# Migräne: Mythen und neue Medikamente

An episode of [Spektrum-Podcast](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1459656339), 13 Feb 2026, 17 min.

Audio: https://flex2.acast.com/s/spektrum-podcast/u/detektor.fm/wp-content/uploads/2026/02/260213spektrum-migraene.78926.mp3

Viele Menschen leben mit Migräne, ohne es zu wissen. Warum die Krankheit so häufig verkannt wird, welche Mythen sich hartnäckig halten — und wie neue Medikamente Betroffenen erstmals gezielt helfen können. (00:01:26) Begrüßung Frau Hartmann und persönliche Erfahrungen (00:03:31) Probleme der Diagnose von Migräne (00:04:40) Vielfältigkeit der Symptome (00:06:31) Abgrenzung Migräne und Kopfschmerzen (00:08:20) Migräne bei Kindern und Jugendlichen (00:10:11) Die neurologischen Vorgänge während der Migräne (00:11:45) Ursachen der Erkrankung (00:13:29) Moderne Behandlungsmöglichkeiten Hier entlang geht’s zu den Links unserer Werbepartner: https://detektor.fm/werbepartner/spektrum-der-wissenschaft ➡️ Artikel zum Nachlesen: https://detektor.fm/wissen/spektrum-podcast-migraene-kopfschmerzen

## Transcript

[0:00] Viele Menschen leben mit Migräne, ohne es zu wissen. Warum die Krankheit
[0:05] so häufig verkannt wird, welche Mythen sich hartnäckig halten und wie neue
[0:09] Medikamente Betroffenen erstmals gezielt helfen könnten, darum geht es heute bei uns
[0:15] hier im Spektrum Podcast. Mein Name ist Max Zimmer. Schön, dass ihr
[0:19] dabei seid. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm. Migräne, die
[0:45] gilt ja oft so als starker Kopfschmerz. Aber diese Vorstellung greift
[0:50] natürlich viel zu kurz. Weltweit gehört die neurologische Erkrankung zu den
[0:55] häufigsten Ursachen für Einschränkungen im Alltag. Bis zu einem Viertel der Bevölkerung
[1:00] ist Schätzungen zufolge von Migräne betroffen. Und trotzdem wissen viele Betroffene nicht
[1:06] mal, dass sie wirklich Migräne haben. Warum ist das so? Welche Symptome
[1:10] werden übersehen? Und was passiert denn eigentlich im Gehirn während so eines
[1:14] Anfalls? Darüber will ich sprechen und über einen medizinischen Durchbruch, der vielen
[1:19] Betroffenen neue Hoffnung gibt. Denn erstmals gibt es Medikamente, die gezielt dort
[1:23] ansetzen, wo Migräne entsteht. Und mein Gast heute ist Corinna Hartmann. Die
[1:28] ist Redakteurin bei Spektrum der Wissenschaft. Und das kann ich schon mal
[1:32] verraten, hat sich nicht ganz freiwillig mit diesem Thema beschäftigt. Hallo Corinna.
[1:37] Ja, Corinna, du hast selbst Migräne. Du bist selber betroffen. Und für
[1:40] Leute wie mich, die das zum Glück nicht haben, ist es immer
[1:43] irgendwie so ein bisschen schwierig, sich das so richtig vorzustellen. Ich weiß,
[1:47] es ist schwer, aber vielleicht kannst du mal kurz sagen, wie äußert
[1:50] sich das so bei dir? Also bei mir ist das so, ich
[1:53] habe seit ich ungefähr 18 Jahre alt bin immer wieder starke Kopfschmerzen,
[1:58] die teils pochend sind. Und auf jeden Fall ist es meistens so,
[2:01] dass die mich auch richtig lahmlegen. Also ich kann mich dann eigentlich
[2:04] nur hinlegen und hoffen, dass ich bald einschlafe, dass ich es halt
[2:08] nicht so mitbekomme, wie es wehtut. Und es gab sogar Phasen ohne
[2:12] schmerzfreie Minuten. Also da hat mich dieser Kopfschmerz über Wochen und Monate
[2:16] permanent begleitet. Und dass das wiederum aber Migräne ist und eben nicht
[2:20] nur Kopfschmerzen, das weißt du wiederum erst seit kurzem, ja? Ja, also
[2:24] Migräne stand schon immer mal wieder im Raum seit der Zeit. Aber
[2:27] genauso viele Ärzte haben eigentlich auch gesagt, das kann keine Migräne sein.
[2:32] Meine Symptome weichen nämlich so ein bisschen vom klassischen Migränebild ab. Aber
[2:36] Spoiler, wie bei ganz vielen Erkrankten nämlich. Denn die ganz klassische Vorstellung
[2:41] von Migräne war lange, der Kopfschmerz muss auf einer Seite des Kopfes
[2:45] sein. Man erbricht sich dabei auch. Und am besten hat man auch
[2:50] noch solche Aurasymptome. Also das sind Symptome wie Sehstörungen, die kommen bevor
[2:55] die Kopfschmerzen einsetzen. Und deswegen hieß es bei mir oft, das ist
[3:00] eher ein Spannungskopfschmerz oder das ist psychisch bei Ihnen, was auch immer
[3:05] das heißen soll. Und erst durch Aufklärung, unter anderem durch Social Media,
[3:11] habe ich dann rausgefunden, nee, das passt schon ziemlich gut zu einer
[3:14] Migräne. Ein wichtiger Account war da Migräne Doc. Und dahinter steckt Dagny
[3:20] Holle Lee. Das ist die Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerz- und Schwindelzentrums.
[3:25] Und mit ihr habe ich auch ein Interview geführt für Spektrum der
[3:27] Wissenschaft. Das ist jetzt im Magazin Spektrum Gesundheit zu lesen. Und damit
[3:33] dass du ein bisschen spät erkannt hast, dass es sich um Migräne
[3:35] handelt, bist du nicht alleine. Das geht tatsächlich vielen Betroffenen so. Warum
[3:39] denn? Das sind veraltete Vorstellungen. Also Migräne gleich einseitiger Kopfschmerz plus Erbrechen
[3:45] plus Aura. Dabei wird aber die Symptomvielfalt total unterschätzt. Und wie bei
[3:52] mir kann die Migräne eben auch chronisch werden, sodass gar keine richtigen
[3:56] Attacken mehr erkennbar sind, sondern dass das eher so eine Art Dauerzustand
[4:00] mit Schwankungen wird. Und was auch hinzukommt, glaube ich, ist, dass Kopfschmerzen
[4:05] oft kleingeredet werden. Ich denke, dass das auch soziologische Gründe hat und
[4:10] damit zusammenhängt, dass Migräne ja auch so ein bisschen als Frauenkrankheit gilt
[4:14] und damit leider nicht ganz so ernst genommen wird oder lange wurde.
[4:20] Was ich auch wirklich erschreckend finde, ist, dass viele Neurologinnen und Neurologen
[4:24] Migräne oft nicht erkennen, wenn sie nur so einen Tick vom Prototyp
[4:27] abweicht. Interessant, ja. Auch das, was du sagst mit der Frauenkrankheit und
[4:30] dem Belächeln, merkt man schon auch so ein bisschen in der Art,
[4:33] wie darüber gesprochen wird. Dann häufig. Das wird Migräne natürlich nicht gerecht.
[4:38] Das ist eine sehr, sehr komplexe Sache. Vielleicht gehen wir darauf mal
[4:41] ein. Wie vielfältig können die Symptome denn sein? Und welche typischen Vorstellungen,
[4:47] du hast es ja gerade erwähnt, sind denn auch falsch? Bei mir
[4:49] ist es jetzt ja tatsächlich vor allem Kopfschmerz. Aber Migräne kann sogar
[4:53] auch ganz ohne Schmerzen auftreten. Manche haben dann während einer Attacke nur
[4:58] Schwindel oder so ein Benommenheitsgefühl oder auch nur diese Sehstörungen, Kribbeln, Probleme
[5:04] beim Sprechen oder auch Lähmung, also so richtige neurologische Ausfälle. Und ich
[5:10] habe jetzt keine Aura, aber es gibt Menschen, die haben eine ganz
[5:15] interessante Aura. Die sehen dann so ein Flackern oder so Lichtblitze oder
[5:20] haben Gesichtsfeldausfälle. Und es gibt auch verschiedene Vorboten einer Attacke. Manche Leute
[5:27] sind so ein bis zwei Tage, bevor die Migräne kommt, grundlos total
[5:31] schlecht drauf und traurig, fast so ein bisschen depressiv, sehen dann plötzlich
[5:36] keinen Sinn mehr, aber wissen gar nicht, warum jetzt heute und nicht
[5:39] gestern. Was ist eigentlich los? Und kurz darauf setzt dann die Migräne
[5:42] ein. Und manche sind auch total schlapp und andere müssen vermehrt gähnen
[5:48] bevor die Attacke losgeht. Und wie gesagt, es ist falsch, dass Migräne
[5:52] Kopfschmerz einseitig sein muss. Der Schmerz muss nicht mal im Kopf sitzen.
[5:57] Es kann auch nur Nackenschmerz sein. Krass, wirklich. Viele kennen das ja
[6:01] so morgens, wenn man aufwacht und der Nacken wehtut. Und ich dachte
[6:05] auch immer, ich habe jetzt komisch gelegen und deswegen tut mein Nacken
[6:09] weh. Und über den Lauf des Tages wurde das aber immer schlimmer
[6:11] zu so einem Kopfschmerz. Und Frau Hordeli hat mir jetzt erklärt, das
[6:15] ist schon die Migräne, zumindest bei mir und wahrscheinlich bei ganz vielen
[6:19] anderen Leuten auch, dass man denkt, das ist der Nacken, aber es
[6:22] ist eigentlich schon ein Migränesymptom. Also das macht es auch so schwierig,
[6:26] dann die Migräne zu diagnostizieren wahrscheinlich, dass du so komplexe und vielfältige
[6:30] Symptome hast. Bleiben wir noch mal bei den Kopfschmerzen. Die sind ja
[6:33] schon so der Punkt, wo die meisten Menschen dann irgendwann sagen würden,
[6:37] vielleicht ist es doch Migräne. Anhand von was kann man Migräne und
[6:41] Kopfschmerzen unterscheiden? Es ist ja die Frage, was sollen denn andere Kopfschmerzen
[6:46] sein? Manchmal reden Leute ja dann von normalen Kopfschmerzen. Du warst jetzt
[6:52] ganz schlau und hast das nicht gemacht. Sonst hätte ich jetzt gefragt,
[6:56] was soll das sein? Du hast mich trotzdem ertappt. Was sollen normale
[6:58] Kopfschmerzen sein? Ein normaler Kopf tut nicht weh. Du hast natürlich recht,
[7:02] dass die allermeisten Leute Kopfschmerzen kennen, zumindest ab und zu. Es kann
[7:08] tatsächlich sein, dass da ab und zu auch eine leichte Migräne dahinter
[7:12] steckt. Aber es gibt auch noch den Spannungskopfschmerz. Das ist eine Kopfschmerzart,
[7:18] die dauert meistens ein bisschen kürzer als eine Migräneattacke. Die ist auch
[7:23] weniger einschränkend. Bei einem Spannungskopfschmerz ist es in aller Regel nicht so,
[7:27] dass du dich hinlegen musst oder dass du deine Pläne absagen musst.
[7:30] Das ist nervig, aber es bleibt eher im Hintergrund. Du kannst noch
[7:35] spazieren gehen oder weiterarbeiten. Manchmal wird es von Bewegung auch besser. Bei
[7:42] der Migräne ist es so, dass vor allem die Schmerzstärke entscheidend ist.
[7:47] Eine Migräne ist in aller Regel mittel bis stark und beeinträchtigt den
[7:52] Alltag deutlich. Auch die Dauer grenzt Migräne von anderen Kopfschmerzarten ab. Eine
[7:58] Attacke dauert unbehandelt 4 bis 72 Stunden oder noch länger bei einer chronischen
[8:04] Form. Was meistens dazukommt, ist ein Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug und
[8:09] eine Reizempfindlichkeit als zentrales Merkmal. Das ist bei vielen anderen Kopfschmerzarten nicht
[8:14] so. Was ich super interessant fand bei der Lektüre dieses Interviews, das
[8:18] du gemacht hast: Migräne bei Kindern und Jugendlichen, die kann wiederum ganz
[8:23] komplett anders aussehen. Wie äußert sich das da? Das fand ich auch
[8:28] total interessant. Kinder haben manchmal Bauchschmerzen statt Kopfschmerzen bei Migräne. Das nennt
[8:34] sich abdominelle Migräne. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das in
[8:38] der Grundschule auch hatte. Das hat damals niemand erkannt. Aber das
[8:44] war so circa alle 4 Wochen, hatte ich einen halben Tag bis einen
[8:47] Tag lang ziemlich starke Bauchschmerzen, unabhängig davon, was ich gegessen habe. Das
[8:51] hat auch nichts geholfen, außer hinlegen und Ruhe. Am nächsten Tag war
[8:55] es dann wieder gut. Das passt ziemlich genau zu diesem Krankheitsbild abdominelle
[8:59] Migräne. Dann werden Kinder mit Migräne-Neigung auch oft reisekrank. Die
[9:06] müssen sich z. B. auf längeren Autofahrten oft erbrechen. Auch Kleinkinder können
[9:11] schon Migräne haben. Die werden dann total quengelig und fallen in einen
[9:16] fast komatösen Schlaf. Das ist ganz wichtig. Das ist kein Anstellen. Das
[9:21] ist eine ernstzunehmende neurologische Erkrankung. Kinder brauchen dann nicht noch mehr Reize,
[9:26] Fernseher an, Buch vorlesen, wenn sie anfangen quengelig zu werden. Die brauchen
[9:31] dann dringend Ruhe. Darf ich mal kurz zwischendurch fragen? Bist du nicht
[9:35] mega sauer, dass das bei dir so spät rausgekommen ist? Du hast
[9:38] als Kind schon Sachen gehabt, die im Nachhinein darauf hindeuten. Da denkt
[9:44] man sich doch, was soll das? Ja, schon. Aber ich glaube, das
[9:47] habe ich alles schon. Diese Phasen hatte ich schon vorher. Ich
[9:50] war schon viel sauer auf diese Krankheit und auf die Odyssee, die
[9:53] ich damit durchgemacht habe. Dass ich jetzt eher erleichtert bin und es
[9:57] als Entlastung empfinde, zu wissen, das und das ist wahrscheinlich bei mir
[10:02] los. Ich bin damit überhaupt nicht allein und ich kann auch nichts
[10:06] dafür. Und es fügt sich ein Puzzle zusammen aus Sachen, die man hatte.
[10:10] Genau. Lass uns noch mal aufs Gehirn gucken. Das interessiert mich auch.
[10:14] Was passiert denn eigentlich im Gehirn während so eines Migräneanfalls? Oder ist
[10:19] das vielleicht auch noch gar nicht so richtig bekannt? Man weiß da
[10:22] schon ganz schön viel dazu mittlerweile. Es ist so, dass Migräne eine
[10:25] Reizverarbeitungsstörung ist. Normalerweise gewöhnt sich das Gehirn an wiederkehrende Reize und reagiert
[10:32] immer weniger darauf. Das nennt sich Habituation. Aber das Migränegehirn habituiert langsamer
[10:39] oder sogar auch gar nicht. Man spricht auch von einer erhöhten vertikalen
[10:44] Erregbarkeit. Das Migränegehirn ist also offener für Reize. Aber irgendwann werden diese
[10:49] ganzen Geräusche, Gerüche und Bilder zu viel. Und auch innere Signale wie
[10:54] Hormonschwankungen oder Aufregung tragen dazu bei. Dann ist das Gehirn übererregt und
[10:58] es kommt zum Anfall. Der eigentliche Anfall entsteht tiefer im Gehirn, im
[11:03] Hypothalamus und im Hirnstamm. Und von dort aus wird der Trigeminusnerv
[11:07] aktiviert. Das ist ein Nerv, der die Hirnhäute versorgt. Und dieser Nerv
[11:12] setzt dann so einen Cocktail an Stoffen frei, der Entzündungen fördert. Vor
[11:16] allem den Stoff CGRP. Und das sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße
[11:20] an den Hirnhäuten weiten und dort so eine Art Entzündung entsteht. Und
[11:25] das tut weh. Und bei manchen kommt, wie gesagt, noch eine Aura
[11:29] dazu kurz davor. Dabei läuft eine Art Störwelle über die Großhirnrinde, die
[11:35] vorübergehend Nervenzellen lahmlegt. Und das kann dann Sehstörungen, Kribbeln, Sprachprobleme und Co
[11:41] auslösen. Einfach ein richtiger Notfall im Gehirn, sozusagen. Und was ist so
[11:47] über die Ursachen bislang bekannt? Man weiß, dass Migräne eine starke genetische
[11:51] Komponente hat. Wie so oft im Leben ist es einfach Pech, dass
[11:55] du das hast. Und das will ich eben auch noch mal sagen:
[11:59] Niemand hat Migräne, weil er zu viel Stress hat oder weil er
[12:02] sein Leben falsch lebt oder so. Das ist mir ganz wichtig zu
[12:06] sagen. Was natürlich immer gut ist, ist ein geregelter Tagesablauf, auch so
[12:11] regelmäßige Schlafenszeiten, genug Pausen. Und wenn man all das beachtet und auch
[12:17] ein bisschen Ausdauersport macht, so wie es einem gut tut, dann kann
[12:20] das die Attackenfrequenz reduzieren. Aber selbst wenn du den ganzen Tag Entspannungsübungen
[12:26] machen würdest und Ausdauersport, dann hättest du immer noch Anfälle. Es ist
[12:30] eine neurologische Erkrankung, für die man nichts kann. Und heute weiß man
[12:34] übrigens auch, dass Trigger überschätzt werden. Manchmal sagen Leute, immer wenn ich
[12:40] Schokolade esse, bekomme ich Migräne. Ja, viele dieser vermeintlichen Trigger sind aber
[12:46] schon Teil der Vorphase. Du kannst auch kurz bevor der Kopfschmerz kommt
[12:51] Heißhunger auf Süßigkeiten bekommen oder generell auf Kohlenhydrate. Oder eben diese depressive
[12:57] Stimmung ist eigentlich ein Vorbote. Aber dann könntest du natürlich auch hinterher
[13:01] denken, die Migräne ist jetzt gekommen, weil ich mir Stress gemacht habe
[13:05] oder mir Sorgen gemacht habe oder in so einen Stimmungstief gefallen bin.
[13:09] Aber es ist manchmal eher umgekehrt. Und jede Attacke entsteht durch ein
[13:14] komplexes Zusammenspiel. Es ist eher so, dass irgendwann das Fass überläuft, als
[13:18] dass das Stück Schokolade deine Migräne ausgelöst hat. Was für eine perfide
[13:23] Krankheit. Ja, gehen wir vielleicht noch darauf ein, was man tun kann.
[13:29] Wie gut kann man denn heute Migräne behandeln? Und was machen neue
[13:33] Therapien vielleicht auch anders als früher? Man kann sie immer besser behandeln.
[13:37] Und die Behandlung besteht einerseits aus einer Attackentherapie. Also, was kann ich
[13:41] machen, wenn ich merke, es geht los, um das Ganze vielleicht noch
[13:43] zu unterbrechen? Aber auch eine Vorbeugung von neuen Attacken, damit es mir
[13:48] eben langfristig besser geht und ich nicht so viele Akutmedikamente einnehmen muss.
[13:53] Und früher gab es vor allem eher unspezifische Prophylaxen, also Medikamente, die
[13:58] man eigentlich für andere Dinge einsetzt, aber wo man gemerkt hat, die
[14:01] helfen auch bei Migräne. Das sind unter anderem Antidepressiva und bestimmte Blutdruckmittel.
[14:07] Aber jetzt hat man eben auch Mittel, die gezielt in den Krankheitsmechanismus
[14:10] eingreifen, den ich eben kurz erklärt habe. Und der große Durchbruch überhaupt
[14:16] waren eigentlich diese CGRP-Antikörperspritzen. Die gibt es seit 2018. Und das
[14:22] sind Spritzen, die man sich selber zu Hause einmal im Monat verabreichen
[14:26] kann. Und die setzen direkt an diesem entzündungsfördernden Neuropeptid an, an dem
[14:31] CGRP. Und seit 2025, also jetzt ganz neu, gibt es in
[14:38] Deutschland noch eine neue Wirkstoffklasse, die Gepante. Die setzen auch am CGRP
[14:43] an, aber ein bisschen anders. Und die kommen in Tablettenform. Und wem
[14:48] die helfen könnten und wie man die genau einnimmt, das kann man
[14:51] im Interview noch mal genauer nachlesen. Aber diese Gepante kann man teils
[14:56] als Prophylaxe verwenden, aber auch als Akutmedikament. Und das ist ein Riesenvorteil,
[15:02] die machen nämlich keinen Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz. Das Stichwort kennen wahrscheinlich alle Betroffenen.
[15:09] Das ist nämlich das Problem, dass man bei den verfügbaren Akutmitteln, also
[15:14] bei normalen Schmerzmitteln, bei Tryptanen, die machen einfach noch mehr Kopfschmerzen, wenn
[15:18] du die oft nimmst. Das ist natürlich sehr ungünstig für alle, die
[15:25] ungefähr mehr als 10 Tage im Monat Migräne oder Kopfschmerzen haben. Sie
[15:32] bekommen dann eben Probleme, wenn sie das jedes Mal behandeln. Dann muss
[15:34] sie halt immer überlegen, ist heute ein verlorener Tag oder will ich
[15:38] doch was nehmen und noch mal was versuchen dagegen zu machen. Und
[15:41] das ist eben ein Vorteil bei den Gepanten, dass du die einnehmen
[15:44] kannst, ohne schlechtes Gewissen. Okay, also es tut sich was. Kann man
[15:49] sagen, inwiefern macht dir das selbst auch Hoffnung? Das sind ja alles
[15:53] neue Optionen für Menschen, bei denen bisher nichts so richtig geholfen hat
[15:57] oder die andere Mittel nicht so gut vertragen haben. Das bringt einfach
[16:03] Lebensqualität für die Erkrankten und rettet manche auch aus wirklich schlimmen Zuständen.
[16:08] Du hast ja am Anfang kurz schon gesagt, laut WHO zählt Migräne
[16:11] zu den drei weltweit führenden Ursachen für Behinderung. Und was ich mitgenommen
[16:15] habe, als ich mir den Forschungsstand angeguckt habe, es tut sich total
[16:20] viel. Und in den nächsten Jahren werden sicher auch noch mehr neue
[16:22] Therapien kommen. Bis dahin würde ich sagen, heißt es durchhalten, beim Arztbesuch
[16:28] für sich einstehen und auch ein bisschen nett zu sich sein, weil
[16:32] niemand ist selbst schuld an der Migräne. Das ist ein schönes Schlusswort.
[16:36] Und auf spektrum.de, das würde ich euch wirklich empfehlen, könnt ihr
[16:39] das Interview, das Corinna gemacht hat mit dieser Neurologin, nochmal nachlesen. Sehr
[16:43] zu empfehlen. Da erfahrt ihr auch noch mehr zu den aktuellen neuen
[16:46] Behandlungsmethoden. Corinna, dir sage ich vielen Dank fürs Teilen von deiner Migräne
[16:51] und auch fürs Erklären. Ja, gerne. Das war es für diese Woche
[16:54] vom Spektrum Podcast. Vielen Dank euch fürs Zuhören. Seid gern auch kommende
[16:58] Woche wieder dabei. Wie immer am Freitag gibt es dann eine neue
[17:01] Folge von uns. Bis dahin würde ich mich freuen, wenn ihr den
[17:04] Podcast abonniert, kommentiert, bewertet und gerne auch fleißig teilt. Das hilft uns
[17:08] immer. Auch dafür vielen, vielen Dank. Mein Name ist Max Zimmer und
[17:11] ich sage Tschüss und macht's gut. Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von
[17:16] detektor.fm.

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