# EURE FRAGEN: Hilfe, mein Kind ist so sensibel

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 13 Aug 2026, 36 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/249313-eure-fragen-hilfe-mein-kind-ist-so-sensibel.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=249313

Empathisch, gütig und mitfühlend – wenn nur alle so nett wären wie die kleine Tochter einer Hörerin, die uns eine Mail geschrieben hat. Doch so ist die Welt ja leider nicht, weshalb die kleine Empathin manchmal ganz schön leidet. Elke und Christine sprechen über sensible kleine Seelen, die es allen recht machen wollen, aber selbst einiges einstecken müssen und kommen zu dem Schluss: Zu jeder Stärke gehört auch eine Schwesternstärke, die geübt werden will. In diesem Fall: Ablehnung aushalten und selbst auch mal Nein sagen, um die volle Bandbreite möglicher Beziehungsgestaltung kennenzulernen und die eigenen Grenzen zu wahren. Mehr von Elke Schicke: Website Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig*# Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Also ja, sei lieb mit anderen Kindern und ja, sei behilflich.
[0:04] Und ja, wenn es für dich zu schwierig wird oder von dir Sachen gefordert werden,
[0:10] die du richtig blöd findest, dann musst du Nein sagen. Das ist wichtig im Leben.
[0:19] Hi und schön, dass du da bist, hier beim Elterngespräch, dem Podcast von Eltern für Eltern.
[0:24] Ich bin Christine, Journalistin, Autorin und Mama von vier Kindern.
[0:28] Alle zwei Wochen geht es hier um eure Fragen, natürlich nicht ohne Elke Schicke,
[0:31] der Diplompsychologin und systemischen Therapeutin unseres und eures Vertrauens.
[0:39] Hallo, liebe Elke. Guten Morgen. Da sind wir wieder. Wo sollen wir auch hin?
[0:44] Wo sollen wir auch hin? Sag mal, wie sieht ein normaler Tag von dir aus,
[0:47] wenn du nicht gerade, also du in freier Wildbahn, was machst du da so?
[0:50] Wenn du nicht bei mir sitzt. Bist du jeden Tag in deiner Praxis?
[0:53] Nee, ich bin zweieinhalb, zwei oder zweieinhalb Tage in der Praxis,
[0:57] sonst fahre ich rum, mache ich Teamentwicklung und Seminare.
[1:01] So shoppen. Führungskräfteentwicklung.
[1:03] Ich mache alles, was Psychologen so machen. Da gehst du mit dem Schneebesen durch.
[1:07] Mache ich auch alles. Macht Spaß. Dann bist du sozusagen hauptberuflicher,
[1:12] warte, wie heißt das? Wie heißen diese Geräte nochmal, die man in Wasser tunkt
[1:16] und die dann alles so zum Kochen bringt? Tauchsieder.
[1:19] Mein Vater hat mich früher so genannt, weil ich das schnell kann,
[1:21] so in Diskussionen. Einmal so reintunken, einmal reinmischen und alles kocht
[1:24] über. Ich habe gerne so freiberuflich auch Paartherapeut meiner Eltern gespielt
[1:28] und so. Dann war ich immer der Tauchsieder, genau, das Wort habe ich gesucht.
[1:31] Du bist hauptberuflich, Tauchsieder. Nee, wenn ich in der Praxis bin,
[1:35] mache ich Einzel- und Familie, da bin ich ganz glücklich.
[1:38] Aber ich glaube immer nur in der Praxis, wenn wir dann auch,
[1:41] ich bin schon auch gerne dann unterwegs und mache andere. Ich finde den Abwechslung ganz gut.
[1:45] Und man kann auch mit dir sprechen in der Praxis, wenn man nicht in Hamburg wohnt. Online, ja.
[1:51] Das finde ich aber eine wichtige Information. Das mache ich dann zu Hause in
[1:53] meinem Arbeitszimmer. Guck mal, ich habe viele Orte, an denen ich hier rumsitze.
[1:57] Ja, aber das ist total die wichtige Info, weil für alle, die uns geschrieben
[2:00] haben und ich, also wir können ja nicht zu jeder Mail eine Folge machen.
[2:04] Wir kuratieren das auch nicht unbedingt nach Wichtigkeit, sondern wir gucken,
[2:08] sowas hatten wir vielleicht noch nicht so.
[2:10] Das muss man auch nochmal dazu sagen. Aber für alle, die trotzdem sagen so,
[2:13] ja, aber in dieser einen Folge habe ich nicht so richtig gefunden,
[2:17] was ich brauchte, weil es dann doch so eklatant in die andere Richtung kippte,
[2:21] dass es nicht ganz das war,
[2:23] dann kann man sich auch an Elke wecken. Das stimmt.
[2:25] Guck mal, habe ich mal ein bisschen Werbung für dich gemacht.
[2:28] Hast du überhaupt Zeit für deinen Erfolg?
[2:33] Schon. Gut, perfekt. So, dann wollen wir doch mal uns um Kinder kümmern und
[2:38] diesmal um ein sensibles Kind. Soll ich mal vorlesen? Bitte.
[2:42] Hallo, liebe Christine und liebe Elke. Vielleicht stehe ich mit meiner Sorge
[2:45] nicht alleine da. Ich würde mich sehr über eure wertvolle Einschätzung freuen.
[2:50] Meine Tochter ist dreieinhalb Jahre alt und wirklich ein sehr soziales, empathisches Kind.
[2:54] Schon als Baby hat sie stark auf die Gefühle anderer reagiert.
[2:57] Wenn ein anderes Kind geweint hat, hat sie direkt mitgeweint. Oh Gott.
[3:01] Auch jetzt ist sie total menschenbezogen, knüpft schnell Kontakte und legt viel
[3:04] Wert auf Freundschaften.
[3:06] In der Kita orientiert sie sich stark an anderen Kindern und baut vor allem
[3:09] zu ihnen Bindung auf, weniger stark zu den ErzieherInnen.
[3:12] Das finde ich alles total schön und ich bin auch stolz darauf, wie feinfühlig sie ist.
[3:16] Gleichzeitig merke ich aber auch, dass genau das ihr oft auch zu schaffen macht.
[3:20] Sie ist schnell traurig und verletzt. Zum Beispiel, wenn ein Kind auf dem Spielplatz
[3:24] mal nicht mit ihr spielen will, ist sie sofort sehr betroffen und weint.
[3:27] Sie fühlt sich schnell ausgeschlossen, auch bei kleinen Dingen.
[3:30] Wenn ein Kind bei uns zu Besuch ist und mal alleine spielen möchte,
[3:33] ist sie direkt traurig und beleidigt.
[3:35] Sie vergleicht sich auch schon mit anderen Kindern, zum Beispiel wer was hat.
[3:38] Gut, das halte ich für echt sehr normal.
[3:41] Allgemein ist sie oft sehr weinerlich in solchen Situationen und ich merke,
[3:44] dass es mir schwerfällt, ihre Gefühle gut zu begleiten, ohne selbst unsicher zu werden.
[3:49] Sie will es immer allen recht machen und will mit allen spielen,
[3:51] will, dass es allen gut geht.
[3:53] Sie ist zuckersüß, ich könnte heulen vor Rührung, wenn ich sie in sozialen Situationen beobachten darf.
[3:57] Ich frage mich aber vor allem, wie kann ich ihr Selbstbewusstsein stärken,
[4:01] ohne ihre Sensibilität wegzuerziehen?
[4:03] Und ganz konkret, was sage ich in solchen Momenten?
[4:06] Wenn sie zum Beispiel sagt, XY will nicht mit mir spielen, soll ich sie dann
[4:10] trösten und relativieren? So doch, bestimmt gleich oder ehrlich bleiben?
[4:14] Manchmal wollen Kinder gerade alleine spielen oder etwas ganz anderes?
[4:18] Ich habe auch ein bisschen Sorge, wie sie später mit Enttäuschungen umgehen
[4:21] wird, in der Schule, im Freundeskreis und so weiter. Ich weiß natürlich,
[4:24] dass ich sie nicht vor allem beschützen kann, aber ich möchte ihr Werkzeuge mitgeben.
[4:28] Vielleicht habt ihr Tipps. Danke euch.
[4:32] Elke. Ja, für alles, was du Tolles hast, zahlst du was.
[4:37] Das ist so. Aber erstmal hört sich das nach einem sehr bezaubernden kleinen Kind an.
[4:42] Und dann denke ich immer, dann hast du schon all das Tolle und dann kostet es
[4:45] doch was. Das ist ein bisschen ungerecht, dass das Gute nicht auch nur mit Gutem
[4:51] vergolden wird. Das ist wohl wahr.
[4:54] Und jetzt ist so ein bisschen die Frage, was macht man jetzt mit diesem,
[4:57] was es kostet? Was macht man mit dem Preis?
[5:00] Ja, also das ist gar nicht so schwer zu beantworten. Den zahlt man einfach.
[5:07] Und wie begleitet man das Zahlen? Naja, also letzten Endes ist es ja erstmal
[5:11] eine total große Stärke. Also
[5:12] erstmal kann man sagen, das ist eine Riesenfähigkeit, die das Mädchen hat.
[5:16] Das ist total cool. Aber immer mitfühlen ist auch echt anstrengend.
[5:20] Also ich habe schon meine eigenen Gefühle. Das ist ehrlich gesagt für einen
[5:24] Menschen genug zu tun. Besonders wenn ich erst dreieinhalb bin.
[5:28] Jetzt hat sie nicht nur das, was sie fühlt, sondern sie fühlt auch noch,
[5:33] was der ganze Krempel drumherum so fühlt. Und das muss sie ja auch noch verarsten.
[5:39] Die eine Schwierigkeit ist ja, was fühle ich. Und wie lerne ich mich eigentlich
[5:43] selbst zu steuern und selbst zu regulieren?
[5:47] Das ist das, was mit dreieinhalb so, sage ich mal, auf dem Aufgabenzettel stehen hat.
[5:51] Und jetzt muss das kleine Bärchen ja auch noch versuchen, um die anderen Leute
[5:56] irgendwie einzusortieren, ohne schon genug Distanz herstellen zu können zwischen mir und dem Außen.
[6:04] Also eigentlich geht es ja darum, ich fühle ganz viel Verbindung und ich kriege
[6:07] noch nicht genug Distanz hergestellt, um zu sagen, wie kann ich das besser aushalten,
[6:12] dass andere auch was fühlen oder andere was anderes wollen.
[6:17] Und ich glaube, die einfachste Frage, das hat die Mutter auch schon beantwortet,
[6:20] ist im Prinzip nur zu sagen, ja, das ist jetzt so.
[6:25] Du bist, das findest du richtig doof. Du wolltest gerne mit ihr spielen.
[6:29] Sie möchte nicht. Das fühlt sich im Bauch doof an.
[6:35] Kann ich verstehen. Ja, und dann? Ich meine, erst mal ist es ja grundsätzlich
[6:41] für später, weil sie ja auch gesagt hat, sie macht sich so Sorgen,
[6:43] wie sie später mit Enttäuschung umgehen wird.
[6:45] Ich habe mal gelesen, Tränen sind flüssiger Stress und wer Tränen weinen kann
[6:51] und das gelernt hat, Tränen zu weinen, der ist auch in der Lage,
[6:54] Stress loszulassen in flüssiger Form.
[6:56] Und das fand ich einen wirklich schönen Satz, weil ich schon auch eher eine
[7:01] Heulsuse bin. Also ja, auch wenn ich fütend bin oder so, ich kann schnell heulen.
[7:04] Das ist aber eigentlich was Gutes, weil es stimmt.
[7:06] Es ist flüssiger Stress und der ist dann auch raus. Und das ist eigentlich voll
[7:09] die schöne Superkraft. Also es ist ja auch so ein bisschen die Frage,
[7:12] sehe ich es als Problem an, dass jemand dann weinen kann, dass jemand ausdrücken
[7:16] kann, das fällt mir schwer oder so. Oder ist es auch irgendwie was Cooles?
[7:21] Also da würde ich sagen, es ist was Cooles. Aber es ist erst mal ein Überdruckventil.
[7:26] Also ich habe Druck, dann geht oben die Schleuse auf, dann baue ich ein bisschen Druck ab.
[7:31] Ja, aber das ist ja der Punkt. Sie hat viel Druck, aber sie hat auch ein Ventil.
[7:34] Es gibt ja auch genug Kinder, die haben so Druck und du merkst, die finden kein Ventil.
[7:38] Und die sind dann so unter Trauerdruck und die können das dann gar nicht loslassen
[7:41] und dann fangen die an so völlig zu überspannen und sind so impulsiv und keine Ahnung.
[7:46] Und das haben wir hier ja gar nicht, sondern da ist ein Kind,
[7:48] das hat einen großen Druck und ein Ventil und irgendwo auch Schmerz, aber.
[7:54] Ja, auch eine Mama, die das, glaube ich, auch kennt. Ehrlich gesagt,
[7:57] aus den Zeilen lese ich auch so ein bisschen raus, dass sie eine Mama hat,
[8:01] die dieser Gefühlslage durchaus auch nah ist.
[8:03] Die Mama scheint auch mitfühlend zu sein. Die hat ja so viel Empathie auch für ihr Mädchen.
[8:07] Also ich glaube, vielleicht hilft man den Mädchen, wenn man guckt,
[8:13] dass nicht unbedingt Stress entsteht, sondern, also jetzt ist sie sehr klein,
[8:16] aber das ist ein Weg dahin, immer wieder zu verstehen, das ist meins und das ist deins.
[8:22] Wofür bin ich verantwortlich? Für meins. Deins kann ich wahrnehmen,
[8:27] deins kann ich vielleicht auch vorberechnen, deins kann ich auch lernen,
[8:31] auszuhalten oder abzuschütteln, aber es ist nicht meine Verantwortung.
[8:36] Also das Mädchen hört sich ja an, als ob es in viel Verbindung nach außen ist.
[8:41] Das ist das, was wir dann empathisch nennen oder soziale Antennen.
[8:45] Aber wie im echten Leben alles, was zu viel ist, hat eben eine Anstrengung.
[8:49] Und das, was dir lernen muss auszubaldofern über die Zeit und nicht übers Erklären,
[8:55] sondern übers Fühlen, ist, wie halte ich meine eigene Grenze besser?
[9:00] Wie verstehe ich den Abstand zwischen dir und mir? Was kann ich tun, um den zu überbrücken?
[9:06] Was kann ich tun, um dich dazu einzuladen, ihn deinerseits zu überbrücken?
[9:11] Und was mache ich, wenn du nicht willst? Oder wenn ich nicht will?
[9:16] Und das ist, jetzt erstmal hat sie da schon eine große, große Stärke.
[9:20] Jetzt geht es ja darum, einen Puffer einzubauen. Stimmt, das ist auch keine Einbahnstraße.
[9:25] Wenn sie so sehr empathisch ist, dann bedeutet das ja nicht nur,
[9:29] dass sie sehr traurig ist, wenn sie nicht mitspielen darf, sondern dass sie
[9:32] vielleicht auch immer wieder über ihre Grenzen geht, um andere nicht zu verletzen.
[9:37] Oder die Frage, dass ich Verbindungen nicht nur über das Ja zu anderen herstelle,
[9:41] sondern auch über das Nein zu anderen.
[9:44] Und es eben auch heißt, wenn andere zu dir Nein sagen, Dann ist das A,
[9:49] dürfen Sie das B, waren die Ihre Grenzen?
[9:53] Und du musst auch aushalten, dass bloß weil du ein Angebot machst,
[9:58] die anderen das Angebot nicht annehmen müssen.
[10:00] Trick, du musst auch nicht jedes Angebot annehmen.
[10:04] Wie schafft man es in dem Alter schon, Kindern klarzumachen,
[10:08] dass die Meinung über dich und oder ein Nein zu dir deinen Wert gar nicht beeinflusst?
[10:16] Aber ja gut, also jetzt mal unter uns, aber es ist ja nicht ein Nein zu dir,
[10:20] es ist ein Nein zu deinem Angebot.
[10:22] Ja, wenn du zu mir sagst, ja, Ecke, sollen wir nachher noch zusammen essen gehen?
[10:25] Und ich sage, du, Christine, total gerne. Ich habe allerdings einen Termin,
[10:28] dann habe ich nicht zu dir Nein gesagt. Ich habe zu dem Angebot,
[10:31] um diese Zeit essen zu gehen, Nein gesagt.
[10:33] Das sind zwei völlig unterschiedliche Sachen. Ich sage ja nicht, ich will dich nicht.
[10:37] Aber das gibt es ja auch. Ja, aber das ist da ja schon nicht bei uns.
[10:41] Ja, das ist wegen der Liebe und so.
[10:43] Nein, aber das gibt es ja auch, dass Leute, die du echt gerne magst,
[10:46] du merkst so, okay, da komme ich irgendwie nicht an mit meiner Art.
[10:48] Die werden sich nicht mit mir treffen.
[10:50] Also wie kann ich in dem kleinen Alter schon verstehen, dass ein Nein zu meinem
[10:56] Angebot oder zu mir, wie auch immer, trotzdem mich nicht so in Frage stellt?
[11:01] Genau, dafür wäre die Erklärung von, wie bette ich das als Vater ein,
[11:05] wenn ich mit meiner Tochter spreche? Und das wäre in dem Fall zum Beispiel zu
[11:08] sagen, du wolltest gerne, keine Ahnung, zum Rutschen gehen und Jakob möchte
[11:13] lieber auf die Schaukel.
[11:15] Und das findest du jetzt doof. Da bist du nicht mit einverstanden.
[11:19] Oder da fühlst du dich jetzt zurückgestoßen.
[11:21] Das tut richtig ein bisschen weh im Herzen. Ja, genau. Das glaube ich.
[11:25] Und trotzdem darf Jakob selber entscheiden, was er machen möchte.
[11:29] Also Jakob muss nicht machen, was du dir wünschst, bloß weil du es dir wünschst.
[11:34] Du musst es auch nicht machen.
[11:36] Und diesen Impuls von, mein Kind soll sich nicht so furchtbar fühlen müssen,
[11:41] den würdest du wegwäschen, ja?
[11:42] Dem Kind würdest du schon zugestehen, die Wahrheit, Weil sie oder er,
[11:46] ich weiß es gerade gar nicht, fragt ja sehr konkret, was soll ich jetzt sagen?
[11:50] Soll ich die Wahrheit sagen? Nämlich der will das jetzt einfach nicht. Das würdest du so sagen.
[11:55] Also das Relativieren, doch, bestimmt gleich.
[11:58] Warum? Also es ist ja nicht so.
[12:02] Also wenn ich dich frage, willst du mit mir spielen? Du sagst nein und ich weine.
[12:06] Und die Mutter sagt dann zu mir, doch, gleich will sie bestimmt.
[12:09] Dann muss ich ja nochmal bei dir klopfen kommen und nochmal sagen,
[12:11] Chrissi, willst du denn jetzt mit mir spielen? Nö.
[12:13] Dann kriege ich ja nochmal eine Backpfeife ab. Ja, macht keinen Sinn.
[12:17] Oder ich nehme dich ernst, du hast Nein gesagt.
[12:19] Das ist nicht schön für mich, weil ich dich cool finde.
[12:24] Aber dann bedeutet es, was will ich denn dann stattdessen machen?
[12:27] Jetzt mal für große Leute wäre das ja, lasse ich jetzt Christine darüber bestimmen,
[12:31] wie mein Tag ist. Weil sie sagt, ob ich mitspielen darf oder ob ich nicht mitspielen darf.
[12:35] Oder sage ich, Christine ist nicht die richtige Adresse. Ich muss mir selbst
[12:39] was suchen oder jemanden anderes suchen.
[12:41] Aber ich muss deine Grenzen respektieren. Die kann ich dir nicht abdoktoren.
[12:47] Ja. Also ansonsten, weißt du, was du dann hast? Ich klingel dann 50 Mal an deiner
[12:50] Tür. Du bist dann gezwungen, 50 Mal Nein zu sagen.
[12:54] Ich hole mir 50 Abweisungen ab und finde dich dann eine doofe Kuh und du findest
[12:59] mich nervig. Ja, richtig.
[13:01] Ja, ja, wie traurig eigentlich. Oder ich sage, Beziehungen brauchen immer zwei
[13:05] Leute, die sagen, ja, das möchte ich. Und wenn eine Person sagt,
[13:08] ich möchte nicht, dann muss ich damit leben lernen.
[13:13] Aber das fällt ja schon Erwachsenen so wahnsinnig schwer. Ich habe mal irgendwann
[13:17] so eine Intervention gesehen, ich fand es sehr cool, dass man einen 10-Euro-Schein
[13:21] ganz glatt gebügelten einfach mal zerstampft, beschimpft, keine Ahnung,
[13:25] und dann wieder aufwickelt und,
[13:27] den anderen fragt, wie viel ist er jetzt wert? Und er bleibt ja 10 Euro wert.
[13:31] Und das fand ich echt auch nochmal so ganz eindrücklich für dieses,
[13:33] egal was von außen kommt, ein gesunder Geist, sage ich mal, wird sich wieder
[13:39] aufwickeln und wird immer noch das gleiche Wert sein. Er wird vielleicht ein
[13:42] bisschen zerschrumpelt sein und so, aber er wird immer noch das gleiche Wert sein.
[13:45] Ich glaube, das ist schön. Das zu lernen ist ja so die Frage,
[13:48] wie lernt man das? sich wie dieser zerschrumpelte 10-Euro-Schein wieder aufzufalten
[13:52] und gleich wie wert zu sein, auch in der eigenen Wahrnehmung.
[13:55] Ich glaube, was das Mädchen macht, ist, die handelt in ihrer eigenen Währung,
[14:01] und bedenkt nicht, dass andere in anderer Währung handeln, sondern sagt,
[14:06] aber lieb sein hilft doch.
[14:08] Wenn ich lieb zu dir bin, sei du doch auch lieb zu mir.
[14:12] Zu dem Handel haben die anderen Kinder sich gar nicht bereit erklärt.
[14:15] Und es stimmt, wenn alle sich so verhalten würden wie das kleine Mädchen,
[14:20] dann wäre ja alles in bester Butter.
[14:23] Aber sie darf ja auch zu anderen Kindern sagen, ich möchte jetzt nicht mit dir
[14:27] spielen. Ich spiele gerade mit meinem Freund Fritz.
[14:30] Dass sie das durcheinander bringt, weil sie die andere Seite des Verhaltensspektrums
[14:35] noch nicht ausprobiert hat, das kann ich sofort glauben. Aber eigentlich ist
[14:38] es ja genau das, du kannst schon empathisch richtig gut.
[14:42] Wir hatten ja immer so vorhin über Streitigkeiten und sowas.
[14:45] Das Nein sagen, stopp, ich will nicht, geh weg, das ist meins,
[14:48] ich teile auch nicht mit dir, kann sie noch gar nicht so gut.
[14:52] Das heißt, das könnte man mal üben, damit man dafür auch Empathie hat?
[14:56] Naja, oder es ist einfach zu lernen, man kann sich in einer 360-Grad-Bandbreite
[15:01] mit Menschen verhalten.
[15:03] Und wir verstehen uns gut, wenn wir beide auf demselben Kanal senden.
[15:08] Jetzt kennen wir das Mädchen nicht, aber die scheint ja sehr viel auf dem empathischen,
[15:12] lieben, süßen Kanal zu senden.
[15:15] Und ist dann erschüttert, wenn andere Kinder nicht denselben Kanal wählen.
[15:21] Das ist ja aber die eigentliche Fähigkeit im Leben, die verschiedenen Kanäle
[15:24] aufeinander abstimmen zu können.
[15:27] Zu sagen, ach so, mit Bruno geht es nur rabiat, mit Jakob geht es nur zuckersüß,
[15:34] und keine Ahnung, mit Sibylle geht es nochmal wieder anders.
[15:38] Und sie sendet ausschließlich auf diesem Kanal und empfängt auch nur auf diesem
[15:43] Kanal. Das heißt, sie muss ihr Repertoire an Sender, Senden und Empfangen auch
[15:47] ein bisschen erweitern. Könnte sie.
[15:49] Ja, okay, um nicht ständig in dieses Gefühl fallen zu müssen, sagen wir es mal so.
[15:55] Ja, aber dann finde ich auch, wenn Kinder das machen, dann wird da etwas für
[15:59] sie drin sein. Also sie tut es ja auch, weil sie dann noch etwas eben ausschnüffeln
[16:04] muss und noch etwas verstehen und ausprobieren muss.
[16:07] Das ist jetzt immer nicht schön, wenn man als Eltern daneben sitzt und sieht,
[16:09] oh Mann, ey, die meint es nur gut. Und oh nein, jetzt hat sie wieder eins über die Rübe gekriegt.
[16:14] Also man kann ihr diese anderen Kanäle anbieten und auch ermöglichen,
[16:17] aber etwas scheint da drin für sie noch zu lernen zu sein.
[16:22] Dass sie noch nicht die Kanäle wechselt.
[16:24] So, also insofern ist das eine, wenn sie da noch so drin steckt,
[16:28] dann ist da noch was für sie drin, was sie zu Ende auskundschaften muss.
[16:32] Und das andere wäre ja eher zu sagen, welche anderen Möglichkeiten habe ich,
[16:38] um das Verhalten der anderen Kinder zu interpretieren?
[16:41] Will der mich nicht? Will der dies nicht?
[16:44] Will der jenes nicht? Findet der gerade was anderes toller? Ja.
[16:48] Und dann eher zu sagen, aha, so fühlt es sich für dich gerade an.
[16:52] Was glaubst du, geht dem anderen durch den Kopf? Der will mich nicht.
[16:57] Oder der hat das gar nicht richtig verstanden. Und dann ist tatsächlich so,
[17:01] ich glaube, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.
[17:04] Guck mal, ich glaube, der ist gerade mit Rutschen beschäftigt.
[17:06] Der findet die Einladung zum Schaukeln gerade gar nicht spannend.
[17:10] Ja, und man kann ja auch nicht immer nett sein, wenn man keine Grenzen setzen kann.
[17:16] Also ich sage mal, gerade bei meinen Kindern sehe ich, dass wenn die einen Freund
[17:20] da haben und der ist eher introvertiert, vielleicht jetzt nicht so auf neue
[17:23] Leute, dann klingelt ein Nachbarskind und sagt, kann Kind XY rauskommen, ich will spielen.
[17:29] So, jetzt kann ich mich natürlich entscheiden, dass ich sage zu dem einen Kind,
[17:33] ja, ja, ich komme raus und ich bringe meinen Freund mit. Das kann mit manchen
[17:36] Freunden cool sein, aber manche wollen das überhaupt nicht. die sind viel zu
[17:39] introvertiert, die wollen das nicht, jetzt jemanden Neuen kennenlernen.
[17:41] Die hatten Bock, sich genau mit dem Kind zu treffen und Punkt.
[17:45] Und da muss man ja dann auch mal Nein sagen, damit man den anderen schützt.
[17:47] Also auch darüber kann man ja mit dem Kind eventuell so ein bisschen ins Gespräch
[17:52] gehen oder das aufzeigen, dass es ja manchmal auch wichtig ist,
[17:56] sich selbst und andere kann man manchmal nur schützen, indem man auch mal Nein sagt.
[17:59] Ja, und das ist ja bei ihr die gute Frage. Also die anderen Kinder können schon
[18:04] Nein sagen und sie findet das Nein eher wie ein Schwert.
[18:08] Das ist eine gute Frage. ob sie ein Nein auch als eine eigene Ermächtigung empfinden kann.
[18:12] Sagen, ach so, ich darf auch mal sagen, nein, ich möchte nicht.
[18:17] Und das ist, finde ich, eine interessante Frage. Ist das Nein zu anderen eine
[18:20] Ablehnung deiner Person oder eine Ablehnung der Sache?
[18:24] Und das ist, also eigentlich stehen die ja vor den großen sozialen Fragen des Zusammenlebens.
[18:28] Wie viel achte ich auf mich? Wie viel muss ich über mich hinweggehen,
[18:32] damit Gemeinschaft möglich wird?
[18:34] Und wann setze ich dich an erste Stelle? Wenn wir immer nur uns an erste Stelle setzen, wird das nix.
[18:40] Sie setzt gegenwärtig noch immer alle anderen an erste Stelle. Das wird auch nix.
[18:45] Das ist, also ich würde mal sagen, da haben die noch ein paar Jahre vor sich.
[18:50] Ein paar Jahrzehnte, schätze ich.
[18:52] Genau, bis man da irgendwie eine gute Mitte gefunden hat. Und deswegen finde
[18:57] ich immer zu sagen, die große Stärke, die das Kind hat, ist auch eine Schwäche.
[19:04] Ja. Genau. Und die Mitte daraus auszutarieren, ist gar nicht so leicht.
[19:10] Kann man das auch vielleicht mit dem Kind ein bisschen thematisieren im täglichen,
[19:13] dass man auch dem Kind zeigt, auch ich sag mal nein, auch zu mir sagt mal jemand nein,
[19:20] wie auch immer, dass man das auch mal offenlegt und sagt, ich habe die gefragt,
[19:23] aber die hat heute gar keine Zeit für mich oder die haben uns gefragt,
[19:26] aber heute spielst du ja schon mit der Elke,
[19:30] deswegen hast du jetzt heute gar keine Zeit, dann habe ich nein gesagt.
[19:33] Also dass man dieses Nein auch ein bisschen mehr ins Leben integriert,
[19:36] weil offensichtlich ist es, sie erinnert mich ein bisschen an die Familie vom
[19:39] Neinhorn. Hast du das Neinhorn mal gelesen?
[19:41] Das ist von Marc-Uwe Kling, ne? Ja, es ist großartig. Die sind auf so einer
[19:45] Wiese und alles ist aus Zuckerwatte und alles ist so golden und gülden und alles ist so toll.
[19:51] Aber dieses Neinhorn hat halt gar keinen Bock auf diese Plüschwelt.
[19:54] Und offensichtlich lebt dieses Mädchen in sich drin noch auf diesem Einhornfeld,
[19:59] aber zwischendurch kommen halt so Neinhörner vorbei. Und damit können die halt
[20:03] auch gar nicht in dem Bilderbuch, die können damit gar nicht umgehen.
[20:06] Warum willst du nicht, dass alles so zuckersüß und wattig ist?
[20:10] Aber es gibt halt eben Leute wie das Neinhorn, die wollen das nicht.
[20:13] Vielleicht könnte man das mal lesen und auch installieren und sagen, ach guck mal.
[20:18] Diese Nein-Hörner, die kennen wir auch. Und das ist auch in Ordnung.
[20:21] Mit denen kann man auch ganz witzige Sachen erleben.
[20:23] Nein, weil die ist halt so echt noch klein mit dreieinhalb, aber die scheint
[20:26] ja ein Regelsystem zu haben. Das heißt, wenn du liebst, geht alles.
[20:32] Wahrscheinlich geht auch ziemlich viel bei der. Es gibt diese lieben Kinder,
[20:35] die haben da unglaubliche Vorteile von.
[20:38] Ja, die Nein-Kinder haben auch unglaubliche Vorteile. Genau,
[20:40] aber das ist ihre Strategie. Aber das meinte ich von, weißt du,
[20:42] alles, was du tust, kostet irgendwie etwas.
[20:45] Und den Ausgleich zu finden von, was ist eigentlich die Regel und welche andere
[20:50] gute Regel gibt es noch dazu.
[20:53] Also ja, sei lieb mit anderen Kindern und ja, sei behilflich.
[20:58] Und ja, wenn es für dich zu schwierig wird oder von dir Sachen gefordert werden,
[21:03] die du richtig blöd findest.
[21:06] Musst du Nein sagen. Das ist wichtig im Leben.
[21:10] Ich finde das, wie hast du auch gesagt, dauert Jahrzehnte. Das ist ein ewiges
[21:14] Ringen. Und es gibt nie total klare Regeln dazu.
[21:18] Was aber finde ich immer, also allen Kindern, ob nun diesen oder den Nein-Hörnern,
[21:23] hilft immer eine Anerkennung von, was ist gerade in deinem Bauch los.
[21:28] Das findest du jetzt richtig blöd. Hoppla, da kommen ja sogar Tränen.
[21:32] Das hattest du dir anders vorgestellt, das hast du dir anders gewünscht.
[21:36] Ja, genau. Das glaube ich. Ja.
[21:40] Die nächste Frage wäre, was möchtest du, also nachdem das Kind verstanden wurde,
[21:45] was möchtest du jetzt machen damit?
[21:47] Was ist jetzt der nächste Schritt? Ich will noch auf dem Schoß sitzen und ausruhen.
[21:51] Na gut, dann drücke ich dich an meine starke Papa-Brust.
[21:55] Komm mal her. Und wenn du ausgeschnauft hast und wieder Kraft hast,
[21:58] was ist das Nächste, was du tun möchtest, anstatt, dass wir als Eltern,
[22:02] das machen wir auch so gerne, in Kompensation gehen.
[22:06] Das Kind ist traurig. Dann spiele ich mit dir. Was mache ich jetzt für dich?
[22:08] Welches andere Kind kann ich rekrutieren, das dich nicht abweist? Aha.
[22:13] Das würdest du nicht empfehlen. Es hilft ja nichts. Es ist ja etwas,
[22:15] was sie hinbekommen muss und wo sie Fertigkeiten erlangen muss.
[22:20] Aber lernt sie es nicht, wenn ich es zwei, dreimal für sie mache,
[22:23] dass sie irgendwann sagt, ah, ich kann aber auch jemand anderen fragen?
[22:27] Kann sein. Glaube ich nicht.
[22:29] Wir tun das ja auch nicht im Sinne von guck mal, Kind, so geht es.
[22:33] Sondern wir tun das im Sinne von Oh Gott, ich kann nicht aushalten,
[22:36] dass ich schon wieder abgewiesen wird.
[22:38] Und ich finde, das ist manchmal unter Kindern echt interessant,
[22:41] dass diese ewig lieben Kinder häufig abgewiesen werden, weil die anderen Kinder
[22:47] an denen so gut üben können.
[22:50] Ja, aber die können an denen total gefahrfrei üben, Nein zu sagen.
[22:55] Und deswegen kriegen die häufiger
[22:57] eine Absage, was natürlich für uns als Erwachsene ungeheuerlich ist.
[23:01] Das kann ja wohl nicht immer sein. Das entspricht nicht unserem Wertesystem. Nein.
[23:05] Aber guck mal, ich war so ein Mädchen. Wirklich war, ne? Ich war so ein Mädchen.
[23:10] Ich war immer lieb. Ich habe immer alle mitspielen lassen. Ich war hochgradig,
[23:13] empathisch und so weiter.
[23:15] Und es hat mich im Leben viel gekostet, irgendwann in so einen anderen Modus zu kommen.
[23:19] Aber ich glaube, das, was man lernen kann, man muss ja kein Rüpel werden.
[23:24] Man muss ja kein Neinhorn werden. Aber zu verstehen, dass es Neinhörner gibt
[23:28] und damit fertig zu werden.
[23:30] Also ich habe dir das ja gerade auch erzählt. Ich bin heute Morgen mit der S-Bahn
[23:34] reingekommen und so weiter.
[23:35] Und letzten Endes standen wir ein bisschen still und es war dann die Frage von,
[23:39] dürfen wir in den ICE einsteigen für die eine Station oder nein.
[23:43] Die Zugbegleiterin stand bei den Leuten, die gefragt haben, hat gesagt,
[23:46] nein. Währenddessen die ganzen, die es nicht interessiert hat,
[23:49] wie die Regel waren, sind eingestiegen.
[23:51] Und so, irgendwann habe ich der Frau gesagt, hier gewinnen jetzt gerade die
[23:54] Frechen und die, die sich nicht an Regeln halten. Und das finde ich schade.
[23:58] Und dann hat sie gesagt, da haben sie recht, steigen sie ein.
[24:01] Und das war ein guter Moment, weil ich irgendwie eine Mitte gefunden habe.
[24:05] Weißt du, was ich meine? Ich musste kein Rüpel sein. Ich habe nicht gedacht,
[24:08] na gut, dann bin ich ein Rüpel.
[24:09] Ich habe auch nicht mich zufrieden gegeben mit einem Nein.
[24:13] Aber ich habe eine gute Mitte gefunden. Und ich glaube, dass da diese Kraft,
[24:17] die musst du entfalten und die braucht Zeit. Und das kostet ein bisschen,
[24:21] das tut auch weh. Ich weiß es wirklich aus Erfahrung, es tut weh.
[24:24] Aber ich glaube, dass dieses Wehtun auch nichts ist, was einen kaputt macht.
[24:28] Sondern ich glaube schon, dass man da ein bisschen Zeit braucht,
[24:32] um das zu verknusen und zu verstehen.
[24:35] Ja, und sich auch das Recht zu erobern. auch ich darf Nein sagen.
[24:40] Und nämlich eben nicht mitzunehmen, Nein tut anderen Leuten weh.
[24:44] Kenne ich ja, fange ich an zu weinen.
[24:45] Deswegen darf ich das nicht machen. Ja, aber ich muss auch nicht jedes Nein
[24:50] immer hinnehmen als okay, nein und die frechen Siegen wieder. Muss ich auch nicht.
[24:55] Also ich glaube, da irgendwann so diese Mitte zu finden und zu sagen,
[24:57] ich kann für mich einstehen und zwar für mein Nein, für dein Ja,
[25:01] wie auch immer. Also irgendwie, das dauert einfach, glaube ich, wirklich Jahrzehnte.
[25:07] Aber dieses, was sie hat, wird ja bei ihr bleiben. Sie wird immer empathisch
[25:11] sein. Sie wird immer die anderen fühlen. Und das ist was total Schönes.
[25:15] Das ist auch wahnsinnig anstrengend. Ja.
[25:19] Genau, das ist total schön. Und es kann aber, wenn man in Teamkontexten zum
[25:23] Beispiel arbeitet, wahnsinnig anstrengend sein. Und es kann einem auch viele
[25:27] Möglichkeiten rauben, weil man nicht aushalten kann, dass andere auch für ihr
[25:32] eigenes Glück verantwortlich sind.
[25:34] Und dann beständig dafür zu sorgen, dass es allen allen gut geht.
[25:38] Koste es, was es wolle, ist auch echt ein hartes Brot. Das sind ja zwei unterschiedliche
[25:43] Dinge. Ob ich wahrnehme, dass es jemand anderem nicht gut geht oder ob ich mich
[25:46] dafür verantwortlich fühle, dass es ihm besser geht. Ich glaube,
[25:49] das ist das, was man, das ist,
[25:51] Das ist diese Fertigkeit, die
[25:53] man fast braucht, damit es einem gut geht im Leben, wenn man das eine hat.
[25:57] Und ich glaube, wenn du nicht so empathisch bist, brauchst du diese Fähigkeit gar nicht.
[26:00] Die kommt ja aus Ignoranz, aus purem Nichtwissen zustande, dass du den anderen
[26:05] nicht so in dein Innerstes lässt.
[26:07] Aber ich weiß nicht, mir hat zum Beispiel mal geholfen, dass jemand gesagt hat,
[26:11] dass ich mich so fühlen soll, dass ein Wasserfall vor mir runtergeht.
[26:15] Und wenn jemand gemeine Sachen sagt oder sagt, dass er was nicht mit mir machen
[26:19] möchte oder so, dass gegen diesen Wasserfall aus Liebe man gar nicht so da durchkommt.
[26:24] Das hat mir geholfen. Oder so ein Filter vor mein Herz zu spannen oder so.
[26:27] Das sind so Bilder, die mir auch als Jugendliche, ich glaube,
[26:30] es war im Jugendalter, geholfen haben.
[26:32] Ich glaube, sowas kann schon helfen, solche Bilder. Also ich habe gerade etwas anderes gedacht als du.
[26:41] Wir als Eltern finden das toll, wenn die Kinder so sind. Und wir bestärken die
[26:45] auch da drin und die kriegen ganz viel positive Rückmeldung von uns dafür.
[26:50] Und jetzt habe ich an so viele Erwachsene gedacht aus Teamkontexten oder aus
[26:55] Beratungskontexten, die es nicht hinbekommen zu sagen, stopp,
[26:59] nein, das ist nicht mein Thema.
[27:01] Das ist das Thema von den anderen Leuten, sondern sich ständig als hochfloriger
[27:06] Teppich für alle anderen hinlegen, damit es denen gut geht.
[27:09] Damit die nicht unglücklich sind oder sich nicht ausgeschlossen fühlen oder
[27:14] nicht denken könnten, dass es einen Konflikt gibt und sich und ihre eigenen
[27:18] Bedürfnisse oder ihre eigenen Rechte überhaupt nicht schützen oder dafür nicht einstehen.
[27:25] Und das ist, finde ich, die Kehrseite von Ich fühle alles.
[27:29] Und eigentlich ist ja die Hilfestellung der Eltern für solche Kinder,
[27:32] wie kannst du um dich herum eine stabile und flexible Hülle errichten,
[27:38] die sowohl dich schützt, als auch die Verbindungsfläche nach außen ist.
[27:44] Sodass die anderen nicht einfach durch dich durchgreifen auf dein Gefühl und
[27:49] du auch nicht ständig abgepellt rumliegst.
[27:53] Sondern eine stabile Eierschale um dich hast, mit der du sagen kannst,
[27:56] ich kann mich halten, ich kann mich tragen und nein, es kann nicht jeder durch mich durchgreifen.
[28:02] Und ja, ich darf sagen, das ist mir zu viel oder diese Absage hätte man auch
[28:07] freundlicher formulieren können. Vielen Dank.
[28:10] Und wie lernt man das? Also die Frage von der Mutter ist ja ziemlich deutlich
[28:13] so, wie kann dieses Kind dieses Notwendige lernen, was man eben braucht,
[28:19] wenn man so durchlässig ist?
[28:22] Ich glaube, das hat was damit zu tun, immer wieder dem Gefühl zu folgen,
[28:26] und ich nehme mal an, dass es ein Kind, das sie öfter dabei erwischen wird,
[28:29] dass es die anderen an erste Stelle setzt.
[28:32] Und dann immer der Frage von Marsilein, war das jetzt großzügig von dir,
[28:36] dass du die anderen an die erste Stelle gesetzt hast? Alle Achtung.
[28:40] Oder war das ein Mangel an der Fähigkeit zu sagen, was du möchtest?
[28:45] Dann lass noch mal gucken, was ist da passiert? An welchem Punkt hättest du
[28:49] besser sagen können oder schneller merken können?
[28:51] Oder wie ist die Regel zwischen dir und deinen Freunden, dass es so gelaufen
[28:55] ist? Also es ist, glaube ich, weil es wirklich ein langer Weg ist für diese zartfühlenden Kinder.
[29:01] Ohne Beurteilung und ohne hohe Anforderungen, so geht das nicht.
[29:04] Setz dich mal durch, werd mal härter. Ja, ja, ja.
[29:07] Sagen, aha, die Gefühle leiten dich und du hast, du möchtest niemanden traurig machen.
[29:13] Und lieber, dass andere traurig sind, bist du traurig.
[29:16] Oh Gott, das ist echt auch so bezaubernd, aber so schlimm bezaubernd, ja.
[29:21] Ja, genau, aber es ist eben, also es kann einen genauso einschränken,
[29:25] so unglaublich süß zu sein, wie es einen einschränken kann, so ein wahnsinniger
[29:30] Dickkopf zu sein. Aber manchmal versteht man es auch falsch,
[29:33] weil wenn ich jetzt drüber nachdenke...
[29:36] Man fühlt sich ja sehr stark offensichtlich. Wenn ich sage, ich bin lieber traurig
[29:41] als du, dann traue ich mir zu, das gut verknusen zu können, mal kurz für dich traurig zu sein.
[29:49] Manchmal schlägt man damit auch einen Handel vor, der von den anderen nicht eingegangen wird.
[29:53] Und das ist dann nämlich, unter Erwachsenen wird es dann häufig sehr deutlich,
[29:57] die besten Jahre meines Lebens habe ich dir geschenkt. Was kriege ich von dir?
[30:01] Ich bin schon so lieb die ganze Zeit. Und jetzt meckern die immer noch.
[30:05] Ich bin schon so lieb die ganze Zeit und jetzt räumen die trotzdem die Küche
[30:08] nicht auf. Ich sage, ich stoppe.
[30:11] Ich würde versuchen, Kindern dabei zu helfen, Erwachsene zu werden,
[30:15] die in klare Handel miteinander eintreten können im Sinne von,
[30:20] ich gebe dies, bist du bereit dafür, jenes zu geben? Werden wir uns einig?
[30:26] Sind wir beide im Plus? Und diese sehr lieben Leute machen manchmal ganz normale Leute frech.
[30:33] Und auch aggressiv. Richtig. Weil man diesen Handel ja spürt.
[30:36] Mir fällt gerade wirklich eine Person ein, wo ich denke, das ist immer dieser unfaire Handel.
[30:41] Und ich denke so, aha, du bist gerade nur so nett zu mir, weil du willst,
[30:44] dass ich dies, das, ananas mache und über meine Grenzen dann hinausgehe.
[30:48] Das ist fast mafiös, so nach dem Motto.
[30:51] Ja, es ist fast ein Mafia-Ding. Ich gebe dir etwas, aber irgendwann komme ich
[30:56] um die Ecke und sage, also ich habe dir jetzt so viel gegeben,
[30:59] da müsste doch auch mal was zurückkommen.
[31:01] Und ich habe aber nie nach den ersten, zweiten und dritten gefragt,
[31:04] sodass dieser Handel, so und jetzt, wo du es sagst, ja, das macht richtig aggressiv. Ja, ja.
[31:10] Aber darum glaube ich, gibt es jetzt gar keine Lösung für die Mutter,
[31:14] sondern einfach zu verstehen, diese tolle Stärke hat mein Kind und ich sage
[31:20] mal, welche Co-Stärke braucht sie dazu?
[31:23] Ich sage mal, je empathischer ich bin, je besser ich spüren kann,
[31:28] was so im Raum ist, desto wichtiger sind stabile Grenzen.
[31:33] Und das gehört zueinander, damit sich zwei Stärken stärken können,
[31:39] anstatt dass man eine Stärke hat, die auf der anderen Seite zur Schwäche wirft.
[31:42] Und insofern die andere Frage, wie baue ich Stärke und Stärke ist,
[31:47] ich kann mein eigenes Gefühl dekodieren, ich kann mein eigenes Gefühl handhaben,
[31:54] ich kann die Gefühle der anderen dekodieren und ich kann aushalten,
[31:57] dass sie etwas anderes wollen als ich.
[31:59] Sprich, ich kann die Getrenntheit zwischen uns beiden aushalten.
[32:04] Manche Leute, sie möchten gerne ineinander fließen und haben dann Stärke in,
[32:09] wir sind ein fälliges, wuscheliges Rudeln miteinander. Es gibt gar keine Grenzen,
[32:14] aber ich bin am glücklichsten.
[32:15] Und andere Leute können ganz gut als Klotz sagen, hier ist ein Backstein,
[32:19] dann kommt Zement und dann noch ein Backstein. Ja, aber es ist immer Zement
[32:23] dazwischen. Genau, genau.
[32:26] Und es ist nicht das eine, es ist nicht das andere, aber wir müssen lernen,
[32:29] irgendwie flexibler miteinander zu werden.
[32:33] Ich mit mir und ich mit der Unterschiedlichkeit der anderen Leute.
[32:36] Das finde ich spannend. Finde ich richtig spannend, weil man damit ja echt ein
[32:39] ganzes Leben lang zu tun hat.
[32:41] Gerade wenn man ein sehr durchlässiger Mensch ist. Ja, und ich finde auch interessant,
[32:46] es gibt auch nicht die perfekte Type.
[32:50] Also es gibt die einen machen es so, die anderen machen es so und alles dazwischen.
[32:53] Und man muss mit jeder Freundschaft, mit jeder Arbeitsbeziehung,
[32:56] mit jedem Kunden immer wieder neu austarieren.
[33:01] Und wie ist es mit dir und mir?
[33:03] Und auch sie wird irgendwann mal auf jemanden treffen, die noch viel empathischer
[33:06] ist. Wo sie auf einmal denkt, huch, wie fühlt sich das denn an?
[33:11] Und man fühlt sich auf einmal klotzig daneben. Also insofern könnte man sagen,
[33:15] spielt das Mädchen gerade hervorragend die hellen Dur-Töne.
[33:19] Und sie darf die dunklen Dur-Töne und die Moll-Töne mit hinzulernen.
[33:24] Ich glaube, das ist ein langer Weg, hört sich an, als ob es furchtbar wäre.
[33:29] Aber es ist eine Entwicklungsgeschichte, von der wir annehmen,
[33:32] dass wenn sie richtig fluffig und schnell ist, sie Anfang 30 Herren der Lage sein wird. Ja, ja, voll.
[33:40] Ja, und ich empfehle sehr, das Neinhorn zu lesen und vielleicht ein bisschen
[33:43] Spaß dran zu finden, mal nicht auf Zuckerwattenwiesen rumzuhüpfen,
[33:47] sondern auch einfach mal zu sagen, das ist nichts für mich. Ja.
[33:52] Aber sie wird es lernen, hoffentlich. Ja, aber ich würde gerne noch mal betonen,
[33:56] es ist eine Stärke, die eine Schwesterstärke hinzubraucht, damit es sich gegenseitig stützt.
[34:02] Es ist keine Schwäche und es sind auch nicht die anderen Kinder,
[34:06] die doof sind oder harsch sind, sondern die Rumpelkinder brauchen auch eine
[34:11] Schwesterstärke hinzu.
[34:13] Also es ist jetzt nicht, dass das Kind nur eine besondere Meise hätte.
[34:15] Wir alle stehen idealerweise auf zwei Beinen.
[34:18] Wenn man es genau nimmt, sind wir gut bedient, wenn wir auf vier Beinen stehen.
[34:23] Also eine Stärke, eine Schwesterstärke und Kenntnis über die Gegenteile unserer Stärken.
[34:30] Das heißt? Dann stehen wir auf vier Beinen. Also wenn ich auf einem großen Zeh
[34:34] stehe, hauchst du mich an und ich plumpse um. Wenn ich auf einem Bein stehe,
[34:37] auch nicht so stabil. Auf zwei Beinen ist schon ganz okay.
[34:40] Aber wenn ich auf allen Vieren bin, Christine, kriegst du mich nicht umgeschmissen.
[34:43] Also Stärke, Schwesterstärke und die Gegenteile der beiden erkennen,
[34:47] verstehen, schätzen und handhaben lernen.
[34:50] Und das gilt ja für alle Kinder und alle Menschen. Für die ganze Welt.
[34:53] Für alles. Das war die Weltformel. Wir haben die Weltformel.
[34:58] Also nicht nur ZGPT kennen, auch Klot, Telegram und normale Briefe.
[35:04] Vielen Dank. Ich finde es gut.
[35:07] Jetzt freust du dich wieder, weil ich es gut finde.
[35:11] Also wir haben die Selbstformel geknackt. Wir kriegen ein Fleißsternchen,
[35:13] wenn ich das hier gut mache. Wenn die Glücksformel geknackt wird.
[35:15] Dann kriege ich immer von Christine einen Aufkleber auf die Nase geklebt. Steht drauf. Prima.
[35:19] Können wir mal mit Tattoos anfangen. Prima, hast du gut gemacht.
[35:23] Ich liebe Prima. Prima sagen ausschließlich Grundschullehrerinnen. Prima.
[35:28] Das ist ein Wort, das nur diese Berufsgruppe benutzt. Genau, wie klasse gemacht.
[35:32] Klasse gemacht, Elke, heute wieder. Prima. Prima sozusagen. sagen.
[35:36] Richtig famos. Vielen Dank dir.
[35:39] Ich freue mich auf eine neue Folge Elterngespräch in zwei Wochen wieder mit dir.
[35:43] In einer Woche mit einem XY-Überraschungsgast. Wir sind gespannt.
[35:47] Wenn ihr eine Frage habt, die wir hier mal durchelken sollen,
[35:50] das ist ein neues Wort geworden. Da bist du jetzt richtig gelb mit. Ja, ist gut.
[35:54] Dann haben wir durchelken. Dann schreibt uns an podcast at eltern.de und alle
[36:01] Infos findet ihr wie immer in den Shownotes.
[36:03] Wir sagen Tschüss. Und alles Liebe aus Hamburg.

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