# LdN405 Ampel am Ende, Trump erneut US-Präsident (Interview Isabella Weber, Ökonomin)

An episode of [Lage der Nation - der Politik-Podcast aus Berlin](https://invisiblenetwork.ai/podcast/1092957894), 7 Nov 2024, 1 h 37 min.

Audio: https://dts.podtrac.com/redirect.mp3/files.lagedernation.org/lagedernation/LdN405.mp3?ptm_source=feed&ptm_context=mp3&ptm_file=LdN405.mp3

In der „Lage der Nation“ kehren der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer einmal in der Woche die politischen Ereignisse hierzulande und in der Welt zusammen, so diese sie interessieren und sie sie für relevant halten. Sponsoren Mit nur einem Klick bietet Dir NordVPN erstklassige Cybersicherheit und einen sicheren Zugang zum Internet. Sei auch du sicher! Unsere anderen Sponsoren findet ihr hier Unsere Grundsätze für den Umgang mit Werbung findet ihr hier Die wichtigsten Themen der Woche: • Christian Lindner entlassen: Ampel am Ende • Trump gewinnt US-Wahl • Interview mit Isabella Maria Weber, Ökonomin Quellen zu dieser Folge: Ampel am Ende • Ampel vor dem Aus: Statement von Bundeskanzler Olaf Scholz | 06.11.24 • Ampel-Koalition: Scholz feuert Lindner und kündigt Vertrauensfrage an • Das FDP Reformpapier ist eine Zumutung für junge Menschen • FDP-Chef: Eine kleine Anleitung, um Christian Lindner zu verstehen | ZEIT ONLINE • Lindner-Papier gießt Feuer in den Ampelstreit Trump gewinnt US-Wahl (Interview Isabella Maria Weber, Ökonomin) • Rudi Bachmann (@BachmannRudi) on X • Graf Lambsdorff: Donald Trump ist auch für Russland unberechenbar • US-Wahl 2024: Keine Glückwünsche aus Moskau • US-Wahl 2024: Donald Trump kehrt zurück ins Weiße Haus • The Trump agenda: Here’s what to expect from his second term • Why Are Democrats Having Such a Hard Time Beating Trump? • Isabella M. Weber • Demokratiedämmerung: Was folgt aus Trumps Wahlsieg? • Rudi Bachmann Bilder • Christian Lindner, Marco Buschmann, Bettina Stark-Watzinger, Volker Wissing und Jörg Kukies (nicht im Bild) im Schloss Bellevue, Foto: Kay Nietfeld/dpa • Donald Trump bei einer Wahlparty am 6.11.2024, Foto: Alex Brandon/AP/dpa • Isabella Maria Weber, Foto: UN Trade and Development/Sergio Martinez, CC BY-SA 2.0 Hausmitteilungen • Offizielle Lage-App für iPhone / iPad • Lage Plus Mitglied werden & unabhängigen Journalismus unterstützen • Spende an die Lage der Nation • Lage-Shop • Anmeldung zum Newsletter (Bitte nach unten scrollen) • Feedback und Themenvorschläge • „Lage der Nation“ bei Mastodon • „Lage der Nation“ bei Bluesky • „Lage der Nation“ bei iTunes bewerten • „Lage der Nation“ bei Youtube • „Lage der Nation“ bei Facebook • „Lage der Nation“ bei Instagram • „Lage der Nation“ in der Wikipedia Projekte des Lage-Teams • Die OpenStreetMap auf iPhone & iPad: OpenStreets für iOS (kostenlos) • Die OpenStreetMap auf dem Mac: OpenStreets für MacOS (kostenlos) • „Das Interview mit Philip Banse“

## Chapters

- 0:00 Begrüßung
- 0:55 Regierung: Die Ampel-Koalition ist aufgelöst und strebt Neuwahlen an
- 39:29 USA: Trump is back
- 58:51 USA: Ökonomische Lehren aus der US-Wahl (Isabella Weber)
- 1:29:14 Interview: Nachlese
- 1:34:14 Verabschiedung

## Transcript

[0:00] Olaf Scholz: Ich habe den Bundespräsidenten
[0:01] Olaf Scholz: soeben um die Entlassung des
[0:03] Olaf Scholz: Bundesministers der Finanzen
[0:04] Olaf Scholz: gebeten.
[0:06] Olaf Scholz: Ich sehe mich zu diesem Schritt
[0:07] Olaf Scholz: gezwungen, um Schaden von unserem
[0:09] Olaf Scholz: Land abzuwenden.
[0:10] Philip Banse: Die Ampel ist am Ende.
[0:11] Philip Banse: Der letzte Akt im Drehbuch zum
[0:13] Philip Banse: Ende der Ampel ist diese Woche
[0:15] Philip Banse: über die Bühne gegangen.
[0:16] Ulf Buermeyer: Ja, das hatten wir ja in der letzten
[0:18] Ulf Buermeyer: Woche schon angekündigt.
[0:19] Ulf Buermeyer: Der Bundeskanzler Olaf Scholz hat
[0:21] Ulf Buermeyer: den Bundespräsidenten gebeten,
[0:23] Ulf Buermeyer: Finanzminister Lindner zu entlassen.
[0:24] Ulf Buermeyer: Auch andere FDP Minister
[0:27] Ulf Buermeyer: mussten gehen, sogar deren
[0:29] Ulf Buermeyer: Staatssekretärinnen und
[0:30] Ulf Buermeyer: Staatssekretäre.
[0:31] Ulf Buermeyer: Die Koalition ist damit aufgelöst.
[0:33] Philip Banse: Und damit stehen Neuwahlen
[0:36] Philip Banse: in der Bundesrepublik Deutschland
[0:38] Philip Banse: vor der Tür. Ganz herzlich
[0:39] Philip Banse: willkommen zu einer neuen Ausgabe
[0:41] Philip Banse: der Lage der Nation.
[0:42] Ulf Buermeyer: Ausgabe Nummer 405 vom
[0:44] Ulf Buermeyer: 7. November 2024.
[0:47] Ulf Buermeyer: An den Mikrofonen, wie fast in jeder
[0:48] Ulf Buermeyer: Woche, Ulf Buermeyer, das bin ich.
[0:50] Ulf Buermeyer: Jurist aus Berlin und:
[0:52] Philip Banse: Philip Banse, Journalist aus Berlin.
[0:53] Philip Banse: Ganz herzlich willkommen.
[0:57] Ulf Buermeyer: Ja, Philip, die Ampel ist am Ende.
[0:58] Ulf Buermeyer: Wie kam es dazu?
[0:59] Philip Banse: Also wir hatten das
[1:01] Philip Banse: ja schon gesagt. Das ist eine
[1:03] Philip Banse: geplante Eskalation gewesen
[1:05] Philip Banse: seit Wochen.
[1:06] Philip Banse: Es ist kein Unfall, das war nicht
[1:08] Philip Banse: zufällig, sondern die
[1:10] Philip Banse: entscheidenden Leute in der
[1:12] Philip Banse: Koalition haben das über Wochen
[1:13] Philip Banse: schon geplant, und das hatten wir in
[1:15] Philip Banse: der letzten Lage schon ausführlich
[1:17] Philip Banse: beschrieben.
[1:18] Philip Banse: Aber nach unserer letzten Lage
[1:20] Philip Banse: gab es dann einen neuen Akt
[1:22] Philip Banse: in diesem Drama.
[1:22] Ulf Buermeyer: Ja, sogar einige.
[1:23] Ulf Buermeyer: Kurz nach der Lage nämlich
[1:25] Ulf Buermeyer: veröffentlichte auch Finanzminister,
[1:26] Ulf Buermeyer: noch, nein, Exfinanzminister
[1:28] Ulf Buermeyer: Christian Lindner ein Papier,
[1:30] Ulf Buermeyer: 18 Seiten lang.
[1:32] Ulf Buermeyer: Offiziell soll das angeblich nur für
[1:34] Ulf Buermeyer: interne Beratungen der Ampel gewesen
[1:35] Ulf Buermeyer: sein, aber es steckte voller
[1:37] Ulf Buermeyer: Wahlkampfrhetorik, voller Vorwürfe
[1:40] Ulf Buermeyer: gegen SPD und Grüne.
[1:41] Ulf Buermeyer: Daher ist es ganz offensichtlich
[1:43] Ulf Buermeyer: auch für die Öffentlichkeit gedacht
[1:44] Ulf Buermeyer: gewesen, bewusst geleakt worden.
[1:46] Ulf Buermeyer: Philip, was forderte denn Christian
[1:48] Ulf Buermeyer: Lindner in diesem Papier?
[1:50] Philip Banse: Ja, wir wollen jetzt nicht im Einzelnen darauf eingehen,
[1:51] Philip Banse: weil das ja auch immer ein bisschen
[1:51] Philip Banse: Geschichte ist. Aber so im Kern ging
[1:53] Philip Banse: es darum, Steuern für Unternehmen
[1:55] Philip Banse: zu senken und diese
[1:57] Philip Banse: Steuersenkung auch zu bezahlen
[1:59] Philip Banse: mit Einsparungen beim Bürgergeld
[2:02] Philip Banse: und auch zu bezahlen, indem
[2:04] Philip Banse: man Klimaschutzmaßnahmen für
[2:05] Philip Banse: die Industrie aufschiebt.
[2:07] Philip Banse: Das waren, glaube ich, so die
[2:08] Philip Banse: wichtigsten Sachen.
[2:09] Ulf Buermeyer: Ja, und natürlich Steuersenkung für
[2:10] Ulf Buermeyer: Besserverdienende.
[2:11] Philip Banse: Das auch noch.
[2:11] Ulf Buermeyer: Stichwort Soli weg und so.
[2:13] Ulf Buermeyer: Also, das war, das war schon, das
[2:14] Ulf Buermeyer: war schon ein Papier. Ich glaube,
[2:15] Ulf Buermeyer: das ist nicht zu viel
[2:16] Ulf Buermeyer: reininterpretiert.
[2:18] Ulf Buermeyer: Das war eine bewusste Provokation
[2:20] Ulf Buermeyer: auch für SPD und Grüne.
[2:21] Ulf Buermeyer: Einfach weil diese Forderungen im
[2:23] Ulf Buermeyer: Grunde alle für sich genommen und
[2:25] Ulf Buermeyer: schon mal gar nicht in der
[2:26] Ulf Buermeyer: Gesamtschau, weil diese Forderungen
[2:28] Ulf Buermeyer: einfach für die beiden anderen
[2:29] Ulf Buermeyer: Ampelparteien nicht zu akzeptieren
[2:30] Ulf Buermeyer: waren.
[2:32] Philip Banse: Richtig. Und das erinnert natürlich
[2:33] Philip Banse: an das sogenannte Scheidungspapier
[2:35] Philip Banse: von 1982.
[2:37] Philip Banse: Da gab es im Kern eine ähnliche
[2:38] Philip Banse: Konstellation, da war die SPD mit
[2:40] Philip Banse: der FDP in einer Koalition,
[2:42] Philip Banse: und damals leitete Otto
[2:44] Philip Banse: Graf Lambsdorff das Ende
[2:46] Philip Banse: dieser sozialliberalen Koalition
[2:49] Philip Banse: eben mit so einem politischen
[2:51] Philip Banse: Papier ein, wo
[2:53] Philip Banse: am Ende dann die SPD
[2:55] Philip Banse: gesagt hat, so machen wir das nicht,
[2:56] Philip Banse: und die FDP dann gesagt hat, gut,
[2:57] Philip Banse: dann verlassen wir eben die
[2:58] Philip Banse: Koalition. Einziger Unterschied
[2:59] Philip Banse: damals, es gab auf der anderen
[3:01] Philip Banse: Seite eine Mehrheit für die FDP,
[3:03] Philip Banse: da konnten die also zur Union gehen
[3:05] Philip Banse: und damals dann eben mit Helmut Kohl
[3:07] Philip Banse: eine neue Regierung bilden.
[3:09] Philip Banse: Das ist in diesem Fall nicht
[3:11] Philip Banse: der Fall.
[3:11] Ulf Buermeyer: Richtig.
[3:12] Ulf Buermeyer: Einfach weil die FDP und Union gar
[3:13] Ulf Buermeyer: keine Mehrheit haben.
[3:15] Ulf Buermeyer: Dieses Papier lag auf dem Tisch,
[3:16] Ulf Buermeyer: führte zu viel Aufregung.
[3:18] Ulf Buermeyer: Und dann kam es zum Saisonfinale
[3:21] Ulf Buermeyer: quasi dieser Serie, am Mittwoch,
[3:23] Ulf Buermeyer: nämlich bei einem Koalitionstreffen,
[3:26] Ulf Buermeyer: einem Koalitionsgipfel.
[3:27] Ulf Buermeyer: Olaf Scholz hat dort seinerseits
[3:29] Ulf Buermeyer: Vorschläge gemacht, teilweise
[3:31] Ulf Buermeyer: basierend auf dem Lindner Papier,
[3:32] Ulf Buermeyer: teilweise eben basierend auf
[3:33] Ulf Buermeyer: Vorschlägen von SPD und Grünen,
[3:35] Ulf Buermeyer: wie man da einen Kompromiss finden
[3:37] Ulf Buermeyer: könne. Kern allerdings von Olaf
[3:39] Ulf Buermeyer: Scholz Vorschlägen war, das
[3:41] Ulf Buermeyer: der ganze Spaß ja auch irgendwie zu
[3:42] Ulf Buermeyer: finanzieren sein muss.
[3:43] Ulf Buermeyer: Deswegen hat er wieder einmal quasi
[3:45] Ulf Buermeyer: eine Ausnahme von der Schuldenbremse
[3:47] Ulf Buermeyer: vorgeschlagen. Ihr kennt das ja, die
[3:49] Ulf Buermeyer: Schuldenbremse im Grundgesetz, die
[3:50] Ulf Buermeyer: eben die Nettokreditaufnahme
[3:51] Ulf Buermeyer: begrenzt.
[3:52] Ulf Buermeyer: Da kann man aber Ausnahmen vorsehen
[3:55] Ulf Buermeyer: wegen unvorhergesehener Notlagen.
[3:57] Ulf Buermeyer: Und einen solchen Haushaltsnotstand,
[3:58] Ulf Buermeyer: hat Scholz vorgeschlagen, sollte
[4:00] Ulf Buermeyer: die Ampel doch beschließen.
[4:01] Ulf Buermeyer: Begründung: Krieg in der Ukraine,
[4:04] Ulf Buermeyer: der ja in der Tat nicht
[4:05] Ulf Buermeyer: vorherzusehen war, jedenfalls bevor
[4:07] Ulf Buermeyer: Russland einmarschiert ist.
[4:08] Ulf Buermeyer: Und damit hatte Scholz eben
[4:10] Ulf Buermeyer: vor, bestimmte Dinge zu finanzieren,
[4:12] Ulf Buermeyer: die ja teilweise auch eigentlich
[4:14] Ulf Buermeyer: für die FDP aktuell zu akzeptieren
[4:16] Ulf Buermeyer: sein müssten.
[4:17] Philip Banse: Also mehr Ukrainehilfe in erster
[4:19] Philip Banse: Linie, aber auch zum Beispiel
[4:21] Philip Banse: Netzentgelte runter.
[4:22] Philip Banse: Hatten wir ja letztes Mal schon
[4:23] Philip Banse: gesagt, dass auch die Industrie
[4:26] Philip Banse: so eine Art Gebühr dafür
[4:28] Philip Banse: bezahlt über den Strompreis,
[4:30] Philip Banse: dass die Netze in Deutschland, die
[4:32] Philip Banse: Stromnetze, eben ausgebaut werden.
[4:33] Philip Banse: Diese Netzentgelte sind
[4:35] Philip Banse: sozusagen eine Belastung für die
[4:37] Philip Banse: Industrie. Die wollte Olaf Scholz
[4:39] Philip Banse: über Steuern finanzieren oder eben
[4:41] Philip Banse: deckeln. Das war so der eine Punkt.
[4:42] Philip Banse: Und dann war natürlich der andere
[4:43] Philip Banse: Punkt, den Olaf Scholz auch machen
[4:45] Philip Banse: wollte, nämlich diesen Vorschlag von
[4:47] Philip Banse: Robert Habeck aufnehmen, Investition
[4:49] Philip Banse: oder Leute, Firmen, die in
[4:50] Philip Banse: Deutschland investieren, mit
[4:53] Philip Banse: Steuergeld zu unterstützen.
[4:55] Philip Banse: Also Habecks Plan war da 10 %
[4:57] Philip Banse: bestimmter Investitionen sollten
[4:59] Philip Banse: eben aus dem Steuertopf
[5:01] Philip Banse: bezuschusst werden.
[5:02] Ulf Buermeyer: Aber wie gesagt, das wäre natürlich
[5:03] Ulf Buermeyer: ohne eine Ausnahme von der
[5:05] Ulf Buermeyer: Schuldenbremse nicht zu finanzieren
[5:06] Ulf Buermeyer: gewesen. Deswegen war das
[5:08] Ulf Buermeyer: wiederum alles für Christian Lindner
[5:10] Ulf Buermeyer: nicht zu machen. Die Schuldenbremse
[5:12] Ulf Buermeyer: ist ja Kern seiner
[5:14] Ulf Buermeyer: politischen Identität.
[5:15] Ulf Buermeyer: Stattdessen forderte Lindner
[5:17] Ulf Buermeyer: dann von Olaf Scholz Neuwahlen.
[5:19] Ulf Buermeyer: Also wie auch immer das hätte
[5:20] Ulf Buermeyer: aussehen sollen, ist nicht so
[5:22] Ulf Buermeyer: richtig klar, denn man kann ja nicht
[5:23] Ulf Buermeyer: einfach so Neuwahlen beschließen.
[5:25] Ulf Buermeyer: Das wäre also verfassungsrechtlich
[5:27] Ulf Buermeyer: sehr schwierig geworden.
[5:27] Ulf Buermeyer: Aber wie auch immer, das forderte
[5:30] Ulf Buermeyer: Lindner von Scholz.
[5:30] Ulf Buermeyer: Und diese Forderung wiederum, die
[5:32] Ulf Buermeyer: fand sich dann binnen Minuten
[5:34] Ulf Buermeyer: wie von Zauberhand auch
[5:36] Ulf Buermeyer: bei Bild.de, war also
[5:38] Ulf Buermeyer: aus dieser vertraulichen
[5:39] Ulf Buermeyer: Koalitionsrunde geleakt worden.
[5:41] Philip Banse: Und was man so hört, war nicht der
[5:42] Philip Banse: Vorschlag, komm, lass uns doch
[5:43] Philip Banse: irgendwie wie auch immer Neuwahlen
[5:45] Philip Banse: machen, was Scholz den Kragen
[5:47] Philip Banse: platzen ließ, sondern es war
[5:48] Philip Banse: offensichtlich diese
[5:50] Philip Banse: umgehende Veröffentlichung, dieser
[5:52] Philip Banse: umgehende Leak zu Bild.de,
[5:55] Philip Banse: der das Fass dann zum Überlaufen
[5:56] Philip Banse: gebracht hat.
[5:57] Philip Banse: Und so hat dann wohl
[5:59] Philip Banse: Scholz nach zwei Stunden
[6:00] Philip Banse: Koalitionssitzung entschieden,
[6:02] Philip Banse: Christian Lindner, das war's.
[6:04] Philip Banse: Ich werde den Bundespräsident um
[6:05] Philip Banse: Entlassung des Finanzministers
[6:08] Philip Banse: bitten.
[6:09] Ulf Buermeyer: Ja, und dabei mischten sich eben die
[6:10] Ulf Buermeyer: Enttäuschung über die Indiskretionen
[6:12] Ulf Buermeyer: im konkreten Fall mit lang
[6:14] Ulf Buermeyer: aufgestauter Frustration bei
[6:15] Ulf Buermeyer: Olaf Scholz, insbesondere
[6:17] Ulf Buermeyer: Frustration über diesen Punkt
[6:19] Ulf Buermeyer: Ausnahme von der Schuldenbremse, den
[6:20] Ulf Buermeyer: Christian Lindner jetzt eben seit
[6:22] Ulf Buermeyer: dem KTF Urteil des
[6:24] Ulf Buermeyer: Bundesverfassungsgerichts konsequent
[6:26] Ulf Buermeyer: immer wieder verweigert hat.
[6:27] Ulf Buermeyer: Wenig später trat Olaf Scholz
[6:29] Ulf Buermeyer: dann vor die Presse und warf
[6:31] Ulf Buermeyer: dem ehemaligen Finanzminister
[6:33] Ulf Buermeyer: Lindner Verantwortungslosigkeit vor.
[6:35] Olaf Scholz: Zu oft hat Bundesminister Lindner
[6:37] Olaf Scholz: Gesetze sachfremd blockiert.
[6:40] Olaf Scholz: Zu oft hat er kleinkariert
[6:41] Olaf Scholz: parteipolitisch taktiert.
[6:44] Olaf Scholz: Zu oft hat er mein Vertrauen
[6:46] Olaf Scholz: gebrochen.
[6:48] Olaf Scholz: Sogar die Einigung auf den Haushalt
[6:49] Olaf Scholz: hat er einseitig wieder
[6:50] Olaf Scholz: aufgekündigt, nachdem wir uns in
[6:52] Olaf Scholz: langen Verhandlungen bereits darauf
[6:54] Olaf Scholz: verständigt hatten.
[6:55] Olaf Scholz: Es gibt keine Vertrauensbasis
[6:57] Olaf Scholz: für die weitere Zusammenarbeit.
[6:59] Olaf Scholz: So ist ernsthafte Regierungsarbeit
[7:01] Olaf Scholz: nicht möglich.
[7:03] Philip Banse: Also Vertrauensbruch.
[7:04] Philip Banse: Das sind schon harte Worte.
[7:06] Philip Banse: Scholz sagte, wer in eine Regierung
[7:08] Philip Banse: einsteigt, der muss eben bereit
[7:09] Philip Banse: sein, auch Kompromisse zu schließen.
[7:11] Philip Banse: Kompromisse zum Wohle
[7:13] Philip Banse: des Landes.
[7:15] Olaf Scholz: Darum aber geht es Christian
[7:17] Olaf Scholz: Lindner gerade nicht.
[7:18] Olaf Scholz: Ihm geht es um die eigene Klientel.
[7:21] Olaf Scholz: Ihm geht es um das kurzfristige
[7:22] Olaf Scholz: Überleben der eigenen Partei.
[7:25] Olaf Scholz: Gerade heute,
[7:27] Olaf Scholz: einen Tag nach einem so wichtigen
[7:29] Olaf Scholz: Ereignis wie den Wahlen in Amerika,
[7:31] Olaf Scholz: ist solcher Egoismus vollkommen
[7:33] Olaf Scholz: unverständlich.
[7:35] Ulf Buermeyer: Egoismus, Verantwortungslosigkeit,
[7:37] Ulf Buermeyer: das sind schon richtig scharfe Töne.
[7:40] Ulf Buermeyer: Da hat Olaf Scholz seinen ehemaligen
[7:41] Ulf Buermeyer: Koalitionspartner mit sehr harten
[7:43] Ulf Buermeyer: Worten und auch teils eher
[7:45] Ulf Buermeyer: emotionalen Formulierungen,
[7:46] Ulf Buermeyer: insbesondere wenn man Olaf Scholz
[7:47] Ulf Buermeyer: kennt, kritisiert.
[7:49] Ulf Buermeyer: Und dementsprechend sind die
[7:50] Ulf Buermeyer: Reaktionen in Berlin auf
[7:52] Ulf Buermeyer: Olaf Scholz.Spontane Ansprache
[7:54] Ulf Buermeyer: auch, muss man sagen, gemischt.
[7:56] Philip Banse: Die einen sagen, das war viel zu
[7:58] Philip Banse: emotional, der Kanzler war
[8:00] Philip Banse: angefasst, das war irgendwie
[8:01] Philip Banse: unprofessionell.
[8:02] Philip Banse: Und die anderen sagen, na ja,
[8:04] Philip Banse: endlich mal Klartext, endlich
[8:06] Philip Banse: mal Führung.
[8:07] Philip Banse: Und da darfs auch gerne mal
[8:08] Philip Banse: emotional werden, denn es geht ja
[8:09] Philip Banse: auch schließlich um eine Menge.
[8:11] Philip Banse: Die Frage ist jetzt hier so ein
[8:12] Philip Banse: bisschen, wie ist jetzt
[8:14] Philip Banse: Stand der Dinge?
[8:15] Philip Banse: Wie geht es weiter?
[8:16] Ulf Buermeyer: Also Bundeskanzler Scholz hat den
[8:17] Ulf Buermeyer: Bundespräsidenten gebeten, Lindner
[8:19] Ulf Buermeyer: zu entlassen.
[8:21] Ulf Buermeyer: Ihr hört vielleicht überall in den
[8:22] Ulf Buermeyer: Medien, Scholz habe Lindner
[8:23] Ulf Buermeyer: entlassen, das ist aber nicht
[8:24] Ulf Buermeyer: sauber. Das kann er nämlich gar
[8:26] Ulf Buermeyer: nicht. Das macht nach dem
[8:27] Ulf Buermeyer: Grundgesetz der Bundespräsident.
[8:29] Ulf Buermeyer: Aber wiederum der Bundespräsident
[8:30] Ulf Buermeyer: ist verpflichtet, dieser Bitte des
[8:32] Ulf Buermeyer: Kanzlers zu entsprechen.
[8:33] Ulf Buermeyer: Also im Ergebnis hat schon Scholz
[8:35] Ulf Buermeyer: Lindner gefeuert.
[8:37] Ulf Buermeyer: Und am Donnerstag hat dann auch der
[8:38] Ulf Buermeyer: Bundespräsident Lindner tatsächlich
[8:40] Ulf Buermeyer: seine Entlassungsurkunde in die Hand
[8:42] Ulf Buermeyer: gedrückt. Mit Lindner gehen
[8:44] Ulf Buermeyer: auch die weiteren FDP Minister,
[8:46] Ulf Buermeyer: nämlich Justizminister Marco
[8:47] Ulf Buermeyer: Buschmann und Bildungsministerin
[8:49] Ulf Buermeyer: Bettina Stark-Watzinger.
[8:51] Ulf Buermeyer: Aber Philip, die FDP hat doch
[8:53] Ulf Buermeyer: eigentlich vier Minister?
[8:54] Philip Banse: Ja, die Frage ist, was ist
[8:56] Philip Banse: eigentlich mit Verkehrsminister
[8:57] Philip Banse: Volker Wissing?
[8:58] Philip Banse: Und das war dann heute Morgen doch
[9:00] Philip Banse: ein Paukenschlag.
[9:02] Philip Banse: Da kam nämlich die Eilmeldung.
[9:04] Philip Banse: Volker Wissing bleibt Minister.
[9:05] Philip Banse: Man fragt sich erst so, wie bleibt
[9:07] Philip Banse: er denn bitteschön, Minister?
[9:09] Philip Banse: Na ja, er tritt aus der FDP
[9:11] Philip Banse: aus.
[9:11] Ulf Buermeyer: Das heißt also, die Bundesregierung
[9:13] Ulf Buermeyer: hat jetzt einen parteilosen Ex-FDP
[9:15] Ulf Buermeyer: Minister, der tatsächlich auch
[9:17] Ulf Buermeyer: Verkehrsminister bleiben darf.
[9:19] Ulf Buermeyer: Also das eine ist ziemlich krasser
[9:21] Ulf Buermeyer: Schritt von Volker Wissing, aus der
[9:22] Ulf Buermeyer: absoluten Spitze einer Partei
[9:24] Ulf Buermeyer: quasi direkt mal auszutreten
[9:26] Ulf Buermeyer: und auf der anderen Seite natürlich
[9:28] Ulf Buermeyer: auch ein krasser Move von Olaf
[9:29] Ulf Buermeyer: Scholz zu sagen, okay, wenn
[9:31] Ulf Buermeyer: du mit der FDP brichst, dann darfst
[9:33] Ulf Buermeyer: du Minister bleiben.
[9:34] Ulf Buermeyer: Denn üblicherweise bleiben natürlich
[9:36] Ulf Buermeyer: nur parteilose Menschen Minister,
[9:39] Ulf Buermeyer: denen man eben auch vertraut.
[9:40] Ulf Buermeyer: Also das ist schon, wenn ich ehrlich
[9:41] Ulf Buermeyer: bin, auch ein ziemlicher Vertrauensvorschuss
[9:43] Ulf Buermeyer: von Olaf Scholz für Volker Wissing.
[9:45] Philip Banse: Ja, zumal ja Volker Wissing nicht
[9:47] Philip Banse: nur Bundesverkehrsminister bleibt,
[9:49] Philip Banse: sondern er übernimmt von Marco
[9:51] Philip Banse: Buschmann auch zusätzlich
[9:53] Philip Banse: noch das Bundesjustizministerium.
[9:55] Philip Banse: Und Landwirtschaftsminister Özdemir
[9:57] Philip Banse: von den Grünen übernimmt zusätzlich
[9:59] Philip Banse: auch das Bundesministerium für
[10:01] Philip Banse: Bildung und Forschung von der
[10:03] Philip Banse: scheidenden Ministerin Bettina
[10:05] Philip Banse: Stark-Watzinger.
[10:06] Philip Banse: Aber zurück zu Volker Wissing.
[10:07] Philip Banse: Er hätte in der Theorie ja
[10:09] Philip Banse: auch in der FDP bleiben
[10:12] Philip Banse: können.
[10:13] Philip Banse: Scholz hätte ihn dann nicht
[10:14] Philip Banse: rauswerfen müssen, er hätte auch
[10:15] Philip Banse: sagen können, ja, also Koalition ist
[10:17] Philip Banse: halt am Ende, aber
[10:18] Philip Banse: ich vertraue dir, du bleibst in der
[10:20] Philip Banse: FDP und willst Minister bleiben.
[10:22] Philip Banse: Wunderbar. Aber das wäre natürlich
[10:23] Philip Banse: der maximal ausgestreckte
[10:24] Philip Banse: Stinkefinger in Richtung FDP
[10:26] Philip Banse: gewesen. Ich weiß nicht, ob sie
[10:27] Philip Banse: sofort ein Parteiausschlussverfahren
[10:29] Philip Banse: angeschoben hätten, aber
[10:31] Philip Banse: der Druck auf Wissing
[10:33] Philip Banse: war wohl auch schon ziemlich groß,
[10:35] Philip Banse: die FDP dann auch zu verlassen, wenn
[10:37] Philip Banse: er denn in der Ampel bleibt.
[10:38] Ulf Buermeyer: Und da haben natürlich auch
[10:39] Ulf Buermeyer: Vertraute Wissing dann gesagt,
[10:40] Ulf Buermeyer: lieber Volker, das kannst du jetzt
[10:42] Ulf Buermeyer: nicht bringen.
[10:42] Ulf Buermeyer: Aber ich finde, es ist trotzdem ein
[10:44] Ulf Buermeyer: interessanter Vorgang, weil er
[10:45] Ulf Buermeyer: natürlich ein Schlaglicht wirft auf
[10:46] Ulf Buermeyer: die innere Situation der FDP.
[10:49] Ulf Buermeyer: Christian Lindner hat in der FDP
[10:50] Ulf Buermeyer: Fraktion auch in der Partei
[10:52] Ulf Buermeyer: natürlich nach wie vor eine breite
[10:53] Ulf Buermeyer: Mehrheit hinter sich.
[10:54] Ulf Buermeyer: Aber es ist eben auch alles nicht
[10:56] Ulf Buermeyer: ganz so einfach.
[10:56] Philip Banse: Es rumort halt.
[10:57] Ulf Buermeyer: Es rumort halt auch ganz gewaltig.
[10:59] Ulf Buermeyer: Es gibt eben auch Menschen, die
[11:00] Ulf Buermeyer: nicht mehr bereit sind, diesen Kurs
[11:02] Ulf Buermeyer: von Christian Lindner mitzutragen.
[11:04] Ulf Buermeyer: Und ich meine, für Volker Wissing
[11:05] Ulf Buermeyer: muss man sagen, ist das ja auch sehr
[11:06] Ulf Buermeyer: hoch gepokert.
[11:07] Ulf Buermeyer: Ich meine, das ist ja völlig klar,
[11:09] Ulf Buermeyer: dass wenn irgendwann mal diese
[11:11] Ulf Buermeyer: Rumpfregierung von Olaf Scholz ein
[11:12] Ulf Buermeyer: Ende findet, dann hat Volker Wissing
[11:14] Ulf Buermeyer: jedenfalls mal in der FDP
[11:16] Ulf Buermeyer: keine Zukunft.
[11:17] Ulf Buermeyer: Da ist er ja nun gerade ausgetreten.
[11:18] Ulf Buermeyer: Er hat aber auch schon angekündigt,
[11:20] Ulf Buermeyer: er will nicht einer anderen Partei
[11:21] Ulf Buermeyer: beitreten. Also sehr wahrscheinlich
[11:22] Ulf Buermeyer: wird er einfach zurückgehen quasi
[11:24] Ulf Buermeyer: ins Privatleben.
[11:25] Ulf Buermeyer: Und insofern finde ich das
[11:26] Ulf Buermeyer: außerordentlich respektabel, dass
[11:28] Ulf Buermeyer: er jetzt eben nicht einfach so
[11:30] Ulf Buermeyer: irgendwie weitermacht, um zu
[11:31] Ulf Buermeyer: schauen, wie er sein politisches
[11:34] Ulf Buermeyer: Schicksal retten kann, sondern dass
[11:35] Ulf Buermeyer: er sagt, das kann ich nicht
[11:37] Ulf Buermeyer: mittragen, was Christian Lindner da
[11:38] Ulf Buermeyer: tut. Da spielen natürlich auch im
[11:40] Ulf Buermeyer: Hintergrund große persönliche
[11:42] Ulf Buermeyer: Verletzungen eine Rolle.
[11:43] Ulf Buermeyer: Also viele Menschen haben Volker
[11:45] Ulf Buermeyer: Wissing ja quasi als einen sehr
[11:46] Ulf Buermeyer: schlechten Verkehrsminister
[11:47] Ulf Buermeyer: wahrgenommen, weil er eben so viel
[11:49] Ulf Buermeyer: Autopolitik gemacht habe angeblich
[11:51] Ulf Buermeyer: und weil er eben die Verkehrswende
[11:52] Ulf Buermeyer: nicht entschlossen genug
[11:53] Ulf Buermeyer: vorangetrieben habe.
[11:55] Ulf Buermeyer: Aber ich sage mal so, diese
[11:57] Ulf Buermeyer: Entwicklungen jetzt machen deutlich,
[11:58] Ulf Buermeyer: dass das vielleicht auch nicht alles
[12:00] Ulf Buermeyer: originär die Vorstellungen von
[12:02] Ulf Buermeyer: Volker Wissing waren.
[12:03] Philip Banse: Sondern Teildruck von Christian
[12:04] Philip Banse: Lindner.
[12:05] Ulf Buermeyer: Massiv, ich denke, das kann man schon
[12:06] Ulf Buermeyer: sehen. Und zugleich gab es
[12:08] Ulf Buermeyer: auch eine große Entfremdung, das war
[12:09] Ulf Buermeyer: auch in der Presse schon seit
[12:10] Ulf Buermeyer: Monaten zu lesen, zwischen der FDP
[12:12] Ulf Buermeyer: Bundestagsfraktion und Volker
[12:13] Ulf Buermeyer: Wissing, weil er denen nämlich
[12:15] Ulf Buermeyer: wiederum nicht radikal genug war.
[12:16] Ulf Buermeyer: Also er saß irgendwann zwischen
[12:17] Ulf Buermeyer: allen Stühlen.
[12:18] Ulf Buermeyer: Und insofern ist dieser
[12:19] Ulf Buermeyer: Parteiaustritt letzten Endes,
[12:21] Ulf Buermeyer: glaube ich, auch so eine Art Bilanz
[12:23] Ulf Buermeyer: Polit Selbstmord.
[12:25] Philip Banse: Die Frage ist jetzt, wie geht es mit
[12:26] Philip Banse: dem Land, mit Deutschland weiter?
[12:28] Philip Banse: Was geschieht nun?
[12:30] Philip Banse: Also Scholz hat für den 15.
[12:32] Philip Banse: Januar eine Vertrauensfrage
[12:34] Philip Banse: angekündigt. Das bedeutet, er geht
[12:36] Philip Banse: in den Bundestag und will vom
[12:37] Philip Banse: Bundestag, vom Plenum wissen, habe
[12:39] Philip Banse: ich hier noch euer Vertrauen?
[12:40] Philip Banse: Habe ich hier noch eine Mehrheit?
[12:43] Philip Banse: Und wahrscheinlich hat er die eben
[12:45] Philip Banse: nicht, weil nur Grüne und SPD
[12:47] Philip Banse: eben noch in dieser Regierung sind
[12:48] Philip Banse: und die anderen wahrscheinlich gegen
[12:50] Philip Banse: ihn stimmen werden. Das heißt, er
[12:51] Philip Banse: verliert diese Vertrauensabstimmung
[12:53] Philip Banse: aller Voraussicht nach im Januar.
[12:54] Philip Banse: Und dann könnte der Bundespräsident
[12:56] Philip Banse: sagen, okay, es gibt keine
[12:58] Philip Banse: politische Mehrheit mehr.
[12:59] Philip Banse: Ich löse den Bundestag auf
[13:01] Philip Banse: und setze Neuwahlen an,
[13:03] Philip Banse: da gibt es dann Fristen.
[13:05] Philip Banse: Kann er nicht irgendwann machen.
[13:07] Philip Banse: Das wäre dann wahrscheinlich Ende
[13:09] Philip Banse: März.
[13:10] Ulf Buermeyer: Ja, das ist also jedenfalls Stand
[13:12] Ulf Buermeyer: heute die Planung, das ist die Idee
[13:13] Ulf Buermeyer: von Olaf Scholz.
[13:15] Ulf Buermeyer: Sagen wir mal so, in Berlin, im
[13:17] Ulf Buermeyer: politischen Berlin kocht natürlich
[13:18] Ulf Buermeyer: jetzt die Gerüchteküche hoch.
[13:20] Ulf Buermeyer: Und es ist auch durchaus nicht
[13:22] Ulf Buermeyer: allgemeine Meinung, dass dieser
[13:23] Ulf Buermeyer: Zeitplan zu halten ist.
[13:24] Ulf Buermeyer: Es gibt durchaus auch Stimmen, die
[13:25] Ulf Buermeyer: sagen, das wird Olaf Scholz niemals
[13:27] Ulf Buermeyer: noch zwei, drei Monate durchhalten,
[13:29] Ulf Buermeyer: sondern im Gegenteil, er wird schon
[13:30] Ulf Buermeyer: früher möglicherweise
[13:32] Ulf Buermeyer: die Vertrauensfrage stellen müssen.
[13:35] Ulf Buermeyer: Ich persönlich halte diese These
[13:36] Ulf Buermeyer: nicht für so wahnsinnig
[13:37] Ulf Buermeyer: wahrscheinlich, denn Philip, du hast
[13:38] Ulf Buermeyer: angesprochen, es gibt da Fristen.
[13:40] Ulf Buermeyer: Also wenn der Bundespräsident den
[13:41] Ulf Buermeyer: Bundestag auflöst, da muss einfach
[13:43] Ulf Buermeyer: innerhalb bestimmter Fristen neu
[13:44] Ulf Buermeyer: gewählt werden.
[13:45] Ulf Buermeyer: Und ganz ehrlich niemand kann sich
[13:47] Ulf Buermeyer: vorstellen, wie das einfach
[13:48] Ulf Buermeyer: organisatorisch zu machen sein soll,
[13:50] Ulf Buermeyer: im Januar oder im Februar schon den
[13:51] Ulf Buermeyer: Bundestag neu zu wählen.
[13:52] Ulf Buermeyer: Die Parteien müssen ja Listen
[13:54] Ulf Buermeyer: aufstellen, es müssen überall
[13:55] Ulf Buermeyer: Kandidaten aufgestellt werden,
[13:56] Ulf Buermeyer: Wahlzettel müssen gedruckt werden,
[13:57] Ulf Buermeyer: die Kommunen müssen das vorbereiten,
[13:59] Ulf Buermeyer: Wahlbenachrichtigung versenden und
[14:00] Ulf Buermeyer: so. Mit anderen Worten, einen
[14:02] Ulf Buermeyer: solchen mega Zeitdruck jetzt zu
[14:04] Ulf Buermeyer: produzieren durch eine quasi
[14:05] Ulf Buermeyer: völlig überhastete Auflösung des
[14:07] Ulf Buermeyer: Bundestages, das kann ich persönlich
[14:09] Ulf Buermeyer: mir nicht so richtig vorstellen.
[14:10] Ulf Buermeyer: Und ich sehe auch einfach selbst für
[14:11] Ulf Buermeyer: die Union eigentlich keinen
[14:13] Ulf Buermeyer: politischen Vorteil darin.
[14:14] Ulf Buermeyer: Denn, dazu kommen wir gleich noch im
[14:16] Ulf Buermeyer: Detail, es sind einfach auch noch
[14:17] Ulf Buermeyer: eine ganze Menge Projekte in der
[14:19] Ulf Buermeyer: Pipeline, die im Grunde aus Sicht
[14:20] Ulf Buermeyer: aller demokratischen Parteien noch
[14:22] Ulf Buermeyer: durch den Bundestag sollen, bevor
[14:24] Ulf Buermeyer: gewählt wird.
[14:24] Philip Banse: Also noch mal zur Bewertung, zur
[14:26] Philip Banse: Analyse.
[14:28] Philip Banse: Ich würde denken, endlich
[14:29] Philip Banse: hat Scholz mal Führung bewiesen.
[14:31] Philip Banse: Er hat endlich, endlich mal gesagt,
[14:34] Philip Banse: so geht das nicht.
[14:36] Philip Banse: Er hat damit ein bisschen lange
[14:37] Philip Banse: gewartet, würde ich sagen.
[14:38] Philip Banse: Das hätte alles ein knappes Jahr
[14:40] Philip Banse: früher passieren müssen, nämlich
[14:42] Philip Banse: als das Bundesverfassungsgericht
[14:44] Philip Banse: diese Finanzierung vom Klima- und
[14:45] Philip Banse: Transformationsfonds unterbunden,
[14:47] Philip Banse: verboten hat.
[14:49] Ulf Buermeyer: Mit umgewidmeten Coronamitteln.
[14:50] Philip Banse: Mit umgewidmeten Coronamitteln,
[14:51] Philip Banse: damit quasi der Ampelkoalition
[14:53] Philip Banse: der ganze Haushalt um die Ohren
[14:55] Philip Banse: geflogen ist und trotzdem
[14:57] Philip Banse: natürlich enorme Summen aufgebracht
[14:59] Philip Banse: werden mussten, um zu investieren,
[15:01] Philip Banse: um überhaupt diesen Haushalt zu
[15:02] Philip Banse: finanzieren.
[15:03] Philip Banse: Und spätestens da hätte Scholz
[15:05] Philip Banse: sagen müssen, lieber Christian,
[15:07] Philip Banse: mit der Schuldenbremse fliegt uns
[15:09] Philip Banse: hier alles um die Ohren.
[15:10] Philip Banse: Wir kriegen das nicht finanziert.
[15:11] Philip Banse: Wir müssen der Ukraine helfen, wir
[15:13] Philip Banse: müssen der Wirtschaft helfen.
[15:14] Philip Banse: Wenn du das nicht machst, bitte,
[15:16] Philip Banse: da ist die Tür.
[15:18] Philip Banse: Dann hätte die Ampel wahrscheinlich
[15:20] Philip Banse: ein echtes Erfolgsmodell werden
[15:21] Philip Banse: können. Und damals war es auch noch
[15:22] Philip Banse: so, da war die FDP die einzige
[15:25] Philip Banse: Partei, die wirklich durch Neuwahlen
[15:27] Philip Banse: was zu verlieren hatte.
[15:28] Philip Banse: Damals standen SPD und Grüne
[15:30] Philip Banse: besser da und
[15:32] Philip Banse: die FDP, glaube ich, wäre damals
[15:34] Philip Banse: nicht gegangen. Kann ich mir nicht
[15:35] Philip Banse: vorstellen.
[15:35] Ulf Buermeyer: Also wenn Olaf Scholz ultimativ
[15:37] Ulf Buermeyer: gesagt hätte Christian, die
[15:38] Ulf Buermeyer: Schuldenbremse ist Geschichte mit
[15:39] Ulf Buermeyer: der KTF Entscheidung aus Karlsruhe,
[15:42] Ulf Buermeyer: dann kann ich mir auch nicht
[15:43] Ulf Buermeyer: vorstellen, dass Christian Lindner
[15:44] Ulf Buermeyer: bei damals ja schon Umfragen um die
[15:46] Ulf Buermeyer: 5 % quasi die Existenz
[15:48] Ulf Buermeyer: seiner Partei auf's Spiel gesetzt
[15:49] Ulf Buermeyer: hätte, weil eben,
[15:51] Ulf Buermeyer: du hast es gesagt, SPD und Grüne so
[15:53] Ulf Buermeyer: viel besser da standen. Also damals
[15:54] Ulf Buermeyer: hätte er die FDP also noch wirklich
[15:55] Ulf Buermeyer: unter Druck setzen können.
[15:57] Ulf Buermeyer: Heute, das sieht man an dieser
[15:58] Ulf Buermeyer: Entlassung von Lindner, heute hat
[16:00] Ulf Buermeyer: das nicht mehr funktioniert, denn,
[16:01] Ulf Buermeyer: das haben wir in der vergangenen
[16:02] Ulf Buermeyer: Woche ja schon analysiert, heute
[16:04] Ulf Buermeyer: glaubt insbesondere Christian
[16:05] Ulf Buermeyer: Lindner und mit ihm die FDP Spitze,
[16:07] Ulf Buermeyer: bei einem Bruch der Ampelkoalition
[16:09] Ulf Buermeyer: sogar etwas gewinnen zu können.
[16:11] Ulf Buermeyer: Die Ampel ist so unbeliebt, vor
[16:12] Ulf Buermeyer: allem in der FDP Basis, dass Lindner
[16:14] Ulf Buermeyer: und seine Leute davon ausgehen, dass
[16:15] Ulf Buermeyer: sie eher noch Punkte machen für den
[16:17] Ulf Buermeyer: Bundestagswahlkampf.
[16:18] Ulf Buermeyer: Also insofern teile ich da deine
[16:19] Ulf Buermeyer: Einschätzung. Philip, das ist völlig
[16:21] Ulf Buermeyer: richtig, was Olaf Scholz jetzt
[16:22] Ulf Buermeyer: gemacht hat. Aber es kommt einfach
[16:24] Ulf Buermeyer: zu spät, denn nun bleiben eben
[16:26] Ulf Buermeyer: nur noch ein paar Wochen
[16:27] Ulf Buermeyer: Minderheitsregierung und dann kommen
[16:29] Ulf Buermeyer: Neuwahlen. Das heißt also, da können
[16:31] Ulf Buermeyer: jetzt auch SPD und Grüne eigentlich
[16:32] Ulf Buermeyer: nicht mehr so richtig Punkte machen.
[16:33] Philip Banse: Ja, auch für die politische Kultur
[16:34] Philip Banse: war dieses lähmende letzte Jahr
[16:36] Philip Banse: nicht gut.
[16:37] Philip Banse: Man kann sagen ja, es wird immer
[16:39] Philip Banse: gestritten, aber es ist
[16:40] Philip Banse: einfach, glaube ich, zu viel
[16:42] Philip Banse: Porzellan zerschlagen worden,
[16:44] Philip Banse: unnötigerweise zerschlagen worden.
[16:46] Philip Banse: Nun finde ich es in Ordnung, weil
[16:47] Philip Banse: man sagen muss okay, es gibt einen
[16:49] Philip Banse: Neuanfang, es gibt eine Chance.
[16:51] Philip Banse: Die politische Klasse ist dazu in
[16:53] Philip Banse: der Lage zu erkennen, wenn es nicht
[16:55] Philip Banse: mehr weiter geht, dann muss halt neu
[16:57] Philip Banse: gewürfelt werden. Dann muss halt neu
[16:59] Philip Banse: geguckt werden.
[17:00] Philip Banse: Und das passiert jetzt.
[17:01] Philip Banse: Und ich würde sagen, diese Neuwahlen
[17:03] Philip Banse: bergen eben eine Chance für diesen
[17:05] Philip Banse: Neuanfang.
[17:06] Ulf Buermeyer: Ob das dann auch ein inhaltlicher
[17:07] Ulf Buermeyer: Neuanfang ist, das muss man schauen.
[17:09] Ulf Buermeyer: Schauen wir doch einfach ganz kurz
[17:10] Ulf Buermeyer: noch mal, das ihr es mal gehört
[17:11] Ulf Buermeyer: habt, auf den Stand der Umfragen.
[17:14] Philip Banse: Sonntagsfrage.
[17:15] Philip Banse: Was wäre, wenn Sonntag gewählt
[17:16] Philip Banse: würde? Wen würden Sie wählen?
[17:17] Ulf Buermeyer: Da steht die Union bei gut
[17:19] Ulf Buermeyer: über 30 %, 31,
[17:21] Ulf Buermeyer: 32, manchmal auch 34 %,
[17:23] Ulf Buermeyer: die SPD so um die 16 %,
[17:25] Ulf Buermeyer: also etwa acht Punkte unter ihrem
[17:27] Ulf Buermeyer: letzten Ergebnis bei der
[17:28] Ulf Buermeyer: Bundestagswahl, die Grünen
[17:29] Ulf Buermeyer: bei 10-11 %, auch
[17:31] Ulf Buermeyer: deutlich verloren.
[17:33] Ulf Buermeyer: Die Linke steht nur noch bei 3 %,
[17:35] Ulf Buermeyer: das heißt, sie würde an der 5 %
[17:36] Ulf Buermeyer: Hürde scheitern.
[17:37] Ulf Buermeyer: Aber die Reform des
[17:39] Ulf Buermeyer: Wahlrechts wurde ja gerade vom
[17:40] Ulf Buermeyer: Bundesverfassungsgericht vor einigen
[17:42] Ulf Buermeyer: Monaten quasi leicht modifiziert.
[17:44] Ulf Buermeyer: Also im Prinzip ist das alles
[17:45] Ulf Buermeyer: verfassungsgemäß.
[17:46] Ulf Buermeyer: Aber das Bundesverfassungsgericht
[17:48] Ulf Buermeyer: hat einstweilen die
[17:50] Ulf Buermeyer: Grundmandatsklausel
[17:51] Ulf Buermeyer: wieder eingeführt quasi.
[17:53] Ulf Buermeyer: Das bedeutet, wenn eine Partei
[17:55] Ulf Buermeyer: drei Direktmandate gewinnt,
[17:57] Ulf Buermeyer: dann zieht sie selbst dann in den
[17:59] Ulf Buermeyer: Bundestag ein, wenn es bundesweit
[18:00] Ulf Buermeyer: nicht für 5 % gereicht hat.
[18:01] Ulf Buermeyer: Und das ist bei der Linken, sagen
[18:03] Ulf Buermeyer: wir mal, die Hoffnung.
[18:04] Philip Banse: Die FDP liegt aktuell so bei
[18:06] Philip Banse: 3-4 %, da sie
[18:08] Philip Banse: sich keine Hoffnung machen können
[18:09] Philip Banse: auf drei Direktmandate wäre das
[18:12] Philip Banse: raus, würde das bedeuten raus aus
[18:13] Philip Banse: dem Bundestag und das BSW
[18:15] Philip Banse: liegt so bei plusminus 6-7 %.
[18:18] Philip Banse: Tendenz über die letzten Wochen
[18:20] Philip Banse: etwas sinkend.
[18:21] Philip Banse: Aber aktuell könnten die sich
[18:23] Philip Banse: Hoffnungen machen, in den Bundestag
[18:25] Philip Banse: zu ziehen. Das ist so ganz grob die
[18:27] Philip Banse: Konstellation, die sich
[18:28] Philip Banse: natürlich in einem halben Jahr noch
[18:30] Philip Banse: ändern kann. Aber von da müssen
[18:32] Philip Banse: jetzt die aktuellen Planungen
[18:33] Philip Banse: einfach mal ausgehen.
[18:34] Ulf Buermeyer: Das bedeutet also im Ergebnis, dass
[18:35] Ulf Buermeyer: die nächste Bundesregierung wohl von
[18:37] Ulf Buermeyer: der Union angeführt werden dürfte.
[18:40] Ulf Buermeyer: Das wiederum bedeutet dann
[18:42] Ulf Buermeyer: einen Bundeskanzler Friedrich Merz.
[18:44] Ulf Buermeyer: Nach 25 Jahren wäre Friedrich
[18:46] Ulf Buermeyer: Merz dann endlich am Ziel seiner
[18:48] Ulf Buermeyer: politischen Träume.
[18:49] Ulf Buermeyer: Beim ersten Mal ist ihm ja quasi
[18:50] Ulf Buermeyer: Angela Merkel dazwischengekommen.
[18:52] Ulf Buermeyer: Dann hat er eine lange Auszeit
[18:53] Ulf Buermeyer: genommen in der Privatwirtschaft.
[18:55] Ulf Buermeyer: Jetzt käme dann endlich
[18:57] Ulf Buermeyer: quasi die Erfüllung seiner
[18:58] Ulf Buermeyer: Lebensträume.
[18:59] Ulf Buermeyer: Es sei denn, es geschieht noch ein
[19:01] Ulf Buermeyer: Wunder in diesem jetzt Jahr
[19:02] Ulf Buermeyer: anstehenden, wenn auch sehr kurzen
[19:04] Ulf Buermeyer: Bundestagswahlkampf.
[19:05] Ulf Buermeyer: Zum Beispiel, das ist so ein
[19:06] Ulf Buermeyer: Gerücht, das sich natürlich auch
[19:07] Ulf Buermeyer: hält in der Berliner Bubble, was ist
[19:09] Ulf Buermeyer: denn eigentlich, wenn die SPD jetzt
[19:11] Ulf Buermeyer: eben doch noch mit Boris Pistorius
[19:13] Ulf Buermeyer: antreten sollte? Aber Stand heute
[19:14] Ulf Buermeyer: ist davon eigentlich keine Rede.
[19:16] Ulf Buermeyer: Ich denke, Olaf Scholz sitzt fester
[19:18] Ulf Buermeyer: im Sattel denn je.
[19:19] Ulf Buermeyer: Gerade du hast es gesagt, weil er
[19:20] Ulf Buermeyer: Führung bewiesen hat.
[19:22] Ulf Buermeyer: Es könnte höchstens sein, wenn er
[19:23] Ulf Buermeyer: jetzt noch richtig schwere Fehler
[19:24] Ulf Buermeyer: macht in diesen Wochen des
[19:26] Ulf Buermeyer: Interregnums.
[19:26] Ulf Buermeyer: Aber ich persönlich sehe das nicht.
[19:28] Ulf Buermeyer: Also wie gesagt, Pistorius wird
[19:29] Ulf Buermeyer: immer noch gehandelt.
[19:30] Ulf Buermeyer: Aber das wiederum sehe ich nicht
[19:32] Ulf Buermeyer: kommen.
[19:32] Philip Banse: Ja, das müsse vor allen Dingen
[19:33] Philip Banse: jetzt sofort passieren.
[19:34] Philip Banse: Na, damit kannst du jetzt nicht noch
[19:35] Philip Banse: bis zum Januar warten oder so was,
[19:37] Philip Banse: das müsste jetzt sofort passieren.
[19:39] Philip Banse: Deutet sich momentan nicht an, so.
[19:41] Philip Banse: Was ja interessant ist, ist diese
[19:42] Philip Banse: Option Linke und FDP scheitern
[19:44] Philip Banse: an der 5 % Hürde.
[19:46] Philip Banse: BSW und AfD dürften reinkommen.
[19:48] Philip Banse: Gehen wir davon aus, die Linken
[19:49] Philip Banse: kriegen ihre drei Direktmandate
[19:51] Philip Banse: nicht, also dann flögen FDP
[19:52] Philip Banse: und Linke raus.
[19:54] Philip Banse: BSW würde quasi
[19:56] Philip Banse: neu hinzu kommen.
[19:58] Philip Banse: Zwei Fraktionen flögen raus, nur
[19:59] Philip Banse: eine neue würde hinzukommen und das
[20:01] Philip Banse: könnte dann schon ein paar
[20:03] Philip Banse: interessante Folgen haben.
[20:04] Philip Banse: Denn wenn viele
[20:06] Philip Banse: Prozente sozusagen nicht reinkommen,
[20:08] Philip Banse: also unter der 5 % Hürde bleiben und
[20:10] Philip Banse: deswegen für die Zählung rausfallen,
[20:12] Philip Banse: dann gibt es einfach mehr Sitze
[20:14] Philip Banse: im Bundestag pro Prozent.
[20:16] Philip Banse: Also dann könnte es sein,
[20:18] Philip Banse: dass AfD und BSW
[20:20] Philip Banse: mit weit weniger als einem Drittel
[20:22] Philip Banse: der Stimmen tatsächlich
[20:24] Philip Banse: 1/3 der Sitze im Bundestag
[20:26] Philip Banse: bekämen und damit eine
[20:27] Philip Banse: Sperrminorität bekämen.
[20:29] Ulf Buermeyer: Also das ist natürlich immer ganz
[20:30] Ulf Buermeyer: schwer zu prognostizieren, wie viel
[20:31] Ulf Buermeyer: Prozent der Zweitstimmen man
[20:33] Ulf Buermeyer: braucht. Aber je nachdem
[20:35] Ulf Buermeyer: wie viele Parteien nicht reinkommen,
[20:37] Ulf Buermeyer: wie viele Stimmen unter den Tisch
[20:38] Ulf Buermeyer: fallen, können so 28-29 %
[20:41] Ulf Buermeyer: der Zweitstimmen schon reichen
[20:43] Ulf Buermeyer: dafür, dass dann diese beiden
[20:44] Ulf Buermeyer: Fraktionen AfD BSW zusammen
[20:46] Ulf Buermeyer: auf 1/3 der Mandate im Bundestag
[20:48] Ulf Buermeyer: käme und dann hätten sie wieder
[20:50] Ulf Buermeyer: eine sogenannte Sperrminorität.
[20:52] Ulf Buermeyer: Das heißt also, es könnte ohne AfD
[20:55] Ulf Buermeyer: oder BSW keine Verfassungsänderung
[20:56] Ulf Buermeyer: mehr dem Bundestag passieren
[20:58] Ulf Buermeyer: und auch keine Verfassungsrichterin
[21:00] Ulf Buermeyer: und Verfassungsrichter für Karlsruhe
[21:02] Ulf Buermeyer: könnten gewählt werden ohne AfD und
[21:04] Ulf Buermeyer: BSW. Und damit, mal kurz
[21:06] Ulf Buermeyer: zusammengefasst, ohne Zustimmung
[21:08] Ulf Buermeyer: aus dem Kreml.
[21:08] Philip Banse: Also die Grundregel ist, je mehr
[21:10] Philip Banse: Parteien an der 5 %
[21:12] Philip Banse: Hürde scheitern und je mehr knapp
[21:15] Philip Banse: an der 5 % Hürde scheitern,
[21:17] Philip Banse: desto weniger Stimmen brauchst
[21:19] Philip Banse: du für eine Sperrminorität
[21:21] Philip Banse: im Bundestag.
[21:22] Philip Banse: Aber gleichzeitig eben auch für eine
[21:24] Philip Banse: Regierungsbildung.
[21:25] Ulf Buermeyer: Richtig, das ist natürlich die
[21:26] Ulf Buermeyer: andere Seite. Warum ist das so?
[21:27] Ulf Buermeyer: Nur ganz kurz kann man einfach die
[21:28] Ulf Buermeyer: Matte aufmachen.
[21:29] Ulf Buermeyer: Die Zweitstimmen werden ja komplett
[21:31] Ulf Buermeyer: gezählt und daraus ergeben sich
[21:32] Ulf Buermeyer: dann die Stimmanteile bei der
[21:34] Ulf Buermeyer: Bundestagswahl.
[21:35] Ulf Buermeyer: Aber wenn jetzt zum Beispiel,
[21:38] Ulf Buermeyer: nur um ein Beispiel zu wählen, FDP
[21:39] Ulf Buermeyer: und Linkspartei beide
[21:41] Ulf Buermeyer: mit jeweils 4 % der Zweitstimmen
[21:44] Ulf Buermeyer: an der 5 % Hürde scheitern,
[21:46] Ulf Buermeyer: dann würden schon nur noch 92 %
[21:48] Ulf Buermeyer: der Zweitstimmen überhaupt mitzählen
[21:50] Ulf Buermeyer: bei der Verteilung der Sitze.
[21:51] Ulf Buermeyer: Und jetzt gehen wir mal davon aus,
[21:52] Ulf Buermeyer: dann gibt es noch ein paar andere
[21:53] Ulf Buermeyer: Kleinparteien.
[21:54] Ulf Buermeyer: Gehen wir noch mal davon aus,
[21:55] Ulf Buermeyer: irgendwie keine Ahnung,
[21:56] Ulf Buermeyer: Tierschutzpartei ein Prozentpunkt
[21:58] Ulf Buermeyer: und Volt noch mal 3 %.
[22:00] Ulf Buermeyer: Dann hast du irgendwann nur noch so
[22:02] Ulf Buermeyer: etwa 87-88 %
[22:04] Ulf Buermeyer: der Zweitstimmen, die bei der
[22:05] Ulf Buermeyer: Verteilung gezählt werden.
[22:07] Philip Banse: Für die Sitze im Bundestag.
[22:07] Ulf Buermeyer: Für die Sitze im Bundestag.
[22:08] Ulf Buermeyer: Und dementsprechend reichen dann
[22:10] Ulf Buermeyer: am Ende vielleicht 28-29 %
[22:12] Ulf Buermeyer: für 33 % der Mandate oder
[22:15] Ulf Buermeyer: 45 % der Zweitstimmen
[22:17] Ulf Buermeyer: können dann auch reichen für eine
[22:18] Ulf Buermeyer: absolute Mehrheit im Bundestag, um
[22:20] Ulf Buermeyer: einen Kanzler wählen zu können.
[22:21] Ulf Buermeyer: Oder eine Kanzlerin.
[22:22] Philip Banse: Richtig. Also die Frage ist
[22:23] Philip Banse: natürlich dann daher jetzt,
[22:25] Philip Banse: wie sich die Parteien aufstellen
[22:27] Philip Banse: werden für diesen wahrscheinlich
[22:29] Philip Banse: anstehenden Bundestagswahlkampf
[22:32] Philip Banse: und für das Abschneiden von AfD und
[22:33] Philip Banse: BSW ist die Strategie
[22:36] Philip Banse: für den Wahlkampf der Union ganz
[22:38] Philip Banse: maßgeblich.
[22:39] Ulf Buermeyer: Ja, das ist auf den ersten Blick
[22:40] Ulf Buermeyer: kontraintuitiv. Wieso entscheidet
[22:41] Ulf Buermeyer: die Union maßgeblich, wie AfD und
[22:43] Ulf Buermeyer: BSW abschneiden?
[22:44] Ulf Buermeyer: Ganz einfach. Weil diese Parteien
[22:46] Ulf Buermeyer: ganz zentral auf das Thema Migration
[22:48] Ulf Buermeyer: setzen und die Union
[22:50] Ulf Buermeyer: wiederum kann entscheiden, nicht
[22:52] Ulf Buermeyer: alleine, aber weitgehend, welche
[22:54] Ulf Buermeyer: Rolle das Thema Migration im
[22:56] Ulf Buermeyer: Bundestagswahlkampf spielt.
[22:57] Ulf Buermeyer: Also die AfD alleine kann im
[22:58] Ulf Buermeyer: Wesentlichen so in ihre
[22:59] Ulf Buermeyer: rechtsextreme Blase senden.
[23:01] Ulf Buermeyer: Aber ob quasi das Land über
[23:03] Ulf Buermeyer: Migration redet, das entscheidet
[23:04] Ulf Buermeyer: maßgeblich die Union und vielleicht
[23:06] Ulf Buermeyer: noch die Bildzeitung.
[23:07] Ulf Buermeyer: Und wenn im Wahlkampf also Migration
[23:09] Ulf Buermeyer: das große Thema ist wiederum, dann
[23:11] Ulf Buermeyer: gewinnen BSW und AfD viel
[23:13] Ulf Buermeyer: mehr Prozentpunkte bei den
[23:15] Ulf Buermeyer: Bundestagswahlen, als wenn das Thema
[23:16] Ulf Buermeyer: Migration eher am Rande
[23:19] Ulf Buermeyer: Thema ist.
[23:19] Philip Banse: Und rücken damit eben näher
[23:21] Philip Banse: an diese Sperrminorität.
[23:22] Ulf Buermeyer: Also das ist so die Kurzfassung Je
[23:24] Ulf Buermeyer: mehr wir im Wahlkampf über Migration
[23:25] Ulf Buermeyer: reden, desto gefährlicher, dass
[23:27] Ulf Buermeyer: diese beiden Parteien eine
[23:28] Ulf Buermeyer: Sperrminorität einfahren können.
[23:30] Ulf Buermeyer: Und deswegen ist der Kurs der Union
[23:32] Ulf Buermeyer: in dieser Frage so zentral.
[23:34] Ulf Buermeyer: Und das ist deswegen spannend, weil
[23:35] Ulf Buermeyer: die Union in dieser Frage sehr
[23:37] Ulf Buermeyer: gespalten ist.
[23:38] Philip Banse: Die einen sagen, lasst uns
[23:40] Philip Banse: das Thema eher klein halten,
[23:41] Philip Banse: Migration, lasst uns lieber reden
[23:43] Philip Banse: über Wirtschaft oder andere Dinge.
[23:45] Philip Banse: Sonst stärken wir BSW und AfD.
[23:47] Philip Banse: Und die anderen in der Union sagen,
[23:49] Philip Banse: lasst uns die Ampelparteien
[23:51] Philip Banse: mit dem Thema Migration
[23:53] Philip Banse: grillen, dann verlieren die,
[23:55] Philip Banse: also Grüne und SPD massiv.
[23:58] Philip Banse: Zwar gewinnt dann nicht unbedingt
[24:00] Philip Banse: die Union, aber immerhin
[24:01] Philip Banse: wird die Linke, also sogenanntes
[24:03] Philip Banse: Linkes Lager geschwächt.
[24:05] Philip Banse: Na ja, das ist so ein bisschen das
[24:07] Philip Banse: Reasoning innerhalb der Union,
[24:08] Philip Banse: innerhalb von diesen beiden Lagern.
[24:10] Ulf Buermeyer: Ja, und mal ganz grob mit Namen
[24:12] Ulf Buermeyer: benannt. Diese zweite Meinung,
[24:14] Ulf Buermeyer: Migration spielen, ist so, Team
[24:16] Ulf Buermeyer: Linnemann, Merz zum Beispiel und die
[24:17] Ulf Buermeyer: andere Fraktion wären zum Beispiel
[24:19] Ulf Buermeyer: viele Ministerpräsidenten,
[24:21] Ulf Buermeyer: die eher so einen moderaten Kurs
[24:23] Ulf Buermeyer: fahren. Also, wir haben die jetzt
[24:24] Ulf Buermeyer: nicht noch mal gefragt, aber ich
[24:25] Ulf Buermeyer: würde mal davon ausgehen, nach
[24:26] Ulf Buermeyer: allem, was sie so sagen, Daniel
[24:27] Ulf Buermeyer: Günther oder Hendrik Wüst sind eher
[24:29] Ulf Buermeyer: in dem Team, die sagen, Um Gottes
[24:31] Ulf Buermeyer: Willen, nicht schon wieder ein
[24:32] Ulf Buermeyer: Migrationswahlkampf, Das ist doch
[24:33] Ulf Buermeyer: schon in Ostdeutschland vor die Wand
[24:35] Ulf Buermeyer: gefahren. Die Union hat teilweise
[24:37] Ulf Buermeyer: sogar verloren, jedenfalls nicht
[24:38] Ulf Buermeyer: wirklich gewonnen.
[24:39] Ulf Buermeyer: Wer aber richtig gewonnen hat, sind
[24:41] Ulf Buermeyer: BSW und AfD.
[24:42] Ulf Buermeyer: Das heißt also von diesem
[24:43] Ulf Buermeyer: Glaubenskrieg in der Union, wie man
[24:45] Ulf Buermeyer: den Wahlkampf führen soll, hängt nun
[24:46] Ulf Buermeyer: letztlich maßgeblich ab, wie der
[24:48] Ulf Buermeyer: nächste Bundestag aussieht, wie
[24:50] Ulf Buermeyer: viele Parteien am rechten Rand wir
[24:52] Ulf Buermeyer: im nächsten Bundestag haben werden.
[24:53] Philip Banse: Ähnliches gibt es auch bei den
[24:55] Philip Banse: Grünen.
[24:56] Philip Banse: Auch da gibt es einen
[24:57] Philip Banse: Richtungsstreit, der letztlich darum
[24:58] Philip Banse: geht, welchen Kurs sollen die Grünen
[25:00] Philip Banse: denn einschlagen?
[25:01] Philip Banse: Sollen die Grünen eher auf einen
[25:03] Philip Banse: moderat konservativen Kurs
[25:05] Philip Banse: einschwenken, also Marke
[25:07] Philip Banse: Robert Habeck?
[25:08] Philip Banse: Stichwort Merkellücke schließen,
[25:10] Philip Banse: also all jene Wählerinnen
[25:12] Philip Banse: und Wähler erobern,
[25:14] Philip Banse: ja, die so im moderat
[25:15] Philip Banse: konservativen Bereich unterwegs
[25:17] Philip Banse: sind, die Merkel gut fanden, denen
[25:18] Philip Banse: Merz zu weit rechts steht.
[25:20] Philip Banse: Oder sollen wir doch back to the
[25:22] Philip Banse: roots gehen, also soziale
[25:24] Philip Banse: Themen, Minderheitenrechte.
[25:26] Ulf Buermeyer: Bürgerrechte, Umwelt.
[25:29] Philip Banse: Bürgerrechte nach oben schieben. Jetzt ist praktischerweise
[25:30] Philip Banse: natürlich nächste Woche
[25:31] Philip Banse: Bundesparteitag der Grünen.
[25:33] Philip Banse: Bundesdelegiertenkonferenz heißt es,
[25:34] Philip Banse: glaube ich.
[25:35] Philip Banse: Und deswegen fährt Ulf da
[25:37] Philip Banse: auch mal hin für uns als Korri.
[25:38] Ulf Buermeyer: Genau. Also ich bin nächste Woche
[25:39] Ulf Buermeyer: dann in Wiesbaden.
[25:41] Ulf Buermeyer: Sag mal hallo.
[25:42] Ulf Buermeyer: Ich freue mich schon sehr. Ist
[25:42] Ulf Buermeyer: ehrlich gesagt mein erster
[25:43] Ulf Buermeyer: Bundesparteitag.
[25:45] Ulf Buermeyer: Das ist einer der vielen Vorteile,
[25:46] Ulf Buermeyer: dass ich jetzt eben hauptberuflich
[25:47] Ulf Buermeyer: bei der Lage der Nation bin.
[25:48] Ulf Buermeyer: Jetzt habe ich Zeit, mich mal in den
[25:50] Ulf Buermeyer: Zug zu setzen.
[25:51] Philip Banse: Aber auch während sich die Parteien
[25:52] Philip Banse: eben auskäsen, wie sie
[25:54] Philip Banse: denn diese Bundestagswahl angehen
[25:56] Philip Banse: wollen, hat Deutschland,
[25:58] Philip Banse: und das muss man ganz deutlich
[25:59] Philip Banse: sagen, eine Regierung.
[26:02] Philip Banse: Trotz allem.
[26:03] Philip Banse: Der Kanzler bleibt im
[26:05] Philip Banse: Amt. Die anderen Minister,
[26:07] Philip Banse: so er sie denn nicht entlässt, auch,
[26:08] Philip Banse: nur Buschmann, Lindner und
[26:10] Philip Banse: Stark-Watzinger müssen halt gehen
[26:12] Philip Banse: und werden ersetzt.
[26:13] Philip Banse: Zum Beispiel das Bundesministerium
[26:15] Philip Banse: der Finanzen übernimmt Jörg Kukies,
[26:17] Philip Banse: ein alter Fahrensmann,
[26:20] Philip Banse: alter Gefährte von Olaf Scholz,
[26:22] Philip Banse: der sich ja auch im Bundesfinanzministerium
[26:24] Philip Banse: auskennt als ehemaliger
[26:25] Philip Banse: Bundesfinanzminister.
[26:26] Philip Banse: Also es gibt einen Bundeskanzler, es
[26:28] Philip Banse: gibt eine Regierung.
[26:29] Philip Banse: Diese Regierung hat nur eben keine
[26:31] Philip Banse: Mehrheit mehr im Bundestag.
[26:33] Ulf Buermeyer: Aber das ist eben ganz wichtig zu
[26:34] Ulf Buermeyer: verstehen.
[26:35] Ulf Buermeyer: Das führt nicht dazu,
[26:37] Ulf Buermeyer: diese fehlende Mehrheit im
[26:38] Ulf Buermeyer: Bundestag, dass die Regierung
[26:39] Ulf Buermeyer: irgendwie nicht mehr regieren kann. Ganz
[26:40] Ulf Buermeyer: im Gegenteil, sie kann die volle
[26:41] Ulf Buermeyer: Macht der Exekutive, der
[26:43] Ulf Buermeyer: Verwaltung in Deutschland weiter
[26:45] Ulf Buermeyer: nutzen. Das heißt, sie kann im
[26:47] Ulf Buermeyer: Rahmen der geltenden Gesetze auch
[26:48] Ulf Buermeyer: weiter vor sich hin regieren.
[26:50] Ulf Buermeyer: Sie kann zum Beispiel sogar
[26:51] Ulf Buermeyer: Verordnungen erlassen, soweit da
[26:53] Ulf Buermeyer: nicht im Ausnahmefall die Zustimmung
[26:54] Ulf Buermeyer: des Bundestages erforderlich ist.
[26:56] Ulf Buermeyer: Das gibt es auch in seltenen Fällen.
[26:58] Ulf Buermeyer: Diese würde sie möglicherweise nicht
[27:00] Ulf Buermeyer: mehr bekommen, mangels Mehrheit.
[27:01] Ulf Buermeyer: Aber im Grundsatz kann die Regierung
[27:03] Ulf Buermeyer: weiterregieren.
[27:04] Ulf Buermeyer: Und zum Schwur kommt es immer nur
[27:05] Ulf Buermeyer: dann, wenn sie Gesetze verabschieden
[27:07] Ulf Buermeyer: oder Gesetze ändern will, eben durch
[27:09] Ulf Buermeyer: Änderungsgesetz.
[27:10] Ulf Buermeyer: Dann bräuchte sie Stimmen
[27:12] Ulf Buermeyer: aus anderen Fraktionen.
[27:14] Ulf Buermeyer: Philip, was heißt denn das jetzt für
[27:15] Ulf Buermeyer: die politische Praxis in
[27:16] Ulf Buermeyer: Deutschland, bis dann tatsächlich
[27:18] Ulf Buermeyer: neu gewählt wird?
[27:20] Philip Banse: So komisch das klingt, aber
[27:21] Philip Banse: möglicherweise wird sich
[27:23] Philip Banse: erst mal so gar nicht so wahnsinnig
[27:25] Philip Banse: viel anders anfühlen.
[27:27] Philip Banse: Auch in den nächsten
[27:29] Philip Banse: Wochen und Monaten wird
[27:31] Philip Banse: es Streit geben.
[27:33] Philip Banse: Es wird Diskussionen darüber geben.
[27:35] Philip Banse: Sollen wir dieses Gesetz machen?
[27:37] Philip Banse: Wenn ja, wie?
[27:38] Philip Banse: Der Streit wird nur nicht mehr so
[27:40] Philip Banse: sehr zumindest innerhalb der Ampel
[27:42] Philip Banse: stattfinden, sondern er wird
[27:44] Philip Banse: stattdessen wahrscheinlich eher mit
[27:46] Philip Banse: der Union stattfinden.
[27:47] Philip Banse: Weil, wenn sich Grüne und SPD einig
[27:49] Philip Banse: sind, wir würden jetzt gern Gesetz
[27:50] Philip Banse: XY verabschieden, dann
[27:52] Philip Banse: würden sie sich auf die Suche nach
[27:53] Philip Banse: Stimmen machen und da würden sie
[27:55] Philip Banse: zuerst wahrscheinlich bei der Union
[27:57] Philip Banse: landen. Und sagen, hört mal zu, wir
[27:58] Philip Banse: haben hier dieses Gesetz.
[27:59] Philip Banse: Unter welchen Umständen würdet ihr
[28:01] Philip Banse: denn hier zustimmen?
[28:02] Philip Banse: Und da wird es natürlich auch Streit
[28:03] Philip Banse: und Debatte geben.
[28:04] Ulf Buermeyer: Und also Scholz hat schon
[28:05] Ulf Buermeyer: angekündigt, dass er viele, viele
[28:06] Ulf Buermeyer: Projekte jetzt noch zur Abstimmung
[28:08] Ulf Buermeyer: stellen will im Deutschen Bundestag.
[28:10] Ulf Buermeyer: Denn man muss ja sehen, im Bundestag
[28:11] Ulf Buermeyer: sind ja zahllose Gesetzesvorhaben
[28:13] Ulf Buermeyer: schon eingebracht, sind in
[28:15] Ulf Buermeyer: verschiedenen Stadien im
[28:16] Ulf Buermeyer: Gesetzgebungsvorhaben.
[28:17] Ulf Buermeyer: Bei manchen gibt es die erste
[28:18] Ulf Buermeyer: Lesung, die noch ansteht, bei
[28:20] Ulf Buermeyer: manchen ist die erste Lesung schon
[28:21] Ulf Buermeyer: durch. Und dann, damit ist ja
[28:22] Ulf Buermeyer: verbunden, die Überweisung in die
[28:23] Ulf Buermeyer: zuständigen Ausschüsse.
[28:24] Ulf Buermeyer: Das heißt, da liegen ohne Ende
[28:26] Ulf Buermeyer: Projekte, die ja jetzt nicht über
[28:28] Ulf Buermeyer: Nacht Makulatur sind.
[28:29] Ulf Buermeyer: Also nach der Neuwahl des
[28:30] Ulf Buermeyer: Bundestages sind sie Makulatur.
[28:31] Ulf Buermeyer: Das ist der sogenannte
[28:32] Ulf Buermeyer: Diskontinuitätsgrundsatz.
[28:34] Ulf Buermeyer: Das heißt also Gesetzesvorhaben
[28:35] Ulf Buermeyer: aus einer Legislatur, die werden
[28:37] Ulf Buermeyer: quasi in den Papierkorb geworfen,
[28:39] Ulf Buermeyer: sobald der Bundestag sich neu
[28:40] Ulf Buermeyer: konstituiert.
[28:41] Ulf Buermeyer: Aber bislang gibt es da ja noch ohne
[28:43] Ulf Buermeyer: Ende Projekte, und teilweise
[28:45] Ulf Buermeyer: ist gar nicht ausgeschlossen,
[28:47] Ulf Buermeyer: dass die noch durchkommen.
[28:48] Ulf Buermeyer: Es ist also einfach offen und hängt
[28:49] Ulf Buermeyer: sehr vom Thema ab, ob die Union
[28:51] Ulf Buermeyer: der SPD und den Grünen Scholz
[28:53] Ulf Buermeyer: und Habeck und so noch was
[28:55] Ulf Buermeyer: gönnen will oder nicht.
[28:57] Ulf Buermeyer: Es ist also eine ziemlich skurrile
[28:59] Ulf Buermeyer: Situation, weil eigentlich auch
[29:00] Ulf Buermeyer: nicht so richtig klar ist, wer da so
[29:02] Ulf Buermeyer: genau mit wem verhandeln muss.
[29:03] Ulf Buermeyer: Also wir haben zum Beispiel jetzt
[29:04] Ulf Buermeyer: auch mit Leuten aus der Grünen
[29:05] Ulf Buermeyer: Fraktion gesprochen, die sagen uns
[29:07] Ulf Buermeyer: ja, also klar, mit der SPD
[29:09] Ulf Buermeyer: müssen wir uns unterhalten, aber mit
[29:10] Ulf Buermeyer: wem denn noch? Also reden wir jetzt
[29:12] Ulf Buermeyer: trotzdem noch mit der FDP, obwohl
[29:13] Ulf Buermeyer: die jetzt Opposition sind?
[29:14] Ulf Buermeyer: Reden wir mit der Union?
[29:15] Ulf Buermeyer: Reden vielleicht sogar mit der
[29:16] Ulf Buermeyer: Gruppe der Linken?
[29:17] Philip Banse: Zumal ja einige aus der FDP auch
[29:19] Philip Banse: gesagt haben, ja gut, okay,
[29:20] Philip Banse: Koalition ist vielleicht zu Ende.
[29:21] Philip Banse: Aber mein Gott, wir sitzen halt
[29:22] Philip Banse: weiter in dem Bundestag und-
[29:24] Ulf Buermeyer: Volker Wissing zum Beispiel.
[29:25] Philip Banse: Und sind ansprechbar.
[29:27] Ulf Buermeyer: Das ist ja das Skurrile, der ist
[29:29] Ulf Buermeyer: natürlich durch fraktionslos,
[29:31] Ulf Buermeyer: aber der hat, also gehe ich mal von
[29:32] Ulf Buermeyer: aus, ist noch nicht offiziell, aber
[29:33] Ulf Buermeyer: da wird ja wohl auch aus der FDP
[29:34] Ulf Buermeyer: Fraktion austreten.
[29:35] Ulf Buermeyer: Aber ich meine, er hätte ja immerhin
[29:36] Ulf Buermeyer: eine Stimme, also ist jetzt eine von
[29:38] Ulf Buermeyer: über 700 Stimmen, aber immerhin,
[29:40] Ulf Buermeyer: auf den dürfte rot grün wohl weiter
[29:42] Ulf Buermeyer: zählen können. Immerhin ist er Minister.
[29:43] Philip Banse: Also eine Möglichkeit ist natürlich,
[29:45] Philip Banse: die Union schaltet jetzt total
[29:47] Philip Banse: auf Obstruktion.
[29:48] Philip Banse: Die sagen einfach, wir gönnen
[29:50] Philip Banse: der Ampel gar nichts mehr
[29:52] Philip Banse: und lehnen einfach alles ab,
[29:54] Philip Banse: was die uns vorstellen.
[29:55] Philip Banse: Das ist eine Möglichkeit.
[29:57] Philip Banse: Aber wenn man ein bisschen
[29:58] Philip Banse: konstruktiv, pragmatisch,
[30:01] Philip Banse: ernsthaft auch um Lösungen
[30:02] Philip Banse: bemüht, an Dinge
[30:05] Philip Banse: rangeht, dann
[30:07] Philip Banse: sieht man schon, dass es bei einigen
[30:09] Philip Banse: Sachen auch mit Union, SPD
[30:11] Philip Banse: und Grünen doch
[30:13] Philip Banse: Einigungsmöglichkeiten,
[30:14] Philip Banse: Einigungspotential gibt.
[30:15] Ulf Buermeyer: Wir wollen euch da jetzt nur einen
[30:16] Ulf Buermeyer: kleinen Überblick geben. Wir können
[30:17] Ulf Buermeyer: jetzt nicht die Diskussion zu jedem
[30:19] Ulf Buermeyer: Vorhaben im Detail aufrollen, aber
[30:20] Ulf Buermeyer: was zum Beispiel mit großer
[30:22] Ulf Buermeyer: Wahrscheinlichkeit noch durchkommt,
[30:23] Ulf Buermeyer: ist im Themenkomplex Migration
[30:26] Ulf Buermeyer: die Umsetzung des sogenannten GEAs,
[30:28] Ulf Buermeyer: des neuen Gemeinsamen Europäischen
[30:29] Ulf Buermeyer: Asylsystems in deutsches Recht.
[30:31] Ulf Buermeyer: Da muss eine ganze Menge an
[30:32] Ulf Buermeyer: nationalem Recht angepasst werden.
[30:34] Ulf Buermeyer: Da geht es vor allem um dieses Thema
[30:35] Ulf Buermeyer: Asylverfahren an den Außengrenzen.
[30:38] Ulf Buermeyer: Das wird sehr wahrscheinlich noch
[30:40] Ulf Buermeyer: kommen. Ein zweites Thema ist die
[30:42] Ulf Buermeyer: sogenannte Abschaffung der kalten
[30:44] Ulf Buermeyer: Progression.
[30:46] Ulf Buermeyer: Das ist ein besonderer Effekt, weil
[30:47] Ulf Buermeyer: die Steuersätze ja steigen, je höher
[30:49] Ulf Buermeyer: das Einkommen ist, das quasi mit
[30:50] Ulf Buermeyer: nominell höheren Einkommen,
[30:53] Ulf Buermeyer: die aber nicht notwendigerweise
[30:55] Ulf Buermeyer: höhere Kaufkraft haben, weil die
[30:56] Ulf Buermeyer: Inflation ja so ein bisschen
[30:57] Ulf Buermeyer: Kaufkraft wegnimmt, eben die Steuern
[30:58] Ulf Buermeyer: steigen, die Leute aber unterm
[31:00] Ulf Buermeyer: Strich sich doch nicht mehr kaufen
[31:01] Ulf Buermeyer: können, ist ein bisschen komplex,
[31:02] Ulf Buermeyer: wollen wir nicht im Detail
[31:03] Ulf Buermeyer: aufrollen.
[31:04] Philip Banse: Das führt einfach dazu, du kriegst
[31:05] Philip Banse: ein bisschen mehr Gehaltserhöhung
[31:06] Philip Banse: und kann die aber weniger leisten.
[31:08] Ulf Buermeyer: Das ist halt, das ist der Effekt.
[31:09] Ulf Buermeyer: Und deswegen sollen quasi die
[31:10] Ulf Buermeyer: Steuersätze so ein bisschen
[31:11] Ulf Buermeyer: abgesenkt werden, damit diese
[31:13] Ulf Buermeyer: kalte Progression verhindert
[31:15] Ulf Buermeyer: werden kann.
[31:16] Ulf Buermeyer: Ist ein bisschen so ein
[31:17] Ulf Buermeyer: Lieblingsprojekt der FDP, aber
[31:19] Ulf Buermeyer: eigentlich auch der Union.
[31:21] Ulf Buermeyer: Insofern, gegen diese
[31:21] Ulf Buermeyer: Steuerentlastung könnte auch die
[31:23] Ulf Buermeyer: Union im Grunde wenig haben.
[31:25] Ulf Buermeyer: Allerdings steckt natürlich dieses
[31:27] Ulf Buermeyer: Detail, in einem größeren
[31:29] Ulf Buermeyer: Paket, dem sogenannten
[31:29] Ulf Buermeyer: Steuervortentwicklungsgesetz.
[31:31] Ulf Buermeyer: Das enthält noch eine Reihe anderer
[31:33] Ulf Buermeyer: Punkte, zum Beispiel
[31:35] Ulf Buermeyer: Stärkung gemeinnütziger Vereine.
[31:37] Ulf Buermeyer: Und das ist für die Union jetzt
[31:38] Ulf Buermeyer: nicht so ein Herzensthema.
[31:39] Ulf Buermeyer: Insofern ist unterm Strich unklar,
[31:40] Ulf Buermeyer: was mit diesem Paket passiert.
[31:42] Philip Banse: Dann gibt es natürlich das
[31:42] Philip Banse: sogenannte Sicherheitspaket, was ja
[31:44] Philip Banse: im Nachklang des Attentats
[31:46] Philip Banse: in Solingen geschnürt wurde.
[31:47] Philip Banse: Da hatte sich die Ampel ja geeinigt.
[31:49] Philip Banse: Der Bundestag hat auch zugestimmt,
[31:50] Philip Banse: aber die Union hat dieses Paket
[31:53] Philip Banse: Stand heute im Bundesrat gestoppt.
[31:55] Philip Banse: Sie wollen das verschärfen, Sie
[31:57] Philip Banse: wollen da härtere Maßnahmen.
[32:00] Philip Banse: Das ginge also mit der Union
[32:01] Philip Banse: durchaus, wenn man das
[32:03] Philip Banse: verschärft.
[32:04] Philip Banse: Allerdings müssten da die Grünen
[32:06] Philip Banse: umfallen. Das würde also nicht an
[32:07] Philip Banse: der Union zwangsläufig scheitern.
[32:08] Philip Banse: Dann das große Projekt der
[32:10] Philip Banse: Ampel, die Rentenreform.
[32:12] Philip Banse: Das ist ja auch eigentlich
[32:13] Philip Banse: beschlossen von der Ampel.
[32:15] Ulf Buermeyer: Noch nicht durch den Bundestag.
[32:16] Philip Banse: Noch nicht durch den Bundestag.
[32:18] Philip Banse: Aber im Kabinett ist das
[32:19] Philip Banse: beschlossen, noch in der Debatte.
[32:21] Philip Banse: Da hätte ich jetzt persönlich
[32:23] Philip Banse: gesagt, mein Gott, also diesem
[32:25] Philip Banse: Paket könnte doch eigentlich
[32:27] Philip Banse: durchaus auch die Union zustimmen,
[32:28] Philip Banse: weil dieses Paket, dieses
[32:30] Philip Banse: Rentenpaket schon darauf
[32:32] Philip Banse: hinausläuft, dass aktuelle
[32:34] Philip Banse: Rentner und Rentnerinnen und Leute,
[32:36] Philip Banse: die in den nächsten 1, 2,
[32:37] Philip Banse: 3, 4, 5 Jahren in Rente gehen,
[32:39] Philip Banse: durchaus profitieren
[32:42] Philip Banse: und ja, jüngere Generationen,
[32:43] Philip Banse: die später in Rente gehen, das
[32:45] Philip Banse: finanzieren müssen und eben da
[32:46] Philip Banse: draufzahlen.
[32:48] Philip Banse: Das ist im Prinzip auch was, was die
[32:49] Philip Banse: Union unterstützen kann, weil sie
[32:51] Philip Banse: natürlich auch heute von aktuellen
[32:53] Philip Banse: Rentnern und Rentnerinnen gewählt
[32:54] Philip Banse: wird, die davon massiv profitieren.
[32:56] Philip Banse: Insofern-
[32:58] Ulf Buermeyer: Massiv! Also die Union ist ja auch eine
[32:59] Ulf Buermeyer: der Parteien, die ganz massiv von
[33:00] Ulf Buermeyer: den Stimmen der Rentnerinnen, der
[33:01] Ulf Buermeyer: Rentner abhängig ist.
[33:02] Ulf Buermeyer: Das heißt also, im Grundsatz würde
[33:04] Ulf Buermeyer: man denken, so eine Gießkanne
[33:05] Ulf Buermeyer: zugunsten heutiger Rentner ist auch
[33:07] Ulf Buermeyer: im Interesse der Union.
[33:08] Ulf Buermeyer: Trotzdem hat die Union im Bundestag
[33:10] Ulf Buermeyer: in den letzten Debatten zu dem Paket
[33:12] Ulf Buermeyer: diese Pläne der bisherigen Ampel
[33:13] Ulf Buermeyer: hart kritisiert.
[33:14] Ulf Buermeyer: Insofern ist so ein bisschen unklar,
[33:16] Ulf Buermeyer: wer sich da bei der Union
[33:17] Ulf Buermeyer: durchsetzen dürfte.
[33:19] Philip Banse: Ukrainehilfe.
[33:20] Ulf Buermeyer: Das ist, glaube ich, eher Nobrainer.
[33:22] Ulf Buermeyer: Da ist eher die Frage, wie man das
[33:23] Ulf Buermeyer: finanziert. Und damit sind wir
[33:24] Ulf Buermeyer: wieder bei dem Thema Ausnahme von
[33:26] Ulf Buermeyer: der Schuldenbremse.
[33:27] Ulf Buermeyer: Eigentlich würde man denken, wenn
[33:29] Ulf Buermeyer: man eine solche Ausnahme formuliert
[33:31] Ulf Buermeyer: im Sinne eines Beschlusses einer
[33:33] Ulf Buermeyer: Haushaltsnotlage gezielt
[33:35] Ulf Buermeyer: mit dem Thema Verteidigungspolitik
[33:37] Ulf Buermeyer: und Ukrainehilfe,
[33:39] Ulf Buermeyer: dann könnte das die Union
[33:41] Ulf Buermeyer: eigentlich kaum ablehnen, weil das
[33:43] Ulf Buermeyer: alles Dinge sind, die die Union
[33:44] Ulf Buermeyer: wirklich unisono ständig fordert,
[33:46] Ulf Buermeyer: wenn man mal von Sachsens
[33:47] Ulf Buermeyer: Ministerpräsident Kretschmer absieht
[33:49] Ulf Buermeyer: und ein, zwei anderen.
[33:50] Ulf Buermeyer: Aber im Prinzip ist die Union sich
[33:51] Ulf Buermeyer: da fast einig.
[33:52] Ulf Buermeyer: Andererseits muss man natürlich
[33:54] Ulf Buermeyer: sehen, auch beim sogenannten
[33:55] Ulf Buermeyer: Wachstumschancengesetz hat es die
[33:57] Ulf Buermeyer: Union geschafft, das im Bundesrat
[33:58] Ulf Buermeyer: aus taktischen Gründen abzulehnen,
[34:01] Ulf Buermeyer: obwohl das inhaltlich genau das ist,
[34:02] Ulf Buermeyer: was die Union will, nur nicht weit
[34:04] Ulf Buermeyer: genug.
[34:04] Philip Banse: Ja, das ist halt der größte Nachteil
[34:06] Philip Banse: an dieser Überlegung, die wir
[34:07] Philip Banse: anstellen. Sie wäre rational.
[34:09] Ulf Buermeyer: Ja.
[34:10] Philip Banse: Und das ist nicht unbedingt-
[34:11] Ulf Buermeyer: Aber Parteitaktik-
[34:12] Philip Banse: Aber Parteitaktik spielt da
[34:13] Philip Banse: natürlich eine enorme Rolle und
[34:16] Philip Banse: deswegen ist in der Realität
[34:18] Philip Banse: es wahrscheinlich eher
[34:20] Philip Banse: unwahrscheinlich, dass die Union
[34:22] Philip Banse: mehreren oder auch nur einem dieser
[34:24] Philip Banse: Projekte wirklich
[34:25] Philip Banse: zustimmt und es unterstützt.
[34:27] Philip Banse: Einfach aus der Überlegung heraus,
[34:29] Philip Banse: wir gönnen der Ampel im Wahlkampf
[34:31] Philip Banse: gar nichts.
[34:32] Ulf Buermeyer: Selbst wenn wir das inhaltlich
[34:34] Ulf Buermeyer: komplett sinnvoll finden.
[34:35] Philip Banse: Richtig.
[34:36] Ulf Buermeyer: Es gibt allerdings eine Ausnahme von
[34:37] Ulf Buermeyer: dieser, sagen wir mal etwas
[34:39] Ulf Buermeyer: skeptischen Position, nämlich die
[34:41] Ulf Buermeyer: geplanten Grundgesetzänderungen zur
[34:42] Ulf Buermeyer: Resilienz des Bundesverfassungsgerichts.
[34:44] Ulf Buermeyer: Das hatten wir in der Lage ja auch
[34:45] Ulf Buermeyer: schon verschiedentlich besprochen,
[34:46] Ulf Buermeyer: dass also einige zentrale Regelungen
[34:48] Ulf Buermeyer: über die Arbeitsweise des Gerichts
[34:50] Ulf Buermeyer: im Grundgesetz festgeschrieben
[34:52] Ulf Buermeyer: werden sollen, damit der Bundestag
[34:53] Ulf Buermeyer: mit einer etwa rechtspopulistischen
[34:55] Ulf Buermeyer: Mehrheit da nichts mehr dran kaputt
[34:56] Ulf Buermeyer: machen kann.
[34:57] Ulf Buermeyer: Da hören wir aus dem Bundestag, es
[34:59] Ulf Buermeyer: sei fast sicher, dass das doch noch
[35:01] Ulf Buermeyer: kommt, denn das war ja auch schon
[35:02] Ulf Buermeyer: zwischen Ampel und Union vorher
[35:04] Ulf Buermeyer: geeinigt.
[35:04] Ulf Buermeyer: Beispielsweise hat
[35:06] Ulf Buermeyer: diese ganz breite Front aus Ampel
[35:08] Ulf Buermeyer: und Union ja auch heute schon
[35:09] Ulf Buermeyer: beschlossen eine Resolution
[35:12] Ulf Buermeyer: zum Kampf gegen Antisemitismus.
[35:14] Ulf Buermeyer: Dazu kommen wir noch ausführlicher,
[35:16] Ulf Buermeyer: allerdings nicht in dieser Sendung.
[35:17] Philip Banse: Ein Punkt noch dazu.
[35:18] Philip Banse: Wir hatten ja in der letzten Sendung
[35:19] Philip Banse: gesagt, na ja, eigentlich bestünde
[35:21] Philip Banse: ja jetzt die Möglichkeit, dass SPD,
[35:23] Philip Banse: Grüne und Union sich auf eine
[35:25] Philip Banse: Reform der Schuldenbremse einigen.
[35:27] Philip Banse: Aus der einfachen Überlegung heraus,
[35:30] Philip Banse: auch die Union wird nach der
[35:31] Philip Banse: Bundestagswahl mehr Geld brauchen.
[35:33] Philip Banse: Und jetzt könnte sie sich mit der
[35:35] Philip Banse: SPD einigen.
[35:36] Philip Banse: Dagegen spricht eben dieses
[35:38] Philip Banse: parteitaktische Kalkül, wir gönnen
[35:40] Philip Banse: der Ampel gar nichts.
[35:41] Philip Banse: Deswegen werden wir das nicht tun
[35:43] Philip Banse: und stellen uns nachher als
[35:45] Philip Banse: Wahlsieger hin und sagen, jetzt
[35:46] Philip Banse: würden wir aber die Schuldenbremse
[35:47] Philip Banse: doch gerne reformieren und dann wird
[35:49] Philip Banse: die SPD nicht Nein sagen können,
[35:51] Philip Banse: weil sie das seit Jahren eigentlich
[35:52] Philip Banse: fordert und ja auch damals die
[35:54] Philip Banse: Schuldenbremse mit der Union
[35:55] Philip Banse: beschlossen hat. Und nun gibt es
[35:56] Philip Banse: 1000 Gründe. Also gibt es so de
[35:58] Philip Banse: facto Große Koalition, die die
[35:59] Philip Banse: Schuldenbremse reformiert.
[36:00] Philip Banse: Das große Risiko dieser
[36:02] Philip Banse: Strategie ist nur, was, wenn
[36:04] Philip Banse: wie oben beschrieben, AfD und BSW
[36:07] Philip Banse: eine Sperrminorität bekommen?
[36:09] Philip Banse: Dann ist das Ding nämlich kaputt.
[36:10] Philip Banse: Dann kann zwar SPD und Union
[36:12] Philip Banse: sich nach der Bundestagswahl einigen
[36:14] Philip Banse: und sagen wir würden gerne, aber
[36:15] Philip Banse: dann geht das eben nur noch mit der
[36:17] Philip Banse: Zustimmung von AfD und BSW.
[36:19] Philip Banse: Und das ist das große Risiko, was
[36:21] Philip Banse: Friedrich Merz und die Union jetzt
[36:22] Philip Banse: eingehen, wenn sie sich nicht mit
[36:24] Philip Banse: SPD und Grünen darauf einigen,
[36:26] Philip Banse: kommt, lass uns das eine Ding,
[36:28] Philip Banse: wenn wir nichts anders machen, aber
[36:30] Philip Banse: lass uns das eine Ding machen und
[36:31] Philip Banse: den Rest machen wir Wahlkampf.
[36:33] Ulf Buermeyer: Und dann gehört zu den Punkten, wo
[36:34] Ulf Buermeyer: eine Einigung deutlich schwieriger,
[36:36] Ulf Buermeyer: wenn nicht unmöglich, ist.
[36:38] Ulf Buermeyer: Und da steht im Zentrum der
[36:39] Ulf Buermeyer: Betrachtungen der Bundeshaushalt.
[36:43] Ulf Buermeyer: Denn der Bundeshaushalt gilt ja
[36:44] Ulf Buermeyer: quasi als das Signaturgesetz,
[36:47] Ulf Buermeyer: als das Markenzeichen jeder
[36:48] Ulf Buermeyer: Koalition, jeder Regierung, jeder
[36:50] Ulf Buermeyer: Bundestagsmehrheit.
[36:51] Ulf Buermeyer: Deswegen gilt als ausgeschlossen,
[36:53] Ulf Buermeyer: dass die Union mit der Rumpfampel,
[36:55] Ulf Buermeyer: also mit Grünen und SPD, noch einen
[36:57] Ulf Buermeyer: neuen Bundeshaushalt für 2025
[36:59] Ulf Buermeyer: beschließen würde.
[37:01] Ulf Buermeyer: Auf der anderen Seite muss man
[37:02] Ulf Buermeyer: sehen, das ist wiederum kein Anlass
[37:04] Ulf Buermeyer: zur Panik, wenn es keinen neuen
[37:06] Ulf Buermeyer: Bundeshaushalt gibt, ja,
[37:08] Ulf Buermeyer: es klingt erst mal dramatisch, aber
[37:10] Ulf Buermeyer: dann bleibt einfach quasi
[37:12] Ulf Buermeyer: der alte Haushalt in
[37:14] Ulf Buermeyer: Kraft und wird quasi
[37:15] Ulf Buermeyer: fortgeschrieben.
[37:16] Ulf Buermeyer: Das ist dann die sogenannte
[37:17] Ulf Buermeyer: vorläufige Haushaltsführung.
[37:19] Ulf Buermeyer: Es gibt also gerade
[37:21] Ulf Buermeyer: in Deutschland keinen sogenannten
[37:22] Ulf Buermeyer: Shutdown, also wir haben so ein
[37:23] Ulf Buermeyer: bisschen den Eindruck, viele Menschen
[37:24] Ulf Buermeyer: haben Angst davor, wenn es keinen
[37:25] Ulf Buermeyer: Bundeshaushalt gibt, weil in den USA
[37:27] Ulf Buermeyer: ja regelmäßig quasi der Stillstand
[37:29] Ulf Buermeyer: der Verwaltung droht.
[37:30] Philip Banse: Dann kriegen die Beamten keine Gehälter mehr, die Behörden haben zu und
[37:31] Philip Banse: so.
[37:33] Ulf Buermeyer: Nationalparks müssen schließen, die
[37:35] Ulf Buermeyer: Bären müssen hungern und so.
[37:36] Ulf Buermeyer: Das alles droht in Deutschland nicht
[37:38] Ulf Buermeyer: wegen dieser vorläufigen
[37:39] Ulf Buermeyer: Haushaltsführung. Da ist das
[37:40] Ulf Buermeyer: Grundgesetz einfach ein bisschen
[37:41] Ulf Buermeyer: schlauer als die ja 200 Jahre
[37:43] Ulf Buermeyer: ältere US Verfassung.
[37:45] Ulf Buermeyer: Das Grundgesetz sieht einfach vor,
[37:46] Ulf Buermeyer: dass dann die Regierung quasi mit
[37:48] Ulf Buermeyer: dem letzten beschlossenen Haushalt
[37:49] Ulf Buermeyer: auch im neuen Jahr weitermachen
[37:50] Ulf Buermeyer: kann. Es gibt da Ausnahmen,
[37:52] Ulf Buermeyer: das muss man fairerweise sagen.
[37:54] Ulf Buermeyer: Es kann schon sein, dass bestimmte
[37:55] Ulf Buermeyer: Subventionen nicht mehr gezahlt
[37:56] Ulf Buermeyer: werden können. Also, ist jetzt nicht
[37:58] Ulf Buermeyer: komfortabel ohne Haushalt.
[38:00] Ulf Buermeyer: Aber es ist bei weitem nicht so
[38:01] Ulf Buermeyer: gravierend wie eine solche
[38:02] Ulf Buermeyer: Haushaltsnotlage in den Vereinigten
[38:04] Ulf Buermeyer: Staaten.
[38:05] Philip Banse: Wie das jetzt konkret im politischen
[38:06] Philip Banse: Alltag im Bundestag jetzt abläuft,
[38:08] Philip Banse: ist für viele Neuland.
[38:09] Philip Banse: Wir haben auch mit Finanzpolitikern
[38:10] Philip Banse: und -politikerinnen gesprochen, die
[38:11] Philip Banse: sagen, also ehrlich gesagt versuchen
[38:12] Philip Banse: wir selber gerade so ein bisschen
[38:13] Philip Banse: rauszufinden, was wir jetzt machen.
[38:14] Ulf Buermeyer: Wir Google noch.
[38:15] Philip Banse: Was wir jetzt beschließen und mit
[38:16] Philip Banse: wem und bis wann und was noch
[38:18] Philip Banse: durchgeht und was nicht.
[38:19] Philip Banse: Aber du hast es beschrieben, da
[38:21] Philip Banse: besteht kein Grund zur Panik.
[38:22] Philip Banse: Ulf, noch mal ganz kurz zum Schluss.
[38:24] Philip Banse: Ich bin ein bisschen erleichtert,
[38:25] Philip Banse: muss ich ganz ehrlich sagen, dass
[38:27] Philip Banse: wir jetzt an diesem Punkt gekommen
[38:28] Philip Banse: sind und Neuwahlen haben.
[38:29] Philip Banse: Ich hätte mir gewünscht, dass wir
[38:30] Philip Banse: das vor einem Jahr gehabt hätten.
[38:31] Philip Banse: Dann hätten wir noch mehr Chancen
[38:33] Philip Banse: gehabt, da was gerade zu zerren, es
[38:35] Philip Banse: wäre weniger Porzellan zerschlagen
[38:36] Philip Banse: worden. Die politische Kultur hätte
[38:38] Philip Banse: etwas weniger gelitten.
[38:39] Philip Banse: Aber unterm Strich finde ich es
[38:41] Philip Banse: jetzt endlich den richtigen Move.
[38:43] Ulf Buermeyer: Ja, also irgendwie hat man ja das
[38:44] Ulf Buermeyer: Gefühl, obwohl jetzt in der Theorie
[38:46] Ulf Buermeyer: quasi die Situation in Deutschland
[38:48] Ulf Buermeyer: viel unklarer ist, geht doch
[38:50] Ulf Buermeyer: trotzdem so ein gewisser Ruck durchs
[38:51] Ulf Buermeyer: Land, oder? Also ich finde, dadurch,
[38:52] Ulf Buermeyer: dass jetzt die FDP Bremse
[38:54] Ulf Buermeyer: erst mal gelöst ist, habe ich so das
[38:56] Ulf Buermeyer: Gefühl, entsteht tatsächlich
[38:58] Ulf Buermeyer: im politischen Berlin neben aller
[39:00] Ulf Buermeyer: Aufregung so ein Stück weit auch
[39:01] Ulf Buermeyer: Aufbruchsstimmung.
[39:02] Ulf Buermeyer: Also gerade bei der SPD Fraktion hat
[39:04] Ulf Buermeyer: man das deutlich gemerkt.
[39:05] Ulf Buermeyer: Alle haben sich gefreut.
[39:06] Ulf Buermeyer: Olaf hat wirklich mal nicht
[39:08] Ulf Buermeyer: nur so ein bisschen gemurmelt,
[39:09] Ulf Buermeyer: sondern er hat wirklich mal
[39:10] Ulf Buermeyer: gebrüllt. Er hat Führung gezeigt und
[39:12] Ulf Buermeyer: ich habe so den Eindruck, da haben
[39:13] Ulf Buermeyer: jetzt gerade bei der SPD auch viele
[39:14] Ulf Buermeyer: Bock auf Wahlkampf.
[39:16] Ulf Buermeyer: Das gilt interessanterweise sogar
[39:18] Ulf Buermeyer: bei der FDP. Auch da hat Christian
[39:19] Ulf Buermeyer: Lindner ja angeblich stehende
[39:21] Ulf Buermeyer: Ovationen in der Fraktionssitzung
[39:22] Ulf Buermeyer: bekommen, nachdem er sich hatte
[39:23] Ulf Buermeyer: feuern lassen.
[39:24] Philip Banse: Ja, also, würde ich schon sagen:
[39:25] Philip Banse: Aufatmen allerseits.
[39:27] Philip Banse: Wir bleiben dran.
[39:29] Ulf Buermeyer: Schauen wir in die Vereinigten
[39:30] Ulf Buermeyer: Staaten. Auch dort gab es
[39:32] Ulf Buermeyer: in den letzten Tagen Breaking
[39:34] Ulf Buermeyer: News wirklich am laufenden Meter.
[39:36] Ulf Buermeyer: Denn in den Vereinigten Staaten
[39:37] Ulf Buermeyer: wurde gewählt.
[39:38] Ulf Buermeyer: Nicht nur ein neuer US Präsident.
[39:41] Ulf Buermeyer: Das stand ja im Vordergrund der
[39:42] Ulf Buermeyer: Berichterstattung, jedenfalls in
[39:44] Ulf Buermeyer: Deutschland. Nein, auch das
[39:45] Ulf Buermeyer: Parlament wurde zu weiten Teilen neu
[39:47] Ulf Buermeyer: gewählt, nämlich Teile des Senats
[39:49] Ulf Buermeyer: und das gesamte Repräsentantenhaus.
[39:52] Ulf Buermeyer: Und die große Neuigkeit dieser Woche
[39:54] Ulf Buermeyer: ist, Philip, und das alleine hätte
[39:55] Ulf Buermeyer: fast schon für eine Sonderlage
[39:56] Ulf Buermeyer: gereicht. Der neue US Präsident
[39:58] Ulf Buermeyer: wird wieder Donald Trump heißen.
[40:01] Philip Banse: Ich sehe mich hier noch wirklich
[40:03] Philip Banse: 2020 sitzen
[40:05] Philip Banse: mit dir in der Lage
[40:07] Philip Banse: nach der Wahl, als Biden gewonnen
[40:09] Philip Banse: hat und wir dachten endlich,
[40:11] Philip Banse: endlich ist es vorbei.
[40:13] Philip Banse: Donald Trump ist gone for good,
[40:15] Philip Banse: wird nie wieder kommen.
[40:16] Philip Banse: Seine Ideen und seine Lügen
[40:18] Philip Banse: und so, die werden eine Weile
[40:19] Philip Banse: überleben. Die Kultur wird sich
[40:20] Philip Banse: ändern, aber Donald Trump ist weg.
[40:22] Philip Banse: Erst recht nach dem 6.
[40:23] Philip Banse: Januar 2021, nach dem
[40:25] Philip Banse: von ihm angezettelten Sturm aufs
[40:28] Philip Banse: Kapitol, dem versuchten Putsch.
[40:31] Philip Banse: Aber Amerika, das Land der
[40:32] Philip Banse: unbegrenzten Möglichkeiten.
[40:34] Philip Banse: Donald Trump ist zurück im Weißen
[40:36] Philip Banse: Haus.
[40:36] Ulf Buermeyer: Oder jedenfalls auf bestem Weg
[40:37] Ulf Buermeyer: dahin. Er dürfte am 20.
[40:39] Ulf Buermeyer: Januar vereidigt werden und dann
[40:40] Ulf Buermeyer: einziehen im Weißen
[40:42] Ulf Buermeyer: Haus. Und man muss ehrlich sagen, er
[40:44] Ulf Buermeyer: ist nicht irgendwie zurück, sondern,
[40:46] Ulf Buermeyer: wie die New York Times das
[40:47] Ulf Buermeyer: formuliert, wahrlich keine
[40:48] Ulf Buermeyer: trumpfreundliche Zeitung, er
[40:50] Ulf Buermeyer: stürmt zurück an
[40:52] Ulf Buermeyer: die Macht. Er darf sich tatsächlich
[40:54] Ulf Buermeyer: gestärkt und umfassend mandatiert
[40:56] Ulf Buermeyer: fühlen von den Wählerinnen und
[40:58] Ulf Buermeyer: Wählern in den Vereinigten Staaten.
[40:59] Ulf Buermeyer: Denn das ist einfach ein
[41:01] Ulf Buermeyer: Sieg auf ganzer Linie.
[41:03] Philip Banse: Also Stand jetzt, wo wir aufnehmen
[41:06] Philip Banse: 15:40, am Donnerstag,
[41:08] Philip Banse: dem 7.
[41:09] Philip Banse: November, hat Donald
[41:11] Philip Banse: Trump in diesem alles entscheidenden
[41:13] Philip Banse: Wahlmänner, Wahlmenschengremium,
[41:15] Philip Banse: das ihn dann am Ende zum Präsidenten
[41:16] Philip Banse: wählen wird, 295
[41:19] Philip Banse: Stimmen, 270 braucht er.
[41:20] Philip Banse: Also eine satte, satte Mehrheit.
[41:22] Philip Banse: Und er hat auch das sogenannte
[41:25] Philip Banse: popular vote gewonnen.
[41:26] Philip Banse: Also wenn es darum geht wer von
[41:28] Philip Banse: beiden Kandidaten hat eigentlich
[41:30] Philip Banse: im ganzen Land die meisten
[41:32] Philip Banse: Stimmen bekommen?
[41:33] Philip Banse: Auch da hat er Kamala
[41:35] Philip Banse: Harris deutlich geschlagen.
[41:36] Philip Banse: Er hat 5 Millionen, rund 5 Millionen
[41:38] Philip Banse: Stimmen mehr bekommen als
[41:40] Philip Banse: die demokratische Kandidatin.
[41:42] Philip Banse: Das ist rechtlich völlig egal, aber
[41:44] Philip Banse: politisch durchaus relevant.
[41:46] Philip Banse: Wer hat eigentlich die meisten
[41:48] Philip Banse: Stimmen bekommen?
[41:48] Ulf Buermeyer: Ja, denn ich meine, es gibt ja immer
[41:49] Ulf Buermeyer: wieder Kritik an dem Wahlsystem der
[41:51] Ulf Buermeyer: Vereinigten Staaten, dass einfach
[41:52] Ulf Buermeyer: die Mehrheit der Stimmen gerade
[41:54] Ulf Buermeyer: nicht reicht. Die Stimmen müssen
[41:55] Ulf Buermeyer: auch richtig verteilt sein, um eben
[41:57] Ulf Buermeyer: eine Mehrheit im Electoral College
[41:59] Ulf Buermeyer: zu bekommen. Und das ist diesmal
[42:00] Ulf Buermeyer: einfach gar kein Thema.
[42:02] Ulf Buermeyer: Donald Trump ist tatsächlich, egal
[42:03] Ulf Buermeyer: wie man es betrachtet, der legitime
[42:06] Ulf Buermeyer: nächste Präsident der Vereinigten
[42:08] Ulf Buermeyer: Staaten. Er hat einfach 5 Millionen
[42:09] Ulf Buermeyer: Stimmen mehr.
[42:10] Ulf Buermeyer: Amerika will diesen
[42:12] Ulf Buermeyer: Mann im Weißen Haus und Amerika
[42:14] Ulf Buermeyer: will offensichtlich auch eine ganz
[42:16] Ulf Buermeyer: starke Grand Old Party, eine ganz
[42:18] Ulf Buermeyer: starke republikanische Fraktion
[42:20] Ulf Buermeyer: im Senat.
[42:21] Philip Banse: Den hat die Partei gewonnen.
[42:22] Philip Banse: Also die Mehrheit im Senat
[42:24] Philip Banse: gehört jetzt den Republikanern,
[42:26] Philip Banse: Stand jetzt 52
[42:28] Philip Banse: zu 44.
[42:29] Philip Banse: Drei Sitze sind von
[42:31] Philip Banse: den Demokraten zu den Republikanern
[42:33] Philip Banse: gewandert. Sechs Rennen sind noch
[42:35] Philip Banse: offen, aber schon jetzt ist die
[42:37] Philip Banse: Führung deutlich. Und man kann davon
[42:38] Philip Banse: ausgehen, es gibt zwei, vielleicht
[42:40] Philip Banse: drei moderate republikanische
[42:43] Philip Banse: Senatorinnen
[42:45] Philip Banse: im Senat. Aber deren Stimmen,
[42:47] Philip Banse: die vielleicht so dass ganz hart,
[42:49] Philip Banse: das aller Härteste verhindern
[42:50] Philip Banse: könnten, sind letztlich egal, weil
[42:52] Philip Banse: die Mehrheit eben so groß ist,
[42:53] Philip Banse: dass auch ohne diese moderaten
[42:55] Philip Banse: Stimmen die Republikaner mehr oder
[42:57] Philip Banse: weniger alles durchkriegen.
[42:59] Ulf Buermeyer: Und dann kommt ja in heiklen Fällen,
[43:00] Ulf Buermeyer: wenn es quasi wirklich Gleichstand
[43:02] Ulf Buermeyer: sein sollte, zwischen der einen oder
[43:04] Ulf Buermeyer: anderen Seite im Senat immer noch
[43:06] Ulf Buermeyer: quasi der Tiebreak von JD Vance
[43:07] Ulf Buermeyer: dazu. Denn der Vizepräsident
[43:09] Ulf Buermeyer: der Vereinigten Staaten ist ja
[43:10] Ulf Buermeyer: zugleich Vorsitzender des Senats
[43:12] Ulf Buermeyer: und gibt im Zweifelsfall eben die
[43:14] Ulf Buermeyer: entscheidende Stimme ab, im Fall von
[43:16] Ulf Buermeyer: Stimmengleichheit und JD Vance ist,
[43:18] Ulf Buermeyer: das ist kein Geheimnis, auch ein
[43:20] Ulf Buermeyer: radikaler Trumpist geworden,
[43:22] Ulf Buermeyer: war er nicht immer. Aber ist er
[43:23] Ulf Buermeyer: jetzt.
[43:23] Philip Banse: Dann die zweite Kammer oder die
[43:25] Philip Banse: erste Kammer, je nachdem wie man es
[43:26] Philip Banse: sieht, das Repräsentantenhaus auch
[43:28] Philip Banse: das wurde komplett neu gewählt.
[43:30] Philip Banse: Da ist es noch nicht ganz fertig
[43:31] Philip Banse: gelaufen, die Auszählung läuft noch,
[43:32] Philip Banse: aber Stand jetzt sieht es so
[43:34] Philip Banse: aus, dass auch dort die Republikaner
[43:37] Philip Banse: ihre Mehrheit werden verteidigen
[43:39] Philip Banse: können.
[43:40] Ulf Buermeyer: Ja, da sind noch zu viele Races
[43:41] Ulf Buermeyer: offen, um das endgültig sagen zu
[43:42] Ulf Buermeyer: können. Aber es steht auch, die sind
[43:44] Ulf Buermeyer: auch dort in Führung. Insofern ja,
[43:46] Ulf Buermeyer: kommen wir zurück zur Präsidentschaftswahl.
[43:48] Ulf Buermeyer: Kamala Harris hat überall im Land
[43:50] Ulf Buermeyer: eigentlich schlechter als Biden
[43:52] Ulf Buermeyer: abgeschnitten.
[43:52] Ulf Buermeyer: Das muss man sich überlegen.
[43:53] Ulf Buermeyer: Sie hat weniger Menschen
[43:54] Ulf Buermeyer: mobilisieren können als Joe
[43:56] Ulf Buermeyer: Biden, obwohl sie ja deutlich jünger
[43:58] Ulf Buermeyer: war.
[43:58] Philip Banse: Sie hat, glaube ich, 10 Millionen
[44:00] Philip Banse: Stimmen weniger bekommen als Biden.
[44:02] Ulf Buermeyer: Muss man sich mal überlegen.
[44:03] Ulf Buermeyer: Das ist einfach richtig hart.
[44:04] Ulf Buermeyer: Sie hat einfach viel weniger
[44:05] Ulf Buermeyer: mobilisiert.
[44:06] Ulf Buermeyer: Und auf der anderen Seite muss man
[44:08] Ulf Buermeyer: sehen, die zahllosen Skandale
[44:10] Ulf Buermeyer: von Donald Trump und die teilweise
[44:12] Ulf Buermeyer: jedenfalls aus einer deutschen
[44:13] Ulf Buermeyer: Perspektive doch haarsträubenden
[44:15] Ulf Buermeyer: Pläne. Die haben offensichtlich
[44:18] Ulf Buermeyer: für eine große Mehrheit in den
[44:19] Ulf Buermeyer: Vereinigten Staaten nicht den
[44:20] Ulf Buermeyer: Ausschlag gegeben.
[44:21] Ulf Buermeyer: Und mal ganz ehrlich, Skandale gab
[44:23] Ulf Buermeyer: es echt genug.
[44:23] Philip Banse: Der Mann hat zwei
[44:24] Philip Banse: Amtsenthebungsverfahren überlebt.
[44:26] Philip Banse: Er hat zu einer Revolte, zu einem
[44:28] Philip Banse: Putsch aufgerufen.
[44:30] Philip Banse: Gegen ihn laufen vier Anklagen.
[44:32] Philip Banse: Eine davon hat ihm eine
[44:34] Philip Banse: rechtskräftige Verurteilung
[44:36] Philip Banse: als Straftäter in mehreren
[44:38] Philip Banse: Fällen eingebracht.
[44:40] Ulf Buermeyer: Also man muss sagen, eins der
[44:41] Ulf Buermeyer: Verfahren ist allerdings inzwischen
[44:42] Ulf Buermeyer: eingestellt von einer Richterin,
[44:44] Ulf Buermeyer: die er selber nominiert hat,
[44:46] Ulf Buermeyer: erst vor ein paar Jahren.
[44:47] Ulf Buermeyer: Die war sehr unerfahren, mit dem
[44:48] Ulf Buermeyer: Verfahren offenbar überfordert.
[44:50] Ulf Buermeyer: Die allerdings, so jedenfalls
[44:51] Ulf Buermeyer: Gerüchte in Washington, soll jetzt
[44:52] Ulf Buermeyer: belohnt werden mit dem Amt
[44:54] Ulf Buermeyer: des Attourney General.
[44:56] Ulf Buermeyer: Also nicht wegen Erfahrung, aber
[44:57] Ulf Buermeyer: Trump denkt an seine Leute.
[44:58] Ulf Buermeyer: Eine Richterin, die ein Verfahren
[45:00] Ulf Buermeyer: gegen ihn einstellt, die kann sich
[45:02] Ulf Buermeyer: drauf verlassen, da gibt es dann
[45:03] Ulf Buermeyer: irgendwann ein Bonbon.
[45:04] Philip Banse: Rassismus auf allen
[45:06] Philip Banse: Ebenen. Gerade zum Schluss
[45:08] Philip Banse: rassistische Äußerungen bei Trumps
[45:10] Philip Banse: Veranstaltungen ohne Ende.
[45:12] Philip Banse: Er plant, hat versprochen, je
[45:14] Philip Banse: nachdem, wie man es ausdrücken
[45:15] Philip Banse: möchte, Massendeportationen
[45:17] Philip Banse: von angeblich in seinen
[45:19] Philip Banse: Augen Illegalen.
[45:21] Philip Banse: Er sagt, er will innere Feinde mit
[45:23] Philip Banse: dem Militär bekämpfen.
[45:24] Philip Banse: Er will ein Diktator sein für einen
[45:26] Philip Banse: Tag.
[45:26] Ulf Buermeyer: Einen Tag aufräumen.
[45:27] Philip Banse: Frauenfeindlichkeiten, links
[45:30] Philip Banse: und rechts ungezählte Lügen.
[45:31] Philip Banse: Der Mehrheit der Amerikaner
[45:33] Philip Banse: war das vielleicht nicht völlig
[45:35] Philip Banse: egal, aber nicht so
[45:37] Philip Banse: wichtig wie das, was sie in ihrem
[45:39] Philip Banse: Portemonnaie haben.
[45:40] Ulf Buermeyer: Das ist der zentrale Punkt.
[45:41] Ulf Buermeyer: Das Portemonnaie der Menschen
[45:43] Ulf Buermeyer: in den Vereinigten Staaten, gerade
[45:45] Ulf Buermeyer: der Menschen, die wirtschaftlich
[45:46] Ulf Buermeyer: nicht so gut gestellt sind.
[45:47] Ulf Buermeyer: Das dominierte offensichtlich alles
[45:50] Ulf Buermeyer: bei diesen Wahlen.
[45:50] Ulf Buermeyer: Nun also ist der erste
[45:52] Ulf Buermeyer: verurteilte Straftäter
[45:54] Ulf Buermeyer: ins Amt des Präsidenten gewählt
[45:56] Ulf Buermeyer: jedenfalls und seit dem späten
[45:58] Ulf Buermeyer: 19.
[45:59] Ulf Buermeyer: Jahrhundert, seit 120 Jahren auch
[46:01] Ulf Buermeyer: der erste Präsident, der,
[46:03] Ulf Buermeyer: nachdem er einmal abgewählt
[46:05] Ulf Buermeyer: worden war, wieder zurück ins
[46:07] Ulf Buermeyer: Amt kommt, nach Grover Cleveland
[46:09] Ulf Buermeyer: im späten 19.
[46:10] Ulf Buermeyer: Jahrhundert, ich glaube 1897 oder so
[46:12] Ulf Buermeyer: war das. Und er wird übrigens, wenn
[46:13] Ulf Buermeyer: er denn tatsächlich am 20.
[46:14] Ulf Buermeyer: Januar des kommenden Jahres in sein
[46:16] Ulf Buermeyer: Amt eingeführt werden sollte,
[46:18] Ulf Buermeyer: auch der älteste, je in
[46:20] Ulf Buermeyer: seinem Amt vereidigte Präsident
[46:22] Ulf Buermeyer: sein.
[46:23] Philip Banse: Heute 79 Jahre alt. Es gibt
[46:24] Philip Banse: natürlich auch ein paar gute
[46:26] Philip Banse: Sachen, wie das bei Katastrophen
[46:27] Philip Banse: häufig der Fall ist.
[46:28] Philip Banse: Die dominieren dann nicht, aber es
[46:30] Philip Banse: gibt sie halt.
[46:31] Philip Banse: Das ist einerseits das deutliche
[46:33] Philip Banse: Wahlergebnis, finde ich.
[46:34] Philip Banse: Da gibt es einfach nichts dran zu
[46:35] Philip Banse: deuteln. Die Amerikaner wollen das
[46:37] Philip Banse: so, ob man das jetzt gut findet oder
[46:39] Philip Banse: nicht. Die Wahl verlief ohne
[46:40] Philip Banse: Pannen, ohne große Zwischenfälle.
[46:42] Philip Banse: Es gibt keinerlei Zweifel am
[46:44] Philip Banse: Ergebnis. Es gibt auch keinen
[46:45] Philip Banse: Bürgerkrieg, keinen Sturm, kein
[46:47] Philip Banse: Aufruhr.
[46:48] Philip Banse: Und das ist vielleicht das Letzte,
[46:50] Philip Banse: Trump darf nicht wiedergewählt
[46:51] Philip Banse: werden. Das ist jetzt seine zweite
[46:52] Philip Banse: Amtszeit.
[46:53] Philip Banse: Spätestens 2028
[46:55] Philip Banse: ist Schluss. Vielleicht auch früher.
[46:57] Philip Banse: Vielleicht sagt er schon früher, das
[46:58] Philip Banse: reicht mir.
[46:59] Philip Banse: JD Vance, bitte übernehmen sie,
[47:01] Philip Banse: Vielleicht kommen andere Sachen
[47:02] Philip Banse: dazwischen. Man weiß es nicht.
[47:04] Philip Banse: Aber 2028 spätestens
[47:06] Philip Banse: ist dann Trump als Präsident
[47:07] Philip Banse: Geschichte.
[47:09] Ulf Buermeyer: Die Wählerinnen und Wähler haben
[47:11] Ulf Buermeyer: also gesprochen.
[47:11] Ulf Buermeyer: So bitter das sein mag.
[47:13] Ulf Buermeyer: Also da ist mir dann nur der Spruch
[47:15] Ulf Buermeyer: eingefallen "Democracy - the right
[47:17] Ulf Buermeyer: of the people to be completely
[47:19] Ulf Buermeyer: wrong". Ich glaube, so einfach muss
[47:20] Ulf Buermeyer: man das sagen.
[47:21] Ulf Buermeyer: Oder auf gut Deutsch.
[47:22] Ulf Buermeyer: Demokratie birgt eben das
[47:24] Ulf Buermeyer: große Risiko, dass sich das
[47:26] Ulf Buermeyer: Volk in geradezu tragischer,
[47:29] Ulf Buermeyer: dramatischer Weise falsch
[47:30] Ulf Buermeyer: entscheidet.
[47:31] Ulf Buermeyer: Jonathan Weisman von der New
[47:33] Ulf Buermeyer: York Times hat das kommentiert
[47:35] Ulf Buermeyer: mit den Worten "Donald J.
[47:36] Ulf Buermeyer: Trump has
[47:39] Ulf Buermeyer: defeated vice president Kamel Harris
[47:40] Ulf Buermeyer: riding a wave of anxiousness
[47:42] Ulf Buermeyer: over inflation and illegal
[47:44] Ulf Buermeyer: immigration".
[47:45] Philip Banse: Also er hat, ist auf einer Welle
[47:47] Philip Banse: geritten der Angst, der Panik
[47:49] Philip Banse: vor Inflation und illegaler
[47:51] Philip Banse: Immigration.
[47:52] Philip Banse: Ich würde aber sagen, auch
[47:53] Philip Banse: Einwanderung ist hier ein
[47:54] Philip Banse: Wirtschaftsthema, weil er eben auch
[47:56] Philip Banse: immer propagiert und behauptet hat,
[47:58] Philip Banse: die Einwanderer, die da kommen, die
[47:59] Philip Banse: nehmen euch die Jobs weg.
[48:00] Philip Banse: Ja, also was sind jetzt die Folgen?
[48:02] Philip Banse: Fangen wir mit den USA an.
[48:04] Ulf Buermeyer: Zentrale Frage ist einfach, was wird
[48:06] Ulf Buermeyer: von der Demokratie noch übrig sein,
[48:08] Ulf Buermeyer: wenn Trump in vier Jahren abtritt?
[48:10] Ulf Buermeyer: Wir haben in der Lage schon häufiger
[48:12] Ulf Buermeyer: angesprochen, das sogenannte Projekt
[48:14] Ulf Buermeyer: 2025 von der sogenannten Heritage
[48:16] Ulf Buermeyer: Foundation und anderen
[48:17] Ulf Buermeyer: Organisationen der extremen Rechten.
[48:19] Ulf Buermeyer: Da muss man sagen, Trump hat immer
[48:21] Ulf Buermeyer: wieder dementiert, dass es sich
[48:22] Ulf Buermeyer: dabei quasi um sein Wahlprogramm
[48:24] Ulf Buermeyer: handle. Auf der anderen Seite gibt
[48:26] Ulf Buermeyer: es aber engste persönliche und auch
[48:27] Ulf Buermeyer: sachliche Verbindungen.
[48:29] Ulf Buermeyer: Deswegen kann man schon davon
[48:30] Ulf Buermeyer: ausgehen, dass er diese etwa 900
[48:32] Ulf Buermeyer: Seiten Projekt quasi Amerika
[48:34] Ulf Buermeyer: in erzkonservativer Weise umzubauen,
[48:37] Ulf Buermeyer: dass er das jedenfalls als Blaupause
[48:38] Ulf Buermeyer: nehmen wird für seine
[48:39] Ulf Buermeyer: Präsidentschaft.
[48:40] Ulf Buermeyer: Und zentraler Punkt in diesem
[48:42] Ulf Buermeyer: Projekt 2025 ist
[48:44] Ulf Buermeyer: ja der komplette Umbau der
[48:45] Ulf Buermeyer: Bundesverwaltung der Vereinigten
[48:47] Ulf Buermeyer: Staaten. Also die Idee ist,
[48:49] Ulf Buermeyer: dass man etwa 50.000,
[48:51] Ulf Buermeyer: 50.000 Beamtinnen und Beamte
[48:53] Ulf Buermeyer: entlassen oder sonst kaltstellen
[48:55] Ulf Buermeyer: will, um sie mit hundertprozentig
[48:57] Ulf Buermeyer: linientreuen, radikalen
[48:58] Ulf Buermeyer: Rechtsextremen zu besetzen.
[49:00] Ulf Buermeyer: Das ist schon mal...
[49:01] Ulf Buermeyer: Die dann natürlich ohne mit der
[49:02] Ulf Buermeyer: Wimper zu zucken Trumps Orders
[49:04] Ulf Buermeyer: umsetzen.
[49:04] Philip Banse: Loyal zu Trump sind.
[49:05] Philip Banse: Und ich würde auch sagen, das ist so
[49:07] Philip Banse: mit der, oder das ist so Symbol
[49:08] Philip Banse: oder Indiz für die wahrscheinlich
[49:10] Philip Banse: größte Veränderung im Vergleich
[49:12] Philip Banse: zu 2016.
[49:13] Philip Banse: Damals war es für alle, inklusive
[49:15] Philip Banse: Donald Trump ein großes Wunder.
[49:17] Philip Banse: Eine große Überraschung, dass er da
[49:18] Philip Banse: ins Weiße Haus kommt.
[49:19] Philip Banse: Diesmal ist das anders.
[49:21] Philip Banse: Es gibt Pläne, das Personal
[49:23] Philip Banse: ist festgelegt bis, du
[49:25] Philip Banse: hast das gesagt, bis in untere
[49:26] Philip Banse: Ebenen der Verwaltung wurden Leute
[49:29] Philip Banse: gecastet, die jetzt diese Stellen
[49:30] Philip Banse: besetzen werden aller
[49:32] Philip Banse: Wahrscheinlichkeit nach.
[49:34] Philip Banse: Und das bedeutet Trump
[49:36] Philip Banse: und seine Leute sind vorbereitet.
[49:37] Philip Banse: Sie haben gelernt in den vier Jahren
[49:39] Philip Banse: ihrer letzten Präsidentschaft, und
[49:41] Philip Banse: sie werden da nicht überrascht
[49:42] Philip Banse: drangehen, sondern haben einen Plan.
[49:44] Philip Banse: Und das dürfte vor allen Dingen auch
[49:45] Philip Banse: für die Justiz gelten.
[49:46] Philip Banse: Mit der Mehrheit im Senat
[49:48] Philip Banse: wird die Justiz in Amerika
[49:51] Philip Banse: auf Jahrzehnte nach rechts rücken.
[49:52] Philip Banse: Da sind wahrscheinlich auch drei
[49:54] Philip Banse: Stellen werden vakant.
[49:56] Ulf Buermeyer: Also man weiß das nicht sicher.
[49:57] Philip Banse: Man weiß es nicht, aber zwei werden
[49:58] Philip Banse: wahrscheinlich in Ruhestand gehen.
[50:00] Philip Banse: Justice Sotomayor ist krank,
[50:03] Philip Banse: wird womöglich wegen Krankheit
[50:04] Philip Banse: ausfallen. Das heißt, da sind
[50:06] Philip Banse: potenziell drei Stellen im Obersten
[50:08] Philip Banse: Gericht neu zu besetzen.
[50:10] Philip Banse: Wenn Trump das macht, dann
[50:12] Philip Banse: ist die Mehrheit eine konservative
[50:14] Philip Banse: rechte Mehrheit auf Jahrzehnte
[50:16] Philip Banse: hinaus zementiert.
[50:17] Ulf Buermeyer: Jetzt steht es ja schon sechs zu
[50:18] Ulf Buermeyer: drei, was zu skurrilen
[50:21] Ulf Buermeyer: Entscheidungen geführt hat, zum
[50:22] Ulf Buermeyer: Beispiel zu dieser Immunitätsentscheidung
[50:23] Ulf Buermeyer: vor einigen Monaten. Was im Prinzip
[50:25] Ulf Buermeyer: bedeutet, er kann im Amt weitgehend
[50:26] Ulf Buermeyer: machen, was er will.
[50:27] Ulf Buermeyer: Wenn das so käme, wie du es gerade
[50:29] Ulf Buermeyer: skizziert hast, dann stünde es
[50:30] Ulf Buermeyer: sieben zu zwei.
[50:31] Ulf Buermeyer: Und diese sieben Leute sind alle auf
[50:33] Ulf Buermeyer: Lebenszeit da.
[50:33] Ulf Buermeyer: Das heißt also, dann kann man davon
[50:35] Ulf Buermeyer: ausgehen, 30 Jahre-
[50:37] Philip Banse: Und die sind noch jung zum Teil.
[50:38] Ulf Buermeyer: Ja, viele von denen sind auch noch
[50:39] Ulf Buermeyer: so 40, 50 irgendwie.
[50:41] Ulf Buermeyer: Mit anderen Worten also mindestens
[50:43] Ulf Buermeyer: 20, 30 Jahre wäre dann in
[50:45] Ulf Buermeyer: den Vereinigten Staaten ein stramm
[50:47] Ulf Buermeyer: rechtes, ich will nicht
[50:49] Ulf Buermeyer: sagen extremes, aber wirklich stramm
[50:50] Ulf Buermeyer: rechtes rechtspopulistisches
[50:52] Ulf Buermeyer: Oberstes Gericht installiert
[50:54] Ulf Buermeyer: mit entsprechenden Folgen.
[50:56] Ulf Buermeyer: Das heißt also auch demokratische
[50:57] Ulf Buermeyer: Präsidenten Präsidentinnen könnten
[50:59] Ulf Buermeyer: dann möglicherweise ihre Agenda
[51:01] Ulf Buermeyer: auch nur ganz zum Teil umsetzen.
[51:03] Ulf Buermeyer: Also das ist ja zum Beispiel den
[51:04] Ulf Buermeyer: Demokraten in den dreißiger Jahren
[51:06] Ulf Buermeyer: passiert mit dem sogenannten New
[51:08] Ulf Buermeyer: Deal, wo sie also viel Geld ausgeben
[51:09] Ulf Buermeyer: wollten, um die Wirtschaftskrise
[51:11] Ulf Buermeyer: nach dem Crash zu beenden.
[51:13] Ulf Buermeyer: Das hat der Supreme Court immer
[51:14] Ulf Buermeyer: wieder zerschossen. Da gab es also
[51:16] Ulf Buermeyer: enorme politische Konflikte zwischen
[51:18] Ulf Buermeyer: der Mehrheit auf der einen
[51:20] Ulf Buermeyer: Seite und dem Supreme Court.
[51:21] Ulf Buermeyer: Das macht es auch sehr unwahrscheinlich,
[51:22] Ulf Buermeyer: dass sich in den USA selbst bei
[51:24] Ulf Buermeyer: einer anders ausgehenden
[51:25] Ulf Buermeyer: Präsidentschaftswahl noch irgendwie
[51:27] Ulf Buermeyer: was tut. Auch die Demokraten liegen
[51:28] Ulf Buermeyer: einfach völlig am Boden natürlich
[51:30] Ulf Buermeyer: nach dieser kompletten
[51:31] Ulf Buermeyer: Wahlniederlage.
[51:32] Ulf Buermeyer: Hoffnung kann man höchstens noch
[51:33] Ulf Buermeyer: stützen auf die unteren und
[51:34] Ulf Buermeyer: mittleren Bundesgerichte.
[51:35] Ulf Buermeyer: Aber über denen kommt dann ja auch
[51:37] Ulf Buermeyer: immer noch die Trumpistenfraktion
[51:40] Ulf Buermeyer: im Supreme Court als
[51:41] Ulf Buermeyer: Revisionsinstanz.
[51:42] Ulf Buermeyer: Und außerdem kann Trump
[51:44] Ulf Buermeyer: natürlich auch die Richterinnen und
[51:45] Ulf Buermeyer: Richter der District Courts
[51:47] Ulf Buermeyer: und Appelate Courts neu besetzen,
[51:49] Ulf Buermeyer: weil er eben die Mehrheit im Senat
[51:51] Ulf Buermeyer: hat. Sobald ein Platz frei wird,
[51:52] Ulf Buermeyer: kommt da auch ein Trumpist.
[51:53] Ulf Buermeyer: Also das ist, das ist
[51:55] Ulf Buermeyer: schon einfach mehr als düster,
[51:58] Ulf Buermeyer: was uns da droht. Ich glaube, die
[51:59] Ulf Buermeyer: Frage ist letzten Endes, werden die
[52:01] Ulf Buermeyer: USA durch Trump und
[52:02] Ulf Buermeyer: seine Leute zu einer illiberalen
[52:05] Ulf Buermeyer: Demokratie wie zum Beispiel
[52:07] Ulf Buermeyer: Ungarn?
[52:08] Philip Banse: Also die Frage ist halt, bleibt
[52:09] Philip Banse: die Demokratie als Fassade bestehen?
[52:11] Philip Banse: Es gibt formell ein unabhängiges
[52:13] Philip Banse: Gericht oder unabhängige Gerichte,
[52:15] Philip Banse: Parlament, Präsident,
[52:16] Philip Banse: Gewaltenteilung.
[52:17] Philip Banse: Aber de facto wird an dem Zustand
[52:20] Philip Banse: sich nichts ändern. De facto wird
[52:21] Philip Banse: eine Machtübergabe, ein Machtwechsel
[52:23] Philip Banse: sehr, sehr, sehr schwierig und immer
[52:25] Philip Banse: unwahrscheinlicher.
[52:27] Philip Banse: Und ich würde sagen, die Gefahr war
[52:29] Philip Banse: noch nie so groß, wie das jetzt
[52:31] Philip Banse: ist. Aber wir wissen das natürlich
[52:32] Philip Banse: erst in vier Jahren.
[52:33] Philip Banse: Aber die Anzeichen sind schon da.
[52:35] Philip Banse: Stichwort Wahlunterdrückung.
[52:37] Philip Banse: Also es wurde in der Vergangenheit
[52:39] Philip Banse: schon Wählenden viel,
[52:41] Philip Banse: viel schwieriger gemacht, überhaupt
[52:42] Philip Banse: zur Wahl zu gehen. Das wird sich
[52:43] Philip Banse: sicherlich fortsetzen.
[52:44] Philip Banse: Da müssen wir noch abwarten.
[52:45] Philip Banse: Ein Punkt, den ich auch noch zu den
[52:46] Philip Banse: USA hinzufügen will, ist der
[52:48] Philip Banse: Klimaschut.
[52:49] Philip Banse: Das wird sicherlich Schaden
[52:51] Philip Banse: nehmen. Das ist für den Klimaschutz
[52:52] Philip Banse: eine große Katastrophe.
[52:53] Philip Banse: Möglicherweise werden die USA
[52:55] Philip Banse: aus dem Klimaschutz, aus dem Pariser
[52:56] Philip Banse: Klimaschutzabkommen austreten.
[52:58] Philip Banse: Sie werden aber auf jeden Fall
[52:59] Philip Banse: Kohlekraftwerke am Leben halten.
[53:01] Ulf Buermeyer: Nach Öl bohren.
[53:04] Philip Banse: Das ist eh schon auf Rekordniveau
[53:06] Philip Banse: und wird sicherlich ausgeweitet
[53:07] Philip Banse: werden. Also fürs Klima ist das
[53:09] Philip Banse: natürlich auch, wie Claudia Kemfert
[53:11] Philip Banse: vom DIW gesagt hat, eine absolute
[53:13] Philip Banse: Vollkatastrophe.
[53:14] Ulf Buermeyer: So Philip. Was bedeuten denn jetzt
[53:16] Ulf Buermeyer: diese Wahlen in den USA für
[53:17] Ulf Buermeyer: Deutschland? Also fangen wir
[53:18] Ulf Buermeyer: vielleicht mal an mit der
[53:19] Ulf Buermeyer: Außenpolitik.
[53:20] Ulf Buermeyer: Also die unmittelbaren Folgen
[53:22] Ulf Buermeyer: werden natürlich sein oder dürften
[53:24] Ulf Buermeyer: natürlich sein, dass die
[53:25] Ulf Buermeyer: militärische Unterstützung der
[53:27] Ulf Buermeyer: Vereinigten Staaten für die Ukraine
[53:29] Ulf Buermeyer: doch drastisch zusammengestrichen
[53:31] Ulf Buermeyer: werden dürfte, oder?
[53:32] Philip Banse: Ja, würde ich sagen.
[53:33] Philip Banse: Davon muss man
[53:36] Philip Banse: ausgehen.
[53:37] Philip Banse: Trump hat das oft angekündigt.
[53:40] Philip Banse: Ja, auch gerade in dem Streit um
[53:41] Philip Banse: diese 60 Milliarden, die
[53:43] Philip Banse: die USA kürzlich gezahlt haben, hat
[53:44] Philip Banse: er seine Leute immer wieder
[53:45] Philip Banse: aufgefordert, dem nicht zuzustimmen.
[53:47] Philip Banse: Haben sie am Ende doch gemacht.
[53:48] Philip Banse: Aber der Tenor ist schon, was
[53:49] Philip Banse: interessiert uns die Ukraine?
[53:51] Philip Banse: America first.
[53:52] Philip Banse: Wir haben das Geld hier in den USA
[53:54] Philip Banse: dringender und brauchen das
[53:55] Philip Banse: dringender und geben das eher hier
[53:57] Philip Banse: aus. Aber Trump
[53:59] Philip Banse: bleibt eben Trump und damit
[54:01] Philip Banse: unberechenbar.
[54:02] Philip Banse: Manchmal sagte A.
[54:03] Philip Banse: Und macht am Ende B und
[54:05] Philip Banse: daher sei die Sache auch zum
[54:07] Philip Banse: Thema Ukraine nicht so eindeutig,
[54:09] Philip Banse: wie das häufig empfunden wird,
[54:11] Philip Banse: sagte der deutsche Botschafter in
[54:13] Philip Banse: Moskau, Alexander Graf Lambsdorff,
[54:15] Philip Banse: heute Morgen im Deutschlandfunk.
[54:18] Alexander Graf Lambsdorff: Das kann man so sagen, weil eine
[54:20] Alexander Graf Lambsdorff: Präsidentin Harris wäre natürlich
[54:22] Alexander Graf Lambsdorff: für den Kreml leichter auszurechnen
[54:24] Alexander Graf Lambsdorff: gewesen. Trump gilt als
[54:25] Alexander Graf Lambsdorff: unberechenbar. Das ist etwas,
[54:27] Alexander Graf Lambsdorff: das ja uns auch Sorgen macht
[54:29] Alexander Graf Lambsdorff: in Europa, im westlichen Teil
[54:31] Alexander Graf Lambsdorff: Europas.
[54:32] Alexander Graf Lambsdorff: Aber hier gilt dasselbe.
[54:34] Alexander Graf Lambsdorff: Man weiß nicht so recht, woran
[54:36] Alexander Graf Lambsdorff: man ist.
[54:37] Alexander Graf Lambsdorff: Man hat damals versucht,
[54:39] Alexander Graf Lambsdorff: ihn zu provozieren mit der
[54:41] Alexander Graf Lambsdorff: Stationierung von Mittelstreckenraketen
[54:43] Alexander Graf Lambsdorff: westlich des Ural, was verboten war.
[54:45] Alexander Graf Lambsdorff: Und dann ist Trump ausgestiegen
[54:47] Alexander Graf Lambsdorff: aus dem Vertrag über
[54:48] Alexander Graf Lambsdorff: Mittelstreckenraketen.
[54:49] Alexander Graf Lambsdorff: Das war für die Russen damals auch
[54:50] Alexander Graf Lambsdorff: eine Überraschung.
[54:51] Alexander Graf Lambsdorff: Also er ist für den Kreml genauso
[54:53] Alexander Graf Lambsdorff: schwer auszurechnen wie für alle
[54:54] Alexander Graf Lambsdorff: anderen. Und insofern, wenn Sie
[54:56] Alexander Graf Lambsdorff: fragen, kann er Moskau beeindrucken?
[54:58] Alexander Graf Lambsdorff: Ja, das kann er.
[54:59] Alexander Graf Lambsdorff: So ein Thema macht hier alle
[55:01] Alexander Graf Lambsdorff: immer nervös. Und das ist, wenn die
[55:02] Alexander Graf Lambsdorff: USA eine entschlossene
[55:05] Alexander Graf Lambsdorff: sogenannte Containment Politik
[55:07] Alexander Graf Lambsdorff: verfolgen, also eine Politik der
[55:08] Alexander Graf Lambsdorff: Eindämmung des russischen Einflusses
[55:11] Alexander Graf Lambsdorff: in anderen Ländern, in anderen
[55:12] Alexander Graf Lambsdorff: Regionen.
[55:13] Alexander Graf Lambsdorff: Und wenn diese Eindämmungspolitik
[55:15] Alexander Graf Lambsdorff: tatsächlich die Linie werden sollte
[55:17] Alexander Graf Lambsdorff: in Washington, was niemand heute
[55:19] Alexander Graf Lambsdorff: wissen kann, dann wäre das
[55:21] Alexander Graf Lambsdorff: etwas, was hier durchaus Eindruck
[55:22] Alexander Graf Lambsdorff: machen würde.
[55:23] Ulf Buermeyer: Aber gehen wir doch mal davon aus,
[55:25] Ulf Buermeyer: dass Trump bei seiner bisher
[55:26] Ulf Buermeyer: angekündigten Linie bleibt oder
[55:28] Ulf Buermeyer: meinethalben auch so eine
[55:29] Ulf Buermeyer: Containment Politik macht.
[55:30] Ulf Buermeyer: Beides würde ja dazu führen, dass
[55:32] Ulf Buermeyer: die Unterstützung für die Ukraine
[55:34] Ulf Buermeyer: deutlich gekürzt oder vielleicht
[55:36] Ulf Buermeyer: sogar ganz beendet würde.
[55:37] Ulf Buermeyer: Dann hat die Europäische Union,
[55:39] Ulf Buermeyer: denke ich, im Grunde zwei Optionen
[55:41] Ulf Buermeyer: auf diese veränderte Politik in
[55:42] Ulf Buermeyer: Washington zu reagieren.
[55:44] Ulf Buermeyer: Eine Option wäre theoretisch, die
[55:45] Ulf Buermeyer: Ukraine aufzugeben.
[55:48] Ulf Buermeyer: Das würde man dann wohl nicht
[55:49] Ulf Buermeyer: offiziell so nennen, sondern dann
[55:50] Ulf Buermeyer: würde man mit Putin einen
[55:51] Ulf Buermeyer: gesichtswahrenden Deal schließen,
[55:54] Ulf Buermeyer: wo Putin wieder irgendwas
[55:54] Ulf Buermeyer: versprechen würde, was er dann im
[55:56] Ulf Buermeyer: Zweifel nicht hält.
[55:56] Ulf Buermeyer: Siehe Minsk eins, Minsk zwei und
[55:58] Ulf Buermeyer: andere Abkommen.
[56:00] Ulf Buermeyer: Aber dieser Deal würde dann wohl
[56:01] Ulf Buermeyer: de facto jedenfalls mal die
[56:03] Ulf Buermeyer: Unabhängigkeit und territoriale
[56:05] Ulf Buermeyer: Integrität der Ukraine opfern.
[56:06] Ulf Buermeyer: Es wäre also Option eins.
[56:08] Ulf Buermeyer: Oder man müsste die militärische
[56:10] Ulf Buermeyer: Unterstützung massiv ausbauen.
[56:12] Philip Banse: Ja, also ich glaube, das ist
[56:14] Philip Banse: schon jetzt ganz klar die Lehre.
[56:15] Philip Banse: Wenn man das ernst nimmt, wenn man
[56:17] Philip Banse: ernst nimmt, worum es in der Ukraine
[56:20] Philip Banse: geht.
[56:21] Philip Banse: Moskaus imperiales Gebaren,
[56:23] Philip Banse: Einflusssphären sichern,
[56:26] Philip Banse: USA aus Europa vertreiben,
[56:28] Philip Banse: NATO möglichst destabilisieren, EU
[56:30] Philip Banse: destabilisieren, dann kann diese
[56:32] Philip Banse: Wahl in den USA eigentlich nichts
[56:34] Philip Banse: anderes bedeuten als Europa
[56:37] Philip Banse: muss das endlich verstehen, sich
[56:39] Philip Banse: zusammenraufen und
[56:40] Philip Banse: unter Umständen die Finanzierung der
[56:42] Philip Banse: Ukraine auch alleine
[56:45] Philip Banse: schultern. Das muss die Lehre daraus
[56:47] Philip Banse: sein.
[56:47] Ulf Buermeyer: Und ich meine, es steht ja auch
[56:48] Ulf Buermeyer: nicht nur die Ukraine auf der Kippe.
[56:50] Ulf Buermeyer: Generell ist ja das zukünftige
[56:51] Ulf Buermeyer: Engagement der Vereinigten Staaten
[56:53] Ulf Buermeyer: in der NATO Stand heute kaum
[56:55] Ulf Buermeyer: seriös zu kalkulieren.
[56:56] Ulf Buermeyer: Philip, du hast bei unserer
[56:58] Ulf Buermeyer: Vorbereitung eben das Szenario
[56:59] Ulf Buermeyer: aufgemacht. Stellen wir uns mal vor,
[57:01] Ulf Buermeyer: russische Panzer überqueren die
[57:03] Ulf Buermeyer: Grenze zu Lettland und sei es nur so
[57:05] Ulf Buermeyer: als kleine Aktion mal ein bisschen
[57:07] Ulf Buermeyer: provozieren.
[57:08] Ulf Buermeyer: Was ist dann? Wird Trump wirklich
[57:10] Ulf Buermeyer: für
[57:12] Ulf Buermeyer: Lit, what's the name of this country? Lit-something?
[57:15] Ulf Buermeyer: Wird Trump für Lit-something
[57:16] Ulf Buermeyer: Russland bombardieren?
[57:17] Philip Banse: Das ist die große Frage.
[57:18] Philip Banse: Das würde es bedeuten, wenn die NATO
[57:20] Philip Banse: glaubwürdig abschrecken soll, dann
[57:21] Philip Banse: muss Moskau davon ausgehen, dass
[57:24] Philip Banse: wenn ein NATO Land und sei
[57:26] Philip Banse: es noch so geringfügig angegriffen
[57:28] Philip Banse: wird, dass die NATO dann
[57:30] Philip Banse: eben reagiert und wirklich
[57:32] Philip Banse: zurückschlägt. Und die Frage ist
[57:33] Philip Banse: das, würden die USA
[57:35] Philip Banse: wirklich Stellungen in Russland,
[57:37] Philip Banse: Raketenstellungen, Panzerstellungen,
[57:38] Philip Banse: was auch immer bombardieren?
[57:41] Philip Banse: Es ist einfach mit Trump nicht
[57:42] Philip Banse: gesichert und dadurch leidet die
[57:44] Philip Banse: Abschreckung der NATO.
[57:46] Philip Banse: Und deswegen muss Europa,
[57:48] Philip Banse: muss Deutschland und darum kommen
[57:50] Philip Banse: wir einfach nicht herum aufrüsten,
[57:52] Philip Banse: aufrüsten und sehr, sehr viel Geld
[57:54] Philip Banse: dafür in die Hand nehmen.
[57:54] Ulf Buermeyer: Wir müssen einfach unsere Sicherheit
[57:56] Ulf Buermeyer: mal wieder selber organisieren.
[57:58] Ulf Buermeyer: Wir haben uns jetzt im Grunde, wenn
[57:59] Ulf Buermeyer: man ehrlich ist, so jedenfalls
[58:01] Ulf Buermeyer: jahrzehntelang ganz entspannt
[58:03] Ulf Buermeyer: zurückgelehnt unter dem
[58:04] Ulf Buermeyer: Sicherheitsschirm der Vereinigten
[58:06] Ulf Buermeyer: Staaten, der, das muss man ja auch
[58:07] Ulf Buermeyer: mal ehrlich sagen, eben von den
[58:09] Ulf Buermeyer: Steuerzahlenden in den USA
[58:11] Ulf Buermeyer: bezahlt worden ist. Und wir haben
[58:12] Ulf Buermeyer: uns von denen weitgehend kostenlos
[58:14] Ulf Buermeyer: unsere außenpolitische Stabilität
[58:16] Ulf Buermeyer: bezahlen lassen.
[58:17] Ulf Buermeyer: Und da macht Donald Trump einfach
[58:18] Ulf Buermeyer: nicht mehr mit. Und wenn man ehrlich
[58:19] Ulf Buermeyer: ist, finde ich, hat er da auch einen
[58:20] Ulf Buermeyer: Punkt.
[58:21] Philip Banse: Ja, und unberechenbar heißt ja,
[58:23] Philip Banse: vielleicht geht es irgendwie gut.
[58:26] Philip Banse: Vielleicht passiert irgendwas,
[58:28] Philip Banse: das dann doch dazu führt, dass
[58:29] Philip Banse: dieser Schutzschirm erhalten bleibt.
[58:31] Philip Banse: Dass die NATO weiter funktioniert,
[58:32] Philip Banse: dass die Ukraine finanziert wird.
[58:34] Philip Banse: Vielleicht aber auch nicht.
[58:35] Philip Banse: Und ich finde, da kann man nicht
[58:37] Philip Banse: sagen na gut, und vielleicht,
[58:38] Philip Banse: hoffentlich geht es schon gut.
[58:39] Philip Banse: Sondern diese Unsicherheit, diese
[58:40] Philip Banse: Unklarheit muss beantwortet
[58:43] Philip Banse: werden. Wir nehmen unsere Sicherheit
[58:45] Philip Banse: in die eigene Hand und das kostet,
[58:47] Philip Banse: so weh das auch tun mag, Milliarden
[58:49] Philip Banse: und Milliarden.
[58:51] Ulf Buermeyer: Und über die Bedeutung ökonomischer
[58:53] Ulf Buermeyer: Fragen für die Wahlen in den
[58:55] Ulf Buermeyer: Vereinigten Staaten, aber auch
[58:56] Ulf Buermeyer: darüber, was man für die deutsche
[58:58] Ulf Buermeyer: Wirtschaftspolitik daraus lernen
[59:00] Ulf Buermeyer: kann, möchten wir nun sprechen mit
[59:02] Ulf Buermeyer: Professor Dr. Isabella Maria
[59:04] Ulf Buermeyer: Weber.
[59:04] Philip Banse: Sie ist eine deutsche Ökonomin,
[59:06] Philip Banse: lehrt als Professorin für
[59:07] Philip Banse: Volkswirtschaftslehre an der
[59:08] Philip Banse: University of Massachusetts in
[59:10] Philip Banse: Amherst in den USA,
[59:12] Philip Banse: ist am dortigen Political Economy
[59:14] Philip Banse: Research Institute tätig und ihre
[59:16] Philip Banse: Schwerpunkte sind die politische
[59:18] Philip Banse: Ökonomie Chinas, internationaler
[59:20] Philip Banse: Handel, aber eben auch
[59:21] Philip Banse: Preis- und Geldtheorie.
[59:23] Philip Banse: Ganz herzlich willkommen in der Lage
[59:25] Philip Banse: der Nation Frau Professor Weber!
[59:27] Isabella Maria Weber: Vielen herzlichen Dank für die
[59:28] Isabella Maria Weber: Einladung.
[59:29] Ulf Buermeyer: Frau Weber, wenn wir mal aus einer
[59:30] Ulf Buermeyer: ökonomischen Perspektive auf die
[59:32] Ulf Buermeyer: Präsidentschaftswahlen, aber auch
[59:33] Ulf Buermeyer: die anderen Wahlen in den
[59:34] Ulf Buermeyer: Vereinigten Staaten schauen.
[59:36] Ulf Buermeyer: Woran ist Kamala Harris, woran
[59:38] Ulf Buermeyer: sind die Demokraten dort vor
[59:40] Ulf Buermeyer: allem gescheitert?
[59:41] Isabella Maria Weber: Es ist tatsächlich so, dass die
[59:42] Isabella Maria Weber: Wirtschaft diese Wahl entschieden
[59:44] Isabella Maria Weber: hat. Und ganz konkret die Inflation.
[59:46] Isabella Maria Weber: Das hat sich schon in den Umfragen
[59:47] Isabella Maria Weber: vor der Wahl in vielen Monaten
[59:49] Isabella Maria Weber: von Umfragen abgezeichnet, dass
[59:51] Isabella Maria Weber: Wirtschaft und Inflation das
[59:53] Isabella Maria Weber: wichtigste Thema für die Wählerinnen
[59:55] Isabella Maria Weber: und Wähler in den USA war.
[59:56] Isabella Maria Weber: Und es ist den Demokraten am Ende
[59:58] Isabella Maria Weber: des Tages nicht gelungen, eine
[1:00:00] Isabella Maria Weber: klare Antwort zu geben,
[1:00:02] Isabella Maria Weber: wie sich die wirtschaftliche Lage
[1:00:03] Isabella Maria Weber: der Leute verbessert.
[1:00:04] Isabella Maria Weber: Es gab eine Tendenz auf die
[1:00:06] Isabella Maria Weber: Makrodaten zu gucken, auf das gute
[1:00:08] Isabella Maria Weber: BIP Wachstum, das in den USA ja
[1:00:10] Isabella Maria Weber: sehr viel besser sich entwickelt
[1:00:12] Isabella Maria Weber: hat als in anderen OECD Staaten
[1:00:15] Isabella Maria Weber: und davon auszugehen, dass diese
[1:00:17] Isabella Maria Weber: Makroentwicklungen ausreichen,
[1:00:19] Isabella Maria Weber: dass die Leute mit der Wirtschaft
[1:00:21] Isabella Maria Weber: zufrieden sind, das war am Ende des
[1:00:22] Isabella Maria Weber: Tages nicht der Fall und das war
[1:00:24] Isabella Maria Weber: insbesondere nicht der Fall bei
[1:00:26] Isabella Maria Weber: den niedrigen und mittleren
[1:00:27] Isabella Maria Weber: Einkommensgruppen.
[1:00:28] Isabella Maria Weber: Wir sehen ganz klar, dass die hohen
[1:00:30] Isabella Maria Weber: Einkommensgruppen zu Kamala
[1:00:32] Isabella Maria Weber: Harris gewechselt haben, aber
[1:00:34] Isabella Maria Weber: die niedrigen und mittleren
[1:00:35] Isabella Maria Weber: Einkommensgruppen vorwiegend Trump
[1:00:37] Isabella Maria Weber: gewählt haben. Und das ist natürlich
[1:00:39] Isabella Maria Weber: einfach die Mehrheit der Leute und
[1:00:40] Isabella Maria Weber: damit hat es nicht gereicht.
[1:00:41] Philip Banse: Aber wie funktioniert's, müssen wir
[1:00:43] Philip Banse: einmal erklären. Also wir aus
[1:00:44] Philip Banse: Deutschland sehen, wir haben hier
[1:00:46] Philip Banse: Rezession, kein Wachstum.
[1:00:47] Philip Banse: In den USA sind da einige Prozent
[1:00:49] Philip Banse: Wachstum jedes Jahr und die
[1:00:51] Philip Banse: Wirtschaft wirkt, wie Sie das sagen,
[1:00:52] Philip Banse: von außen im Großen
[1:00:54] Philip Banse: und Ganzen betrachtet, sehr gut.
[1:00:56] Philip Banse: Warum kommt das bei den Leuten nicht
[1:00:58] Philip Banse: an?
[1:00:58] Isabella Maria Weber: Genau. Also erst mal glaube ich, ist
[1:01:00] Isabella Maria Weber: es wichtig, auch noch mal festzuhalten,
[1:01:01] Isabella Maria Weber: dass bidenomics schon viele Sachen
[1:01:02] Isabella Maria Weber: auch richtig gemacht hat.
[1:01:04] Isabella Maria Weber: Also der richtige Teil-
[1:01:05] Ulf Buermeyer: Also Joe Bidens Wirtschaftspolitik.
[1:01:07] Isabella Maria Weber: Genau. Also der richtige Teil ist
[1:01:08] Isabella Maria Weber: die Wiederbelebung der
[1:01:10] Isabella Maria Weber: Industriepolitik und die Einführung
[1:01:12] Isabella Maria Weber: einer grünen Industriepolitik,
[1:01:14] Isabella Maria Weber: die es den USA ermöglicht
[1:01:16] Isabella Maria Weber: hat, einen großen Schritt in
[1:01:17] Isabella Maria Weber: Richtung Klimawandelbekämpfung zu
[1:01:19] Isabella Maria Weber: tun, was natürlich unter Trump
[1:01:21] Isabella Maria Weber: überhaupt nicht passiert war.
[1:01:22] Isabella Maria Weber: Diese Art von Investitionspolitik
[1:01:24] Isabella Maria Weber: hat aber auch bedeutet, dass man
[1:01:26] Isabella Maria Weber: sich sehr stark auf den
[1:01:28] Isabella Maria Weber: Anfang der Wertschöpfungsketten
[1:01:29] Isabella Maria Weber: fokussiert hat, Investitionen
[1:01:31] Isabella Maria Weber: angestoßen hat, die wichtig und
[1:01:32] Isabella Maria Weber: richtig sind, um die Infrastruktur
[1:01:34] Isabella Maria Weber: des Landes zu erneuern, um in
[1:01:36] Isabella Maria Weber: Richtung einer grünen Transformation
[1:01:38] Isabella Maria Weber: Impulse zu setzen.
[1:01:39] Isabella Maria Weber: Aber das kommt bei den Leuten eben
[1:01:40] Isabella Maria Weber: einfach erst in der mittleren Frist
[1:01:42] Isabella Maria Weber: an. Es ist auch so, dass
[1:01:44] Isabella Maria Weber: der Wirtschaftsaufschwung wie wir
[1:01:46] Isabella Maria Weber: gerade schon gesagt haben, und das
[1:01:47] Isabella Maria Weber: muss man doch immer wieder betonen,
[1:01:48] Isabella Maria Weber: auch deutlich besser war als in
[1:01:50] Isabella Maria Weber: anderen Ländern. Nicht zuletzt, weil
[1:01:52] Isabella Maria Weber: es eben sehr viel mehr
[1:01:53] Isabella Maria Weber: Staatsausgaben gab unter
[1:01:55] Isabella Maria Weber: dem Inflation Reduction Act.
[1:01:56] Isabella Maria Weber: Was aber eben trotzdem der
[1:01:58] Isabella Maria Weber: Fall ist, ist, dass die Menschen
[1:02:01] Isabella Maria Weber: in der Inflationsphase
[1:02:03] Isabella Maria Weber: massive Reallohneinbrüche
[1:02:05] Isabella Maria Weber: für eine gewisse Zeit erlebt haben.
[1:02:08] Isabella Maria Weber: Das heißt, sie sind weiterhin in die
[1:02:09] Isabella Maria Weber: Arbeit gegangen, haben weiterhin
[1:02:11] Isabella Maria Weber: ihren Teil des Gesellschaftsvertrags
[1:02:13] Isabella Maria Weber: erfüllt, hatten aber gleichzeitig
[1:02:16] Isabella Maria Weber: häufig nicht mehr genug Geld,
[1:02:18] Isabella Maria Weber: um entspannt das Wesentliche,
[1:02:20] Isabella Maria Weber: das Essentielle zu kaufen, sondern
[1:02:22] Isabella Maria Weber: sind in finanziellen Stress geraten
[1:02:24] Isabella Maria Weber: bei den Preisen von Lebensmitteln,
[1:02:26] Isabella Maria Weber: bei den Preisen von Unterkunft,
[1:02:28] Isabella Maria Weber: bei den Preisen, von Transport,
[1:02:30] Isabella Maria Weber: Energie, also den Sachen, ohne
[1:02:32] Isabella Maria Weber: die man einfach nicht zurechtkommt.
[1:02:35] Isabella Maria Weber: Und wenn das passiert, ohne
[1:02:36] Isabella Maria Weber: jegliches Verschulden auf der Seite
[1:02:38] Isabella Maria Weber: derjenigen, die weiterhin zur Arbeit
[1:02:40] Isabella Maria Weber: gegangen sind und ihren Job gemacht
[1:02:41] Isabella Maria Weber: haben, entsteht, glaube ich, ein
[1:02:43] Isabella Maria Weber: Vertrauensbruch mit dem System,
[1:02:45] Isabella Maria Weber: ein Vertrauensbruch mit der
[1:02:46] Isabella Maria Weber: Regierung.
[1:02:47] Isabella Maria Weber: Dann kommt noch hinzu, dass
[1:02:48] Isabella Maria Weber: natürlich die gemessene Inflation
[1:02:51] Isabella Maria Weber: mittlerweile wieder niedrig
[1:02:53] Isabella Maria Weber: ist, aber es
[1:02:55] Isabella Maria Weber: gleichzeitig auch so ist,
[1:02:57] Isabella Maria Weber: dass die gemessene Inflation
[1:02:58] Isabella Maria Weber: ja einen Durchschnitt abbildet, der
[1:03:01] Isabella Maria Weber: auf zwei Seiten angewiesen
[1:03:03] Isabella Maria Weber: ist. Also einerseits misst man einen
[1:03:05] Isabella Maria Weber: bestimmten Korb an Waren, die
[1:03:07] Isabella Maria Weber: Leute konsumieren, und andererseits
[1:03:09] Isabella Maria Weber: misst man bestimmte
[1:03:11] Isabella Maria Weber: durchschnittliche Preise,
[1:03:13] Isabella Maria Weber: die mit diesen Waren korrelieren.
[1:03:15] Isabella Maria Weber: Aber dieser Korb ist
[1:03:17] Isabella Maria Weber: natürlich einerseits repräsentativ,
[1:03:19] Isabella Maria Weber: aber für viele Leute eben überhaupt
[1:03:21] Isabella Maria Weber: nicht adäquat.
[1:03:22] Isabella Maria Weber: Das heißt, wenn ich hier zum
[1:03:23] Isabella Maria Weber: Beispiel eine Familie habe, gebe ich
[1:03:24] Isabella Maria Weber: viel mehr für Essen aus, als dieser
[1:03:26] Isabella Maria Weber: Korb abbildet.
[1:03:28] Isabella Maria Weber: Wenn ich auf dem Land wohne, gebe
[1:03:29] Isabella Maria Weber: ich mehr aus für Transportkosten,
[1:03:32] Isabella Maria Weber: als wenn ich in der Stadt wohne usw.
[1:03:33] Isabella Maria Weber: Das heißt, für viele Menschen ist
[1:03:35] Isabella Maria Weber: dieser Korb relativ weit entfernt
[1:03:37] Isabella Maria Weber: von ihrer Realität.
[1:03:38] Isabella Maria Weber: Das ist der eine Punkt.
[1:03:39] Isabella Maria Weber: Aber auch auf der Preisseite ist es
[1:03:40] Isabella Maria Weber: so, dass diese Durchschnitte nicht
[1:03:42] Isabella Maria Weber: unbedingt adäquat sind.
[1:03:44] Isabella Maria Weber: Wenn ich zum Beispiel schon vor der
[1:03:45] Isabella Maria Weber: Inflation immer die Sachen gekauft
[1:03:47] Isabella Maria Weber: habe, die im Angebot waren
[1:03:49] Isabella Maria Weber: und jetzt auf einmal die Angebote
[1:03:51] Isabella Maria Weber: verschwunden sind, dann habe ich auf
[1:03:53] Isabella Maria Weber: einmal vielleicht eine Inflation von
[1:03:54] Isabella Maria Weber: 30, 40 %, weil die anderen
[1:03:56] Isabella Maria Weber: Dinge 30, 40 %
[1:03:58] Isabella Maria Weber: reduziert waren, wo ich sie
[1:03:59] Isabella Maria Weber: normalerweise gekauft hätte.
[1:04:01] Isabella Maria Weber: Das heißt, dass sozusagen
[1:04:03] Isabella Maria Weber: tatsächlich die Datenlage
[1:04:04] Isabella Maria Weber: erstaunlich schlecht ist
[1:04:07] Isabella Maria Weber: dazu, wie betroffen
[1:04:09] Isabella Maria Weber: die Menschen tatsächlich waren
[1:04:11] Isabella Maria Weber: von der Inflation im Verhältnis
[1:04:13] Isabella Maria Weber: zu ihren Einkommen.
[1:04:15] Philip Banse: Verstehe ja, die durchschnittliche
[1:04:16] Philip Banse: landesweite Inflation in den USA
[1:04:18] Philip Banse: wird also wie in Deutschland auch
[1:04:19] Philip Banse: berechnet, indem man einen
[1:04:21] Philip Banse: Mustereinkaufskorb nimmt,
[1:04:23] Philip Banse: in dem halt von verschiedenen
[1:04:24] Philip Banse: Produkten so repräsentativ
[1:04:26] Philip Banse: Produkte abgebildet
[1:04:28] Philip Banse: sind.
[1:04:30] Philip Banse: Es gibt aber Millionen von Menschen
[1:04:31] Philip Banse: in den USA, die halt
[1:04:33] Philip Banse: andere Produkte kaufen,
[1:04:35] Philip Banse: mehr Produkte aus bestimmten
[1:04:37] Philip Banse: Produktgruppen kaufen und für diese
[1:04:39] Philip Banse: Produkte dann auch noch viel, viel
[1:04:40] Philip Banse: mehr zahlen, weil zum Beispiel
[1:04:41] Philip Banse: bisher Rabatte genutzt werden, jetzt
[1:04:43] Philip Banse: nicht mehr genutzt werden, als das
[1:04:44] Philip Banse: in diesem Durchschnittskorb
[1:04:45] Philip Banse: angenommen wird.
[1:04:47] Philip Banse: Und wenn man also von bestimmten
[1:04:48] Philip Banse: Produkten viel, viel mehr braucht,
[1:04:50] Philip Banse: kaufen muss, zu viel, viel höheren
[1:04:52] Philip Banse: Preisen als es im Durchschnitt
[1:04:53] Philip Banse: angenommen wird, kann das halt
[1:04:55] Philip Banse: im Alltag dazu führen, dass man
[1:04:57] Philip Banse: wirklich massiv in finanzielle
[1:04:59] Philip Banse: Probleme gerät und die individuell
[1:05:01] Philip Banse: erfahrene Inflation viel,
[1:05:03] Philip Banse: viel höher liegt als die ohnehin
[1:05:05] Philip Banse: schon hohen fast 8 %,
[1:05:07] Philip Banse: die 2022 in den USA
[1:05:09] Philip Banse: galten.
[1:05:10] Isabella Maria Weber: Ein weiterer Punkt auf der
[1:05:11] Isabella Maria Weber: Messungsseite, und ich glaube, das
[1:05:12] Isabella Maria Weber: ist relativ wichtig, ist, dass
[1:05:14] Isabella Maria Weber: zwar im Durchschnitt
[1:05:16] Isabella Maria Weber: die Reallöhne hier
[1:05:18] Isabella Maria Weber: irgendwann dann wieder aufgeholt
[1:05:19] Isabella Maria Weber: haben und das Lohnwachstum das
[1:05:21] Isabella Maria Weber: Preiswachstum überholt hat.
[1:05:22] Isabella Maria Weber: Also insofern es ein Wachstum der
[1:05:24] Isabella Maria Weber: Reallöhne gab, das aber trotzdem
[1:05:26] Isabella Maria Weber: der Medianlohn immer
[1:05:28] Isabella Maria Weber: noch 0,7 % unter
[1:05:30] Isabella Maria Weber: dem Vorkrisenniveau war
[1:05:33] Isabella Maria Weber: und dass zusätzlich der Trend,
[1:05:35] Isabella Maria Weber: also der Trend, in dem sich diese
[1:05:36] Isabella Maria Weber: Reallöhne entwickeln, unter dem
[1:05:38] Isabella Maria Weber: Trend vor der Covid Krise
[1:05:40] Isabella Maria Weber: lag. Das heißt, dass sozusagen die
[1:05:42] Isabella Maria Weber: Geschwindigkeit des realen Anstiegs
[1:05:44] Isabella Maria Weber: niedriger geworden ist.
[1:05:46] Isabella Maria Weber: Wir haben es in den Polls immer,
[1:05:48] Isabella Maria Weber: immer, immer wieder gesehen, dass
[1:05:49] Isabella Maria Weber: die Leute gesagt haben, dass sie
[1:05:51] Isabella Maria Weber: financial hardship haben,
[1:05:53] Isabella Maria Weber: dass die Inflation ihnen wirkliche,
[1:05:55] Isabella Maria Weber: ernstzunehmende Sorgen bereitet.
[1:05:58] Isabella Maria Weber: Und da wurde viel zu lange
[1:06:00] Isabella Maria Weber: drüber hinweg geschaut
[1:06:02] Isabella Maria Weber: und gesagt, die Leute verstehen
[1:06:03] Isabella Maria Weber: einfach nicht, dass die
[1:06:04] Isabella Maria Weber: wirtschaftliche Lage ja eigentlich
[1:06:06] Isabella Maria Weber: sehr gut ist.
[1:06:07] Isabella Maria Weber: Das ist alles nur eine Vibecession,
[1:06:08] Isabella Maria Weber: also es ist nur eine Frage von Vibes
[1:06:10] Isabella Maria Weber: und nicht eine Frage von real
[1:06:12] Isabella Maria Weber: existierenden wirtschaftlichen
[1:06:13] Isabella Maria Weber: Problemen.
[1:06:14] Isabella Maria Weber: Dieser Diskurs wurde sehr stark auch
[1:06:16] Isabella Maria Weber: von den Ökonomen in den USA befeuert
[1:06:19] Isabella Maria Weber: und ich glaube, das war eine
[1:06:20] Isabella Maria Weber: richtige Fehlentscheidung, man hätte
[1:06:21] Isabella Maria Weber: anstattdessen fragen müssen, warum
[1:06:24] Isabella Maria Weber: denken denn die Leute, dass es ihnen
[1:06:26] Isabella Maria Weber: noch so schlecht geht?
[1:06:27] Isabella Maria Weber: Wie kommt es dazu und was
[1:06:29] Isabella Maria Weber: können wir tun, damit es ihnen
[1:06:30] Isabella Maria Weber: besser geht?
[1:06:31] Philip Banse: Okay, also zusammengefasst:
[1:06:33] Philip Banse: Ja, die großen breiten
[1:06:35] Philip Banse: Daten Wirtschaftswachstum, das sieht
[1:06:37] Philip Banse: schon ganz okay aus.
[1:06:38] Philip Banse: Aber die Inflation war
[1:06:40] Philip Banse: hoch und für bestimmte Gruppen
[1:06:42] Philip Banse: aufgrund der Messung extrem
[1:06:44] Philip Banse: hoch. Auch nicht nur gefühlt,
[1:06:46] Philip Banse: sondern tatsächlich extrem hoch.
[1:06:47] Philip Banse: Und auch die Löhne haben sich nicht
[1:06:49] Philip Banse: überall so entwickelt, wie
[1:06:51] Philip Banse: das auf den ersten Blick zu sein
[1:06:52] Philip Banse: schien, so dass die wirtschaftliche
[1:06:54] Philip Banse: Not vieler, vieler Wähler
[1:06:56] Philip Banse: tatsächlich groß ist und ein großen,
[1:06:58] Philip Banse: entscheidenden, sagen Sie, Einfluss
[1:07:00] Philip Banse: auf die Wahl gehabt hat.
[1:07:01] Philip Banse: Sie haben ja jetzt schon 2021
[1:07:03] Philip Banse: davor gewarnt, dass eine hohe
[1:07:04] Philip Banse: Inflation die Demokraten
[1:07:07] Philip Banse: um diese Wahlen um den Wahlsieg
[1:07:09] Philip Banse: bringen könnte.
[1:07:10] Philip Banse: Was hätte denn Joe Biden dagegen
[1:07:12] Philip Banse: tun können?
[1:07:14] Isabella Maria Weber: Ja, also ich glaube, dass die
[1:07:15] Isabella Maria Weber: politische Konsequenz der Inflation
[1:07:17] Isabella Maria Weber: sehr lange massiv unterschätzt
[1:07:20] Isabella Maria Weber: wurde. Das hat damit zu tun, dass
[1:07:21] Isabella Maria Weber: wir seit Jahrzehnten in den reichen
[1:07:23] Isabella Maria Weber: Ländern es nicht mehr mit Inflation
[1:07:25] Isabella Maria Weber: zu tun hatten.
[1:07:26] Isabella Maria Weber: Ich habe mich vor ein paar Monaten
[1:07:27] Isabella Maria Weber: mit einem brasilianischen
[1:07:28] Isabella Maria Weber: Regierungsbeamten unterhalten.
[1:07:30] Isabella Maria Weber: Brasilien hat natürlich eine ganz
[1:07:32] Isabella Maria Weber: intensive Geschichte von Inflation,
[1:07:34] Isabella Maria Weber: der meinte, Arbeitslosigkeit
[1:07:36] Isabella Maria Weber: schwächt Regierungen, Inflation
[1:07:39] Isabella Maria Weber: tötet Regierungen.
[1:07:41] Isabella Maria Weber: Will heißen, dass wenn die
[1:07:42] Isabella Maria Weber: Arbeitslosigkeit ansteigt,
[1:07:44] Isabella Maria Weber: haben die Leute Verständnis,
[1:07:47] Isabella Maria Weber: warum es ihnen schlechter geht.
[1:07:48] Isabella Maria Weber: Sie haben ihren Job verloren.
[1:07:49] Isabella Maria Weber: Wenn die Inflation ansteigt, geht es
[1:07:50] Isabella Maria Weber: ihnen schlechter, ohne dass sie für
[1:07:51] Isabella Maria Weber: sich selber einen erkennbaren Grund
[1:07:53] Isabella Maria Weber: haben. Das ist ein Teil der Gründe,
[1:07:55] Isabella Maria Weber: warum Inflation politisch so
[1:07:57] Isabella Maria Weber: schädlich sein kann.
[1:07:58] Isabella Maria Weber: In 2021 gab es
[1:08:00] Isabella Maria Weber: im Grunde zwei Antworten auf die
[1:08:02] Isabella Maria Weber: Inflation. Die eine war, man müsse
[1:08:04] Isabella Maria Weber: die Zinsen noch stärker
[1:08:06] Isabella Maria Weber: und schneller steigern, als
[1:08:08] Isabella Maria Weber: es damals angedacht wurde.
[1:08:10] Isabella Maria Weber: Und die zweite war zu sagen,
[1:08:12] Isabella Maria Weber: diese Inflation ist transitory,
[1:08:14] Isabella Maria Weber: also es ist eine vorübergehende
[1:08:16] Isabella Maria Weber: Inflation, und deshalb muss
[1:08:18] Isabella Maria Weber: man sich eigentlich keine großen
[1:08:19] Isabella Maria Weber: Sorgen machen, sondern man muss
[1:08:20] Isabella Maria Weber: einfach nur warten, bis die
[1:08:21] Isabella Maria Weber: Inflation wieder abgeschwächt
[1:08:23] Isabella Maria Weber: ist.
[1:08:24] Isabella Maria Weber: Beide Standpunkte sind meiner
[1:08:26] Isabella Maria Weber: Ansicht nach fatal.
[1:08:28] Isabella Maria Weber: Die Idee, dass man mit
[1:08:29] Isabella Maria Weber: Zinssteigerungen eine
[1:08:30] Isabella Maria Weber: angebotsgetriebene Inflation,
[1:08:33] Isabella Maria Weber: die von globalen Schocks ausging,
[1:08:34] Isabella Maria Weber: die Übergewinne ausgelöst
[1:08:36] Isabella Maria Weber: hat, die Unternehmen die Möglichkeit
[1:08:39] Isabella Maria Weber: gegeben hat, Preise auf eine Art
[1:08:41] Isabella Maria Weber: und Weise zu erhöhen, wie sie es
[1:08:42] Isabella Maria Weber: ohne diese Schocks nicht hätten
[1:08:43] Isabella Maria Weber: erhöhen können.
[1:08:44] Isabella Maria Weber: Diese Art von Inflation mit
[1:08:46] Isabella Maria Weber: Zinssteigerungen zu bekämpfen,
[1:08:48] Isabella Maria Weber: ist ein bisschen so, als würde man
[1:08:49] Isabella Maria Weber: Feuer mit Öl bekämpfen.
[1:08:51] Isabella Maria Weber: Die Idee, dass man einfach nur
[1:08:53] Isabella Maria Weber: warten kann, bis die Inflation
[1:08:54] Isabella Maria Weber: wieder runtergeht, wird der
[1:08:56] Isabella Maria Weber: tatsächlichen wirtschaftlichen Lage
[1:08:58] Isabella Maria Weber: der Leute nicht gerecht.
[1:08:59] Isabella Maria Weber: Wenn ich zum Beispiel eine
[1:09:01] Isabella Maria Weber: alleinerziehende Mutter bin und zwei
[1:09:02] Isabella Maria Weber: Kinder habe, für die ich einkaufen
[1:09:04] Isabella Maria Weber: gehen muss und dann sagt die
[1:09:05] Isabella Maria Weber: Regierung, ja, ja, keine Sorgen, in
[1:09:07] Isabella Maria Weber: zwei, drei Jahren sind die
[1:09:08] Isabella Maria Weber: Lebensmittelpreise wieder niedriger.
[1:09:10] Ulf Buermeyer: Das hilft einem ja aktuell erst mal
[1:09:11] Ulf Buermeyer: nicht weiter.
[1:09:12] Isabella Maria Weber: Genau das ist einfach der blanke
[1:09:13] Isabella Maria Weber: Hohn. Es erscheint als der blanke
[1:09:15] Isabella Maria Weber: Hohn aus der Perspektive derjenigen,
[1:09:17] Isabella Maria Weber: die wirklich in wirtschaftliche Nöte
[1:09:18] Isabella Maria Weber: gekommen sind durch die Inflation.
[1:09:21] Isabella Maria Weber: Deswegen habe ich dafür plädiert,
[1:09:23] Isabella Maria Weber: dass es eine Erweiterung des
[1:09:25] Isabella Maria Weber: Werkzeugkasten braucht.
[1:09:26] Isabella Maria Weber: Die Werkzeuge über die man dann
[1:09:28] Isabella Maria Weber: redet, sind keine schönen Werkzeuge.
[1:09:30] Isabella Maria Weber: Das sind nicht die Werkzeuge, die
[1:09:31] Isabella Maria Weber: man sich wünscht, wenn man sich
[1:09:33] Isabella Maria Weber: irgendwie so eine Wunschwirtschaftspolitik
[1:09:35] Isabella Maria Weber: an die Wand malt.
[1:09:36] Isabella Maria Weber: Aber die Situation ist einfach
[1:09:38] Isabella Maria Weber: extrem brisant, nicht
[1:09:40] Isabella Maria Weber: nur wirtschaftlich, sondern auch
[1:09:41] Isabella Maria Weber: politisch. Und deswegen muss man
[1:09:43] Isabella Maria Weber: auch über unpopuläre Maßnahmen
[1:09:45] Isabella Maria Weber: aus der Sicht der Wirtschaftswissenschaft
[1:09:47] Isabella Maria Weber: nachdenken.
[1:09:48] Isabella Maria Weber: Eines der Instrumente, die es gibt,
[1:09:50] Isabella Maria Weber: sind Preiskontrollen.
[1:09:51] Isabella Maria Weber: Ich habe niemals gefordert, dass man
[1:09:52] Isabella Maria Weber: allgemeine Preiskontrollen einführen
[1:09:54] Isabella Maria Weber: sollte, sondern es ging mir immer um
[1:09:56] Isabella Maria Weber: eine Art von Preisbremsen, die
[1:09:58] Isabella Maria Weber: der Logik entsprechen, wie die
[1:09:59] Isabella Maria Weber: Energiepreisbremsen, die ja dann
[1:10:01] Isabella Maria Weber: auch in Deutschland eingeführt
[1:10:03] Isabella Maria Weber: wurden in 2022.
[1:10:05] Isabella Maria Weber: Man hätte zum Beispiel im
[1:10:06] Isabella Maria Weber: Lebensmittelbereich auch eingreifen
[1:10:08] Isabella Maria Weber: können.
[1:10:09] Isabella Maria Weber: Man hätte sagen können, der
[1:10:11] Isabella Maria Weber: Lebensmittelsektor ist extrem
[1:10:12] Isabella Maria Weber: konzentriert.
[1:10:13] Isabella Maria Weber: Es gibt nur wenige Supermarktketten,
[1:10:15] Isabella Maria Weber: die den Markt mehr oder weniger
[1:10:17] Isabella Maria Weber: komplett kontrollieren.
[1:10:18] Isabella Maria Weber: Man hätte mit diesen weniger
[1:10:21] Isabella Maria Weber: als zehn Unternehmen
[1:10:22] Isabella Maria Weber: zusammenarbeiten können und sagen
[1:10:23] Isabella Maria Weber: können, man definiert einen Korb
[1:10:25] Isabella Maria Weber: an essenziellen Gütern, die die
[1:10:27] Isabella Maria Weber: Menschen einfach brauchen.
[1:10:28] Isabella Maria Weber: Und für diesen Korb dürfen die
[1:10:30] Isabella Maria Weber: Preise nicht mehr steigen als
[1:10:32] Isabella Maria Weber: ein bestimmter Prozentsatz oder
[1:10:34] Isabella Maria Weber: werden auf dem Preis von einem
[1:10:36] Isabella Maria Weber: bestimmten Datum eingefroren.
[1:10:37] Isabella Maria Weber: Und wenn das zu einem Problem wird
[1:10:39] Isabella Maria Weber: für diese Unternehmen, kann man
[1:10:41] Isabella Maria Weber: darüber nachdenken, ob man das
[1:10:42] Isabella Maria Weber: durch Subventionen kompensiert bzw.
[1:10:45] Isabella Maria Weber: diese Unternehmen müssen nachweisen,
[1:10:46] Isabella Maria Weber: dass es tatsächlich zu einer
[1:10:48] Isabella Maria Weber: Situation führt, die ihre Profite
[1:10:49] Isabella Maria Weber: unter das Vorkrisenniveau
[1:10:52] Isabella Maria Weber: runterdrückt.
[1:10:52] Isabella Maria Weber: Das ist ein Vorschlag, der
[1:10:54] Isabella Maria Weber: durchaus möglich gewesen
[1:10:56] Isabella Maria Weber: wäre, der auch so hätte gestaltet
[1:10:59] Isabella Maria Weber: werden können, dass bei den
[1:11:00] Isabella Maria Weber: Wählerinnen und Wählern ankommt,
[1:11:02] Isabella Maria Weber: dass die Regierung tatsächlich etwas
[1:11:04] Isabella Maria Weber: macht, um zu helfen, wo
[1:11:06] Isabella Maria Weber: der Schuh drückt.
[1:11:07] Ulf Buermeyer: Ja, schauen wir mal auf das deutsch
[1:11:08] Ulf Buermeyer: amerikanische Verhältnis,
[1:11:10] Ulf Buermeyer: insbesondere auf die Situation
[1:11:11] Ulf Buermeyer: der Wirtschaft.
[1:11:12] Ulf Buermeyer: Was bedeutet denn der Wahlsieg von
[1:11:14] Ulf Buermeyer: Donald Trump?
[1:11:15] Ulf Buermeyer: Wird die Situation jetzt schwieriger
[1:11:17] Ulf Buermeyer: für die deutsche Exportwirtschaft?
[1:11:20] Isabella Maria Weber: Na ja, also ich glaube,
[1:11:22] Isabella Maria Weber: man kann sich schon darauf
[1:11:23] Isabella Maria Weber: einstellen, dass Trump keine guten
[1:11:24] Isabella Maria Weber: Nachrichten für Europa sind.
[1:11:26] Isabella Maria Weber: Trump hat ja ganz klar gesagt, dass
[1:11:28] Isabella Maria Weber: er die Zölle erhöhen
[1:11:30] Isabella Maria Weber: möchte.
[1:11:31] Isabella Maria Weber: Er hat natürlich nicht klar gesagt,
[1:11:32] Isabella Maria Weber: wie er sie erhöhen möchte und wie er
[1:11:33] Isabella Maria Weber: das alles machen möchte.
[1:11:35] Isabella Maria Weber: Aber dennoch ist relativ klar, dass
[1:11:36] Isabella Maria Weber: es Zollerhöhungen geben wird, die
[1:11:38] Isabella Maria Weber: durchaus auch durch die Bank
[1:11:40] Isabella Maria Weber: Zollerhöhungen sein können.
[1:11:41] Isabella Maria Weber: Das ist natürlich ein Problem für
[1:11:43] Isabella Maria Weber: die deutsche Exportwirtschaft, weil
[1:11:45] Isabella Maria Weber: es die Wettbewerbsfähigkeit der
[1:11:47] Isabella Maria Weber: Exportwirtschaft unterwandert, weil
[1:11:49] Isabella Maria Weber: eben einfach pauschal die Dinge, die
[1:11:51] Isabella Maria Weber: aus Europa und aus Deutschland und
[1:11:52] Isabella Maria Weber: aus der ganzen Welt kommen,
[1:11:54] Isabella Maria Weber: entsprechend teurer werden.
[1:11:55] Isabella Maria Weber: Und er hat an mancher Stelle
[1:11:56] Isabella Maria Weber: tatsächlich auch von 20 % Zöllen
[1:11:59] Isabella Maria Weber: auf alles gesprochen.
[1:12:00] Isabella Maria Weber: Also wenn so was in der Art
[1:12:02] Isabella Maria Weber: umgesetzt wird, bedeutet das
[1:12:04] Isabella Maria Weber: definitiv, dass der Marktzugang
[1:12:06] Isabella Maria Weber: sich verschlechtert und dass die
[1:12:08] Isabella Maria Weber: Exportperspektiven sich
[1:12:10] Isabella Maria Weber: verschlechtern. Das Ganze
[1:12:10] Isabella Maria Weber: zusammengenommen mit der
[1:12:12] Isabella Maria Weber: Divergenz der Energiekosten
[1:12:15] Isabella Maria Weber: könnte durchaus einen zusätzlichen
[1:12:17] Isabella Maria Weber: Anreiz schaffen für
[1:12:18] Isabella Maria Weber: auch deutsche Unternehmen, dann
[1:12:20] Isabella Maria Weber: lieber in den USA zu investieren,
[1:12:22] Isabella Maria Weber: in USA zu produzieren für die USA,
[1:12:24] Isabella Maria Weber: anstatt in Europa, in Deutschland
[1:12:25] Isabella Maria Weber: für die USA zu produzieren und dann
[1:12:27] Isabella Maria Weber: zu exportieren.
[1:12:28] Philip Banse: Blicken wir mal nach Deutschland.
[1:12:29] Philip Banse: Da haben wir ja auch wirtschaftliche
[1:12:31] Philip Banse: Probleme, die sind ein bisschen
[1:12:32] Philip Banse: anders gelagert.
[1:12:33] Philip Banse: Die Inflation hierzulande ist wieder
[1:12:35] Philip Banse: deutlich runtergegangen und
[1:12:36] Philip Banse: auf ein würde ich mal sagen
[1:12:38] Philip Banse: händelbares Niveau um die rund
[1:12:40] Philip Banse: plusminus 2 % gesunken.
[1:12:42] Philip Banse: Und trotzdem ist natürlich hier der
[1:12:44] Philip Banse: Streit, und darüber ist ja auch die
[1:12:45] Philip Banse: Regierung zerbrochen, wie soll
[1:12:47] Philip Banse: die deutsche Wirtschaft wieder
[1:12:48] Philip Banse: angekurbelt werden?
[1:12:49] Philip Banse: Was soll genau passieren?
[1:12:50] Philip Banse: Christian Lindner, der ehemalige
[1:12:52] Philip Banse: scheidende geschiedene
[1:12:53] Philip Banse: Finanzminister, hatte kurz
[1:12:55] Philip Banse: vorher ein Papier vorgelegt, 18
[1:12:57] Philip Banse: Seiten, in dem er so wesentliche
[1:12:58] Philip Banse: zentrale Punkte aufgelistet hat, die
[1:13:00] Philip Banse: aus seiner Sicht die deutsche
[1:13:01] Philip Banse: Wirtschaft nach vorne bringen
[1:13:02] Philip Banse: können. Darunter ein
[1:13:04] Philip Banse: wichtiges Thema pauschale
[1:13:06] Philip Banse: Steuersenkungen also für
[1:13:07] Philip Banse: Spitzenverdiener. Soli soll weg,
[1:13:09] Philip Banse: aber eben auch Steuersenkungen für
[1:13:11] Philip Banse: die Wirtschaft.
[1:13:12] Philip Banse: Welche Auswirkung hätte
[1:13:14] Philip Banse: sowas auf die deutsche Wirtschaft in
[1:13:16] Philip Banse: Ihren Augen?
[1:13:17] Isabella Maria Weber: Ja, also erst mal vielleicht noch
[1:13:18] Isabella Maria Weber: mal ganz kurz einen Schritt
[1:13:19] Isabella Maria Weber: zurückgetreten, denke ich, dass
[1:13:21] Isabella Maria Weber: das Wahlergebnis in den USA wirklich
[1:13:23] Isabella Maria Weber: als eine absolute Warnung
[1:13:25] Isabella Maria Weber: für Deutschland stehen sollte.
[1:13:27] Isabella Maria Weber: Wie ja vorhin schon rausgekommen
[1:13:28] Isabella Maria Weber: ist, ist die wirtschaftliche Lage in
[1:13:30] Isabella Maria Weber: Deutschland deutlich schlechter
[1:13:32] Isabella Maria Weber: als in den USA.
[1:13:33] Isabella Maria Weber: Dennoch wird die Unzufriedenheit
[1:13:35] Isabella Maria Weber: mit Inflation und den Themen
[1:13:37] Isabella Maria Weber: des leistbaren Lebens in Deutschland
[1:13:39] Isabella Maria Weber: genauso schwerwiegend, wenn nicht
[1:13:41] Isabella Maria Weber: noch schwerwiegender sein als in den
[1:13:42] Isabella Maria Weber: USA, weil in Deutschland wir
[1:13:44] Isabella Maria Weber: tatsächlich ein Reallohnrückgang
[1:13:46] Isabella Maria Weber: von 8 % gegenüber dem Vorkrisentrend
[1:13:49] Isabella Maria Weber: erfahren haben. Insofern ist die
[1:13:50] Isabella Maria Weber: Situation in Deutschland noch viel
[1:13:52] Isabella Maria Weber: prekärer als in den USA.
[1:13:54] Isabella Maria Weber: Eine Umverteilung von unten nach
[1:13:56] Isabella Maria Weber: oben, wie sie Christian Lindner
[1:13:57] Isabella Maria Weber: jetzt vorgeschlagen hat, ist, denke
[1:13:59] Isabella Maria Weber: ich, genau die falsche Antwort,
[1:14:01] Isabella Maria Weber: weil wir ja bereits eine Inflation
[1:14:04] Isabella Maria Weber: erlebt haben, die zu einer
[1:14:05] Isabella Maria Weber: Umverteilung von unten nach oben
[1:14:07] Isabella Maria Weber: geführt hat.
[1:14:08] Isabella Maria Weber: Sozialstaatsabbau ist auch
[1:14:10] Isabella Maria Weber: genau die falsche Antwort, weil wir
[1:14:12] Isabella Maria Weber: es ja auch mit einer Nachfragekrise
[1:14:14] Isabella Maria Weber: zu tun haben, die eben mit diesem
[1:14:15] Isabella Maria Weber: Reallohneinbruch zusammenhängt.
[1:14:18] Isabella Maria Weber: Auch die Idee, dass man jetzt
[1:14:19] Isabella Maria Weber: sozusagen Pauschalsteuern
[1:14:22] Isabella Maria Weber: senkt für Unternehmen,
[1:14:23] Isabella Maria Weber: ist, glaube ich, genau die falsche
[1:14:25] Isabella Maria Weber: Antwort, insbesondere wenn man
[1:14:27] Isabella Maria Weber: es zusammen nimmt mit dem Vorschlag,
[1:14:29] Isabella Maria Weber: die Klimaschutzförderung
[1:14:31] Isabella Maria Weber: zu kürzen, wo man eine
[1:14:33] Isabella Maria Weber: Situation hat, in der man pauschal
[1:14:35] Isabella Maria Weber: Steuern senkt und damit sozusagen
[1:14:36] Isabella Maria Weber: gewissermaßen pauschal versucht, den
[1:14:38] Isabella Maria Weber: Anreiz zu setzen, gleichzeitig
[1:14:40] Isabella Maria Weber: aber in den Bereichen, in denen wir
[1:14:41] Isabella Maria Weber: wirklich Wachstum brauchen, in
[1:14:43] Isabella Maria Weber: den grünen Bereichen, die wir
[1:14:45] Isabella Maria Weber: ausbauen müssen, um mit dem
[1:14:47] Isabella Maria Weber: Klimaschutz voranzukommen, die
[1:14:48] Isabella Maria Weber: Anreize rausnimmt.
[1:14:50] Isabella Maria Weber: Das ist aus der Perspektive der
[1:14:52] Isabella Maria Weber: Realität von Klimawandel
[1:14:54] Isabella Maria Weber: eine verantwortungslose Politik.
[1:14:56] Isabella Maria Weber: Und natürlich ist das nur die Spitze
[1:14:58] Isabella Maria Weber: des Eisbergs dessen, was Lindner
[1:15:00] Isabella Maria Weber: in den letzten Jahren
[1:15:01] Isabella Maria Weber: wirtschaftspolitisch an Schaden
[1:15:03] Isabella Maria Weber: verursacht hat, da er
[1:15:05] Isabella Maria Weber: ja über die ganzen Jahre hinweg
[1:15:07] Isabella Maria Weber: es im Grunde verhindert
[1:15:09] Isabella Maria Weber: hat, dass man die Schuldenbremse
[1:15:11] Isabella Maria Weber: aussetzt, was absolut notwendig
[1:15:13] Isabella Maria Weber: gewesen wäre, um Staatsausgaben
[1:15:16] Isabella Maria Weber: in der Höhe zu tätigen, die
[1:15:17] Isabella Maria Weber: notwendig sind, um aus der Krise zu
[1:15:19] Isabella Maria Weber: kommen und um sozusagen
[1:15:21] Isabella Maria Weber: den enormen finanzpolitischen
[1:15:23] Isabella Maria Weber: Spielraum, den Deutschland ja hat,
[1:15:24] Isabella Maria Weber: mit der sehr niedrigen
[1:15:25] Isabella Maria Weber: Staatsverschuldungsquote zu
[1:15:27] Isabella Maria Weber: nutzen, um ein Anstoß in die Zukunft
[1:15:29] Isabella Maria Weber: zu geben.
[1:15:30] Ulf Buermeyer: Da würde ich direkt mal ansetzen.
[1:15:31] Ulf Buermeyer: Wie sollte denn aus Ihrer Sicht
[1:15:34] Ulf Buermeyer: dieser finanzielle Spielraum, wenn
[1:15:35] Ulf Buermeyer: er denn zum Beispiel über
[1:15:37] Ulf Buermeyer: den Weg einer Ausnahme von der
[1:15:39] Ulf Buermeyer: Schuldenbremse auch genutzt werden
[1:15:41] Ulf Buermeyer: sollte, wie sollte dieser Spielraum
[1:15:43] Ulf Buermeyer: dann ganz konkret in staatliche
[1:15:45] Ulf Buermeyer: Investitionen umgesetzt
[1:15:47] Ulf Buermeyer: werden? Also sollten da an
[1:15:48] Ulf Buermeyer: bestimmter Stelle Steuern gesenkt
[1:15:50] Ulf Buermeyer: werden, oder halten Sie da mehr von
[1:15:51] Ulf Buermeyer: gezielter Subvention?
[1:15:54] Isabella Maria Weber: Also ich glaube, die große Lektion
[1:15:55] Isabella Maria Weber: des Wahlergebnisses der USA ist,
[1:15:58] Isabella Maria Weber: dass es
[1:16:00] Isabella Maria Weber: nicht reicht, darauf
[1:16:02] Isabella Maria Weber: zu setzen, dass man Investitionen
[1:16:04] Isabella Maria Weber: in der Wirtschaft ankurbelt, die
[1:16:06] Isabella Maria Weber: dann irgendwann bei den Leuten
[1:16:08] Isabella Maria Weber: ankommen, sondern dass
[1:16:10] Isabella Maria Weber: man in den Investitionsprogrammen
[1:16:12] Isabella Maria Weber: auch von den Bedürfnissen der Leute
[1:16:15] Isabella Maria Weber: ausgehen muss.
[1:16:16] Isabella Maria Weber: Das heißt, das in der
[1:16:17] Isabella Maria Weber: Art und Weise, wie investiert wird,
[1:16:19] Isabella Maria Weber: man nicht nur die
[1:16:20] Isabella Maria Weber: Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
[1:16:23] Isabella Maria Weber: im Blick haben darf, sondern dass
[1:16:24] Isabella Maria Weber: man auch ganz systematisch
[1:16:26] Isabella Maria Weber: schauen muss, wie können diese
[1:16:28] Isabella Maria Weber: Investitionen getätigt werden?
[1:16:29] Isabella Maria Weber: Auf eine Art und Weise, die das
[1:16:31] Isabella Maria Weber: Leben der Leute verbessern, damit
[1:16:33] Isabella Maria Weber: die Leute wieder Vertrauen
[1:16:35] Isabella Maria Weber: in das System, Vertrauen in die
[1:16:37] Isabella Maria Weber: Demokratie zurückgewinnen und
[1:16:39] Isabella Maria Weber: nicht der AfD in die Hände laufen.
[1:16:41] Philip Banse: Mal ein paar Beispiele.
[1:16:42] Philip Banse: Ganz konkret. Also wo müssten
[1:16:43] Philip Banse: Subventionen, wo müsste Steuergeld
[1:16:45] Philip Banse: rein fließen, damit genau das
[1:16:46] Philip Banse: passiert? Die Leute mit wenig,
[1:16:48] Philip Banse: relativ wenig Geld spüren,
[1:16:50] Philip Banse: es verbessert sich was.
[1:16:53] Isabella Maria Weber: Na ja, eine riesige Baustelle ist
[1:16:55] Isabella Maria Weber: natürlich die ganze Frage von
[1:16:56] Isabella Maria Weber: Wohnen. Und da ist das Problem
[1:16:58] Isabella Maria Weber: natürlich, dass bis man neuen
[1:17:00] Isabella Maria Weber: Wohnraum geschaffen hat, Zeit
[1:17:02] Isabella Maria Weber: vergeht und man insofern
[1:17:03] Isabella Maria Weber: wahrscheinlich eine Kombination
[1:17:05] Isabella Maria Weber: braucht aus einem sehr
[1:17:06] Isabella Maria Weber: ambitionierten Bauprojekt.
[1:17:08] Isabella Maria Weber: Die Gelder lagen ja lange bei der
[1:17:10] Isabella Maria Weber: Bauministerin herum.
[1:17:12] Isabella Maria Weber: Das heißt, es mangelt noch nicht
[1:17:14] Isabella Maria Weber: mal in diesem Fall allein an dem
[1:17:15] Isabella Maria Weber: Finanzspielraum, sondern es mangelt
[1:17:17] Isabella Maria Weber: auch an dem Umsetzungswillen
[1:17:19] Isabella Maria Weber: und der Planung, tatsächlich
[1:17:20] Isabella Maria Weber: Projekte ans Land zu bringen
[1:17:22] Isabella Maria Weber: und die dann auch schnell umzusetzen.
[1:17:24] Isabella Maria Weber: Und gleichzeitig aber auch das ganze
[1:17:26] Isabella Maria Weber: Thema von Mietendeckel.
[1:17:28] Isabella Maria Weber: Was mir klar ist, dass es
[1:17:30] Isabella Maria Weber: ein kontroverses Thema ist in
[1:17:31] Isabella Maria Weber: Deutschland. Aber trotzdem ist es,
[1:17:33] Isabella Maria Weber: glaube ich, ein Thema, an das man
[1:17:34] Isabella Maria Weber: ran muss. Es gab ja das
[1:17:35] Isabella Maria Weber: Verfassungsgerichtsurteil,
[1:17:37] Isabella Maria Weber: das gesagt hat, dass da die Berliner
[1:17:38] Isabella Maria Weber: Mietpreisbremse
[1:17:40] Isabella Maria Weber: so nicht richtig ist, aber-
[1:17:41] Ulf Buermeyer: Aber ja nur aus Kompetenz gründen,
[1:17:43] Ulf Buermeyer: nicht aus materiellen Gründen.
[1:17:44] Isabella Maria Weber: Richtig.
[1:17:44] Ulf Buermeyer: In Berlin war nur nicht
[1:17:46] Ulf Buermeyer: dafür zuständig. Grundsätzlich ist
[1:17:47] Ulf Buermeyer: es verfassungsrechtlich durchaus
[1:17:48] Ulf Buermeyer: zulässig.
[1:17:49] Isabella Maria Weber: Richtig, Vielen Dank.
[1:17:50] Ulf Buermeyer: Das müsste halt nur der Bund
[1:17:51] Ulf Buermeyer: handeln.
[1:17:51] Isabella Maria Weber: Genau. Das heißt ja im Umkehrschluss
[1:17:53] Isabella Maria Weber: auch, der Bund hätte die
[1:17:54] Isabella Maria Weber: Möglichkeit, das zu tun.
[1:17:55] Isabella Maria Weber: Das heißt, wenn man jetzt sozusagen
[1:17:56] Isabella Maria Weber: eine Mietenstabilisierungsmaßnahme
[1:17:58] Isabella Maria Weber: auf der einen Seite tätigen würde
[1:17:59] Isabella Maria Weber: und dann auf der anderen Seite ein
[1:18:01] Isabella Maria Weber: ambitioniertes Wohnbauprojekt,
[1:18:04] Isabella Maria Weber: das durch staatliche Investitionen
[1:18:06] Isabella Maria Weber: vorangetrieben wird, umsetzt,
[1:18:08] Isabella Maria Weber: dann könnte man dieses Problem zum
[1:18:10] Isabella Maria Weber: Beispiel in den Griff bekommen.
[1:18:12] Isabella Maria Weber: Gleichzeitig gilt auch, dass man
[1:18:13] Isabella Maria Weber: beim Infrastrukturausbau
[1:18:15] Isabella Maria Weber: eben ganz systematisch überlegen
[1:18:17] Isabella Maria Weber: muss, wo sind die Bedürfnisse der
[1:18:19] Isabella Maria Weber: Leute? Wenn wir zum Beispiel das
[1:18:20] Isabella Maria Weber: unselige Thema Bahn ansprechen,
[1:18:23] Isabella Maria Weber: muss man da, glaube ich, auch gar
[1:18:24] Isabella Maria Weber: nicht so furchtbar lange drüber
[1:18:26] Isabella Maria Weber: nachdenken, was die Leute wollen.
[1:18:27] Isabella Maria Weber: Ich meine, die Leute wollen
[1:18:28] Isabella Maria Weber: pünktliche Züge, die Leute wollen
[1:18:30] Isabella Maria Weber: Züge, die sie bezahlen können,
[1:18:32] Isabella Maria Weber: und die Leute wollen, dass sie sich
[1:18:33] Isabella Maria Weber: auf die Fahrpläne so verlassen
[1:18:35] Isabella Maria Weber: können, dass die Fahrpläne so
[1:18:36] Isabella Maria Weber: funktionieren, dass sie von da, wo
[1:18:38] Isabella Maria Weber: sie herkommen, da hinkommen, wo sie
[1:18:40] Isabella Maria Weber: hin müssen.
[1:18:41] Isabella Maria Weber: Also das sind eigentlich sehr
[1:18:42] Isabella Maria Weber: offensichtliche Probleme,
[1:18:44] Isabella Maria Weber: die man aber eben nicht lösen kann,
[1:18:46] Isabella Maria Weber: wenn man die Bahn als
[1:18:47] Isabella Maria Weber: privatwirtschaftliches Unternehmen
[1:18:49] Isabella Maria Weber: behandelt, die man aber schon lösen
[1:18:51] Isabella Maria Weber: kann, wenn man die Bahn als
[1:18:53] Isabella Maria Weber: Bereitstelle eines öffentlichen
[1:18:54] Isabella Maria Weber: Gutes, das absolut zentral ist,
[1:18:56] Isabella Maria Weber: behandelt.
[1:18:57] Philip Banse: Da ist ja die Ampel da dran, aber
[1:18:58] Philip Banse: schnelle Lösungen sind da nicht zu
[1:18:59] Philip Banse: erwarten. Ich meine, die machen ja
[1:19:01] Philip Banse: schon und bauen und sanieren.
[1:19:02] Philip Banse: Aber bis da wirklich
[1:19:04] Philip Banse: Pünktlichkeitsverbesserungen
[1:19:05] Philip Banse: deswegen eintreten, da werden Jahre
[1:19:07] Philip Banse: ins Land gehen. Also Sie sprachen ja
[1:19:08] Philip Banse: gerade davon, dass sofort
[1:19:10] Philip Banse: die Leute merken müssen, hier
[1:19:12] Philip Banse: tut sich was, hier wird uns mit
[1:19:14] Philip Banse: Subventionen konkret geholfen.
[1:19:16] Isabella Maria Weber: Richtig. Deswegen glaube ich, dass
[1:19:18] Isabella Maria Weber: das ganze Thema Mietpreisbremse
[1:19:20] Isabella Maria Weber: tatsächlich das Thema ist, mit dem
[1:19:22] Isabella Maria Weber: man die meisten Deutschen
[1:19:24] Isabella Maria Weber: erreichen könnte, die wirklich
[1:19:26] Isabella Maria Weber: Schwierigkeiten haben und die
[1:19:27] Isabella Maria Weber: sich eine bessere wirtschaftliche
[1:19:29] Isabella Maria Weber: Lage nicht nur wünschen, sondern die
[1:19:30] Isabella Maria Weber: auch brauchen, da man damit
[1:19:32] Isabella Maria Weber: eben zum Beispiel sehr schnelle
[1:19:34] Isabella Maria Weber: Ergebnisse erzielen könnte und
[1:19:35] Isabella Maria Weber: Deutschland weiterhin eine Nation
[1:19:37] Isabella Maria Weber: der Mieterinnen und Mieter ist.
[1:19:38] Isabella Maria Weber: Das heißt, das wäre eine Maßnahme,
[1:19:40] Isabella Maria Weber: die man schnell umsetzen kann.
[1:19:42] Isabella Maria Weber: Und es braucht eben beides.
[1:19:44] Isabella Maria Weber: Es braucht Maßnahmen, die schnell
[1:19:45] Isabella Maria Weber: umsetzbar sind und Maßnahmen, die
[1:19:47] Isabella Maria Weber: klar in der mittleren Frist die
[1:19:48] Isabella Maria Weber: Situation verbessern.
[1:19:51] Ulf Buermeyer: Schauen wir doch noch mal auf die
[1:19:52] Ulf Buermeyer: Einnahmenseite des Staates.
[1:19:53] Ulf Buermeyer: Sie haben ja schon formuliert, dass
[1:19:54] Ulf Buermeyer: Deutschland im internationalen
[1:19:55] Ulf Buermeyer: Vergleich relativ große Spielräume
[1:19:57] Ulf Buermeyer: hätte, um neue Schulden zu machen,
[1:19:58] Ulf Buermeyer: einfach weil die Verschuldungsquote
[1:20:00] Ulf Buermeyer: relativ niedrig ist, die
[1:20:01] Ulf Buermeyer: Staatsschuldenquote.
[1:20:03] Ulf Buermeyer: Aber Schulden sind ja nicht der
[1:20:04] Ulf Buermeyer: einzige Weg, um Einnahmen zu
[1:20:06] Ulf Buermeyer: generieren. Eine Alternative wären
[1:20:07] Ulf Buermeyer: zum Beispiel Steuererhöhungen,
[1:20:09] Ulf Buermeyer: ganz gezielte Steuererhöhungen,
[1:20:11] Ulf Buermeyer: beispielsweise bei der
[1:20:12] Ulf Buermeyer: Erbschaftssteuer für sehr große
[1:20:14] Ulf Buermeyer: Erbschaften oder sogar
[1:20:16] Ulf Buermeyer: eine Wiedereinführung der
[1:20:17] Ulf Buermeyer: Vermögenssteuer, dann mit
[1:20:19] Ulf Buermeyer: entsprechend hohen Freibeträgen,
[1:20:21] Ulf Buermeyer: sodass tatsächlich nur das 1 %
[1:20:23] Ulf Buermeyer: der reichsten Menschen betroffen
[1:20:24] Ulf Buermeyer: wäre. Wie würden Sie aus einer
[1:20:25] Ulf Buermeyer: ökonomischen Perspektive
[1:20:27] Ulf Buermeyer: diese Wege beurteilen, um quasi
[1:20:30] Ulf Buermeyer: nicht die Einkommen zu belasten,
[1:20:32] Ulf Buermeyer: sondern das kristallisierte
[1:20:34] Ulf Buermeyer: Einkommen, also die Vermögen der
[1:20:35] Ulf Buermeyer: Leute?
[1:20:36] Isabella Maria Weber: Ja, also erstmal ist es, glaube ich
[1:20:37] Isabella Maria Weber: ganz wichtig vorwegzuschicken, dass
[1:20:39] Isabella Maria Weber: um Staatsausgaben zu tätigen,
[1:20:42] Isabella Maria Weber: es nicht nötig ist, Steuern
[1:20:44] Isabella Maria Weber: zu erhöhen, wenn das
[1:20:46] Isabella Maria Weber: einzige Ziel ist, die Staatsausgaben
[1:20:48] Isabella Maria Weber: zu erhöhen.
[1:20:49] Isabella Maria Weber: Aber wir haben natürlich in
[1:20:50] Isabella Maria Weber: Deutschland auch eine
[1:20:51] Isabella Maria Weber: Ungleichheitskrise, die ist ein
[1:20:53] Isabella Maria Weber: moralisches Problem und ein
[1:20:54] Isabella Maria Weber: gesellschaftliches, ein politisches
[1:20:56] Isabella Maria Weber: Problem. Die ist aber auch ein
[1:20:57] Isabella Maria Weber: ökonomisches Problem.
[1:20:59] Isabella Maria Weber: Und um diese Krise anzugehen,
[1:21:01] Isabella Maria Weber: sind Vermögenssteuern,
[1:21:03] Isabella Maria Weber: Erbschaftssteuern natürlich ganz
[1:21:05] Isabella Maria Weber: zentral.
[1:21:06] Isabella Maria Weber: Und die Tatsache, dass das nicht
[1:21:07] Isabella Maria Weber: getan wird, obwohl man so
[1:21:09] Isabella Maria Weber: tut, als könnte man nicht mehr Geld
[1:21:11] Isabella Maria Weber: ausgeben, zeigt ja auch, dass es
[1:21:13] Isabella Maria Weber: eine politische Entscheidung ist,
[1:21:14] Isabella Maria Weber: das eben nicht anzugehen.
[1:21:16] Ulf Buermeyer: Okay, aber wie würden Sie denn die
[1:21:18] Ulf Buermeyer: ökonomischen Folgen beurteilen?
[1:21:20] Ulf Buermeyer: Eine große Sorge, die ja manche
[1:21:21] Ulf Buermeyer: Menschen umtreibt, ist wenn man zum
[1:21:23] Ulf Buermeyer: Beispiel Vermögens- und
[1:21:24] Ulf Buermeyer: Erbschaftssteuer einführt bzw
[1:21:26] Ulf Buermeyer: anhebt, dann werden die
[1:21:28] Ulf Buermeyer: Menschen serienweise, also gerade
[1:21:29] Ulf Buermeyer: reichere Menschen, serienweise das
[1:21:31] Ulf Buermeyer: Land verlassen und das würde dann im
[1:21:33] Ulf Buermeyer: Zweifel wieder zum Verlust von
[1:21:34] Ulf Buermeyer: Arbeitsplätzen führen.
[1:21:35] Ulf Buermeyer: Also was halten Sie denn von solchen
[1:21:37] Ulf Buermeyer: Szenarien?
[1:21:38] Isabella Maria Weber: Ich glaube, dass die Menschen
[1:21:39] Isabella Maria Weber: serienweise das Land verlassen
[1:21:41] Isabella Maria Weber: werden, wenn die AfD an der
[1:21:42] Isabella Maria Weber: Regierung ist, weil dann wird es
[1:21:43] Isabella Maria Weber: nämlich wirklich ungemütlich.
[1:21:45] Isabella Maria Weber: Aber dass Vermögenssteuern und
[1:21:47] Isabella Maria Weber: Erbschaftssteuern in der Regel nicht
[1:21:49] Isabella Maria Weber: der Grund sind, dass Leute
[1:21:50] Isabella Maria Weber: tatsächlich das Land verlassen.
[1:21:53] Isabella Maria Weber: Dazu gibt es auch empirische
[1:21:54] Isabella Maria Weber: Forschung.
[1:21:55] Isabella Maria Weber: Gerade beim Thema Erbschaftssteuer
[1:21:56] Isabella Maria Weber: gibt es ja auch gar nicht so viele
[1:21:58] Isabella Maria Weber: Möglichkeiten, überhaupt das Land
[1:22:00] Isabella Maria Weber: zu verlassen und das Erbe
[1:22:01] Isabella Maria Weber: mitzunehmen.
[1:22:02] Isabella Maria Weber: Insofern würde ich sagen, dass wir
[1:22:04] Isabella Maria Weber: viel zu lange in diesem Diskurs
[1:22:06] Isabella Maria Weber: gefangen waren, dass, wenn wir das
[1:22:07] Isabella Maria Weber: tun, irgendwie unsere guten Eliten
[1:22:09] Isabella Maria Weber: die Flucht ergreifen und das uns
[1:22:11] Isabella Maria Weber: letztlich davon abgehalten hat,
[1:22:14] Isabella Maria Weber: wirtschaftspolitische Maßnahmen zu
[1:22:15] Isabella Maria Weber: ergreifen, die nötig sind,
[1:22:17] Isabella Maria Weber: um die Eskalation der
[1:22:19] Isabella Maria Weber: Ungleichheitskrise zu verhindern
[1:22:21] Isabella Maria Weber: und die damit dem Aufstieg der
[1:22:23] Isabella Maria Weber: extremen Rechten in die Hände
[1:22:25] Isabella Maria Weber: gespielt haben. Auf eine Art und
[1:22:26] Isabella Maria Weber: Weise, dass es jetzt eben
[1:22:27] Isabella Maria Weber: tatsächlich sehr ungemütlich werden
[1:22:29] Isabella Maria Weber: könnte in Deutschland.
[1:22:30] Philip Banse: Okay, also binde ich das mal noch
[1:22:32] Philip Banse: zusammen. Sie sagen, um quasi
[1:22:34] Philip Banse: die Lehren aus Amerika ernst zu
[1:22:35] Philip Banse: nehmen, bedeutet, dass die Leute
[1:22:37] Philip Banse: hier gerade Leute mit wenig Geld
[1:22:39] Philip Banse: und wenig Einkommen brauchen
[1:22:40] Philip Banse: staatliche Subventionen, die sie
[1:22:42] Philip Banse: sofort spüren.
[1:22:43] Philip Banse: Mietpreisbremse bundesweit wäre ein
[1:22:45] Philip Banse: Mittel. Gibt sicherlich auch noch
[1:22:46] Philip Banse: andere. Sie sagen Erbschaftssteuer,
[1:22:49] Philip Banse: Vermögenssteuer, also Besteuerung
[1:22:50] Philip Banse: sehr, sehr großer Vermögen
[1:22:52] Philip Banse: wäre kein Muss, aber durchaus
[1:22:55] Philip Banse: angesagt, moralisch und auch
[1:22:56] Philip Banse: volkswirtschaftlich.
[1:22:58] Philip Banse: Was würden Sie denn zum Abschluss
[1:23:00] Philip Banse: sagen, wenn wir jetzt auch gerade
[1:23:01] Philip Banse: die deutsche Regierungsumbildung
[1:23:03] Philip Banse: haben und die Chance auf eine
[1:23:04] Philip Banse: Lockerung der Schuldenbremse?
[1:23:06] Philip Banse: Was wäre denn noch eine Maßnahme,
[1:23:08] Philip Banse: wo Sie sagen, also, darüber redet
[1:23:09] Philip Banse: irgendwie niemand.
[1:23:10] Philip Banse: Das müsste Deutschland machen,
[1:23:12] Philip Banse: um die wirtschaftlichen
[1:23:13] Philip Banse: Schwierigkeiten hierzulande in Griff
[1:23:14] Philip Banse: zu kriegen.
[1:23:15] Isabella Maria Weber: Nur ganz kurz, wenn ich da einmal
[1:23:17] Isabella Maria Weber: reingrätschen darf.
[1:23:18] Isabella Maria Weber: Ich sage nicht, dass die Vermögens-
[1:23:20] Isabella Maria Weber: und Erbschaftssteuer kein Muss ist.
[1:23:21] Isabella Maria Weber: Ich sage, dass sie ein Muss ist, um
[1:23:23] Isabella Maria Weber: die Ungleichheitskrise anzugehen,
[1:23:24] Isabella Maria Weber: dass sie aber keine Voraussetzung
[1:23:26] Isabella Maria Weber: ist, um die Staatsausgaben
[1:23:28] Isabella Maria Weber: zu erhöhen, da wir enormen Spielraum
[1:23:30] Isabella Maria Weber: haben, weil die Staatsverschuldungsquote
[1:23:32] Isabella Maria Weber: so niedrig ist.
[1:23:33] Philip Banse: Okay, gut, aber was ist dann, was
[1:23:34] Philip Banse: steht noch auf der Liste, wo wir
[1:23:36] Philip Banse: vielleicht nicht drüber geredet
[1:23:37] Philip Banse: haben? Oder sie sagen also da müsste
[1:23:39] Philip Banse: man mal drüber reden.
[1:23:40] Philip Banse: Gerade mit Blick auch auf
[1:23:41] Philip Banse: Deutschland jetzt.
[1:23:43] Isabella Maria Weber: Also ich denke, dass es weitere
[1:23:45] Isabella Maria Weber: Maßnahmen braucht, die
[1:23:48] Isabella Maria Weber: den Leuten vermitteln, dass die
[1:23:50] Isabella Maria Weber: Bekämpfung des Klimawandels etwas
[1:23:52] Isabella Maria Weber: ist, was gut ist für ihre,
[1:23:54] Isabella Maria Weber: für ihr alltägliches Leben, für den
[1:23:56] Isabella Maria Weber: alltäglichen Lebensstandard.
[1:23:58] Isabella Maria Weber: Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel
[1:23:59] Isabella Maria Weber: zu sagen, dass Mieterinnen
[1:24:01] Isabella Maria Weber: und Mieter von Vermietern fordern
[1:24:03] Isabella Maria Weber: können, dass sie Wärmepumpen
[1:24:05] Isabella Maria Weber: einbauen und die Vermieter
[1:24:08] Isabella Maria Weber: dann für diesen Einbau der
[1:24:09] Isabella Maria Weber: Wärmepumpen kompensiert werden.
[1:24:12] Isabella Maria Weber: Damit würde man ein klares
[1:24:14] Isabella Maria Weber: Signal senden, dass Leute,
[1:24:15] Isabella Maria Weber: die mittlerweile in Deutschland im
[1:24:17] Isabella Maria Weber: Sommer zu Hause sitzen und schwitzen
[1:24:18] Isabella Maria Weber: und nicht mehr arbeiten und denken
[1:24:20] Isabella Maria Weber: können, dass denen sozusagen
[1:24:22] Isabella Maria Weber: eine Technologie zur Verfügung
[1:24:23] Isabella Maria Weber: gestellt wird, die ihr Leben
[1:24:25] Isabella Maria Weber: tatsächlich besser macht, es ihnen
[1:24:27] Isabella Maria Weber: aber nicht aufgedrängt wird, nicht
[1:24:28] Isabella Maria Weber: per Regulierung, per Gesetz
[1:24:30] Isabella Maria Weber: aufoktroyiert wird, sondern als
[1:24:32] Isabella Maria Weber: Angebot entgegengebracht wird.
[1:24:33] Isabella Maria Weber: Es ist nur eine Maßnahme, natürlich
[1:24:35] Isabella Maria Weber: nur ein Vorschlag.
[1:24:36] Isabella Maria Weber: Aber diese Art von Denkweise
[1:24:38] Isabella Maria Weber: brauchen wir in ganz vielen
[1:24:41] Isabella Maria Weber: Bereichen, um
[1:24:42] Isabella Maria Weber: sozusagen an die Erfahrung der Leute
[1:24:44] Isabella Maria Weber: direkt ranzukommen.
[1:24:46] Isabella Maria Weber: Ich würde auch sagen, dass das
[1:24:48] Isabella Maria Weber: ganze Thema CO2 Preise
[1:24:51] Isabella Maria Weber: ein sehr gefährliches Thema ist.
[1:24:52] Isabella Maria Weber: Wir haben eine Studie gemacht für
[1:24:53] Isabella Maria Weber: die Bertelsmann Stiftung, wo wir
[1:24:55] Isabella Maria Weber: zeigen, dass es beim Übergang
[1:24:57] Isabella Maria Weber: von ETS eins zu ETS
[1:24:58] Isabella Maria Weber: zwei durchaus zu
[1:25:00] Isabella Maria Weber: enormen Preissprüngen
[1:25:02] Isabella Maria Weber: bei den CO2 Preisen kommen würden,
[1:25:04] Isabella Maria Weber: die inflationär sein könnten,
[1:25:06] Isabella Maria Weber: die wiederum die essenziellen
[1:25:08] Isabella Maria Weber: Sektoren treffen.
[1:25:09] Philip Banse: Also das muss man mal kurz erklären.
[1:25:11] Philip Banse: Übergang ETS eins, ETS
[1:25:12] Philip Banse: zwei, da geht es um
[1:25:14] Philip Banse: den Preis von CO2 Emissionen.
[1:25:17] Philip Banse: ETS eins bedeutet,
[1:25:19] Philip Banse: für die Bereiche Energie und
[1:25:21] Philip Banse: Industrie zum Beispiel wird der
[1:25:22] Philip Banse: Preis für eine Tonne CO2
[1:25:24] Philip Banse: auf einem Markt mittlerweile
[1:25:26] Philip Banse: verhandelt und in der Tendenz geht
[1:25:28] Philip Banse: dieser Preis für CO2
[1:25:30] Philip Banse: in diesen Bereichen halt nach oben.
[1:25:32] Philip Banse: Für die Bereiche Verkehr und Wärme
[1:25:35] Philip Banse: wird aktuell noch der Preis
[1:25:37] Philip Banse: staatlich festgelegt in Deutschland.
[1:25:39] Philip Banse: Was kostet eine Tonne CO2
[1:25:41] Philip Banse: um eine Wohnung zu heizen, um
[1:25:43] Philip Banse: ein Auto zu betreiben?
[1:25:44] Philip Banse: Das ist momentan noch staatlich
[1:25:46] Philip Banse: festgelegt, wird aber demnächst
[1:25:48] Philip Banse: auch in einen europaweiten
[1:25:50] Philip Banse: Handel übergehen.
[1:25:51] Philip Banse: Dann wird der Preis für eine Tonne
[1:25:52] Philip Banse: CO2, für die Heizung
[1:25:55] Philip Banse: oder für den Diesel europaweit
[1:25:58] Philip Banse: gehandelt. Und die Befürchtung
[1:26:00] Philip Banse: ist, dass eine Tonne dann nicht wie
[1:26:01] Philip Banse: aktuell 45 € kostet,
[1:26:03] Philip Banse: staatlich festgelegt, sondern eben
[1:26:05] Philip Banse: 200, vielleicht 250 oder 300 €
[1:26:08] Philip Banse: kosten kann, was dann Autofahren
[1:26:10] Philip Banse: und Heizen eben entsprechend
[1:26:12] Philip Banse: teuer machen könnte, wodurch
[1:26:13] Philip Banse: dann eben Leute mit weniger Geld in
[1:26:15] Philip Banse: ernsthafte Probleme kommen können.
[1:26:17] Philip Banse: Das ist so ein bisschen die Idee.
[1:26:18] Isabella Maria Weber: Das ist meiner Ansicht nach extrem
[1:26:20] Isabella Maria Weber: gefährlich. Vor dem Hintergrund der
[1:26:22] Isabella Maria Weber: Wahl in den USA und der Rolle
[1:26:24] Isabella Maria Weber: der Inflation, die wir dort
[1:26:25] Isabella Maria Weber: beobachten könnten.
[1:26:27] Isabella Maria Weber: Deswegen braucht es auch Maßnahmen,
[1:26:28] Isabella Maria Weber: die dazu beitragen,
[1:26:31] Isabella Maria Weber: dass die Preisinstabilität in
[1:26:32] Isabella Maria Weber: Kernbereichen wie zum Beispiel
[1:26:35] Isabella Maria Weber: auf den Strommärkten, auf den
[1:26:36] Isabella Maria Weber: Energiemärkten, dass die
[1:26:38] Isabella Maria Weber: reduziert wird, um neuen
[1:26:40] Isabella Maria Weber: Schocks vorzubeugen.
[1:26:42] Isabella Maria Weber: Das sind aber natürlich nach vorne
[1:26:43] Isabella Maria Weber: gerichtete Maßnahmen, die aber nicht
[1:26:45] Isabella Maria Weber: weniger wichtig sind, da, wenn
[1:26:47] Isabella Maria Weber: solche Schocks kommen, die
[1:26:48] Isabella Maria Weber: Konsequenzen sehr groß sein können.
[1:26:50] Ulf Buermeyer: Letzter Punkt vielleicht, Stichwort
[1:26:52] Ulf Buermeyer: Klimageld. Das ist ja nun in dieser
[1:26:53] Ulf Buermeyer: Legislaturperiode leider nicht
[1:26:54] Ulf Buermeyer: umgesetzt worden.
[1:26:55] Ulf Buermeyer: Vor allem deswegen, weil das
[1:26:56] Ulf Buermeyer: Finanzministerium unter Christian
[1:26:58] Ulf Buermeyer: Lindner da viele, viele technische
[1:26:59] Ulf Buermeyer: Probleme gesehen und, sagen wir mal,
[1:27:02] Ulf Buermeyer: jetzt hoffentlich bald gelöst haben
[1:27:03] Ulf Buermeyer: wird.
[1:27:04] Ulf Buermeyer: Was halten Sie denn aus einer
[1:27:05] Ulf Buermeyer: ökonomischen Perspektive von einem
[1:27:07] Ulf Buermeyer: solchen Instrument?
[1:27:08] Ulf Buermeyer: Ist das geeignet, tatsächlich
[1:27:10] Ulf Buermeyer: Inflationsbelastung und Preisschocks
[1:27:12] Ulf Buermeyer: gerade für untere Einkommensgruppen
[1:27:13] Ulf Buermeyer: zu verhindern?
[1:27:15] Isabella Maria Weber: Klimageld ist erst mal eine schöne
[1:27:17] Isabella Maria Weber: Idee, aber ich glaube, dass es
[1:27:19] Isabella Maria Weber: letztlich nicht ausreicht, um
[1:27:21] Isabella Maria Weber: mit diesen Schocks umzugehen.
[1:27:23] Isabella Maria Weber: Da wir wiederum, das ist ein
[1:27:25] Isabella Maria Weber: Ergebnis, das sich auch jetzt mit
[1:27:27] Isabella Maria Weber: der Wahl in den USA abgezeichnet
[1:27:28] Isabella Maria Weber: hat, wo ja für viele
[1:27:30] Isabella Maria Weber: Leute die Einkommen dann
[1:27:33] Isabella Maria Weber: schon nachgezogen haben,
[1:27:34] Isabella Maria Weber: das heißt ihre Realeinkommen eben
[1:27:36] Isabella Maria Weber: nicht so eingebrochen sind, wie sie
[1:27:38] Isabella Maria Weber: in Deutschland eingebrochen sind,
[1:27:39] Isabella Maria Weber: sie aber trotzdem am Ende des Tages
[1:27:41] Isabella Maria Weber: aus Frustration für Trump gestimmt
[1:27:43] Isabella Maria Weber: haben, weil eben
[1:27:45] Isabella Maria Weber: der Effekt von solchen Preisschocks
[1:27:48] Isabella Maria Weber: sich sehr anders abbildet
[1:27:50] Isabella Maria Weber: als der Effekt von
[1:27:51] Isabella Maria Weber: Einkommensanpassungen.
[1:27:52] Isabella Maria Weber: Und das Klimageld ist ja die Idee,
[1:27:54] Isabella Maria Weber: dass man sozusagen einerseits mit
[1:27:55] Isabella Maria Weber: den gestiegenen CO2 Preisen
[1:27:58] Isabella Maria Weber: höhere Kosten hat und dann aber
[1:28:00] Isabella Maria Weber: durch diese Geldzahlungen
[1:28:01] Isabella Maria Weber: kompensiert wird.
[1:28:03] Isabella Maria Weber: Was genau das gleiche Problem haben
[1:28:04] Isabella Maria Weber: könnte, wie was wir jetzt eben
[1:28:06] Isabella Maria Weber: in den USA beobachtet haben.
[1:28:08] Isabella Maria Weber: Insofern ist das Klimageld
[1:28:10] Isabella Maria Weber: ökonomisch natürlich sehr sinnvoll.
[1:28:12] Isabella Maria Weber: Politökonomisch glaube ich
[1:28:14] Isabella Maria Weber: aber nicht ausreichend, um
[1:28:15] Isabella Maria Weber: die zunehmende Skepsis gegenüber
[1:28:18] Isabella Maria Weber: klimapolitischen Maßnahmen, die
[1:28:20] Isabella Maria Weber: zunehmende Unterstützung gegenüber
[1:28:22] Isabella Maria Weber: rechtsextremen Parteien wie der AfD
[1:28:24] Isabella Maria Weber: entgegenzutreten.
[1:28:25] Isabella Maria Weber: Und ich finde, wir sind in
[1:28:26] Isabella Maria Weber: Deutschland an einem Punkt, wo wir
[1:28:28] Isabella Maria Weber: nicht mehr sagen können, dass die
[1:28:30] Isabella Maria Weber: Wirtschaftspolitik nur auf
[1:28:32] Isabella Maria Weber: Prinzipien von Optimalität
[1:28:34] Isabella Maria Weber: innerhalb von Wirtschaftsmodellen
[1:28:35] Isabella Maria Weber: gestaltet werden kann, sondern dass
[1:28:37] Isabella Maria Weber: die Wirtschaftspolitik auf eine Art
[1:28:38] Isabella Maria Weber: und Weise gestaltet werden muss,
[1:28:41] Isabella Maria Weber: die möglichst systematisch
[1:28:43] Isabella Maria Weber: versucht, einem weiteren Aufstieg
[1:28:45] Isabella Maria Weber: der AfD etwas entgegenzusetzen.
[1:28:47] Isabella Maria Weber: Und ich glaube, das muss tatsächlich
[1:28:48] Isabella Maria Weber: eine absolute Priorität werden
[1:28:50] Isabella Maria Weber: für alle, die sich als Demokratinnen
[1:28:52] Isabella Maria Weber: und Demokraten verstehen und die
[1:28:54] Isabella Maria Weber: aus der deutschen Geschichte gelernt
[1:28:55] Isabella Maria Weber: haben.
[1:28:56] Philip Banse: Ein schönes Schlusswort.
[1:28:57] Philip Banse: Isabella Weber, Professorin
[1:29:00] Philip Banse: für Volkswirtschaftslehre an der
[1:29:01] Philip Banse: University of Massachusetts in
[1:29:03] Philip Banse: Amherst in den USA.
[1:29:04] Philip Banse: Ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit
[1:29:06] Philip Banse: und Informationen in der Lage der
[1:29:07] Philip Banse: Nation.
[1:29:08] Isabella Maria Weber: Vielen herzlichen Dank für die
[1:29:09] Isabella Maria Weber: Einladung.
[1:29:10] Isabella Maria Weber: Hoffen wir, dass die Lage der Nation
[1:29:12] Isabella Maria Weber: sich bald verbessert.
[1:29:14] Philip Banse: Ja, also, das fand ich ja wirklich
[1:29:16] Philip Banse: ein ganz interessantes Interview.
[1:29:17] Philip Banse: Also interessant fande ich, was habe
[1:29:19] Philip Banse: ich mitgenommen?
[1:29:20] Philip Banse: Ich habe mitgenommen, dass solides
[1:29:22] Philip Banse: Wirtschaftswachstum in einem Staat
[1:29:24] Philip Banse: nicht bedeutet, allen Leuten geht es
[1:29:26] Philip Banse: gut und ich habe verstanden, warum
[1:29:28] Philip Banse: wirklich diese Inflation, die hohen
[1:29:30] Philip Banse: Preise für viele Leute
[1:29:32] Philip Banse: katastrophale Auswirkungen
[1:29:34] Philip Banse: hatten und haben und sie auch dazu
[1:29:36] Philip Banse: bewogen haben zu sagen, Schluss
[1:29:38] Philip Banse: reicht, Ende aus, Wechsel.
[1:29:40] Philip Banse: Irgendwas muss sich ändern.
[1:29:41] Philip Banse: Biden ist Mist, Trump auch, aber ich
[1:29:43] Philip Banse: nehme jetzt Trump.
[1:29:44] Ulf Buermeyer: Und das ist halt, das ist halt,
[1:29:45] Ulf Buermeyer: glaube ich wirklich was, und sie hat
[1:29:46] Ulf Buermeyer: ja auch mehrfach gesagt, das ist
[1:29:47] Ulf Buermeyer: eben genau der Effekt, der auch dazu
[1:29:49] Ulf Buermeyer: führt, dass Leute in Deutschland AfD
[1:29:50] Ulf Buermeyer: wählen. In Deutschland haben wir
[1:29:51] Ulf Buermeyer: noch Spezialdiskurse, Stichwort
[1:29:53] Ulf Buermeyer: Migration als Scheinproblem,
[1:29:55] Ulf Buermeyer: Migration als,
[1:29:57] Ulf Buermeyer: Migrantinnen und Migranten als Sündenböcke.
[1:29:58] Ulf Buermeyer: Aber im Kern ist das, glaube ich,
[1:30:00] Ulf Buermeyer: schon das, was man unbedingt lernen
[1:30:02] Ulf Buermeyer: muss aus diesen Wahlen.
[1:30:03] Ulf Buermeyer: Es geht ums Portemonnaie.
[1:30:04] Ulf Buermeyer: Und im weiteren Sinne geht es auch
[1:30:06] Ulf Buermeyer: um die Infrastruktur, um die
[1:30:08] Ulf Buermeyer: Erfahrung von Staat vor Ort.
[1:30:10] Ulf Buermeyer: Wie Was krieg ich mit?
[1:30:12] Ulf Buermeyer: Jetzt mal ganz platt gesagt.
[1:30:14] Ulf Buermeyer: Liefert Demokratie für
[1:30:15] Ulf Buermeyer: mich? Ist Demokratie für mich
[1:30:17] Ulf Buermeyer: persönlich in meinem Leben ein gutes
[1:30:19] Ulf Buermeyer: System, Ja oder nein?
[1:30:20] Ulf Buermeyer: Und wenn das nicht stimmt, wenn die
[1:30:21] Ulf Buermeyer: Leute das Gefühl haben, ich habe
[1:30:23] Ulf Buermeyer: keine Kohle mehr und der Bus fährt
[1:30:24] Ulf Buermeyer: nicht, dann ist dir irgendwann egal,
[1:30:26] Ulf Buermeyer: ob es demokratisch ist oder nicht.
[1:30:27] Ulf Buermeyer: Und dann setzen eben 30 %
[1:30:29] Ulf Buermeyer: oder schlimmstenfalls noch mehr
[1:30:31] Ulf Buermeyer: Leute setzen dann auch auf
[1:30:32] Ulf Buermeyer: undemokratisch.
[1:30:33] Philip Banse: Ja und das ist wahrscheinlich,
[1:30:34] Philip Banse: liefert der Staat?
[1:30:35] Philip Banse: Liefert die Demokratie?
[1:30:36] Philip Banse: für mich persönlich nicht
[1:30:38] Philip Banse: das einzige Kriterium.
[1:30:40] Philip Banse: Aber wenn der Staat gar nicht
[1:30:42] Philip Banse: für mich liefert oder unter einen
[1:30:43] Philip Banse: bestimmten Threshold fällt.
[1:30:46] Ulf Buermeyer: Unter so eine Schwelle.
[1:30:46] Philip Banse: Unter so eine Schwelle fällt
[1:30:48] Philip Banse: dessen, was er für mich persönlich
[1:30:50] Philip Banse: liefert, dann ist das halt zu wenig.
[1:30:53] Philip Banse: Dann ist es nicht das, was die Leute
[1:30:54] Philip Banse: erwarten. Und da kommen wir zu dem
[1:30:56] Philip Banse: Punkt, was sie auch gesagt hat.
[1:30:57] Philip Banse: Wir brauchen Investitionen,
[1:30:59] Philip Banse: die die Leute sofort
[1:31:02] Philip Banse: merken. Wärmepumpe wird
[1:31:04] Philip Banse: komplett bezahlt, wenn
[1:31:06] Philip Banse: der Mieter es vom Vermieter
[1:31:07] Philip Banse: verlangt.
[1:31:08] Ulf Buermeyer: Genau.
[1:31:09] Ulf Buermeyer: Und damit sinken dann nämlich die
[1:31:10] Ulf Buermeyer: Heizkosten sofort.
[1:31:12] Ulf Buermeyer: Das muss man sehen.
[1:31:13] Philip Banse: Oder die Leute, die eine Wärmepumpe
[1:31:15] Philip Banse: bei sich einbauen wollen in ihrem
[1:31:16] Philip Banse: Haus, die kriegen das halt komplett
[1:31:18] Philip Banse: bezahlt.
[1:31:19] Ulf Buermeyer: Oder selbst wenn man sagt das
[1:31:21] Ulf Buermeyer: ist, das ist nicht zu bezahlen, dann
[1:31:22] Ulf Buermeyer: muss es halt irgendwie abgestottert
[1:31:24] Ulf Buermeyer: werden über einen so langen
[1:31:25] Ulf Buermeyer: Zeitraum, dass es die Leute nicht
[1:31:27] Ulf Buermeyer: mehr ernsthaft als Belastung
[1:31:28] Ulf Buermeyer: wahrnehmen. Ich glaube, das ist eine
[1:31:29] Ulf Buermeyer: ganz zentrale Botschaft.
[1:31:31] Ulf Buermeyer: Der Staat muss da einfach mehr für
[1:31:33] Ulf Buermeyer: die Leute da sein, denn
[1:31:34] Ulf Buermeyer: Haushaltsdisziplin, wie das immer so
[1:31:36] Ulf Buermeyer: euphemistisch heißt, also eine
[1:31:38] Ulf Buermeyer: Politik der leeren Kassen,
[1:31:39] Ulf Buermeyer: führt einfach dazu, dass wir uns
[1:31:41] Ulf Buermeyer: auf gut Deutsch die Demokratie
[1:31:42] Ulf Buermeyer: kaputt sparen.
[1:31:44] Ulf Buermeyer: Und das, ich glaube, das ist etwas,
[1:31:45] Ulf Buermeyer: was Christian Lindner einfach nicht
[1:31:46] Ulf Buermeyer: begreifen will.
[1:31:48] Ulf Buermeyer: Wir haben da, wir haben zwar in
[1:31:49] Ulf Buermeyer: Deutschland nach 20, 30 Jahren
[1:31:50] Ulf Buermeyer: krasser Sparpolitik eine
[1:31:52] Ulf Buermeyer: sehr gute Haushaltssituation
[1:31:55] Ulf Buermeyer: in dem Sinne, dass wir kaum Schulden
[1:31:56] Ulf Buermeyer: haben, hat sie auch gesagt, im
[1:31:57] Ulf Buermeyer: internationalen Vergleich eine sehr
[1:31:58] Ulf Buermeyer: geringe Schuldenquote.
[1:31:59] Ulf Buermeyer: Aber wir haben eben 20, 30 %
[1:32:02] Ulf Buermeyer: AfD. Nein, nun, natürlich
[1:32:03] Ulf Buermeyer: nicht monokausal, aber diesen
[1:32:05] Ulf Buermeyer: Zusammenhang muss man einfach sehen.
[1:32:06] Ulf Buermeyer: Und was natürlich Christian Lindner
[1:32:07] Ulf Buermeyer: auch nicht so gerne gehört haben
[1:32:09] Ulf Buermeyer: wird, ist die Tatsache, dass
[1:32:10] Ulf Buermeyer: Wirtschaftswachstum alleine eben den
[1:32:12] Ulf Buermeyer: Menschen überhaupt nicht zwingend
[1:32:13] Ulf Buermeyer: was bringt in ihrem Portemonnaie.
[1:32:14] Ulf Buermeyer: Und das kann eben nur
[1:32:16] Ulf Buermeyer: durch bestimmte gezielte staatliche
[1:32:18] Ulf Buermeyer: Investitionen passieren.
[1:32:19] Ulf Buermeyer: Und was sie ja auch ganz deutlich
[1:32:20] Ulf Buermeyer: sagt Stichwort Mietmarkt durch
[1:32:22] Ulf Buermeyer: Regulierung.
[1:32:23] Ulf Buermeyer: Du musst eben hier und da auch mal
[1:32:24] Ulf Buermeyer: Preise deckeln.
[1:32:25] Philip Banse: Ja, und letzter Punkt, den ich auch
[1:32:27] Philip Banse: noch mitgenommen habe, dass die
[1:32:28] Philip Banse: Situation in Deutschland,
[1:32:30] Philip Banse: verglichen auch gerade mit den USA,
[1:32:33] Philip Banse: schlechter ist für viele als
[1:32:35] Philip Banse: in den USA.
[1:32:36] Philip Banse: Reallohnverluste von 8 %
[1:32:38] Philip Banse: im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit
[1:32:40] Philip Banse: ist substanziell.
[1:32:42] Philip Banse: Und das ist der Grund, warum auch
[1:32:43] Philip Banse: Leute sich beschweren.
[1:32:45] Ulf Buermeyer: Oder abgehängt fühlen.
[1:32:46] Philip Banse: Oder abgehängt fühlen.
[1:32:47] Ulf Buermeyer: Warum sie, warum zum Beispiel gerade
[1:32:49] Ulf Buermeyer: weniger einkommensstarke Milieus
[1:32:51] Ulf Buermeyer: sich so von der SPD abwenden.
[1:32:52] Ulf Buermeyer: Das macht ja auch alles total Sinn.
[1:32:54] Ulf Buermeyer: Also ich glaube, diese ökonomische
[1:32:55] Ulf Buermeyer: Perspektive wird einfach
[1:32:57] Ulf Buermeyer: tendenziell komplett unterschätzt
[1:32:59] Ulf Buermeyer: für den Wahlerfolg der AfD, für den
[1:33:01] Ulf Buermeyer: Wahlerfolg des BSW.
[1:33:03] Ulf Buermeyer: Oder generell für die,
[1:33:05] Ulf Buermeyer: sagen wir mal, Vertrauensverluste in
[1:33:06] Ulf Buermeyer: die Demokratie.
[1:33:08] Ulf Buermeyer: Das, finde ich, ist ein ganz, ganz
[1:33:09] Ulf Buermeyer: wichtiger Punkt. Das wird völlig
[1:33:10] Ulf Buermeyer: unterschätzt. Wir reden die ganze
[1:33:11] Ulf Buermeyer: Zeit über Migration, als sei
[1:33:12] Ulf Buermeyer: Migration ein Riesenproblem.
[1:33:13] Ulf Buermeyer: Aber in Wirklichkeit geht es um das
[1:33:14] Ulf Buermeyer: Portemonnaie.
[1:33:15] Philip Banse: Richtig, Es geht ums Portemonnaie.
[1:33:16] Philip Banse: Und, würde ich als Teil davon
[1:33:19] Philip Banse: unter der Überschrift "Erfahrbare
[1:33:21] Philip Banse: Leistung des Staates" auch eben
[1:33:23] Philip Banse: Infrastruktur nennen.
[1:33:24] Ulf Buermeyer: Das ist das zweite Ding.
[1:33:25] Philip Banse: Meine Wärmepumpe meinetwegen wurde
[1:33:26] Philip Banse: dann bezahlt.
[1:33:27] Philip Banse: Aber Bahnfahren, öffentlicher
[1:33:29] Philip Banse: Nahverkehr, funktionierende
[1:33:31] Philip Banse: Straßen, Schulen und so fallen da
[1:33:33] Philip Banse: mit rein.
[1:33:34] Ulf Buermeyer: Vielleicht muss man einfach mal ein
[1:33:35] Ulf Buermeyer: bisschen Geld in die Hand nehmen für
[1:33:36] Ulf Buermeyer: den Nahverkehr.
[1:33:37] Ulf Buermeyer: Ich meine, wenn man sich die Summen
[1:33:38] Ulf Buermeyer: anguckt, was zahlt der Bund an
[1:33:40] Ulf Buermeyer: Regionalisierungsmittel ein?
[1:33:41] Philip Banse: 13, knapp 13 Milliarden €
[1:33:44] Philip Banse: in 2024.
[1:33:45] Ulf Buermeyer: Vielleicht kann man da mal 25 %
[1:33:47] Ulf Buermeyer: drauflegen. Damit könnte man ja ein
[1:33:48] Ulf Buermeyer: Feuerwerk abbrennen, was Buslinien
[1:33:50] Ulf Buermeyer: und Regionalbahnen angeht.
[1:33:52] Ulf Buermeyer: Ein Feuerwerk.
[1:33:53] Ulf Buermeyer: Und ich finde das immer wieder
[1:33:54] Ulf Buermeyer: faszinierend, wofür in Deutschland
[1:33:56] Ulf Buermeyer: Geld da ist.
[1:33:57] Ulf Buermeyer: 60, 70 Milliarden klimaschädliche
[1:33:59] Ulf Buermeyer: Subventionen. Aber für Busse ist die
[1:34:01] Ulf Buermeyer: Kohle nicht da. Also ja, ich finde,
[1:34:02] Ulf Buermeyer: wir wollen jetzt nicht ins
[1:34:03] Ulf Buermeyer: Tausendstel kommen, aber ich finde
[1:34:04] Ulf Buermeyer: es einfach total interessant, gerade
[1:34:06] Ulf Buermeyer: aus der Perspektive dieser
[1:34:08] Ulf Buermeyer: Wahlkatastrophe in den Vereinigten
[1:34:10] Ulf Buermeyer: Staaten mal zu schauen, was machen
[1:34:11] Ulf Buermeyer: wir eigentlich in Deutschland
[1:34:13] Ulf Buermeyer: bislang falsch?
[1:34:15] Philip Banse: Das war die Lage der Nation
[1:34:17] Philip Banse: vom Donnerstag, 7.
[1:34:19] Philip Banse: November 2024.
[1:34:20] Philip Banse: Eine wahrlich historische
[1:34:23] Philip Banse: Lage, eine historische Woche.
[1:34:25] Philip Banse: US Präsident neu gewählt.
[1:34:26] Philip Banse: Donald Trump ist zurück.
[1:34:28] Philip Banse: Die deutsche Ampelkoalition
[1:34:30] Philip Banse: hat sich in Luft aufgelöst.
[1:34:31] Philip Banse: Wir werden hier Neuwahlen erleben.
[1:34:34] Philip Banse: Es wird nicht langweilig.
[1:34:35] Ulf Buermeyer: Es wird nicht langweilig. Schön, dass
[1:34:36] Ulf Buermeyer: ihr dabei wart. Wir wünschen euch
[1:34:37] Ulf Buermeyer: einen schönen Rest der Woche.
[1:34:39] Philip Banse: Werdet nicht depressiv.
[1:34:40] Ulf Buermeyer: Werdet nicht depressiv.
[1:34:42] Ulf Buermeyer: Philip und ich machen hier auch immer
[1:34:43] Ulf Buermeyer: Gruppentherapie.
[1:34:44] Ulf Buermeyer: Ich kann nur sagen, das tut wirklich
[1:34:45] Ulf Buermeyer: gut. Und wir hoffen, wir helfen euch
[1:34:47] Ulf Buermeyer: ein bisschen damit, mit
[1:34:48] Ulf Buermeyer: dieser Situation klarzukommen.
[1:34:49] Ulf Buermeyer: Und wir können euch zugleich sagen,
[1:34:51] Ulf Buermeyer: an diesem Wochenende gibt es noch
[1:34:52] Ulf Buermeyer: mal eine Speziallage.
[1:34:54] Ulf Buermeyer: Wir sagen jetzt noch nicht was,
[1:34:55] Ulf Buermeyer: kleiner Cliffhänger, wir werden uns
[1:34:56] Ulf Buermeyer: morgen noch mal ins Studio setzen,
[1:34:58] Ulf Buermeyer: noch mal ein, zwei Stündchen für
[1:34:59] Ulf Buermeyer: euch aufnehmen und sind sehr
[1:35:01] Ulf Buermeyer: gespannt, was ihr dazu sagt.
[1:35:02] Ulf Buermeyer: In diesem Sinne auf bald.
[1:35:04] Philip Banse: Alles Gute und gründet ein
[1:35:05] Philip Banse: Gesprächskreis, das hilft.

Shows are listed from Apple Podcasts' charts and directory, and Podcast Index where it is used. Every show and episode belongs to its publisher and plays from the publisher's own feed; this site hosts none of them.
