# Nähe statt Netflix: Wie wir als Familie wieder zueinander finden

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 6 Aug 2026, 47 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/249312-naehe-statt-netflix-wie-wir-als-familie-wieder-zueinander-finden.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=249312

Morgens Schule, Arbeit und Kita, nachmittags Hobbys und abends die völlige Erschöpfung vor den Bildschirmen. Wenn es euch auch manchmal so vorkommt, als wenn das Familienleben sich manchmal ein bisschen einsam anfühlt, dann seid ihr damit ganz und gar nicht alleine. Im Podcast sprechen Host Christine und Familiencoach Daniela Schmidt darüber, wie wir wieder zueinander finden und was überhaupt dazu führt, dass wir manchmal einfach nebeneinanderherleben anstatt wirklich in Verbindung zu gehen. Kleiner Spoiler: Netflix ist nicht wirklich schuld... zumindest nicht nur. Mehr zu Daniela Schmidt: Daniela Schmidt ist Mama von zwei Kindern und HypnoKids®-Spezialistin. Sie begleitet Kinder und Eltern dabei, die Ursachen hinter Gefühlen und Verhaltensweisen zu verstehen und gemeinsam Wege zu mehr Leichtigkeit, Vertrauen und nachhaltiger Veränderung zu finden. Website Instagram Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig* Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Ein Hack, das bringe ich meinen Kindern tatsächlich auch gerne bei, ist
[0:04] auf eine Erzählung einer anderen Person nicht mit, oh ja, das kenne ich,
[0:08] zu reagieren, sondern sich da auch bewusst vorzunehmen, für zwei,
[0:12] drei Minuten mal nur bei der anderen Person zu bleiben und noch einmal tiefer zu gehen und zu sagen,
[0:17] warum hat dir das so einen Spaß gemacht? Was genau hat dir daran Spaß gemacht?
[0:23] Hi und schön, dass du da bist, hier beim Elterngespräch, dem Podcast von Eltern
[0:27] für Eltern. Ich bin Christine, Janelle,
[0:39] Und wir sprechen heute über Nähe, über Verbundenheit, über familiären Zusammenhalt
[0:43] und über all das, was der Verbindung zwischen den Familienmitgliedern im Weg stehen könnte.
[0:47] Ihr habt es vielleicht im Folgentitel schon gelesen, den haben wir einfach mal
[0:50] ganz provokant Nähe statt Netflix genannt.
[0:53] Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit, dass Fernsehen, Bildschirm,
[0:56] Zeit und Co. uns oft gemeinsam einsam fühlen lassen.
[0:59] Eine Expertin, die sehr viel klügere und differenziertere Gedanken als Schande
[1:03] über alle Medien zu sagen hat, ist Daniela Schmidt.
[1:06] Sie hat Psychologie studiert, ist Paar- und Familientherapeutin,
[1:09] Hypnose-Therapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie.
[1:12] Auf ihrer Website finden sich noch viele weitere Qualifikationen.
[1:15] Kurz gesagt, sie verbindet fundiertes Wissen mit viel Praxis und mit einem liebevollen
[1:19] Blick auf das, was Menschen verbindet.
[1:22] Herzlich willkommen, liebe Daniela. Schön, dass du da bist. Vielen Dank.
[1:25] Ich freue mich, dass ich da sein darf. Ja, Nähe statt Netflix.
[1:29] Warum ist das überhaupt ein Thema, über das wir sprechen müssen?
[1:31] Das ist tatsächlich ein Thema, was ganz, ganz viele Familien bewegt,
[1:34] mit denen ich zusammenarbeite.
[1:37] Und was ich tatsächlich auch ganz häufig sehe, wenn ich in Schulen bin und mit
[1:40] Kindern arbeite und was ich tatsächlich auch im eigenen Leib so erlebt habe.
[1:45] Also ja, der Titel ist in der Tat ganz witzig gewählt, weil es natürlich noch
[1:48] ein bisschen mehr ist als das.
[1:50] Aber witzig. Im Sinne von falsch?
[1:54] Nein, nicht im Sinne von falsch. Das ist einfach auch ein wahnsinnig großer
[1:57] Anteil, den wir nicht außer Acht lassen können. Und gleichzeitig so viel mehr als das.
[2:02] Also auch wenn wir Familien haben, die wahnsinnig gut zusammen funktionieren
[2:06] und auch Zeit miteinander verbringen, kann es in den Familien trotzdem eine
[2:09] emotionale Distanz geben.
[2:10] Ist das denn tatsächlich so belegt? Also gibt es da wirklich Anzeichen für Nebenwissenschaftler,
[2:17] dass wir gerade Verbindungen verlieren? Ja, das nehmen Wissenschaftler wahr.
[2:21] Ich bin tatsächlich sehr viel in Studien in den USA unterwegs,
[2:25] weil es da sehr viel fokussierter angeschaut wird.
[2:28] Und da spricht man wirklich von so einer Art Connection Crisis,
[2:31] also dass sich das in der gesamten Gesellschaft, nicht unbedingt nur in Familien,
[2:35] aber tatsächlich ausbreitet.
[2:36] Und dass wahrgenommen wird, dass Menschen immer weniger wirklich echte und tiefe
[2:42] Verbindungen haben, die wirklich am selben Ort stattfinden und nicht nur über,
[2:48] das Handy oder Videotelefonie.
[2:50] Oder das wird da ganz massiv wahrgenommen. In Deutschland hängt es noch ein bisschen hinterher.
[2:55] Aber das Thema Einsamkeit haben wir, glaube ich, auch schon alle häufiger mal
[2:59] gehört in den letzten Monaten.
[3:01] Das wird untersucht und emotionale Distanz ist so ein bisschen der Ursprung für Einsamkeit.
[3:07] Einsamkeit würde ich ja jetzt immer so ein bisschen eher verbinden mit ich bin alleine.
[3:11] Aber dieses gemeinsam einsam sein, was glaubst du.
[3:16] Woher kommt das, dass wir immer mehr dieses Gefühl haben, auch in Partnerschaften,
[3:21] in der Familie, im kollegialen Kontext wirklich gemeinsam einsam zu sein,
[3:26] obwohl wir nicht alleine sind?
[3:27] Ja, das trifft es tatsächlich ganz gut. Also einsam zu sein heißt eben nicht
[3:31] alleine zu sein, sondern eher so eine, ich beschreibe das immer gerne als so
[3:35] unsichtbare Wand zwischen Menschen.
[3:37] Und in den Familien höre ich tatsächlich ganz häufig, dass es damit losgeht,
[3:41] dass man sich als erstes als Paar, ich muss es dir nicht erklären,
[3:45] in der Familie so ein bisschen als Organisationsgemeinschaft versteht.
[3:49] Dann schläft der eine mal auf dem Sofa, damit der andere ein bisschen Schlaf
[3:52] bekommt oder dann geht es darum, ein bisschen Me-Time zu haben und viele Paare
[3:56] vergessen einfach, sich als Paar dann auch zu sehen und die Zeit miteinander zu verbringen.
[4:02] Also man kann von außen super glücklich organisiert wirken und gleichzeitig
[4:08] das Gefühl haben, nicht wirklich verbunden zu sein. Ist das was, was neu ist?
[4:12] Also ist das was, was sich in der letzten Zeit verschärft hat?
[4:15] Weil Familie gibt es ja schon immer und jeder hat auch ein bisschen sein Ding
[4:19] gemacht und gerade ich sage mal, wenn ich als Bauer und Bäuerin auf dem Hof
[4:22] war, da haben ja wahrscheinlich auch beide sehr, sehr viele andere Dinge gemacht
[4:26] und waren immer beschäftigt.
[4:28] Würdest du trotzdem sagen, das ist eine neumodische Erscheinung?
[4:32] Ich glaube, das ist keine neumodische Erscheinung.
[4:34] Ich glaube, dass viele von uns Erwachsenen das so als so ein unterschwelliges
[4:40] Gefühl wahrgenommen haben als Kind, dass die Belange vielleicht nicht ganz so wichtig waren.
[4:45] Ich weiß nicht, wie du aufgewachsen bist, aber man ist ja oft auch so ein bisschen
[4:49] mitgelaufen, wenn Eltern beide im Job waren oder ihre eigenen Themen hatten.
[4:54] Und immer wenn Erwachsene sagen, ich hatte eigentlich gar keine schlechte Kindheit,
[4:58] ich weiß gar nicht, woher so diese Traurigkeit kommt oder diese riesengroße
[5:03] Sehnsucht danach, wirklich gesehen zu werden.
[5:05] Und das spricht in der Regel für so einen zumindest kleinen Anteil von emotionaler
[5:09] Distanz in der Ursprungsfamilie.
[5:12] Also es ist kein neues Phänomen und wird heute natürlich gleichzeitig verstärkt
[5:15] dadurch, dass Medien sehr viel präsenter sind, Kinder sich teilweise zum Zocken
[5:21] online verabreden, dass all diese Dinge dann noch dazukommen.
[5:24] Und dass, glaube ich, auch einfach das Bewusstsein für mentale Gesundheit einfach
[5:28] größer geworden ist wie bei so vielen anderen Themen.
[5:31] Trägt es einfach dazu bei, dass wir das mehr wahrnehmen. Wenn wir nochmal zu
[5:35] Netflix zurückgehen, zu unserem provokanten Titel.
[5:39] Ich habe das Gefühl, dass gerade wenn in so Zeiten, in denen ich vielleicht.
[5:44] Aus Zeitmangel oder aus persönlichen Gründen nicht ganz so verbunden fühle,
[5:48] dann liebe ich das, so Sachen zu gucken wie die Gilmore Girls von früher nochmal
[5:52] oder How I Met Your Mother oder Bridgerton oder so.
[5:56] Irgendwie so Sendungen, in denen diese Verbindung so stark ist.
[6:01] Würdest du sagen, dass das Gift ist, wenn ich das so mache? Oder dass ich das
[6:04] im falschen Medium suche? Netflix statt Leben aus Versehen? Nein,
[6:08] das würde ich gar nicht sagen.
[6:10] Ich finde, das ist der allerbeste Beweis dafür, dass wir alle was mit emotionaler
[6:14] Distanz zu tun haben. Gerade Bridgerton ist so ein wundervolles Beispiel.
[6:18] Wir alle sehen uns danach, wirklich gesehen zu werden. The Summer I Turned Pretty.
[6:24] All diese Serien, wo man denkt, ja, der sieht sie wirklich und er versteht sie
[6:28] wirklich und er gibt sich auf, um...
[6:31] Sie zu sehen, da ist eine ganz, ganz tiefe Sehnsucht drin.
[6:34] Und ich glaube, es ist gar nichts falsch daran, solche Serien zu gucken.
[6:38] Bei mir schafft das immer sehr viel Bewusstsein dafür, was mir eigentlich gerade fehlt.
[6:43] Wenn wir das mitnehmen und für uns erkennen, was es eigentlich ist,
[6:47] was uns daran so bewegt, dann finde ich, ist das einfach auch ein ganz toller
[6:50] Augenöffner. Also keiner von euch muss jetzt aufhören, Serien zu gucken und,
[6:54] Bridgerton und diese ganzen schönen Serien zu gucken.
[6:57] Genau das, aber ich glaube, oder nicht ich glaube, sondern ich weiß auch durch
[7:00] die ganzen Therapieausbildungen, die ich habe, wie sehr sich alle Menschen nach Bindung sehen.
[7:06] Und Bindung heißt eben auch, ich werde gesehen und im besten Falle darf ich
[7:10] so sein, wie ich bin. Das ist also tatsächlich ein ganz, ganz altes Ursprungsgefühl.
[7:15] Daran ist gar nichts neu und dass wir uns das heute teilweise in Serien holen,
[7:19] daran ist auch nichts verkehrt. Und das finde ich aber total spannend,
[7:22] weil viele Eltern oder gerade Mütter, ja gerade wenn die Kinder so klein sind,
[7:27] auch das Gefühl haben, sie haben einen Überschuss an Bindung.
[7:30] Ich bin den ganzen Tag gebunden und abends, lieber Mann, verzieh dich,
[7:35] geh woanders und ich gucke jetzt Bridgerton.
[7:37] Warum ist das so? Also warum haben wir diesen Überschuss an Bindung und gleichzeitig
[7:42] Sehnsucht nach Bindung irgendwie? Also diese Gleichzeitigkeit der Dinge,
[7:45] das finde ich gerade so einen ganz spannenden Gedanken.
[7:48] Ja, die Gleichzeitigkeit gibt es ja bei so psychologischen Phänomenen eigentlich
[7:52] ständig und dieses gerade mit Babys oder mit Kleinkindern, dieses Overtouched-Gefühl.
[7:57] Ich möchte bitte nicht noch für eine Person verantwortlich sein und auch nicht
[8:00] für den Mann, der dann abends auf der Couch noch seine Bedürfnisse hat.
[8:03] Da würde ich sagen, das kommt daher, dass das Kind oder das Baby und Kleinkind
[8:07] nicht dafür da ist, deine Bedürfnisse zu erfüllen.
[8:10] Das ist keine Beziehung auf Augenhöhe, die du hast. Und das Kind sieht dich
[8:13] ja auch nicht als der Mensch, als der du gern gesehen werden würdest.
[8:17] Das ist der ganz große Unterschied zu einer Paarbeziehung zum Beispiel.
[8:21] Das heißt, es sind einfach zwei Paar Schuhe, würdest du sagen?
[8:24] Ja, da würde ich sagen, das sind zwei Paar Schuhe. Das heißt,
[8:25] wir sehen uns nach vielleicht Paarverbindung und gesehen werden.
[8:29] Und gleichzeitig können wir aber gerade gar nichts mehr so richtig geben. Ja, genau.
[8:34] Und es muss auch nicht unbedingt eine Paarverbindung sein, sondern was ich tatsächlich
[8:38] allen Menschen rate, die auch irgendwie ein emotionales Thema haben oder ein
[8:42] schwieriges Thema haben, sich einer Person zu öffnen.
[8:45] Ob das eine Freundin ist, ein Freund, die Mama, das ist eigentlich völlig egal.
[8:49] Aber mindestens eine echte Verbindung zu haben mit all der Verletzlichkeit, die da drin steckt.
[8:54] Was ganz viele dann berichten, dass sie sagen, ich habe mich geöffnet und plötzlich
[8:59] kam die andere Person auch mit in dem Thema und plötzlich ist diese Beziehung
[9:02] so viel tiefer und so viel echter geworden.
[9:04] Das ist eigentlich das, was ich tatsächlich allen rate, sich da verletzlich
[9:08] zu zeigen, um diese Verbindung dann eben zu spüren. Und dann muss das auch nicht
[9:11] der Partner sein. Also es ist natürlich schön, wenn das funktioniert.
[9:16] Und wenn ich in einer Partnerschaft bin, dann ist das natürlich der beste Weg, das hinzukriegen.
[9:20] Aber es kann eben auch sehr gut mit einer Freundin funktionieren.
[9:24] Aber eben auf Augenhöhe. Also mein Kind ist nicht dafür verantwortlich,
[9:26] mich komplett als Person zu sehen und mich wahrzunehmen.
[9:30] Da ist die Rolle eine andere. Ja, wichtig.
[9:32] Okay, wenn ich mir jetzt so bewusst geworden bin, okay, offensichtlich ist da
[9:37] irgendwie irgendeine Sehnsucht in mir, die ich dann mit Netflix oder mit Instagram
[9:42] scrollen oder wie auch immer versuche zu stillen.
[9:45] Wie kann ich das ins Leben übersetzen? Okay, du hast gerade schon einen Punkt
[9:49] gesagt, eine Person suchen und dich da verletzlich zeigen, das ist schon Verbindung.
[9:54] Was ist mit diesen ganz normalen Alltagsmomenten? Also gibt es da irgendwie
[9:57] für Familien, für Paare so einen Hack, den du sagst, das schafft Verbindung,
[10:02] da kann ich mir was holen, ohne ganz, ganz, ganz große Fässer,
[10:07] aufzupacken, die ich vielleicht gerade gar nicht schaffe, emotional oder von meinen Kräften her.
[10:11] Was Familien als letztes brauchen, sind ja noch drei Dinge auf der To-Do-Liste,
[10:15] die sie dann gefälligst zu machen haben.
[10:17] Es kann tatsächlich total einfach sein.
[10:19] Du kannst dir einmal am Tag vornehmen, fünf Minuten lang wirklich jemandem zuzuhören,
[10:24] das Handy nicht in der Hand zu haben, vielleicht die Hände des Kindes zu nehmen
[10:28] oder des Partners zu nehmen, in die Augen zu schauen und wirklich mal aufrichtig
[10:31] zu fragen, wie geht es dir wirklich?
[10:32] Also nicht so und wie war es in der Schule gut? Und dann gehen die beiden wieder getrennte Wege.
[10:37] Oder man kann auch einfach einen Familienabend organisieren.
[10:41] Und es geht gar nicht darum,
[10:43] wahnsinnig viel zu organisieren oder wahnsinnig teures Essen zu bestellen,
[10:47] sondern wirklich sich gegenseitig zuzuhören und vielleicht auch zu etablieren
[10:51] beim Abendessen aufrichtig zu erzählen, wie der eigene Tag gelaufen ist.
[10:58] Nicht in so ein Interview zu verfallen. Sondern einfach selber ein bisschen
[11:00] zu erzählen, wie es mir heute ging, was mich gefreut hat, was mich bewegt hat
[11:06] im Laufe der Woche und dann wirklich auch zuzuhören.
[11:10] Ein Hack, das bringe ich meinen Kindern tatsächlich auch gerne bei,
[11:13] ist auf eine Erzählung einer anderen Person nicht mit, oh ja,
[11:17] das kenne ich, zu reagieren,
[11:19] sondern sich da auch bewusst vorzunehmen, für zwei, drei Minuten mal nur bei
[11:23] der anderen Person zu bleiben und noch einmal tiefer zu gehen und zu sagen,
[11:27] warum hat dir das so einen Spaß gemacht? Was genau hat dir daran Spaß gemacht?
[11:31] Toll, dass das für dich geklappt hat. Wie hast du das geschafft,
[11:34] mal so richtig mit der Aufmerksamkeit bei der anderen Person zu bleiben?
[11:37] Auch wenn einem vielleicht gleich die eigene Geschichte in den Kopf kommt,
[11:40] die man gerne erzählen würde.
[11:41] Das sind dann die Momente, in denen man sich wirklich verbunden fühlt.
[11:44] Das finde ich spannend. Ich habe letztens auch gelesen, dass das beim Streit
[11:47] auch so wichtig ist. Dass man nicht, wenn der eine sagt, ich habe mich so und
[11:49] so gefühlt, ja, und ich habe mich so und so gefühlt, darauf antworten sollte.
[11:53] Dann wird es ein Schlagabtausch. Ja, und keiner fühlt sich am Ende gesehen.
[11:57] Nur weil der andere zeigt, wer er ist, heißt das ja jetzt nicht,
[12:00] dass ich direkt im nächsten Schritt zeigen kann, wer ich bin,
[12:02] sondern es ist ja total wichtig, erstmal hinzugucken, was wird mir da gezeigt gerade.
[12:07] Ja, spannend. Was glaubst du, was sind so zwei, drei Alltagsmuster,
[12:11] die Nähe besonders unterbinden?
[12:14] Ich gebe mal ein Beispiel, was ich meine. Also sowas wie so Multitasking in den Familien.
[12:20] Das ist ja, glaube ich, total der Verbindungskiller. Also wenn du die Spülmaschine
[12:23] ausräumst, deinem Kind zuhörst und gleichzeitig irgendwie noch drüber nachdenkst,
[12:26] was es morgen zu essen geben soll oder was der Chef nochmal meinte,
[12:30] als er gesagt hat und so weiter.
[12:32] Aber was sind noch so Dinge in Familien, die stattfinden, wo du sagst,
[12:36] da kann man sich auch mal bei ertappen und wieder eine Stufe zurückschalten?
[12:40] Der ganz normale Familienalltag ist tatsächlich der größte Verbindungskiller, würde ich sagen.
[12:45] Einfach die Strukturen, die wir haben, dass häufig beide arbeiten,
[12:48] dann haben die Kinder noch Hausaufgaben und irgendwelche Arbeiten vor der Brust
[12:51] und man hat immer das Verlangen, sich um alles zu kümmern und alles gleichmäßig gut zu machen.
[12:57] Wobei man sich ertappen darf, ist, dass nicht alles perfekt laufen muss.
[13:01] Dann liebe Grüße an meinen Mann. Ist der Geschirrspüler nicht korrekt eingeräumt?
[13:05] Oder die Küche kann einen Tag warten?
[13:08] Oder der Garten sieht eben noch eine Woche so aus, wie er aussieht und anstattdessen
[13:12] nehme ich mir ein paar Minuten Zeit?
[13:14] Damit dürfen wir uns ertappen. Und wobei wir Erwachsenen uns auch ertappen dürfen,
[13:19] ist, dass abends nebeneinander vor mindestens zwei Geräten und manchmal ja sogar drei,
[13:26] wer kennt es nicht, die Netflix-Serie und beide haben parallel noch ihr Handy in der Hand,
[13:30] das ist einfach auch ein ganz großer Verbindungskiller.
[13:32] Und es müssen jetzt nicht alle damit aufhören, das zu tun, aber sich einmal
[13:36] häufiger dabei zu ertappen und sich zur Seite zu wenden und zu sagen,
[13:40] hi, wie geht's dir eigentlich?
[13:44] Ja, voll. Glaubst du, dass man manchmal abends so leer geredet ist nach so einem
[13:49] langen Tag? Ja, unbedingt.
[13:51] Ich glaube aber auch, dass wir nicht voller werden, wenn wir auf Social Media
[13:55] rumscrollen, sondern dass wir uns danach eher weniger verbunden fühlen.
[13:59] Immer wenn ich so einen Rappel mal habe, das kommt alle paar Tage mal vor und
[14:04] dann merke, okay, ich brauche eigentlich eine richtige Verbindung.
[14:07] Und dann führt man ein paar Minuten ein richtiges Gespräch oder sagt,
[14:10] eigentlich bin ich total kaputt, aber ich müsste dir nochmal kurz erzählen,
[14:13] wie ich mich da und da gefühlt habe.
[14:14] Dann merke ich, dass es mir danach einfach wahnsinnig viel besser geht.
[14:17] Und ich sehe das immer als kleine Investition, die Energie nochmal aufzubringen,
[14:21] dieses Gespräch am Abend zu führen, einfach weil sich das danach besser anfühlt.
[14:25] Haben wir verlernt zu schweigen?
[14:27] Also ich frage mich das gerade, wenn ich so diese abendlichen Sofa-Situationen oder so mir durchgehe.
[14:32] Selbst wenn wir auch so zu müde sind, um noch was zu sagen.
[14:36] Dann geht ja recht schnell das Handy an oder der Fernseher an.
[14:41] Und wenn man sich nur ein Buch nimmt, aber irgendwie lässt man sich ja immer
[14:44] ein bisschen berieseln dann. Könnte man auch Aufmerksamkeit schenken ohne Geräusche,
[14:50] ohne großes Invest? Ja, auf jeden Fall.
[14:53] Ganz oft ist es auch eine Geste.
[14:56] Wenn man auf Veranstaltungen unterwegs ist, zum Beispiel mit Paaren und dann
[15:00] mal beobachtet, wie die sich verhalten, dann ist es manchmal einfach nur,
[15:04] ein Blick, ein Lächeln, eine Hand, die genommen wird, irgendwie eine kleine
[15:08] Berührung und das ist tatsächlich auch schon ein wahnsinnig guter Weg,
[15:12] um Verbindung zu zeigen.
[15:13] Ja, es muss nicht immer das ganz tiefgründige Gespräch sein, auf keinen Fall.
[15:17] Wie ist das bei großen Familien? Also wir sind ja jetzt eine Familie mit vier
[15:20] Kindern und wenn wir so alle zusammen sind, dann würde ich schon sagen,
[15:24] wir fühlen uns verbunden.
[15:25] Aber wie wichtig ist dann noch so die einzelne Verbindung zum einzelnen Kind,
[15:29] zum Partner? Ja, ich denke, dass eine einzelne Verbindung auch wichtig ist.
[15:34] Und nochmal, damit meine ich nicht, jeder braucht eine Stunde am Tag mit tiefgründigen
[15:39] Gesprächen und in die Augen gucken.
[15:42] Das kann auch einfach ein Familienabend sein, an dem jeder ein paar Minuten
[15:46] Redezeit bekommt, zum Beispiel.
[15:49] Es muss ja nicht immer die Eieruhr gestellt werden. Das kommt immer ein bisschen
[15:51] darauf an, wie es in den Familien funktioniert.
[15:53] Nur dass jemand dafür verantwortlich ist, dass wirklich jeder zu Wort kommt.
[15:57] Und damit meine ich nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen.
[16:00] Das ist ja das, was gegenseitige Verbindung schafft.
[16:02] Ich sage ja immer so gern, dass Bindungsorientierung in der Familie bedeutet,
[16:07] dass alle Familienmitglieder Bedürfnisse haben und nicht nur die Kinder.
[16:11] Und wenn die Kinder das spüren, auch in dem großen Zusammenhalt,
[16:13] dann glaube ich, ist das tatsächlich gar nicht so schwierig.
[16:17] Wenn wir einmal mehr merken, ups.
[16:20] Ich glaube, jetzt haben wir diese Verbindung ein bisschen verloren und dann
[16:22] ein bisschen Gefühl da rein investieren, dass es wieder anders wird.
[16:26] Was sind so Warnsignale, die Kinder auch vielleicht senden könnten,
[16:30] dass man so merkt, okay, hier ist offensichtlich Verbindung verloren gegangen
[16:34] gerade. Irgendwie komme ich gerade nicht mehr durch.
[16:36] Was ich in meiner Praxis häufiger mal habe, ich arbeite ganz stark mit dem Thema Ängste von Kindern.
[16:42] Und wenn Kinder ganz viel in dieses verfallen, wann bist du wieder da,
[16:47] wie lange bist du weg, fahr vorsichtig.
[16:50] Wenn Kinder so Anzeichen senden, dass die Verbindung nicht ganz sicher ist,
[16:54] dass sie sich immer rückversichern müssen. Das ist so ein kleines Warnsignal,
[16:58] würde ich sagen, ohne dass man sich jetzt gleich riesengroße Sorgen machen muss.
[17:02] Aber dass man dann mal guckt, wo kann ich dem Kind im Alltag diese Sicherheit geben.
[17:06] Und vielleicht nochmal aus Elternsicht, ich glaube, ein Warnsignal ist auch,
[17:10] wenn man irgendwann an den Punkt kommt und denkt, ich weiß gar nicht,
[17:14] was die letzte Woche los war.
[17:15] Wie ist eigentlich die Mathearbeit gelaufen oder wie war eigentlich das Treffen mit der Freundin?
[17:19] Oder wenn man so kleine Momente hat, in denen man denkt, ich weiß gar nicht,
[17:23] was bei der anderen Person wirklich passiert ist, weil ich mich so um mich selber gekreist habe.
[17:26] Was ja im Familienalltag auch nicht gerade selten ist. Und da sind Kinder ja
[17:29] auch total unterschiedlich. Erstens mal vom Charakter und dann aber auch vom Alter her.
[17:34] Es gibt ja diese Kinder, die kommen nach Hause und die teilen alles und die
[17:37] sind so richtig so mitteilsam.
[17:40] Und dann gibt es Kinder, die vielleicht von Anfang an oder ab einem gewissen
[17:43] Alter so sagen, war gut. Ja.
[17:46] War okay. Ja. Wie kann man, wir haben ja gerade schon vom typischen Interview
[17:51] geredet, wie kann man in so einem Moment leben?
[17:54] Doch noch mal was kriegen vom Kind an Verbindung und klingt jetzt bescheuert
[17:58] mit ich bekomme was, aber ich bin ja bereit, was zu geben. Aber wie kann ich
[18:01] das auch zu einer Wechselwirkung kommen lassen mit Kindern, die eher zugeknöpft
[18:06] sind? Hast du da noch eine Idee?
[18:08] Ich sage ja immer gern, dass Kinder so ganz unterschiedlich sind und einige
[18:11] sind wie Hunde und einige sind wie Katzen.
[18:14] Ja, Teenies sind wie Katzen. Genau, Teenies sind wie Katzen.
[18:17] Aber es gibt ja auch kleinere Kinder, die eher so Katzentendenzen haben,
[18:20] wenn wir bei dem Bild mal bleiben wollen und dann einfach.
[18:24] Da zu sein, wenn die Katze denn mal kommt und das Bedürfnis nach Nähe hat und das dann wahrzunehmen.
[18:29] In der Regel funktioniert das nicht mit so einem Fragenmarathon.
[18:32] Also wenn ich 30 möglichst gute, schlaue Fragen stelle, dann haben wir eine
[18:36] tolle Verbindung. So funktioniert das in der Regel nicht.
[18:39] Aber die Kinder, die nach Hause kommen und sagen, gut, auch bei denen gibt es
[18:42] ganz bestimmt Momente, wo man merkt, die suchen irgendwie eine körperliche Nähe
[18:46] und setzen sich dann mal näher dran als vorher oder sonst.
[18:49] Oder gerade abends beim Zu-Bett-Gehen kommt dann oft noch mal so ein Moment,
[18:53] wo dann irgendwie eine Frage kommt und dann nicht zu sagen, boah,
[18:55] jetzt hättest du acht Stunden Zeit gehabt, jetzt will ich auch endlich mal aufs
[18:58] Sofa, sondern sich dann vielleicht die fünf Minuten zu nehmen und zu sagen.
[19:02] Okay, da scheint jetzt der Moment zu sein.
[19:04] Das machen wir jetzt einmal gemeinsam. Das heißt, so ein bisschen gucken,
[19:07] wo sind die Momente für die Kinder und nicht, wo ist als Erwachsener vielleicht mein Moment.
[19:11] Abendessen ist ja sowas total typisches. Da denkt man als Erwachsener immer,
[19:15] so, jetzt sitzen wir alle zusammen.
[19:17] Aber manche Kinder stehen ja auch gar nicht gerne auf dieser Bühne. Ja, genau.
[19:20] Die hören lieber zu. Und das ist ja wie bei Erwachsenen. Das sind ja auch Menschen
[19:24] einfach nur, dann auch Kleine.
[19:26] Da kann ich tatsächlich aber auch nur ermutigen, das trotzdem beizubehalten beim Abendessen.
[19:29] Also wenn die Kinder lernen, dass wir von uns erzählen und auch vielleicht mal
[19:33] erzählen, was gut gelaufen ist, was nicht so gut gelaufen ist,
[19:35] dann wird das irgendwann überspringen und auch einen Einfluss auf die Kinder haben.
[19:39] Ganz sicher sogar. Auch wenn sie dann in dem Moment nicht erzählen mögen.
[19:42] Voll. Und ich habe das, glaube ich, auch schon mal erzählt. Aber wir haben irgendwann
[19:45] Wahr oder Lüge eingeführt.
[19:47] Sodass jeder eine Geschichte vom Tag erzählt, die wahr ist und eine,
[19:50] die eine Lüge ist. Super gut.
[19:51] Ja, und das ist wirklich cool, weil du dadurch auch, also mein Mann ist auch,
[19:56] ich sag mal, der ist halt mit einer Podcasterin verheiratet.
[19:58] Der hat jetzt nicht ganz so viel Redezeit im Leben.
[20:02] Der ist eher ein ruhiger Typ. Aber dann kriegst du halt auch da was mit.
[20:06] Auch die Kinder kriegen da nochmal eine Geschichte mit, was hat Papa da erlebt.
[20:10] Und das ist spannend, dass er dann da beim Aufzug stecken geblieben ist.
[20:13] Wir haben alle gedacht, das ist eine Lüge, aber es war kein Lüge.
[20:15] Hätte er wahrscheinlich nie erzählt. Das wollte ich gerade sagen.
[20:17] Wer weiß, ob er die Geschichte sonst erzählt hätte. Richtig.
[20:19] Und man kramt ja richtig in seinem Tag. Was war besonders?
[20:22] Und das ist ja auch schon was richtig Schönes, dass man so in seinem Tag kramt
[20:26] und guckt, ja, aber was habe ich zu erzählen? Was ist eigentlich spannend gewesen
[20:29] an meinem Tag? ist ja auch schon so eine Reflexionsleistung.
[20:33] Und dann auch zu gucken, was passt zu der Person oder was hat die auf gar keinen
[20:36] Fall gemacht oder so. Das ist auch eine schöne Empathieübung auch.
[20:40] Ja, auf jeden Fall. Und gleichzeitig ist ja auch, was dabei ganz oft rauskommt,
[20:44] ist ja auch Humor, wenn man sich eine Geschichte ausgedacht hat,
[20:46] die gar nicht passiert ist.
[20:47] Dann gemeinsam zu lachen, gemeinsam Spaß zu haben, ist dann ja auch wieder ein
[20:50] tolles Ziel für Verbindung.
[20:52] Total. Was auch super gut für Familien funktioniert, denen das nicht so leicht
[20:56] fällt, sich das auszudenken. zum Beispiel sind diese Karten,
[20:59] die es eigentlich überall gibt, die es für Paare gibt, die es für Freundinnen
[21:02] gibt, für Familien, wo dann so Fragen draufstehen.
[21:05] Manchmal braucht man einfach eine blöde kleine Karte in der Hand,
[21:09] um eine Idee für ein Gespräch zu haben.
[21:11] Ich weiß nicht, wie oft mein Mann und ich diese Karten schon in der Hand hatten,
[21:13] eine Karte rausgeholt haben und die zweite dann schon nicht mehr,
[21:17] weil wir uns einfach zwei Stunden unterhalten haben, weil man manchmal einfach so einen kleinen...
[21:20] Anschwung braucht, um in so eine Situation reinzukommen. Voll.
[21:25] Und es gibt auch richtig schöne Spiele, finde ich, für Familien,
[21:28] bei denen auch richtig gut Verbindung aufkommt. Also ich glaube,
[21:32] das habe ich auch schon mal irgendwann erzählt. Ich mache das einfach schon zu lange.
[21:37] Aber Dixit kann ich total empfehlen als Familie, weil da wirklich auch schon
[21:40] die Kleinen mitmachen können.
[21:42] Und weil du dann halt wirklich auch in so eine Verbindung reinkommst,
[21:44] weil du was über die Leute kennenlernst.
[21:48] Du lernst, wie sie denken und was sie so miteinander in Verbindung bringen und
[21:52] das ist auch total schön.
[21:54] Ich finde auch so interaktive Spiele immer schön, wo man irgendwas malen oder
[21:58] darstellen muss. Activity, genau.
[22:02] Das finde ich auch immer gut. Wenn man dann gleichzeitig noch ein bisschen in
[22:05] Bewegung ist, gemeinsam lachen kann.
[22:08] Und ich glaube, das darf man auch nicht unterschätzen, dass Verbindung ja auch
[22:10] nicht für jeden gehört werden ist. Also für mich wäre es immer du hörst mir
[22:15] zu, aber für andere Leute in der Familie ist es bei uns eher ein,
[22:20] Du tust was für mich oder du bist bei mir, während ich was tue.
[22:25] Du hilfst mir bei etwas. Und wenn es irgendwie das Lego-Raumschiff ist,
[22:28] was man jetzt zusammenbaut, schweigend, ist trotzdem Verbindung für eine andere
[22:32] Person. Und wenn es sich für einen selbst nicht so anfühlt, ist es total gut
[22:36] hinzugucken, wie es sich für den anderen anfühlt. Unbedingt.
[22:39] Das ist tatsächlich auch was, was ich immer gerne sage, wenn man sich nicht
[22:42] ganz sicher ist, was eigentlich die Liebessprache des Kindes ist.
[22:46] Da gab es ja ganz viele lustige Tests, die unterwegs waren, die man dann machen
[22:50] konnte, wenn man sein Kind mal fragt, woran merkst du eigentlich, dass ich dich lieb habe?
[22:55] Da kriegt man eigentlich immer sehr gute Antworten, wo man dann denkt, ah, okay.
[22:59] Bei meinem Sohn kam dann wirklich irgendwann mal, ja, wenn du mit mir Lego spielst,
[23:02] wo ich dachte, oh, okay. Also der braucht was ganz anderes.
[23:06] Meine liebe Sprache ist nicht Lego spielen, aber das ist was, was ich für ihn tun kann.
[23:11] Das finde ich aber auch nochmal echt spannend. Mein Sohn würde wahrscheinlich,
[23:14] sagen, wenn ich ihm zuhöre über seine Pokémon-Sachen oder keine Ahnung.
[23:19] Und da fühle ich aber ja eher Anstrengung, sage ich mal, wenn ich dazu höre.
[23:24] Ich habe keine Ahnung, ich verstehe es einfach nicht, was er da redet.
[23:27] Das ist wirklich wie so eine Fremdsprache.
[23:30] Und manchmal fühle ich mich dann gar nicht connected. Ist Verbindung auch manchmal eine Einbahnstraße?
[23:35] Also klingt so bescheuert, aber das frage ich mich gerade. Ja, mit Kindern unbedingt.
[23:39] Da würde ich sagen, sorry, aber ganz klares Ja.
[23:44] Die Verbindung, die wir Erwachsenen brauchen, die müssen in der Regel von anderen
[23:48] Erwachsenen befriedigt werden. Also die Kinder sind nicht dafür da,
[23:50] um uns emotional zu supporten und dann fühlt sich das auch mal anstrengend an.
[23:56] Das heißt aber nicht, dass du jetzt drei Stunden lang über deine eigenen Bedürfnisse
[24:00] drüber gehst und alles über Pokémon lernst und das die nächsten zwölf Tage auch noch machst.
[24:06] Da darfst du deine Bedürfnisse gerne im Blick behalten. Aber ja,
[24:09] für das Gesehenwerden sind tatsächlich aus meiner Sicht eher andere Erwachsene zuständiger.
[24:15] Jetzt gibt es ja neben diesem Nebeneinanderherleben und gemeinsam einsam sein,
[24:19] gibt es ja auch wirklich so richtig so Cuts, so Dinge, die Verbindungen einfach,
[24:23] für den Moment total bewusst oder unbewusst kappen.
[24:27] Also ein Streit, eine knallende Tür, ein Missverständnis, wie auch immer.
[24:32] Wie geht nach so einem Cut, Verbindungen wieder herzustellen?
[24:36] Das geht tatsächlich darüber gut, dass man sich irgendwann beruhigt hat und
[24:43] so ein bisschen reflektiert, was eigentlich passiert ist. Also einfach ein bisschen
[24:46] Abstand hat, dass man nicht mit beruhigt haben, dass man die Situation mal ein bisschen sein lässt.
[24:51] Und was ich aus der Paar- und Familientherapie gelernt habe,
[24:53] ist tatsächlich, dass eine Bindungsverletzung, wenn wir es mal so nennen wollen,
[24:57] also ein Streit, eine Sache, die wirklich schlecht gelaufen ist,
[25:02] fünf Dinge braucht, um das wieder zu reparieren. Oha.
[25:05] Das klingt erstmal viel und gleichzeitig ist es aber eine gute Nachricht,
[25:08] weil man das eben wieder gut machen kann. Und mit fünf Dingen meine ich nicht,
[25:11] dass du jetzt zwei Stunden lang über Pokémon-Karten sprechen musst und das Ganze
[25:15] auch noch fünfmal. Das schaffe ich nicht.
[25:19] Das darf dann wirklich einfach ein liebevoller Blick sein oder eine Berührung oder auch ein...
[25:24] Einfach mal auch zu seinen Kindern einfach authentisch sein und sagen,
[25:28] ich hatte einen echt anstrengenden Tag, das ist scheiße gelaufen,
[25:31] tut mir leid, wollen wir nochmal von vorne anfangen.
[25:34] Ja, finde ich schön. Kennst du das Murmelspiel? Das fällt mir gerade so ein,
[25:37] das hatten wir in der Familie mal eingeführt, dass jeder zehn Murmeln in der Tasche hat.
[25:42] Und immer wenn jemand gemein zu einem ist, dann sagt man, ich möchte eine Murmel
[25:45] von dir. Also dann nimmt man eine Murmel.
[25:47] Die haben alle unterschiedliche Farben gehabt, sodass man auch gesehen hat,
[25:50] von wem hat man hier Murmeln bekommen.
[25:52] Und das wird nicht diskutiert. Wenn ich zu dir sage, Daniela,
[25:54] du warst gemein zu mir, musst du mir eine Murmel geben.
[25:58] Und wenn du wieder nett zu mir warst, dann kann ich die dir zurückgeben. Auch richtig gut.
[26:02] Also das ist dann eins zu eins. Aber, weil das fing bei uns an,
[26:05] als so Kinder gesagt haben, immer sind alle so gemein zu mir und so.
[26:09] Dann haben wir gedacht, okay, machen wir es mal sichtbar. Wer ist gemein zu
[26:11] dir? Und gibt es vielleicht auch Dinge, die nicht gemein sind,
[26:14] die total nett sind, sodass man sich die auch wieder zurückholen kann, diese Murmeln.
[26:18] Und Ziel war, dass jeder am Abend seine Murmeln mindestens wieder hat.
[26:21] Das hast du dann immer gemerkt, dass dann abends irgendwie anfing mit,
[26:25] Mama, du bist die Schönste.
[26:26] Und dann ging es so, aha, du willst deine Murmel zurück.
[26:30] So funktioniert das nicht. Naja, aber ist auch egal, dass sie da so schlitzohrig waren.
[26:34] Aber ich fand es total das schöne Spiel, weil man ja, also Leben ist ja geben und nehmen.
[26:39] Und genau, also aber man wurde sich darüber sehr bewusst, wenn man gemerkt hat,
[26:43] dass man einen Haufen Murmel hatte oder gar keine mehr. Das war dann unangenehm.
[26:47] Dann musste man so ein bisschen Buße tun und wieder den Leuten hinterher kriechen. Ja, super gute Idee.
[26:51] Und wenn man selber entscheiden darf, wann man die Murmel zurückgibt,
[26:54] ist ja auch der Punkt, wie viel Reparatur braucht es für diese eine Bindungsverletzung.
[27:00] Vielleicht sind es fünf oder in Untergeschwistern sind es vielleicht auch mal
[27:03] nur zwei, weil man eben weiß, wie der andere das gemeint hat.
[27:05] Aber es macht das Bewusstsein darauf wieder so deutlich. Eine richtig schöne Idee.
[27:10] Ja, das war wirklich ein richtig. Werde ich einführen. Man braucht so viele
[27:14] Murmeln, aber das hat sich gelohnt auf jeden Fall. Ja, jetzt,
[27:20] Haben wir sehr klug gesprochen, aber in der Realität ist es ja manchmal nicht
[27:26] so einfach. Also manchmal versucht man ja wirklich alles, um in Verbindung zu
[27:29] kommen und da kommt einfach nichts zurück.
[27:32] Wie viel Ruhe darf man bewahren? Also wenn ein Familienmitglied wirklich,
[27:37] gerade Teenager, die sind da ja wirklich teilweise brutal mit.
[27:41] Du kommst und sagst, du wollen wir nochmal drüber reden? Nein.
[27:44] Okay, cool. Bist du wieder weggeschickt. Wie viel Geduld sollte man aufbringen?
[27:49] Oder gibt es so einen Punkt, wo man sagt, okay, wir kommen jetzt gar nicht mehr zueinander.
[27:52] Was muss man dann tun? Gibt es den Punkt, an dem man vielleicht sagen kann,
[27:55] so nee, jetzt müssen wir wirklich tief rein. Was ist das?
[27:59] Ich würde sagen, der Punkt, an dem es auf beiden Seiten einen großen Leidensdruck
[28:04] gibt, den man auch sieht, wenn sich wirklich das Kind oder der Teenager total
[28:09] zurückzieht und gar nicht mehr ansprechbar ist, gar nicht mehr kommunizieren
[28:12] will und man merkt, dass irgendwas im Argen ist.
[28:14] Dass vielleicht bei dem Teenie auch die Kontakte zu Freunden abbrechen oder
[28:18] schwieriger werden oder Schule ein ganz intensives Thema wird,
[28:22] dann würde ich sagen, dass man sich stärker bemühen sollte,
[28:26] die Verbindung und die Kommunikation wieder aufzubauen.
[28:29] Und andererseits ist die Zeit einfach auch dafür da, sich abzunabeln und emotionale
[28:35] Verbindung auch einfach woanders zu finden.
[28:38] Besonders schmerzhaft manchmal auch bei Eltern von Freunden,
[28:42] bei denen es leichter ist, sich zu öffnen, weil die einen anderen Blick auf
[28:44] unsere Kinder haben und darauf zu vertrauen, dass die 12, 13 Jahre,
[28:48] die wir vorher investiert haben, in gute Bindung und in Beziehungen,
[28:53] dazu führen, dass das Kind kommen wird, wenn es wirklich an der Zeit ist.
[28:58] Was würdest du sagen, welchen Einfluss hat dann doch Social Media,
[29:02] Bildschirmzeit und so weiter auf die Bindungsfähigkeit oder auch auf die Verbindungsdichte,
[29:08] die unsere Teenager, unsere Kinder im Leben nach außen hin noch haben?
[29:14] Ohne das als alleinigen Schuldigen hinzustellen, würde ich sagen,
[29:16] einen wahnsinnig großen Einfluss.
[29:19] Und ich glaube, der Hauptpunkt dafür ist, dass dir bei Social Media alle 30
[29:24] Sekunden was angezeigt wird, was dir Spaß macht.
[29:28] Social Media lernt, was dir gefällt und wird dir immer mehr Dinge ausspülen,
[29:33] die in die Richtung gehen.
[29:35] Also alle 30 Sekunden bekommst du irgendwas super Interessantes,
[29:38] Schönes, Spannendes, Lustiges angezeigt, was dir gut gefällt.
[29:42] Und dann ist es einfach unglaublich schwierig, ins echte Leben zurückzukommen
[29:46] und es auszuhalten, dass weder meine Mutter noch mein Vater noch mein Freund
[29:51] oder meine Freundin mir alle 30 Sekunden irgendwas Interessantes erzählt.
[29:55] Oder irgendwas genau auf meinen Erwartungshorizont zugeschnittenes erzählt.
[30:01] Die Frustrationstoleranz wird dadurch so viel kleiner. Also Beziehung zu führen
[30:05] und da zu bleiben, obwohl es vielleicht gerade mal nicht interessant ist. Ja, spannend.
[30:10] Das heißt, die Jugendlichen könnten ihre realen Beziehungen als schlechter einschätzen,
[30:17] als sie es tatsächlich sind, weil sie von der KI, von Social Media,
[30:21] vom Internet eingetrichtert bekommen,
[30:24] dass das Leben interessanter sein könnte, dass coole Freunde interessanter sein
[30:28] könnten? Ja, unbedingt.
[30:30] Es kommt natürlich auch ein bisschen darauf an, was man in der Familie außerhalb
[30:34] von Social Media erlebt. Das heißt nicht automatisch, dass Social Media furchtbar ist.
[30:39] Auf der anderen Seite würde ich alles unterschreiben, was Kinder dazu bringt,
[30:43] Social Media erst mit 16 oder von mir aus 18 zu benutzen.
[30:46] Da wäre ich an allererster Stelle und gleichzeitig ist der Umgang damit ja kaum
[30:50] wegzudenken. Also müssen wir ja irgendwie damit umgehen. Wir können jetzt nicht
[30:53] alle Handys aus dem Fenster schmeißen, bis die Kinder 18 sind.
[30:56] Aber ein Bewusstsein dafür zu schaffen, und das startet im Elternhaus,
[31:01] das ist das echte Leben und das ist Social Media.
[31:04] Was davon ist wirklich echt? Niemand springt alle zwei Tage von irgendeiner
[31:08] Klippe in ein türkisblaues Meer.
[31:10] Nicht alle Menschen auf der Welt haben die perfekt eingerichteten Häuser und
[31:14] bekommen zum 18. Geburtstag mindestens drei Autos und 25 Geschenke in Form von
[31:19] irgendwelchen Geburtstags-Adventskalendern.
[31:22] Diese Gespräche, diese Energie sollten wir investieren in diese Gespräche,
[31:26] um unseren Kindern zu zeigen, dass das ein Teil des Lebens sein kann und dass
[31:31] das echte Leben aber woanders stattfindet.
[31:33] Das finde ich einen spannenden Aspekt, dass es sich aufs echte Leben so überträgt,
[31:38] dass es nicht nur die Zeit wegnimmt, sondern auch ein Bewusstsein für,
[31:43] reales Empfinden, also für ein reales, vielleicht auch dopaminarmes Umfeld manchmal.
[31:50] Ja, okay. Wie ist das mit knappen Zeitfenstern? Wir haben jetzt vielleicht dem
[31:54] einen oder anderen hier auch ein schlechtes Gewissen gemacht.
[31:57] Okay, gemeinsam Abendessen. Spannend, aber ich bin Krankenschwester in Schichtarbeit.
[32:02] Gemeinsame Abendessen gibt es hier überhaupt nicht und ich kann nicht abends
[32:05] im Bett nochmal, weil da bin ich längst in meiner Spätschicht und so weiter.
[32:09] Was würdest du Eltern mit sehr knappen Zeitfenstern empfehlen?
[32:13] Da würde ich tatsächlich empfehlen, sich ein machbares Zeitfenster auszusuchen
[32:17] und damit meine ich wirklich
[32:19] fünf Minuten, vielleicht alle zwei Tage, gerade auch wenn es um Alleinerziehende
[32:24] geht oder um Menschen im Schichtdienst, es ist einfach unglaublich schwierig
[32:28] und bitte nicht als noch ein Punkt auf der To-Do-Liste,
[32:31] sondern gucken, was machbar ist.
[32:33] Vielleicht auch was gucken, was einfach beiden Spaß macht, beiden Parteien,
[32:36] also Eltern und Kindern oder eben nur einer Partei und einem Kind,
[32:40] wie auch immer die Familienzusammensetzung ist,
[32:42] und zu gucken, vielleicht einfach mal gemeinsam darüber zu sprechen,
[32:45] wollen wir uns mal verabreden diese Woche zu irgendwas, was uns beiden Spaß macht.
[32:49] Und das können wirklich fünf Minuten mit dem Lieblingsgetränk auf dem Sofa sein pro Woche.
[32:55] Und dann kommen aber beide Handys auf die Kommode und in den Flugmodus,
[33:00] dass wirklich gar keine Störung erfolgen kann in dem Moment.
[33:03] Und in diesen fünf Minuten ist man dann aber wirklich nur beieinander.
[33:06] Schaut sich an, hat irgendwas Kleines noch on top.
[33:09] Irgendwie vielleicht das Lieblingsgetränk oder ein Snack oder einfach irgendwie
[33:14] einen schönen Ort. Qualität statt Quantität. Genau, unbedingt.
[33:17] Also es geht gar nicht darum, das immer stundenlang zu machen, sondern.
[33:21] Die Qualität in den Situationen wirklich zu erhöhen. Worüber verlieren Eltern,
[33:27] Verbindungen am meisten, hast du das Gefühl, im Alltag?
[33:30] Also wenn ich jetzt so mal über einen normalen Tag nachdenke,
[33:34] es gibt ja diese Momente. Es gibt ja im Auto einen Moment.
[33:37] Weißt du, wenn du gemeinsam irgendwo hinfährst?
[33:40] Es gibt, wenn man im Badezimmer nebeneinander die Zähne putzt oder so und sich
[33:44] irgendwie mit Zahnpasta im Mund gegenseitig noch irgendwelchen Quatsch erzählt.
[33:48] Es gibt ja diese Momente. Aber womit machen wir es kaputt?
[33:52] Ich glaube damit, dass wir sehr große Schwierigkeiten damit haben,
[33:57] im Hier und Jetzt zu sein.
[33:59] Wir sind entweder in der Vergangenheit und überlegen, wie ist der Tag gelaufen?
[34:03] Habe ich die E-Mail eigentlich richtig formuliert?
[34:05] Hätte ich da was anders machen können? Oder hat mein Kind eigentlich die Schwimmsachen
[34:10] für morgen schon gepackt? Sind die Brotdosen fertig? Also wir sind ganz selten
[34:14] wirklich in dem Moment, in dem wir mit der Zahnpasta im Mund nebeneinander stehen.
[34:18] Auch wenn wir physisch da sind, aber mit dem Kopf eben nicht.
[34:22] Ich glaube, das ist das, was uns Erwachsenen unglaublich schwerfällt.
[34:24] Was der Alltag natürlich mit sich bringt, also ohne das als Vorwurf zu meinen.
[34:28] Ich glaube, das ist wirklich was, was wir uns häufiger vornehmen können.
[34:32] Ich sage zu meinen Kindern immer gerne, dass sie versuchen sollen,
[34:34] mit dem Kopf da zu sein, wo die Füße sind.
[34:38] Das ist tatsächlich mein liebster Satz und ertappe mich wahnsinnig oft selbst
[34:41] dabei, dass mein Kopf überall ist, aber nicht da, wo die Füße sind.
[34:44] Ich ertappe mich auch manchmal bei diesem ständigen Optimierungsmodus.
[34:48] Also wenn wir dann, ich habe gerade an diese Zahnpasta-Situation gedacht,
[34:51] wahrscheinlich würde mir immer dann ein, kannst du bitte ein bisschen näher
[34:54] ans Waschbecken gehen, weil sonst haben wir ja gleich Zahnpasta-Flecken und so weiter.
[34:58] Solche Dinge, ne? Also Erziehung ist, glaube ich, manchmal auch ein ganz schöner,
[35:02] Nähe-Killer, oder? Ja, unbedingt, ja.
[35:05] Weil die Wünsche von Eltern und Kindern natürlich auch so weit auseinander gehen
[35:09] und Eltern natürlich hinter Erziehungsmomenten auch einfach mehr Arbeit sehen.
[35:13] Also was passiert denn, wenn der Turnbeutel nicht ausgepackt ist?
[35:17] Wer macht es denn dann? Es ist einfach noch ein Punkt auf meiner To-Do-Liste
[35:20] und das Kind rollt mit den Augen und denkt, ja toll.
[35:23] Aber was ist dann der, gerade wenn man sich so selten sieht,
[35:26] sage ich mal, also gerade, mir fällt das wirklich auf bei den Teenagern,
[35:30] Dann hat man eine Stunde lang sich nicht gesehen.
[35:33] Man hat schon gesehen, aha, der Schulranzen ist hier wieder unten stehen geblieben.
[35:37] Die Schuhe hätte man auch mal in den Schuhschrank räumen können.
[35:40] Ach, schön, der Joghurtbecher ist nicht im Müll gelandet. Man sammelt,
[35:44] dann sieht man das Kind zwei Stunden nicht. Dann kommt es irgendwie aus dem
[35:47] Zimmer, vom Training, aus der Schule, wie auch immer.
[35:50] Und dann hat man ja schon so fünf Sachen auf der Liste, die man dann schon mal
[35:53] so abarbeiten könnte mit dem Kind.
[35:55] Und der Puls ist schon erhöht. Der Puls ist schon erhöht und man sieht sich
[35:58] ja eh so seltener. Na klar könnte ich jetzt sagen, okay, ich gehe erstmal in
[36:01] diesen fünf Minuten, die ich habe, in Verbindung und bla.
[36:04] Und manchmal knallt es ja dann doch so einem raus. Sag mal, gut,
[36:07] dass du kommst. Ich habe ja noch so fünf Sachen auf der Liste.
[36:11] Also das sind so diese Momente. Zum Glück ertappe ich mich da oft vorher bei
[36:15] und unterbinde das dann auch. Aber ich finde auch, das ist nochmal so ein wichtiger Punkt.
[36:19] Es ist auch nicht immer so einfach. Also es klingt so einfach.
[36:23] Und dann kommen die Kinder und dann ist man in Verbindung.
[36:25] Und manchmal ist das sauschwer, sich und die eigenen Sachen so hinten anzustellen und zu sagen, nein.
[36:31] Beziehung vor Erziehung. Und da würde ich jetzt vielleicht als nicht-therapeutischen
[36:36] Ratschlag sagen, behalte das unbedingt bei.
[36:39] Dieses authentisch zu sein und darauf hinzuweisen, was meinen Alltag gerade
[36:43] irgendwie schwerer gemacht hat, ist auch völlig in Ordnung.
[36:46] Also jetzt zu sagen, auch wenn du sagst, du ertappst dich dann vorher dabei, das ist toll.
[36:51] Und gleichzeitig je mehr du runterschluckst, desto weniger fühlst du dich selber ja auch gesehen.
[36:55] Ich meine nicht, dass ich es runterschlucke, sondern ich meine,
[36:57] dass ich mich dabei ertappe. Und dass es schön wäre, wenn man jetzt erstmal
[37:00] ordentlich Hallo sagen würde, wenn man ordentlich mein Putz.
[37:03] Aber kannst du ordentlich Hallo sagen, wenn du eigentlich schon fünf Dinge auf
[37:06] dieser Liste hast, die dich ärgern?
[37:09] Muss ich ja kurz überlegen, aber mich ärgern so Sachen immer nicht so sehr,
[37:13] weil ich mich da noch so gut reinfühlen kann, wie ich so war mit 14.
[37:17] Man ist ja nicht böse, weil man es nicht macht, sondern man ist nur so in seinem
[37:21] eigenen Quark. Selektives Sehen. Total.
[37:24] Und da kann ich mich noch so gut dran erinnern. Und deswegen,
[37:28] also mein Mann hat ja schneller Puls als ich, aber vielleicht,
[37:32] ja, ich bin da nicht so sauer, sondern ich habe es einfach nur auf meiner Liste.
[37:35] Ich möchte es anmerken, weil ich möchte ja, dass sie ein Bewusstsein dafür entwickeln
[37:38] und dass sie es noch machen. Weil was ich nicht mache, ist dann für sie machen.
[37:41] Ja. Aber ich versuche dann zu sagen so, na, war schön in der Schule, ja, cool, bla bla.
[37:46] Und dann zu sagen, ich hätte ganz gerne noch, dass du die drei,
[37:49] vier Sachen machst und morgen fände ich es toll, wenn ich es nicht extra nochmal sagen muss.
[37:53] Aber ja, aber klar, kommt auch ein bisschen auf den Zustand,
[37:57] auf den eigenen an, wie genervt man ist.
[38:00] Und wenn ich solche Situationen habe, in denen es mich dann manchmal doch ärgert,
[38:04] weil es dann noch drei Dinge auf meiner To-Do-Liste wären, ist zu versuchen, es andersrum zu machen.
[38:09] Also es in respektvoll und auf Augenhöhe anzusprechen und zu sagen,
[38:12] hey, wäre super, wenn du das und das noch machen könntest und dann in Verbindung zu gehen.
[38:16] Weil im Zweifel, wenn ich versuche, in Verbindung zu gehen und dann zu sagen,
[38:19] ach, was ich übrigens noch sagen wollte, ist das zumindest bei meinen Kindern
[38:23] dann immer, dass die Verbindung von vorher so ein bisschen weggewischt ist,
[38:26] weil dann der Appell danach kam. Aber da sind Kinder wahrscheinlich auch sehr unterschiedlich.
[38:31] Ja, total. Und da ist man selbst auch unterschiedlich. Und auch je nachdem,
[38:34] wo man im Zyklus ist, je nachdem, was sonst noch so auf der Liste heute stand.
[38:38] Ich glaube, wenn man in so einen Modus von nicht mehr Machbarkeit kommt,
[38:42] dann kann dann noch so viel Verständnis auf der kognitiven Ebene sein.
[38:45] Dann platzt man eben doch mal. Ja, wir haben tatsächlich eine ganz witzige Sache
[38:49] entwickelt zu Hause. Das haben wir wieder so ein bisschen schleifen lassen,
[38:51] fällt mir gerade ein, wo ich es so erzähle, ist, dass wir irgendwann mal aufschreiben
[38:55] mussten, wer wofür im Haushalt zuständig ist. Einfach, weil das immer wieder Streitthema war.
[38:59] Und dann haben wir gesagt, okay, wir halten es jetzt irgendwo mal schriftlich
[39:01] fest, weil es nicht funktioniert. Und dann haben wir gesagt,
[39:03] jeder hat bestimmte Aufgaben im Haushalt plus zwei Dinge am Tag.
[39:07] Die nicht schriftlich festgehalten sind.
[39:09] Also irgendwas liebt auf der Treppe, nimm es mit nach oben.
[39:13] Dein Bruder hat drei Bücher in der Hand und die Tür vor ihm ist zu, halt ihm die Tür auf.
[39:17] Du siehst, dass das Glas auf dem Geschirrspieler steht, stell es rein.
[39:21] Also so Dinge, die für uns Eltern immer so diesen Mental Load bedeuten.
[39:25] Diese tausend Dinge, die auf keiner Liste stehen und die trotzdem anfallen jeden Tag.
[39:30] Dass jeder noch zwei Kleinigkeiten von diesen nicht festgelegten Dingen macht,
[39:35] die einfach einer anderen Person in der Familie das Leben erleichtern. Ja, genau.
[39:39] Ja, und wo du gerade von diesem Gesehenwerden auch gesprochen hast,
[39:43] wir haben tatsächlich auch mal so eine Liste gemacht, wo wir alles,
[39:46] was wir getan haben, für die Allgemeinheit aufgeschrieben haben.
[39:50] Um es sichtbar zu machen. Ja, um es sichtbar zu machen, weil es auch für die
[39:53] Kinder manchmal so ungerecht ist.
[39:56] Also ich glaube, gerade wenn man mehrere Kinder hat, man tendiert manchmal dazu,
[40:00] das leichtere Kind etwas mehr zu bitten, weil man da nicht ganz so viel Gegenwind
[40:04] noch kassiert. Oder das Größere. Oder das Größere.
[40:07] Oder dass man es dann doch eben selbst macht. Oder dass man sich am Abend fragt,
[40:10] warum bin ich eigentlich so im Eimer?
[40:13] Es ist doch nichts gewesen heute. Die Wohnung sieht genauso aus wie heute Morgen.
[40:16] Wie viel Arbeit das aber so.
[40:19] Dass es hier genauso aussieht wie heute Morgen, das ist ja so unsichtbar.
[40:23] Und das hat uns extrem geholfen, ein bisschen mehr Fairness zu sehen und plötzlich
[40:28] haben die Kinder ganz anders Dinge gemacht, weil sie was auf eine Liste schreiben konnten
[40:32] und das Gefühl hatten, es passiert dann eben nicht, dass, weiß ich nicht,
[40:36] Papa abends nach Hause kommt und sagt, kannst du nochmal schnell saugen,
[40:39] weil man hat ja schon fünf Sachen gemacht, da konnte man drauf hinweisen und
[40:42] darauf hinweisen, dass das Geschwisterkind da nur zwei Sachen drauf stehen hat, die echt easy waren.
[40:47] Und plötzlich war das so eine, also dieses Gesehenwerden hat ja so viele Aspekte,
[40:52] auch von Ungerechtigkeiten vermeiden. Ich glaube, das kann auch Verbindungen richtig krass kappen.
[40:57] Ja, unbedingt. Gerade bei Geschwistern, also gerade in Familien mit mehr als
[41:00] einem Kind, ist das ja ein wahnsinnig großes Thema.
[41:03] Und ich kann ja nur über mich sprechen, aber ich würde immer denken,
[41:07] die beiden werden total fair behandelt und trotzdem fühlen sie sich zu 80 Prozent
[41:10] des Tages ungerecht behandelt.
[41:12] Das ist eine super Möglichkeit, das einmal wirklich zu visualisieren und zu
[41:15] sagen, okay, guck mal, was passiert ist.
[41:17] Und manchmal sind die Kinder dann im Widerstandsmodus und sagen,
[41:21] das stimmt ja gar nicht. Und dann siehst du den Blick und dann,
[41:23] okay, könnte doch so passiert sein. Ja, könnte doch so passiert sein, genau.
[41:28] Und auch gleichzeitig, dass Kinder ein Gefühl dafür bekommen,
[41:30] was Eltern eigentlich den ganzen Tag an kleinen Schritten gemacht haben,
[41:33] ohne dass es dann in einem Vorwurf enden soll.
[41:36] Aber das mal wirklich aufzuschreiben und zu sehen, kann, glaube ich,
[41:39] ganz viel verändern. Total, und Kinder sind ja total gerecht.
[41:42] Ich weiß, dass mein zwölfjähriger Sohn einmal auf die Liste geguckt hat und
[41:45] gesagt hat, oha, Mama, du setzt dich jetzt aber mal hin.
[41:49] Das war total niedlich, weil er einfach gesehen hat, okay, Mama ist schon auf Seite zwei hier gerade.
[41:54] Und das ist aber auch schön, weil dann wird man auch selbst gesehen.
[41:57] Auch das schafft ja irgendwo Verbindungen. Ja, unbedingt. Und man fühlt sich
[42:01] nicht mehr ganz so in diesem Meckermodus. Weißt du, was ich heute den ganzen
[42:04] Tag, ich habe auch keine Lust.
[42:06] Ja, genau. Das ist eine schöne Idee. Du hast mir ein total schönes Zitat geschickt
[42:14] letztens. Das fand ich total schön. Also wir haben uns überlegt,
[42:17] über was sprechen wir hier und so weiter.
[42:19] Und es ging irgendwie darum, dass Aufmerksamkeit ja irgendwie auch,
[42:23] also die Summe von, du kannst das bestimmt, du weißt bestimmt,
[42:26] welches Zitat du mir gesprungen hast, fand das so schön. Erzählst du es einmal.
[42:30] Das Leben besteht aus den Momenten, denen wir unsere Aufmerksamkeit schenken.
[42:34] Das hat mich total berührt, als ich das gelesen habe, weil ich dachte, ja, das stimmt.
[42:38] Wie vielen Momenten schenken wir keine Aufmerksamkeit, gerade im Familienalltag?
[42:43] In wie vielen Momenten sind wir eigentlich gar nicht richtig da,
[42:45] weil wir mit dem Kopf in der Vergangenheit oder in der Zukunft sind?
[42:49] Und unser Leben besteht eben aus den Momenten, denen wir unsere Aufmerksamkeit
[42:52] schenken. Das finde ich so wunderschön und ist echt eine ganz tolle Motivation,
[42:57] die man sich häufiger mal wieder in den Kopf holen sollte.
[43:00] Finde ich nämlich ein richtig schönes Schlusswort.
[43:04] Vielen, vielen Dank, Daniela. Also ich glaube, das ist ja alles nicht super
[43:08] neu, über was wir hier reden, aber ich glaube, es ist so wichtig,
[43:11] sich das immer mal der Sache Aufmerksamkeit zu schenken.
[43:15] Weil natürlich weiß man es irgendwie und natürlich fühlt man es auch,
[43:18] Auch wenn man gerade in dieser Rush-Hour des Lebens, zwischen Job,
[43:21] Kindern, Haushalt, Paarzeit, Me-Time, alles.
[43:26] Also wenn man da so diese Jonglierbälle in der Luft hat, man merkt das ja,
[43:30] dass man nicht so ganz im Hier und Jetzt ist und dass da irgendwie was flöten
[43:33] geht. Aber ich finde es so wichtig, sich das auch nochmal bewusst zu machen.
[43:36] Ich finde, was mich an dem Thema immer so berührt, ist, wenn es für uns im Alltag
[43:41] nochmal fünf Minuten on top sind auf der To-Do-Liste, dann bedeutet,
[43:44] dass wir unsere Kinder im zukünftigen Leben ja aber, dass sie ein verbundeneres Leben fühlen können.
[43:49] Ich würde meinen Kindern total wünschen, dass sie ein Bewusstsein dafür haben,
[43:53] was es eigentlich bedeutet, in Verbindung zu gehen und auch diese Beziehung
[43:57] führen können, wenn sie erwachsen sind und sich vielleicht im besten Fall auch dabei zu ertappen,
[44:01] wenn sie selber mal in so einem Moment von emotionaler Distanz sind und dann
[44:04] umschalten können und sagen können, oh, ich glaube, da fehlt mir gerade was.
[44:09] Ich finde, dafür ist es die wirklich kleine Investition wert,
[44:12] um unseren Kindern das mitzugeben, sich wirklich gesehen und geliebt zu fühlen.
[44:16] Total. Und das dauert sechs Sekunden.
[44:20] Dass die Seele fühlt, dass sie umarmt wird. Sechs Sekunden sich umarmen,
[44:23] sechs Sekunden bei jemandem sein, bis Verbindung wirklich gefühlt wird und diesen
[44:30] Hormonhaushalt nochmal ein bisschen in eine schöne Richtung durch ihn einabringen.
[44:33] Genau. Wenn die fünf Minuten keinen Platz haben, dann sind das die sechs Sekunden, ganz genau.
[44:38] Ja, das ist richtig wichtig nochmal, sich das so vor Augen zu fühlen.
[44:41] Also ich nehme das auf jeden Fall heute wieder mit in meine Familie.
[44:44] Vielleicht machen wir auch nochmal das Murmelspiel.
[44:46] Schreiben vielleicht auch nochmal wieder auf.
[44:49] Ja, das sind ja so kleine Dinge. Und die sechs Sekunden Umarmung,
[44:53] die hatten wir auch mal zeitweise, dass das so ein Standard war,
[44:56] dass es die jeden Tag für jeden gab.
[44:58] Und ich glaube, sich das einmal wieder so vor Augen zu führen,
[45:02] was das eigentlich bedeutet, diese kleinen, kleinen Dinge, was die dann ausrichten
[45:06] können für ein ganzes Leben, für ein ganzes Kinderleben.
[45:09] Ich habe neulich ein wunderschönes Video gesehen, in dem eine Familie so eine
[45:12] Hotelklingel hat im Wohnzimmer.
[45:15] Und wenn jemand das Gefühl hat, gerade mal eine Umarmung zu brauchen oder jemand
[45:20] möchte gesehen werden, dann darf man da drauf klingeln. Und in dem Moment muss
[45:23] dann wirklich alles stehen und liegen gelassen werden und dann gibt es eine
[45:25] Umarmung in der Familie. So schön.
[45:27] Habe ich noch nicht umgesetzt, aber habe ich auch gedacht, ja,
[45:30] ich glaube, ich brauche auch so eine Klingel.
[45:32] Total und auch Teenies. Es ist dann ein bisschen die Kunst, einen Kaktus zu
[45:37] umarmen. Aber auch das schafft man in den richtigen Momenten.
[45:42] Und bei uns geht es am nächsten Donnerstag weiter mit einer neuen Folge mit Elke Schicke.
[45:46] Wenn ihr Fragen habt, auch an Daniela, wir leiten das gerne weiter,
[45:49] dann schreibt uns an podcast.eltern.de.
[45:52] Wenn ihr sehen wollt, was Daniela
[45:54] noch so macht oder mit ihr mal sprechen wollt, mit ihr arbeiten wollt.
[45:56] Darüber haben wir jetzt gar nicht so richtig gesprochen, aber du machst ja zum
[45:58] Beispiel auch Hypnose-Therapie bei Kindern.
[46:00] Das finde ich auch sehr, sehr spannend. Und also, wenn ihr die Stimme sehr angenehm
[46:04] fandet, wie ich, dann schreibt uns gerne, wir leiten weiter oder guckt in den Shownotes.
[46:08] Da vertaggen wir dann auch nochmal ihren Instagram-Kanal und ihre Kontaktdaten.
[46:13] Und vielen, vielen Dank dir, Daniela, für deine Zeit und für deine Antworten.
[46:17] Ja, vielen Dank für die Einladung. Das war sehr schön. Das fand ich auch.
[46:20] Und dann würden wir sagen, bis nächsten Dornen.

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