# Binge-Eating ist meine Flucht vor mir selbst – wie komme ich da raus?

An episode of [Stahl aber herzlich – Der Psychotherapie-Podcast mit Stefanie Stahl](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1545894332), 12 Jul 2026, 1 h 04 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1748-stahl-aber-herzlich-der-psychotherapie-podcast-mit-stefanie-stahl/248774-new-episode.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69524a4a854ad&awEpisodeId=248774

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## Transcript

[0:01] Meine Oma hat insgesamt acht Enkelkinder und sieben hat sie gemacht und mich
[0:06] aus irgendeinem Grund nicht.
[0:07] Das ging dann eben so weit, dass sie mich als Kind auch in der Küche eingesperrt hat.
[0:17] Hallo und herzlich willkommen bei Stahl aber herzlich und heute ist der Kilian bei mir.
[0:22] Und Kilian kommt schon mit schweren Problemen, muss man sagen.
[0:27] Und zwar neigt er zum Binge-Eating. Er hat auch Übergewicht,
[0:34] worunter er wahnsinnig leidet.
[0:36] Und er leidet auch immer wieder an Depressionen, depressiven Verstimmungen,
[0:42] extremster Selbstabwertung.
[0:45] Und das alles hat einen fetten roten Faden in seiner Kindheit.
[0:49] Und zwar hatte er eine ganz böse Oma.
[0:54] Und wie er es schaffen kann, aus diesem Teufelskreis von Binge-Eaten,
[0:58] Selbstabwertungen und Depressionen auszusteigen, darüber wird es gehen.
[1:08] Hallo Kilian, herzlich willkommen hier bei Stahl, aber herzlich.
[1:11] Jo, legen wir einfach los.
[1:14] Was bereitet dir Kummer? Ja, hallo. Erstmal danke, dass ich hier sein darf.
[1:20] Bei mir ist so das Hauptthema, würde ich sagen, Selbstzweifel,
[1:25] also bis hin zu wirklich Selbsthass. Also ich bin sehr unzufrieden mit mir selber.
[1:31] Ich habe schon eigentlich, seit ich bin ein Jugendlicher, bin noch extremes
[1:34] Übergewicht, was man schon immer zu scharfer macht.
[1:38] Das ging jetzt so weit, dass ich dadurch auch eine Essstörung,
[1:41] Spinch Eating entwickelt habe.
[1:43] Und das ist halt irgendwie so ein extremer Kreislauf, weil je unzufriedener
[1:46] ich werde, desto mehr esse ich, desto dicker werde ich. Und das schaukelt sich dann quasi immer hoch.
[1:53] Ja, okay, das kann ich gut verstehen.
[1:56] Muss ich dich jetzt einfach mal so platt fragen. Ich kenne so viele Leute,
[1:59] die diese Abnehmenspritze feiern und auch sagen, dass das unglaublich überhaupt
[2:03] diese Gier komplett ausbremst und damit mega gut klarkommen.
[2:08] Hast du darüber mal nachgedacht?
[2:10] Tatsächlich hat mir das mein Arzt schon empfohlen, aber dadurch,
[2:12] dass ich keinen Diabetes habe, müsste ich es selber zahlen.
[2:16] Das ist halt einfach teuer, aber ich habe mich auch schon wegen einer Magen-OP
[2:19] beraten lassen. Wegen was? Wegen einer Magen-OP. Magen-OP?
[2:23] Ja gut, da werden die Fettspritze aber wesentlich harmloser.
[2:27] Ich habe jetzt erstmal im Sommer noch einen Klinik-Aufenthalt wegen Binge-Eating.
[2:31] Vielleicht kriegt man das so therapiert, dann hätte es auch ohne Spritze gehen.
[2:37] Und also möchtest du gerne über das Binge-Eating und die Selbstzweifel sprechen?
[2:44] Du hattest mir ja eine kleine E-Mail geschrieben, da stand auch was von Depressionen drin.
[2:50] Ja genau, also Depressionen hat sich eigentlich auch größtenteils dadurch entwickelt,
[2:56] beziehungsweise eben durch was es in meiner Kindheit passiert ist,
[2:59] haben sich erst die Selbstzweifel entwickelt.
[3:02] Und dadurch ist die Depression entstanden und ich würde sagen,
[3:05] Also dieses Selbstakzeptanz-Thema, Selbstzweifel schon, mit dem Hauptthema bei mir in der Depression.
[3:13] Was ist dir denn passiert, dass du sagst, weißt du das, hast du irgendeine Idee,
[3:18] wie es dazu gekommen ist, dass du zu viel isst?
[3:21] Das ist ja immer auch ein Selbsttrostversuch. Also Binge-Eating ist ja kein,
[3:26] Kontrollverlust, sondern ein Kontrollversuch im Grunde genommen über.
[3:33] Ganz schlechte Gefühle die Kontrolle zu bekommen. Nämlich, dass diese schlechten
[3:37] Gefühle einfach in dem Moment weggehen.
[3:40] Wie ist denn das bei dir?
[3:42] Welche schlechten Gefühle möchtest du denn beseitigen mit dem Essen?
[3:46] Ja, also wie gesagt, ich bin schon länger übergewichtig.
[3:49] Ich habe mir in meinem Leben schon viele Sprüche anhören dürfen.
[3:52] Ich habe dann irgendwann für mich auch die Taktik entwickelt,
[3:55] selber so der, ich sage jetzt mal, lustige Dicke zu sein, der quasi Witze über
[4:00] sich selber macht, bevor es andere machen können.
[4:03] Aber man bekommt natürlich trotzdem viele Sprüche zu hören.
[4:07] Und ja, die verletzt es natürlich extrem. Und irgendwie habe ich dann angefangen,
[4:14] das Essen halt als Kompensation zu nutzen.
[4:17] Ja, also beziehungsweise du hast ja schon vorher gegessen, sonst wären die Sprüche
[4:21] ja nicht gekommen. Ja, also ursprünglich war eben eine Kindheit,
[4:26] ich hatte ein schweres Verhältnis zu meiner Oma.
[4:29] Also meine Oma hat insgesamt acht Enkelkinder und sieben hat sie gemacht und
[4:33] mich aus irgendeinem Grund nicht.
[4:36] Das ging dann eben so weit, dass sie mich als Kind auch in der Küche eingesperrt
[4:39] hat und mich eben wirklich schiganiert hat.
[4:44] Und das aber so dargestellt hat, als würde ich die Geschichte erfinden.
[4:48] Und meine Eltern haben halt mir nicht geglaubt, weil meine Oma das halt wirklich
[4:52] auch gut gespielt hat, sage ich jetzt mal.
[4:56] Und da habe ich mich als Kind schon immer Missverstanden gefühlt und so bin
[4:59] ich, glaube ich, einfach zum Essen gekommen.
[5:01] Essen bewertet einen, das sage ich mal. Ja, das stimmt. Essen bewertet einen nicht.
[5:06] Und es spendet dir auch unmittelbar Trost.
[5:10] Es war aber richtig gemein von deiner Oma.
[5:14] Und für mich hört sich das sehr
[5:15] einsam an, also dass du einfach auch viel einsam gewesen bist als Kind.
[5:20] Ja, also kann man schon sagen. Also ich hatte eigentlich immer einen Freundeskreis,
[5:27] und ich habe auch immer noch gute Freunde, aber dieses einsame Gefühl,
[5:30] das habe ich eigentlich immer noch.
[5:31] Und dieses Gefühl, nicht verstanden zu werden, sage ich jetzt mal.
[5:35] Das sitzt so ganz tief in dir drin.
[5:37] Ja, auf jeden Fall. Weil es war ja nicht nur die gemeine Oma,
[5:41] sondern irgendwie ja auch die Eltern, die dir nicht geglaubt haben.
[5:44] Ja, also mir hat in der Familie eigentlich keiner geglaubt, weil meine Oma eben
[5:47] nach Hause immer die ganz Nette gespielt hat.
[5:51] Meine Freunde haben aber auch alle meine Oma gemacht und ich halt natürlich
[5:55] nicht nach so einer Geschichte.
[5:58] Als sich dann dickwotig noch mehr passiert, sie hat mir wirklich Sprüche Richtung
[6:03] Bodyshaming und so gebracht und mir verboten, in den Schwimmbad zu gehen ohne
[6:07] Bikini-Oberteil und so.
[6:09] Und ich war irgendwie der Einzige, der die böse Seite von meiner Oma gesehen
[6:12] hat. Und jeder andere hat gesagt, was ist das für eine tolle Frau.
[6:17] Und da fühlt man sich halt dann schon irgendwie nicht verstanden.
[6:21] Da fühlt man sich isoliert eigentlich?
[6:23] Ja, schon ein bisschen, ja. Ist das eigentlich bis heute so in der Familie oder
[6:27] glauben Sie dir inzwischen?
[6:29] Meine Oma ist tot mittlerweile und meine Familie glaubt mir.
[6:33] Und meine Eltern kämpfen auch mit Schuldgefühlen, was das Thema angeht.
[6:38] Also das heißt auch, dass es deinen Eltern leid tut? Ja, auf jeden Fall.
[6:43] Aber ich würde auch meine Eltern, wie gesagt, gar nicht so den großen Vorwurf
[6:46] machen, weil meine Oma das halt einfach wirklich gut gespielt hat.
[6:51] Ich war zu dem selber noch ein kleines Kind.
[6:55] Da ist ja nicht jede Geschichte immer 100 Prozent wahr, das ist so.
[7:00] Und würdest du sagen, dass das alles noch so tief in dir drinsteckt?
[7:04] Also diese Ablehnung, irgendwie dieser Hass von deiner Oma, die dich da so gequält hat und.
[7:13] Damit auch einhergehend diese Einsamkeit und Isolation, weil dir ja keiner geglaubt hat.
[7:19] Ich würde schon sagen, also...
[7:22] Ich habe mittlerweile so eine richtig fest verankerte Stimme in meinem Kopf,
[7:27] die eigentlich alles auf mich bezogen negativ redet und mir dieses Einsamkeits-
[7:34] und Isolationsgefühl gibt.
[7:35] Und ich bin mir eigentlich mittlerweile nach meinem dritten Klinikaufenthalt
[7:40] jetzt sicher, dass das die Stimme von meiner Oma ist, die sich irgendwie bei
[7:44] mir ins Innere übertragen hatte.
[7:47] Also du hast diese Ablehnung verinnerlicht.
[7:52] Genau. Und nimm es aber mittlerweile auch als meine eigene Meinung war.
[7:55] Und nimm es als die Stimme von meiner Oma. Sondern ich habe das so verinnerlicht,
[7:59] dass ich mir das selber auch glaube.
[8:02] Also ist das so ein tiefsitzender Selbsthass, würdest du sagen?
[8:06] Ja, doch. Also man kann es auf jeden falschen Selbsthass nennen.
[8:09] Das muss ja sehr schwer sein, damit zu leben, stelle ich mir vor,
[8:12] wenn ich mich in dich hineinversetze.
[8:14] Das hört sich richtig, richtig unglücklich an. Ja, also jetzt gerade bin ich
[8:20] in einer Phase im Leben, wo es mir wieder ein bisschen besser geht.
[8:24] Aber ich hatte dadurch auch schon eine extrem schwere Phase im Leben,
[8:27] wo ich sehr unglücklich war.
[8:31] Auch unaushaltbar unglücklich, sage ich jetzt einfach mal. Und ja,
[8:36] eben irgendwie sich bewusst zu machen, dass das ja eigentlich nicht meine Stimme ist, die da,
[8:41] also jetzt bildlich gesprochen Stimme, die da in meinem Kopf redet,
[8:45] sondern eigentlich nur was, das ich übernommen habe.
[8:47] Das wird einem in dem Moment natürlich nicht bewusst. Also das zieht einem dann
[8:50] so runter, dass man in so eine Negativspirale kommt, dann eben wieder zum Essen
[8:55] geht und dann hasst man sich danach aber noch mehr eigentlich.
[9:02] Binge-Eating, Depressionen und Selbstvorwürfe sind ein ganz,
[9:06] ganz typischer Teufelskreis.
[9:08] Dabei gibt es etwas ganz Entscheidendes zu bedenken, dass das Ganze nämlich
[9:13] eben kein Zeichen von Schwäche ist, sondern ein fehlgeleitetes emotionales Selbstregulationssystem.
[9:22] Das heißt, Kilian versucht sich eigentlich die ganze Zeit selbst zu stabilisieren.
[9:29] Emotional und vor allem innerlich seinen Selbstwert zu stabilisieren.
[9:34] Und er benutzt dafür Strategien, die zwar kurzfristig helfen,
[9:38] nämlich das Essen, aber langfristig alles nur viel schlimmer machen.
[9:44] Das heißt, seine Essanfälle sind in dem Sinne keine Aussetzer,
[9:47] sondern der Versuch, mit einem inneren Spannungszustand umzugehen.
[9:52] Also mit innerer Leere, Überforderung, mit massiven Selbstzweifeln,
[9:57] mit Trauer, mit Gefühlen von Demütigung und was auch immer. Und das Essen beruhigt
[10:02] halt wahnsinnig schnell.
[10:04] Und für einen kurzen Moment ist dann alles leichter, aber das eigentliche Problem
[10:08] entsteht dann eben danach.
[10:09] Dann kommt die Selbstabwertung, dann kommt die massive Scham,
[10:13] dann kommen wieder die inneren Sätze wie, ich habe mich nicht im Griff,
[10:16] ich bin schwach und so weiter und so fort. Und das destabilisiert dann wiederum den Selbstwert.
[10:24] Und dabei haben diese Selbstvorwürfe sogar häufig auch noch eine gewisse Kontrollfunktion.
[10:30] Sie fühlen sich ja erstmal wahnsinnig destruktiv an.
[10:33] Aber mit der Strenge will man sich eigentlich selbst bestrafen und irgendwo
[10:38] auch dafür sorgen, dass es nicht wieder passiert, wenn man so schlimm mit sich schimpft und umgeht.
[10:43] Aber das funktioniert natürlich nicht, weil es wird wieder und wieder passieren.
[10:46] Und deswegen ist es so wichtig, diesen Teufelskreislauf zu unterbrechen,
[10:50] indem der Kilian eben wirklich mal, bevor er zum Kühlschrank geht,
[10:57] innehält und schaut, worum geht es mir eigentlich wirklich?
[11:00] Was ist mein Trigger? Was ist mein innerer Impuls?
[11:04] Welches Gefühl ist jetzt eigentlich da? Und was sind meine wahren Bedürfnisse?
[11:09] Ist es wirklich Essen oder suche ich nach etwas ganz anderem,
[11:12] vielleicht nach Trost, nach Zuwendung und Liebe?
[11:15] Und da werden wir auf jeden Fall im Verlauf des Gesprächs noch genauer hinschauen.
[11:23] Ja, das ist ein totaler Teufelskreislauf, weil das Essen ja in dem Moment so
[11:27] deine Coping-Strategie ist, dass du eine kurzfristige Erleichterung hast,
[11:34] aber danach wird ja in der Regel der Selbsthast nur umso größer. Ja, auf jeden Fall.
[11:42] Man hat kurz Glück im Essen, beziehungsweise ich hätte es mittlerweile gar nicht mehr Glück.
[11:46] Mittlerweile ist es einfach so automatisiert, dass ich, sobald mich eine Kleinigkeit
[11:51] irgendwie stört, zum Kühlschrank gehe.
[11:54] Man kann halt einfach abschalten, ich beim Essen.
[11:57] Und danach ist es aber noch schlimmer als davor.
[12:02] Mit der körperlichen Übelkeit, die halt danach so nach Benchetingertagen natürlich auch noch dazu kommt.
[12:08] Ja, verstehe. Und es geht ja eigentlich um die Gefühle, die du vermeiden willst,
[12:15] also beziehungsweise die du beseitigen willst.
[12:21] Welche Gefühle gehen denn in so einer Binge-Eating-Attacke voraus?
[12:25] Ja, also ich würde sagen, meine ganz klaren Traurigkeit. Traurigkeit.
[12:33] Wie ich es auch ein Stück weit so weit kommen lassen konnte, dass ich eben,
[12:39] ich sag jetzt einfach mal, immer den Kampf gegen das Binge-Eating verliere und,
[12:45] halt einfach objektiv übergewichtig bin. Ich meine, das braucht man nicht schön reden.
[12:50] Und da ist so eine gewisse Wut, einfach Wut, Hass, Selbsthass.
[12:56] Und das alles zusammen, da hatte ich dann einfach auch grundlegende Überforderungen
[13:00] in meinem Kopf. Und so entstehen dann die ersten Tage.
[13:08] Also die Traurigkeit.
[13:12] Was genau macht dich eigentlich so traurig? Dass ich mich selbst nicht so akzeptieren kann, wie ich bin.
[13:20] Und dass ich Angst habe, dass mich andere auch nicht zu akzeptieren, wie ich bin.
[13:25] Und die Angst wieder, so allein zu sein, wie ich mich in dem Moment gefühlt
[13:30] habe, wo mich meine Oma eingesperrt hat. Okay.
[13:33] Also dich so einsam zu fühlen.
[13:38] Aber du lehnst das ab. Habe ich das richtig verstanden? Du lehnst eigentlich,
[13:43] dich mit diesen Zuständen ab. Verstehe ich das richtig?
[13:50] Also mit dieser Angst und Überforderungszustände? Ja, schon.
[13:55] Also ich lehne mich eigentlich so grundlegend in jeder Lage ab.
[14:03] Also wenn ich die Chance hätte, würde ich am liebsten morgen als komplett anderer
[14:07] Mensch auffahren können und einen Neustart machen. Aber es geht natürlich nicht, das weiß ich.
[14:15] Aber ich glaube, es ist halt einfach noch ein langer Weg, mich so zu akzeptieren,
[14:19] unabhängig von Gewicht und Essertage.
[14:21] Also das ist mittlerweile so verankert, dass ich sage, ich könnte wahrscheinlich
[14:27] jetzt über Nacht 60 Kilo abnehmen und werde mich morgen im Spiegel trotzdem nicht mögen.
[14:30] Ich vermute, es geht vielen Zuhörern so, wie es mir gerade geht.
[14:36] Ich spüre da wahnsinnig viel Mitgefühl für dich. Also mir tut das so richtig, richtig leid.
[14:42] Und ich habe ein ganz großes Verständnis und Mitgefühl für deine Situation.
[14:48] Weil es wird wirklich richtig schlimm, was du damals erlebt hast mit der Oma.
[14:56] Und gerade so, auch wenn man als Kind schon übergewichtig ist,
[14:59] das ist ja nichts, was man sich in irgendeiner Form aussucht,
[15:02] dass man selbst verschuldet.
[15:04] Es gibt ja auch wirklich, ich kenne nicht wenige Menschen, die einfach auch
[15:08] mit einem richtig schlechten Stoffwechsel geboren werden, Also die wirklich,
[15:13] und sowieso als Kind, das war ja alles überhaupt nicht deine Schuld und überhaupt nicht dein Fehler.
[15:19] Und dass du durch so eine böse Frau, also die war ja zu dir richtig, richtig böse.
[15:25] Dass du das so verinnerlicht hast und so zu deinem eigenen gemacht hast,
[15:30] dass die Oma wirklich noch in dir wohnt sozusagen.
[15:33] Die wohnt ja irgendwie in dir, die hat ja ein festes Zuhause in deinem Kopf.
[15:38] Und du dann zu dieser Selbstablehnung kommst, und zwar auf so eine dramatische
[15:42] Art und Weise, das hat mein tiefstes Mitgefühl.
[15:47] Und wenn du nur einen Bruchteil oder einen Kleinteil von diesem Mitgefühl für
[15:52] dich selber aufbringen könntest, dann würde dein Leben anders aussehen.
[15:59] Und dann wärst du immer noch derselbe.
[16:04] Du hättest kein Kilo weniger, aber du hättest dieses Mitgefühl anstatt dieses
[16:08] Selbsthass und diese Selbstablehnung.
[16:11] Ja, ich merke das auch. Ich bin, ich würde sagen, ein extrem empathischer Mensch anderer gegenüber.
[16:21] Und versuche, anderen Leuten viel Liebe zu geben, aber ich kriege es bei mir
[16:26] selber einfach nicht hin.
[16:28] Also es ist ja jetzt schon ein langer Weg, den ich gehe. Ich habe damit ja schon
[16:32] wirklich mehrere Jahre zu kämpfen.
[16:34] Und ich muss auch sagen, wie vorhin schon gesagt, ich habe einen echt guten
[16:39] Freundeskreis. Ich bin bei uns im Dorf, im Verein echt aktiv.
[16:43] Und da bekommt man ja auch viel positives Feedback. Aber ich kann es irgendwie nicht annehmen.
[16:50] Also ich merke, das ist irgendwie so ein Paradox, wie ich selber teilweise drum
[16:57] bitte so ein bisschen, weil ich das von anderen irgendwie hören brauche,
[17:01] weil ich es mir selber nicht geben kann.
[17:03] Aber wenn es mir andere sagen, kann ich das trotzdem irgendwie nicht dann im Tiefstellen annehmen.
[17:10] Und das ist irgendwie ein Schritt, den ich halt irgendwann mal gehe,
[17:14] will, dass ich mich selber mag, auch unabhängig von Gewicht.
[17:19] Gewicht ist was, das kann ich verändern und muss es wahrscheinlich auch verändern,
[17:22] aber ich kenne genug übergewichtige Leute, die trotzdem zufrieden im Leben sind.
[17:26] Also das darf ja nicht eigentlich der Stein sein, der mir im Weg steht.
[17:29] Ja, der Kilian hat ja ein ganz schlechtes Selbstwertgefühl und auch ein miserables Selbstbild.
[17:39] Das geht ja eigentlich immer Hand in Hand. Und viele Menschen machen irgendwie
[17:44] den Fehler, dass sie glauben, Selbstwert wäre etwas, das man sich irgendwie erarbeiten müsste.
[17:49] Durch Leistung, durch Disziplin, durch gutes Aussehen und dem man irgendwie an sich arbeitet.
[17:55] Aber ich muss sagen, dass das einfach nicht stimmt. Denn im Grunde genommen
[17:59] ist Selbstwert auf dieser tiefen Ebene, ob ich so tief drin das Gefühl habe,
[18:03] ich bin okay, oder eben dieses Gefühl habe, Nee, ich bin überhaupt nicht okay.
[18:07] Im Grunde genommen nichts anderes als ein Geschenk. Und zwar ein Geschenk,
[18:11] das man in seiner Kindheit bekommt oder eben auch nicht bekommt.
[18:15] Das heißt, wenn ein Kind sich gesehen fühlt, liebevoll behandelt fühlt,
[18:20] dann entsteht eigentlich ganz automatisch so ein Gefühl von,
[18:23] ich bin okay, ich bin wertvoll, ich darf ich sein.
[18:27] Aber wenn ein Kind wie Kilian gedemütigt, verletzt und dabei auch überhaupt
[18:33] nicht beschützt wird, dann passiert ganz automatisch das Gegenteil.
[18:38] Und zwar nicht, weil er als Kind falsch gewesen wäre, das auf gar keinen Fall,
[18:42] sondern weil er für sich gar keine anderen Erklärungen hat.
[18:46] Also er kann als Kind nicht sich von seinem Selbstwertgefühl so gegen seine
[18:52] Oma stellen, die ihm das irgendwie so total eingeprägt hat und seine Eltern
[18:58] haben ihn ja auch nicht beschützt,
[19:00] sondern natürlich hat er das als Kind in sich aufgesogen wie ein Schwamm.
[19:05] Und dadurch entsteht eben ein Selbstbild, das im Grunde überhaupt nichts mit
[19:10] der Realität zu tun hat, sondern einfach nur mit den Erfahrungen,
[19:14] die er als Kind gemacht hat.
[19:16] Im Gegenteil, in der Realität ist er ja ein ganz liebenswürdiger Mensch,
[19:20] ein sehr angenehmer Mensch.
[19:22] Und das sind ja eigentlich auch die Erfahrungen, die er macht im Erwachsenenleben.
[19:25] Er hat ja Freunde, er hat Menschen, die ihn richtig gern mögen.
[19:29] Und trotzdem reicht das nicht an diese ganz, ganz tiefe Prägung ran.
[19:36] Und deswegen ist es so wahnsinnig wichtig zu verstehen, weil es gibt so viele
[19:40] Menschen, die dieses tiefe Gefühl haben von ich bin nicht okay, ich bin nicht,
[19:44] gut, ich bin wertlos und so weiter, dass dieser Selbstwert, also dieses Gefühl
[19:50] überhaupt kein moralisches,
[19:52] Urteil ist oder ein moralisches Ergebnis ist, sondern einfach nur das Resultat einer.
[20:00] Vollkommen willkürlichen Prägung.
[20:03] Und von außen können wir das bei anderen wunderbar sehen. Von außen sieht man
[20:07] glasklar, ja, da war eine ganz gemeine Oma, zumindest für Kilian war sie super
[20:14] gemein und richtig, richtig schlimm.
[20:17] Und der Kilian war ein ganz normales, wunderbares Kind und jetzt hat er diese
[20:20] Probleme und glaubt das auch noch, er glaubt ja wirklich, er wäre wertlos.
[20:26] Nur bei sich selbst kann man das dann oft nicht so genau erkennen,
[20:29] dass auch der eigene Selbstwert nur das Ergebnis einer ganz willkürlichen Prägung ist.
[20:38] Du sagst ja, dass du Freunde hast.
[20:43] Dass du eigentlich beliebt bist, das höre ich daraus. Neutral betrachtet würde ich sagen, ja.
[20:48] Wenn ich wieder in so einem Negativ-Ding bin, würde ich sagen,
[20:51] nein. Dann würde ich alles in Frage stellen.
[20:54] Und hätte auch das Gefühl, dass das alles nur Heuchlereien sind von meinen Freunden,
[20:59] die mich ausnutzen oder sonst was.
[21:01] Aber jetzt gerade kann ich klar sagen, das ist nicht so. Und ich stelle mich
[21:04] schon als nicht unbeliebt bezeichnen auf jeden Fall. Ich sage jetzt mal beliebt.
[21:09] Ja, kann man nicht auch sagen.
[21:11] Und was halt so rüberkommt...
[21:15] Hier auch, ich sitze hier ja gegenüber und was, glaube ich, wohl auch bei deinen
[21:20] Freunden so wahrgenommen wird, ist, dass du ein sehr liebeswertes Wesen hast.
[21:26] Ja, also würde ich schon sagen. Ich würde sagen, das zeichnet mich aus.
[21:32] Also eigentlich bist du sehr liebenswürdig. Ja, wahrscheinlich schon, ja.
[21:40] Ja, aber du kannst das für dich nicht annehmen. Du hängst fest an der Stimme von der Oma.
[21:47] Genau, also ich hatte es auch in der Therapie davon.
[21:54] Ich kenne wenig Leute tatsächlich, die mich jetzt nicht mögen.
[21:59] Also, wenn ich sage, den Kejani kann ich gar nicht leiden. Gibt es bestimmt
[22:03] auch, aber ist mir eigentlich egal.
[22:06] Aber die einzige Person, von der ich weiß, dass sie mich nicht mag, bin ich.
[22:10] Und das ist halt der größte Kritiker und das ist eigentlich die Person,
[22:12] die ich eigentlich am meisten überzeugen will, dass ich gar nicht so schlecht
[22:16] bin, wie ich es mir als einrede.
[22:18] Also dein innerer Verstand sagt, also dein innerer Erwachsener sagt,
[22:23] du bist gar nicht so schlecht, wie du es dir immer einredest oder wie dein innerer
[22:26] Kritiker dir das einrichtet.
[22:27] Ja genau, also ich weiß es ja schon irgendwie, dass es ja eine kritische Stimme
[22:32] ist und ich weiß ja durch Therapie jetzt mittlerweile, dass die Stimme ja von meiner Oma kommt.
[22:38] Also wenn ich jetzt hier so dir gegenüber sitze, dann ist das für mich ganz
[22:43] klar, was ich da teilweise denke, ist halt einfach Quatsch, auf gut Deutsch.
[22:48] Okay, also du hast sozusagen klare Momente.
[22:51] Die habe ich auf jeden Fall, aber die nicht so klaren Momente,
[22:55] wo die Stimme halt einfach die Macht übernimmt oder halt das Negative im Kopf ist.
[23:00] Die sind halt erstmal viel öfter da als klare Momente und die wiegen halt viel schwerer.
[23:05] Würdest du das mit uns teilen, was die Stimme da alles so von sich gibt?
[23:12] Ja, also das sind so, ich würde mal sagen, zum einen so typische Leitsätze wie,
[23:18] du bist nichts wert, du wirst es eh nicht schaffen.
[23:23] Also jetzt aber jetzt sogar auf beruflich, schulische Sachen,
[23:28] die ich halt jetzt einfach aufgrund von der Krankheit auch schon ein,
[23:30] zwei Mal unterbrechen musste, weil ich halt wieder einen Klinikaufenthalt hatte.
[23:35] Ja, ich finde mich selber in den Momenten hässlich. Hinterfrage alle meine Freundschaften,
[23:40] auch enge Freunde, wenn ich weiß, dass ich für mich alles tun würde,
[23:44] hinterfrage ich in den Momenten.
[23:47] Vertraust du denn also keinem? Nee, also irgendwie nicht.
[23:51] Und zum einen fehlt Vertrauen, würde ich sagen. Und zum anderen ist es dann
[23:57] auch wieder so dieser Selbsthass, der mir sagt, du hast gar nicht verdient,
[24:02] so gute Freundschaften zu haben.
[24:05] Du bist nicht wert, dass Leute sich so für dich einsetzen, wie du dich für sie einsetzen würdest.
[24:12] Und das sind so die Hauptgedanke. Also halt alles so auf die Person und auf
[24:15] den Charakter bezogen, aber komplett negativ.
[24:21] Ja, ich verstehe. Ich verstehe. Auf der anderen Seite gibt es auch so einen
[24:27] gesunden Anteil in dir oder so eine gesunde Stimme,
[24:31] die schon weiß, dass das so nicht stimmt, dass das völlig übertrieben ist.
[24:37] Sag mal, Kilian.
[24:40] Könntest du deinen inneren Kritiker
[24:43] mal fragen, welche positive Absicht er verfolgt? Was will er eigentlich?
[24:51] Warum tut er das? Wovor will er dich beschützen? Ich würde sagen,
[24:57] wahrscheinlich davon nochmal so verletzt werden, wie es in der Kindheit wird.
[25:02] Wenn ich selber mich distanziere, ich selber mir quasi von Anfang an einrede,
[25:08] das kann nichts werden, weil du eh nichts wert bist,
[25:11] dann verletze ich mich selber zwar extrem, aber irgendwie ist meinem Kritiker
[25:16] vielleicht ich selber nicht so viel wert, ich weiß es nicht.
[25:19] Aber ich kann mich dann nicht so krass von anderen verletzen lassen,
[25:23] weil ich gar nicht so tief in Beziehungen eintauchen kann, sage ich mal.
[25:26] Die Antwort kam jetzt relativ schnell. War dir das schon länger klar,
[25:31] dass der innere Kritiker eigentlich eine Schutzfunktion für dich einnimmt?
[25:38] Nee, tatsächlich nicht. Also ich habe jetzt das erste Mal so ein bisschen durch
[25:41] die Frage auf die Seite betrachtet, dass es auch eine Schutzfunktion sein kann.
[25:47] Aber klar, ich weiß es halt. Also das kam jetzt wahrscheinlich so schnell,
[25:52] weil ich einfach auch schon das jahrelang so durchmache, sage ich mal.
[25:57] Also dir war das vorher gar nicht so klar. Das heißt ja aber,
[26:00] dass du sehr schnell und sehr gut dich selbst reflektieren kannst.
[26:07] Ja, also kann sein, weiß nicht.
[26:12] Also so war mir das, wie gesagt, klar, ich habe die Sicht eigentlich noch nie
[26:17] so gehabt. Also für mich war das eigentlich, wie gesagt, immer so was Negatives,
[26:23] das mich einfach schlechtreden will.
[26:26] Aber klar, wenn man es jetzt so betrachtet, wird es auch eine Schutzfunktion
[26:29] haben. Also wahrscheinlich relativ sicher die, die ich jetzt gerade auch genannt habe.
[26:33] Also ich halte das jetzt mal, weil ich dachte, du hättest das wahrscheinlich
[26:36] vorher gewusst, weil die Antwort zu schnell kam.
[26:39] Halte ich das jetzt einfach mal als eine ausgesprochen gute Ressource von dir
[26:44] fest, dass du eine sehr gute Reflexionsfähigkeit hast.
[26:48] Und bleiben wir beim Thema. Also der innere Kritiker will dich eigentlich beschützen,
[26:54] denn so paradox es klingt, und das gilt für alle inneren Kritiker da draußen
[26:59] und in der Welt, die meinen es tatsächlich gar nicht so böse, wie sie sich anhören.
[27:05] Das klingt absurd, bei dem Mist, was sie einem um die Ohren hauen können.
[27:11] Aber auch bei dir hat es eine Schutzfunktion.
[27:15] Du hast gesagt, ich wehrte mich lieber selbst massiv ab, als dass ich Gefahr
[27:22] laufe, noch mal so zurückgestoßen zu werden und so weggeschubst zu werden.
[27:29] Ich nehme jetzt meine Worte, wie als Kind. Ja, also das würde ich so auf jeden Fall unterschreiben.
[27:37] Also wenn ich jetzt auch so meine Jugend eben anschaue, habe ich ja vorhin schon mal kurz erwähnt.
[27:44] Ich habe zum Glück in meiner Schulzeit kein Mobbing oder ähnliches erleben müssen.
[27:50] Aber ich glaube auch ein Stück weit einfach, weil ich immer nach außerdem selbstbewusster
[27:55] gespielt habe, der halt auch mal einen Witz über sich selber macht,
[27:59] über sich selber lachen kann.
[28:01] Aber das würde ich sagen, war einfach auch nur eine Schutzfunktion,
[28:05] weil ich halt echt Angst hatte, von anderen Verletzten zu werden. Ja.
[28:10] Ja, weil du das ja so tief erlebt hast und das ist ja das Schlimmste von allem,
[28:16] ist ja Beschämung und Demütigung durch die Großmutter.
[28:22] Und Beschämungs- und Demütigungserlebnisse sind eigentlich das Schlimmste, was es gibt.
[28:29] Und das will man nie, nie, nie wieder so fühlen. Also Demütigung,
[28:33] schlimmer geht es eigentlich gar nicht.
[28:37] Und oft führt Demütigung auch zu Gewalt.
[28:41] Also jeder Gewalttat da draußen in der Welt ging irgendeine Demütigung voraus,
[28:47] also jetzt nicht in dem Moment, sondern überhaupt, es sind sehr viele Gedemütigte,
[28:52] die gewalttätig werden.
[28:55] Du bist aber gar nicht gewalttätig, du bist weit davon entfernt,
[28:58] du bist ein empathischer, sehr liebenswürdiger Mensch.
[29:01] Dem Einzigen, dem du Gewalt antust, das bist du selbst.
[29:05] Ja, also wenn man es so sieht, das ist ja auch eine Form von Gewalt.
[29:09] Also ich bin auf keinen Fall gewalttätiger Gewahnkolleide.
[29:14] Aber dir gegenüber? Aber mir gegenüber schon extrem.
[29:18] Hier bist du gewalttätig. Ja, und das ist ja eigentlich ähnlich wie das vorhin mit empathisch.
[29:24] Andere gegenüber kann ich empathisch sein, mir gegenüber nicht.
[29:28] Also würde ich sagen, so alles Negative, das vielleicht, also das hat ja jeder
[29:34] Mensch, trägt das irgendwann mal in sich, dass man die Wut hat oder so.
[29:39] Ich kriege die vielleicht nicht ganz so gut nach außen gebracht.
[29:43] Riechtest du gegen dich selbst? Riecht dann lieber alles gegen mich selbst, ja.
[29:47] Ja, wenn wir uns Kilians Geschichte anschauen, dann müssen wir über ein Gefühl
[29:51] sprechen, das meiner Meinung nach oft sehr stark unterschätzt wird und das ist
[29:58] das Gefühl der Demütigung.
[30:00] Demütigung ist kein normales, negatives Gefühl, weil Demütigung den Kern des
[30:09] Menschen angreicht, den Kern seiner Würde.
[30:13] Weil Demütigung sagt nicht irgendwie, ja, da hast du irgendwas falsch gemacht
[30:17] oder es war nicht okay, sondern Demütigung sagt, du bist durch und durch falsch,
[30:24] du bist durch und durch schlecht und nicht richtig.
[30:28] Genau solche Erfahrungen von Demütigung finden sich sehr häufig auf dem Hintergrund von Gewalt.
[30:36] Das heißt, ganz, ganz viele Menschen, die später aggressiv und gewalttätig werden,
[30:42] haben als Kinder massive Beschämung und Erniedrigung erlebt.
[30:47] Das heißt natürlich nicht, dass jeder, der gedemütigt wurde, gewalttätig wird.
[30:52] Aber diese Energie ist einfach da, es entsteht oder kann entstehen,
[30:59] eine wahnsinnige Aggressionsenergie durch Demütigung entsteht.
[31:04] Und im Grunde genommen ist ja Aggression auch nichts Schlechtes,
[31:08] weil es da ja um Abgrenzung geht,
[31:11] Abgrenzung auch gegen den Aggressor, aber häufig wird die Aggression dann ja
[31:17] im späteren Leben gegen andere Menschen gerichtet, die mit dem Aggressor gar
[31:21] nichts zu tun haben, mit dem Ursprünglichen.
[31:24] Und bei Kilian ist es einfach so, dass er diese ganze Wut gegen sich selber gerichtet hat.
[31:35] Und nicht ins Außen. Denn was er mit sich macht, diese massive Selbstabwertung,
[31:40] die er praktiziert und im Grunde genommen auch die Art und Weise,
[31:45] wie er isst, also dieses Binge-Essen,
[31:48] ist auch eine Form der Autoaggression und eine Form der Gewalttätigkeit gegen sich selbst.
[31:55] Und da entsteht dann häufig genau das, was wir dann Depressionen nennen,
[32:01] weil Depression ist im Grunde genommen eine erkaltete Aggression,
[32:08] also keine heiße, die nach außen gehen, sondern eine ganz kalte Aggression,
[32:13] die sich gegen sich selber richtet.
[32:16] Und deswegen ist es ganz wichtig, dass Kilian da einen ganz anderen Zugang zu
[32:23] sich selber findet, eine ganz andere Haltung zu sich selbst findet,
[32:28] um eben diesen Selbsthass, diese Aggression gegen sich selbst aufzulösen.
[32:44] Wir haben die Funktion jetzt sehr früh verstanden. Eigentlich will dein innerer
[32:49] Kritiker dich beschützen, weil deine allergrößte Angst im Leben ist,
[32:58] nochmal so richtig schwerst enttäuscht und gedemütigt zu werden,
[33:05] wie du es als Kind erlebt hast. Habe ich das richtig verstanden?
[33:09] Ja, so kann man es sagen. Also zum einen die Demütigung und zum anderen,
[33:14] was auch einfach ein ganz schlimmes Gefühl war, ist halt diese Hilflösigkeit.
[33:19] Also ich war ja extrem verletzt durch das, was mir angetan wurde und habe mich
[33:27] aber nicht gehört gefühlt.
[33:29] Das ging dann wirklich so weit, dass ich in Jugendjahren oder in früher Erwachsenenjahren,
[33:36] mir selber teilweise unsicher war, ob ich das erfunden habe oder ob das überhaupt passiert ist.
[33:41] Und, also ich bin mir sicher, dass es passiert, ich habe das nicht erfunden.
[33:46] Aber so dieses, man erlebt was Extremes, also es war in dem Moment eine Extremsituation für mich.
[33:54] Gerade wenn man jetzt bei dem Beispiel mit dem Einsperrer bleibt,
[33:56] und das waren ganz viele so Situationen.
[33:59] Man bekommt keine Hilfe, man fühlt sich gedemütigt, man ist traurig und es ist
[34:05] halt einfach ein Gefühlschaos in einem Kind.
[34:08] Und es war halt kein Erwachsener da, bei dem ich das irgendwie verarbeiten konnte.
[34:12] Also ich würde sagen, zu dieser Demütigung kommt dann auch noch eine extreme
[34:15] Hilflosigkeit. Wenn du das jetzt so.
[34:22] Und dir den kleinen Jungen von damals vorstellst, tut dir der nicht unendlich
[34:27] leid? Der tut mir extrem leid, ja.
[34:31] Und das ist doch aber der, der noch in dir steckt. Ja, also wenn man es so sieht, schon.
[34:37] Aber wie gesagt, ich habe, glaube ich, dieses negative Dänkisches so verankert.
[34:42] Moment.
[34:45] Moment, sage ich, weil du gleich wieder in deine Negativspirale reinkommst und
[34:50] die bremst sich jetzt gerade ab.
[34:53] Also die Fähigkeit zum Selbstmitgefühl ist schon da.
[34:59] Du kannst so einen inneren Kontakt zu diesem armen, kleinen,
[35:04] dicken Jungen herstellen. Du warst damals schon übergewichtig.
[35:08] Das war der Ansatz von deiner Großmutter, oder? Bei dem Einsperre tatsächlich noch nicht.
[35:15] Dadurch hinsichtlich dann halt irgendwie die erste Ess-Sache entwickelt, sage ich mal.
[35:20] Okay, das war schon der Versuch der Selbstheilung.
[35:25] Also mit diesem armen kleinen Jungen, der von dieser fiesen Hexe eingesperrt
[35:32] wurde und keiner hat ihm geglaubt.
[35:36] Kannst du dir dafür mal so ein innerlich so ein richtiges Selbstmitgefühl geben in diesem Moment?
[35:47] Dass du innerlich so in Kontakt gehst mit diesem alten Schmerz Ja,
[35:51] also man hat natürlich Mitgefühl und ich habe jetzt gerade auch Mitgefühl mit
[35:54] mir wenn ich an die Situation denke Also da ist es Du kannst schon,
[36:00] Mitgefühl haben und das ist so so so wichtig, dieses Mitgefühl,
[36:05] weil das ist der Schlüssel zu allem für dich, dieses Mitgefühl zu spüren und
[36:11] genau in diesen Kontakt auch zu gehen mit diesem alten inneren Schmerz,
[36:16] der Isolation, der Hilflosigkeit, der Demütigung,
[36:21] mit allem, was dazugehört, dass der einfach da sein darf.
[36:25] Du dir innerlich sagen kannst, du armer, armer Kerl, es tut mir so leid.
[36:31] Ja, also ich glaube, das muss ich auf jeden Fall auch noch mehr lernen oder mir bewusster werden.
[36:38] Bewusster werden. Das ist im Grunde, ich glaube, wo wir das hier gerade machen,
[36:43] du hast so leicht, im Grunde hast du leicht Zugang zu dir selbst.
[36:47] Also es ist eine große Ressource.
[36:51] Also wir haben schon den den Erwachsenen Kilian, der durchaus in ein Selbstmitgefühl
[37:00] zu sich gehen kann, zu dem kleinen Kilian, der so alleine und so verlassen war.
[37:06] Das ist die Verbindung, die positive, gesunde Verbindung zu dir selbst.
[37:11] Und dann gibt es noch den Kritiker, der dich beschützen will.
[37:14] Der will dich, im Grunde will er dich davor beschützen, dass dieses kleine,
[37:19] jungen Gefühl, was du gerade gespürt hast, dass dir das nochmal zustößt.
[37:26] Das heißt, beim inneren Kritiker geht es um Kontrolle.
[37:31] Diese extrem selbstabwertende Stimme ist, so absurd es klingt.
[37:40] Dein Bodyguard, um dich vor weiteren Enttäuschungen zu beschützen.
[37:44] Ja, ich habe das, wie gesagt, noch nie irgendwie so betrachtet.
[37:49] Für mich war es immer nur über diese negative Stimme, die mich runterzieht irgendwie.
[37:55] Aber man muss ja, finde ich, trotzdem ein Gleichgewicht hinkriegen, oder?
[38:01] Ich würde dir mal Folgendes vorschlagen.
[38:05] Ich würde mir dem Kritiker jetzt unterstellen, dass er ja eigentlich dein Bestes
[38:09] will. Also er will dich beschützen.
[38:11] Und das tut er mit extrem krassen Maßnahmen.
[38:15] Frag ihn doch mal, ob es wirklich sein muss, dass er dich so fertig macht,
[38:23] weil er dich einerseits beschützt, aber auf der anderen Seite auch komplett runterzieht.
[38:29] Ob er nicht vielleicht viele sinnvollere Maßnahmen hätte, dich zu beschützen.
[38:35] Ob es nicht was anderes gibt, was die gleiche Funktion erfüllen würde,
[38:39] aber nicht diese krassen Nebenwirkungen hätte. Der Schutz ist da,
[38:43] aber die Nebenwirkungen dieser Methode sind extrem hoch.
[38:46] Also richtig krasse Nebenwirkungen. Schlimmer als bei der schlimmsten Chemotherapie.
[38:52] Also vielleicht hat er ja irgendeine Idee, die Schutzfunktion auszuüben,
[39:00] ohne sich derartig fertig zu machen.
[39:03] Ja, also fällt mir jetzt so pauschal irgendwie nicht viel ein.
[39:09] Also ich habe ja auch schon.
[39:13] In der Therapie auch schon Kompensationsstrategie gelernt, aber das war dann
[39:17] eher, wenn ich schon in dem Negativ denke, drinne bin, rauszukommen eben.
[39:21] Genau, aber was könnte ein Kritiker tun? Ich meine, du willst, er beschützt dich.
[39:27] Du im Grunde hältst ja damit immer einen gewissen Sicherheitsabstand zu Menschen ein.
[39:35] Es bleibt immer etwas so übrig, vertraue am besten niemandem,
[39:40] dann kannst du nicht enttäuscht werden.
[39:42] Ja, aber im Endeffekt muss das ja irgendwie wiederkommen, sage ich mal.
[39:49] Also ich muss ja das Vertrauen irgendwie wiederquellen, aber ich weiß jetzt
[39:53] gerade auch nicht, was ich dir oder wie der Kritiker anders agieren könnte.
[39:59] Also wenn ich es mir wünsche, dass er irgendwann mal anders agiert,
[40:01] aber mir fällt jetzt irgendwie nichts ein, ehrlich gesagt.
[40:05] Er könnte ja vielleicht einfach mal seine Stimme verändern und einfach,
[40:09] anstatt dich fertig zu machen, sagen, was er von dir will.
[40:13] Er könnte doch zum Beispiel einfach sagen, Kilian, das war ja damals richtig
[40:17] schlimm mit deiner Oma und ich möchte, darf ich vorstellen, ich bin ein innerer
[40:21] Kritiker, ein Beschützer.
[40:24] Ich bin schon auf deiner Seite. Ich will dir eigentlich immer nur sagen,
[40:29] pass ein bisschen auf. Menschen können auch manchmal fies sein oder Menschen
[40:33] können auch mal nicht aufrechtlich sein.
[40:37] Ja gut, das wäre dann sozusagen eine wohlwollendere Perspektive.
[40:43] Er hätte einfach sein Anliegen klar gemacht, ohne dich niederzuprügeln.
[40:49] Wäre man natürlich lieber.
[40:55] Also ich finde es halt schwierig. Also natürlich hätte ich gern...
[41:04] Das denke und wie jetzt auch gesagt, im Endeffekt sind das ja die Anlieger,
[41:10] ist das ja eine Schutzfunktion.
[41:12] Und ich würde mir wünschen, wenn ich jetzt mit dem Kritiker reden könnte,
[41:17] würde ich ihm das auch so sagen, dass das natürlich für mich auch wesentlich
[41:21] gesünder wäre, wenn einfach nur, in Anführungsstrichen, nur das Anlieger halt
[41:27] klar gemacht wird, ohne mich runterzumachen.
[41:29] Aber ich gehe davon aus, dadurch, dass ich das jetzt auch schon viele Jahre
[41:33] habe, wird das halt ein extrem langer Lernprozess sein. Das ist ein Glaubenssatz.
[41:40] Das konstruierst du dir gerade. Aber das ist so ein allgemein verbreiteter Glauben.
[41:44] Veränderung ist schwer, dass das wie so eine geteilte Wahrheit ist.
[41:51] Das muss gar nicht so schwer sein. Denn ich habe erlebt, wenn Menschen tiefe
[41:57] Einsichten haben, dass Veränderung auch schnell gehen kann oder viel schneller, als sie denken.
[42:03] Deswegen red dir das nicht ein, dass das jahrelang dauert. Weil wenn du dir
[42:07] das einredest, weißt du, was dann ganz schnell passiert?
[42:12] Dass du aufgibst. Genau, dass du resignierst. Genau das kann nämlich dann ganz schnell passieren.
[42:18] Wenn dein innerer Kritiker sich wieder zu Wort meldet, sag ihm einfach,
[42:23] du, ich habe dich jetzt durchschaut und ich weiß, was du willst, du willst mich warnen.
[42:28] Und dann sagst du einfach, lass jetzt mal gut sein.
[42:30] Ich habe deine Botschaft schon lange verstanden, ich praktiziere die schon seit
[42:34] meinem Leben lang und ich weiß noch gar nicht mal, ob sie wirklich richtig ist.
[42:40] Kannst du auch ruhig mal wütend werden. Und deswegen hältst du jetzt einfach mal die Klappe.
[42:45] Dem muss man auch Grenzen setzen. Weil du hörst ja auch auf seine Botschaften.
[42:50] Und ich sage dir was, vielleicht magst du mir das im Moment noch nicht glauben,
[42:55] aber die Welt da draußen ist nicht die böse Oma. Ja, hoffentlich nicht.
[43:00] Ja, das heißt, deine Freunde werden es schon ehrlich mit dir meinen.
[43:06] Und wenn nicht, dann bräuchtest du gute Argumente und keinen inneren Kritiker.
[43:11] Ja, also ich habe in der Therapie, glaube ich, einen ähnlichen Ansatz.
[43:18] Mit meiner Therapeutin verfolgt, die hat gemeint, wenn die kritische Stimme
[43:22] kommt, soll ich mir einfach immer vorstellen, wie würde ich reagieren,
[43:26] wenn mein Freund das sagt.
[43:31] Und wenn ich das hinbekomme, so im Nachhinein oder so, das von außen zu betrachten,
[43:36] dann ist das, wie ich es vorhin auch schon mal gesagt habe, für mich irgendwie,
[43:40] ganz klar, dass ich eigentlich der kritische Stimme kein Gehör schenken muss.
[43:44] Weil also ich hab das bisher immer so ich hab die Schutzfunktion ja noch nicht
[43:48] gesehen aber bisher immer so einfach wahrgenommen weil ich mich halt niedermachen will,
[43:57] Aber jetzt natürlich noch mit dem Denke dazu, dass da wirklich ein Schutz dahinter
[44:00] steht. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren.
[44:04] Was ich eben mit Argumenten meinte, wir haben das ja ganz oft,
[44:07] dass das Bauchgefühl, der innere Kritiker, das innere Schattenkind,
[44:10] was auch immer, ganz schlecht vertrauen kann. Du hast ja einen Vertrauensschaden deiner Oma bekommen.
[44:17] Dass du selbst guten Freunden nicht richtig vertraust, zumindest wenn du deine dunklen Stunden hast.
[44:23] Und dann wird der Kritiker oberlaut und redet dir das auch genau ein.
[44:29] Aber du weißt doch, komm, das ist doch einfach nur eine alte Stimme.
[44:33] Und dann kannst du dem inneren Kritiker auch sagen, wenn du mich überzeugen
[44:38] willst, dass mein Freund Robert, ich konstruiere das jetzt einfach,
[44:41] kein guter Freund ist, dann sag mir mal ein vernünftiges Argument,
[44:44] ein wirklich vernünftiges Argument mit Hand und Fuß.
[44:47] Wo hat er mich im Stich gelassen? Wo hat er, so, gibt ja Kriterien.
[44:54] Und da wird dem inneren Kritiker nichts einfallen, weil er keine Argumente hat,
[44:57] weil es einfach nur der Widerhall der Vergangenheit ist.
[45:01] Das ist einfach das Echo der Oma.
[45:03] Damit kriegst du aber auch festeren Boden unter den Füßen, dich nicht so mitreißen zu lassen.
[45:10] Und du kannst ihm immer auch sagen, ja, ich weiß, du willst mich eigentlich
[45:13] beschützen, aber wie du das machst, da habe ich keinen Bock mehr drauf,
[45:17] deswegen halte ich die Klappe. Lass mich mal machen.
[45:20] Ja, also ich finde es aber halt in den Momente halt verdammt schwer,
[45:25] weil wie du vorhin auch gesagt hast, die Stimme ist halt extrem laut.
[45:30] Ja, und deswegen brauchen wir die zweite Ebene ganz stark.
[45:35] Und zwar dieses Selbstmitgefühl mit dem kleinen Jungen.
[45:39] Weil das ist das absolute Gegengift zu dem inneren Kritiker.
[45:43] Dass du.
[45:45] Zu diesem kleinen Jungen in dir wirklich jeden Tag, jeden Tag und so oft es
[45:50] geht, in Kontakt gehst und sagst, du armer Kerl, das tut mir so, so leid.
[45:58] Und dass du innerlich eine wirklich richtig liebevolle Beziehung zu dem entwickelst.
[46:03] Weil das genau ist dieser innere Teil, der so verletzt ist. Und der braucht,
[46:08] deine ganze Aufmerksamkeit und dein ganzes Mitgefühl.
[46:14] Und du kannst dir auch wirklich vorstellen, ich meine, deinen Eltern tut es
[46:17] heute leid, die haben Schuldgefühle, die wissen, dass sie richtige Fehler gemacht haben.
[46:22] Du kannst dir auch wirklich vorstellen in deiner Fantasie, weil wir können auch
[46:28] Erinnerungen überschreiben.
[46:33] Dass du es deinen Eltern erzählst, wo du klein warst, deine Eltern einschreiten,
[46:39] dass deine Eltern dafür sorgen, dass du nicht mehr zur Oma kommst,
[46:44] dass die Oma keinen Kontakt zu dir hat, dass deine Eltern dich beschützen und
[46:49] dass deine Eltern dich trösten.
[46:50] Denn das ist ja das, was du damals gebraucht hättest.
[46:54] Also dass die Eltern von heute, die das inzwischen wissen, quasi in deine Vergangenheit
[47:00] kommen und es richtig machen und dir all das geben, was du damals gebraucht hättest.
[47:06] Diese Vorstellungsbilder können extrem heilsam sein.
[47:11] Ja, ich bin mir auch sicher, dass ich es machen würde.
[47:14] Also ich habe ein extrem gutes Verhältnis zu meinen Eltern durch das,
[47:19] was passiert ist und dadurch, dass ich es mir jetzt glaube, also wie gesagt,
[47:24] ich will es nicht so darstellen, Da hat's ja gut, sie ernst mir nicht geglaubt, aber.
[47:29] Ich will halt ihnen keinen Vorwurf machen. Das hat meine Oma einfach geschickt gemacht.
[47:36] Aber ich bin mir sicher, mit dem Verhältnis, das ich mir heute habe,
[47:39] würde sie sehr wohlwollend reagieren.
[47:43] Und das kannst du für dich therapeutisch nutzen, indem du wirklich Vorstellungsbilder
[47:50] kreierst, indem du alte Erinnerungen überschreibst. Das ist auch tatsächlich
[47:55] eine therapeutische Interventionsmethode.
[47:57] Was du ja machst und was wir alle machen, du reagierst ja auf alte Erinnerungen.
[48:04] Alte Erinnerungen bringen die alten Gefühle. Im Grunde genommen sind es aber
[48:08] nur Gedanken in deinem Kopf. Es sind alles nur Gedanken.
[48:12] Heute. Früher war es wahr, aber heute reagierst du ja nur noch auf deine Gedanken,
[48:16] auf deine Erinnerungen.
[48:17] Und diese Erinnerungen kannst du verändern.
[48:21] Die kannst du auch überschreiben, zumindest ein gutes Stück weit,
[48:25] dass in deinem Kopf mal neue Bilder entstehen, Bilder, die wesentlich heilsamer
[48:30] sind als das, was du in der Realität erlebt hast.
[48:34] Und es ist so wichtig, dass du dieses Mitgefühl zu diesem kleinen Jungen herstellst,
[48:41] weil es ist genau der, der an den Kühlschrank geht.
[48:44] Und dass du dir vielleicht, was das Essen anbelangt.
[48:51] So eine Fünf-Minuten-Regel einbaust. In dem Moment, wo du merkst,
[48:55] ich habe einen Puls, ich habe einen Impuls, jetzt sofort in den Kühlschrank
[48:58] zu gehen, stellst du dir deinen Handywecker auf fünf Minuten.
[49:03] Und in diesen fünf Minuten bleibst du einfach nur bei dir, bleibst bei diesem Drang jetzt zu essen.
[49:11] Du gehst in dieses Gefühl, du fragst dich, was will ich jetzt eigentlich wirklich,
[49:15] was ist der kleine Junge in mir, will der wieder alles in sich hineinstopfen.
[49:20] Also du gibst diesem Jungen Trost. Du versuchst bei ihm zu bleiben. Fünf Minuten lang.
[49:29] Oder was braucht er wirklich? Vielleicht braucht er einfach nur Kontakt.
[49:33] Auch da kannst du sagen, okay, dann rufen wir doch jetzt einen Freund an oder
[49:37] gehen vielleicht nochmal raus. Fünf Minuten.
[49:41] Danach kannst du machen, was du willst. Kannst auch in den Kühlschrank gehen.
[49:45] Aber verlängere die Zeit zwischen Reiz und Reaktion um fünf Minuten.
[49:52] Und in den fünf Minuten dann auch wirklich quasi mit mir und meinem Inneren
[49:56] beschäftigen. Ja, mit deinen Gefühlen, was jetzt eigentlich der Impuls ist.
[49:59] Der kleine Junge, da kommen ja immer wieder diese alten verletzten Gefühle hoch.
[50:04] Oder der innere Kritiker, der wieder am Wutend ist und dir wieder irgendeinen Scheiß erzählt.
[50:08] Bleib mal wirklich dabei und wenn du merkst, der innere Kritiker ist wieder
[50:12] so laut, sag komm, du willst mich jetzt wieder beschützen, aber das bringt mich
[50:15] jetzt Lass dir keinen Schritt weiter.
[50:17] Fühl nochmal den kleinen Jungen in dir, der so verletzt war.
[50:20] Bleib wirklich bei deinen Gefühlen, weil das sind ja die Gefühle,
[50:24] die du mit dem Essen schnell beiseite schieben willst. Aber es ist der viel
[50:27] heilsamere Weg, sich diesen Gefühlen einfach mal zu widmen und versuchen, sich da zu verletzen.
[50:35] Selber ein bisschen zu halten, durch dieses Selbstmitgefühl und indem du diesen Kritiker regulierst.
[50:46] Nur fünf Minuten. Danach kannst du immer noch in den Kühlschrank gehen,
[50:50] aber oft lässt der Impuls dann auch stark nach, überhaupt in den Kühlschrank gehen zu wollen.
[50:56] Einfach nur fünf Minuten, also damit es nicht so unterbrecht die Automatisierung,
[51:03] weißt du, sonst ist es ja ein Reflex.
[51:05] Hast irgendein Gefühl, bäm, stehst du auf und gehst los. Oder greifst neben
[51:09] dir in die Schiffstüte oder was auch immer.
[51:12] Also die müsste dann natürlich auch außerhalb von der Reichweite liegen.
[51:16] Einfach nur fünf Minuten mal wirklich bei sich bleiben, was ist das?
[51:20] Was tut dir so weh, was schmerzt so? Also, ach je, ja, Selbstmitgefühl,
[51:26] das war aber auch schlimm.
[51:27] Ich kann dich verstehen, das ist der wichtigste Satz für dich,
[51:30] ich kann dich total verstehen, dass du so drauf bist und ich kann dich total
[51:34] verstehen, dass Essen dein einziger Trost ist.
[51:37] Ja, das ist jetzt irgendwie spannend für mich, weil ich bisher eigentlich zum
[51:43] einen von mir selbst aus, aber auch.
[51:47] In der Therapie eigentlich gerade in Bezug auf die Essertage ging es immer eher Richtung Vermeidung.
[51:56] Also klar, dass ich meine negative Gedanken oder halt dann, wenn die kritische
[52:00] Stimme kommt, das vermeide, das ist ja zum Beispiel Essen oder das Kompensieren.
[52:06] Aber auch wenn ich jetzt die Essertage habe, eher ja, mach was anderes, geh raus.
[52:13] Oder auch schon so Sachen wie ein Stoppschild an der Kühlschrank.
[52:18] Und das ist ja irgendwie, also klar ist ja auch ein Stück weit,
[52:20] 5 Minuten nicht an der Kühlschrank gehe bewusst.
[52:23] Aber dieses dann nochmal rein in die Gefühle. Ja, darum geht es ja.
[52:27] Es geht ja genau diese Gefühle, die steuern dich ja permanent aus dem Hinterhalt.
[52:32] Ja, also ich sage mal, das Schattenkind hat dich dann komplett am Griff und
[52:35] das Schattenkind sagt, geh jetzt an den Kühlschrank, das tut dir gut.
[52:39] Und in dem Moment innehalten, was fühle ich denn gerade? Ja,
[52:42] ich fühle mich gerade einsam.
[52:44] Oder plötzlich habe ich wieder diese Zweifel, sind meine Freunde wirklich meine
[52:47] Freunde. Ich fühle mich gerade total wertlos.
[52:50] Und dann zu sagen, ach, mein armer Schatz, es war auch wirklich schlimm damals
[52:54] mit der Oma. Ich kann nicht verstehen. Ich kann nicht verstehen,
[52:57] dass du jetzt tierisch einen Bock hast, in den Kühlschrank zu gehen.
[53:00] Aber lass uns noch ein bisschen miteinander aushalten. Ich verspreche dir,
[53:03] wenn die fünf Minuten rum sind, dann kannst du auch in den Kühlschrank gehen.
[53:06] Aber lass uns doch erst mal gucken.
[53:08] Und worum geht es denn jetzt? Was tut jetzt gerade so weh? Warum ist jetzt gerade
[53:13] der Wunsch zu essen so stark? Was brauchst du denn wirklich?
[53:16] Was brauchst du denn wirklich?
[53:18] Brauchst du jetzt wirklich die Schokolade oder brauchst du eigentlich ein bisschen
[53:22] Liebe und Zuwendung und Verständnis? Es ist nicht vielleicht das,
[53:25] wonach du dich gerade sehnst.
[53:27] Ja, es ist objektiv 100% eher Liebe, Zuneigung, vielleicht einfach mal jemand,
[53:37] zum Ausheulen, sage ich jetzt mal.
[53:41] Aber ja, es ist halt greifbarer. Es ist der viel, viel schneller verfügbare
[53:47] Trost, aber mit einem hohen Preis, weil danach die Schuldgefühle kommen.
[53:51] Ja, also das ist der schlechtere Weg, sag ich mal. Das ist mir,
[53:57] wenn wir jetzt hier gegenüber sitzen, natürlich auch bewusst.
[54:00] Und ich glaube, ich bin nur oder gehe auch selten wirklich in die Gefühle rein.
[54:09] Weil du sie ja vermeiden willst. Ja, und aus Angst. Und ein Stück weit,
[54:13] weil die Stimme, wie vorhin schon gesagt, sehr laut ist.
[54:17] Und ja, ich will sie vermeiden. Und weil ich es, glaube ich,
[54:21] einfach auch noch nie, das ist wirklich ein Ansatz, den ich für mich auf jeden
[54:25] Fall mitnehme, die Schutzfunktion sehr habe.
[54:28] Also ich glaube, darum muss ich mir auf jeden Fall viel bewusster werden und
[54:32] eben wieder Zugang zu meinem inneren Kind finden. Genau.
[54:37] Und das sind, denke ich, die ganz, ganz zwei Riesenhebel, ist die Selbstannahme,
[54:42] denn im Mitgefühl bist du in der Selbstannahme und das ist ja das,
[54:45] was du brauchst, dich selbst anzunehmen und den kleinen Jungen, den kannst du annehmen.
[54:50] Und den inneren Kritiker als die Stimme entlarven, die dich mit ganz schlechten
[54:55] Methoden eigentlich vor weiterer Enttäuschung beschützen will.
[55:00] Und mit dem kannst du dich auch auseinandersetzen und sagen,
[55:04] ey, das muss doch nicht wirklich immer in diesem Tonfall sein.
[55:08] Deine Message habe ich schon seit langem verstanden. Und ich kann mich auch anders beschützen.
[55:14] Oder muss ich mich überhaupt immer beschützen? Ich kann ja auch mal vertrauen.
[55:17] Ich habe überhaupt kein Argument, warum ich Freund XY nicht vertrauen soll.
[55:21] Und du hast mich bisher auch kein überzeugendes Argument gebracht.
[55:26] Weil das Argument kann nicht sein, du bist scheiße, weil das ist nicht das Argument.
[55:30] Das Argument müsste beim Freund ansetzen. Das Argument müsste heißen,
[55:33] ja, guck mal, da hat er dich verraten, da hat er dich angelogen.
[55:36] Das wären Argumente. Und die gibt es objektiv nicht.
[55:40] Genau. Und damit stehst du argumentativ, hast du deinen sicheren Boden unter
[55:44] den Füßen, weil das stärkt deinen Erwachsenen-Ich. Und dass der,
[55:48] innere Kritiker dir da und selbst Hass einredet, ist ja nur,
[55:55] damit du bloß nicht vertraust auf irgendeine Bindung.
[56:01] Und damit kannst du dann auch nicht mehr enttäuscht werden. Ja,
[56:04] also auf jeden Fall. Mir fällt es extrem schwer.
[56:09] Ich habe mittlerweile ein, zwei Freunde, bei denen ich sage,
[56:14] da bin ich wirklich in eine extreme Bindung eingegangen.
[56:19] Und habe auch viel anvertraut und habe auch ein gutes Verhältnis zu denen.
[56:25] Aber auch da ist immer wieder halt so ein kritisches Hinterfrage,
[56:31] also eher so dieses Denken, sehe die die Freundschaft auch so wichtig,
[56:34] wie ich sie sehe und investiere ich zu viel rein, aber es ist halt auch wieder
[56:40] der Kritiker, der redet.
[56:42] Weil wenn ich jetzt darüber nachdenke, ohne gerade viel kritische Stimme im
[56:47] Kopf zu haben, warum soll es nicht so sein?
[56:51] Also was spricht objektiv dagegen?
[56:54] Genau. Eigentlich nichts.
[56:56] Aber wenn der Kritiker halt wieder laut ist.
[57:02] Dann gebe ich dem halt irgendwie recht. Aber das darf ja eigentlich auch nicht sein.
[57:07] Weil es ist ja nicht die Wahrheit, sondern die Wahrheit, die mein Kritiker mir einreden will.
[57:12] Ja, und wenn er zu laut wird und du das Gefühl hast, du kommst gar nicht mehr
[57:16] gegen ihn an, kannst du dir auch sofort wieder mit diesem kleinen Jungen Kontakt herstellen.
[57:22] Sag, ach Gott, du armer Kerl, jetzt musst du dir das schon wieder anhören.
[57:27] Jetzt musst du dir das schon wieder anhören. Früher die Oma,
[57:31] jetzt der innere Kritiker. Ach je, mein armer Schatz, das hast du nicht verdient.
[57:36] Verstehst du, was ich meine? Ja, auf jeden Fall.
[57:39] Also du lässt den Kritiker reden, gehst ja mal ins Selbstmitgefühl mit dem inneren
[57:45] Kind und sagst, ach Gott, hör dir den mal wieder an, das wäre furchtbar,
[57:48] ist ja noch schlimmer als die Oma früher, ach du armer Schatz,
[57:51] und gehst ins Selbstmitgefühl.
[57:53] Ja, im Endeffekt hat ja der Kritiker ja auch das von der Oma übernommen. Ja.
[57:58] Also eigentlich sind es für mich beides Personen, mit denen ich nichts mehr
[58:03] zu tun habe. aber mit meiner Oma habe ich ja nichts mehr zu tun.
[58:07] Aber der Kritiker könnte eigentlich gleich mit, so gesehen.
[58:13] Und da sind deiner Kreativität auch überhaupt keine Grenzen gesetzt,
[58:16] mit dem umzugehen, weißt du? So, da kannst du dir alles Mögliche ausdenken.
[58:21] Ganz wichtig ist das Selbstmitgefühl zu dem inneren Jungen und den Kontakt hast
[58:27] du. Das ist eine ganz tolle Ressource.
[58:30] Und da jeden Tag, so oft es geht, beim Autofahren, egal wo, Immer wieder,
[58:34] oh je, das war schlimm damals, oh je, oh je, was hatte ich dir angetan?
[58:41] Und das ist der Exit raus aus diesem Selbsthass. Ja, also ich glaube,
[58:46] ich muss mir ja, ich habe eigentlich bis heute gedacht, dass ich mich schon
[58:51] viel mit dem Thema befasst habe und das habe ich ja auch.
[58:54] Aber ich habe zum einen neue Ansichten, neue Wege jetzt irgendwie geplant.
[59:00] Gelernt, sage ich mal, ich muss mir dem Ganzen halt, glaube ich,
[59:03] einfach bewusster werden und vor allem dranbleiben und in der Phase,
[59:09] wo der Kritiker laut wird, da bewusst werden.
[59:11] Das erfordert auch Kraft. Und du wirst die Erfahrung machen,
[59:15] dass du dich viel schneller wahrscheinlich veränderst, als du denkst,
[59:19] weil das dauerte 100 Jahre, das ist ein Glaubenssatz, der schnell in die Resignation führen kann.
[59:24] Und natürlich wirst du trotzdem auch Rückfälle haben, aber Rückfälle im Sinne,
[59:28] dass der innere Kritiker mal wieder kurzfristig gewinnt, aber immer wieder zurück
[59:33] ins Selbstmitgefühl, immer wieder klar machen, dass das nur ein Echo aus der
[59:37] Vergangenheit, die kritische Stimme,
[59:40] die dich beschützen will, aber dass das ja heute eigentlich gar nicht mehr nötig ist.
[59:43] Es ist eine Schutzfunktion, die überhaupt nicht mehr zeitgemäß ist.
[59:47] Das passt überhaupt nicht ins Hier und Jetzt deiner Realität.
[59:50] Ja, zum einen das und zum anderen glaube ich einfach, dass ich einen Freund
[59:56] und Familiekreis habe, der mich auch beschützt.
[59:59] Also ich muss das nicht mehr alles allein machen, wie ich es in dem Moment gedacht
[1:00:04] habe, als ich die Situation mit der Oma hatte.
[1:00:07] Da habe ich irgendwie das Gefühl gehabt, ich bin für mich alleine,
[1:00:09] keiner hilft mir. Richtig, aber diese alten Angstgefühle, du hast diese alten
[1:00:13] Beschämungsgefühle, die haben noch nicht verstanden, dass die Zeit mit der Oma
[1:00:17] vorbei ist. Sie sind noch total in der Vergangenheit.
[1:00:20] Du rutschst dann ja innerlich immer in die Vergangenheit, wenn du in diese Gefühle reingehst.
[1:00:26] Und deswegen ist es auch wirklich gut, dir bewusst zu hören,
[1:00:29] hey, es ist vorbei, die Oma ist tot, der Krieg ist beendet. Wir haben schon lange Frieden.
[1:00:36] Also diesem inneren Gefühl auch zu erzählen, diesem inneren Schattenkind.
[1:00:41] Ja, also auf jeden Fall. Für mich ist irgendwie...
[1:00:46] Ich weiß nicht so ganz, was ich davon halte, weil das Oma tot ist,
[1:00:50] weil ich irgendwie für mich keinen Abschluss zu dem ganzen Thema finden konnte.
[1:00:54] Andererseits weiß ich gar nicht, ob das überhaupt Sinn ergeben hätte,
[1:00:57] sie damit nochmal zu konfrontieren.
[1:01:00] Und über dieses Hilfesuche, das merke ich halt, das ist bei mir immer noch ein
[1:01:03] extremes Problem, wirklich auf andere zuzugehen, mir Hilfe einzufordern.
[1:01:08] Obwohl ich weiß, ich kriege sie. Also so wie ich für andere gerne da bin,
[1:01:14] könnte ich jetzt hier per se wahrscheinlich zehn Namen nennen,
[1:01:18] wo ich weiß, ich könnte sie jetzt anrufen und sagen, ey, mir geht's nicht gut, können wir reden.
[1:01:23] Aber in dem Moment kriege ich es halt einfach nicht hin. Ja,
[1:01:27] aber klar, muss ich dranbleiben und ja, gibt einem trotzdem,
[1:01:34] wenn man es weiß, Stärke, einfach zu wissen, sie sind da und man darf sich dann
[1:01:39] auch einfordern, glaube ich.
[1:01:40] Ja, genau, das darfst du und du darfst, wie gesagt, auch mit dir selbst in diesem
[1:01:46] liebevollen Kontakt bleiben. Du bist sozusagen auch selber noch deine erste
[1:01:51] Hilfe. Ja, auf jeden Fall.
[1:01:53] Muss ich aber, wie gesagt, weder förmlich lernen oder bewusster werden. Genau.
[1:01:59] Einfach jetzt damit weitergehen mit dem, was wir hier heute besprochen haben.
[1:02:05] Okay, ich glaube, dann sind wir so am Ende dieses Gesprächs.
[1:02:11] Und nachdem, was du erzählt hast, hast du jetzt viel klarere Ideen,
[1:02:16] wie du weitergehen kannst.
[1:02:18] Auf jeden Fall, ja. Also wie gesagt, das ist ein Thema, wo ich schon lange in der Therapie habe.
[1:02:23] Und ich habe auch schon viele Fortschritte gemacht.
[1:02:26] Also wenn man mich jetzt mit vor einem halben Jahr vergleicht,
[1:02:31] was einfach alles viel schlimmer war, oder vor drei, vier Monaten habe ich schon Fortschritte gemacht.
[1:02:37] Da habe ich auf jeden Fall wichtige neue Erkenntnisse gewonnen, würde ich sagen.
[1:02:42] Das freut mich sehr und vielen, vielen Dank, dass du das hier alles uns erzählt
[1:02:46] hast, dass du so offen mit uns geteilt hast. Ich glaube, ganz viele Zuhörer
[1:02:51] und Zuhörerinnen können sich unheimlich gut damit identifizieren.
[1:02:55] Danke dir. Ich sage auch, danke.
[1:02:59] Also das war ein wirklich tolles Gespräch mit Kilian, auch dank seiner enorm
[1:03:05] guten Reflexionsfähigkeit, die er hier gezeigt hat.
[1:03:08] Und das war wieder mal eins dieser Gespräche, wo ich so am Anfang denke,
[1:03:12] oh, das ist zu krass, wie soll ich das hier auch in diesem Format handeln?
[1:03:17] Und wo ich dann am Anfang auch so Druckgefühle spüre.
[1:03:21] Dann habe ich aber doch gemerkt, dass was Kilian eigentlich fehlt,
[1:03:25] ist vor allem dieses Selbstmitgefühl und eben ein anderes Verständnis von seinem inneren Kritiker.
[1:03:31] Damit konnten wir dann auch wunderbar arbeiten. Und ich hoffe wirklich,
[1:03:36] dass der Kilian, aber ich glaube es auch, dass er diesen Weg jetzt weiter bestreitet.
[1:03:40] Denn es hat mir im Herzen wehgetan, dass so ein wunderbarer Mensch wie er,
[1:03:45] und so habe ich ihn hier erlebt, sich so tief in diesen Selbsthass versteigt.
[1:03:51] Und deswegen drücke ich ihm alle, alle Daumen und sende ihm sozusagen all meine
[1:03:55] Kraft, dass er diesen Weg weitergeht. Aber ich bin tatsächlich ziemlich optimistisch,
[1:04:00] dass er noch sehr weit im positiven Sinne kommen wird.
[1:04:05] Ja, und vielleicht konntest du ja auch etwas aus diesem Thema für dich persönlich mitnehmen.
[1:04:10] Auf jeden Fall wünsche ich dir ja erstmal alles Gute und freue mich auf das
[1:04:15] nächste Mal. Deine Steffi.

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