# Traumatisch erlebte Geburt – vorbeugen und verarbeiten

An episode of [ELTERNgespräch](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1389814425), 17 Sep 2026, 52 min.

Audio: https://ais.audiorella.com/podcasts/1839-elterngesprach/250918-traumatisch-erlebte-geburt-vorbeugen-und-verarbeiten.mp3?v=2&awCollectionId=julephosting_69e8c57900566&awEpisodeId=250918

TRIGGERWARNUNG: TRAUMATISCHE GEBURTSERLEBNISSE! Die Geburt eines Kindes ist für alle Mütter ein einschneidendes Erlebnis – für manche aber schrecklicherweise auch ein traumatisches. Wir haben mit Hebamme Katrin Wellen und Oberarzt Jürgen Maier-Wiegand darüber gesprochen, warum das so ist, was werdende Eltern im Vorhinein bestmöglich schützt und was Frauen tun können, wenn der Gedanke an die Geburt auch Wochen, Monate oder Jahre danach noch schmerzt. Eine Folge über Prävention, gelungene Geburtshilfe und das Heilen von Wunden, die keiner sehen kann. Mehr vom Krankenhaus Buchholz: Jürgen Maier-Wiegand ist Leiter der Geburtshilfe, Oberarzt und Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Sein Schwerpunkt liegt im Bereich der Geburtshilfe. Instagram Link zur Geburtshilfe im KH Buchholz Die Hebammenteams in Buchholz und Winsen freuen sich aktuell über Verstärkung. Mehr Informationen zu den offenen Stellen gibt es im Stellenportal des Krankenhauses Buchholz und Winsen. Mehr von Christine Rickhoff: Instagram Bücher von Christine Rickhoff: Für Geschwister ab 4 Jahren: Das Beste an uns: Eine Geschichte über zwei ziemlich ungleiche Geschwister* Für Mädchen ab 10 Jahren: Du bist 100% richtig* Buch mit Tipps gegen Angst ab 7 Jahre: Keine Angst vor der Angst* Schwangerschaftsbegleiter: Du & ich. Das Mama-Buch* Zum Eintragen und Verschenken: Dein Leben, deine Geschichte: Ein besonderes Erinnerungsalbum* Schwangerschaftskalender: Deine Schwangerschaft Tag für Tag* *https://www.eltern.de/services/affiliate-links-auf-elternde +++ Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: https://linktr.ee/elterngespraechpodcast +++ +++++++++++++++++ Habt ihr Lob, Tadel oder Themenvorschläge und Fragen zu den Themen Partnerschaft sowie Erziehung? Schreibt Christine eine persönliche Mail an podcast@eltern.de. Außerdem erreicht ihr uns auf unserem Instagram-Account @elternmagazin oder folgt Christine auf Instagram @christinerickhoff. Wir würden uns freuen, wenn ihr unseren Podcast auf iTunes, Spotify oder Deezer abonniert und bewertet. Unsere allgemeinen Datenschutzrichtlinien finden Sie unter https://art19.com/privacy. Die Datenschutzrichtlinien für Kalifornien sind unter https://art19.com/privacy#do-not-sell-my-info abrufbar. Infos und Links: zu unserem Youtube-Kanal Infos und Links zu unseren Werbepartnern: Lerne jetzt Shopify kennen Hier geht´s zur App Medienplanet

## Transcript

[0:00] Wenn eine Frau mit einem positiven Schwangerschaftstest in die Welt geht,
[0:03] dann werden ihr ja Geburtserlebnisse von allen Seiten vor die Füße gekippt.
[0:08] Social Media ist natürlich sehr präsent. Also ich empfehle den Frauen an jeder
[0:13] Stelle sofort, don't google with a Google und kein Instagram,
[0:17] sondern die echten Menschen zur Beratung ziehen.
[0:21] Geburt ist kein gefiltertes Instagram-Event, sondern ein so intimes,
[0:27] hormonell sensibles Ereignis.
[0:49] Und heute wagen wir uns an ein Thema, das betroffene Frauen sehr,
[0:52] sehr lange, manchmal ein Leben lang beschäftigen kann und das in den letzten
[0:56] Jahren oft diskutiert wurde.
[0:57] Allerdings auch oft in einer Art und Weise, die nicht unbedingt zuträglich ist
[1:01] für ein Wir-Gefühl im Kreißsaal.
[1:03] Das wollen wir heute anders machen, denn wir sprechen heute über traumatisch erlebte Geburten, aber
[1:08] nicht nur darüber, dass es sie gibt und wie das passieren kann,
[1:11] sondern auch und vor allem darüber, wie das Geburtsteam und die werdenden Eltern
[1:15] gemeinsam schon im Vorfeld zusammenarbeiten können, um die Gefahr zu verringern
[1:19] und wie Aufarbeitung gelingen kann, nicht alleine, sondern als Team.
[1:23] Um über all das zu sprechen, dafür habe ich mir den Leiter der Geburtshilfe,
[1:26] Jürgen Mayer-Wiegan und die Hebamme Katrin Wellen aus dem Krankenhaus in Buchholz eingeladen.
[1:31] Herzlich willkommen, schön, dass Sie beide da sind. Vielen Dank für die Einladung. Ja, danke.
[1:36] Also wenn wir von Team sprechen, Geburt ist ja erstmal eine Frau gebärt ein Kind.
[1:41] Trotzdem sprechen wir von einem Team. Wie kann man das verstehen?
[1:44] Warum ist Geburt irgendwie auch Teamarbeit?
[1:47] Also ich finde wichtig für die Eltern, dass sie vertrauensvoll sind.
[1:52] Ein Team ist irgendwie schwierig, weil Verantwortlichkeiten und Kompetenzen
[1:56] ja unterschiedlich sind.
[1:58] Natürlich haben wir andere Kompetenzen als die Eltern. Für mich ist das Wichtigste,
[2:02] dass die Schwangeren Vertrauen haben, denn Vertrauen schafft ja die Sicherheit,
[2:08] die für eine Geburt unbedingt notwendig ist.
[2:10] Das Geburt ist so ein intimes und so ein hormonell sensibles Ereignis.
[2:17] Was eben durch Zweifel und Skepsis gestört werden kann. Und ich glaube,
[2:22] diese Zweifel und Skepsis gilt es auszuräumen im Vorfeld.
[2:25] Erleben Sie, dass Schwangere manchmal so in die Klinik kommen mit diesen Zweifeln,
[2:30] mit dieser Skepsis, mit diesem Gefühl von ich gegen die?
[2:33] Auf jeden Fall, vor allem, wenn sie schwierige Erfahrungen bei den letzten Geburten hatten.
[2:39] Aber ich möchte nochmal ein Stück zurückgehen zum Team.
[2:42] Ich drösele die Sachen immer gern so ein bisschen von vorne auf.
[2:45] Der Mensch ist ein Beziehungswesen und wenn wir insbesondere als Neugeborene
[2:51] und als kleine Kinder keine guten Bezugspersonen haben, wo wir uns sicher fühlen,
[2:56] sprich wo wir eine gute Verbindung haben,
[2:59] dann haben wir ein Problem.
[3:01] Da geht es schon los mit Trauma und den Folgen.
[3:04] Und genauso ist es bei der Zusammenarbeit auch.
[3:07] Wenn wir untereinander keine gute Beziehung haben, sprich ein Team sind,
[3:13] dann können wir nicht wirklich für die Sache gemeinsam einen guten Effekt rausholen.
[3:18] Und letztendlich weiß man ja auch aus der Psychologie, dass wenn mehrere Menschen
[3:23] für eine Sache gut zusammenarbeiten, dass das Ergebnis dann wesentlich besser
[3:28] ist, wie wenn jeder allein für sich an der Sache was macht.
[3:31] Insofern Teamarbeit immer wichtig. Und das ist ganz klar im Vordergrund,
[3:37] dass wir uns gut verstehen müssen, uns auch ein klares Miteinander gibt in der Arbeit.
[3:45] Was müsste sich denn strukturell oder kulturell verändern, damit dieses Teamgefühl,
[3:50] von dem wir gerade sprechen, zur Selbstverständlichkeit wird?
[3:52] Weil ich glaube, das ist ja nicht nur einfach eine Skepsis der Schwangeren,
[3:56] sondern es ist ja schon, man wird ja komplett neu zusammengewürfelt und dann
[4:00] geht ja relativ schnell so eine Maschinerie los.
[4:02] Also was müsste sich ändern in Ihren Augen, so aus Hebammensicht,
[4:06] aber auch aus Ärzte-Sicht, damit dieses Wir-Gefühl entstehen kann?
[4:10] Also wir in Buchholz legen ja total viel Wert auf diese Anmeldegespräche,
[4:14] in denen wir schon im Vorfeld Vertrauen aufbauen, in denen die Frauen kommen
[4:20] und wir rauskriegen, was ist das für jemand?
[4:24] Also wir fragen da nicht einfach nur ab, gibt es Operationen in der Vorgeschichte,
[4:28] hast du Allergien, wo bist du geboren,
[4:31] sondern wir nutzen dieses Gespräch, um rauszukriegen, was hast du für Bedürfnisse,
[4:36] was hast du für Wünsche, was bist du für jemand, was hast du schon mal erlebt,
[4:41] hast du schon mal was sehr Beeindruckendes erlebt, wie bist du damit umgegangen.
[4:46] Gibt es vielleicht Trauma vor Erfahrungen?
[4:50] Hast du ein Schocktrauma erlebt, was zum Beispiel eine Missbrauchserfahrung
[4:56] sein könnte oder ein Entwicklungstrauma, eine schwere Kindheit?
[5:00] Also wir versuchen rauszukriegen, was ist das für jemand und wie können wir
[5:05] dich bestmöglich unter der Geburt unterstützen und wie?
[5:09] Wir freuen uns total, dass wir Zeit haben für dieses Gespräch.
[5:12] Ich glaube, diese Zeit im Vorfeld sich zu nehmen ist notwendig,
[5:17] also tatsächlich notwendig, um Not abzuwenden.
[5:22] Wer ist dann dabei bei diesem Gespräch? Sind Sie da auch dabei oder ist das
[5:25] ein Gespräch zwischen Hebamme und Frau? Wir haben zwei verschiedene Gespräche.
[5:30] Frauen, die kommen zuerst zur Hebamme und machen dort ein ausführliches Anamnese-Gespräch, wo,
[5:37] über Risiken und Krankheitsverlauf und Vorerkrankungen gesprochen wird,
[5:41] wo aber auch ganz viel eingegangen wird auf wie fühle ich mich mit der Geburt
[5:46] und was gibt es für Ängste, was gibt es für Bedürfnisse und so weiter.
[5:49] Und wenn dabei sich Dinge herauskristallisieren, die eine weitere Vertiefung
[5:54] brauchen, sei es fachlicher Art oder auch psychologischer Art,
[5:58] dann kriegen die Frauen ein Geburtsplanungsgespräch bei mir,
[6:02] wo ich mir dann nochmal Zeit nehme, sowohl von fachlicher Seite wird ein Ultraschall gemacht.
[6:08] Ich suche die ganzen Befunde zusammen und bewerte die und mache auch ein ausführliches
[6:14] Gespräch mit der Patientin.
[6:16] Was ist jetzt am besten, damit die Frau später einen guten Verlauf in der Entbindung
[6:22] hat? Was braucht es für Maßnahmen? Braucht es Psychotherapie?
[6:25] Braucht es noch eine fachliche Expertise von außerhalb oder braucht es Gespräche oder was gibt es und so?
[6:31] Und da biete ich auch gegebenenfalls an, es gibt oft Situationen, wo die Frauen
[6:36] dann sich nicht sicher sind, zum Beispiel wollen sie einen Kaiserschnitt und
[6:39] dann sage ich oft, ich gebe ihnen hier die Informationen mit,
[6:42] die wir geben können und nehmen sie sich ruhig nochmal ein paar Tage Zeit und
[6:46] überlegen zu Hause, holen sie sich eine Zweitmeinung oder
[6:49] gehen in sich und falls es nochmal ein Gespräch braucht, gerne wieder melden
[6:54] und dann machen wir nochmal ein Gespräch und entscheiden dann,
[6:57] in welche Richtung es geht.
[6:58] Also ich versuche den Frauen da möglichst wenig Druck zu machen,
[7:02] sondern in wirklichen Raum zu lassen,
[7:04] dass sie aufgrund von den Informationen, denen ich ihnen aufgrund meiner Expertise
[7:10] und Erfahrung geben kann, sie aber selber in eine gute Entscheidung kommen,
[7:15] weil jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse.
[7:19] Gerade die Soft-Skills, psychologischen Faktoren in der Geburtshilfe werden
[7:25] leider in unserem System oft unterschätzt und oft auch ein bisschen stiefmütterlich behandelt.
[7:31] Aber in meiner Erfahrung ist Kommunikation und ein gutes emotionales Miteinander,
[7:37] eine gute Begleitung, auch auf der emotionalen Ebene die halbe Miete bei der Geburt.
[7:42] Da kann man sehr viel Komplikationen verhindern und kann, wenn es schwierig
[7:46] wird, die Frauen auf eine ganz andere Art durch diesen Prozess durchbegleiten,
[7:51] sodass sie hinterher sagen können, ja, es war zwar schwierig,
[7:54] aber wir haben das gemeinsam gut gemeistert.
[7:56] Und in diesen Gesprächen, sowohl mit der Hebamme als auch dann mit Herrn Mayer-Wiegernd,
[8:01] wenn es weiterführend notwendig ist, ist eben auch so wichtig,
[8:05] die alte Geburt zu beleuchten.
[8:06] Manchmal haben wir Situationen, dass eine Frau kommt und sagt,
[8:09] boah, das war so schrecklich, ich will dieses Mal auf jeden Fall einen Kaiserschnitt.
[8:13] Und dann ist es eben wichtig, genau dahin zu gucken, was war denn da und was
[8:19] darf dieses Mal auf keinen Fall passieren und ist wirklich der Kaiserschnitt
[8:23] der richtige Weg diesmal?
[8:25] Und häufig kristallisiert sich, wenn man mit Zeit mit den Frauen spricht,
[8:29] raus, dass das ist gar nicht ihre Version, dieses Mal ein Kaiserschnitt,
[8:33] sondern sie braucht vielleicht dieses Mal ausreichende Schmerzmittel.
[8:39] Vielleicht braucht sie dieses Mal frühzeitig eine PDA oder was auch immer dann
[8:43] in dieser Situation wichtig ist.
[8:45] Aber ja, da kommen dann nochmal auch Lösungen zum Vorschein,
[8:50] was alleine irgendwie nicht passiert wäre zu Hause. Und das klingt alles total
[8:53] schön und ich glaube total, dass sie das alles auch machen.
[8:56] Ich frage mich nur gerade, ob das strukturell...
[9:00] Auch wirklich supportet wird, also ob es wirklich bezahlt wird dann auch,
[9:04] weil das ist ja Zeit, die sie zur Verfügung stellen und gerade wenn sie dann
[9:08] nochmal sagen, okay, sie können auch nochmal zum Gespräch kommen und so weiter.
[9:10] Ich habe mal gehört, dass für dieses Vorgespräch irgendwie von der Krankenkasse
[9:13] eine halbe Stunde anberaumt ist, die man dann bezahlt bekommt.
[9:16] Ist das wirklich so oder kann man da trotzdem auch dann darauf vertrauen,
[9:20] dass Krankenhäuser das generell so machen?
[9:22] Also ich weiß nicht, ob Krankenhäuser generell das so machen,
[9:25] aber wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in dem System,
[9:30] in dem wir in Buchholz unter einem kommunalen Träger das so machen können.
[9:35] Wir haben auf der strukturellen Ebene da wirklich schlechte Voraussetzungen.
[9:40] Wir haben das Glück hier, dass wir nicht so super viel Geburten haben,
[9:45] einen relativ guten Personalschlüssel haben und dadurch können wir uns die Zeit nehmen.
[9:50] Aber ich kriege auch nur die halbe Stunde bezahlt für das Geburtsplanungsgespräch
[9:54] und alles Weitere mache ich, weil ich es wichtig finde.
[9:58] Da kriege ich kein Geld für, aber das finde ich einfach wichtig und deswegen mache ich es.
[10:03] Und wenn man schaut, wie Frauen in die Geburt gehen, da gibt es ganz,
[10:07] ganz viele Faktoren, die beeinflussen, wie sie sich fühlen.
[10:11] Da gehört die persönliche Geschichte dazu. Jede Frau hat ihre Geschichte,
[10:16] hat ihre Erfahrungen seit frühester Kindheit sogar schon im Mutterleib gemacht.
[10:20] Und das beeinflusst das spätere Leben. Dann gehört die Kultur dazu,
[10:25] gehören aktuelle Ereignisse dazu. Ich deute nur an Flüchtlingssituationen.
[10:31] Ich deute an, die gesellschaftliche Gesamtsituation, Pandemie,
[10:36] zunehmend näher kommen die Kriege und so weiter. Das macht alles ein kollektiv
[10:41] erhöhtes Stresslevel, was sich auch bei der Geburt auswirkt.
[10:45] Man weiß das aus der Psychoneurobiologie.
[10:50] Dass solche Dinge einen leicht erhöhten Adrenalinspiegel machen.
[10:55] Und zum Beispiel aus der Biologie Adrenalin geben wir, wenn wir Wehen hemmen wollen.
[11:01] Das haben wir aus dem Tierreich. Wenn die Gazelle den Tiger vor sich stehen
[11:05] hat, dann schüttet die massiv Adrenalin aus, weil Adrenalin wird gebraucht,
[11:09] dass sie nichts fühlt, sondern alle Kraft in die Muskeln geht und sie abhauen kann.
[11:13] Und das ist letztendlich die Situation, die auch noch beim Menschen in Stresssituationen entsteht.
[11:19] Und ich kann, wenn ich ein wehenhemmendes Hormon intern ausschütte,
[11:24] dann brauche ich mich nicht wundern, wenn ich keine richtigen Wehen kriege.
[11:27] Und wenn ich angespannt bin, brauche ich mich nicht wundern,
[11:29] wenn die Geburt nicht gut geht.
[11:30] Also das sind alles so Faktoren, die spielen alle zusammen. Und das ist,
[11:34] glaube ich, wichtig, das einfach vorher mit den Frauen anzusprechen.
[11:39] Wir können nicht die Welt umkrempeln, wir können nicht irgendwelche kollektiven
[11:43] Geschichten in einer halben Stunde heilen, aber wir können es mit den Frauen
[11:48] besprechen und können es ihnen ein Stück bewusst machen und dann,
[11:52] kann vieles schon sich entspannen, ohne dass man jetzt auf einer riesig therapeutischen
[11:57] Ebene und so weiter agieren muss.
[12:00] Also ich glaube, es geht hier viel um Bewusstsein und,
[12:04] unsere Kultur ist leider inzwischen so gestrickt, dass die Menschen einfach
[12:09] mit Medien und allem Möglichen eher zum Konsumieren,
[12:13] angeregt werden, als zum sich fühlen und eigene Bedürfnisse fühlen und zu gucken,
[12:18] hey, wie geht es mir eigentlich, was brauche ich eigentlich gerade. Glaube ich total.
[12:23] Wenn man jetzt mal von dieser Prävention spricht, also wirklich diesem Raum,
[12:27] in dem man vorher schon sprechen kann und vielleicht auch schon mal so Dinge
[12:31] platzieren kann, wie ich habe eine Vorbelastung oder ich habe bestimmte Ängste,
[12:34] ich habe ein hohes Stresslevel aktuell wegen einer Trennung, wegen
[12:38] der Ängste, wie es danach weitergeht oder wie auch immer.
[12:42] Welche Fragen sollte ich in diesem Gespräch unbedingt stellen und was sollte
[12:45] ich unbedingt zur Kenntnis geben? Also was braucht es, damit Sie beide gut vorbereitet
[12:50] sind auf eine Vorbereitung? Frau.
[12:52] Ich finde es wichtig, dass man, wenn man noch keine Kinder hat bei der ersten
[12:57] Schwangerschaft, dass man einfach sich selber überlegt, okay,
[13:01] wie geht es mir eigentlich grundsätzlich im Leben?
[13:04] Bin ich entspannt? Läuft alles soweit gut? Wie läuft es mit der Beziehung?
[13:09] Bin ich selber gesund? Habe ich irgendwelche natürlich Krankheiten?
[13:13] Auch körperliche Ebene wird ja sowieso abgefragt. und was habe ich eigentlich
[13:18] für eine Vorstellung von Geburt? Was weiß ich von Geburt?
[13:22] Und wie wurde Geburt eigentlich in meiner Familie mit meiner Mutter,
[13:26] mit meinen Eltern, mit meiner Familie, wie wurde darüber gesprochen?
[13:30] Wurde überhaupt darüber gesprochen? Manche Frauen wissen gar nicht,
[13:34] wie sie selbst geboren sind oder das wissen viele, aber wurde ich gestillt zum Beispiel?
[13:39] Wie ist mein Verhältnis zu meiner Mutter? Wie stelle ich mir eigentlich Mutter
[13:42] sein vor? Das sind schon auch so Fragen, die wir auch stellen.
[13:46] Wie war dein Gefühl, als du den positiven Schwangerschaftstest in der Hand gehalten hast?
[13:51] Würden Sie denn empfehlen, wenn dieses Gespräch schon etwas holprig läuft,
[13:54] wenn ich das Gefühl habe, für all diese Dinge ist gar kein Platz,
[13:57] ich sitze hier, ich werde irgendwie die nötigsten Dinge abgefragt,
[14:00] nach der halben Stunde werde ich rausgeschmissen.
[14:02] Würden Sie dann Schwangeren empfehlen, doch auch nochmal drüber nachzudenken
[14:05] und die Klinik nochmal zu wechseln und kann man das überhaupt,
[14:08] wenn man sich schon angemeldet hat, dann im Nachgang sich doch nochmal woanders anmelden?
[14:12] Natürlich hat jede Frau das Recht, sich auch verschiedene Kliniken anzugucken.
[14:17] Ich empfehle immer die Infoabende. Also das sind ja so große Veranstaltungen,
[14:22] in denen man aber schon, denke ich, als werdende Eltern merkt,
[14:26] was weht da so für ein Wind und passt der zu mir?
[14:30] Also so unterschiedlich, wie wir alle sind, kann nicht ein Geburtsort für alle passen.
[14:35] Und zwischen einem Level-1-Haus mit Maximalversorgung und dem eigenen Sofa,
[14:40] ich meine, die Bandbreite ist ja riesig,
[14:43] und da zu gucken und ehrlich zu gucken, wo gehöre ich eigentlich hin und wo
[14:49] kann ich vertrauen und wo kann ich loslassen –,
[14:52] Das finde ich schon wichtig, sich im Vorfeld zu überlegen und natürlich sind die Frauen beraten von.
[14:59] Hebammenärzten, ihrem Frauenarzt und so weiter und da finde ich wichtig oder
[15:04] auch von der Cousine und der Freundin und der Freundin der Cousine,
[15:08] da finde ich wichtig, dass man sich klar macht, dass diese Beratung sollte neutral sein.
[15:13] Und die eigene persönliche Meinung sollte da keine Rolle spielen,
[15:18] damit es wirklich am Ende die Entscheidung der Frau ist, wo sie ihr Kind auf die Welt bringt.
[15:24] Und klar kann man auch natürlich nach dem Infoamt oder auch nach dem Anmeldegespräch
[15:29] sagen, ich weiß nicht so genau.
[15:31] Guck mir doch nochmal eine andere Klinik an. Ich würde gerne nochmal einen Schritt
[15:35] zurückgehen, weil ich glaube, wenn die Frauen zum Anmeldegespräch kommen,
[15:39] ist das schon mindestens zwei Drittel der Schwangerschaft vorbei.
[15:43] Da sind wir schon relativ spät dran, um noch Dinge zu regeln.
[15:47] Letztendlich finde ich, ist genau dieser Podcast auch dafür gut,
[15:52] Frauen ein Bewusstsein zu geben, dass sie frühzeitig in der Schwangerschaft
[15:56] sich überlegen, hey, wie geht es mir?
[15:58] Gibt es vielleicht bei der letzten Geburt oder in meiner Situation Dinge,
[16:03] wo ich während der Schwangerschaft noch was zum Guten regeln kann und noch was heilen kann.
[16:08] Die Schwangerschaft ist bei Frauen ein ganz spezieller Zustand.
[16:11] Frauen fühlen mehr in der Schwangerschaft und bei Frauen kommen gegebenenfalls
[16:16] alte Geschichten hoch und solche Sachen.
[16:18] Und wenn man da eine Wachheit dafür hat und rechtzeitig dann zur Hebamme des Vertrauens oder,
[16:24] zum Psychotherapeuten oder was auch immer gerade eben notwendig ist,
[16:28] geht, kann man, glaube ich, auch in der Schwangerschaft noch einige Dinge auf
[16:32] einen guten Weg bringen, die dann die Geburt nicht belasten müssen.
[16:36] Ja, das ist ein ganz gutes Stichwort. Ich weiß, dass es zum Beispiel möglich
[16:40] ist, einen Geburtsbericht anzufordern von einer Klinik.
[16:43] Also wenn man zum Beispiel nach einer Geburt das Gefühl hat,
[16:45] irgendwie, also ich komme damit nicht klar, ich weiß nicht, warum Dinge passiert
[16:49] sind und so weiter, dann kann ich ja diesen Geburtsbericht anfordern.
[16:52] Aber ich habe das gemacht nach der ersten Geburt, habe dann aber auch schnell
[16:56] gemerkt, okay, das ist viel Krickel, Krackel und viel Fachchinesisch,
[17:00] ich komme da gar nicht klar.
[17:01] Darf man dann auch einfach nochmal auf diese Geburtsstation gehen und sagen,
[17:05] kann sich nochmal jemand kurz für mich Zeit nehmen und mir erklären,
[17:08] was da damals passiert ist und warum?
[17:11] Ich finde das total wichtig, wenn wir in den Wochenbetten, wir betreuen ja Frauen
[17:16] zu Hause im Wochenbett und wenn wir da hinkommen,
[17:20] habe ich natürlich den Geburtsbericht, den die Klinik mitschickt,
[17:24] der aber ja das emotionale Bild der Frau nicht abdeckt.
[17:27] Da stehen die ganzen Fakten drin,
[17:29] wie ist das Kind geboren, wie waren die Sauerstoffwerte und so weiter.
[17:32] Und bevor ich mir den angucke, frage ich sie, ja, wie hast du denn die Geburt
[17:37] erlebt, wie war es, erzähl mal.
[17:40] Und dann merkt man, ob da ein Knoten sitzt oder nicht und bespricht den.
[17:45] Und manchmal ist es tatsächlich sinnvoll, die alte Akte dann gemeinsam mit der,
[17:51] Frau anzugucken. Und dann kann ich als Wochenbetthepamme ja sicherlich an manchen
[17:56] Stellen Übersetzer sein und Fachbegriffe übersetzen.
[18:00] Und dennoch würde ich immer sagen, die Frau hat ein Recht auf ein vollständiges Bild.
[18:05] Und wenn der Knoten da an der Stelle nicht einfach zu lösen ist,
[18:09] ist es immer wichtig, mit dem Team, was bei der Geburt dabei war, zu sprechen.
[18:14] Und das bieten wir auch im Vorfeld an, wenn wir das Gefühl haben,
[18:18] da könnte ein Knoten sitzen.
[18:21] Dass die Eltern zusammen auch gerne nochmal sich einen Termin holen und wir
[18:26] gemeinsam nochmal die Geburt beleuchten und erklären.
[18:30] Häufig ist das ja sehr versöhnlich, wenn die Eltern dann verstanden haben,
[18:35] warum etwas wie passiert ist.
[18:38] Und dann braucht es sehr selten, aber manchmal eben doch auch noch eine Weitervermittlung
[18:43] dann an die entsprechenden Psychotherapeuten oder wo auch immer hin.
[18:46] Aber in den allermeisten Fällen ist das sehr hilfreich, dann nochmal mit den,
[18:51] Leuten zu sprechen, die bei der Geburt dabei waren.
[18:53] Ich finde es ganz wichtig, dass Frauen da eine absolute Transparenz bekommen,
[18:58] bei dem, was wir aufzeichnen und was wir schreiben.
[19:03] Und ich finde es auch total wichtig, wenn wir eine schwierige Geburt hatten,
[19:07] dann gehe ich mindestens am Tag nach der Geburt einmal hin und frage nochmal die Frau.
[19:14] Haben sie verstanden, warum alles wie gelaufen ist und gibt es noch Sachen,
[19:18] die zu klären wären und so weiter.
[19:20] Und am besten zweimal im Wochenbett, weil am ersten Tag oft manches noch nicht
[19:26] so wirklich ausgegoren ist und dann vor Entlassung nochmal zu fragen, das ist ganz wichtig.
[19:31] Und wenn Frauen ihren Geburtsbericht wollen, ist es ja oft, weil sie irgendwann
[19:37] das Gefühl haben, da fehlt noch was, da ist noch ein Puzzle nicht vollständig.
[19:41] Und auch dann bieten wir immer ein Gespräch an, dass die Frauen nochmal bei
[19:47] mir zum Beispiel einen Termin machen können, wo wir gemeinsam die Akte durchgehen
[19:52] und ich ihnen erklären kann, okay, deswegen haben wir das gemacht,
[19:55] deswegen haben wir das gemacht.
[19:56] Also ich halte es für extrem wichtig. Und wichtig finde ich auch,
[19:59] dass das möglich ist, für die Frauen noch später zu kommen.
[20:04] Also wir sagen denen auch immer, manchmal ist man erstmal in dieser Euphorie
[20:08] und hat das Gefühl, ach ist schon alles gut, ist schon alles gut.
[20:12] Und dann ein Jahr später, zum ersten Geburtstag des Kindes vielleicht oder wann
[20:16] auch immer, ploppt das nochmal hoch. Oder wenn man wieder schwanger ist und
[20:20] hat dann das Bedürfnis. Und selbstverständlich kann man auch nach langer Zeit nochmal wiederkommen.
[20:26] Und was man immer ein Stück vergisst, ist, wir sehen nur die traumatisierte
[20:32] und angstvolle Seite der Mutter.
[20:34] Aber wir als GeburtshelferInnen, Hebammen und so weiter, wir haben auch unsere Ängste.
[20:41] Man braucht schon einiges an Erfahrung, um mit schwierigen Situationen da auch
[20:47] ruhig umzugehen und ein Vertrauen zu behalten.
[20:51] Ich muss immer wieder Sachen machen, auch wo ich aus der Erfahrung sagen würde,
[20:54] eigentlich würde ich es anders machen, aber die Leitlinie sagt dieses oder jenes.
[20:59] Aber dann kommuniziere ich das der Frau auch und sage so und so.
[21:03] Ist die Situation und ich muss ihnen das und das empfehlen. Ich glaube,
[21:06] das ist das Entscheidende, dass das klar kommuniziert und klar besprochen ist
[21:10] und dass wir den Frauen, wir beraten die Frauen und dann wird die Entscheidung ja gemeinsam gefällt.
[21:17] Ja, ich finde das total spannend, da auch nochmal in Ihre Situation zu gehen
[21:21] und sich da mal in Ihre Haut zu denken, weil auch Sie bringen ja eine Geschichte mit und das, was wir
[21:27] als Gebärende sozusagen in den Kreißsaal mitbringen, ist das eine,
[21:30] was Sie als Geburtsteam in den Kreißsaal bringen, ist das andere,
[21:34] weil Sie haben ja auch viele Dinge gesehen, Komplikationen, die passiert sind,
[21:38] vielleicht einen Fehler, den man mal gemacht hat, vielleicht am Morgen noch
[21:42] eine stille Geburt, die einem noch total nachgeht und so weiter.
[21:45] Also auch sie bringen ja erstmal was mit in den Kreißsaal, weil wir nun mal
[21:49] alle Menschen sind und das ist ja auch total schön.
[21:51] Mich würde mal total interessieren, was macht man denn in so einer Situation,
[21:54] wenn man als Arzt und auch als Hebamme merkt, okay,
[21:58] wir wissen eigentlich, was zu tun ist und wir haben eigentlich auch keine wirklichen
[22:02] Alternativen, aber eine Frau sperrt sich zum Beispiel total dagegen,
[22:05] einen absolut notwendigen Kaiserschnitt jetzt zum Beispiel zuzulassen.
[22:10] Wie kann man damit umgehen? Also was passiert dann in einem drinnen?
[22:12] Also ich glaube, total wichtig ist eben, wenn die Frau gut vorbereitet ist und
[22:18] im Anmeldegespräch gut aufgefangen ist mit ihrer Geschichte und wenn sie echt
[22:22] Vertrauen hat und ihre Zweifel und ihre Skepsis.
[22:28] Weitgehend ablegen konnte…,
[22:31] dann traue ich uns zu, dass wir sie mit guter Kommunikation schon abholen können
[22:37] an der Stelle, an der sie steht.
[22:39] Und wenn wir mit ihr sprechen und sagen, weißt du, wir finden das auch nicht
[22:43] gut und ich würde mir auch einen anderen Verlauf für dich wünschen.
[22:47] Aber der Kaiserschnitt ist jetzt der sichere Weg, auch wenn du das nicht wolltest,
[22:52] das ist jetzt notwendig.
[22:55] Und ich bleibe bei dir an deiner Seite und wir sprechen nachher nochmal in Ruhe
[23:00] darüber. Manchmal muss es ja schnell gehen, dann kann man gar nicht so genau
[23:03] so in Ruhe alles erklären.
[23:05] Ich bleibe bei dir, wenn du meine Schwester wärst, ich würde das jetzt mit dir genau so machen.
[23:11] Und das schafft ja schon so ein Vertrauen und eine Bindung, dass ich glaube,
[23:18] dass sie dann im Boot ist. Und das ist irgendwie das Wichtigste,
[23:20] dass sie im Boot ist und versteht, warum was jetzt notwendig ist.
[23:27] Ich würde dem beipflichten, wenn man eine gute Vorbereitung hat und einen guten
[23:31] Kontakt zu der Patientin, zur Mutter hat, dann passiert das in den seltensten Fällen.
[23:36] Also ich kann mich nicht wirklich an so einen Fall in meiner Laufbahn erinnern,
[23:41] wo es so einen krassen Gegensatz gab.
[23:43] Nee, okay. Aber das ist gut zu wissen.
[23:47] Wie präsent ist Social Media im Kreißsaal? Weil da ist ja wirklich von der Alleingeburt
[23:52] im Pazifik bis zu Freunde vertraut niemandem, das wird ganz hart,
[23:57] bis zu alles kann passieren, ist da ja wahrscheinlich bei den Frauen schon viel angekommen.
[24:01] Wie präsent ist das? Ja, naja, das ist im Vorfeld schon präsent.
[24:05] Also wenn eine Frau mit einem positiven Schwangerschaftstest in die Welt geht,
[24:09] dann werden ihr ja Geburtserlebnisse von allen Seiten vor die Füße gekippt,
[24:14] wenn man meierlich ist, ohne dass sie unbedingt danach gefragt hat.
[24:17] Und Social Media ist natürlich sehr präsent. Also ich empfehle den Frauen an
[24:23] jeder Stelle sofort, don't google with a kugel und kein Instagram,
[24:27] sondern die echten Menschen zur Beratung ziehen.
[24:31] Geburt ist kein gefiltertes Instagram-Event, sondern ein so intimes,
[24:38] hormonell sensibles Ereignis.
[24:41] Manchmal müssen wir tatsächlich auch den Eltern sagen nach der Geburt,
[24:44] so jetzt lass mal das Handy und die Kamera, lass mal weg. Jetzt genieß mal den
[24:49] Zauber. Manchmal ist das Handy gezückt, bevor die Plazenta da ist.
[24:53] Das ist schon ein bisschen beeindruckend. Ja, in seltenen Fällen gibt es auch
[24:56] Leute, die sagen, darf ich die Geburt filmen und was weiß ich und so.
[24:59] Also wir sind da so ein bisschen oldschool, muss ich sagen, weil uns ist es wichtig, dass
[25:04] im Kreißsaal eine Privatsphäre gehalten wird, weil wir das einfach auch die
[25:09] Erfahrung haben, wenn Frauen sich nicht in einer guten Privatsphäre fühlen,
[25:15] dann können sie nicht gut entbinden.
[25:16] Und deswegen sind wir da auch manchmal ein bisschen rigoros und sagen,
[25:20] hey, mach bitte das Smartphone aus und warte bis nach der Geburt oder geh raus,
[25:24] wenn du mit der Verwandtschaft chatten musst oder sonst was.
[25:29] Das ist, glaube ich, wichtig, dass neu entstehendes Leben da in einen sanften
[25:35] und nicht übertechnisierten Raum hineingebiert.
[25:39] Ja, dass der Zauber gewahrt wird auch einfach.
[25:41] Wir wissen um den Zauber, der da passiert und verhalten uns so und da gehört das Handy weit weg.
[25:49] Was sind denn so typische Situationen, würden Sie sagen, in denen Gebärende
[25:53] das Gefühl haben, okay, ich werde hier nicht gehört, ich werde hier nicht abgeholt
[25:57] oder ich fühle mich hier gerade nicht mehr wohl.
[25:59] Was sind so typische Situationen, bei denen Sie merken, oh, jetzt fängt es an,
[26:04] jetzt müssen wir wirklich, wirklich ins Gespräch gehen, damit das keine traumatische
[26:08] Geburtserfahrung wird? Ich erlebe das oft gerade in der Austrittsphase,
[26:12] also in der letzten Phase von der Geburt,
[26:14] Weil in der Eröffnungsphase können wir ganz viel mit einer guten Schmerzbekämpfung
[26:20] machen und so weiter und die Frauen,
[26:22] können damit gut klarkommen, aber in der letzten Phase können wir die Schmerzbekämpfung nicht mehr so
[26:29] kräftig durchziehen, weil es ansonsten die Frauen nicht wirklich gut spüren,
[26:34] wie muss ich pressen und wann muss ich drücken und wann nicht und so weiter.
[26:38] Und deswegen ist das oft ein Punkt, wo die Frauen dann sagen,
[26:42] ich kann nicht mehr. Und das ist so ein bisschen, ich vergleiche es immer mit einer Bergtour.
[26:46] Das ist die Erfahrung der Hebamme, des Geburtshelfers, an dem Punkt zu sehen,
[26:52] okay, sind wir fünf Meter unterm Gipfel und es braucht nochmal eine Motivation,
[26:58] die fünf Meter trotzdem zu laufen, auch wenn man denkt, es geht nicht mehr.
[27:02] Oder sind wir wirklich in einer Situation, wo es einfach gar nicht mehr geht
[27:06] und wo man dann sagen muss, okay, wir haben die Möglichkeit Pause machen.
[27:12] Andere Art von Geburt, Kaiserschnitt, was auch immer, irgendwelche Maßnahmen
[27:15] zu machen, um jetzt in eine andere Richtung zu gehen.
[27:19] Und das ist auch der Punkt, wo verständlicherweise die meisten Missverständnisse passieren.
[27:27] Gerade wenn Hebamme oder Geburtshelfer und die gebärende Frau nicht einen guten
[27:33] Kontakt haben, sich gegebenenfalls missverstehen, das muss gar nicht bösartig
[27:38] sein. Das kann auch wohlgemeint sein.
[27:41] Dieses wohlgemeinte, komm, jetzt drück nochmal, wir schaffen das schon,
[27:44] kann auch bei der einen Frau hilfreich sein, bei der anderen kann es eine Traumatisierung sein.
[27:49] Und da sind wir vor Fehlern nicht gefeit, aber je näher wir dran sind Und je
[27:54] besser wir auch spüren, wie die Situation ist, desto weniger Fehler machen wir auch.
[27:59] Was kann ich denn als Frau machen, wenn ich merke, okay, also gerade die Hebamme
[28:03] ist ja wahrscheinlich sehr, sehr nah dran an mir und wahrscheinlich noch etwas
[28:06] häufiger auch zugegen im Kreißsaal als dann der Arzt.
[28:09] Und was, wenn ich gar nicht klarkomme mit der Hebamme, wenn ich merke,
[28:12] ihr Ton gefällt mir nicht, ich mag einfach nicht, wie sie auf mich guckt,
[28:16] ich fühle mich nicht wohl, ich kann hier nicht loslassen mit dieser Dame.
[28:19] Was kann ich tun? Ich finde total wichtig, dass beide Seiten total transparent
[28:23] und ehrlich kommunizieren.
[28:26] Immer und gerade in schwierigen Situationen. Die Eltern können,
[28:30] wenn sie zum Beispiel merken, es ist richtig viel los und die Hebamme kann nicht
[28:34] so präsent sein, wie die Eltern sich das eigentlich wünschen, dass sie sagen,
[28:38] auch genauso wertschätzend und wohlwollend wie wir auch.
[28:41] Weißt du, ich sehe, dass du richtig viel zu tun hast, aber wir brauchen gerade das und das.
[28:47] Und dann, dass da eine Kommunikation stattfindet und dann kann ich sagen,
[28:50] weißt du, ich wäre jetzt gerne total dicht bei dir und würde neben dir sitzen,
[28:55] aber es ist gerade noch eine andere Frau gekommen.
[28:57] Ich habe meine Bereitschaft gerufen, die ist in 20 Minuten da und dann kann
[29:01] ich wieder neben dir sitzen. Das ist ja total versöhnlich.
[29:04] Die Eltern haben das verstanden und die sind mir auch nicht böse,
[29:08] weil die sehen ja, dass ich die Situation manage und dass es gleich auch wieder
[29:12] so ist, dass ich wieder neben ihr sitzen kann.
[29:15] Und was ich den Eltern auch im Geburtsvorbereitungskurs zum Beispiel immer mit
[29:19] an die Hand gebe, wenn sie,
[29:21] das Gefühl haben, sie verstehen nicht alles oder sie haben eine Aufklärung über
[29:26] irgendeine Intervention, die jetzt nötig ist, nicht ganz verstanden,
[29:30] ist diese Franni-Fragetechnik.
[29:33] Dieses Franni, da steht das V für Vorteile. Welche Vorteile hat diese Untersuchung?
[29:39] Ich habe das noch nicht verstanden. Können Sie das nochmal erklären? Das R für Risiken.
[29:44] Welche Risiken bringt diese Untersuchung mit?
[29:46] A für Alternativen. Und dann Franni, das N für Notfall.
[29:51] Gibt es hier einen Notfall? Muss ich mich schnell entscheiden?
[29:54] Oder haben wir Zeit? Kann ich zum Beispiel auch nochmal ein paar Minuten mit
[29:59] meinem Mann oder mit meiner Partnerin alleine sprechen? Vielen Dank.
[30:03] Und das zweite N für Nichtstun. Was würde jetzt passieren, wenn wir gar nichts machen?
[30:10] Und dann das I für welche Intuition habe ich gerade als Schwangere?
[30:15] Was sagt mein Bauchgefühl?
[30:17] Also wenn diese Punkte, an diesen Punkten können die Eltern sich selber auch
[30:21] langhangeln und selber dafür sorgen, dass sie gut informiert sind.
[30:25] Wenn sie das Gefühl haben, oh ich bin irgendwie nicht richtig im Boot,
[30:28] ich verstehe das hier jetzt alles nicht.
[30:29] Das würde ja dann auch helfen, wenn man irgendwie ein Vertrauensproblem hat,
[30:33] wieder so ein bisschen in eine Kontrolle reinzukommen, weil das ist glaube ich
[30:36] das größte Problem in dieser Geburtssituation, ein Gefühl von totalem Kontrollverlust, den man ja
[30:41] zeitweise sowieso hat, aber wenn man den so komplett in diesem Prozess hat.
[30:47] Ist das ja schon glaube ich so ein Gefühl von, also ein Gefühl,
[30:51] das sicherlich auch das Gefühl auslösen kann, das ist hier gerade traumatisch. Ja, auf jeden Fall.
[30:56] Und im äußersten Notfall ist es immer richtig zu sagen, stopp,
[31:01] hier läuft was für mich nicht in Ordnung.
[31:03] Ich brauche jetzt hier was anderes und ich brauche hier eine Klärung.
[31:07] Wir müssen uns mal sortieren.
[31:09] Einmal kurz Stopp, jetzt mal Reset. Das können natürlich auch jederzeit kommen.
[31:15] Und ich habe das selten erlebt, aber es ist natürlich auch theoretisch denkbar,
[31:19] dass die Chemie zwischen Hebamme und Gebärin da nicht funzt.
[31:24] Und dann gibt es eine zweite Kollegin, die da ist.
[31:27] Und dann tauschen wir auch. Ich glaube, dass wir ein ganz gutes Gespür dafür
[31:31] haben, wenn zwei Frauen im Kreißsaal sind, wer zu welcher gut passt.
[31:36] Und ich glaube, dass wir es in den allermeisten Fällen auch gut hinkriegen.
[31:39] Ich habe das sehr, sehr selten erlebt. Aber ja, natürlich, wie schon gesagt,
[31:44] wir sind alle Menschen. Und es ist natürlich auch denkbar, dass das eine gute Lösung sein kann.
[31:49] Ganz wichtig ist, im Bewusstsein zu behalten, gerade eine Frau,
[31:52] die ein Kind kriegt, gerade wenn die in der Austrittsphase ist, ist die voller.
[31:57] Die Hormone, Neurotransmitter und so weiter, die ist in einem komplett anderen
[32:01] Bewusstseinszustand, wo sie oft überhaupt nicht mehr rational agieren kann.
[32:07] Der Kopf ist ausgeschaltet, das tut weh und etwas passiert mit ihr,
[32:12] was sie oft noch nie gehabt hat und so weiter.
[32:14] Und man muss dann Verständnis dafür entwickeln, dass Frauen in dieser Situation
[32:19] eine andere Sprache haben, uns oft nicht schaffen, auf eine rationale Art einen Stopp zu sagen.
[32:25] Und da muss man auch die nonverbalen Botschaften, die da kommen,
[32:30] verstehen, lernen und darauf reagieren. Das ist ganz wichtig.
[32:34] Weil wir sprechen, in so einer Situation spricht die Frau, die ein Kind kriegt,
[32:40] eine ganz andere Sprache als wir, die daneben stehen und auch rational versuchen,
[32:44] einen guten Überblick zu haben.
[32:46] Ich finde an der Stelle auch wichtig, dass die Begleitperson, die bei der
[32:51] Frau dabei ist, jederzeit natürlich sagen kann, stopp, also ich habe das nicht
[32:57] verstanden, meine Frau ist gerade in einem anderen Zustand, aber ich möchte,
[33:00] dass wir das jetzt gemeinsam nochmal erklärt kriegen.
[33:04] Die Begleitperson kennt die Schwangere ja noch besser als wir und merkt das
[33:09] vielleicht auch an einer Stelle früher.
[33:11] Oft gibt es bei den Begleitpersonen eine erhebliche Ohnmachtserfahrung,
[33:17] weil sie stehen nur daneben, können nichts tun oder haben das Gefühl, nichts tun zu können.
[33:22] Die Tatsache, dass sie da sind, ist schon was tun und ist natürlich total wichtig
[33:26] für die entbindenden Frauen.
[33:28] Aber da gibt es eine Ohnmachtserfahrung und die bei manchen Menschen dann auch
[33:34] dazu führt, dass sie ein bisschen paradox reagieren und dann meinen,
[33:38] jetzt muss ich irgendwas tun, um meiner Frau zu helfen und,
[33:42] das Gefühl, hier läuft was schief und so weiter.
[33:44] Und die gehört immer auch dazu, da eine gute Betreuung zu machen.
[33:50] Und das fängt damit an, dass wenn man irgendwelche Maßnahmen macht,
[33:54] dass man vorher sagt, die Situation ist die und die.
[33:57] Wir haben die und die Möglichkeiten. Und dass man den Frauen beziehungsweise
[34:02] den Paaren dann einen Raum lässt, zu entscheiden, was sie für sich machen möchten
[34:07] und was für sie sinnvoll ist.
[34:09] Wenn man eine vernünftige Aufklärung macht, also ich habe es noch nie erlebt,
[34:14] wenn ich einer Mutter sage, wenn wir das jetzt machen, dann ist das Risiko für
[34:19] das Kind höher, dass das oder das passiert,
[34:21] wie wenn wir das andere machen, dass sie sich dann sperren und sagen,
[34:24] nö, ich will aber das, wo das Kind das größere Risiko hat, das erlebe ich extrem selten.
[34:29] Vielleicht manchmal, wenn Frauen ein klares Bauchgefühl haben und dann sage ich, okay.
[34:33] Dann ist das so und wenn es jetzt nicht völlig neben der Spur ist oder ich das
[34:38] Gefühl habe, wir machen hier eine extreme Gefährdung, dann gehe ich so lange
[34:42] mit, solange ich das verantworten und vertreten kann.
[34:45] Und wichtig finde ich auch, dass wir das Paar und das Kind als Dreieinheit sehen
[34:50] und dass selbstverständlich die Begleitperson auch im Vorfeld schon im Anmeldegespräch
[34:55] genauso mit ins Boot kommt und,
[34:58] die ganze Geburt über genauso mit im Boot ist.
[35:02] Und deswegen legen wir ja so viel Wert auf 1 zu 1 Betreuung,
[35:05] weil ich finde, wenn man die Begleitperson mitzählt, ist es 1 zu 2 und wenn
[35:10] man das Kind mitzählt, ist es 1 zu 3. Ich finde, das ist ausreichend.
[35:15] Deswegen ist es so wichtig, dass eine Hebamme für eine Familie zuständig ist.
[35:21] Da sind wir wieder bei den strukturellen Problemen.
[35:25] Genau. Total. Das wird halt in so einer krassen Klinik mit ganz vielen Geburten
[35:29] am Tag wahrscheinlich einfach nicht zu stemmen sein. Und auch die Begleitperson
[35:33] darf im Nachhinein sagen, ich möchte über die Geburt nochmal sprechen, ich habe Redebedarf.
[35:37] Selbstverständlich. Spannend. Also wie wichtig ist denn die Wahl der Begleitperson?
[35:41] Weil ich kann mir schon vorstellen, dass es dann auch so Partner oder Partnerinnen
[35:44] gibt, wo man denkt, ich weiß nicht, ob ich dann nicht die Geburt und Co-Regulation,
[35:49] von meiner Begleitperson noch gleichzeitig stammen muss.
[35:52] Also gibt es auch so Fälle, wo Sie sagen, da ist man mit der eigenen Mama oder
[35:55] mit einer Doula oder mit einer Nachbarin, die man liebt, besser beraten als
[35:59] jetzt mit dem Partner oder kann man auch zu dritt kommen? Also wie sind da so die Regelungen?
[36:04] Ich glaube, es ist genauso wie bei der Auswahl des Geburtsortes.
[36:08] Das ist so unterschiedlich. Und also vor 40 Jahren noch war das gar nicht üblich,
[36:12] dass die werdenden Väter mit in den Kreißsaal gekommen sind.
[36:16] Und heute haben wir das andere Extrem. Also heute habe ich auch manchmal das
[36:20] Gefühl, die werdenden Väter fühlen sich fast schon so unter gesellschaftlichem Druck.
[36:26] Ich muss ja damit, ich muss ja meine Frau unterstützen. Und ich finde,
[36:31] genauso wie die Auswahl des Geburtsortes individuell sein muss,
[36:35] muss das auch individuell sein.
[36:39] Ehrlich beleuchtet. Und ich sage auch in den Kursen, nehmt euch dafür mal einen
[36:44] Abend Zeit und sitzt mal auf dem Sofa und guckt euch mal ehrlich ins Gesicht
[36:49] und überlegt euch, wie ihr das ehrlich wollt.
[36:52] Ohne den Rat der Cousine, der Freundin der Cousine von Instagram oder Google.
[36:58] Ich finde es interessant, bei dem Thema so ein bisschen auf Naturvölker zu gucken.
[37:03] Und da haben wir, wenn man da hinschaut, wirklich eine extrem breite Palette.
[37:06] Wir haben die Tuareg-Frauen, die gehen allein in die Wüste zum Entbinden und
[37:11] die entscheiden, ob sie ihr Kind mitbringen oder nicht.
[37:15] Und am anderen Ende der Skala haben wir die Aborigines.
[37:19] Da ist die ganze Sippe bei der Geburt dabei, da wird getanzt,
[37:22] da ist Halligalli Und da geht das in einem rauschenden Fest, wird das Kind geboren.
[37:28] Also in dieser Bandbreite bewegen wir uns und man kann da nicht sagen,
[37:32] das eine ist richtig, das andere ist falsch. Da muss man wirklich individuelle
[37:36] Lösungen finden und in unserer Kultur ist zumindest meine Erfahrung wichtig.
[37:41] Wenn es zu viele Begleitpersonen sind, dass es dann manchmal nicht wirklich gut ist.
[37:47] Für die entbindenden Frauen, sondern dass wir hier eher diesen privaten Raum
[37:54] brauchen, wo die Frau sich vertraut fühlt und wo sie dann auch aufmachen kann und entspannen kann.
[38:01] Aber das ist ein kulturelles Thema. Also da mit Migrationshintergrund machen
[38:07] wir auch andere Erfahrungen. Es gibt da andere Kulturen, wo es einfach andere
[38:10] Bedürfnisse gibt. Da müssen wir flexibel sein.
[38:12] Trauma ist ja ein total spannendes und total komplexes Thema,
[38:17] weil Trauma ja jetzt nichts ist, wo man sagt, okay, das ist passiert,
[38:20] dann hat die Frau ein Trauma, sondern auf ein und dieselbe Geschichte würden
[38:25] drei Frauen völlig unterschiedlich reagieren.
[38:27] Also die eine würde vielleicht sagen, naja, alles gut. Die nächste würde sagen,
[38:31] das war nicht schön und die nächste
[38:32] würde sagen, ich trage hier ein Trauma davon und alles ist ja wahr.
[38:36] Wie kann ich also überhaupt erkennen nach einer Geburt, okay,
[38:40] das hier ist mehr als das ist eine normale Erschöpfung nach der Geburt und das
[38:44] war vielleicht nicht super und wie ich es mir gewünscht habe,
[38:46] sondern ich habe hier ein ernsthaftes Problem und ich muss da dran.
[38:49] Also das Wichtigste finde ich erstmal, dass wir ja, also auch wenn die Frauen
[38:54] nach streng medizinischen Kriterien nicht die Diagnose eines Traumas haben,
[38:58] müssen wir sie professionell gut und an richtiger Stelle auffangen.
[39:03] Und ja, so wie Sie sagen, das Erleben von Extremsituationen ist eben total unterschiedlich
[39:10] und Geburt ist eine Extremsituation und das Erleben ist total individuell.
[39:17] Manche Frauen sagen, ich bin sehr beeindruckt.
[39:20] Und dass manche sagen, ich bin medizinisch traumatisiert und auch innerhalb
[39:25] dieser Traumatisierten gibt es eben große Unterschiede und ich glaube,
[39:29] das kristallisiert sich im Verlauf raus.
[39:32] Viele Frauen gehen aus dem Kreißsaal, ich würde sagen die meisten,
[39:35] und sagen, puh, ich bin richtig beeindruckt.
[39:38] Wenn man eine Frau nach der Geburt fragt, wollen wir das nochmal machen,
[39:41] sagt sie wahrscheinlich nein.
[39:43] Und trotzdem kommt sie wieder nach ein paar Jahren. Also das ist total gesund,
[39:47] beeindruckt von der Geburt zu sein und total normal.
[39:52] Und dann kristallisiert sich im Verlauf raus, wie viel Begleitung das braucht,
[39:58] wie viel Unterstützung, ob die Hebamme zu Hause im Wochenbett oder dann eben
[40:03] die Weitervermittlung an Psychologen, Psychotherapeuten.
[40:08] Ich glaube, es gibt schon so ein paar Faktoren, an denen man sich entlanghangeln
[40:11] kann, so nach dem Motto, bin ich traumatisiert oder nicht oder ist das wirklich
[40:16] eine Situation, wo es noch einen Weg der Heilung braucht oder muss ich da nichts machen?
[40:22] Also das eine hat was damit zu tun, wenn ich Situationen erlebe,
[40:27] wo ich angetriggert bin oder wo ich mit meinem Verhalten so reagiere,
[40:33] dass ich das Gefühl habe oder auch die Verhalten.
[40:36] Menschen, die beteiligt sind, das Gefühl haben, das ist nicht angemessen zu der Situation.
[40:41] Dann hat das meistens was damit zu tun, dass es eine alte Geschichte gibt,
[40:46] wo es Trauma-Überlebensmechanismen und solche Geschichten gab,
[40:49] die dann wirksam werden, wo daran erinnert wird.
[40:52] Oder wenn in Gedanken oder in Träumen solche traumatischen Situationen immer
[40:57] wieder vorkommen und wieder repliziert werden, dann ist das auch ein Zeichen,
[41:03] hey, da ist ein Thema, wo ich nochmal hingucken sollte.
[41:06] Oder wenn mir schwerfällt, eine Bindung zu dem Kind aufzubauen,
[41:09] wenn ich Stillprobleme habe, die ich eigentlich medizinisch nicht erklären kann.
[41:15] Da lohnt es sich natürlich, genau hinzugucken. Ja, und dem Zusammenhang ist
[41:19] es, glaube ich, auch wichtig zu kennen, wie reagiert das menschliche System,
[41:24] wenn es durch eine Situation emotional, psychisch überfordert ist.
[41:29] Und da gibt es diese schönen vier Faktoren.
[41:32] Auf Englisch sind es die vier Fs, fight, flight, freeze und fawn.
[41:36] Und das ist, wenn man sich ein kleines Kind vorstellt, was eben gerade eine
[41:41] Situation hat, mit der es nicht klarkommt, dann kann es entweder in den Kampf
[41:44] gehen, es schreit und es wehrt sich oder haut ab.
[41:49] Und als kleines Kind kann man nur innerlich abhauen.
[41:52] Als Erwachsener kann man auch abhauen oder kann weggehen. Oder es führt zu so
[41:57] einer Erstarrung, dass man sich einfach wie eingefroren fühlt, nichts mehr fühlt.
[42:01] Und es gibt aber auch die vierte Trauma-Überlebensreaktion.
[42:05] Das ist Anpassung, Unterwerfung. Also es gibt Menschen, die auf jeden Stress
[42:11] sofort damit reagieren, dass sie absolut vermeiden, in irgendwelche Konflikte
[42:16] zu kommen und allen gefallen wollen und so.
[42:18] Und wenn solche Verhaltensweisen entstehen in Situationen, wo sie nicht angemessen
[42:23] sind, dann ist das ein Hinweis dafür, dass es da noch Dinge gibt,
[42:26] die nicht verarbeitet sind und die angeschaut werden wollen.
[42:30] Je nach Schwere auch mit professioneller Hilfe.
[42:34] Und das finde ich auch nochmal einen ganz spannenden Punkt, weil Sie es gerade
[42:36] so als Beispiel gebracht haben. Ein kleines Kind, das in einer Stresssituation war.
[42:41] Wie ist das mit dem Kind? Gibt es auch die Situation, dass ein Kind psychisch
[42:46] traumatisiert aus seiner eigenen Geburt herauskommt? Also dass man da auch diese
[42:51] Traumareaktionen durchaus erkennen kann, wenn man sensibel drauf guckt?
[42:55] Also ich würde sagen, dass es total wichtig ist, dass es ja auch unser Ziel
[43:01] sozusagen auf der einen Seite natürlich medizinische Notfälle,
[43:06] unter der Geburt zu verhindern und starke Blutung, was auch immer,
[43:10] die Frau gesund, das Kind gesund, aber eben auch das Ziel, dass die,
[43:15] Mutter emotional gestärkt für ihr Neugeborenes emotional verfügbar ist.
[43:22] Und ich glaube, so rum muss man das sehen, dass wenn wir nach der Geburt eine.
[43:29] Mutter haben, die nicht emotional verfügbar für ihr Neugeborenes ist,
[43:33] dann merkt das das Neugeborene natürlich.
[43:35] Und dann haben wir vielleicht ein Kind, was viel schreit, sehr unruhig ist, nicht an die Brust geht.
[43:41] Das glaube ich schon, dass wir den Effekt manchmal sehen.
[43:44] Also so rum, dass wenn die Mutter da traumatisiert rausgeht,
[43:47] dass dann das Kind wahrscheinlich in so eine Mitleidenschaft gezogen wird.
[43:52] Aber nicht, dass das Kind so viel Stress unter der Geburt hat,
[43:55] dass wir da wirklich auch da, also ist ja wahrscheinlich auch schwierig.
[43:58] Es gibt natürlich auch Geburtsstress für die Kinder. Es gibt auch für die Kinder
[44:02] anstrengende Geburten. Aber ich glaube, wenn wir jetzt das Augenmerk auf traumatisch
[44:07] erlebte Geburt richten, dass das die Kinder natürlich merken.
[44:12] Ein emotionaler Mangel ist auch schlimm. Also ich glaube, es ist wichtig zu
[44:15] wissen und da hat die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten auch einiges zu Tage gefördert.
[44:21] Kleine Kinder im Mutterleib beginnen ab der sechsten, siebten,
[44:25] achten Woche schon Reaktionen, die irgendwas mit Fühlen zu tun haben können,
[44:30] zu zeigen. Das weiß man heutzutage.
[44:33] Spätestens ab der zehnten Schwangerschaftswoche werden die Hirnareale ausgeprägt,
[44:38] die mit emotionalen Verarbeitungen zu tun haben.
[44:42] Wir können sie nicht fragen, aber wir müssen davon ausgehen,
[44:45] dass die Kinder auch im Mutterleib mehr mitkriegen, als wir denken.
[44:50] Vor allem auch spüren, was bei der Mutter los ist, auch die Emotionalitäten der Mutter spüren.
[44:56] Es gibt psychologische, psychotherapeutische Verfahren, wo man Menschen in eine
[45:01] ganz, ganz tiefe Entspannung versetzen kann und wo man sie quasi zurückführen kann in diese Zeit.
[45:09] Und man kann da sehr eindeutige Bilder hervorrufen.
[45:13] Das ist natürlich kein wissenschaftlicher Beweis, aber trotzdem kann man Bilder
[45:17] hervorrufen, die mit dieser Zeit in der Gebärmutter was zu tun haben.
[45:22] Und für mich fühlt es sich menschlicher an, im Bewusstsein zu sein,
[45:26] okay, mein Kind im Mutterleib kriegt mit, was mit mir los ist und ist auch ein
[45:31] Wesen, was Gefühle hat und was Stress hat und so weiter.
[45:35] Und dann kann ich da schon eine emotionale Beziehung auch aufbauen.
[45:39] Und ich glaube, das hilft auch den Kindern in der Geburt durch diesen engen
[45:45] Kanal, der es ja in den Gott sei Dank in den meisten Fällen ist.
[45:49] Nicht das Gefühl haben, ich muss mich da allein durchkämpfen,
[45:52] sondern ich kann zusammen mit meiner Mama hier diese schwere Bergbesteigung
[45:58] meistern und dann auf eine gute Art auf die Welt kommen.
[46:01] Ja, aber man könnte noch so viele Fragen stellen. Ich bin gerade auch mental,
[46:05] habe ich nochmal so gedacht, okay, dieser Baby-Blues, der dann danach kommt,
[46:08] also dieses hormonelle einmal runterrasseln und auch die Verarbeitung eines,
[46:11] wie Sie es schon so richtig sagen, ob es traumatisch war oder nicht,
[46:14] es ist hochgradig beeindruckend,
[46:17] egal wie es läuft. Auf jeden Fall.
[46:18] Da könnte man noch so viel fragen, da fällt uns jetzt leider so ein bisschen die Uhr in den Rücken.
[46:24] Aber ich finde es so ein spannendes Thema. Eine letzte Frage.
[46:27] Was würden Sie sich wünschen, wo der Diskurs so ein bisschen hingeht?
[46:31] Weil also mein Eindruck aktuell war jetzt zumindest lange Zeit,
[46:35] dass es sehr stark schon ein Misstrauen geschürt wurde in der Diskussion und
[46:40] andererseits aber auch eine gewisse Achtsamkeit hervorgebracht hat,
[46:44] dass wir so viel über Gewalt im Kreißsaal, Gewalt unter der Geburt,
[46:47] traumatische Geburtserlebnisse gesprochen haben.
[46:49] Was würden Sie beide sich wünschen, wo der Diskurs in Zukunft hingeht?
[46:53] Also ich wünsche mir, dass wir das schaffen, mit so viel Zeit und einem System,
[46:59] was das eben hergibt, das Vertrauen der Familien in der Schwangerschaft zu haben.
[47:05] Ich wünsche mir, dass sie evidenzbasiert entscheiden können,
[47:09] wo sie ihre Kinder auf die Welt bringen, wo sie sich sicher fühlen und wo sie Vertrauen haben.
[47:14] Und dann wünsche ich mir, dass es Zeit gibt, weil Zeit notwendig ist.
[47:20] Eventuelle Zweifel und Skepsis im Vorfeld abzubauen,
[47:25] damit wir das schaffen, dass gestärkte Eltern nach der Geburt nach Hause gehen
[47:30] und Eltern, die mit so einem satten Rückenwind einer gut erlebten Geburt wirklich
[47:37] gut in das Abenteuer Eltern starten können.
[47:39] Für mich ist das einzig sichere eine 1 zu 1 Betreuung unter der Geburt, damit wir das schaffen,
[47:45] dass wir nicht nur die Geburten medizinisch gut, fachlich kompetent betreuen,
[47:50] sondern eben auch dafür sorgen, dass gestärkte, stabile Eltern geboren sind.
[47:59] Ja, ich finde es wichtig, dass der Diskurs dahin geht,
[48:03] dass Geburt als sehr wichtigstes Erlebnis eines Menschen zu Beginn der Menschwerdung
[48:10] und des Aufwachsens mehr auch finanzielles und materielles Gewicht in diesem
[48:16] Gesundheitssystem kriegt.
[48:19] Dass die Privatheit mehr respektiert wird, die Soft-Skills in der Geburtshilfe,
[48:25] dass kleine Krankenhäuser nicht aus ökonomischen Gründen zugemacht werden.
[48:31] In Niedersachsen zum Beispiel wird die Hälfte aller Kinder in kleinen Krankenhäusern
[48:36] geboren und die strukturelle Situation ist katastrophal momentan.
[48:42] Bei allen kleineren Krankenhäusern, da wünsche ich mir wirklich,
[48:45] dass ein vernünftiger Diskurs im Sinne von einer guten Geburtshilfe gemacht wird.
[48:52] Und dass eben, wie gesagt, diese Faktoren, die man nicht so gut in Zahlen messen kann,
[48:57] die aber ganz wichtig sind für die Geburt, auch im Bewusstsein mehr Einzug halten.
[49:03] Und nicht die letzten 0,0001 Prozent an Risiken, die da sind.
[49:09] Wichtiger gemacht werden, wie sie in der Statistik sind.
[49:12] Weil die allermeisten Frauen haben wenig Risiken und wollen auf eine gute Art normal entbinden.
[49:20] Und wir haben eine gute Versorgung für Risikopatienten und da sind wir super
[49:25] und das muss auch seinen Platz haben.
[49:27] Und wir müssen als Geburtshelfer immer wissen, wer wohin gehört und wo unsere
[49:31] Grenzen auch sind. Das ist auch ganz wichtig. Ja, schön gesagt.
[49:35] Also was ich jetzt so gehört habe in der letzten Stunde, muss ich jetzt auch
[49:38] einfach nochmal so sagen, ist so viel Achtsamkeit und so viel Respekt für dieses
[49:43] Wundergeburt, aber auch für jede einzelne Frau, die zu Ihnen kommt,
[49:47] mit welchem Hintergrund auch immer. Dafür möchte ich mich auf jeden Fall interessieren.
[49:50] Einmal bedanken, weil ich das sehr, sehr schön finde und weil ich mir das auch so gewünscht habe.
[49:54] Ich wollte diese Folge, weil ich ein Gegeneinander gespürt habe
[49:57] und ich wollte mit dieser Folge zeigen, Geburt ist ein Miteinander und wir alle
[50:02] sind da Menschen, die im Kreißsaal stehen mit unserer Geschichte,
[50:05] mit unseren Erfahrungen, mit unseren Ängsten und wie Sie es richtig sagen,
[50:08] auch ein Arzt und auch eine Hebamme hat ja Ängste, weil es eben
[50:12] eine Klagbarkeit gibt, aber natürlich auch ein Gewissen.
[50:14] Ich gehe ja nach Hause mit dem Gefühl, ich habe da versagt oder da ist was Schlimmes
[50:18] passiert, weil ich dann nicht die richtige Entscheidung getroffen habe oder wie auch immer.
[50:22] Also ich glaube, das ist auch nochmal so wichtig, dass wir da alle wieder in
[50:26] so ein Gefühl von Menschlichkeit und Mitgefühl kommen. Und ja,
[50:30] dafür haben Sie heute ganz viel getan. Vielen, vielen Dank dafür.
[50:34] Ja, gerne. Möge der Kreißsaal das Wohnzimmer der Nation werden.
[50:39] Unser Kreißsaal. Da kümmern wir uns dann drum.
[50:43] Ja, also super spannendes Thema. Eins, bei dem ich auch selbst merke, das arbeitet in mir.
[50:47] Ich glaube, Geburt ist immer so hoch emotional, dass es eine Menge mit einem
[50:51] macht, auch nachhaltig. Ich bedanke mich bei Ihnen beiden von Herzen.
[50:54] Das war wirklich sehr spannend, sehr emotional und für mich auch irgendwie heilend.
[50:57] Vielen Dank für diese Einblicke und auch für Ihre Zeit.
[51:00] Bei uns anderen geht es am nächsten Donnerstag weiter mit einer neuen Eure-Fragen-Folge.
[51:05] Infos links zu dieser Folge findet ihr wie immer in den Shownotes.
[51:07] Und bei Fragen, Kritik und Anmerkungen schreibt uns gerne podcast.eltern.de.
[51:12] Falls ihr jetzt alle nach Buchholz wollt zur Geburt, wir vertegen auch einmal
[51:16] die Klinik, das kann ich sehr gut verstehen.
[51:19] Ja, vielen, vielen Dank nach Buchholz. Dankeschön. Sehr gerne.
[51:22] Tschüss. Ja, gerne. Bis nächsten Donnerstag sagen wir vielen Dank fürs Zuhören
[51:25] und alles Liebe aus Hamburg.

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