# Kindheit mit Traumafolgen – Was "schwierige" Kinder von uns brauchen

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 15 Oct 2026, 50 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/253481-was-schwierige-kinder-von-uns-allen-brauchen.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=253481

Christine spricht in dieser Folge mit Pascal Hofmann, der als Kind in einer Pflegefamilie aufwuchs und heute selbst in der Kinder- und Jugendhilfe arbeitet. Er erzählt, wie es sich anfühlt, ein "schwieriges Kind" zu sein, nie so ganz dazuzugehören und auf ein Hilfesystem angewiesen zu sein, das nicht immer einwandfrei funktioniert. Mit viel Einfühlungsvermögen in die Innenwelt betroffener Kinder, aber auch für das Umfeld, für Pflegeeltern und für Pädagog:innen baut Pascal eine Brücke, die man nur bauen kann, wenn man wirklich weiß, wie es sich anfühlt, als Problemfall betrachtet zu werden. Mehr zu Pascal Hofmann: Pascal Hofmann ist Autor des Buches „Ich bin nicht anders, ich bin stärker“ und erzählt darin seine persönliche Geschichte als Pflegekind. Er spricht offen über Herausforderungen, Trauma, Verlust und seinen Weg, trotz schwieriger Erfahrungen Stärke und Hoffnung zu finden. Buch: Ich bin nicht anders. Ich bin stärker!: Mein Leben als Pflegekind Instagram Website Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig* Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] An alle Eltern da draußen, die Angst haben, dass das Kind einen nicht liebt
[0:03] oder dass diese Bindungsverlustsangst haben, baut erstmal dieses Haus auf.
[0:08] Das ist ganz wichtig, diese Sicherheit.
[0:10] Ihr müsst nicht perfekt sein, ihr müsst einfach bleiben. Und das ist gerade
[0:13] bei Pflegekindern ganz, ganz wichtig. Und dann kommt die Liebe von ganz allein.
[0:19] Hi und schön, dass du da bist, hier beim Elterngespräch, dem Podcast von Eltern für Eltern.
[0:24] Ich bin Christine, Journalistin, Autorin und Mama von vier Kindern.
[0:28] Im Podcast spreche ich mit spannenden Gästen über Elternschaft.
[0:37] Und heute wenden wir uns insbesondere den Kindern zu, die sehr,
[0:40] sehr weit entfernt von Bullerbü-Verhältnissen aufwachsen.
[0:43] Ich glaube, dass fast jedes Elternteil mindestens ein Kind im näheren Umfeld,
[0:47] in der Kita oder in der Klasse des eigenen Kindes einfällt, bei dem wir ziemlich
[0:51] sicher davon ausgehen können, dass es schon viel Schlimmes erlebt hat.
[0:55] Und wir finden, das geht uns als Gesellschaft alle etwas an.
[0:57] Wir, damit meine ich nicht nur mich und die Elternredaktion,
[1:00] sondern auch und ganz besonders meinen Gast Pascal Hoffmann.
[1:03] Denn Pascal war selbst so ein Kind. Er hat als Kleinkind in seiner Ursprungsfamilie
[1:07] viel Leid erlebt und ist nach schwerer Krankheit schließlich in eine Pflegefamilie gekommen.
[1:11] Mittlerweile spricht er öffentlich über seine eigenen traumatischen Erfahrungen,
[1:15] um betroffenen Kindern eine Stimme zu geben und um aufmerksam zu machen auf
[1:19] die emotionale, körperliche und seelische Not vieler Kinder,
[1:22] die viel zu oft im Verborgenen bleibt.
[1:24] Er sagt, meist gibt es deutliche Anzeichen für diese Not, aber die werden in
[1:28] den allermeisten Fällen vom Umfeld fehlgedeutet. Herzlich willkommen, lieber Pascal.
[1:32] Einen wunderschönen guten Morgen. Schön, dass du da bist und vielen,
[1:36] vielen Dank, dass du mit uns sprichst.
[1:37] Mittlerweile bist du ja Papa, Autor, Coach, ausgebildeter Erzieher.
[1:41] Im Grunde könntest du auch sagen, okay, ich habe es geschafft,
[1:44] ich lasse die Vergangenheit hinter mir, ich habe meinen Weg gefunden und ich
[1:47] schaue jetzt einfach nach vorne.
[1:49] Das wäre vermutlich der leichtere Weg, aber du hast dich dazu entschieden,
[1:52] mit deiner Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen.
[1:55] Warum hattest du das Gefühl, dass das notwendig ist?
[1:58] Natürlich ist das für mich ein Riesenspagat, den ich da jetzt gerade mache.
[2:01] Ich, wie gesagt, ich habe eine Familie. Ich bin stellvertretende Kita-Leitung.
[2:05] Ich habe relativ viel Verantwortung.
[2:07] Und trotzdem habe ich damals gemerkt, dass ich zum Beispiel ein junger Mensch
[2:11] war, der genau so jemanden gebraucht hätte, wie der, der ich jetzt bin für ganz,
[2:16] ganz viele andere. Deswegen mache ich diesen Weg.
[2:19] Gebe ich 140.000 Prozent und bin da voll drin und unterstütze da einfach ganz,
[2:25] ganz viele Kinder und Jugendliche, um denen zu zeigen, dass sie nicht anders
[2:29] sind, sondern einfach stärker.
[2:31] Hast du dann das Gefühl, dass viel über solche Kinder, aber wenig mit solchen
[2:35] Kindern oder mit wenigen Menschen, die sowas erlebt haben, gesprochen wird?
[2:40] Ja, also ich finde gerade in Deutschland, in Deutschland sind wir ein Land,
[2:43] ich habe ja in der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet, vier Jahre.
[2:46] Und da habe ich schon gemerkt, dass wir ein Schubladendenken haben,
[2:49] dass es wichtig ist, dass Kinder Diagnosen brauchen für einen selbst.
[2:53] Da wird gar nicht mal so geguckt, ob es den Kindern gut tut,
[2:55] wenn die medikamentös eingestellt werden oder wenn die eine Diagnose haben,
[2:59] sondern es ist wichtig für die Akte, für den Träger einfach zu sagen,
[3:02] okay, das ist ein Kind, was Förderbedarf hat.
[3:06] Vielleicht hat es aber gar nicht, vielleicht muss man einfach nur anders hingucken.
[3:09] Und ich glaube, wir sind hier in einem Land, wo das ja sehr stigmatisierend
[3:14] ist, wie traumatisierte Kinder und Jugendliche als Randmenschen eigentlich abgestempelt werden.
[3:20] Glaubst du, dass viele von diesen traumatisierten Kindern und Jugendlichen ganz
[3:25] im Verborgenen sind? Also dass viel passiert, was wir gar nicht mitbekommen?
[3:30] Ja, also gerade bei traumatisierten Kindern und Jugendlichen,
[3:33] die muss man sich ja so vorstellen, dass es, die sind überangepasst.
[3:37] Die wollen eigentlich es jedem recht machen. Die wollen, haben fast alle ein
[3:41] Helfer-Syndrom, wollen von
[3:43] der Gesellschaft akzeptiert werden und achten ganz wenig auf sich selbst.
[3:47] Und das ist so das ganz große Problem. Also Selbstwertgefühl ist da eigentlich,
[3:51] kaum vorhanden bei ganz, ganz vielen.
[3:53] Und die haben einfach nur immer wieder die Angst, verlassen zu werden.
[3:57] Und deswegen wollen die es allen recht machen. Und das ist der Punkt,
[4:00] wo man eigentlich genau hingucken muss und wo es auch gefährlich werden kann, ja.
[4:04] Das heißt, das sind oft gar nicht die Kinder, bei denen man denkt,
[4:06] okay, das ist so ein schwieriges Kind, sondern es sind oft auch Kinder,
[4:09] die einfach ganz ruhig sind oder sehr angepasst, die eigentlich easy to handle sind?
[4:14] Würde ich sagen, in der Öffentlichkeit ja. Zu Hause sieht das anders aus.
[4:18] Also ich glaube, ich spreche gerade für ganz viele Pflegeeltern,
[4:20] dass gerade Pflegekinder zu Hause hui sind. Ja, also ich war es auch.
[4:25] Da hat man den sicheren Rahmen, da hat man die Sicherheit, da kann man seinen
[4:28] Emotionen freien Lauf lassen. Aber gerade in der Gesellschaft ist es oft so,
[4:31] dass sie sich sehr anpassen und oft still sind und das ist die Gefahr.
[4:37] Es gibt aber auch Kinder, die wirklich schwieriges Verhalten zeigen,
[4:40] gerade so in Klassen, in Kitas und so weiter. Ich glaube, wie ich das gerade
[4:43] schon in der Anmoderation gesagt habe, ich glaube, dass jeder so ein Kind kennt,
[4:47] wo man sich denkt, was ist denn da los?
[4:50] Was würdest du empfehlen, also welchen Blick würdest du da von außen empfehlen
[4:54] auf solche Kinder? Das Verhalten hinter dem Verhalten verstehen.
[4:58] Also das finde ich ganz, ganz wichtig.
[4:59] Ich glaube, Neurodivergenz ist ein Thema, was sehr, sehr präsent ist in der heutigen Zeit.
[5:04] Auch ich im Kita-Kontext, vorher im stationären Kinder- und Jugendhilfe-Kontext,
[5:09] habe mit ganz, ganz vielen Kindern und Jugendlichen gearbeitet,
[5:11] die in Neurodivergenz sind.
[5:13] Und ja, da einfach zu verstehen, woher kommt das Verhalten, nicht das Verhalten
[5:17] verurteilen, sondern gucken, woher kommt das und wie kann ich damit gut umgehen.
[5:23] Und dieser Blick, der fehlt ganz, ganz oft. Also es wird einfach viel zu schnell
[5:27] verurteilt, viel zu schnell auf Verhalten geguckt.
[5:29] Das Verhalten wird gemaßregelt und gar nicht geguckt, was ist eigentlich das
[5:33] Bedürfnis dieses Kindes, wenn es dieses Verhalten zeigt. Wenn du mal so als
[5:37] Erwachsener und jetzt vielleicht sogar als stellvertretender Kita-Leiter auf
[5:41] dich als Kind guckst, was hätte man von außen gesehen?
[5:44] Wer wäre Pascal als Kind gewesen, wenn man einfach nur von außen geguckt hätte?
[5:48] Ja, ich hatte tatsächlich verschiedene Entwicklungsphasen in meinem Leben. Also ich hatte...
[5:53] Ich glaube, die Kindheit war ich in meinem nächsten Umfeld sehr rebellisch.
[5:58] Ich hatte ja einen Zwillingsbruder immer bei mir. Also wir beide waren schon
[6:02] welche, die Grenzen getestet haben.
[6:05] Sehr, also überall, würde ich sagen. In der Jugendphase hatte ich so eine unglaubliche
[6:10] Identitätsfindungsphase, wo ich gucken wollte, wie reagiert das Umfeld.
[6:16] Ich habe mich geschminkt, ich habe Kleider getragen. Also ich war jetzt nie
[6:19] irgendwie zu einem Mann hingezogen, aber ich wollte halt einfach mal die Gesellschaft
[6:22] testen, wie reagiert ihr so auf mich.
[6:25] Also ich hatte da ganz viele verschiedene Phasen. Und dann hatte ich schon später
[6:29] eigentlich die Phase, die so gefährlich geworden ist, wo ich dachte,
[6:32] okay, ich bin der König der Welt und ich habe kein Trauma und ich komme mit
[6:36] allem klar und ich brauche keine Hilfe.
[6:40] Aber da bist du raus offensichtlich und hast dich dann doch wieder mehr mit
[6:43] dem beschäftigt, was dir auch passiert ist.
[6:46] Genau, ich habe ja, da war ich Anfang 20 gewesen, war ich mit meiner damaligen
[6:50] Freundin zusammen gewesen.
[6:51] Das war für mich die Liebe meines Lebens. Ich dachte, mit der werde ich Papa,
[6:55] mit der, also wir hatten auch eine gemeinsame Wohnung gehabt,
[6:58] ich hatte einen guten Job gehabt, war alles eigentlich gut.
[7:00] Ich habe die dann tatsächlich am Rosenmontag mit einem meiner besten Freunde
[7:04] erwischt Und da kam dieses Verlusttrauma das erste Mal ganz massiv hoch.
[7:08] Und ich hatte die Jahre vorher eigentlich mich nie mit meinem Trauma beschäftigt.
[7:13] Und ich habe mir danach versucht, das Leben zu nehmen. Und ich bin auf dem Dach
[7:17] gestiegen, wollte runterspringen.
[7:19] Und es war irgendwie nur mein Zwillingsbruder, der mich davon abgehalten hat.
[7:22] Also wie so eine innere Stimme, die gesagt hat, ich brauche dich.
[7:24] Und das war der einzige Grund, warum ich nicht gesprungen bin.
[7:27] Das hätte mich fast einfach mein Leben gekostet.
[7:29] Und ab dem Zeitpunkt habe ich gesagt, okay, ich muss was machen.
[7:32] Das ist gerade total krass, weil du ja selbst dachtest, das ist alles gut.
[7:37] Und das ist, glaube ich, echt so ein Punkt, der einen auch vielleicht nochmal
[7:40] ein bisschen wachrütteln kann, dass man genau hinschaut. Was steht da eigentlich
[7:45] bei mir noch alles geschrieben und was kann das nochmal wieder hochbringen?
[7:49] Ja, und man lässt sich das nicht anmerken. Also traumatisierte Kinder und Jugendliche
[7:52] sind unfassbar gut darin, dass das Umfeld es überhaupt nicht wahrnimmt,
[7:58] wie es in denen eigentlich aussieht.
[7:59] Du hast es ja selbst nicht mehr wahrgenommen. Genau. Das ist ja krass.
[8:02] So gut warst du, dass du dich selbst nicht mehr gefühlt hast.
[8:05] Ich habe mir selbst diese Fassade aufgebaut und habe selbst gedacht,
[8:08] ich brauche keine Hilfe, ich komme klar im Leben und wurde dann da eigentlich.
[8:14] In die Realität zurückgeholt und mir wurde damit gesagt, hier,
[8:17] hol dir Hilfe und du kannst so nicht weiterleben, ja.
[8:22] Jetzt warst du ja eigentlich in so ein Hilfesystem eingebettet.
[8:26] Du hattest, nachdem du aus deiner Ursprungsfamilie, ich glaube mit knappen zwei
[8:30] Jahren, rausgeholt wurdest, hast du ja eine Kindheit in einer sehr liebevollen Pflegefamilie gehabt.
[8:36] Du hattest deinen Zwillingsbruder bei dir. Du hast eigentlich ja Hilfe von außen
[8:40] bekommen, von diesem Jugendhilfesystem.
[8:43] Und trotzdem schienst du relativ alleine gewesen zu sein mit deinen Gedanken,
[8:48] mit deinen Sorgen und mit diesem Trauma.
[8:50] Wie konnte das passieren? Oder glaubst du, das kann heute auch noch passieren,
[8:53] dass Kinder alleine bleiben, trotz dieses ganzen Systems?
[8:56] Ja, weil sich selbst zuzustehen, dass man Hilfe braucht, dass man vielleicht
[9:01] nicht normal, ich finde normal ein ganz schwieriges Wort, aber nicht so ist
[9:05] wie andere, dass sich selbst einzugestehen, ist ganz, ganz schwierig.
[9:08] Und ich habe es ja vorhin schon mal gesagt, gerade traumatisierte Kinder und Jugendliche,
[9:12] gucken in der Adoleszenz, in der Pubertät, gucken die einfach ganz,
[9:16] ganz genau danach, Ja, dass sie gar nicht nach sich gucken und gucken,
[9:20] ich muss jetzt alles, also das Nervensystem der Kinder sagt,
[9:23] ich muss jetzt alles dafür tun,
[9:24] dass ich geliebt werde von allen um mich herum, dass ich nicht mehr fallen gelassen werde.
[9:30] Und das ist, glaube ich, das ganz große Problem. Also ich biete ein traumasensibles
[9:35] Coaching an mit Jugendlichen.
[9:37] Und diese Problematik ist ganz, ganz, ganz hoch, dass sich die wenigsten eigentlich
[9:43] eingestehen wollen, dass sie mit den Traumata eigentlich nicht alleine fertig werden.
[9:50] Und das ist ganz viel Arbeit, mit denen zu arbeiten oder denen das zu sagen,
[9:54] ey, das ist okay, du hast dieses vernarbte Nervensystem und du schaffst das nicht alleine.
[10:01] Bis die sich das dann eingestehen, ist ganz schwierig. Vernarbtes Nervensystem
[10:05] ist echt ein eindrücklicher Begriff dafür.
[10:10] Wir haben ja gerade schon gehört, du bist jetzt selbst quasi in der Jugendhilfe,
[10:13] du bist selbst stellvertretender Kita-Leiter.
[10:16] Wie guckst du auf Kinder? Also wenn ein Kind interessantes Verhalten zeigt,
[10:22] sage ich mal, wie guckst du drauf?
[10:24] Das ist ein ganz gutes Beispiel. Ich habe jetzt ab dem 1.3. meine neue Stelle
[10:28] angenommen in der Kita, wo ich jetzt bin.
[10:30] Und ich war da erstmal kommissarische Leitung und ich hatte erstmal fünf Integrationsanträge
[10:35] auf meinem Tisch liegen von fünf Kindern.
[10:37] Vier davon habe ich zerrissen, weil ich mir die Kinder erstmal angeguckt habe
[10:41] und es waren vier Kinder, die ja vielleicht verhaltensauffällig waren,
[10:44] aber mit denen man pädagogisch intervenieren kann, also mit denen man pädagogisch
[10:48] so arbeiten kann, dass man denen ihre Bedürfnisse erfüllt.
[10:52] Das heißt, ich finde nicht jedes Kind, was irgendwie ein Verhalten aufzeigt
[10:57] im Alltag, im Kita-Alltag, was anstrengend ist, ist gleich ein Integrationskind.
[11:02] Und das zu differenzieren, da braucht es halt einen speziellen Blick.
[11:06] Ich glaube, ich bin ein sehr guter Pädagoge, würde ich jetzt mal sagen.
[11:10] Stimmt. Ich habe halt einen Blick auch, auch jetzt in unserem Kindergarten haben
[11:14] wir ein neurodivergentes Kind, wo die zwei Gehirnhälften nicht so ganz miteinander
[11:18] funktionieren und der wird, die ist sehr hochsensibel, ich habe ja auch eine
[11:21] Hochsensibilität und der wird in manchen Situationen einfach zu viel.
[11:24] Also ich merke das dann richtig an ihrer Art, wie sie guckt und kann sie da
[11:28] schon vorher rausholen.
[11:29] Und den Blick, den haben viele gar nicht. Die merken dann auf einmal nur das
[11:33] Kind, was ausrastet oder was total, warum das passiert ist, dass man sie vielleicht
[11:37] hätte vorher aus der Situation rausholen können.
[11:39] Diesen Blick haben gar nicht so viele. Und deswegen mache ich ja auch,
[11:42] biete ich auch Workshops für Kitas an, Seminare für Kitas, um einfach da aufzuklären,
[11:47] diese Innenperspektive sichtbar zu machen.
[11:51] Aber glaubst du, das kann man lernen? Also diesen Blick zu haben,
[11:55] wenn man es selbst nicht erlebt hat?
[11:57] Ich glaube, das Gespür vielleicht nicht, aber ich sage immer,
[12:01] das ist wie, wenn man eine Führerscheinprüfung macht und die Schilder lernt,
[12:04] dann verinnerlicht man sich das ja auch und weiß, dass man bei einer 30er-Zone 30 fahren muss.
[12:09] Und ich glaube, wenn man das den Fachkräften einfach oder Pflegeeltern oder
[12:14] Adoptiveltern, egal, Begleitpersonen von traumatisierten oder von neurodivergenten
[12:19] Menschen, wenn man denen das einfach immer wieder sichtbar macht, wie das Verhalten,
[12:23] woher das kommt oder was damit gemeint ist, dann kann man das schon irgendwie sich verinnerlichen.
[12:30] Ich kann mir vorstellen, dass uns auch viele Pflegeeltern zuhören und Adoptiveltern
[12:34] und Eltern von Kindern, denen schon einiges widerfahren ist.
[12:38] Wenn es so ein Trauma gibt in der frühen Kindheit, in der Kindheit,
[12:41] ist es empfehlenswert, mit dem Kind darüber zu sprechen, es darauf anzusprechen
[12:46] oder sollte man es ruhen lassen oder ist das was total Individuelles?
[12:50] Ich glaube, es kommt einmal aufs Alter drauf an. Also ich arbeite mit vielen
[12:55] Pflegeeltern in diesen Coachings und viele fragen mich ja,
[13:00] zum Beispiel Besuchsumgänge, ja, ist so ein ganz, ganz gravierendes,
[13:03] großes Thema, wo es für viele Pflegeeltern auch einfach schwer wird,
[13:08] was ich auch total verstehen kann.
[13:09] Für mich war es auch schwer. Ich war,
[13:11] immer einer alkoholisierten Frau gegenübergesetzt, die meine Mutter war.
[13:16] Also für mich als Kind war das ganz, ganz schwer. Mein Vater war im Gefängnis,
[13:19] auch da die Besuche waren für mich als Kind ganz, ganz schwer.
[13:22] Jetzt rückblickend mit 35 Jahren kann ich sagen, auch die Besuchsumgänge haben
[13:27] mir ganz viel geholfen, mich mit dem Thema einfach immer wieder auseinanderzusetzen.
[13:31] Also es war immer wieder Thema bei uns in der Pflegefamilie.
[13:34] Wir haben ganz viel gefragt, ja warum ist er im Gefängnis, warum ist das so, warum ist das so?
[13:39] Also für meine Heilung hat das ganz viel beigetragen, diese Besuchsumgänge,
[13:44] um immer dieses Thema präsent zu machen. Ich glaube, das Schlimmste ist,
[13:48] wenn man das Thema verschweigt. Wenn man sagt, okay, das ist jetzt mein Kind.
[13:53] Vielleicht gibt es auch gar keine Besuchsumgänge oder sowas.
[13:56] Und das ist jetzt mein Kind. Ich schenke dem meine ganze Liebe und das gehört zu uns.
[14:00] Aber trotzdem ist da ein traumatisiertes Nervensystem, ein vernarbtes Nervensystem.
[14:04] Und da muss man genau hingucken. Also auch ein Kind...
[14:07] Was eine ganz frühe Bindungsabbruchserfahrung gehabt hat oder so,
[14:13] das wird irgendwann rauskommen und wenn man damit nicht arbeitet,
[14:16] kann es echt zu Problemen kommen.
[14:17] Deswegen ist es ganz wichtig, da sehr transparent mit dem Kind umzugehen und
[14:21] das Kind sucht sich Menschen, die einem Sicherheit geben.
[14:25] Also sich da auch mal von zu lösen, ach, wenn jetzt das Kind Kontakt mit der
[14:29] leiblichen Mutter hat, das Kind lernt selbst irgendwann, dass die leibliche
[14:32] Mutter keine Bindungsperson für einen ist.
[14:35] Und deswegen heißt es nicht, nur weil das Kind sich mit den leiblichen Eltern
[14:39] trifft, wird sich das Kind zu den leiblichen Eltern gezogen fühlen oder so,
[14:43] sondern das sucht sich schon die Menschen, die gerade traumatisierte Kinder
[14:46] suchen sich die Menschen, die einem ganz viel Sicherheit und Bindung geben.
[14:50] Ja, aber es ist wahrscheinlich total wichtig, auch für das eigene Herkunftsgefühl,
[14:55] für ein Verständnis für sich selbst, diese Wurzeln zu kennen.
[14:59] Ganz wichtig, ganz wichtig, ja. Und ich finde immer so das beste Beispiel,
[15:02] ich glaube, wir sind so ein Paradebeispiel, wie das funktionieren kann,
[15:06] Pflegeeltern und leibliche Eltern. Also mein leiblicher Vater hat sich,
[15:08] wo wir 16 waren, suizidiert. Den gibt es nicht mehr. Meine leibliche Mutter,
[15:12] die ist immer noch schwer alkoholkrank.
[15:14] Aber ich habe ja zum Beispiel, ich habe mein Buch geschrieben,
[15:16] meine Autobiografie, mein erstes Buch.
[15:19] Und meine leibische Mutter hat nie lesen oder schreiben gelernt.
[15:22] Und die ist nur für mein Buch, ist die in eine Volkshochschule gegangen, hat lesen gelernt.
[15:27] Ich meine, das muss man sich mal, eine Frau, die nie was in ihrem Leben,
[15:31] die acht Kinder auf die Welt gesetzt hat, sich nicht um eins kümmern konnte,
[15:34] hat es aber geschafft, in eine Volkshochschule zu gehen, lesen zu lernen,
[15:37] um mein Buch zu lesen. Also das ist wahnsinnig groß.
[15:41] Das ist richtig groß, ja. Und auch sehr berührend und bewegend. Ja, total.
[15:46] Und ich habe auch letztens mit ihr telefoniert und habe gesagt, ich verzeihe dir.
[15:49] Also ich bin dankbar dafür, dass du mich geboren hast, sonst würde ich heute nicht hier sitzen.
[15:53] Und du hast Scheiße gebaut, du hast schlimme Sachen gemacht damals, aber das weißt du auch.
[15:59] Und ich hoffe, du wirst alt, du wirst glücklich, du bleibst immer gesund.
[16:03] Ich meine, mit Alkohol ist so eine Sache, aber ich habe damit abgeschlossen.
[16:08] Und das ist auch für mich gut, für meinen inneren Seelenfrieden.
[16:11] Einfach zu sagen, okay, ich lebe im Hier und Jetzt und trauere nicht mehr dem
[16:14] nach, was ich vielleicht anders hätte haben können.
[16:19] Kannst du, das ist eine ganz schwierig zu formulierende Frage,
[16:21] dass man sie nicht falsch versteht. Du hast eben was zu mir gesagt,
[16:24] vor unserem Gespräch hast du gesagt, ich bin wie ein Chameleon.
[16:27] Ich kann mich immer jeder Situation anpassen. Und eben hast du auch erklärt,
[16:31] dass du durch deine eigene Situation einen sehr wachen Blick dafür hast,
[16:36] schon mit Warnschildern, die weit vor einer Kreuzung auftreten,
[16:40] wo du merkst, okay, jetzt wird es diesem Kind zu viel.
[16:42] Das heißt, du hast ja auch Dinge mitgenommen.
[16:46] Kannst du diese Teile an dir wertschätzen, obwohl sie auch so viel Schmerz und
[16:50] Leid entstanden sind? Mittlerweile ja.
[16:53] Also das ist ja auch gerade diese Hochsensibilitäten, die haben ganz,
[16:56] ganz viele traumatisierte Kinder und Jugendliche. Viele wissen das gar nicht.
[17:00] Ich finde auch gar nicht, dass man da unbedingt Diagnosen für braucht.
[17:02] Aber dieser wachsame Blick, dieses...
[17:05] Also ich sage ja selbst jetzt mit meinen fast 35 Jahren ist mein Nervensystem
[17:09] immer noch immer auf Alarmbereitschaft.
[17:11] Also ständig habe ich Alarmglocken in mir und gucke, wie funktioniere ich,
[17:16] wie gehe ich mit der Umwelt um und trotzdem merke ich ja jetzt durch den Weg,
[17:20] den ich jetzt einschlage, kann ich das ganz vielen zeigen, dass es eigentlich
[17:24] eine Stärke ist, einfach zu sagen, okay, das was du hast, wandelt es einfach in Stärke um.
[17:30] Du glaubst gar nicht, ich sage immer zu allen traumatisierten Kindern und Jugendlichen,
[17:34] mit denen ich arbeite, sage ich immer, ey, du hast es geschafft,
[17:38] in einem Meer voll Scherben Blumen zu pflanzen.
[17:40] Also sich das mal zu verdeutlichen, was es bedeutet, egal welches Trauma.
[17:46] Jedes Kind kommt auf die Welt und hat eigentlich nur ein Bedürfnis.
[17:48] Das ist Bedürfnis von, ich komme nicht alleine klar, ich brauche Hilfe.
[17:53] Und wenn dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird, egal auf welche Art und Weise,
[17:57] muss das Kind überleben.
[17:58] Egal wie klein das ist. Und deswegen sage ich immer, mal dir das irgendwo hin,
[18:02] mal dir ein Meer voll Scherben und mal eine Blume rein, weil genau das bist
[18:05] du. Du hast schon in der frühen Kindheit es geschafft, was andere niemals schaffen würden.
[18:11] Und deswegen merke ich jetzt, klar ist es für mich immer wieder ein Triggerpunkt,
[18:15] wenn ich damit arbeite und so.
[18:16] Ich kann damit super arbeiten, ich kann damit gut umgehen und mir tut es auch
[18:19] gut, wenn ich offen darüber rede und merke einfach, dass ich,
[18:23] ganz vielen Menschen damit helfe. Und das ist das Schöne einfach, ja.
[18:27] Ja, jetzt bist du ja eines dieser Kinder, da war es so gravierend,
[18:31] irgendwie konnte es nicht ignoriert werden und du wurdest sehr früh aus deiner
[18:35] Ursprungsfamilie rausgeholt.
[18:37] Ich glaube auch wegen der Verhaftung deines Vaters, in dem Zuge, genau.
[18:41] Jetzt gibt es ja viele Kinder, denen widerfährt viel Schlimmes,
[18:47] aber es ist nicht so richtig öffentlich. Es passiert nicht dieser eine Knall,
[18:51] es wird nicht das Kind rausgeholt ins System übergeben, das alles passiert nicht.
[18:56] Wie können wir als Gesellschaft, als Eltern von Freunden, als Eltern von Klassenkameraden
[19:03] oder Kita-Kameraden, was können wir tun für diese Kinder, bei denen wir das Gefühl haben,
[19:09] dieses Kind kriegt nicht eigentlich, was es braucht?
[19:13] Genau hingucken. Wir sind in Deutschland in einem Land, wo, ich würde sagen,
[19:17] es könnte besser funktionieren, aber es trotzdem auch Hilfen gibt.
[19:20] Also auch anonyme Beratungsstellen, ob es jetzt eine SPFH ist oder insoweit
[19:25] erfahrene Fachkraft, die man auch beim Jugendamt immer anrufen kann,
[19:29] wenn man irgendwelche Verdachtsfälle hat.
[19:30] Also man muss auch seinen Namen nicht nennen, die dann aber gucken,
[19:33] okay, da können wir mal in der Familie gucken.
[19:35] Also wenn man da Verdacht hat, nicht wegschauen. Es ist lieber einmal zu viel
[19:38] geguckt als einmal zu wenig. Ich habe für ein Beispiel, ich habe damals,
[19:41] wo ich meine Ausbildung gemacht habe als Erzieher, habe ich vorher einen Bundesfreiwilligendienst gemacht.
[19:46] Da hatte ich ein Mädchen betreut, die war damals, ich glaube,
[19:51] so zwei Jahre alt. Und wir haben damals als Einrichtung einen 8a-Fall gemeldet,
[19:56] also eine Kindeswohlgefährdung ans Jugendamt.
[19:58] Und mit elf habe ich dieses Kind in der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe
[20:02] aufgenommen. Das heißt, das war von...
[20:06] Zwei Jahre alt, bis sie elf war, in der Herkunftsfamilie. Und Ende vom Lied
[20:11] war, dass dieses Kind gar nicht bei uns geblieben ist, sondern das musste in
[20:13] eine KJP, also eine Kinder-Jugend-Psychiatrie.
[20:16] Und eigentlich musste ich ganz ehrlich sagen, die war so hochgradig traumatisiert,
[20:21] hat so viele unfassbar schlimme Traumata erfahren in dieser Zeit.
[20:25] Also deswegen, wir müssen da hingucken. Wir müssen ganz feine Antennen haben, Gespüre haben.
[20:30] Und es ist nicht schlimm, wenn man einmal zu viel irgendwo anruft und sagt,
[20:33] ich habe da einen Verdacht.
[20:34] Und könnte man da mal, dann geht es einem selbst besser und man hat auch einfach
[20:39] der Gesellschaft was Gutes getan und vor allem den Kindern. Also Kinderschutz
[20:43] ist einfach, das geht uns alle was an, da können wir nicht wegschauen.
[20:45] Und jetzt reden wir ja eigentlich auch nur so von schwarz und weiß.
[20:48] Kinder, die in der Herkunftsfamilie bleiben und Kinder, die aus der Herkunftsfamilie genommen werden.
[20:53] Aber da gibt es ja ganz viel dazwischen. Also auch einfach nochmal so als Hintergrund,
[20:57] wenn ich beim Jugendamt anrufe und sage, ich habe da irgendwie kein gutes Gefühl,
[21:02] kann man da mal hingucken.
[21:03] Dann bedeutet das ja nicht, dass das Jugendamt klopft, die Kinder rausnimmt
[21:07] und eine Pflegefamilie gibt oder so, sondern das bedeutet ja,
[21:10] dass jemand hinguckt, dass jemand klopft, ja und hinguckt.
[21:15] Was gibt es denn noch alles so für Hilfen außer die Herausnahme aus der Herkunftsfamilie?
[21:19] Vielleicht auch für Familien, die sagen, ich merke selbst, dass es hier gerade nicht gut ist.
[21:24] Und das kann ja durch Krankheit, durch psychische Erkrankung der Eltern,
[21:27] durch alles Mögliche sein, durch Überforderung, weil eben viele Kinder oder
[21:32] das Nervensystem ist nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe, was auch immer.
[21:35] Welche Hilfen kann man noch bekommen vom Jugendamt?
[21:38] Ja, schwierig. Ich glaube, ich habe ja auch mal in Österreich gearbeitet,
[21:41] in Wien. Und da ist zum Beispiel, da ist die Pädagogik sehr gut ausgebaut.
[21:45] Da wird viel Geld in Gesundheit und Pädagogik investiert oder in Bildung generell.
[21:50] Ich habe da in einer Wohngruppe gearbeitet, wo ich immer mit einem Therapeuten.
[21:56] Zusammengearbeitet habe und mit einem Kinderarzt.
[21:58] Also wir hatten immer zusammen Dienst gehabt. Also ich sage mal,
[22:01] in diesem Stationssetting war schon mal alles geregelt. Wenn das Kind eher einen
[22:04] therapeutischen Bedarf hat, war jemand da.
[22:06] Wenn das Kind suizidal war, war auch Kinderarzt da.
[22:10] Und so ist es auch dort in den Familien, dass du da viel mehr Unterstützung bekommst.
[22:14] Oder gerade auch skandinavische Länder ist das auch viel, viel besser ausgebaut.
[22:18] In Deutschland fängt es für mich schon viel früher an. Ich habe damals.
[22:22] Nach meiner Erzieherausbildung habe ich gesagt, es gibt Schulsozialarbeiter.
[22:26] Wir müssen noch weiter zurück. Wir brauchen eigentlich Kita-Sozialarbeiter.
[22:29] Wir brauchen Menschen, die in Kitas sitzen, die ausgebildet sind dafür.
[22:34] So einer wie ich zum Beispiel.
[22:36] Und da mit Kindern arbeitet und vielleicht da auch früher intervenieren kann.
[22:40] Also über gewisse Therapie, Spielformen oder sowas zu gucken,
[22:44] geht es dem Kind auch wirklich gut oder,
[22:46] einfach, dass man schon viel früher da eingreift in das System,
[22:50] wenn irgendwelche Kindeswohlgefährdungen vorliegen und das gibt es halt so nicht
[22:56] einfach in Deutschland und ich glaube…,
[22:58] Und viele Eltern verbinden ja auch Jugendamt direkt mit was Schlimmem.
[23:02] Also Jugendamt hat auch einen Stempel.
[23:04] Ich habe jetzt gerade letztens wieder gesehen, dass bei Facebook gibt es so
[23:06] viele Gruppen, Jugend, Verbrecheramt und also es ist einfach ein,
[23:11] die haben es nicht leicht, glaube ich, das Jugendamt.
[23:12] Aber da gibt es Hilfen. Da gibt es definitiv Hilfen. Da gibt es Hilfen für Eltern,
[23:17] die überfordert sind. Und bevor man zuschlägt oder bevor man holt euch Hilfe.
[23:23] Ich bin 35, ich habe ein Haus, ich habe eine Familie, ich habe eigentlich ein
[23:28] wundervolles Leben und ich habe trotzdem eine tiefenpsychologische Therapie.
[23:32] Und das ist okay, dazu sollten wir stehen.
[23:34] Also wir dürfen doch nicht in einem Land leben, wo wir uns verstecken müssen,
[23:38] wenn wir Therapie brauchen oder wenn wir Hilfen brauchen. Steht dazu.
[23:43] Ja, und ehrlicherweise muss man ja auch sagen, in dieses Elternsein wird man ja so reingeschmissen.
[23:48] Also man ist ja vollkommen ungelernt. Und ich sage mal, einige haben Glück und
[23:53] die kommen eben aus diesen Bolabü-Verhältnissen.
[23:56] Die haben dieses Muttersein, Vatersein einfach schon in die Wiege gelegt bekommen,
[24:01] weil sie es erfahren haben, aber gerade Eltern, die selbst viel Mangel erfahren
[24:07] haben und Dinge nicht bekommen haben, die man hätte bekommen müssen,
[24:10] die werden spätestens ja als Eltern darauf zurückgestoßen und dann bedeutet
[24:15] das einfach sehr viel mehr Arbeit für diese Menschen als für Menschen,
[24:18] die das so einfach gelernt haben, einfach weil es wie so eine Muttersprache,
[24:23] einem so geschenkt wurde.
[24:25] Genau, und dann muss man noch dazu sagen, leben wir aktuell in einem sehr unsicheren Zukunftsgedanken.
[24:33] Also man kriegt ja überall aus den Medien mit, was auf der Welt passiert.
[24:36] Und da macht man sich viele Sorgen.
[24:39] Es wird alles teurer. Also auch das zu verstehen. Ich habe damals,
[24:42] wo Corona war, da war ich ja dann auch in der vollstationären Kinder- und Jugendhilfe.
[24:46] Wir hatten Wartelisten, die waren unfassbar während der Corona-Zeit von In-Obhut-Namen,
[24:51] wo ich mir gesagt habe, okay.
[24:53] Ich würde niemals sagen, dass es gut ist, oder ich finde es ganz schlimm,
[24:56] wenn man Kinder schlägt, wenn man Gewalt anwendet.
[24:59] Aber ich habe mich dann auch mal in die Eltern reinversetzt.
[25:01] Wenn ich mir überlege, eine alleinerziehende Mutter, die irgendwie vier Kinder
[25:05] hat, während Corona in einer 60 Quadratmeter Wohnung, keiner darf raus,
[25:10] man ist da 24-7 zusammen.
[25:13] Das schafft man als Mensch nicht. Das ist absolut, da ist irgendwann Ende.
[25:17] Ja, im Zweifel muss man noch arbeiten, die Kinder müssen Homeschooling machen,
[25:20] es gibt nur einen Computer für alle und dann wird es richtig übel.
[25:24] Genau, also sich dann auch mal in die Eltern rein zu versetzen und zu sagen,
[25:27] ey, es ist mega kacke, was du gemacht hast, aber das warst im Prinzip nicht
[25:31] du, das war dein Nervensystem oder dein Limit einfach, dein Körper,
[25:35] der gesagt hat, ich kann nicht mehr.
[25:37] Und sich da früher einfach an Stellen zu wenden, die noch nicht gut ausgebaut sind in Deutschland.
[25:42] Ich habe zum Glück auch politische Termine mit Politikern, um da einfach auch
[25:47] nochmal aufmerksam zu machen und sagen, okay, wir müssen da hingucken und Eltern
[25:52] einfach auch besser begleiten in solchen Phasen.
[25:54] Und dass man denen auch sagt, ey, es ist wichtig, dass ihr euch hilft.
[25:58] Ihr seid nicht perfekt. Also macht euch das nicht vor.
[26:01] Ja, und es sind ja auch viele, gerade viele Eltern, die vielleicht selbst traumatische
[26:06] Erfahrungen erlebt haben.
[26:08] Die wollen dann unbedingt ihren Kindern die Bilderbuchfamilie vorleben,
[26:14] aber beschäftigen sich gar nicht mit sich selbst oder mit ihrem eigenen Trauma
[26:17] und schaffen das gar nicht.
[26:18] Ja, und davon wegzukommen.
[26:20] Ich stelle mir das auch total schwer vor. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist.
[26:25] Also du bist ja jetzt ausgebildet auf der kognitiven Ebene, weißt du wahrscheinlich
[26:29] sehr, sehr viel und fast alles über Pädagogik, hast dich mit Psychologie auseinandergesetzt,
[26:33] mit deiner eigenen Vergangenheit.
[26:35] Gibt es für dich trotzdem noch Momente, wo du so...
[26:38] Impulse spürst, wo du denkst, okay, hier agiert jetzt weder der Pädagoge noch
[26:42] der Vater noch der geheilte erwachsene Mensch, sondern hier ist irgendwie der
[26:46] kleine Pascal, da passiert gerade was?
[26:49] Ja, tatsächlich ganz viele Situationen. Also ich habe eine wundervolle Tochter,
[26:54] die ist jetzt viereinhalb Jahre alt, alles wunderbar, aber sehr temperamentvoll
[26:57] und auch sehr zornig. Also sie kann sehr, sehr zornig sein.
[27:01] Und da merke ich oft, das sind Situationen, wenn sie sehr laut wird oder sehr.
[27:05] Auch manchmal schreit, damit kann ich nicht umgehen.
[27:10] Aber auch wir haben als Familie dafür eine Strategie entwickelt.
[27:13] Also wenn jetzt zum Beispiel unsere Tochter total zornig ist und meine Frau
[27:17] merkt zum Beispiel, okay, ich bring grad gar nichts in dieser Situation,
[27:21] eher, dass es sich nochmal aufputscht, schickt mich meine Frau raus und sagt,
[27:25] hier, geh mal fünf Minuten raus, dann kommst du wieder rein.
[27:28] Und das ist so wichtig und das würde ich auch allen Eltern teilen raten.
[27:31] Steigert euch nicht alleine in irgendwelche Situationen, also falls ein Partner
[27:35] da ist, sondern guckt, wie könnt ihr die Situation, das ganze Pulver aus diesem
[27:42] Fass nehmen. Auch noch mal ein gutes Beispiel.
[27:44] Wie gesagt, meine Tochter ist viereinhalb und wenn die in einem Tunnel ist,
[27:47] wenn die sauer ist, dann kriegen wir die da ganz schwer rein.
[27:50] Wir haben jetzt mit ihr zusammen besprochen, in einer ruhigen Situation,
[27:53] haben wir gesagt, hier, Mali, wenn du merkst, dass du ganz viel Wut in dir hast
[27:57] und sauer bist und sowas, dann geh in einen anderen Raum.
[28:01] Du darfst auch die Tür knallen, aber dann wissen wir, okay, einer von uns beiden,
[28:05] muss da jetzt hingehen und Ingas klären.
[28:08] Und es macht so viel aus. Es bedeutet einmal für uns als Eltern,
[28:11] wir gehen nicht in diese Situation rein, wo gerade ganz viel Pulver drin ist,
[28:16] in diese laute Situation.
[28:17] Wir haben kurz Zeit für uns, mal durchzuatmen. Unsere Tochter,
[28:20] und das ist das viel Entscheidendere, unsere Tochter ist auch nicht in dieser
[28:25] pulverbeladenen Umgebung, sondern geht in einen anderen Raum.
[28:28] Und wir begegnen uns nochmal ganz, ganz anders in diesem anderen Raum. Das heißt,
[28:33] Zu 99,9 Prozent ist unsere Tochter nicht mehr zornig und sauer, sondern sie weint.
[28:37] Und wir können hingehen und sagen, so jetzt, wo war denn das Problem?
[28:41] Oder wie können wir dir jetzt helfen?
[28:43] Also das macht einfach dieser Situationswechsel.
[28:47] Das heißt, sie geht nicht weg, um allein zu sein, sondern sie ändert nur sozusagen
[28:51] das Set, das Filmset einmal.
[28:53] Genau, sie ändert einfach dieses, wo sie in dem Tunnel ist, durchspricht sie
[28:58] sozusagen, indem sie in einen anderen Raum geht. Krass, dass sie das so umsetzen kann. Unfassbar.
[29:03] Ich habe das aus Spaß gesagt damals und es funktioniert super. Bis heute macht sie das.
[29:09] Ich sage auch gerade bei neurodivergenten Kindern und bei traumatisierten Kindern.
[29:15] Die haben ja ein Nervensystem, was immer auf Anschlag ist.
[29:18] Das heißt, die haben sehr impulshafte Wutausbrüche, werden ja auch gewalttätig
[29:24] oder ausfallend und die können das nicht kontrollieren. Und das ist das Entscheidende.
[29:29] Für Eltern bedeutet das nicht, mein Kind hat was gegen mich oder mein Kind mag
[29:34] mich nicht oder sowas, sondern wie kann ich mein Kind vorher da rausholen?
[29:39] Weil du kannst mit ganz vielen einfachen Mitteln, kannst du Kinder,
[29:43] die so ein Nervensystem haben, kannst du das schon vorher runterfahren,
[29:47] indem du zum Beispiel sagst, also meine Pflegeeltern haben das mit mir gemacht,
[29:49] dass wenn die gemerkt haben, okay, jetzt staut sich da was an,
[29:53] wir sind hier in der Natur, wir sind hier auf dem Ort, sind wir rausgegangen,
[29:55] hat unsere Pflegemama gesagt, komm, wir gehen mal vor die Tür,
[29:57] mal gucken, wer lauter schreien kann.
[29:59] Und dann ist dieses impulshafte, laute irgendwas rauslassen,
[30:04] fährt das Nervensystem wieder auf Halbgas und du bist aus dieser Situation raus.
[30:09] Oder mal schnell kaltes Wasser ins Gesicht oder ich gebe auch immer als Tipp
[30:13] hier so ein Haargummi an der Hand mal flippen lassen.
[30:17] Ja, dieser ganz kurze Schmerz. Genau, dieser ganz, und das holt dich wirklich
[30:20] aus diesen Situationen raus. Und das gebe ich auch Eltern immer mit als Tipp,
[30:23] guckt, wie könnt ihr das Kind vorher aus solchen Situationen rausholen und das
[30:27] funktioniert, bevor das so explodiert.
[30:31] Und bevor das eigene Nervensystem auch so hochschnellt. Genau.
[30:34] Ich habe das ja schon mal auch in einer anderen Folge erzählt und du weißt das auch.
[30:37] Ich bin ja auch Pflegemama zumindest gewesen. Meine größte Tochter,
[30:41] die ist jetzt schon 20, ist auch schon ausgezogen, aber die ist auch zu uns
[30:45] gestoßen, als sie sechs Jahre alt war.
[30:47] Und auch aus einer schwierigen Situation. Und jetzt ist es als Pflegeeltern
[30:51] ja schon manchmal sehr herausfordernd, weil man diese Situation,
[30:55] die du gerade beschreibst, gar nicht so richtig deuten kann.
[30:57] Und man selbst ja auch immer ein bisschen, klingt jetzt bescheuert,
[31:02] aber auch ein bisschen Bindungsangst hat.
[31:04] Weil ich sage mal, bei leiblichen Kindern, da weißt du ja, okay,
[31:07] ich bin die Mama, ich bin der Papa. Die werden uns irgendwie auch Fehler verzeihen.
[31:12] Bei einem Pflegekind ist man viel vorsichtiger oder hat ja viel mehr Angst, was kaputt zu machen.
[31:19] Weil man am Ende ja nur, in Anführungsstrichen, die Pflegemama ist, der Pflegepapa ist.
[31:24] Sodass man dann selbst auch gut einsteigen kann auf solche Momente,
[31:27] weil man sich in Frage gestellt fühlt.
[31:29] Gibt es da was so aus deiner Sicht, was du da vielleicht auch nochmal so Beruhigendes
[31:33] sagen kannst für genau diese Momente, in denen man denkt, hast du mich überhaupt lieb?
[31:37] Verstehst du überhaupt, was ich hier gerade tue? Dass ich dich lieben will,
[31:40] dass ich dir was geben will, dass ich dein sicheres Zuhause sein möchte?
[31:44] Kannst du das kurz beschreiben, wie es in einem drin aussieht,
[31:47] wenn man auf der anderen Seite steht, als kleiner Mensch?
[31:50] Ja, könnte ich tatsächlich sehr bildhaft darstellen.
[31:53] Also ich sage auch immer, ihr müsst euch das so vorstellen, ein traumatisiertes
[31:56] Kind ist im Prinzip wie ein Haus, wo die Fassade kaputt ist,
[32:00] wo die Gummidichtungen kaputt sind von den Fenstern und ständig zieht Wind durch.
[32:05] Und bei jedem größeren Sturm kann es sein, dass dieses Haus einbricht.
[32:09] Das ist das traumatisierte Kind und es bringt als Traumatisierer.
[32:12] Begleiter als Pflegeeltern bringt
[32:14] es nichts, in diesem Haus eine Heizung anzumachen oder Feuer anzumachen,
[32:19] diese Liebe, sondern es ist erstmal ganz wichtig, dass man die Fassade aufbaut,
[32:23] dass man die Dichtung wieder dicht macht, dass man das Haus wieder stabil macht
[32:28] und dann kann man innen drin die Heizung anmachen.
[32:31] Und das ist diesen Blick zu haben, zu sagen, okay, Liebe ist ganz,
[32:36] ganz wichtig, aber traumatisierte Kinder brauchen einfach viel,
[32:40] viel mehr Bindung und Sicherheit. Das ist viel wichtiger als die Liebe.
[32:43] Die Liebe kommt irgendwann. Also ich kenne ganz, ganz viele Pflegekinder,
[32:48] die auch so bindungsstark wie wir aufgewachsen sind, die mit in meinem Alter
[32:54] oder sowas ganz tolle Verhältnisse zu ihren Pflegeeltern haben.
[32:57] Für mich sind meine Pflegeeltern, ich habe ein Haus gegenüber gekauft,
[32:59] das sind für mich Mama und Papa und was, klar haben die uns auch Liebe gegeben,
[33:03] aber erstmal haben die uns ganz, ganz viel Sicherheit und Bindung gegeben und
[33:07] das ist tausendmal wichtiger.
[33:08] Also an alle Eltern da draußen, die Angst haben, dass das Kind einen nicht liebt
[33:12] oder dass diese Bindungsverlustsangst haben, baut erstmal dieses Haus auf.
[33:17] Das ist ganz wichtig, diese Sicherheit.
[33:18] Ihr müsst nicht perfekt sein, ihr müsst einfach bleiben und das ist gerade bei
[33:22] Pflegekindern ganz, ganz wichtig. Und dann kommt die Liebe von ganz allein.
[33:26] Wie macht man das? Also vielleicht blöde Frage, aber wie baut man diese Fassade auf?
[33:31] Mit ganz vielen Kleinigkeiten. Also du, das Kind einfach so zu nehmen,
[33:35] wie es ist, das ist, glaube ich, das Allerwichtigste, weil das Kind hat ja gelernt,
[33:40] es darf nicht so sein, wie es ist, sonst wird es verlassen.
[33:43] Also zum Beispiel bei uns, wir haben, wenn ich geschrien habe als kleines Kind,
[33:46] wurde ich von meinem Vater geschlagen.
[33:48] Und das heißt, wir haben in uns Strategien entwickelt, um uns anzupassen,
[33:53] die natürlich total anstrengend sind.
[33:56] Jetzt sind wir in einer Pflegefamilie und merken, oh, da ist ja Sicherheit, da ist Stabilität.
[34:03] Jetzt teste ich mal, ob die auch bleibt. Das heißt, wir zeigen uns von unserer
[34:07] tollsten Seite, war ein Spaß, wir zeigen uns nicht von unserer tollsten Seite,
[34:10] sondern zeigen uns, wie wir eigentlich sind, was wir in uns haben,
[34:13] diesen ganzen Schmerz, den lassen wir raus.
[34:15] Diese Wut, diese Aggression gegen die ganze Welt, gegen unsere leiblichen Eltern,
[34:18] gegen die Menschen, die uns wehgetan haben.
[34:21] Und das Allerwichtigste, was sauschwer ist, natürlich ist das schwer als Eltern, ist zu bleiben.
[34:29] Beste Beispiel, ich habe in der stationären Kinder- und Jugendhilfe,
[34:32] habe ich ein Kind betreut, das war sieben Jahre alt, ein ganz schlimmes Trauma
[34:35] gehabt und hatte immer diese Nachtschreie, also ist nachts aufgewacht.
[34:41] Hat geschrien, randaliert und alle meine Kollegen, die haben dann gesagt,
[34:45] das nervt, wir wollen schlafen und was können wir denn da machen und so und
[34:50] dann habe ich gesagt, wartet mal ab, ich mache jetzt meinen Nachtdienst.
[34:53] Bin dann auch zu ihm hochgegangen, er hat auch wieder geschrien und dann hab
[34:56] ich gesagt, brauchst du irgendwas? Und er hat gesagt, nein, geh weg, ich hab keine Lust.
[35:00] Und dann hab ich zu ihm gesagt, okay, ich bleib vor deiner Tür sitzen,
[35:03] ich hol mir meine Schlafsachen hoch und wenn irgendwas ist, ich bin vor deiner Tür.
[35:06] Und Ende vom Lied war, dass ich da eingeschlafen bin und am nächsten Morgen
[35:11] lag dieser Junge in meinem Schoß und hat seitdem keinen Nachtschrei mehr gehabt
[35:15] oder keinen Nachtschreck.
[35:16] Warum? Weil ich diesem Kind, ich hab dem einfach eine Sicherheit gegeben.
[35:19] Ich hab dem gesagt, du darfst wütend sein, du darfst.
[35:22] Alles rauslassen, ich bin trotzdem da, ich bin vor deiner Tür und wenn was ist,
[35:26] kannst du zu mir kommen und das ist so einfach, das sind so,
[35:29] klar war das vielleicht für mich eine Nacht, die unbequem war,
[35:31] ich habe auf einem harten Boden geschlafen, hatte ein bisschen Rückenschmerzen am nächsten Morgen,
[35:35] aber dieses Kind hat seitdem nicht mehr geschrien, also ich habe dem Kind ganz,
[35:38] ganz viel damit gegeben.
[35:40] Und nochmal zu diesem Thema auch Selbstwert, dass alle, eigentlich fast alle
[35:46] traumatisierten Kinder- und Jugendhilfe, auch wenn man das vielleicht von außen
[35:48] denkt, dass die stabil sind und vielleicht auch Selbstwertgefühl haben,
[35:51] haben eigentlich gerade in der Jugendzeit kaum Selbstwert.
[35:54] Und auch das kann man einfach mit ganz vielen kleinen Goodies irgendwie als
[35:59] Pflegeeltern oder als Begleiter stabilisieren.
[36:02] Also ich habe zum Beispiel meine Pflegemama hat mir mal auf dem,
[36:05] das werde ich nie vergessen, hat mir mal auf dem Spiegel morgens geschrieben
[36:09] mit Lippenstift, du bist perfekt, so wie du bist.
[36:12] Und das sind so Kleinigkeiten, das ist viel mehr wert für traumatisierte Jugendliche als Worte.
[36:17] Wenn das jemand einem, oder ich hatte in meiner Brotdose dann einen Zettel drin,
[36:21] du schaffst das oder du bist gut oder mal ein Blümchen im Zimmer stehen,
[36:26] was einfach einem zeigt auf eine ganz andere Art und Weise, eigentlich bin ich gut so, wie ich bin.
[36:32] Und ich musste nicht um irgendwas betteln, also ich musste nicht irgendwie hingehen
[36:36] und sagen, mir geht's gerade nicht gut, können wir reden, sondern...
[36:40] Meine Begleiter, meine Pflegeeltern haben das von sich aus erkannt,
[36:43] dass ich gerade eine Bestätigung brauche.
[36:46] Ja, und ich finde es spannend, dass du sagst, das ist für dich einfacher als
[36:49] direkte Worte, als dieses zwischenmenschlich-verbale, weil ich glaube,
[36:54] das, was besonders schwer ist, wenn man es nicht so richtig gelernt hat,
[36:57] ist, wie reagiere ich denn adäquat auf diese Liebe?
[37:01] Und wenn du dieses Zettelchen hast, musst du gar nicht reagieren.
[37:04] Da gibt es kein Zurückgeben müssen, sondern da ist nur ein Bekommen,
[37:07] ohne jetzt adäquat reagieren zu müssen, was einen wahrscheinlich wieder in so eine Not bringt.
[37:12] Was ist jetzt die richtige Antwort? Ja, total spannend.
[37:16] Da auch zu sagen, also ich habe auch ganz viele Pflegeeltern.
[37:20] Wo ich dann mal frage, was für Hobbys hat denn das Kind oder so.
[37:23] Und ja, zum Beispiel sagt dann eine Pflegemütter, das Kind backt gerne,
[37:28] aber das rastet dann immer aus und schmeißt dann alles rum und ist dann tagelang schlecht gelaunt.
[37:33] Und dann habe ich dann auch mal so gesagt, ja, absolut verständlich,
[37:37] weil das traumatisierte Kind denkt, wenn jetzt zum Beispiel meine Eltern kommen
[37:42] und sagen zu mir, kannst du mir einen Kuchen backen? will das Kind das unbedingt
[37:45] machen, weil es will die Erwartungen erfüllen.
[37:47] Es will nicht scheitern. Es will diesen Kuchen, auch wenn das Kind das nicht
[37:51] kann, sagt das Kind, ich kann das, ich mache das jetzt.
[37:55] Und scheitert aber dann. Und das ist das Fatale, weil es dann dadurch wieder
[38:00] das Nervensystem das Gefühl bekommt, du wirst den Menschen um dich herum nicht
[38:03] gerecht mit dem, was du machst.
[38:05] Und da könnte man auch, sage ich auch immer wieder als Tipp,
[38:08] back doch zusammen Kuchen.
[38:10] Back doch zusammen Kuchen, bis es klappt. Also, oder da gar nicht so drauf zu
[38:14] gehen, weil das Kind kann es nicht. Also, auch gerade ...
[38:18] Gerade Pflegekinder sind meistens vom emotionalen Sozialverhalten immer nochmal zwei Jahre zurück.
[38:23] Gar nicht so dieses biologische Alter anzunehmen, sondern zu gucken,
[38:26] was braucht dieses Kind eigentlich vielleicht zwei Jahre zurück.
[38:29] Und auch wenn das Kind sagt, ich kann das, kann ich dir versprechen,
[38:32] das Kind kann das nicht. Und es will es können.
[38:36] Für uns ist das ganz, ganz wichtig, dass wir alles können und alles perfekt
[38:41] machen. Und das ist diese Gefahr.
[38:44] Wo man sagt, okay, diese suizidgefährdeten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen,
[38:48] die haben ganz viele Negativerfahrungen gemacht, dass sie es nicht der Gesellschaft gerecht gemacht haben.
[38:55] Also, dass sie selbst gemerkt haben, okay, ich schaffe es nicht und wurden darin
[39:00] auch nie aufgefangen oder bestätigt vorher zu sagen, okay, wir machen das zusammen
[39:04] und du musst das gar nicht alleine können.
[39:06] Und dann rutscht man halt in dieses, ich bin schlecht, ich bin nicht gut genug,
[39:10] ich bin anders und ja, dann kommen wir wieder zu dieser Schmerztherapie.
[39:14] Die fügen sich dann selbst die Schmerzen zu, um einfach die ganzen Emotionen
[39:18] und das, was in denen ist, einfach auf schnelle Art rauszulassen.
[39:21] Und das ist das Gefährliche.
[39:23] Und da kann man aber viel früher intervenieren als Begleitperson,
[39:26] ob es Pflegeeltern sind, ob es auch Fachkräfte sind, einfach da zu sagen,
[39:30] okay, auch wenn das Kind dir sagt, es kann es, es kann es nicht.
[39:36] Es kann es nicht. Und sag das dem Kind nicht, aber mach es mit dem Kind zusammen. Ja.
[39:42] Hast du als Kind jemals Stigmatisierung erlebt? Also im Sinne von,
[39:47] dass andere Eltern gesagt haben, nein, komm, der Pascal, das ist so ein Pflegekind,
[39:51] das ist kein Umgang für dich?
[39:53] Ja, hier in Deutschland ist Pflegekind einfach ein absolut stigmatisierendes Wort.
[39:57] Es ist vielleicht mittlerweile schon ein bisschen besser geworden,
[39:59] aber ich bin ja auch in einem sehr kleinen Ort groß geworden und da waren wir
[40:03] die einzigen Pflegekinder. Und dann war das schon so, dass uns Leute aus dem
[40:07] Weg gegangen sind. Wir hatten ja damals auch noch unsere Krankheit.
[40:10] Anhand unserer Krankheit haben uns drei Kindergärten abgelehnt.
[40:13] Da wurden extra Elternabende gemacht, um uns nicht aufzunehmen,
[40:17] wo sich die Eltern gesagt haben, Hepatitis B, genau.
[40:20] Es waren drei Kindergarten hier in der Umgebung, die gesagt haben,
[40:23] wir nehmen die Kinder nicht auf. Obwohl man, man musste dann auf nicht viel achten.
[40:29] So bei Herbert, did it be. Es ist jetzt nichts, was Wunden und sowas.
[40:32] Es ist auch nichts Ansteckendes in dem Fall. Genau. Wenn ich auf eine Wunde
[40:35] oder sowas mit Blut, da muss man halt aufpassen.
[40:37] Aber das wäre alles was, was auch meine Pflegeeltern gesagt haben.
[40:40] Hier, wenn unser Kind blutet, dann ruft uns an, wir kommen und verarzen das
[40:46] oder sowas. Das müsst ihr nicht machen.
[40:48] Aber trotzdem war da eine riesen Ablehnung und ich glaube, wir sind in einem.
[40:52] Was auch schwule Paare, lesbische Paare und sowas sind, glaube ich,
[40:55] schon auf einem guten Weg, dass man sagt, okay, wir nehmen jeden Mensch so, wie er ist.
[40:59] Also wir atmen alle dieselbe Luft, wir kommen alle auf die gleiche Art und Weise
[41:02] auf die Welt und gehen auch auf die gleiche Art und Weise.
[41:05] Und trotzdem ist es noch, sind noch viele Punkte in der Gesellschaft einfach
[41:09] so verankert. Und ich glaube, da müssen wir auch irgendwann wegkommen, ja.
[41:13] Und ich bin froh, dass ich ein Pflegekind bin. Also wenn mich früher jemand
[41:15] geärgert hat, der du scheiß Pflegekind oder sowas, dann habe ich immer gesagt,
[41:19] ja, wenigstens konnten meine Eltern mich aussuchen.
[41:21] Das ist was Schönes eigentlich. Also das ist eine sehr aktive Entscheidung füreinander.
[41:27] Ja, absolut. Ja, das stimmt.
[41:30] Was würdest du dir wünschen, wenn du dir die Welt zum Sinn malen könntest?
[41:34] Was ist dein größter Wunsch für Kinder, die Trauma erfahren haben?
[41:38] Erstmal würde ich sagen, so Menschen wie ich, die einfach gut darüber reden
[41:43] können, gut einfach an die Öffentlichkeit gehen können und sagen können,
[41:46] ey, es ist gut so, wie ihr seid und es ist okay, dass ihr.
[41:50] Dieses Päckchen habt und diesen Rucksack habt, aber ihr müsst ihn nicht alleine tragen.
[41:54] Ich bin da, wir sind da als Gesellschaft und wir helfen dir.
[41:58] Diesen Rucksack zu tragen. Also dass wir einfach als Gesellschaft zusammenrücken
[42:01] und sagen, dieses Kind schafft das nicht alleine. Der Rucksack ist viel zu schwer,
[42:04] aber wir können als Gesellschaft diesem Kind helfen, diesen Rucksack zu tragen.
[42:09] In dem ja auch viel Werkzeug für die Zukunft ist. Absolut.
[42:12] Dieser Rucksack ist Gold. Da ist so viel schönes Zeug drin, was man fürs Leben
[42:18] braucht und so viele Stärken.
[42:20] Und klar sind da auch Diagnosen drin, aber jede Diagnose hat auch irgendwie Vorteile.
[42:24] Also zum Beispiel meine Hochsensibilität ist eigentlich auch ganz cool,
[42:27] weil ich muss mich nicht mit jedem unterhalten. Ich kann Menschenmengen aus
[42:29] dem Weg gehen, ich gehe nicht zu Konzerten, da spare ich Geld,
[42:32] das kann ich für was anderes ausgeben. Also das hat auch alles seine Vorteile,
[42:35] aber das muss man halt erstmal anerkennen.
[42:37] Und was ich sage, was ganz, ganz wichtig ist, wo ich den größten Knackpunkt sehe, ist,
[42:42] wenn Hilfen enden, dass da einfach der, dass viel, viel besser begleitet werden
[42:48] muss und da einfach auch die meisten Jugendlichen, jungen Erwachsenen einfach
[42:52] abstürzen, weil die in der Gesellschaft nicht klarkommen.
[42:55] Ja, also die Hilfe endet mit 18, mit 21, allerhöchstens bis 27 geht die.
[43:01] Und jetzt gehen wir nochmal biologisches Alter, sozialemotionales Alter.
[43:04] Das Kind ist zwar 18 auf dem Papier, aber ist eigentlich erst 16 oder 15 und
[43:09] soll dann auf einmal in der Welt funktionieren.
[43:11] Er soll Rechnungen bezahlen, soll einen Job haben, soll einen Kühlschrank füllen.
[43:15] Er schafft das gar nicht.
[43:17] Natürlich, und da sind wir wieder bei dem Punkt.
[43:19] Das Kind denkt, es schafft das. Das ist das Gefährliche des Kindes.
[43:23] Das war ich damals auch Anfang 20. Ich habe gesagt, ich schaffe das.
[43:25] Ich brauche keine Hilfe. Ich schaffe das locker.
[43:27] Ich brauche gar nicht nach mir zu gucken. Ich komme klar. Und dann Schulden
[43:32] gemacht er auch erst mal ohne Ende. Und das ist, weil ich es jedem recht machen wollte.
[43:38] Ich wollte niemandem zeigen, dass ich eigentlich nicht klarkomme,
[43:41] sondern komme einfach mit allem klar.
[43:43] Und das ist die ganz, ganz große Gefahr. Und dieser Übergang,
[43:47] der muss viel, viel besser begleitet werden.
[43:49] Und das heißt nicht der große Anspruch und jetzt muss es aber auch klappen,
[43:53] sondern eher ein ganz wichtiges und tiefbrummendes, wir sind da und hier kriegst du Hilfe.
[44:01] Genau, genau. Und noch vorher einfach auch das Kind, die Kinder,
[44:05] die müssen, wenn die 16, 17, 18 sind, die brauchen ganz viel Selbstwertgefühl.
[44:10] Die brauchen das Gefühl geliebt zu werden, das Gefühl Sicherheit zu haben,
[44:16] weil dann können die auch ein normales, relativ normales, wieder normal,
[44:21] aber relativ normales Leben führen.
[44:23] Weil das Problem ist, wenn die dieses Selbstwertgefühl nicht haben,
[44:25] dann suchen die sich auch einen Freundeskreis oder eine Gesellschaft,
[44:28] die keine Ansprüche an einen hat. Das heißt, es sind oft Drogenabhängige,
[44:33] Alkoholabhängige, die nehmen dich so, wie du bist.
[44:36] Egal was du, was du, und dann rutschen die ab, dann rutschen die genau an diese Szene ab.
[44:41] Genau, genau. Und das tut ihnen natürlich überhaupt nicht gut.
[44:44] Aber wenn die vorher schon viel früher dieses Selbstwertgefühl aufgebaut bekommen
[44:49] hätten und dieses Gefühl gehabt hätten, okay, ich werde von der Gesellschaft
[44:52] geliebt, dann suchen sie sich den anderen Weg.
[44:55] Und da auch einfach nochmal früher hingucken.
[44:58] Traumatisierte Kinder und Jugendliche brauchen Unterstützung von allen Begleitpersonen.
[45:03] Was ist, wenn man so ein Kind, sage ich jetzt mal, und damit meine ich einfach
[45:07] ein Kind, dem etwas fehlt in seinem Umfeld, in seinem direkten Umfeld,
[45:11] wenn man so ein Kind im erweiterten Umfeld hat, was kann man geben als vielleicht
[45:17] Nachbar, als Eltern von Klassenkameraden, also wenn so ein Kind bei mir zu Hause
[45:22] ist, was kann ich niedrigschwellig so einem Kind schenken?
[45:25] Also gab es sowas mal, wo du sagst, da hat jemand was sehr Richtiges getan,
[45:29] gesagt, ja, mir auf irgendeine Weise geschenkt?
[45:32] Ich glaube, materiell würde ich jetzt sagen, brauchen die Kinder eigentlich nichts.
[45:36] Es ist eher so dieses Gefühl von, ich bin gut, so wie ich bin.
[45:40] Und das kann man ja mit ganz vielen kleinen, ich weiß zum Beispiel,
[45:43] dass ich mittlerweile zeichne ich echt gut, aber früher als Kind eher kriegelkragel
[45:48] auch in einem Alter, wo man eigentlich nicht mehr kriegelkragel macht.
[45:51] Aber trotzdem haben meine Pflegeeltern oder allen, denen ich das Bild gezeigt
[45:54] habe, gesagt, ey, Wahnsinn. Also wirklich schön, was du da gemalt hast.
[45:57] Und gar nicht mal so weg von dem, das ist ja eigentlich gar nicht toll,
[46:01] sondern da einfach bestätigen.
[46:03] Und diese Kinder, die brauchen von jedem Menschen eine Bestätigung.
[46:07] Das ist nicht immer nur das engste Umfeld. Also kann man auch als Nachbar,
[46:09] als Freunde, wenn man traumatisierte Kinder oder neurodivergente Kinder bei
[46:13] sich zu Besuch hat oder die trifft, sie einfach bestätigen in allem, was sie tun.
[46:18] Nicht übertrieben, jetzt nicht in Platte packen und pucken und so,
[46:22] aber verbal bestätigen und bei allem, was das Kind macht, sagen,
[46:26] ey, Wahnsinn, dass du das schon kannst und toll und einfach da diese Bestätigung.
[46:30] Und dann ist das für das Nervensystem, ist das wie die Vaseline,
[46:35] die dann auf die Narben aufgetragen wird.
[46:37] Das heißt so ein einfaches, ich bin ganz froh, dass mein Sohn so einen tollen
[46:40] Freund hat wie dich. Absolut. Kann schon ganz viel machen für so ein Kind. Ja, genau.
[46:46] Schön, Pascal. Ich bin gerade auch ganz nachdenklich.
[46:49] Ich finde, das ist schon sehr bewegend und berührend, was du erzählst,
[46:52] wie du es erzählst und was du auch an Wissen hast.
[46:55] Weil zum Beispiel, also ich meine, obwohl ich ja wirklich auch eine Pflegetochter
[46:59] habe, war mir jetzt tatsächlich zum Beispiel dieses Ich-kann-das-Ding total
[47:03] neu. Und das fand ich gerade ganz spannend, auch nochmal zu hören.
[47:07] Und auch dieser Punkt, dass wir als Gesellschaft auch jungen Menschen,
[47:10] die dann ins Leben entlassen werden, sage ich mal, dass man da vielleicht einfach
[47:14] auch nochmal sich unterhakt und sagt, ich helfe gerne.
[47:18] Und das kann man genauso als Nachbar machen, dass man sagt, Mensch,
[47:22] wenn du mal Hilfe brauchst bei deiner Bewerbung, ich arbeite doch eh in der
[47:25] Personalabteilung, da kannst du gerne mal bei mir vorbeikommen,
[47:28] gebe ich dir Tipps oder so.
[47:29] Ich glaube, da sind wir alle gefragt und da können wir auch alle was tun.
[47:34] Vielen, vielen Dank, dass du da deine Stimme erhebst. Ich kann mir vorstellen,
[47:37] dass das nicht immer einfach ist.
[47:38] Genau, also ich glaube mittlerweile ist es einfach, weil ich merke, dass es gebraucht wird.
[47:45] Gerade Eltern, die sagen, ey, mein Kind ist voll gegen mich,
[47:49] kann ich dann einfach reingehen und sagen, nein, dein Kind ist nicht gegen dich,
[47:51] sondern wir müssen gucken, warum das Kind überhaupt so ist und einfach auf dieses
[47:55] Verhalten hinter dem Verhalten gucken.
[47:57] Ja, und da siehst du einfach aus zwei Perspektiven drauf. Genau, genau.
[48:01] Aus pädagogischer Sicht und dann noch als jemand, der diese Innensicht und Innenperspektive kennt.
[48:07] Ja, das Haus, das durch alle Löcher der Wind zieht, war ein ganz schönes Bild. Ja, genau.
[48:13] Vielen, vielen Dank, Pascal. Wenn ihr jetzt denkt, okay, wir möchten beraten
[48:17] werden von Pascal, wir möchten das Buch mal lesen von Pascal,
[48:21] wir möchten einfach mal nochmal mehr wissen über deine Geschichte,
[48:23] wie auch immer, dann könnt ihr in unseren Shownotes gucken.
[48:26] Da verteigen wir dann auch nochmal deinen Instagram-Kanal und auch die Website.
[48:30] Da könnt ihr dann nochmal gucken und euch da ein bisschen durchklicken.
[48:33] Ja, ich kann dir nur danken für alles, was du uns mitgegeben hast und auch im
[48:38] Namen aller Kinder, die selbst nicht die Stimme erheben können und die selbst
[48:42] viel zu oft im Schatten stehen.
[48:43] Vielen Dank, dass du sie einmal ins Licht hebst und sagst, hier,
[48:47] lass uns draufschauen, lass uns
[48:48] da den Spot anmachen und die nicht alleine irgendwo im Schatten stehen.
[48:52] Dafür vielen, vielen Dank. Ich danke dir und ich danke auch eurem Format,
[48:56] weil das ist, glaube ich, ohne euch könnte ich das alles gar nicht.
[48:59] Also ohne die Menschen, die da hingucken und sagen, da ist jemand,
[49:03] der hat was Wichtiges zu sagen, wäre ich immer noch hier in meinem Ort gefangen
[49:07] und könnte gar nicht das tun, was ich tue.
[49:09] Und dir natürlich nochmal besonders auch als Pflegemutter, weil ich ziehe meinen
[49:12] Hut vor jeden Pflegeeltern, die das einfach machen, weil ihr schenkt uns Leben
[49:17] und das ist so, so viel wert. Und also da einfach nochmal auch an dich persönlich danke.
[49:21] Danke, danke, danke. Danke dir. Vielen, vielen Dank.
[49:25] Ach Mensch, toll. Jetzt habe ich Pipi in den Augen. So, jetzt kriege ich es
[49:28] noch hin, die Abmoderation.
[49:30] Ja, für uns alle geht es am nächsten Donnerstag hoffentlich weiter mit einer
[49:33] neuen Folge Elke Schicke.
[49:35] Und wenn ihr Fragen, Anregungen, Hinweise, Wünsche habt oder auch einfach nochmal
[49:40] Feedback für diese Folge, dann schreibt uns an podcast.eltern.de oder kommentiert
[49:44] einmal unter dem Podcast-Format.
[49:48] Ja, wir verabschieden uns für heute, wünschen euch schon mal ein schönes Wochenende
[49:51] und sagen alles Liebe aus Hamburg und wo sitzt du gerade? Bei Bad Schwalbach, bei Wiesbaden.
[49:56] Seht mal, also alles Liebe aus Hamburg und Bad Schwalbach. Von mir auch.
[49:59] Alles, alles Gute. Dankeschön. Tschüss.

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