# LdN495 Warum wollen Sie Wohnungen enteignen, Elif Eralp (Spitzenkandidatin, Die Linke)?

An episode of [Lage der Nation - der Politik-Podcast aus Berlin](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1092957894), 23 Sep 2026, 1 h 52 min.

Audio: https://dts.podtrac.com/redirect.mp3/files.lagedernation.org/lagedernation/LdN495.mp3?ptm_source=feed&ptm_context=mp3&ptm_file=LdN495.mp3

Die wichtigsten Themen der Woche: • Wahlen: Ergebnisse von Mecklenburg-Vorpommern • Interview: Elif Eralp, Spitzenkandidatin Die Linke, Berlin • Vergesellschaftung: Geht das alles überhaupt rechtlich? • Autofahren: Tankrabatt und Spritpreisdeckel Werbepartner NordVPN: Upgradet eure Online-Sicherheit mit einer All-in-One-Sicherheits-App! Sichert euch den exklusiven NordVPN-Deal + 4 Extra-Monate hier: nordvpn.com/lage Risikofrei mit der 30-Tage-Geld-zurück-Garantie von NordVPN! Süddeutsche Zeitung: Die Süddeutsche Zeitung begleitet dich durch das Wahljahr 2026 – mit Einordnung statt Schlagzeilen. Für alle Lage-Hörer:innen gibt es aktuell und nur für kurze Zeit ein ganz besonderes Abo-Angebot zum Aktionspreis. inklusive Werkstattgespräch (online) mit dem stv. Chefredakteur Roman Deininger. Alle Infos und Bestellung: sz.de/lage Unsere anderen Werbepartner findet ihr hier Unsere Grundsätze für den Umgang mit Werbung findet ihr hier In der „Lage der Nation“ kehren der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer einmal in der Woche die politischen Ereignisse hierzulande und in der Welt zusammen, so diese sie interessieren und sie sie für relevant halten. Quellen zu dieser Folge: Wahl: Ergebnisse in Berlin • Alle Ergebnisse der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026 Berlin: Linke kämpft mit Debatte um Antisemitismus und Gewaltverherrlichung • Antisemitismus: Wie groß ist das Problem in der Berliner Linkspartei? • Linke Berlin einig: Parteivorstand zeigt Einigkeit in Antisemitismus-Streit Berlin: Linke will große Wohnungsgesellschaften vergesellschaften • Nach der Wahl – Das plant die Berliner Linke bei Vergesellschaftungen von Wohnraum Interview: Elif Eralp, Spitzenkandidatin Die Linke, Berlin • Elif Eralp Nachtrag: Antisemitismus bei den Linken • LAG Palästinasolidarität: Die Linke Berlin • LdN406 Schutz jüdischer Menschen – warum der Bundestag irrt • Linke und Antisemitismus: „Die Debatte hat die Funktion, die Linke zu schwächen“ Vergesellschaftung: Geht das alles überhaupt rechtlich? • Berlin: Eine Vergesellschaftung von Wohnungen wäre juristisches Neuland • Art. 15 GG – dejure.org • Art. 14 GG – dejure.org • Vergesellschaftung von Wohnungseigentum – das Wettrennen um die Gesetzgebung | DLA Piper Bundesregierung: Kanzler ratlos, Koalition planlos • Merz nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Rente mit 63 habe „praktisch keine Rolle gespielt“ • Friedrich Merz: Rückendeckung der Unionsfraktion • Merz attackiert die private Krankenversicherung. Ein Missverständnis? Das steckt dahinter Regierung: Wie weiter mit den Reformen? • "Möchte unser Land voranbringen": Kanzler Friedrich Merz nach den Wahlen | #landtagswahl Autofahren: Tankrabatt und Spritpreisdeckel • Debatte über Spritpreise: Reiche will Mehrwertsteuer auf Sprit senken • Günstige Kraftstoffpreise: So funktioniert der Spritpreisdeckel in Luxemburg • RWTH-Studie zu Tankrabatt | RWTH Aachen University | DE • Europas Tankrabatte belegen eine erschreckende Ideen- und Ambitionslosigkeit • RWTH-Studie zum Tankrabatt Bilder Friedrich Merz, Foto: Kay Nietfeld/dpa Manuela Schwesig, Foto: Kay Nietfeld/dpa Elif Eralp, Foto: Sebastian Gollnow/dpa Tanken, Foto: Marcus Brandt/dpa Presserat, Foto: Annette Riedl/dpa Hausmitteilungen • Offizielle Lage-App für iPhone / iPad • Lage Plus Mitglied werden & unabhängigen Journalismus unterstützen • Spende an die Lage der Nation • Lage-Shop • Anmeldung zum Newsletter (Bitte nach unten scrollen) • Feedback und Themenvorschläge • „Lage der Nation“ bei Mastodon • „Lage der Nation“ bei Bluesky • „Lage der Nation“ bei iTunes bewerten • „Lage der Nation“ bei Youtube • „Lage der Nation“ bei Facebook • „Lage der Nation“ bei Instagram • „Lage der Nation“ in der Wikipedia Projekte des Lage-Teams • Die OpenStreetMap auf iPhone & iPad: OpenStreets für iOS (kostenlos) • Die OpenStreetMap auf dem Mac: OpenStreets für MacOS (kostenlos) • „Das Interview mit Philip Banse“

## Chapters

- 0:00 Begrüßung
- 1:05 Wahlen: Ergebnisse von Mecklenburg-Vorpommern
- 8:02 Wahl: Ergebnisse in Berlin
- 13:52 Berlin: Linke kämpft mit Debatte um Antisemitismus und Gewaltverherrlichung
- 20:35 Berlin: Linke will große Wohnungsgesellschaften vergesellschaften
- 22:03 Interview: Elif Eralp, Spitzenkandidatin Die Linke, Berlin
- 43:24 Nachtrag: Antisemitismus bei den Linken
- 48:55 Vergesellschaftung: Geht das alles überhaupt rechtlich?
- 1:12:45 Bundesregierung: Kanzler ratlos, Koalition planlos
- 1:22:17 Regierung: Wie weiter mit den Reformen?
- 1:27:02 Autofahren: Tankrabatt und Spritpreisdeckel
- 1:44:47 Hausmitteilung: Lage im Presserat
- 1:51:30 Verabschiedung

## Transcript

[0:00] Philip Banse: Herzlich willkommen zur Lage der
[0:01] Philip Banse: Nation, Ausgabe Nr.
[0:04] Philip Banse: 495 vom 23.
[0:06] Philip Banse: September 2026.
[0:09] Philip Banse: Wir schreiben Lagezeit 12.24
[0:13] Philip Banse: Uhr. Und mein Name ist Philip Banse.
[0:13] Philip Banse: Ganz herzlich willkommen.
[0:15] Ulf Buermeyer: Moin, mein Name ist Ulf Buermeyer,
[0:16] Ulf Buermeyer: herzlich willkommen auch von mir.
[0:17] Ulf Buermeyer: Schön, dass ihr wieder dabei seid
[0:18] Ulf Buermeyer: und wie immer am Anfang kurze
[0:20] Ulf Buermeyer: Hausmitteilungen, nämlich eine
[0:21] Ulf Buermeyer: herzliche Einladung.
[0:23] Ulf Buermeyer: Wir nehmen in ein paar Wochen unsere
[0:25] Ulf Buermeyer: 500.
[0:26] Ulf Buermeyer: Folge der Lage der Nation auf,
[0:28] Ulf Buermeyer: Philip.
[0:28] Philip Banse: Wer hätte das gedacht?
[0:29] Ulf Buermeyer: 500 Folgen politische Lage in
[0:31] Ulf Buermeyer: Deutschland und der Welt und das tun
[0:32] Ulf Buermeyer: wir nicht in unserem stillen
[0:34] Ulf Buermeyer: Kämmerlein, sondern das tun wir auf
[0:35] Ulf Buermeyer: der Bühne und das bedeutet für euch,
[0:37] Ulf Buermeyer: ihr könnt dabei sein.
[0:38] Philip Banse: Und zwar erstens in Düsseldorf am
[0:40] Philip Banse: 28.
[0:41] Philip Banse: Oktober oder zwei Tage später
[0:43] Philip Banse: dann in München
[0:45] Philip Banse: am 30.
[0:47] Philip Banse: Oktober. Gibt noch Tickets,
[0:48] Philip Banse: findet ihr unter Lage.live
[0:52] Ulf Buermeyer: Lage.live.
[0:53] Ulf Buermeyer: Dann kommt ihr in unseren
[0:54] Ulf Buermeyer: Ticket-Shop.
[0:55] Ulf Buermeyer: Wir würden uns freuen, euch zu
[0:56] Ulf Buermeyer: sehen.
[0:56] Philip Banse: Ja, und dann gibt es halt diese Show
[0:57] Philip Banse: und dann hinterher, wie das ja
[0:59] Philip Banse: einige schon auch kennen, die da
[1:00] Philip Banse: schon mal waren, stehen wir noch ein
[1:02] Philip Banse: bisschen beisammen, trinken noch ein
[1:03] Philip Banse: Bierchen und stoßen an auf die 500.
[1:06] Ulf Buermeyer: Auch am letzten Wochenende war
[1:07] Ulf Buermeyer: wieder Wahlzirkus angesagt in
[1:09] Ulf Buermeyer: Deutschland. Diesmal waren es sogar
[1:10] Ulf Buermeyer: zwei Landtagswahlen,
[1:12] Ulf Buermeyer: die mit Live-Wahlsendungen zu
[1:14] Ulf Buermeyer: besprechen waren.
[1:15] Ulf Buermeyer: Nämlich die Landtagswahlen in Berlin
[1:17] Ulf Buermeyer: und in Mecklenburg-Vorpommern.
[1:19] Ulf Buermeyer: Philip, wir schauen zunächst mal an
[1:21] Ulf Buermeyer: die Ostseeküste.
[1:22] Ulf Buermeyer: Was hat es da gegeben?
[1:23] Philip Banse: Ja, zu den Ergebnissen.
[1:24] Philip Banse: Also die AfD gewinnt hier die
[1:26] Philip Banse: Wahl. Auch hier muss man ja sagen,
[1:28] Philip Banse: nach der Wahl in Sachsen-Anhalt.
[1:30] Philip Banse: Hier bekommt sie allerdings nicht
[1:31] Philip Banse: über 40, sondern gute 38
[1:33] Philip Banse: Prozent.
[1:34] Philip Banse: Ein sattes Plus von über 21
[1:37] Philip Banse: Prozentpunkten.
[1:39] Philip Banse: Aber, das ist für die AfD
[1:41] Philip Banse: sozusagen das Minus, es gibt für
[1:43] Philip Banse: die AFD de facto keine Option,
[1:45] Philip Banse: um an die Macht zu kommen, die
[1:46] Philip Banse: Regierung zu übernehmen, da niemand
[1:48] Philip Banse: der anderen Fraktionen und Parteien,
[1:50] Philip Banse: die da in den Landtag gekommen sind,
[1:52] Philip Banse: mit ihr eine Koalition bilden will.
[1:54] Ulf Buermeyer: Der zweite Sieger der Wahl ist die
[1:55] Ulf Buermeyer: Sozialdemokratische Partei
[1:56] Ulf Buermeyer: Deutschlands. Oder man kann
[1:57] Ulf Buermeyer: eigentlich sagen, Siegerin
[1:59] Ulf Buermeyer: ist Manuela Schwesig, die bisherige
[2:01] Ulf Buermeyer: und wohl auch zukünftige
[2:03] Ulf Buermeyer: Ministerpräsidentin von
[2:05] Ulf Buermeyer: Mecklenburg-Vorpommern.
[2:06] Ulf Buermeyer: Die SPD verliert zwar leicht,
[2:08] Ulf Buermeyer: landet bei 35,5 Prozent.
[2:10] Ulf Buermeyer: Das sind etwa minus vier
[2:11] Ulf Buermeyer: Prozentpunkte.
[2:12] Ulf Buermeyer: Aber sie bleibt im Vergleich zu
[2:14] Ulf Buermeyer: Berlin und Sachsen-Anhalt sehr
[2:16] Ulf Buermeyer: stabil und hat
[2:18] Ulf Buermeyer: weiterhin die zweitstärkste Fraktion
[2:20] Ulf Buermeyer: im Landtag und wird, wie gesagt,
[2:21] Ulf Buermeyer: weiterhin wahrscheinlich die
[2:23] Ulf Buermeyer: Regierung stellen. Philip, bei der
[2:24] Ulf Buermeyer: Linkspartei sieht es ein bisschen
[2:25] Ulf Buermeyer: schwächer aus.
[2:26] Philip Banse: Ja, die haben ein relativ schwaches
[2:27] Philip Banse: Ergebnis. Auch die Grünen
[2:29] Philip Banse: sind nur sehr, sehr knapp
[2:30] Philip Banse: reingekommen in den Schweriner
[2:31] Philip Banse: Landtag.
[2:32] Philip Banse: Das BSW ist anders als in
[2:34] Philip Banse: Sachsen-Anhalt an der 5%-Hürde
[2:36] Philip Banse: gescheitert, ist nicht
[2:38] Philip Banse: dabei.
[2:39] Philip Banse: Was auch, und das ist natürlich der
[2:41] Philip Banse: Knaller dieser Wahl in
[2:43] Philip Banse: Mecklenburg-Vorpommern, was auch
[2:45] Philip Banse: für die CDU gilt.
[2:47] Ulf Buermeyer: Die CDU, keine Splitterpartei,
[2:49] Ulf Buermeyer: die CDU kommt auf 4,8
[2:52] Ulf Buermeyer: Prozent der Stimmen, liegt damit
[2:53] Ulf Buermeyer: eindeutig unter der 5-Prozent-Hürde
[2:55] Ulf Buermeyer: und ist damit erstmals seit dem
[2:57] Ulf Buermeyer: Zweiten Weltkrieg in einem
[2:59] Ulf Buermeyer: Landesparlament nicht
[3:01] Ulf Buermeyer: mehr vertreten.
[3:02] Ulf Buermeyer: Das ist ein richtig heftiger
[3:04] Ulf Buermeyer: Schlag ins Kontor.
[3:05] Ulf Buermeyer: Philip, was bedeutet jetzt diese
[3:06] Ulf Buermeyer: Wahl in Mecklenburg-Vorpommern?
[3:08] Philip Banse: Na ja, natürlich ist es immer
[3:10] Philip Banse: erschreckend zu sehen, wie viele
[3:12] Philip Banse: Leute sich dann doch für die AfD
[3:14] Philip Banse: entscheiden.
[3:16] Philip Banse: Es gibt da zwar keine Option an
[3:18] Philip Banse: die Macht, aber ich habe das heute
[3:19] Philip Banse: auch in der Süddeutschen noch mal
[3:20] Philip Banse: gelesen. Man kann natürlich da
[3:22] Philip Banse: den Merz, das machen wir nachher
[3:24] Philip Banse: auch, rauf und runter analysieren.
[3:26] Philip Banse: Aber es gibt einfach wahnsinnig
[3:27] Philip Banse: viele Leute, die der Meinung
[3:29] Philip Banse: sind, hier läuft irgendwas nicht,
[3:31] Philip Banse: ist mir doch egal, ich wähle jetzt
[3:33] Philip Banse: mal die AfD.
[3:35] Philip Banse: Aus so einem Bauchgefühl, da muss
[3:37] Philip Banse: man mal was ändern, das kann doch
[3:38] Philip Banse: nicht sein.
[3:39] Philip Banse: Und dann wählst du Leute, die
[3:41] Philip Banse: irgendwie betrogen haben,
[3:43] Philip Banse: ihr Abizeugnis gefälscht, um zu
[3:45] Philip Banse: studieren.
[3:46] Philip Banse: Und so weiter. Die Leute würdest du
[3:47] Philip Banse: in deinem eigenen Betrieb nicht
[3:49] Philip Banse: haben wollen. Aber diesen Leuten,
[3:50] Philip Banse: die diese AfD da wählen, das nehmen
[3:52] Philip Banse: sie mal mit, das nehmen sie in Kauf
[3:53] Philip Banse: für das Land, weil sie das
[3:55] Philip Banse: Gefühl haben, das ist hier alles
[3:57] Philip Banse: nicht mehr. Das kann doch alles
[3:58] Philip Banse: nicht sein!
[3:59] Ulf Buermeyer: Jetzt hauen wir mal auf die Sahne.
[3:59] Philip Banse: Jetzt hauen wir mal die Sahne.
[4:01] Philip Banse: Also ich finde, das ist immer
[4:03] Philip Banse: facettenreich, aber diesen Punkt
[4:05] Philip Banse: muss man auch schon mal machen, dass
[4:06] Philip Banse: das ein, wie ich finde,
[4:09] Philip Banse: extrem unerwachsenes,
[4:11] Philip Banse: unausgereiftes und
[4:13] Philip Banse: kindliches Verhalten ist,
[4:15] Philip Banse: zu sagen, das passt mir alles
[4:17] Philip Banse: nicht. Das ist alles scheiße.
[4:19] Philip Banse: Jetzt wähle ich da diese Leute.
[4:20] Philip Banse: Ich kenne das Programm nicht.
[4:22] Philip Banse: Ich weiß nicht genau, was die
[4:23] Philip Banse: wählen, Rente 63 abschlagsfrei,
[4:25] Philip Banse: das kann ich nicht mal erklären,
[4:26] Philip Banse: wenn ich mich drei Tage damit
[4:27] Philip Banse: beschäftigt hätte, aber mal so
[4:29] Philip Banse: einen Kreuz da machen, das passt
[4:31] Philip Banse: schon. Da darf man die Leute auch nicht aus der Verantwortung entlassen.
[4:34] Ulf Buermeyer: Ne, das war tatsächlich auch
[4:35] Ulf Buermeyer: interessantes Feedback. Wir haben ja
[4:36] Ulf Buermeyer: auch ausführlich analysiert, wieso
[4:37] Ulf Buermeyer: Leute auf die Idee kommen, AfD zu
[4:39] Ulf Buermeyer: wählen. Und da gab es von einigen
[4:40] Ulf Buermeyer: bei uns aus dem Publikum, auch im
[4:42] Ulf Buermeyer: Lageforum zum Beispiel, eben das
[4:43] Ulf Buermeyer: Feedback, Leute, so wie ihr
[4:45] Ulf Buermeyer: argumentiert, klingt das ja fast so,
[4:46] Ulf Buermeyer: als wäre die Wahlentscheidung für
[4:48] Ulf Buermeyer: die AfD irgendwie nachvollziehbar.
[4:50] Ulf Buermeyer: Ihr dürft diese rechtsextremen
[4:51] Ulf Buermeyer: Wählerinnen und Wähler nicht so aus
[4:53] Ulf Buermeyer: der Verantwortung entlassen.
[4:54] Ulf Buermeyer: Das wollten wir natürlich auch nie,
[4:56] Ulf Buermeyer: aber deswegen finde ich das genau
[4:57] Ulf Buermeyer: richtig, Philip, dass du das nochmal
[4:58] Ulf Buermeyer: deutlich sagst, dass so eine
[4:59] Ulf Buermeyer: Wahlentscheidung für die AfD eben
[5:00] Ulf Buermeyer: nicht irgendeine Wahlentscheidung
[5:02] Ulf Buermeyer: ist, sondern eine völlig
[5:03] Ulf Buermeyer: verantwortungslose Wahlentscheidung.
[5:05] Ulf Buermeyer: Man kackt einfach auf den Teppich,
[5:07] Ulf Buermeyer: wenn man so das Gefühl hat, mir
[5:08] Ulf Buermeyer: passt das hier einfach nicht.
[5:09] Ulf Buermeyer: Und das ist ja auch bei aller
[5:11] Ulf Buermeyer: Kritik, die wir ja auch immer
[5:12] Ulf Buermeyer: äußern, deswegen wir ja gesagt
[5:13] Ulf Buermeyer: haben, dass es natürlich quasi
[5:15] Ulf Buermeyer: berechtigte Frustration gibt mit
[5:17] Ulf Buermeyer: dem Output der Demokratie, der real
[5:19] Ulf Buermeyer: existierenden Demokratie, ist das
[5:21] Ulf Buermeyer: eben einfach durch nichts zu
[5:22] Ulf Buermeyer: rechtfertigen, weil die AfD ja
[5:23] Ulf Buermeyer: nichts, aber auch gar nichts, besser
[5:25] Ulf Buermeyer: machen würde.
[5:26] Ulf Buermeyer: Ganz im Gegenteil, wenn man sich das
[5:27] Ulf Buermeyer: Programm anschaut, dann wäre das
[5:29] Ulf Buermeyer: eine absolute Katastrophe auf ganz
[5:30] Ulf Buermeyer: vielen Gebieten, nicht zuletzt für
[5:32] Ulf Buermeyer: ihre Wählerinnen und Wähler.
[5:33] Philip Banse: Nämlich auch für die Allermeisten,
[5:35] Philip Banse: die natürlich das Programm nie
[5:36] Philip Banse: gelesen haben und sich darüber keine
[5:37] Philip Banse: Gedanken machen. So, was zeichnet
[5:39] Philip Banse: sich also ab, wenn die AfD nicht an
[5:41] Philip Banse: die Macht kommt in Schwerin?
[5:42] Philip Banse: Na ja, das wird aller
[5:44] Philip Banse: Voraussicht nach ein Bündnis unter
[5:46] Philip Banse: der Führung von Manuela Schwesig
[5:47] Philip Banse: unter der SPD sein mit Grünen und
[5:50] Philip Banse: Linken, die haben eine klare
[5:51] Philip Banse: Mehrheit im Schweriner Schloss
[5:52] Philip Banse: und so bisher würde ich sagen,
[5:54] Philip Banse: zeichnen sich da auch keine Schwierigkeiten
[5:55] Philip Banse: ab.
[5:56] Ulf Buermeyer: Nein, bemerkenswert starke SPD
[5:58] Ulf Buermeyer: tatsächlich in Mecklenburg muss man
[5:59] Ulf Buermeyer: sagen. Sie stand in Umfragen mal bei
[6:01] Ulf Buermeyer: 19 Prozent, hat
[6:03] Ulf Buermeyer: im Wahlkampf also rund 15
[6:04] Ulf Buermeyer: Prozentpunkte zugelegt.
[6:06] Ulf Buermeyer: Das muss man schon sagen, Chapeau an
[6:08] Ulf Buermeyer: Manuela Schwesig, das war eine
[6:10] Ulf Buermeyer: Aufholjagd, die sie da hingelegt
[6:11] Ulf Buermeyer: hat, hat die AfD fast wieder
[6:13] Ulf Buermeyer: eingeholt mit einem ganz starken
[6:15] Ulf Buermeyer: Personality Factor.
[6:16] Ulf Buermeyer: Philip, ich glaube, das muss man auch
[6:17] Ulf Buermeyer: schon sagen.
[6:17] Philip Banse: Auf jeden Fall.
[6:18] Philip Banse: Also Person Schwesig natürlich
[6:20] Philip Banse: überall plakatiert.
[6:21] Philip Banse: Die Landesmutter hat natürlich einen
[6:22] Philip Banse: Amtsbonus. Ich weiß nicht, wie lange
[6:24] Philip Banse: war sie jetzt da?
[6:25] Philip Banse: Acht, neun Jahre?
[6:26] Philip Banse: Also sie hat ein paar Jahre auf dem
[6:27] Philip Banse: Buckel. Auf jeden Fall was natürlich
[6:29] Philip Banse: auch für sie spricht.
[6:30] Philip Banse: Ich meine, dass sie sich da
[6:31] Philip Banse: offensichtlich für viele doch
[6:32] Philip Banse: durchaus bewiesen hat.
[6:33] Philip Banse: Aber der Preis
[6:35] Philip Banse: ist, sie hat sich maximal abgegrenzt
[6:37] Philip Banse: von der Bundes-SPD.
[6:38] Philip Banse: Also Berlin konnte gar nicht weit
[6:40] Philip Banse: genug weg sein.
[6:41] Philip Banse: Wir haben es gesagt, da stand oft
[6:42] Philip Banse: gar nicht mal SPD auf ihren
[6:44] Philip Banse: Wahlplakaten.
[6:44] Philip Banse: Auch das Rot hat mich nicht immer an
[6:46] Philip Banse: das SPD-Rot erinnert.
[6:48] Ulf Buermeyer: Also sie sagt das ja immer.
[6:49] Ulf Buermeyer: Sie schreibt es nicht drauf, aber es
[6:51] Ulf Buermeyer: ist ja alles rot und sie trägt rot
[6:52] Ulf Buermeyer: und so. Aber man muss schon ganz
[6:53] Ulf Buermeyer: ehrlich sagen, also ich würde auch
[6:55] Ulf Buermeyer: sagen, das war ein ganz klarer
[6:56] Ulf Buermeyer: Abgrenzungskurs.
[6:57] Ulf Buermeyer: Aber eben nicht nur quasi so
[6:58] Ulf Buermeyer: schlagwortartig SPD weglassen,
[7:01] Ulf Buermeyer: sondern es ging ja auch um eine
[7:03] Ulf Buermeyer: inhaltliche Abgrenzung von der
[7:04] Ulf Buermeyer: Politik immerhin ihrer eigenen
[7:06] Ulf Buermeyer: Partei und der Union in Berlin.
[7:08] Ulf Buermeyer: Immer wieder hat sie gefeuert gegen
[7:10] Ulf Buermeyer: geplante sogenannte Reformen,
[7:12] Ulf Buermeyer: die aber im wesentlichen
[7:13] Ulf Buermeyer: Einsparungen im Sozialbereich sind.
[7:15] Ulf Buermeyer: Zentraler Streitpunkt, die
[7:16] Ulf Buermeyer: sogenannte Rente mit 63,
[7:18] Ulf Buermeyer: wo Schwesig gesagt hat, da darf es
[7:20] Ulf Buermeyer: keine Änderungen geben.
[7:21] Ulf Buermeyer: Und sie hat natürlich auch, das
[7:22] Ulf Buermeyer: hatten wir in der letzten Woche schon
[7:23] Ulf Buermeyer: angedeutet, mit dem Slogan
[7:25] Ulf Buermeyer: "Frau gegen Blau", also Schwesig
[7:27] Ulf Buermeyer: gegen die AfD, wirklich so ein
[7:29] Ulf Buermeyer: ganz klassisches Horse Race daraus
[7:31] Ulf Buermeyer: gemacht.
[7:31] Ulf Buermeyer: Also quasi ein Pferderennen, wo
[7:33] Ulf Buermeyer: immer sich die Menschen die Frage
[7:33] Ulf Buermeyer: stellen, wer hat jetzt die Nase
[7:35] Ulf Buermeyer: vorn? Und diese Zuspitzung auf
[7:37] Ulf Buermeyer: die beiden stärksten
[7:39] Ulf Buermeyer: Parteien im Wahlkampf auf die SPD
[7:40] Ulf Buermeyer: und die AfD, diese Zuspitzung,
[7:42] Ulf Buermeyer: die hat auch in
[7:44] Ulf Buermeyer: Mecklenburg-Vorpommern wieder
[7:45] Ulf Buermeyer: funktioniert und sie hat auf der
[7:46] Ulf Buermeyer: anderen Seite aber vor allem Grünen
[7:47] Ulf Buermeyer: und CDU geschadet.
[7:48] Ulf Buermeyer: Wir haben es gesagt, die Grünen sind
[7:50] Ulf Buermeyer: knapp drin, die CDU ist nicht
[7:51] Ulf Buermeyer: mal im Landtag.
[7:52] Philip Banse: Ja, weil natürlich viele bei Grünen
[7:54] Philip Banse: und CDU gedacht haben, Hauptsache,
[7:56] Philip Banse: die AfD kommt hier nicht ans
[7:58] Philip Banse: Ruder, wählen wir im Zweifel dann
[8:00] Philip Banse: doch lieber Manuela Schwesig.
[8:02] Philip Banse: Ähnlich turbulent, aber mit ganz
[8:04] Philip Banse: anderen Ergebnissen ist es in Berlin
[8:06] Philip Banse: ausgegangen, die Wahl.
[8:08] Philip Banse: Da gewinnt die Linke,
[8:10] Philip Banse: wird stärkste Fraktion mit über 25
[8:13] Philip Banse: Prozent, sattes Plus von
[8:15] Philip Banse: über 13 Prozentpunkten,
[8:17] Philip Banse: hat das Ergebnis fast
[8:19] Philip Banse: verdoppelt und verweist die Union
[8:20] Philip Banse: auf Platz zwei.
[8:22] Ulf Buermeyer: Ja, die landet bei 18,8 Prozent,
[8:24] Ulf Buermeyer: hat also 9,5 Prozentpunkte
[8:27] Ulf Buermeyer: verloren, also drastischer Einbruch
[8:28] Ulf Buermeyer: bei der Union.
[8:29] Ulf Buermeyer: Die AfD hat zwar zugelegt um
[8:31] Ulf Buermeyer: gut 7 Prozentpunkte, landet aber
[8:33] Ulf Buermeyer: trotzdem, in Anführungsstrichen, nur
[8:34] Ulf Buermeyer: bei 16,3 Prozent.
[8:35] Ulf Buermeyer: Das sind natürlich immer noch 16,3
[8:37] Ulf Buermeyer: Prozent zu viel, aber immerhin
[8:39] Ulf Buermeyer: ist die AfD in Berlin weit, weit weg
[8:41] Ulf Buermeyer: von jeder Machtoption, wird also
[8:42] Ulf Buermeyer: auch weiterhin im Land keine Rolle
[8:44] Ulf Buermeyer: spielen. Die Grünen
[8:45] Ulf Buermeyer: interessanterweise in einer
[8:47] Ulf Buermeyer: Großstadt nur vierte Kraft.
[8:49] Philip Banse: Nicht nur in einer Großstadt,
[8:50] Philip Banse: sondern in der deutschen Großstadt,
[8:52] Philip Banse: in Berlin.
[8:54] Philip Banse: Also da muss man fast den Hut
[8:55] Philip Banse: ziehen, wie sie das schaffen, da auf
[8:57] Philip Banse: 14, nur auf 14,3
[8:59] Philip Banse: Prozentpunkte zu kommen, sind
[9:01] Philip Banse: kräftig geschrumpft, haben also vier
[9:03] Philip Banse: Prozentpunkte gegenüber der letzten
[9:05] Philip Banse: Wahl verloren.
[9:06] Philip Banse: Und wie gesagt, eben das in Berlin.
[9:07] Philip Banse: Die haben ja selbst in Kreuzberg
[9:08] Philip Banse: gegen die Linken verloren.
[9:09] Ulf Buermeyer: Ja, ich glaube, wenn ich es richtig
[9:10] Ulf Buermeyer: gesehen habe, alle Direktmandate in
[9:12] Ulf Buermeyer: Kreuzberg verloren, alle sind jetzt
[9:14] Ulf Buermeyer: an die Linke gegangen.
[9:15] Ulf Buermeyer: Auch die SPD hat natürlich massiv
[9:17] Ulf Buermeyer: Federn gelassen.
[9:18] Ulf Buermeyer: 12,1 Prozent hat sie noch
[9:19] Ulf Buermeyer: eingefahren. Das sind minus 6,3
[9:21] Ulf Buermeyer: Punkte, also genau wie die Union
[9:23] Ulf Buermeyer: auch ein Drittel ihrer
[9:25] Ulf Buermeyer: früheren Wählerinnen und Wähler
[9:26] Ulf Buermeyer: verloren. Das BSW hingegen,
[9:28] Ulf Buermeyer: das Bündnis Sahra Wagenknecht, ist
[9:30] Ulf Buermeyer: an der 5-Prozent-Hürde
[9:32] Ulf Buermeyer: gescheitert. Ja, wie kann man sich
[9:33] Ulf Buermeyer: das jetzt erklären?
[9:34] Ulf Buermeyer: Also ganz klar, die Linke ist in
[9:36] Ulf Buermeyer: Berlin durch die Decke gegangen.
[9:37] Philip Banse: Die ist durch die Decke
[9:39] Philip Banse: gegangen, hat eine nahbare,
[9:40] Philip Banse: überraschende Kandidatin, die viele
[9:41] Philip Banse: nicht auf dem Zettel hatten, aber
[9:43] Philip Banse: die hat sich durchaus
[9:45] Philip Banse: als Zugpferd entpuppt.
[9:47] Philip Banse: Aber es gab natürlich auch vor allem
[9:49] Philip Banse: ein Thema, glaube ich, bei dem die
[9:51] Philip Banse: Grünen auch geschwächelt haben, und
[9:52] Philip Banse: das war diese Frage, Berlin
[9:54] Philip Banse: muss bezahlbar werden,
[9:56] Philip Banse: insbesondere eben bei den Mieten.
[9:58] Philip Banse: Und da haben die Linken
[10:00] Philip Banse: halt dieses, ich würde sagen, fast
[10:02] Philip Banse: revolutionäre Konzept eben der
[10:04] Philip Banse: Vergesellschaftung großer
[10:06] Philip Banse: Wohnungsunternehmen groß
[10:08] Philip Banse: aufs Programm geschrieben und damit
[10:10] Philip Banse: Erfolg gehabt.
[10:11] Ulf Buermeyer: Ja und natürlich noch mit anderen
[10:12] Ulf Buermeyer: Forderungen im Kontext Mieten.
[10:14] Ulf Buermeyer: Zum Beispiel fordern sie einen
[10:16] Ulf Buermeyer: Landesmietendeckel, jedenfalls für
[10:17] Ulf Buermeyer: die landeseigenen Unternehmen.
[10:19] Ulf Buermeyer: Ja, Union und SPD wiederum haben
[10:21] Ulf Buermeyer: dramatisch verloren.
[10:21] Ulf Buermeyer: Das haben wir eben bei den Zahlen
[10:22] Ulf Buermeyer: schon gesagt. Woran lag es?
[10:23] Ulf Buermeyer: Ich denke, sie hatten einfach beide
[10:25] Ulf Buermeyer: keine besonders überzeugenden
[10:26] Ulf Buermeyer: Kandidaten.
[10:28] Ulf Buermeyer: Nachdem die Union ja den regierenden
[10:29] Ulf Buermeyer: Bürgermeister verloren hat wegen der
[10:31] Ulf Buermeyer: Tennis-Affäre, musste dann schnell
[10:33] Ulf Buermeyer: der Finanzsenator quasi
[10:35] Ulf Buermeyer: upgegradet werden zum
[10:36] Ulf Buermeyer: Spitzenkandidaten, das hat die
[10:40] Ulf Buermeyer: Menschen in Berlin nicht abgeholt. Genau dasselbe galt für die
[10:41] Ulf Buermeyer: SPD. Die hatte auch niemand mehr im
[10:42] Ulf Buermeyer: Land, der überzeugen konnte,
[10:44] Ulf Buermeyer: deswegen haben sie Steffen Krach aus
[10:45] Ulf Buermeyer: Hannover importiert.
[10:47] Philip Banse: Bei dem es dann ja auch
[10:48] Philip Banse: Hausdurchsuchungen gegeben hat.
[10:49] Philip Banse: Das willst du auch nicht im Wahlkampf.
[10:51] Ulf Buermeyer: Also das muss man sagen.
[10:52] Ulf Buermeyer: Die hatten beide keine überzeugenden
[10:53] Ulf Buermeyer: Kandidaten, aber ich glaube, es ist
[10:54] Ulf Buermeyer: trotzdem vor allem auch bei Union
[10:55] Ulf Buermeyer: und SPD ein inhaltliches Problem
[10:57] Ulf Buermeyer: gegeben. Beide haben sich nämlich
[10:58] Ulf Buermeyer: nicht von der sogenannten
[11:00] Ulf Buermeyer: Reformpolitik von Friedrich Merz und
[11:02] Ulf Buermeyer: Co. im Bund abgegrenzt.
[11:04] Ulf Buermeyer: Ganz anders als Manuela Schwesig
[11:05] Ulf Buermeyer: eben in Mecklenburg-Vorpommern.
[11:06] Ulf Buermeyer: Und deswegen hat der
[11:08] Ulf Buermeyer: Gegenwind aus dem Bund
[11:11] Ulf Buermeyer: Union und SPD in Berlin ganz hart
[11:12] Ulf Buermeyer: ins Gesicht geblasen.
[11:13] Ulf Buermeyer: Das hatten wir ja schon aus Anlass
[11:14] Ulf Buermeyer: der Wahl in Sachsen-Anhalt
[11:16] Ulf Buermeyer: ausführlich analysiert.
[11:17] Ulf Buermeyer: Die Menschen wollen diese,
[11:18] Ulf Buermeyer: jedenfalls diese Reformpolitik
[11:20] Ulf Buermeyer: nicht, so wie sie sich Friedrich
[11:22] Ulf Buermeyer: Merz und seine Leute auf die Fahnen
[11:23] Ulf Buermeyer: geschrieben haben. Und wer das nicht
[11:25] Ulf Buermeyer: klar sagt in einem Bundesland,
[11:27] Ulf Buermeyer: der kriegt eben auf die Finger.
[11:29] Ulf Buermeyer: Ja, Philip, was heißt das jetzt?
[11:30] Ulf Buermeyer: Was gibt es jetzt für Optionen nach
[11:32] Ulf Buermeyer: der Wahl in Berlin?
[11:33] Philip Banse: Na, die eine Option in Berlin ist
[11:34] Philip Banse: CDU regiert mit
[11:36] Philip Banse: SPD und Grünen.
[11:38] Philip Banse: Die hätten eine knappe Mehrheit.
[11:40] Philip Banse: Aber SPD und Union, das hast du
[11:41] Philip Banse: gesagt, wurden ja beide klar
[11:43] Philip Banse: abgewählt.
[11:44] Philip Banse: Haben beide zusammen 15
[11:45] Philip Banse: Prozentpunkte verloren.
[11:47] Philip Banse: Und so gesehen hätten sie dann
[11:49] Philip Banse: wahrscheinlich kein Mandat mehr.
[11:51] Philip Banse: Aber auch inhaltlich gäbe es dabei
[11:53] Philip Banse: Kenia, wie das ja dann immer so
[11:54] Philip Banse: heißt, massive Differenzen,
[11:56] Philip Banse: also nicht zuletzt im Bereich
[11:57] Philip Banse: Verkehrspolitik.
[11:57] Ulf Buermeyer: Ja, ich glaube, das ist das zentrale
[11:59] Ulf Buermeyer: Thema. Die CDU hat ja in den
[12:01] Ulf Buermeyer: letzten zwei, drei Jahren auf so
[12:02] Ulf Buermeyer: eine Art Rollback gesetzt, wollte
[12:03] Ulf Buermeyer: die die Verkehrspolitik
[12:06] Ulf Buermeyer: von Rot-Rot-Grün vorher möglichst
[12:07] Ulf Buermeyer: zurückdrehen.
[12:08] Ulf Buermeyer: Das Motto der Union ist ein bisschen
[12:09] Ulf Buermeyer: freie Fahrt für's Auto.
[12:11] Ulf Buermeyer: Das heißt also, Parkstreifen oder
[12:12] Ulf Buermeyer: Autospuren sind der Union
[12:14] Ulf Buermeyer: einfach wichtiger als zum Beispiel
[12:15] Ulf Buermeyer: Fahrradwege oder Busspuren.
[12:17] Ulf Buermeyer: Und das haben sie dann ja auch
[12:18] Ulf Buermeyer: konkret umgesetzt, indem eben
[12:20] Ulf Buermeyer: Fahrradstreifen wieder gestrichen
[12:21] Ulf Buermeyer: wurden. Da kann man jetzt eben
[12:22] Ulf Buermeyer: wieder drauf parken und so.
[12:23] Ulf Buermeyer: Und ganz ehrlich, Philip, ich kann
[12:25] Ulf Buermeyer: mir einfach nicht vorstellen, dass
[12:27] Ulf Buermeyer: die Grünen, die ja wirklich im
[12:28] Ulf Buermeyer: Prinzip in Berlin nur noch einen
[12:29] Ulf Buermeyer: unique selling point haben, eine
[12:31] Ulf Buermeyer: zentrale Forderung, nämlich
[12:32] Ulf Buermeyer: Verkehrswende, die Stadt fit machen
[12:34] Ulf Buermeyer: für den öffentlichen
[12:35] Ulf Buermeyer: Personennahverkehr und für Menschen,
[12:37] Ulf Buermeyer: die mit dem Fahrrad unterwegs sind,
[12:38] Ulf Buermeyer: da können die Grünen eigentlich
[12:39] Ulf Buermeyer: nicht der CDU ins
[12:41] Ulf Buermeyer: rote Rathaus verhelfen.
[12:44] Philip Banse: Nein, zumal die ja nur eine knappe Mehrheit
[12:44] Philip Banse: hätten. Also diese, diese, so eine
[12:46] Philip Banse: Kenia-Koalition, die hätte 82
[12:48] Philip Banse: Stimmen, das sind zwei mehr als
[12:50] Philip Banse: die absolute Mehrheit im Berliner
[12:52] Philip Banse: Landtag.
[12:53] Philip Banse: Also da müssen nur zwei Leute krank
[12:54] Philip Banse: werden oder irgendwie schlechte
[12:56] Philip Banse: Laune kriegen oder doch
[12:58] Philip Banse: irgendwie, weiß ich nicht, mit dem
[12:59] Philip Banse: Auto im Stau stecken geblieben sein.
[13:01] Ulf Buermeyer: Oder ein Unions-Mann, der zur AfD
[13:02] Ulf Buermeyer: wechselt, keine Ahnung.
[13:03] Philip Banse: Keine Ahnung. Dann ist das perdu.
[13:05] Philip Banse: Also das, das wird sicherlich nicht
[13:07] Philip Banse: halten.
[13:08] Philip Banse: Und inhaltlich hast du gesagt,
[13:10] Philip Banse: ist das kaum, ist es kaum
[13:11] Philip Banse: vorstellbar, dass ausgerechnet diese
[13:13] Philip Banse: CDU, das ist ja nicht irgendeine
[13:14] Philip Banse: CDU, sondern so bundesweit gesehen
[13:16] Philip Banse: ist es schon, glaube ich, so die
[13:18] Philip Banse: Auto-CDU schlechthin.
[13:19] Philip Banse: Und gleichzeitig sind es die
[13:21] Philip Banse: Verkehrswende-Grünen bundesweit
[13:22] Philip Banse: schlechthin. Also dass die da unter
[13:23] Philip Banse: eine Decke schlüpfen, schwer
[13:25] Philip Banse: vorstellbar. Deswegen rechne ich
[13:26] Philip Banse: eher mit Option zwei.
[13:27] Ulf Buermeyer: Ja, das wäre eine Regierung unter
[13:29] Ulf Buermeyer: Führung der Siegerin des Abends.
[13:30] Ulf Buermeyer: Wir haben sie eben schon genannt,
[13:31] Ulf Buermeyer: Elif Eralps, Spitzenkandidatin der
[13:33] Ulf Buermeyer: Linken und generell der Linkspartei.
[13:35] Ulf Buermeyer: Die hat einen klaren
[13:36] Ulf Buermeyer: Regierungsauftrag, wir haben es
[13:37] Ulf Buermeyer: gesagt, plus 13,4 Prozentpunkte
[13:39] Ulf Buermeyer: und hätte mit SPD und Grünen
[13:40] Ulf Buermeyer: zusammen noch eine deutliche
[13:42] Ulf Buermeyer: Mehrheit. Im Abgeordnetenhaus 95
[13:43] Ulf Buermeyer: Sitze.
[13:44] Ulf Buermeyer: Bei 80 hätte man eine absolute
[13:46] Ulf Buermeyer: Mehrheit, aber man muss schon sehr
[13:48] Ulf Buermeyer: deutlich sagen, auch hier gibt es
[13:50] Ulf Buermeyer: echt noch inhaltlich dicke Bretter
[13:51] Ulf Buermeyer: zu bohren.
[13:52] Philip Banse: Ja, also zum einen gibt es da eine
[13:53] Philip Banse: echt aufgeheizte Debatte um
[13:56] Philip Banse: Vorwürfe des Antisemitismus und
[13:58] Philip Banse: der zu großen Nähe der Berliner
[14:00] Philip Banse: Linken zu Mitgliedern sogenannter
[14:02] Philip Banse: Clans, also zu Familien,
[14:05] Philip Banse: bei denen sehr viele
[14:06] Philip Banse: Familienmitglieder, ich sag mal,
[14:09] Philip Banse: strafrechtliche Probleme haben und
[14:11] Philip Banse: zur organisierten Kriminalität
[14:12] Philip Banse: gehören und auch so verurteilt
[14:13] Philip Banse: wurden.
[14:14] Philip Banse: Also um das mal kurz zu schildern,
[14:15] Philip Banse: worum es da geht.
[14:16] Ulf Buermeyer: Ja, da ist also zum einen der
[14:18] Ulf Buermeyer: Abgeordnete der Linkspartei im
[14:19] Ulf Buermeyer: Deutschen Bundestag, Ferat Koçak,
[14:22] Ulf Buermeyer: der offenbar mit einem Mitglied
[14:24] Ulf Buermeyer: der Familie Remmo gechattet
[14:26] Ulf Buermeyer: hat. Jedenfalls ist aus dem
[14:27] Ulf Buermeyer: Remmo-Umfeld jetzt dieser Chat
[14:28] Ulf Buermeyer: veröffentlicht worden.
[14:30] Ulf Buermeyer: Und wer in Berlin die Lokalpresse
[14:31] Ulf Buermeyer: verfolgt, der weiß, die Remmos sind
[14:34] Ulf Buermeyer: eine Familie mit, wie Philip so
[14:36] Ulf Buermeyer: schön gesagt hat, strafrechtlichen
[14:37] Ulf Buermeyer: Problemen. Also aus dieser Familie
[14:38] Ulf Buermeyer: sind schon mehrere Mitglieder wegen
[14:40] Ulf Buermeyer: schwerer Straftaten verurteilt
[14:41] Ulf Buermeyer: worden, unter anderem diesen
[14:42] Ulf Buermeyer: Goldraub aus dem Bode-Museum,
[14:44] Ulf Buermeyer: diesem Juwelenraub aus dem grünen
[14:46] Ulf Buermeyer: Gewölbe und so.
[14:47] Ulf Buermeyer: Nun muss man natürlich sagen-
[14:50] Philip Banse: Und gleichzeitig, also diese
[14:52] Philip Banse: strafrechtliche Komponente ist das
[14:53] Philip Banse: eine, aber die haben halt auch so
[14:55] Philip Banse: eine politische Einstellung, die
[14:57] Philip Banse: der Hamas jetzt nicht so furchtbar
[14:58] Philip Banse: weit entfernt ist.
[14:59] Ulf Buermeyer: Also deswegen, diese Familie Remmo
[15:00] Ulf Buermeyer: wird von vielen Leuten mit gutem
[15:02] Ulf Buermeyer: Recht sehr kritisch gesehen.
[15:03] Ulf Buermeyer: Nun muss man natürlich sagen,
[15:05] Ulf Buermeyer: Sippenhaft gibt's eigentlich nicht
[15:06] Ulf Buermeyer: in Deutschland, aber trotzdem
[15:08] Ulf Buermeyer: irritiert es einfach, wenn ein
[15:10] Ulf Buermeyer: MdB chattet mit einem Mitglied der
[15:12] Ulf Buermeyer: Familie Remmo, der eben
[15:14] Ulf Buermeyer: generell eine Nähe zum organisierten
[15:15] Ulf Buermeyer: Verbrechen nachgesagt wird.
[15:19] Ulf Buermeyer: Fairerweise muss man sagen, dieses
[15:21] Ulf Buermeyer: Bundestagsmitglied, dieser
[15:22] Ulf Buermeyer: Abgeordnete Ferat Kuçak, lässt
[15:24] Ulf Buermeyer: momentan sein Mandat ruhen, aber
[15:26] Ulf Buermeyer: obwohl es auch Forderungen aus der
[15:28] Ulf Buermeyer: eigenen Partei gab, will er sein
[15:30] Ulf Buermeyer: Bundestagsmandat bisher nicht
[15:31] Ulf Buermeyer: zurückgeben.
[15:31] Philip Banse: So, der andere Punkt ist, wie
[15:33] Philip Banse: gesagt, diese Vorwürfe:
[15:34] Philip Banse: Gewaltverheerlichung,
[15:35] Philip Banse: Antisemitismus.
[15:36] Philip Banse: Die Linke ist, ich glaube, das kann
[15:37] Philip Banse: man zweifelsohne sagen,
[15:40] Philip Banse: zumindest in Berlin, die
[15:41] Philip Banse: politische Heimat, das politische
[15:43] Philip Banse: Zuhause geworden
[15:45] Philip Banse: für alle, die
[15:47] Philip Banse: Israel, Israels Politik in
[15:49] Philip Banse: Westbank, in Gaza kritisieren.
[15:51] Philip Banse: So, und das reicht jetzt von eben
[15:54] Philip Banse: Kritik an der aktuellen Regierung
[15:56] Philip Banse: bis hin zu Aussagen,
[15:58] Philip Banse: die Hamas-Terror verharmlosen,
[16:00] Philip Banse: Gewalt legitimieren und
[16:02] Philip Banse: verharmlosen und eben,
[16:04] Philip Banse: glaube ich, das kann man sagen,
[16:06] Philip Banse: antisemitische Deutungsmuster
[16:08] Philip Banse: zumindest nahelegen.
[16:09] Philip Banse: Um was geht's da?
[16:10] Ulf Buermeyer: Das geht da vor allem um einen
[16:12] Ulf Buermeyer: Bezirksverband, nämlich den Bezirk
[16:13] Ulf Buermeyer: Neukölln in der Linkspartei.
[16:15] Ulf Buermeyer: Da gibt es immer wieder Einzelfälle,
[16:17] Ulf Buermeyer: die sich aber eben doch zu einem
[16:19] Ulf Buermeyer: Bild zusammenfügen.
[16:20] Ulf Buermeyer: Zum Beispiel hat ein Parteimitglied
[16:21] Ulf Buermeyer: da in einem Tweet am Jahrestag
[16:23] Ulf Buermeyer: des 7. Oktober 2023
[16:25] Ulf Buermeyer: diesen Massenmord von der
[16:27] Ulf Buermeyer: Hamas und anderen palästinensischen
[16:29] Ulf Buermeyer: Organisationen als, Zitat,
[16:31] Ulf Buermeyer: palästinensische Guerrilla-Kämpfer
[16:33] Ulf Buermeyer: bezeichnet und deren Vorgehen sei,
[16:35] Ulf Buermeyer: Zitat, ein Ausbruch aus einem
[16:37] Ulf Buermeyer: Freiluftgefängnis.
[16:39] Ulf Buermeyer: Schwierig.
[16:40] Philip Banse: Auf einer Wahlkampfveranstaltung des
[16:42] Philip Banse: Bezirksverbands der Linken
[16:44] Philip Banse: in Neukölln, also eines Stadtteils
[16:46] Philip Banse: in Berlin, da trat halt ein Rapper
[16:47] Philip Banse: auf und nach
[16:49] Philip Banse: der Berichterstattung sagte er halt
[16:51] Philip Banse: sowas wie "Yalla Yalla Intifada"
[16:53] Philip Banse: und "Death to the IDF".
[16:56] Philip Banse: Also IDF ist die Israeli Defense
[16:58] Philip Banse: Force, also die israelische Armee,
[16:59] Philip Banse: also Tod der israelischen Armee.
[17:01] Philip Banse: Intifada übersetzt
[17:02] Philip Banse: "Rebellion" und Kritiker
[17:04] Philip Banse: sagen, diese Rebellion
[17:07] Philip Banse: bezieht sich eben auf Terror
[17:09] Philip Banse: von eben Terroristen gegen
[17:11] Philip Banse: Israel, also Busanschläge,
[17:13] Philip Banse: Bombenattate, bei denen Tausende
[17:15] Philip Banse: Menschen ums Leben gekommen sind.
[17:16] Ulf Buermeyer: Und zwar Zivilistinnen und
[17:17] Ulf Buermeyer: Zivilisten.
[17:18] Ulf Buermeyer: Also, eine andere Sicht ist
[17:19] Ulf Buermeyer: natürlich, Intifada bedeute den
[17:21] Ulf Buermeyer: Widerstand gegen die ja in der Tat
[17:23] Ulf Buermeyer: völkerrechtswidrige Besatzung,
[17:25] Ulf Buermeyer: insbesondere der Westbank und des
[17:26] Ulf Buermeyer: Gazastreifens.
[17:27] Ulf Buermeyer: Also, ihr seht schon, das ist halt
[17:28] Ulf Buermeyer: einfach immer alles kompliziert.
[17:30] Ulf Buermeyer: Diese Äußerungen sind hart an der
[17:32] Ulf Buermeyer: Grenze, aber einige riechen eben
[17:33] Ulf Buermeyer: doch ganz gewaltig antisemitisch vor
[17:35] Ulf Buermeyer: allem. Da sollen eben auch linke
[17:37] Ulf Buermeyer: Politiker:innen, die da vor Ort
[17:38] Ulf Buermeyer: gewesen sind, nicht eingeschritten
[17:40] Ulf Buermeyer: haben. Und dann gibt es ja auch noch
[17:41] Ulf Buermeyer: die Landesarbeitsgemeinschaft
[17:42] Ulf Buermeyer: Palästinasolidarität.
[17:43] Philip Banse: Ja, das ist eine Organisation,
[17:45] Philip Banse: eine Arbeitsgemeinschaft in der
[17:47] Philip Banse: Linkspartei Berlin und die Welt
[17:49] Philip Banse: hat berichtet, dass diese AG das
[17:51] Philip Banse: Massaker, das Hamas-Massaker eben
[17:53] Philip Banse: vom Oktober '23, bezeichnet
[17:55] Philip Banse: halt als Akt des Widerstands,
[17:57] Philip Banse: Unterstützung des, wie sie nennen,
[17:59] Philip Banse: palästinensischen Widerstands in
[18:01] Philip Banse: all seinen Formen
[18:03] Philip Banse: sei gefordert worden und
[18:06] Philip Banse: ja, da kann man schon fragen, ist
[18:07] Philip Banse: das eigentlich eine Legitimation
[18:09] Philip Banse: beziehungsweise Verklärung
[18:11] Philip Banse: terroristischer Gewalt?
[18:13] Philip Banse: Und auch ein Mitglied dieser AG hat,
[18:15] Philip Banse: glaube ich, sinngemäß gesagt, dieser
[18:16] Philip Banse: palästinensische Widerstand,
[18:18] Philip Banse: der sei erst abgeschlossen, wenn
[18:20] Philip Banse: Tel Aviv auch zurückerobert ist.
[18:23] Ulf Buermeyer: Also ihr seht schon, extrem
[18:24] Ulf Buermeyer: problematische Positionen.
[18:26] Ulf Buermeyer: Auf der anderen Seite muss man sagen,
[18:27] Ulf Buermeyer: das sind immer Personen aus der
[18:28] Ulf Buermeyer: Linkspartei oder aus dem Umfeld.
[18:30] Ulf Buermeyer: Die Beschlusslage der Partei ist
[18:32] Ulf Buermeyer: natürlich eine völlig andere.
[18:33] Ulf Buermeyer: Trotzdem hat sich jetzt-
[18:34] Philip Banse: Ja, wobei man da sagen muss, da gab
[18:36] Philip Banse: es ja auch Diskussionen darüber bei
[18:38] Philip Banse: dem letzten Landesparteitag, glaube
[18:39] Philip Banse: ich, wo Leute, die mittlerweile
[18:41] Philip Banse: ausgetreten sind, eigentlich eine
[18:43] Philip Banse: Verurteilung dieses Massakers
[18:45] Philip Banse: festschreiben wollten und
[18:47] Philip Banse: sagen, das ist ein Massaker und wir
[18:48] Philip Banse: verurteilen das und das ist halt so
[18:50] Philip Banse: in dieser Beschlusslage nicht
[18:51] Philip Banse: durchgegangen bei den Linken,
[18:52] Philip Banse: woraufhin eben prominente Linke
[18:54] Philip Banse: ausgetretet sind.
[18:56] Ulf Buermeyer: Genau, es ist halt immer das Problem
[18:57] Ulf Buermeyer: in so einer Partei, wenn man sowas
[18:58] Ulf Buermeyer: beschließt, dann hast du halt das
[19:00] Ulf Buermeyer: Problem, dass es da eben Leute gibt,
[19:02] Ulf Buermeyer: die sich damit nicht identifizieren
[19:04] Ulf Buermeyer: können. Also ihr seht schon, das ist
[19:05] Ulf Buermeyer: halt der Grund, wieso es jetzt eine
[19:07] Ulf Buermeyer: heiße Debatte gibt.
[19:08] Ulf Buermeyer: Gerade in den letzten Tagen ist die
[19:09] Ulf Buermeyer: extrem hochgepoppt um die Frage,
[19:11] Ulf Buermeyer: hat die Linke, gerade die Berliner
[19:13] Ulf Buermeyer: Linke jedenfalls mal der
[19:14] Ulf Buermeyer: Bezirksverband Neukölln, ein
[19:16] Ulf Buermeyer: Antisemitismusproblem und im
[19:17] Ulf Buermeyer: Hintergrund geht es dabei in der
[19:19] Ulf Buermeyer: Regel um die Frage, wann ist
[19:21] Ulf Buermeyer: eigentlich Kritik an israelischer
[19:22] Ulf Buermeyer: Politik tatsächlich
[19:24] Ulf Buermeyer: antisemitisch? Und der Spoiler,
[19:26] Ulf Buermeyer: meistens ist sie das nicht oder
[19:27] Ulf Buermeyer: jedenfalls kann man das nicht so
[19:29] Ulf Buermeyer: einfach sagen.
[19:30] Ulf Buermeyer: Kritik an Israel ist nicht per se
[19:31] Ulf Buermeyer: antisemitisch und wir können das
[19:33] Ulf Buermeyer: jetzt nicht nochmal im Detail
[19:34] Ulf Buermeyer: aufarbeiten, denn es gibt dazu eine
[19:35] Ulf Buermeyer: ganze Lage-Sonderfolge.
[19:37] Ulf Buermeyer: Das ist die Folge 406 der Lage der
[19:39] Ulf Buermeyer: Nation. Die legen wir euch nochmal
[19:40] Ulf Buermeyer: ganz besonders ans Herz bei dieser
[19:42] Ulf Buermeyer: Gelegenheit. Da haben wir das
[19:43] Ulf Buermeyer: nämlich mal fast eine Stunde, ich
[19:45] Ulf Buermeyer: glaube eine gute Stunde lang,
[19:46] Ulf Buermeyer: ausführlich uns angeguckt, was ist
[19:47] Ulf Buermeyer: eigentlich Antisemitismus.
[19:49] Ulf Buermeyer: Was wir sagen würden, um das
[19:51] Ulf Buermeyer: ein bisschen zusammenzufassen,
[19:52] Ulf Buermeyer: scharfe Kritik an israelischer
[19:53] Ulf Buermeyer: Politik, insbesondere der Besatzung,
[19:55] Ulf Buermeyer: ist natürlich legitim.
[19:56] Ulf Buermeyer: Das sieht auch zum Beispiel der
[19:57] Ulf Buermeyer: internationale Strafgerichtshof. Der
[19:59] Ulf Buermeyer: sieht da jedenfalls einzelne
[20:00] Ulf Buermeyer: Aktionen der israelischen Truppen
[20:03] Ulf Buermeyer: im Gazastreifen als problematisch
[20:04] Ulf Buermeyer: an. Aber natürlich darf das nicht
[20:06] Ulf Buermeyer: umschlagen in Hass gegen jüdische
[20:08] Ulf Buermeyer: Menschen.
[20:09] Ulf Buermeyer: Und klar ist auch, politisch ist das
[20:11] Ulf Buermeyer: absolut toxisch, was da läuft.
[20:12] Philip Banse: Zumal in dem
[20:14] Philip Banse: Gemisch mit Äußerungen, die
[20:16] Philip Banse: man als Gewaltverherrlichung
[20:18] Philip Banse: oder eben Legitimation
[20:20] Philip Banse: terroristischer Gewalt verstehen
[20:22] Philip Banse: kann.
[20:22] Philip Banse: Deswegen verlangen potenzielle
[20:24] Philip Banse: Koalitionspartner der Linken, SPD
[20:25] Philip Banse: und Grüne da eine klare
[20:27] Philip Banse: Abgrenzung.
[20:28] Ulf Buermeyer: Genau, das ist halt ein dickes
[20:30] Ulf Buermeyer: Brett, das jetzt gebohrt werden muss
[20:31] Ulf Buermeyer: und wo die Linke einfach klare
[20:33] Ulf Buermeyer: Kante, glaube ich, zeigen muss.
[20:34] Ulf Buermeyer: Aber das ist eben nur ein Problem.
[20:35] Philip Banse: Die Linken in Berlin wollen
[20:37] Philip Banse: die Wohnungen großer
[20:39] Philip Banse: Immobilienkonzerne – ich sage mal
[20:41] Philip Banse: eine einstellige Zahl –
[20:43] Philip Banse: in ein staatliches Unternehmen – so
[20:44] Philip Banse: möchte ich es mal formulieren –
[20:46] Philip Banse: überführen, damit der Staat diese
[20:48] Philip Banse: Wohnungen besitzt und sie
[20:50] Philip Banse: kontrollieren und eben auch billiger
[20:52] Philip Banse: vermieten kann.
[20:52] Ulf Buermeyer: Ja, zu diesem Thema gab es 2021
[20:54] Ulf Buermeyer: schon in Berlin eine
[20:55] Ulf Buermeyer: Volksabstimmung.
[20:56] Ulf Buermeyer: Damals sprach sich eine klare
[20:58] Ulf Buermeyer: Mehrheit von fast 60 Prozent
[21:00] Ulf Buermeyer: der Wählenden in Berlin dafür
[21:02] Ulf Buermeyer: aus, also dass eine solche
[21:04] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung stattfindet.
[21:05] Ulf Buermeyer: Heute gibt es Umfragen, die eine
[21:07] Ulf Buermeyer: knappe Mehrheit gegen eine
[21:09] Ulf Buermeyer: Vergeschaftung ausweisen.
[21:10] Ulf Buermeyer: Klar ist jedenfalls, bisher ist
[21:12] Ulf Buermeyer: dieser Volksentscheid nicht
[21:13] Ulf Buermeyer: umgesetzt. Also insbesondere Union
[21:15] Ulf Buermeyer: und SPD haben da seit 2021
[21:17] Ulf Buermeyer: ziemlich konsequent gebremst und
[21:19] Ulf Buermeyer: immer neue Verzögerungstaktiken
[21:21] Ulf Buermeyer: angewandt. Die Linke will
[21:23] Ulf Buermeyer: das nun nicht mehr hinnehmen.
[21:24] Ulf Buermeyer: Die will jetzt also diesen
[21:24] Ulf Buermeyer: Volksentscheid umsetzen.
[21:26] Ulf Buermeyer: Das, so die Linke, soll Mieten
[21:28] Ulf Buermeyer: senken und zugleich möchten sie
[21:29] Ulf Buermeyer: damit das Ergebnis eben dieser
[21:31] Ulf Buermeyer: Volksabstimmung respektieren.
[21:32] Ulf Buermeyer: Die Grünen schwanken so ein
[21:34] Ulf Buermeyer: bisschen.
[21:35] Philip Banse: Die waren zuletzt ein bisschen kritisch,
[21:36] Philip Banse: aber dieser Spitzenkandidat der
[21:37] Philip Banse: Grünen jetzt, Werner Graf, der
[21:38] Philip Banse: räumte noch am Wahlabend ein,
[21:40] Philip Banse: die Linke ist für diese
[21:42] Philip Banse: Vergesellschaftung gewählt
[21:44] Philip Banse: worden und die Berliner und
[21:46] Philip Banse: Berlinerinnen haben entschieden, so
[21:47] Philip Banse: nach dem Motto, wenn wir mit denen
[21:49] Philip Banse: eine Koalition machen, dann
[21:51] Philip Banse: kaufen wir das.
[21:51] Ulf Buermeyer: Vor allem die SPD allerdings mauert
[21:53] Ulf Buermeyer: weiterhin, Spitzenkandidat Steffen
[21:55] Ulf Buermeyer: Krach wiederholte selbst nach der
[21:56] Ulf Buermeyer: harten Niederlage der SPD seine
[21:58] Ulf Buermeyer: Ablehnung einer Vergesellschaftung.
[22:00] Ulf Buermeyer: Die Beschlusslage seiner Partei ist
[22:01] Ulf Buermeyer: allerdings auch eine andere.
[22:03] Philip Banse: So, was bedeutet das denn jetzt für
[22:05] Philip Banse: die Regierungsbildung in
[22:07] Philip Banse: Berlin, die ja gerade auch
[22:09] Philip Banse: mit dieser Idee der
[22:10] Philip Banse: Vergesellschaftung durchaus eine
[22:12] Philip Banse: bundespolitische Dimension hat, weil
[22:13] Philip Banse: wenn das in Berlin stattfindet,
[22:15] Philip Banse: dann wird es sicherlich andere
[22:17] Philip Banse: Länder geben, die sich das ganz
[22:18] Philip Banse: genau anschauen werden.
[22:20] Philip Banse: Was wird also mit Linken, Grünen
[22:22] Philip Banse: und SPD?
[22:23] Philip Banse: Kriegen die eine Koalition zusammen?
[22:25] Philip Banse: Wenn ja, zu welchem Preis und
[22:27] Philip Banse: wie sieht es eigentlich genau mit
[22:28] Philip Banse: den konkreten Plänen für diese
[22:30] Philip Banse: Vergesellschaftung aus?
[22:32] Philip Banse: Das besprechen wir jetzt mit der
[22:33] Philip Banse: Spitzenkandidatin der Linken in
[22:35] Philip Banse: Berlin und der möglichen
[22:37] Philip Banse: neuen regierenden Bürgermeisterin
[22:39] Philip Banse: von Berlin, Elif Eralp.
[22:41] Philip Banse: Ganz herzlich willkommen in der Lage
[22:42] Philip Banse: der Nation Frau Eralp.
[22:45] Ulf Buermeyer: Elif Eralp ist 45 Jahre
[22:46] Ulf Buermeyer: alt, in München geboren, Kind
[22:48] Ulf Buermeyer: türkischer Eltern, die aus
[22:49] Ulf Buermeyer: politischen Gründen nach Deutschland
[22:51] Ulf Buermeyer: geflüchtet waren und sie ist seit
[22:53] Ulf Buermeyer: 2021 Mitglied
[22:55] Ulf Buermeyer: des Berliner Abgeordnetenhauses.
[22:57] Ulf Buermeyer: Frau Eralp, kommen Sie gerade aus
[22:58] Ulf Buermeyer: Verhandlungen mit SPD und Grünen?
[23:00] Elif Eralp: Nee, jetzt gerade nicht.
[23:01] Elif Eralp: Jetzt habe ich gerade mit meinem
[23:03] Elif Eralp: Landesvorsitzenden gesprochen
[23:04] Elif Eralp: gehabt.
[23:05] Philip Banse: Aber hatten Sie schon mit Grünen und
[23:06] Philip Banse: SPD Kontakt?
[23:07] Elif Eralp: Das kommt jetzt diese Woche.
[23:09] Elif Eralp: Ja, wir werden diese Woche Gespräche
[23:10] Elif Eralp: haben. Die SPD hat sich noch ein
[23:12] Elif Eralp: bisschen Zeit ausgerungen,
[23:14] Elif Eralp: aber es wird Gespräche geben,
[23:15] Elif Eralp: zeitnah.
[23:16] Elif Eralp: Und wir werden darüber sprechen, wie
[23:18] Elif Eralp: wir unsere Stadt verbessern können
[23:20] Elif Eralp: und vor allem Berlin bezahlbar
[23:21] Elif Eralp: machen können.
[23:22] Ulf Buermeyer: Das wäre nämlich unsere nächste
[23:24] Ulf Buermeyer: Frage gewesen.
[23:25] Ulf Buermeyer: Zentraler Streitpunkt, auch bei der
[23:27] Ulf Buermeyer: Koalitionsbildung dürfte ja die
[23:28] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung der
[23:30] Ulf Buermeyer: Wohnungsbestände von großen
[23:31] Ulf Buermeyer: Wohnungskonzernen sein.
[23:33] Ulf Buermeyer: Die Schwelle, die dem Volksentscheid
[23:34] Ulf Buermeyer: "Deutsche Wohnen und Co enteignen"
[23:36] Ulf Buermeyer: zu Grunde lag, waren ja 3000
[23:37] Ulf Buermeyer: Wohnungen pro Firma.
[23:39] Ulf Buermeyer: Warum glauben Sie, dass das Leben in
[23:41] Ulf Buermeyer: Berlin billiger wird, wenn eine
[23:43] Ulf Buermeyer: öffentliche Stelle diese Wohnungen
[23:44] Ulf Buermeyer: verwaltet statt der Konzerne?
[23:46] Elif Eralp: Naja, weil es aktuell so ist, dass
[23:48] Elif Eralp: die Konzerne versuchen, mit diesen
[23:49] Elif Eralp: Mietwohnungen Profit zu machen.
[23:51] Elif Eralp: Das heißt, wenn jemand auszieht,
[23:53] Elif Eralp: dann wird saniert und an der
[23:54] Elif Eralp: Mietpreisbremse vorbei werden die
[23:56] Elif Eralp: Mieten massiv erhöht.
[23:57] Elif Eralp: Vonovia hat dieses Jahr eine
[23:59] Elif Eralp: Milliarde Euro an seine Aktionäre
[24:01] Elif Eralp: ausgeschüttet.
[24:02] Elif Eralp: Das kommt aus den Einkommen der
[24:04] Elif Eralp: Mieterinnen und Mietern in unserer
[24:05] Elif Eralp: Stadt und wir wollen, dass Wohnungen
[24:07] Elif Eralp: gemeinwohlnützig organisiert
[24:10] Elif Eralp: werden. Das ist nicht etwas, womit
[24:11] Elif Eralp: man Profit macht.
[24:13] Elif Eralp: Das ist Daseinsvorsorge.
[24:14] Elif Eralp: Das Haus über dem Kopf sollte nicht
[24:15] Elif Eralp: dafür, dass wenige Menschen sehr
[24:17] Elif Eralp: reich werden, sondern dass die
[24:19] Elif Eralp: Berlinerinnen und Berliner ein
[24:20] Elif Eralp: sicheres Zuhause haben.
[24:22] Philip Banse: Sie wollen, das hat Ulf eben schon
[24:23] Philip Banse: gesagt, diese
[24:24] Philip Banse: Wohnungsbaugesellschaften
[24:25] Philip Banse: vergesellschaften
[24:27] Philip Banse: und müssen sie dafür aber
[24:29] Philip Banse: auch entschädigen.
[24:31] Philip Banse: Wie hoch diese Entschädigung
[24:33] Philip Banse: ausfällt, ist offen, wenn man
[24:35] Philip Banse: ganz ehrlich ist und extrem
[24:36] Philip Banse: umstritten.
[24:37] Philip Banse: Diese Schätzungen reichen von 8
[24:38] Philip Banse: Milliarden bis über 30 Milliarden.
[24:41] Philip Banse: Was denken Sie, was wird das kosten?
[24:43] Elif Eralp: Also wir haben ja damals noch unter
[24:45] Elif Eralp: SPD, Grüne und Linke eine
[24:47] Elif Eralp: Kommission eingesetzt, eine
[24:48] Elif Eralp: Kommission aus Expertinnen und
[24:50] Elif Eralp: Experten, die war sehr divers
[24:51] Elif Eralp: besetzt. Da waren Finanzer und
[24:52] Elif Eralp: Juristen dabei und die haben gesagt,
[24:54] Elif Eralp: dass die Vergesellschaftung
[24:56] Elif Eralp: rechtlich möglich ist, dass sie
[24:58] Elif Eralp: finanzierbar ist und eines der
[24:59] Elif Eralp: besten Mittel um Wohnungen bezahlbar
[25:01] Elif Eralp: zu halten. Und dort wurde auch
[25:02] Elif Eralp: gesagt, dass weit unterm
[25:04] Elif Eralp: Verkehrswert entschädigt werden
[25:06] Elif Eralp: kann, ungefähr bei 40
[25:07] Elif Eralp: Prozent unterm verkehrswert.
[25:10] Elif Eralp: Also wir gehen von Summen von 8
[25:12] Elif Eralp: bis maximal 20 Milliarden
[25:13] Elif Eralp: aus, dazwischen wird es liegen, das
[25:15] Elif Eralp: liegt natürlich auch an den
[25:17] Elif Eralp: Beständen selber, in welchem Zustand
[25:18] Elif Eralp: die sind, wie hoch dann die
[25:20] Elif Eralp: Entschädigungssumme sein wird.
[25:21] Elif Eralp: Das wird man ganz genau erst sagen
[25:23] Elif Eralp: können, wenn man alle Bestände
[25:24] Elif Eralp: aufgenommen hat und dann ein
[25:26] Elif Eralp: Preisschild dran machen konnte.
[25:27] Philip Banse: Also der Berliner Rechnungshof
[25:28] Philip Banse: rechnet ja irgendwie so mit gut 40
[25:30] Philip Banse: Milliarden Marktwert, 50 Prozent
[25:32] Philip Banse: wären dann irgendwie 21 oder
[25:34] Philip Banse: 20, das wäre so das
[25:36] Philip Banse: obere Ende, was Sie denken, wird
[25:37] Philip Banse: man bezahlen müssen.
[25:39] Elif Eralp: Na ja, das ist meine Einschätzung
[25:41] Elif Eralp: nach dem, was auch die
[25:42] Elif Eralp: Expert:innenkommission gesagt hat
[25:43] Elif Eralp: und was aus meiner Sicht rechtlich
[25:45] Elif Eralp: möglich ist.
[25:47] Elif Eralp: Das wird natürlich nicht auf einen
[25:48] Elif Eralp: Schlag zu zahlen sein.
[25:49] Elif Eralp: Das ist auch nicht möglich.
[25:50] Elif Eralp: Wir haben ja ein sehr großes Defizit
[25:52] Elif Eralp: im Haushalt.
[25:53] Elif Eralp: Das heißt, das ist etwas, was wir
[25:55] Elif Eralp: über Kredite und Mietzins über
[25:57] Elif Eralp: einen sehr langen Zeitraum
[25:59] Elif Eralp: refinanzieren.
[26:00] Elif Eralp: Aber wir glauben, dass das eine gute
[26:01] Elif Eralp: Investition ist, weil wir
[26:03] Elif Eralp: es schaffen, damit Spekulationen vom
[26:05] Elif Eralp: Markt zu verdrängen und eine
[26:07] Elif Eralp: echte Marktmacht zu bekommen, weil
[26:09] Elif Eralp: wir haben aktuell mit unseren
[26:10] Elif Eralp: 400.000 Wohnungen
[26:12] Elif Eralp: von den landeseigenen
[26:13] Elif Eralp: Wohnungsunternehmen ja auch schon
[26:15] Elif Eralp: einen guten Anteil der Stadt, also
[26:17] Elif Eralp: das liegt bei ungefähr 20 Prozent
[26:19] Elif Eralp: ein bisschen in der Richtung und
[26:21] Elif Eralp: wenn wir dann aber noch die
[26:22] Elif Eralp: vergesellschafteten Wohnungen
[26:23] Elif Eralp: dazunehmen, sind wir bei an die 40
[26:25] Elif Eralp: Prozent und dann haben wir wirklich
[26:28] Elif Eralp: Zugriff auf Mietpreisregulierung,
[26:30] Elif Eralp: weil wenn wir sagen die 40%,
[26:32] Elif Eralp: da deckeln wir die Mieten.
[26:34] Elif Eralp: Davon hängt ja am Ende die
[26:35] Elif Eralp: ortsübliche Vergleichsmiete ab, nach
[26:37] Elif Eralp: denen sich Mieterhöhungen auch nach
[26:38] Elif Eralp: dem Bundesrecht berechnen.
[26:39] Elif Eralp: Insofern hat das dann insgesamt eine
[26:41] Elif Eralp: sehr starke mietpreisdämpfende
[26:43] Elif Eralp: Wirkung in ganz Berlin.
[26:44] Elif Eralp: Aber das ist ja natürlich auch nicht
[26:45] Elif Eralp: unsere einzige Maßnahme, sondern wir
[26:47] Elif Eralp: haben auch kurzfristige Maßnahmen,
[26:49] Elif Eralp: wie den Mietendeckel bei den
[26:50] Elif Eralp: landeseigenen Wohnungsunternehmen,
[26:52] Elif Eralp: wie unser Landesamt für
[26:53] Elif Eralp: Mieterschutz, wo wir konsequent
[26:54] Elif Eralp: vorgehen wollen gegen Mietwucher,
[26:56] Elif Eralp: gegen illegale Mieterhöhungen,
[26:58] Elif Eralp: illegale Ferienwohnungen.
[26:59] Elif Eralp: Und wir haben unser Sicher-Wohnen-Gesetz,
[27:02] Elif Eralp: wo wir Private dazu verpflichten,
[27:04] Elif Eralp: jede dritte Wohnung ab einer
[27:05] Elif Eralp: bestimmten Größe bezahlbar abzugeben
[27:07] Elif Eralp: und wir wollen natürlich auch massiv
[27:09] Elif Eralp: in den sozialen Wohnungsbau
[27:10] Elif Eralp: investieren. Das heißt, das ist eine
[27:12] Elif Eralp: Maßnahme von vielen, die erst
[27:13] Elif Eralp: langfristig wirken wird.
[27:15] Ulf Buermeyer: Kritiker:innen sagen Ihnen natürlich
[27:16] Ulf Buermeyer: jetzt, dass bei Ihrem Plan
[27:18] Ulf Buermeyer: einfach keine einzige neue Wohnung
[27:20] Ulf Buermeyer: entsteht.
[27:21] Ulf Buermeyer: Was sagen Sie zu dieser Kritik?
[27:22] Ulf Buermeyer: Wäre es nicht besser, mit diesen
[27:24] Ulf Buermeyer: Milliarden neue Wohnungen zu bauen?
[27:26] Elif Eralp: Ich glaube, es gibt kein
[27:27] Elif Eralp: entweder-oder. Wir müssen beides
[27:28] Elif Eralp: machen und natürlich wird keine neue
[27:30] Elif Eralp: Wohnung geschaffen, aber ich kann
[27:32] Elif Eralp: verhindern, dass wenn Menschen
[27:33] Elif Eralp: ausziehen, und aktuell können ja
[27:35] Elif Eralp: viele nicht ausziehen weil die
[27:36] Elif Eralp: Preise so hoch sind, also selbst
[27:38] Elif Eralp: ältere Leute erzählen mir immer
[27:40] Elif Eralp: wieder, dass sie nicht in kleinere
[27:41] Elif Eralp: Wohnungen ziehen können, weil das zu
[27:42] Elif Eralp: teuer ist.
[27:43] Elif Eralp: Familien, die Kinder bekommen,
[27:45] Elif Eralp: können nicht in größere Wohnungen
[27:46] Elif Eralp: ziehen, weil das nicht bezahlbar
[27:47] Elif Eralp: ist, aber wenn Menschen aus diesen
[27:48] Elif Eralp: Wohnungen ausziehen, dann können die
[27:50] Elif Eralp: eben nicht für das Doppelte an den
[27:51] Elif Eralp: Markt gehen und wir haben aktuell
[27:53] Elif Eralp: Netto-Kaltmieten als
[27:55] Elif Eralp: Angebotsmiete von 20 Euro und
[27:57] Elif Eralp: mehr. Und das kann sich kein
[27:58] Elif Eralp: normaler Mensch leisten.
[28:00] Elif Eralp: Deswegen müssen wir hier eine
[28:01] Elif Eralp: Regulierung vornehmen, die auch
[28:03] Elif Eralp: über die Vergesellschaftung möglich
[28:04] Elif Eralp: wird. Und wir müssen natürlich sehr
[28:06] Elif Eralp: stark investieren in sozialen
[28:08] Elif Eralp: Wohnungsneubau. Wir haben ein
[28:09] Elif Eralp: eigenes kommunales
[28:10] Elif Eralp: Wohnungsbauprogramm aufgelegt,
[28:12] Elif Eralp: wo wir mit einer Eigenkapitalzuführung
[28:14] Elif Eralp: nochmal ordentlich Geld in unsere
[28:15] Elif Eralp: landeseigenen Wohnungsunternehmen
[28:17] Elif Eralp: geben wollen, die dann Wohnungen
[28:19] Elif Eralp: bauen sollen, wo die Mieten
[28:20] Elif Eralp: bezahlbar sind.
[28:21] Elif Eralp: Das heißt, um die 8 Euro netto kalt
[28:23] Elif Eralp: im Schnitt. Es wird dann eine Spanne
[28:24] Elif Eralp: von 7 bis 10 Euro sein,
[28:26] Elif Eralp: je nachdem, wer da einzieht
[28:28] Elif Eralp: und was der sich leisten kann.
[28:30] Elif Eralp: Aber es ist beides notwendig.
[28:32] Elif Eralp: Es ist kein entweder-oder.
[28:34] Philip Banse: Eine andere Kritik lautet,
[28:36] Philip Banse: geht in die Richtung, dass wenn
[28:38] Philip Banse: jetzt große Wohnungsbauunternehmen
[28:40] Philip Banse: vergesellschaftet werden,
[28:42] Philip Banse: das andere Investoren
[28:44] Philip Banse: abschrecken könnte.
[28:46] Philip Banse: Also wenn die im Zweifel damit
[28:48] Philip Banse: rechnen müssen, vergesellschaftet
[28:50] Philip Banse: zu werden und ihre Wohnungen
[28:51] Philip Banse: loszuwerden, dann werden sie
[28:53] Philip Banse: entweder woanders bauen oder
[28:55] Philip Banse: wenn sie in Berlin bauen, dann
[28:56] Philip Banse: teurer, weil sie halt das Risiko mit
[28:58] Philip Banse: einpreisen müssen, dass sie das
[29:00] Philip Banse: irgendwann auch wieder los sind.
[29:01] Philip Banse: Was sagen Sie diesen Investoren
[29:03] Philip Banse: zu dieser Befürchtung?
[29:03] Elif Eralp: Ja, ich sage allen Investoren,
[29:05] Elif Eralp: die dazu Beitrag leisten wollen,
[29:07] Elif Eralp: hier in Berlin bezahlbaren Wohnraum
[29:09] Elif Eralp: zu schaffen, die sind herzlich
[29:11] Elif Eralp: willkommen, denen werden wir keinen
[29:12] Elif Eralp: Stein in den Weg legen.
[29:13] Elif Eralp: Aber diejenigen, wo es wirklich um
[29:14] Elif Eralp: Spekulation geht und darum,
[29:16] Elif Eralp: Profite zu machen mit unseren
[29:18] Elif Eralp: Wohnungen, die sind hier nicht
[29:19] Elif Eralp: willkommen. Das ist richtig.
[29:20] Elif Eralp: Und ich muss auch sagen, dass die
[29:22] Elif Eralp: Konzerne, um die es geht, Vonovia,
[29:24] Elif Eralp: Deutsche Wohnen, Heimstaden, Adler,
[29:26] Elif Eralp: dass das nicht diejenigen
[29:27] Elif Eralp: Wohnungsunternehmen sind, die hier
[29:29] Elif Eralp: in Berlin für bezahlbaren Wohnraum
[29:31] Elif Eralp: gesorgt haben. Die haben kaum gebaut
[29:33] Elif Eralp: oder Luxus oder Eigentum,
[29:35] Elif Eralp: also etwas, was in der
[29:36] Elif Eralp: Mieter:innenstadt, wie wir es sind,
[29:38] Elif Eralp: mit 85 Prozent Mieter:innen
[29:40] Elif Eralp: in der Bevölkerung, uns einfach
[29:41] Elif Eralp: nicht nutzt und den großen
[29:43] Elif Eralp: Anteil haben die letzten zehn Jahre,
[29:46] Elif Eralp: also um die 80 Prozent und teilweise
[29:48] Elif Eralp: drüber, die landeseigenen
[29:50] Elif Eralp: Wohnungsunternehmen gestemmt, was
[29:51] Elif Eralp: den bezahlbaren Wohnraum betrifft
[29:52] Elif Eralp: und einen Teil die Genossenschaften.
[29:54] Elif Eralp: Die großen privaten
[29:55] Elif Eralp: Immobilienkonzerne, die waren da
[29:57] Elif Eralp: einfach keine Hilfe, muss man ganz
[29:58] Elif Eralp: ehrlich sagen.
[29:59] Philip Banse: Sie sagen, sie sind alle
[30:01] Philip Banse: willkommen, die keine Profite machen
[30:03] Philip Banse: wollen, aber welcher Investor will
[30:05] Philip Banse: mit seinen Wohnungen keinen Gewinn
[30:07] Philip Banse: erwirtschaften?
[30:08] Elif Eralp: Naja, deswegen sagen wir ja, Wohnen
[30:09] Elif Eralp: kann nicht ein Mittel sein,
[30:11] Elif Eralp: um fette Gewinne zu machen.
[30:13] Elif Eralp: Und es geht ja bei Vonovia
[30:15] Elif Eralp: um den nun wirklich.
[30:16] Elif Eralp: Wie gesagt, eine Milliarde wurde an
[30:17] Elif Eralp: die Aktionäre ausgeschüttet.
[30:19] Elif Eralp: Das sind nicht normale Unternehmen,
[30:21] Elif Eralp: sondern Unternehmen, die an die
[30:23] Elif Eralp: Aktie gehen mit den Wohnungen, an
[30:24] Elif Eralp: die Börse gehen.
[30:25] Elif Eralp: Das ist was anderes, als ein
[30:27] Elif Eralp: Unternehmen, das ganz normal dafür
[30:28] Elif Eralp: sorgen muss, dass es sich rentiert,
[30:30] Elif Eralp: dass es seine Mitarbeitenden
[30:32] Elif Eralp: bezahlen kann.
[30:33] Elif Eralp: Und es gibt ja weiterhin die
[30:35] Elif Eralp: Wohnungsbauförderung auch für
[30:36] Elif Eralp: private Investoren.
[30:38] Elif Eralp: Die haben wir aktuell in Berlin und
[30:39] Elif Eralp: die werden wir auch nicht
[30:40] Elif Eralp: abschaffen. Da gibt es dann
[30:41] Elif Eralp: bestimmte Regelungen.
[30:42] Elif Eralp: Die müssen dann einen Prozentsatz
[30:45] Elif Eralp: an Wohnungen eben in dem niedrigen
[30:46] Elif Eralp: Preissektor schaffen und einen
[30:48] Elif Eralp: anderen, der auch hochpreisiger sein
[30:50] Elif Eralp: kann. Diese Wohnungsbauförderung
[30:52] Elif Eralp: wird es weitergeben.
[30:53] Elif Eralp: Aber uns geht es darum, dass eben
[30:55] Elif Eralp: Spekulation nicht mehr auf dem
[30:56] Elif Eralp: Wohnungsmarkt stattfindet.
[30:57] Elif Eralp: Wir haben Grundstücke, die haben vor
[30:59] Elif Eralp: Jahren noch 600.000 gekostet.
[31:01] Elif Eralp: Die sind jetzt eine Million, sind
[31:03] Elif Eralp: jetzt über eine Million Euro wert.
[31:05] Elif Eralp: Und das geht aus meiner Sicht nicht.
[31:06] Elif Eralp: Und es gibt eben auch einen
[31:07] Elif Eralp: Volksentscheid. Die Berlinerinnen
[31:08] Elif Eralp: und Berliner haben entschieden.
[31:09] Elif Eralp: Es ist auch ein demokratischer
[31:10] Elif Eralp: Auftrag.
[31:11] Philip Banse: Ich habe eine Frage
[31:13] Philip Banse: noch, und zwar Ihre
[31:15] Philip Banse: Rechnung geht ja so, dass Sie
[31:17] Philip Banse: eine Anstalt öffentlichen Rechts
[31:18] Philip Banse: gründen wollen, die diese Wohnung
[31:20] Philip Banse: übernimmt und Sie wollen diese
[31:22] Philip Banse: Kredite, die Sie aufnehmen, mit
[31:23] Philip Banse: dieser Anstalt abbezahlen
[31:26] Philip Banse: durch Einnahmen aus den
[31:28] Philip Banse: Mietwohnungen.
[31:29] Philip Banse: Wie viel dürfen Sie zahlen als
[31:31] Philip Banse: Entschädigung, damit diese
[31:33] Philip Banse: Rechnungen aufgeht, damit das Land
[31:34] Philip Banse: nicht noch was draufbuttern muss, um
[31:36] Philip Banse: diese Kredit abzubezahlen?
[31:38] Elif Eralp: Na, das hängt wesentlich von den
[31:39] Elif Eralp: Kreditkonditionen ab und darum,
[31:42] Elif Eralp: wie viele Jahre wir das gestreckt
[31:43] Elif Eralp: bekommen.
[31:44] Elif Eralp: Weil wir müssen im Zweifel
[31:46] Elif Eralp: dann den Mietzins sozusagen mit
[31:48] Elif Eralp: subventionieren.
[31:49] Elif Eralp: Mein Ziel ist natürlich, dass sich
[31:51] Elif Eralp: das so refinanziert und wir nur eine
[31:52] Elif Eralp: Anschubfinanzierung brauchen.
[31:54] Elif Eralp: Aber das sind die Bedingungen, die
[31:55] Elif Eralp: man dann aushandeln muss im Rahmen
[31:57] Elif Eralp: auch der Kreditaufnahmen.
[31:59] Elif Eralp: Aber mein Ziel ist, dass es eine
[32:00] Elif Eralp: Anschubfinanzierungen gibt für die
[32:02] Elif Eralp: Anstalt öffentlichen Rechts, für
[32:03] Elif Eralp: deren Aufbau und dass wir das dann
[32:04] Elif Eralp: über viele, viele Jahre strecken
[32:06] Elif Eralp: können mit der Rückzahlung der
[32:08] Elif Eralp: Entschädigung.
[32:08] Ulf Buermeyer: Ja, Stichwort Aushandlungen.
[32:10] Ulf Buermeyer: Jetzt haben Sie ja schon gesagt, Sie
[32:11] Ulf Buermeyer: müssen natürlich mit Grünen und SPD
[32:13] Ulf Buermeyer: gegebenenfalls einen
[32:14] Ulf Buermeyer: Koalitionsvertrag schließen.
[32:17] Ulf Buermeyer: Die Grünen äußern sich zu dieser
[32:19] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftungsfrage, wenn man ehrlich
[32:20] Ulf Buermeyer: ist, ziemlich ambivalent.
[32:21] Ulf Buermeyer: Schon in der Wahlnacht hat der
[32:23] Ulf Buermeyer: Spitzenkandidat der Grünen ja wieder
[32:25] Ulf Buermeyer: Offenheit signalisiert.
[32:26] Ulf Buermeyer: Nur die SPD mauert bisher.
[32:29] Ulf Buermeyer: Was ist Ihre Strategie?
[32:30] Ulf Buermeyer: Wie wollen Sie die an Bord bekommen
[32:31] Ulf Buermeyer: für die Vergesellschaftung?
[32:33] Elif Eralp: Also die Grünen sind da sehr offen,
[32:35] Elif Eralp: die haben das ja auch programmatisch
[32:36] Elif Eralp: festgelegt, dass sie den
[32:37] Elif Eralp: Volksentscheid umsetzen wollen.
[32:39] Elif Eralp: Da mache ich mir deswegen keine
[32:40] Elif Eralp: Sorgen, da werden wir eine
[32:41] Elif Eralp: Verabredung finden.
[32:42] Elif Eralp: Bei der SPD muss man sagen, da hat
[32:44] Elif Eralp: der Spitzenkandidat im Wahlkampf
[32:45] Elif Eralp: sich zwar anderweitig geäußert,
[32:47] Elif Eralp: aber auch die SPD hat
[32:49] Elif Eralp: Parteitagsbeschlüsse für die
[32:51] Elif Eralp: Vergesellschaftung und für die
[32:52] Elif Eralp: Umsetzung des Volksentscheides.
[32:54] Elif Eralp: Und man muss ja auch zur Kenntnis
[32:55] Elif Eralp: nehmen, dass wenn man die Wahl so
[32:57] Elif Eralp: haushoch letztendlich gewinnt, dann
[32:59] Elif Eralp: haben auch die Inhalte ja
[33:01] Elif Eralp: Unterstützung bekommen von der
[33:02] Elif Eralp: Berliner Bevölkerung.
[33:03] Elif Eralp: Und unser Inhalt war immer auch,
[33:05] Elif Eralp: nicht nur, immer auch die
[33:07] Elif Eralp: Vergesellschaftung, weil wir
[33:08] Elif Eralp: glauben, dass es ein wichtiges
[33:09] Elif Eralp: Instrument ist, um die Mietenkrise
[33:10] Elif Eralp: zu lösen.
[33:11] Elif Eralp: Deswegen werde ich in den Gesprächen
[33:13] Elif Eralp: klarmachen, und das ist auch den
[33:14] Elif Eralp: anderen beiden ja klar, dass wir
[33:16] Elif Eralp: diese Mietenkrise angehen müssen.
[33:17] Elif Eralp: Es gibt einen Instrumentenkasten und
[33:19] Elif Eralp: wir müssen über alle Instrumente
[33:20] Elif Eralp: sprechen.
[33:21] Elif Eralp: Wofür die Linke steht, ist da auch
[33:23] Elif Eralp: klar. Und ich hoffe, dass da sich
[33:24] Elif Eralp: auch bei der SPD Bewegung zeigen
[33:26] Elif Eralp: wird.
[33:26] Ulf Buermeyer: Ja, der Gregor Gysi, vielleicht
[33:28] Ulf Buermeyer: einer der besten Strategen Ihrer
[33:29] Ulf Buermeyer: Partei, der hat am Sonntag in der
[33:31] Ulf Buermeyer: ARD bereits eine, sagen wir mal,
[33:33] Ulf Buermeyer: Kompromisslinie angedeutet.
[33:35] Ulf Buermeyer: Er schlug vor,
[33:37] Ulf Buermeyer: die Koalition könne ja in Berlin ein
[33:38] Ulf Buermeyer: konkretes Gesetz erarbeiten und
[33:41] Ulf Buermeyer: dann die Menschen in Berlin darüber
[33:42] Ulf Buermeyer: nochmal abstimmen lassen, mit dem
[33:44] Ulf Buermeyer: Argument, bisher war es ja kein
[33:45] Ulf Buermeyer: Volksentscheid über ein konkretes
[33:46] Ulf Buermeyer: Gesetz, das könnte man deswegen
[33:48] Ulf Buermeyer: durchaus nochmal machen.
[33:49] Ulf Buermeyer: Wäre das aus Ihrer Sicht eine
[33:51] Ulf Buermeyer: Kompromislinie?
[33:52] Elif Eralp: Also es gilt ja, aktuell ist nicht
[33:54] Elif Eralp: vorgesehen, dass die Koalition
[33:56] Elif Eralp: oder der Senat sozusagen
[33:57] Elif Eralp: der Bevölkerung einen Volksentscheid
[33:59] Elif Eralp: vorlegt. Das sehen unsere
[34:01] Elif Eralp: rechtlichen Bestimmungen nicht vor,
[34:03] Elif Eralp: sondern Volksentscheide entstehen
[34:04] Elif Eralp: aus der Mitte der Gesellschaft, aus
[34:06] Elif Eralp: der Mitte der Bevölkerung.
[34:07] Elif Eralp: Und wenn die Berlinerinnen und
[34:09] Elif Eralp: Berliner oder die aktuelle
[34:10] Elif Eralp: Volksinitiative sich entscheidet,
[34:12] Elif Eralp: einen Volksentscheid vorzulegen
[34:14] Elif Eralp: und den nochmal zur Abstimmung zu
[34:15] Elif Eralp: stellen, dann ist das wunderbar,
[34:17] Elif Eralp: aber das entbindet mich nicht von
[34:19] Elif Eralp: der Pflicht, den bereits
[34:20] Elif Eralp: entschiedenen Volksentscheid
[34:21] Elif Eralp: umzusetzen. Weil es gab ja ein sehr
[34:23] Elif Eralp: klares Votum dafür.
[34:25] Elif Eralp: Insofern sehe ich das weiterhin als
[34:26] Elif Eralp: meine ureigenste Aufgabe,
[34:29] Elif Eralp: auch das auszuverhandeln und den
[34:31] Elif Eralp: Volksentscheid auch selber
[34:32] Elif Eralp: umzusetzten.
[34:33] Philip Banse: Kommen wir nochmal zu einem anderen
[34:34] Philip Banse: Thema, was gerade für viel Aufregung
[34:36] Philip Banse: sorgt.
[34:37] Philip Banse: Das sind, ich sag mal, Äußerungen
[34:40] Philip Banse: von Parteimitgliedern,
[34:42] Philip Banse: von parteinahen Personen,
[34:44] Philip Banse: die in weiten Teilen
[34:46] Philip Banse: der Presse als gewaltverherrlichend
[34:49] Philip Banse: auch antisemitisch gedeutet
[34:51] Philip Banse: werden.
[34:52] Philip Banse: Grüne und SPD verlangen von Ihnen,
[34:54] Philip Banse: um mit Ihnen eine Koalition bilden
[34:56] Philip Banse: zu können, dass die Linke
[34:58] Philip Banse: in Berlin keine Heimat
[34:59] Philip Banse: sein dürfe für Leute, die Gewalt
[35:01] Philip Banse: verherrlichen und Antisemitismus
[35:03] Philip Banse: predigen.
[35:04] Philip Banse: Wie wollen Sie sicherstellen,
[35:06] Philip Banse: dass die Kritik an Israel
[35:09] Philip Banse: Platz hat, aber eben
[35:11] Philip Banse: kein Antisemitismus,
[35:13] Philip Banse: keine gewaltverherrlichenden
[35:14] Philip Banse: Äußerungen?
[35:16] Elif Eralp: Ja, für mich ist selbstverständlich,
[35:17] Elif Eralp: dass es natürlich keine
[35:19] Elif Eralp: gewaltverherrlichenden Äußerungen
[35:20] Elif Eralp: geben darf und dass Antisemitismus
[35:22] Elif Eralp: keinen Platz haben darf.
[35:24] Elif Eralp: Ich habe das auch immer in der
[35:25] Elif Eralp: klaren Form gesagt.
[35:27] Elif Eralp: Auch meine Landes- und
[35:27] Elif Eralp: Bundesvorsitzenden haben das immer
[35:29] Elif Eralp: ganz klar gesagt.
[35:30] Elif Eralp: Und ich habe einen Fünf-Punkte-Plan
[35:31] Elif Eralp: vorgelegt für den Schutz und für
[35:33] Elif Eralp: die Stärkung von jüdischem Leben.
[35:35] Elif Eralp: Und den möchte ich auch umsetzen in
[35:36] Elif Eralp: der kommenden Regierungskoalition.
[35:38] Elif Eralp: Da geht es ganz klar darum, dass wir
[35:40] Elif Eralp: auch Menschen jüdischen Glaubens
[35:42] Elif Eralp: stärker schützen müssen, dass wir
[35:43] Elif Eralp: mehr Prävention brauchen, aber auch
[35:45] Elif Eralp: über sowas wie jüdische Feiertage,
[35:47] Elif Eralp: Unterstützung von jüdischer Kultur
[35:49] Elif Eralp: reden müssen. Das ist mir auf jeden
[35:50] Elif Eralp: Fall ein Herzensanliegen.
[35:52] Elif Eralp: Ich finde, dass wir alle Menschen
[35:53] Elif Eralp: sehen müssen, genauso wie wir auch
[35:55] Elif Eralp: muslimische Menschen,
[35:56] Elif Eralp: palästinensische Menschen sehen
[35:57] Elif Eralp: müssen, die sich auch in den ganzen
[35:59] Elif Eralp: Debatten nicht wiederfinden.
[36:00] Elif Eralp: Wo auch ein regierender
[36:01] Elif Eralp: Bürgermeister hier in Berlin die
[36:02] Elif Eralp: niemals eingeladen hat und sich
[36:04] Elif Eralp: mal die Anliegen der Angehörigen
[36:06] Elif Eralp: angehört hat, die auch Menschen in
[36:08] Elif Eralp: Gaza verloren haben.
[36:09] Elif Eralp: Ich finde, eine regierende
[36:10] Elif Eralp: Bürgermeisterin und eine Koalition
[36:12] Elif Eralp: muss all diese Perspektiven
[36:14] Elif Eralp: sehen und darauf reagieren und es
[36:16] Elif Eralp: muss Sicherheit für alle Menschen
[36:17] Elif Eralp: geben, ob mit Kippa oder mit
[36:20] Elif Eralp: Kopftuch. Und das ist das, wofür ich
[36:21] Elif Eralp: stehe und als Partei haben wir da
[36:23] Elif Eralp: auch ganz klare Beschlüsse
[36:24] Elif Eralp: zugefasst.
[36:25] Elif Eralp: Wir haben einen Leitfaden gegen jede
[36:27] Elif Eralp: Form von Antisemitismus, wo es
[36:28] Elif Eralp: klar ist, dass es mit solchen
[36:30] Elif Eralp: Organisationen oder Personen auch
[36:32] Elif Eralp: keinerlei Zusammenarbeit geben darf
[36:33] Elif Eralp: und das ist auf jeden Fall meine
[36:35] Elif Eralp: Erwartungshaltung und dafür stehe
[36:37] Elif Eralp: ich.
[36:38] Philip Banse: Sie sagen ja gerade, das gibt schon
[36:40] Philip Banse: länger diese Politik und diese
[36:42] Philip Banse: Vorgaben. Und trotzdem gab es ja
[36:43] Philip Banse: diese Vorfälle, wo sich dann Rapper
[36:44] Philip Banse: auf die Bühne stellen und sagen
[36:46] Philip Banse: Yalla, Yalla Intifada oder
[36:47] Philip Banse: Parteimitglieder sagen, die
[36:49] Philip Banse: Befreiung Palästinas sei beendet,
[36:50] Philip Banse: wenn Tel Aviv zurückerobert
[36:52] Philip Banse: ist.
[36:53] Philip Banse: Wie wollen Sie das in Zukunft
[36:54] Philip Banse: verhindern?
[36:56] Elif Eralp: Ja, also es ist ganz klar,
[36:58] Elif Eralp: wir haben da eine klare
[36:59] Elif Eralp: Beschlusslage, dass ein
[37:01] Elif Eralp: Selbstbestimmungsrecht und auch die
[37:02] Elif Eralp: Existenzberechtigung jüdischer
[37:03] Elif Eralp: Menschen und Israels schützt und
[37:06] Elif Eralp: wir haben da in
[37:08] Elif Eralp: dem Vorfall, den sie geschildert
[37:10] Elif Eralp: haben, auch die Ombudsstelle der
[37:11] Elif Eralp: Partei aufgerufen.
[37:13] Elif Eralp: Diese Gespräche, Aufarbeitung und
[37:15] Elif Eralp: welche Schlussforderungen es geben
[37:17] Elif Eralp: wird, wird dort in den Parteigremien
[37:20] Elif Eralp: fortgeführt, aber für mich ist als
[37:21] Elif Eralp: regierende Bürgermeisterin als
[37:24] Elif Eralp: kommende regierende Bürgermeisterin
[37:25] Elif Eralp: und auch als linken
[37:27] Elif Eralp: Spitzenkandidatin völlig klar,
[37:29] Elif Eralp: dass es so was nicht geben kann,
[37:31] Elif Eralp: dass alle Menschen sich sicher
[37:33] Elif Eralp: fühlen müssen und das schließt
[37:35] Elif Eralp: selbstverständlich jüdische Menschen
[37:36] Elif Eralp: ein. Ich bin sehr, sehr froh, dass
[37:38] Elif Eralp: das überhaupt hier wieder jüdisches
[37:39] Elif Eralp: Leben gibt in Berlin.
[37:41] Elif Eralp: Gerade mit der Geschichte, wo der
[37:43] Elif Eralp: Holocaust von Berlin aus geplant
[37:44] Elif Eralp: und organisiert wurde, bin ich sehr
[37:46] Elif Eralp: stolz, dass es vielfältiges
[37:48] Elif Eralp: jüdisches Leben gibt und das
[37:50] Elif Eralp: werde ich schützen und stärken.
[37:52] Elif Eralp: Genauso wie queeres Leben, wie
[37:53] Elif Eralp: muslimisches Leben, wie
[37:54] Elif Eralp: palästinensisches Leben.
[37:55] Elif Eralp: Es ist meine originäre Aufgabe und
[37:57] Elif Eralp: da werde ich meinen Beitrag
[37:58] Elif Eralp: weiterhin zu leisten.
[37:58] Philip Banse: Es gibt ja die Argumentation,
[38:01] Philip Banse: dass gesagt wird, na ja, das sind so
[38:03] Philip Banse: ein paar Vorfälle gewesen.
[38:04] Philip Banse: Die haben wir oben skizziert.
[38:05] Philip Banse: Ich habe die hier nochmal angedeutet
[38:06] Philip Banse: und die würden hochgejazzed,
[38:09] Philip Banse: also beispielsweise von der
[38:10] Philip Banse: Springerpresse oder von bürgerlichen
[38:12] Philip Banse: Medien, um, sage ich
[38:13] Philip Banse: mal, Angst zu machen vor den Linken
[38:15] Philip Banse: in Berlin. Würden Sie das auch so
[38:17] Philip Banse: sehen?
[38:18] Elif Eralp: Also was der Fall ist,
[38:20] Elif Eralp: ist, dass diese Vorfälle zu
[38:21] Elif Eralp: verurteilen sind, die Sie eben
[38:23] Elif Eralp: genannt haben und das habe ich auch
[38:24] Elif Eralp: klar gemacht.
[38:25] Elif Eralp: Aber ich muss schon sagen,
[38:27] Elif Eralp: dass teilweise jetzt auch Personen
[38:29] Elif Eralp: aus der Bundesregierung,
[38:31] Elif Eralp: von der CDU das natürlich im
[38:33] Elif Eralp: Wahlkampf und auch aktuell nutzen,
[38:35] Elif Eralp: das muss man schon sagen, um hier
[38:37] Elif Eralp: eine links geführte Regierung zu
[38:39] Elif Eralp: verhindern und ob deren
[38:41] Elif Eralp: Interesse wirklich der Schutz
[38:42] Elif Eralp: jüdischen Lebens dabei ist, da mache
[38:44] Elif Eralp: ich mal ein Fragezeichen dran.
[38:46] Ulf Buermeyer: Schauen wir noch mal auf die
[38:47] Ulf Buermeyer: Koalitionsverhandlungen, denn
[38:49] Ulf Buermeyer: Alternative zu einer Regierung unter
[38:51] Ulf Buermeyer: ihrer Führung wäre ja eine Bündnis
[38:52] Ulf Buermeyer: unter Führung der CDU in Berlin und
[38:55] Ulf Buermeyer: da allerdings gäbe es vor allem ein
[38:57] Ulf Buermeyer: großes Streitthema, nämlich die
[38:58] Ulf Buermeyer: Verkehrspolitik.
[39:00] Ulf Buermeyer: Ist kein Geheimnis.
[39:01] Ulf Buermeyer: Die Union möchte in Berlin dem Auto
[39:03] Ulf Buermeyer: wieder Priorität einräumen.
[39:05] Ulf Buermeyer: Selbstverständlich ist das für die
[39:06] Ulf Buermeyer: Grünen überhaupt nicht akzeptabel.
[39:08] Ulf Buermeyer: Was können Sie insbesondere den
[39:10] Ulf Buermeyer: Grünen hier anbieten, die an diesem
[39:12] Ulf Buermeyer: Punkt ja Zünglein an der Waage sein
[39:13] Ulf Buermeyer: könnten?
[39:14] Elif Eralp: Naja, für mich ist ganz klar, dass
[39:16] Elif Eralp: es eine Verkehrswende braucht.
[39:18] Elif Eralp: Das brauchen wir für mehr Mobilität
[39:21] Elif Eralp: in unserer Stadt, aber auch
[39:22] Elif Eralp: natürlich für den Klimaschutz, weil
[39:23] Elif Eralp: es geht um unsere Lebensgrundlagen
[39:26] Elif Eralp: bei dem Klima.
[39:27] Elif Eralp: Und wir können nicht so weitermachen
[39:28] Elif Eralp: wie bisher.
[39:29] Elif Eralp: Es braucht eine sozial-ökologische
[39:31] Elif Eralp: Transformation.
[39:32] Elif Eralp: Dazu gehört eine Verkehrswende.
[39:33] Elif Eralp: Deswegen stehen wir dafür, die
[39:35] Elif Eralp: Fußwege auszubauen, die Radwege
[39:37] Elif Eralp: auszubauen. Dieser Senat hat
[39:39] Elif Eralp: Radwegprojekte zusammengestrichen
[39:41] Elif Eralp: und beendet. Und ich möchte, dass
[39:43] Elif Eralp: wir diese wieder einführen.
[39:44] Elif Eralp: Und es geht natürlich für uns vor
[39:46] Elif Eralp: allem auch darum, Bus und Bahn zu
[39:47] Elif Eralp: stärken, den öffentlichen
[39:48] Elif Eralp: Nahverkehr. Das ist die wichtigste
[39:50] Elif Eralp: Säule aus unserer Sicht für eine
[39:52] Elif Eralp: Verkehrswende, die gerecht ist,
[39:54] Elif Eralp: sozial gerecht, aber die eben ganz
[39:56] Elif Eralp: klar auch berücksichtigt, dass wir
[39:57] Elif Eralp: einen Klimawandel haben, wo wir
[39:59] Elif Eralp: etwas dringend gegen tun müssen.
[40:01] Elif Eralp: Und das ist natürlich auch mein
[40:02] Elif Eralp: Angebot an die Grünen, dass wir das
[40:04] Elif Eralp: gemeinsam umsetzen können.
[40:06] Elif Eralp: Und mir geht es eben auch darum,
[40:07] Elif Eralp: dass die Menschen, die es
[40:10] Elif Eralp: schwer haben, die Menschen die
[40:11] Elif Eralp: unsere Stadt am Laufen halten, aber
[40:13] Elif Eralp: kaum über die Runden kommen, dass
[40:14] Elif Eralp: das für die auch bezahlbar ist.
[40:15] Elif Eralp: Deswegen war eine unserer
[40:16] Elif Eralp: Kernforderungen auch ganz klar,
[40:18] Elif Eralp: dass Bus- und Bahnpreise
[40:20] Elif Eralp: runter müssen, dass Bus- und
[40:21] Elif Eralp: Bahnpreise bezahlbar sein müssen.
[40:23] Elif Eralp: Deswegen wollen wir beispielsweise
[40:25] Elif Eralp: das 9-Euro-Sozialticket zurückholen,
[40:27] Elif Eralp: aber auch einen generellen
[40:28] Elif Eralp: Preisstopp, damit eben Menschen auch
[40:30] Elif Eralp: aus Marzahn, auch aus den
[40:31] Elif Eralp: Außenstadtbezirken von Berlin gut
[40:33] Elif Eralp: mobil unterwegs sind, nicht eine
[40:35] Elif Eralp: Stunde brauchen, weil dann werden
[40:36] Elif Eralp: sie auch umsteigen.
[40:37] Elif Eralp: Wir wollen ja keine Verbotspolitik,
[40:39] Elif Eralp: sondern wir wollen die Anreize
[40:40] Elif Eralp: erhöhen, dass Menschen auch vom Auto
[40:42] Elif Eralp: auf den öffentlichen Nahverkehr
[40:43] Elif Eralp: umsteigen.
[40:44] Elif Eralp: Mir ist auch persönlich ganz
[40:46] Elif Eralp: wichtig, die Verkehrssicherheit.
[40:48] Elif Eralp: Wir haben gesehen, es gibt viele
[40:50] Elif Eralp: Verkehrstote und das kann nicht wahr
[40:51] Elif Eralp: sein. Mir ist wichtig auch die
[40:52] Elif Eralp: Radwegesicherheit, weil ich fahre
[40:54] Elif Eralp: auch mit meinen Kindern mit dem
[40:55] Elif Eralp: Fahrrad zur Schule und mache mir da
[40:57] Elif Eralp: regelmäßig Sorgen, wenn da Autos
[40:59] Elif Eralp: nah vorbeifahren und wir müssen
[41:00] Elif Eralp: deswegen die Radwege ausbauen
[41:02] Elif Eralp: und auch die Kinder und die
[41:03] Elif Eralp: Schulwege besser schützen und auch
[41:05] Elif Eralp: eine Verkehrsberuhigung insbesondere
[41:07] Elif Eralp: vor Schulen, aber auch an anderen
[41:08] Elif Eralp: Orten durchführen.
[41:09] Philip Banse: Eine Frage habe ich noch zum
[41:10] Philip Banse: Abschluss.
[41:12] Philip Banse: Welche Rolle hat
[41:14] Philip Banse: für Sie gespielt, jetzt als
[41:16] Philip Banse: Linke, die sich anschickt,
[41:18] Philip Banse: regierende Bürgermeisterin in Berlin
[41:20] Philip Banse: zu werden, also der deutschen
[41:21] Philip Banse: Hauptstadt, der großen Metropole,
[41:23] Philip Banse: dass in New
[41:25] Philip Banse: York Linke, die
[41:27] Philip Banse: sich als Sozialisten bezeichnen,
[41:30] Philip Banse: die Macht übernommen haben und den
[41:31] Philip Banse: Bürgermaister stellen?
[41:32] Ulf Buermeyer: Mit so Zohran Mamdani.
[41:35] Philip Banse: Inwiefern hat das für Sie eine Rolle
[41:36] Philip Banse: gespielt?
[41:37] Elif Eralp: Natürlich hat das eine Rolle
[41:38] Elif Eralp: gespielt. Wir haben uns alle
[41:39] Elif Eralp: wahnsinnig gefreut über seinen
[41:41] Elif Eralp: Wahlsieg.
[41:41] Elif Eralp: Weil es zeigt einfach,
[41:43] Elif Eralp: dass eine linke Partei, auch eine
[41:45] Elif Eralp: Person, die sich selber als
[41:47] Elif Eralp: demokratischer Sozialist bezeichnet,
[41:49] Elif Eralp: dass die Erfolg haben kann mit einem
[41:50] Elif Eralp: klaren Fokus auf Bezahlbarkeit,
[41:52] Elif Eralp: Affordability.
[41:53] Elif Eralp: Und genau darum ist es uns auch
[41:54] Elif Eralp: gegangen. Berlin muss wieder
[41:56] Elif Eralp: bezahlbar werden, damit die Menschen
[41:57] Elif Eralp: unabhängig von Herkunft, von
[41:59] Elif Eralp: Einkommen, von Religion wieder
[42:01] Elif Eralp: ein Leben in Würde haben können.
[42:03] Elif Eralp: Und das haben wir gesehen, dass es
[42:04] Elif Eralp: möglich ist, dass man damit Erfolg
[42:06] Elif Eralp: haben kann und damit auch sehr, sehr
[42:08] Elif Eralp: viele Menschen vereinen kann.
[42:09] Elif Eralp: Weil auch darum geht es mir, unsere
[42:11] Elif Eralp: Stadt nicht nach Ost und West,
[42:13] Elif Eralp: nach Innenstadt, Außenstadt,
[42:14] Elif Eralp: Menschen mit und ohne
[42:15] Elif Eralp: Migrationsgeschichte zu spalten,
[42:17] Elif Eralp: sondern alle einen hinter dem
[42:18] Elif Eralp: gemeinsamen Ziel eines bezahlbaren
[42:20] Elif Eralp: Berlins und eines Lebens in Würde
[42:22] Elif Eralp: für alle ohne Ausgrenzung.
[42:24] Elif Eralp: Und deswegen haben wir mit sehr viel
[42:26] Elif Eralp: Freude nach New York geguckt, weil
[42:27] Elif Eralp: wir sehen, dass er genau das
[42:28] Elif Eralp: erreicht hat.
[42:29] Elif Eralp: Und er hat ja auch weiterhin sehr,
[42:30] Elif Eralp: viel Unterstützung von der
[42:32] Elif Eralp: Bevölkerung.
[42:32] Elif Eralp: Und ich würde mich natürlich freuen,
[42:34] Elif Eralp: wenn wir das hier in Berlin auch
[42:35] Elif Eralp: schaffen, auch wenn natürlich hier
[42:37] Elif Eralp: die Umstände ein bisschen anders
[42:38] Elif Eralp: sind. Berlin ist nicht New York, ich
[42:40] Elif Eralp: muss eine Koalition bilden.
[42:41] Elif Eralp: Aber es gibt doch ganz ähnliche
[42:43] Elif Eralp: Probleme, nämlich dass es einfach
[42:44] Elif Eralp: alles viel teurer wird und immer
[42:46] Elif Eralp: teurer wird und die Menschen jeden
[42:47] Elif Eralp: Tag hart arbeiten und trotzdem nicht
[42:49] Elif Eralp: über die Runden kommen.
[42:50] Elif Eralp: Und deswegen hat das uns natürlich
[42:51] Elif Eralp: beeinflusst. Und ich freue mich
[42:53] Elif Eralp: auch, dass ich hier auch Menschen
[42:54] Elif Eralp: zur Wahl mobilisieren konnte, die
[42:56] Elif Eralp: bisher sich nicht gehört und gesehen
[42:58] Elif Eralp: gefühlt haben.
[42:59] Elif Eralp: Ich habe gesehen, dass sehr viele
[43:00] Elif Eralp: migrantische Menschen auch das erste
[43:02] Elif Eralp: Mal von ihrem Wahlrecht Gebrauch
[43:03] Elif Eralp: gemacht haben und natürlich hat mich
[43:05] Elif Eralp: das gefreut, weil auch diese
[43:06] Elif Eralp: Menschen gehören zu unserer Stadt
[43:07] Elif Eralp: und müssen unbedingt gehört werden.
[43:10] Ulf Buermeyer: Ganz herzlichen Dank.
[43:11] Ulf Buermeyer: Das war im Gespräch mit der Lage der
[43:13] Ulf Buermeyer: Nationen Elif Eralp.
[43:14] Ulf Buermeyer: Sie ist Spitzenkandidatin der Linken
[43:16] Ulf Buermeyer: für die Abgeordnetenhauswahl in
[43:17] Ulf Buermeyer: Berlin gewesen und jetzt mögliche
[43:19] Ulf Buermeyer: neue regierende Bürgermeisterin von
[43:21] Ulf Buermeyer: Berlin. Vielen Dank für Ihre Zeit.
[43:23] Elif Eralp: Vielen Dank Ihnen.
[43:24] Ulf Buermeyer: Ja, also ich finde, Philip, die
[43:26] Ulf Buermeyer: Antisemitismus, da hat sie ja jetzt,
[43:28] Ulf Buermeyer: fand ich, sehr klar gesagt,
[43:29] Ulf Buermeyer: versöhnen statt spalten.
[43:31] Ulf Buermeyer: Sie möchte, glaube ich, die
[43:32] Ulf Buermeyer: Perspektive jüdischer Menschen
[43:33] Ulf Buermeyer: sehen, aber sie findet auch
[43:34] Ulf Buermeyer: palästinensische Menschen sind in
[43:36] Ulf Buermeyer: ihrem Schmerz über die Zustände
[43:38] Ulf Buermeyer: im Gazastreifen, die vielen
[43:39] Ulf Buermeyer: Todesopfer im Gazastreifen nicht
[43:40] Ulf Buermeyer: gehört worden. Ich fand, das hatte
[43:42] Ulf Buermeyer: schon was landesmütterliches, wie
[43:44] Ulf Buermeyer: sie da einfach versuchen möchte,
[43:46] Ulf Buermeyer: diese Gruppen alle zu integrieren,
[43:48] Ulf Buermeyer: zu hören. Was hältst du von dieser,
[43:49] Ulf Buermeyer: wir hat das auf dich gewirkt?
[43:51] Philip Banse: Also das ist natürlich ein Problem,
[43:54] Philip Banse: was sehr viele Parteien haben,
[43:57] Philip Banse: die größer werden,
[43:59] Philip Banse: die an Popularität gewinnen.
[44:02] Philip Banse: Da gibt es die Spitze, die sagt A
[44:04] Philip Banse: und da sammeln sich unter dieser
[44:05] Philip Banse: Partei, unter dem Dach dieser
[44:07] Philip Banse: Partei Leute, die B
[44:09] Philip Banse: sagen. Die einfach über das
[44:11] Philip Banse: hinaus schießen, was wahrscheinlich
[44:13] Philip Banse: die Führung für akzeptabel hält.
[44:15] Philip Banse: Und die ganz zentrale große Frage
[44:17] Philip Banse: ist, wie gehen sie damit
[44:19] Philip Banse: um? Sie sagt das jetzt, das
[44:21] Philip Banse: kann ich alles nachvollziehen,
[44:23] Philip Banse: das klingt ja alles irgendwie
[44:24] Philip Banse: plausibel, sie grenzt sich davon ab
[44:26] Philip Banse: und so relativiert das nicht, aber
[44:27] Philip Banse: die große Frage ist natürlich,
[44:29] Philip Banse: kriegt sie das hin? Kriegt sie diese
[44:30] Philip Banse: Leute unter Kontrolle?
[44:31] Philip Banse: Kriegt sie das wirklich hin,
[44:33] Philip Banse: gewaltverherrlichende Leute,
[44:35] Philip Banse: Antisemiten aus dieser
[44:37] Philip Banse: Partei fernzuhalten,
[44:40] Philip Banse: ohne die Unterstützung
[44:42] Philip Banse: der Basis zu verlieren?
[44:43] Ulf Buermeyer: Ja, das ist sicherlich so ein
[44:44] Ulf Buermeyer: Spagat, den man da erst mal hinlegen
[44:46] Ulf Buermeyer: muss als Landesführung.
[44:47] Ulf Buermeyer: Ich würde aber zugleich auch dafür
[44:48] Ulf Buermeyer: werben, mal so ein bisschen die
[44:49] Ulf Buermeyer: Kirche im Dorf zu lassen und sich
[44:51] Ulf Buermeyer: die Frage zu stellen, wie relevant
[44:52] Ulf Buermeyer: ist das eigentlich, was diese
[44:54] Ulf Buermeyer: einzelnen Leute da so veranstalten,
[44:56] Ulf Buermeyer: so widerlich das ist und so absurd
[44:58] Ulf Buermeyer: das teilweise ist, was da eben
[44:59] Ulf Buermeyer: einzelne Leute an der Basis oder im
[45:01] Ulf Buermeyer: Umfeld der Partei so von
[45:03] Ulf Buermeyer: sich geben, denn letztlich
[45:04] Ulf Buermeyer: entscheidend ist ja dann doch, was
[45:06] Ulf Buermeyer: die Spitze macht und entscheidet und
[45:08] Ulf Buermeyer: welche Politik die machen.
[45:09] Ulf Buermeyer: Und da fand ich ganz interessant so
[45:10] Ulf Buermeyer: ein Statement von einem Soziologen,
[45:12] Ulf Buermeyer: also Professor Peter Ullrich.
[45:14] Ulf Buermeyer: Der bildet an der Hochschule für
[45:15] Ulf Buermeyer: Wirtschaft und Recht in Berlin
[45:16] Ulf Buermeyer: Polizist:innen aus und ist auch
[45:17] Ulf Buermeyer: Fellow am Zentrum für
[45:18] Ulf Buermeyer: Antisemitismusforschung von der TU
[45:20] Ulf Buermeyer: Berlin.
[45:21] Ulf Buermeyer: Und der sagte in einem Interview, es
[45:23] Ulf Buermeyer: handele sich dabei, also bei dieser
[45:24] Ulf Buermeyer: Debatte um angeblichen
[45:26] Ulf Buermeyer: Antisemitismus bei der Linkspartei,
[45:27] Ulf Buermeyer: um eine, Zitat, verrückte
[45:29] Ulf Buermeyer: Debatte, die dabei ist, jeden
[45:31] Ulf Buermeyer: Realitätsbezug zu verlieren.
[45:32] Philip Banse: Er sagt, dieser Antisemitismusvorwurf
[45:34] Philip Banse: werde, Zitat, ganz klar auch
[45:36] Philip Banse: strategisch eingesetzt.
[45:38] Philip Banse: Mir scheint das wie ein kollektiver
[45:39] Philip Banse: Wahn, der sich selbst bestätigt.
[45:41] Philip Banse: Wenn behauptet wird, dass Berlin
[45:42] Philip Banse: durch die Wahl der Linken für Juden
[45:44] Philip Banse: unsicher wird, hat das
[45:46] Philip Banse: keinerlei empirische Deckung.
[45:48] Philip Banse: Es wird mittlerweile so getan, sagt
[45:50] Philip Banse: er, als wäre die Linke der
[45:51] Philip Banse: eigentliche Hort des Antisemitismus.
[45:53] Philip Banse: Dabei zeigen Bevölkerungsumfragen,
[45:55] Philip Banse: dass Antisemitismus auf der rechten
[45:57] Philip Banse: Seite extrem viel verbreiteter ist
[45:58] Philip Banse: und in Richtung des linken Spektrums
[46:01] Philip Banse: abnimmt.
[46:02] Ulf Buermeyer: Ja, und ich finde ehrlich gesagt
[46:03] Ulf Buermeyer: auch so spannend, wann diese Debatte
[46:05] Ulf Buermeyer: mit einem Mal aufpoppt.
[46:06] Ulf Buermeyer: Denn diese ganzen Ereignisse sind ja
[46:08] Ulf Buermeyer: teilweise schon älter, und jetzt
[46:09] Ulf Buermeyer: mit einem mal hat die Linke so eine
[46:11] Ulf Buermeyer: Antisemitismusdebatte an der Backe.
[46:14] Ulf Buermeyer: Und also Professor Ullrich sieht da,
[46:16] Ulf Buermeyer: Zitat, die ganz konkrete Funktion
[46:18] Ulf Buermeyer: dieser Debatte, die Linke zu
[46:20] Ulf Buermeyer: schwächen, um Druck auf sie sowie
[46:22] Ulf Buermeyer: auf SPD und Grüne auszuüben, nicht
[46:24] Ulf Buermeyer: mit ihr zu koalieren.
[46:25] Ulf Buermeyer: Und ehrlich gesagt, diesen Eindruck
[46:26] Ulf Buermeyer: finde ich persönlich sehr plausibel.
[46:28] Ulf Buermeyer: Also für mich sieht das wie so eine
[46:29] Ulf Buermeyer: ganz typische Kampagne zum Beispiel
[46:31] Ulf Buermeyer: von Springer aus.
[46:32] Ulf Buermeyer: Mich hat das so ein bisschen an diese
[46:33] Ulf Buermeyer: Desinformationskampagne damals vom
[46:34] Ulf Buermeyer: Heizungsgesetz erinnert.
[46:36] Ulf Buermeyer: Nicht alle Warnungen vor
[46:38] Ulf Buermeyer: den Kosten einer Wärmepumpe waren ja
[46:40] Ulf Buermeyer: falsch. Es gibt Gebäude, die
[46:42] Ulf Buermeyer: wahnsinnig schlecht gedämmt sind.
[46:44] Ulf Buermeyer: Also es gibt ja einzelne potenzielle
[46:45] Ulf Buermeyer: Probleme mit einer Wärmepumpe,
[46:47] Ulf Buermeyer: aber der Eindruck, der insgesamt
[46:49] Ulf Buermeyer: entstanden ist, war ja, Wärmepumpen
[46:51] Ulf Buermeyer: sind unbezahlbar, fressen euch die
[46:53] Ulf Buermeyer: Haare vom Kopf und der Habeck reißt
[46:54] Ulf Buermeyer: euch die Heizung aus dem Keller.
[46:55] Ulf Buermeyer: Und dieser Eindruck war insgesamt
[46:57] Ulf Buermeyer: falsch, auch wenn einzelne
[46:58] Ulf Buermeyer: Kritikpunkte nicht falsch waren.
[47:01] Ulf Buermeyer: Und genauso scheint mir das auch hier
[47:01] Ulf Buermeyer: zu sein. Das ist so eine total
[47:03] Ulf Buermeyer: aufgeblasene Debatte.
[47:04] Ulf Buermeyer: Ja, einzelne Antisemiten gibt es
[47:06] Ulf Buermeyer: todsicher bei der Linkspartei.
[47:07] Ulf Buermeyer: Und die sagen auch absurdes Zeug und
[47:09] Ulf Buermeyer: die billigen furchtbare
[47:11] Ulf Buermeyer: Mordanschläge.
[47:11] Ulf Buermeyer: Da kann man sich nur noch an den
[47:12] Ulf Buermeyer: Kopf fassen, dass man ernsthaft das
[47:14] Ulf Buermeyer: irgendwie als einen legitimen Akt
[47:15] Ulf Buermeyer: des Widerstands bezeichnet.
[47:16] Ulf Buermeyer: Aber das sagt ja nicht, dass
[47:18] Ulf Buermeyer: deswegen diese Partei antisemitische
[47:20] Ulf Buermeyer: Politik macht, weißt du?
[47:21] Ulf Buermeyer: Und deswegen finde ich diese Debatte
[47:23] Ulf Buermeyer: wie das Herr Ulrich so schön sagt,
[47:25] Ulf Buermeyer: eine verrückte Debatte.
[47:26] Ulf Buermeyer: Ja, es ist wichtig, dass man solche
[47:28] Ulf Buermeyer: Spinner von der Macht fernhält und
[47:30] Ulf Buermeyer: dass die nicht den Kurs der Partei
[47:31] Ulf Buermeyer: oder am Ende noch der
[47:32] Ulf Buermeyer: Landesregierung bestimmen.
[47:34] Ulf Buermeyer: Aber das droht aus meiner Sicht
[47:36] Ulf Buermeyer: auch nicht.
[47:37] Philip Banse: Nee genau, das meine ich halt auch.
[47:39] Philip Banse: Du musst halt dann als Landesführung
[47:41] Philip Banse: sehen, dass du diese Leute
[47:43] Philip Banse: rausdrängst, dass du ihnen keine
[47:45] Philip Banse: Rollen zugestehst, dass sie
[47:47] Philip Banse: keine Macht in der Partei bekommen.
[47:50] Philip Banse: Und wo ich wirklich auch nochmal
[47:51] Philip Banse: darauf hinweisen möchte und weshalb
[47:53] Philip Banse: ich auch nochmal euch diese Folge
[47:55] Philip Banse: zum Antisemitismus ans Herz legen
[47:56] Philip Banse: möchte.
[47:57] Philip Banse: Wenn Leute schreien Antisemitismus,
[48:00] Philip Banse: Antisemitismus, Antisemitismus.
[48:01] Philip Banse: Man muss da wirklich genau
[48:03] Philip Banse: hingucken,
[48:05] Philip Banse: weiche dieser Äußerungen sind
[48:07] Philip Banse: wirklich antisemitisch.
[48:09] Philip Banse: Von dem, was wir da aufgezählt
[48:10] Philip Banse: haben, würde ich sagen also
[48:12] Philip Banse: gewaltverherrlichend, legitimierend
[48:14] Philip Banse: ziemlich sicher.
[48:15] Philip Banse: Würde ich auch sagen, auf jeden
[48:17] Philip Banse: Fall.
[48:18] Philip Banse: Wie gesagt, Antisemitismus, und
[48:21] Philip Banse: das ist eine wirkliche
[48:23] Philip Banse: Definitionsfrage, ja?
[48:24] Ulf Buermeyer: Gibt auch zum Beispiel zwei
[48:25] Ulf Buermeyer: konkurrierende Definitionen und da
[48:27] Ulf Buermeyer: haben wir in der Folge alles
[48:28] Ulf Buermeyer: erläutert und zum Beispiel auch in
[48:30] Ulf Buermeyer: der jüdischen Community in
[48:31] Ulf Buermeyer: Deutschland zum Beispiel gibt es da
[48:33] Ulf Buermeyer: hinter den Kulissen riesen Beef.
[48:35] Ulf Buermeyer: Die sind sich eben auch überhaupt
[48:36] Ulf Buermeyer: nicht einig, wie sie die Politik zum
[48:38] Ulf Buermeyer: Beispiel der aktuellen
[48:39] Ulf Buermeyer: Netanjahu-Regierung einordnen.
[48:40] Ulf Buermeyer: Deswegen, ich glaube, das wollen wir nicht alles
[48:41] Ulf Buermeyer: wiederholen, kriegen wir jetzt auch
[48:42] Ulf Buermeyer: nicht so präzise hin wie damals.
[48:43] Philip Banse: Hört euch das nochmal an,
[48:45] Philip Banse: also das ist so das Zweite, was
[48:47] Philip Banse: genau meint eigentlich
[48:48] Philip Banse: Antisemitismus und ist da wirklich
[48:49] Philip Banse: jede Äußerung antisemitisch,
[48:51] Philip Banse: die als solche bezeichnet wird.
[48:52] Ulf Buermeyer: Ja, Lage der Nation 406.
[48:54] Ulf Buermeyer: Ich habe es gerade nochmal in die
[48:55] Ulf Buermeyer: Showbox gepackt.
[48:55] Philip Banse: Der zweite Punkt, den ich
[48:57] Philip Banse: ja fast noch interessanter finde,
[48:59] Philip Banse: ist dieses Experiment mit
[49:01] Philip Banse: dieser Vergesellschaftung
[49:04] Philip Banse: von privat gebauten und
[49:06] Philip Banse: bisher in privatem Besitz sich
[49:08] Philip Banse: befindlichen Wohnungen.
[49:11] Philip Banse: So, und da stellen sich natürlich so
[49:13] Philip Banse: ein paar rechtliche Fragen und
[49:15] Philip Banse: da haben wir uns natürlich gedacht,
[49:17] Philip Banse: wo ist das besser aufgehoben als bei
[49:19] Philip Banse: uns? Wir haben ja hier ein bisschen
[49:20] Philip Banse: Kompetenz am Tisch sitzen, I'm
[49:22] Philip Banse: looking at you, Ulf.
[49:24] Philip Banse: Studierter Jurist, ehemaliger
[49:26] Philip Banse: Richter, langjährig erfahren
[49:28] Philip Banse: und auch in verfassungsrechtlichen
[49:31] Philip Banse: Fragen extrem bewandert.
[49:32] Philip Banse: Deswegen haben wir gedacht, das
[49:33] Philip Banse: nutzen wir mal aus.
[49:34] Philip Banse: Und ich stelle da mal ein paar
[49:36] Philip Banse: Fragen. Die erste ist natürlich,
[49:39] Philip Banse: kann man Unternehmen in
[49:41] Philip Banse: Deutschland wirklich
[49:43] Philip Banse: Eigentumwohnungen wegnehmen?
[49:46] Ulf Buermeyer: Also grundsätzlich mal kann man
[49:48] Ulf Buermeyer: Unternehmen auch Eigentum wegnehmen
[49:50] Ulf Buermeyer: und zwar nicht nur Unternehmen,
[49:51] Ulf Buermeyer: sondern auch Privatleuten.
[49:53] Ulf Buermeyer: Da macht das Grundgesetz gar keinen
[49:54] Ulf Buermeyer: Unterschied und das Grundgesetz
[49:55] Ulf Buermeyer: kennt sogar zwei Wege,
[49:58] Ulf Buermeyer: wie Privatleute oder Unternehmen ihr
[50:00] Ulf Buermeyer: Eigentum quasi loswerden
[50:02] Ulf Buermeyer: können.
[50:02] Philip Banse: Das dröseln wir mal auf, weil das ja
[50:03] Philip Banse: in dieser Debatte immer auch so ein
[50:04] Philip Banse: bisschen durcheinander gewürfelt
[50:05] Philip Banse: wird. Das eine ist die Enteignung.
[50:06] Philip Banse: Was hat's damit auf sich?
[50:07] Ulf Buermeyer: Genau, das regelt Artikel 14 des
[50:09] Ulf Buermeyer: Grundgesetzes. Das ist die
[50:10] Ulf Buermeyer: klassische Enteignung und die
[50:11] Ulf Buermeyer: bedeutet, dass man das Eigentum an
[50:13] Ulf Buermeyer: einem ganz konkreten
[50:14] Ulf Buermeyer: Vermögensgegenstand, also zum
[50:16] Ulf Buermeyer: Beispiel einem Grundstück, zu einem
[50:17] Ulf Buermeyer: ganz konkreten Zweck entzieht.
[50:19] Ulf Buermeyer: Also da wäre der Klassiker, ein
[50:21] Ulf Buermeyer: Grundstück wird enteignet, um darauf
[50:23] Ulf Buermeyer: eine Straße zu bauen.
[50:24] Ulf Buermeyer: Also der Bund möchte eine neue
[50:26] Ulf Buermeyer: Straße bauen, eine Autobahn
[50:27] Ulf Buermeyer: meinetwegen, Bauer Müller will aber
[50:29] Ulf Buermeyer: seinen Acker nicht verkaufen und
[50:30] Ulf Buermeyer: dann gibt es irgendwann einen
[50:32] Ulf Buermeyer: Beschluss, meistens so einen
[50:33] Ulf Buermeyer: Planfeststellungsbeschluss. Da heißt es dann,
[50:35] Ulf Buermeyer: Müller, dein Grundstück wird
[50:36] Ulf Buermeyer: zugunsten des Bundes eingezogen,
[50:38] Ulf Buermeyer: dann kriegt Müller natürlich eine
[50:39] Ulf Buermeyer: Entschädigung dafür, aber das ist
[50:41] Ulf Buermeyer: was völlig Normales, das passiert
[50:42] Ulf Buermeyer: jeden Tag und insofern ist dieses
[50:44] Ulf Buermeyer: Gerede von, Zitat, Sozialismus
[50:46] Ulf Buermeyer: auch Quatsch.
[50:47] Ulf Buermeyer: Ja, das Eigentum ist natürlich
[50:48] Ulf Buermeyer: geschützt durch das Grundgesetz,
[50:50] Ulf Buermeyer: aber es ist ebenso wie alle anderen
[50:52] Ulf Buermeyer: Grundrechte auch, mit Ausnahme der
[50:53] Ulf Buermeyer: Menschenwürde, nicht unantastbar.
[50:56] Ulf Buermeyer: Und das Lustige ist ja auch, die
[50:57] Ulf Buermeyer: Union hat überhaupt kein Problem
[50:59] Ulf Buermeyer: damit, wenn das Eigentum entzogen
[51:01] Ulf Buermeyer: wird, um eine Autobahn zu bauen.
[51:02] Ulf Buermeyer: Dann ist das auch selbstverständlich
[51:04] Ulf Buermeyer: für die Union, okay, aber jetzt bei
[51:05] Ulf Buermeyer: Wohnungen irgendwie nicht und das
[51:07] Ulf Buermeyer: finde ich einfach einen
[51:08] Ulf Buermeyer: erklärungsbedürftigen Unterschied.
[51:11] Philip Banse: Okay. Enteignung = Konkreter Vermögensgegenstand,
[51:12] Philip Banse: konkreter Zweck. Jetzt geht's ja
[51:13] Philip Banse: hier in Berlin, aber
[51:15] Philip Banse: ja um Vergesellschaftung.
[51:17] Philip Banse: Was ist das? Wo ist der Unterschied?
[51:19] Ulf Buermeyer: Das ist geregelt ein Artikel
[51:21] Ulf Buermeyer: weiter im Grundgesetz, in Artikel
[51:22] Ulf Buermeyer: 15, Satz 1.
[51:24] Ulf Buermeyer: Das ist eben der zweite Weg, wie der
[51:25] Ulf Buermeyer: Staat auf Eigentum zugreifen kann.
[51:27] Ulf Buermeyer: Und da geht es eben nicht so sehr um
[51:29] Ulf Buermeyer: einzelne Vermögensgegenstände,
[51:31] Ulf Buermeyer: sondern quasi um ganze Gruppen.
[51:32] Ulf Buermeyer: Das heißt wörtlich:
[51:35] Philip Banse: Ich lese das mal vor aus dem Grundgesetz,
[51:36] Philip Banse: Artikel 15, Satz
[51:38] Philip Banse: 1: Grund und
[51:40] Philip Banse: Boden, Naturschätze und
[51:42] Philip Banse: Produktionsmittel können
[51:44] Philip Banse: zum Zwecke der Vergesellschaftung
[51:47] Philip Banse: durch ein Gesetz, das Art und
[51:49] Philip Banse: Ausmaß der Entschädigung regelt,
[51:52] Philip Banse: in Gemeineigentum oder in
[51:53] Philip Banse: andere Formen der Gemeinwirtschaft
[51:55] Philip Banse: überführt werden.
[51:56] Ulf Buermeyer: Also
[51:58] Ulf Buermeyer: die Abgrenzung zu Artikel 14 ist
[52:00] Ulf Buermeyer: jetzt nicht hundertprozentig
[52:01] Ulf Buermeyer: trennscharf, vor allem deswegen,
[52:02] Ulf Buermeyer: weil dieser Artikel 15, den Philip
[52:04] Ulf Buermeyer: gerade vorgelesen hat, einfach noch
[52:05] Ulf Buermeyer: nie in der Praxis angewendet
[52:07] Ulf Buermeyer: wurde. Aber ein paar Unterschiede
[52:09] Ulf Buermeyer: sind doch relativ deutlich, denn bei
[52:11] Ulf Buermeyer: Artikel 15, bei dieser
[52:12] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung, kann nicht jede
[52:14] Ulf Buermeyer: Form von Eigentum betroffen sein,
[52:15] Ulf Buermeyer: sondern eben nur Grundstücke,
[52:18] Ulf Buermeyer: Naturschätze und Produktionsmittel.
[52:20] Ulf Buermeyer: Produktionsmittel, das ist so ein
[52:21] Ulf Buermeyer: Wort, das man heute eigentlich nicht
[52:23] Ulf Buermeyer: mehr so auf der Pfanne hat, das
[52:25] Ulf Buermeyer: kommt so aus der marxistischen
[52:27] Ulf Buermeyer: Theorie.
[52:28] Ulf Buermeyer: Produktionsmittel sind auf Deutsch
[52:30] Ulf Buermeyer: Fabriken oder Maschinen
[52:32] Ulf Buermeyer: oder so.
[52:33] Ulf Buermeyer: Also quasi in der klassischen
[52:34] Ulf Buermeyer: Industrialisierung die Hardware,
[52:36] Ulf Buermeyer: mit der man eben irgendwelche
[52:38] Ulf Buermeyer: Produkte hergestellt hat.
[52:39] Philip Banse: Die können vergesellschaftet werden
[52:40] Philip Banse: aber nicht viel mehr.
[52:42] Ulf Buermeyer: Grundstücke, Naturschätze,
[52:43] Ulf Buermeyer: Produktionsmittel und auch der Zweck
[52:45] Ulf Buermeyer: muss ganz besonders sein, nämlich
[52:47] Ulf Buermeyer: eben nicht nur quasi die
[52:48] Ulf Buermeyer: Verstaatlichung zum Beispiel für
[52:49] Ulf Buermeyer: eine Autobahn, sondern die
[52:51] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung muss das Ziel
[52:53] Ulf Buermeyer: sein, also dass anschließend die
[52:54] Ulf Buermeyer: Allgemeinheit Zugriff auf
[52:56] Ulf Buermeyer: diese Vermögensgegenstände hat, die
[52:58] Ulf Buermeyer: da vergesellschaftet wurden.
[52:59] Ulf Buermeyer: Und das Mittel, wie die
[53:01] Ulf Buermeyer: Allgemeinheit diese Vergesellschaftung
[53:02] Ulf Buermeyer: da nutzen soll, ist
[53:04] Ulf Buermeyer: Gemeineigentum oder
[53:05] Ulf Buermeyer: Gemeinwirtschaft.
[53:07] Ulf Buermeyer: Und dass alles muss dann direkt
[53:08] Ulf Buermeyer: durch ein Gesetz passieren.
[53:10] Philip Banse: Also Vergesellschaftung ist so ein
[53:11] Philip Banse: bisschen enger einfach als die
[53:12] Philip Banse: Enteignung.
[53:13] Philip Banse: Es ist beschränkt auf ein
[53:15] Philip Banse: paar Gegenstände, die
[53:16] Philip Banse: vergesellschaftet werden dürfen.
[53:18] Philip Banse: Und auch die Verwendung dessen, was
[53:20] Philip Banse: da vergesellschaftet wird, ist enger
[53:22] Philip Banse: gefasst. Es muss halt wirklich der
[53:23] Philip Banse: Gesellschaft dann auch zur Verfügung
[53:25] Philip Banse: stehen.
[53:26] Ulf Buermeyer: Das ist so ein bisschen die Idee.
[53:28] Ulf Buermeyer: Das muss hinterher, ich hätte fast
[53:30] Ulf Buermeyer: gesagt, Volkseigentum werden.
[53:32] Ulf Buermeyer: Es gibt schon so eine gewisse Parallele.
[53:34] Ulf Buermeyer: Ja, das ist ja das Witzige.
[53:36] Ulf Buermeyer: Als wir das vor ein paar Jahren
[53:38] Ulf Buermeyer: schon mal besprochen haben, so ein
[53:39] Ulf Buermeyer: ähnliches Thema, da hat es hinterher
[53:40] Ulf Buermeyer: wütende Proteste gegeben.
[53:41] Ulf Buermeyer: Wir hätten überhaupt nicht gesehen,
[53:42] Ulf Buermeyer: dass der Grundgesetz doch nun mal
[53:44] Ulf Buermeyer: eine kapitalistische Verfassung ist.
[53:46] Ulf Buermeyer: Und da muss man sagen, das
[53:47] Ulf Buermeyer: Bundesverfassungsgericht sieht es
[53:48] Ulf Buermeyer: anders. Da gibt es Entscheidungen
[53:49] Ulf Buermeyer: schon aus den 50er Jahren, wo sie
[53:51] Ulf Buermeyer: ausdrücklich gesagt haben, das
[53:52] Ulf Buermeyer: Grundgesetz ist nicht auf eine
[53:54] Ulf Buermeyer: bestimmte Wirtschaftsordnung
[53:56] Ulf Buermeyer: festgelegt. Du könntest unter dem
[53:57] Ulf Buermeyer: Grundgesetz auch Sozialismus
[53:59] Ulf Buermeyer: einführen. Kommunismus wohl nicht,
[54:00] Ulf Buermeyer: weil es da ja gar kein
[54:01] Ulf Buermeyer: Privateigentum mehr gibt.
[54:02] Ulf Buermeyer: Das wäre mit Artikel 14 wohl nicht
[54:04] Ulf Buermeyer: vereinbar. Aber du könntest
[54:05] Ulf Buermeyer: grundsätzlich, wenn es da viel
[54:06] Ulf Buermeyer: demokratische Mehrheiten gegeben
[54:07] Ulf Buermeyer: hätte, auch unter dem Grundgesetz
[54:09] Ulf Buermeyer: sowas wie einen Sozialismus
[54:10] Ulf Buermeyer: einführen. Also das muss man sich
[54:12] Ulf Buermeyer: einfach klar machen.
[54:13] Ulf Buermeyer: Das Grundgesetz ist da viel offener,
[54:15] Ulf Buermeyer: würde ich sagen, als unser heutiger
[54:16] Ulf Buermeyer: politischer Diskurs.
[54:17] Philip Banse: Ja, und als die FDP sich das so mal
[54:19] Philip Banse: vorstellt und wünscht.
[54:20] Ulf Buermeyer: Die FDP, eine Sidenote,
[54:22] Ulf Buermeyer: die wollte ja vor ein paar Jahren
[54:23] Ulf Buermeyer: auch schon mal den Artikel 15, diese
[54:25] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung, durch eine
[54:26] Ulf Buermeyer: Grundgesetzänderung streichen, hat
[54:28] Ulf Buermeyer: dafür keine Mehrheiten gefunden.
[54:29] Philip Banse: Ja, jetzt ist ja so, okay,
[54:32] Philip Banse: Vergesellschaftung, der Staat kann
[54:33] Philip Banse: halt unter bestimmten Umständen
[54:35] Philip Banse: bestimmte Dinge den Eigentümern,
[54:37] Philip Banse: sage ich mal, wegnehmen.
[54:39] Philip Banse: Allerdings muss er dafür eine
[54:41] Philip Banse: Entschädigung zahlen.
[54:43] Philip Banse: Wie hoch muss die sein?
[54:43] Philip Banse: Wie misst man das?
[54:44] Ulf Buermeyer: Genau, und das ist eben
[54:45] Ulf Buermeyer: wahrscheinlich die spannendste Frage
[54:46] Ulf Buermeyer: an dem Ganzen. Das Gesetz, durch das
[54:48] Ulf Buermeyer: diese Vergesellschaftung ja zwingend
[54:50] Ulf Buermeyer: passieren muss, also ein Bescheid
[54:51] Ulf Buermeyer: einer Behörde reicht nicht, das muss
[54:52] Ulf Buermeyer: direkt durch ein Gesetz passieren.
[54:54] Ulf Buermeyer: Und dieses Gesetz muss dann, Zitat,
[54:56] Ulf Buermeyer: Art und Ausmaß der Entschädigung
[54:58] Ulf Buermeyer: regeln.
[54:59] Philip Banse: Das bedeutet aber auch, wenn das
[55:01] Philip Banse: Gesetz Art und Ausmaß regelt, dann
[55:03] Philip Banse: regelt es Ausmaß, also wie viel
[55:05] Philip Banse: muss entschädigt werden, aber eben
[55:06] Philip Banse: auch die Art. Das muss ja nicht Geld sein.
[55:07] Ulf Buermeyer: Das ist nämlich der spannende
[55:10] Ulf Buermeyer: Punkt. Das Grundgesetz sieht
[55:11] Ulf Buermeyer: ausdrücklich nicht vor, dass
[55:13] Ulf Buermeyer: diese Entschädigung in Geld erfolgen
[55:14] Ulf Buermeyer: muss, denn sonst gäbe es ja keinen
[55:15] Ulf Buermeyer: Grund, dass das
[55:17] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftungsgesetz diese Art
[55:19] Ulf Buermeyer: überhaupt regelt. Wenn die Art klar
[55:20] Ulf Buermeyer: wäre, nämlich Geld, dann müsste das
[55:22] Ulf Buermeyer: Gesetz dazu gar nichts mehr sagen.
[55:24] Ulf Buermeyer: Wenn das Grundgesetz aber verlangt,
[55:25] Ulf Buermeyer: regel bitte die Art in deinem
[55:27] Ulf Buermeyer: Vergeschaftungsgesetz, bedeutet das
[55:29] Ulf Buermeyer: eben auch, man kann sich andere
[55:30] Ulf Buermeyer: Formen der Entschädigung vorstellen.
[55:32] Ulf Buermeyer: Also zum Beispiel könnte man bei so
[55:34] Ulf Buermeyer: einer Enteignung eines Ackers,
[55:36] Ulf Buermeyer: könnte man zum Beispiel, das wäre
[55:37] Ulf Buermeyer: jetzt wieder Artikel 14, da könnte
[55:39] Ulf Buermeyer: man sich zum Beispiel so eine Art
[55:40] Ulf Buermeyer: Zwangstausch vorstellen.
[55:41] Ulf Buermeyer: Wir nehmen dir hier deine fünf
[55:42] Ulf Buermeyer: Hektar weg, dafür kriegst du da
[55:43] Ulf Buermeyer: hinten fünf Hektar ab.
[55:44] Philip Banse: Oder die Deutsche Wohnen kriegt
[55:46] Philip Banse: irgendwie doppelt so viele
[55:47] Philip Banse: Schrottimmobilien von
[55:49] Philip Banse: Berlin wie Berlin eben bei ihnen
[55:51] Philip Banse: schöne Wohnungen einkassiert.
[55:52] Philip Banse: Okay, also Art und Ausmaß muss
[55:53] Philip Banse: gesetzlich geregelt werden.
[55:54] Philip Banse: Es muss nicht zwingend Geld sein.
[55:56] Philip Banse: Das muss halt dieses Gesetz
[55:58] Philip Banse: regeln.
[55:59] Ulf Buermeyer: Genau, und Ausmaß genau dasselbe.
[56:01] Ulf Buermeyer: Wenn der Marktpreis, also quasi der
[56:03] Ulf Buermeyer: Marktwert dieser
[56:05] Ulf Buermeyer: Vermögensgegenstände, die da
[56:06] Ulf Buermeyer: vergesellschaftet werden, geschuldet
[56:08] Ulf Buermeyer: wäre, dann gäbe es wieder keinen
[56:09] Ulf Buermeyer: Grund, dass das Gesetz irgendwas
[56:10] Ulf Buermeyer: dazu sagt. Da müsste man es halt
[56:12] Ulf Buermeyer: einfach ausrechnen.
[56:13] Ulf Buermeyer: Aber auch hier gibt es Spielräume.
[56:15] Ulf Buermeyer: Das Grundgesetz verlangt nur:
[56:18] Philip Banse: Da steht, die Entschädigung ist
[56:19] Philip Banse: unter gerechter Abwägung
[56:21] Philip Banse: der Interessen der Allgemeinheit
[56:23] Philip Banse: und der Beteiligten zu bestimmen.
[56:25] Philip Banse: Also es muss abgewogen werden
[56:26] Philip Banse: zwischen den Interessen und
[56:28] Philip Banse: wahrscheinlich je größer und
[56:30] Philip Banse: wichtiger und gewichtiger das
[56:31] Philip Banse: Interesse der Allgmeinheit, desto
[56:33] Philip Banse: niedriger darf dann die
[56:34] Philip Banse: Entschädigung ausfallen.
[56:37] Ulf Buermeyer: So sieht's aus. Wie niedrig genau?
[56:38] Ulf Buermeyer: Unklar. Und aber auf jeden Fall,
[56:40] Ulf Buermeyer: natürlich eröffnet das den
[56:42] Ulf Buermeyer: Rechtsweg. Gegen die Höhe der
[56:43] Ulf Buermeyer: Entschädigung kann man klagen.
[56:45] Ulf Buermeyer: Da sagt das Grundgesetz, da steht im
[56:47] Ulf Buermeyer: Streitfall der Rechtsweg vor den
[56:48] Ulf Buermeyer: ordentlichen Gerichten offen.
[56:50] Ulf Buermeyer: Ordentliche Gerichte sind
[56:51] Ulf Buermeyer: Amtsgericht, Landgericht,
[56:52] Ulf Buermeyer: Oberlandesgericht oder
[56:53] Ulf Buermeyer: Bundesgerichtshof.
[56:54] Philip Banse: Ja, genau.
[56:55] Philip Banse: Also das Problem ist, niemand weiß,
[56:57] Philip Banse: was das Bundesverfassungsgericht im
[56:59] Philip Banse: Zweifel konkret verlangen
[57:00] Philip Banse: wird als Entschädigung.
[57:02] Philip Banse: Welche Art, welches Ausmaß ist
[57:04] Philip Banse: nötig, damit das Gesetz,
[57:06] Philip Banse: was dann in Berlin ja erlassen
[57:08] Philip Banse: werden müsste, dann im Zweife in
[57:09] Philip Banse: Karlsruhe besteht, ist komplett
[57:11] Philip Banse: völlig unklar.
[57:12] Philip Banse: Einfach, wenn ich das richtig gesehen
[57:13] Philip Banse: habe, weil das einfach völliges
[57:14] Philip Banse: Neuland ist. Es gibt keine
[57:15] Philip Banse: Entscheidung, oder?
[57:15] Ulf Buermeyer: Also soweit ich das recherchiert
[57:17] Ulf Buermeyer: habe, das habe ich auch nirgendwo
[57:18] Ulf Buermeyer: anders gelesen, gibt es einfach noch
[57:20] Ulf Buermeyer: kein Vergesellschaftungsgesetz,
[57:22] Ulf Buermeyer: mit dem dieser Artikel 15 unseres
[57:24] Ulf Buermeyer: Grundgesetzes jemals praktisch
[57:26] Ulf Buermeyer: relevant geworden wäre.
[57:28] Ulf Buermeyer: Artikel 14, Enteignungen, kommen
[57:29] Ulf Buermeyer: jeden Tag vor, aber diese
[57:30] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung wäre tatsächlich
[57:32] Ulf Buermeyer: Neuland.
[57:33] Philip Banse: Ja, also bleiben wir in Berlin,
[57:34] Philip Banse: schauen wir nach Berlin. Wenn die
[57:35] Philip Banse: also so ein Gesetz beschließen, mit
[57:37] Philip Banse: dem diese Wohnungsgesellschaften,
[57:38] Philip Banse: Wohnungsbaugesellschaften enteignet
[57:41] Philip Banse: werden, ihre Wohnungen verlieren,
[57:43] Philip Banse: wird das sicherlich vor Gericht
[57:45] Philip Banse: landen. Und da wird eine wichtige
[57:46] Philip Banse: Rolle spielen, die
[57:48] Philip Banse: Frage der Verhältnismäßigkeit.
[57:51] Philip Banse: Also da gibt es ein Ziel.
[57:53] Philip Banse: Sie möchten also günstigeren
[57:55] Philip Banse: Wohnraum in Berlin schaffen, aber da
[57:56] Philip Banse: stellt sich die Frage, lässt sich
[57:58] Philip Banse: dieses Ziel nicht auch mit anderen,
[58:01] Philip Banse: milderen Mitteln als
[58:02] Philip Banse: Vergesellschaftung erreichen?
[58:04] Philip Banse: Also könnte zum Beispiel dieses
[58:06] Philip Banse: ganze Geld, was ja für die
[58:08] Philip Banse: Entschädigung fließen muss, nicht
[58:09] Philip Banse: einfach auch besser eingesetzt
[58:11] Philip Banse: werden, um einfach Wohnungen
[58:13] Philip Banse: zu bauen. Wäre das nicht der mildere
[58:15] Philip Banse: Weg, ohne solche
[58:16] Philip Banse: Vergesellschaftungen dann
[58:17] Philip Banse: auszukommen?
[58:17] Ulf Buermeyer: Ja, also wir haben es ja eben schon
[58:19] Ulf Buermeyer: gesagt. Es ist erstmal unklar, ob
[58:20] Ulf Buermeyer: überhaupt eine Entschädigung in Geld
[58:21] Ulf Buermeyer: zwingend vorgesehen ist.
[58:23] Ulf Buermeyer: Elif Eralp hat ja eben noch gesagt,
[58:25] Ulf Buermeyer: ja, dafür sollen Kredite aufgenommen
[58:26] Ulf Buermeyer: werden. Die Initiative "Deutsche
[58:27] Ulf Buermeyer: Wohnung und Co enteignen" wollte das
[58:29] Ulf Buermeyer: anders regeln. Die haben gesagt, wir
[58:30] Ulf Buermeyer: bauen im Grunde so eine Art Bad
[58:31] Ulf Buermeyer: Bank, ja und die gibt dann
[58:33] Ulf Buermeyer: Schuldscheine aus, die auch an der
[58:34] Ulf Buermeyer: Börse gehandelt werden können, also
[58:36] Ulf Buermeyer: es gibt da verschiedene Modelle.
[58:37] Philip Banse: Die hätten die quasi enteignet und
[58:38] Philip Banse: gesagt, ihr gebt uns unsere Wohnungen,
[58:40] Philip Banse: dafür werdet ihr sozusagen
[58:41] Philip Banse: Zwangsaktionäre dieser neuen Firma
[58:43] Philip Banse: und kriegt dann von
[58:45] Philip Banse: den Mieten, von den Sachen,
[58:47] Philip Banse: die wir damit einnehmen, wird dann
[58:49] Philip Banse: so die Entschädigung über die
[58:50] Philip Banse: nächsten 500 Jahre, 100 Jahre-
[58:51] Ulf Buermeyer: Der
[58:54] Ulf Buermeyer: Plan ist 100 Jahre.
[58:56] Ulf Buermeyer: Die Idee ist so ein bisschen, ihr
[58:57] Ulf Buermeyer: kriegt quasi Anteile an dieser
[58:58] Ulf Buermeyer: Schuldenfirma, die quasi für das
[59:00] Ulf Buermeyer: Land die Wohnungen hält und
[59:03] Ulf Buermeyer: über 100 Jahre stottern wir diesen
[59:05] Ulf Buermeyer: Preis ab.
[59:06] Ulf Buermeyer: Aber diese Schuldscheine, diese
[59:07] Ulf Buermeyer: Anteile, die sollen dann eben auch
[59:08] Ulf Buermeyer: handelbar sein an der Börse.
[59:09] Ulf Buermeyer: Das heißt, dann könnten die
[59:10] Ulf Buermeyer: enteigneten Unternehmen, die auch
[59:12] Ulf Buermeyer: einfach verkaufen an andere
[59:13] Ulf Buermeyer: Investoren, da hätten sie sofort
[59:14] Ulf Buermeyer: Bargeld.
[59:15] Philip Banse: Aber das ist die Idee gewesen von
[59:16] Philip Banse: der Initiative. Ich glaube, jetzt,
[59:17] Philip Banse: das haben wir rausgehört, von der
[59:19] Philip Banse: potenziellen neuen Regierenden
[59:21] Philip Banse: Bürgermeisterin, sollen also Kredite
[59:23] Philip Banse: aufgenommen werden.
[59:24] Philip Banse: Aber wir sind ja bei der Frage der
[59:25] Philip Banse: Verhältnismäßigkeit.
[59:27] Philip Banse: Und da stellt sich ja die Frage,
[59:29] Philip Banse: um wie viel Geld geht es denn
[59:30] Philip Banse: eigentlich, was da aufgenommen
[59:31] Philip Banse: werden müsste?
[59:32] Ulf Buermeyer: Tja, gehen wir mal vom Wert der
[59:33] Ulf Buermeyer: Wohnungen aus. Das ist ja zumindest
[59:34] Ulf Buermeyer: eine Bezugsgröße.
[59:35] Ulf Buermeyer: Die Schätzungen variieren da.
[59:37] Ulf Buermeyer: Der Berliner Rechnungshof sagt,
[59:38] Ulf Buermeyer: naja, der Marktwert dürfte so bei 42
[59:39] Ulf Buermeyer: Milliarden Euro liegen.
[59:41] Ulf Buermeyer: Nun ist es aber so, der Marktwert
[59:42] Ulf Buermeyer: muss ja nicht komplett entschädigt
[59:44] Ulf Buermeyer: werden, haben wir oben gesagt.
[59:45] Ulf Buermeyer: Das Ausmaß der Entschädigung muss in
[59:47] Ulf Buermeyer: dem Gesetz festgelegt werden.
[1:00:00] Ulf Buermeyer: Diese Initiative "Deutsche Wohnen und Co enteignen", die rechnete mit 8
[1:00:00] Ulf Buermeyer: bis 18 Milliarden. Das wäre also so ein deutlicher Bruchteil nur vom
[1:00:00] Ulf Buermeyer: Marktwert, also so zwanzig, dreißig Prozent. Mittelwert der verschiedenen
[1:00:01] Ulf Buermeyer: Schätzungen wären vielleicht mal so
[1:00:02] Ulf Buermeyer: 20 Milliarden.
[1:00:03] Philip Banse: Das hat sie ja auch gesagt.
[1:00:04] Philip Banse: Das ist so ein bisschen die
[1:00:05] Philip Banse: Obergrenze, mit der sie so rechnet.
[1:00:06] Philip Banse: 20 Milliarden werden wir zahlen
[1:00:08] Philip Banse: müssen. Und wenn man sich jetzt
[1:00:10] Philip Banse: fragt, okay, das wollt ihr
[1:00:11] Philip Banse: aufnehmen, dafür wollt ihr also
[1:00:12] Philip Banse: diese Wohnungen vergesellschaften.
[1:00:14] Philip Banse: Kann man die Kohle nicht einfach
[1:00:15] Philip Banse: besser einsetzen, indem man
[1:00:16] Philip Banse: Wohnungen baut?
[1:00:19] Philip Banse: Das wäre das eindeutig mildere
[1:00:20] Philip Banse: Mittel, man müsste nicht
[1:00:21] Philip Banse: vergesellschaften.
[1:00:22] Philip Banse: Die Unternehmen hätten ihre
[1:00:23] Philip Banse: Wohnungen weiter und trotzdem würde
[1:00:25] Philip Banse: es ja mehr Wohnungen geben, die es
[1:00:27] Philip Banse: ja durch eine Vergesellschaftung
[1:00:28] Philip Banse: erst mal so gar nicht gibt.
[1:00:30] Philip Banse: Man kann es ja mal so ganz grob
[1:00:32] Philip Banse: überschlagen. Wirklich ganz grob.
[1:00:33] Philip Banse: Gibt viele Unklarheiten.
[1:00:34] Philip Banse: Also wenn man jetzt diese, wenn man
[1:00:35] Philip Banse: sagt, zwanzig Milliarden werden als
[1:00:37] Philip Banse: Entschädigung fließen müssen, was
[1:00:39] Philip Banse: könnte man denn mit diesem Geld
[1:00:40] Philip Banse: bauen?
[1:00:41] Ulf Buermeyer: Also wenn man mal ausrechnet, 20
[1:00:42] Ulf Buermeyer: Milliarden und man geht davon aus,
[1:00:45] Ulf Buermeyer: ein Quadratmeter Neubau
[1:00:46] Ulf Buermeyer: kostet etwa 5000 Euro
[1:00:48] Ulf Buermeyer: und man geht mal davon aus, man will
[1:00:50] Ulf Buermeyer: jetzt Familienwohnungen bauen von
[1:00:52] Ulf Buermeyer: 100 Quadratmetern, dann
[1:00:53] Ulf Buermeyer: könnte man 40.000 Wohnungen
[1:00:56] Ulf Buermeyer: komplett neu bauen für diese 20
[1:00:57] Ulf Buermeyer: Milliarden.
[1:00:58] Ulf Buermeyer: Wenn man sagt, man schafft das sogar
[1:00:59] Ulf Buermeyer: noch ein bisschen billiger, nicht
[1:01:00] Ulf Buermeyer: 5000 Euro Neubaukosten pro
[1:01:02] Ulf Buermeyer: Quadratmeter, sondern wenn man es
[1:01:03] Ulf Buermeyer: irgendwie schafft durch serielles
[1:01:05] Ulf Buermeyer: Bauen zum Beispiel, durch kostenlose
[1:01:07] Ulf Buermeyer: landeseigene Grundstücke oder so,
[1:01:08] Ulf Buermeyer: vielleicht sogar den Quadratmeterpreis
[1:01:10] Ulf Buermeyer: zu drücken auf 2500 Quadratmeter,
[1:01:13] Ulf Buermeyer: dann wäre man sogar bei 80.000
[1:01:15] Ulf Buermeyer: neuen Wohnungen für zu je 100
[1:01:17] Ulf Buermeyer: Quadratmeter. So.
[1:01:17] Ulf Buermeyer: Und das ist die eine Seite der
[1:01:19] Ulf Buermeyer: Verhältnismäßigkeit, was könnte man
[1:01:20] Ulf Buermeyer: mit den 20 Milliarden machen.
[1:01:21] Ulf Buermeyer: 40.000 bis 80.00 neue Wohnungen.
[1:01:23] Ulf Buermeyer: Bei der Vergesellschaftung
[1:01:25] Ulf Buermeyer: beträfe das nach Angaben der Linken
[1:01:26] Ulf Buermeyer: acht Gesellschaften, vielleicht sind
[1:01:28] Ulf Buermeyer: es auch zwei, drei mehr oder
[1:01:29] Ulf Buermeyer: weniger, egal.
[1:01:30] Ulf Buermeyer: Gehen wir mal von 240.000 Wohnungen
[1:01:31] Ulf Buermeyer: aus.
[1:01:32] Philip Banse: Die ihnen dann gehören, wo sie
[1:01:34] Philip Banse: dann die Miete senken
[1:01:36] Philip Banse: können, wenn es richtig tofte läuft
[1:01:38] Philip Banse: und sie eben nicht zu viel
[1:01:40] Philip Banse: Entschädigung zahlen müssen.
[1:01:41] Philip Banse: Weil wenn sie viel Entschädigung
[1:01:42] Philip Banse: zahlen müssen, dann wird das mit
[1:01:44] Philip Banse: der Mietsenkung nämlich schwierig,
[1:01:45] Philip Banse: weil sie dann natürlich entsprechend
[1:01:47] Philip Banse: viel mehr aus dem Haushalt
[1:01:48] Philip Banse: dazubuttern müssten, um diese Mieten
[1:01:49] Philip Banse: auch senken zu können.
[1:01:50] Ulf Buermeyer: So, und dann muss man halt einfach
[1:01:51] Ulf Buermeyer: sagen, Stichwort
[1:01:52] Ulf Buermeyer: Verhältnismäßigkeit, was ist jetzt
[1:01:53] Ulf Buermeyer: eigentlich besser, 40 bis 80.000
[1:01:56] Ulf Buermeyer: neue Wohnungen zu bauen für das Geld
[1:01:57] Ulf Buermeyer: oder 240.000 Wohnungen,
[1:01:59] Ulf Buermeyer: die billig vermietet werden können?
[1:02:01] Ulf Buermeyer: Das ist letztlich eine politische
[1:02:03] Ulf Buermeyer: Frage, keine juristische Frage.
[1:02:04] Ulf Buermeyer: Beides hat Vor- und Nachteile.
[1:02:06] Ulf Buermeyer: Ich denke, wie man die Kohle am
[1:02:07] Ulf Buermeyer: sinnvollsten einsetzt, das muss eben
[1:02:09] Ulf Buermeyer: in einem sehr weiten Spektrum der
[1:02:10] Ulf Buermeyer: demokratisch legitimierte
[1:02:11] Ulf Buermeyer: Gesetzgeber entscheiden.
[1:02:13] Ulf Buermeyer: Da wird das Bundesverfassungsgericht
[1:02:14] Ulf Buermeyer: eher nicht reingrätschen.
[1:02:15] Ulf Buermeyer: Trotzdem würde ich mal sagen,
[1:02:17] Ulf Buermeyer: 40.000 bis 80.000 neue Wohnungen,
[1:02:19] Ulf Buermeyer: wenn man das... Ich glaube, das
[1:02:20] Ulf Buermeyer: Problem ist eher, dass die
[1:02:22] Ulf Buermeyer: Kohle für diese 40 bis 80.000
[1:02:24] Ulf Buermeyer: Wohnungen und diesen Neubau in
[1:02:25] Ulf Buermeyer: Berlin natürlich niemand in die Hand
[1:02:26] Ulf Buermeyer: nimmt.
[1:02:27] Ulf Buermeyer: Ich finde eigentlich, glaube ich,
[1:02:29] Ulf Buermeyer: sind 80.000 neue Wohnungen, wenn man
[1:02:30] Ulf Buermeyer: das schafft, oder lassen wir ein
[1:02:31] Ulf Buermeyer: Mittelwert, das sind 60.000 neue
[1:02:33] Ulf Buermeyer: Wohnungen zu so einem Mittelpreis,
[1:02:35] Ulf Buermeyer: also da hätte ich das Gefühl, das
[1:02:36] Ulf Buermeyer: hat einen größeren Effekt auf den
[1:02:38] Ulf Buermeyer: Wohnungsmarkt, als wenn ich 240.000
[1:02:41] Ulf Buermeyer: enteigne, aber auf der anderen Seite
[1:02:43] Ulf Buermeyer: ist das natürlich auch schon die
[1:02:44] Ulf Buermeyer: vierfache Zahl. Und Elif Eralp hat
[1:02:45] Ulf Buermeyer: ja im Interview eben gesagt, sie
[1:02:47] Ulf Buermeyer: rechnen vor allem auch mit dem
[1:02:49] Ulf Buermeyer: preisdämpfenden Effekt auf alle
[1:02:50] Ulf Buermeyer: anderen Wohnungen.
[1:02:51] Philip Banse: Da gibt es auch schon
[1:02:52] Philip Banse: Wohnungswissenschaftler,
[1:02:54] Philip Banse: die das schon auch sagen, dass das
[1:02:55] Philip Banse: passieren kann.
[1:02:57] Ulf Buermeyer: Also Beispiel Wien, ne?
[1:02:58] Philip Banse: Jaja, da gibt es halt einen großen
[1:02:59] Philip Banse: Bestandteil kommunaler Wohnungen.
[1:03:01] Philip Banse: Ca. 40% sind also in
[1:03:03] Philip Banse: Wiener Hand, die halt
[1:03:05] Philip Banse: zu gedeckelten und
[1:03:07] Philip Banse: regulierten Mieten vermietet werden,
[1:03:09] Philip Banse: entsprechend günstig.
[1:03:10] Philip Banse: Und weil es eben diese
[1:03:11] Philip Banse: Billigkonkurrenz gibt, fällt es
[1:03:14] Philip Banse: sehr schwer,
[1:03:16] Philip Banse: viel, viel teurere Wohnungen
[1:03:17] Philip Banse: anzubieten und hat also auch für
[1:03:19] Philip Banse: den Rest eine dämpfende Wirkung.
[1:03:20] Ulf Buermeyer: Und wenn man sich das überlegt,
[1:03:22] Ulf Buermeyer: beide Argumente haben was für sich.
[1:03:24] Ulf Buermeyer: Dieses Argument, das wir gerade im
[1:03:26] Ulf Buermeyer: Interview gehört haben, wir brauchen
[1:03:27] Ulf Buermeyer: möglichst viele Wohnungen, die dann
[1:03:29] Ulf Buermeyer: den Preis insgesamt runterziehen.
[1:03:31] Ulf Buermeyer: Ich finde, das Gegenargument lässt
[1:03:32] Ulf Buermeyer: sich aber auch total gut
[1:03:33] Ulf Buermeyer: formulieren, lass doch lieber 60.000
[1:03:35] Ulf Buermeyer: neue Wohnungen bauen.
[1:03:36] Ulf Buermeyer: Ich könnte mir zum Beispiel
[1:03:37] Ulf Buermeyer: vorstellen, dass das unterm Strich
[1:03:38] Ulf Buermeyer: auch eine Art Kompromiss sein
[1:03:40] Ulf Buermeyer: könnte, dass man einfach sagt, man
[1:03:41] Ulf Buermeyer: nimmt das Geld in die Hand und baut,
[1:03:44] Ulf Buermeyer: man vergesellschaftet jetzt nicht
[1:03:46] Ulf Buermeyer: alle Wohnungen, die man könnte, was
[1:03:47] Ulf Buermeyer: ja auch ein riesen Prozessrisiko mit
[1:03:48] Ulf Buermeyer: sich bringt. Vielleicht greift man
[1:03:50] Ulf Buermeyer: mal exemplarisch auf ein bis zwei
[1:03:51] Ulf Buermeyer: der besonders schlimmen Unternehmen
[1:03:53] Ulf Buermeyer: zu, die auch besonders viele
[1:03:54] Ulf Buermeyer: Mietbeschwerden produzieren und
[1:03:56] Ulf Buermeyer: nimmt nochmal dieselbe Summe in die
[1:03:58] Ulf Buermeyer: Hand, um neue Wohnungen zu bauen.
[1:04:00] Ulf Buermeyer: Vielleicht ist das eine Lösung.
[1:04:02] Philip Banse: Sie hat das ja argumentiert. Sie will das eine, sie will ja auch
[1:04:03] Philip Banse: Sozialwohnungen und kommunale
[1:04:05] Philip Banse: Wohnungen weiter voranbauen, mit
[1:04:06] Philip Banse: welchem Geld auch immer.
[1:04:08] Philip Banse: Aber kommen wir noch mal zu der Frage.
[1:04:09] Philip Banse: Ich meine, das ist ja jetzt heiß
[1:04:10] Philip Banse: diskutiert.
[1:04:12] Philip Banse: Und vor allen Dingen in der Berliner
[1:04:14] Philip Banse: Union, in der Bundes-CDU,
[1:04:17] Philip Banse: regt sich Widerstand und Friedrich
[1:04:18] Philip Banse: Merz hat auch schon angekündigt,
[1:04:20] Philip Banse: also das werden wir nicht zulassen.
[1:04:22] Philip Banse: Wir bereiten ein Gesetz vor, das
[1:04:23] Philip Banse: die Vergesellschaftung von
[1:04:25] Philip Banse: Wohnungseigentum verbietet.
[1:04:27] Philip Banse: Ja, ein Bundesgesetz.
[1:04:28] Ulf Buermeyer: Also Gerüchten zufolge gibt es da
[1:04:29] Ulf Buermeyer: auch bereits intern ein Gesetz, das
[1:04:31] Ulf Buermeyer: abgestimmt wird oder das sogar schon
[1:04:33] Ulf Buermeyer: abgestimmt sein soll, angeblich
[1:04:34] Ulf Buermeyer: zwischen Innenministerium und
[1:04:35] Ulf Buermeyer: Justizministerium, die sich da immer
[1:04:37] Ulf Buermeyer: dann einigen müssen.
[1:04:38] Ulf Buermeyer: Das ist noch nicht öffentlich, also
[1:04:39] Ulf Buermeyer: da können wir bislang nicht
[1:04:40] Ulf Buermeyer: reinschauen. Deswegen können wir die
[1:04:41] Ulf Buermeyer: verfassungsrechtliche Lage jetzt
[1:04:43] Ulf Buermeyer: quasi abstrakt nur analysieren.
[1:04:45] Ulf Buermeyer: Und da kann man sagen, zuständig für
[1:04:46] Ulf Buermeyer: die Gesetzgebung sind grundsätzlich
[1:04:48] Ulf Buermeyer: mal die Länder, solange der Bund
[1:04:49] Ulf Buermeyer: kein Gesetz erlassen hat, weil das
[1:04:51] Ulf Buermeyer: so ein Thema ist der sogenannten
[1:04:52] Ulf Buermeyer: konkurrierenden Gesetzgebungen.
[1:04:53] Ulf Buermeyer: Da kann der Bund quasi zugreifen und
[1:04:55] Ulf Buermeyer: ein Gesetz verlassen.
[1:04:56] Ulf Buermeyer: Solange er das aber nicht getan hat,
[1:04:58] Ulf Buermeyer: können die Länder loslegen.
[1:04:59] Ulf Buermeyer: Das heißt, Stand heute könnte Berlin
[1:05:01] Ulf Buermeyer: ein Gesetz zur Vergesellschaftung
[1:05:03] Ulf Buermeyer: erlassen.
[1:05:04] Ulf Buermeyer: Aber eben der Bund könnte auch eine
[1:05:06] Ulf Buermeyer: Regelung treffen. Aber für den Bund
[1:05:08] Ulf Buermeyer: gelten da bestimmte Anforderungen.
[1:05:09] Ulf Buermeyer: Er kann nicht überall loslegen.
[1:05:10] Philip Banse: Richtig, und das ist geregelt in
[1:05:12] Philip Banse: Artikel 72 des Grundgesetzes.
[1:05:14] Philip Banse: Er kann halt loslegen,
[1:05:17] Philip Banse: wenn eine bundesgesetzliche
[1:05:19] Philip Banse: Regelung zur
[1:05:20] Philip Banse: Herstellung gleichwertiger
[1:05:22] Philip Banse: Lebensverhältnisse oder
[1:05:25] Philip Banse: zur Wahrung der Rechts- bzw.
[1:05:28] Philip Banse: Wirtschaftseinheit im
[1:05:29] Philip Banse: gesamtstaatlichen Interesse
[1:05:31] Philip Banse: erforderlich ist.
[1:05:33] Philip Banse: Also ich verstehe das so, korrigiere
[1:05:35] Philip Banse: mich, der Bund darf mit
[1:05:36] Philip Banse: einem Bundesgesetz Landesrecht
[1:05:38] Philip Banse: brechen oder sich darüber
[1:05:40] Philip Banse: hinwegsetzen, wenn
[1:05:42] Philip Banse: dieses Bundesgesetz dazu
[1:05:43] Philip Banse: dient, die gleichen
[1:05:46] Philip Banse: Lebensverhältnisse im ganzen Land zu
[1:05:48] Philip Banse: sichern oder wenn es erforderlich
[1:05:50] Philip Banse: ist, wenn dieses Gesetz erforderlich
[1:05:51] Philip Banse: ist, um die Wirtschaftseinheit
[1:05:54] Philip Banse: im gesamtstaatlichen
[1:05:56] Philip Banse: Zusammenhang zu sichern.
[1:05:57] Philip Banse: Dieses Gesetz muss dazu erforderlich
[1:05:59] Philip Banse: sein, das sicher zu stellen.
[1:06:00] Ulf Buermeyer: Und wenn ich mir das so angucke,
[1:06:02] Ulf Buermeyer: ich finde das ziemlich schwer zu
[1:06:04] Ulf Buermeyer: begründen, wieso eigentlich
[1:06:05] Ulf Buermeyer: bundesweit das einheitlich
[1:06:07] Ulf Buermeyer: gehandhabt werden muss.
[1:06:08] Ulf Buermeyer: Ist doch eigentlich kein Problem,
[1:06:10] Ulf Buermeyer: wenn in Berlin vergesellschaftet
[1:06:12] Ulf Buermeyer: wird in Bayern aber nicht.
[1:06:13] Philip Banse: Ja dann im Zweifel hauen die
[1:06:14] Philip Banse: Investoren eben aus Berlin ab.
[1:06:16] Philip Banse: Ist dann eben Berlins Problem.
[1:06:18] Ulf Buermeyer: Ich meine mal ganz ehrlich, das wäre
[1:06:20] Ulf Buermeyer: der sogenannte kompetitive
[1:06:22] Ulf Buermeyer: Föderalismus.
[1:06:22] Ulf Buermeyer: Länder experimentieren.
[1:06:24] Ulf Buermeyer: Das ist ja eigentlich der ganze Sinn
[1:06:25] Ulf Buermeyer: auch dieses Föderalismus.
[1:06:27] Ulf Buermeyer: Also neben der Verteilung von Macht
[1:06:28] Ulf Buermeyer: auf verschiedene Ebenen, geht es ja
[1:06:30] Ulf Buermeyer: eben auch darum, dass verschiedene
[1:06:32] Ulf Buermeyer: Bundesländer mal was ausprobieren
[1:06:34] Ulf Buermeyer: können und dann schaut man, was am
[1:06:35] Ulf Buermeyer: besten klappt.
[1:06:36] Philip Banse: Genau, und die wirtschaftliche
[1:06:37] Philip Banse: Einheit des Landes ist
[1:06:39] Philip Banse: dadurch ja nicht gefährdet, dass die
[1:06:40] Philip Banse: das da vergesellschaften wollen.
[1:06:43] Philip Banse: Also da fällt einem jetzt nicht
[1:06:44] Philip Banse: sofort ein, wie der Bund das
[1:06:45] Philip Banse: begründet, dass er da eingreifen
[1:06:46] Philip Banse: muss.
[1:06:46] Ulf Buermeyer: Also das finde ich auch schwierig.
[1:06:48] Ulf Buermeyer: Also ich würde mich zu der These
[1:06:49] Ulf Buermeyer: versteigen, dass der Bund das
[1:06:50] Ulf Buermeyer: vermutlich wohl nicht dürfte.
[1:06:52] Ulf Buermeyer: Einfach weil nicht klar ist, dass
[1:06:53] Ulf Buermeyer: die Frage der Vergesellschaftung und
[1:06:55] Ulf Buermeyer: nicht auch auf Landesebene geklärt
[1:06:57] Ulf Buermeyer: werden kann. Stichwort erforderlich.
[1:06:58] Philip Banse: Aber wenn der Bund, das hat er jetzt
[1:07:00] Philip Banse: offensichtlich vor, trotzdem so ein
[1:07:01] Philip Banse: Gesetz erlässt,
[1:07:03] Philip Banse: dürfte er dann Vergesellschaftung
[1:07:06] Philip Banse: einfach verbieten,
[1:07:09] Philip Banse: also oder muss er irgendwie sagen,
[1:07:11] Philip Banse: also das dürft ihr nicht, aber ihr
[1:07:13] Philip Banse: müsst es so und so machen oder ihr
[1:07:14] Philip Banse: müsst das anders machen oder dürfen
[1:07:15] Philip Banse: die einfach sagen, das geht nicht,
[1:07:17] Philip Banse: danke Ende, tschüss?
[1:07:18] Ulf Buermeyer: Also einfach verbieten geht
[1:07:20] Ulf Buermeyer: nicht, denn damit würde der Bund ja
[1:07:21] Ulf Buermeyer: de facto Artikel 15 des
[1:07:23] Ulf Buermeyer: Grundgesetzes abschaffen und das
[1:07:24] Ulf Buermeyer: wiederum erfordert eine Änderung des
[1:07:26] Ulf Buermeyer: Grundgesetzes. Du kannst nicht einfach
[1:07:27] Ulf Buermeyer: ein Bundesgesetz schreiben, in dem
[1:07:28] Ulf Buermeyer: drin steht, schön was da im
[1:07:29] Ulf Buermeyer: Grundgesetz geregelt ist, das
[1:07:31] Ulf Buermeyer: gilt aber nicht.
[1:07:32] Ulf Buermeyer: Das kann man natürlich machen als
[1:07:33] Ulf Buermeyer: Bund, dann aber muss man das
[1:07:35] Ulf Buermeyer: Grundgesetz formal ändern.
[1:07:36] Philip Banse: Er
[1:07:38] Philip Banse: kann das vielleicht nicht so absolut
[1:07:40] Philip Banse: sagen, geht nicht, was im
[1:07:41] Philip Banse: Grundgesetz steht, aber kann er es
[1:07:43] Philip Banse: vielleicht für einen Teilbereich untersagen?
[1:07:45] Ulf Buermeyer: Genau, das ist nämlich, das ist
[1:07:46] Ulf Buermeyer: tatsächlich ganz spannend.
[1:07:47] Ulf Buermeyer: Wenn man davon ausgeht, dass
[1:07:48] Ulf Buermeyer: überhaupt eine Bundesregelung
[1:07:50] Ulf Buermeyer: erforderlich ist, dann könnte der
[1:07:51] Ulf Buermeyer: Bund natürlich ein
[1:07:53] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftungsgesetz erlassen.
[1:07:55] Ulf Buermeyer: Da könnte aber nicht einfach nur
[1:07:56] Ulf Buermeyer: drinstehen, Vergesellschaftungen von
[1:07:58] Ulf Buermeyer: Wohnungen geht nicht, denn nach der
[1:08:00] Ulf Buermeyer: Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts
[1:08:01] Ulf Buermeyer: müsste der Bund das Thema dann
[1:08:03] Ulf Buermeyer: wirklich regeln, aber ein reines
[1:08:05] Ulf Buermeyer: Sperrgesetz, keine
[1:08:06] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung von Wohnungen,
[1:08:08] Ulf Buermeyer: erfüllt diese Voraussetzungen wohl
[1:08:09] Ulf Buermeyer: nicht. Gibt es auch interessante
[1:08:10] Ulf Buermeyer: Rechtsgutachten von Kanzleien dazu.
[1:08:13] Ulf Buermeyer: Das heißt, dann würde ein solches
[1:08:15] Ulf Buermeyer: Bundesgesetz keine Sperrwirkung
[1:08:16] Ulf Buermeyer: entfalten gegenüber einer
[1:08:18] Ulf Buermeyer: Landesgesetzgebung.
[1:08:19] Ulf Buermeyer: Das heißt mit anderen Worten, wenn
[1:08:20] Ulf Buermeyer: der Bund überhaupt tätig wird,
[1:08:22] Ulf Buermeyer: dann müsste er ein Gesetz erlassen,
[1:08:24] Ulf Buermeyer: das klärt, unter welchen
[1:08:25] Ulf Buermeyer: Voraussetzungen eine
[1:08:26] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung möglich ist.
[1:08:28] Ulf Buermeyer: Also so eine Art Vergesellschaftungsrahmengesetz,
[1:08:30] Ulf Buermeyer: das wäre wohl möglich,
[1:08:32] Ulf Buermeyer: aber ehrlich gesagt würde das ja
[1:08:33] Ulf Buermeyer: auch nur die Anforderungen aus dem
[1:08:35] Ulf Buermeyer: Grundgesetz nochmal wiederholen und
[1:08:37] Ulf Buermeyer: in diesem Rahmen könnten dann die
[1:08:38] Ulf Buermeyer: Länder eigene Gesetze erlassen.
[1:08:40] Ulf Buermeyer: Denn Vergesellschaftung erfordert ja
[1:08:42] Ulf Buermeyer: anders als die Enteignung ein
[1:08:44] Ulf Buermeyer: formelles Gesetz, kann man eben
[1:08:45] Ulf Buermeyer: nicht per Verwaltungsakt, per
[1:08:46] Ulf Buermeyer: Bescheid.
[1:08:47] Ulf Buermeyer: Also ich muss ganz ehrlich sagen...
[1:08:49] Philip Banse: Und die Länder könnten natürlich gegen dieses Gesetz auch klagen.
[1:08:50] Ulf Buermeyer: Richtig, die Länder könnten klagen,
[1:08:53] Ulf Buermeyer: gegen jedes Gesetz, das der Bund auf
[1:08:54] Ulf Buermeyer: diesem Feld trifft, die
[1:08:56] Ulf Buermeyer: sogenannte abstrakte Normenkontrolle
[1:08:58] Ulf Buermeyer: und dann würde eben das
[1:08:59] Ulf Buermeyer: Bundesverfassungsgericht sehr genau
[1:09:01] Ulf Buermeyer: hinschauen, ob es überhaupt eine
[1:09:02] Ulf Buermeyer: bundeseinheitliche Regelung braucht.
[1:09:04] Ulf Buermeyer: Also ich bin wirklich sehr gespannt
[1:09:05] Ulf Buermeyer: auf diesen Gesetzentwurf.
[1:09:07] Ulf Buermeyer: Ich finde, da gibt's nur einen ganz,
[1:09:09] Ulf Buermeyer: ganz, kleinen Spielraum, denn
[1:09:10] Ulf Buermeyer: einfach verbieten, haben wir gesagt,
[1:09:12] Ulf Buermeyer: geht nicht. Der Bund müsste, wenn,
[1:09:14] Ulf Buermeyer: sagen, wie er eine
[1:09:15] Ulf Buermeyer: Vergesellschaftung sich vorstellt.
[1:09:16] Ulf Buermeyer: Und die dürfte natürlich eben auch
[1:09:18] Ulf Buermeyer: nicht so aussehen, dass sie
[1:09:19] Ulf Buermeyer: eigentlich den Artikel 15 an dieser
[1:09:21] Ulf Buermeyer: Stelle mehr oder weniger abschaffen
[1:09:22] Ulf Buermeyer: wollen.
[1:09:23] Ulf Buermeyer: Also ich habe ganz große Zweifel,
[1:09:25] Ulf Buermeyer: ob das der Bund wirklich verbieten
[1:09:26] Ulf Buermeyer: kann. Also das ist politisch ja nun
[1:09:27] Ulf Buermeyer: das Ziel und ich muss ganz ehrlich
[1:09:29] Ulf Buermeyer: sagen, was ich gar nicht verstehe,
[1:09:30] Ulf Buermeyer: ist, wieso die SPD da mitmacht.
[1:09:33] Ulf Buermeyer: Denn wieso macht die SPD
[1:09:35] Ulf Buermeyer: auf Bundesebene da mit?
[1:09:36] Ulf Buermeyer: Lasst doch die Union das doof
[1:09:38] Ulf Buermeyer: finden, damit macht sie es doch der
[1:09:40] Ulf Buermeyer: eigenen Partei in Berlin nur schwer.
[1:09:42] Philip Banse: Das auf jeden Fall, und ich überlege
[1:09:43] Philip Banse: auch gerade,
[1:09:45] Philip Banse: was ist der maximale Schaden
[1:09:47] Philip Banse: dieses Experiments?
[1:09:49] Ulf Buermeyer: In Berlin.
[1:09:50] Philip Banse: Ja, was der maximal Schaden?
[1:09:52] Philip Banse: Also, viel Geld weg.
[1:09:54] Philip Banse: Sie haben hohe Schulden.
[1:09:56] Philip Banse: Also diese Firma, die sie da gründen
[1:09:57] Philip Banse: wollen, die haben hohes Schulden.
[1:09:59] Philip Banse: Und Sie müssen zu viel
[1:10:01] Philip Banse: Entschädigungen zahlen und
[1:10:04] Philip Banse: können die Mieten nicht wirklich
[1:10:05] Philip Banse: senken, ohne dass sie
[1:10:07] Philip Banse: aus dem Haushalt nochmal richtig
[1:10:08] Philip Banse: Geld reinbuttern müssen, um diese
[1:10:10] Philip Banse: Mieten wirklich runterzukriegen.
[1:10:13] Philip Banse: Investoren könnten Reißaus nehmen.
[1:10:15] Philip Banse: Also es könnte eine lange Zeit
[1:10:17] Philip Banse: der Verunsicherung geben, weil sie
[1:10:18] Philip Banse: können das Gesetz ja sofort
[1:10:19] Philip Banse: beschließen und die Vergesellschaftung
[1:10:21] Philip Banse: gelte dann.
[1:10:22] Philip Banse: Ja und sie legen dann auch eine
[1:10:24] Philip Banse: Entschädigung fest, die wird
[1:10:25] Philip Banse: gezahlt, aber es wird halt garantiert
[1:10:26] Philip Banse: vor Gericht landen. Aber bis das
[1:10:27] Philip Banse: dann entschieden ist,
[1:10:29] Philip Banse: würde es unter Investoren natürlich
[1:10:31] Philip Banse: eine große Verunsichung geben.
[1:10:32] Philip Banse: Geht das überhaupt?
[1:10:33] Philip Banse: Werden wir auch vergesellschaftet?
[1:10:35] Philip Banse: Zu welchen Konditionen kann man hier
[1:10:36] Philip Banse: überhaupt bauen und so.
[1:10:37] Philip Banse: Das würde sich sicher über Jahre
[1:10:38] Philip Banse: hinziehen.
[1:10:40] Ulf Buermeyer: Also ich muss ganz ehrlich sagen,
[1:10:41] Ulf Buermeyer: ich finde dieses Argument mit der
[1:10:43] Ulf Buermeyer: Investorenflucht einerseits
[1:10:45] Ulf Buermeyer: plausibel, auf der anderen Seite hat
[1:10:46] Ulf Buermeyer: ja die Elif Eralp eben selber
[1:10:48] Ulf Buermeyer: gesagt, naja, aber so Spekulanten
[1:10:49] Ulf Buermeyer: wollen wir eigentlich auch nicht,
[1:10:50] Ulf Buermeyer: die hier auf maximale Rendite
[1:10:51] Ulf Buermeyer: setzen.
[1:10:52] Philip Banse: Gut, Spekulanten heißt ja so ein
[1:10:53] Philip Banse: bisschen, man kauft was und guckt
[1:10:54] Philip Banse: mal, aber ich meine
[1:10:56] Philip Banse: Wohnungsbauunternehmen, die bauen
[1:10:58] Philip Banse: halt Wohnungen und wollen halt Geld
[1:10:59] Philip Banse: verdienen. So, das finde ich
[1:11:01] Philip Banse: sind noch was anderes als Spekulanten.
[1:11:03] Ulf Buermeyer: Aber das war ja so ein bisschen ihr
[1:11:04] Ulf Buermeyer: Argument, wer damit Geld verdienen
[1:11:06] Ulf Buermeyer: will oder viel Geld verdienen
[1:11:08] Ulf Buermeyer: will und dann auch an die Börse und
[1:11:09] Ulf Buermeyer: so, der ist uns gar nicht so
[1:11:10] Ulf Buermeyer: sympathisch. Also ich muss ganz
[1:11:12] Ulf Buermeyer: ehrlich sagen,
[1:11:14] Ulf Buermeyer: vielleicht ist da einfach was Wahres
[1:11:16] Ulf Buermeyer: dran, was sie sagt, dass diese
[1:11:17] Ulf Buermeyer: privaten Investitionen angesichts
[1:11:19] Ulf Buermeyer: der Mieten, die dann auch gefordert
[1:11:20] Ulf Buermeyer: werden, weit jenseits der 20 Euro
[1:11:22] Ulf Buermeyer: kalt, dass die einfach für
[1:11:24] Ulf Buermeyer: so einen Wohnungsmarkt wie Berlin
[1:11:25] Ulf Buermeyer: letzten Endes auch gar nicht so
[1:11:27] Ulf Buermeyer: wahnsinnig hilfreich sind.
[1:11:28] Ulf Buermeyer: Also das ist
[1:11:30] Ulf Buermeyer: einfach so viel Geld, dass
[1:11:32] Ulf Buermeyer: es den Wohnungsmarkt ja auch nicht
[1:11:33] Ulf Buermeyer: wirklich entlastet.
[1:11:34] Philip Banse: Also ich denke trotzdem,
[1:11:36] Philip Banse: wenn sie da irgendwie 20 Milliarden
[1:11:38] Philip Banse: berappen müssen, um diese Wohnungen
[1:11:39] Philip Banse: zu vergesellschaften,
[1:11:41] Philip Banse: dann scheint mir das trotzdem besser
[1:11:43] Philip Banse: angelegt, wenn Sie sagen, wir bauen
[1:11:44] Philip Banse: einfach 40.000, 50.000 Wohnungen
[1:11:47] Philip Banse: selber.
[1:11:48] Philip Banse: So, sie sagt, sie will auch parallel
[1:11:49] Philip Banse: ja kommunalen Wohnungsbau
[1:11:51] Philip Banse: vorantreiben, aber das muss dann aus
[1:11:52] Philip Banse: dem Haushalt kommen, wo auch wenig
[1:11:53] Philip Banse: Geld da ist.
[1:11:54] Ulf Buermeyer: Oder du machst es halt auch über
[1:11:55] Ulf Buermeyer: diese Gesellschaft.
[1:11:56] Ulf Buermeyer: Das ist ja so ein bisschen der Witz.
[1:11:58] Ulf Buermeyer: Vielleicht sollte man einfach sich
[1:11:59] Ulf Buermeyer: mal trauen, dass tatsächlich
[1:12:01] Ulf Buermeyer: das Land wieder deutlich mehr
[1:12:03] Ulf Buermeyer: Geld in die Hand nimmt für
[1:12:04] Ulf Buermeyer: kommunalen Wohnungsbau.
[1:12:06] Ulf Buermeyer: Das ist natürlich im Prinzip unter
[1:12:07] Ulf Buermeyer: der Schuldenbremse schwierig, aber
[1:12:09] Ulf Buermeyer: wenn du das eben auslagerst in
[1:12:10] Ulf Buermeyer: Gesellschaften, wie das ja auch hier
[1:12:11] Ulf Buermeyer: der Plan ist.
[1:12:12] Ulf Buermeyer: Also ich finde an der ganzen
[1:12:14] Ulf Buermeyer: Diskussion vor allem eins total
[1:12:15] Ulf Buermeyer: spannend, also zum einen dieses
[1:12:17] Ulf Buermeyer: Ausprobieren.
[1:12:18] Ulf Buermeyer: Ich finde, man könnte es ja
[1:12:18] Ulf Buermeyer: zumindest mal versuchen, vielleicht
[1:12:20] Ulf Buermeyer: ist es ein bisschen viel verlangt,
[1:12:21] Ulf Buermeyer: gleich acht Gesellschaften.
[1:12:22] Ulf Buermeyer: Ich hätte ja gesagt, eine.
[1:12:23] Ulf Buermeyer: Nämlich die mit dem schlechtesten
[1:12:25] Ulf Buermeyer: Mieterschutz, das lässt sich
[1:12:26] Ulf Buermeyer: vermutlich relativ klar feststellen,
[1:12:28] Ulf Buermeyer: welche das ist.
[1:12:28] Ulf Buermeyer: Und dann schaut man einfach mal,
[1:12:30] Ulf Buermeyer: welchen Effekt das hat und vor allem
[1:12:31] Ulf Buermeyer: klagt man das dann mal durch.
[1:12:32] Ulf Buermeyer: Und dann hat man einmal Klarheit
[1:12:34] Ulf Buermeyer: dafür. Ich finde das als Experiment
[1:12:36] Ulf Buermeyer: potentiell so wertvoll
[1:12:38] Ulf Buermeyer: für den Wohnungsmarkt, dass ich das
[1:12:40] Ulf Buermeyer: interessant fände.
[1:12:41] Ulf Buermeyer: Aber ich glaube letzten Endes geht
[1:12:42] Ulf Buermeyer: natürlich an Wohnungsbau kein
[1:12:44] Ulf Buermeyer: Weg vorbei.
[1:12:45] Philip Banse: So jetzt haben wir also über die
[1:12:47] Philip Banse: Ergebnisse konkret in
[1:12:49] Philip Banse: Mecklenburg-Vorpommern und vor allen
[1:12:50] Philip Banse: Dingen in Berlin viel geredet,
[1:12:52] Philip Banse: aber das Ganze hat natürlich auch
[1:12:53] Philip Banse: Auswirkungen auf den Bund.
[1:12:55] Philip Banse: Wir haben in der letzten
[1:12:56] Philip Banse: Lageausgabe,
[1:12:58] Philip Banse: Fans werden sich erinnern, gesagt-
[1:13:00] Ulf Buermeyer: Das war 493.
[1:13:00] Philip Banse: Also
[1:13:04] Philip Banse: in Sachen Friedrich Merz, wenn die
[1:13:06] Philip Banse: CDU in Mecklenburg-Vorpommern unter
[1:13:07] Philip Banse: Fünf Prozent fällt, dann muss sich
[1:13:08] Philip Banse: Merz einiges einfallen
[1:13:10] Philip Banse: lassen, um Kanzler zu bleiben,
[1:13:11] Philip Banse: well... hat er.
[1:13:13] Friedrich Merz: Was jetzt zu tun ist,
[1:13:15] Friedrich Merz: erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit
[1:13:18] Friedrich Merz: und Geduld.
[1:13:19] Friedrich Merz: Ich werde das aufbringen, als
[1:13:21] Friedrich Merz: Parteivorsitzender der CDU und vor
[1:13:23] Friedrich Merz: allem als Bundeskanzler unseres
[1:13:25] Friedrich Merz: Landes.
[1:13:27] Philip Banse: Bevor die ersten quasi wieder
[1:13:28] Philip Banse: Luft geholt haben, nach der
[1:13:30] Philip Banse: Bekanntgabe der oder der Prognose,
[1:13:36] Philip Banse: meldete sich Friedrich Merz live im
[1:13:38] Philip Banse: Fernsehen zu Wort und alle dachten,
[1:13:39] Philip Banse: jetzt tritt er zurück, aber nein, er
[1:13:41] Philip Banse: trat an, um zu sagen, ich bin
[1:13:42] Philip Banse: übrigens Vorsitzender, ich bleibe
[1:13:43] Philip Banse: Vorsitzender, ich bin Kanzler, ich
[1:13:44] Philip Banse: bleiben Kanzler, es muss
[1:13:46] Philip Banse: weitergehen.
[1:13:47] Philip Banse: Herzliche Grüße, acht Minuten oder
[1:13:48] Philip Banse: was hat er geredet?
[1:13:49] Ulf Buermeyer: Ja, Ricarda Lang von den Grünen hat
[1:13:50] Ulf Buermeyer: ihm gleich einen eingeschenkt und
[1:13:52] Ulf Buermeyer: kritisiert, da habe, Zitat,
[1:13:54] Ulf Buermeyer: gerade kein Kanzler gesprochen,
[1:13:55] Ulf Buermeyer: sondern ein CDU-Vorsitzender, der
[1:13:57] Ulf Buermeyer: versucht, Personaldebatten in seiner
[1:13:59] Ulf Buermeyer: eigenen Partei zu verhindern.
[1:14:00] Philip Banse: Ja, was soll ich sagen?
[1:14:01] Philip Banse: Es hat geklappt, zumindest bisher,
[1:14:03] Philip Banse: denn jetzt hat es
[1:14:04] Philip Banse: Präsidiumssitzungen gegeben, es hat
[1:14:05] Philip Banse: die Fraktionssitzung gegeben und
[1:14:07] Philip Banse: ja, gab ein paar Widerworte,
[1:14:09] Philip Banse: aber bisher steht
[1:14:11] Philip Banse: Merz überraschend, würde
[1:14:13] Philip Banse: ich sagen, unangefochten an
[1:14:15] Philip Banse: der Spitze von Partei und Republik,
[1:14:17] Philip Banse: weil es einfach bisher keine,
[1:14:20] Philip Banse: ich würde mal sagen, mitreißenden
[1:14:22] Philip Banse: Alternativen gibt und keiner hebt
[1:14:24] Philip Banse: den Finger und probt den Aufstand.
[1:14:25] Ulf Buermeyer: Ja, wir haben ja auch sehr deutlich
[1:14:26] Ulf Buermeyer: gesagt, das Personal ist vielleicht
[1:14:28] Ulf Buermeyer: gar nicht die spannende Frage.
[1:14:29] Ulf Buermeyer: Die viel spannendere Frage ist, wie
[1:14:31] Ulf Buermeyer: reagiert die Union, wie reagiert
[1:14:33] Ulf Buermeyer: die Koalition inhaltlich?
[1:14:35] Ulf Buermeyer: Friedrich Merz jedenfalls hat sich
[1:14:37] Ulf Buermeyer: eigentlich entschieden, gar nicht zu
[1:14:39] Ulf Buermeyer: reagieren.
[1:14:39] Philip Banse: Ja, er sagt, diese Reformen müssen
[1:14:41] Philip Banse: weitergehen. Wir müssen das jetzt
[1:14:42] Philip Banse: durchziehen.
[1:14:44] Philip Banse: Und dann ist was absolut
[1:14:46] Philip Banse: Überraschendes passiert.
[1:14:47] Philip Banse: Da sind, glaube ich, viele aus allen
[1:14:49] Philip Banse: Wolken gefallen.
[1:14:51] Philip Banse: Ich glaube nach der
[1:14:52] Philip Banse: Präsidiumssitzung oder nach der
[1:14:53] Philip Banse: Fraktionssitzung, ich weiß nicht
[1:14:54] Philip Banse: mehr genau wann, jedenfalls hat es
[1:14:55] Philip Banse: eine Pressekonferenz gestern
[1:14:56] Philip Banse: gegeben.
[1:14:58] Philip Banse: Da hat er sich hingestellt und wurde
[1:14:59] Philip Banse: ja gefragt von einer Kollegin, ja,
[1:15:00] Philip Banse: Sie sagen immer, ungerecht,
[1:15:02] Philip Banse: ungerecht, ungerecht, muss gerechter
[1:15:03] Philip Banse: zugehen. Was meinen Sie denn genau?
[1:15:05] Philip Banse: Und dann fing er an zu reden
[1:15:07] Philip Banse: über die gesetzliche
[1:15:09] Philip Banse: Krankenversicherung.
[1:15:11] Friedrich Merz: Und wenn in der Bevölkerung sich der
[1:15:12] Friedrich Merz: Eindruck verfestigt,
[1:15:15] Friedrich Merz: dass diejenigen, die privatversichert
[1:15:17] Friedrich Merz: sind, sofort jede Leistung bekommen
[1:15:19] Friedrich Merz: und diejenigen die gesetzlich
[1:15:20] Friedrich Merz: krankenversichert sind, Wochen und
[1:15:21] Friedrich Merz: Monate darauf warten müssen, dann
[1:15:23] Friedrich Merz: ist das genau ein solches
[1:15:25] Friedrich Merz: Gerechtigkeitsproblem.
[1:15:26] Friedrich Merz: Wir sehen das Problem, wir haben in
[1:15:28] Friedrich Merz: der Koalition verabredet,
[1:15:31] Friedrich Merz: dass wir die Entscheidungen in der
[1:15:32] Friedrich Merz: gesetzlichen Krankenversicherung
[1:15:34] Friedrich Merz: wirkungsgleich auch auf die private
[1:15:36] Friedrich Merz: Krankenversicherung übertragen und
[1:15:38] Friedrich Merz: das haben wir bis jetzt nicht
[1:15:39] Friedrich Merz: gemacht.
[1:15:40] Friedrich Merz: So und das werden wir nachholen
[1:15:41] Friedrich Merz: müssen.
[1:15:44] Ulf Buermeyer: Er sieht da tatsächlich
[1:15:45] Ulf Buermeyer: unterschiedliche Leistung in der privaten und
[1:15:46] Ulf Buermeyer: in der gesetzlichen
[1:15:47] Ulf Buermeyer: Krankenversicherung, sieht da auch
[1:15:49] Ulf Buermeyer: durchaus ein Problem, aber dann
[1:15:51] Ulf Buermeyer: geht er ja noch einen großen Schritt
[1:15:52] Ulf Buermeyer: weiter.
[1:15:53] Friedrich Merz: Das Problem reicht aber sehr
[1:15:55] Friedrich Merz: viel tiefer.
[1:15:56] Friedrich Merz: Karl-Josef Laumann, mit dem ich, wie
[1:15:58] Friedrich Merz: Sie vermutlich wissen, seit vielen
[1:16:00] Friedrich Merz: Jahrzehnten befreundet bin,
[1:16:02] Friedrich Merz: hat heute Morgen noch einmal darauf
[1:16:03] Friedrich Merz: hingewiesen, dass dieses
[1:16:05] Friedrich Merz: Nebeneinander von privater und
[1:16:07] Friedrich Merz: gesetzlicher Krankenversicherung,
[1:16:09] Friedrich Merz: genauso wie von privater und
[1:16:10] Friedrich Merz: gesetztlicher Pflegeversicherung ein
[1:16:12] Friedrich Merz: erhebliches Problem auslöst im
[1:16:14] Friedrich Merz: Gerechtigkeitsempfinden der
[1:16:15] Friedrich Merz: Bevölkerung.
[1:16:16] Friedrich Merz: Es gibt gute Gründe für beide
[1:16:18] Friedrich Merz: Systeme.
[1:16:19] Friedrich Merz: Aber wenn die Bevölkerung das als
[1:16:20] Friedrich Merz: ein so massives Problem ansieht und
[1:16:22] Friedrich Merz: ich teile die Einschätzung, dann
[1:16:23] Friedrich Merz: müssen wir daran etwas ändern und
[1:16:25] Friedrich Merz: genau darüber werden wir reden.
[1:16:28] Philip Banse: Also eben hat er noch über Leistungsunterschiede
[1:16:29] Philip Banse: geredet. Hier sagt er, das
[1:16:31] Philip Banse: Nebeneinander von privater und
[1:16:33] Philip Banse: gesetzlicher Krankenversicherung sei
[1:16:34] Philip Banse: ein erhebliches
[1:16:35] Philip Banse: Gerechtigkeitsproblem.
[1:16:37] Philip Banse: Er teile diese Einschätzung.
[1:16:39] Philip Banse: Daran müsse man etwas ändern.
[1:16:41] Philip Banse: Und also ganz im Ernst, man kann
[1:16:43] Philip Banse: das nicht anders verstehen als
[1:16:45] Philip Banse: Friedrich Merz denkt hier darüber
[1:16:47] Philip Banse: nach, die private
[1:16:48] Philip Banse: Krankenversicherung so wie wir sie
[1:16:50] Philip Banse: kennen abzuschaffen und sowas wie
[1:16:51] Philip Banse: eine Bürgerversicherung zu machen.
[1:16:52] Ulf Buermeyer: Genau, also das war jedenfalls
[1:16:54] Ulf Buermeyer: zunächst mal die Wahrnehmung.
[1:16:55] Ulf Buermeyer: Die Leute rieben sich Augen und
[1:16:56] Ulf Buermeyer: Ohren, konnten es alle nicht
[1:16:57] Ulf Buermeyer: glauben.
[1:16:58] Ulf Buermeyer: Also Bürgerversicherung, dass also
[1:16:59] Ulf Buermeyer: gesetzliche und private
[1:17:00] Ulf Buermeyer: Krankenversicherungen zusammengelegt
[1:17:02] Ulf Buermeyer: werden.
[1:17:03] Ulf Buermeyer: Das will jetzt wirklich Friedrich
[1:17:05] Ulf Buermeyer: Merz ohne irgendeine Abstimmung in
[1:17:07] Ulf Buermeyer: der Partei einfach mal so
[1:17:09] Ulf Buermeyer: nach den Landtagswahlen?
[1:17:11] Ulf Buermeyer: Naja, eine Pressesprecherin und auch
[1:17:13] Ulf Buermeyer: der neue Unionsfraktionschef
[1:17:14] Ulf Buermeyer: Thorsten Frei haben dann also
[1:17:16] Ulf Buermeyer: innerhalb weniger Minuten hinterher
[1:17:18] Ulf Buermeyer: Statements abgegeben und Nein, nein,
[1:17:20] Ulf Buermeyer: nein! Wollten das alles wieder
[1:17:21] Ulf Buermeyer: einfangen.
[1:17:22] Ulf Buermeyer: Und dann haben Sie das so geframed,
[1:17:23] Ulf Buermeyer: dass dann so, es soll nur
[1:17:25] Ulf Buermeyer: sichergestellt werden, dass auch
[1:17:26] Ulf Buermeyer: Leute in der gesetzlichen
[1:17:27] Ulf Buermeyer: Krankenversicherung Zitat schnell
[1:17:29] Ulf Buermeyer: einen Termin beim Facharzt bekommen,
[1:17:31] Ulf Buermeyer: als sei es bei Friedrich Merz'
[1:17:32] Ulf Buermeyer: Statement nur um Facharztermine
[1:17:34] Ulf Buermeyer: gegangen.
[1:17:36] Philip Banse: Also da muss ich sagen, verarschen,
[1:17:37] Philip Banse: kann ich mich alleine.
[1:17:39] Philip Banse: Wenn Friedrich Merz sich dahinstellt
[1:17:40] Philip Banse: und das sagt, was er gesagt
[1:17:42] Philip Banse: hat, was wir eben gehört haben,
[1:17:44] Philip Banse: dann und dann zu sagen, das
[1:17:46] Philip Banse: meinte der gar
[1:17:48] Philip Banse: nicht so. Er sagt PKV und GKV,
[1:17:51] Philip Banse: das nebeneinander ist ein
[1:17:52] Philip Banse: erhebliches Problem.
[1:17:53] Philip Banse: Was er meinte, sind die
[1:17:54] Philip Banse: Terminvergaben an private
[1:17:56] Philip Banse: Patienten, dass die schneller einen
[1:17:57] Philip Banse: Termin bekommen als die gesetzlich
[1:17:59] Philip Banse: Versicherten.
[1:18:00] Philip Banse: Verarschen kann ich nicht alleine.
[1:18:01] Philip Banse: Friedrich Merz hat sich
[1:18:02] Philip Banse: dahingestellt und warum
[1:18:04] Philip Banse: auch immer,
[1:18:06] Philip Banse: völlig unabgesprochen dieses Fass
[1:18:08] Philip Banse: aufgemacht und gesagt, ach ja,
[1:18:11] Philip Banse: also diese Wahlen, das ist ja nicht
[1:18:12] Philip Banse: so richtig gut gelaufen, da scheint
[1:18:13] Philip Banse: es da so eine Gerechtigkeitsdebatte
[1:18:14] Philip Banse: zu geben, was könnte man da machen?
[1:18:16] Philip Banse: Ach, mein Kumpel Laumann aus NRW,
[1:18:18] Philip Banse: der Gesundheitsminister, der alte
[1:18:19] Philip Banse: Sozi in der CDU,
[1:18:20] Philip Banse: der sagte, da gibt es ein Problem
[1:18:22] Philip Banse: mit der PKV, das finden die Leute
[1:18:23] Philip Banse: ungerecht. Das haue ich jetzt mal raus.
[1:18:26] Ulf Buermeyer: Die unterschiedlichen
[1:18:28] Ulf Buermeyer: Leistungen werden von den Menschen
[1:18:29] Ulf Buermeyer: als ungerecht wahrgenommen
[1:18:32] Ulf Buermeyer: und diese Einschätzung teile ich.
[1:18:33] Ulf Buermeyer: Was soll man dazu noch sagen?
[1:18:34] Philip Banse: Was soll man dazu sagen?
[1:18:35] Ulf Buermeyer: Und Leistungen sind eben nicht nur
[1:18:36] Ulf Buermeyer: Termine, das geht von Einzelzimmer
[1:18:38] Ulf Buermeyer: über Chefarztbehandlung bis zu
[1:18:40] Ulf Buermeyer: besserem Zahnersatz.
[1:18:41] Philip Banse: Und auch Termine.
[1:18:43] Philip Banse: Ja, sicherlich auch, aber das ist
[1:18:44] Philip Banse: ein winziger
[1:18:46] Philip Banse: Ausschnitt. Also wenn ihr mir da
[1:18:49] Philip Banse: jetzt erzählen wollt, Friedrich
[1:18:51] Philip Banse: Merz ging es darum, dass gesetzlich
[1:18:52] Philip Banse: Versicherte schneller oder genauso
[1:18:53] Philip Banse: schnell einen Termin kriegen wie
[1:18:54] Philip Banse: Privatpatienten.
[1:18:56] Philip Banse: Wie gesagt, verarschen kann ich mich
[1:18:57] Philip Banse: alleine. Ihr habt einfach einen
[1:18:58] Philip Banse: Kanzler, der mal was rausgehauen
[1:19:00] Philip Banse: hat und dann sind Herrscharen von
[1:19:01] Philip Banse: Beratern hinterher losgeschickt
[1:19:03] Philip Banse: worden, Pressesprecher, wie fangen
[1:19:05] Philip Banse: wir das jetzt bitte wieder ein?
[1:19:06] Ulf Buermeyer: Ja, und dann haben sie sich diesen
[1:19:07] Ulf Buermeyer: Kniff überlegt, es sei ja um die
[1:19:09] Ulf Buermeyer: Termine gegangen.
[1:19:10] Ulf Buermeyer: Na, also, man muss es so sehen, Merz
[1:19:11] Ulf Buermeyer: tritt mal wieder eine Debatte los,
[1:19:13] Ulf Buermeyer: die er gar nicht starten wollte,
[1:19:15] Ulf Buermeyer: denn er merkt, dass sehr viele
[1:19:16] Ulf Buermeyer: Menschen in Deutschland diese
[1:19:17] Ulf Buermeyer: Zwei-Klassen-Medizin eben zwischen
[1:19:19] Ulf Buermeyer: GKV und PKV ablehnen.
[1:19:21] Ulf Buermeyer: Nebenbei, das weiß auch die PKV
[1:19:23] Ulf Buermeyer: ganz genau, dass das nicht mehr
[1:19:25] Ulf Buermeyer: funktioniert. Seit Wochen sehe ich
[1:19:26] Ulf Buermeyer: nämlich in politischen Newslettern
[1:19:28] Ulf Buermeyer: immer so...
[1:19:29] Ulf Buermeyer: Propaganda von den PKVs,
[1:19:31] Ulf Buermeyer: da werden irgendwelche süßen Babys
[1:19:32] Ulf Buermeyer: gezeigt und gesagt, oh ja, deine
[1:19:34] Ulf Buermeyer: Babys werden sich bedanken, wenn du
[1:19:36] Ulf Buermeyer: sie privat versicherst.
[1:19:37] Philip Banse: Ich sage es mal, ich sage es mal,
[1:19:39] Philip Banse: ich habe früher beim Deutschlandfunk
[1:19:40] Philip Banse: gearbeitet, auch Sendungen
[1:19:41] Philip Banse: moderiert. Da ging es auch mal in so
[1:19:42] Philip Banse: einer Sendung um gesetzliche
[1:19:44] Philip Banse: Krankenversicherung, Krankenversicherungen
[1:19:45] Philip Banse: insgesamt. Da war auch ein Vertreter
[1:19:46] Philip Banse: der privaten Krankenversichung da.
[1:19:48] Philip Banse: Und da ging es natürlich immer um
[1:19:49] Philip Banse: die Frage, ja, was bieten
[1:19:51] Philip Banse: Sie denn mehr?
[1:19:52] Philip Banse: Was ist denn das, was Sie bieten
[1:19:54] Philip Banse: und so?
[1:19:55] Philip Banse: Und bei mir ist da wirklich
[1:19:57] Philip Banse: der Eindruck hängen geblieben, da
[1:19:58] Philip Banse: kam sehr, sehr wenig bis
[1:20:00] Philip Banse: gar nichts.
[1:20:01] Ulf Buermeyer: Die Ärzte verdienen halt besser.
[1:20:03] Ulf Buermeyer: Das ist der zentrale Grund.
[1:20:04] Philip Banse: Die Ärzte verdienen besser, deswegen
[1:20:06] Philip Banse: gehen die natürlich auch auf die
[1:20:07] Philip Banse: Palme, wenn sie das hören.
[1:20:08] Philip Banse: Die Lösung wäre natürlich, natürlich
[1:20:10] Philip Banse: verdienen die besser, natürlich
[1:20:11] Philip Banse: müssen sie ihren Honorarausfall
[1:20:13] Philip Banse: irgendwie ersetzt bekommen
[1:20:15] Philip Banse: wahrscheinlich.
[1:20:15] Philip Banse: Bei so einer Bürgerversicherung,
[1:20:17] Philip Banse: wenn wirklich alle in eine
[1:20:18] Philip Banse: Versicherung einbezahlen und alle
[1:20:19] Philip Banse: daraus ihre Leistungen auch beziehen
[1:20:21] Philip Banse: und dann eine private
[1:20:23] Philip Banse: Krankenversicherung sowas wäre wie
[1:20:24] Philip Banse: eine Zusatzversicherung.
[1:20:25] Philip Banse: Ja, du willst irgendwie
[1:20:26] Philip Banse: Chefarztbehandlung, na gut, dann
[1:20:27] Philip Banse: machst du halt eine Zusatzversicherung
[1:20:28] Philip Banse: für Chefarztbehandlung.
[1:20:29] Ulf Buermeyer: Also das wäre ja natürlich
[1:20:30] Ulf Buermeyer: das Konzept, dass es eine
[1:20:32] Ulf Buermeyer: Einheitsversicherung, diese
[1:20:33] Ulf Buermeyer: Bürgerversicherung gäbe und
[1:20:34] Ulf Buermeyer: natürlich könnte man dann immer noch
[1:20:36] Ulf Buermeyer: privat was zusatzversichern.
[1:20:37] Ulf Buermeyer: Also ich sag mal eine völlige
[1:20:38] Ulf Buermeyer: Gleichheit würde das sicherlich auch
[1:20:40] Ulf Buermeyer: nicht bringen, aber es wäre ja
[1:20:41] Ulf Buermeyer: durchaus möglich diese
[1:20:42] Ulf Buermeyer: Vereinheitlichung jedenfalls so
[1:20:44] Ulf Buermeyer: auszugestalten, dass die Ärztinnen
[1:20:45] Ulf Buermeyer: und Ärzte nicht unterm Strich
[1:20:47] Ulf Buermeyer: weniger Geld verdienen.
[1:20:48] Ulf Buermeyer: Also das ist, glaube ich, schon ein
[1:20:49] Ulf Buermeyer: legitimes Anliegen aus der
[1:20:50] Ulf Buermeyer: Ärzteschaft, die halt einfach sagen,
[1:20:52] Ulf Buermeyer: nur von der GKV läuft der
[1:20:54] Ulf Buermeyer: Laden nicht und nicht umsonst gibt
[1:20:55] Ulf Buermeyer: es natürlich inzwischen auch viele
[1:20:56] Ulf Buermeyer: Praxen, gerade zum Beispiel im
[1:20:57] Ulf Buermeyer: Bereich Psychotherapie, die sich
[1:20:59] Ulf Buermeyer: völlig ausgeklinkt haben aus dem
[1:21:00] Ulf Buermeyer: gesetzlichen System.
[1:21:01] Ulf Buermeyer: Aber ich finde jedenfalls, ich finde
[1:21:03] Ulf Buermeyer: es einfach total interessant.
[1:21:04] Ulf Buermeyer: Merz merkt einfach, viele Menschen
[1:21:06] Ulf Buermeyer: lehnen diese de facto
[1:21:07] Ulf Buermeyer: Zwei-Klassen-Medizin ab und das
[1:21:09] Ulf Buermeyer: könnte er nun zum Anlass nehmen.
[1:21:11] Ulf Buermeyer: Das wäre ja auch cool,
[1:21:13] Ulf Buermeyer: wirklich ein Ende dieser zwei
[1:21:14] Ulf Buermeyer: Systeme quasi par ordre di mufti
[1:21:17] Ulf Buermeyer: zu verkünden und dann zu sagen,
[1:21:18] Ulf Buermeyer: jetzt kämpfe ich dafür, jetzt suche
[1:21:20] Ulf Buermeyer: ich mir eine Mehrheit.
[1:21:21] Ulf Buermeyer: Denn er hat ja einen Punkt.
[1:21:22] Ulf Buermeyer: Also dieses, ich sag jetzt mal
[1:21:24] Ulf Buermeyer: separate but equal, also wir haben
[1:21:26] Ulf Buermeyer: zwei Systeme und die sollen
[1:21:27] Ulf Buermeyer: angeblich dieselben Leistungen
[1:21:28] Ulf Buermeyer: bringen, das hat noch nie
[1:21:30] Ulf Buermeyer: funktioniert. Insofern hätte er ja einen Punkt.
[1:21:32] Philip Banse: Nein, das wäre ein absolutes, klar,
[1:21:34] Philip Banse: ich finde auch ein absolut sich
[1:21:35] Philip Banse: lohnendes Projekt. Es ist nur
[1:21:37] Philip Banse: überhaupt nicht abgesprochen.
[1:21:38] Philip Banse: Das wird auch, wie gesagt, wir haben
[1:21:40] Philip Banse: die Reaktion der Pressesprecher
[1:21:41] Philip Banse: gesehen, sofort eingefangen.
[1:21:44] Philip Banse: Nichts wird daraus erwachsen,
[1:21:46] Philip Banse: außer totale Verwirrung.
[1:21:47] Philip Banse: Und wie ist das entstanden?
[1:21:49] Philip Banse: Na ja, es gab diese Wahlen und
[1:21:51] Philip Banse: was man ja sagen muss ist, in dieser
[1:21:52] Philip Banse: ganzen Debatte, auch in der Union,
[1:21:54] Philip Banse: da
[1:21:56] Philip Banse: häuft sich der Gebrauch des
[1:21:58] Philip Banse: Wortes Gerechtigkeit.
[1:22:00] Philip Banse: Also Markus Söder redet von einem
[1:22:01] Philip Banse: Gerechtigkeitscheck.
[1:22:02] Philip Banse: Und Gerechtigkeit, Gerechtigkeit,
[1:22:03] Philip Banse: Gerechtigkeit. Irgendwie schwant
[1:22:05] Philip Banse: allen, es geht um Gerechtigkeit.
[1:22:06] Philip Banse: Bei den Wahlen ging es um Gerechtigheit.
[1:22:07] Philip Banse: Wir brauchen irgendwie Antworten auf
[1:22:08] Philip Banse: diese Gerechtigkeitsfrage.
[1:22:10] Philip Banse: Und deswegen kocht
[1:22:12] Philip Banse: jetzt wieder diese Debatte hoch, was
[1:22:14] Philip Banse: sollen wir eigentlich mit diesen
[1:22:15] Philip Banse: Reformen machen?
[1:22:17] Philip Banse: Mit diesen Sozialreformen.
[1:22:18] Philip Banse: Pflege, Rente, Steuern,
[1:22:21] Philip Banse: Krankenversicherung und so weiter.
[1:22:22] Ulf Buermeyer: Ja, und da gibt es ehrlich gesagt
[1:22:23] Ulf Buermeyer: einen ziemlich bunten Chor.
[1:22:25] Ulf Buermeyer: Also Tim Klüssendorf,
[1:22:26] Ulf Buermeyer: Generalsekretär der SPD, hat
[1:22:28] Ulf Buermeyer: mehrfach deutlich gemacht, weiter so
[1:22:30] Ulf Buermeyer: kann es nicht geben, vor allem bei
[1:22:31] Ulf Buermeyer: Einsparungen im Sozialbereich, aber
[1:22:33] Ulf Buermeyer: bislang hat er das soweit, ich weiß,
[1:22:35] Ulf Buermeyer: nicht mit konkreten Forderungen
[1:22:36] Ulf Buermeyer: verbunden. Ähnliche Untertöne kamen
[1:22:38] Ulf Buermeyer: sogar, wenn auch vereinzelt, aber
[1:22:39] Ulf Buermeyer: immerhin auch aus der Union, so zum
[1:22:41] Ulf Buermeyer: Beispiel die Bildungsministerin
[1:22:43] Ulf Buermeyer: und CDU-Vize Karin Prien sagte
[1:22:45] Ulf Buermeyer: im Deutschlandfunk ebenfalls so was.
[1:22:46] Ulf Buermeyer: Ganz so wie geplant werden wir das
[1:22:48] Ulf Buermeyer: nicht umsetzen können.
[1:22:49] Ulf Buermeyer: Die Frage ist natürlich immer,
[1:22:50] Ulf Buermeyer: welche Änderung könnte es denn
[1:22:51] Ulf Buermeyer: tatsächlich geben an diesem Paket?
[1:22:54] Philip Banse: Das offensichtliche Diskussionsding
[1:22:55] Philip Banse: ist jetzt diese sogenannte Rente mit
[1:22:57] Philip Banse: 63.
[1:22:58] Philip Banse: Also das bedeutet,
[1:23:00] Philip Banse: wer 45 Jahre eingezahlt hat,
[1:23:04] Philip Banse: kann früher mal mit 63, heute mit 64
[1:23:06] Philip Banse: und acht Monaten in Rente
[1:23:08] Philip Banse: gehen und zwar ohne Abschläge.
[1:23:09] Philip Banse: Natürlich kann jeder mit 64 in Rente
[1:23:11] Philip Banse: gehen oder jede, muss aber in
[1:23:13] Philip Banse: der Regel irgendwie ein paar Prozent
[1:23:15] Philip Banse: Abschlag von der Rente dann haben.
[1:23:16] Philip Banse: Es sei denn, du hast 45 Jahre
[1:23:18] Philip Banse: gearbeitet, dann kannst du in Rente
[1:23:19] Philip Banse: gehen ohne Abschläge.
[1:23:20] Philip Banse: Das ist extrem populär.
[1:23:22] Philip Banse: 30 Prozent der Rentner,
[1:23:23] Philip Banse: Rentnerinnen, die heute in Rente
[1:23:24] Philip Banse: gehen, die machen das, und
[1:23:26] Philip Banse: zwar ...
[1:23:26] Ulf Buermeyer: Aber es belastet halt die Rentenkasse.
[1:23:28] Philip Banse: Es belastet die Rentenkasse.
[1:23:29] Philip Banse: Es kostet 10 Milliarden jedes Jahr.
[1:23:31] Philip Banse: Und das war mal gedacht für, das
[1:23:32] Philip Banse: sind Malocher, Dachdecker, Maurer,
[1:23:34] Philip Banse: keine Ahnung, die haben 45 Jahre
[1:23:35] Philip Banse: eingezahlt.
[1:23:37] Ulf Buermeyer: Die haben halt Rücken.
[1:23:37] Philip Banse: So, die sollen reingehen. Wir wissen
[1:23:38] Philip Banse: alle, das ist nicht
[1:23:40] Philip Banse: die Realität. Diese Rente mit 63,
[1:23:42] Philip Banse: 64 ist ein Privileg,
[1:23:44] Philip Banse: ein Bonus mittlerweile für
[1:23:46] Philip Banse: Arbeitnehmer mit relativ
[1:23:48] Philip Banse: hohen Renten.
[1:23:49] Philip Banse: Das sind in erster Linie gesunde
[1:23:51] Philip Banse: Männer, die Bürojobs hatten
[1:23:53] Philip Banse: und die gut verdient haben und
[1:23:55] Philip Banse: die nehmen das halt mit.
[1:23:57] Philip Banse: Und das ist natürlich im Osten
[1:23:59] Philip Banse: besonders wichtig, weil da weniger
[1:24:00] Philip Banse: Leute studiert haben.
[1:24:01] Philip Banse: Mehr haben eine Ausbildung gemacht.
[1:24:02] Philip Banse: Du musst halt dann mit 16, 17
[1:24:04] Philip Banse: anfangen zu arbeiten, damit du
[1:24:05] Philip Banse: überhaupt auf diese 45 Jahre kommst.
[1:24:07] Philip Banse: Das ist in der DDR mehr passiert als
[1:24:09] Philip Banse: im Westen. Deswegen spielt die Rente
[1:24:11] Philip Banse: da abschlagsfrei nach 45 Jahren
[1:24:13] Philip Banse: eine größere Rolle.
[1:24:14] Philip Banse: Es ist auch enorm beliebt.
[1:24:15] Philip Banse: Die ARD hat jetzt eine Umfrage
[1:24:16] Philip Banse: gemacht, 75% der Befragten
[1:24:18] Philip Banse: sagten, dass diese Rente nicht
[1:24:20] Philip Banse: abgeschafft werden soll, auch wenn
[1:24:22] Philip Banse: die Rentenbeiträge steigen müssen.
[1:24:23] Philip Banse: Da würde ich sagen, natürlich sagen
[1:24:25] Philip Banse: die das, weil die nämlich die
[1:24:27] Philip Banse: jüngeren Leute zahlen, diese höheren
[1:24:28] Philip Banse: Renten.
[1:24:28] Ulf Buermeyer: Gut, aber in den 75% sind natürlich
[1:24:30] Ulf Buermeyer: offensichtlich auch jüngere Leute
[1:24:31] Ulf Buermeyer: drin.
[1:24:31] Philip Banse: Und das zeigt mir nur, dass sie das
[1:24:33] Philip Banse: nicht lesen. Ich glaube, die
[1:24:35] Philip Banse: allerallermeisten Leute wissen
[1:24:36] Philip Banse: einfach nicht. Die hören, Rente mit
[1:24:37] Philip Banse: 63 wird abgeschafft, ich kann nicht
[1:24:39] Philip Banse: mehr mit 63 in Rente gehen?
[1:24:41] Philip Banse: Die allermeisten Leute haben keinen
[1:24:42] Philip Banse: Plan, was das bedeutet.
[1:24:45] Ulf Buermeyer: Dass sie das nämlich zahlen müssen.
[1:24:47] Philip Banse: Und das ist nämlich auch ein
[1:24:48] Philip Banse: interessantes Kommunikationsversagen.
[1:24:49] Philip Banse: Warum wollen die denn dieses
[1:24:51] Philip Banse: Privileg streichen in der Regierung
[1:24:53] Philip Banse: in diesen Reformen?
[1:24:54] Philip Banse: Naja, weil sie
[1:24:57] Philip Banse: Geld einsammeln wollen, um
[1:24:59] Philip Banse: diese Aktienrente zu
[1:25:01] Philip Banse: finanzieren.
[1:25:02] Philip Banse: Es soll ja eine Pflichtabgabe
[1:25:04] Philip Banse: in einen Fonds geben.
[1:25:05] Ulf Buermeyer: Und zwar aus den Rentenbeiträgen.
[1:25:07] Philip Banse: Aus den Rentenbeiträgen.
[1:25:08] Philip Banse: Das führt natürlich erst mal dazu,
[1:25:10] Philip Banse: dass man mehr Rentenbeiträge
[1:25:12] Philip Banse: zahlen muss.
[1:25:13] Philip Banse: Mit der Perspektive aber,
[1:25:15] Philip Banse: dass man irgendwann weniger
[1:25:17] Philip Banse: Rentenbeträge zahlen muss und
[1:25:18] Philip Banse: gleichzeitig mehr Rente bekommt.
[1:25:20] Ulf Buermeyer: Aber du hast halt so eine lange
[1:25:21] Ulf Buermeyer: Anlaufphase, wo quasi beides
[1:25:23] Ulf Buermeyer: parallel läuft.
[1:25:24] Ulf Buermeyer: Du musst ja die laufenden Renten
[1:25:25] Ulf Buermeyer: finanzieren und du willst außerdem
[1:25:26] Ulf Buermeyer: noch Geld auf die Seite legen für
[1:25:28] Ulf Buermeyer: diese Aktienrente und anstatt, dass
[1:25:30] Ulf Buermeyer: man das aus dem Haushalt finanziert,
[1:25:32] Ulf Buermeyer: Stichwort Steuererhöhung irgendwo,
[1:25:33] Ulf Buermeyer: haben wir schon oft genug diskutiert,
[1:25:35] Ulf Buermeyer: stattdessen greift man in die
[1:25:36] Ulf Buermeyer: Rentenkasse und dementsprechend
[1:25:37] Ulf Buermeyer: entsteht da ein noch mal höherer
[1:25:38] Ulf Buermeyer: Spardruck.
[1:25:41] Philip Banse: So kann man das natürlich lesen. Ich würde ja argumentieren,
[1:25:42] Philip Banse: du musst, wenn du den Leuten die
[1:25:44] Philip Banse: Rente mit 63 verkaufen willst, dass
[1:25:45] Philip Banse: das Privileg wegfällt, du musst
[1:25:47] Philip Banse: ihnen mindestens sagen, was sie
[1:25:49] Philip Banse: dafür bekommen.
[1:25:50] Philip Banse: Nämlich in Zukunft geringere
[1:25:52] Philip Banse: Beiträge, höhere Renten.
[1:25:54] Philip Banse: Und wenn du das eben nicht
[1:25:55] Philip Banse: streichst, dann musst du entweder
[1:25:57] Philip Banse: Steuern erhöhen und woanders her
[1:25:58] Philip Banse: Geld einsammeln oder du läufst halt
[1:26:00] Philip Banse: in diese Rentenfalle.
[1:26:01] Philip Banse: Aber die Kommunikation ist immer
[1:26:03] Philip Banse: nur, geht es um dieses Privileg, ja
[1:26:04] Philip Banse: oder nein, aber niemand versteht,
[1:26:06] Philip Banse: warum man das eigentlich streichen
[1:26:07] Philip Banse: könnte.
[1:26:07] Ulf Buermeyer: Ich finde da
[1:26:10] Ulf Buermeyer: tatsächlich, da hast du echt einen
[1:26:11] Ulf Buermeyer: Punkt, wenn du sagst, das ist auch
[1:26:12] Ulf Buermeyer: ein ganz großes Kommunikationsversagen
[1:26:14] Ulf Buermeyer: und das gilt ja genauso für, sagen
[1:26:16] Ulf Buermeyer: wir mal, für Merz' absolut weirde
[1:26:18] Ulf Buermeyer: Kommunikation rund um diese Frage
[1:26:20] Ulf Buermeyer: GKV, PKV,
[1:26:22] Ulf Buermeyer: Bürgerversicherung, ne?
[1:26:23] Ulf Buermeyer: Ja, hast du eben gesagt, es ist ein
[1:26:24] Ulf Buermeyer: sehr populäres Projekt, hätte auch
[1:26:27] Ulf Buermeyer: viele, viele große Vorteile, muss
[1:26:28] Ulf Buermeyer: man natürlich vernünftig
[1:26:29] Ulf Buermeyer: ausgestalten.
[1:26:30] Ulf Buermeyer: Aber so wie Merz das jetzt macht,
[1:26:32] Ulf Buermeyer: mal einfach einen raushauen und dann
[1:26:33] Ulf Buermeyer: zugucken, wie es von der eigenen
[1:26:34] Ulf Buermeyer: Partei eingefangen wird, das ist
[1:26:36] Ulf Buermeyer: einfach nur eine absolute
[1:26:37] Ulf Buermeyer: Kommunikationskatastrophe.
[1:26:38] Ulf Buermeyer: Und das ist eben so das Problem.
[1:26:40] Ulf Buermeyer: Friedrich Merz ist einfach nicht
[1:26:41] Ulf Buermeyer: mehr stark genug, um irgendwelche
[1:26:43] Ulf Buermeyer: Vorschläge zu machen und dafür
[1:26:45] Ulf Buermeyer: zu kämpfen, sowas auch
[1:26:46] Ulf Buermeyer: durchzuziehen.
[1:26:50] Philip Banse: Diese Kraftlosigkeit und auch diese
[1:26:52] Philip Banse: Konzeptionslosigkeit und
[1:26:54] Philip Banse: diese Mutlosigkeit und
[1:26:56] Philip Banse: auch ein bisschen die Verzweiflung,
[1:26:58] Philip Banse: die sieht man auch
[1:27:00] Philip Banse: beim Kampf gegen die hohen
[1:27:01] Philip Banse: Spritpreise.
[1:27:02] Ulf Buermeyer: Inzwischen ist ja nicht nur die
[1:27:04] Ulf Buermeyer: Straße von Hormus zu, also diese
[1:27:06] Ulf Buermeyer: Meerenge vor der Küste des Iran.
[1:27:07] Philip Banse: Haben wir schon daran gewöhnt.
[1:27:10] Ulf Buermeyer: Warum soll die auch befahrbar sein
[1:27:11] Ulf Buermeyer: für Schiffe?
[1:27:12] Ulf Buermeyer: Sondern inzwischen ist auch eine
[1:27:14] Ulf Buermeyer: Alternativroute zu, nämlich die
[1:27:15] Ulf Buermeyer: durch's Rote Meer, die immerhin
[1:27:17] Ulf Buermeyer: die Zufahrt bedeutet zum Suezkanal,
[1:27:20] Ulf Buermeyer: also zu dem Kanal vom Roten Meer ins
[1:27:22] Ulf Buermeyer: Mittelmeer.
[1:27:23] Ulf Buermeyer: Woran liegt das? Die Huthis, so eine
[1:27:25] Ulf Buermeyer: Rebellentruppe im Jemen, die mit dem
[1:27:27] Ulf Buermeyer: Iran zusammenarbeitet, die haben eine
[1:27:28] Ulf Buermeyer: kleine Insel erobert eben
[1:27:30] Ulf Buermeyer: in dieser Meerenge und
[1:27:32] Ulf Buermeyer: von der aus können sie nun Schiffe
[1:27:34] Ulf Buermeyer: angreifen.
[1:27:35] Ulf Buermeyer: Ja, ich würde mal sagen, Philip,
[1:27:36] Ulf Buermeyer: schönen Dank auch an das
[1:27:37] Ulf Buermeyer: Kompetenzduo Donald Trump und
[1:27:39] Ulf Buermeyer: Pete Hegseth, also den sogenannten
[1:27:40] Ulf Buermeyer: Kriegsminister in Washington, die
[1:27:42] Ulf Buermeyer: haben es nämlich tatsächlich
[1:27:43] Ulf Buermeyer: geschafft, diesen Nahostkonflikt,
[1:27:45] Ulf Buermeyer: den sie da losgetreten
[1:27:47] Ulf Buermeyer: haben mit ihren Angriffen auf den
[1:27:48] Ulf Buermeyer: Iran, so weit eskalieren zu lassen,
[1:27:50] Ulf Buermeyer: dass jetzt eben schon die zweite
[1:27:51] Ulf Buermeyer: Meerenge unbefahrbar geworden ist.
[1:27:53] Philip Banse: Absolut.
[1:27:54] Philip Banse: Und das führt natürlich unter
[1:27:56] Philip Banse: anderem dazu, Sprit ist teuer.
[1:27:58] Philip Banse: Aktuell kostet so im bundesweiten
[1:27:59] Philip Banse: Durchschnitt das Super E10
[1:28:01] Philip Banse: so 2,27
[1:28:03] Philip Banse: Euro und Diesel liegt sogar
[1:28:05] Philip Banse: bei 2,43
[1:28:08] Philip Banse: Euro. Woran liegt das?
[1:28:09] Ulf Buermeyer: Naja, Heizöl, die Leute, Diesel und
[1:28:11] Ulf Buermeyer: Heizöl ist ja mehr oder weniger
[1:28:12] Ulf Buermeyer: dasselbe und jetzt fängt langsam der
[1:28:13] Ulf Buermeyer: Winter an, die Leuten müssen
[1:28:14] Ulf Buermeyer: einkaufen.
[1:28:15] Philip Banse: Also das sind natürlich hohe Preise,
[1:28:16] Philip Banse: Thorsten Frei, der Fraktionschef
[1:28:19] Philip Banse: und Wirtschaftsministerin Reiche,
[1:28:21] Philip Banse: die schlugen nun vor, die Umsatzsteuer
[1:28:23] Philip Banse: auf Sprit zu senken.
[1:28:24] Philip Banse: Okay? Weird ist die Begründung von Reiche.
[1:28:28] Ulf Buermeyer: Katherina Reiche begründete das
[1:28:29] Ulf Buermeyer: damit, der Mittelstand sei so
[1:28:31] Ulf Buermeyer: hoch belastet, also quasi
[1:28:33] Ulf Buermeyer: mittelständische Unternehmen durch
[1:28:34] Ulf Buermeyer: die hohen Spritpreise.
[1:28:36] Ulf Buermeyer: Philip, der Witz ist nur,
[1:28:38] Ulf Buermeyer: Unternehmen zahlen letztlich gar
[1:28:40] Ulf Buermeyer: keine Umsatzsteuer.
[1:28:41] Philip Banse: Die zahlen die natürlich, kriegen
[1:28:42] Philip Banse: die aber wieder über den sogenannte
[1:28:44] Philip Banse: Vorsteuerabzug.
[1:28:44] Philip Banse: Das ist einfach ein durchlaufender
[1:28:46] Philip Banse: Posten für Unternehmen.
[1:28:48] Philip Banse: Es ist, kurz gesagt, scheißegal,
[1:28:51] Philip Banse: ob überhaupt Umsatzsteuer gezahlt
[1:28:53] Philip Banse: wird. Und wenn in welcher Höhe?
[1:28:55] Philip Banse: Und wenn du da Umsatzsteuer senkst
[1:28:57] Philip Banse: auf irgendwelchen Sprit, ist das
[1:28:59] Philip Banse: Unternehmen einfach völlig
[1:29:01] Philip Banse: Wumpe. Es hat null Effekt
[1:29:02] Ulf Buermeyer: Mit anderen Worten,
[1:29:04] Ulf Buermeyer: unsere Wirtschaftsministerin schlägt
[1:29:06] Ulf Buermeyer: eine Maßnahme vor, die die
[1:29:07] Ulf Buermeyer: Wirtschaft überhaupt nicht entlasten
[1:29:09] Ulf Buermeyer: würde, mit der Begründung, man müsse
[1:29:11] Ulf Buermeyer: was für den Mittelstand tun.
[1:29:12] Ulf Buermeyer: Man muss sich fragen, ob Katherina
[1:29:14] Ulf Buermeyer: Reiche überhaupt weiß, wie
[1:29:16] Ulf Buermeyer: Umsatzsteuer und Vorsteuerabzug
[1:29:17] Ulf Buermeyer: funktionieren.
[1:29:20] Philip Banse: Ich meine, sie wurde dann ja drauf
[1:29:21] Philip Banse: angesprochen, sagen sie mal, es gibt doch Vorsteuerabzüge? Ach so,
[1:29:22] Philip Banse: ja, Umsatzsteuer und
[1:29:24] Philip Banse: so.
[1:29:25] Philip Banse: Also dieser Vorschlag, der war
[1:29:27] Philip Banse: dann irgendwie schnell vom Tisch.
[1:29:29] Philip Banse: Und was hat man sich dann gedacht?
[1:29:30] Philip Banse: Wie können wir denn nun also diese
[1:29:31] Philip Banse: Entlastung ausgestalten?
[1:29:33] Philip Banse: Na ja, da hatten wir doch schon
[1:29:35] Philip Banse: mal was, diesen Tankrabatt.
[1:29:36] Philip Banse: Im Mai und Juni gab es einen
[1:29:38] Philip Banse: Tankrabatt.
[1:29:39] Philip Banse: Die Mehrheit der Experten,
[1:29:40] Philip Banse: Expertinnen hat gesagt, ist Quatsch
[1:29:41] Philip Banse: und viel zu teuer.
[1:29:42] Philip Banse: Die Bundesregierung hat es trotzdem
[1:29:44] Philip Banse: gemacht, um das Volk zu besänftigen,
[1:29:45] Philip Banse: um Stimmen vielleicht auch zu
[1:29:47] Philip Banse: gewinnen.
[1:29:48] Philip Banse: Und wie wir heute wissen, es hat
[1:29:50] Philip Banse: null funktioniert.
[1:29:51] Philip Banse: Das Ding ist von der Stimmung,
[1:29:53] Philip Banse: stimmungstechnisch komplett
[1:29:55] Philip Banse: verpufft, da ist nichts passiert,
[1:29:57] Philip Banse: hat 1,7 Milliarden Euro gekostet.
[1:30:00] Philip Banse: Und noch dazu ist die
[1:30:02] Philip Banse: Kohle kaum bei denen angekommen,
[1:30:04] Philip Banse: die es eigentlich wirklich brauchen,
[1:30:05] Philip Banse: nämlich Leute mit wenig Geld, die
[1:30:07] Philip Banse: echt stöhnen, wenn sie 2,30
[1:30:10] Philip Banse: Euro statt 2 Euro für einen Liter
[1:30:11] Philip Banse: bezahlen müssen.
[1:30:11] Ulf Buermeyer: Also und zwar aus zwei Gründen.
[1:30:13] Ulf Buermeyer: Die Monopolkommission hat laut
[1:30:15] Ulf Buermeyer: Deutschlandfunk analysiert,
[1:30:18] Ulf Buermeyer: nur circa die Hälfte der in diesen
[1:30:20] Ulf Buermeyer: Spritpreisrabatt investierten
[1:30:22] Ulf Buermeyer: Mittel ist überhaupt bei den
[1:30:24] Ulf Buermeyer: Menschen in Deutschland angekommen.
[1:30:25] Ulf Buermeyer: Die andere Hälfte dieser abgesenkten
[1:30:28] Ulf Buermeyer: Steuern floss direkt in die Tasche
[1:30:30] Ulf Buermeyer: der Fossilkonzerne.
[1:30:31] Ulf Buermeyer: Mit anderen Worten, die haben nur
[1:30:32] Ulf Buermeyer: die Preise etwa um die eine Hälfe
[1:30:33] Ulf Buermeyer: gesenkt, die anderen Hälfte hat
[1:30:35] Ulf Buermeyer: einfach ihre Gewinne erhöht.
[1:30:37] Philip Banse: Und dann heißt es also, nur die
[1:30:38] Philip Banse: Hälfte der Kohle ist überhaupt bei
[1:30:39] Philip Banse: den Leuten angekommen. Da fragt man
[1:30:40] Philip Banse: sich natürlich, bei welchen Leuten?
[1:30:41] Philip Banse: Ist denn wenigstens die Hälft bei
[1:30:43] Philip Banse: den richtigen Leuten angekommen?
[1:30:45] Philip Banse: Doch wohl bei denen, die es am
[1:30:46] Philip Banse: nötigsten brauchen?
[1:30:47] Philip Banse: Natürlich nicht.
[1:30:48] Philip Banse: Eine Kurzstudie auf der RWTH
[1:30:50] Philip Banse: in Aachen hat rausgefunden,
[1:30:53] Philip Banse: nur 8 Prozent der Kohle,
[1:30:55] Philip Banse: diese 1,7 Milliarden Euro,
[1:30:57] Philip Banse: erreichte überhaupt nur bedürftige
[1:31:00] Philip Banse: Leute. Der Rest ist bei Leuten
[1:31:01] Philip Banse: gelandet, denen es, kurz gesagt,
[1:31:03] Philip Banse: einfach egal ist.
[1:31:04] Ulf Buermeyer: Die sich den Sprit auch so leisten
[1:31:05] Ulf Buermeyer: können bei Gutverdienenden oder eben
[1:31:07] Ulf Buermeyer: bei den Mineralölkonzernen.
[1:31:08] Ulf Buermeyer: Da muss man sich mal überlegen.
[1:31:09] Ulf Buermeyer: Nur 8% sind bei denen gelandet,
[1:31:11] Ulf Buermeyer: die man eigentlich unterstützen
[1:31:13] Ulf Buermeyer: wollte.
[1:31:14] Ulf Buermeyer: Man kann also bei allem
[1:31:16] Ulf Buermeyer: Verständnis für politische
[1:31:17] Ulf Buermeyer: Einschätzungsprärogativen und
[1:31:19] Ulf Buermeyer: Spielräume, muss man sagen, eine
[1:31:20] Ulf Buermeyer: Maßnahme, die nur noch als totaler
[1:31:23] Ulf Buermeyer: Murks bezeichnen kann.
[1:31:24] Ulf Buermeyer: Das schien ja sogar der
[1:31:25] Ulf Buermeyer: Bundeskanzler so zu sehen.
[1:31:26] Philip Banse: Er hat vor
[1:31:28] Philip Banse: wenigen Wochen noch gesagt, man
[1:31:29] Philip Banse: könne einen Ölpreis von 100 Dollar
[1:31:31] Philip Banse: in Deutschland nicht
[1:31:32] Philip Banse: wegsubventionieren.
[1:31:34] Philip Banse: So ehrlich müsse die Politik sein
[1:31:35] Philip Banse: und das müsse man der Bevölkerung
[1:31:37] Philip Banse: auch sagen.
[1:31:39] Philip Banse: Es sei denn, es kommen halt ein
[1:31:41] Philip Banse: paar Wahlen dazwischen, die echt in
[1:31:42] Philip Banse: die Binsen gehen und wir völlig
[1:31:44] Philip Banse: ratlos in der Gegend rumstehen und
[1:31:45] Philip Banse: uns fragen, was machen wir denn
[1:31:46] Philip Banse: jetzt mit diesen hohen Spritpreisen, die wieder da sind?
[1:31:47] Ulf Buermeyer: Dann
[1:31:49] Ulf Buermeyer: sind diese ökonomischen Einsichten
[1:31:50] Ulf Buermeyer: des Kanzlers ganz schnell vergessen
[1:31:52] Ulf Buermeyer: und deswegen machen wir jetzt
[1:31:53] Ulf Buermeyer: nochmal eine Maßnahme, die schon mal
[1:31:54] Ulf Buermeyer: nicht funktioniert hat.
[1:31:56] Philip Banse: Nämlich einen Tankrabatt.
[1:31:56] Ulf Buermeyer: von Oktober bis Dezember soll es
[1:31:58] Ulf Buermeyer: wieder einen solchen Tankrabatt
[1:31:59] Ulf Buermeyer: geben. Die Energiesteuer soll wieder
[1:32:01] Ulf Buermeyer: gesenkt werden inklusive der
[1:32:03] Ulf Buermeyer: Umsatzsteuer, die natürlich auch
[1:32:04] Ulf Buermeyer: geringer ist, wenn der Grundpreis
[1:32:05] Ulf Buermeyer: sinkt, bedeutet, das dann einen
[1:32:07] Ulf Buermeyer: Rabatt von 17 Cent pro
[1:32:09] Ulf Buermeyer: Liter Sprit.
[1:32:10] Ulf Buermeyer: Dieses Mal soll es aber noch ein bisschen
[1:32:11] Ulf Buermeyer: teurer werden.
[1:32:11] Ulf Buermeyer: Diesmal soll der Spaß nämlich sogar
[1:32:13] Ulf Buermeyer: 2,5 Milliarden kosten.
[1:32:14] Philip Banse: Weil halt einen Monat länger dauert.
[1:32:16] Ulf Buermeyer: Die Kohle teilen sich Bund und
[1:32:17] Ulf Buermeyer: Länder. Der Bund hat wenig Geld, die
[1:32:19] Ulf Buermeyer: Länder noch weniger.
[1:32:20] Ulf Buermeyer: Aber warum nicht einfach mal einen
[1:32:22] Ulf Buermeyer: raushauen?
[1:32:22] Ulf Buermeyer: Und Philip, wir gönnen uns auch noch
[1:32:24] Ulf Buermeyer: mal schöne CO2-Mehremissionen.
[1:32:27] Philip Banse: Ja, weil natürlich die Rechnung so
[1:32:28] Philip Banse: geht, wenn es den Rabatt
[1:32:30] Philip Banse: nicht gäbe, blieben die Preise
[1:32:32] Philip Banse: hoch. Die Leute würden
[1:32:34] Philip Banse: sehr wahrscheinlich weniger
[1:32:36] Philip Banse: fahren und weniger verbrennen,
[1:32:38] Philip Banse: also auch weniger CO2 ausstoßen.
[1:32:40] Philip Banse: Durch diesen Rabatt wird dieses
[1:32:42] Philip Banse: Sparen jetzt unterminiert.
[1:32:44] Philip Banse: Und so hat Matthias Runkel, Ökonom
[1:32:46] Philip Banse: am Forum Ökologische Soziale
[1:32:48] Philip Banse: Marktwirtschaft, ausgerechnet,
[1:32:50] Philip Banse: könnte dieser Rabatt dazu führen,
[1:32:51] Philip Banse: dass eine Million Tonnen CO2
[1:32:54] Philip Banse: zusätzlich ausgestoßen werden.
[1:32:56] Philip Banse: Das wäre, wenn es denn so käme,
[1:32:59] Philip Banse: die Größenordnung des
[1:33:00] Philip Banse: Treibhausgasausstoßes des
[1:33:02] Philip Banse: innerdeutschen Flugverkehrs.
[1:33:03] Ulf Buermeyer: Da muss man sich mal überlegen, das ist
[1:33:04] Ulf Buermeyer: jetzt auch nicht wenig.
[1:33:05] Ulf Buermeyer: Zumal der innerdeutsche Flugverkehr
[1:33:06] Ulf Buermeyer: natürlich jetzt wieder im Aufwind
[1:33:08] Ulf Buermeyer: ist, seit Friedrich Merz durchgeboxt
[1:33:09] Ulf Buermeyer: hat, dass es auch dort eine
[1:33:12] Ulf Buermeyer: Steuersenkung gegeben hat.
[1:33:15] Ulf Buermeyer: Das deutsche Institut für
[1:33:16] Ulf Buermeyer: Wirtschaftsforschung in Berlin ist
[1:33:17] Ulf Buermeyer: ein bisschen vorsichtiger.
[1:33:18] Ulf Buermeyer: Die rechnen nicht mit einer Million
[1:33:19] Ulf Buermeyer: Tonnen zusätzlicher Emission,
[1:33:21] Ulf Buermeyer: sondern 0,3 bis 0,8 Millionen
[1:33:23] Ulf Buermeyer: Tonnen. Es sei sehr schwer genau zu
[1:33:25] Ulf Buermeyer: beziffern, sagt die, unseren
[1:33:27] Ulf Buermeyer: Hörerinnen und Hörern sicher gut
[1:33:28] Ulf Buermeyer: bekannte, Energieökonomin Claudia Kempfert
[1:33:30] Ulf Buermeyer: vom DIW, aber ob nur 0,3
[1:33:32] Ulf Buermeyer: oder 1 Million, auf jeden Fall
[1:33:34] Ulf Buermeyer: sinnlose Mehremission.
[1:33:35] Philip Banse: Sinnlose Mehremissionen, viel Geld,
[1:33:37] Philip Banse: was wahrscheinlich wieder nicht bei
[1:33:39] Philip Banse: den richtigen Leuten ankommt, die es
[1:33:40] Philip Banse: brauchen.
[1:33:41] Philip Banse: Und Veronika Grimm,
[1:33:43] Philip Banse: die Ökonomin aus Nürnberg, glaube
[1:33:45] Philip Banse: ich, ist sie, die im Rat der
[1:33:46] Philip Banse: Wirtschaftsweisen sitzt, also
[1:33:48] Philip Banse: wichtigste wirtschaftliche Beraterin
[1:33:50] Philip Banse: der Bundesregierung ist, die hat
[1:33:52] Philip Banse: diesen Tankrabatt aus mehreren
[1:33:54] Philip Banse: Gründen gleich kritisiert.
[1:33:55] Ulf Buermeyer: Sie sagt, am Ende führt es
[1:33:57] Ulf Buermeyer: nur dazu, dass viele Wähler sich
[1:33:59] Ulf Buermeyer: frustriert von den etablierten
[1:34:01] Ulf Buermeyer: Parteien abwenden, weil sie ihren
[1:34:03] Ulf Buermeyer: Job eben nicht machen.
[1:34:04] Ulf Buermeyer: Das betreffe in diesem Fall sowohl
[1:34:06] Ulf Buermeyer: diejenigen, die die Klimawirkung
[1:34:07] Ulf Buermeyer: dieser Maßnahme ablehnen, als
[1:34:09] Ulf Buermeyer: auch die Unternehmer, die nur noch
[1:34:11] Ulf Buermeyer: den Kopf schütteln angesichts dieser
[1:34:12] Ulf Buermeyer: kurzsichtigen Handlungsmaxime.
[1:34:14] Ulf Buermeyer: Und, so Veronika Grimm es sei,
[1:34:16] Ulf Buermeyer: Zitat, zynisch, auf Kosten der
[1:34:18] Ulf Buermeyer: jungen Generation das Fahren von
[1:34:19] Ulf Buermeyer: Autos mit Verbrennungsmotor zu
[1:34:21] Ulf Buermeyer: subventionieren.
[1:34:22] Ulf Buermeyer: Also so grün habe ich sie eigentlich
[1:34:23] Ulf Buermeyer: bislang nicht wahrgenommen.
[1:34:25] Ulf Buermeyer: Also finde ich schon bemerkenswert,
[1:34:26] Ulf Buermeyer: wie scharfe Worte eine, sagen
[1:34:28] Ulf Buermeyer: wir mal, ein Grundsatz eher
[1:34:29] Ulf Buermeyer: wirtschaftsliberale Ökonomin
[1:34:31] Ulf Buermeyer: hier findet.
[1:34:35] Philip Banse: Ja und damit man
[1:34:37] Philip Banse: so diesen Murks mit dem Tankrabatt nun nicht noch ein drittes
[1:34:38] Philip Banse: Mal machen muss, weil natürlich
[1:34:40] Philip Banse: absehbar die Diesel- und
[1:34:41] Philip Banse: Benzinpreise oben bleiben, hat sich
[1:34:43] Philip Banse: die Bundesregierung überlegt, na
[1:34:45] Philip Banse: dann machen wir doch irgendwas
[1:34:46] Philip Banse: Permanentes, was ein bisschen länger
[1:34:48] Philip Banse: anhält, schauen nach Luxemburg
[1:34:50] Philip Banse: und sehen dort einen
[1:34:52] Philip Banse: Preisdeckel, der nun auch
[1:34:54] Philip Banse: nach den Plänen der Bundesregierung
[1:34:55] Philip Banse: in Deutschland ab dem 1.
[1:34:58] Philip Banse: Januar eingeführt werden soll.
[1:34:59] Ulf Buermeyer: Ja, es soll tatsächlich eine
[1:35:01] Ulf Buermeyer: staatlich festgelegte Obergrenze
[1:35:04] Ulf Buermeyer: für bestimmte Spritprodukte geben.
[1:35:06] Ulf Buermeyer: Das Vorbild ist dafür Luxemburg und
[1:35:08] Ulf Buermeyer: die genaue Formel scheint irgendwie
[1:35:10] Ulf Buermeyer: nicht bekannt zu sein.
[1:35:11] Ulf Buermeyer: Aber in die Formel, wie dort der
[1:35:12] Ulf Buermeyer: Spritpreis, der maximale Spritpreis
[1:35:15] Ulf Buermeyer: berechnet wird, fließt jedenfalls
[1:35:16] Ulf Buermeyer: eine ganze Reihe von Faktoren
[1:35:18] Ulf Buermeyer: ein, sodass man sich offensichtlich
[1:35:19] Ulf Buermeyer: schon bemüht, dass das jetzt nicht
[1:35:20] Ulf Buermeyer: nur ein politischer Preis ist,
[1:35:22] Ulf Buermeyer: sondern dass dieser Preis auch
[1:35:23] Ulf Buermeyer: tatsächlich sowas wie eine rationale
[1:35:24] Ulf Buermeyer: Grundlage hat.
[1:35:25] Philip Banse: Ja, also da fließt ein der Ölpreis,
[1:35:27] Philip Banse: Wechselkurse, Beschaffungskosten für
[1:35:29] Philip Banse: diese ganze Lieferkette, für alle
[1:35:31] Philip Banse: Leute, die da in der Lieferkette
[1:35:32] Philip Banse: unterwegs sind, Transportkosten,
[1:35:34] Philip Banse: Abgaben, Steuern und natürlich
[1:35:36] Philip Banse: die Marge.
[1:35:37] Philip Banse: Angeblich sind das 10 bis 15
[1:35:38] Philip Banse: Prozent.
[1:35:39] Ulf Buermeyer: Das heißt also Ertrag, was die
[1:35:41] Ulf Buermeyer: Unternehmen plus machen.
[1:35:42] Philip Banse: Um was sie Plus machen können.
[1:35:43] Philip Banse: Womit die da sozusagen nach Hause
[1:35:44] Philip Banse: gehen. Das heißt unterm Strich,
[1:35:46] Philip Banse: der Staat rechnet was
[1:35:48] Philip Banse: aus und gönnt den beteiligten
[1:35:50] Philip Banse: Unternehmen eine gewisse Marge.
[1:35:52] Philip Banse: Hier sind es 10 bis 15 Prozent.
[1:35:54] Philip Banse: Das ist okay. Das dürft ihr mit
[1:35:55] Philip Banse: diesen ganzen fossilen Brennstoffen
[1:35:58] Philip Banse: verdienen, aber nicht mehr,
[1:35:59] Philip Banse: denn das Wirtschaftsministerium in
[1:36:01] Philip Banse: Luxemburg und wahrscheinlich dann
[1:36:02] Philip Banse: auch hier errechnet dann Plus/Minus
[1:36:03] Philip Banse: zwei Mal im Monat, von Ausnahmen
[1:36:05] Philip Banse: abgesehen, eben diesen Höchstpreis.
[1:36:07] Philip Banse: Der darf in Luxenburg nicht
[1:36:09] Philip Banse: überschritten werden. Es ist also
[1:36:10] Philip Banse: aber kein absoluter Deckel,
[1:36:12] Philip Banse: sondern ein, ich sage mal, ein ein
[1:36:14] Philip Banse: schwimmender Deckel, der halt hoch
[1:36:15] Philip Banse: und runter geht abhängig halt von
[1:36:17] Philip Banse: den Ölpreisen, von den
[1:36:18] Philip Banse: Wechselkursen, von den
[1:36:19] Philip Banse: Transportkosten et cetera.
[1:36:21] Philip Banse: Aber die beteiligten Unternehmen
[1:36:23] Philip Banse: dürfen eben nicht mehr Marge machen
[1:36:25] Philip Banse: als 10 bis 15 Prozent
[1:36:26] Philip Banse: in Luxemburg.
[1:36:27] Philip Banse: Mal sehen wir das dann in
[1:36:28] Philip Banse: Deutschland aussieht.
[1:36:29] Ulf Buermeyer: Ja und ich meine mal ganz ehrlich,
[1:36:30] Ulf Buermeyer: grundsätzlich mal sind diese
[1:36:31] Ulf Buermeyer: Konzerne natürlich durchaus die
[1:36:33] Ulf Buermeyer: richtigen Adressaten, um mal so ein
[1:36:34] Ulf Buermeyer: bisschen die Gewinne einzudämmen,
[1:36:36] Ulf Buermeyer: denn es gibt da sehr, sehr
[1:36:38] Ulf Buermeyer: unterschiedliche Schätzungen.
[1:36:39] Ulf Buermeyer: Aber die gestiegenen Spritpreise
[1:36:41] Ulf Buermeyer: aufgrund dieses von Donald Trump vom
[1:36:43] Ulf Buermeyer: Zaun gebrochenen Irankrieges haben
[1:36:45] Ulf Buermeyer: ja bereits heute zu massiven
[1:36:47] Ulf Buermeyer: Übergewinnen geführt, also massiven
[1:36:48] Ulf Buermeyer: zusätzlichen Gewinnen bei den
[1:36:50] Ulf Buermeyer: Mineralölkonzernen.
[1:36:51] Ulf Buermeyer: Manche Schätzungen liegen dabei über
[1:36:52] Ulf Buermeyer: 30 Milliarden Euro zusätzliche
[1:36:54] Ulf Buermeyer: Gewinnen. Also insofern ist das aus
[1:36:56] Ulf Buermeyer: meiner Sicht jedenfalls eine sehr
[1:36:57] Ulf Buermeyer: plausible Überlegung zu sagen,
[1:37:00] Ulf Buermeyer: also da setzen wir jetzt aber mal
[1:37:01] Ulf Buermeyer: ein P da vor, dass die natürlich mit
[1:37:02] Ulf Buermeyer: dem Sprit noch ein bisschen was
[1:37:03] Ulf Buermeyer: verdienen können, aber jedenfalls
[1:37:05] Ulf Buermeyer: nicht solche gigantischen Gewinne
[1:37:06] Ulf Buermeyer: einfahren.
[1:37:06] Philip Banse: Also das Pro ist sicherlich, dieser
[1:37:08] Philip Banse: Maßnahme dieses Preisdeckels, es ist
[1:37:10] Philip Banse: schnell sichtbar, die Leute sehen,
[1:37:11] Philip Banse: dass die Preise gedämpft sind aber
[1:37:13] Philip Banse: es gibt natürlich auch-
[1:37:14] Ulf Buermeyer: Und vor allem kostet es keinen Cent.
[1:37:16] Ulf Buermeyer: Wenn du einfach nur die Preise
[1:37:17] Ulf Buermeyer: festlegst, dann führt das
[1:37:19] Ulf Buermeyer: ja dazu, dass der Staat eben
[1:37:21] Ulf Buermeyer: kein Geld in die Hand nehmen muss,
[1:37:22] Ulf Buermeyer: um Preise zu senken.
[1:37:23] Philip Banse: Ja, was heißt kostet nichts.
[1:37:25] Philip Banse: Also bei Auto Motor und
[1:37:27] Philip Banse: Sport stand, dass die Differenz
[1:37:28] Philip Banse: teils aus Steuermitteln finanziert
[1:37:30] Philip Banse: wird.
[1:37:30] Ulf Buermeyer: Das ist natürlich
[1:37:32] Ulf Buermeyer: ein wichtiger Punkt.
[1:37:33] Ulf Buermeyer: Dabei geht es um die Konstellation,
[1:37:36] Ulf Buermeyer: dass der staatlich festgesetzte
[1:37:38] Ulf Buermeyer: Preis für ein paar Tage so
[1:37:40] Ulf Buermeyer: niedrig ist, dass die Marge
[1:37:42] Ulf Buermeyer: auf Null schrumpft oder die
[1:37:43] Ulf Buermeyer: Mineralölkonzerne sogar quasi
[1:37:46] Ulf Buermeyer: den Sprit unter dem Einstandspreis
[1:37:47] Ulf Buermeyer: verkaufen müssten, sodass sie quasi
[1:37:49] Ulf Buermeyer: Miese machen und dann ist die
[1:37:51] Ulf Buermeyer: große Sorge, dass das zu
[1:37:52] Ulf Buermeyer: Versorgungsproblemen führt, weil
[1:37:54] Ulf Buermeyer: dann die Mineralkonzerne natürlich
[1:37:55] Ulf Buermeyer: einfach sagen könnten, na klar, also
[1:37:57] Ulf Buermeyer: verschenken wollen wir jetzt auch
[1:37:58] Ulf Buermeyer: nichts? Und in diesen
[1:37:59] Ulf Buermeyer: Konstellationen sollte dann der
[1:38:01] Ulf Buermeyer: Staat quasi was zuschießen, damit
[1:38:02] Ulf Buermeyer: wenigstens noch eine kleine Marge
[1:38:04] Ulf Buermeyer: über bleibt. Aber da würde ich
[1:38:05] Ulf Buermeyer: sagen, da muss man halt einfach
[1:38:07] Ulf Buermeyer: schneller reagieren.
[1:38:08] Ulf Buermeyer: Vielleicht ist das einfach nicht
[1:38:08] Ulf Buermeyer: flexibel genug, alle zwei Wochen
[1:38:10] Ulf Buermeyer: den Preis festzulegen, wenn der
[1:38:12] Ulf Buermeyer: Börsenpreis für Öl natürlich ständig
[1:38:13] Ulf Buermeyer: schwankt.
[1:38:14] Ulf Buermeyer: Also eigentlich müsste man sich da
[1:38:16] Ulf Buermeyer: natürlich ein System überlegen,
[1:38:18] Ulf Buermeyer: das halbwegs schnell reagiert,
[1:38:20] Ulf Buermeyer: sodass eben tatsächlich nicht auch
[1:38:22] Ulf Buermeyer: noch Zuschüsse aus Steuermitteln
[1:38:23] Ulf Buermeyer: erforderlich sind.
[1:38:24] Ulf Buermeyer: Das heißt mit anderen Worten,
[1:38:25] Ulf Buermeyer: grundsätzlich mal kann man mit einem
[1:38:27] Ulf Buermeyer: gut gemachten Spritdeckel auch
[1:38:29] Ulf Buermeyer: tatsächlich dafür sorgen, dass das
[1:38:31] Ulf Buermeyer: mehr oder weniger kostenfrei zu
[1:38:32] Ulf Buermeyer: machen ist. Jedenfalls mal für den
[1:38:34] Ulf Buermeyer: Staat.
[1:38:34] Philip Banse: So, aber natürlich verwässert auch
[1:38:36] Philip Banse: das das Preissignal, also dieses
[1:38:38] Philip Banse: Signal, da ist was teuer, ihr müsst
[1:38:39] Philip Banse: sparen und so und könnt nicht noch
[1:38:41] Philip Banse: mehr verbrauchen, weil es ist ja
[1:38:43] Philip Banse: rar. Also das wird natürlich durch
[1:38:44] Philip Banse: so einen Preisdeckel auch verwässert
[1:38:46] Philip Banse: und besonders sozial gezielt
[1:38:48] Philip Banse: ist das irgendwie auch nicht.
[1:38:49] Ulf Buermeyer: Natürlich nicht, weil eben der
[1:38:51] Ulf Buermeyer: Deckel alle trifft.
[1:38:52] Ulf Buermeyer: Nur immerhin kostet er dann keine
[1:38:54] Ulf Buermeyer: Steuermittel. Aber klar, die
[1:38:55] Ulf Buermeyer: Anreizwirkung, die ja eigentlich
[1:38:57] Ulf Buermeyer: total gewünscht ist, bitte spart
[1:38:59] Ulf Buermeyer: mal Sprit, diese Anreizwirkung
[1:39:00] Ulf Buermeyer: zerschießt man sich und da würde ich
[1:39:02] Ulf Buermeyer: ganz ehrlich sagen, Philip, da hat
[1:39:03] Ulf Buermeyer: Frankreich doch einen
[1:39:05] Ulf Buermeyer: wesentlich zielgenaueren Ansatz.
[1:39:06] Philip Banse: Ja, die haben eine Mobilitätshilfe
[1:39:09] Philip Banse: gewählt, heißt das glaube ich
[1:39:11] Philip Banse: auf Deutsch, statt eben so eines
[1:39:12] Philip Banse: allgemeinen Rabattes.
[1:39:14] Philip Banse: Mobilitätshilfe bedeutet, es kriegen
[1:39:15] Philip Banse: halt Leute Geld,
[1:39:17] Philip Banse: die es wirklich brauchen.
[1:39:18] Philip Banse: Das ist natürlich viel treffsicherer,
[1:39:19] Philip Banse: auch viel günstiger als ein
[1:39:21] Philip Banse: Tankrabatt.
[1:39:22] Philip Banse: Der Preisanreiz zum Sparen bleibt,
[1:39:24] Philip Banse: weil eben der Preis von Diesel und
[1:39:26] Philip Banse: Benzin unangetastet bleibt.
[1:39:27] Philip Banse: Und man kann damit ländliche
[1:39:30] Philip Banse: Pendler, Pflegekräfte, Handwerk und
[1:39:31] Philip Banse: so genau fokussieren.
[1:39:32] Philip Banse: Das Problem ist nur offensichtlich
[1:39:34] Philip Banse: in Frankreich, das funktioniert halt
[1:39:35] Philip Banse: nicht automatisch.
[1:39:36] Philip Banse: Du musst einen Antrag stellen.
[1:39:37] Philip Banse: Du musst bestimmte Dinge nachweisen.
[1:39:38] Philip Banse: Da gibt es Verwaltung.
[1:39:39] Philip Banse: Also das ist ein bürokratischer
[1:39:41] Philip Banse: Aufwand. Und natürlich gibt es auch
[1:39:43] Philip Banse: Abgrenzungsprobleme.
[1:39:44] Philip Banse: Wer kriegt das Geld?
[1:39:45] Philip Banse: Ab welcher Einkommensgrenze kriegst
[1:39:46] Philip Banse: du Geld? Wie viel kriegst du?
[1:39:48] Philip Banse: Und so, also das ist nicht ohne.
[1:39:49] Ulf Buermeyer: Und da muss man ganz ehrlich sagen,
[1:39:51] Ulf Buermeyer: solche Bürokratie aufbauen, das will
[1:39:53] Ulf Buermeyer: natürlich aus gutem Grund in
[1:39:54] Ulf Buermeyer: Deutschland auch niemand.
[1:39:55] Ulf Buermeyer: Das heißt also, diese
[1:39:56] Ulf Buermeyer: Mobilitätshilfe nach französischem
[1:39:58] Ulf Buermeyer: Modell hat den großen Vorteil,
[1:40:00] Ulf Buermeyer: dass sie tatsächlich dazu führt,
[1:40:02] Ulf Buermeyer: dass bedürftigere Menschen mehr Geld
[1:40:04] Ulf Buermeyer: in Portemonnaie haben.
[1:40:05] Ulf Buermeyer: Aber das Preissignal, spar so viel
[1:40:07] Ulf Buermeyer: Sprit wie es geht, bleibt erhalten,
[1:40:08] Ulf Buermeyer: weil der Sprit ja in Frankreich eben
[1:40:09] Ulf Buermeyer: nicht billiger ist.
[1:40:10] Philip Banse: Und die kombinieren das halt
[1:40:12] Philip Banse: auch noch mit einem massiven
[1:40:13] Philip Banse: Ausbau der Förderung von Wärmepumpen
[1:40:15] Philip Banse: und E-Autos, auch mit Social
[1:40:16] Philip Banse: Leasing, also dass für günstig,
[1:40:18] Philip Banse: für wenig Geld, du Autos quasi
[1:40:20] Philip Banse: leasen kannst.
[1:40:21] Philip Banse: Das finde ich halt einen ganz
[1:40:22] Philip Banse: wichtigen Faktor, weil es halt die
[1:40:24] Philip Banse: Abhängigkeit reduziert.
[1:40:25] Philip Banse: Weißt du, diese ganzen Spritdeckel
[1:40:27] Philip Banse: und Rabatte und so,
[1:40:30] Philip Banse: die tragen ja überhaupt nichts dazu
[1:40:31] Philip Banse: bei, dass wir unsere Abhängigkeit
[1:40:33] Philip Banse: von diesen ganzen Kriegen, von
[1:40:35] Philip Banse: diesem Öl, von diesen Diktaturen
[1:40:36] Philip Banse: irgendwie verringern.
[1:40:37] Ulf Buermeyer: Ne, ganz im Gegenteil, also um diese
[1:40:39] Ulf Buermeyer: Abhängigkeit so schnell wie möglich
[1:40:40] Ulf Buermeyer: zu reduzieren, kann der Sprit gar
[1:40:42] Ulf Buermeyer: nicht teuer genug sein.
[1:40:43] Philip Banse: Deswegen investiert Frankreich halt
[1:40:45] Philip Banse: in diese Förderung, was Deutschland
[1:40:47] Philip Banse: natürlich auch macht, aber natürlich
[1:40:49] Philip Banse: längst nicht in dem Maße
[1:40:51] Philip Banse: und auch gar nicht jetzt extra noch
[1:40:52] Philip Banse: intensiviert durch diese hohen
[1:40:54] Philip Banse: Spritpreise.
[1:40:55] Ulf Buermeyer: Ja, fragt sich natürlich, Philip,
[1:40:56] Ulf Buermeyer: warum machen wir denn dann jetzt
[1:40:57] Ulf Buermeyer: nicht endlich mal Direktzahlungen?
[1:40:59] Ulf Buermeyer: Man könnte ja einfach sagen, okay,
[1:41:01] Ulf Buermeyer: die Menschen sind in Deutschland
[1:41:02] Ulf Buermeyer: belastet durch die hohen
[1:41:03] Ulf Buermeyer: Spritpreise, wir wollen aber die
[1:41:04] Ulf Buermeyer: Preise eigentlich hochhalten, damit
[1:41:05] Ulf Buermeyer: die Leute weiterhin so viel sparen,
[1:41:07] Ulf Buermeyer: wie es geht.
[1:41:08] Ulf Buermeyer: Dann zahlen wir doch den Leuten
[1:41:09] Ulf Buermeyer: einfach direkt eine bestimmte
[1:41:11] Ulf Buermeyer: Zahlung auf's Konto.
[1:41:11] Philip Banse: Ja, und der Mechanismus existiert,
[1:41:13] Philip Banse: dieser Direktzahlungsmechanismus,
[1:41:15] Philip Banse: das Problem ist A) die Leute,
[1:41:18] Philip Banse: die entsprechende Behörde hat nicht
[1:41:19] Philip Banse: alle Kontoverbindungen von den
[1:41:20] Philip Banse: Leuten.
[1:41:20] Ulf Buermeyer: Das ist ein lösbares Problem.
[1:41:21] Philip Banse: Aber da würde ich sagen: eine
[1:41:22] Philip Banse: Kampagne, ihr wollt Kohle vom Staat?
[1:41:25] Philip Banse: Dann schickt die IBAN.
[1:41:27] Ulf Buermeyer: Da stehen doch alle morgen bei der
[1:41:28] Ulf Buermeyer: Bank oder nutzen ihre Bank-App,
[1:41:29] Ulf Buermeyer: reichen IBAN ein, das ist doch kein
[1:41:30] Ulf Buermeyer: Problem.
[1:41:32] Philip Banse: Wie auch immer.
[1:41:33] Philip Banse: Und ja, SPD will dann natürlich immer
[1:41:34] Philip Banse: eine Staffelung, also wenn es heißt
[1:41:36] Philip Banse: im Monat gibt es 200 Euro oder
[1:41:37] Philip Banse: einmalig 1000 Euro für jeden in
[1:41:38] Philip Banse: Deutschland, keine Ahnung, oder 500,
[1:41:40] Philip Banse: dann bedeutet das natürlich erst mal
[1:41:42] Philip Banse: auch, dass Leute wie wir dann
[1:41:43] Philip Banse: irgendwie 500 Euro kriegen oder
[1:41:44] Philip Banse: Leute, die es halt nicht zwingend
[1:41:45] Philip Banse: brauchen.
[1:41:46] Philip Banse: Und die SPD sagt ja, aber das ist ja
[1:41:48] Philip Banse: auch ungerecht, das ist nicht sozial
[1:41:49] Philip Banse: gestaffelt.
[1:41:50] Ulf Buermeyer: Ja, und da kann man dann nur sagen,
[1:41:51] Ulf Buermeyer: ja, ihr habt einen Punkt, das haben
[1:41:52] Ulf Buermeyer: wir aber auch schon öfter
[1:41:53] Ulf Buermeyer: analysiert. Es gibt halt einfach in
[1:41:54] Ulf Buermeyer: diesem Auszahlungsmechanismus
[1:41:56] Ulf Buermeyer: bislang keine Koppelungen an die
[1:41:57] Ulf Buermeyer: Einkommensteuer. Mit anderen Worten,
[1:41:59] Ulf Buermeyer: wenn du das forderst, ist ein
[1:42:00] Ulf Buermeyer: Auszahlungmechanismus tot.
[1:42:02] Ulf Buermeyer: Und ich würde argumentieren, wir
[1:42:04] Ulf Buermeyer: brauchen auch diese Abhängigkeit
[1:42:06] Ulf Buermeyer: vom Einkommen einfach deswegen
[1:42:07] Ulf Buermeyer: nicht, weil man ja sagen kann, diese
[1:42:09] Ulf Buermeyer: Auszahlungen, die kann man auch
[1:42:11] Ulf Buermeyer: wieder der Einkommensteuer
[1:42:12] Ulf Buermeyer: unterwerfen. Wenn du halt einfach
[1:42:13] Ulf Buermeyer: diese Kohle vom Staat bekommst,
[1:42:15] Ulf Buermeyer: sie aber in der Einkommenssteuererklärung
[1:42:17] Ulf Buermeyer: angeben musst, dann führt das dazu,
[1:42:19] Ulf Buermeyer: dass Menschen mit geringem Einkommen
[1:42:20] Ulf Buermeyer: unterhalb der Freigrenze in der
[1:42:21] Ulf Buermeyer: Einkommensteuer, dem sogenannten
[1:42:23] Ulf Buermeyer: Existenzminimum, einfach gar nichts
[1:42:25] Ulf Buermeyer: davon zurückgeben müssen.
[1:42:27] Ulf Buermeyer: Menschen mit sehr hohem Einkommen
[1:42:28] Ulf Buermeyer: bis zu knapp 50 Prozent davon
[1:42:30] Ulf Buermeyer: zurück geben müssen. Und das ist
[1:42:31] Ulf Buermeyer: doch perfekt. Dann kann man halt
[1:42:32] Ulf Buermeyer: einfach sagen, okay, dann schiebt
[1:42:33] Ulf Buermeyer: man noch ein ganz bisschen von der
[1:42:34] Ulf Buermeyer: Einkommenssteuer in diesen Topf,
[1:42:35] Ulf Buermeyer: kann allen ein bisschen mehr zahlen
[1:42:37] Ulf Buermeyer: und die Reichen müssen eben umso
[1:42:39] Ulf Buermeyer: mehr von dieser Direktzahlung wieder
[1:42:40] Ulf Buermeyer: abgeben. Schon hat man, und das ist
[1:42:42] Ulf Buermeyer: das Geile daran, schon hat man es
[1:42:43] Ulf Buermeyer: im Ergebnis nach Einkommen
[1:42:45] Ulf Buermeyer: gestaffelt, hat aber nicht wieder
[1:42:47] Ulf Buermeyer: irgend so eine absurde Bürokratie
[1:42:48] Ulf Buermeyer: aufgebaut, um die Direktzahlungen
[1:42:50] Ulf Buermeyer: in der Höhe zu staffeln.
[1:42:52] Ulf Buermeyer: Also das ist doch, das ist so
[1:42:53] Ulf Buermeyer: einfach! Man fragt sich einfach,
[1:42:54] Ulf Buermeyer: wieso die SPD sich an der Stelle
[1:42:56] Ulf Buermeyer: immer wieder verkämpft?
[1:42:58] Philip Banse: Ja, und ein letztes Argument, so ein
[1:42:59] Philip Banse: bisschen auf einer Metaebene,
[1:43:02] Philip Banse: was ein Problem beschreibt, was ich
[1:43:04] Philip Banse: mit diesen Tankrabatten habe,
[1:43:06] Philip Banse: ist, dass es inkonsistent
[1:43:08] Philip Banse: ist von der Bundesregierung.
[1:43:10] Philip Banse: Also in dieser ganzen Wärmepumpendiskussion
[1:43:12] Philip Banse: hat es geheißen, ja, wir
[1:43:14] Philip Banse: brauchen Technologieoffenheit, wir
[1:43:15] Philip Banse: brauchen einen Markt, die Leute
[1:43:17] Philip Banse: sollen sich entscheiden, was
[1:43:19] Philip Banse: das effizienteste ist.
[1:43:20] Philip Banse: Sie sollen selber die Technik
[1:43:21] Philip Banse: auswählen.
[1:43:22] Philip Banse: Hier leidet der
[1:43:24] Philip Banse: Preis.
[1:43:25] Philip Banse: Hier sind halt Dinge teuer.
[1:43:27] Philip Banse: Und dann kaufen die Leute sich Gas,
[1:43:29] Philip Banse: wenn sie glauben, dass das das
[1:43:30] Philip Banse: Günstige ist.
[1:43:31] Philip Banse: Oder wir gehen davon aus, dass sie
[1:43:33] Philip Banse: sich Wärmepumpen kaufen, weil das
[1:43:34] Philip Banse: ökonomisch
[1:43:36] Philip Banse: Sinn macht.
[1:43:37] Philip Banse: Aber diese Logik wendet
[1:43:39] Philip Banse: die Bundesregierung hier nicht an.
[1:43:41] Ulf Buermeyer: Ganz im Gegenteil, hier zerschießt
[1:43:43] Ulf Buermeyer: man das Preissignal.
[1:43:43] Philip Banse: Hier ist
[1:43:45] Philip Banse: ein fossiler Brennstoff teuer,
[1:43:47] Philip Banse: Diesel, Benzin.
[1:43:49] Philip Banse: Und statt die Logik laufen zu
[1:43:51] Philip Banse: lassen und zu sagen, ja, dann
[1:43:52] Philip Banse: entscheidet euch für die
[1:43:53] Philip Banse: effizienteste Technologie, spart
[1:43:55] Philip Banse: entweder oder kauft E-Autos,
[1:43:57] Philip Banse: sagen sie, ja, ne, also hier ist das
[1:43:59] Philip Banse: mit dem Preis jetzt doch ein
[1:44:00] Philip Banse: bisschen zu unangenehm.
[1:44:01] Philip Banse: Hier müssen wir leider Steuergeld in die Hand nehmen, um den Preis zu
[1:44:01] Philip Banse: senken.
[1:44:04] Ulf Buermeyer: Genau. Das ist halt einfach total
[1:44:05] Ulf Buermeyer: absurd.
[1:44:06] Ulf Buermeyer: Hier wird dann nämlich gerade
[1:44:08] Ulf Buermeyer: keine Technologieoffenheit
[1:44:09] Ulf Buermeyer: gepredigt, sondern hier wird dann
[1:44:11] Ulf Buermeyer: mit einmal der Konsum fossiler
[1:44:13] Ulf Buermeyer: Energien staatlich subventioniert.
[1:44:15] Ulf Buermeyer: Das ist einfach aus meiner Sicht
[1:44:16] Ulf Buermeyer: völlig absurd.
[1:44:17] Ulf Buermeyer: Und genau diese Fehlanreize
[1:44:18] Ulf Buermeyer: könnte man durch die Direktzahlung
[1:44:21] Ulf Buermeyer: vermeiden. Und wie gesagt, liebe
[1:44:22] Ulf Buermeyer: SPD, eure Einkommensstaffelung
[1:44:24] Ulf Buermeyer: gibt es automatisch gratis dazu,
[1:44:26] Ulf Buermeyer: wenn ihr einfach sagt, die
[1:44:27] Ulf Buermeyer: Direktzahlung müsste halt bei der
[1:44:28] Ulf Buermeyer: Einkommensteuererklärung angeben.
[1:44:30] Ulf Buermeyer: Und dann kann man die Direktzahlung
[1:44:32] Ulf Buermeyer: sogar ein bisschen höher gestalten,
[1:44:33] Ulf Buermeyer: weil man eben noch ein paar Euro von
[1:44:35] Ulf Buermeyer: der Einkommenssteuer rüberschieben
[1:44:36] Ulf Buermeyer: kann. Also bitte,
[1:44:38] Ulf Buermeyer: man kann wirklich nur noch
[1:44:39] Ulf Buermeyer: verzweifeln, im neuen Jahr bitte,
[1:44:40] Ulf Buermeyer: wenn ihr wirklich den Eindruck habt,
[1:44:42] Ulf Buermeyer: es gibt da soziale Härten
[1:44:44] Ulf Buermeyer: wegen der hohen Energiekosten, dann
[1:44:46] Ulf Buermeyer: fördert bitte die Leute direkt.
[1:44:47] Philip Banse: Wir sind seit kurzem Mitglied
[1:44:49] Philip Banse: im deutschen Presserat
[1:44:51] Philip Banse: und zwar, soweit
[1:44:53] Philip Banse: wir wissen, in aller Bescheidenheit,
[1:44:55] Philip Banse: als erster Podcast überhaupt.
[1:44:59] Philip Banse: Euch fällt jetzt nicht sofort der
[1:45:00] Philip Banse: Kiefer runter, das kann ich
[1:45:02] Philip Banse: verstehen, weil ihr wahrscheinlich nicht so richtig wisst, was das ist.
[1:45:05] Ulf Buermeyer: Ja, aber wir haben uns ehrlich
[1:45:06] Ulf Buermeyer: gesagt gefreut, weil das de facto
[1:45:08] Ulf Buermeyer: natürlich die Anerkennung bedeutet,
[1:45:10] Ulf Buermeyer: dass die Lage der Nation als,
[1:45:12] Ulf Buermeyer: soweit wir wissen, erster jedenfalls
[1:45:13] Ulf Buermeyer: Politikpodcast damit quasi im
[1:45:15] Ulf Buermeyer: Kreis der anerkannten großen
[1:45:17] Ulf Buermeyer: Politikmedien in Deutschland
[1:45:19] Ulf Buermeyer: angekommen ist.
[1:45:20] Ulf Buermeyer: Aber was bedeutet das eigentlich
[1:45:21] Ulf Buermeyer: genau? Na klar, in Deutschland
[1:45:23] Ulf Buermeyer: herrscht Pressefreiheit,
[1:45:25] Ulf Buermeyer: aber natürlich müssen sich auch
[1:45:26] Ulf Buermeyer: Medien an Regeln halten und die
[1:45:28] Ulf Buermeyer: Frage ist immer, wie setzt man
[1:45:30] Ulf Buermeyer: das um und vor allem, wer
[1:45:31] Ulf Buermeyer: entscheidet, was die Regeln im
[1:45:33] Ulf Buermeyer: Einzelfall bedeuten?
[1:45:34] Philip Banse: Ja, und da gibt es ganz unten, würde
[1:45:35] Philip Banse: ich mal sagen, als Grundlage den
[1:45:37] Philip Banse: Medienstaatsvertrag.
[1:45:38] Philip Banse: Und in dem steht,
[1:45:41] Philip Banse: alle journalistisch-redaktionellen
[1:45:43] Philip Banse: Angebote müssen nach der nach den
[1:45:45] Philip Banse: Umständen gebotenen Sorgfalt
[1:45:47] Philip Banse: auf Inhalt, Herkunft und
[1:45:49] Philip Banse: Wahrheit geprüft werden.
[1:45:50] Philip Banse: Sprich, auch Blogs können
[1:45:52] Philip Banse: nicht einfach mal irgendwas
[1:45:53] Philip Banse: raushauen, sondern sie müssen
[1:45:55] Philip Banse: ihre Inhalte prüfen,
[1:45:57] Philip Banse: sorgfältig auf Inhalt, Herkunft
[1:45:59] Philip Banse: und Wahrheit.
[1:46:01] Philip Banse: Und das betrifft alle,
[1:46:03] Philip Banse: die regelmäßig Nachrichten
[1:46:05] Philip Banse: oder politische Inhalte verbreiten
[1:46:07] Philip Banse: und das geschäftlich betreiben.
[1:46:08] Philip Banse: Aber geschäftlich heißt hier nicht,
[1:46:10] Philip Banse: Gewinnerzielungsabsicht muss da
[1:46:12] Philip Banse: sein, sondern für geschäftlich
[1:46:13] Philip Banse: reicht, naja, dieses Blog oder
[1:46:15] Philip Banse: was auch immer muss auf Dauer
[1:46:17] Philip Banse: angelegt werden.
[1:46:19] Ulf Buermeyer: Also auch netzpolitik.org, spendenfinanzt. In der
[1:46:20] Ulf Buermeyer: Tendenz defizitär, aber auch die
[1:46:21] Ulf Buermeyer: müssen irgendwie sehen, dass sie
[1:46:23] Ulf Buermeyer: sich an diese Regeln halten.
[1:46:26] Philip Banse: Inhaltlich sorgfältig prüfen, Herkunft,
[1:46:27] Philip Banse: Wahrheit, nicht einfach irgendwas
[1:46:27] Philip Banse: raushauen und arbeiten
[1:46:29] Philip Banse: dann Medien nach diesem Kriterium
[1:46:32] Philip Banse: nicht sorgfältig, dann können eben
[1:46:34] Philip Banse: die Landesmedienanstalten Sanktionen
[1:46:36] Philip Banse: verhängen und zwar ordentlich.
[1:46:37] Ulf Buermeyer: Ja, Beanstandung, Untersagung,
[1:46:39] Ulf Buermeyer: Texte können gesperrt werden, die
[1:46:40] Ulf Buermeyer: Rücknahme kann verlangt werden,
[1:46:42] Ulf Buermeyer: gegebenenfalls auch ein Widerruf,
[1:46:43] Ulf Buermeyer: dagegen kann man dann natürlich
[1:46:45] Ulf Buermeyer: wiederum klagen.
[1:46:46] Ulf Buermeyer: Also die Behörde kann das einseitig
[1:46:48] Ulf Buermeyer: tun, dann gibt es dagegen
[1:46:48] Ulf Buermeyer: Rechtsschutz, aber das hat
[1:46:50] Ulf Buermeyer: insofern ein gewisses Geschmäckle
[1:46:52] Ulf Buermeyer: als der Staat damit die Inhalte
[1:46:54] Ulf Buermeyer: von Medien überwacht.
[1:46:56] Ulf Buermeyer: Arbeiten die Medien sorgfältig und
[1:46:57] Ulf Buermeyer: so? und das könnte, je nach der
[1:46:59] Ulf Buermeyer: Handhabung durch die jeweilige
[1:47:00] Ulf Buermeyer: Landesmedienanstalt natürlich
[1:47:02] Ulf Buermeyer: zumindest strukturell auch eine
[1:47:03] Ulf Buermeyer: Gefahr für die Pressefreiheit sein.
[1:47:05] Philip Banse: So, und deswegen können sich
[1:47:07] Philip Banse: Medien alternativ
[1:47:09] Philip Banse: auch den Sorgfaltsregeln des
[1:47:11] Philip Banse: deutschen Presserats unterwerfen.
[1:47:13] Ulf Buermeyer: Und hier kontrollieren
[1:47:15] Ulf Buermeyer: die Medien sich selbst,
[1:47:17] Ulf Buermeyer: ob sie sorgfältig gearbeitet haben.
[1:47:19] Ulf Buermeyer: Das heißt, der Presserat ist im
[1:47:20] Ulf Buermeyer: Grunde ein Zusammenschluss von
[1:47:22] Ulf Buermeyer: Medien, vor allem klassischerweise
[1:47:24] Ulf Buermeyer: natürlich von Zeitungen, die
[1:47:26] Ulf Buermeyer: sich dann wechselseitig
[1:47:28] Ulf Buermeyer: kontrollieren, insbesondere darauf
[1:47:29] Ulf Buermeyer: achten, ob ihre
[1:47:30] Ulf Buermeyer: Mitgliedsunternehmen, ihre
[1:47:32] Ulf Buermeyer: Mitgliedsredaktionen den sogenannten
[1:47:34] Ulf Buermeyer: Pressekodex eingehalten haben.
[1:47:35] Philip Banse: Ja und dieser deutsche Presserat,
[1:47:37] Philip Banse: der wurde eben irgendwie 1956
[1:47:39] Philip Banse: gegründet, eben um ein
[1:47:41] Philip Banse: sogenanntes Bundespressegesetz zu
[1:47:42] Philip Banse: verhindern oder ihm zuvor zu kommen,
[1:47:44] Philip Banse: was eben dann eine deutliche
[1:47:46] Philip Banse: Kontrolle, eine staatliche Kontrolle
[1:47:47] Philip Banse: der Medien bedeutet hätte, und
[1:47:49] Philip Banse: getragen wird der Presserat, du hast
[1:47:51] Philip Banse: es gesagt, von Verbänden, von
[1:47:52] Philip Banse: Journalisten, aber eben auch von
[1:47:54] Philip Banse: Verlagen und die haben,
[1:47:56] Philip Banse: oder der Presserat hat eben ,diesen
[1:47:58] Philip Banse: Pressekodex veröffentlicht,
[1:48:00] Philip Banse: in dem eben festgehalten
[1:48:03] Philip Banse: ist, was ist denn sorgfältiger
[1:48:05] Philip Banse: Journalismus?
[1:48:06] Ulf Buermeyer: Was ist eine sorgfältige Recherche?
[1:48:08] Ulf Buermeyer: Wie berichtet man über den Verdacht
[1:48:10] Ulf Buermeyer: gegen eine Person?
[1:48:11] Ulf Buermeyer: Wann darf man verdeckt
[1:48:13] Ulf Buermeyer: recherchieren? Was ja häufig eben
[1:48:14] Ulf Buermeyer: auch mit Täuschungen von
[1:48:15] Ulf Buermeyer: Kontaktpersonen einhergeht.
[1:48:17] Ulf Buermeyer: Wie sollen Inhalt und Werbung
[1:48:18] Ulf Buermeyer: getrennt werden? Und vor allem, wie
[1:48:20] Ulf Buermeyer: sollen Medien mit Fehlern umgehen?
[1:48:21] Philip Banse: So, und außerdem gelten
[1:48:23] Philip Banse: für diese Medien, die dem deutschen
[1:48:25] Philip Banse: Presserat beitreten und sich eben
[1:48:27] Philip Banse: diesem Presserat, diesen Regeln
[1:48:29] Philip Banse: unterwerfen, auch der sogenannte
[1:48:31] Philip Banse: Redaktionsdatenschutz.
[1:48:32] Philip Banse: Das ist wie so ein bisschen ein
[1:48:34] Philip Banse: aufgebohrter Datenschutz, denn
[1:48:36] Philip Banse: natürlich sammeln wir
[1:48:38] Philip Banse: als Medium auch Daten über
[1:48:40] Philip Banse: Personen, wenn man recherchiert.
[1:48:42] Philip Banse: Und natürlich will man nicht,
[1:48:44] Philip Banse: dass diese Personen unter Umständen
[1:48:46] Philip Banse: einfach eine Anfrage stellen können
[1:48:48] Philip Banse: und sagen, wir hätten gerne mal die
[1:48:49] Philip Banse: Daten, die ihr über mich gesammelt
[1:48:50] Philip Banse: habt.
[1:48:51] Philip Banse: Das passt natürlich nicht zu
[1:48:52] Philip Banse: Recherchen und deswegen gibt
[1:48:54] Philip Banse: es den Redaktionsdatenschutz, der
[1:48:56] Philip Banse: eben Medien erlaubt, bestimmte Daten
[1:48:58] Philip Banse: zu sammeln, ohne sie auch
[1:48:59] Philip Banse: herausgeben zu müssen.
[1:49:00] Ulf Buermeyer: Und ehrlich gesagt, finden wir das
[1:49:02] Ulf Buermeyer: einfach ein sehr gutes System, dass
[1:49:04] Ulf Buermeyer: eben Medienunternehmen sich über
[1:49:05] Ulf Buermeyer: diesen Presserat selber
[1:49:07] Ulf Buermeyer: wechselseitig kontrollieren, sich
[1:49:08] Ulf Buermeyer: wechselseitig auf die Finger
[1:49:09] Ulf Buermeyer: schauen. Deswegen wollten wir dieses
[1:49:11] Ulf Buermeyer: System unterstützen, haben Antrag
[1:49:13] Ulf Buermeyer: gestellt auf Mitgliedschaft im
[1:49:14] Ulf Buermeyer: deutschen Presserat und wurde
[1:49:16] Ulf Buermeyer: geprüft. Die wollen eben gerade
[1:49:17] Ulf Buermeyer: nicht, dass jedes beliebige
[1:49:19] Ulf Buermeyer: Blog da mitmacht, sondern die wollen
[1:49:20] Ulf Buermeyer: eben tatsächlich nur, dass
[1:49:22] Ulf Buermeyer: Qualitätsmedien Mitglied werden
[1:49:24] Ulf Buermeyer: und das wurde bei der Lage der
[1:49:26] Ulf Buermeyer: Nation geprüft, gebilligt.
[1:49:27] Ulf Buermeyer: Und jetzt zahlen wir also pro Jahr
[1:49:28] Ulf Buermeyer: einen Beitrag und sind Mitglied im
[1:49:30] Ulf Buermeyer: Presserat.
[1:49:30] Philip Banse: Ja, und jeder und jede kann sich
[1:49:32] Philip Banse: jetzt beim Presserat über
[1:49:34] Philip Banse: Berichte auch aus der Lage in
[1:49:36] Philip Banse: der Lage der Nation beschweren,
[1:49:38] Philip Banse: ja, wenn Leute das Gefühl haben,
[1:49:40] Philip Banse: hier, da wurde gegen den
[1:49:42] Philip Banse: Pressekodex verstoßen.
[1:49:44] Philip Banse: Dann gibt es beim Presserat einen
[1:49:46] Philip Banse: Ausschuss, der prüft das und der
[1:49:48] Philip Banse: besteht eben aus Journalisten,
[1:49:49] Philip Banse: Journalistinnen und Verlagsvertretern
[1:49:50] Philip Banse: und wenn die der
[1:49:52] Philip Banse: Meinung sind, da gab es einen
[1:49:54] Philip Banse: Verstoß, was machen die dann?
[1:49:55] Ulf Buermeyer: Na ja, die können natürlich alle
[1:49:57] Ulf Buermeyer: möglichen Sanktionen aussprechen.
[1:49:59] Ulf Buermeyer: Da gibt es den Hinweis, die
[1:50:00] Ulf Buermeyer: Missbilligung und die öffentliche
[1:50:02] Ulf Buermeyer: Rüge. Und der Witz dabei ist, dass
[1:50:03] Ulf Buermeyer: die Medien, die Mitglied sind im
[1:50:04] Ulf Buermeyer: Presserat, sich verpflichten,
[1:50:06] Ulf Buermeyer: öffentliche Rügen, auch im
[1:50:07] Ulf Buermeyer: Zusammenhang mit dem gerügten
[1:50:08] Ulf Buermeyer: Beitrag zu veröffentlichen.
[1:50:09] Ulf Buermeyer: Also müssten wir gegebenenfalls in
[1:50:11] Ulf Buermeyer: die Show Notes packen.
[1:50:12] Ulf Buermeyer: Und ich weiß nicht, müssten wir da was
[1:50:13] Ulf Buermeyer: reinschneiden ins Audio?
[1:50:15] Philip Banse: Weiß ich nicht genau, ist wahrscheinlich Neuland.
[1:50:16] Philip Banse: Wahrscheinlich müssten wir dann was
[1:50:17] Philip Banse: sagen dazu oder so.
[1:50:19] Ulf Buermeyer: Ich würde es erst mal in die
[1:50:20] Ulf Buermeyer: Shownotes schreiben und dann gucken
[1:50:21] Ulf Buermeyer: wir mal weiter.
[1:50:23] Philip Banse: Also das ist also der Weg, wie sich
[1:50:25] Philip Banse: Medien der staatlichen Kontrolle
[1:50:27] Philip Banse: durch die Landesmedienanstalten
[1:50:30] Philip Banse: entziehen können, wenn es
[1:50:32] Philip Banse: darum geht, arbeiten diese
[1:50:34] Philip Banse: Medien sorgfältig?
[1:50:36] Ulf Buermeyer: Genau, so werden journalistische
[1:50:38] Ulf Buermeyer: Standards namentlich dieser
[1:50:39] Ulf Buermeyer: Pressekodex eingehalten.
[1:50:40] Ulf Buermeyer: Ist für uns selbstverständlich, dass
[1:50:42] Ulf Buermeyer: wir das tun und deswegen finden wir
[1:50:43] Ulf Buermeyer: es auch super, wenn das jetzt eben
[1:50:44] Ulf Buermeyer: Kolleginnen und Kollegen
[1:50:46] Ulf Buermeyer: gegebenenfalls überprüfen.
[1:50:48] Ulf Buermeyer: Das heißt jetzt natürlich nicht,
[1:50:48] Ulf Buermeyer: dass die Landesmedienanstalt
[1:50:50] Ulf Buermeyer: komplett raus sind.
[1:50:51] Ulf Buermeyer: Auch bei Mitgliedern des deutschen
[1:50:52] Ulf Buermeyer: Presserats können die noch andere
[1:50:54] Ulf Buermeyer: rechtliche Anforderungen überprüft,
[1:50:55] Ulf Buermeyer: aber eben nicht die Anforderung, die
[1:50:58] Ulf Buermeyer: quasi unmittelbar die
[1:50:59] Ulf Buermeyer: journalistische Qualität betreffen.
[1:51:01] Ulf Buermeyer: Die bleiben zuständig für andere
[1:51:02] Ulf Buermeyer: Themen wie Jugendschutz oder dass
[1:51:04] Ulf Buermeyer: ein sauberer Umgang mit Werbung ist,
[1:51:06] Ulf Buermeyer: Kennzeichnungspflicht, keine
[1:51:07] Ulf Buermeyer: Schleichwerbung und auch die
[1:51:08] Ulf Buermeyer: Impressumspficht. Ist ja alles
[1:51:09] Ulf Buermeyer: selbstverständlich, dass das bei uns
[1:51:11] Ulf Buermeyer: eingehalten ist, aber das könnte
[1:51:12] Ulf Buermeyer: theoretisch eine Landesmedienanstalt
[1:51:14] Ulf Buermeyer: sich nochmal anschauen.
[1:51:14] Philip Banse: Ja, das wollten wir euch noch mit
[1:51:15] Philip Banse: auf den Weg geben.
[1:51:17] Philip Banse: Ihr könnt euch ja mal angucken.
[1:51:18] Philip Banse: Also wir sind jetzt Teil des
[1:51:19] Philip Banse: deutschen Presserats und unterliegen
[1:51:21] Philip Banse: dem Pressekodex und
[1:51:23] Philip Banse: fühlen uns ihm mehr noch
[1:51:24] Philip Banse: verpflichtet, als wir das ohnehin
[1:51:26] Philip Banse: tun.
[1:51:26] Ulf Buermeyer: Ja, haben wir immer schon beachtet,
[1:51:28] Ulf Buermeyer: aber jetzt ist es quasi auch
[1:51:29] Ulf Buermeyer: offiziell.
[1:51:30] Ulf Buermeyer: Ja, und damit ist die Lage der
[1:51:32] Ulf Buermeyer: Nation für diese Woche umfassend und
[1:51:34] Ulf Buermeyer: abschließend erörtert.
[1:51:35] Ulf Buermeyer: Vielen, vielen Dank für euer
[1:51:36] Ulf Buermeyer: Interesse. Vielen Dank für eure
[1:51:37] Ulf Buermeyer: reiches Feedback.
[1:51:39] Ulf Buermeyer: Immer wieder gerne in unserem Forum
[1:51:41] Ulf Buermeyer: unter talk.lagedernation.org.
[1:51:43] Ulf Buermeyer: Bitte tut uns einen Gefallen, schreibt uns
[1:51:44] Ulf Buermeyer: keine Mails. Schreibt es einfach ins
[1:51:46] Ulf Buermeyer: Forum. Da gibt es nämlich immer
[1:51:47] Ulf Buermeyer: gleich eine spannende Diskussion
[1:51:49] Ulf Buermeyer: um unsere Sendung, um die
[1:51:51] Ulf Buermeyer: Themen der Sendung und auch um
[1:51:53] Ulf Buermeyer: Themenvorschläge, was wir
[1:51:54] Ulf Buermeyer: diskutieren könnten.
[1:51:55] Ulf Buermeyer: Und damit würden wir sagen...
[1:51:56] Philip Banse: Winke Winke macht's gut, schönes
[1:51:58] Philip Banse: Wochenende. Bis nächste Woche wenn
[1:51:59] Philip Banse: ihr mögt.
[1:52:00] Ulf Buermeyer: Bis bald, Tschüss!
[1:52:01] Philip Banse: Tschau.

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