# Eltern-Burnout: Wenn Eltern nicht mehr können – mit Christian Behr

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 1 Oct 2026, 54 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/253150-wenn-eltern-nicht-mehr-koennen.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=253150

Christian Behr war beruflich und privat auf dem Zenit, als plötzlich der Zusammenbruch kam. Mit seinem Mann hatte er eine Familie gegründet, war beruflich erfolgreicher denn je und doch lag er plötzlich bewusstlos im Krankenhaus, obwohl körperlich alles in Ordnung war. Mit Christine spricht er über die mentale Gesundheit von Eltern, ein diffuses Gefühl chronischer Erschöpfung und Warnzeichen, die niemand ignorieren sollte. Eine Folge für alle, die merken, dass der Stress sich nicht mehr wirklich abschütteln lässt und irgendetwas nicht so ist, wie es sein sollte. Mehr zu Christian Behr: Instagram Website Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig* Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Jetzt kamen eben die schlauen Ratschläge und die gesagt haben,
[0:02] ja, du musst kürzer treten.
[0:03] Naja, aber wenn du in dieser Situation steckst, wo trittst du denn kürzer?
[0:08] Wo fängst du an, Abstriche zu machen?
[0:11] Ich hätte gar nicht gewusst, wo,
[0:12] um ehrlich zu sein, weil alles irgendwie miteinander zusammengehangen hat.
[0:34] Und heute wird es schätzungsweise ein bisschen emotional, denn schon das Buch
[0:38] meines heutigen Gastes Christian Bär hat mich persönlich ehrlich gesagt auf
[0:41] eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen. Ich habe mit ihm gelitten,
[0:44] ich habe mit ihm gehofft, mich mit ihm gefreut und bin mit ihm auf manchen Seiten verzweifelt.
[0:48] Jedenfalls hatte ich großen Gesprächsbedarf nach der Lektüre und wollte unbedingt
[0:52] mit ihm über seine Erfahrungen und über die mentale Gesundheit von Eltern sprechen.
[0:56] Schön, dass du da bist, Christian. Hallo Tine, vielen, vielen Dank für die Einladung.
[1:00] Ich freue mich wirklich sehr, dass ich hier heute über mein Thema sprechen darf.
[1:04] Ich freue mich auch wahnsinnig. Viele kennen dich ja als Papi von Papa und Papi,
[1:08] als jemanden, der eigentlich immer offen und humorvoll über seinen Familienantag berichtet.
[1:12] Aber für alle, die dich nicht kennen, kannst du einmal erzählen,
[1:15] also was sieht man auf eurem Kanal, warum ist es dir und deinem Mann Björn überhaupt
[1:19] so wichtig, auch öffentlich zu zeigen, das ist unsere Familie,
[1:21] so leben wir und ja, was sieht man vielleicht auch nicht auf eurem Kanal?
[1:25] Klar, was ich erstmal sagen möchte und das wissen vielleicht viele,
[1:27] die jetzt diesen Podcast hören, vielleicht wissen sie es schon,
[1:29] viele wissen es vielleicht nicht.
[1:31] Als wir 2019 gestartet sind, ganz wirklich ganz banal mit unserem Instagram-Account
[1:35] Papa und Papi, der war damals noch Friday Domain, haben wir beide gar nicht
[1:39] gewusst, in welche Richtung es eigentlich geht.
[1:40] Und zwar klar, wir haben damals 2019 unseren Sohn bekommen als Pflegekind,
[1:45] der war knapp ein Jahr alt und da wollten wir einfach über diesen Kanal anderen Menschen Mut machen.
[1:50] Wir wollten zeigen, dass es total normal ist, dass zwei Papas eben auch tolle
[1:53] Eltern sein können, dass es Kindern egal ist, von wem sie geliebt werden.
[1:56] Hauptsache sie haben eben ein tolles Elternhaus, in dem sie Werte mitbekommen,
[2:00] in dem sie nicht die falschen Glaubenssätze vermittelt bekommen. Teaser für später.
[2:06] Und eben auch einfach, dass die Gesellschaft dieses Thema viel mehr akzeptiert,
[2:10] als es gerade noch aktuell so ist.
[2:12] Und Eltern tatsächlich und das möchte ich einmal kurz sagen,
[2:15] ihr wart tatsächlich mit Abstand
[2:17] die Ersten, die uns damals supported haben, denn wir durften mit euch eine YouTube-Reihe
[2:21] machen über eine Einjährige und so sind wir eigentlich groß geworden und so
[2:24] sind wir irgendwie in dieses Thema gekommen und deshalb hänge ich auch so sehr
[2:28] an eurer Marke, weil ich einfach damit ganz viele Emotionen auch verbinde.
[2:31] Weil ihr wart so offen und habt einfach gezeigt, okay, es ist völlig normal,
[2:35] dass wir Papas ein Kind bekommen.
[2:37] Und so sind wir gestartet und Björn ist da 48, ich bin 44 und mittlerweile haben
[2:41] wir zwei Kinder, das kann ich auch schon mal verraten. Unsere Tochter ist neun
[2:44] Monate, da haben wir nochmal Nachschub bekommen.
[2:46] Und im echten Leben sind wir beide, also wir sind Content Creator natürlich
[2:50] auf Instagram, wir haben eine eigene Bühnenshow, wir haben einen eigenen Podcast,
[2:53] aber ich arbeite auch seit über 25 Jahren bei einer großen Airline als Kabinenchef.
[2:58] Mein Mann war lange im Fernsehen und ist mittlerweile aber tatsächlich nur noch
[3:01] hauptberuflich hier für unser Business tätig. So, jetzt hast du einen kurzen
[3:04] Abriss bekommen. Du, also das ist sehr professionell, wie abgelesen,
[3:07] aber war nicht abgelesen. Ich lese, nee.
[3:11] Mega gut, genau. Aber was ich so spannend finde, wenn man sich euren Content
[3:15] anguckt, Du bist schon, du wirkst extrem leichtfüßig, extrem fröhlich,
[3:20] auch immer noch, aber gerade am Anfang war das, glaube ich, auch so deine Rolle.
[3:24] Du warst der, der irgendwie immer gestrahlt hat, der fröhlich war und so weiter.
[3:27] Und ich kann mir vorstellen, dass der Sommer 2024, über den wir jetzt einmal
[3:31] sprechen müssen, auch für eure Follower deswegen ganz schön verwirrend war.
[3:34] Und das werden einige von unseren Leuten auch sein, weil wie du sagst,
[3:38] Eltern und ihr beide, ihr gehört ja ein bisschen zu uns. Deswegen,
[3:42] ja, irgendwie spannend.
[3:44] Kannst du das einmal erzählen? Was ist im Sommer 2024 passiert?
[3:47] Also ich habe gerade Gänsehaut, wie man es jetzt sehen könnte,
[3:50] denn ich weiß nicht, ob du es weißt. Wahrscheinlich weißt du es nicht. Doch, Jahrestag.
[3:54] Oh, weißt du es? Ja, Jahrestag.
[3:56] Heute. Genau heute vor zwei Jahren war der schlimmste Tag meines Lebens.
[4:01] Och, da drückt es mir schon fast wieder Tränen in die Augen,
[4:03] denn ich habe heute tatsächlich unfassbar viele Bilder in meinem Kopf.
[4:06] Ich gucke lustigerweise, ich gucke regelmäßig auf die Uhr, bewusst und unbewusst
[4:10] und denke mir, das habe ich jetzt da gemacht und ich kann dir noch genau sagen, was da war.
[4:13] Und genau, wie du gerade gesagt hast, viele Menschen kennen mich immer als den
[4:17] Lustigen, den Fröhlichen.
[4:18] Ich bin ja auch derjenige von uns beiden, der, ich sag mal, etwas mehr Content
[4:22] macht auf Instagram. Das haben wir uns so aufgeteilt. Aber ich bin einfach auch
[4:25] der, der sich manchmal weniger Gedanken darüber macht, was er macht,
[4:28] sondern der macht es einfach. Und ich glaube, das ist eine große Stärke von mir.
[4:32] Und das ist das, was mir Menschen immer wieder zurückspiegeln,
[4:34] wenn sie mich kennenlernen, die sagen, hey, du bist ja genauso wie auf dem Kanal.
[4:37] Und das ist mir ganz wichtig, denn ich wollte nie Instruencer werden,
[4:40] um Menschen zu täuschen. Ich sage jetzt mal mit Filtern, mit Dingen,
[4:44] die so nicht sind, sondern ich wollte das wahre Leben zeigen.
[4:47] Natürlich gibt es Dinge, die wir nicht zeigen, weil sie vielleicht sehr privat
[4:50] sind, weil sie die Geschichten unserer Kinder beinhalten.
[4:53] Auch die Gesichter eurer Kinder zeigen. Genau, wir schützen unsere Kinder komplett,
[4:57] einfach sowohl mit Gesicht als
[4:59] auch mit sonstigen Themen, weil wir einfach sagen, sie sind viel zu klein.
[5:03] Unser Sohn ist neun Jahre alt, gut mittlerweile, aber trotzdem,
[5:06] sie sind einfach zu klein, um zu erkennen, was da für Gefahren auch lauern.
[5:09] Und wenn wir beide, Björn und ich, der Meinung sind, wir müssen unser Leben
[5:12] öffentlich machen, heißt das noch lange nicht, dass wir das Leben unserer Kinder
[5:16] öffentlich machen, weil das dürfen sie bitte selber entscheiden.
[5:19] Sehr gut, kann ich nur Applaus geben. Danke schön.
[5:22] Ich habe das gelesen, aber ich würde es total gerne einfach nochmal von dir
[5:26] hören. Was ist da passiert?
[5:27] Was hat dieser Tag bedeutet? Also ich bin tatsächlich, Wahnsinn,
[5:31] du erwischst echt den besten Tag überhaupt, weil ich so heute im Thema drin bin.
[5:35] Ich bin aufgestanden und beziehungsweise eigentlich war die Nacht schon eine Katastrophe.
[5:39] Ich bin in dieser Nacht, also ich hätte eigentlich heute vor zwei Jahren nach
[5:41] Los Angeles fliegen müssen in meiner Rolle als Kabinenchef und die Nacht war
[5:45] schon eine Katastrophe.
[5:46] Ich war schweißgebadet, ich hatte Herzrasen, ich war permanent unruhig,
[5:50] ich war regelmäßig wach, ich habe im Traum komische Dinge geträumt.
[5:56] Und ich bin aufgewacht und aufgestanden und hatte dieses unfassbar starke Gefühl,
[6:00] mir nimmt jemand die Luft zum Atmen, diese Enge auf der Brust,
[6:03] mir drückt jemand den Kehle zu und mir ging es total bescheiden.
[6:07] Und ich bin runtergegangen, ich weiß es noch wie heute, ich bin runter zu meinem
[6:10] Mann, der saß unten schon mit unserem Sohn, weil er in die Schule musste und
[6:13] ich habe mich an den Tisch gesetzt und ich habe noch nicht mal wirklich guten
[6:15] Morgen gesagt und schon liefen die Tränen.
[6:18] Und mich guckte mein Mann an und sagte zu mir, was ist los? Und ich sagte,
[6:20] ich kann dir das nicht beschreiben.
[6:22] Mir geht es total beschissen. Entschuldigung für den Ausdruck.
[6:24] Aber mir ging es, ich konnte das Gefühl nicht beschreiben, weil es so neu auch für mich war.
[6:29] Und so, es war wie, wie mich eine innere Stimme davon abhalten wollen würde, dass ich arbeiten gehe.
[6:34] Und jetzt war es natürlich so, ich schreibe ja in meinem Buch auch ganz viel
[6:38] über das Thema Glaubenssätze.
[6:39] Glaubenssätze, die mich aus der Kindheit geprägt haben, wie beispielsweise,
[6:42] du darfst keine Schwäche zeigen.
[6:43] Du musst stark sein. Du musst dich anpassen, um geliebt zu werden.
[6:46] Und diese Glaubenssätze, die haben mich so stark gelenkt, dass für mich eine
[6:50] Krankmeldung an diesem Tag unmöglich war. Also es war einfach für mich klar,
[6:53] du wirst dir die Uniform anziehen, du gehst zum Flughafen und du wirst diesen Flug machen.
[6:59] Und ich versuche die Geschichte ein bisschen kürzer zu machen,
[7:02] weil sonst lohnt sich A, das Buch nicht mehr zu lesen und B,
[7:04] dann nehmen wir vier Stunden auf.
[7:06] Aber ich weiß noch, das war der Tag, an dem unser Sohn mit meinem Mann zusammen
[7:09] in den Freizeitpark gegangen sind.
[7:10] Die haben irgendwie gegen 8 Uhr das Haus verlassen und ich habe die dann verabschiedet
[7:14] unter Tränen in den Augen und mein Mann hat mir noch gut zugesprochen und ich
[7:17] habe einfach nur gesagt, ja, wir sehen uns in 5 Tagen wieder und innerlich hatte
[7:22] ich dieses Gefühl der absoluten Zerrissenheit und ich habe irgendwie...
[7:26] Es war schon ein Vorbot der Panikattacke. Ich habe total Angst gehabt,
[7:29] elf Stunden ins Flugzeug zu gehen.
[7:31] Wir reden hier nicht von Flugangst. Und es war einfach diese Angst,
[7:34] ich muss weg von zu Hause. Das kannte ich bis dato so noch nie.
[7:37] Ich wollte es gerade fragen, genau. Weil das klang so nach so einem Abschiedsschmerz,
[7:41] nach so einem Hier muss ich gerade sein.
[7:43] Und ich habe mich so fremdbestimmt gefühlt. Und am Ende, ich habe die Uniform
[7:48] angezogen, ich habe im Bad mehrfach geweint. Ich dachte mir die ganze Zeit,
[7:50] shit, du darfst keine verheulten Augen haben, du musst jetzt fit ausschauen.
[7:54] Und ich bin dann irgendwann zum Flughafen. Ich hatte irgendwie morgens um 10,
[7:57] glaube ich, Briefing oder so, kurz nach 10.
[7:59] Und der Weg zum Flughafen war eine Katastrophe. Ich war, also normalerweise
[8:03] höre ich Musik, ich telefoniere, ich mache echt wilde Dinge.
[8:06] Und ich bin einfach nur stumm zu diesem Flughafen gefahren.
[8:09] Ich bin da angekommen und das erste ist eigentlich immer, ich begrüße Menschen,
[8:12] die ich so kenne. Und ich war lange im Büro, ich war über 10 Jahre da Teamleiter auch.
[8:17] Und ich bin da einfach stur durchgegangen. Ich bin in die Kantine und ich hatte
[8:20] noch mal Lust auf Kaffee. Und mein bester Freund war auch in der Crew und der
[8:23] guckte mich nur an. der war schon da und sagte zu mir, wie siehst denn du aus?
[8:27] Und da war für mich klar, okay, man sieht es mir an. Und ich habe es trotzdem
[8:30] weitergezogen, bin jetzt im Briefing dann, meine 23 Kollegen haben mich angeschaut
[8:34] und in diesem Moment, Tine, das kann man sich nicht vorstellen,
[8:37] mir lief der Schweiß runter, es war gar nicht so heiß.
[8:41] Und ich habe die ganze Zeit das Gefühl gehabt, ich kriege einen Herzinfarkt
[8:43] und ich habe aber trotzdem weitergemacht, weil ich immer wieder gedacht habe,
[8:46] du musst, du musst und mein bester Freund hat mich schon die ganze Zeit angeguckt und,
[8:50] der wusste genau, mit mir stimmt was ich habe auch wohl Aussetzer gehabt in
[8:53] der Sprache, also etwas, was ich normalerweise nie habe, wer mich kennt.
[8:58] Ich kann ganz gut reden, glaube ich, und viel ich rede auch gerne und viel,
[9:01] wie man hört und naja, am Ende, wir waren irgendwann an Bord,
[9:04] um es jetzt mal wirklich abzukürzen und an Bord selber, in den Vorbereitungen
[9:08] gab es einen Moment, das war mit Abstand der prägendste Moment.
[9:12] Ich stand vor einem Panel, man muss sich vorstellen wie so ein Touchscreen und
[9:16] ich wollte tatsächlich die Lichtszenarien einstellen fürs Boarding.
[9:19] Es gibt bei Flugzeugen so eigene Szenarien, dass eben Logos beleuchtet sind und so.
[9:24] Und ich wusste nicht mehr, wie es geht. Aber du hattest das schon tausendmal gemacht.
[9:28] Tausende Mal und das kann ich dir blind sagen. Ich könnte dir jetzt auf der
[9:31] Stelle sagen, wo du hin musst, um dieses Licht einzuschalten.
[9:34] Und ich guckte Norman, meinen besten Freund, an und sagte zu ihm,
[9:37] ich weiß nicht, wie man Licht anschaltet.
[9:39] Und dann sagte er noch, zu mir, wieso bist du verrückt, was ist mit dir los
[9:42] und ich so, ich kann es nicht mehr und in dem Moment war es vorbei und in dem
[9:45] Moment du merkst es nämlich auch emotional etwas mit, in dem Moment war für mich,
[9:50] ich weiß nur noch Bruchteile davon und ich weiß die Momente,
[9:53] wo der Notarzt da war, ich weiß, wie sie mich angeguckt haben und ich weiß, dass ich.
[9:58] Unfassbare Angstzustände hatte, dass ich sterben muss und das also heute weiß
[10:02] ich, es war eine Panikattacke aber man kann sich das nicht vorstellen das ist
[10:06] ein Gefühl von Herzinfarkt, Schlaganfall Weil...
[10:10] Und allem zusammen und du fühlst dich nur noch nach dem Motto,
[10:14] also ich weiß noch, ich hatte Gedanken wie, oh Gott, aber ich habe doch ein Kind.
[10:18] Und ich dachte, und ich will noch nicht sterben. Und dann war ich irgendwann
[10:21] in der Flughafenklinik und
[10:23] dann kam das alles zur Ruhe und es wurde besser und ich wurde ruhiger und irgendwann
[10:26] kam die Ärztin, nachdem ich 1.000 Messungen hinter mir hatte und die guckte
[10:31] mich an und sagt, Herr Bär, wie geht es Ihnen? Und ich sage zu ihr,
[10:33] wie soll es mir denn gehen?
[10:35] Sagt sie, also ich kann ihnen eins sagen, ihre Werte sind perfekt.
[10:38] Ihnen müsste es eigentlich ziemlich gut gehen, aber vielleicht gucken sie mal auf die Psyche.
[10:42] So hat das Drama seinen Lauf genommen. Und das ist eigentlich so krass,
[10:45] weil du erstmal ein Leben in dem Moment geführt hast, wo jeder von außen sagen
[10:49] würde, okay, du warst auf dem Zenit.
[10:51] Also du hast die Karriereleiter, du bist ganz nach oben geklettert,
[10:55] aber du hattest einen liebevollen Mann, du hattest ein schönes Zuhause bei euch.
[11:00] Hat es einfach, alles hat funktioniert. Da war dieser Sohn, den ihr euch so
[11:03] gewünscht habt und wo gar nicht klar war, wird das klappen und so weiter.
[11:07] Irgendwie hattest du alles erreicht, was man erreichen möchte.
[11:10] Also dieses alles, was man denkt, wenn das erstmal stimmt, wenn das im Außen
[11:13] erstmal stimmt, dann bin ich glücklich.
[11:15] Und dann dieser Zusammenbruch. Und du hast in meinem Buch auch geschrieben,
[11:18] dass das jetzt nicht von heute auf morgen so war, sondern dass es so ganz leise
[11:23] Signale gab, die du immer wieder ignoriert hast.
[11:25] Was waren so leise Signale, die du ignoriert hast, weil ich mir sehr gut vorstellen
[11:30] kann, dass dieses Gefühl von Luft wegbleiben, dieses Gefühl von ich breche gleich
[11:34] zusammen und das über den Morgen hinweg –.
[11:37] Ich glaube, jeder, der Elternschaft lebt, kennt zumindest in Teilen dieses Gefühl
[11:43] von, ich liege hier auf dem Trocknen, ich kriege keine Luft mehr.
[11:46] Ja, und ich glaube auch jeder, der Elternschaft lebt, der Kinder hat,
[11:49] der weiß, gerade wenn man arbeitet, in der heutigen Zeit ist es ja auch gang
[11:53] und gäbe, dass beide Elternteile wieder arbeiten.
[11:55] Einfach aufgrund der finanziellen Situation in Deutschland ist es ja auch nichts
[11:58] mehr befremdliches, dass beide Eltern arbeiten.
[12:02] Und ich habe eben viele Momente gehabt, also das war ein Teil,
[12:05] ich komme gleich noch auf einen anderen Teil, aber zum Beispiel,
[12:07] ich war wie gesagt über zehn Jahre lang Teamleiter, ich habe über 250 Mitarbeiter geführt,
[12:12] ich war jemand, der immer getrieben war von Karriere, ich war mit 26 die jüngste
[12:16] Führungskraft in diesem Unternehmen.
[12:17] Ich habe wahnsinnig viel gemacht, ganz viele Stationen durchlaufen.
[12:20] Ich habe nebenbei noch Dinge gemacht. Also ich war immer jemand,
[12:23] der wahnsinnig getrieben war von Geld und von Karriere, weil mir das als Kind
[12:26] selber so vermittelt worden ist. Und die ersten Boten waren tatsächlich unter
[12:31] anderem die, ich bin öfters aus dem Büro nach Hause gekommen.
[12:33] Also ich habe eine Kombination gehabt aus Fliegen und Büro.
[12:36] Und wenn ich aus dem Büro nach Hause gekommen bin und unser Sohn stand da mit
[12:38] seinen zwei, drei Jahren mit leuchtenden Augen vor mir und hat sich sehr gefreut,
[12:42] dass ich zurückkomme und sagte irgendwie, Papi, können wir ein bisschen Lego
[12:44] spielen oder gehst du mit mir in den Sandkasten,
[12:46] und wie oft habe ich gesagt, ich muss erst noch eine E-Mail schreiben,
[12:49] ich muss erst noch ein Telefonat führen, ich muss, ich muss, ich muss.
[12:52] Und mir tut das eigentlich so unfassbar leid, ich darf das Thema nicht ansprechen,
[12:57] weil ich so viel damit falsch gemacht habe.
[12:59] Ich habe da, also heute, mit dem Blick von heute, zwei Jahre später,
[13:03] ich habe einfach ich habe diese Boten nicht erkannt. Ich dachte immer,
[13:05] das muss so sein und ich habe mir immer, mein größter Wunsch war immer,
[13:09] ein Kind zu haben und was habe ich gemacht?
[13:11] Ich habe die Karriere da vorgestellt und das habe ich nicht bewusst gemacht.
[13:16] Das ist einfach so gewesen irgendwie und… Hast du es auch ein bisschen für dein Kind gemacht?
[13:22] Auch, natürlich. Du musst dich ja auch absichern. Für uns, obwohl wir finanziell
[13:25] total gut dastehen, aber es war einfach für mich dieser innere Treiber und,
[13:30] Und wie oft habe ich ihn vertröstet, wie oft war ich nicht da in der Zeit,
[13:33] wie ich mir es gewünscht habe.
[13:34] So, zu dem ganzen Thema kam, ich habe unfassbar viel körperliche Schmerzen gehabt.
[13:38] Ich habe seit Jahren, mittlerweile weiß ich, es ist ein Trauma,
[13:43] ich habe als Sechsjähriger etwas ziemlich Böses erlebt mit meinen Zähnen,
[13:46] aber eben die letzten zwei Jahre bevor der Zusammenbruch war,
[13:50] also wir reden von, das ging.
[13:54] 2021, 2022 schon los, ich hatte immer Zahnschmerzen. Also abgesehen von Rückenschmerzen,
[13:59] Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen, was ich sonst alles hatte.
[14:02] Aber ich war der beste Kunde beim Zahnarzt. Ich war die letzten Jahre teilweise
[14:06] manchmal zweimal die Woche, das hört sich jetzt total absurd an,
[14:09] beim Zahnarzt, weil ich solche Zahnschmerzen hatte.
[14:12] Und jedes Mal wurde mir das immer und immer und immer wieder das Gleiche gesagt,
[14:15] du hast nichts mit deinen Zähnen.
[14:17] Wir haben geröntgt, wir haben getestet, wir haben gemacht.
[14:19] Ich war so weit, Tine, dass ich irgendwann gesagt habe, bitte nimm mir diese
[14:22] Zähne raus. Ich kann nicht mehr. Krass.
[14:24] Ich meine, mich wundert es nicht. Nach dem, was ich gelesen habe,
[14:27] weil du hast es eben angesprochen, also wirklich übel. Es gab einen Unfall,
[14:31] als du sechs Jahre alt warst und dann gab es ohne Betäubung.
[14:34] Eine ganz schlimme Situation, dass dir die Zähne quasi wieder reingestopft wurden.
[14:38] Also man kann es ja nicht anders sagen. Und furchtbar, mich irritiert das also
[14:42] nicht, wenn man das gelesen hat, da wird es einem auch wirklich sehr,
[14:45] sehr anders. Weißt du, mein Sohn ist gerade sechs Jahre alt.
[14:47] Mir sind so die Tränen gekommen, als ich das gelesen habe.
[14:50] Ich habe so, wie ich es auch am Anfang gesagt habe, ich habe so mit dir gelitten
[14:54] einfach. Und das wundert mich nicht. Aber es ist krass, dass das wirklich eine
[14:57] körperliche Komponente hatte, die du gar nicht psychosomatisch einordnen konntest eigentlich.
[15:03] Ja, für mich, das Thema war zum Schluss halt einfach, ich habe irgendwann geglaubt,
[15:07] ich bin verrückt, weil ich bin wirklich, also ich war zu dem Zeitpunkt damals
[15:11] noch Privatpatient und habe natürlich überhaupt keine Probleme gehabt, Termine zu bekommen.
[15:15] Ich glaube, meine Krankenkasse, die hat irgendwann echt die Hände über den Kopf
[15:19] zusammengeschlagen, was ich an Rechnungen produziert habe, weil ich wirklich,
[15:21] ich war ja nicht nur beim Zahnarzt, ich war beim Kardiologen,
[15:24] ich war beim Neurochirurgen,
[15:26] wo ich überall war, weil ich gedacht habe, ich habe eine Zeit lang gedacht,
[15:29] ich habe einen Gehirntumor, weil ich Kopfschmerzen hatte.
[15:31] Also das hat sich ja so zugespitzt bei mir, dass ich eigentlich mit Anfang 40
[15:36] gedacht habe, ich bin ein Wrack.
[15:37] Nämlich haben auch schon meine Freunde, mein Mann, die haben mich irgendwann
[15:40] in der Form gar nicht mehr ernst nehmen können, weil die einfach gedacht haben,
[15:44] ich bin verrückt, weil ich so viel zum Arzt gehe. Und jeder hat mir immer gesagt,
[15:47] sie sind gesund. Meine Blutwerte waren perfekt.
[15:50] Also ein bisschen Cholesterin, aber lächerlich am Ende des Tages.
[15:54] Und ich habe irgendwann selber an mir gezweifelt. Ich dachte irgendwann,
[15:57] ich bin wirklich verrückt.
[15:58] Heute weiß ich, wie stark die Psyche Symptomatiken im Körper auslöst.
[16:03] Psychosomatik, Psyche und Somatik der Körper, die arbeiten ja sehr eng miteinander.
[16:07] Aber das musst du erstmal verstehen Und du musst erstmal Menschen finden,
[16:11] in dem Fall natürlich Therapeuten, aber auch Menschen, die sich mit diesem Thema
[16:15] so gut auskennen, die das so gut erklären können, wie es dann bei mir am Ende war,
[16:19] dass das Sinn macht und dass du wirklich weißt, okay, ich habe gerade eine Depression,
[16:24] ich habe gerade ein Burnout, ich habe gerade Psychosomatik, ich habe gerade
[16:28] dieses Thema, dass mein Körper mir...
[16:30] Eigentlich nichts anderes tut, wie das Stoppschild vor die Nase zu halten.
[16:32] Und egal mit welchem Mittel er es versucht, mit welchem Schmerz,
[16:35] mit welchem Thema, du hörst einfach nicht drauf, weil dein Kopf stärker ist als dein Herz.
[16:40] Aber das Absurde daran ist ja, dass man erstmal von außen sagen würde,
[16:43] du hast dich ja um dich gekümmert.
[16:45] Du hast ja reagiert auf die Signale. Du bist zum Kardiologen, du bist zum Zahnarzt.
[16:50] Du hast dich nicht komplett hinten angestellt, wie es noch vielleicht viele
[16:53] andere Eltern machen würden, sondern du hast dich gekümmert.
[16:56] Aber du hast irgendwie die falschen Punkte erwischt. Aber was würdest du mit
[17:01] dem Wissen, was du heute hast, wie du das erlangt hast, da reden wir gleich
[17:03] nochmal drüber, aber mit dem Wissen, was du heute hast, an welchem Punkt hättest
[17:07] du schon die Reißleine gezogen und was hättest du getan?
[17:10] Ich weiß nicht, wann ich die Reißleine gezogen hätte, denn ich glaube,
[17:13] ich hätte sie gar nie gezogen, hätte mein Körper sie nicht selber gezogen,
[17:16] muss ich ganz ehrlich sagen. Ich glaube, ich hätte noch ein paar Jahre so weitergemacht, weil….
[17:20] Gar nicht wollte, oder weil ich gar nicht dahinschauen wollte,
[17:24] was vielleicht der Ursprung und die Ursache sein kann. Ich habe das ein Stück
[17:28] weit auch verdrängt am Ende.
[17:30] Deshalb kann ich dir nicht sagen, ob ich die Reise dann selber gezogen hätte,
[17:32] weil am Ende ist es ja für mich gezogen worden. Also mein Körper hat ja dann,
[17:36] nachdem er gemerkt hat, kein Signal, kein Schmerz hält den Christian davon ab, weiterzumachen.
[17:41] Okay, dann kriegt er jetzt für mich den kompletten Klatschen,
[17:43] nämlich den kompletten Shutdown. Und zwar so richtig.
[17:45] Aber mit dem Wissen von heute kann ich vielleicht Menschen mitgeben,
[17:49] zu sagen, und ich weiß mittlerweile durch mein Buch und durch die ganz vielen
[17:52] Gespräche und die vielen Begegnungen, die ich hatte in den letzten Monaten,
[17:56] es gibt ganz viele Menschen da draußen so und irgendwann kommt man an diesen
[18:00] Punkt, wo man auch den Ärzten nicht mehr glaubt, weil man ja
[18:03] ein Gefühl in sich trägt und weil man irgendwie merkt, also das kann doch nicht
[18:07] sein, ich habe hier Schmerzen und jeder sagt mir, ich habe nichts und ich kann
[18:10] nur als Wissen von heute mitgeben,
[18:13] ihr seid nicht verrückt, du bist nicht verrückt, sondern es ist wirklich was,
[18:17] nur es ist nichts Es ist Organisches, es ist was Psychisches und das ist der
[18:20] ganz große Unterschied.
[18:22] Wenn ich da jetzt so drüber nachdenke, man spürt, es ist wirklich körperlich.
[18:25] Hast du das von außen auch so gehört? Also dass Leute gesagt haben,
[18:29] naja, vielleicht ist es ja psychisch oder keine Ahnung oder bildest du dir ein
[18:33] oder keine Ahnung. Und was hat das mit dir gemacht, wenn Leute das so runtergespielt
[18:36] haben, sage ich mal in Anführungsstrichen.
[18:38] Wahrscheinlich fühlt sich auch das ja wie so ein, du bildest es dir ein an.
[18:42] Du kriegst ja ganz viele Ratschläge von vielen Menschen draußen.
[18:46] Egal, ob es von deinem Partner ist, von Freunden, von Kollegen,
[18:49] die sind ja auch alle gut gemeint.
[18:50] Nur das Thema ist immer, also ich sag jetzt mal platt gesagt,
[18:54] mach Sport, hör dir Meditation an, lies mal ein Buch, komm zur Ruhe,
[18:59] nimm dir mal eine Auszeit, leg dich mal hin.
[19:02] Das ist alles so schön gesagt. Aber es ist auch wieder eine To-Do-Liste, ne?
[19:06] So, und in der Realität, also wenn ich das alles hätte umgesetzt,
[19:10] dann, oder hätte ich, sagen wir mal so, ich wusste das alles selbst,
[19:13] aber das Thema ist ja, wie setze ich es um in meinem Hamsterrad,
[19:16] das sich jeden Tag dreht.
[19:18] Und wie gesagt, da kommt dazu, um dass man sich das mal vielleicht vorstellen
[19:22] kann, ich war Vollzeit-Influencer, wir haben ein Bühnenprogramm,
[19:24] wir haben einen Podcast, wir hatten zu dem damaligen Zeitpunkt ein Kind.
[19:28] Mein Mann war berufstätig, ich war Vollzeit berufstätig, also wirklich Vollzeit.
[19:32] Und dann gab es halt auch noch das Leben dazwischen. Und all diese Komponenten
[19:36] haben ja am Ende dazu geführt, dass das so kam, wie es kam. Aber jetzt kamen
[19:41] eben die schlauen Ratschläge und die gesagt haben, ja, du musst kürzer treten.
[19:44] Naja, aber wenn du in dieser Situation steckst, wo trittst du denn kürzer?
[19:48] Wo fängst du an, Abstriche zu machen?
[19:51] Ich hätte gar nicht gewusst, wo, um ehrlich zu sein, weil alles irgendwie miteinander
[19:54] zusammengehangen hat. Na, du hättest auch gar nicht die Zeit gehabt, drüber nachzudenken.
[19:59] In den kurzen Momenten, wo ich Zeit hatte, habe ich eigentlich versucht,
[20:02] tatsächlich das Feuer zu löschen, nämlich dessen, dass ich für meinen Sohn da bin.
[20:07] Und das in der heutigen Zeit, also heute sage ich das auch ganz bewusst,
[20:11] ich war für mich teilweise zu wenig da, viel zu wenig da.
[20:15] Hast du denn das Gefühl, dass das, was dir passiert ist, dir vielleicht nicht
[20:18] passiert wäre, wenn nicht Elternschaft dazugekommen wäre? Also glaubst du,
[20:22] dass Eltern besonders anfällig sind für die Situation?
[20:27] Also ich weiß nicht, ob es mir so passiert wäre, wie es mir passiert ist.
[20:30] Und ich glaube schon, dass ein großer Teil dazu mein Papi sein dazugeführt hat,
[20:34] weil ich immer in der Diskrepanz war. Und da komme ich jetzt zu dem Thema.
[20:37] Mein Titel heißt ja, hör auf dein Herz, dein Kopf ist ein Arschloch. Blieb ich übrigens.
[20:42] Dankeschön. Ich hatte immer dieses Gepanz, mein größter Wunsch waren Kinder.
[20:46] Ich wollte immer Eltern sein, ich wollte immer Papa sein und trotzdem wollte
[20:50] ich aber auch immer Karriere und ich glaube, dass viele Menschen dieses Thema
[20:56] Elternschaft auch ein Stück weit bewusst vielleicht unterschätzen.
[20:59] Jetzt haben wir uns wahnsinnig viel damit beschäftigen müssen,
[21:01] Björn und ich, weil so ein Thema Adoptionsprozess und Pflegekindprozess,
[21:04] die sind ja sehr aufwendig. Man beschäftigt sich sehr viel mit dem Thema Elternsein.
[21:09] Im Gegensatz zu, ich nenne es jetzt mal, heterosexuellen Familien,
[21:12] die vielleicht im besten, ich sage im besten Falle, wir wissen,
[21:15] dass das nicht überall ist, aber im besten Falle eine schöne Nacht miteinander
[21:17] haben und die Frau irgendwann schwanger wird und dann haben sie neun Monate
[21:20] Zeit, sich vorzubereiten.
[21:22] Die hatten wir ja in der Form nicht wirklich. Und so, dann bist du Eltern und.
[21:28] Irgendwie, und das waren meine eigenen Treiber, du willst dir aber auch erstmal
[21:31] nichts loslassen, auch wenn du das kognitiv weißt, dass du gewisse Dinge loslassen musst.
[21:35] Und ich kann nur sagen, bei mir kam dann diese große Diskrepanz.
[21:40] Mein Kopf hat immer gesagt, du musst weitermachen. Du musst alles unter einen
[21:43] Hut bekommen, weil das ist Leben.
[21:45] Mein Herz hat aber immer gesagt, und übrigens, das ist heute,
[21:48] zwei Jahre später, sagt mein Herz ganz klar, was ich will, nämlich Papi sein.
[21:52] Scheiß auf Karriere und Scheiß auf Geld, das habe ich auch übrigens umgesetzt,
[21:55] aber mein Herz war viel zu leise, mein Kopf war viel zu stark und.
[21:59] Ich kann nur sagen, noch dazu kommen ja die ganzen Nebenfaktoren.
[22:02] Kinder zu haben ist ja nicht nur immer das Gelbe vom Ei, das darf man auch sagen.
[22:06] Das ist ja auch anstrengend. Ja, Erziehung ist anstrengend, Begleiten ist anstrengend.
[22:10] Kindergarten geht ja noch, Schule wird dann anstrengend. Also wir dürfen ja
[22:13] auch die Rahmenfaktoren nicht vergessen, die noch on top dazukommen.
[22:15] Entwicklung, Vorpubertät, das kommt ja alles dazu.
[22:19] Und unbewusst merkst du ja auch, dass du Themen hast, weil du komisch reagierst auf Dinge.
[22:25] Also das finde ich auch, das kommt ja hinzu. Und du hattest ja einen Haufen
[22:28] Themen, das hast du ja auch nochmal ganz gut ausgeführt im Buch,
[22:30] was für Glaubenssätze du in dir verankert hattest, was für Dinge du übers Leben
[22:34] gelernt hattest. Und dann war da plötzlich ein Kind.
[22:36] Und irgendwie hast du ja wahrscheinlich gespürt, ich will das gar nicht weitergeben,
[22:40] aber ich kann es nicht mal greifen. Ich finde, das ist das. Du kannst das ja nicht mal greifen.
[22:43] Du merkst nur, dass du plötzlich komisch wirst. Genau.
[22:46] Und dass es dir alles zu viel wird. Also ich habe in den ganzen Jahren und jetzt
[22:50] sind wir ja seit knapp neun Jahren Eltern oder acht Jahre Eltern.
[22:54] Ich kann verstehen, dass Menschen manchmal überfordert sind.
[22:57] Ich kann verstehen, dass Menschen sich vielleicht meinem Ton vergreifen.
[23:00] Ich möchte es nicht rechtfertigen und ich möchte auch nicht sagen, dass es gut ist.
[23:03] Aber ich kann das manchmal nachvollziehen, weil manchmal einfach Dinge in deinem
[23:06] eigenen Leben passieren, die einen an die Grenzen bringen und dann noch
[23:10] gepaart mit Eltern sein, mit Entwicklung, mit unterschiedlichen Einflüssen,
[23:14] die ja noch, ich sag jetzt mal, das Schulthema ist ein Riesenthema,
[23:18] dass du irgendwann auch mal die Fassung verlierst.
[23:20] Und auch ich, auch ich wurde mal lauter. Auch mir ist das passiert.
[23:24] Auch ich hab mich mal im Ton vergriffen.
[23:26] Und es sind Dinge, da schäme ich mich, aber sie gehören auch irgendwie dazu.
[23:31] Und ich finde, man muss auch ehrlich zu sich sein und einfach mal zu sagen,
[23:34] ja, am Ende wir sind auch nur Menschen, auch als Eltern und Kinder sind.
[23:38] Für mich ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist,
[23:40] aber es ist auch die größte Challenge und sie halten einem einfach leider wirklich
[23:45] oft genug den Spiegel vor die Nase und ich glaube, es ist ganz wichtig,
[23:48] auch mal in diesen Spiegel zu schauen.
[23:50] Und ich finde das gerade total schön, dass du das auch so formulierst und sagst,
[23:54] weil du weißt ja, wir haben auch eine Pflegetochter, schon ausgezogen ist,
[23:57] schon groß, aber ich finde Pflegefamilie zu sein, erhöht auch noch fast nochmal den Druck.
[24:03] Du gehst ja total bewusst rein und sagst, ich kann das, wir können das,
[24:07] wir können hier zu Hause für ein Kind sein, was schon mit einem Päckchen kommt
[24:12] und dann kriegst du von außen immer,
[24:14] krass und Hut ab und Respekt und ich könnte das nicht und so weiter.
[24:18] Und wenn du dann zu Hause sitzt und die Nerven verlierst und keine gute Mama
[24:23] und auch keine gute Pflegemama oder Pflegepappi oder wie auch immer bist,
[24:27] dann kickt das doppelt, finde ich.
[24:28] Weil das Außenbild so anders ist, weil alle Respekt sagen und man denkt so,
[24:33] wenn du das gerade sehen würdest, wie ich hier gerade faile,
[24:35] wie ich hier gerade am Rande meiner Kräfte einfach nur ein Arsch bin.
[24:40] Finde ich total gut, dass du es sagst. Du hast so recht, weil am Ende wird von
[24:44] uns Pflegeeltern, darf man vielleicht schon mal sagen, unser Sohn ist mittlerweile
[24:47] adoptiert, aber unsere Tochter ist eine Pflegetochter, also wir haben beides.
[24:51] Aber als Pflegeeltern wird man nochmal so besonders begutachtet,
[24:53] weil man hat so eine Art Prüfung gemacht. Jetzt glauben alle,
[24:56] du bist der perfekte Elternteil.
[24:59] Aber wir sind nicht perfekt. Auch wir sind Menschen und auch wir haben Emotionen,
[25:02] Gefühle und mal gewessere, mal schlechtere Tage.
[25:04] Und das ist genau das, was bei mir den Druck zusätzlich erhöht hat.
[25:07] Ich habe mir selber auch teilweise gar nicht erlaubt, mal vielleicht ruppiger
[25:12] mit meinem Sohn umzugehen oder nein zu sagen, weil ich einfach gewusst habe,
[25:16] ja, aber wir tun ja hier gerade was Gutes, ne?
[25:18] Aber das wäre am Ende, auch das gehört ja ein Stück weit zum Leben eines Kindes dazu.
[25:25] Entschuldigung, aber in der Tierwelt,
[25:27] da faucht die Löwin auch ihr Kleines an, wenn es ihr zu viel wird.
[25:30] Da wissen die Löwin-Kinder auch, jetzt reicht es gerade mal.
[25:33] Also ist es ja in der Menschenwelt ähnlich, auch Kinder müssen Grenzen lernen.
[25:37] Aber man erlaubt sich, finde ich, viel schwieriger als Pflegeeltern,
[25:41] weil immer alle glauben, du bist perfekt.
[25:44] Aber wir sind bei weitaus nicht perfekt.
[25:46] Und das muss man sich aber erstmal eingestehen. Und ich kann mir vorstellen,
[25:49] wenn du dann als zwei Männer in so eine Situation reingehst,
[25:52] da wird man ja noch mal mehr begutachtet.
[25:56] Wie nennt man das? Begutachtet. Begutachtet. Ja, abgesehen mal davon,
[25:59] dass es schon visuell auffällt, wenn zwei Männer mit Hand in Hand mit ihrem
[26:02] Kind durch die Straßen laufen und dann auch noch, vielleicht jetzt wie wir
[26:06] als Regenbogenfamilie sowieso regelmäßig erkannt werden, das kommt noch hinzu, aber dann sowieso, wenn.
[26:12] Zwei Männer mit Kind und der eine schimpft oder ich sag mal Situationen wie,
[26:15] keine Ahnung, das Kind brüllt gerade, hatten wir lustiger.
[26:18] Weise neulich erst, dass dann eine Dame kam und sagte auf einer Veranstaltung,
[26:22] soll ich euch die Kleine, die wirklich nie weint, die hat mal drei Sekunden
[26:26] kurz geweint, weil sie übermüdet war, die gesagt hat, soll ich euch die mal abnehmen?
[26:30] Wo ich mir gedacht habe, entschuldige. Also wie übergriffig.
[26:33] Sie hat sicherlich nicht böse gemeint, aber ich wette mit dir,
[26:36] zu dir würde als Frau keine andere Frau hinkommen, komm ich nehme mir das Baby
[26:39] ab und schaukele jetzt meinen Schlaf.
[26:41] Das passiert dir nur als Mann. Das kennt auch glaube ich jeder Papa,
[26:44] der irgendwie irgendwo hingeht. Also mein Mann kam auch öfter mal und hat gesagt,
[26:48] glaubst du es nicht, ne? Also ich hatte keine Mütze dem Kind angezogen und zwei
[26:52] ältere Damen meinten, sie müssten da ihren Senf dazugeben.
[26:56] Letzte Woche waren wir mit unserem Sohn und unserer Tochter in so einem kleinen
[26:59] Freizeitpark und unser Sohn und mein Mann, die sind in die Achterbahn und ich
[27:02] hab mich auf so eine Holzbank gesetzt, wo so ein Schirm war und ich saß,
[27:05] ich schwöre, ich saß noch gar nicht. Ich hab gerade unsere Tochter rangeschoben.
[27:10] Dann hat die Sonne auf ihr Bein geschien und nebendran saß eine ältere Dame und ich schwöre.
[27:17] Wie gesagt, ich saß noch gar nicht, sagte sie zu mir,
[27:19] passen sie auf, ihre Tochter verbrennt sich den Fuß. Aber auch da hast du Glaubenssätze,
[27:24] Christian, weil ich glaube nämlich, das ist nämlich, das ist eine Generation,
[27:27] das ist nämlich tatsächlich, das sind oft ältere Damen
[27:29] und ich glaube, das ist eine Generation, die haben gelernt, dass sie alleine
[27:33] verantwortlich sind für das Wohl von kleinen Kindern und dass sobald ein Mann
[27:37] ins Spiel kommt, sie aufpassen müssen.
[27:39] Genau, dass die Rolle immer noch der Frau zugeschrieben wird.
[27:43] Richtig. Nämlich, dass die Mutter die Rolle der Kindererziehung übernimmt und Richtig.
[27:47] Jetzt sind wir ja, und deshalb, ich sage ja, ich will das auch gar nicht verurteilen,
[27:50] dass diese Menschen das getan haben. Nur ich will dir Beispiele nennen,
[27:53] dass es als Mann immer noch passiert und wir eben immer noch nicht so weit in
[27:56] der Gesellschaft sind, dass Menschen sagen, ah ja, der Papa kann das genauso gut wie die Mama.
[28:01] Also als Vater wirst du ja, das höre ich immer auch von heterosexuellen Papas,
[28:05] die dann mit ihren Kindern auf den Spielplatz gehen, da würde dann plötzlich
[28:09] die Mütter sagen, oh wie toll, dass mal der Papa auf den Spielplatz geht.
[28:12] Jetzt mal ernsthaft, wirst du als Frau gelobt, wenn du mit deinem Kind auf den
[28:15] Spielplatz gehst? da geht man schon fast davon aus, das ist Standard.
[28:18] Und als Vater kriegst du die Lorbeeren.
[28:20] Das sollte doch einfach für jeden gleichberechtigt der Standard sein.
[28:23] Und du hast mir auch erzählt, dass du manchmal gefragt oder dass ihr manchmal
[28:27] gefragt werdet, wer von euch ist denn die Mama?
[28:28] Finde ich total lustig, weil das ja quasi sofort zeigt, dass da eine Rolle zugeschrieben
[28:34] wird von, wer ist der Kompetente von euch beiden? Also irritierend einfach.
[28:38] Aber super gutes Stichwort, weil mich nämlich tatsächlich auch nochmal interessiert,
[28:42] wir haben ja gerade darüber gesprochen, dieses Funktionieren müssen,
[28:44] dieses Weitermachen, dieses Signale ignorieren, einfach immer über die eigenen Grenzen hinausgehen.
[28:49] Das finde ich total spannend. Ihr lebt ja sozusagen...
[28:54] Geschlechterklischee frei. Ihr könnt nicht sagen, du bist die Mama,
[28:57] also, weil das macht ihr ja nicht.
[28:58] Und das finde ich einen total spannenden Punkt, weil bei euch bist du es dann
[29:02] gewesen, der zusammengebrochen ist, weil du diese Glaubenssätze in dir getragen
[29:05] hast und viel Geschichte hattest.
[29:07] Was glaubst du, wer ist es in heteronormativen Familien, wer ist es?
[29:12] Ist es die Mama, ist es der Papa, der eher Diskrepanz fühlt?
[29:15] Weil du hast es gerade gesagt, du bist immer zur Arbeit gegangen,
[29:18] obwohl du bei deinem Sohn sein wolltest. Das wäre eher der Papa.
[29:21] Aus meinem Umfeld sehe ich aber, am Zusammenbrechen sind vielleicht eher die
[29:24] Mütter oder reden sie mehr drüber? Also ich finde es gerade ganz spannend, was du dazu denkst.
[29:28] Wow, da hätte ich viele Thesen dazu und verzeih mir bitte, ich möchte niemanden
[29:33] auf den Fuß treten, aber ich könnte vielleicht mal ein bisschen ein paar Thesen aufstellen.
[29:37] Ich glaube, dass es tatsächlich öfters die Mütter sind, die zusammenbrechen,
[29:40] weil ich glaube, dass ganz viele Mamas da draußen auch mit diesen Glaubenssätzen
[29:45] konfrontiert sind. Sie sind ja jetzt die Mutter und sie müssen immer fürs Kind da sein. Und als Mama.
[29:50] Arbeitet man weniger, geht gar nicht arbeiten, weil der Mann bringt ja das Geld
[29:54] ins Haus. Das kommt ja auch immer so ein bisschen darauf an,
[29:55] welche Glaubensätze hat der Mann, hat die Frau, wie ist die kombinierbar.
[30:00] Jetzt gehen wir mal davon aus und ich weiß aus vielen Gesprächen heraus,
[30:03] dass viele Mamas gerne arbeiten wollen würden, die es sich aber selbst nicht
[30:07] erlauben, weil sie dann glauben, sie sind eine schlechte Mutter,
[30:10] weil das Kind vielleicht zwei Stunden länger in der Kita ist oder weil es vielleicht
[30:13] überhaupt in die Kita muss.
[30:14] Und viele, glaube ich, Mamas auch ein Stück weit sich überfordern in der Akzeptanz,
[30:21] auch einfach mal keine gute Mama heute gewesen zu sein.
[30:24] Also ich hoffe, man versteht mich richtig, sondern sich zu erlauben,
[30:27] dass man vielleicht mal heute nicht auf den Spielplatz gegangen ist.
[30:31] Oder dass man vielleicht heute einfach mal weniger sich mit seinem Kind beschäftigt
[30:34] hat. Ich finde, das ist auch mal okay.
[30:37] Also Kinder müssen ja auch ein Stück weit lernen, auch mal eine gewisse Langeweile
[30:41] auszuhalten oder auch mal mit sich selber zu beschäftigen.
[30:43] Und ich glaube, dass viele sich das nicht erlauben, viele haben auch dieses
[30:47] Thema, dass sie manchmal vielleicht auch überfordert sind, denn ich kann nur
[30:52] aus meiner eigenen Erfahrung heraus sprechen, Eltern sein ist manchmal anstrengender
[30:57] als jeder Job dieser Welt, finde ich.
[30:58] Ich kenne beide Seiten und ich bin gerade aktuell in Elternzeit,
[31:01] ich war jetzt gerade aktuell fünf Tage allein mit unseren beiden Kindern,
[31:04] ich habe das total genossen, aber ich ziehe den Hut vor jedem,
[31:08] der das permanent hat, ich ziehe den Hut vor jedem Alleinerziehenden,
[31:11] egal ob Mann oder Frau, denn.
[31:14] Das ist wirklich teilweise, finde ich, fordernder als jedes Personalgespräch, das ich führen musste.
[31:19] Und da geht es einfach darum, dass das immer noch nicht wirklich anerkannt wird
[31:22] und gesehen wird. Und ich glaube, dass, wie gesagt, dass Mamas ganz oft in diesem
[31:27] Thema drin sind, dass sie sich nicht erlauben, auch mal zu sagen,
[31:31] ich brauche eine Auszeit, weil als Mama machst du das nicht.
[31:33] Wiederum glaube ich aber auch, dass die Papas sich nicht erlauben möchten zu
[31:38] sagen, hey, ich würde jetzt gerne mal Elternzeit nehmen, weil was sagen denn
[31:41] die anderen, wenn der Mann plötzlich zu Hause den Abwasch macht?
[31:43] Es gibt immer noch genug für diesen Rollenklischees, der Mann plötzlich die
[31:46] Waschmaschine bedient, die Frau arbeiten geht, die Hüterin, die Frau geht arbeiten.
[31:49] Es gibt Gott sei Dank viele moderne Familienkonstellationen,
[31:52] aber es gibt auch mindestens genauso viele, die noch in diesen alten Mustern verharren.
[31:55] Und ich glaube, dass diese alten Muster, wenn man sich nicht erlaubt,
[31:58] auf sein Herz zu hören und raus aus diesen Rollenklischees zu gehen,
[32:02] dass die einen auch zu dieser Art von Burnout bringen können,
[32:05] weil man einfach, du musst selber glücklich sein, um dass du ein Stück weit,
[32:10] also glücklich sein heißt für mich auch Energie zu bekommen,
[32:12] aus mir selbst heraus und wenn ich das nicht habe, dann bin ich irgendwann leer.
[32:17] Aber glaubst du, dass Papas sich vielleicht auch ein bisschen,
[32:20] also jetzt reden wir sehr über einen Kamm geschert und es gibt ganz viele andere,
[32:23] aber glaubst du auch, dass Papas sich,
[32:25] manchmal auch zu sehr rausziehen im Sinne von, ich bin ja nur der Papa und in
[32:30] diesen klassischen Familien hast du ganz oft dieses, ach das Kind will eh nur
[32:33] von der Mama ins Bett gebracht werden, weil die Stillzeit eben hart kickt.
[32:38] Ja, man kann das natürlich gut verargumentieren in dem Moment.
[32:40] Aber was sagst du aus deiner Rolle raus? Also, weil ihr könnt das ja nicht.
[32:44] Ihr könnt ja nicht irgendwie eine Frau einfach nehmen und sagen,
[32:47] so, die ist jetzt irgendwie, keine Ahnung, kuscheliger. Was weiß ich,
[32:50] was man da als Ausrede nimmt.
[32:52] Also am Ende ist es auch bei uns natürlich irgendwie so, dass wir gewisse Rollen
[32:58] haben. Also Rollen im Sinne dessen, was uns auch das Kind zuschreibt.
[33:02] Jetzt bin ich Papi, mein Mann ist Papa.
[33:05] Wir mögen es nicht wirklich gerne in Rollenklischees zu sprechen und zu denken,
[33:09] weil wir sind zwei Männer und wir sind nun mal keine Frau. Aber nichtsdestotrotz
[33:13] kann ja jeder von uns irgendwas besonders gut.
[33:15] Und ich sage jetzt mal ein Beispiel. Ich bin bei uns in der Familie tatsächlich
[33:19] so der Kümmerer. Ich bin so der, unser Baby, das ist für mich gerade die schönste
[33:24] Erfahrung überhaupt, weil unser Sohn, der war knapp ein Jahr,
[33:27] unsere Tochter durften wir aus dem Krankenhaus abholen.
[33:29] Ich liebe dieses Bemuttern, dieses Dasein, dieses mich hinzugeben.
[33:33] Das ist tatsächlich so ein Thema, da lebe ich mich gerade sehr aus.
[33:37] Mein Mann ist eher so der Typ von, ich erkläre dir die Welt und ich möchte mit dir entdecken.
[33:41] Und wir teilen uns da ganz gut darin auf. Und trotzdem ist es so,
[33:45] wenn ich jetzt zum Beispiel mal, ich war jetzt gerade viel unterwegs,
[33:48] was das Thema Buch angeht, dass mein Mann aber auch die andere Rolle übernehmen
[33:51] kann. Genauso kann ich aber auch mal die Erklärrolle übernehmen.
[33:54] Auch wenn, oder die, ich sag mal, mein Mann hat so ein Ritual,
[33:56] der liest jeden Abend unserem Sohn vor, ich lese nicht gerne vor,
[33:59] ich mach's aber trotzdem, wenn er nicht da ist, weil es ein Ritual für unseren
[34:02] Sohn ist und dann, ne, dann geb ich mir Mühe und.
[34:05] Ich finde, es ist eine Sache des Wollens und auch des Eingestehens.
[34:08] Und lustigerweise, das schreibe ich übrigens auch in meinem Buch über das Thema
[34:12] Scham, manche schämen sich tatsächlich einfach auch und manche Männer schämen
[34:16] sich auch einfach mal zu sagen, hey, ich mache gerade einen Haushalt oder ich
[34:19] unterstütze meine Frau. Und ich finde das so schade. Es ist doch völlig egal.
[34:23] Dieses ewige Rollendenken, ich muss aber das, oder noch viel besser ist,
[34:27] als Mann muss ich der Ernährer sein und muss für meine Familie sorgen.
[34:31] Ich finde das total schwierig in der heutigen Zeit. Voll. Ich finde es aber
[34:34] auch lustig, dass es andersrum auch ein bisschen so ist.
[34:36] Also ich finde es manchmal ein bisschen lustig, wenn ich so erzähle,
[34:42] den Kuchen hat mein Mann gebacken. Ich kann gar nicht backen.
[34:44] Mein Mann kann wunderbar backen. Der backt wirklich ohne Rezept und macht die
[34:48] besten Apfelkuchen und keine Ahnung.
[34:50] Es ist immer so ein kurzer, irritierender Moment, wenn ich sage,
[34:53] den hat mein Mann gebacken.
[34:54] Und das ist das, was ich so schräg finde. Aber das beschämt auch mich in dem
[34:57] Moment ein bisschen, weil das wirkt immer so, als würde ich nicht performen.
[35:01] Also als könnte ich etwas nicht, was ich eigentlich doch können müsste.
[35:05] Genau. Und das ist auch irgendwie echt spannend. Aber,
[35:09] Ja, also. Wir müssen nicht alles können. Also egal wie, und ich zum Beispiel
[35:14] auch, mein Mann, der baut hier echt die größten Dinge bei uns im Haus.
[35:18] Ich habe gar nicht die Ambition zu sagen, ich muss das können.
[35:20] Genauso wie er zum Beispiel sagt, wow, ich bin echt beeindruckt,
[35:23] wie du teilweise unser Baby handelst. Also wie du das machst.
[35:27] Und wo er auch manchmal sagt, ja, ich habe da vielleicht gar nicht so.
[35:32] Das Gefühl dafür oder den Draht dafür.
[35:34] Und manche Dinge musst du auch nicht. Ich finde viel wichtiger ist,
[35:37] sich einzugestehen und zu sagen, ja, es ist Dinge, die kann ich gut oder die
[35:40] Dinge kann ich weniger gut und wir teilen es auf und das ist völlig egal,
[35:44] welches Geschlecht wer hat.
[35:45] Wie gesagt, es gibt auch sicherlich manchmal die Papas, die vielleicht etwas
[35:49] ruhigeren sind als die Mamas gerade.
[35:51] Dann nur, weil man sagt, die Mutter muss jetzt aber das Kind ins Bett bringen,
[35:55] das ist, finde ich, der völlig falsche Weg.
[35:57] Auch mal zu sagen, und das möchte ich auch noch kurz hinzufügen,
[36:00] das erlebe ich tatsächlich im Freundeskreis, mal nicht zu benennen,
[36:04] dass man jetzt gerade vielleicht eine Auszeit braucht.
[36:06] Also sich nicht zu erlauben, mal zu seinem Partner zu sagen,
[36:09] bitte nimm du jetzt mal die Kinder, ich brauche jetzt diese Stunde für mich,
[36:12] ich muss Energie sammeln und Luft holen.
[36:15] Ich erlebe das oft genug im Freundeskreis, dass viele schimpfen darüber,
[36:19] aber sie das nicht aussprechen, aus Angst oder Scham oder wie auch immer dem
[36:22] Partner gegenüber Schwäche zu zeigen.
[36:25] Und das finde ich ganz dramatisch. Ja, dieses, ich bin nicht genug,
[36:27] wenn ich nicht funktioniere.
[36:29] Richtig, genau. Ich finde es auch sehr spannend, in deinem Buch geht es ganz,
[36:32] ganz viel, auch um deine Kindheit, um deine Jugend.
[36:35] Ich fand das so spannend, weil du letzten Endes hast du die Quintessenz,
[36:38] also das, was du dir erarbeitet hast, woher es kommt, hast du einmal so wirklich
[36:43] chronologisch aufgeschrieben.
[36:44] Und das wurde so logisch und ich glaube, dass dein Buch ein Bestseller geworden
[36:48] ist, rührt auch daher, dass man automatisch.
[36:53] In seinen eigenen Schubladen mal kramt und sagt, okay, was sind eigentlich meine
[36:56] Glaubenssätze, was bewegt mich dazu, manchmal so über meine Grenzen hinauszugehen,
[37:02] warum habe ich mich entschieden, diesen und jenen Weg einzuschlagen oder eben auch nicht.
[37:07] Ich finde ich super spannend, was du da gemacht hast. Was ist so ein Learning
[37:11] aus deiner Therapie? Du hast ja dann wirklich sehr viel Therapie und auch sehr
[37:14] intensiv, also wirklich auch mit stationärem Klinikaufenthalt hinter dir.
[37:18] Was ist so etwas, wo du sagst, mein Gott, hätte ich das gewusst?
[37:22] Es ist so greifbar für mich jetzt. Ich wäre nie da gelandet,
[37:25] wo ich gelandet bin, wenn ich das gewusst hätte.
[37:27] Also heute, zwei Jahre später, wenn ich dann da sitze und sage,
[37:30] hätte ich gewusst, dass mein Leben nicht daraus besteht, Karriere zu machen
[37:36] und einen Titel zu haben und immer erfolgreich zu sein, dann wäre ich da nie
[37:40] gelandet, denn heute weiß ich zwei Jahre später.
[37:43] Mein Leben war im Herzen eigentlich jemand anderes. Ich bin jemand,
[37:47] der sehr, ich bin selber in einer großen Familie groß geworden.
[37:50] Mein größter Wunsch war schon als kleiner Junge immer Kinder zu haben und wenn
[37:54] es irgendwie nach mir ging, hätte ich wahrscheinlich noch zwei mehr,
[37:57] also wahrscheinlich hätte ich vier Kinder, schätze ich mal, oder so, drei oder vier.
[38:01] Allerdings wäre ich dann auch ein bisschen jünger gewesen. Ich glaube,
[38:04] ich wäre nie Führungskraft geworden, wenn ich das Wissen von heute hätte.
[38:07] Weil es gab oft Situationen in meinem Leben, wo ich gegen meine eigenen inneren Werte gearbeitet habe.
[38:13] Ich sage jetzt mal ein Beispiel. Wie oft musste ich Menschen mit unangenehmen
[38:17] Situationen konfrontieren, weil sie vielleicht Mist gebaut haben im Unternehmen?
[38:21] Wie oft musste ich Abmehnungen schreiben?
[38:23] Wie oft habe ich Situationen vor mir gehabt mit Menschen, die vor mir geweint
[38:26] haben und sich bitterlich erklärt haben, warum Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind?
[38:30] Und ich habe sie im Herzen verstanden. Ich durfte sie aber aus Grund meiner
[38:34] Rolle, durfte ich sie so nicht verstehen,
[38:37] weil ich natürlich auch einen Auftrag hatte in meiner Rolle und musste natürlich
[38:39] auch im Sinne des Unternehmens handeln und wie oft habe ich gemerkt,
[38:43] dass ich hier komplett gegen meine inneren Werte arbeite und heute weiß ich eben,
[38:48] dass ich das am Ende gar nicht war, sondern.
[38:51] Dass ich das war, weil mich Glaubenssätze und Werte, die mich wie gesagt sehr
[38:55] früh geprägt haben und das ist auch etwas, was ich heute immer wieder versuche,
[38:58] in diversen, auch jetzt hier in diesem Podcast, immer wieder klar zu machen,
[39:02] wie stark wir als Eltern Einfluss auf die Glaubenssätze unserer Kinder haben.
[39:06] Und wenn man sie natürlich nicht selber hinterfragt, gibt man automatisch Glaubenssätze
[39:10] weiter und ob die wirklich gut sind. Und jeder Mensch, jeder hat Glaubenssätze.
[39:14] Jeder. Braucht man ja auch.
[39:16] Genau. Aber du musst sie halt erkennen und du musst halt schauen, sind die wirklich gut?
[39:21] Gehören die zu mir, ne? Ja, ich sag jetzt mal so ein Beispiel und das höre ich
[39:25] immer wieder, keine Ahnung, auf dem Spielplatz, wo auch immer,
[39:28] wo Eltern eben sind, wenn dann irgendwie das Kind sagt, keine Ahnung,
[39:32] ich möchte gern Baggerfahrer werden.
[39:34] Dann habe ich schon öfters gehört, ja Schatz, aber dafür dienst du ja kein Geld.
[39:39] Was ist das für ein Glaubenssatz, was du meinem Kind damit vermittelst?
[39:42] Also um was geht es am Ende? Übrigens ein Glaubenssatz, den ich jahrelang gehört
[39:45] habe, dass Flutbegleiter nur eine Saftschubse ist und ein Kellner in der Luft. Ach schön.
[39:50] Wir sind so Kleinigkeiten, wo wir unsere Kinder so prägen und die am Ende,
[39:55] ich bin das beste Beispiel dafür, auch komplett in eine andere Richtung gehen können.
[40:00] Die nämlich krank machen können. Ja, voll. Du hast auch in dem Buch beschrieben,
[40:04] dass du dann irgendwann Familienaufstellungen gemacht hast und ganz bewusst
[40:08] die Themen und die Glaubenssätze und so weiter den Menschen zurückgegeben hast, zumindest imaginär,
[40:14] die nicht zu dir gehören.
[40:16] Glaubst du, das ist eine ganz ernst gemeinte Frage, überhaupt nicht irgendwie
[40:20] suggestiv, sondern es interessiert mich wirklich. Glaubst du,
[40:22] dass man auch selbst diese Arbeit machen kann irgendwie? Also so mit bewusstem
[40:27] Nachdenken oder braucht es da Dritte?
[40:30] Ich glaube fest daran, was meine Erfahrung, die ich jetzt gemacht habe,
[40:34] ich glaube, es brauchen dritte Personen.
[40:36] Denn ich würde, also sich selber zu heilen, ist glaube ich fast unmöglich,
[40:42] wenn dir keiner hilft, diesen Weg zu gehen der Selbstheilung.
[40:47] Denn die beste Therapie ist nur dann erfolgreich, wenn du auch wirklich was verändern möchtest.
[40:52] Und auch nur dann wirklich greift diese Therapie, wenn du offen bist,
[40:56] dir selbst ehrlich und ohne Kompromisse in den Spiegel zu schauen und zu sagen,
[41:00] hey, ja, das bin ich und das gehört dazu.
[41:04] Nur dann funktioniert jede Therapie. Du könntest den besten Psychologen haben,
[41:06] der kann noch so viel mit dir reden.
[41:08] Das bringt nur wirklich was, wenn du offen dafür bist. Aber du brauchst Menschen
[41:12] auf einer anderen Seite und dazu zähle ich wirklich keine Freunde,
[41:16] auch kein Partner, weil die immer ein Stück weit befangen sind in dem,
[41:21] was sie wissen, wie sie handeln, wie sie reden.
[41:23] Habe ich selber erlebt, sie meinen es alle gut, aber am Ende des Tages haben
[41:26] sie alle eine Prägung, weil man sich so lange kennt.
[41:28] Du brauchst eine neutrale Person, weil da auch eine gewisse Schamgrenze dann
[41:32] abfällt, wenn du plötzlich mit jemandem sprichst, der dich nicht kennt.
[41:36] Und der Dinge anders beleuchtet und ich bin ein großer Fan davon,
[41:40] egal ob Familienaufstellung, Therapeut, Coach, was auch immer,
[41:44] es kann alles der erste Anlauf sein, aber
[41:46] zu gucken, dass man jemanden findet, der anders auf sein Thema schaut und der
[41:50] manchmal auch ganz andere Fragen stellt, die man sich selber niemals stellen
[41:54] könnte, weil man, ich sag mal, der blinde Fleck, weil man es einfach gar nicht sieht,
[41:58] und deshalb bin ich ein großer Fan davon.
[42:00] Schön, das von dir so nochmal zu hören. Ich wusste jetzt auch nicht, was du sagen würdest.
[42:05] Du hast geschrieben, das ist ja auch in deinem Titel, hör auf dein Herz,
[42:07] dein Kopf ist ein Arschloch, man kann es nicht oft genug sagen, es ist wunderschön.
[42:11] Wie sieht das im Alltag aus? Was machst du konkret anders als vor deinem Zusammenbruch?
[42:14] Wie sieht es aus, wenn man wirklich auf sein Herz hört?
[42:17] Dann sieht es so aus wie bei mir, dass du dann plötzlich Nachrichten bekommst
[42:20] bei Instagram, wie ich tatsächlich vor wenigen Tagen bekommen habe,
[42:22] wo eine Follower in mir geschrieben hat, sag mal Christian, ist dein Leben eigentlich
[42:26] nicht todlangweilig, du bist nur noch zu Hause?
[42:29] Da habe ich echt gelacht und habe mir gedacht, wenn du wüsstest, du hast keine Ahnung.
[42:33] Mein Leben sieht so aus, dass ich super gerne das tue, was ich tue.
[42:38] Ich bin wahnsinnig gern bei Instagram, ich lasse mir wahnsinnig gerne Videos
[42:41] einfallen. Das ist alles, das liebe ich, aber ich tue es selbstbestimmt.
[42:47] Mein Leben sieht so aus, dass ich gerade...
[42:50] Die größte Zeit mit meinen Kindern nutze, weil ich weiß, dass diese Zeit endlich
[42:55] ist und ich gerade mir ganz viele Themen weggeschafft habe, die mir Energie
[43:00] rauben. Beispielsweise auch das Thema toxische Freundschaften.
[43:04] Ich habe Menschen fallen lassen, wo ich gemerkt habe, die rauben mir Energie,
[43:08] weil es nur um sie geht, weil es nur um den Job geht, weil es nur um Negatives geht.
[43:12] Also ich habe mir ganz viele Inseln geschaffen und ich bin heute jemand,
[43:15] ich ruhe sehr in mir selbst. Nämlich regen wenig Dinge tatsächlich auf,
[43:20] was mich früher total aufgeregt hat.
[43:21] Ja, manchmal, das ist normal, regt man sich auch mit das eine oder andere Thema
[43:25] auf. Aber ich sage Dinge ab oder ich sage erst Dinge gar nicht zu,
[43:28] wo ich von vornherein weiß, die stressen mich, weil ich sie eigentlich gar nicht machen möchte.
[43:33] Ich habe in diesen wirklich zwei Jahren so unglaublich viel über mich selber
[43:36] gelernt, auch Nein sagen zu dürfen.
[43:38] Und ich genieße jeden einzelnen Tag. Ich habe jetzt fünf Tage,
[43:42] wie gesagt, mit den Kindern alleine verbracht und ich fand es einfach großartig,
[43:44] einfach fünf Tage hintereinander bei geilstem Wetter, dem Großen im Pool zu
[43:48] sein und die Kleinen in ihrem Babypool zu haben.
[43:50] Und ich hatte nie das Gefühl, auf die Uhr zu schauen und zu sagen,
[43:52] oh Gott, ich muss noch das und das und das machen. Und das ist der ganz große Unterschied.
[43:56] Ach schön. Ich habe letztens jemanden gehört, der hat gesagt,
[43:59] er ist ein Freundschafts-Messi.
[44:00] Das fand ich sehr, sehr lustig und das beschreibt das so ein bisschen, weil
[44:03] tatsächlich ist es ja so, je älter du wirst und je mehr Lebensphasen du hinter
[44:07] dir hast, desto mehr trägst du ja Menschen mit in dein neues Leben,
[44:10] in immer weitere Phasen und behältst dann Leute, die vielleicht gar nicht so
[44:15] viel mit dir anfangen können oder.
[44:17] Solche Leute, die dann zum Beispiel langweilig finden, dass du jetzt nur noch
[44:20] zu Hause bist oder die kein Verständnis haben, wenn du eben bei einem fiebrigen
[44:23] Kind lieber selber bleibst und sagst, ich lasse jetzt nicht meinen Partner.
[44:26] Alleine mit einem fiebernden und einem topfitten Kind, mach ich nicht.
[44:29] So, ich glaube, das ist echt schön. Es gibt viele Menschen, die sich auch von
[44:32] mir abgewandt haben, weil sie einfach der Meinung sind, ja, ich bin nicht mehr.
[44:37] Der Christian, der ich vorher war, weil, ne, am Ende. Gott sei Dank.
[44:40] Ja, Gott sei Dank, aber ich sag halt, nein, ich hab ne Meinung und ich lass
[44:43] mir Dinge halt einfach nicht mehr gefallen und ich hab wirklich gelernt und
[44:47] das hört sich, das sag ich nicht einfach nur so, sondern ich höre viel,
[44:49] viel, viel, viel mehr auf mein Herz.
[44:51] Ich hab wirklich, meinem Kopf, dem hab ich echt ne Sperre gegeben,
[44:54] Weil mein Kopf versucht es immer mal wieder. Es gibt immer wieder Situationen,
[44:58] wo auch Glaubenssätze versuchen durchzukommen. Es wäre gelogen zu sagen, die gibt es nicht mehr.
[45:03] Manche Glaubenssätze sind so tief drin, die gibt es. Aber das Thema ist, wie gehe ich damit um?
[45:09] Wie bewusst bist du damit auch? Absolut. In meinem Buch schreibe ich auch darüber,
[45:13] die meistgestellte Frage, gerade abgesehen davon, wer ist von euch die Mama.
[45:17] Die immer noch so präsent ist, ist, bist du geheilt?
[45:20] Und diese Frage ist eine Frage, wo ich immer darauf antworte und sage,
[45:24] nein, ich bin nicht geheilt, weil du wirst nie geheilt, weil das Leben,
[45:28] wir löschen, genauso schreibe ich es auch im Buch, wir löschen ja keine Kapitel.
[45:31] Und das Leben ist ja auch passiert bis dahin und es ist auch gut,
[45:35] dass es so passiert ist zum Teil, aber es ist ja viel wichtiger,
[45:39] auch nach vorne zu gucken und,
[45:41] Zu wissen, wie arbeite ich mit den Glaubenssätzen, wie nehme ich sie an,
[45:45] auch Symptomatiken. Manchmal meldet sich bei mir der ein oder andere Zahn immer
[45:48] noch und dann weiß ich aber genau, ah okay, du willst mir sagen, das ist gerade too much.
[45:53] Und es hört sich total spirituell an und ich bin überhaupt nur spirituell,
[45:57] aber ich rede manchmal mit meinen Zähnen oder mit meinen Zahnschmerzen,
[46:00] sage ihnen, hey, ich habe euch wahrgenommen, danke, dass ihr da seid,
[46:02] aber jetzt geh wieder mit, hör auf mich zu ärgern.
[46:05] Das hört sich echt komisch an, aber es funktioniert so. Es funktioniert einfach.
[46:10] Aber das ist ja nicht spirituell, sondern das ist im Prinzip Neurowissenschaft,
[46:13] kann ich dir jetzt mal so sagen. Ja, ich habe das Wort spirituell oft gehört,
[46:16] deshalb nenne ich das immer. Aber es ist wirklich so.
[46:18] Nee, ich verstehe, was Leute meinen, aber ich glaube, dass es Neurowissenschaft
[46:21] ist, da einfach deutlich zu sagen.
[46:22] Weil man sagt ja immer, Gefühle wollen gesehen werden und Schmerz will gefühlt
[46:26] werden und so weiter. Aber in dem Moment, in dem du den Spot drauflegst und
[46:30] sagst, ich sehe das und so weiter, dann ist die Arbeit ja auch getan von dem
[46:33] Schmerz, von dem Gefühl.
[46:35] Im Übrigen, Tine, das bringt mich noch zu einer guten Sache,
[46:38] denn gerade als Eltern, ich weiß es selber, man sagt immer, es wird alles besser,
[46:42] die werden älter und es wird schon wieder besser, das Thema wird schon wieder.
[46:45] Ich kann wirklich sagen, jeder Mensch hat irgendwelche Themen und gewisse Themen,
[46:50] weil du es gerade gesagt hast, wollen gehört werden.
[46:52] Egal wie alt die Kinder sind, egal was man, wenn man glaubt, es wird wieder besser.
[46:57] Es gibt Themen im Leben, die werden dich so lange begleiten und die werden so
[47:02] lange zum Vorschein kommen, bis du ihnen den Raum gibst, dass sie gesehen werden.
[47:06] Und das kann ich wirklich mit gutem Gewissen sagen, für alle,
[47:09] die diesen Podcast auch hören, auch wenn sie manchmal schwächer werden, die kommen wieder.
[47:13] Die kommen so lange, bis du ihnen den Raum gibst. Und das habe ich leider schmerzhaft lernen müssen.
[47:18] Glaubst du, dass man das als Eltern auch machen kann? Also den Themen der Kinder
[47:21] schon Raum geben? Absolut.
[47:24] Klar. Also was meinst du mit Themen? Ja, also man hat ja immer wiederkehrende
[47:30] Themen mit seinen Kindern.
[47:32] Bei vier Kindern weiß ich, das sind bei allen vier Kindern immer sehr wiederkehrende,
[47:36] unterschiedliche Themen, mit denen sie von klein auf zu einem kommen.
[47:40] Und auch bei der 20-Jährigen denke ich mir, so warst du ja schon immer.
[47:44] Das war ja wirklich so. Elke sagt das immer hier, unsere Diplom-Psychologin.
[47:48] Und das stimmt einfach. Es gibt bestimmte Dinge, die kommen immer wieder.
[47:52] Und das sind schöne Dinge, aber es sind manchmal eben auch Dinge,
[47:55] die es dem Kind schwer machen, die es vielleicht den anderen auch mit dem Kind
[47:58] schwer machen, wenn man der Sache Raum gibt.
[48:02] Kann dann vielleicht schon so
[48:03] eine Heilung beginnen, ehe es sich so einbrennt? Weißt du, was ich meine?
[48:07] Also ich wünsche jedem, dass er so selbstreflektiert ist, dass er dahin guckt.
[48:12] Viele Menschen können das auch gut, viele können es nicht so gut.
[48:15] Aber wenn man das gut kann, glaube ich schon, dass man auch gut vorbeugen kann
[48:19] und dass man auch vielleicht gewisse Dinge abwenden kann, dass es schlimmer wird.
[48:23] Also wie gesagt, ich dachte auch immer, ich bin super gut selbstreflektiert,
[48:27] mein Körper hat mir was Besseres belehrt, zumindest was dieses Thema angeht, über das ich schreibe.
[48:32] Und ja, umso mehr Raum man manche Themen gibt oder umso ehrlicher man zu sich
[48:36] selbst ist, umso weniger, glaube ich, wird es einem vielleicht auch die Schuhe ausziehen.
[48:40] Das glaube ich schon. Ja, vor allem lernt man es wahrscheinlich auch von den Eltern.
[48:43] Genau. Und deshalb rede ich ja auch so gerne und so offen darüber.
[48:46] Und auch das ist ja der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe,
[48:49] weil ich gerne Menschen zeigen möchte und Mut machen möchte und sagen möchte, hey, guck da mal hin.
[48:55] Und das, was du gerade spürst oder erlebst, ist wahrscheinlich normal.
[48:58] Also es gehört zum Leben dazu, aber es kann halt in die eine oder andere Richtung
[49:04] gehen, wenn du nichts tust.
[49:05] Und das war für mich die Intention und der Impuls und deshalb bin ich so dankbar,
[49:09] dass ich darüber sprechen darf und auch so ehrlich darüber sprechen kann.
[49:13] Dafür bin ich auch total dankbar, weil ich glaube wirklich, die Leute,
[49:15] die uns gerade zuhören, dass es vielen davon auch so geht wie mir beim Lesen des Buches.
[49:20] Ich hatte wirklich dieses Gefühl, so ein bisschen hat es auch so ein Unwohlsein
[49:24] hervorgerufen, weil wenn du jetzt nicht seit zwei Jahren dich so intensiv mit
[49:29] dir selbst beschäftigst, dann merkst du natürlich schon, dass es da wohl Fragen
[49:33] gibt, die man sich auch mal stellen könnte.
[49:35] Und gerade finde ich, was du angesprochen hast, diese Diskrepanz zwischen was
[49:39] will mein Herz und was glaube ich eigentlich, was ich leisten müsste,
[49:42] machen müsste und so weiter.
[49:43] Das finde ich schon auch eine Frage, die kann man gut mal bewegen.
[49:47] Wir haben nicht mehr so viel Zeit, aber es sind noch 100 Millionen Themen in
[49:51] meinem Kopf und Fragen in meinem Kopf.
[49:53] Zum Glück beantwortest du viele davon in deinem Buch, sodass man einfach auch
[49:57] den Leuten sehr gut ans Herz legen kann. Lest dieses Buch, es ist wirklich toll.
[50:02] Wunderschön. Und das ist deshalb so wunderschön, weil es ist keine Beschreibung,
[50:08] sondern es ist was Tieferes als eine Beschreibung.
[50:11] Da ist so viel Akzeptanz, Verständnis für dich selbst. Da ist so viel Selbstmitgefühl,
[50:16] aber kein Selbstmitleid.
[50:18] Das ist einfach, also es sind wunderschöne Zeilen, die man echt gut lesen kann
[50:21] und von denen man viel mitnehmen kann ins Leben.
[50:25] Danke, Tine, dass du sagst. Ja, ich sage immer, und das ist mir immer ganz wichtig,
[50:28] also A ist dieses Buch kein Ratgeber.
[50:30] Es ist eine Geschichte, von einem Menschen, von einem Christian.
[50:33] Ich bin niemand Besonderes und vor allen Dingen bin ich kein Psychologe und
[50:37] kein Therapeut. Und ich habe meine Geschichte aufgeschrieben.
[50:39] Ich kann vielleicht noch ein paar Wörter teasen, da geht es um das Thema Mobbing,
[50:42] es geht um das Thema Gewalt, es geht um wie gesagt Glaubenssätze,
[50:45] um Werte, es geht um alkoholkranke Großeltern.
[50:47] Das ist wirklich ganz, ganz viele Themen. Es geht um meinen eigenen Abbruch
[50:50] meiner eigenen Familie, den Kontaktabbruch.
[50:52] Also ich schreibe über ganz, ganz viele Themen und sicherlich wird sich der
[50:55] eine oder andere wiederfinden in diesem Thema. Aber was mir ganz wichtig war,
[50:59] es ist meine Geschichte, mit der ich versuche, anderen Mut zu machen,
[51:02] ohne zu sagen, ich bin ein Therapeut und du musst, du musst, du musst, du musst.
[51:06] Beim Lesen der Geschichte, ich glaube, da gibst du mir Recht,
[51:08] fängst du ja automatisch an, ein Stück weit auch deine eigenen Themen zu hinterfragen
[51:11] und vielleicht mal hinzuschauen. Das war mir wichtig, dass ich das erreichen
[51:14] konnte. Und dafür bin ich dankbar, dass du das gesagt hast. Danke,
[51:17] dass du es gerade auch nochmal gesagt hast.
[51:19] Ja, und gerade das Thema Mobbing, also auch da finde ich, kann man auch als
[51:23] Elternteil so viel rausnehmen, weil ja, wir haben.
[51:26] Großen Einfluss auf unsere Kinder, aber ein Großteil deiner Glaubenssätze ist
[51:30] gar nicht aus deiner, nicht unproblematischen Familienstruktur entstanden,
[51:34] sondern im Außen, im Datingleben, in der Schule, durch einen Unfall,
[51:38] durch medizinische Notfälle im Prinzip.
[51:40] Also da ist so viel, was Eltern gar nicht im Griff hätten und das zu sehen und
[51:44] es ist auch auf eine gewisse Art und Weise entlastend und gleichzeitig auch
[51:47] eine große Einladung, ganz genau hinzuschauen, was passiert da eigentlich im Außen bei meinem Kind?
[51:53] Was trägt mein Kind, was ich vielleicht gar nicht sehe, was es mit nach Hause
[51:56] trägt? Weil ich glaube, deine Eltern haben nicht im Ansatz gewusst,
[52:00] wie es dir wirklich geht in vielen Phasen deines Lebens. Nein, nein.
[52:05] Ja, von daher, ich danke dir wirklich von Herzen, dass du das geschrieben hast.
[52:09] Ich danke dir, dass du uns das nochmal erzählt hast.
[52:11] Ja, ich hatte wirklich eine gute Zeit mit dir beim Lesen und jetzt auch noch im Podcast.
[52:16] Und ich glaube, so geht es ganz vielen Menschen. Von daher, ja,
[52:19] schön, dass du das gemacht hast und so tief blicken lässt, weil ich glaube,
[52:22] das ist das, was vielleicht auch vielen Männern tatsächlich schwerfällt, tief blicken zu lassen.
[52:29] Und da was zuzulassen, was sonst auch schambehaftet ist.
[52:32] Und ich danke dir, dass du das gemacht hast. Und gerade die Männer sind ja immer
[52:37] die, die immer glauben, immer stark sein zu müssen. Und ganz cool,
[52:40] als letzte Anekdote, es gab echt einige, die mir geschrieben haben,
[52:43] ich habe dieses Buch meinem Mann gegeben.
[52:45] Der hat sich erst geweigert, das zu lesen, hat es dann doch irgendwann gelesen
[52:48] und dann haben die Frauen ihre Männer mit Tränen in den Augen erwischt und die
[52:51] Männer gesagt haben, krass, das berührt mich total und ja, da ist viel Wahres dran.
[52:55] Und das ist vielleicht das Schöne bei mir, weil als schwuler Mann,
[52:58] ich kann auf der anderen Seite die Mama sein, auf der anderen Seite kann der
[53:00] Papa sein. Ich kann irgendwie in beiden Rollen mich reindenken und vielleicht
[53:04] kommt es in diesem Buch auch so ein bisschen durch. Deshalb,
[53:06] wenn jetzt hier Papas zuhören, auch ihr dürft es lesen.
[53:10] Ja, und auch ihr dürft Mama, Papa und alles sein, was ihr sein wollt.
[53:12] Und das ist irgendwie total schön, was du gerade gesagt hast. Eine gute Inspiration.
[53:17] Ich danke dir sehr, Christian, für dieses wunderschöne Geschirr.
[53:20] Danke, liebe Tine, fürs Dasein.
[53:22] Am nächsten Donnerstag geht es bei uns weiter. Wenn ihr Fragen,
[53:25] Kritik, Anmerkungen habt, wenn ihr Posts für Christian habt,
[53:28] dann könnt ihr das über Instagram schicken.
[53:29] Wir verlinken das einmal. an Papa und Papi und wir leiten auch gerne Post weiter.
[53:35] Ansonsten schickt uns eure Fragen, die wir dann in den Eure-Fragen-Folgen beantworten.
[53:39] Wir hören uns am nächsten Donnerstag. Bis dahin, alles Liebe aus Hamburg. Tschüss, Christian.

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