# Was bringt eine Zuckersteuer auf Getränke?

An episode of [Spektrum-Podcast](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1459656339), 24 Jul 2026, 18 min.

Audio: https://flex2.acast.com/s/spektrum-podcast/u/detektor.fm/wp-content/uploads/2026/07/260724spektrum-podcastzuckersteuer.78926.mp3

Zucker steht in Verbindung mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen. Kann eine Zuckersteuer den Konsum senken? Hier entlang geht’s zu den Links unserer Werbepartner: https://detektor.fm/werbepartner/spektrum-der-wissenschaft (00:01:45) Zuckersteuer in Deutschland: Wie könnte das aussehen? (00:03:43) Gesundheitsrisiko Zucker: Die Folgen eines hohen Konsums (00:05:12) Die Zuckersteuer in Großbritannien (00:09:58) Sind Zero-Alternativen besser als Zucker? (00:13:08) Wie viel eine Zuckersteuer in Deutschland bewegen würde (00:14:49) Weitere Schritte für eine gesündere Bevölkerung ➡️ Artikel zum Nachlesen: https://detektor.fm/wissen/spektrum-podcast-zuckersteuer

## Chapters

- 1:45 Zuckersteuer in Deutschland: Wie könnte das aussehen?
- 3:43 Gesundheitsrisiko Zucker: Die Folgen eines hohen Konsums
- 5:12 Die Zuckersteuer in Großbritannien
- 9:58 Sind Zero-Alternativen besser als Zucker?
- 13:08 Wie viel eine Zuckersteuer in Deutschland bewegen würde
- 14:49 Weitere Schritte für eine gesündere Bevölkerung

## Transcript

[0:00] In Großbritannien und anderen Ländern gibt es sie schon, und nun
[0:04] plant auch Deutschland eine sogenannte Zuckersteuer. Aber bringt das wirklich was? Darum
[0:09] geht es heute bei uns hier im Spektrum Podcast. Mein Name ist
[0:12] Marc Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid. Spektrum der Wissenschaft – der
[0:19] Podcast von detektor.fm. Cola, Limos, Süßigkeiten und überhaupt hochverarbeitete Lebensmittel –
[0:40] sie alle enthalten eine Menge Zucker. Und statistisch betrachtet essen wir alle
[0:45] zu viel davon. Das wirkt sich negativ auf unsere Gesundheit aus. So
[0:49] viel ist klar. Das Diabetesrisiko, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nur einige
[0:54] der möglichen Folgen. Wie also kriegt man die Leute dazu, weniger Zucker
[0:59] zu essen? Das ist eine Frage, die die Politik schon länger beschäftigt.
[1:03] Eine Antwort, die immer wieder genannt wird, ist eine sogenannte
[1:07] Zuckersteuer. Großbritannien hat diese vor einigen Jahren eingeführt, und zwar auf Softdrinks.
[1:14] Anders als bei einer klassischen Steuer für Verbraucher zahlen hier die
[1:17] Hersteller. Jetzt plant auch die Bundesregierung eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke und
[1:23] orientiert sich dabei an diesem britischen Modell. Die Idee dahinter ist
[1:28] klar: Unternehmen sollen einen Anreiz bekommen, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken.
[1:33] Was bringt das alles? Funktioniert das wirklich? Darüber will ich heute sprechen
[1:38] und zwar mit Frank Schubert. Der ist Biologe und Redakteur bei Spektrum
[1:42] der Wissenschaft. Hallo Frank.
[1:47] Hallo Marc. Ja, Frank, was genau plant denn die Bundesregierung bezüglich dieser Zuckersteuer?
[1:53] Momentan ist die genaue Ausgestaltung noch offen. Das ist noch im Gespräch. Aber die Experten regen eine Herstellerabgabe an,
[1:59] und die soll gekoppelt sein an den Zuckergehalt von Süßgetränken. Also im
[2:04] Gespräch ist, dass weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter nach
[2:10] Steuer frei sein soll. 5 bis 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter
[2:14] da soll dann eine Abgabe von 26 Cent pro Liter fällig werden.
[2:18] Und bei mehr als 8 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen
[2:22] es dann 32 Cent pro Liter sein. Fruchtsäfte und Getränke mit Süßstoffen
[2:27] sollen wahrscheinlich abgabenfrei bleiben, also nach dem momentanen Entwurf. Und das Ganze
[2:33] könnte dem Fiskus schätzungsweise 450 Millionen Euro pro Jahr bringen und könnte
[2:39] langfristig helfen, bis zu 170 Millionen Euro jährlich im Gesundheitssystem einzusparen. Ja,
[2:46] das sind also so die Schätzungen. Interessant bei eurem Artikel in
[2:49] Spektrum fand ich auch, dass es interessanterweise überhaupt nicht die erste Zuckersteuer
[2:53] in Deutschland ist.
[2:57] Ja, genau, das fand ich auch interessant. Tatsächlich gab es
[3:03] schon 1841 die erste Zuckersteuer in Deutschland. Damals hat der preußisch dominierte
[3:10] deutsche Zollverein eine Steuer eingeführt auf Runkelrüben für die Zuckerbereitung. Und er
[3:14] hat dann in den Folgejahren die Sätze immer weiter erhöht und bald
[3:17] auch schon nicht mehr auf die Rüben erhoben, sondern auf den daraus
[3:23] gewonnenen Zucker. Und das stieß schon damals nicht auf ungeteilte Begeisterung der
[3:29] Hersteller. Die Zuckerfabrikbesitzer haben 1850 aus Protest dagegen den Verein für die
[3:34] Rübenzuckerindustrie im Zollverein gegründet. Und das war tatsächlich auch der erste deutsche
[3:39] Industrieverband überhaupt.
[3:42] Ja, also sowas wie Lobbyarbeit im Grunde auch dann.
[3:46] Auf jeden Fall. Ja, das wird auch gleich noch eine Rolle spielen. Auf
[3:50] jeden Fall. Also Frank, vielleicht erstmal nochmal so zur Erklärung des Status
[3:54] Quo. Welche gesundheitlichen Folgen werden denn eigentlich mit hohem Zuckerkonsum so in
[3:58] Verbindung gebracht?
[4:04] Das sind mehrere. Also hoher Zuckerkonsum ist erwiesenermaßen ein wichtiger
[4:09] Risikofaktor für chronische Krankheiten. Also er erhöht das Risiko für Übergewicht und
[4:15] für Adipositas, also krankhaftes Übergewicht. Er erhöht auch das Risiko für Stoffwechselkrankheiten,
[4:20] allen voran Diabetes Typ 2, aber auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und
[4:27] in Deutschland nehmen Menschen im Schnitt 20 Gramm Zucker täglich über Süßgetränke
[4:31] auf, haben Untersuchungen ergeben. Das ist ungefähr ein Viertel des durchschnittlichen pro
[4:40] Kopf Konsums freien Zuckers in Deutschland. Und dieser Pro-Kopf-Konsum der
[4:45] liegt deutlich über der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal 50
[4:51] Gramm freien Zucker täglich. Und da ist man in Deutschland mit durchschnittlich
[4:56] 80 Gramm doch sehr eindeutig drüber. Und deshalb sprechen sich medizinische Fachgesellschaften,
[5:01] die Bundesärztekammer und Wissenschaftler usw. auch mehrheitlich für eine Süßgetränkesteuer aus.
[5:05] Ja, auch krass, wie hoch der Anteil dann tatsächlich an diesen Softdrinks mit
[5:08] dem Zucker ist. Also wenn du sagst, die WHO empfiehlt irgendwie 50
[5:11] Gramm und wir nehmen ungefähr 20 Gramm allein durch Softdrinks im Schnitt
[5:14] auf, das ist ja fast die Hälfte. Das ist schon heftig.
[5:17] Das ist schon krass, ja. So, und in Großbritannien hat man ein ähnliches
[5:21] Problem und da hat man es wohl erkannt und so eine Zuckersteuer
[5:24] auf Softdrinks erhoben. Wie sieht das denn bei denen genau aus?
[5:29] Großbritannien hat das 2018 eingeführt. Übrigens, Großbritannien ist nicht das einzige Land weltweit,
[5:35] was eine Süßgetränkesteuer hat. Tatsächlich sind es über 100 Staaten, also 114
[5:40] Staaten waren es im Jahr 2024 laut WHO-Angaben, die eine Süßgetränkesteuer
[5:46] etabliert hatten. Großbritannien hat das 2018 eingeführt, und zwar als Steuer auf
[5:52] zuckerhaltige Softdrinks. Die allerdings Hersteller, also eine Herstellerabgabe, also die betrifft Hersteller
[5:58] und Importeure und nicht direkt die Verbraucher. Und diese Steuer wächst mit
[6:03] dem Zuckergehalt. Also je höher der Zuckergehalt, umso höher ist dann auch
[6:05] die Steuer. So ähnlich wie wir das ja eben auch schon hatten bei den Überlegungen zur deutschen Zuckersteuer. Der Zweck dieser Abgabe ist, dass
[6:12] den Herstellern Anreize geboten werden, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken. Die
[6:18] sogenannte Reformulierung. Das ist so das Ziel gewesen. Und diese britische Zuckersteuer
[6:24] ist auch durchgesetzt worden mit gut organisierten politischen Kampagnen. Das kommt auch
[6:30] nicht von ungefähr, dass das in Großbritannien früher auf dem Schirm war
[6:34] als beispielsweise in Deutschland. Weil in Großbritannien finanziert sich das Gesundheitssystem über
[6:39] Steuern statt über Beiträge. Und deshalb kommt dort Kostenbruch, der irgendwie mit
[6:45] dem Gesundheitssystem in Verbindung steht, schneller auch mal auf die politische Agenda.
[6:49] Und 2018, hast du gesagt, das ist also schon eine Weile her.
[6:51] Kann man denn schon sagen, welche Auswirkungen diese Zuckersteuer dort hat oder
[6:56] hatte? Also hat das was gebracht?
[6:59] Ja, schon. Also auf jeden Fall. Das ist allerdings ein durchwachsenes oder nicht so ganz eindeutiges Bild, was
[7:04] sich da ergibt. Also was man auf jeden Fall sagen kann, ist
[7:07] dass die Steuer dazu geführt hat, dass der Zuckergehalt in vielen Getränken
[7:12] deutlich abgesunken ist, im Schnitt um fast 45 Prozent. Also das ist
[7:16] schon ganz schön ordentlich. Die Hersteller haben ihre Produkte oft sogar noch
[7:22] vor Inkrafttreten der Steuer angepasst. Und ein Ergebnis davon ist beispielsweise, dass
[7:27] die internationalen Marken von Coca Cola und Fanta Orange deutlich weniger Zucker
[7:32] enthalten als die entsprechenden deutschen Produkte. Also es ist schon erstaunlich. Ich
[7:37] glaube, der Unterschied ist so viereinhalb zu siebeneinhalb Gramm ungefähr. Also es
[7:40] ist schon ein deutlicher Effekt. Und wegen dieser Steuer in Großbritannien nehmen
[7:46] Kinder dort schätzungsweise täglich drei Gramm freien Zucker weniger auf und Erwachsene
[7:53] sogar 5,2 Gramm. Also macht schon ein bisschen was aus. Und
[7:57] wenn man das jetzt auf das Jahr umrechnet, dann haben Einwohner in
[8:01] Großbritannien ihre Energiezufuhr aus Softdrinks um schätzungsweise 6600 Kilokalorien pro Jahr reduziert
[8:08] wegen dieser Steuer. Wie gesagt, sind alles Schätzwerte. Also auf der Produktebene
[8:13] hat es auf jeden Fall ganz klare Auswirkungen gehabt. Weniger klar ist
[8:19] was das für gesundheitliche Auswirkungen hat. Also es gibt so ein paar
[8:22] Dinge, die eindeutig sind. Beispielsweise haben sich die Krankenhausaufenthalte von Kindern wegen
[8:28] kariesbedingter Zahnextraktionen, die sind deutlich zurückgegangen nach Einführung der Steuer. Was ja
[8:34] jetzt auch nicht so wahnsinnig verwunderlich ist. Klar, wenn man jetzt weniger
[8:37] Zucker über Süßgetränke zu sich nimmt, dann gibt es auch weniger Karies.
[8:41] Ist jetzt nicht so überraschend. Weniger klar ist, ob die Steuer dazu
[8:46] beiträgt, Übergewicht und krankhaftes Übergewicht also seltener zu machen oder die
[8:54] Zunahme von Übergewicht und Adipositas zu bremsen. Das ist nicht so ganz
[8:57] klar. Man kann das vermuten, dass das so ist. Das ist sehr
[9:00] plausibel, dass das so ist. Aber es ist bisher empirisch noch nicht
[9:04] sicher nachgewiesen, einfach weil es jetzt auch noch nicht so lange her
[9:08] ist. Also 2018 ist ja jetzt acht Jahre her. Und um solche
[9:12] Effekte eben public health-mäßig nachzuweisen, das dauert einfach ein paar Jahre.
[9:17] Und deswegen hat man diesen empirischen Nachweis noch nicht. Man hat schon
[9:20] Hinweise darauf, dass das so ist. Also bei älteren Mädchen beispielsweise ist
[9:25] es relativ klar erkennbar, dass dieser Effekt schon eingetreten ist. Aber eben
[9:30] nicht in anderen Altersgruppen und auch nicht bei Jungs. Und deswegen ist
[9:33] es insgesamt noch nicht empirisch gesichert. Man kann aber mit guten Gründen
[9:37] davon ausgehen, dass es so sein wird, dass diese Steuer eben auch
[9:40] zumindest dem Anstieg von Übergewicht und krankhaften Übergewicht entgegenwirkt. Also du hast
[9:46] ja jetzt schon einige positive Effekte aufgezählt.
[9:52] Ja, auf jeden Fall. Jetzt haben wir diese Steuer in Großbritannien und du hast gesagt, das hat
[9:55] die Hersteller auch dazu bewegt, dann da weniger Zucker reinzumachen. Und insgesamt
[9:58] Frank, das wirst du vielleicht auch beobachten, wenn du im Supermarkt oder
[10:01] im Getränkemarkt bist, seit einigen Jahren sind ja so Zero-Produkte auch
[10:05] wirklich omnipräsent. Also ich habe das Gefühl, jeden Softdrink, den ich als
[10:08] Kind getrunken habe, kann ich jetzt auch in einer Null-Kalorien-Variante
[10:11] mit irgendwelchen Süßstoffen mir kaufen. Teilweise wird aber auch über diese Süßstoffe
[10:16] sehr viel gestritten, auch politisch. Wie ist das zu bewerten? Also ist
[10:19] das gesünder oder hat das auch Risiken?
[10:23] Ja, also du hast auf jeden Fall recht. Also das ist auch mein Eindruck, dass diese Zero-
[10:27] Getränke sehr stark zugenommen haben. Ja, die sind umstritten und was die
[10:32] gesundheitlich jetzt machen oder nicht machen, das ist auch noch nicht so
[10:34] ganz klar. Also in Großbritannien haben die Hersteller auf die Zuckersteuer reagiert,
[10:40] indem sie massenhaft Zucker in Getränken gegen künstliche Süßstoffe ausgetauscht haben. Das
[10:46] erklärt einen großen Teil dieses Effekts, dass eben immer mehr Zero-Produkte
[10:51] aufgetaucht sind in den zurückliegenden Jahren. Frankreich hat das interessanterweise von vornherein
[10:56] gleich unterbunden mit einer pauschalen Abgabe auf süßstoffhaltige Getränke. Was da wissenschaftlich
[11:03] für eine Evidenz dahinter steht, ist noch nicht so ganz klar. Manche
[11:06] vermuten ja, dass solche Süßstoffe gegen unseren Geschmack sind, auf süß trimmen
[11:12] und damit das Problem vielleicht sogar eher noch verschärfen, weil man sich
[11:16] halt dran gewöhnt, dass immer alles süß ist und dann will man
[11:18] irgendwann auch immer alles süß haben. Das ist aber nicht so klar,
[11:21] ob das stimmt. Es ist auch nicht so klar, ob Süßstoffe tatsächlich
[11:26] also künstliche Süßstoffe tatsächlich unbedenklich sind, jetzt im Hinblick auf Stoffwechselerkrankungen, ob
[11:33] sie beispielsweise das Diabetesrisiko steigern oder nicht steigern. Das weiß man noch
[11:38] nicht so genau. Man weiß, dass bei Menschen mit hohem Konsum von
[11:43] künstlichen Süßstoffen das Diabetesrisiko erhöht ist und auch das Risiko für Herz
[11:48] Kreislauf-Erkrankungen. Aber hier ist die Kausalität nicht klar. Also man weiß
[11:53] nicht, sind die Süßstoffe der Grund dafür, dass das Krankheitsrisiko bei diesen
[11:58] Menschen erhöht ist oder konsumieren Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko aus irgendwelchen Gründen
[12:04] mehr künstliche Süßstoffe. Was der Ursache und Wirkung ist, weiß man nicht
[12:08] so genau. Also es hat MRT-Studien gegeben, also Magnetresonanzthermographische Untersuchungen
[12:14] von Gehirn von Menschen, und die deuten darauf hin, dass unser Gehirn
[12:20] in unserem Gehirn springt ja eine Belohnungsreaktion an, wenn wir Süßes essen.
[12:24] Das ist ja auch der Grund, warum das Verlangen nach Süßen so
[12:28] hoch ist. Und diese Belohnungsreaktion scheint aber offenbar nur anzuspringen, wenn Süße
[12:34] und Energiezufuhr kombiniert sind. Und wenn man künstliche Süßstoffe konsumiert, dann hat
[12:39] man zwar die Süße, aber nicht die Energiezufuhr und damit offensichtlich auch
[12:43] nicht so eine starke Belohnungsreaktion im Gehirn. Das spricht wiederum dafür, dass
[12:48] Süßstoffe vielleicht doch ein guter Weg sein könnten, vom Zucker wegzukommen, indem
[12:53] man eben erstmal Zucker austauscht gegen Süßstoffe und damit eben erreicht, dass
[13:00] man zunächst erstmal nicht auf den gewohnten süßen Geschmack verzichten muss und
[13:03] dann vielleicht so nach und nach auch von den künstlichen Süßstoffen wegkommt.
[13:06] Verstehe, okay. Und Frank, jetzt mal angenommen, nach allem, was wir jetzt
[13:10] gehört haben, Deutschland führt diese Zuckersteuer demnächst wirklich ein. Ist da
[13:15] mit einer echten Verbesserung der Situation zu rechnen?
[13:19] Ja, wahrscheinlich eher nicht, weil diese Tendenz, dass Übergewicht und Adipositas zunimmt
[13:24] in der Bevölkerung, das ist eine ziemlich starke Tendenz. Langzeituntersuchung des Robert Koch Instituts hat gezeigt,
[13:30] dass Adipositas beispielsweise von 2003 bis 2023, dass die Häufigkeit gestiegen ist
[13:37] von 12 auf ungefähr 20 Prozent. Also das ist schon ein ziemlich
[13:40] krasser Anstieg in der Bevölkerung. Und da gibt es viele Gründe, warum
[13:44] das so ist, warum Übergewicht und krankhaftes Übergewicht so stark zunehmen. Da
[13:49] spielt natürlich die Ernährung eine große Rolle, das ist klar, und damit
[13:52] auch freier Zucker. Aber spielen noch viele weitere Dinge eine Rolle, also
[13:56] Bewegungsgewohnheiten beispielsweise. Und wenn man jetzt eine Zuckersteuer einführt auf Süßgetränke, dann
[14:04] ist es ja nur eine Schraube, an der man da dreht. Und
[14:07] diese Steuer, die ist ja jetzt auch nicht so hoch, dass die
[14:10] jetzt riesige Ausgaben für die Betroffenen nach sich zieht. Und damit ist
[14:14] auch der Druck nicht sehr groß, um große Verhaltensänderungen zu bewirken. Und
[14:19] deshalb kann man davon ausgehen, dass eine Süßgetränke-Steuer allein wahrscheinlich oder
[14:25] sehr wahrscheinlich nicht reichen wird, um den Anstieg von Übergewicht und Adipositas
[14:30] in der Bevölkerung umzukehren. Sie wird wahrscheinlich dazu beitragen, den Anstieg zu
[14:35] verlangsamen. Aber wenn man jetzt wirklich eine Trendumkehr wollte, also dass wirklich
[14:40] vielleicht die Häufigkeit von Übergewicht und krankhaften Übergewichten in der Bevölkerung wieder
[14:44] sinkt, dann müsste man sehr, sehr viel mehr tun als nur eine
[14:47] Süßgetränke-Steuer einführen.
[14:51] Ja, dann lass uns das doch zum Schluss vielleicht noch einmal darauf gucken, mal abgesehen von solchen Steuern. Also welche weiteren
[14:54] Maßnahmen wären denn denkbar oder nötig, um dann so zuckerbedingte Krankheiten auch
[14:58] wirksam zu bekämpfen?
[15:02] Ja, das sind einige. Also vor allem eben im Hinblick auf Kinder und Jugendliche, weil wenn man die sozusagen in einem
[15:08] Umfeld sozialisiert, wo es ständig alles süß ist und ständig billige süße
[15:14] Lebensmittel im Überfluss gibt und so weiter, dann ist das ja eine
[15:18] Prägung, die man da anlegt. Und diese Prägung hält ja dann irgendwie,
[15:21] weiß man ja, hält ja dann lebenslang oder zumindest über große Teile
[15:24] des Lebens an. Deswegen zielen viele Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche ab.
[15:29] Und was da Experten beispielsweise fordern, ist, dass man ein ausgewogenes und
[15:35] gesundes Kita- und Schulessen verbindlich für alle Kinder einführt, dass man
[15:40] eine verbindliche Nährwertkennzeichnung auf Lebensmittel einführt, dass man die Mehrwertsteuer auf Obst
[15:46] und Gemüse absenkt, dass man ein Werbeverbot ausspricht für ungesunde Lebensmittel, insbesondere
[15:52] ungesunde Kinderlebensmittel, um da eben solche Prägungseffekte und Anreize abzusenken. Auf jeden
[16:00] Fall hilfreich wäre auch, einen körperlich aktiveren Lebensstil zu fördern, weil Bewegung
[16:06] hat ja einen sehr großen Einfluss auf das Übergewicht- und Adipositas-Risiko.
[16:11] Und das könnte beispielsweise passieren über einen attraktiveren Schulsport, über attraktivere
[16:18] Bewegungsangebote an Kinder und Jugendliche, beispielsweise über AGs oder über Vereine. Naja,
[16:25] und dann gibt es ja noch überhaupt das Problem, wie gestaltet man
[16:29] städtische Infrastruktur, um Menschen allgemein zu mehr Mobilität anzuregen. Also im Moment
[16:35] haben wir ja in ganz vielen Städten die Situation, der Verkehr, der
[16:40] ist eigentlich fürs Auto ausgelegt. Und wenn dann noch ein bisschen Platz
[16:43] ist, dann gibt es noch ein bisschen was anderes. Dann gibt es
[16:45] vielleicht noch irgendwo einen Bürgersteig, wo vielleicht auch mal jemand lang gehen
[16:48] kann oder so. Und das muss sich mit Sicherheit ändern. Also auch
[16:52] aus anderen Gründen, dass man eben weg von diesem Primat des Autos
[16:55] kommt, dass man mehr Rad- und Fußwege anlegt, dass man mehr
[16:59] Grünanlagen schafft in Städten, auch aus anderen gesundheitlichen Gründen, und dass man
[17:04] generell ein attraktiveres urbanes Umfeld schafft, das einfach mehr dazu einlädt, draußen
[17:09] zu sein und sich auch draußen zu bewegen. Das wird sicherlich auch
[17:13] eine Rolle spielen müssen. Also wir kriegen vielleicht demnächst eine Zuckersteuer auf
[17:18] Süßgetränke in Deutschland. Jedenfalls gibt es diese Pläne. Und was dafür und
[17:22] dagegen spricht, das haben wir hier erörtert. Mehr dazu erfahrt ihr auch
[17:25] auf spektrum.de. Da gibt es einen Artikel dazu, könnt ihr nochmal
[17:27] nachlesen. Und Frank, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs Erklären.
[17:31] Danke von mir.

Shows are listed from Apple Podcasts' charts and directory, and Podcast Index where it is used. Every show and episode belongs to its publisher and plays from the publisher's own feed; this site hosts none of them.
