# "Paartherapie to go" mit Markus Olbrich

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 27 Aug 2026, 46 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/250336-paartherapie-to-go-mit-markus-olbrich.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=250336

Wir haben euch gefragt, welche Themen ihr häufiger im ELTERNgespräch hören möchtet und die allermeisten haben für "Paarthemen" gestimmt. Deshalb haben wir uns den Paartherapeuten Markus Olbrich eingeladen und ihn mit all euren Fragen gelöchert, die ihr uns über Instagram geschickt habt. Wie findet man aus festgefahrenen Mustern? Was, wenn mir der Erziehungsstil der oder des anderen nicht gefällt und darf man vor Kindern streiten? All das und noch viel mehr erfahrt ihr in dieser Folge. Mehr zu Markus Olbrich: Markus Olbrich ist Systemischer Einzel-, Paar- und Familientherapeut sowie Supervisor und Familienmediator. Mit Erfahrung aus der Jugend- und Familienhilfe arbeitet er ressourcenorientiert und begleitet Menschen in persönlichen und familiären Herausforderungen in seiner Praxis in Wolfshagen im Harz. Website Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig* Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Leben ist zu 10 Prozent das, was dir passiert und zu 90 Prozent, wie du damit umgehst.
[0:04] Und das ist der Punkt. Also nochmal zu gucken, jetzt ist hier gerade keine Ahnung.
[0:07] Zwei Kinder sitzen auf dem Boden und schreien, weil der eine dem anderen das
[0:10] Auto an den Kopf geworfen hat. Die Eltern haben sich gerade gestritten,
[0:12] weil der Geschirrspüler nicht ausgeräumt ist. Und dann nochmal sagen,
[0:14] okay, einmal tief durchatmen und das Ganze mal von außen betrachten.
[0:17] Eigentlich ist das hier gerade auch ganz witzig.
[0:23] Alle zwei Wochen geht es hier um eure Fragen und so ist es auch heute.
[0:27] Aber die liebe Elke ist aktuell im wohlverdienten Sommerurlaub.
[0:30] Deshalb haben wir uns heute mal euren Wunsch vorgenommen, über Paarthemen zu
[0:34] sprechen, so wie ihr es euch in einer Umfrage gewünscht habt und den besten
[0:38] Paartherapeuten eingeladen, den wir kennen.
[0:42] Ihr kennt ihn vielleicht auch schon. Er war schon mal bei uns und hat uns erzählt,
[0:45] was Familientherapie so alles kann.
[0:47] Heute gehen wir auf die Paarebene. Ich freue mich drauf. Herzlich willkommen,
[0:51] Markus Olbricht, zu Paartherapie2go.
[0:53] Wir haben etwa 40 Minuten Zeit, um alle Paarprobleme der Nation aus dem Weg
[0:56] zu räumen. Ist schaffbar, oder?
[0:58] Kein Problem. Oder? Locker. Wir haben den besten gefunden. Weiß nicht.
[1:03] Wir werden es sehen, in 40 Minuten wissen wir es. Es ist wirklich,
[1:06] ich glaube, es ist ein Rundumschlag. Wir haben ja auf Instagram einmal einen
[1:09] Aufruf gemacht und haben gefragt, was sind eure Themen, die euch so bewegen
[1:13] als Eltern auf der Paarebene und es kam ein bisschen was.
[1:16] Wir haben uns ein paar rausgesucht, also es hat sich natürlich auch einiges
[1:19] gedoppelt, aber es ließ sich doch auf ein paar Kernthemen einschmelzen.
[1:24] Das kennst du wahrscheinlich auch aus deinem beruflichen Alltag, oder?
[1:26] Kernthemen in der Paartherapie, ja, da gibt es so fünf, sechs,
[1:29] wo ich denke, die höre ich regelmäßig. So, ich bin gespannt. Die fünf, sechs?
[1:32] Naja, das eine ist Paarzeit, das andere ist, der eine macht immer alles,
[1:35] der andere macht immer nichts.
[1:37] So gibt es viel. Sexualität ist ein Thema, definitiv. Deine Unheiligkeit in
[1:41] der Kindererziehung, deine Strengheit, deine andere ist nicht so streng.
[1:44] Wie viele waren das jetzt? Vier? Ich habe nicht mitgezählt. Was habe ich gesagt,
[1:46] wie viel es gibt? Fünf oder sechs?
[1:48] Jetzt musst du liefern. Schwiegereltern sind auch immer ein Thema, definitiv, finde ich.
[1:53] Spannend. Und sowas wie Prioritätensetzung. Also das Hobby des Mannes oder der
[1:59] Frau, das viel Raum einnimmt und dass das nicht passt. Das kommt auch schon mal vor.
[2:02] Das passt ganz gut zu den Fragen, die wir hier auch haben. Wollen wir mal loslegen? Zum Glück, ja, gerne.
[2:07] Also, wollen wir richtig hart einsteigen? Okay, komm. Pass auf,
[2:10] die härteste Frage, finde ich, die kam und die finde ich auch, also die ist heftig.
[2:15] Wie belebt man die Liebe wieder, wenn sie komplett weg ist und geht das überhaupt?
[2:19] Oh, wie belebt man die Liebe wieder? Das ist erstmal, also aus der Frage schließt
[2:23] sich für mich ja die Idee, ich möchte das gern. Also ich möchte das wieder beleben
[2:26] und das ist ja schon mal die halbe Miete an der Stelle, zu sagen,
[2:29] ich will daran arbeiten.
[2:30] Jetzt geht es natürlich darum, dass ich dann Nachfragen stellen müsste eigentlich
[2:32] an der Stelle, das kann ich hier nicht, aber wenn ein Paarmitglied,
[2:35] hätte ich beinahe gesagt, wie nennt man es, ein Paaranteil?
[2:37] Ein Paarmitglied finde ich gut, das würde ich mir gerne nutzen.
[2:40] Sag ich, ich möchte das gerne, dann geht es darum zu gucken,
[2:42] können wir ins Gespräch kommen, was merkst du, was merke ich?
[2:45] Wo fehlt uns was und wie können wir das wiederherstellen? Wie haben wir es vielleicht
[2:48] früher wiederhergestellt?
[2:50] Und sich was wünschen. Ich wünsche mir von dir, was wünschst du dir von mir
[2:53] und wie können wir das machen?
[2:55] Aber ist ja eigentlich auch so ein bisschen was Chemisches, so dieses Verliebtsein.
[3:00] Und dann kommt ja irgendwann, wird daraus ja sowas, was wir Liebe nennen.
[3:04] Kann das überhaupt komplett weggehen und kann es dann auch komplett wiederkommen
[3:09] oder ist das irgendwie was, was einfach dann weggeht und weg bleibt?
[3:12] Ich finde es spannend. Also was muss noch übrig sein, damit wir überhaupt wieder
[3:16] beide auf die Tanzfläche kommen?
[3:18] Ich glaube, in der Frage steckt ja drin, da ist der Wille. Der Wille, ich möchte das.
[3:22] Und das heißt erstmal nicht, dass es funktioniert. Aber das heißt,
[3:25] wir können es versuchen. Wir können gucken, was passiert bei uns,
[3:27] wie können wir es wieder herstellen.
[3:28] Und wenn wir beide merken, wir wollen daran arbeiten, ist das,
[3:30] glaube ich, der Funke, den es braucht, um das Feuer wieder zu entfachen.
[3:34] Aber du brauchst schon beide, ne? Idealerweise wollen beide an der Beziehung
[3:38] festhalten. Weil wenn einer sagt, die Liebe ist weg und der andere sagt,
[3:41] ja, finde ich auch. Und das ist okay für mich.
[3:43] Dann gibt es da wenig zu tun an der Stelle. Also es müssen schon mindestens zwei irgendwie wollen.
[3:48] Es hilft, wenn es einer erst mal will und anspricht. Weil oft ist es ja auch
[3:50] so, dass jemand da sitzt und sagt,
[3:52] Und ja, nehme ich gar nicht so wahr, aber ist auch okay für mich.
[3:55] Also wir haben jetzt hier, wir haben uns eingegroovt in unserem Leben und so.
[3:58] Und das ist so das, was man oft so Gewohnheit nennt.
[4:00] Aber das ist auch okay für mich. Das gibt es ja auch.
[4:03] Und dann kann aber einer sagen, ja, aber für mich eben nicht.
[4:05] Und dann muss man gucken, wie man darin arbeitet. Aber wie stirbt Liebe überhaupt?
[4:08] Also dieses Wiederbeleben bedeutet ja, die ist tot.
[4:10] Das ist ja dann schon ein ganz schön doofer Moment. Ich sage mal,
[4:13] die Vorsorge wurde nicht gemacht an der Stelle.
[4:16] Wir sind jetzt wirklich tot, herztot. Und was passiert, um an diesen Punkt zu kommen?
[4:21] Und welche Warnschilder hat man nicht gesehen auf dem Weg?
[4:25] Das ist nicht so einfach zu beantworten, glaube ich, weil Liebe,
[4:27] also wir kennen ja alle, ich glaube, ich habe einen Spruch, ich kriege den nicht
[4:30] zusammen so, Alltag tötet das irgendwie.
[4:32] Und ich glaube, das kann durchaus sein, dass Alltag so ein Liebeskiller sein kann.
[4:35] Weil, keine Ahnung, wenn du gerade eine Steuererklärung machst,
[4:38] dann bist du gerade nicht hochromantisch unterwegs wahrscheinlich.
[4:40] Und solche Dinge häufen sich dann oder dann kommen andere Prioritäten,
[4:43] Kindererziehung, keine Ahnung, der Job, Karriere, ein Haus, einen Garten.
[4:47] Ich würde ja gerne meiner Frau noch essen gehen, aber ich muss einen Rasen mähen.
[4:49] So Sachen, die dann halt irgendwie gemacht werden, müssen, in Anführungsstrichen.
[4:53] Und das ist die Häufung. Ich glaube, das ist eine einmalige Sache.
[4:55] Wenn das so passiert, nicht so schlimm ist, aber wenn das immer wieder passiert.
[4:59] Und ich glaube auch, dass man es vielleicht auch gar nicht merkt.
[5:01] Weil das ist dann halt der Alltag, in dem man drin ist.
[5:03] Und auf einmal merkt man das. Huch, da ist irgendwie was weg.
[5:05] Und dann muss man eben gucken, will ich das wiederhaben und will mein Partner,
[5:09] meine Partnerin das vielleicht auch? Und dann müssen wir sprechen.
[5:12] Würdest du sagen, dass Liebe auch eine Entscheidung ist, so ein bisschen? Ja.
[5:15] Das würde ich tatsächlich relativ spontan. Habe ich nie drüber nachgedacht.
[5:18] Aber ich habe jetzt so spontan geantwortet, jetzt komme ich auch nicht mehr raus.
[5:21] Doch, ich glaube es kann eine Entscheidung sein also zumindest wenn sie weg
[5:25] geht, ob sie am Anfang eine Entscheidung ist das wage ich zu bezweifeln,
[5:27] aber zumindest kann es im Laufe der Zeit eine Entscheidung sein man kann ja um Dinge kämpfen ja.
[5:34] Also braucht es vielleicht auch manchmal ein anderes Mindset,
[5:36] weil ich denke mir manchmal so, man ist ja im Laufe einer Beziehung,
[5:40] enttäuscht man den anderen immer ein bisschen.
[5:42] Weil ich glaube, am Anfang hat man ja so eine Illusion. Man ist verliebt und
[5:46] ich habe mal gelesen, wenn du, also ein Crush entsteht durch einen Mangel an Information.
[5:53] Das fand ich einen ziemlich lustigen Satz, weil dieses Verliebtsein ist ja auch
[5:57] irgendwo Mangel an Information und ich fülle es mit total illusorischen Vorstellungen auf.
[6:02] Der ist bestimmt dann auch so und dann rechnet man hoch und macht das rosa und
[6:06] dann kann ich bestimmt, dann sagt er dies, dann sage ich das und so weiter.
[6:09] Und dann ist das ja ein anderer Mensch als diese Backmischung,
[6:13] die ich mir in meinem Kopf gemacht habe.
[6:15] Das heißt, man ist ständig irgendwie auch ein bisschen enttäuscht vom anderen.
[6:18] Wie geht man damit um mit diesem Enttäuschtsein? Weil ich glaube,
[6:21] man kann ja nicht einfach wieder an den Anfang zurückgehen wahrscheinlich,
[6:25] weil diese Enttäuschung ist ja schon passiert. Man weiß ja schon,
[6:28] dass es die Backmischung nicht gibt.
[6:31] Ja, niemand ist immer glücklich. Also das funktioniert ja einfach auch nicht.
[6:34] Und das ist, glaube ich, auch etwas, was man sich auch mal klar machen muss.
[6:37] Was nicht heißt, jeder ist immer unglücklich und es ist okay,
[6:39] wenn man immer unglücklich ist, sondern es gibt Phasen, da ist es vielleicht
[6:42] ein bisschen mehr und woran liegt denn das?
[6:44] Gucken wir mal da zusammen hin. Und es gibt Phasen, da ist es ein bisschen schlechter oder besser.
[6:50] Jeder ist ja mal enttäuscht. Es ist ja auch eine Entscheidung,
[6:52] ob ich enttäuscht bin oder nicht. Das muss ja nicht unbedingt eine Absicht sein.
[6:55] Kaum jemand geht in einer Beziehung los und sagt, ich enttäusche jetzt meinen
[6:57] Partner. Das kommt sicherlich auch mal vor.
[6:59] Aber das ist meistens ja keine absichtliche Entscheidung. Hoffentlich nicht.
[7:02] Hoffentlich nicht. Gibt es auch. Und da muss man drüber sprechen und sagen,
[7:05] das hat mich enttäuscht.
[7:07] Wenn man es runterbrechen will, geht es immer darum, zu erzählen dem anderen, wie geht es mir.
[7:12] Wir kennen das alle. Ich kann tausend Sachen meiner Frau sagen,
[7:15] die sie verändern müsste, damit es mir besser geht.
[7:18] Aber das wird nicht funktionieren, sondern ich muss mir was wünschen.
[7:20] Und dann kann sie das entscheiden, ob sie das macht oder nicht.
[7:22] Und vielleicht darf sie sich auch was von mir wünschen.
[7:24] Und dann müssen wir gucken. Aber zu sagen, ich bin von dir enttäuscht,
[7:27] reicht ja erstmal als Info nicht aus.
[7:29] Also was enttäuscht mich und was heißt Enttäuschung? Ist Enttäuschung für mich,
[7:32] was ganz hohes, wo ich sage, ich stelle hier Beziehungen in Frage?
[7:35] Oder ist Enttäuschung was, wo ich sage, ja gut, der eine ist FC Bayern-Fan,
[7:39] der andere HSV-Fan, die sind enttäuscht voneinander.
[7:43] Aber das wird hoffentlich kein Trennungsgrund sein. Aber es gibt natürlich Enttäuschungen,
[7:48] die sind dann so hoch, dass es schwer wird, die wieder abzumildern.
[7:53] Glaubst du, dass Liebe etwas ist, was so Wellen hat? Ja. Wenn ich mir überlege, gerade so über die...
[7:58] Kinderzeit und so weiter. Ich glaube, ich habe die Liebe mal mehr und mal weniger
[8:02] gespürt. Ich war mir mal sicherer und mal unsicherer in der Beziehung. Ist das immer so?
[8:06] Ich glaube, dass Wellen eine gute Bezeichnung dafür ist. Ich glaube,
[8:09] dass es mal einen Aufsinn abgibt.
[8:10] In allen Dingen auch, im Beruf, im Sport. Man hat mal gute Tage,
[8:13] mal schlechter und die hat man in der Beziehung auch. Also ich denke schon,
[8:16] dass es wichtig ist, nicht davon auszugehen, dass der Himmel für immer voller
[8:19] Geigen hängt. Du hast glaube ich ja gesagt, Liebe ist das, was übrig bleibt,
[8:21] wenn Verliebtsein weggeht.
[8:23] Und das fühlt sich anders an. Und da muss man sich arrangieren.
[8:29] Idealerweise spricht man mal darüber und sagt, mir geht es irgendwie anders, wie geht es denn dir?
[8:33] Lass uns sprechen. Sprecht miteinander.
[8:37] Das ist wichtig, ne? Was ist denn, wenn dieses Sprechen ein bisschen ein Kampf ist?
[8:40] Also wenn einer diese Sprache spricht, sagt, okay, Kommunikation ist was Wichtiges,
[8:45] was Schönes für uns, das bringt uns weiter und der andere sagt,
[8:48] boah, wollen wir jetzt echt schon wieder Probleme wälzen oder hast du schon
[8:52] wieder ein Problem, was willst du denn und so.
[8:55] Also ist gerne eher leichter und intuitiver, Marc, und nicht diesen Deep Talk
[8:59] über die Beziehung. Erstaunlicherweise finden diese Partner sich immer.
[9:02] Ja, dass so der eine Anteil sagt, ich möchte ganz viel reden.
[9:05] Und er sagt, ah, muss jetzt nicht und so weiter. Und wenn das an so einem Maß
[9:08] ist, dass man trotzdem, jeder das Gefühl hat, er wird gehört und er bekommt,
[9:10] was er braucht, dann ist es ja okay.
[9:13] Nur wenn einer immer sagt, ich möchte sprechen, und er sagt,
[9:15] auf gar keinen Fall, dann wird es halt einfach schwierig.
[9:18] Gibt es dann so ein Maß, wo du sagst, darauf könnte man sich committen?
[9:20] Also was braucht ein Paar an tiefer Kommunikation, sagen wir mal,
[9:25] in der Woche oder im Monat? Gibt es das?
[9:27] Ich glaube nicht. Die Formen gibt es nicht? Nee, leider nicht.
[9:29] Also ich glaube, es ist eher so dieses Gefühl dann, dass man hat,
[9:31] habe ich jetzt diese Woche im Ansatz das bekommen, was ich mir gewünscht habe?
[9:36] Und wie lange bin ich bereit auszuhalten, dass ich das nicht bekomme?
[9:39] Aber ja, idealerweise geht man, es ist ja auch schwer, also ich mache mal ein
[9:44] bisschen Werbung für Parttherapie, weil letzten Endes ist das ganz hilfreich,
[9:47] weil da entsteht diese Stille an der Stelle so nicht, weil da ist ja noch einer
[9:49] dabei, der mal nachfragt.
[9:51] Und das ist manchmal echt hilfreich, weil wenn ihr am Küchentisch zu Hause sitzt
[9:54] und streitet, dann ist irgendwann still.
[9:56] Und vielleicht geht dann einer weg und ich habe jetzt keinen Bock mehr und so.
[9:59] Und das ist bei, Partyrapie ist ja kein Knast, da kannst du auch aufstehen und
[10:02] rausgehen, wenn du nicht mehr willst. Aber du kannst zumindest dich darauf verlassen,
[10:05] dass du jemanden sitzt, der nochmal nachfragt. Wie geht es denn dir gerade?
[10:07] Brauchst du was? Wie ist das, was sie gerade gehört haben? Solche Dinge.
[10:12] Ich glaube, dass das manchmal wirklich, wirklich hilfreich ist.
[10:15] Nicht nur, weil ich davon lebe, dass da jemand dabei sitzt, der mal fragt.
[10:18] Und der auch nicht emotional einsteigt. Ja, spannend.
[10:23] So, gehen wir mal zum nächsten Punkt, sonst kommen wir hier nie durch.
[10:26] Wie schaffen wir es, ohne Unterstützung weiterhin Paar zu bleiben?
[10:29] Wir haben keine Paarzeit mehr, schreibt jemand. Ja, das geht nicht.
[10:33] Also mich interessiert an der Stelle, warum die Frage ohne Unterstützung?
[10:37] Also was ist denn, was ist denn so schlimm an Unterstützung?
[10:39] Vielleicht, also Paartherapie ist auch teuer, oder? Du zahlst die selber, richtig?
[10:43] Das kommt drauf an, wo du hingehst, ja. Aber kleiner Werbeblock,
[10:46] die Beratungsstellen sind ja regelsystemisch ausgebildet und die sind kostenlos.
[10:50] Also wenn man Kinder hat, kann man sich da beraten lassen. Okay. Und...
[10:54] Ja, was war die Frage? Wie schaffen wir es ohne Unterstützung weiterhin paar
[10:58] zu bleiben? Wir haben keine Paarzeit mehr.
[11:00] Ja, da ist ja die Antwort eigentlich mit drin, zu gucken, wie schaffen wir uns Paarzeit.
[11:04] Und auch da aber wieder die erste Frage ist, wollen das auch beide?
[11:06] Also will ich Paarzeit? Was ist denn Paarzeit überhaupt?
[11:10] Wenn ich Paare frage, haben sie noch Paarzeit? Dann kommt es erst darauf an,
[11:13] was antworten. Der eine sagt, wir haben keine Hobbys, der andere sagt, wir haben keinen Sex.
[11:17] Was ist denn Paarzeit? Also erst mal abklären, was bedeutet Paarzeit für dich?
[11:20] Was bedeutet es für mich? Und haben wir das noch? Wollen wir das noch?
[11:22] Ja, und für den einen ist vielleicht Netflix gucken nebeneinander Partzeit und
[11:26] für den anderen ist es hochgradig frustrierend, weil du beachtest mich nicht. Exakt.
[11:30] Und da geht es darum, das mal abzugleichen. Partzeit ist viel, Partzeit keine Menge.
[11:34] Ich hätte gerne als Partzeit das, das und das. Könntest du dir das vorstellen?
[11:37] Und dann geht es über Termine. Also am Anfang zumindest.
[11:41] Der Gewinn ist ja wirklich dann, wenn man merkt, dass das etwas ist,
[11:44] was einem dann Spaß macht oder was einem auch gut tut, dann kann man es auch
[11:46] leichter in seinen Alltag wieder integrieren, weil es zu einer Priorität werden
[11:49] kann. Gibt es da eine Formel?
[11:52] Einmal die Woche Date oder so.
[11:54] Nee, auch da muss es wieder ins Leben passen. Das muss auch für jeden Partner,
[11:57] jede Partnerin an sich passen. Nee, gibt es nicht.
[12:00] Glaube ich nicht. Klar wäre es gut, wenn ihr einmal die Woche euch Zeit nehmt füreinander.
[12:05] Ist auch wieder ein bisschen wenig fast für andere. Keine Ahnung. Spannend.
[12:09] Aber ich würde daran was anschließen, weil eine Hörerin hat uns geschrieben.
[12:13] Ich habe eine Frage, aber die kann ich nicht so ganz konkret ausformulieren.
[12:16] Sie versucht das trotzdem. Also und zwar fällt es mir viel leichter,
[12:19] als meinem Mann diese intensive Kinderfokusphase zu akzeptieren,
[12:23] genießen und auch logisch zu sehen.
[12:25] Also auch ich hätte gerne mehr Paarzeit, aber ich kann mich sehr gut damit arrangieren,
[12:29] weil ich weiß, dass ich mein ganzes Leben mit meinem Mann noch vor mir habe
[12:32] und dass die Kleinkindphase super schnell auf einmal vorbei ist.
[12:35] Ihr Mann ist da viel häufiger frustriert und auch ein bisschen genervt und ihre
[12:38] blöden Sprüche und Ratschläge helfen da auch nicht so gut.
[12:41] Genau, schreibt sie, vielleicht hat der Paartherapeut da noch einen guten Tipp.
[12:44] Ich würde ihn gerne besser supporten können, sein Mindset da zu switchen.
[12:48] Sie möchte ihn verändern?
[12:50] Ich glaube, sie möchte eigentlich nur, dass er nicht so frustriert ist.
[12:53] Ja, dann ist die Frage ja erstmal, wo kommt denn deine Frustration her?
[12:56] Was frustriert dich ganz genau?
[12:57] Weil auch da wieder Partzeit. Was ist Partzeit? Also wir haben früher jedes
[13:01] Mal, einmal die Woche haben wir Mensch ärger dich nicht gespielt.
[13:03] Das machen wir nicht mehr, das war unsere Partzeit.
[13:06] Oder was ist es? Ist es Spazieringen, Sport, keine Ahnung, irgendein Hobby?
[13:09] Oder ist es auch Sexualität? Das ist halt eben auch ein maßgebliches Thema immer wieder.
[13:14] Das ist wirklich eine schwierige Frage. Gut, dass sie am Anfang gesagt hat,
[13:17] ich kann das nicht so gut formulieren, weil ich kann die Antwort nicht so gut formulieren.
[13:20] Ich glaube, dass es auch da wieder, am Ende des Podcasts wird jeder sagen,
[13:22] der hat immer nur gesagt, ihr müsst miteinander sprechen. Aber letzten Endes
[13:24] ist es wahrscheinlich genau das. Also sie muss ihm, sie muss gar nichts.
[13:28] Sie sollte ihm klar machen, wie es ihr geht.
[13:31] Und dann kann er mal erzählen, wie es ihm geht, was er sich wünscht.
[13:34] Und vielleicht gibt es ja schon irgendwelche Mitten, über die sie gar nicht sprechen.
[13:37] Also was wünscht er sich denn? Was ist denn seine Idee von Partzeit?
[13:40] Und ist das wirklich nicht möglich, ohne dass man den Fokus auf die Kinder verliert.
[13:44] Also gibt es das? Gibt es denn nicht beides? Manchmal denke ich auch,
[13:47] dass bestimmt auch einfach so eine Angst dahinter steht.
[13:49] Also geht uns hier was kaputt, was wir nicht wiederbeleben können.
[13:53] Eben genau dieses, der Alltag so als Fresser. Und ich kann mir auch vorstellen,
[13:57] dass es manchmal auch darum geht zu wissen, geht es dir wie mir?
[14:00] Fehlt es dir wie mir? Und manchmal ist das ja wahrscheinlich schon der Schlüssel,
[14:03] dann zu sagen, mir fehlt es auch total, ist wahrscheinlich viel hilfreicher,
[14:07] als wenn sie versucht, sein Mindset zu switchen, oder? Ja, also ja, genau.
[14:12] Da entsteht ja sofort so eine Gemeinschaft. Es fehlt mir auch.
[14:14] Ach guck mal, wir sind gar nicht so weit voneinander weg.
[14:16] Und dann entsteht schon so was wie ein, wir wollen ja eigentlich das Gleiche
[14:19] vielleicht. Und dann kann man mal gucken.
[14:21] Und das muss nicht immer gleich die Riesenlösung sein. Das kann sein,
[14:23] wenn man mal das versuchen. Und wenn das das nicht ist, versuchen wir was anderes.
[14:26] So ein fehlerfreundliches Arbeitsklima einer Beziehung würde ich mir wünschen einfach.
[14:31] Ja, also mal zu gucken, ich hätte gerne mehr Zeit mit dir alleine,
[14:34] ist ja erstmal ein weiter Begriff. Wobei denn, wir können alleine im Kino sein,
[14:37] wir können alleine Fahrrad fahren, wir können aber auch alleine Sexualität leben.
[14:41] Und was wünschst du dir? Und was kann ich,
[14:43] liefern. Ja, und ich finde es auch irgendwie echt einen spannenden Gedanken
[14:48] da zu gucken, um was geht es dir dabei genau?
[14:51] Also was willst du fühlen? Weil letzten Endes ist es ja wahrscheinlich egal,
[14:54] ob man jetzt Mensch ärger dich nicht gespielt hat oder mit den Kindern zusammen
[14:57] eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen hat.
[14:59] Aber irgendein Gefühl fehlt ja dabei und ich glaube, darum geht es,
[15:02] das rauszufinden, oder?
[15:04] Ja, und in der Frage, das ist jetzt vielleicht eine Unterstellung,
[15:06] aber in der Frage höre ich so ein bisschen raus, dass die Mama,
[15:09] die da die Frage gestellt hat, die Verantwortung für alles übernimmt.
[15:12] Und das ist ja gar nicht so. Sie hat ja nicht die Verantwortung für alles.
[15:15] Sie hat nicht die Verantwortung, zumindest nicht alleine, für dieses Paar,
[15:18] für die Kinder. Das ist, da gibt es noch jemanden. Vor allem nicht für die Frustration
[15:22] von ihm. Erst recht nicht, genau.
[15:23] Also in der systemischen Therapie
[15:25] gibt es die erste Frage immer und die lautet, wer hat das Problem?
[15:28] Aha. Wer hatte das Problem? So.
[15:30] Hat er das Problem? Ja. Benennt er das? Weiß ich nicht. Aus der Frage kann ich
[15:33] so nicht raushören. Sie schreibt von Frustration.
[15:36] Aber sie hat ein Problem. Sie macht sich Sorgen. So. Was braucht sie?
[15:40] Wir reden über jemanden, der vielleicht gar nicht weiß, dass die Frage gestellt
[15:42] wurde. Wir sind auch jemand, der das vielleicht ganz anders sieht.
[15:45] Aber sie hat die Frage gestellt. Also es ist die Frage, was braucht sie denn
[15:48] für sich, damit es ihr jetzt ganz vereinfacht besser geht.
[15:51] Und sie bräuchte wahrscheinlich einen Mann, der weniger frustriert ist und den
[15:53] wünscht sie sich auch, indem sie versucht, sein Mindset zu verändern.
[15:59] Schwierig. Also andere verändern ist ja sowieso immer so eine Mission Impossible.
[16:02] Das kannst du bei dir selber machen. Aber andere verändern, boah.
[16:05] Das heißt, was mache ich, wenn ich merke, okay, mir geht es schlecht mit den
[16:09] Gefühlen eines anderen und des anderen?
[16:11] Ich frage danach oder ich Ich spreche darüber. Mein Eindruck ist,
[16:15] mir geht es so, wenn du so und so bist.
[16:17] Das kann man ja mal erzählen. Aber hat er die Verantwortung für ihre Gefühle
[16:19] ja irgendwie auch nicht.
[16:21] Die hat sie selber, genau. Und wie er reagiert, ist natürlich seine Entscheidung.
[16:24] Aber man kann ja mal sagen, wenn du so, Klassiker, wenn du immer so guckst oder
[16:27] so genervt bist, das ist ja so ein Ding, was ist denn das eigentlich,
[16:29] wenn du so genervt bist, dann geht es mir so und so.
[16:33] Und dann kommt er vielleicht und sagt, ich bin gar nicht genervt.
[16:36] Das fühlt sich aber so an.
[16:37] Wo kommt denn das her? Also auch da wieder, Spoiler-Alarm, sprechen miteinander.
[16:41] Ja, und warum macht das überhaupt was mit dir?
[16:43] Ich finde das auch so interessant, wie wenig es zum Beispiel mit meinem Mann
[16:47] macht, wenn ich genervt gucke. Der kann sich viel besser abgrenzen,
[16:50] als ich mich abgrenzen kann. Wenn er genervt guckt, fühle ich mich sofort so,
[16:53] was habe ich gemacht? Was ist hier schief gelaufen? Ich glaube,
[16:55] das ist auch total spannend.
[16:57] Wie verantwortlich fühle ich mich eigentlich dafür, dass es dir gut geht?
[17:01] Und wie gut kann ich mich abgrenzen und auch sagen so, okay, es geht dir nicht gut.
[17:05] I see, I'm sorry. Wir hatten das ja hier, als ich das erste Mal hier sein durfte,
[17:09] auch diese Geschichte mit dem, dass Eltern sagen, es geht mir gut,
[17:11] wenn es meinen Kindern gut geht. Es geht mir gut, wenn es meinem Partner gut
[17:13] geht. Also man gibt es immer nach außen ab.
[17:16] Sorgen sie für sich. Da haben alle was von. Wenn du nicht genervt guckst,
[17:19] wird dein Mann entspannter sein, als wenn du genervt guckst.
[17:21] Selbst wenn er sich gut abgrenzen kann. Also an der Stelle super.
[17:24] Aber es kann ja durchaus sein. Ich finde es nicht so super. Ich finde, er sollte es sehen.
[17:29] Appellcharakter. Guck, wie genervt ich bin. Stimmt, voll. Alles deine Schuld.
[17:34] Ja, also es geht darum, Selbstversorger zu finden. Was brauche ich für mich
[17:38] und was bin ich bereit auch mitzuteilen? Mir geht es so, wenn du so guckst,
[17:42] wenn du so bist, wenn du so agierst.
[17:44] Und dann hat der andere die Möglichkeit, darauf was zu antworten. Ja, voll.
[17:48] Spannend. Okay, weiter geht's. Wir haben zwei Kinder, die beide unter drei sind.
[17:53] Wir sind gestresst und übermüdet. Wie vermeiden wir Alltagsstreitereien? Gar nicht.
[18:00] Wie viele Kinder waren es? Sag mal, wie viele Kinder? Zwei Kinder unter drei.
[18:04] Das heißt, das ist immer High Life.
[18:06] Das heißt, Alltagsstreitereien sind im Prinzip gar nicht zu vermeiden.
[18:10] Das ist immer Nervensystem. Genau, grundsätzlich geht da immer irgendwer im Stock.
[18:14] Wenn es die Eltern nicht sind, sind es die Kinder gerade. Und ich glaube,
[18:17] es geht darum, sich bewusst zu machen, ey, das ist halt gerade eine harte Phase
[18:20] und kann man es vielleicht anders werten? Ich habe neulich eine schöne Postkarte,
[18:24] da stand drauf, Leben ist zu
[18:26] 10 Prozent das, was dir passiert und zu 90 Prozent, wie du damit umgehst.
[18:29] Und das ist der Punkt. Also nochmal zu gucken, jetzt ist hier gerade,
[18:32] keine Ahnung, zwei Kinder sitzen auf dem Boden und schreien,
[18:34] weil der eine dem anderen das Auto an den Kopf geworfen hat.
[18:36] Die Eltern haben sich gerade gestritten, weil der Geschirrspieler nicht ausgeräumt
[18:39] ist. Und dann nochmal sagen, okay, einmal tief durchatmen und das Ganze mal
[18:42] von außen betrachten. Eigentlich ist doch hier gerade auch ganz witzig.
[18:45] Du würdest ein bisschen Humor drauf schütten. Das wäre toll,
[18:48] wenn ich das könnte. So Sachen nicht ganz so, also ich meine damit nicht,
[18:52] es nicht ernst zu nehmen oder so zu tun, als wäre das nicht anstrengend.
[18:55] Das ist richtig anstrengend, zwei Dreijährige oder unter Dreijährige.
[18:58] Aber dann sich mal zurückzulehnen und zu sagen, okay, jetzt haben wir den Wäschetrockner
[19:02] nicht ausgeräumt. Ich habe ja meine zwei goldenen Worte, das sage ich ganz oft.
[19:06] Sind Sie bereit für die zwei goldenen Worte?
[19:09] Scheiß drauf. Also manchmal zu sagen, ey, dann ist es halt so.
[19:12] Bevor wir jetzt hier uns in die Haare kriegen, weil der Geschirrspiel nicht ausgeräumt ist.
[19:16] Er muss ja sowieso irgendwann ausgeräumt werden, verstehe ich ja auch,
[19:19] aber in dem Moment sich darüber nach zu streiten, das würde ich versuchen anders
[19:22] zu machen. Aber liegt da nicht immer noch was drunter?
[19:24] Also der Geschirrspüler ist es doch meistens nicht, sondern darunter liegt dieses Gefühl mit,
[19:29] ich mache hier immer alles, du machst hier gar nichts oder du hast gerade zwei
[19:32] Minuten an die Decke gestarrt. Das habe ich vor sieben Monaten das letzte Mal mir gegönnt.
[19:36] Wie kannst du es wagen, jetzt wieder an die Decke zu starren,
[19:39] oder? Ja, genau, das ist das letzte Mal. Da ist eine Unzufriedenheit,
[19:42] da ist auch Enttäuschung mit drin und so weiter. Und die provoziert sich über den Geschirrspieler.
[19:46] Aber trotzdem würdest du es dann unterbinden und die Frustration runterschlucken?
[19:50] Also, ich sitze jetzt hier ganz weit weg von dieser Familie und sage hier ganz
[19:54] entspannt, ey, nimmst du es doch mal mit Humor.
[19:56] Und dann brennt denen da der Baum und die sagen, der hat doch einen Vogel. zu sagen.
[19:59] Aber letzten Endes geht es darum, das einfach ein bisschen von außen zu betrachten
[20:04] und zu sagen, wir wollen uns ja auch gar nicht streiten. Ja,
[20:07] der Geschirrspieler ist nicht ausgeräumt. Wir müssen jetzt darüber sprechen,
[20:09] wer macht es denn nachher?
[20:10] Jetzt setzen wir uns mit den Dreijährigen auf den Boden und spielen allweil
[20:14] rum, versuchen die Situation zu entschärfen. Das ist wichtiger.
[20:17] Also Prioritäten. Prioritäten setzen. Und ganz ehrlich, sorry,
[20:20] aber ein Geschirrspieler ist keine Priorität.
[20:22] Was nicht heißt, der muss nicht irgendwann gemacht werden. Also nochmal,
[20:24] ich sitze ja hier oft weit weg und denke, oh Gott, da sieht die Bude aus wie Klump abends.
[20:28] Meine Schwester würde dir so widersprechen, weil sie sagt, sie kann sich erst
[20:31] entspannen, wenn alles um sie rum einigermaßen ordentlich ist.
[20:35] Ich glaube, das ist auch so ein typisches Paarthema, dass einer sagt,
[20:37] ich brauche es hier ordentlich, damit ich mich entspannen kann und du hilfst mir nicht dabei.
[20:42] Aber auch wahrscheinlich wieder ein total interessantes Verantwortungsthema.
[20:45] Richtig. Und das soll auch besprochen werden. Aber doch bitte nicht in diesem Moment.
[20:49] Also das ist ja das. Da gehen andere Themen auf. Also natürlich kann es nicht
[20:53] sein, dass einer die Bude aufräumt und der andere immer irgendwie nichts macht
[20:56] oder umgekehrt. Also das geht nicht.
[21:00] Zur Not macht man Putzpläne oder sowas. Also wenn es über Struktur geht, das hilft ja manchmal.
[21:05] Aber wenn gerade die Bude brennt, dann würde ich nicht über Geschirrspüler diskutieren.
[21:09] Ich habe noch einen Love Hack von mir zu Hause, den ich echt gut finde für solche Situationen.
[21:14] Ich gehe ganz oft, wenn bei uns richtig die Bude brennt und wir uns in ganz
[21:17] komische Streitereien verlieren, gehe ich ganz oft zu meinem Mann,
[21:21] und frage ihn, ob der Teil von ihm, der mich gerade noch liebt,
[21:24] vielleicht den kleinen Teil von mir, der ihn gerade noch liebt,
[21:27] mal kurz umarmen kann. Das ist großartig. Das ist großartig, oder? Das ist toll.
[21:30] Ich finde es richtig gut, weil in dem Moment konzentrierst du dich auf diesen kleinen Teil.
[21:33] Du gibst auch zu, es ist gerade nur ein kleiner Teil, den ich da fühle,
[21:36] aber du konzentrierst dich auf diesen kleinen Teil und das ist so heilsam,
[21:39] weil wir dann doch immer irgendwie schmunzeln würden und, weiß ich nicht,
[21:43] manchmal sagt er so, ich finde ihn gerade nicht, ich finde ihn gerade nicht.
[21:45] Und dann gibt es hier einen an meinem Spaß.
[21:49] Und das ist natürlich, das ist super hilfreich, weil wie du sagst,
[21:52] ich glaube, Humor ist echt eine große Ressource als Paar. Ja,
[21:55] und ich glaube auch, also das, was ihr da macht, finde ich toll,
[21:58] weil ich glaube, dass kaum jemand, egal wie gestritten gerade wird,
[22:01] da kannst du mich mal in den Arm nehmen und sagen, nee.
[22:03] Ich kann es mir nicht vorstellen, weil ich glaube, der Wunsch des gibt es vielleicht
[22:06] auch, aber der Wunsch des anderen ist wahrscheinlich ein ähnlicher.
[22:09] Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, jeder von uns kennt das.
[22:10] Wir haben uns mit unserem Partner und unserer Partnerin gestritten.
[22:12] Und einer von uns, also ein Partneranteil hat den Mut, ich finde das mutig zu
[22:17] sagen, kannst du mich mal in den Arm nehmen?
[22:19] Dann fühlt es sich danach doch besser an. Für beide. Also übernimmt da einer
[22:22] Verantwortung an der Stelle. Ja.
[22:25] Guck mal, konnte ich auch mal glänzen. Haben wir die Frage beantwortet? Ich glaube ja.
[22:29] Würde ich auch sagen. Weiter geht's. Oh, ganz spannend. Wie kommen wir aus der
[22:33] Spirale des angegriffen Fühlens wieder raus?
[22:37] Ach herrje. Also es ist ganz oft so, wenn du dich angegriffen fühlst,
[22:40] weil ich irgendwas sage, hat das mit mir wahrscheinlich gar nichts zu tun,
[22:43] sondern mit dir, weil du dich eben in dieser Stelle so fühlst und es macht was mit dir. Alte Muster.
[22:47] Du hörst vielleicht was, was du schon als Kind mal gehört hast in einer anderen Tonart.
[22:51] Da wird ein Gefühl bedient, das du von früher kennst. Aber nehmen wir mal an, ein Paar, Frau und Mann.
[22:56] Der Mann hat ein Riesenproblem gerade mit irgendwas, was die Frau gerade gesagt hat.
[23:00] Er möchte sie dafür kritisieren oder ihr sagen, finde ich nicht cool.
[23:03] Weiß ich nicht, wie sie gerade mit den Kindern rumgeschrien hat oder wie auch
[23:06] immer. Jetzt gehen wir in dieses Gespräch.
[23:09] Wer trägt dafür was die Verantwortung? Ich finde das ganz, ganz spannend,
[23:11] weil einerseits könnte man sagen, also du hast das vorsichtig zu formulieren.
[23:15] Andererseits könnte man aber auch sagen, muss es immer so ein Eiertanz sein
[23:19] oder kann man auch einfach mal deutlich sagen, pass auf, es hat mir gerade überhaupt
[23:22] nicht gefallen aus den und den Gründen.
[23:24] Oder muss ich das in toller Ich-Perspektive und blieb, du weißt,
[23:27] was ich meine. Also wo ist der erste Knackpunkt und macht es Sinn,
[23:32] Eierschalen zu installieren und zu sagen, jeder formuliert bitte ganz vorsichtig
[23:36] oder macht es gar keinen Sinn?
[23:37] Meistens kennt man sich ja ein bisschen und vielleicht weiß man manchmal,
[23:40] ist es sinnvoll, jetzt mal hier reinzupoltern, hat das einen Effekt oder ist
[23:44] es sinnvoll, ich gehe mal vorsichtig drauf los.
[23:45] Meistens fühlt man sich ja angegriffen, weil das irgendwas ist,
[23:48] wo man selber vielleicht gar nicht zufrieden ist. Man hat irgendwas gemacht
[23:51] und denkt selber, das war jetzt gar nicht so richtig gut. Vielleicht habe ich
[23:54] die Kinder gerade wirklich angebrüllt.
[23:56] Und das merkt man in dem Moment aber nicht. Und dann kommt einer von außen und
[23:59] sagt, na, hast du gerade die Kinder angebrüllt? Und man kommt zu einem Gefühl
[24:03] von, der kann das vielleicht besser oder die. Und vielleicht ist es auch nur das.
[24:09] Ich muss unbedingt aufhören, so viel Insta zu gucken, da war neulich auch jemand,
[24:11] der hatte, da stand sowas, ich habe jetzt rausgefunden, dass meine Frau eigentlich
[24:15] immer recht hat, mir gefällt nur der Ton nicht.
[24:18] Das könnte durchaus sein, da ist was dran. Also vielleicht ist es wirklich auch
[24:21] der Ton, um mal zu gucken.
[24:23] Aber ja, es ist das, was du auch gerade gesagt hast, erzähl von dir.
[24:26] Ich empfinde eine Ich-Botschaft.
[24:28] Das ist die Botschaft bestimmt der Empfänger. Aber wenn ich von mir erzähle.
[24:31] Ich habe gerade einen Hörsturz bekommen, wenn du die Kinder angeschrien hast.
[24:35] Ja, es könnte besser formuliert werden als das, aber das ist ein Anfang.
[24:39] Es geht darum zu erzählen, angegriffen, wenn ich von mir erzähle,
[24:44] Christine, was du gerade gesagt hast, das macht mich ein bisschen traurig.
[24:46] Da fühlt man sich nicht so angegriffen, als wenn ich sage, immer wenn du was
[24:48] sagst, kriege ich hier ein Tinnitus.
[24:51] Ja und kommt auch ein bisschen drauf an, weil wenn du es gerade so gesagt hast,
[24:54] wenn jemand zum Beispiel als Kind ganz oft von der Mama gehört hat,
[24:58] wenn du so und so bist oder wenn du nicht brav bist, dann machst du die Mama
[25:01] traurig und das zum Beispiel immer sowas war und dann sagt dir dein Partner,
[25:04] mich hat das gerade traurig gemacht, kann das ja auch für der Trigger sein.
[25:06] Richtig, richtig. Liebe Eltern, bitte nicht mit sowas.
[25:09] Bitte nicht, Mama ist traurig, wenn du das und das machst.
[25:12] Bitte nicht. Aber in der Partnerschaft ist es ja schon in Ordnung,
[25:14] weil du hast ja einen gewissen Einfluss auf mich und es ist okay,
[25:17] einfach auszusprechen, was ist, oder?
[25:19] Ja, und man ist ja auch nicht Mama und Papa von sich selbst,
[25:21] also gegenseitig. Also da ist es schon auch möglich, man kann sich seinem Partner,
[25:25] seiner Partnerin schon zumuten. Das finde ich schon auch okay.
[25:28] Aber man muss sich halt auch immer als derjenige, der jetzt was äußert,
[25:31] fragen, will ich jetzt hier gerade Stunk?
[25:34] Ich sage das manchmal in Paartherapie. Wollen sie eine Lösung oder wollen sie Recht haben?
[25:38] Also das ist ja oft vielleicht nicht das Gleiche. Ich will jetzt gerade Recht
[25:41] haben. Ich will jetzt, dass du sagst, dass du dir die Kinder nicht hättest anschreien
[25:43] sollen. Viel Glück bei sowas. Das klappt in der Regel ja nicht.
[25:46] Sagen, ey, wir hatten mal darüber gesprochen, Kinder anbrüllen und so.
[25:48] Ich weiß, du hattest einen harten Tag heute. Wollen wir mal gucken,
[25:50] dass wir das beim nächsten Mal anders kriegen.
[25:51] Das ist was ganz anderes, als wenn ich mir würde, hör mal auf die Kinder anzubrüllen.
[25:55] Also pro Eierschale. Ja, und Spirale, aus der Spirale, das war die Frage auszusteigen,
[26:00] idealerweise macht jemand was, was er sonst nicht macht.
[26:03] Also vielleicht In der Therapie gibt es diese paradoxen Interventionen.
[26:07] Da bin ich ein riesen Fan von. Irgendwas machen, was völlig abartig überhaupt
[26:09] nicht in die Situation passt.
[26:10] Also keine Ahnung, ich kritisiere dich und du fängst an zu singen.
[26:14] Oder du tanzt mal aus dem Raum und sagst, ja, ich weiß, da habe ich wieder irgendwie so.
[26:20] Das ist ja im Kern auch wieder ein bisschen Humor, aber es ist auch einfach mal was ganz anderes.
[26:23] Als mein Stiefsohn seine erste Fünf geschrieben hat, da kam er zu mir,
[26:26] war noch relativ klein, erste Fünf, wisst ihr, wie Fünf nicht geschrieben habe, egal.
[26:30] Also er kam zu mir mit zitternder Unterlippe und hat gesagt,
[26:32] ich habe eine Fünf geschrieben. Und ich sage, geil, das feiern wir. Pizza, ich zahle.
[26:37] Und das hat er sich gemerkt. Dann hat er nur noch 5 geschrieben.
[26:41] Nein, das wäre ein schwieriger Effekt.
[26:43] Oder mein Patensohn, der hat für seine erste 15. geile Super-Sucker-Wasserpistole
[26:46] von mir gekriegt. Ich bin für die Erziehung da nicht zuständig.
[26:49] Ich will aber, dass es da irgendwie auch darum geht, also das ist eine schlechte Note, das passiert.
[26:54] Ist mir auch das ein oder andere Mal passiert, eher mehr als weniger.
[26:57] Und wenn man da jetzt immer Angst vor hat, dann ist das der Nächste vorprogrammiert.
[27:02] Also keine Ahnung, Vielleicht bin ich auch zu lax oder so, aber das ist etwas, was da...
[27:06] Das ist mir nicht schlimm genug, als dass man da als Elternteil ausrasten würde.
[27:10] Und sowas muss man vielleicht auch mal auf Partnerschaft übertragen.
[27:12] Lohnt es sich, in jeden Konflikt einzusteigen?
[27:15] Lohnt sich das, jetzt über den nicht ausgeräumten Geschirrspüler zu streiten?
[27:18] Oder kann man, Männer, aufgepasst, den einfach mal selber ausräumen?
[27:22] Auch das geht. Ich war drei Jahre verheiratet, bis ich gelernt habe,
[27:25] dass der Teller nicht auf den Geschirrspüler kommt, sondern unten rein.
[27:30] Herzliche Grüße und vor allem Beileid an deine Frau.
[27:33] Sie hat es nicht leicht. Also die ersten drei Jahre, dann war das perfekt, nehme ich an. Ja.
[27:40] Sehr gut. Okay, Geschirrspülmaschine haben wir. Wir haben einige Themen hier
[27:44] schon durch. Thema Sexualität hast du angesprochen, das ist auch noch.
[27:48] Hier gibt es die Frage, wie viel Sex braucht man eigentlich,
[27:51] um das Thema nicht zu vernachlässigen?
[27:54] Wo ist Bärminimum? Ja, einigen Sie sich drauf. Also gucken Sie mal,
[27:58] sprechen Sie übereinander.
[27:59] Also gerade Sexualität ist ja was, wo Paare in der Regel zu wenig drüber sprechen.
[28:03] Über Bedürfnisse, über Wünsche, was wünsche ich mir, was hätte ich gern.
[28:06] Dann lass uns drüber sprechen. Warum?
[28:08] Warum was? Warum die da nicht drüber sprechen? Ich glaube, das ist schambehaftet
[28:11] nach wie vor. Ich glaube, dass es Themen gibt, da möchte jemand mal was ausprobieren
[28:15] oder so und er traut sich nicht oder sie.
[28:17] Die Antwort könnte dann, du bist ja komisch oder so. Und ich glaube,
[28:20] das ist schambehaftet tatsächlich, dass das so ein Ding ist. Kann sein.
[28:23] Und ja, was ist das Minimum? Keine Frage. Müsste man mal drüber sprechen. Was wünschst du dir?
[28:29] Und dann kann man über Zahlen sprechen. Dann sagt der eine, ich hätte gerne
[28:31] fünfmal die Woche und der andere sagt einmal im Monat und dann guckt man mal, wo die Mitte ist.
[28:35] Und das finde ich jetzt total spannend, weil gerade bei Frauen ist es ja auch
[28:38] oft mit Kindern dann so ein Thema mit, ich bin total overtouch,
[28:41] die Kinder hängen ständig an mir ran, ich fühle mich vielleicht auch nicht mehr
[28:44] gerade wohl mit meinem Körper, ich habe irgendwie 20 Kilo zugenommen über die Schwangerschaft,
[28:48] bitte lass mich die erstmal wieder loslassen, damit ich mich wieder wohlfühle.
[28:51] Und nicht, dass man das bräuchte, um sich wohlzufühlen, aber vielleicht ist
[28:54] es für diese Frau in diesem Moment nicht machbar, dass sie mit ihrer neuen Weichheit,
[28:59] mit ihrem neuen, auch dass die Brüste sind ja so empfindlich einfach, wenn du stillst.
[29:04] Und auch der Bauch kann wahnsinnig wehtun nach einem Kaiserschnitt oder so.
[29:09] In dem Intimbereich brauchen wir gar nicht drüber sprechen. Also ich finde auch, das ist so schwierig.
[29:14] Kann man sich da wirklich auf was einigen oder hat der die Macht, der nein sagt?
[29:18] Vielleicht ein bisschen beides, würde ich behaupten. Also klar,
[29:21] wenn nein, dann nein. Dann geht es halt nicht. Aber damit ist das Thema ja nicht
[29:24] beendet. Sondern dann ist da vielleicht jemand frustriert. Also Mann wie Frau,
[29:27] das kann jetzt ja beides sein.
[29:29] Aber es ist ja schon so, in meiner Erfahrung sind es eher Männer,
[29:33] die sagen, es wäre schön, wenn ein bisschen mehr passiert. Und Frauen sagen,
[29:36] reicht eigentlich auch so aus.
[29:37] Und wie du auch sagst, gerade nach Schwangerschaften und so,
[29:39] wenn der Körper diesen Kampf mit der Schwangerschaft und diese Geburt so für
[29:42] sich durchgemacht hat, das ist ja auch eine Belastung für den Körper.
[29:45] Vielleicht musste erstmal Heilung ein bisschen stattfinden. und ich glaube,
[29:47] das muss man auch respektieren, aushalten, aber auch da gibt es ja Möglichkeiten,
[29:51] dass man als Paar da sich irgendwie annähert.
[29:53] Gibt es ja. Kann man über alles sprechen. Auch da muss man drüber sprechen. Punkt.
[29:57] Es gibt ja nicht nur ganz oder gar nicht. Nein, genau. Richtig.
[30:01] Ja, letzten Endes ist es dann immer so ein Selbstläufer. Dann bekommt einer
[30:04] nicht, was er gerne hätte, ist frustriert. Der andere macht sich Sorgen.
[30:07] Jetzt ist hier Partnerschaft bedroht und so weiter. Vielleicht auch selber gerne
[30:09] möchte, aber sich gerade einfach nicht da noch fühlt, wie du selber sagst.
[30:12] Und ich bin nach wie vor natürlich der Meinung, nein, ist erstmal auf jeden
[30:15] Fall zu akzeptieren. Aber das heißt
[30:16] nicht, dass wir nicht darüber sprechen müssen. Wie geht es denn weiter?
[30:19] So, und da muss man jetzt mal schauen, was wünscht der andere sich?
[30:24] Kann ich da ein Stück weit entgegenkommen? Kann ich aber auch als der,
[30:26] der sich was wünscht, sagen, ich ändere meine Wünsche, ich halte das jetzt mal ein bisschen aus.
[30:30] Es ist halt wirklich ein sehr heikles Thema, weil eben auch da gerade am Küchentisch
[30:35] wenig drüber gesprochen wird.
[30:37] Und hast du das Gefühl, dass es auch ein bisschen daran liegt, was man braucht?
[30:40] Ich habe mal gelesen, ich weiß nicht, ob es stimmt, interessiert mich jetzt
[30:43] mal sehr, was du da in deiner Praxis erlebst, dass Männer das oft brauchen,
[30:48] um wieder Nähe zu bekommen und Frauen als Basisnähe brauchen,
[30:52] um diese Intimität zuzulassen.
[30:55] Das wäre ja auch problematisch. Ja, ich glaube, dass das so ist,
[30:58] wie du sagst. Also ich habe es jetzt nicht empirisch nachgeforscht,
[31:00] aber die Erfahrung zeigt das. Männer machen viel über Sexualität.
[31:06] Aber es ist ja auch irgendwie fast logisch von der Körperlichkeit,
[31:09] dass eine Frau entspannt sein muss, weil das findet bei Frauen ja im Körperinneren
[31:13] statt. Und bei Männern ist es was wie Oberflächlicheres.
[31:17] Das ist also jetzt mal rein anatomisch, aber ich glaube halt auch im übertragenen Sinne.
[31:22] Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass das ein Thema ist,
[31:24] das sich wirklich für beide unfassbar unterschiedlich anfühlt.
[31:27] Was ist das überhaupt für ein Schritt, das zuzulassen? Absolut,
[31:31] genau. Es geht in den Körper bei der Frau und das muss man auf dem Schirm haben,
[31:34] auch als Mann. Und da muss man gucken. Also,
[31:38] Und ganz ehrlich, wenn ich das Gefühl habe, mein Partner, meine Partnerin macht
[31:41] das jetzt mir zuliebe und möchte das auch gar nicht, dann ist das auch nicht
[31:43] das, was ich will. Stimmt.
[31:45] Es geht ja meist gar nicht um die Sache, sondern um die Nähe,
[31:47] die dadurch entsteht und so weiter. Was würdest du sagen, wenn jetzt ein Paar
[31:50] zu dir kommt und sagt, also seit zwei Jahren geht hier gar nichts mehr?
[31:55] Manchmal sind das ja so Laborsituationen bei uns. Und ich habe dann,
[31:58] je nachdem, wie ich so ein Gefühl für dieses Paar kriege, habe ich auch schon
[32:01] das gemacht, dass wir Termine vereinbart haben in drei Wochen oder in vier Wochen.
[32:06] Und die Hausaufgabe war, haben sie auf gar keinen Fall Sex. Egal was passiert.
[32:11] Egal was passiert, bloß nicht. Also das ist jetzt ganz wichtig.
[32:14] Und ich verkaufe das auch so. Und wenn die Eltern dann so nachfragen,
[32:16] sie haben das schon verstanden, haben sie einfach mal gar keinen Sex.
[32:19] Und manchmal kommen die da wieder und sagst, haben wir nicht geschafft. Aha.
[32:23] Und dann freue ich mich immer so ein bisschen. Ach, guck mal,
[32:25] warum denn nicht? Woran hat es denn gelegen? Ja, irgendwie war das dann doch,
[32:27] dann war mal so eine Situation, wo es für uns beide ging. Und haben wir uns
[32:30] gedacht, lassen Sie uns jetzt von dem hier nicht unser Sexleben verbieten. Ja, cool.
[32:34] Also Hausaufgaben bei mir immer schön. Durchbrechen, nicht nass machen, was ich sage.
[32:38] Also das hat funktioniert. Oder andersrum, das kommt halt auf das Gefühl an,
[32:43] dass ich mit dem Partnern habe, wo ich sage, okay, können Sie sich vorstellen,
[32:45] zum nächsten Mal mindestens einmal Sex gehabt zu haben?
[32:48] Und manchmal machen die das dann und dann frage ich, also das ist halt ein sehr intimer Moment.
[32:51] Um einfach mal das zu durchbrechen, dieses Gefühl von seit zwei Jahren ist das
[32:54] jetzt so und deswegen ist das was ganz Großes, wenn wir das jetzt brechen.
[32:58] Wenn du diese Hausaufgabe gibst, dann setzt du einfach ein Limit.
[33:01] Dann sagst du, okay, diese zwei Jahre müssen jetzt mal zu Ende sein und probiert
[33:05] es zumindest mal wieder aus.
[33:06] Ja, genau. Also mal zu gucken, ist denn da noch was?
[33:09] Natürlich geht da noch ein bisschen was mit einher. Die Frage,
[33:10] können Sie sich das überhaupt vorstellen? Also ich möchte ja nicht über das
[33:13] Gefühl von jemandem gehen. Wenn da ein Partner sagt, ich kann mir das überhaupt
[33:16] nicht vorstellen, dann kriegen die von mir auch nicht die Hausgabe, sie machen es trotzdem.
[33:18] Aber kann eine Beziehung weitergeführt werden, asexueller Art einfach?
[33:24] Oder dass man sagt, okay, ihr könnt auch zehn Jahre keinen Sex haben.
[33:26] Irgendwann kommt es schon wieder, passiert das? Oder es geht dann irgendwann auch so ein...
[33:31] Sag ich mal, schließt sich auch eine Tür. Ich bin der Meinung,
[33:33] dass alles geht, solange es für beide okay ist. Also wenn da ein Paar ist,
[33:37] dass seit zehn Jahren keine Sexualität lebt und beide sagen,
[33:40] das ist irgendwie auch okay, dann werde ich das nicht bewerten.
[33:43] Also dann werde ich sagen, okay, wenn das für euch gut ist, aber dann würden
[33:46] die wahrscheinlich bei mir sitzen und darüber sprechen.
[33:48] Es ist halt alles, ob das jetzt Sexualität ist oder sonst irgendwas,
[33:51] immer schwierig, wenn einer sagt, ich möchte es anders als der andere oder ich
[33:54] möchte mehr oder weniger, dann muss man es klären.
[33:56] Und dann ist es halt auch schwierig ein Kompromiss, weil wenn da jetzt zum Beispiel
[33:59] jemand ist, der sagt, ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen,
[34:01] ich ekele mich vielleicht auch gerade so ein bisschen, gerade in dem Bereich
[34:03] von meinem Partner, meiner Partnerin, dann kann ich von denen ja nicht erwarten.
[34:05] Dann müssen Sie mal drüber weggehen.
[34:08] Ekel ist jetzt nicht so schlimm und ziehen Sie mal durch. Das kann man ja nicht
[34:10] erwarten, sondern dann eher nochmal auf die Suche gehen. Wo kommt denn das her?
[34:13] Ich hatte mal ein paar, da war das ähnlich, dass die lange nicht Sexualität
[34:17] leben konnten. Und da gab es mal, die Frau hat es zumindest so empfunden, so eine Art Übergriff.
[34:21] Und das haben wir in der Therapie ein bisschen rausgearbeitet.
[34:24] Und der Mann hat auch gesagt, er hat sich an die Situation erinnert,
[34:26] das ist aber ganz anders in Erinnerung.
[34:28] Und sie konnte das akzeptieren, dass er das auch ganz anders gesehen hat und
[34:30] er hat vor allem akzeptieren können, dass es für sie so war,
[34:33] und er hat sich entschuldigt, er hat gesagt, hätte ich das so gemerkt,
[34:36] hätte ich das irgendwie wahrgenommen, hätte ich natürlich niemals das so gemacht
[34:40] und das war ein Öffner in der Stelle, ein Türöffner zu sagen,
[34:43] jetzt können wir nochmal neu verhandeln und.
[34:46] Das ist dann entspannter miteinander weitergegangen.
[34:49] Hast du das Gefühl, dass das für manche Paare oder für manche,
[34:53] warte, wer war es, Paarmitglieder, auch irgendwie sowas ist wie eine letzte
[34:57] Grenze, die sie verbindlich ziehen können?
[34:59] Also im Sinne von, es gibt ja oft in der Partnerschaft so kleine Grenzüberschreitungen.
[35:04] Der eine will dann immer mehr als der andere in irgendwas und fordert sich das
[35:07] ein oder nimmt sich das einfach oder keine Ahnung.
[35:10] Sexualität ist ja, sollte es zumindest die letzte Bastion sein,
[35:15] wo man sagt, da gibt es keine Grenzüberschreitungen. Wenn ich hier Nein sage, ist es meins.
[35:20] Hast du das Gefühl, dass es sowas auch gibt?
[35:23] Dass das wie so ein letzter Rückzugsort der Selbstkontrolle ist?
[35:27] Ja, das kann ich ganz klar so unterschreiben.
[35:30] Das muss auch nicht mal was mit Sexualität zu tun gehabt haben,
[35:32] sondern es kann durchaus sein, dass ein Partnermitglied, Partnersmitglied?
[35:36] Paarmitglied. Paarmitglied, genau.
[35:37] In irgendeinem anderen Bereich eine Grenzüberschreitung hat wahrgenommen und
[35:41] gesagt hat, das kann ich mir jetzt überhaupt gar nicht mehr vorstellen.
[35:43] Und ich muss jetzt hier für mich diese Grenze ziehen und die ist jetzt an meinem Körper angekommen.
[35:48] Da muss man dann hinarbeiten. Okay, das heißt, Thema Sex ist oft auch einfach ein.
[35:55] Ich sag mal, so ein Stellvertreterkrieg, dass man sagt, okay,
[35:58] hier im Ehebett zeigt sich etwas, was auf ganz anderer Ebene,
[36:01] einem ganz anderen Thema ein Problem ist?
[36:04] Das ist möglich, ja. Kontrolle halt einfach auch. Und Kontrolle auch üben zu
[36:07] sagen, etwas nicht zu tun, ist ja auch eine Form von Machtausübung.
[36:11] Also ich habe ja eine gewisse Macht über jemanden, wenn ich dem nicht gebe oder
[36:13] nicht. Das Nein hat immer die Macht. Das Nein hat die Macht.
[36:16] Das finde ich echt auch ein ganz spannendes Thema, weil das ist ja in ganz vielen
[36:19] Dingen so, wo es Kompromisse eigentlich nicht gibt. Wollen wir Kinder?
[36:22] Ja, nein. Das Nein hat die Macht.
[36:24] Wollen wir heiraten? Ja, nein. Das Nein hat die Macht. Das ist schon krass,
[36:28] dass derjenige, der Nein sagt, ist immer eigentlich stärker als derjenige, der Ja sagt, oder?
[36:33] Klingt erstmal so, zumindest in ein paar Bereichen würde ich das jetzt erstmal so unterschreiben, ja.
[36:36] Und es ist ja wichtig, dass dieses Nein gehört wird und dass dieses Nein einfach
[36:39] auch eine Funktion hat, weil gerade wenn du jetzt das mit den Kindern zum Beispiel
[36:42] aufsetzt, man stelle sich vor, jemand sagt, na gut, okay, ich mache da mit.
[36:45] Wir kriegen Kinder, ich will zwar nicht, aber ich mache da mit.
[36:47] Wie kann das werden? Also es kann natürlich trotzdem gut werden,
[36:49] weil jemand merkt, ach, ist ja doch irgendwie cool.
[36:51] Aber es ist natürlich eine heikle Geschichte. Total. Es gibt wahrscheinlich
[36:54] ein paar Eltern, die sind nicht absichtlich Eltern geworden.
[36:56] Und es hat trotzdem funktioniert. Aber da war es auch nicht ein wissentliches Nein.
[37:01] Aber zu sagen, ich will keine Kinder, das fände ich ja am schlimmsten,
[37:03] aber wenn du eins willst, machen wir eins oder zwei oder drei.
[37:07] Das ist ja hart an der Selbstaufgabe. Ja, das stimmt. Was würdest du denn sagen,
[37:12] sind noch so Themen oder so Fragen, wo du sagst, weiß ich genau,
[37:16] dass 90 Prozent der Hörer sagen, ah ja, ja, ja, ja.
[37:20] Was kommt immer? Erziehungsuneinigkeit. Ja, sag mal, was macht man da?
[37:24] Also einer ist strenger, einer ist weniger strenger. Ja, was man da macht.
[37:28] Boah, ich habe es vielleicht schon mal erwähnt, man muss drüber sprechen.
[37:32] Also man muss halt gucken, es ist halt wichtig, Kinder sind ja,
[37:35] die wissen ja, die Eltern zu nehmen und zu gucken, wo kann ich denn hier mal
[37:38] auch mich hier so ein bisschen durchschlängeln.
[37:40] Und wenn Eltern gerade in Erziehungsthemen uneinig sind, also der Klassiker
[37:43] ist, wenn Mama Nein sagt, frage ich Papa.
[37:45] So, das ist natürlich nicht hilfreich. Und da können auch Elternkonflikte daraus
[37:48] entstehen. Also das ist so, halt das ist das Schwierige. Da muss man halt gemeinsam
[37:52] eine Linie ziehen und zu gucken, was können wir uns denn beide einigen.
[37:54] Ich habe das, glaube ich, schon mal erzählt mit dem Zimmer aufräumen,
[37:57] dass ich gesagt habe, es ist mir völlig egal, wie es da aussieht.
[37:59] So meiner Frau ist das nicht egal. Und da müssen wir gucken,
[38:01] wo ist denn jetzt was, wo wir beide mitgehen können. Aber spannend,
[38:03] musst du dann in ihren Kampf ziehen?
[38:05] Nö. Nö, ne? Ne, also das ist ganz gut, weil meine Frau ist wirklich sehr ordentlich.
[38:10] Das heißt, wenn es an einen Punkt kommt, dass es mir auffällt,
[38:12] dass es unordentlich ist, ist längst passiert.
[38:15] Das heißt, sie würde sowieso immer vor dir in den Kampf. Ziehen sozusagen.
[38:20] Aber findest du, dass es wirklich sein muss, dass man sich einig sein muss?
[38:23] Oder kann man auch sagen, Kinder können durchaus verknusen, wenn Papa etwas
[38:28] zugänglicher ist beim Thema Süßigkeiten und Mama ist einfach ein bisschen nachlässiger
[38:32] beim Fernsehen und ich weiß einfach genau wenig, bei welchem Thema Frage.
[38:35] Das ist auch eine Kompetenz, oder? Erstens das und zweitens ist doch,
[38:38] ey, also wirklich, Leben passiert doch. Auf alles müssen wir uns auch nicht
[38:43] einigen. Also das stimmt schon auch, das finde ich auch.
[38:45] Zu sagen, wenn ich auf den Fernsehen gucken will, frage ich Papa.
[38:47] Und wenn ich, ja keine Ahnung, meine Tochter wäre doch nie zu mir gekommen und
[38:51] dann gesagt, Papa, ich brauche Kekse morgen für die Schule, kannst du die backen?
[38:54] Also weil ich kann nicht backen.
[38:56] Also da geht es ja auch zu wem anders. Und genauso kann es mit Haltung eben
[38:59] auch sein. Ja komm, kannst du mal ein bisschen.
[39:01] Ich habe mal irgendwann in der Paartherapie, ging es um ein Pärchen,
[39:04] die hat einen vierjährigen Jungen und die hatten sich im Restaurant so furchtbar gestritten.
[39:08] Und wollten irgendwie, das Kind hat dann auch gebrüllt und keine Ahnung.
[39:11] Und dann hat die Mutter auf dem
[39:12] Handy, keine Ahnung, Peppa Pig oder so angemacht und hat das hingelegt.
[39:15] Jetzt wird jeder Medienpädagoge gesagt, um Gottes Willen, in dem Alter und Handy
[39:18] und so weiter. Und das stimmt auch ein Stück weit.
[39:20] Aber, oh Gott, sie zerreißen mich in der Luft, wenn sie das hören.
[39:23] Aber, wenn die Eltern in diesem Moment es schaffen, sich dadurch wieder runterzubringen
[39:28] und sich einzufangen und vielleicht doch noch irgendwie den Abend zu retten,
[39:31] hat das Kind davon ja auch was.
[39:32] Du meinst, der Zweck heiligt die Menschen. Genau, nicht immer.
[39:35] Und bitte nicht jetzt ständig das Handy hinlegen, das habe ich nicht gesagt.
[39:38] Sondern in dem Moment habe ich gesagt, ja, okay, das ist nicht ideal,
[39:41] aber es hat ja funktioniert und es ist auch mal, davon werden die keine Wehrwölfe,
[39:46] wenn die mal fünf Minuten da drauf gucken und die Eltern in der Zeit schaffen,
[39:48] sich irgendwie einzufangen.
[39:50] Also ich werbe mal so ein bisschen für Entlastung.
[39:53] Wir haben alle, die wir Kinder haben, sind wir schon mal im Stock gegangen.
[39:57] Das steht völlig außer Frage. Und niemand ist perfekt. Instagram-Mütter gibt es nicht. So.
[40:03] Nee, hast du ja total recht. Das ist total richtig. Und ich finde das auch hilfreich.
[40:07] Und Instagram-Beziehungen gibt es halt eigentlich auch nicht.
[40:10] Wahrscheinlich nicht. Ich weiß es nicht.
[40:11] Wahrscheinlich nicht. Aber spannende Frage auch, gibt es sie wirklich?
[40:15] Diese Paare, wo man sagt, okay, das ist so Bilderbuch, das ist Bilderbuch.
[40:20] Oder ist das für dich auch ein Warnzeichen, wenn du so Paare hast,
[40:23] wo du denkst, da passt kein Blatt dazwischen, die gehen Händchen halt nicht
[40:28] zu Edeka und du weißt, was ich meine. Also solche Paare, wo man denkt,
[40:32] oh Gott, die haben sich einfach gesucht, gefunden, perfekt.
[40:35] Also wenn es die gibt, sitzen die nicht bei mir. Stimmt.
[40:40] Also nein, ich weiß, wir hatten mal so einen Elternabend und da hat ein Vater
[40:44] zu mir gesagt, naja, sind ja Paartherapeut bei Ihnen zu Hause,
[40:46] läuft es bestimmt immer rund.
[40:48] Ich kann mir nichts Schrecklicheres, okay, das ist jetzt gemein,
[40:50] aber ich kann mir nichts Schrecklicheres vorstellen, als mit einem Paartherapeuten
[40:53] verheiratet zu sein, weil dann, Markus, hast du ja immer Unrecht.
[40:57] Dann hast du ja immer noch so einen Paartherapeuten, der aber gleichzeitig vollkommen
[41:00] parteiisch ist. Ja, meine Frau kann sich auch nichts Schlimmeres vorstellen,
[41:04] als mit einem Paartherapeuten verheiratet zu sein. Wieder gehen Grüße raus.
[41:07] Ja, genau. Und danke, dass du noch da bist. Ich habe zu Hause nicht immer recht.
[41:10] Auf gar keinen Fall. Weil ich bin zu Hause gar kein Parttherapeut,
[41:13] sondern ich bin ihr Partner.
[41:14] Und habe da die Kompetenzen, die ich als Partner habe. Und die seien jetzt mal dahingestellt oder so.
[41:18] Das eine ist eine Profession, das andere ist meins, mein echtes.
[41:22] Und nein, ich habe nicht immer recht. Genau wie meine Tochter,
[41:24] die Tochter eines Parttherapeutens, auch Dinge macht und tut,
[41:27] die andere Kinder genauso gemacht haben. Weil ich bin auch tatsächlich ganz normal.
[41:32] Ja, Gott sei Dank. Ja, ich bin normal, doch würde ich schon sagen.
[41:34] Ja siehste mal, aber ist es so, dass du dich dann manchmal so aus so einer Metaperspektive
[41:39] siehst und oh mein Gott denkst?
[41:41] Schon. Ja, vor allem, wenn ich manchmal, also das ist jetzt lange vorbei,
[41:44] weil sie ist ja schon groß, meine Tochter, aber ich war manchmal so streng,
[41:48] so an so Stellen, wo ich gedacht habe, hä, was soll das denn jetzt?
[41:52] Also wirklich, ich habe mir auch so Elternsätze sagen können,
[41:55] die meine Eltern gesagt haben, hier mit den Füßen unter dem Tisch und so ein Kram.
[41:58] Und dann sitze ich immer da und denke, was hast du denn da jetzt gemacht?
[42:02] Vor allem, dann erzieht man irgendwie und merkt, das ist überhaupt gar nicht
[42:05] eigentlich meine Haltung, sondern ich glaube, dass das, was von mir erwartet
[42:07] wird, und das muss man mal abgleichen.
[42:10] Und das war ein langer Weg mit dem zum Beispiel so einem aufgeräumten Zimmer.
[42:12] Also ich habe dann immer gesagt, man muss mal aufräumen und so weiter.
[42:15] Blödsinn musst du nicht, für mich nicht.
[42:18] Diesen Kampf kämpft meine Frau. Und sag mal, nochmal kurz zurück.
[42:22] Und würdest du sagen, dass das als Paar manchmal auch so ein bisschen so ist?
[42:27] Dass man auch als Paar manchmal versucht, von außen Erwartungen zu erfüllen.
[42:32] Sei es, wir müssen jetzt ein gemeinsames Schlafzimmer haben.
[42:35] Wir müssen jetzt gemeinsam auf jede Party gehen.
[42:38] Wir müssen als Paar, dürfen wir nicht so viel streiten oder so.
[42:42] Aber eigentlich tut es uns voll gut, weil danach sind wir immer so total befreit oder so.
[42:45] Glaubst du, dass das auch wichtig oder richtig ist, das nochmal zu hinterfragen?
[42:49] Warum glauben wir eigentlich, so und so sein zu müssen, wenn es uns anders doch
[42:52] vielleicht viel besser geht?
[42:54] Ich finde das total wichtig. Also ich bin generell erstmal ein Fan davon,
[42:57] dass man nicht so ist, wie man glaubt, dass andere einen haben wollen.
[43:02] Also weil das ist ja, dann bist du ja nichts von dir, ist ja nichts von dir drin.
[43:05] Also diese Pärchen, von denen du erzählst, Händchen halten zu Edeka oder so.
[43:09] Oder zu Aldi oder zu Reef. Ja, wir müssen sie alle nennen, da war was.
[43:12] Genau, also die gibt es vielleicht, aber wie gesagt, da habe ich Zweifel dran.
[43:16] Oder die gibt es in Momenten. Ich gehe auch mal mit meiner Frau Händchen halten,
[43:19] wir können auch streiten wie die Kesselflicker. Also das passiert beides.
[43:21] Und ich glaube, das ist so wichtig, dass das alles geht.
[43:24] Und ich glaube, dass das eine das andere braucht manchmal. Es muss ein klärendes
[43:27] Gewitter mal geben, damit wir beide auch im schönen Wetter zusammen abhängen
[43:30] können. Und was ist, wenn jetzt wirklich uns Leute hören, die denken, wir streiten nie.
[43:35] Glückwunsch. Das ist okay, sagst du, ja? Das ist nicht ein Warnzeichen.
[43:39] Doch, bitte streiten Sie jetzt.
[43:42] Also wenn die sagen, wir streiten nie, ist das erstmal ein Satz,
[43:44] den ich so hinnehmen kann, aber wenn ich dann fragen würde, sind sie sich trotzdem
[43:47] immer einig oder streiten sie nur nicht, weil sie genau wissen,
[43:50] dass das mit dem anderen nicht funktioniert.
[43:52] Es wäre doch gelacht, wenn wir da nicht einen Konflikt erzeugen könnten.
[43:56] Würdest du das versuchen als Paartherapeut? Wenn mal ein Paar zu mir kommt,
[43:59] der sagt, streite dich, oh, da würde ich mich dran.
[44:01] Das wäre schon cool, ja, da würde ich mich, glaube ich, mal...
[44:03] Also wenn ihr so seid und euch richtig gerne mal so richtig schön in die Haare bekommen wollt.
[44:08] Vielleicht auch einfach nur für den Versöhnungssex, dann wäre Markus offen für
[44:12] dieses Gespräch. Alle Paare, die nicht streiten, mögen sich jetzt bitte melden.
[44:15] Ich bin bereit. Du bist offen mit ihnen zu streiten, ja? Ja,
[44:18] genau. Ich bringe ihnen das bei. Ich sehe es kommen. Die sitzen dann bei dir
[44:20] und streiten mit dir. Gemeinsam gegen dich.
[44:23] Auch schön. Oder? Manchmal hilft ja auch ein gemeinsames Feindbild.
[44:26] Also die gehen raus und sagen, der Partyschreport ist voll Trottel und wir sind
[44:29] uns beide eigentlich super. Gibt's das? Bestimmt.
[44:32] Die kommen dann nicht wieder und sagen mir das. Stimmt. Meistens nicht.
[44:37] Mensch Markus, es ist herrlich. Also Paartherapie to go. Ich hoffe,
[44:40] wir haben jetzt so alles zumindest mal angeschnitten, was so die Nation bewegt an Paarthemen.
[44:45] Wir haben aber gute Nachrichten. Also ich freue mich über die.
[44:47] Und zwar mögen wir dich so gerne, dass wir dich öfter einladen.
[44:51] Also ab 2027 gibt es keine Angst, es gibt Elke zweimal im Monat, ganz wie immer.
[44:57] Aber wir werden auch einmal im Monat mit Markus sprechen und da könnt ihr auch,
[45:01] könnt natürlich alles auch schreiben, aber insbesondere solche Paarthemen zum
[45:05] Beispiel finde ich auch sehr spannend.
[45:06] Du bist aber auch Familientherapeut, du bist Einzeltherapeut,
[45:09] man kann mit jedem Problem hier antanzen und auch Markus mit anschreiben.
[45:12] Wir werden das so ein bisschen kuratieren nach Themenfeldern,
[45:15] von denen wir glauben und so weiter.
[45:17] Ja, ich freue mich drauf. Ja, ich freue mich auch wahnsinnig.
[45:20] Das ist richtig schön. Dann haben wir endlich mal einen Mann im Team.
[45:22] Freue ich mich drüber. Das höre ich öfter.
[45:25] Du bist immer so ein bisschen der Handkopf. Ich bin immer der einzige Mann,
[45:27] ja. Ja, tja. Zu Hause auch. Das hört hier nicht auf.
[45:31] Wir haben hier gerade, sind wir durch die Gänge gelaufen und haben die einzigen
[45:33] beiden Männer aus dem Team gefunden. Aber viel mehr ist hier nicht zu holen.
[45:37] Ich spreche die gleich nochmal an wegen einer eventuellen Selbsthilfegruppe.
[45:41] Finde ich sehr gut. Markus, es war mir eine Freude. Vielen, vielen Dank, wenn ihr Fragen habt.
[45:45] Und das ist jetzt schon jetzt ein Aufruf. Aber da müssen wir dann natürlich
[45:48] auf 2027 warten, bis die Folgen ausgestrahlt werden.
[45:51] Aber Markus ist am Start ab 2027 im Elterngespräch-Team.
[45:55] Und wenn ihr Fragen habt an ihn, an Elke, an mich, an alle, dann schreibt uns
[46:00] an podcast.eltern.de. Bei uns geht es am nächsten Donnerstag weiter mit einer
[46:05] neuen Folge. Und übernächsten Donnerstag ist dann noch Elke.

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