicht, weil das habe ich mir am Anfang überlegt,
[33:30] ob mir das wichtig ist, weil bevor ich jetzt wusste oder überhaupt weiß,
[33:34] was da jetzt lief oder nicht lief, das weiß ich ja bis heute nicht,
[33:37] aber habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt Energie reinstecke oder ob ich
[33:41] einfach sage, ich kann gehen.
[33:45] Aber es gibt doch was ganz, ganz Trauriges in dir. Hier sind schon viele Tränen geschlossen.
[33:50] Es gibt doch ein Gefühl, also ich sage dir mal so, du bastelst doch immer wieder
[33:54] eine Brücke zu ihm, du findest immer wieder Entschuldigungen,
[33:57] Du verzeihst ihm immer wieder,
[34:01] es waren massivste Vertrauensbrüche, die du hier berichtest und trotzdem sitzt
[34:05] du hier und willst die Ehe retten.
[34:07] Also welches Gefühl kannst du nicht ertragen?
[34:11] Das wäre halt, wenn ich jetzt sagen würde...
[34:20] Das wäre so ein Verlust wieder. Verlust, genau.
[34:24] Können wir da mal bleiben? Weil da ist doch der eigentliche totale Schmerz.
[34:34] Dieser tiefe, tiefe Verlustschmerz. Und der ist eigentlich nicht zu ertragen, richtig?
[34:42] Ja, es ist eine Mischung, weil es so doof klingt, aber ich liebe ihn wirklich.
[34:50] Und dieser Verlust ist, das wäre schlimm. Ist das Liebe oder ist das Abhängigkeit?
[34:58] Nee, das ist wirklich Liebe über ihn. Das war am Anfang ganz komisch.
[35:02] Ich wollte eigentlich gar keinen Partner haben und wollte auf keinen Fall wieder
[35:05] irgendwie in eine Partnerschaft rein, weil eben meine Ehe vorher...
[35:09] Also es fühlt sich für dich auf jeden Fall wie Liebe an.
[35:14] Und du kannst den Verlust nicht ertragen.
[35:21] Und deswegen machst du alles dafür, verbiegst die Realität, machst ein bisschen
[35:27] die Augen zu, verzeihst immer wieder, entschuldigst immer wieder,
[35:31] weil du dich von ihm emotional abhängig fühlst. Wahrscheinlich, ja.
[35:37] Und deswegen musst du alles dafür tun. Oder habe ich getan, ja.
[35:43] Und hast alles dafür getan, um dieses Gefühl, was jetzt eben gerade da war,
[35:47] nicht aushalten zu müssen.
[35:51] Das war wahrscheinlich auch der Grund am Anfang. Ich wollte diese Beziehung
[35:54] dann am Anfang mehr wie er. Und er war schon so hin und her.
[36:01] Irgendwann hat er sich entschieden, dass er mit mir zusammen war.
[36:04] Schon da warst du ihm am Hinterherlaufen. Ja, genau.
[36:08] Dieses schwankende Verhältnis hat sich halt bis heute durchgezogen.
[36:13] Und du hast nie wirklich deinen Wert verstanden in dieser Beziehung. Oder für dich.
[36:24] Du bist dir deines Wertes nicht bewusst.
[36:30] Sondern du läufst ihm hinterher, damit er dir zeigt, dass du wertvoll bist.
[36:38] Ich weiß, es ist hart.
[36:42] Und weißt du noch was? Gerade weil es immer so war, dass er immer die Macht
[36:47] hatte in der Beziehung und du immer die Ohnmacht, fühlt sich das wie Liebe an
[36:53] bei dir, weil du keine Kontrolle hast in der Beziehung.
[36:56] Und wer keine Kontrolle hat, hat viel zu viel Dopamin und das wird immer mit Liebe verwechselt.
[37:10] Ja, die Marie sagt ja hier, dass sie ihn liebt und ich werde ja als Therapeutin
[37:16] immer so ein bisschen hellwirrig, ist das Liebe oder ist das Abhängigkeit,
[37:21] weil so wie Marie es beschreibt und ich habe jetzt im Moment nur ihre Beschreibung,
[37:25] war sie ja immer schon in dieser Beziehung, so in diesem Sog des Kontrollverlusts.
[37:29] Das heißt, er war der Alleinherrscher über Nähe und Distanz.
[37:32] Sie hatte immer so das Gefühl, für seine Liebe oder Nähe kämpfen zu müssen.
[37:37] Und durch diesen Kontrollverlust wird immer sehr viel Deparmin im Gehirn ausgeschüttet.
[37:41] Und gerade wenn man sich des anderen nicht sicher fühlt, dann steigert das eben
[37:47] die Gefühle sehr, weil dann unser Gehirn einfach so gebaut ist,
[37:50] die Kontrolle wiederherzustellen und den anderen an sich zu binden.
[37:54] Und durch den Machtunterschied, also so wie sie es mir schildert,
[37:59] hat er ja immer sehr viel mehr Macht gehabt in der Beziehung aus ihrer Sicht,
[38:05] kommt man in diesen Sog und das kann sich dann schon sehr stark wie Liebe anfühlen.
[38:11] Das ist aber eben nicht diese ruhige, tiefe Verbundenheit im Sinne,
[38:15] wir übernehmen beide Verantwortung und gucken beide, dass es uns gut geht,
[38:19] sondern dieses stürmische,
[38:20] ich will dich unbedingt von mir überzeugen, Ich möchte, dass du endlich anerkennst,
[38:25] dass ich es wert bin, was da eben mitschwingt.
[38:29] Und das wird schnell mal mit Liebe verwechselt. Aber vielleicht ist es ja auch Liebe.
[38:35] Ich höre ja die Marie hier zum ersten Mal. Das ist natürlich immer schwer einzuschätzen.
[38:40] Deswegen gucken wir da auch da mal genauer hin.
[38:44] Er hat mich da halt voll in der Hand. Er hatte dich voll in der Hand.
[38:48] Er hatte dich sowas voll in der Hand. Das war ja auch, wo das rauskam und ich
[38:51] sagte, was da war, und er hat mir erst noch erzählt, es ist ja nur freundschaftlich, blablabla.
[38:57] Und er sagte, dann möchte ich bitte die Briefe lesen, die ihr euch geschrieben habt.
[39:00] Er sagte, er hat alle gelöscht. Und selbst wenn er es er hätte,
[39:02] würde er es ihm nicht geben, weil er dann wüsste, dass die Ehe sofort vorbei wäre.
[39:05] Das war ja toll. So, wie es heißt, er musste die anhören. Ich glaube,
[39:08] du kennst ja hunderte solcher Geschichten erzählen. Und ich will darauf hinaus,
[39:12] wie es ihm gelingen kann, dich in der Hand zu haben. Also was ist dein Anteil?
[39:18] Was ist dein Anteil?
[39:23] Er hat mich am Anfang, also wo ich ihn kennenlernt habe, da habe ich ja jemanden gesucht zum Reden.
[39:28] Als wir uns kennenlernten, war ich gerade in einer großen Krise und er hat mich
[39:33] da halt gestützt und war dann für mich da in der Zeit.
[39:36] Zu der Zeit war eigentlich einmal das, was du dir gewünscht hast.
[39:39] Ja, genau. Ist das dann auch nochmal vorgekommen?
[39:44] Ja doch, es war schon eine Zeit lang wirklich so. Mit dem ersten Kind war es
[39:47] dann wirklich schön. Er hat sich darum gekümmert und mich, also nachdem er wieder da war.
[39:52] Das zweite Kind auch. Beim dritten hat er sich schon zurückgezogen.
[39:57] Habt eigentlich gefühlt mäßig. Also weniger mit dem Kind gemacht und so.
[40:01] Mehr arbeiten. Klar, ich musste eher arbeiten. Ich war zu Hause.
[40:03] Ich habe aber mit dem ersten und zweiten Kind noch arbeiten im Schichtkrankenhaus.
[40:11] Und beim Beretten habe ich es dann nicht mehr geschafft mit Haushalten und drei Kindern.
[40:16] Und ja, dann gut, die Vierter hat sich reingeschmissen. Also Marie, nur noch mal,
[40:24] Ich vermute, dass du auch, wenn du in die Vergangenheit blickst,
[40:29] immer gewisse Idealisierungen unternimmst.
[40:31] Weil mit dem ersten Kind war es noch schön.
[40:34] Jo, in der Schwangerschaft hat er dich aber erstmal sitzen lassen.
[40:38] Ich glaube, dass du auch, wenn du in die Vergangenheit blickst,
[40:41] jetzt einiges rosa einfärbst. Ja, wahrscheinlich mach es schöner.
[40:45] Und dich an die schönen Momente erinnerst, aber nicht an die,
[40:48] wo du dich vielleicht da schon öfter allein gefühlt hast. wo du da schon das
[40:52] Gefühl hattest, er hat immer wieder Momente, Phasen, wo er gar nicht emotional erreichbar ist.
[40:58] Er sagt ja auch immer, wenn wir uns beide unterhalten, ist es halt jetzt auch
[41:03] so, dass er unsere Ehe eigentlich eher negativ sieht und ich eigentlich immer
[41:06] positiv, also das heißt positiv nicht immer, aber ich sehe es vorwiegend positiv.
[41:11] Ich sehe halt die schönen Sachen und er sieht halt nur die negativen Sachen.
[41:14] Ich muss dich leider wieder konfrontieren. Ich weiß, ich bin echt hart in diesem Gespräch. Sorry.
[41:20] Aber bitte sag nicht, ich sehe die schönen Sachen, sondern ich rede mir die
[41:23] Sachen schön. Weil das ist das, was du tust.
[41:28] Du redest es dir schön, das musst du tun.
[41:32] Weil du ja sonst vor dir selbst nicht verantworten kannst, bei ihm zu bleiben.
[41:37] Und du musst ja bei ihm bleiben, weil du dich ja abhängig fühlst.
[41:42] Und weil du die Verlustangst nicht ertragen kannst. Das heißt,
[41:46] du bist da in einer tiefen emotionalen Abhängigkeit.
[41:50] Und du würdest ja wahnsinnig werden, wenn du dir ein realistisches Bild von
[41:56] deiner Beziehung machen würdest. Also wenn du das klarer sehen würdest.
[42:00] Dann wäre ja ein innerer Konflikt, den könntest du ja gar nicht mehr verwalten.
[42:05] Verstehst du, wie ich meine? Verstehe ich, ja. Also dein ganz,
[42:10] ganz Wunderpunkt ist, dass...
[42:14] Dass du dich von ihm emotional abhängig fühlst.
[42:18] Und deswegen hat er die Macht, und das seit 18 Jahren, und er kann eigentlich
[42:23] machen mit dir, was er will.
[42:29] Ja, entscheidet er auch immer für sich. Er ist kein netter jetzt Gott.
[42:33] Also viel schlimmer, ich meine jetzt diese ganzen Lügereien,
[42:35] was du da alles gelesen hast.
[42:37] Und ich vermute, du könntest uns ja noch lange Geschichten erzählen,
[42:42] was er dann gesagt hat und was da noch alles passiert ist.
[42:44] Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs, die du hier gerade erzählst.
[42:48] Und immer wieder läufst du ihm hinterher.
[42:51] Weil er tut das ja offensichtlich nicht. Er sagt, ist mir egal,
[42:54] für mich ist das abgeschlossen.
[42:56] Er sagt, dass er die Ehe nicht gut findet und, und, und. Und du läufst ihm hinterher.
[43:02] Naja, es war ja so, dass er auch, was heißt auch, nachdem das Ganze aufgeflogen
[43:08] ist, oder ich ihm mehr oder weniger wirklich gesagt habe, er muss jetzt irgendwie,
[43:11] also da wusste ich ja schon, was war, aber ich wollte das erst selber aussprechen.
[43:15] Dann auch zugegeben hat, da kam halt nicht sowas wie ja, es tut mir leid und
[43:21] ich will, dass die Ehe wieder funktioniert, sondern da kam halt so dieses Ja,
[43:24] wenn du dich jetzt trennen willst, verstehe ich das.
[43:27] Ja, er hat dich eigentlich eingeladen, dich zu trennen. Dann wäre ihm die Verantwortung abgenommen.
[43:33] Denn er hat wahrscheinlich nicht den Arsch in der Hose.
[43:37] Keine Ahnung, was war... Also dein Problem aus meiner Sicht ist,
[43:43] und ich rede jetzt nur mit dir, über dein Problem.
[43:45] Mit deinem Mann werde ich gleich oder im nächsten Gespräch mit deinem Mann werde
[43:49] ich in seinem Gespräch über seine Probleme reden.
[43:52] Aber dein Problem ist, dass du abhängig bist und dass du diesen tiefen Schmerz,
[44:00] diesen Verlustschmerz, dass du den so unerträglich findest, dass du bereit bist,
[44:05] ihm eigentlich alles zu verzeihen, egal was er macht.
[44:08] Und damit verrätst du dich, ja.
[44:13] Total. Du verlierst dich, du verrätst dich. Du trampelst auf deinem eigenen Wert mit Füßen rum.
[44:22] Ist das für dich nachvollziehbar, was ich sage? Nee, es ist schon nachvollziehbar.
[44:27] Es ist nachvollziehbar.
[44:29] Ich hätte konsequent sein müssen. Mir tut es einfach weh, zuzusehen.
[44:34] Und ich fühle mich da auch ohnmächtig.
[44:38] Das ist ein bisschen zu zweit. Ja, ich fühle mich mit dir ohnmächtig,
[44:42] weil das bei dir natürlich auch so tief sitzt.
[44:45] Weil es einfach so tief sitzt, dieses Gefühl der Abhängigkeit,
[44:48] dieser geringe Selbstwert, der natürlich durch die Beziehung auch immer weiter
[44:53] in den Keller gegangen ist.
[44:55] Sodass du gar nicht mehr im Moment die Kraft hast, mal für dich einzutreten
[44:59] und sagen, pass mal auf, das bin ich mir wert.
[45:02] Und bis hier nicht weiter, mein Freund. Du hast meine roten Linien,
[45:05] meine sämtlichen Red Flags schon 20 Mal überschritten.
[45:09] Stattdessen läufst du ihm hinterher und schleppst ihn hiermit her.
[45:16] Und da ist dein Problem.
[45:20] Es wird höchste Zeit, dass du für dich und dein Leben die Verantwortung übernimmst.
[45:28] Das klingt jetzt sehr, sehr hart, aber ich meine es im Sinne,
[45:31] dass du dein Leben gestaltest und es dir nicht gestalten lässt.
[45:38] Dass du in deine Kraft kommst. Aber dafür wäre es ja erstmal wichtig,
[45:43] sich diese alten Wunden zu heilen.
[45:46] Und die müssen ja viel, viel tiefer reichen als nur die Beziehung.
[45:50] Also wenn da nicht alte Kindheitsverletzungen eine Rolle spielen,
[45:54] hättest du das ja wahrscheinlich nie so weit kommen lassen.
[45:56] Das ist ja wahrscheinlich was ganz Altes, was du kennst.
[45:59] Diese Angst vor Verlassenheit, dieses Wertlosigkeitsgefühl.
[46:06] Das weiß ich nicht. Nee, keine Ahnung. Hast du da vielleicht auch noch nie so
[46:12] drüber nachgedacht? Ja doch, aber,
[46:17] wie gesagt, mein Leben hat sich damals einmal verändert und mit dieser Erfahrung war es halt einfach,
[46:27] Also du meinst mit dieser tiefen Lebenskrise, die du damals angesprochen hast,
[46:31] da können wir in diesem Format jetzt nicht auch noch tiefer reingehen Vielleicht
[46:36] ist es auch wirklich, da ist so eine ganz schlimme Erfahrung,
[46:39] die du gemacht hast, die dich komplett aus dem Leben gerissen hat und die du
[46:43] eigentlich nie wirklich ganz verarbeitet hast. Nee, nicht wirklich. Okay.
[46:47] Und da war ich sehr lange mir selbst auch fremd oder.
[46:54] Oder man kennt sich selber eigentlich die wieder. Okay. Diese Lebenskrise,
[46:59] kannst du uns vielleicht mit ein, zwei Sätzen sagen, worum es da gegangen ist,
[47:02] was dich damals so aus den Schuhen geworfen hat?
[47:06] Ich hatte damals eine eineinhalbjährige Tochter, die ist dann an Deukämie verstorben.
[47:12] Halbjährig? Eineinhalb war sie damals. Anderhalb. Ja, ist sie erkrankt und mit
[47:16] einerinhalb ist sie dann verstorben.
[47:18] Oh je. Um Gottes Willen. Okay. Und da kam er in dein Leben? Okay.
[47:25] Okay, und das hat dich komplett aus den Schuhen geworfen, bis heute.
[47:30] Okay, siehste, das macht wieder alles totalen Sinn. Da ist ja so ein tiefer,
[47:35] tiefer, unglaublicher Schmerz.
[47:40] Und das erklärt natürlich auch viel von deiner tiefen Verlustangst,
[47:45] dieses Zusammenhalten wollen, ja.
[47:51] Ja. Ja.
[47:54] Und ausgehend der Zeit war er für dich da. Okay, und danach kam aber so viel,
[48:00] was gar nicht mehr funktioniert hat.
[48:02] Ja, wir hatten eben gesagt, nachdem er wieder da war, wirklich lange Zeit stabil
[48:06] schön. Also ich weiß gar nicht.
[48:15] Bis 2016, da war es eigentlich wirklich gut. und ab 16 haben wir uns ein bisschen
[48:21] so entfremdet praktisch.
[48:23] Das war ich auch, weil ich auch nargotisch schmerzkrank bin und ja,
[48:30] mit den vier Kindern, die nicht alle einfach waren, schon viel zu tun hatten.
[48:36] Mein Vater ist nun verstorben, dann ist sein Vater verstorben.
[48:39] Auch in Krebs.
[48:42] Mein Vater und sein Vater, glaube ich, was anderes. Aber es war halt immer irgendwie
[48:47] was los, wo man abgelenkt oder beschäftigt war, um sich eben mit den eigenen
[48:52] Problemen zu beschäftigen. Genau.
[48:56] Ja. Was jetzt bei dir eigentlich die Frage ist, und das ist eigentlich die alles
[49:01] entscheidende Frage, ist.
[49:06] Weil dein Wunsch ist ja, ihn zu verändern. Verstehe ich.
[49:10] Ja, ich würde die Beziehung gerne halten wollen, aber nicht unter der Bedingung
[49:13] mehr, dass ich mich klein mache, sondern dass wir auf Augenhöhe bleiben können.
[49:18] Okay, dass du dich nicht klein machst, das liegt ja in deiner eigenen Hand.
[49:21] Das kannst du ja selber entscheiden.
[49:23] Aber ob er sich verändert, ob er sich mehr öffnet, ob er treu bleibt.
[49:28] Das weiß ich nicht, aber das ist seine Entscheidung. Aber ich mache das nicht nur mal mit, das Ganze.
[49:32] Okay, denn die Frage ist ja, du kannst ihn nicht verändern.
[49:38] Und er hat sich ja jetzt 18 Jahre eigentlich nicht entscheidend verändert,
[49:43] wenn er zum Schlechten, wenn ich dich richtig verstehe.
[49:45] Wenn du bei ihm bleiben willst, kannst du ihn so nehmen, wie er ist,
[49:50] ohne ihn verändern zu wollen.
[49:53] Dann müsstest du es genauso nehmen mit allem, was passiert ist.
[49:58] Dann müsstest du sagen, okay, ich nehme dich genauso, wie du bist.
[50:05] Vom Charakter her, ja, aber nicht, wenn er im Außen irgendwie nicht in der Ehe praktisch bleibt.
[50:12] Das kann ich nicht machen.
[50:16] Ist das nicht auch ein bisschen Teilcharakter, wenn er solche Briefe schreibt, oder?
[50:22] Ich habe meine Frau nie geliebt, und ist das nicht auch ein bisschen Charakter?
[50:25] Ja, es ist die Frage, was wollte er in dem Moment erreichen?
[50:29] Das weiß ich ja nicht. Okay, also, bis.
[50:35] Machst du dir gerade wieder so ein bisschen die Welt, wie sie dir gefällt?
[50:47] Also ich hatte den Fall nicht, aber wenn man sich fremdverliebt,
[50:50] dann sage ich, wenn es sagt, naja, er hat sich fremdverliebt.
[50:53] Die Arbeitskollegin, die andere war eher so, da weiß ich ja leider auch nicht,
[50:57] weil die Beziehung, was er mit seiner Arbeitskollegin war ja dann eine Fremdbeziehung,
[51:00] weil sie war ja im Ausland,
[51:02] durch die Arbeit und die hat er dann eigentlich bis dreimal gesehen und also
[51:07] danach nachdem die praktisch zusammengekommen sind, weil er hat gekündigt dann,
[51:11] weil er wieder mehr zu Hause sein wollte das war die Begründung,
[51:15] und sie hat einen Tag später angeblich geschrieben, dass sie mehr für ihn empfindet
[51:19] wie nur Kollegen also du hast seine Perspektive jetzt so ein bisschen übernommen
[51:25] wie er es dir erzählt hat ja genau, aber ob das alles so stimmt oder ob das so,
[51:29] durch diese Erzählung am Anfang war ja, es gab nur ein Essen,
[51:35] ein Treffen und eine Umarmung, sonst nichts. Kann so sein.
[51:38] Ja, kann so sein, das war aber die erste. Nimmst du ihn so wie er ist?
[51:42] Auch damit, kann ja gut sein, dass er nochmal fremd geht, musst du alles einkalkulieren.
[51:47] So, dann sagst du, okay, der ist mal da, mal nicht, mal geht er fremd.
[51:52] So wie er ist, dass er mal Abstand, also diese Nähe, Distanz hat,
[51:55] das ist etwas, wo ich sage, da kann ich damit leben, weil ich auch manchmal das so brauche.
[52:00] Aber wenn er fremd geht, oder nochmal irgendwie im Außen, wenn jemand da so
[52:03] liebeserklemmt, das geht nicht für mich. Das ist für mich, also das gehört in die Partnerschaft.
[52:08] Du könntest ihm auch verzeihen, was passiert ist.
[52:12] Müsstest du ja auch. Ja, das könnte ich.
[52:15] Wenn er da nicht jetzt das relativiert und sagt, naja, es war ja aber so nichts Besonderes.
[52:20] Also er ist seiner Meinung immer noch, dass es nichts von Bedeutung war. Für ihn?
[52:27] Naja, überhaupt, ich sehe das ja falsch. Ah, du siehst das falsch. Ich sehe das falsch.
[52:31] Ich habe damals, die erste Version,
[52:34] die war ja, warum schenkst du ihr eine Goldkette mit Herzanhänger?
[52:37] Ja, es war halt als Abschiedsgeschenk, weil es ist so gut mit ihm zusammengearbeitet.
[52:41] Und der Herzanhänger, so doof bin ich jetzt auch nicht, dass du mir jetzt erklärst,
[52:47] dass du ein Herzanhänger mit der Goldkette und der Kollegin sagst,
[52:49] bist du schon drüber, das Geschenk.
[52:51] Das war so, da habe ich ihn halt nicht vernangeln gelassen. Und dann war er
[52:56] halt so sauer auf mich und hat dann gesagt, ja.
[52:59] Und dann hat er eigentlich gesagt, dass er sich in sie verliebt hat.
[53:03] Und das war das Erste, was ja logisch ist, wenn man das rauskriegt,
[53:09] was er sich geschrieben hat, dass er sich verliebt hat, okay.
[53:12] Aber dass er dann gesagt hat,
[53:14] Dass er erst weiß, was Fahrerliebe ist, weil es sei, dass er sie kennt.
[53:20] Oder... Und das ist jetzt beendet? Ja, ich glaube, sie hat es beendet.
[53:25] Und deswegen hat er sich dann gleich den Nächsten gesucht.
[53:28] Das hat er mir aber nicht gesagt, weil... Und jetzt ist er jetzt...
[53:32] Nee, hat niemanden jetzt. Weißt du das?
[53:36] Er verhält sich nicht so, würde man es schon rauskriegen.
[53:39] Also ich bin jetzt... Vorher habe ich wirklich immer gesagt,
[53:42] naja, er muss halt mit den Arbeitskollegen schreiben oder telefoniert oder kommt
[53:46] später von der Arbeit, weil er halt, aber dass er natürlich da Zoom-Calls mit
[53:49] dir hatte und am Handy da und mit ihr gechattet hat, neben mir sitzend,
[53:54] das war, habe ich am Anfang ihm nicht zugetraut, sagen wir mal so.
[54:00] Weil der mir sagt, das ist, er ist überhaupt nicht so der, ich habe mal ganz
[54:04] am Anfang, wo wir uns kennengelernt haben, auch ein bisschen so angegriffen,
[54:07] also nicht ihn, aber halt so allgemein über die Männer herziehen,
[54:10] dass alle Männer gleich werden und dann ist es nämlich,
[54:14] verbal schon angegangen, dass ich ihn nicht vergleichen soll mit allen Männern. Er wäre nicht so.
[54:20] Eigentlich haben wir das am Anfang mal geklärt, dass ihm eine Partnerschaft
[54:24] gar nicht geht, so dieses Fremdgehen und überhaupt, dass es überhaupt für ihn
[54:27] klar ist, aber anscheinend hat jetzt mit seiner Midlife-Krise,
[54:30] wie auch immer, sich da schlag-ettig seine Grenzen verschoben.
[54:34] Oder er hat sich so verschoben, wie er sie wollte halt.
[54:37] Und verkauft sie mir auch gerade so. Also jetzt sagen wir mal, deinen Standard.
[54:46] Wir werden ja noch ein gemeinsames Gespräch haben. Jetzt auch mit dem,
[54:53] was wir hier jetzt besprochen haben.
[54:55] Unter welcher Bedingung würdest du jetzt bei ihm bleiben?
[55:00] Oder hast du überhaupt eine Wahl? Muss ich dich eigentlich erst mal fragen.
[55:03] Doch, ich habe eine Wahl. Ich habe mir darüber auch Gedanken gemacht. Aber ich möchte...
[55:10] Dass er sich, also ob er sich erstmal klar wird, weil ich glaube nämlich nicht,
[55:14] dass es so ist. Ich glaube auch noch, dass er an der anderen hängt.
[55:17] Dass es nicht beendet ist. Er sagt zwar, das hat für ihn nichts mehr zu bedeuten,
[55:20] aber er hat sie ja ganz lang, also bis vor kurz, also noch nicht so,
[55:23] aber immer noch verteidigt.
[55:25] Wenn ich irgendwie in der Wut ihn angegriffen habe oder sie dann angegriffen
[55:29] habe, dann ist der immer gleich reingesprungen.
[55:31] Ja, sie hat gar nichts damit zu tun und hat sie so ein bisschen in Schutz genommen.
[55:35] Also eigentlich mehr, also mir ging es schlecht und er hat sie in Schutz genommen,
[55:38] statt mich und so Ehe zu schützen.
[55:41] Das ist natürlich auch verletzend. Er spricht ja auch für seinen guten Charakter,
[55:46] was du vorhin gesagt hast. Sorry. Ja, ja.
[55:50] Er sieht es halt nicht so. Ich frage mich, wie du es siehst,
[55:54] nicht wie er es sieht. Du bist immer bei ihm.
[56:00] Also was,
[56:03] ist dein Standard? Was ist deine Red Flag?
[56:07] Wo stehst du? Unter welcher Bedingung kannst du mit diesem Mann weiter zusammenbleiben?
[56:12] Kannst du überhaupt mit ihm weiter zusammenbleiben, wenn du dich nicht selbst
[56:18] verraten willst? Komplett. Ich weiß es nicht.
[56:24] Also,
[56:27] ich weiß es nicht ich habe das nicht 18 Jahre mitgemacht um das im letzten Urteil
[56:31] zu können aber ich würde gerne dass du mal dir Gedanken machst mir mal bei dir selbst zu bleiben.
[56:45] Wo ist deine rote Linie?
[56:49] Also jetzt natürlich im Außen, also fremde Frauen, das ist klar,
[56:53] egal ob Kontakt schreibt oder irgendwas. Ist ja schon längst überschritten worden.
[56:55] Ja, nee, ab jetzt, wenn ich sage, ich müsste ihm das verzeihen oder ich könnte
[56:58] ihm das verzeihen, dann halt nur damit denken, dass das nie wieder vorkommt.
[57:01] Und dass er jetzt das halt bereit ist, mit mir so offen zu klären,
[57:05] dass er halt nicht aus, ich will nicht, weil dann stehe ich schlecht da oder
[57:08] habe Schuldgefühle oder sonst irgendwas.
[57:10] Ja, meinst du denn, dass der dich überhaupt genügend liebt? Liegt der dich überhaupt?
[57:15] Ist das nicht auch eine rote Linie, oder? Sollte er dich nicht eigentlich lieben?
[57:24] Ich muss das so fragen. Ich meine, er fällt sich ja nicht so.
[57:29] Kämpfst du immer noch, wie vor 18 Jahren, um seine Liebe?
[57:34] Und wenn ja, sind das die geeigneten Mittel, ihm hinterher zu laufen?
[57:39] Sollte ich sicherlich nicht.
[57:45] Also willst du mit einem Mann zusammen sein, der dich, ich vermute,
[57:51] nicht liebt, weil sonst würde er sich ja nicht so verhalten.
[58:00] Ich weiß, ich bin hart, es ist wirklich hart, aber ich sehe einfach,
[58:03] dass du so wenig oder so viel, dass du machst dir so viel vor und opferst so
[58:10] viel von dir dadurch, meine ich.
[58:14] Wenn er mich nicht liebt trotz Künzeln. Hast du mal gefragt?
[58:18] Ich meine, er hat es ja geschrieben. Du hast es ja eigentlich schon schwarz
[58:21] auf weiß. Stand ja schon in der E-Mail.
[58:27] Er sagt, er weiß nicht, warum er das geschrieben wird. Aber das ist halt...
[58:31] Wieder keine Verantwortung.
[58:33] Er weiß es nicht. Passiert halt so.
[58:37] Keine Ahnung. Hat ja eigentlich nichts mit ihm zu tun.
[58:41] Die E-Mail mal so, die E-Mail hat sich so ein bisschen selbst darunter geschrieben.
[58:47] Ja, schwierig. Aber wäre das nicht die Bedingung, dass er dich liebt?
[58:55] Das wäre die Bedingung, ja.
[59:00] Aber es ist halt so, nicht aber, das will ich auch nicht, aber.
[59:09] Wir haben so viel durchgemacht, auch umgekehrt. Den haben wir mal gestützt,
[59:14] weil meistens war es in der Phase, dass es entweder ihm schlecht ging,
[59:17] dann habe ich ihn gestützt oder umgekehrt.
[59:24] Aber wir haben keine leichte Beziehung.
[59:30] Und das verwischt sich auch alles so bei dir im Kopf, ne? Das ist alles so eine Riesengemengelage.
[59:35] Es gibt immer so eine Phase, wo ich sage, okay, dann ist wieder so Urlauber
[59:40] dabei, wo wirklich schön sind, wo alles perfekt ist.
[59:44] Wo man sich so vorstellt und dann... Dann ist es wieder weg.
[59:48] Dann bin ich wieder in der Funktion und nicht mehr...
[59:53] Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, bist du sehr viel immer wieder so im Defizit.
[1:00:00] Immer wieder in der Sehnsucht. Immer wieder im Mangel.
[1:00:03] Ja, das ist halt dann wieder so schön, man sagt genau so, wenn ich es habe, dann ist es wieder weg.
[1:00:11] Aber es ist immer, es liegt immer in seiner Hand. Er gibt, er nimmt.
[1:00:16] Und du hast, du nimmst dir kein... Wenn ich einfordere, sagt er,
[1:00:20] möchte nicht. Ja, genau.
[1:00:22] Also du hast wenig Gestaltungsräume, denn sobald du was dir wünschst,
[1:00:26] gibt es schon mal gar nichts und du gestaltest aber auch selber wenig,
[1:00:29] indem du wenig jetzt in dem Sinne für dich selber sorgst, indem du klare Grenzen
[1:00:34] setzt. Das machst du ja nicht.
[1:00:39] Du lässt dir das gefallen.
[1:00:46] Irgendwie schon.
[1:00:50] Wir müssen leider nicht dem Ende zukommen. Kannst du schon so ein bisschen,
[1:00:56] es war ja viel, es war tief, ich war sehr konfrontativ,
[1:00:59] für dich sagen, was du so aus dem Gespräch jetzt mitnimmst, worüber du weiter nachdenken möchtest?
[1:01:13] Ja, das ist schon diese Verlustangst einfach, die mir gar nicht so bewusst war. Genau.
[1:01:21] Verlustangst, wo ich sage, du machst ganz, ganz viel um diese Angst.
[1:01:25] Und dass er mich halt irgendwie kontrolliert, wie ich mich verhalte. Ja.
[1:01:31] Also ich muss meine Grenzen eigentlich fester definieren. Wo ich sage,
[1:01:35] ich muss mich auch dran halten.
[1:01:37] Deinen eigenen Wert auch, der ist der im Moment so verloren gegangen.
[1:01:41] Und du gehst der Verlustangst aus dem Weg, also willst du dich nicht fühlen,
[1:01:47] kann ich verstehen, du müsstest es akzeptieren, dass du ein paar Monate ziemliche Schmerzen hättest.
[1:01:55] Es wird irgendwann besser, aber es wäre erstmal eine Zeit lang so.
[1:02:00] Und dann wird es besser und dann wirst du dir dein eigenes Leben aufbauen und
[1:02:04] vielleicht auch mal einen Partner finden, mit dem es viel besser funktioniert.
[1:02:07] Aber das willst du nicht fühlen, also entschuldigst du, also machst du die Augen
[1:02:12] zu, also idealisierst du zum Teil auch die Vergangenheit, redest dir die Dinge schön,
[1:02:17] hast wieder Verständnis, hast Empathie, machst also alles, um bei ihm bleiben
[1:02:22] zu können und diesem Schmerz aus dem Wege zu gehen.
[1:02:25] Was du bräuchtest, und zwar unabhängig davon, ob du dich trennst,
[1:02:30] ob du die Beine bleibst und wie dein Leben überhaupt weitergeht,
[1:02:33] du solltest unbedingt, wenn du es nicht schon hast, eine Psychotherapie machen.
[1:02:39] Um dieses Trauma mit deiner Tochter zu bearbeiten, um an deinem Selbstwert zu arbeiten.
[1:02:48] Um dich einfach von dir heraus mehr zu stabilisieren, weil im Moment ist ja
[1:02:53] dein Halt der Mann, der ihnen kein wirklicher Halt ist und die Kinder und das
[1:02:58] Leben, was du dir aufgebaut hast. Aber der Halt im Inneren fehlt.
[1:03:02] Und das macht es natürlich auch so schwer, starke Entscheidungen zu treffen,
[1:03:07] wenn man innen so wenig Halt hat. Das stimmt, ja.
[1:03:11] Und deswegen wäre es ganz, ganz wichtig, dass du dir da Unterstützung suchst, aus meiner Sicht.
[1:03:17] Ja, da habe ich mich lange davor gedrückt, weil es ist halt sehr unangenehm
[1:03:20] einfach. Genau. Aber guck mal, wie alt bist du jetzt?
[1:03:25] 49. 49. Du kannst dich jetzt noch 10 Jahre drücken und nochmal 10 Jahre.
[1:03:30] Aber irgendwann ist das Leben vorbei. Ja.
[1:03:32] Und dann guckst du vielleicht zurück und sagst, Scheiße, warum bin ich nicht
[1:03:35] viel früher, viel früher die Verantwortung
[1:03:37] für mich übernommen und etwas unternommen, um mich zu stärken. Ja.
[1:03:45] Ja, danke. Ich weiß, es war hart, aber ich hoffe, dass es dir so ein bisschen die Augen geöffnet hat.
[1:03:54] Dir ist mir für einiges bewusst geworden. Gut.
[1:03:58] Dann vielen Dank dir. Ich bin
[1:04:00] dann gespannt, was dein Mann mir im nächsten Gespräch erzählt. Danke dir.
[1:04:06] Ja, ich habe die Marie hier ziemlich stark konfrontiert in dem Gespräch,
[1:04:11] weil ich den Eindruck hatte,
[1:04:14] dass sie da einen blinden Fleck hat, was ihre ganz, ganz starke Verlustangst betrifft.
[1:04:21] Und dass sie immer so einen Bogen macht um das Gefühl und deswegen sich die
[1:04:26] Dinge zum Teil auch schönredet oder die Tatsachen so innerlich verbiegt.
[1:04:32] Und da wollte ich sie eben auf diesen Anteil darauf aufmerksam machen.
[1:04:36] Allerdings habe ich ja diesmal das Glück, auch die andere Seite zu hören.
[1:04:39] Da kann natürlich nochmal ein völlig anderes Bild entstehen,
[1:04:42] wenn ich auch mal den anderen Part habe.
[1:04:44] Ich war lange genug Gutachterin beim Gericht und da hat sich ein Spruch in mir
[1:04:48] eingeprägt, Man höre auch die andere Seite, um dann wirklich nochmal ein viel
[1:04:53] vollständigeres Bild zu bekommen.
[1:04:55] Aber den Part, den ich bei ihr heute wahrgenommen habe und wo ich sie auch wirklich
[1:04:58] konfrontiert habe, ist,
[1:05:01] dass sie sich da stark emotional abhängig fühlt und deswegen nicht immer bereit ist,
[1:05:12] die Dinge so zu sehen, wie sie sind, beziehungsweise wenig Standpunktsicherheit hat für sich.
[1:05:17] So, das war's für heute mit Stahl aber herzlich, mit der ersten Folge unserer
[1:05:22] kleinen Miniserie von Marie und Thomas und hört unbedingt in die nächste Folge rein.
[1:05:28] Mal sehen, was da passiert, wenn ich mit Thomas spreche. Bis dann, deine Steffi.
[1:05:34] Stahl aber herzlich, der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl.
[1:05:39] Ein Podcast von RTL Plus, produziert von Auf die Ohren.
[1:05:43] Produktion Jonathan Rauer, redaktionelle Leitung an Groß.

Shows are listed from Apple Podcasts' charts and directory, and Podcast Index where it is used. Every show and episode belongs to its publisher and plays from the publisher's own feed; this site hosts none of them.
