# Raumfahrt: Gefahr für Atmosphäre und Umwelt?

An episode of [Spektrum-Podcast](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1459656339), 28 Aug 2026, 26 min.

Audio: https://flex2.acast.com/s/spektrum-podcast/u/detektor.fm/wp-content/uploads/2026/08/260828spektrum-podcastsatelliten.78926.mp3

Satelliten und Raketen verglühen am Ende ihrer Lebensdauer. Dabei entstehen Schadstoffwolken — und bisher weiß niemand, wie diese langfristig Atmosphäre und Klima verändern. Hier entlang geht’s zu den Links unserer Werbepartner: https://detektor.fm/werbepartner/spektrum-der-wissenschaft (00:02:19) Einsatzfelder von Satelliten: Wo sie notwendig sind (00:05:15) Die Schichten unserer Atmosphäre und ihre Eigenschaften (00:08:15) Eine Wolke gibt Aufschluss über Satellitenrückstände (00:13:43) Wie Satelliten aus der Atmosphäre geholt werden (00:19:15) Unklare Folgen der Atmosphärenverunreinigungen (00:22:41) Forschung in der Zukunft: Die Ziele ➡️ Artikel zum Nachlesen: https://detektor.fm/wissen/spektrum-podcast-raumfahrt-atmosphaere

## Chapters

- 2:19 Einsatzfelder von Satelliten: Wo sie notwendig sind
- 5:15 Die Schichten unserer Atmosphäre und ihre Eigenschaften
- 8:15 Eine Wolke gibt Aufschluss über Satellitenrückstände
- 13:43 Wie Satelliten aus der Atmosphäre geholt werden
- 19:15 Unklare Folgen der Atmosphärenverunreinigungen
- 22:41 Forschung in der Zukunft: Die Ziele

## Transcript

[0:00] Tausende Satelliten kreisen heute um die Erde. Die meisten davon werden später
[0:05] in der Atmosphäre verglühen und Stoffe hinterlassen, die dort nicht hingehören. Forschende
[0:11] warnen, das könnte gefährlich werden, und das ist unser Thema heute im
[0:15] Spektrum Podcast. Mein Name ist Max Zimmer. Schön, dass ihr dabei seid.
[0:22] Spektrum der Wissenschaft, der Podcast von detektor.fm. Was denkt ihr, wie
[0:40] viele Satelliten gerade so um die Erde kreisen? Ich habe mal eine
[0:45] Umfrage in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gemacht, und da reichten die
[0:49] Zahlen so von 50 bis 500. Einer hat auch 1000 gesagt. Tatsächlich
[0:55] sind es aber mehr als 22.000. Also ganz schön was los
[1:00] da oben. Und fast die Hälfte davon gehört übrigens zu Starlink von
[1:04] Elon Musks Firma SpaceX. Die haben in den letzten Jahren da einiges
[1:08] hochgeschickt, und innerhalb der nächsten 10 Jahre sollen es noch viel, viel
[1:12] mehr werden. Es soll noch viel voller werden rund um die
[1:15] Erde. Etwa 65.000 weitere Satelliten sollen noch in den Orbit geschossen
[1:20] werden. Zum Teil wird das passieren von ganz neuen Akteuren wie jetzt
[1:23] zum Beispiel Amazon oder auch China als Land. Das alles findet
[1:28] an der Grenze zwischen unserer Atmosphäre und dem Weltall statt. Da bewegen
[1:32] sich diese Satelliten, ja, und das ist ein Bereich, den wir technologisch
[1:37] immer intensiver nutzen, wissenschaftlich aber erst langsam verstehen. Und dieser Satellitenboom, der
[1:44] hat auch erste Nebenwirkungen, denn die bleiben ja nicht ewig da oben,
[1:48] sondern die sollen irgendwann kontrolliert abstürzen und verglühen. Aber inzwischen deutet sich
[1:53] an, die lösen sich jetzt nicht einfach spurlos auf, sondern dabei entstehen
[1:58] unter anderem Abfallprodukte, und einige davon könnten zum Problem werden, warnen jetzt
[2:04] Forschende. Und das wirft natürlich Fragen auf: Wie stark verändert die Raumfahrt
[2:08] unsere Atmosphäre, und welche Gefahren birgt das? Darüber spreche ich heute mit
[2:12] Thomas Siebel. Der ist Ingenieur und Redakteur bei Spektrum der Wissenschaft. Hallo
[2:17] Thomas. Hallo Marc. Ja, Thomas, mal vorneweg: Wozu brauchen wir die ganzen
[2:22] Satelliten denn eigentlich? Ja, man müsste eigentlich schon fast fragen, wo brauchen
[2:26] wir sie eigentlich nicht? Ich meine, das einfachste Beispiel ist die Navigation.
[2:32] Google Maps haben wir auf dem Smartphone. Wenn wir das nutzen, dann
[2:35] vernetzt sich die App mit GPS oder eben auch Galileo-Satelliten, die
[2:39] dort oben durch den Orbit schwirren. Das ist natürlich für uns toll,
[2:44] wenn wir durch die Städte manövrieren wollen, aber das wird so unfassbar
[2:47] weit angewendet, diese Technik für Logistik-Ketten aller Art. Also wenn wir
[2:52] ein Paket bestellen, können wir mittlerweile verfolgen, wo das gerade durch die
[2:56] Straßen geschippert wird. Oder wenn wir einen Notruf rufen, sind wir ganz
[3:00] froh, wenn die Rettungsdienste dann schnell bei uns ankommen und so weiter.
[3:03] Also unfassbar wichtig, dieser einzelne Aspekt schon. Jetzt, wo wir das Gespräch
[3:09] aufnehmen, läuft parallel die Fußball-Weltmeisterschaft. Für die Übertragung von Live-Events
[3:14] braucht man Satellitentechnik, und du hast es eben in der Anmoderation schon
[3:19] angesprochen: Es ist auch ein großes Thema im Moment, Breitband-Internet aus
[3:24] dem Weltall. Also Starlink von Elon Musk ist natürlich in aller Munde.
[3:28] Die Satellitenkonstellationen, die dort mit immer mehr Satelliten durch den Orbit
[3:33] kreisen, die man heute eben braucht, um Breitband-Internet in abgelegene Regionen
[3:38] zu bringen oder eben auch in Kriegsregionen, wie wir eben nun leider
[3:42] lernen mussten über die Ukraine. Das könnte noch viel größer werden in
[3:46] den nächsten Jahren. Möglicherweise werden wir dann auf der Erde irgendwann diese
[3:51] terrestrischen Mobilfunkmasten gar nicht mehr sehen oder brauchen, die heute überall in
[3:55] der Landschaft rumstehen. Die Wetter-App braucht Satellitendaten, und das ist nur
[4:02] ein Beispiel für Erdbeobachtung im Gesamten. Satelliten brauchen wir, um unsere Erde
[4:08] zu verstehen. Wie entwickeln sich die Ozeane, die Wälder, andere Ökosysteme? Dafür
[4:14] liefern Satelliten eben die Bilder und die Daten. Und das ist bei
[4:19] weitem noch nicht alles. Satelliten bieten sehr präzise Zeitdaten. Die braucht man
[4:25] für Überweisungen, elektronische Zahlungen. Die Finanzsysteme sind auf diese sehr präzisen Zeitdaten
[4:33] angewiesen, die die Satelliten liefern. Ebenfalls Betreiber von Stromnetzen, dass da eben
[4:38] alles funktioniert. Also es ist unfassbar viel. Nicht zu erwähnen, dass auch das Militär sehr interessiert daran ist, was dort
[4:43] oben mit Satellitentechnik möglich ist. Und das ist ja noch lange nicht
[4:46] das Ende der Geschichte. Das geht ja weiter. Im Moment wird darüber
[4:50] schwadroniert, ob man nicht Rechenzentren im Weltall betreiben könnte, um dort unsere
[4:56] Sprachmodelle zu trainieren und dabei die unendlich scheinende Sonne im Weltall nutzen
[5:01] könnte. Also es geht immer weiter. Die Bedeutung der Satellitentechnik ist heute
[5:06] sehr groß für uns, und sie wird weiter zunehmen in den nächsten
[5:10] Jahren und Jahrzehnten. Okay, die Wichtigkeit der Satelliten haben wir jetzt verdeutlicht,
[5:14] und dann brauchen wir noch eine kleine räumliche Einordnung oder eine Verortung.
[5:23] Man sagt das immer so, Thomas, aber was genau ist denn eigentlich
[5:25] die Atmosphäre? Also die Atmosphäre ist die gasförmige Hülle, die um unseren
[5:31] Planeten herum liegt. Also die Luft, die besteht aus verschiedenen Bestandteilen, vor
[5:36] allem Stickstoff, Sauerstoff, ist noch einiges drin in kleineren Anteilen, dann Argon,
[5:41] noch weniger CO2. Und außerhalb dieser Gashülle ist eben das Weltall. Also
[5:46] dort, wo die Erdanziehungskraft nicht mehr stark genug ist, um die Luftmoleküle
[5:51] zu halten, dort fängt dann das Weltall an. Der Übergang ist natürlich
[5:56] allmählich. Da gibt es keine harte Grenze. Die Luft wird immer dünner
[5:59] und dünner. Man spricht so davon, dass ungefähr in fünf Kilometern Höhe
[6:03] das Weltall allmählich anfängt. Das ist dann in der sogenannten Exosphäre. Und
[6:11] die Exosphäre ist eine von fünf Atmosphärenschichten. Man unterteilt das tatsächlich, weil
[6:17] die verschiedene Eigenschaften haben. Also wir leben natürlich ganz unten in der
[6:23] Troposphäre, so nennt man die. Das ist also die Atmosphärenschicht bis in
[6:27] 15 Kilometern Höhe. Dort sieht man unsere Wolken, dort spielt sich das
[6:32] Wetter ab. Darüber schließt sich die Stratosphäre ab, für uns besonders wichtig,
[6:38] weil sich dort die Ozonschicht befindet, die uns vor harten Sonnenstrahlen schützt.
[6:42] Die geht so bis 50 Kilometern Höhe. Darüber schließt sich dann die
[6:46] sogenannte Mesosphäre an, 50 bis ungefähr 80 Kilometern Höhe. Und darüber dann
[6:52] die Thermosphäre. Über diese beiden Schichten werden wir heute ein bisschen mehr
[6:56] sprechen. Und über der Thermosphäre kommt dann irgendwo die Exosphäre. Das ist
[7:00] dann schon fast im Weltall. Der Grund, warum man die Atmosphäre in
[7:05] fünf Schichten einteilt, ist, dass es da so einen ganz seltsamen Temperaturverlauf
[7:10] gibt. Also wenn man bei uns unten auf dem Boden anfängt, auf
[7:14] den Berg steigt, dann merkt man, je höher man steigt, desto kühler
[7:18] wird es. Jetzt haben wir nur Berge, die knapp über 8000 Meter
[7:22] gehen. Stellt man sich vor, man kommt auf 15 Kilometer hoch, da
[7:25] dreht sich das dann plötzlich wieder. Also wenn man von 15 Kilometern
[7:29] weiter in die Höhe steigt, dann befindet man sich in der Stratosphäre
[7:33] und dann wird es dort wärmer, je höher man geht. Das liegt
[7:36] daran, dass dort das Ozon liegt in der Stratosphäre. Das Ozon absorbiert
[7:42] Sonnenstrahlen und wärmt dadurch die Stratosphäre ab. Das geht bis 50 Kilometer
[7:47] Höhe ziemlich linear so weiter. Und dann gelangt man in die Mesosphäre,
[7:54] dort wird es dann wieder kühler, je höher man steigt, bis man
[7:57] an die Thermosphäre gelangt in 50 bis 85 Kilometern, und dort wird es
[8:00] dann allmählich wieder sehr heiß. Das ist der Grund, warum man von
[8:04] unterschiedlichen Atmosphärenschichten spricht. Die haben tatsächlich unterschiedliche Eigenschaften. Und das wird
[8:09] uns gleich noch beschäftigen. Jetzt nach dieser kleinen Verortung nehme ich mal
[8:13] noch eine Verortung vor. Und zwar gehen wir mal einfach an die
[8:15] Ostsee, Thomas. Genau genommen nach Kühlungsborn. Ein schöner Ort da an der
[8:20] Küste. Da haben Wissenschaftler im Februar letzten Jahres, also 2025, eine interessante
[8:27] Beobachtung gemacht, die mit allem, was wir bisher schon besprochen haben, zu
[8:30] tun hat. Was haben die denn gesehen? Eine Wolke, aber keine normale
[8:35] Wolke. Dort in Kühlungsborn, das ist in der Nähe von Rostock, dort
[8:40] ist das Leibniz-Institut für Atmosphärenphysik. Und die haben LIDAR-Geräte bei
[8:45] sich am Institut. Die richten sie gegen den Himmel und die messen
[8:49] also, welche Atome und Moleküle sich weit über der Erde befinden in
[8:53] der Mesosphäre und in der Thermosphäre. Indem sie diese Atome und Moleküle
[8:58] dort oben vermessen, können sie beispielsweise darauf schließen, welche Temperaturen dort oben
[9:02] vorherrschen. Also so ein LIDAR-System ist im Prinzip ein Laser, der
[9:06] wird mit einer bestimmten Wellenlänge nach oben in den Himmel gerichtet. Dann
[9:11] wird er von Atomen oder Molekülen dort oben reflektiert, und Teile dieses
[9:15] Laserstrahls gelangen dann eben wieder zurück ans Institut. So wird das gemessen.
[9:20] So, und jetzt haben die also im Februar 2025, genau genommen am
[9:25] 20. Februar, eine Wolke gemessen, die extrem hoch ist, in 75 Kilometern
[9:33] in der Mesosphäre. Also zur Erinnerung nochmal: Unsere Wolken, die wir von
[9:38] der Erde aus sehen, sind höchstens 15 Kilometer hoch. Und diese Wolke
[9:42] bestand nicht etwa aus Wassertröpfchen, so wie wir das kennen, sondern aus
[9:46] Lithium. Dass diese Forscher an dem Institut für Atmosphärenphysik dort oben was
[9:53] anderes messen, außer Luftteilchen, ist jetzt gar nicht so ungewöhnlich. Deren Alltagsgeschäft
[9:59] sozusagen über mehrere Jahre und Jahrzehnte war, dass sie dort oben die
[10:04] Rückstände von Meteoroiden beobachten oder von kosmischem Staub. Der dringt nämlich auch
[10:09] von außen, also vom Weltall aus, in die Atmosphäre und es verglüht
[10:16] dann dort oben. Das sind dann die Sternschnuppen, die wir so beobachten.
[10:20] Und die hinterlassen so verschiedene Stoffe: Natrium, Magnesium, Eisen zum Beispiel. Und
[10:24] die misst dieses Institut normalerweise. Diese Meteoroiden und der kosmische Staub, die
[10:30] hinterlassen aber kein Lithium da oben, zumindest nicht in diesen enormen Mengen,
[10:34] wie das die Forschenden dort am 20. Februar 2025 vermessen haben. Also
[10:40] die Konzentration war dort plötzlich zehnmal so hoch wie normal. Und dieses
[10:45] Lithium, da ist die Frage: Wo kommt das her? Das haben keine
[10:48] Außerirdischen dort hingebracht, sondern wir Menschen. Und zwar über Raumfahrtechnik. Die haben
[10:56] sich dann gefragt, wo kann dieses Material, das dort eigentlich nicht hinkommt,
[11:02] eigentlich herkommen? Die haben dann ein spezielles Wettermodell verwendet und haben versucht,
[11:11] rückzuverfolgen, wie sich diese Lithiumwolke denn eigentlich bewegt hat dort oben in
[11:17] der Mesosphäre, ungefähr auf 95 Kilometern Höhe. Und sie konnten ziemlich genau
[11:25] nachvollziehen, dass diese Lithiumwolke 20 Stunden vorher vor der Messung über der
[11:32] westirischen Küste war. Und zwar genau dort, wo zu diesem Zeitpunkt eine
[11:37] Falcon 9-Rakete abgestürzt ist. Also das sind diese Raketen, mit denen
[11:41] SpaceX die Starlink-Satelliten ins Weltall bringt. Und dieser Absturz war ziemlich
[11:47] spektakulär damals für alle, die es gesehen haben. Also die ist unkontrolliert
[11:51] abgestürzt. War auch in den Nachrichten, hat man Bilder gesehen. Richtig, ja.
[11:56] Also ein riesen Feuerball am Himmel über Irland hat das angefangen. Dann
[12:00] ist er gezogen über England, Niederlande, über Berlin ist das gezogen. Und
[12:04] in Polen, in der Stadt Posen, ist sogar noch ein Tank runtergegangen
[12:08] von dieser Oberstufe. Und wie du sagst, das hat ganz schön Wellen
[12:14] geschlagen. Und der Grund, warum dort Lithium gemessen wurde, ist, dass die
[12:20] Außenwand von dieser Falcon 9-Rakete aus einer Legierung besteht, die sich
[12:27] Aluminium-Lithium nennt. Die schmilzt und verdampft dann dort oben, und dadurch
[12:32] entstehen Aluminiumoxide und eben Lithium. Und das haben die Forschenden nachgewiesen. Und
[12:38] ja, alle waren in heller Aufregung. Es war der erste direkte Nachweis,
[12:44] dass Weltraumschrott die obere Atmosphärenschicht verunreinigt. War zwar allen so ungefähr klar,
[12:50] dass das wohl passieren muss, aber man hat es eben noch nie
[12:53] gemessen. Besonders war, dass man genau den Ort und Zeitpunkt der Verunreinigung
[12:58] nachweisen konnte. Also die Forschenden haben das an der Ostsee, haben sie
[13:02] eine Wolke gemessen und konnten genau sagen: Okay, diese Lithiumwolke, die ist
[13:07] nicht etwa über der Ostsee entstanden, sondern vor Westirland. Was außerdem sehr
[13:13] ermutigend war für diese Arbeit, war, dass es der erste Nachweis war,
[13:18] dass man das vom Boden aus messen konnte. Man muss dort nichts
[13:21] hochschicken in die Mesosphäre, um diese Stoffe zu messen. Nein, es reicht
[13:24] ein LIDAR-Gerät, das irgendwo am Boden installiert ist. Also eine kleine
[13:29] Sensation auf jeden Fall für die Forschenden da an der Ostsee. Und
[13:33] alles, was du jetzt beschrieben hast, also diese Rakete und die Rückstände
[13:36] und so, das ist ein Beispiel für etwas, was eigentlich dauernd passiert,
[13:40] aber über das wir noch viel zu wenig wissen. Nämlich, was ist
[13:43] denn eigentlich, wenn Satelliten oder eben Raketen, wie in dem Fall, zur
[13:46] Erde zurückkehren? Wir haben ja schon gesagt, die sollen gar nicht
[13:49] darauf ausgelegt sein, dass die für immer da oben bleiben. Vielleicht kannst du
[13:52] mal erklären, wie läuft denn das normalerweise ab? Ja, also so ein
[13:55] bisschen weiß man schon, was da vor sich geht, wenn die abstürzen.
[13:58] Also zunächst, was man vielleicht wissen sollte: Du hast es angedeutet, was
[14:02] in den Orbit gebracht wird, das muss dort auch wieder raus. Also
[14:06] ansonsten, wenn die ganzen Satelliten dort oben rumfliegen und in der Umlaufbahn bleiben
[14:11] würden, dann hätten wir ein Riesenproblem mit Weltraumschrott. Das heißt, nachdem Satelliten
[14:16] ein paar Jahre lang außer Betrieb sind, müssen die raus. Und das
[14:20] heißt in der Regel, dass sie zum Absturz gebracht werden. Die haben
[14:23] dann noch so ein paar Kraftstoffreserven. Damit werden die im Prinzip zur
[14:28] Erde angetrieben, wenn sie nicht sogar von alleine wieder in Richtung Erde
[14:34] stürzen. Und wenn so ein Satellit abstürzt, dann wird er ungefähr 100
[14:40] Kilometer über dem Boden abgebremst durch die Luft dort oben. Die Luftmoleküle
[14:46] reiben natürlich an diesem Satelliten, und der erhitzt sich, und zwar ziemlich
[14:51] stark. Und so 75 bis 80 Kilometern über dem Boden zerplatzt er
[14:56] dann plötzlich. Also in der Mesosphäre aus dem einen Satelliten werden mehrere
[15:00] große Teile. Die fangen an zu schmelzen und zu verdampfen. Ja, nur
[15:06] die größeren Teile verdampfen dabei nicht vollständig. Die fallen dann wie Kerzenwachs
[15:11] eigentlich zur Erde. Okay, Tanks aus Titan oder Karbonfasern überleben den
[15:16] Sturz auch hin und wieder, wie wir jetzt gelernt haben. Aber das
[15:18] meiste Material aus dem, was diese Raumfahrttechnik besteht, schmilzt und verdampft dort oben
[15:24] in der Mesosphäre. Von der Erde aus sieht das natürlich spektakulär aus.
[15:29] Diese tollen Schweife, die man dann sehen kann. Und diese Schweife, die
[15:35] bestehen also aus Raumfahrttechnik-Material, also vor allem aus Aluminiumoxiden, aber auch
[15:41] Kupfer, Lithium, seltene Erden. Okay, aber das klingt ja jetzt alles erstmal
[15:45] ganz durchdacht. Man bringt die nach oben und sorgt auch dafür, dass
[15:48] man sie wieder runterholen kann und dann verglühen die. Also wo
[15:50] ist jetzt das Problem? Also das Problem ist, dass diese Stoffe eben
[15:55] nicht dort oben hingehören. Auf natürliche Weise hat man die dort vielleicht
[16:00] in Spuren oben, aber nicht in dieser Menge, wie sie dann entstehen
[16:05] durch die abstürzende Raumfahrttechnik. Die Mesosphäre, über die wissen wir noch gar
[16:10] nicht so viel. Was wir wissen, ist, dass sie uns auch vor
[16:13] der harten Sonnenstrahlung schützt. Und in den nächsten Jahren wird dort eben
[16:18] richtig viel menschengemachtes Material dort oben eingebracht werden, das dort eigentlich nichts
[16:25] zu suchen hat. Dass dort Material von außen, vom Weltall, reinkommt, ist
[16:34] nichts Außergewöhnliches. Ich habe ja schon gesagt, Meteoriten und kosmischer Staub dringen
[16:39] dort auch ein. Das sind ungefähr 12.000 Tonnen im Jahr, und
[16:43] die hinterlassen dort Stoffe wie Natrium, Magnesium oder Eisen. Und jetzt kommen
[16:47] aber die Satelliten. Du hast es schon in der Anmoderation erwähnt: Heute
[16:51] haben wir ungefähr 22.000 Satelliten dort oben im Weltall, ein paar
[16:55] mehr sogar. Ungefähr die Hälfte davon geht auf das Starlink-Netzwerk zurück. Bis
[17:01] Mitte der 2030er Jahre wäre das doch mal extrem viel mehr Satelliten,
[17:07] die dort oben sein werden. Vor allen Dingen getrieben durch diese Megakonstellation.
[17:11] Also Starlink ist ja nun nur ein Netzwerk, das dort hochkommt. Amazon
[17:16] plant etwas Ähnliches. Guo Wang, eine Firma aus China, möchte das auch
[17:21] aufbauen. Und es wird damit gerechnet, dass allein bis Mitte der 2030er
[17:25] Jahre 65.000 Satelliten dort oben sein werden. Also ungefähr eine Verdreifachung
[17:32] der Menge von heute. Diese Satelliten sind meistens klein, und die haben
[17:38] eine kurze Lebensdauer. Und wie gesagt, wenn sie fertig sind mit ihrem
[17:42] Betrieb, dann stürzen die wieder ab. Und die sollen natürlich niemandem auf
[17:45] den Kopf fallen. Deswegen baut man die so, dass sie möglichst vollständig
[17:49] in der Atmosphäre verdampfen. Das, was da bislang runterkam an Raumfahrtechnik, das
[17:57] war noch relativ wenig im Vergleich zu dem, was an Material von
[18:02] Meteoroiden und kosmischem Staub in die Atmosphäre eingedrungen ist. Also 12.000
[18:08] Tonnen kommen normalerweise durch die Meteoroiden rein. Raumfahrtechnik waren es bisher so
[18:13] ungefähr 360 Tonnen im Jahr. Also das entspricht so einem Anteil von
[18:17] drei Prozent. Aber allein mit den Konstellationen, die heute geplant sind und
[18:22] ins Weltall geschickt werden und in den nächsten Jahren dann eben auch
[18:25] wieder abstürzen werden, kommt man auf 4.800 Tonnen. Das wären dann
[18:29] also schon 40 Prozent der Menge, die auf natürliche Weise in die
[18:35] Atmosphäre gelangen. Was damit passiert? Keine Ahnung. Das ist ein riesiges Experiment,
[18:41] das jetzt über unseren Köpfen stattfindet. Es gibt ein großes Problem, das
[18:48] dabei eine Rolle spielt. Da muss ich nochmal auf die Atmosphärenschichten eingehen.
[18:53] Wir leben in der Troposphäre. Über uns ist die Stratosphäre. Die haben
[18:56] einen Selbstreinigungsmechanismus. Also alles, was dort an Verunreinigung reingeht, verschwindet irgendwann wieder.
[19:04] In der Mesosphäre, wo diese ganze Raumfahrtechnik jetzt verdampft, da gibt es
[19:10] diesen Reinigungsmechanismus nicht. Die Stoffe bleiben dort, die reichern sich an. Und
[19:16] welche Folgen hat das potenziell? Wir wissen es leider nicht genau. Also
[19:22] die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beginnen, das jetzt allmählich zu verstehen. Die Leute,
[19:27] mit denen ich gesprochen habe, die wollen da jetzt auch gar nicht
[19:29] so alarmistisch verstanden werden. Also die malen jetzt noch nicht den Weltuntergang
[19:34] an die Wand, aber sie sagen, wir müssen jetzt anfangen zu verstehen,
[19:39] was dort oben vor sich geht. Mit Gerd Baumgarten beispielsweise habe ich
[19:44] darüber gesprochen, vom Institut für Atmosphärenphysik. Der zieht so diverse Szenarien auf,
[19:50] die so vorstellbar wären. Eins wäre beispielsweise, dass Funkwellen nicht mehr übertragen
[19:56] werden könnten vom Boden in den Orbit, weil dann vielleicht eine metallgesättigte
[20:04] Mesosphäre dazwischen liegt, die die Übertragung von Funkwellen vielleicht stört. Das wäre
[20:09] wirtschaftlich natürlich fies für die Betreiber solcher Satelliten, aber eben auch für
[20:13] uns als Gesellschaft. Ich habe eingangs erwähnt, wie wichtig diese Satellitenkommunikation für
[20:18] uns mittlerweile ist. Das wäre so ein Szenario. Man könnte sich vielleicht
[20:22] auch einen absoluten Glücksfall vorstellen, Stichwort Geoengineering. Vielleicht helfen diese Fremdstoffe in
[20:29] der Mesosphäre ja auch, den Klimawandel zu kompensieren. Wer weiß das? Gerd
[20:33] Baumgarten sagt, es könnte aber auch passieren, dass wir vielleicht die Ozonschicht zerstören
[20:38] oder dass wir Kondensationskeime für Wolken liefern in einer Menge, die wir
[20:45] bislang nicht hatten und dadurch den Wasserzyklus auf der Erde verändern. Also
[20:51] Gerd Baumgarten sagt, nichts davon können wir momentan ausschließen. Und das Gefährliche
[20:56] daran ist, dass wir eben nicht wissen, was passiert. Vielleicht passiert auch
[21:00] einfach gar nichts. Kann auch sein. Das hat man sich früher aber
[21:04] eben auch gedacht, als man beispielsweise Industrieabwässer in die Flüsse leitete und
[21:09] erst später gemerkt hat, verdammt, das ist gefährlich, was wir da machen
[21:14] und wir zerstören eben unsere Ökosysteme. An diesem Punkt stehen wir gerade
[21:20] und das ist ein großes Experiment mit offenem Ausgang. Ja, krass. Aber
[21:24] das ist einfach dann zu lange vernachlässigt worden oder man hat sich
[21:27] da zu wenig Gedanken drum gemacht. Kann man wohl so sagen. Also
[21:31] bislang war das Problem vielleicht auch einfach noch nicht so groß, weil
[21:34] wie gesagt, die Mengen an Raumfahrtschrott waren noch nicht so groß, wie
[21:38] sie jetzt zu erwarten sind. Jetzt, Mitte der 2010er Jahre, sind wir
[21:43] massiv in die kommerzielle Raumfahrt eingestiegen. Die Menge an Satelliten, die ins
[21:48] All befördert wird, geht durch die Decke. Das ist ja praktisch ein
[21:51] exponentieller Verlauf. Ja, wie gesagt, die kommen dann irgendwann wieder zurück. Wir
[21:57] haben uns keine Gedanken darüber gemacht, was das mit der Mesosphäre macht,
[22:02] weil wir die Mesosphäre eigentlich auch nie für irgendwas nutzen. Die ist
[22:05] schon unfassbar weit weg von uns. Gerd Baumgarten nennt sie gern die
[22:09] Ignorosphäre. Die war uns einfach bis jetzt egal, aber jetzt drückt sie
[22:14] eben ins Bewusstsein mit diesen Messungen, auch speziell die, das Institut für
[22:19] Atmosphäre und Physik dort vorgenommen hat. Das Thema ist jetzt auf dem
[22:26] Radar. Gerade die ESA oder auch insgesamt die Raumfahrttechnik-Community ist interessiert
[22:31] an dem Thema. Mal sehen. Also sie wird nicht weiter ignoriert, diese
[22:37] Mesosphäre und was dort oben vor sich geht. Mal sehen, wie es
[22:40] weitergeht. Also nach dem Motto: besser spät als nie, schaut man sich
[22:44] das jetzt auf jeden Fall an. Thomas, dann zum Abschluss vielleicht noch
[22:47] die Frage: Blicken wir doch mal so ein bisschen voraus. Also was
[22:49] will man da jetzt besser erforschen und welche technischen oder vielleicht auch
[22:54] politischen Lösungen wären denn denkbar? Also sicher ist, das Institut für Atmosphäre
[22:58] und Physik darf jetzt erstmal weitermessen. Die werden neben Lithium jetzt auch
[23:02] andere Stoffe in den Fokus nehmen. Und dieses Institut wird dann erstmal
[23:07] die Grundlage dafür schaffen, um solche Verschmutzungen durch Weltraumschrott künftig auch systematisch
[23:12] zu erfassen. Also das, worüber wir jetzt geredet haben, war eine Einzelmessung.
[23:17] Vielleicht kann man das weltweit koordiniert machen. Wie gesagt, es braucht eigentlich
[23:21] nicht so viel, außer dann eben so ein LIDAR-System. Es gibt
[23:25] auch andere Messsysteme, die da in Frage kommen. Und solche Messungen würden
[23:31] beispielsweise schon dabei helfen, Modelle zu überprüfen oder zu optimieren, die uns
[23:37] helfen zu verstehen, was dort oben passiert, wie sich dieser verdampfende Raumfahrtschrott
[23:42] auf die Erdatmosphäre oder auch auf die Ozonschicht auswirkt. Und solche Modelle,
[23:46] die uns das sagen, die wären schon mal viel wert. Ja, wenn
[23:51] sich jetzt herausstellen sollte, dass das, was dort oben passiert, doch irgendwie
[23:57] schädlich ist für uns, dann könnte man sich mehrere Optionen vorstellen, dass
[24:02] beispielsweise die Menge an Raumfahrtmaterial, das dort hochgeschossen wird, beschränkt wird, ähnlich
[24:09] wie ein Emissionsrechtehandel. Oder dass man vielleicht dazu übergeht, statt solche, ich
[24:17] sag mal in Anführungszeichen, Wegwerfsatelliten dort hochzuschicken, vielleicht Satelliten hochschickt, die oben
[24:22] bleiben und zwischendurch mal gewartet werden, mit neuer Hardware versehen werden, zwischendurch
[24:28] sodass sie eben nicht unbedingt abstürzen müssen. Wäre auch eine Vorstellung. Man
[24:33] könnte sich auch vorstellen, dass Satelliten vielleicht so gebaut werden, dass sie
[24:36] in der Mesosphäre eben nicht mehr verdampfen, sondern in Millimeterpartikel zerfallen, die
[24:41] dann allmählich runter zur Erde trudeln, anstatt oben in der Mesosphäre zu
[24:46] verbleiben. Das sind alles so Ideen. Was genau kommt, wissen wir eben
[24:52] nicht. Wir sollten es aber auf dem Radar haben, damit es uns
[24:54] nicht unerwartet Schwierigkeiten bereitet, die dann vielleicht in einer Zukunft so groß
[25:01] sind, dass wir sie nicht mehr beherrschen können. Wir wissen es eben
[25:03] nicht. Und das wird spannend, wie das Thema jetzt weitergeht. Voll, weil
[25:08] eben, wie du ja auch eingangs erwähnt hast, die Zahl der Satelliten
[25:11] einfach so rapide steigen wird in den nächsten Jahren. Und wir die
[25:13] ja natürlich auch brauchen, ist ja ganz klar. Aber irgendwie dann doch
[25:16] wieder klassischer Fall von: Man fängt was an und hat sich aber
[25:18] noch nicht so ganz überlegt, was dann am Ende mit den Überresten
[25:21] oder dem Müll vielleicht passiert. Das kennen wir ja auch aus anderen
[25:24] Gebieten. Und wir sollten das immer im Auge behalten. Und deshalb empfehle
[25:27] ich euch auch, Thomas' Artikel da nochmal zu lesen. Auf spektrum.de
[25:31] könnt ihr das Ganze nochmal nachschauen. Da gibt es auch nochmal ein
[25:33] paar Bilder dazu, und man sieht auch nochmal diese verglühenden Teile da
[25:37] am Himmel. Und ja, Thomas, dir sage ich vielen, vielen Dank fürs
[25:39] Erklären. Vielen Dank, Marc. Und euch vielen Dank fürs Zuhören. Das war
[25:44] es für diese Woche hier beim Spektrum Podcast. Gerne nächsten Freitag wieder
[25:48] dabei sein. Dann gibt es wie immer eine neue Folge. Und bis
[25:51] dahin gerne abonnieren, kommentieren, bewerten und teilen. Das hilft uns sehr. Auch
[25:55] dafür vielen, vielen Dank. Mein Name ist Max Zimmer. Das war der
[25:58] Spektrum Podcast. Und ich sage Tschüss und macht's gut. Spektrum der Wissenschaft.
[26:06] Der Podcast von detektor.fm.

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