# Mein Kind hat Angst – wie kann ich helfen?

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 8 Oct 2026, 45 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/253151-eure-fragen-mein-kind-hat-angst.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=253151

Was soll ich tun, wenn mein Kind ständig Angst hat? Mit dieser Frage wendet sich eine Hörerin an Elke und Christine. Die beiden packen einen ganzen Notfallrucksack voller leicht umsetzbarer Tipps und Tools für die verschiedensten Situationen und erklären, wie Angst überhaupt funktioniert, warum sie gar nicht so komplex ist wie gedacht, wie man sie Kindern verständlich macht und wann trotz aller Tipps professionelle Hilfe gebraucht wird. Eine Folge, die hoffentlich ganz viele Eltern erreicht und so Kindern dabei hilft, ohne Angst einzuschlafen oder das zu tun, was sie gerne tun würden mit einer großen Portion Mut im Herzen. ELTERNgespräch-Folge: Erzähl mir keine Märchen Buch: Gutenachtgeschichten für Celeste Buch: Der Tag, an dem Louis gefressen wurde Buch: Die drei Räuber Buch: Ronja Räubertochter Buch: Wir gehen auf Bärenjagd Mehr von Elke Schicke: Website Buch von Elke Schicke: 33 Sätze für eine glückliche Kindheit Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig*# Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Insofern finde ich Angst, ein gutes Gefühl zu haben und zu kennen und dass ich
[0:03] die Angst auch zu einer guten Freundin zu machen.
[0:06] Und wenn die Angst aber keine Freundin mehr ist, sondern im Weg rumliegt und
[0:10] dafür sorgt, dass ich stolpere und meine Erfahrungsräume nicht auslebe,
[0:15] dann würde ich mir Unterstützung suchen.
[0:20] Hi und schön, dass du da bist, hier beim Elterngespräch, dem Podcast von Eltern für Eltern.
[0:25] Ich bin Christine, Journalistin, Autorin und Mama von vier Kindern.
[0:29] Alle zwei Wochen geht es hier um eure Fragen. Natürlich nicht ohne Elke Schicke,
[0:33] der Diplom-Psychologin und systemischen Therapeutin unseres und eures Vertrauens.
[0:40] Hallo Elke! Na Christine, du siehst so frisch und entschappt aus.
[0:45] Ich bin einer der wenigen Menschen, die sich freuen, wenn der Herbst kommt. Ja?
[0:50] Ich auch, weil es so schön bunt ist. So, nämlich. Und dann will ich immer bunten
[0:53] schon die Wälder singen und so.
[0:54] So, und dann freue ich mich nämlich auch auf dieses Ganze, ein bisschen einigeln,
[0:58] dann wird es abends dunkler und alles wird ein bisschen ruhiger und entspannter und ich liebe das.
[1:03] Ja, das Einzige, was ich hasse, sind Socken.
[1:07] Socken? Ich laufe ehrlich gesagt, sobald es möglich ist, ohne Socken rum und
[1:12] die Zeit, wo man sich wieder Strümpfe anziehen muss, finde ich richtig schlimm.
[1:15] Ich fühle mich dann in meiner Freiheit beschnitten.
[1:18] Ja, das kann ich verstehen. Aber ich mag Socken sehr gerne. Ach so.
[1:23] Ich fühle mich also in meiner Freiheit
[1:25] beschnitten, wenn ich sie im Sommer ausziehen muss. Tine, du Strumpf!
[1:29] Echt mal. Nee, aber von daher freue ich mich auf den Herbst und ich freue mich
[1:32] ganz doll auf diese Folge, weil sie mal so voll mein Thema ist.
[1:36] Ja, weil sie kurz vor Halloween kommt. Yes, auch das, auch das.
[1:39] Oh, Halloween, das muss ich mal ganz kurz erzählen.
[1:42] Wir wohnen in einem vor, weiß ich nicht, 10, 15 Jahren angelegten Neubaugebiet,
[1:47] in Anführungsstrichen. Ist ja nicht mehr so neu.
[1:49] Und dieses Neubaugebiet ist in der Nähe von Hamburg und dort...
[1:54] Geht's richtig ab an Halloween. Wir sind der Hotspot an Halloween und es ist so
[1:59] verrückt bei uns, wirklich, dass die Hamburger, also es ist ein kleiner Vorort
[2:03] in Niedersachsen, die Hamburger kommen wirklich mit aus der Innenstadt zu uns
[2:08] und parken, also bis sonst wohin sind Autos geparkt.
[2:11] Du hast innerhalb von zehn Minuten keine Süßigkeiten mehr, aber die Leute um
[2:15] uns rum geben sich alle so Mühe wie in so einem Freizeitpark.
[2:18] Wow. Es ist ganz verrückt und auch sehr gruselig und dadurch,
[2:22] ich weiß nicht, warum meine Kinder nicht dauernd Albträume haben,
[2:24] weil die wirklich ab eins, wenn wir da, also du entkommst der Sache.
[2:28] Da stehen die gruseligsten Gestalten vor deiner Tür. Geordneter Kontakt zu Horror.
[2:32] Ja. Weißt du, was ich letztes Jahr Halloween gemacht habe? Nein.
[2:35] Da war ich bei meinem Freund Jan. Schöne Grüße an seine Nachbarin Verena. Hallo.
[2:41] Da habe ich mal dann die Tür aufgemacht und dann stehen da ja so unmotiviert
[2:44] verkleidete Kinder und dann habe ich denen immer gesagt, ach ihr seid da,
[2:47] das ist ja schön und habe denen in ihre Eimer gegriffen, das ist ja lecker das
[2:50] nehme ich, das ist ja lecker, das nehme ich auch. Fanden die auch gruselig, oder?
[2:54] Ne, das war so lustig, weil sie mich einfach mit großen Augen angeguckt haben,
[2:58] dann habe ich ihnen gesagt, also dafür, dass ihr gruselig gestalten seid,
[3:02] seid ihr kein schöner Lämmer bis sie dann irgendwann aufgewacht sind sie müssen
[3:06] uns das schon wiedergeben,
[3:08] Ja, echt mal, ey.
[3:11] Ey, Kinder nerven. Bitte, das war so lustig. Glaub ich dir sofort.
[3:16] Ja, genau. Das macht auch richtig Spaß zu erschrecken. Naja, ich finde außerdem...
[3:21] Das ist ein gutes Selbstbewusstseinstraining, zu sagen, wenn du hier als Gespenst
[3:24] stehst, dann musst du schon durch und durch gespenst sein, Engelchen.
[3:27] Du kannst nicht nur so tun.
[3:28] Also da hatte ich einen langen, sehr lustigen Abend in Fulda mit. In Fulda?
[3:32] Ja, bei mir zu Hause traue ich mich das nicht. Nee.
[3:36] Ich habe den Ruf von meinem Freund zerstört. Ach so, ja, aber das ist doch gut.
[3:39] Du kannst auch gerne mal zu uns kommen, weil wir brauchen dann immer Nachschub für Süßigkeit.
[3:44] Ich bringe dir dann aus Fulda mit, genau. Sehr gut. Cool. Also es geht um Angst
[3:48] und das ist mein Lieblingsthema, weil ich immer dachte, dass es ein hochkomplexes
[3:52] Thema ist, bis ich mich wirklich sehr damit auseinandergesetzt habe.
[3:55] Denn erzähl mal, du hast?
[3:57] Das wissen glaube ich auch schon viele, aber ich habe ja ein… Komm schon, hau raus Christi.
[4:01] Es ist mein Lieblings-Ever-Lieblings-Buchprojekt gewesen, weil ich ja ein Buch
[4:05] geschrieben habe, in dem ich mit 100 Menschen gesprochen habe darüber,
[4:08] wovor sie als Kinder Angst hatten und was so ihr bester Trick ist,
[4:12] wenn die Angst übergroß wird.
[4:14] Und es ist ein Dauerseller. Es ist ein Dauerseller. Ja, doch wirklich.
[4:17] Aber vor allem bin ich da mit ganz vielen Schulen, Kitas und so weiter unterwegs
[4:21] und bin so von Vorschule bis siebte Klasse, sage ich mal, bin ich viel unterwegs
[4:25] und auch so Familienlesungen und so.
[4:27] Und das ist so toll, weil man gegen diese Zustände, gegen dieses Gefühl von,
[4:34] es übermannt mich, es ist zu krass, weil Angst ist ja überlebenswichtig,
[4:38] aber dieses Gefühl von es ist zu krass, kann man halt was tun und einiges tun.
[4:42] Und das ist so cool, denen da so ein Potpourri, so einen schönen Blumenstrauß.
[4:48] Zu geben und zu sagen, guck mal, das kannst du machen, wenn du allein im Bett liegst und Angst hast.
[4:52] Das kannst du machen, wenn die Mathearbeit dich völlig stresst.
[4:55] Also es gibt für alle Situationen einen ganz guten Trick.
[4:58] Also wir wechseln jetzt für heute hier mal die Rollen. Ich lese vor und du bist
[5:03] mal meine Interviewpartnerin als Mr. Master Expert für Angst,
[5:08] Horror, Terror, Panik, Schock und Schande. Das ist genau, was ich brauche. Schön.
[5:14] Einmal Elke sein.
[5:17] Hallo, liebe Christine und liebe Elke. Vielen Dank für euren tollen Podcast,
[5:21] den ich sehr gern höre. Daraus konnte ich schon vieles für mich mitnehmen.
[5:24] Vor allem eure gelassene und Humor verlaut.
[5:28] Hilft mir oft, einen entspannten Blick auf so manches Thema zu werfen.
[5:31] Ich habe zwei Themen und würde mich über Input freuen. So, auf geht's.
[5:36] Wir haben zwei Kinder, viereinhalb und anderthalb. Unsere Große ist ein sehr
[5:40] kluges, wissbegieriges Kind.
[5:42] Sie ist im September geboren und sie wird daher nächstes Jahr mit fünf in die
[5:46] Schule starten. Wenn man sie fragt, ist sie auch jetzt schon bereit.
[5:50] Kognitiv ist sie auf jeden Fall sehr weit. Sie kann sich und ihre Fähigkeiten
[5:53] schon immer gut einschätzen und macht Dinge dann, wenn sie sie kann und ist
[5:57] meist auch früh damit dran.
[5:59] Sie ist sozial kompetent, hat Freundinnen im Kindergarten und außerhalb und
[6:02] wirkt auf uns oft wie ein Generalschlüssel.
[6:06] Sie kann eigentlich mit allen Kindern eine Ebene zum Spielen finden.
[6:10] Sie geht auch gern schon allein zu Freundinnen, vor allem wenn wir uns auch
[6:13] gut mit den Eltern verstehen und fühlt sich dort sicher.
[6:16] Bei Großeltern übernachtet sie alleine, seit sie knapp drei ist.
[6:20] Diese kommen aber meistens auch von beiden Seiten einmal die Woche zu uns,
[6:23] obwohl sie nicht bei uns wohnen.
[6:25] Das ist ein großes Glück. Dabei ist sie aber auch ein sehr sensibles Kind,
[6:29] das viel Sicherheit von uns, von Erwachsenenbezugspersonen braucht.
[6:33] Manchmal fällt ihr beispielsweise morgens im Kindergarten die Trennung schwer.
[6:37] Sie schläft bei uns im Familienbett und nicht im eigenen Hochbett,
[6:41] weil sie laut eigener Aussage Angst davor hat.
[6:44] Streit mit anderen Kindern oder Ärger nimmt sie sehr mit. Sie denkt viel über
[6:47] Sachen nach, hinterfragt alles und bekommt auch alles mit.
[6:51] Sie hat ein Mantra, das sie abends oft vor dem Einschlafen wiederholt.
[6:55] Mama, Papa, ich habe Angst. Ich habe Angst, dass es brennt, dass wir alle sterben,
[6:59] dass ein Dieb kommt, dass eine Bombe fällt, dass ein großer Fleischfresser kommt.
[7:04] Bis auf den Fleischfresser sind das ja alles eher realistische Ängste.
[7:08] Wir nehmen sie darin ernst und haben alle diese Themen tagsüber auch schon besprochen.
[7:12] Natürlich altersgerecht. Ihre Folgefragen, das sind oft sehr viele,
[7:16] werden alle so kurz wie möglich und so lang wie nötig beantwortet.
[7:20] Abends halte ich es kürzer, weil ich denke, dass es auch mit dem Übergang in den Schlaf zu tun hat.
[7:24] Meistens sage ich ihr, dass ich, wir da sind und aufpassen.
[7:28] Manchmal sprechen wir auch kurz noch über ein Angstthema, das wir aber dann
[7:32] auch schon besprochen haben und es ist nur eine knappe Wiederholung.
[7:36] Was ratet ihr, wie wir mit ihren Ängsten am besten umgehen, auch zu den unterschiedlichen
[7:41] Tageszeiten, kurz vor dem Einschlafen und am Tag.
[7:44] Danke für euren Input und liebe Grüße, eure Hörerin.
[7:48] So, man, man, man. Ich mache mich bereit. Christy knackt mit den Fingerkuppen.
[7:54] Das sind schon total kluge Fragen, finde ich, weil sie das ja auch schon so
[7:58] unterscheidet zwischen den Tageszeiten.
[7:59] Und das ist ja ein total wichtiger Punkt. Weil wenn du abends an Ängste rangehst,
[8:04] dann ist es eigentlich ziemlich unklug, da total reinzugehen und kognitiv das alles zu bearbeiten.
[8:10] Also wenn du dann genauer fragst, vor was genau hast du Angst und so weiter.
[8:15] Dann kurbelst du ja an, was Angst macht. Nämlich die Gedanken über das,
[8:19] was Angst macht und deswegen macht das wenig Sinn.
[8:22] Abends am besten in den Arm nehmen, also wirklich einfach wegknuddeln, Musik wegmachen.
[8:27] Also gerade diese Kinder, die so viel denken und so weiter, da ist das ja auch
[8:31] so wichtig, dass man da einfach irgendwas gegensteuert, also dass du was anbietest,
[8:34] was sie stattdessen machen können, als in ihrem Kopf alles nochmal weiter zu drehen und so weiter.
[8:39] Und da helfen zum Beispiel so Fantasiereisen aus dem Lautsprecher total gut,
[8:44] dass die dann so diese Schwere fühlen und eher in die Körperlichkeit gehen,
[8:48] als in ihrem kognitiven zu bleiben. Das sind ja die eigenen Gedanken,
[8:52] die Angst machen an dem Moment.
[8:54] Und deswegen würde ich sagen, abends auf jeden Fall eher ein Arm nehmen oder
[8:57] ein Hörspiel anmachen oder dies, das, was wir gerade besprochen haben.
[9:01] Am Tag kann man dann ja genauer fragen, hey, was war genau gestern los?
[9:05] Magst du mir das mal erzählen? Und da kann man dann nochmal ganz anders kognitiv
[9:08] rangehen, aber am Abend sind es die Körpersachen, die wirklich helfen.
[9:13] Würdest du auch so sagen, du nickst einfach nur. Ja, ja, du gehst in deiner
[9:18] Rolle der Moderatorin auf. Total, so fühlt es sich also an. Ja, einfach nur zuhören.
[9:24] Ich will jetzt nicht vorgreifen, aber total, dass ich abends dann nicht mehr ewig rein muss.
[9:29] Ich mache ja so ganz gute Erfahrungen damit, mit Kindern die Angst haben,
[9:34] Alarmanlagen zu bauen. Ja.
[9:36] Zu sagen, okay, wenn du die Angst hast, die ist da, die kann ich dir auch nicht
[9:40] wegplabbern. Was hilft denn?
[9:43] Und manchmal, also ich hatte schon Kinder mit Baseballschlägern und Brotmesser im Bett.
[9:49] Meine Tante musste mir immer die Katze ins Bett legen, die hatte natürlich gar keinen Bock abends.
[9:53] Ja genau, oder ich habe auch schon mit meinem Sohn lauter Münzen vor die Tür
[9:59] gelegt, sodass wenn jemand die Tür aufmacht, das macht.
[10:05] Also man kann lauter Sachen machen. Ich wollte ihnen einfach,
[10:08] ohne es lang zu diskutieren, sagen, in Ordnung, was hilft denn? Ja.
[10:13] Vielleicht können wir einfach auch nochmal drüber sprechen, was Angst überhaupt
[10:16] ist. Weil das, was ich halt, oder wie man es Kindern kindgerecht erklären kann,
[10:20] wie Angst funktioniert. Weil wenn Kinder etwas verstehen, ist es viel weniger
[10:24] verunsichert. Erstmal, finde ich, hört die sich ja so an, als wäre die ganz mutig.
[10:28] Was aber ja nicht bedeutet, dass sie keine Angst hat. Weil Mut und Angst ist
[10:31] ja was, was zusammengehört. Und das ist nicht das Gegenteil voneinander.
[10:35] Das Gegenteil von Angst, was würdest du sagen? Was ist das Gegenteil von Angst?
[10:38] Das Gegenteil von Angst?
[10:41] Ach, da müsste ich mal. Unbedarftheit. Ja, genau.
[10:45] Einer hat gesagt Vertrauen, das fand ich auch total schön. Weil das Gegenteil
[10:49] von Angst ist Vertrauen. Also darauf, dass ich mich retten kann, ihr mich retten werdet.
[10:54] Vertrauen ins Universum, in was weiß ich, ins Schicksal. Das wird schon. Das wird schon, genau.
[10:59] Und irgendwie schwankt sie ja. Also sie scheint diese Ängste zu haben,
[11:04] sie scheint ja auch viel nachzudenken und dann kommt sie aber immer mal wieder
[11:07] in so ein, ich brauche jetzt doch Sicherheit, um wieder so mutig zu sein.
[11:10] Naja, sie kommt ja, also wenn ich das richtig höre, ist sie immer dann mutig,
[11:16] wenn sie es kontrollieren kann und da, wo sie es nicht in den eigenen Händen
[11:20] hat, da kommt die Angst, wie bei uns allen.
[11:24] So, und was ich in den Lesungen mit den Kindern immer erkläre,
[11:27] ist, Angst ist wie so eine körpereigene Alarmanlage.
[11:30] Also wir haben unsere eigene Alarmanlage und die brauchen wir auch,
[11:33] weil sonst würden wir nicht lange überleben. Also wir würden ja aus Zeitgründen
[11:37] vielleicht die Abkürzung aus dem Fenster im fünften Stock nehmen,
[11:40] weil wir keine Angst hätten, vor dem was passiert.
[11:42] Also ist es klug, sich kurz zu überlegen, das könnte wehtun,
[11:46] ich nehme da doch lieber die Treppe.
[11:48] Die Alarmanlage hat verschiedene Sensoren und das sind unsere Sinne.
[11:51] Dann sage ich den Kindern, was für Sinne haben wir denn?
[11:54] Wie können wir wahrnehmen, ob Gefahr droht? Wir können es riechen,
[11:58] Rauch oder so. Wir können es hören, wir können es sehen und so weiter.
[12:02] Und wie jede gute Alarmanlage ist die halt super scharf gestellt und wenn ein Sensor ausfällt,
[12:08] und das ist in der Nacht ja der Fall, also das Tageslicht geht weg,
[12:12] das heißt die Augen werden schwächer, dieser Sensor verliert an Möglichkeiten
[12:16] und dann wird die halt hyper scharf gestellt auf den anderen Sensoren.
[12:20] Das ist ein total cleverer Aspekt, aber es ist natürlich was,
[12:23] was uns abends total nervt, weil wir dann jedes Knacken hören und jedes Knirschen
[12:27] und sich dann plötzlich alles kalt und komisch anfühlt.
[12:31] Und dann hat die so eine gewisse Hypersensibilität. Wenn ich mir dann noch was
[12:36] vorstelle, weil das Gehirn das dann ja
[12:38] kompensiert, diese weniger Sehkraft, kompensiert das mit inneren Bildern und
[12:42] wenn ich da dann halt blöden Mist mir überlege, dann habe ich schon verloren,
[12:45] weil das Gehirn ja nicht zwischen Realität und eigenen Gedankengut unterscheiden kann.
[12:50] Zumindest nicht dieses reptilien Gehirn, in dem die Angst entsteht.
[12:54] Und das ist halt das Tückische daran. Deswegen haben wir nachts Angst.
[12:58] Und da kannst du natürlich was gegensteuern. Mir hat zum Beispiel ein Hypnose-Therapeut
[13:02] hat mir erklärt, wie man sich so ein bisschen selbst hypnotisiert.
[13:06] Es ist natürlich so eine gewisse Trance, dass du dann halt dich an einen Strand
[13:10] träumst und ganz wichtig sind da die Gefühle, also diese haptischen Dinge,
[13:14] dass dir ganz warm ist und dass du den körnigen Sand spürst und,
[13:18] die Wellen hörst und dass du alles immer noch stärker drehst.
[13:21] Das Licht und die Wellen und die Geräusche, die Möwen,
[13:25] und je mehr du das machst, desto mehr erschaffst du dir eine innere visuelle
[13:30] Welt, die das halt wieder ausgleicht und das zum Beispiel ist ein cooles Tool,
[13:34] was man seinen Kindern auch beibringen kann, was man aber auch am Anfang mit
[13:37] denen machen kann, so angeleitet.
[13:39] Oder eben so eine Fantasiereise zu nutzen.
[13:41] Das finde ich zum Beispiel abends im Bett total hilfreich.
[13:44] Und ich habe eine Übung gelernt, die ich auch ganz toll finde.
[13:47] Es gibt ganz viele Variationen von dieser 5, 4, 3, 2, 1 Sache.
[13:50] Da gibt es ja viel mit diesem, was sehe ich, was höre ich, was rieche ich. Das kann man machen.
[13:55] Was ich ganz cool fand, war, du denkst an fünf Menschen, die du liebst.
[13:59] Du denkst an vier Lebensmittel, die du ekelhaft findest. An drei Dinge,
[14:03] die du auf eine einsame Insel mitnehmen würdest.
[14:06] Zwei Dinge, die du dir zum Geburtstag wünschst. Und einen Ort,
[14:09] an dem du jetzt gerne wärst.
[14:11] Und dann ist, also die Emotionen sind so stark in dir. Also fünf Menschen,
[14:17] die du liebst, ist ja klar, das ist so Liebe.
[14:19] Dann vier Dinge, die du ekelhaft findest. Ekel ist ja auch ein super starkes
[14:22] Gefühl. Das kann auch schon mal Platz wegnehmen von der Angst.
[14:26] Drei Dinge, die du mitnehmen würdest auf einer einsamen Insel.
[14:29] Ich würde, weiß ich nicht, ein Schiff, einen Kompass und einen Kapitän mitbringen
[14:32] und dann fühle ich mich schon wahnsinnig schlau. Und das ist so ein Selbstwirksamkeitsgefühl.
[14:37] Die Geschenke in der Zukunft, du gibst eine Zukunft, weil Angst funktioniert
[14:41] ja nur nach, du wirst sterben oder du wirst leben. Also das ist ja so ein einfacher
[14:46] Komplex, dass es eigentlich immer ja Überlebensangst ist.
[14:49] Wenn du also dem Gehirn sagst, es wird eine Zukunft geben, kriegst du schon
[14:54] mal ein bisschen Entspannung rein.
[14:55] Und das letzte jetzt ein Ort, an dem du gerne wärst, auch da wieder dieses visuelle
[14:59] Vorstellen und Abstand zwischen dich und die Sache zu bringen.
[15:03] Und das finde ich auch zum Beispiel so ein Tool, das können Kinder super leicht
[15:06] lernen und das kann man immer wieder mit ihr abends anwenden.
[15:10] Und Kinder lieben, wenn Dinge funktionieren und deswegen geben sie sich dann
[15:13] auch wirklich Mühe, dass es funktioniert. Ich finde immer ganz gut,
[15:16] sich Angst vorzustellen als ein Versicherungsmakler.
[15:22] Auch schön. Genau. Und wenn ich Angst habe, dass es brennt, dann kommt der Versicherungsmakler
[15:27] und sagt, na Frau Schäger, unterschreiben Sie mal hier.
[15:31] Dann ersetzen wir die ganzen Möbel und das ist kein Problem.
[15:34] Und dann habe ich aber auch noch Angst vor einem Unfall. Ja,
[15:37] ich muss sich keine Sorgen machen, wenn Ihnen der linke C fehlt,
[15:41] kriegen Sie 10.000 Euro.
[15:43] Und im Prinzip ist Angst ja genau die Frage, was passiert eigentlich, wenn?
[15:48] Und die Frage zu Ende zu beantworten. Wenn hier ein Räuber kommt, dann wacht die Mama auf.
[15:56] Und du weißt ja, wenn die Mama wütend ist, da fliehen ja die stärksten Männer
[16:02] mit wehenden Fahnen die Treppen runter.
[16:04] Also meistens entsteht ja Angst oder die unüberwindbare Angst,
[16:08] weil die Kinder auf dem Höhepunkt stehen bleiben.
[16:12] Wir Erwachsene ja auch. Und dann scheinbar nicht mehr weiter wissen.
[16:16] Versicherungsmakler technisch die Geschichte zu Ende zu erzählen.
[16:20] Wenn wir nach Hause kommen und alles ist ausgeraubt, das Wichtigste kann mir
[16:24] keiner klaren, das bist du.
[16:26] Ja, voll. Und dann, was machen wir? Dann müssen wir die Sachen neu kaufen,
[16:30] dann müssen wir mit der Versicherung sprechen, dann würde ich mir eine grüne
[16:33] Couch kaufen, die hier ist ja immer Dreck. Also, was passiert?
[16:37] Und das ist ja eins von, ach so…,
[16:40] Es ist niemals zu Ende. Und das ist übrigens das, was in den Interviews mir
[16:44] Thomas Müller, hier der Fußballer, mir gesagt hat. Er malt sich das schlimmste Szenario aus.
[16:49] Zum Beispiel bei der WM 2014 war das. Wann haben sie gewonnen?
[16:53] Oh Gott, jetzt bringen mich alle um hier. Da lacht sie mich aus.
[16:58] Naja, egal. Also beim WM-Endspiel, in dem sie gewonnen haben,
[17:02] da hat er natürlich auch die Hosen gestrichen voll. Das finden Kinder schon
[17:05] immer mega interessant, dass auch solche Leute wie er die Hosen gestrichen voll haben.
[17:09] Und frage ich die auch immer, wovor könnte der Angst gehabt haben?
[17:12] Und der hatte natürlich nicht Angst, sich zu verletzen oder so,
[17:14] sondern halt irgendwas zu machen, dass das ganze Nation ihn hasst.
[17:17] Und sein Top-Plan war dann, wenn das passieren würde, dann könnte er immer noch
[17:21] sich einen Reiterhof in Frankreich kaufen, weil in Frankreich würden ihn dann ja alle lieben. Ach so.
[17:27] Wenn er die Deutschen im Fußball vernichtet hat. Das war natürlich ein bisschen
[17:31] lustig gemeint und so weiter, aber das ist natürlich ein coole,
[17:34] ja, das ist genau das, was er gemacht hat. Der Versicherungsmakler hat eine
[17:37] Antwort darauf. Und das ist ja klug, weil dieses Ernstnehmen ist,
[17:40] glaube ich, total wichtig.
[17:42] Aber würdest du das wirklich die ganze Spirale abends aufrollen?
[17:45] Okay, wenn jetzt wirklich ein Räuber käme, das kann man am nächsten Tag gut
[17:48] machen. Es kommt so ein bisschen drauf an, auf das Kind. Aber einige Kinder
[17:51] beruhigt es dann. Also ich, es ist ja völlig idiotisch, einem Kind ein Brotmesser
[17:55] ins Bett zu legen. Aber die Idee von...
[17:57] Da hätte ich Angst. Nee, überhaupt nicht. Die stürzen sich doch...
[18:00] Das Brotmesser steht doch nicht aufrecht. Das liegt da rum. Also gut, wie auch immer.
[18:03] Das muss man ja nicht. Muss man ja nicht. Aber den Kindern das Gefühl zu geben.
[18:11] Ich kann etwas tun. Ich bin nicht ausgeliefert.
[18:15] Und die denken ja auch häufig in ihrem niedlichen Größenwahnsinn,
[18:19] dass eine Räuberangst vor einem Fünfjährigen mit Brotmesser hätte.
[18:23] In dem Glauben würde ich sie lassen.
[18:25] Total. Man kann aber auch mal ein bisschen Dampf unter den Feuermelder halten
[18:30] und zeigen, was eigentlich passiert, wenn da auch nur ein bisschen Dampf ist.
[18:33] Das geht sehr schnell. Das weiß ich, weil mein Mann den Feuermelder bei uns
[18:36] über dem Herd angebracht hat.
[18:37] Er hat ihn mittlerweile entfernt. Vielen Dank dafür.
[18:41] Das geht recht schnell. Das hilft ja auch.
[18:44] Und das ist wirklich cool. Man kann der Angst auch Namen geben.
[18:47] Man kann auch sagen, okay, Fritz. Und Fritz übertreibt halt immer.
[18:50] Weil dann kann man auch mal sagen, die Klappe Fritz.
[18:53] Das ist einfacher als zu sagen, ich muss ja keine Angst haben.
[18:56] Was ich so interessant fand in dieser ganzen Arbeit, die ich da so gemacht habe
[19:00] für das Buch, dass das ja wirklich dieses Angstzentrum, dieser Mandelkern,
[19:04] in dem das stattfindet, was man ja auch Reptilien-Gehirn nennt,
[19:07] weil es halt schon so alt, aber auch so einfach gebaut ist.
[19:10] Das ist ja so unkomplex, aber deswegen kommst du da halt auch nicht ran mit kognitiven Sachen.
[19:17] Also du kannst so oft sagen, du brauchst aber doch keine Angst haben und so
[19:20] weiter, aber das kommt da ja gar nicht an.
[19:22] Ich weiß, was ich mal bei Angst ganz interessant finde. Also diese typischen
[19:26] Reaktionen sind ja die einen, die angreifen in Angst, die anderen,
[19:30] die weggehen und die anderen, die so tun, als ob sie tot wären.
[19:34] Also dieses Freeze. Fight, flight, freeze, genau. Genau.
[19:38] Und häufig ist es so, dass Kinder von sich erwarten, dass sie angreifen und
[19:43] sich zur Wehr setzen und wenn sie das nicht können, als eine Schlappe erleben.
[19:48] Und ich finde es ganz gut mit Kindern nur zu sagen, das ist ein bisschen uns
[19:51] allen angeboren. Ich bin ja immer so auf den Organismen rum.
[19:54] Also die einen von uns sind Löwen, die greifen an.
[19:56] Die anderen von uns sind Pferde, die reiten weg.
[20:00] Und dann gibt es Käfer, die sehr gut überleben, wenn die sich mal kurz totstellen. Genau.
[20:05] Dieses Weggehen ist keine Schwäche, ist richtig klug.
[20:10] Und das Angreifen ist gar nicht aggressiv, ist richtig klug.
[20:15] Also den Kindern nochmal ihren Initialmechanismus nahezulegen als,
[20:20] das macht deinen Körper echt gut.
[20:24] Gerade für die Kinder, die eher dazu neigen, sich rauszuziehen.
[20:29] Oder auch den Kindern, denen man unterstellt, sie werden aggressiv.
[20:32] Das ist nicht aggressiv, das ist ein Überlebensmechanismus, der reinkickt,
[20:36] wenn es ihnen zu viel wird.
[20:38] Und ich finde das auch gut, weil man ist das ganz clever zu sagen,
[20:41] guck mal, der Papa, der geht eher in den Keller.
[20:44] Mama greift eher an, dein bester Freund. Ja, was macht der?
[20:50] Was macht deine beste Freundin? Aha. Also sich erkennen zu können und auch die
[20:55] anderen erkennen zu können. Ja.
[20:57] Das ist was ganz Hilfreiches, weil ich mir dann auch selbst eine bessere Freundin sein kann. Voll.
[21:04] Ja, total. Bei mir in der Familie wird immer noch erzählt, wie es einmal bei
[21:07] uns in der Küche gebrannt hat und ich im Kreis gerannt bin.
[21:12] Ich bin also Freeze und wegreiten in einem Das war irgendwie doof,
[21:17] Aber man denkt, man wüsste, was man täte Aber ich war ja auch noch ein Kind,
[21:21] Man verzeiht es mir Aber ja, es ist irgendwie lustig, wie komisch man dann doch
[21:24] agiert Ich hatte mal ein tolles Gefühl Mit meiner Tochter bei ihrem ersten Geburtstag Da haben wir,
[21:29] so eine Schatzjagd gemacht Und mein Freund Der hat sich als Troll verkleidet
[21:34] Hinter der Hausecke versteckt Und kam dann hervorgesprungen weil die ihm den
[21:39] Schatz klauen wollten, wie auch immer.
[21:41] Das habt ihr am ersten Geburtstag gemacht? Ja, und alle Kinder sind weggerannt,
[21:44] bis auf meine Tochter. Die hatte ein Seil in der Hand, die hat das Seil genommen
[21:48] und ihm das volle Lotte ins Gesicht geschmissen und ihn angeschrien.
[21:51] Die hatten ihn ja nicht erkannt, weil er ein Träuber war.
[21:53] Und da war ich erst ein bisschen erschüttert.
[21:57] Und dann dachte ich, okay, um die machen wir keine Sorgen. Ja.
[22:00] Also, weil das so... Aber ist sie der eins geworden oder war es der erste Kindergeburtstag?
[22:03] Der sechste. Der sechste Geburtstag.
[22:05] Und das fand ich interessant, wie unmittelbar das ist, dass die anderen Kinder
[22:09] sagten, toll, ich bin doch nicht bescheuert.
[22:12] Und das ist, glaube ich, nicht trainierbar. Glaube ich auch nicht.
[22:16] Und ich finde auch, was so Angst anbelangt, ist eine tolle Möglichkeit,
[22:19] in Selbstmitgefühl zu kommen.
[22:21] Und zu lernen, sich zu trösten. Ja.
[22:26] Was machst du denn, wenn du Angst hast? Ich persönlich? Auch ich finde,
[22:31] als die Corona-Zeit war, hatte ich ziemlich Angst, weil da kam ja auch so alles gleichzeitig.
[22:36] Russland und Corona und dann war ich schwanger. Hatte aber auch noch eine 14-Jährige
[22:41] zu Hause. Es ist alles nicht so richtig kontrollierbar gewesen.
[22:44] So und mein Mann systemrelevant immer unterwegs und nicht alleine mit den Kiddies
[22:47] zu Hause. Also das war schon eine harte Zeit.
[22:50] Und was er dann gesagt hat, das werde ich auch nie vergessen.
[22:52] Und ich glaube, das war super. Er hat immer gesagt, dann müssen wir jetzt was machen.
[22:56] Wenn wir alle gerade Angst haben und Kirre werden, machen wir was.
[22:58] Und dann hat er mit den Kindern ein Gewächshaus gebaut im Garten und hat dann
[23:03] angefangen, mit denen Sachen so anzubauen. Und das haben wir dann natürlich
[23:06] tagsüber auch immer so weitergemacht.
[23:08] Das ist, glaube ich, ein ziemlich cleverer Gedanke. Und ich glaube,
[23:11] dass da viel dran ist, wenn ich Angst habe, dann fange ich an aufzuräumen, dann solche Dinge.
[23:17] Und ich halte mich auch sehr daran, es nicht zu krass nach außen zu tragen,
[23:22] sondern da tatsächlich auch, also das finde ich als Eltern halt so relevant.
[23:26] Weil man halt so viel auch überträgt. Wenn ich dauernd meine Kinder dazu ermahne,
[23:30] hier noch aufzupassen und da noch aufzupassen, dann erziehe ich natürlich sehr
[23:34] vorsichtige Kinder oder irgendwelche Haudegen, die gar keinen Bock mehr haben, auf Vorsicht.
[23:38] Aber ich weiß nicht, ob das sein muss. Ich kann auch ein bisschen manche Dinge
[23:42] mit mir selber ausmachen.
[23:43] Und sag mal, wenn du 100 Leute interviewt hast, und jetzt hast du gerade gesagt,
[23:47] das ist von Thomas Müller, fandst du das Coolste?
[23:49] Nee, fand ich nicht, aber das hat jetzt dazu gepasst. Okay, gut.
[23:51] Was sind denn deine drei Hip-Hop-Tipp-Top-Abgucker?
[23:55] Also Geschichten, die Sie mir erzählt haben oder Tipps, Tricks,
[23:58] was ich auch noch sehr gut fand von einer Gesangsprofessorin,
[24:02] die sagte, wir denken zu viel und wir fühlen zu wenig. Und sie sagte,
[24:06] dass es wahnsinnig hilft, wenn man sich so den Arm knetet zum Beispiel.
[24:10] Und sie hat das ganz süß gesagt, für Kinder hat sie gemeint,
[24:13] dass wenn man den Arm knetet, dass das wie so kleine Postboten sind,
[24:16] die man dann zurückschickt, die sagen, es ist alles gut.
[24:18] Und instinktiv tun wir sowas ja auch. Wenn ich gestresst bin,
[24:22] also wenn Erwachsenen gestresst sind, dann massieren die sich auch selber mal so.
[24:26] Also diese Anspannung rausmassieren. Und ich glaube, das ist sehr greifbar,
[24:30] vor allem für Kinder, die so zum Beispiel dazu tendieren, in der Schule schnell
[24:33] Angst zu kriegen oder so. Da kannst du ja nicht...
[24:36] 5, 4, 3, 2, 1 und so mitten in der Mathearbeit ist unangenehm.
[24:39] Da kommst du nicht weit, aber das hilft dann da ganz gut.
[24:43] Es gibt so einen coolen mitten in der Handfläche. In der Mitte der Handfläche
[24:46] ist so ein Notfallpunkt.
[24:48] Wenn man auf den richtig, das ist das selbe, was die Professoren gesagt,
[24:50] richtig doll draufdrückt.
[24:51] Also da, wo praktisch das Sonnengeflecht der Hand ist. Und das so ein bis zwei
[24:56] Minuten richtig doll. Das ist nicht massieren, sondern doll doll drücken.
[24:59] Das ist auch eine super Möglichkeit, um Pallung rauszunehmen. Ja, voll gut.
[25:04] Auch gut fand ich, aus dem Nitra-Yoga kommt das.
[25:08] Die linke Hand hältst du vor dich und mit der rechten Hand gehst du dann an
[25:11] den kleinen Finger und nimmst den so in die Hand und sagst kleiner Finger.
[25:15] Kannst auch in Gedanken, aber noch cooler ist, wenn du es sagst.
[25:18] Dann nimmst du einen Ringfinger, Mittelfinger, Zeigefinger, Daumen und dann
[25:22] gehst du zurück. Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger, kleiner Finger.
[25:28] Da muss man sich konzentrieren, weil du dann ja auch zurückgehst und die Reihenfolge anders ist.
[25:33] Du gehst automatisch aus diesem Hyperfokus, aus der Angst halt raus.
[25:37] Und das ist, glaube ich, auch egal, was du tust, um aus diesem Fokus rauszugehen, das ist immer gut.
[25:43] Was ich spannend fand, war, dass wirklich halt alle 100 Menschen sagen konnten, dass sie,
[25:49] Angst gespürt haben schon in ihrem Leben und wie sich das anfühlt,
[25:53] außer ältere Männer tatsächlich hatten ein Vokabularproblem. Ja, das glaube ich.
[25:58] Oder ich hatte ein Vokabularproblem, weil ich wirklich mit älteren Männern dann,
[26:02] wenn ich die gefragt habe, so Angst, dann kam erst mal so Angst,
[26:05] weiß ich jetzt nicht, also Angst, was habe ich denn Angst?
[26:08] Wenn man gesagt hat, mulmiges Gefühl, bisschen ungutes Gefühl, ach so, okay.
[26:13] Dann kam es, aber da steckt noch so sehr dieses Männer haben keine Angst,
[26:18] Jungs haben keine Angst, Indianer kennen keinen Schmerz, was weiß ich,
[26:21] was da alles für ein dummes Zeug geredet wurde.
[26:23] Das hängt noch ganz tief in denen drin und deswegen können die das nicht benennen
[26:27] und deswegen können sie es wahrscheinlich auch relativ schlecht begleiten.
[26:31] Und sind dann manchmal, also ich kann mir vorstellen, dass einige Opas durchaus
[26:34] ein Problem bekommen, wenn ihre insbesondere männlichen Enkel zu ihnen kommen
[26:38] und sagen, Opa, ich habe so Angst.
[26:40] Und das ist vielleicht da auch nochmal ganz gut zu wissen, dass es nicht nur
[26:44] der eine Opa, sondern ein gängiges Phänomen. Und da kann man auch mit ein bisschen
[26:47] Mitgefühl und Güte drangehen und sagen, na, das wurde denen aber sowas von ausgeredet.
[26:52] Also ich kann dir mal sagen, ich habe mit fünf mit meinem Vater Tanz der Vampire
[26:56] geguckt und hatte wahnsinnige Angst. Und mein Vater fand es aber irgendwie eine
[27:02] gute Impfung und sagte, nee, also es muss jetzt zu Ende gucken,
[27:04] am Ende wird ja alles gut. Am Ende ist es ja lustig.
[27:08] Diese Härte, die denen beigebracht wurde, das kriegen die ganz schwer raus.
[27:12] Jetzt bin ich davon nicht gestorben, aber cool war es nicht. Nee.
[27:15] Also geholfen hat es, glaube ich, auch nicht. Ich hatte lange Angst vor Vampiren.
[27:19] Ja, und dieses, da musst du durch, ist natürlich eine schwierige Sache.
[27:22] Immer die Kinder aus den Situationen rauszuholen, ist aber auch eine schwierige
[27:25] Sache. Weil dann, also Vermeidung fördert Angst, ne?
[27:29] Ja, das stimmt. Aber das Tanz der Vampire nichts für eine 5,
[27:32] 6. Ja, aber genau, das wäre ja genau der Punkt zu sagen, durch was musst du
[27:36] durch, weil es nun mal so ist wie es ist, Hasilein. Und wo tue ich dir unnötig
[27:40] etwas an, was wir natürlich abbrechen, wenn es dir zu viel ist.
[27:44] Ja. Also warum solltest du? Es gibt gar keinen Mehrwert, Tanz der Vampire geguckt
[27:49] zu haben. Nein, überhaupt nicht.
[27:51] Aber was würdest du denn sagen, also das finde ich vielleicht auch nochmal ganz
[27:54] spannend für alle Eltern, die so das Thema jetzt ansprechend fanden und deswegen
[27:57] auch vielleicht reingehört haben, Was ist so ein Punkt, wo du sagst,
[28:00] okay, hier brauchen wir vielleicht dann doch professionelle Hilfe.
[28:03] Das geht jetzt so weit, dass das Leben des Kindes wahnsinnig eingeschränkt ist.
[28:06] Dass die ganze Familie sich um eine Angst eines Kindes herum...
[28:10] Ja, aber das ist die Frage ja schon die Antwort.
[28:12] Okay, also das wäre dann so schon ein Moment. Also Angst, finde ich,
[28:15] ist ein total wichtiges Gefühl. Ich würde ja auch ganz frech behaupten,
[28:19] nur die Dummen haben keine Angst.
[28:21] Die Mutigen haben ihre Angst und überwinden sie. Ja, oder lassen sie zu.
[28:27] Auch das ist manchmal auch mutig, der Angst nachzugeben. Und jetzt sage ich
[28:30] mal ganz ehrlich, Rambo ist sicherlich kein Held, wenn du überhaupt mitkriegst,
[28:34] dass er Angst haben sollte.
[28:36] Echte Helden sind die, die sagen, voll doof, echt gefährlich.
[28:43] Aus einem guten Grund tue ich es jetzt. Genau.
[28:47] Insofern finde ich Angst, ein gutes Gefühl zu haben und zu kennen und die Angst
[28:51] auch zu einer guten Freundin zu machen.
[28:54] Und wenn die Angst aber keine Freundin mehr ist, sondern im Weg rumliegt und
[28:58] dafür sorgt, dass ich stolpere und meine Erfahrungsräume nicht auslebe,
[29:03] dann würde ich mir Unterstützung suchen.
[29:05] Ja, total. Und ich weiß, ich finde auch, da gibt es ja sehr unterschiedliche
[29:09] Auffassungen, wo Eltern immer sagen, man soll Kinder nicht, Anführungsstrichen anlügen.
[29:14] Ich finde, man kann gerade dann, wenn Angst am döllsten ist,
[29:17] dieses magische Denken der Kinder total gut nutzen.
[29:21] Mein Sohn hatte Angst, bei uns über den Flur zu gehen, weil er meinte, da könne ein Schaf sein.
[29:26] Das hast du schon mal erzählt. Ja, genau. Auf die Frage, was macht denn das
[29:31] Schaf? Dann sagt er, die machen immer Mähmäh.
[29:33] Okay. Harte Nummer. Und dann habe ich ihm so ein Billo-Deko-Schaf geschenkt und dann war Jut.
[29:39] Ja, guck mal. Also warum das funktioniert, hat keine Ahnung.
[29:42] Weißt du, was so krass ist? Meine Tochter hatte immer Angst früher vor Wölfen.
[29:46] Und ich habe ihr natürlich immer gesagt, naja, es wird jetzt ja nicht hier in
[29:50] den Garten ein Wolf kommen oder keine Ahnung. Ist auch nicht passiert,
[29:52] aber pass auf, noch viel krasser.
[29:54] Es ist doch letztens in Hamburg ein Wolf in so einem Einkaufsding.
[29:58] Das ist original das Haus, in dem, das ist der erste Wohnsitz meiner Tochter gewesen.
[30:04] In diesem Haus haben wir gewohnt, mitten in Hamburg-Altona, auf der Großen Bergstraße.
[30:09] Wirklich so verrückt haben wir gewohnt und ein Wolf ist in das Haus gekommen.
[30:13] Und als ich das meiner Tochter erzählt habe, war sie so, das ist nicht dein Ernst.
[30:19] Das ist nicht dein Ernst. Das ist so lustig. Wir hatten ja immer so eine Folge
[30:22] über Märchen, so Rotkäppchen und der böse Wolf.
[30:24] Ich finde häufig so Kinderliteratur im Pupsi, Stinky, Gagga-Gagga-Bereich,
[30:30] wo ich denke, Kinderliteratur darf ruhig auch mit Angst und Trauer und Tod befasst sein.
[30:38] Weil auch das ein Lernen durch Beobachtung ist und Lernen durch Nachahmung ist. Natürlich.
[30:43] Genau. Also insofern die Frage, wie sehr strengt das ein? Und Eltern meiden
[30:47] ja so gerne die anstrengenden Gefühle mit ihren Kindern.
[30:50] Ich stehe da auf einmal an den Standpunkt und denke immer mal her mit den anstrengenden
[30:54] Gefühlen. Die müssen geübt werden.
[30:57] Und Kinder wollen die auch üben. Die wollen ja Grusel und so gerne.
[31:00] Und wenn ich sie nicht übe, dann bleiben sie immer mächtig.
[31:05] Also idealerweise bemächtige ich mich meiner Gefühle. Ich kann mich trösten.
[31:10] Ich kann mich ermutigen. Wenn ich Angst habe, kann ich mir Hilfe holen.
[31:13] Ich habe Wörter dafür. Das ist anstrengend, aber machbar.
[31:19] Und das ist, glaube ich, den Kindern nicht wegzunehmen und es auch nicht kleinzureden. Ja.
[31:25] Und sagen, ja, kann ich verstehen, habe ich auch Angst vor. Aber dieses magische
[31:28] Alter, ich weiß, wir hatten damals, als die Kinder klein waren,
[31:31] hatten wir auch so eine Gewichtsdecke, kennst du die?
[31:33] Da habe ich immer gesagt, dass ich den Sand mit meinem Mut auflade.
[31:37] Ja. Und dann spüren die aber die ganze Zeit diesen Sand, dieses Gewicht.
[31:42] Also ich habe gesagt, guck mal, ich habe eine Decke, ich lade die jetzt auf.
[31:45] Guck mal, jetzt ist die ganz schwer, mit meinem ganzen schweren Mut aufgeladen.
[31:49] Das fanden die auch gut und das hilft ja auch, weil das natürlich auch Halt
[31:52] gibt. Und so eine Gewichtsdecke ist tatsächlich auch für manche Kinder sehr
[31:55] sicherheitsgebend. Ja, ich habe eine Zeitung, das fand ich ganz interessant,
[31:59] wir sind umgezogen und da war mein Sohn schon elf, zehn oder elf.
[32:03] Und nun muss ja die Tochter 13 gewesen sein und die Kleinen acht oder neun.
[32:07] Wenn die Großen nach Hause gekommen sind und ich nicht da war,
[32:10] sind die einmal zusammen von unten bis nach oben und haben dabei laut in die Hände geklatscht. Ja.
[32:16] Um sicher zu gehen, dass da keine Räuber sind. Wo ich dachte,
[32:18] okay, also wenn die Tür abgeschlossen ist, waren keine Räuber da,
[32:20] die ziehen für gewöhnlich die Tür nur hinter sich zu.
[32:23] Aber gut. Und ich weiß noch, dass ich das, als ich das rausgefunden habe,
[32:26] das haben die mir irgendwie noch nicht als erstes erzählt, weil sie das normal
[32:30] fanden, war ich erstmal ganz schön erschüttert und dachte, oh, das ist ja furchtbar.
[32:35] Die Kinder kommen nach Hause und haben Angst.
[32:39] Dann fand ich es irgendwie ganz gut, dass die sich offensichtlich nicht beschwert
[32:42] haben, sondern gesagt haben, na gut, okay, das ist halt das, was wir tun müssen.
[32:46] Ob nun ein Räuber darauf reagiert, dass,
[32:49] zwei Kinder klatschen durchs Haus laufen, weiß ich nicht. Aber die fanden es
[32:53] irgendwie gut. Und wenn meinem Sohn das zu viel war,
[32:57] Dann hat er sich einen Gartenstuhl genommen und sich draußen auf den Bürgersteig gesetzt und gelesen.
[33:03] Das ist irgendwie süß. Es hat mich auch irgendwie gestört, weil ich dachte,
[33:08] ich will nicht jetzt die Mama sein, die gerade nicht da ist und mein armes Kind
[33:12] muss auf den Bürgersteig lesen.
[33:14] Und irgendwie fand ich es aber auch gut, dass er für sich eine Lösung gefunden
[33:17] hat. Er hat auch eine Lösung gefunden. Ja, aber ich bin mal so auf dieses Elterngefühl,
[33:21] auch auszuhalten, dass die etwas aushalten.
[33:24] Ist auch hart. Das war jetzt nicht nur geil. sagen, ich kann hier in Hamburg
[33:28] um die Häuser ziehen, meine Kinder sitzen auf der Straße rum und lesen.
[33:30] Ich fand, das war schon auch irgendwie gut und irgendwie doof zugleich. Ja, ja, voll.
[33:37] Zu den Ängsten, also das, was ich auch noch so mitgenommen habe aus diesen ganzen
[33:41] Interviews war, dass es viele Ängste gibt, die sich total, also durchs Überwinden
[33:46] in eine totale Stärke wurden.
[33:47] Also zum Beispiel hat mir der Andreas Fröhlich, da ist der Sprecher von den
[33:50] drei Fragezeichen von dem Bob Anders. Den kenne ich doch.
[33:54] Mit dem bin ich doch praktisch verliebt. Achso.
[33:57] Sollte ich eine Grundschule bin. Achso, genau. Und der hat mir erzählt,
[34:01] er war 1975 der schlechteste Vorleser seiner Klasse.
[34:05] Der allerschlechteste. Und währenddessen war aber hier Justus Jonas,
[34:08] Oliver Rohrbeck, war der beste Vorleser der ganzen Nation. Also der hat den
[34:13] Bundesvorlesewettbewerb gewonnen.
[34:15] Als er dann älter war und irgendwann drei Fragezeichen und so weiter,
[34:19] er hat es ja dann zu seinem Job gemacht vorzulesen. Warum?
[34:22] Weil er so viel darüber eben nachgedacht hat und so weiter. und dann wurde ihm
[34:26] irgendwann klar, es ist wie Geschichten erzählen. Wenn ich lese,
[34:29] dann muss ich einfach wirklich verstehen, was ich da lese und dann verlese ich mich nicht mehr.
[34:34] Und in der Tat hat das dazu geführt, dass er einer der besten Deutschlands wurde.
[34:37] Jetzt saß er irgendwann selber in der Jury.
[34:40] Und was er gemacht hat, das fand ich ganz bezaubernd. Er hat den Kindern gesagt,
[34:43] sie müssen sich mindestens einmal verlesen, damit er sich sicher sein kann,
[34:46] dass sie keine Roboter sind.
[34:47] Ach super. Ganz süß, genau. Seine eigenen Erfahrungen haben ihn so empathisch
[34:51] gemacht, dass er anderen Kindern Angst nehmen konnte.
[34:53] Und das finde ich auch so eine bezaubernde Geschichte. Und die wird auch manchmal
[34:56] an den Vorlesewettbewerben an den Schulen, wird die vorher manchmal vorgelesen.
[34:59] Das finde ich ganz schön. Also bei uns an der Grundschule wurde die gelesen.
[35:03] Das hat mich ganz gerührt, weil das eine schöne Geschichte auch war.
[35:06] Oder ein Professor, Doktor, keine Ahnung was, der den Lehrstuhl für Kinderpsychologie,
[35:11] ich glaube in Freiburg oder so, hat mir erzählt, er hatte Angst vor der Schule,
[35:14] weil er nicht mitkam. Er war nicht so schlau wie die anderen Kinder.
[35:17] Professor, Doktor heute.
[35:19] Der Astronaut, der sich irgendwann im Jahr 2000 ins All hat schießen lassen,
[35:23] hatte als kleinen Kind Angst, sie ins Planschbecken zu gehen.
[35:26] Er hatte Angst gehabt vor neuen Räumen, die sich anders anfühlen.
[35:29] Also das ist halt auch, glaube ich, für Eltern nochmal so wichtig zu begreifen.
[35:32] Und nur weil dein Kind jetzt Angst davor hat, heißt das nicht.
[35:36] Dass das für immer so sein wird.
[35:37] Das kann auch zu seiner größten Stärke werden oder eben nicht,
[35:40] aber es kann überwunden werden. Naja, und das ist nicht, also Eltern sind glaube
[35:45] ich oft so fatalistisch und denen fehlt häufig das Vertrauen darin,
[35:48] dass noch viel Entwicklung kommen wird. Ja, ja, ja.
[35:51] Und dass Angst natürlich auch hilft, vor allem wenn du es begleitest,
[35:54] genau in dem Bereich dich wirklich zu entwickeln.
[35:57] Also weil du dann ja rangehst an das Thema und sonst plätschert es vorbei.
[36:01] Und mal jetzt kurz vor Halloween, dass Angst auch total Spaß machen kann.
[36:04] Erschrecken, erschreckt werden.
[36:06] Immer dieses ein bisschen vorlaufen, weil wir entwickeln uns ja an unseren Grenzen,
[36:11] und nicht da, wo wir uns wohlfühlen.
[36:13] Und wie Kinder immer, wie wenn man mit den Kuckuck spielt oder Verstecken spielt,
[36:17] immer so ein bisschen ran und wieder weg und ein bisschen ran und wieder weg
[36:20] und denen das auch zu gönnen.
[36:22] Und ich glaube, viele Eltern ziehen die Belastungsgrenze der Kinder schon so
[36:26] früh, dass die gar nicht an ihre eigene Grenze rankommen und auch mal auszuhalten,
[36:31] dass die das selbst auslösen und toll finden.
[36:35] Und dann können die Eltern es häufig nicht aushalten. Aber wenn Kinder sich
[36:39] gegenseitig Gruselgeschichten erzählen oder sowas, oder man im Zeltlager mit
[36:42] denen eine Nachtwanderung macht, das ist dafür gedacht, dass die Kinder sich erschrecken.
[36:47] Und neuerdings kriegen die Zeltlagerleitungen immer einen Wahnsinnsärger.
[36:51] Mein Kind hatte Angst nachts. Ja, dafür machen wir eine Nachtwanderung.
[36:54] Dass die lernen, das hat Angst gemacht. Und dann haben wir es geschafft.
[36:59] Und so haben wir es geregelt. Genau.
[37:01] Und das war ein wonnevolles Angstgefühl. wie man auch manchmal ein wundervolles Wutgefühl hat.
[37:07] Die beiden Lieblingsbücher von meinem Kleinen sind Gruselgeschichten für Celeste,
[37:12] wunderbares Buch, hat Romy Pohl in einer Podcast-Folge hier empfohlen.
[37:16] Da habe ich daraufhin zum Geburtstag geschenkt und es ist jeden Abend solche
[37:19] Gruselgeschichten für Celeste vorlesen.
[37:22] Da geht es um einen Jungen, der babysittet, auf seine Schwester aufpasst und
[37:25] dann sie gruseln will und eine Gruselgeschichte nach der anderen erzählt und
[37:29] sie findet alles langweilig und doof und überhaupt nicht gruselig.
[37:32] Und er legt immer noch einen drauf und das ist wirklich gruselig,
[37:35] aber Celeste findet es gar nicht gruselig.
[37:36] Bis am Ende, er sagt ja dann, erzähl du doch. Und Celeste erzählt eine gruselige
[37:40] Geschichte, sodass er sich auf den Boden legt und vor Schreck einschläft.
[37:45] Das ist eine herrliche Geschichte. Und das liebt er. Oder der Tag,
[37:48] an dem Luis gefressen wurde. Auch großartiges Buch.
[37:52] Es gibt wirklich coole Sachen. Und was die Angst angeht, wir alle haben sie.
[37:55] Und ich glaube, der Umgang damit ist zu lernen. Das ist einfach schwer.
[37:59] Mein liebstes Gruselbuch für Kinder sind die drei Räuber von Tommy Ungerer.
[38:03] Mit diesen drei Räubern, die auch diese großen, dunklen Mützen haben und nur so Schlitzaugen.
[38:10] Und die ein kleines Mädchen klauen, die total gut mit denen zu euch kommt.
[38:13] Und so ganz happy ist er bei Ronja Räubertochter. Diese ganzen Trolle und Monster,
[38:17] die da so unterwegs sind. Diese ganzen Trolle und.
[38:24] Das ist aber ein lustvoller Umgang mit Angst und auch echter Gefahr.
[38:28] Und auch zu sagen, ja, die Welt birgt auch Gefahren. So ist es.
[38:33] Und ja, du wirst einen Umgang damit finden.
[38:36] Müssen. Ja.
[38:39] Richtig. Aber was ich wirklich mitgenommen habe, es ist echt unkomplex, das Gefühl.
[38:46] Auch wenn es so stark ist, ist es nicht besonders komplex. Und das ist halt
[38:49] cool, weil es ist wie so ein dreijähriger kleiner Bruder, den kannst du an die
[38:52] Hand nehmen und ihm sonst was erzählen.
[38:54] Also der Angst kannst du sonst was erzählen. Da kannst du erzählen,
[38:56] hey, wir sind gerade an irgendeinem Meeresstrand und chillen hier und die glaubt
[38:59] das. Und das ist halt so eine coole Nachricht eigentlich. Die glaubt dir natürlich
[39:02] leider auch, wenn du sagst, ich schätze, da in dem Schrank, der Schatten war
[39:06] gerade ein Monster und der Fleischfresser und so.
[39:09] Aber das kannst du halt auch für dich nutzen. Und ich glaube,
[39:11] das ist so wichtig, dem Kind auch zu sagen, du scheinst echt eine gute Fantasie
[39:14] zu haben, Schatz, kannst du für dich nutzen.
[39:17] So machen das ja auch Thriller-Buchautoren. Der Thriller-Buchautor hat mir erzählt,
[39:22] hat sich schon immer schlimme Geschichten ausgedacht, was alles passieren kann
[39:25] und dann aber weitergedreht, wie du es sagst, bis zum Versicherungsmakler.
[39:28] Wie würde ich mich dann rauslavieren?
[39:30] Und das ist jetzt sein Job. Nichts anderes ist Thriller-Schreiben.
[39:33] Eine schlimme Gefahr und wie würde ich mich dann verhalten?
[39:36] Und ich glaube, das ist eine Übung, die kann man machen mit Kindern.
[39:39] Ich habe lustigerweise Nachangst. Ich habe nie Vorangst.
[39:43] Du hast immer nach etwas dann Angst? Ich habe nach Angst, wenn ich in brenzlige
[39:47] Situationen komme und ich neige dazu, mich in sowas auch hinein zu manövrieren,
[39:52] weil ich so gerne Abenteuer mag. Mhm.
[39:55] Dann werde ich sehr, sehr ruhig und langsam und überlegt und still, bis es sich gelöst hat.
[40:07] Und danach bin ich so aufgeregt und müde und schlafbedürftig.
[40:13] Und danach denke ich, oh mein Gott, was hätte alles passieren können?
[40:17] Danach explodiert bei mir die Aufregung.
[40:19] Aber es ist ganz interessant, es sind eher zwei unterschiedliche Mechanismen.
[40:22] Die einen, also wenn du an einen Autounfall denkst, die ganz viel reden und
[40:26] sabbeln und die Augen wirren hin und her und die können kaum Luft holen.
[40:31] Das ist ein Schockzustand.
[40:33] Den kennt man aus Filmen, den wird dann einen runtergehauen,
[40:35] damit sie sich beruhigen. Also bitte mach das nicht.
[40:38] Und der andere Schockzustand, man nennt das Hyperarousal, also Übererregung.
[40:43] Das andere ist Hypo, also Untererregung. Das ist auch ein Schockzustand.
[40:48] Augen bewegen sich gar nicht mehr, die sind starr. Und der Blutdruck sackt nach
[40:53] unten ab. Das ist ein Schock.
[40:55] Und dann denkt man, die werden selten gut versorgt. Also außer von Fachpersonal,
[41:00] wenn man denkt, bei denen ist alles in bester Butter.
[41:02] Genau genommen schmieren die richtig fett ab. Insofern bin ich nicht ständig
[41:06] im Schock, aber ich neige eher dazu, in den unteren Erregungsrahmen zu gehen.
[41:11] Und auch das ist ganz interessant, sich nochmal klarzumachen.
[41:14] Auf beide Arten und Weisen ist das Gehirn gerade überhitzt.
[41:17] Und dann diese ganzen Tricks von wie heizt man es wieder an,
[41:21] indem man zum Beispiel Kindern, die Angst haben,
[41:24] sehr konkrete Aufgaben gibt. Und sagt so, okay, geh mal eine Wasserflasche holen
[41:29] und bring mal ein Käsebrot mit. Und nicht aus dem Keller.
[41:31] Genau, aber etwas, wo die wieder zurückkommen, das hattest du auch gesagt,
[41:34] das kann ich, das beherrsche ich.
[41:36] Und wenn ich zurück in dieser Selbstwirksamkeit bin, ach ja, genau, stimmt, ja.
[41:41] Dann ist gar nicht mehr so schlimm. Total. Ich glaube, da gibt es echt viele
[41:44] Sachen, die man machen kann und viele Tricks.
[41:46] Darf ich nochmal Werbung für ein Buch machen? Ja, bitte. Es gibt ein Buch,
[41:49] das finde ich super. Das heißt, wir gehen jetzt auf Bärenjagd.
[41:53] Kennst du das? Ich kenne nur dieses, wir gehen jetzt auf Bärenjagd.
[41:56] Wir wollen einen Bären. Also es ist eine Familie, die geht auf Bärenjagd.
[41:59] Das mit diesem, wo man dann schwimmen geht, durch so einen Tümpel und so ein
[42:02] Jagd. Und die wiederholen immer dieselbe. Und es macht sehr Spaß,
[42:05] wenn man das rhythmisch sagt, wir gehen jetzt auf Bärenjagd.
[42:07] Wir wollen einen Bären fangen.
[42:10] Darüber können wir nicht, drunter nicht. Wobei können wir nicht,
[42:13] wir müssen mittendurch.
[42:16] Angst haben wir gar keine. Wir gehen mittendurch. Und das ist total toll,
[42:21] weil die am Ende den Bären auch finden.
[42:24] Und Spoiler-Alarm, die Familie panisch nach Hause rennt, unter der Decke ist
[42:30] und dann sagt das kleine Kind am Ende, dann gehen wir wieder einen Bären jagen.
[42:34] Ah, cool. Und das ist total cool.
[42:36] Ich kenne das von meiner Kita früher noch. Also ich war im Kindergarten und
[42:40] dann haben die das vorgelesen. Das ist uralt offensichtlich.
[42:43] Aber es gibt eine neue Illustration. Aber es ist... Aber uralt.
[42:47] Und ich erinnere mich, das ist eine der wenigen Erinnerungen,
[42:51] die ich habe, dass die das so gemacht haben. Wir haben dann immer so auf die
[42:54] Beine geklatscht dabei.
[42:55] Und dann mussten wir immer so durchschwimmen und durchwarten.
[42:58] Genau, durchs Muschelgras.
[42:59] Genau, und das haben wir alles nachgemacht und am Ende durften wir alle schreiend
[43:02] unter so eine Decke rennen.
[43:03] Und ich erinnere das noch komplett, weil ich das so cool fand als Kind.
[43:08] Diese Aufregung, dass ich immer Angst hatte, wann der Bär wirklich kommt und
[43:11] wir halt schreiend alle wegrennen können. Das war so toll. Weil ich finde dieses
[43:14] Mantra, drüber können wir nicht, drunter können wir nicht, vorbei können wir
[43:18] nicht. Wir müssen mitten durch.
[43:20] Und dieses Angst haben wir gar keine. Das ist, ich finde, das hat was so ganz
[43:25] Ermutigendes und auch etwas, was man, wenn Situationen brenzlig sind,
[43:29] total gut wiederholen kann.
[43:31] Also ich kenne es nicht als Buch, sondern quasi nur als diese Geschichte,
[43:34] die wir in der Kita gehört haben. Aber ein großartiges Ding auf jeden Fall.
[43:37] Ich würde sagen, wir gehen jetzt essen. Du und ich, yay!
[43:42] Und alle anderen, hoffentlich auch, geht was Schönes essen, lasst es euch gut
[43:46] gehen. Zieht euch Socken an. Zieht euch Socken an.
[43:48] Oder zieht sie aus. Habt keine Angst vor ein Käse.
[43:53] So, genau. Und schreibt uns gerne an podcast.eltern.de. Ja, also Elke,
[43:57] gibt es noch was zu sagen? Ja, gibt noch was zu sagen.
[44:00] Ich weiß nicht, ob es gehört wurde, aber Christine hat ein Buch geschrieben
[44:03] und nicht nur das. Man kann sie auch anrufen und sagen, komm doch mal zu uns,
[44:07] lies mal mit unseren Kindern, unserer Schule, unserem Kindergarten,
[44:10] unserem philharmonischen Orchester.
[44:13] Für sie besonders gerne. Zu der Frage von, wie funktioniert das?
[44:17] Ja. Du machst das ganz schön oft, ne? Die Angst tatsächlich, ja, ja, ja, ja.
[44:22] Also so oft ich kann es, ich habe auch noch Kinder und so, aber ich bin da viel
[44:25] in Schulen in ganz Deutschland unterwegs und liebe das, weil das einfach so viel bringt.
[44:31] Und darum nehme ich mal an, dass du das gut machst, denn was wir lieben,
[44:33] machen wir für gewöhnlich gut. Wie ihr eure Kinder.

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